Von den Konzilen und Kirchen
Martin Luther
15391
Einleitung
An der Schrift „Von den Konzilen und Kirchen“ arbeitete Luther schon im Winter 1536 auf 1537. Im März 1539 vollendete er sie. Er selbst war unzufrieden damit: „schwach und wortreich“ schilt er sie in einem Briefe an Melanchthon. Und doch ist sie eine seiner klarsten und gehaltvollsten Schriften. Sie behandelte ein sehr zeitgemäßes Thema: was ein Konzil sei und wozu es Macht habe, und darnach ein noch wichtigeres: was, wer und wo die Kirche sei.
Die Frage nach der Bedeutung und Befugnis eines Konzils war damals brennend. Denn wenn seit lange die abendländische Christenheit umsonst vom Papste die Einberufung eines solchen begehrt hatte, endlich traf der Papst ernstlicher Anstalt dazu. Paul III. (1534-1549) berief am 12. Juni 1536 die allgemeine Kirchenversammlung auf den 23. Mai 1537 nach Mantua, und als Kaiser Karl V. und König Franz I. von Frankreich in demselben Jahre 1536 zum dritten Male mit einander in Krieg gerieten, auf den 1. Mai 1538 nach Vicenza, um es dann aus allerhand wichtigen und nichtigen Ursachen gar auf unbestimmte Zeit hinauszuschieben.
Dass Luther von einem Konzil nichts hoffte und an den ernsten Willen des Papstes, es zu Stande zu bringen, nicht glaubte, war nach den Erfahrungen, die er mit Rom und seiner Unbußfertigkeit gemacht hatte, natürlich. Aber es lag ihm am Herzen, da doch die Aussicht auf ein Konzil die Gemüter aufs lebhafteste bewegte, der Christenheit zu sagen, was denn überhaupt von Konzilen zu halten sei.
Einst bei der Leipziger Disputation (1519) war es ihm selbst zur Gewissheit gekommen, dass auch ein allgemeines Konzil irren könne; die Verurteilung eines Hus und seiner Lehre durch die zu Konstanz Versammelten hatte ihn davon überführt. Jetzt, nach zwanzig Jahren, hat er seine Ansicht dahin abgeklärt, dass Konzile neue Glaubensartikel auszustellen überhaupt nicht befugt sind, sondern nur den alten Glauben gegen neue Lehren zu verteidigen haben, und zwar auf Grund der Heiligen Schrift, welche die ganze und reine Wahrheit ein für allemal enthält. Auch neue Werke dürfen sie nicht gebieten und allerhand äußere Einrichtungen nur in der Weise einsetzen, dass sie die Gewissen nicht belasten. Ein Pfarrer und Schulmeister, der Eltern zu schweigen, haben in ihrem Kreis mehr Macht, als ein Konzil über die Gemeinde. Vgl. besonders Seite 125 ff.
Die beiden ersten Hauptteile der Schrift (Seite 10 bis 136) sind so der Frage nach dem Konzil gewidmet. Luther geht darin ausführlich auf die Geschichte der vier ersten Hauptkonzile ein. Diese Erörterungen können nicht auf die andauernde Teilnahme aller Leser rechnen; umso nachdrücklicher gilt es auf den dritten Hauptteil und seine Wichtigkeit hinzuweisen. Würdigt man die Schrift vom geschichtlichen Standpunkt, so gehört sie auch um ihrer Lehre vom Konzil willen zu den „reformationshistorischen Schriften“; die im dritten Hauptteil enthaltene Lehre von der Kirche aber hat geradezu den Beruf, auch heute noch reformatorisch zu wirken.
„Es weiß Gott Lob! ein jedes Kind von sieben Jahren, was die Kirche sei“, rühmt Luther in den Schmalkaldischen Artikeln von den evangelischen Gemeinden. Heute wird kein Protestant so kühn sein, ihm das nachzusprechen, denn es ist bei Gelehrten und Ungelehrten viel Streit über den Begriff „Kirche“. Und leider nennen wir ja bis heute sogar verschiedene Dinge mit demselben Namen „Kirche". Luther weiß und redet von gar keiner anderen Kirche als von der, die „der Kinderglaube“, der dritte Artikel unsers zweiten Hauptstücks meint. Von Landeskirchen, Freikirchen und Bekenntniskirchen, von einer Lutherischen Kirche kein Wort. Der Papstkirche mit ihrer äußerlichen Verfassung, Macht und Pracht, ihrem Recht und Anspruch setzt er entgegen die wahre Kirche, die nur Eine ist, die heilige, allgemeine, christliche Kirche. Er verdeutscht das um seiner Unverständlichkeit w willen nicht genug zu beklagende Fremdwort „Kirche“ und führt dafür das Wort „Volk“ oder „Gemeinde“ ein. Diese wahre heilige Christengemeinde ist allezeit auf Erden gewesen (auch unter dem Papsttum) und muss allezeit auf Erden sein, das ist einfach ein christlicher Glaubenssatz. An sieben äußeren sichtbaren Zeichen2 kann man aber sehen und merken, dass und wo diese wahre Christengemeinde da ist: 1. wo das Wort Gottes öffentlich gepredigt wird, 2. wo die Taufe, 3. das heilige Abendmahl, 4. das Schlüsselamt (d. i. Vergeben und Strafen der Sünde) öffentlich ausgeübt wird, 5. wo man Kirchendiener weiht und beruft, also ein ordentliches Predigt- und Seelsorgeramt hat, 6. wo öffentliches Gebet, Loben und Danken im Schwange geht, 7. wo Kreuz und Verfolgung ist. Außerdem, sagt er, gebe es noch mehr solche Erkennungszeichen, aber die seien nicht so sicher.
Zum Schluss kommt er wieder auf die von ihm so hoch geachtete Schule zu sprechen und von der Schule auf die Familie und die Obrigkeit, wir würden sagen, den Staat. Familie, Staat und Kirche bilden zusammen die drei göttlichen Regimente oder Ordnungen. Sind diese drei heiligen Ordnungen vorhanden, so bedarf es des Papstes, seiner Kirche und seines Regimentes nicht.
Mit dieser Lehre Luthers von der Kirche sind die mancherlei wichtigen Verfassungsfragen, die sich an den äußeren Bestand der Christenheit, an das öffentliche kirchliche Leben knüpften, nicht entschieden. Sie fallen für Luther unter die äußerlichen Weisen", dadurch die Christengemeinde nicht geheiligt wird und die also nach ihrer praktischen Zweckmäßigkeit zu ordnen sind. Lässt darum Luthers Lehre von der Kirche viele praktisch wichtige Punkte offen, so bietet sie doch auch gegenwärtig noch dem evangelischen Christenvolk den wahrhaft evangelischen Grund, auf dem jede äußerliche, rechtlich verfasste Kirchengemeinschaft sich aufbauen muss, wenn ihr Sonderdasein die Eine wahre christliche Kirche nicht vielmehr hindern statt fördern soll3
Rade.
Ich habe oft selbst mit gelacht, wo ich gesehen, dass man den Hunden an dem Messer einen Bissen Brot geboten, und wenn sie darnach geschnappt, mit dem Heft auf die Schnauze geschlagen hat, dass die armen Hunde nicht allein den Schaden, sondern auch den Schmerz dazu haben mussten; und ist ein feines Gelächter. Ich dachte aber zu der Zeit nicht, dass der Teufel mit uns Menschen auch also sein Gelächter hätte und uns für solche arme Hunde hielte, bis ich's erfahren habe an dem heiligsten Vater, dem Papste, beides, in seinen Bullen, Büchern und täglichen Praktiken, da er mit der Christenheit auch ein solches Hundescherzlein treibt; aber, Herr Gott! mit wie großem Schaden der Seelen und Spott der göttlichen Majetztät. Gleichwie er jetzt mit dem Konzil tut. Da hat alle Welt nach geschrien und gewartet, der gute Kaiser samt dem ganzen Reich nun bei zwanzig Jahren darnach gearbeitet, der Papst auch immer vertröstet und verzogen und dem Kaiser, als einem Hunde, den Bissen Brods immer geboten, bis er seine Zeit ersehen: da schlägt er ihn über die Schnauze und spottet seiner dazu als seines Narren und Gaukelmännleins.
