Der
zweite Brief des Apostels Petrus
Luthers Vorrede
auf die zweite Epistel St. Peters
1522A
1. Diese
Epistel ist gegen die geschrieben, so da meinen, der christliche Glaube möge
ohne Werke sein. Darum ermahnt er sie, dass sie durch gute Werke sich prüfen
und des Glaubens gewiss werden, gleichwie man an den Früchten die Bäume
erkennt.
2. Und fängt
danach an, gegen die Menschenlehre das Evangelium zu preisen, dass man dasselbe
allein solle hören und keine Menschenlehre. Denn, wie er spricht: „Es ist noch
nie eine Weissagung aus menschlichem Willen geschehen.“
3. Darum
warnt er im zweiten Kapitel vor den zukünftigen falschen Lehrern, die mit
Werken umgehen und dadurch Christus verleugnen. Und droht denselben hart, mit
drei greulichen Beispielen, und malt sie so eben ab
mit ihrem Geiz, Hochmut, Frevel, Hurerei, Heuchelei, dass man’s greifen muss,
dass er den heutigen geistlichen Stand meine, der alle Welt mit seinem Geiz
verschlungen und ein freies, fleischliches, weltliches Leben freventlich führt.
4. Im dritten
zeigt er, dass der Jüngste Tag bald kommen werde; und ob’s vor den Menschen
tausend Jahr dünkt zu sein, ist’s doch vor Gott wie ein Tag.B Und beschreibt, wie es zugehen
werde am Jüngsten Tag, dass alles mit Feuer verzehrt werden soll.C Er weissagt aber auch, dass zur
selben Zeit die Leute ganz spöttisch sein und nichts vom Glauben halten werden,
wie die Epikuräer.
5.
Zusammenfassend: Das erste Kapitel zeigt, wie die Christenheit stehen sollte
zur Zeit des reinen Evangeliums. Das zweite Kapitel zeigt, wie sie zur Zeit des
Papsts und Menschenlehre stehen würde. Das dritte, wie hernach die Leute beide,
Evangelium und alle Lehre, verachten und nichts glauben werden. Und das geht
jetzt in vollem Schwang, bis Christus komme.
Nachdem der Apostel Petrus die Christen in
Kleinasien vor Gefahren gewarnt hatte, die von außen auf sie zukamen, hielt er
es nicht lange danach für notwendig, einen zweiten Brief an dasselbe Volk zu
richten. Er nennt nicht nur ausdrücklich seinen Namen als Verfasser, sondern
sagt auch, dass er Zeuge der Verklärung Christi war, Kap. 1,1.16.18, und dass
er bereits einen Brief geschrieben hat, Kap. 3,1.2.
Seit der erste Brief versandt worden war,
hatte sich die Situation in den Gemeinden Kleinasiens in gewisser Weise
verändert. Der Druck von außen war nicht mehr der Hauptgrund für die Besorgnis,
sondern der geistliche Zustand der Gemeinden selbst. Die Gefahren gingen teils
von falschen Lehrern, teils von Spöttern oder Spöttern in ihrer eigenen Mitte
aus. Die Menschen brandmarkten die Wahrheit des Evangeliums als unzureichend
für die Bedürfnisse der Christen, sie lästerten einige der christlichen
Wahrheiten, sie leugneten die Wiederkunft Christi zum Gericht, und es wurden
ernsthafte Befürchtungen geäußert, dass sich der Ernst der Lage in Zukunft noch
verschärfen würde. Der Brief ist daher ein Zeugnis und ein Testament des
Apostels über die letzten Tage. Er wurde wahrscheinlich in Rom geschrieben,
sein Datum liegt bei etwa 66 oder 67, da Petrus einem frühen Tod entgegensah.
Der
Inhalt des Briefes lässt sich wie folgt zusammenfassen. Nach der
Eröffnungsanrede zeigt der Apostel in einer herzlichen Ermahnung, dass die
göttlichen Barmherzigkeiten und Verheißungen die Christen zu einem heiligen
Verhalten verpflichten. Er fordert sie daher auf, sich als Zeugen der
Verklärung Christi an das sichere Wort der Prophezeiung zu halten, das für alle
Zeiten eine feste Grundlage für den Glauben des Gläubigen darstellt. Der wahren
Prophezeiung stand in der Tat eine falsche Verkündigung in der Person falscher
Lehrer gegenüber, deren Ende jedoch eine gerechte Strafe sein wird. Die
Christen sollten sich also nicht von falschen Versprechungen einer nicht in der
Schrift verankerten Freiheit verführen lassen, denn der Glaube an solche
Botschaften würde zu ewiger Zerstörung führen. Die Gläubigen sollten sich nicht
durch die Leugnung des Kommens Christi zum Gericht irreführen lassen, denn dies
würde mit Sicherheit geschehen, so wie die Katastrophe der Sintflut schließlich
die Zerstörung der Welt brachte; nur die Geduld Gottes verzögerte das Unheil
noch. Die Christen sollten sich in gebeterfüllter Wachsamkeit auf das Kommen
des Herrn mit göttlichem Verhalten und heiligem Handeln vorbereiten, so wie es
auch der Apostel Paulus seine Leser ermahnt hatte. Der Brief schließt mit einer
kurzen Warnung und Ermahnung und einer Doxologie.[1]
Anrede und Gruß (1,1-2)
1 Simon Petrus, ein Knecht und Apostel Jesu Christi: Denen, die mit uns
eben denselben teuren Glauben empfangen haben in der Gerechtigkeit, die unser
Gott gibt und der Heiland Jesus Christus. 2 Gott gebe euch viel Gnade und
Frieden durch die Erkenntnis Gottes und Jesu Christi, unsers HERRN!
Der Verfasser stellt sich hier mit großer Feierlichkeit vor: Simon Petrus, ein Diener und Apostel Jesu Christi, für diejenigen, die einen ebenso kostbaren Glauben an die Gerechtigkeit unseres Gottes und des Erlösers Jesus Christus erlangt haben wie wir. Der Apostel verwendet hier die hebräische Form seines Namens, die sonst nur in Apg. 15,14 zu finden ist. Den Namen Petrus gab ihm Jesus bei ihrem ersten Treffen in seiner aramäischen Form, Joh. 1,42, und in seiner griechischen Form nach seinem großen Bekenntnis zum Herrn, Matth. 16,18. Er bezeichnete sich selbst als Diener Jesu Christi und war stolz darauf. Er war unermüdlich im Dienste seines Herrn und Erlösers tätig und ein inspirierendes Vorbild nicht nur für alle Pastoren, sondern für jeden, der den Namen Christi trägt. Aber er war auch ein Apostel Jesu Christi; er gehörte zu der kleinen Gruppe von Jüngern, die der Herr ausdrücklich berufen und als seine Delegierten und Vertreter beauftragt hatte, die Verkündigung des Evangeliums in der ganzen Welt zu etablieren und dieses Evangelium den nachfolgenden Generationen in einer unfehlbaren Form zu hinterlassen. Petrus richtet seinen Brief an die Christen in Kleinasien, an diejenigen, die denselben kostbaren Glauben wie die Apostel und alle anderen Gläubigen erhalten haben, denen er zuteil wurde. Ob ein Christ ein Apostel oder ein Kind ist, das gerade den Katechismus gelernt hat, ob sein Glaube stark und mächtig oder klein und schwach ist: Der Glaube wird in jedem Fall dieselbe wunderbare Gabe der Gnade Gottes ergreifen, die in jedem Fall denselben unschätzbaren Wert hat. Denn der Glaube der Christen beruht auf der Gerechtigkeit unseres Gottes und des Erlösers Jesus Christus. Durch seine Erfüllung des Gesetzes, durch seine Sühne für die Sünden der Menschen, durch die Versöhnung, die er mit Gott bewirkt hat, wurde eine Gerechtigkeit für alle Menschen erlangt, eine Gerechtigkeit, die jetzt in den Händen Gottes liegt und von ihm wie ein unbezahlbares Juwel bewahrt wird. Diese Gerechtigkeit unseres Erlösers Jesus Christus wurde für uns erlangt; ihr Zweck ist es, all unsere Ungerechtigkeit und Sünde zu bedecken, um uns, die wir sie im Glauben annehmen, zu befähigen, vor Gott zu stehen und von ihm als seine geliebten Kinder angenommen zu werden.
Da jeder, der glaubt, an allen Segnungen Gottes in Christus Jesus teilhat, grüßt der Apostel seine Leser: Gnade sei mit euch und Friede werde vervielfacht in der Erkenntnis Gottes und Jesu, unseres Herrn. Die Gnade Gottes, seine freie Gunst und Liebe, wird uns im Evangelium zugesichert, und wir werden aufgefordert, sein freundliches Angebot ohne den geringsten Zweifel anzunehmen. Die Gnade ist für alle da, der Friede zwischen Gott und den Menschen wurde durch die vollkommene Befriedigung, die Christus erlangt hat, hergestellt; daher sollten diese beiden Gaben in uns vervielfacht werden, sollten in uns reich und mächtig werden, sollten unser Herz und unseren Verstand mehr und mehr besitzen. Und dies geschieht, wenn wir unseren himmlischen Vater und unseren Erlöser Jesus Christus, wie sie uns im Evangelium offenbart wurden, immer besser und persönlicher kennenlernen. Der Apostel gibt sich nicht mit bloßem Kopfwissen zufrieden, sondern besteht auf einem innigen Herzenswissen. Je ernsthafter wir die Heilige Schrift unter der Führung des Heiligen Geistes Gottes erforschen, desto mehr werden wir in der Erkenntnis unserer Erlösung wachsen, desto fester werden wir an den herrlichen Gaben festhalten, die das Evangelium uns verheißt: Gnade und Frieden im Erlöser.
Die Verpflichtungen, die den Gläubigen durch die reichen
Verheißungen Gottes
auferlegt werden (1,3-11)
3 Nachdem allerlei seiner göttlichen Kraft (was zum Leben und göttlichen
Wandel dient) uns geschenkt ist durch die Erkenntnis des, der uns berufen hat
durch seine Herrlichkeit und Tugend, 4 durch welche uns die teuren und
allergrößten Verheißungen geschenkt sind, nämlich dass ihr durch dasselbe
teilhaftig werdet der göttlichen Natur, so ihr flieht die vergängliche Lust der
Welt:
5 So wendet allen euren Fleiß daran und reicht dar in eurem Glauben
Tugend und in der Tugend Erkenntnis 6 und in der Erkenntnis Enthaltsamkeit und
in der Enthaltsamkeit Geduld und in der Geduld Gottseligkeit 7 und in der
Gottseligkeit brüderliche Liebe und in der brüderlichen Liebe allgemeine Liebe.
8 Denn wenn solches reichlich bei euch ist, wird’s euch nicht faul noch
unfruchtbar sein lassen in der Erkenntnis unseres HERRN Jesus Christus. 9
Welcher aber solches nicht hat, der ist blind und tappt mit der Hand und
vergisst die Reinigung von seinen vorigen Sünden. 10 Darum, liebe Brüder, tut
desto mehr Fleiß, eure Berufung und Erwählung festzumachen. Denn wenn ihr
solches tut, werdet ihr nicht straucheln. 11 Und so wird euch reichlich
dargereicht werden der Eingang zu dem ewigen Reich unsers HERRN und Heilandes
Jesus Christus.
Gottes Verheißungen und die christlichen Tugenden (V. 3-7): Petrus geht von Anfang an davon aus, dass seine Leser ausnahmslos Gläubige sind, dass sie alle durch den Glauben an der Gnade und dem Frieden Gottes teilhaben. Auf dieser Tatsache basiert seine gesamte Argumentation: Da uns seine göttliche Kraft alles zum Leben und zur Gottseligkeit geschenkt hat, durch die Erkenntnis dessen, der uns berufen hat durch seine Herrlichkeit und göttliche Tugend, durch die er uns die kostbaren und größten Verheißungen gegeben hat, damit ihr durch sie Anteil an der göttlichen Natur erhaltet, nachdem ihr der in der Welt durch die Begierde verursachten Verderbnis entflohen seid. Der Apostel zählt einige der wunderbaren Gaben Gottes auf, an denen sich die Christen erfreuen. Es ist Gott, dessen göttliche Kraft, die durch das Evangelium wirkt, uns alles, was uns in dem neuen geistlichen Leben dient und hilft, wie es sich in der Frömmigkeit zeigt, frei gegeben und geschenkt hat. Seine Gnade und Barmherzigkeit sind so voll und ganz, dass es nichts gibt, was unseren geistlichen Bedürfnissen dienen könnte. Gott hat uns all diese wunderbaren Gaben geschenkt, indem er die rettende Erkenntnis seiner selbst in uns bewirkt hat, als er uns durch das Evangelium berufen hat. Die Gotteserkenntnis, die der natürliche Mensch besitzt, ist bestenfalls eine, die ihn die allmächtige Kraft des großen Herrn des Universums fürchten lässt. Aber wir haben gelernt, dass Gott unser gütiger, barmherziger und liebender Vater in Christus Jesus ist. Zu dieser Glaubenskenntnis hat uns Gott durch die Herrlichkeit und Tugend gebracht, die ihm eigen ist, durch seine Majestät ebenso wie durch seine unangreifbare Vollkommenheit, durch seine Güte, Freundlichkeit, Barmherzigkeit und Gnade, 2. Tim. 1,9; Röm. 3,25.26. Zugleich aber hat Gott uns durch dieselbe Vollkommenheit seines Wesens ein anderes Geschenk gemacht, nämlich die kostbaren, unermesslich großen und schönen und unfassbaren Verheißungen. Sein Ziel dabei war und ist es, unseren Glauben so zu stärken, dass wir dadurch an seiner göttlichen Natur teilhaben und die geistige Kraft erhalten, den neuen Menschen anzuziehen, der nach Gott in Gerechtigkeit und wahrer Heiligkeit geschaffen ist und der in der Erkenntnis nach dem Bild dessen, der uns geschaffen hat, erneuert wird. Auf diese Weise werden wir befähigt, ihm geweiht zu sein und der Verderbtheit, der Entartung, dem Verfall und dem Tod zu entfliehen, die in der Welt sind und durch die böse Lust, durch die natürliche Täuschung des menschlichen Herzens als Folge der Sünde hervorgerufen werden. So werden hier kurz alle Vorteile der Bekehrung und Heiligung umrissen, um dem Appell, den der Apostel gleich anbringen wird, eine solide Grundlage zu geben.
Denn da diese Tatsachen so sind, wie gesagt, hat Petrus allen Grund, fortzufahren: Aber gerade deshalb setze all deinen Eifer ein und zeige in deinem Glauben Tugend; und in deiner Tugend, Wissen; in Wissen, Selbstbeherrschung; in Selbstbeherrschung, Standhaftigkeit; in Standhaftigkeit, Frömmigkeit; in Frömmigkeit, brüderliche Liebe; und in brüderlicher Liebe, universelle Liebe. Der Apostel beschreibt das Wachstum und die Ausdehnung des geheiligten Lebens eines Christen als einen allmählichen, aber stetigen Fortschritt. Da sie sich solch wunderbarer Gaben Gottes in Form von geistlichen Segnungen erfreuen, werden die Gläubigen auf jede erdenkliche Weise und mit allem Eifer und Fleiß versuchen, die göttliche Natur, die in ihnen neu geschaffen wurde, unter Beweis zu stellen. Der Glaube ist die Wurzel, aus der alle Tugenden und guten Werke als reiche Früchte der Spiritualität hervorgehen. Der Glaube bringt Tugend, männlichen Mut und Stärke hervor, jene Geisteshaltung, die danach strebt, dem Herrn in allen Dingen zu gefallen. Diese Haltung wird begleitet von Wissen, Verständnis für das, was dem Herrn gefällt, Einsicht, Umsicht, Urteilsvermögen und christlicher Weisheit. Dies wiederum zeigt sich in der richtigen Selbstbeherrschung, die nicht nur ein Produkt von Angst und sklavischer Unterwerfung unter die Autorität ist, sondern die willentliche, bewusste Beherrschung des Körpers und all seiner Glieder sowie des Geistes und all seiner Fähigkeiten in Übereinstimmung mit dem Willen Gottes. Dies kann nicht eine Frage der bloßen Laune oder Willkür sein, eines gelegentlichen guten Gedankens oder einer guten Tat, sondern es muss mit geduldiger Ausdauer und Standhaftigkeit geschehen, trotz aller Versuchungen von innen und außen. Dies wird als nächstes zu Frömmigkeit führen, zu einem Leben, das dem Herrn zu jeder Zeit und unter allen Umständen wohlgefällig ist. Der wichtigste äußere Beweis für Frömmigkeit ist darüber hinaus die brüderliche Liebe, die Zuneigung zu den Brüdern derselben christlichen Gemeinde oder Gemeinschaft. Und diese Liebe soll auch über die unmittelbare Nachbarschaft und die unmittelbaren Interessen hinausgehen und sich allen Menschen zeigen, sogar den Feinden, vgl. 1. Thess. 3,12; Gal. 6,10. Was für ein hohes Ideal für die Christen, das sie sich immer vor Augen halten sollten!
Der fruchtbare Eifer der Christen (V. 8-11): Nachdem der Apostel den Weg der Heiligung, die Entwicklung eines Christen in der Heiligkeit, beschrieben hat, zeigt er, wie selbstverständlich das Leben der guten Werke ist: Denn wenn diese Tugenden in euch vorhanden sind und zunehmen, werden sie euch nicht untätig oder unfruchtbar für die Erkenntnis unseres Herrn Jesus Christus machen. Mit dem allerersten Beginn des Glaubens wird der Christ seine Gegenwart in guten Werken und Taten zeigen, wird sie unter Beweis stellen. Aber es gibt so etwas wie Stillstand in der Heiligung nicht; ein Christ muss ständig an guten Werken zunehmen und wachsen, als Früchte und Ausfluss des Glaubens und der Neigung zu allen guten Tugenden, die in seinem Herzen leben. Ihre Kraft ist so groß, dass es für einen Gläubigen einfach unmöglich ist, unfruchtbar zu sein wie ein verdorrter Baum oder unfruchtbar wie einer, der Blätter hat, aber keine Früchte. Der Glaube ist eine lebendige, aktive Kraft im Herzen des Gläubigen, und je mehr diese Kraft im gesamten Leben des Christen ihre Existenz beweist, desto mehr wird er in der Erkenntnis des Herrn Jesus Christus wachsen. Das ist der Segen, den der Herr auf die Treue gelegt hat, für die er bereit ist, den Christen Tag für Tag mit neuer Kraft zu versorgen. Kol. 1,10.11.
Andererseits ist es auch wahr: Denn wer diese Tugenden nicht hat, ist blind, kurzsichtig und hat die frühere Reinigung seiner Sünden vergessen. Wenn ein Mensch keinen Glauben und keine Liebe zu Gott in seinem Herzen hat, ist er, selbst wenn er Mitglied einer christlichen Gemeinde ist, zumindest teilweise blind, da er so kurzsichtig ist, dass er nicht über die nächstliegenden zeitlichen Dinge hinausblicken kann. Sein Geist beschäftigt sich nur mit irdischen Dingen, weil er vergessen hat, welche wunderbaren Gaben der Herr ihm durch die Vergebung der Sünden verliehen hat, die ihm zuteil wurde, als er zum Glauben kam. Mit anderen Worten zeigt sein Verhalten, dass er den Glauben verloren hat, der ihm zum Zeitpunkt seiner Bekehrung gegeben wurde, und dass er keine Augen mehr für die Herrlichkeit der himmlischen Dinge hat.
Die Ermahnung des Apostels ist daher durchaus zeitgemäß: Seid also umso eifriger bemüht, Brüder, eure Berufung und Erwählung sicherzustellen; denn wenn ihr dies tut, werdet ihr niemals stolpern. Gott hat uns den Ruf der Gnade im Evangelium verkündet und uns so die Gewissheit gegeben, dass er uns rechtfertigt und rettet, Röm 8,30. Und dies steht im Einklang mit seiner Erwählung: Denn zu diesem Zweck hat Gott uns vorherbestimmt und vorherbestimmt, dass wir durch den Glauben berufen, gerechtfertigt und geheiligt werden und ewige Erlösung erlangen, 1. Thess. 1,4.5. Diese Berufung und Erwählung Gottes ist seinerseits sicher, 1. Petr. 1,5; Joh. 10,27-30. Es wäre jedoch der Gipfel törichter Arroganz, wenn ein Christ argumentieren würde, dass er in der Welt so handeln und leben kann, wie er es wünscht; denn nach dem Willen Gottes sollen seine auserwählten Kinder auf den Pfaden der Heiligung voranschreiten, um ihre Hoffnung zu verwirklichen und zu genießen, 2. Thess. 2,13.14; Eph. 1,4. Das Argument des wahren Gläubigen lautet daher, dass er nur auf den Wegen der Gerechtigkeit glücklich sein wird, damit er sicher sein und sich mit der Gewissheit trösten kann, dass er zu den Auserwählten Gottes gehört, Eph. 4,1; Phil. 2,12. Diejenigen, die törichterweise ihr Seelenheil durch ein Leben in Sünde und Zügellosigkeit aufs Spiel setzen, werden bald feststellen, dass sie stolpern und fallen werden, um nie wieder aufzustehen. Gott lässt sich nicht spotten.
Die Gläubigen, die sich in jeder Hinsicht als wahre Kinder Gottes verhalten, haben die tröstliche Gewissheit: Denn so wird euch der Eingang zum ewigen Reich unseres Herrn und Erlösers Jesus Christus reichlich gewährt. Wenn Christen auf diese Weise dem Willen ihres himmlischen Vaters folgen, indem sie ihre Berufung und Erwählung festigen, wird Gott ihre Treue gnädig belohnen. Er wird ihnen den Weg, den Eingang zu den Reichtümern seiner Barmherzigkeit, eröffnen, damit sie in das ewige Reich unseres Herrn und Erlösers Jesus Christus eintreten und es in vollen Zügen genießen können. Beachten Sie die Häufung von Wörtern, die Pracht und Reichtum suggerieren, in diesem Vers.
Die Zuverlässigkeit des Evangeliums und der Weissagung (1,12-21)
12 Darum will ich’s nicht lassen, euch allezeit solches zu erinnern,
wiewohl ihr’s wisst und gestärkt seid in der gegenwärtigen Wahrheit. 13 Denn
ich achte es billig sein, solange ich in dieser Hütte bin, euch zu erwecken und
zu erinnern. 14 Denn ich weiß, dass ich meine Hütte bald ablegen muss, wie mir
denn auch unser HERR Jesus Christus eröffnet hat. 15 Ich will aber Fleiß tun,
dass ihr allenthalben habt nach meinem Abschied, solches im Gedächtnis zu
halten.
16 Denn wir sind nicht den klugen Fabeln gefolgt, als wir euch kundgetan
haben die Kraft und das Kommen unseres HERRN Jesus Christus, sondern wir haben
seine Herrlichkeit selber gesehen, 17 da er empfing von Gott dem Vater Ehre und
Preis durch eine Stimme, die zu ihm geschah von der großen Herrlichkeit
dermaßen: Dies ist mein lieber Sohn, an dem ich Wohlgefallen habe. 18 Und diese
Stimme haben wir gehört vom Himmel gebracht, da wir mit ihm waren auf dem
heiligen Berge.
19 Wir haben ein festes prophetisches Wort, und ihr tut wohl, dass ihr
darauf achtet als auf ein Licht, das da scheint in einem dunkeln Ort, bis der
Tag anbreche, und der Morgenstern aufgehe in euren Herzen. 20 Und das sollt ihr
für das erste wissen, dass keine Weissagung in der Schrift geschieht aus
eigener Auslegung; 21 denn es ist noch nie eine Weissagung aus menschlichem
Willen hervorgebracht worden; sondern getrieben von dem Heiligen Geist haben
Menschen von Gott her [d.i.
beauftragt] geredet.