Denn er schreibt nun zum drittenmale das Konzil aus, aber schickt zuvor in die Länder seine Apostel und lässt Könige und Fürsten vereidigen, dass sie bei des Papstes Lehre bleiben sollen. Dazu stimmen die Bischöfe samt ihren Geistlichen und wollen schlechthin nichts nachgeben noch reformieren lassen. Und ist also bereits das Konzil geschlossen, ehe denn es angeht. Nämlich, dass man nichts reformieren soll, sondern alles halten, wie es bisher in Brauch gekommen ist. Ist das nicht ein feines Konzil? Es ist noch nicht angegangen und hat bereits ausgerichtet, was es ausrichten sollte, wenn es anfinge. Das heißt, den Kaiser auf die Schnauze geschlagen, ja den heiligen Geist übereilt und ihm weit zuvorgekommen. Ich hab's aber wohl besorgt, auch oft geschrieben und gesagt, sie würden und könnten kein Konzil halten, es wäre denn, dass sie den Kaiser, die Könige und Fürsten zuvor gefangen und in der Hand hätten, auf dass sie aller Dinge frei sein möchten zu sehen, was sie wollten, ihre Tyrannei zu stärken und die Christenheit zu drücken mit viel größerer Last, denn zuvor je geschehen.
In dem Namen Gottes, wenn ihr Herren, Kaiser, Könige, Fürsten es gern so habt, dass euch solche verzweifelte, verdammte Leute auf dem Maule trampeln und auf die Schnauze schlagen: so müssen wir's geschehen lassen und denken, sie haben's zuvor auch wohl ärger gemacht, da sie Könige und Kaiser abgesetzt, verflucht, verjagt, verraten, ermordet und eitel Teufels Mutwillen mit ihnen gespielt haben, wie die Historien zeugen, und solches auch noch zu tun gedenken. Christus wird dennoch seine Christenheit zu finden und zu erhalten wissen, auch gegen die höllischen Pforten, wenn gleich Kaiser und Könige nichts dazu tun könnten noch wollten. Er kann ihrer Hülfe leichter entraten, wie sie seiner Hülfe entraten können. Wie hat er tun müssen, ehe denn Kaiser und Könige geboren wurden? Und wie müsste er tun, wenn jetzt kein Kaiser noch König wäre, ob gleich die Welt voll Teufel gegen ihn tobte? Er ist sauer Essens nicht ungewohnt und kann wiederum noch viel Saures kochen. Weh denen, so es essen müssen!
Aber wir armen, schwachen Christen, die bei solchen Heiligen Kezer heißen müssen, sollen fröhlich und guter Dinge sein, Gott, den Vater aller Barmherzigkeit, mit allen Freuden loben und danken, dass er sich unser so herzlich annimmt und unsere Mörder und Blutunde mit solcher ägyptischen Blindheit und jüdischem Wahnwitz schlägt, dass sie sich vorsehen müssen, schlechthin nichts zu weichen in keinerlei Stück und eher die Christenheit zu Grunde gehen lassen wollen, ehe sie die geringste Abgötterei (derer sie voll und über voll stecken) reformieren lassen wollten. Solches rühmen sie und tun's auch. Fröhlich, sage ich, sollen wir sein. Denn damit machen sie unsere Sachen besser, wie wir je begehrt, und ihre Sachen ärger, wie sie jetzt denken mögen. Sie wissen und bekennen, dass sie in vielen Stücken Unrecht, dazu die Schrift und Gott gegen sich haben und wollen dennoch mit dem Kopfe hindurch gegen Gott und Unrecht für Recht wissentlich verteidigen. Sollte doch ein armer Christ auf solchen Trost, auch ungebeichtet, zum Sakrament gehen und hundert Hälse daran wagen, wo er sie hätte, wenn er sieht, ja wohl greifen muss, dass Gott hier und der Teufel dort regiert.
So haben wir nun den endlichen Beschluss des künftigen Konzils zu Vincenz [Vincenza. Das vom Papst dorthin auf. den 1. Mai 1538 einberufene Konzil war nicht zu Stande gekommen.], und das strenge Urteil des jüngsten (als wohl zu achten) Konzils, dass alle Welt verzweifeln soll an der Reformation der Kirche und kein Verhör zugelassen werden kann, sondern sie wollen eher die Christenheit (wie sie rühmen) zu Grunde gehen lassen, das ist, den Teufel selbst zum Gott und Herrn haben, ehe sie Christus haben und ein kleines Stück ihrer Abgötterei lassen wollten. Daran nicht genug, sondern sie wollen mit dem Schwert uns arme Christen zwingen, dass wir auch den Teufel mit ihnen wissentlich anbeten und Christus lästern sollen. Dergleichen Tross ist in keiner Historie noch Zeit je gelesen noch erfahren. Andere Tyrannen haben doch die arme Ehre, dass sie unwissend den Herrn der Majetztät kreuzigen, wie die Türken, Heiden und Juden; aber hier sind sie, die unter Christus Namen und als Christen, ja die höchsten Christen, sich brüsten und rüsten gegen Christus, sprechen: Wir wissen, dass Christus Wort und Tun gegen uns ist; dennoch wollen wir sein Wort nicht leiden noch weichen, sondern er soll uns weichen und unsere Abgötterei leiden; wollen dennoch Christen sein und heißen.
Weil denn der Papst mit den Seinen schlicht abschlägt, ein Konzil zu halten und die Kirche nicht reformieren, noch einigen Rath oder Hülfe dazu tun, sondern seine Tyrannei mit Frevel verteidigen, die Kirche zu Grunde gehen lassen will: so können wir nicht weiter und müssen, als die vom Papst so kläglich verlassenen, uns anderswo um Rat und Hülfe umtun und zuvörderst bei unserm Herrn Christus eine Reformation suchen und bitten. Denn um solcher verzweifelten Tyrannen Bosheit willen, die uns zwingen zu verzweifeln an einem Konzil und Reformation, müssen wir nicht auch an Christus verzweifeln oder die Kirche ohne Rath und Hülfe verlassen, sondern dazu tun, was wir können, und sie zum Teufel fahren lassen, wie sie wollen.
Und hiermit zeugen und schreien sie über ihren eigenen Hals, dass sie die rechten Antichristen und Autokatakriten [durch sich selbst Verurteilte] sind, die sich selbst verdammen und halsstarrig verdammt sein wollen. Schließen sich damit selbst aus der Kirche und rühmen öffentlich, dass sie der Kirche ärgste Feinde sein und bleiben wollen. Denn wer da spricht, er wolle eher die Kirche zu Grunde gehen lassen, ehe er sich bessern lassen wollte oder in einem Stück weichen, der bekennt damit klar und öffentlich, dass er nicht allein kein Christ, noch in der Kirche sein will (welche er lieber will untergehen lassen, auf dass er bleibe und nicht in der Kirche mit untergehe), sondern will auch dazu tun, dass die Kirche untergehen solle; wie sie denn auch solches alles über solche Worte mit der Tat schrecklich beweisen und so viele hundert Pfarren wüste werden und die Kirchen ohne Hirten, Predigt und Sakrament verderben lassen.
Vor Zeiten ließen sich die Bischöfe, ja auch ein jeglicher Christ (wie auch noch) martern und gingen mit Dank und Lust zu Grunde für die liebe Kirche, und Christus ging selber zu Grunde für seine Kirche, auf dass dieselbe bliebe und erhalten würde. Aber der Papst mit den Seinen rühmen jetzt so: Die Kirche solle für sie zu Grunde gehen, auf dass sie bleiben mögen in ihrer Tyrannei, Abgötterei, Büberei und allerlei Schalkheit. Wie dünkt dich um diese Gesellen? Sie wollen bleiben: die Kirche soll untergehen. Wo wollen wir nun hinein oder hinaus? Soll aber die Kirche untergehen, so muss Christus zuvor untergehen, auf den sie gebaut ist, als auf einen Felsen gegen die höllischen Pforten. Soll Christus untergehen, so muss Gott selber zuvor untergehen, der solchen Fels und Grund gelegt hat. Wer hätte sich vermuten können, dass solche große Gewalt bei solchen Herren wäre, dass auch vor ihrem Drohen die Kirche so leichtlich zu Grunde gehen müsste, samt Christus und Gott selber? Sie müssen weit, weit mächtiger sein, wie die Pforten der Hölle und alle Teufel sind, vor welchen die Kirche geblieben ist und bleiben muss.
Sie schreien, sage ich, hiermit über sich selbst, dass sie nicht die Kirche wollen noch in der Kirche sein, sondern wollen der Kirche ärgste Feinde sein und helfen, dass sie zu Grunde gehe. Haben sie uns doch bisher so wohl geplagt und gejagt mit dem Worte Kirche, Kirche! und ist des Schreiens und Speiens kein Maß noch Ende gewesen, man solle sie für die Kirche halten, und haben uns jämmerlich verketzert, verflucht, ermordet, dass wir sie nicht als die Kirche haben hören wollen. Jetzt meine ich ja, sind wir redlich und gewaltig absolviert, dass sie uns nicht mehr wollen noch können Kezer schelten, weil sie nicht mehr gerühmt sein wollen als die Kirche, sondern wollen als Feinde die Kirche untergehen lassen und auch helfen unterdrücken. Denn es reimt sich nicht zusammen, dass sie zugleich die Kirche sein könnten und doch die Kirche lassen untergehen, ehe sie untergehen wollten, ja ein Haar breit von sich lassen untergehen. Das ist heraus und heißt: Ex ore tuo te iudico, serve nequam [Aus deinem Mund richte ich dich, du Schalk (Luk. 9, 22)].
Wenn der jüngste Tag nicht nahe vorhanden wäre, so wäre es nicht Wunder, dass über solcher Lästerung Himmel und Erde einfiele. Aber weil Gott solches leiden kann, muss der Tag nicht fern sein. Doch des alles lachen sie und denken nicht, dass sie Gott verblendet, wahnsinnig, toll und töricht gemacht hat, sondern müssen's für große Weisheit und Mannheit halten. Ich wollte auch mit sicher sein, wenn sie allein in ihrem Toben anzusehen wären. Aber der große Zorn Gottes, der sich an ihnen erzeigt, erschreckt mich sehr, und es wäre hohe Zeit und Noth, dass wir alle weinten und mit Ernst beteten, wie Christus über Jerusalem tat (Luk. 23, 28) und den Weibern verbot, sie sollten nicht über ihn, sondern über sich selbst und ihre Kinder weinen. Denn sie glauben nicht, dass die Zeit ihrer Heimsuchung da sei, und wollen's nicht glauben, ob sie es gleich sehen, hören, riechen, schmecken, greifen und fühlen.
Wie soll man's nun fortan angreifen, weil der Papst kein rechtes Konzil uns geben noch eine Reformation leiden, sondern mit den Seinen die Kirche untergehen lassen will? Und hat sich also selbst ausgedreht aus der Kirche, auf dass er bleiben möge und nicht in, noch mit der Kirche untergehe. Der ist dahin und hat der Kirche das Valete [Lebewohl] gegeben. Wie soll man's nun, sage ich, angreifen oder vornehmen, weil wir ohne Papst sein müssen? Denn wir sind die Kirche oder in der Kirche, so die Papisten zu Grunde gehen lassen wollen, auf dass sie bleiben. Wir wollten dennoch auch gern bleiben und gedenken, mit unserm Herrn Christus und seinem Vater, unser aller Gott, nicht so jämmerlich vor der Papisten Trotz unterzugehen; befinden doch, dass ein Konzil oder Reformation vonnöten ist in der Kirche, weil wir solche grobe Missbräuche sehen, dass, wenn wir gleich Ochsen und Esel wären, geschweige denn Menschen oder Christen, und dieselben nicht mit den Augen oder Ohren merken könnten, so müssten wir sie mit den Pfoten und Klauen fühlen und darüber stolpern. Wie? wenn wir, die untergehende Kirche, gegen die bleibenden Herren, ohne den Papst und ohne ihren Willen, selbst ein Konzil hielten und eine Reformation vornähmen, die den bleibenden Junkern sehr dem Untergang nahe anzusehen wäre, und sie dieselbe doch leiden müssten?
Aber wir wollen zur Sache greifen, weil wir nun das heiligste Haupt, den Papst, verloren haben und uns selber raten müssen, so viel unser Herr geben wird, dass die Kirche nach den Vätern und Konzilien nicht reformiert werden könne.
Es haben etliche Jahre daher sich viele unter den Papisten bemüht mit den Konzilien und Vätern, bis sie zuletzt alle Konzilien in ein Buch zusammen gebracht haben; welche Arbeit mir nicht übel gefällt, nachdem ich die Konzilien zuvor nicht bei einander gesehen hatte. Und sind nun, meines Achtens, darunter etliche gute, fromme Herzen, die da gern die Kirche reformiert sehen wollten nach derselben Konzilen oder Väter Weise und Maße, als die doch auch bewegt, dass der jetzige Stand der Kirche im Papsttum sich, wie offenbar ist, mit der Konzilen und Väter Weise gar schändlich reimt. Aber desfalls ist ihre gute Meinung ganz und gar umsonst. Denn sie haben ohne Zweifel solche Meinung, dass der Papst mit den Seinen sich auch in solche Reformation begeben würde oder müsste. Aber das ist vergeblich. Denn da steht der Papst mit seinen bleibenden Herren und sagen trotzig ebenso wohl gegen sie als gegen uns: sie wollen die Kirche eher untergehen lassen, ehe sie ein einziges Stück weichen wollen; das ist, sie wollen eher Konzilien und Väter auch untergehen lassen, ehe sie denselben etwas weichen wollen. Denn wo man den Konzilien und Vätern folgen sollte, hilf Gott, wo wollte doch der Papst und die jetzigen Bischöfe bleiben? Fürwahr, sie müssten die untergehende Kirche werden und nicht die bleibenden Herren sein.
Ich will von den alten Jahren, so man mag zählen tausend oder vierzehnhundert nach Christus Geburt, schweigen. Es ist noch nicht über hundert Jahr, dass die heilige Weise des Papstes angefangen hat, dass er einem Pfaffen zwei Lehen gegeben hat, als Domherrn- oder Pfarrstelle, davon die Theologen zu Paris ihre Genossen wunderviel schreckliche Dinge geschrieben und gemurrt haben. Ich bin noch nicht sechzig Jahr alt, dennoch weiß ich, dass bei meinem Gedenken eingerissen ist, dass ein Bischof mehr wie ein Stift hätte. Indes aber hat der Papst alles gefressen, Annaten und alles geraubt und die Bistümer zu drei, Klöster und Pfründen zu zehn, zwanzig ausgeteilt. Wie kann er solches alles wieder speien und seine Kanzlei zerreißen lassen um der Väter oder Konzile willen? Ja, sprichst du, es ist ein Missbrauch. Wohlan, nimm deine alten Konzilien und Väter vor dich und reformiere solches alles. Denn so ist's nicht gestanden vor hundert, ja vor sechzig Jahren, da du nicht geboren gewesen bist.