Die Apostel als Zeugen der Majestät Christi (V. 12-18): Dass Petrus den Auftrag des Herrn, den er am Ufer des Sees Genezareth erhalten hatte, nicht vergessen hatte, zeigt sich in der Fürsorge, die er hier für das geistige Wohlergehen seiner Leser an den Tag legt: Darum will ich dafür sorgen, dass ihr an diese Dinge erinnert werdet, obwohl ihr sie bereits kennt und in der Wahrheit gefestigt seid, die bei euch vorhanden ist. Das war die Auffassung, die Petrus von seinem Hirtenamt hatte, und es sollte die Idee eines jeden wahren Hirten sein, es zu seiner Aufgabe zu machen, die Gläubigen immer wieder an all diese Tatsachen bezüglich ihrer Rechtfertigung und Heiligung zu erinnern. Es ist wahr, dass die Christen diese Tatsachen gelernt haben und sie kennen, aber es bleibt gleichzeitig wahr, dass sie sie nicht zu gut lernen können und dass der Eifer des wahren Christen, die grundlegenden Wahrheiten immer wieder zu hören, nicht nachlassen wird. Sie wurden in der Wahrheit des Evangeliums gegründet, sie waren fest in den grundlegenden Lehren des Christentums verankert, soweit sie ihr geistliches Leben betrafen, aber sie brauchten Tag für Tag den stärkenden Einfluss der apostolischen Ermahnung. Anmerkung: Wir müssen uns dieser Tatsachen in unserer Zeit stärker bewusst werden, in der so viele bekennende Christen die Symptome geistlicher Sattheit zeigen, die fast immer der Vorbote geistlichen Verfalls ist.
Der Apostel wiederholt nun seine Aussage und nennt einen Grund für die Dringlichkeit seines Appells: Ich aber halte es für richtig, solange ich in dieser Hülle bin, euch durch diese Erinnerung aufzurütteln, weil ich weiß, dass sich das Zusammenlegen meiner Hülle schnell vollzieht, wie unser Herr Jesus Christus mir offenbart hat. Solange Petrus noch lebte und atmete, solange der Herr ihm noch Tage seines Lebens schenkte, hielt er es für richtig und angemessen, seine Leser weiterhin zu ermahnen und zu ermutigen, sie für die wunderbare Herrlichkeit des Evangeliums und die damit verbundenen Verpflichtungen wach zu halten. Er vergleicht seinen Körper mit einem Zelt oder einer Stiftshütte, die seiner Seele nur einen schwachen und vorübergehenden Schutz bietet. Er wusste, dass es nicht mehr lange dauern würde, bis der Herr ihn dazu bringen würde, sein Zelt zusammenzufalten; sein Körper, der so lange seine Seele beherbergt hatte, würde vom Tod beansprucht werden. Dies hatte ihm der Herr offenbart, wobei es sich wahrscheinlich um den Vorfall am Ufer des Sees Genezareth handelt, Joh. 21,18.19. Hier ist ein Beispiel wahrer Treue, denn Petrus wartete nicht untätig auf den Tod, von dem er wusste, dass er bald kommen würde, wie er es ausdrückt, sondern setzte seine Arbeit mit unverminderter Kraft und Sorgfalt fort, wobei die Sorge um die Seelen bis zuletzt sein Hauptanliegen war.
Aber er blickt auch über die unmittelbare Zukunft hinaus: Ich werde mich aber bemühen, dass ihr auch nach meinem Weggang immer in der Lage seid, euch diese Dinge ins Gedächtnis zu rufen. Petrus sorgt sich nicht nur für die Gegenwart und sein eigenes Leben um das geistige Wohlergehen seiner Leser, sondern er möchte auch dafür sorgen, dass sie die Wahrheit nach seinem Tod bewahren. Das ist einer der Gründe, warum er diesen Brief schreibt, damit er als ständige Erinnerung an die Lehre dient, die er sie gelehrt hat. Wann immer sie eine eindeutige, authentische Information über die Wahrheit benötigten, mussten sie nur diesen Brief zu Rate ziehen, ihr Gedächtnis auffrischen und konnten danach umso sicherer in ihrem christlichen Leben sein.
Dass die Christen nicht das geringste Zögern verspüren sollten, die Lehre anzunehmen, die Petrus sie lehrte, wird in den nächsten Versen deutlich: Denn wir sind nicht klug erfundenen Fabeln nachgegangen, als wir euch die Kraft und das Erscheinen unseres Herrn Jesus Christus kundmachten, sondern wir sind Augenzeugen seiner Macht gewesen. Was Petrus und die anderen Apostel gelehrt hatten, auch in den Gemeinden Kleinasiens, war kein System geistlicher Fabeln, die geschickt erfunden wurden, um sie zu unterwerfen, wie es bei vielen falschen Lehrern der Fall war; er schrieb keine menschlichen Spekulationen und Philosophien nieder, um ihnen die richtigen Informationen über die Macht und das Kommen Christi, des Herrn, zu geben, über seine Rückkehr am Ende der Zeit, wenn er mit voller Majestät und Macht bekleidet sein wird, um sein Reich für immer zu errichten. Was Petrus in Bezug auf diese eine Tatsache lehrte, war die Wahrheit, für die er mit aller ihm zur Verfügung stehenden Macht bürgen konnte, weil er das Privileg hatte, Augenzeuge der Verherrlichung, der Majestät Christi zu sein.
Der Apostel gibt an, auf welches Ereignis er sich bezieht: Denn er empfing von Gott, dem Vater, Ehre und Herrlichkeit, als eine Stimme von solcher Art von der erhabenen Herrlichkeit zu ihm getragen wurde: Dies ist mein geliebter Sohn, an dem ich Wohlgefallen habe. Das war der Höhepunkt des Geschehens auf dem Berg der Verklärung, Matth. 17,1-9: Mark. 9,2-8. Jesus, der arme, verachtete Prophet von Nazareth, der in sein Eigentum gekommen war und sein Eigentum ihn nicht aufnahm, wurde von seinem himmlischen Vater selbst mit Ehre und Herrlichkeit ausgestattet. Denn während die drei Jünger Petrus, Jakobus und Johannes noch auf dem Boden lagen, fast betäubt von dem wunderbaren Glanz, der sie vom Himmel aus umgab, konnten sie dennoch deutlich die Worte hören, die aus der Wolke herabkamen, die Stimme Gottes selbst, die Jesus als seinen wahren Sohn, seinen geliebten Sohn, anerkannte, auf dem sein Wohlgefallen in vollem Maße ruhte. Petrus bezeugt dies: „Und diese Stimme haben wir gehört vom Himmel kommen, als wir mit ihm auf dem heiligen Berge waren.“ Obwohl der Berg an sich nicht heilig war, heiligte und weihte ihn diese wunderbare Offenbarung des Erhabenen, die herrliche Herrlichkeit Gottes, für die damalige Zeit. Was Petrus in diesem Zusammenhang betonen will, ist, dass diejenigen, denen eine so wunderbare Offenbarung der Herrlichkeit Gottes zuteil wurde, zuverlässige Zeugen waren und ihr Evangelium daher ohne Frage als die Wahrheit des Herrn akzeptiert werden konnte und sollte. Markus: Dies ist einer der Gründe, warum wir auch das von den Aposteln aufgezeichnete Evangelium als Wahrheit akzeptieren, denn Gott hätte sich den Menschen kaum auf eine solche Weise offenbart, wenn sie Heuchler und Betrüger wären.
Das sichere Wort der Weissagung (V. 19-21): Einen Grund für die Akzeptanz der von ihm gelehrten Doktrin hat der heilige Petrus genannt. In diesem Absatz spricht er jedoch mit noch größerer Nachdrücklichkeit: „Und wir haben das prophetische Wort als sichereres, und wenn ihr darauf achtet, tut ihr gut daran, wie bei einer Lampe, die an einem dunklen Ort leuchtet, bis der Tag anbricht und der Morgenstern in unseren Herzen aufgeht.“ Er spricht vom Wort der Prophezeiung, wie es den Christen bekannt war, da die Juden es jahrhundertelang in ihrem öffentlichen Gottesdienst verwendet hatten, den Schriften des Alten Testaments. Dieses Wort war nicht wahrer, aber es war für die Leser sicherer als die von den Aposteln gelehrte Lehre. Es gab keine Frage, weder unter jüdischen Christen noch unter Konvertiten aus den Heiden, dass die alttestamentlichen Prophezeiungen, alle kanonischen Bücher des Alten Testaments, Gottes Wort waren. Was Petrus ihnen allen klarmachen will, ist, dass das Evangelium, wie es von ihm und seinen Mitaposteln gelehrt wurde, nicht nur durch das Zeugnis Gottes vom Himmel bestätigt wurde, sondern auch durch alle Prophezeiungen der alten Zeit. Das geschriebene Wort war wie eine brennende Lampe, die ihr Licht weit in die Ferne warf, selbst an Orte, die dunkel und undurchsichtig waren. Deshalb taten die Christen das Richtige und Gebotene, indem sie diesem Licht Beachtung schenkten. Im Vergleich zu der Zeit, in der die volle Herrlichkeit Gottes offenbart werden wird, dem Tag am Ende der Zeit, sind die heutigen Tage und das Zeitalter, in dem wir in der Welt leben, in der Tat dunkel. Bis dieser Tag kommt, bis der wahre und ewige Morgenstern in der Ewigkeit aufgeht, bis all unsere Hoffnungen erfüllt sind, muss ich auf das geschriebene Wort achten. In jener Welt, in der wir im Licht von Gottes Angesicht wandeln und den wahren Morgenstern, Jesus Christus, von Angesicht zu Angesicht sehen werden, werden wir das geschriebene Wort des Evangeliums natürlich nicht mehr brauchen.
Der Apostel schreibt abschließend: Wenn man dies von Anfang an versteht, ist keine Prophezeiung der Schrift von einer privaten Auslegung abhängig; denn niemals wurde eine Prophezeiung durch den Willen eines Menschen hervorgebracht, sondern, bewegt vom Heiligen Geist, sprachen Menschen von Gott. Hier ist ein weiterer Grund, das geschriebene Wort als sicher oder gewiss zu bezeichnen. Wir sollten von Anfang an verstehen und wissen, und nicht zulassen, dass irgendeine menschliche Weisheit unsere Überzeugung ändert, dass keine einzige Prophezeiung von einer privaten Interpretation abhängt; die Worte sind weder die eigenen Ideen oder Philosophien der Propheten, noch kann irgendeine Person die Prophezeiung nehmen und sie nach eigenem Gutdünken interpretieren. Es ist das Wort, wie es vom Heiligen Geist inspiriert wurde, und sich in irgendeiner Weise damit zu befassen, ist ein Sakrileg, ist Gotteslästerung. Niemals wurde eine echte Prophezeiung durch den Willen des Menschen hervorgebracht; keine der vielen hundert Stellen im Alten Testament, die die Zukunft offenbaren, ist eine bloße Vermutung des Menschen. Die Propheten, deren aufgezeichnete Aussprüche in den kanonischen Schriften des Alten Testaments für uns erhalten sind, wurden vom Heiligen Geist inspiriert. Und sie erhielten nicht nur den Anreiz zum Schreiben vom Geist, die Wahl der Worte blieb ihnen überlassen, sondern ihre Worte, das, was sie sprachen, waren von Gott. Die Propheten folgten der Führung, der Inspiration des Heiligen Geistes, und so entstanden die Prophezeiungen des Alten Testaments. Dies war übrigens keine mechanische Inspiration, sondern der Heilige Geist passte sich der Intelligenz und dem Wissen, den intellektuellen Fähigkeiten der von ihm eingesetzten Autoren an, sodass ein Buch entstand, das in seinem Stil ebenso vielfältig wie inhaltlich interessant und erbaulich ist. Anmerkung: Die Lehre dieser Passage, nämlich dass die Schriften des Alten Testaments das inspirierte Wort Gottes sind und dass die Heilige Schrift nur durch die Heilige Schrift ausgelegt werden kann, um einen Anspruch auf absolute Akzeptanz zu erheben, muss von allen wahren Christen bis zum Ende der Zeit beachtet und befolgt werden.[2]
Zusammenfassung: Nach der Anrede und Begrüßung weist der Apostel auf einige der Verpflichtungen hin, die den Gläubigen durch die reichen Verheißungen Gottes auferlegt werden, und spricht dann ausführlich über die Zuverlässigkeit der Botschaft des Evangeliums und der alttestamentlichen Prophezeiung als inspiriertes Wort Gottes.
Eine Warnung vor den falschen
Lehrern aller Zeiten (2,1-22)
1 Es waren aber auch falsche Propheten unter dem Volk, wie auch unter
euch sein werden falsche Lehrer, die neben einführen werden verderbliche Sekten
und verleugnen den HERRN, der sie erkauft hat, und werden über sich selbst
führen eine schnelle Verdammnis. 2 Und viele werden nachfolgen ihrem Verderben;
durch welche wird der Weg der Wahrheit verlästert werden. 3 Und durch Geiz mit
erdichteten Worten werden sie an euch hantieren; von welchen das Urteil von
lange her nicht säumig ist, und ihre Verdammnis schläft nicht.
4 Denn so Gott die Engel, die gesündigt haben, nicht verschont hat,
sondern hat sie mit Ketten der Finsternis zur Hölle verstoßen und übergeben,
dass sie zum Gericht behalten werden; 5 und hat nicht verschont die vorige
Welt, sondern bewahrte Noah, den Prediger der Gerechtigkeit, als achten, und
führte die Sintflut über die Welt der Gottlosen; 6 und hat die Städte Sodom und
Gomorra zu Asche gemacht, umgekehrt und verdammt, damit ein Beispiel gesetzt
den Gottlosen, die hernach kommen würden; 7 und hat erlöst den gerechten Lot,
welchem die schändlichen Leute alles Leid taten mit ihrem unzüchtigen Wandel; 8
denn der unter ihnen wohnende Gerechte quälte durch Sehen und Hören seine
gerechte Seele von Tag zu Tag mit ihren gesetzlosen Werken. 9 Der HERR weiß die
Gottseligen aus der Versuchung zu erlösen, die Ungerechten aber zu behalten zum
Tag des Gerichtes, zu peinigen; 10a allermeist aber die, so da wandeln nach dem
Fleisch in der unreinen Lust
10b und die Herrschaft verachten, frech, eigensinnig, zittern nicht
davor, die Majestäten zu lästern, 11 so doch die Engel, die größere Stärke und
Macht haben, nicht ertragen das lästerliche Gericht gegen sich vom HERRN.
12 Aber sie sind wie die unvernünftigen Tiere, die von Natur dazu
geboren sind, dass sie gefangen und geschlachtet werden, lästern, da sie nichts
von wissen, und werden in ihrem verderblichen Wesen
umkommen 13 und den Lohn der Ungerechtigkeit davonbringen. Sie achten für
Wollust das zeitliche Wohlleben; sie sind Schande und Laster, prangen von euren
Almosen, prassen mit dem Euren, 14 haben Augen voll Ehebruchs, lassen sich die
Sünde nicht wehren, locken an sich die leichtfertigen Seelen, haben ein Herz,
durchtrieben mit Geiz, verfluchte Leute,
15 verlassen den richtigen Weg und gehen irre und folgen nach dem Wege
Bileams, des Sohns Bosors, welcher liebte den Lohn
der Ungerechtigkeit, 16 hatte aber eine Strafe seiner Übertretung, nämlich das
stumme lastbare Tier redete mit Menschenstimme und wehrte des Propheten
Torheit.
17 Das sind Brunnen ohne Wasser und Wolken, vom Windwirbel umgetrieben;
welchen behalten ist eine dunkle Finsternis in Ewigkeit. 18 Denn sie reden
stolze Worte, da nichts hinter ist, und reizen durch Unzucht zur fleischlichen
Lust diejenigen, die recht entronnen waren und nun im Irrtum wandeln, 19 und
verheißen ihnen Freiheit, so sie selbst Knechte des Verderbens sind. Denn von
welchem jemand überwunden ist, dessen Knecht ist er geworden. 20 Denn wenn sie
entflohen sind dem Unflat der Welt durch die Erkenntnis des HERRN und Heilandes
Jesus Christus, werden aber wiederum in denselben geflochten und überwunden,
ist mit ihnen das Letzte ärger geworden als das Erste. 21 Denn es wäre ihnen
besser, dass sie den Weg der Gerechtigkeit nicht erkannt hätten, als dass sie
ihn erkennen und sich kehren von dem heiligen Gebot, das ihnen gegeben ist. 22
Es ist ihnen widerfahren das wahre Sprichwort: Der Hund frisst wieder, was er
gespien hat, und: Die Sau wälzt sich nach der Schwemme wieder im Kot.
Die falschen Lehrer und ihr Urteil (V. 1-3): Nachdem der Apostel die Vortrefflichkeit der wahren Prophetie hervorgehoben hat, beschreibt er nun die falschen Lehren, deren Merkmale sich in den verschiedenen Zeitaltern der Welt nicht ändern: Es sind aber auch falsche Propheten unter dem Volk aufgetreten, und auch unter euch wird es falsche Lehrer geben. Solche Menschen werden verderbliche Irrlehren verbreiten und sogar den Herrn verleugnen, der sie erlöst hat, und sich selbst schnelles Verderben zuziehen. Dass es unter dem Volk Israel in früheren Zeiten wahre Propheten gab, die tatsächlich vom Herrn gesandt worden waren, hatte der Apostel im ersten Kapitel dargelegt. Aber es gab auch solche, die nicht vom Herrn gesandt worden waren und in deren Mund ein Lügengeist war, gegen die der Herr gezwungen war, seine bitteren Flüche auszustoßen. In dieser Hinsicht wiederholt sich die Geschichte. Auch im Neuen Testament, so erklärt der Apostel, wird es falsche Lehrer geben, Männer, die fälschlicherweise behaupten, einen Auftrag vom Herrn zu haben, und die nicht zögern werden, verderbliche, zerstörerische Häresien einzuführen, Lehren, die die Menschen, die sich zu ihnen bekennen, mit Sicherheit in die ewige Verdammnis führen werden. Ihre Anmaßungen würden so weit gehen, dass sie sogar den Meister, den Herrn, der auch ihre Seelen mit seinem eigenen kostbaren Blut erlöst hat, leugnen und verleugnen würden. Das Ergebnis und die Strafe in ihrem Fall wäre daher eine plötzliche Zerstörung; die Verdammnis würde sie ereilen, bevor sie sich ihrer extremen Gefahr bewusst würden. Die Beschreibung ist zu allgemein, um eine Identifizierung der besonderen Sekte zu ermöglichen, auf die sich der Apostel bezog, da es vor dem Ende des ersten Jahrhunderts Gruppierungen wie die Ebioniten, die Nikolaiten und die Gnostiker gab; aber er hatte zweifellos auch die judaisierenden Lehrer im Sinn, nach deren Meinung die Erlösung durch Christus nicht ausreichte, sondern durch die Erfüllung des Gesetzes ergänzt werden musste. Anmerkung: Die Erlösung durch Christus, wie hier ausdrücklich erwähnt, galt nicht nur für diejenigen, die glauben und bis zum Ende treu bleiben würden, sondern sie wurde auch für diejenigen erlangt und ist auch für diejenigen bereit, die die Erlösung durch sein Blut ablehnen.
Der Apostel stellt nun eine Wahrheit in Bezug auf diese falschen Lehrer fest, die sich erfahrungsgemäß als wahr erwiesen hat: Und viele werden ihren Ausschweifungen folgen, um derer willen der Weg der Wahrheit gelästert werden wird; und aus Habsucht, mit lügnerischen Worten, werden sie euch zu ihrem Vorteil gebrauchen, denen das Urteil von vor langer Zeit nicht auf sich warten lässt und deren Untergang nicht schläft. Es mag seltsam erscheinen, aber die Geschichte hat die Tatsache hinreichend bestätigt, dass das Merkmal vieler falscher Lehrer ein laszives Verhalten ist, verbunden mit einer ruhigen Unverschämtheit, die jede Einmischung ablehnt. Aufgrund ihres Verhaltens wird die Wahrheit, die reine Lehre des Evangeliums, von den Ungläubigen gelästert. Denn diese urteilen nach dem äußeren Anschein, ohne den Unterschied zwischen wahren und falschen Gläubigen zu kennen; und da diese Männer immer die Dreistigkeit besitzen, die Bezeichnung „Christ“ für sich selbst zu verwenden und zu benutzen, beurteilen die Außenstehenden die gesamte christliche Religion nach dem hier gebotenen Beispiel, Apg. 9,2; 19,9.23; 22,4. Besonders merkwürdig ist jedoch, dass solche Leute immer Anhänger finden werden, und das nicht zu knapp, und dass diese Anhänger sich systematisch ausbeuten lassen, um daraus Gewinn zu ziehen. Es ist typisch für solche Sekten (Dowieiten, Christliche Wissenschaftler), dass ihre Anführer habgierig sind, dass sie darauf aus sind, Geld mit ihren Anhängern zu verdienen, und dass sie dabei erfolgreicher sind, als man es sich in seinen kühnsten Träumen vorstellen kann. Aber, wie Petrus sagt, ihr Urteil der Verdammung, das eigentlich schon vor langer Zeit gefällt wurde, zögert nicht, es kommt langsam, aber sicher; und ihre Zerstörung, ihre Verdammung, ist hellwach auf ihrer Spur. Sie mögen sich für völlig sicher halten, aber die Zeit wird kommen, in der sie zu ihrem Leidwesen feststellen werden, dass Gott eine solche Gotteslästerung nicht ungestraft lassen wird; sie bewegen sich stetig auf ihr bevorstehendes Verderben zu.
Beispiele aus der Geschichte (V. 4-10a): Petrus untermauert seine Aussage über die Strafe, die die falschen Lehrer mit Sicherheit treffen wird, hier mit einem Verweis auf die Geschichte, die zeigt, dass Gottes rächende Hand immer diejenigen findet, die sich der Bosheit schuldig gemacht haben. Das erste Beispiel des Apostels sind die bösen Engel: Denn wenn Gott die Engel, die gesündigt haben, nicht verschont hat, sondern sie in finsteren Höhlen des Abgrunds gefangen hält und für das Gericht festhält. Gott hatte alle Engel am Anfang gut und heilig erschaffen. Aber eine große Anzahl von ihnen, erfüllt von Stolz, rebellierte gegen seine Herrschaft und machte sich der Bosheit schuldig. Ihre Bestrafung erfolgte schnell und schrecklich: Er übergab sie den Ketten und Gruben der Finsternis der Hölle. Dies ist natürlich nicht wörtlich zu nehmen, da die Engel als Geister nicht mit physischen Ketten gefesselt werden können. Aber die bösen Engel wurden der gesegneten Gemeinschaft mit Gott beraubt, sie wurden für immer von der Hoffnung auf ewige Glückseligkeit in der Gegenwart des Herrn ausgeschlossen; und obwohl sie mit Gottes Erlaubnis eine gewisse Bewegungsfreiheit haben, sind sie verurteilt und werden für die Zeit aufbewahrt, in der Gott das endgültige Urteil über sie fällen wird.
Ein zweites Beispiel ist die Sintflut zur Zeit Noahs: „Und wenn Gott die Welt der Vorzeit nicht verschonte, sondern nur acht bewahrte, als er die Sintflut über die Welt der Gottlosen brachte, als er Noah, den Prediger der Gerechtigkeit, als achten bewahrte.“ Der Herr hatte im Fall der Menschen der Vorzeit viel Geduld gezeigt. Auch nach wiederholten Warnungen hatte er ihnen eine weitere Frist von einhundertzwanzig Jahren gewährt, in der Noah alles daran setzte, die Menschen durch die Verkündigung der Gerechtigkeit zur Umkehr zu bewegen (Hebr. 11,7). Aber schließlich war die Geduld des Herrn erschöpft. Er verschonte nur Noah als einen von acht, Noah und seine Familie. Alle anderen Menschen wurden in der schrecklichen Katastrophe verschlungen, die in der Sintflut über die Welt hereinbrach. Das Bild ist das einer Entfesselung von Kräften, die nur mit Mühe zurückgehalten worden waren und die nun, da sie freigesetzt wurden, alles vor sich hertrieben.