Was hilft nun deine Reformation nach den Vätern und Konzilien? Du hörst, dass es der Papst und die Bischöfe nicht leiden wollen. Und wenn sie nicht der Kirche Stand vor fünfzig Jahren leiden können, da ich und du Kinder gewesen, Lieber, wie wollen oder können sie leiden, dass wir sie mit der Kirche Stand, so vor sechshundert, vor tausend, vor vierzehnhundert Jahren gewesen ist, reformieren wollten? Es ist solches Vornehmen schlechterdings unmöglich, weil der Papst in der Possession sitzt und unreformiert sein will. Müssen deshalb beide, Konzilien und Väter, vergeblich sein lassen in solchen Sachen, samt allem, das wir davon denken oder reden können. Denn der Papst ist über Konzilien, über Väter, über Könige, über Gott, über Engel. Lass sehen, bringe du ihn herunter und mache die Väter und Konzilien über ihn zu Meistern! Thust du das, so will ich dir fröhlich zufallen und beistehen. So lange aber das nicht geschieht, was ist's denn nütze, dass ihr von Konzilien oder Vätern viel redet oder schreibt? Da ist niemand, der sich's annimmt. Denn wo der Papst hierin nicht mit in die Reformation und mit uns unter die Konzilien und Väter geworfen sein will, samt seinen unvergänglichen Herren Kardinälen und Bischöfen usw., so ist weder ein Konzil nütze, noch eine Reformation bei ihm zu hoffen. Denn er stößt es doch alles zu Boden und heißt uns stille schweigen.
Begehren sie aber, dass wir doch, den Konzilien und Vätern nach, uns mit ihnen reformieren lassen wollten und der Kirche helfen, wenn gleich der Papst mit den Seinen solches nicht tun noch leiden wollte? Hierauf gebe ich zweierlei Antwort: Entweder sie sind bitter, giftig, böse und meinen solches nicht gut; oder sie sind gutherzig und meinen's recht, so viel es ihnen möglich ist.
Den Ersten sei das gesagt, dass sie zuvor sich selbst beider Nase nehmen und den Balken aus ihrem Auge ziehen, samt dem Papst und Kardinälen, oder gleich ohne den Papst und Kardinäle usw., die Konzilien und Väter lieb gewinnen und halten. Wenn das geschieht, so wollen wir, solchem heiligen Exempel nach, flugs da sein und viel besser werden, wie sie selbst sind. Denn wir sind nicht solche verzweifelte Leute (Gott Lob und Dank!) dass wir die Kirche untergehen lassen wollten, ehe denn wir weichen wollten, auch in großen Stücken, so fern es nicht gegen Gott ist; sondern sind bereit, unterzugehen, bis dass weder Haut noch Haar da sei, ehe denn der Kirche ein Leid oder Schaden gegenfahren sollte, so viel an unserm Wissen und Vermögen ist.
Aber wo sie selbst die Väter und Konzilien nicht achten und gleichwohl uns dahin zwingen wollten, das ist auch zu grob, und wir müssten hierzu sagen: Medice, cura te ipsum [„Arzt hilf Dir selber“ (Luk. 4, 23).]; und wie Christus spricht (Matth. 23, 4): Sie laden den Leuten unerträgliche Bürden auf den Hals, die sie selbst nicht mit einem Finger anrühren wollen. Das taugt nicht, und wir haben des nicht geringe Ursache, uns zu weigern, sonderlich weil sie so gar große Heiligkeit der Väter und Konzilien vorgeben, die wir nicht halten und sie selbst nicht weiter denn mit Worten und auf dem Papier halten und uns zeigen. Denn wir bekennen und müssen bekennen, dass wir recht arme, schwache Christen sind, und das in vielen Stücken.
Erstlich, dass wir Tag und Nacht an dem Glauben so viel zu tun haben mit lesen, denken, schreiben, lehren, ermahnen, trösten, beides uns selbst und andere, dass fürwahr uns nicht Zeit noch Raum gelassen wird, auch zu denken, ob Konzile oder Väter je gewesen sind, geschweige, dass wir uns mit den hohen Stücken von Platten, Kaseln [seidenes Messgewand], langen Röcken usw. und ihrer hohen Heiligkeit bekümmern sollten. Sind sie so hoch gekommen und gar englisch geworden, haben den Glauben so reichlich, dass sie der Teufel zufrieden lassen muss, stiften keinen Irrtum bei sich, noch schrecken blöde Gewissen: das haben wir schwachen Christen noch nicht erlangt, besorgen auch, wir werden's auf Erden nicht erlangen. Darum sollten sie uns billig gnädig und barmherzig sein und nicht verdammen, dass wir ihrer Heiligkeit noch nicht gleich sein können. Denn sollten wir also von unserer Arbeit gehen, so wir in Glaubenssachen haben, und als die Schwachen uns ihrer starken Heiligkeit in Kleidern und Speisen unterwinden, möchten wir unsere schwache Heiligkeit verlassen und doch ihre hohe, starke Heiligkeit nicht erlangen und also zwischen zwei Stühlen niedersitzen.
Wollen sie uns aber nicht gnädig und barmherzig sein, so müssen wir sie Engel sein lassen und im Paradies unter lauter Blumen tanzen, als die den Glauben längst an den Schuhen zerrissen und in ihrer himmlischen Heiligkeit keine Anfechtung, weder vom Teufel, Fleisch, noch Welt haben; wir aber müssen uns im Schlamm und Koth arbeiten und sudeln, als die im Glauben gar arme Fibelisten und anfangende Schüler, können nicht solche hohen Doktoren und Meister im Glauben sein. Denn, hätten wir so viel Glauben, als sie sich dünken lassen, wir wollten Platten, Kaseln, Konzilien und Väter viel leichter tragen und halten, als sie tun. Aber weil das nicht ist, tragen sie es leicht (denn Nichts tragen ist sehr leicht tragen), rühmen derweil, dass wir's nicht tragen wollen.
Desgleichen haben wir armen Christen auch mit den Geboten Gottes zu tun, so viel, dass wir auf andere hohe Werke, die sie bei ihnen geistlich, Konzilisch und väterisch rühmen, nicht warten können. Denn wir treiben und üben beides, uns und die Unsern mit höchstem Fleiß, dass wir Gott über alles und unsern Nächsten als uns selbst lieben; dass wir demütig und geduldig, barmherzig und milde, keusch und nüchtern, nicht geizig, noch neidisch wären, und was der Gebote Gottes mehr sind. Wir wollten wohl gern, dass keine Hoffart, Geiz, Wucher, Neid, Saufen, Fressen, Ehebruch oder Mannheit bei den Unsern wäre: aber es geht so schwächlich und kümmerlich zu, dass wir derselben wenige zu solchen guten Werken bringen können. Der große Haufe bleibt, wie er ist, und wird täglich ärger. Nun rechne du, weil wir solche nötige, von Gott gebotene Werke so schwächlich anrichten, wie können wir von denselben lassen und uns auf die hohen, starken, unnötigen Werke geben, davon sie uns sagen? Hätten wir diese göttlichen, geringen, verächtlichen (oder wie sie es vernichten) bürgerlichen Werke angerichtet, so würden wir, ob Gott will, alsdann auch ihre geistlichen, kirchlichen Werke von Fleischessen, von Kleidern, von Tagen usw. zu tun anfangen.