Ein drittes Beispiel sind die Städte Sodom und Gomorra: Und indem er die Städte Sodom und Gomorra in Schutt und Asche legte, vollstreckte er sein Urteil durch eine Verwüstung und setzte so ein Exempel für diejenigen, die entschlossen sind, ein gottloses Leben zu führen, und befreite den gerechten Lot, der von den gesetzlosen Menschen durch die Unzucht ihres Verhaltens schwer bedrängt wurde; denn Tag für Tag, durch Sehen und Hören, quälte und bedrückte der gerechte Mann, der unter ihnen lebte, seine gerechte Seele durch ihre gesetzlosen Taten, Gen. 19. Das Urteil Gottes über die Städte Sodom und Gomorra ist, wenn man es richtig betrachtet, eines der schrecklichsten Beispiele seiner rächenden Gerechtigkeit. Der Aufschrei dieser beiden Städte war in den Ohren Jehovas so groß und ihre Sünde so schwerwiegend, dass er sie mit einem verheerenden Erdbeben heimsuchte und gleichzeitig Feuer vom Himmel herabfallen ließ. So wurden die Städte in einer schrecklichen Katastrophe, deren Auswirkungen bis heute deutlich spürbar sind, vollständig zerstört und in Schutt und Asche gelegt. Das Tote Meer mit dem umliegenden Land ist ein warnendes Beispiel für alle Menschen, die trotz aller Warnungen des Herrn entschlossen sind, ihr gottloses Leben fortzusetzen. In den Städten wurde nur ein Mann gefunden, der in den Augen Gottes gerecht war: Lot, der Neffe Abrahams. Und Lot war in der Lage, die unverschämte Lüsternheit des Verhaltens der Bürger Sodoms zu bezeugen. Tag für Tag war er gezwungen, die abscheulichsten Sünden zu sehen und das schrecklichste und schmutzigste Gerede zu hören. Der Ärger und die Bedrängnis, die er dadurch auf sich zog, wurden zumindest teilweise durch die Tatsache verstärkt, dass Lot selbst diese Stadt als seinen Wohnsitz gewählt hatte und dort aufgrund des zeitlichen Gewinns, den ihm das reiche Land einbrachte, weiterlebte. Es war für ihn ein Elend und eine Bedrängnis, sich inmitten so viel Gesetzlosigkeit und Unmoral zu befinden. Aber Gott machte wieder einen Unterschied zwischen den Gerechten und den Ungerechten, indem er den gerechten Lot rettete und so den Gläubigen aller Zeiten ein großes Maß an Trost spendete, Mal 3,13-18.
Der Apostel zieht nun seine Schlussfolgerung aus den angeführten Beispielen: Der Herr weiß die Frommen aus den Versuchungen zu retten, die Ungerechten aber für den Tag des Gerichts in der Strafe zu behalten, vor allem aber diejenigen, die nach dem Fleisch wandeln in der Begierde der Befleckung und die Autorität verachten. Aus der Diskussion, die in diesem Kapitel bis zu diesem Punkt geführt wurde, geht diese doppelte Schlussfolgerung sehr deutlich hervor. In jedem Fall weiß der Herr, wie er mit der Situation umgehen muss. Er hat Mittel und Wege, die Frommen, diejenigen, die ihn fürchten und gerecht vor ihm wandeln, aus den Versuchungen zu befreien, die auf ihre Umgebung zurückzuführen sind, auf die Ungläubigen, in deren Mitte sie leben. Andererseits zeigt sich aber auch, dass er sich nicht spotten lässt, sondern jede Beleidigung seiner Ehre zu rächen weiß, indem er die Ungerechten und Unredlichen bis zum großen Tag des Gerichts in Strafe und Schmerz hält (Ps. 16,4; Hebr. 2,15). So wie die bösen Engel schon jetzt zur Finsternis der Hölle verdammt sind, so werden die Ungerechten, sobald sie sterben, in die gleiche Verdammnis eingehen, entsprechend ihrer Seelen. Und sie werden in diesem Leiden bis zum Tag des Gerichts festgehalten, an dem das Urteil über sie bestätigt wird und ihre Leiden sowohl für die Seele als auch für den Körper bis in alle Ewigkeit andauern werden. Diese Strafe wird besonders schwer sein im Falle solcher Ungläubigen, die in offener fleischlicher Sünde leben, in den verschiedenen Formen der Unmoral, in unnatürlichen Begierden, wie sie in Sodom praktiziert wurden, wodurch sowohl Seele als auch Körper verunreinigt werden (Röm. 1,26-32), und die gleichzeitig offen jede Autorität, göttliche wie menschliche, insbesondere die Herrschaft Christi, verachten.
Eine weitere Charakterisierung der falschen Lehrer (V. 10b-14): Dies ist eine harte, aber wahre Beschreibung der falschen Lehrer, die zeigt, wie der Herr Menschen betrachtet, die nicht zögern, seine Ehre zu stehlen: Unverschämte, arrogante Kreaturen, die nicht davor zurückschrecken, Herrlichkeiten zu lästern. Die Ausdrücke häufen sich, um den überheblichen Stolz zu verdeutlichen, der diese Männer antreibt. Sie sind tollkühne, hochmütige, unverschämte, anmaßende Kreaturen, ohne das geringste Gefühl der Ehrfurcht vor der Autorität Gottes oder der Menschen. Jegliche Herrlichkeit, jegliche Würde, alles Himmlische, Göttliche ist für sie nur der Gegenstand eines groben Witzes; sie erfreuen sich an blasphemischen Reden, die umso gefährlicher sind, als sie durch scheinheiliges Gerede verschleiert werden. „Ihre Tendenz scheint darin bestanden zu haben, das Unsichtbare zu verharmlosen, ein Gefühl der Unwirklichkeit sowohl der Sünde als auch des Guten zu fördern und die Beweggründe des Verhaltens auf einen vulgären Hedonismus zu reduzieren.“[3]
Was der Herr von einer solchen Anmaßung hält, zeigen die nächsten Worte: Während selbst Engel, die an Macht und Stärke größer sind, keine verleumderische Anklage gegen sie vor dem Herrn erheben. Die falschen Lehrer maßen sich das Privileg an, das zu tun, wovon selbst Engel, die sie mit Sicherheit an Größe und Macht übertreffen, nicht einmal zu träumen gewagt hätten. Denn die guten Engel haben ihre ehemaligen Brüder, die bösen Engel, nicht vor dem Herrn verleumdet. Nicht einmal der größte von allen, der Engel des Herrn, 1. Mose 16,7-12, Jahwe, der Sohn Gottes selbst, sprach das Urteil über Satan in der Vision von Sacharja und sagte lediglich: Der Herr, Satan, Sach. 3,2. Wenn dies wahr ist, wie kann man dann die Unverschämtheit derer angemessen darstellen, die die göttliche Majestät verachten und sich in blasphemischer Weise die Ehre anmaßen, die allein dem Herrn gebührt?
Der Apostel verwendet einen weiteren starken Vergleich, um ihre Arroganz zu charakterisieren: Aber diese, wie unvernünftige Tiere, von Instinkten getriebene Wesen, dazu geschaffen, gefangen und geschlachtet zu werden, sprechen Böses in Dingen, die sie nicht verstehen, und werden auch in ihrer Verderbtheit vernichtet werden, indem sie den Lohn der Ungerechtigkeit erhalten. Die Männer, an die der Apostel denkt, sind jenseits aller Vernunft und des gesunden Menschenverstandes, wie Tiere, die nur ihrem Instinkt folgen und keinen Intellekt anwenden können, deren einziger Wert in dem Fleisch liegt, das sie durch ihr Gemetzel erhalten haben; ihr eigenes korruptes und törichtes Verhalten wird ihr Verderben, ihre Zerstörung sein; sie werden die gerechte Belohnung erhalten, die ihre Ungerechtigkeit in vollem Umfang verdient.
Eine Phase ihres Verhaltens wird nun ausführlich beschrieben: Sie halten es für ihr größtes Vergnügen, tagsüber zu schwelgen, Flecken und Makel, die sich in ihren Täuschungen auflösen, während sie mit Ihnen feiern. Die Gedanken solcher Menschen kreisen um die sinnlichen Freuden, die sie genießen wollen. Sie schrecken nicht davor zurück, selbst am helllichten Tag zu schwelgen und zu zechen, und leben in jeder Form von Ausschweifung, eine Schande für die gesamte Gemeinschaft. Und das Geld für ein solch heikles Leben, für solche Ausschweifungen und Schwelgereien, haben diese Männer von ihren Betrügern, einigen der Leser dieses Briefes, durch Betrug erhalten. Das ist die erste Form, in der ihre Ungerechtigkeit zum Vorschein kommt.
Eng verbunden mit dieser Sünde ist eine andere: Sie haben Augen voller Ehebruch und können die Sünde nicht aufgeben, indem sie schwache Seelen verführen. Das böse Verlangen des Herzens zeigt sich in den lüsternen Blicken ihrer Augen, die sogar Ehebruch begehen. Die Sünde hat sie so stark im Griff, dass sie völlig in ihrer Macht sind, sie können sie nicht abschütteln, sie sind ihre Sklaven: Sie müssen jeder Form von Unreinheit und Hurerei nachgeben. So machen sie es sich zur Gewohnheit, die Seelen von Frauen zu verführen, die leicht zu betören sind, da ihr Herz noch nicht im Glauben gefestigt ist. Unter falschen Vorwänden und mit glitzernden Versprechungen werden ihre Opfer in die Irre geführt, um den Männern zu dienen, die vorgeben, sich für ihr geistliches Wohlergehen zu interessieren. Das ist die zweite Form, die ihre Ungerechtigkeit annimmt.
Und schließlich charakterisiert der Apostel sie: Mit einem Herzen, das von Habgier erfüllt ist, Kinder des Fluches. Dieser Punkt ist bei den falschen Lehrern in der Regel sehr ausgeprägt, ihre Gier nach Geld, ihre unersättliche Habsucht; es sind nicht die Herzen und Seelen ihrer Anhänger, um die sie sich sorgen, sondern ihr Geld, nämlich wie sie so viel wie möglich davon in ihren eigenen Besitz bringen können. Sie sind also wahrlich eine verfluchte Generation, Menschen, auf denen der Fluch lastet, die schließlich die Last des Fluches Gottes spüren werden. Diese drei Punkte stechen also am stärksten hervor: ein Leben in Luxus, Unkeuschheit und Habgier; das eine oder andere findet sich bei allen falschen Lehrern, und einige Sektenführer vereinen alle drei in sich.
Bileams Beispiel (V. 15-16): Der Charakter und die Motive der falschen Lehrer werden durch den Vergleich mit dem Verhalten Bileams deutlich: Sie haben den rechten Weg verlassen und sind in die Irre gegangen, indem sie genau dem Weg Bileams, des Sohnes Bosors, folgten, der den Lohn der Ungerechtigkeit liebte, aber für seine Übertretung getadelt wurde; die stumme Eselin, die mit der Stimme eines Menschen sprach, verhinderte das unsinnige Verhalten des Propheten. Die Art und Weise, wie die meisten falschen Lehrer auf Abwege geraten, wird durch Bileam veranschaulicht, 4. Mose 22,5-24,25. Obwohl der Herr ihm ausdrücklich gesagt hatte, dass er die Kinder Israels nicht verfluchen dürfe, verleitete ihn das Bestechungsgeld, das ihm von Balak, dem König der Moabiter, angeboten wurde, dazu, zu versuchen, Israel zu verfluchen. Seine Geldgier war stärker als sein Gehorsam gegenüber Gott. Er war sich bewusst, dass er Gott in Versuchung führte, als er sich auf seine Mission begab, und ein schlechtes Gewissen machte ihn reizbar. Als sein Esel beim Erscheinen des Engels versuchte, ihm aus dem Weg zu gehen, schlug er ihn unbarmherzig, bis der Herr selbst seinen Mund öffnete und Bileam für seine Übertretung, für sein törichtes, sinnloses Verhalten, für seinen Wahnsinn zurechtwies. So ist es der Wahnsinn, der die falschen Lehrer erfasst hat, wenn sie alle Tugend beiseite schieben und in jeder Form der Ungerechtigkeit bewandert werden und gleichzeitig die Seelen der Menschen mit sich ziehen.
Die geistliche Sklaverei der falschen Lehrer und ihre Folgen (V. 17-22): Der Apostel beginnt diesen Absatz mit einer Beschreibung der betrügerischen Art und Weise, mit der die falschen Lehrer die Menschen anlocken: Sie sind Quellen ohne Wasser und Nebel, die vom Sturmwind getrieben werden, für die die Finsternis der Dunkelheit reserviert ist. In der Lehre und Verkündigung der falschen Propheten gibt es viel Geräusch, Geplätscher und Blubbern, aber es gibt keine Substanz, die den Durst der Seele stillt, eine Eigenschaft, die von den wahren Lehrern verlangt wird, Jes. 58,11; Joh. 7,38. Die falschen Lehrer sind wie Bänke und Nebelschwaden, wie sie vom Ozean hereinrollen, angetrieben von einem starken Sturm, aber all ihre Versprechen führen nicht zu einem solchen Regen, wie er nötig ist, um geistige Früchte wachsen zu lassen, Jes. 55,10.11. Ihr Ende wird daher die ewige Vernichtung in der Dunkelheit der Hölle sein.
Die Art und Weise, wie die falschen Lehrer lehren, wird nun beschrieben: Denn mit ihren unnützen Worten und ihrem eitlen Gerede verführen sie die Herzen derer, die sich erst kürzlich von denen gelöst haben, die im Irrtum leben. Hier wird die herzlose Abscheulichkeit des Vergehens mit großer Kraft herausgestellt. Die falschen Lehrer verwenden große, geschwollene, aber leere Worte und Phrasen; ihre Sophisterei ist in eine Sprache gekleidet, deren Erhabenheit darauf abzielt, die Ungebildeten zu beeindrucken. Aber der Köder, den sie verwenden, ist letztlich schmutzige Lust, die sinnlichen Begierden des Fleisches. So fingen sie Menschen ein und gewannen sie für ihre Ansichten, die erst kürzlich von der Wahrheit der christlichen Religion beeindruckt waren, aber noch nicht die Kraft gefunden hatten, sich von ihrer alten Umgebung und ihren Gewohnheiten zu trennen. Die glitzernden Kompromisse, die die falschen Lehrer anboten, waren genau das Richtige, um diejenigen zu beeindrucken, die erst kürzlich ihren alten heidnischen Gemeinschaften entkommen waren und nicht bereit waren, all ihre früheren Freuden aufzugeben.
Denn die Heimtücke der Gefahr lag darin: Während sie ihnen Freiheit versprechen, sind sie selbst Sklaven der Korruption; denn dem, was einen Menschen besiegt, ist er ein Sklave. Die falschen Lehrer selbst verwechselten Freiheit und Zügellosigkeit und machten in diesem Sinne verlockende Versprechungen an diejenigen, die sie dazu überreden konnten, ihnen zuzuhören. Sie versprachen möglichen Bekehrten die Freiheit von allen gesetzlichen Beschränkungen und deuteten an, dass die Freiheit, mit der Christus uns befreit hat, darin besteht, dass jeder handelt, wie es ihm gefällt. Aber hierin liegt der Dienst der Sünde; in dieser Hinsicht waren diese Männer selbst Sklaven der Korruption, der Zerstörung. Denn da sie bereitwillig den Begierden des Fleisches nachgaben und dies als den richtigen Ausdruck ihrer christlichen Freiheit betrachteten, waren sie dem Fleisch unterworfen, sie waren Sklaven der Sünde und auf dem Weg zur Verdammnis.
Die Folgen eines solchen Verhaltens werden vom heiligen Petrus auf eindrucksvolle Weise herausgestellt: Denn wenn sie den Befleckungen der Welt in der Erkenntnis unseres Herrn und Erlösers Jesus Christus entkommen sind und dann wieder von diesen gefangen genommen und besiegt werden, ist ihr letzter Zustand schlimmer als der erste. Die Männer, an die der Apostel dachte, waren wahrscheinlich in aller Aufrichtigkeit zu Christus konvertiert. Sie waren vor den Verunreinigungen, den Entweihungen und den Sünden der Welt geflohen und hatten Zuflucht in der Erlösung durch Christus gesucht. Nachdem sie Jesus Christus als ihren Herrn und Erlöser kennengelernt hatten, verabscheuten sie ihr früheres sündhaftes Leben zutiefst. Aus diesem Grund spricht der Apostel so feierliche Worte der Warnung. Denn wenn ein Mensch die gesunde, rettende Erkenntnis von Jesus, dem Erlöser, hatte, wenn er Jesus als seinen Herrn erwählt hat und sich dann absichtlich wieder seinen früheren Begierden zuwendet, sich von den sündigen Wünschen beherrschen lässt, von denen er weiß, dass sie falsch sind, dann ist sein geistlicher Zustand nach einem solchen Abfall in der Tat schlimmer als vor seiner Bekehrung, Matth. 12,45. Beachten Sie, dass die falschen Lehrer als zu den wahrhaft bekehrten Christen gehörend beschrieben werden, zur christlichen Gemeinde. Die falschen Lehrer, die von der Wahrheit, zu der sie sich früher bekannt haben, abgefallen sind, sind die gefährlichsten, die der Wahrheit am feindlichsten Gesinnten.
Deshalb sagt der heilige Petrus zu Recht über sie: „Es wäre besser für sie gewesen, den Weg der Gerechtigkeit nicht zu kennen, als ihn zu kennen und sich dennoch von dem heiligen Gebot abzuwenden, das ihnen anvertraut wurde.“ Die Menschen, die nie etwas vom Weg der Erlösung hören, die nie auf die Stimme gehört haben, die sie auffordert, nach dem wahren Gott zu suchen (Apg. 14,17; 17,27), werden tatsächlich Schläge erhalten (Luk. 12,48). Wer aber den Weg der Gerechtigkeit kennt, wer den Weg des Heils kennt, und dann bewusst den Willen Gottes verschmäht und sich weigert, der Botschaft des Evangeliums zu gehorchen, der wird noch schwerer verurteilt und einem noch schlimmeren Schicksal ausgeliefert sein, Luk. 12,47. Im Falle solcher Menschen, wie der heilige Petrus mit einer gewissen Ironie schreibt: Es geschah ihnen gemäß dem wahren Sprichwort: Der Hund kehrt zurück zu seinem eigenen Erbrochenen; und die gewaschene Sau zu ihrem Wälzen im Schlamm. Vgl. Spr. 2,6.11. Wie ein Hund frisst, was er gerade erbrochen hat, wie Schweine sich gerne im tiefsten Dreck suhlen, obwohl sie gerade gewaschen wurden, so werden Menschen, wie sie gerade beschrieben wurden, die Reinheit, die Herrlichkeit und die Erlösung der Botschaft des Evangeliums und eines Lebens der Heiligung verlassen und in den Schmutz eines Lebens der Sünde und Schande zurückkehren. Was für eine ernste Warnung an alle Christen, ihre unsterblichen Seelen nicht für ein paar Krümel zu verkaufen, sich nicht den Sünden hinzugeben, denen sie so bereitwillig abgeschworen haben!
Zusammenfassung: Der Apostel warnt vor den falschen Lehrern aller Zeiten, beschreibt sie und ihre Bestrafung und untermauert seine Aussagen mit Beispielen aus der Geschichte des Alten Testaments. Er charakterisiert sie als Anhänger Bileams und beschreibt den Fluch ihrer geistlichen Sklaverei.
Das gewisse Kommen Christi und was
wir daraus lernen sollen (3,1-18)
1 Dies ist der zweite Brief, den ich euch schreibe, ihr Lieben, in
welchem ich er wecke und erinnere an euren lauteren Sinn, 2 dass ihr denkt an
die Worte, die euch zuvor gesagt sind von den heiligen Propheten, und an unser
Gebot, die wir sind Apostel des HERRN und Heilandes. 3 Und wisst das aufs
erste, dass in den letzten Tagen kommen werden Spötter, die nach ihren eigenen
Lüsten wandeln 4 und sagen: Wo ist die Verheißung seiner Wiederkunft? Denn
nachdem die Väter entschlafen sind, bleibt es alles, wie es von Anfang der
Kreatur gewesen ist.
5 Aber mutwillig wollen sie nicht wissen, dass der Himmel vorzeiten auch
war, dazu die Erde aus Wasser und im Wasser bestanden durch Gottes Wort. 6
Dennoch wurde zu der Zeit die Welt durch dieselben mit der Sintflut verderbt. 7
Also auch der Himmel jetzt und die Erde werden durch sein Wort gespart, dass
sie zum Feuer behalten werden am Tag des Gerichts und Verdammnis der gottlosen
Menschen.
8 Eines aber sei euch verborgen, ihr Lieben, dass ein Tag vor dem HERRN
ist wie tausend Jahre und tausend Jahre wie ein Tag. 9 Der HERR verzieht nicht
die Verheißung, wie es etliche für einen Verzug achten, sondern er hat Geduld
mit uns und will nicht, dass jemand verloren werde, sondern dass sich jedermann
zur Buße kehre.
10 Es wird aber des HERRN Tag kommen wie ein Dieb in der Nacht, in
welchem die Himmel zergehen werden mit großem Krachen, die Elemente aber werden
vor Hitze schmelzen, und die Erde und die Werke, die darin sind, werden
verbrennen. 11 Wenn nun das alles soll zergehen, wie sollt ihr denn geschickt
sein mit heiligem Wandel und gottseligem Wesen, 12 dass ihr wartet und eilt zu
der Ankunft des Tages des HERRN, in welchem die Himmel vom Feuer zergehen, und
die Elemente vor Hitze zerschmelzen werden. 13 Wir warten aber auf einen neuen
Himmel und eine neue Erde nach seiner Verheißung, in welchen Gerechtigkeit wohnt.
14 Darum, meine Lieben, weil ihr darauf warten sollt, so tut Fleiß, dass
ihr vor ihm unbefleckt und unsträflich im Frieden erfunden werdet. 15 Und die
Geduld unsers HERRN achtet für eure Seligkeit, wie auch unser lieber Bruder
Paulus nach der Weisheit, die ihm gegeben ist, euch geschrieben hat. 16 Wie er
auch in allen Briefen davon redet, in welchen sind etliche Dinge schwer zu
verstehen, welche verwirren die Ungelehrigen und Leichtfertigen wie auch die
anderen Schriften zu ihrer eigenen Verdammnis.
17 Ihr aber, meine Lieben, weil ihr das zuvor wisst, so hütet euch, dass
ihr nicht durch Irrtum der ruchlosen Leute samt ihnen verführt werdet und
entfallt aus eurer eigenen Festung. 18 Wachst aber in der Gnade und Erkenntnis
unsers HERRN und Heilandes Jesus Christus. Demselben sei Ehre nun und zu ewigen
Zeiten! Amen.
Eine
Warnung vor Spöttern (V. 1-4): Der Apostel eröffnet hier in seiner
üblichen Weise einen neuen Abschnitt seines Briefes, und der von ihm verwendete
Ton zeigt, dass er die nun folgenden Wahrheiten mit besonderer Feierlichkeit
vermitteln möchte: Diesen Brief, Geliebte, schreibe ich euch jetzt als den
zweiten, in dem ich euren reinen Geist durch Erinnerung wecke. Beide Briefe des
Petrus hatten gewissermaßen dasselbe Ziel, nämlich seine Leser zu belehren, sie
noch einmal an die grundlegenden Wahrheiten des Christentums zu erinnern, ihnen
praktische Hinweise zur Erfüllung ihrer christlichen Pflichten zu geben und sie
in ihren christlichen Pflichten zu wecken und zu ermutigen. Er sagt, dass er
ihren reinen, aufrichtigen christlichen Geist anregen möchte, jenen Geist, der
immer offen für Unterweisung und Ermahnung durch das Wort Gottes ist.
Über
dieses Ziel schreibt Petrus: „Damit ihr an die Worte erinnert werdet, die zuvor
von den heiligen Propheten gesagt worden sind, und an das Gebot des Herrn und
Heilands, das eure Apostel euch verkündet haben.“ Das ist die Hauptaufgabe des
Lehrers in der christlichen Kirche, die ihm anvertrauten Seelen an all die
Wahrheiten zu erinnern, die uns sowohl von den Propheten als auch von den
Aposteln offenbart wurden. Es gibt keine Diskrepanz zwischen dem Wort Gottes im
Alten und dem im Neuen Testament, keinen Widerspruch. Der Hauptinhalt beider
ist Jesus Christus, der Erlöser, die Hoffnung der Gläubigen in der Zeit vor
seiner Menschwerdung und das Vertrauen der Gläubigen seitdem. Das Gebot der
Apostel charakterisiert kurz den gesamten Inhalt der christlichen Lehre, denn
es ist uns gegeben, um im Glauben und in der Heiligkeit gehorsam zu sein, 1.