Aber sie haben gut tun, weil sie Gottes Gebot allerdinge ausgerichtet, Gott über alles lieben, keinen Geiz noch Wucher, keine Ehebrecher noch Hurer, keine Säufer noch Trunkenbolde, keinen Stolz noch Neid usw. unter sich haben; sondern tun alle solche geringe, gute, göttliche Werke so leicht, dass sie schlechtweg müßig gehen. Darum ist's billig, dass sie über solche unsere zvilischen [bürgerlichen] Werke stärkere oder höhere Werke nach der Kirche oder Väter Gehorsam vornehmen, als die viel zu stark sind, solche geringe gute Werke mit uns zu üben, sind weit überhin gesprungen und uns zuvorgekommen. Aber sie sollten dennoch nach ihrer hohen, starken Barmherzigkeit und nach S. Paulus Lehre über uns schwache, arme Christen Mitleiden haben und uns nicht verdammen oder spotten, dass wir so kindisch an den Bänken gehen lernen, ja im Schlamm kriechen, und nicht mit so leichten Füßen und Beinen über und außer Gottes Geboten hüpfen und tanzen könnten, wie sie tun, die starken Helden und Riesen, die größere und höhere Werke angreifen können, denn da ist, Gott über alles und den Nächsten als sich selbst lieben, welches S. Paulus heißt die Erfüllung des Gesetzes, Röm. 13, 10 und Christus auch Matth. 5, 19.
Wollen sie aber nicht Mitleiden über uns haben, so bitten wir doch um Frist und Zeit, bis dass wir die Gebote Gottes und die geringen Kinderwerke ausgerichtet haben, dann wollen wir auch gern uns mit an ihre hohen, geistlichen, ritterlichen, männlichen Werke legen. Denn was ist's nütze, dass ein Kind gezwungen werden sollte, einem starken Manne gleich zu laufen und zu wirken? Es wird doch nichts daraus, das Kind vermag's nicht. Also auch wir armen, schwachen Christen, die wir in Gottes Geboten und seinen geringen guten Werken als die Kinder an den Bänken gehen, zuweilen kaum auf allen Vieren kriechen, ja auch wohl auf der Erde hutschen, dass Christus uns gängeln muss, wie die Mutter oder Magd ein Kind gängelt, können schlechthin ihrem starken, männlichen Laufen und Tun nicht gleich laufen noch tun; und Gott behüt uns auch davor! Darum wollen wir der kirchlichen und konzilischen Heiligkeit (wie sie sagen) sparen, bis wir nichts mehr in Gottes Geboten und göttlichen Werken zu tun haben, und solche Reformation nicht leiden, wie wir auch nicht können. So viel sei diesmal den Ersten geantwortet, die böser Meinung solche Reformation an uns begehren.
Den andern, so es recht und gut meinen, als die da hoffen, wiewohl vergeblich, es könnte vielleicht eine solche feine Reformation ihres Dünkens noch aus den Vätern und Konzilien wohl geschehen, ob der Papst gleich nicht wollte oder auch hindern wollte, will ich wiederum guter Meinung also antworten: dass ich's für ein unmögliches Vornehmen ansehe und fürwahr nicht weiß, wie es anzugreifen sei. Denn ich habe die Väter auch gelesen, auch ehe denn ich mich so steif den Papst gegensetzte; habe sie auch mit besserem Fleiß gelesen, wie die, so jetzt durch sie gegen mich trotzen und stolzen. Denn ich weiß, dass ihrer keiner versucht hat, ein Buch der Heiligen Schrift in den Schulen zu lesen und der Väter Schrift dazu zu gebrauchen, wie ich getan. Und lass sie noch ein Buch vor sich nehmen aus der Heiligen Schrift und die Glosse suchen bei den Vätern, so soll's ihnen gehen, wie mir's ging, da ich die Epistel an die Hebräer vornahm mit des S. Chrysostomus Glossen, und Titus, Galater mit Hilfe des S. Hieronymus, Genesis mit Hülfe des S. Ambrosius und Augustinus, den Psalter mit allen Scribenten, so man haben kann, und so fortan. Ich habe mehr gelesen, als sie meinen, hab's auch durch alle Bücher getrieben, dass sie ja zu vermessen sind, die sich dünken lassen, ich habe die Väter nicht gelesen, und wollen mir das für ein köstliches Ding vorbringen, das ich vor zwanzig Jahren habe gering halten müssen, da ich die Schrift lesen sollte.
S. Bernhard, dass er seinen Verstand gelernt habe von den Bäumen, als Eichen und Tannen, die seien seine Doktoren gewesen, das ist, er habe seine Gedanken unter den Bäumen aus der Schrift geübt und gekriegt; spricht auch, dass er die heiligen Väter wohl hoch halte, aber nicht alles achte, was sie geredet haben; setzt eine solche Ursache und Gleichnis: er wolle lieber aus dem Born selbst, wie aus dem Bächlein trinken. Wie denn alle Menschen tun, wo sie aus der Quelle trinken mögen, der Bächlein wohl vergessen, ohne dass sie des Bächleins, zum Born zu kommen, nützlich gebrauchen. Also muss doch die Schrift Meister und Richter bleiben; oder wo man den Bächlein
1) Erklärung. 2) An die Hebräer. - 3) Dieser und die folgenden: berühmte Kirchenväter. 4) Das erste Buch Moses. 5) Bernhard, Abt von Clairvaux, 1091-1153, einer der bedeutendsten Prediger, Kirchenmänner und Theologen des Mittelalters, 1173 heilig gesprochen.
zu sehr nachgeht, führen sie uns zu weit vom Born und verlieren Beides, Schmack und Kraft, bis sie in das ge= salzene Meer sich verfließen und verlieren; wie es geschehen ist unter dem Papstthum.
Aber davon genug. Wollen Ursachen anzeigen, warum solches Vornehmen ein unmögliches Ding sei. Erstlich ist das offenbar, wie die Konzilien nicht allein ungleich, sondern auch wohl gegen einander sind; desgleichen eben die Väter auch. Sollten wir sie nun zusammenbringen wollen, da würde ein gar viel größerer Zank und Disputation sich erheben, als jetzt ist, daraus wir nimmermehr kommen könnten. Denn nachdem sie in solchen gar ungleich und oft gegen einander sind, so müssten wir erstlich das vor uns nehmen, zu arbeiten, wie man das Beste herausklaubt und das andere fahren ließe. Da würde sich's anheben; einer würde sagen: Will man sie halten, so halte man sie gar oder halte nichts. Der andere würde sagen: Ja, ihr klaubt heraus, was euch gefällt, und lasst stehen, was euch nicht gefällt. Wer will hier Schiedsmann sein?
Siehe an das Dekret, darin Gratianus eben solches Vornehmen gehabt, dass auch das Buch darum heißt Concordantia Discordantiarum, das ist, er hat wollen der Väter und Konzile ungleiche Sprüche vergleichen, die gegenwärtigen vertragen und das Beste herausklauben, und es ist ihm geraten, wie der Krebs geht, hat oft das Beste fahren lassen und das Ärgste behalten und dennoch weder verglichen noch vertragen. Wie die Juristen selbst sagen, es stinke nach Ehre und Geiz, und ein Kanonist [Lehrer des kanonischen oder röm. Kirchenrechts] sei ein reiner Esel. Wie vielmehr sollte es uns also gehen, wo es dazu käme, dass wir aller Väter und Konzilien Sprüche oder Weisen zusammen stimmen wollten? Da wäre Mühe und Arbeit verloren und Uebel ärger gemacht. Und ich will mich in solche Disputation nicht begeben. Denn ich weiß, dass da kein Ende sein würde, und wir zuletzt eitel ungewisses Ding mit Schaden der vergeblichen, verlorenen Arbeit und Zeit behalten müssten. Sie sind zu mann um den Schnabel, die jungen Papierklicker, und gar zu unversucht, dass sie meinen, was sie lesen und imaginieren, das müsse also sein und alle Welt anbeten, so sie doch noch nicht das ABC weder in der Schrift können noch in den Konzilien und Vätern versucht haben; schreien und speien daher, wissen nicht, was sie sagen und schreiben.
Ich will des Gratianus schweigen. S. Augustin schreibt ad Januarium kläglich, dass zu seiner Zeit die Kirche bereits, das ist dreihundert Jahre nach Christi Geburt, (denn er ist dieses Jahr 1539 elf hundert und zwei Jahr tot) so trefflich mit Aufsätzen der Bischöfe hin und wieder beschwert gewesen sei, dass auch der Juden Wesen leidlicher und erträglicher gewesen sei. Und setzt klar und dürre diese Worte: Innumerabilibus servilibus oneribus premunt Ecclesiam, das ist: Mit unzähligen Lasten drücken sie die Kirche; so die Juden doch allein von Gott, nicht von Menschen beschwert sind usw. Spricht auch daselbst, dass Christus habe seine Kirche mit wenigen und leichten Zeremonien, nämlich der Taufe und dem Altarsakrament, wollen beladen haben, zeigt auch keine mehr an, denn diese zwei, wie Jedermann lesen kann. Die Bücher sind da vorhanden, dass mir niemand Schuld geben kann, ich erdichte solches.
Aber er tut auch einen weidlichen Ritz darein und spricht an demselben Ort: Hoc genus enus habet liberas observationes, das ist: Niemand ist schuldig, solches alles zu halten, sondern mag's ohne Sünde lassen. Ist hier S. Augustinus nicht ein Kezer, so werde ich nimmermehr ein Kezer, der so vieler Bischöfe, so vieler Kirchen Weise auf einen Hausen ins Feuer wirft und allein zur Taufe und Sakrament weist, achtet dafür, dass Christus keine weiteren Bürden der Kirche habe aufladen wollen, so es anders soll Bürden heißen, das doch eitel Trost und Gnade ist, wie er spricht: Meine Bürde ist leicht, und meine Last ist lieblich (Matth. 11, 30), das ist, meine Bürde ist Friede, und meine Last ist Lust.
Doch tut der feine, vernünftige Mann den großen (oder wie man's nennt) Universal- oder Hauptkonzile diese Ehre, scheidet sie von den andern und aller Bischöfe Aufsätzen und spricht, dass man sie hochhalten solle, und schreibt eben an demselben Ort, dass man solcher großen Hauptkonzile Ordnung billig halten solle, als daran viel gelegen sei, und, dass ich seiner Worte brauche, saluberrima autoritas, das ist, es sei sehr nützlich, dass man sie herrlich achte. Er hat aber derselben großen Konzilien nie eines gesehen noch ist er drinnen gewesen, würde vielleicht anders. oder mehr davon geschrieben haben. Denn es sind nicht mehr wie vier große Hauptkonzile in allen Büchern sehr berühmt und bekannt, also, dass die römischen Bischöfe dieselben den vier Evangelien vergleichen, wie sie in ihren Dekreten schreien. Das erste ist das Nicänische, welches zu Nicäa in Asien gehalten ist im fünfzehnten Jahre des großen Konstantinus, fast 35 Jahre vor Augustins Geburt. Das andere zu Konstantinopel, im dritten Jahr Gratians des Kaisers und Theodosius des Ersten, die mit einander regierten. Zu der Zeit war S. Augustinus noch ein Heide und kein Christ, ein Mann um die 26 Jahr, dass er sich all der Sachen nicht hat annehmen können. Das dritte zu Ephesus hat er nicht erlebt; viel weniger das vierte zu Chalcedon. Solches alles findet sich aus der Historie und Rechnung der Jahre, das ist gewiss.
Solches muss ich sagen um des Wortes S. Augustins willen, dass man die großen Hauptkonzile hochhalten solle, als daran viel gelegen sei, damit seine Meinung recht verstanden werde, nämlich, dass er allein von den zwei Konzilien, zu Nicäa und Konstantinopel gehalten, rede, die er nicht gesehen, sondern hernach aus Schriften erlernt hat, und zu welcher Zeit kein Bischof über den andern war. Denn solche Konzilien hätten die Bischöfe, weder römische noch andere, nimmermehr zuwege bringen können, wo sie die Kaiser nicht zusammengebracht hätten. Wie das wohl anzeigen die Partikular- oder kleine Konzilien, so ohne der Kaiser Beruf hin und wieder in Ländern die Bischöfe selbst untereinander gehalten haben. Dass ich's achte, nach meiner Narrheit, die großen Konzile oder die Universalia haben solchen Namen daher, dass die Bischöfe von dem Monarchen, dem großen Haupt- oder Universal, aus allen Landen zusammen berufen sind.
Denn das wird mir ja die Geschichte zeugen müssen, und sollten alle Papisten toll werden, dass der Bischof zu Rom, Sylvester, wo es der Kaiser Constantinus nicht getan hätte, das erste Konzil zu Nicäa hätte seinethalben wohl unberufen bleiben müssen. Und was wollte der elende Bischof zu Rom tun, da ihm die Bischöfe in Asien und Griechenland nicht untertan waren? Und hätte er's ohne des Kaisers Constantinus Macht tun können, er würde es nicht gen Nicäa in Asien, so weit übers Meer, da Niemand auf seine Gewalt gab (wie er wohl wusste und erfahren hatte), sondern in Welschland gen Rom oder nahe dabei gelegt haben und den Kaiser gezwungen, dahin zu kommen. Ebenso sage ich auch von den andern drei großen Konzilen (wie droben genannt): hätten die Kaiser Gratianus, Theodosius und der andere Theodosius und Martianus nicht dieselben drei großen Konzilien versammelt, so wären sie des Bischofs zu Rom und aller Bischöfe halber nimmermehr gehalten. Denn die Bischöfe in anderen Landen gaben eben so viel auf den römischen Bischof, als jetzt der Bischof zu Mainz, Trier, Köln einer auf den andern gibt der Obrigkeit halber, und noch viel weniger.
Doch sieht man in den Historien, dass die römischen Bischöfe auch zuvor allezeit geseuchelt, gekrankt, gehustet und gekrächzt haben nach der Herrschaft über alle Bischöfe, aber haben's vor den Monarchen nicht zuwege bringen können. Denn sie schreiben viele Briefe jetzt nach Afrika, jetzt nach Asien und so fort, auch vor dem Nicänischen Konzil, dass man nichts öffentlich ordnen solle ohne den römischen Stuhl. Aber es kehrte sich zu der Zeit Niemand daran, und taten die Bischöfe zu der Zeit in Afrika, Asien, Ägypten, als hörten sie es nicht; wiewohl sie ihm feine, gute Worte gaben und sich demütigten, doch nichts einräumten. Solches wirst du finden, wenn du die Historien liesest und mit Fleiß gegen einander hältst. Du musst dich aber an ihr und ihrer Heuchler Schreien nicht kehren, sondern die Texte und Geschichten im Gesicht oder Spiegel behalten.
Da nun in aller Welt das Wort Konzil bei den Christen, auch durch obgenannte Schrift S. Augustins, hoch erhaben und solche seine Monarchen oder Kaiser dahin waren, haben die römischen Bischöfe immer getrachtet, wie sie den Namen Konzil zu sich brächten, damit alle Christenheit glauben müsste, was sie sagen, und unter solchem seinen Namen heimlich selbst Monarchen würden (was gilt's, ich treffe hier die Wahrheit und ihr eigenes Gewissen, wo sie ein Gewissen haben könnten). Und ist also geschehen, sie haben's erseuchelt und erhustet, dass sie nun geworden sind Konstantinus, Gratianus, Theodosius, Martianus und viel mehr, denn dieselben vier Monarchen samt ihren vier großen Hauptkonzilen. Denn des Papsts Konzile heißen jetzt: Sic volo, sic jubeo, sit pro ratione voluntas [So will ich, so befehle ich, nach vernünftigem Willen]. Doch nicht in aller Welt noch in der ganzen Christenheit, sondern in dem Stück des römischen Reichs, das Karl der Große gehabt; durch denselben haben sie sehr viel erlangt und ausgerichtet, bis sie, durch alle Teufel besessen, etliche Kaiser schändlich umgebracht, mit Füßen getreten und auf mancherlei Weise verraten haben, wie sie auch noch tun, wo sie können.