Joh. 3,23.24; 1. Tim. 6,14. Was die Apostel lehrten, war zugleich das Gebot
unseres Herrn und Heilands; denn er war es, der sie als Lehrer der Menschheit
bis ans Ende der Zeit berufen hat; er war es, dessen Geist sie dazu
inspirierte, die großen Wahrheiten niederzuschreiben, die uns weise für die
Erlösung machen sollen.
Der Apostel hebt nun eine große Wahrheit hervor, um seine Leser zu warnen: „Das sollt ihr vor allem wissen: Am Ende der Tage werden Spötter kommen, die sich über alles lustig machen, die nach ihren eigenen Wünschen leben und sagen: Wo bleibt die Verheißung seines Kommens? Denn seit die Väter entschlafen sind, ist alles so geblieben, wie es seit der Erschaffung der Welt war.“ Seine Leser, die Christen aller Zeiten, sollten dies wissen, um nicht von seinem Kommen überrascht zu werden. Am Ende der Tage, kurz vor dem Tag des Jüngsten Gerichts, wird es Spötter oder Spötter geben. Diese Männer, von denen viele hochintelligente, gebildete Männer sind, sind dafür bekannt, dass sie das Kommen des Jüngsten Gerichts spöttisch leugnen. In Büchern, Artikeln und Vorträgen zeigen solche Männer ruhig und mit großer Weisheit, dass es gegen die Wissenschaft und die Vernunft ist, an das Kommen des Jüngsten Gerichts zu glauben; sie behandeln die bloße Idee einer möglichen Wahrheit des Bibelberichts mit Verachtung und Spott. Je näher der letzte Tag rückt, desto schneller steigt die Zahl dieser Spötter und desto kühner werden sie in ihren Behauptungen. Hier liegt eine echte Gefahrenquelle, insbesondere für unerfahrene junge Menschen, die von der Gelehrsamkeit der Spötter eingeschüchtert werden. Aber der Christ sollte den Grund für diese Haltung beachten, nämlich die Tatsache, dass solche Menschen nach ihren eigenen Wünschen und Begierden leben, sich entsprechend verhalten. Von Gott und seinem heiligen Willen wollen sie nichts wissen; ihr einziges Lebensziel ist es, die Begierde des Fleisches, die Begierde der Augen und den Stolz des Lebens in vollen Zügen zu genießen. Und weil der Gedanke an die Rückkehr des Herrn zum Gericht sie in ihrem Leben voller Sünde und Schande beunruhigt, versuchen sie, die Vorstellung vom Jüngsten Tag ins Lächerliche zu ziehen. Ihr Gewissen sagt ihnen, dass sie, egal welche Form ihre Selbstsucht annimmt, dem Herrn Rechenschaft ablegen müssen. Daher ihr Spott, der Ausdruck eines schlechten Gewissens: „Wo ist das verheißene Kommen des Herrn, an den ihr Christen angeblich glaubt? Die Naturgesetze sind unveränderlich; die Materie ist ewig; und diese Welt wird für immer bestehen bleiben. Die Gläubigen des Alten Testaments, die auf das Kommen des Herrn hofften, starben, ohne die Erfüllung ihrer Hoffnungen gesehen zu haben, und so wird es immer sein.“
Die
Antwort des Petrus, die die Gewissheit der Wiederkehr des Herrn zeigt (V.
5-10): In seiner Erwiderung wirft Petrus den Spöttern böswillige Ignoranz vor:
Denn sie bemerken nicht, dass der Himmel vorzeiten auch war, dazu die Erde, die
aus Wasser und durch Wasser Bestand hatte durch Gottes Wort. Petrus behauptet,
dass es bestimmte Tatsachen im Zusammenhang mit der Erschaffung der Welt gibt,
die selbst für den flüchtigen Beobachter offensichtlich sind, und dass die
Leugnung dieser Tatsachen daher die Tendenz offenbart, die den Geist der
Spötter beherrscht. Es entgeht ihnen, es ist ihnen verborgen, weil sie ihre
Augen vor den offensichtlichen Beweisen verschließen. Von Anfang an waren die
Himmel da; sie wurden vom Herrn gleich zu Beginn seiner schöpferischen Arbeit
erschaffen, 1. Mose 1,1. Und die Erde, das trockene Land, wurde durch die
Trennung von Erde und Wasser geformt, so wie sie bis heute durch Wasser
fruchtbar gehalten wird, 1. Mose 2,6. Die Erde ist also nicht von selbst
entstanden, sie hat sich nicht im Laufe von Äonen oder Millionen von Jahren aus
irgendwelchen Uratomen entwickelt, sondern sie wurde
durch das Wort Gottes geschaffen, durch das Wort seiner allmächtigen Kraft ins
Dasein gerufen.
Auf
diese Welt kam der zerstörerische Zorn Gottes herab: Dadurch wurde die damals
existierende Welt, die von Wasser überflutet wurde, zerstört. Durch das Wort
des Herrn wurde die Welt erschaffen, durch die Kraft des Wassers erhielt sie
ihre Existenz. Aber wiederum durch das Wort Gottes und durch Wasser als
zerstörerische Kraft ging die damals existierende Welt zugrunde. Die Wasser,
die sich auf das allmächtige Wort Gottes zurückgezogen hatten, stiegen auf
seinen Befehl hin wieder auf, und das trockene Land wurde überflutet, und alle
Geschöpfe, die den Atem des Lebens in sich trugen, gingen zugrunde – mit
Ausnahme der wenigen, die auf Gottes Befehl hin in die Arche gebracht wurden.
Hier ist eine Antwort für die Spötter, dass die Dinge nicht immer so blieben,
wie sie am Anfang waren.
Der
Apostel legt nun im Gegensatz zu diesem eitlen Geklimper die Wahrheit dar: „Der
jetzige Himmel aber und die jetzige Erde sind durch dasselbe Wort für das Feuer
aufgespart worden für den Tag des Gerichts und des Verderbens der gottlosen
Menschen.“ Der Himmel, wie er jetzt über unseren Köpfen erscheint, und diese
Erde, wie sie nach der Sintflut in ihren verschiedenen Formen zu neuem Leben
erblühte, werden jetzt wie ein Schatz gehütet und zusammengehalten, nicht durch
ewige und blinde Naturkräfte, sondern durch das Wort des Herrn. Aber der Zweck
dieser sorgfältigen Überwachung durch den Herrn besteht nicht darin, dass die
Welt ewig bestehen bleibt. Sie wird vielmehr für die Zerstörung durch Feuer
bewahrt. Die Welt, wie die Menschen von Adam bis Noah sie kannten, wurde durch
Wasser zerstört; die Welt, wie sie von den Nachkommen Noahs bevölkert wurde,
wird für das Feuer gerettet, das das Jüngste Gericht begleiten wird. Die
Spötter mögen jetzt spotten und lästern, aber der Tag wird kommen, an dem die
Geduld Gottes ein Ende hat. Dann wird er Gericht halten; dann wird jeder
sündige Gedanke, jedes sündige Wort und jede sündige Tat zur Rechenschaft
gezogen werden müssen; dann werden die Gottlosen, die Spötter, die Ungläubigen
zur ewigen Vernichtung verurteilt werden.
Zu
seinem ersten Argument bezüglich des bevorstehenden Tages des Jüngsten Gerichts
fügt der Apostel nun ein weiteres hinzu, um die scheinbare Verzögerung zu
erklären: Aber eines sollte euch nicht verborgen bleiben, Geliebte, dass ein
Tag vor dem Herrn wie tausend Jahre und tausend Jahre wie ein Tag sind. Es
besteht immer die Gefahr, dass der Spott der Ungläubigen nur einen kleinen
Zweifel im Herzen der Christen hinterlässt, zumal sich so viele der Zeichen,
die dem Kommen des Herrn vorausgehen sollten, erfüllt haben. Aber Christen
sollten sich nicht irreführen lassen. Sie sollten nicht vergessen, sollten
nicht aus den Augen verlieren, dass ihr Herr der ewige Gott ist, vor dem
tausend Jahre menschlicher Zeitrechnung wie ein Tag und ein einziger Tag wie
tausend Jahre sind. Für den ewigen Gott existiert keine Zeit, Ps. 90,4. Was uns
lang erscheint, ist für den Herrn nur wie der Tag, der gerade vergangen ist.
Wenn sich die Wiederkunft des Herrn für unseren begrenzten Verstand übermäßig
verzögert, wissen wir dennoch, dass sein Wort und sein Versprechen sicher und
zuverlässig sind.
Darüber
hinaus ist es keine bloße Laune des Herrn, sein Kommen zu verzögern: Der Herr
verzögert nicht mit dem Versprechen, wie manche es als Verzögerung betrachten,
sondern er ist langmütig in Bezug auf Sie, er möchte nicht, dass jemand
zugrunde geht, sondern dass sich alle zur Umkehr bekehren. Es ist nicht
richtig, davon zu sprechen, dass der Herr sein Versprechen verzögert oder
nachlässig erfüllt, das entspricht nicht den Tatsachen. Er ist der wahre und
treue Gott, der seine Versprechen hält und sie zu dem Zeitpunkt erfüllt, an dem
er glaubt, dass die Erfüllung kommen sollte. Der Grund, warum er noch nicht
zugelassen hat, dass der Tag des Gerichts anbricht, ist vielmehr einer, der uns
erneut die wunderbare Liebe zu den Sündern vor Augen führt, die sein Herz
erfüllt. Er ist geduldig, er ist langmütig; er sendet seine Diener immer noch
in alle Teile der Welt, weil er nicht den Tod eines einzigen Sünders will. Er
möchte, dass sich alle Menschen in wahrer Reue und im Glauben an ihn wenden; er
möchte, dass sie alle seine Gnade und Barmherzigkeit in Jesus Christus, dem
Erlöser, annehmen. Seine liebevolle Güte und sein zärtliches Erbarmen
verlängern sozusagen die Zeit der Gnade um ein Jahr nach dem anderen, damit so
viele Menschen wie möglich die Botschaft der Erlösung hören und zum Herrn
kommen.
All
diese Überlegungen ändern jedoch nichts an einer Tatsache: Der Tag des Herrn
wird jedoch kommen wie ein Dieb, in dem die Himmel mit einem Knistern vergehen
und die Elemente, die verbrannt werden, aufgelöst werden und die Erde und die
Werke in ihr verbrannt werden. Jedes Wort dieses Verses betont die
unvermeidliche Gewissheit des Kommens des Herrn. Der Tag des Herrn, der Tag des
Gerichts, kommt ohne den Schatten eines Zweifels. Außerdem sollten die
Gläubigen bedenken, dass dieser Tag wie ein Dieb kommt, Matth.
24,43; 1. Thess. 5,2; Offb. 3,3; 16,15, d. h., sein Kommen wird plötzlich und
unerwartet sein, sein tatsächliches Kommen wird für alle eine Überraschung
sein. Das Kommen des Herrn an diesem Tag wird das Ende der Welt einläuten. Das
Firmament des Himmels wird beben und zerbrechen und verschwinden, mit einem
knisternden Geräusch und Getöse wie bei einer verzehrenden Flamme. Die
Elemente, aus denen die Erde besteht, werden in ihrer jetzigen Form durch
Verbrennung aufgelöst, und die Erde selbst und alle Werke auf der Welt, all die
mächtigen und prächtigen Bauwerke der Menschenhand, die riesigen Städte mit
ihren stolzen Wolkenkratzern, die großen Schiffe und alle Transportmittel, die
der Erfindungsreichtum des Menschen für den Einsatz auf See, an Land und in der
Luft entwickelt hat, all die wunderbaren Kunstwerke, die mit solcher
Selbstgefälligkeit ausgestellt werden: Sie alle werden bei der Zerstörung am
letzten Tag durch Feuer vernichtet werden. Diese Tatsache dürfen die Christen
nie aus den Augen verlieren; sie muss gewissermaßen eine Norm sein, die all
ihre Handlungen in dieser Welt steuert.