Aber diesmal sei das genug, was S. Augustinus von den Konzilen schreibt. Wollen auch anzeigen, was er von den Vätern hält. Davon sagt er also in dem Briefe an S. Hieronymus, welchen auch Gratianus dist. 9 anzieht: Ich habe das gelernt, dass ich allein die Heilige Schrift nicht irrig halte; die andern alle lese ich also: sie seien wie heilig und gelehrt sie können, so halte ich's darum nicht für recht, dass sie also gelehrt haben, wo sie mir's nicht beweisen durch die Schrift oder Vernunft, dass es so sein müsse. Weiter, am selben Ort im Dekret steht auch S. Augustinus Spruch aus der Vorrede librorum de Trinitate): Lieber, folge meiner Schrift nicht gleichwie der Heiligen Schrift; sondern was du in der heiligen Schrift findest, was du zuvor nicht glaubtest, das glaube ohne Zweifel: aber in meinen Schriften sollst du nichts für gewiss haben, das du zuvor ungewiss hattest, es sei dir denn durch mich bewiesen, dass es gewiss sei.
Solcher Sprüche schreibt er an anderen Orten viel mehr, als da er sagt: Wie ich der Andern Bücher lese, so will ich meine auch gelesen haben usw. Die Andern Sprüche will ich jetzt anstehen lassen; die Papisten wissen's wohl, dass solches im Augustinus hin und wieder vielfältig steht, und sind im Dekret etliche Stücke davon eingefasst. Dennoch tun sie gegen ihr Gewissen, dass sie solche Sprüche übergehen oder unterschlagen; sezen die Väter, Konzilien, ja auch die Bischöfe zu Rom, die gemeiniglich sehr ungelehrte Leute gewesen, über das alles. Es muss ja S. Augustinus in den Vätern, so vor ihm gewesen, manchen Mangel gespürt haben, weil er ungefangen sein will, sondern sie allesamt, mit sich selbst auch, der Heiligen Schrift unterworfen haben. Was wäre ihm not gewesen, sich also zu sperren gegen seine Vorfahren, dass er auch sagt: sie seien wie heilig und gelehrt sie können? Hätte er doch wohl sagen können: ja alles, was sie schreiben, das halte ich gleich wie die heilige Schrift, darum, dass sie so heilig und gelehrt sind. Aber er sagt: Nein; wie er auch im andern Briefe an S. Hieronymus, welcher sehr darüber erzürnt war, dass S. Augustin sich den Kommentar über die Galater in einem Stück nicht gefallen ließ, spricht: Lieber Bruder (als er doch ja ein feiner, freundlicher Mann gewesen ist), ich hoffe nicht, dass du deine Bücher wolltest der Apostel und Propheten Bücher gleich gehalten haben usw.
Dass nur mir nicht also ein frommer, feiner Mann solche Briefe zuschriebe und mich bäte, dass ich meine Bücher nicht gleich achten wollte der Apostel und Propheten Bücher, wie S. Augustin S. Hieronymus zuschreibt, ich würde mich zu Tode schämen. Aber das ist's, wie wir jetzt handeln, dass S. Augustin wohl gemerkt hat, wie die Väter auch zuweilen Menschen gewesen sind und das Kap. Röm. 7, 18 ff. nicht überwunden haben; darum will er nicht vertrauen, weder seinen Vorfahren, heiligen, gelehrten Vätern, sich selbst auch nicht, ohne Zweifel viel weniger den Nachkommen, so wohl geringer werden sollten, sondern will die Schrift zu Meister und Richter haben. Gleichwie auch droben von S. Bernhard gesagt ist, dass die Eichen und Tannen seine Meister gewesen sind, er wolle lieber aus der Quelle trinken, wie aus dem Bächlein. Solches hätte er nicht reden können, wo er der Väter Bücher der Heiligen Schrift gleich gehalten und keinen Mangel darinnen gefunden hätte; sondern würde also gesagt haben: Es ist gleich viel, ich trinke aus der Schrift oder den Vätern. Das tut er nicht, sondern lässt die Bächlein fließen und trinkt aus der Quelle.
Was wollen wir nun machen? Sollen wir die Kirche wieder bringen in der Väter und Konzile Lehre oder Weise, so steht hier S. Augustinus und macht uns irre, und lässt uns kein Ende finden unserer Meinung, weil er schlechthin weder Vätern, Bischöfen, Konzilien, sie seien wie heilig und gelehrt sie sein können, noch sich selbst vertrauet haben will, sondern weist uns zur Schrift; wo nicht, so spricht er, es sei alles ungewiss, verloren und umsonst. Sollen wir aber S. Augustinus ausschließen, so ist's gegen unser Vornehmen, nämlich, dass wir nach der Väter Lehre eine Kirche haben wollen. Denn wo S. Augustinus aus der Väter Zahl geworfen wird, so sind die andern nicht viel wert, und will auch nicht lauten noch zu leiden sein, dass S. Augustinus nicht für einen der besten Väter gehalten werden sollte, dieweil er in der ganzen Christenheit für den höchsten geachtet wird und beide, Schule und Kirche, bisher zum besten erhalten hat, wie am Tage ist. Und ihr zwingt uns doch zu solcher unendlichen Mühe und Arbeit, dass wir Konzilien und Väter zuvor gegen die Schrift halten sollen und nach derselben richten? Ehe das geschieht, sind wir alle tot, und kommt der jüngste Tag lange zuvor.
Wohlan, wir wollen S. Augustin, Bernhard, und wer dergleichen schreibt, hintan setzen, und selbst die Konzilien und Väter vornehmen, und sehen, ob wir unser Leben nach ihnen richten können. Wollen aber die aller= besten vor uns nehmen, damit wir's nicht zu lang machen, sonderlich die ersten zwei Hauptkonzile, so S. Augustinus lobt, nämlich das zu Nicäa und Konstantinopel, wiewohl er sie nicht gesehen hat, wie droben gesagt ist. Ja, dass wir unsere Sachen auf das allergewisseste spielen und nicht fehlen können noch sorgen dürfen, wollen wir das erste Konzil der Apostel, zu Jerusalem gehalten, vornehmen, davon S. Lucas in der Apostelgeschichte 15, 28 schreibt; daselbst steht geschrieben, dass die Apostel sich rühmen, der heilige Geist habe solches durch sie geordnet: Visum est Spiritui sancto et nobis usw., es gefällt dem heiligen Geist und uns, euch 1) keine Beschwerung mehr auszulegen, denn diese nötigen Stücke, dass ihr euch enthaltet vom Götzenopfer, vom Blut, vom Erstickten und von Hurerei2); von welchen, so ihr euch enthaltet, tut ihr wohl.
Da hören wir, dass uns der Heilige Geist (wie die Konzilsprediger rühmen) gebietet, wir sollen kein Götzenopfer, Blut noch Ersticktes essen. Wollen wir nur eine Kirche haben nach diesem Konzil (wie billig, weil es das höchste und erste ist, auch von den Aposteln selbst gehalten), so müssen wir nun lehren und treiben, dass kein Fürst, Herr, Bürger noch Bauer hinfort Gänse, Rehe, Hirsche, Schweinfleisch im Schwarzen esse, müssen auch die Fischgallerten von Karpfen meiden. Denn da kommt Blut zu, oder, wie es die Köche nennen, Farbe. Und sonderlich müssen die Bürger und Bauern keine Rotwurst oder Blutwurst essen. Denn das ist nicht allein dünnes Blut, sondern auch gerührt und gekocht, ein sehr grobes Blut. Desgleichen müssen wir auch keine Hasen noch Vögel essen. Denn die werden alle erstickt (wie das Jägerrecht mit denselben umgeht), wenn sie gleich nicht im Blut oder Schwarzen gekocht, sondern allein gebraten würden.