Die
Haltung der Christen (V. 11-13): Der Apostel wendet hier die Lehre
aus den von ihm angeführten Tatsachen auf die Situation der Gläubigen an: Da
nun alles vergehen wird, wie sollt ihr dann dastehen in heiligem Wandel und
frommem Wesen, die ihr das Kommen des Tages Gottes erwartet und beschleunigt?
An jenem Tag wird sich der Himmel in Feuer auflösen und die Elemente werden im
Brand zerschmelzen. Die Gedanken und der Geist der Christen dürfen unter keinen
Umständen an den Dingen dieser Welt, an den Reichtümern dieser Erde,
festhalten, denn sie wissen, dass diese Welt mit allem, was sie enthält, nicht
für immer bestehen bleibt, sondern mit Sicherheit zerstört werden wird.
Angesichts dieser Gewissheit ist der Geist der Christen andererseits immer mit
der Frage beschäftigt, welche Auswirkungen ihr Wissen über die bevorstehende
Katastrophe auf ihr gesamtes moralisches und religiöses Leben haben sollte. Der
Apostel gibt die Antwort und sagt uns, dass unser Verhalten heilig und
untadelig sein sollte, dass unser Verhalten zu jeder Zeit wahre Frömmigkeit und
Ehrfurcht vor seinem heiligen Willen zum Ausdruck bringen sollte. In diesem
Geisteszustand sollten wir das Kommen des großen Tages Gottes sehnlichst
erwarten, uns darum bemühen, vor dem Herrn in seinem Gericht bestehen zu
können, alles daransetzen, den einfachen Glauben und das Vertrauen in Jesus in
unseren Herzen zu bewahren und die Früchte dieses Glaubens in einem Leben der
Liebe zu ihm und unseren Nächsten zu zeigen. Immer wieder sagen wir Christen
uns selbst, dass diese Welt nicht unsere Heimat ist, dass all die Dinge, auf
die die Menschen in der heutigen Zeit vertrauen, in Feuer aufgelöst und in
einen Zustand versetzt werden, in dem die Elemente selbst in einem flüssigen
Zustand sind und nicht die geringste Ähnlichkeit mit ihrer jetzigen Form haben.
Der gegenwärtige Himmel und die gegenwärtige Erde werden vergehen, nicht in
völliger Zerstörung, sondern um in eine neue Form der Existenz verwandelt zu
werden.
Das ist es, was der Apostel nun zu unserem Trost darlegt: Wir erwarten aber einen neuen Himmel und eine neue Erde nach seinen Verheißungen, in denen die Gerechtigkeit wohnt. Nachdem diese alte Erde gemäß der Beschreibung des Apostels vergangen ist, wird es einen neuen Himmel und eine neue Erde geben. Das ist keine vergebliche Hoffnung, kein bloßer Tagtraum der Christen, sondern unser Glaube basiert auf Gottes Verheißungen, Jes. 65,17; 66,22. Da unsere Erwartung auf dem Wort Gottes beruht, werden wir uns nicht schämen. Diese alte Erde ist voller Sünde und Ungerechtigkeit, selbst die Geschöpfe, die stummen Tiere, stöhnen vor Schmerz unter dem Fluch der Sünde, Röm. 8, 22. Aber nach dem letzten Tag wird es keine Sünde mehr geben; auf der neuen Erde wird nur Gerechtigkeit, Freude und Frieden leben. Das ist unsere Hoffnung, unser Trost und unser Trost. Wir wissen, dass die Leiden der gegenwärtigen Zeit nicht ins Gewicht fallen gegenüber der Herrlichkeit, die an uns und in uns offenbar werden soll (Röm. 8,18).
Eine
Ermahnung zur Standhaftigkeit (V. 14-18): Die Tatsache, dass die neue Erde
der Ort der Gerechtigkeit sein wird, beinhaltet eine feierliche Warnung an alle
Gläubigen: Darum, ihr Lieben, weil ihr dies erwartet, bemüht euch, untadelig
und makellos vor ihm zu sein. Wir Christen wissen, dass ein Leben der
Heiligung, in dem wir Sünde meiden und ernsthaft danach streben, den Willen
Gottes in jeder Hinsicht zu erfüllen, keine Erlösung verdient. Aber als Kinder
Gottes ist es unser einziger Wunsch, unserem himmlischen Vater zu gefallen,
indem wir ein Leben führen, das seinem Willen entspricht. Da wir an der
Erlösung durch Christus teilhaben, haben wir auch seine vollständige Erfüllung
des Gesetzes Gottes empfangen, seine Gerechtigkeit wurde uns zugerechnet. Aus
diesem Grund ist es für Christen zumindest möglich, ein Leben der Heiligung zu
beginnen.[4]
Eines
dürfen Christen nie aus den Augen verlieren: Und betrachten Sie die Langmut
unseres Herrn als Erlösung. Dass der Herr so viel Geduld mit den Menschen auf
der Welt hat, auch mit uns, dass er nicht so oft Strafe schickt, wie wir es
verdienen, und nicht in dem Maße, wie wir es verdienen, bedeutet für uns
Rettung. Die gegenwärtige Zeit ist für uns immer noch eine Zeit der Gnade, und
wir sollten uns ernsthaft darum bemühen, das Beste aus dieser Zeit zu machen,
in dem Wissen, dass Gottes Belohnung der Gnade am Ende über uns kommen und uns
gegeben werden wird.
Petrus
bezieht sich nun auf die Briefe des Paulus, um seine Worte zu untermauern: Wie
auch unser geliebter Bruder Paulus, gemäß der ihm verliehenen Weisheit, euch
geschrieben hat, wie auch in allen seinen Briefen, in denen er über diese Dinge
spricht, in denen es einige schwierige Passagen gibt, die von den Ungebildeten
und Unentschlossenen verdreht werden, wie auch die anderen Schriften, zu ihrem
eigenen Verderben. Zwei Punkte sind hier offensichtlich: die Inspiration der
Briefe des Paulus und die Übereinstimmung zwischen der Lehre, wie sie von den
verschiedenen Aposteln gelehrt wurde. Petrus sagt von Paulus, dass er ein
geliebter Bruder ist, ein Lehrer der Kirche, der mit sich selbst ist, dass
Paulus nicht seine eigene Philosophie geschrieben hat, sondern das, was die
Weisheit von oben ihn zu sagen veranlasste. Petrus mag dabei besonders die
Briefe des Paulus an die Galater und an die Epheser im Sinn gehabt haben. In
diesen Briefen sowie in anderen, die Paulus an verschiedene Gemeinden sandte,
behandelte er dieselben Lehren, dieselben grundlegenden Wahrheiten des
Christentums, die Petrus hier besprochen und gelehrt hatte. Mit einem Hauch von
Traurigkeit fährt der Apostel jedoch fort und erklärt, dass einige Menschen,
die ungebildet waren, denen es sowohl an geistiger Schulung als auch an einem
ausgewogenen Urteilsvermögen mangelte, und einige, die unstet waren, die noch
nicht vollständig und fest in der christlichen Lehre verankert waren, seine
Worte und Aussagen verzerrt oder verdreht hatten. Das Gleiche hätten sie auch
mit den anderen Schriften getan, mit den Schriften der Propheten, Apostel und
Evangelisten, und das zu ihrer eigenen Verdammnis. Es scheint seltsam, dass die
Heilige Schrift, die in so einfachen, unmissverständlichen Abschnitten die
grundlegenden Wahrheiten der Erlösung enthält, dennoch vielen Menschen, die in
der Regel nicht über die nötige Ausbildung für eine intensive Auslegung der
Bibel verfügen, Anlass gibt, die größten Irrlehren zu verbreiten. Man braucht
nur einige Seiten in den Büchern zu überfliegen, die von den modernsten
Sektierern veröffentlicht wurden, um sich von der Wahrheit dieser Aussage zu
überzeugen. Was Paulus und Petrus und alle Apostel über die christliche
Freiheit, über Sünde und Gnade, über die Verderbtheit der menschlichen Natur,
über die Erlösung allein durch Gnade lehrten, all diese Lehren werden entstellt
und verdreht und verändert, bis es für die Leser unmöglich ist, aus der
Darstellung irgendeine Befriedigung zu ziehen. Und die Autoren, es sei denn,
der Glaube ihres Herzens weicht vom Glauben ihrer Feder ab, werden selbst
verdammt werden. Wir folgen einfach Luthers Regel und erklären die schwierigen
Passagen im Lichte derjenigen, die absolut klar sind. Und wo eine Lösung nicht
möglich ist, lehren wir unsere Herzen fröhlich Geduld, in dem Wissen, dass uns
alles klar werden wird, wenn wir unser Zuhause im Himmel erreichen.
Übrigens
beherzigen wir die Warnung des Apostels: Ihr aber, Geliebte, da ihr dies vorher
wisst, seid achtsam, damit ihr nicht durch den Irrtum gesetzloser Menschen mit
fortgerissen werdet und (ihr) von eurem eigenen Fundament abfallt. Durch
Warnungen wie diese sind Christen in der Lage, nach Sektierern Ausschau zu
halten, die das gnädige Evangelium Jesu Christi verdrehen. Sie wissen, was sie
erwarten können, und verhalten sich entsprechend. Sie werden nicht zulassen,
dass die falschen Interpretationen gottloser und pietätloser Menschen sie
überschwemmen, sie von den Füßen reißen und sie ihr Fundament verlieren lassen.
Sie haben die vertrauenswürdige, solide Grundlage des Evangeliums und werden
nicht den Treibsand der menschlichen Interpretation des Wortes riskieren. Das
Wort interpretiert sich selbst, und wir sollten mit der so angebotenen
Erklärung zufrieden sein und nicht nach Interpretationen suchen, die die
menschliche Vernunft zufriedenstellen sollen.
Mit diesem Gedanken im Hinterkopf schließt der Apostel: Wachsen wir aber in der Gnade und im Verständnis unseres Herrn und Erlösers Jesus Christus. Das ist das Glück des Christen: in der Gnade zu wachsen, in der auf dem Evangelium gründenden Überzeugung, dass wir die Gnade Gottes in Christus Jesus besitzen, dass uns seine Verdienste zugerechnet wurden und dass unser Erbe uns oben erwartet. Indem wir uns Tag für Tag fester in dieser Überzeugung verankern, wachsen wir auch in der Erkenntnis unseres Herrn und Erlösers Jesus Christus; denn diese Tatsachen sind die wesentlichen Tatsachen für dieses Leben und für die kommende Welt. Deshalb schließen wir uns dem Apostel in seiner inbrünstigen Doxologie zum Lobpreis Christi, des Erlösers, an: Ihm sei die Ehre jetzt und bis zum Tag der Ewigkeit. Amen.
Zusammenfassung: Indem er vom
sicheren Kommen des Tages des Herrn spricht, warnt der Apostel vor den
Spöttern, die sich über diese Vorstellung lustig machen, betont die Gewissheit
der Wiederkunft des Herrn, zeigt, welche Haltung die Christen einnehmen
sollten, und ermahnt sie, alle Standhaftigkeit im Glauben zu zeigen.
A Entnommen aus: Dr. Martin Luthers Sämtliche Schriften. Hrsg. von Joh. Georg Walch. Nachdr. der 2., überarb. Aufl. St. Louis, Missouri. Bd. 14. Groß Oesingen: Verl. der Lutherischen Buchhandlung Heinrich Harms. 1987. Sp. 124-125
B Hier folgt 1522: Nun ist’s vor Gott alles, was stirbt; was aber lebt, ist vor den Menschen. Darum ist ei’m jeglichen der Jüngste Tag bald kommen nach seinem Tod.
C Das Folgende bis zum Schluss fehlt in der Ausgabe von 1522.
[1] Fürbringer, Einleitung in das Neue
Testament, 92
[2] Für
V. 16-21 vgl. Lehre und Wehre, 1918, 97-118
[3] Expositor’s Greek Testament, 5,
137
[4] Für
V. 3-14 vgl. Homiletisches Magazin, 28 (1902), 321-335