Sollen wir nun nach diesem Konzil uns vom Blut enthalten, so werden wir die Juden zu Meister in unsrer Kirche und Küche werden lassen. Denn die haben ein besonderes großes Buch vom Blutessen, darüber Niemand mit einer Stange springen könnte, und suchen das Blut so genau, dass sie mit keinem Heiden noch Christen Fleisch essen, wenn's gleich nicht erstickt, sondern aufs allerreinlichste (wie die Ochsen und Kälber) geschlachtet und vom Blut gewaschen und gewässert wird; sie stürben viel lieber. Hilf Gott, welch' geplagte Christen sollten wir über dem Konzil werden, auch allein mit den zwei Stücken, Blut und Ersticktes essen! Wohlan, fange nun an, wer da will und kann, und bringe die Christenheit zum Gehorsam dieses Konzils, so will ich sehr gern nachfolgen. Wo nicht, so will ich des Geschreies überhoben sein: Konzilien, Konzilien! Du hältst keine Konzilien noch Väter! Oder will wiederum schreien: Du hältst selber keine Konzilien noch Väter, weil du dies höchste Konzil und die höchsten Väter, die Apostel selbst, verachtest. Was meinst du, dass ich solle oder müsse Konzilien und Väter halten, die du selbst nicht mit einem Finger anrühren willst? Da würde ich sagen, wie ich den Sabbathern [Juden] gesagt habe, sie sollen zuvor ihr Gesetz Moses halten, so wollen wir's auch halten. Aber nun sie es nicht halten noch halten können, so ist's lächerlich, dass sie es uns anmuten zu halten.
Du sprichst, es ist solches Konzil nun nicht möglich anzurichten, denn das Gegenspiel ist zu weit eingerissen. Das hilft nicht, weil wir vorgenommen, uns nach den Konzilien zu richten, und steht hier, der Heilige Geist hab's geordnet. Gegen den heiligen Geist gilt kein weit noch tief Einreißen, und ist mit solcher Ausflucht kein Gewissen sicher. Wollen wir konzilisch sein, so müssen wir dies Konzil vor allen andern halten, wo nicht, so mögen wir auch der anderen Konzile keines halten und sind also aller Konzilien los. Denn in diesem Konzil sind nicht schlechte 2) Bischöfe oder Väter, wie in andern, sondern die Apostel selbst als des Heiligen Geistes gewisse und höchste Väter. Auch ist's nicht so unmöglich, dass wir Blut und Ersticktes meiden sollten. Wie müsste man tun, wenn wir allein Korn, Kraut, Rüben, Äpfel und alle anderen Früchte der Erde und Bäume essen müssten, wie unsere Vorfahren vor der Sintflut getan, da noch nicht zugelassen gewesen ist, Fleisch zu essen? Wir würden dennoch nicht Hungers sterben, ob wir nicht Fleisch noch Fisch essen. Wie gar viele Leute noch heutigen Tages leben müssen, die selten Fisch oder Fleisch essen. Also hilft uns die Unmöglichkeit nichts, unser Gewissen gegen den heiligen Geist zu stärken, weil wir's wohl wiederum ohne Schaden Leibes und Seelen dahin bringen könnten, dass wir nicht allein ohne Blut und Ersticktes lebten, wie Moses lehrt, sondern auch gar ohne Fisch und Fleisch uns nährten, wie vor der Sintflut. Wundert mich auch sehr, dass der Teufel unter so viel Rottengeistern zu dieser Zeit nicht diese schönen Gedanken an den Tag gebracht hat, die so treffliche Exempel der Schrift für sich haben.
Wollen wir sagen, es sei nun solches alles nicht allein unmöglich, sondern auch von sich selbst gefallen und in Ungebrauch oder ohne Gebrauch gekommen, wie ich die Kanones, so keinen Gebrauch mehr haben, mortuos [Tote] zu nennen pflegte; dies wird den Stich auch nicht halten. Wohl weiß ich, dass der Papst mit den Seinen hieraus solchen Behelf suchen und sich flicken, dass die Kirche Macht gehabt habe, solches Konzil der Apostel zu ändern; darin sie doch lügen. Denn sie können kein Zeugnis der Kirche vorbringen, die solches getan oder zu ändern geboten habe. So gebührt auch der Kirche nicht, des Heiligen Geistes Ordnung zu ändern, und tut's auch nimmermehr.
Daneben sehen sie aber nicht, die blinden Leiter, wie sie mit solchen Reden sich selbst eine Ruthe auf ihre Haut binden. Denn wo wir das zulassen, dass Menschen Macht haben, des Heiligen Geistes Ordnung und Gebot zu ändern, so wollen wir flugs des Tages den Papst mit allen seinen Briefen und Bullen mit Füßen treten und sagen: Sollen der Apostel erste Dekrete nicht gelten, da wir gewiss sind, dass der Heilige Geist sie gestellt hat, wie sie rühmen: visum est ?), wie viel weniger soll des Papstes Gewalt und Dekrete gelten, da wir nirgends so gewiss sind, dass der Heilige Geist bei ihnen sei wie bei den Aposteln. Denn wir müssen dennoch die Apostel auch etwas sein lassen, und ob sie nicht über die Päpste wären (wie der Kezer Dr. Luther hält), so muss man sie doch neben den Päpsten sitzen lassen. Und zum Wahrzeichen sind die Päpste oft offenbare, verzweifelte Buben gewesen, haben auch einer des andern Dekret fort und fort verworfen, so doch der Heilige Geist nicht so gegen sich selbst sein kann, und die Apostel nicht solche Päpste und Buben gewesen sind. Darum muss man anders hierzu reden, solche faule Zoten werden's nicht tun, man wollte denn sagen, dass die Kirche auf ein Rohr gebaut wäre, das der Wind hin und her weht, darnach dem Papst oder Menschen die Laune bestände. Denn die Kirche muss nicht auf einem Rohr schweben, sondern auf einem Fels liegen und gewiss gestiftet sein. Matth. 7, 26 und 16, 18.
Aber wie wir ansingen zu sagen, es ist von selber gefallen, ohne der Kirche Änderung, darum muss man's nicht mehr halten. Ja, lieber Freund, male, spricht der Jurist. Soll man darum ein Recht nicht halten, oder soll's darum unrecht werden, dass man's nicht hält oder es gefallen ist, so lasst uns guter Dinge sein, kein Recht mehr halten. Eine Hure spreche, sie habe Recht, weil bei den Ehebrechern und Ehebrecherinnen das sechste Gebot gefallen und nicht im Brauch mehr ist. Ja, wir Kinder Adams wollen samt den Teufeln ein Konzil gegen Gott halten und schließen: Hörst du es, Gott, bei uns Menschen und Teufeln sind alle deine Gebote gefallen und nicht mehr im Brauch; darum sollen wir sie nicht mehr halten, sondern müssen dagegen tun; das sollst du recht sein lassen und uns nicht verdammen, weil da keine Sünde ist, wo das Recht gefallen ist. Also mögen Räuber und Mordbrenner auch sich selig machen und sagen: Wir sind euch Fürsten und Herren nicht mehr schuldig, gehorsam zu sein, sondern tun recht, dass wir euch befehden und rauben, denn euer Recht ist bei uns gefallen usw.
Nun rate hier, wie wollen wir tun? Es hilft nicht, dass solches der Apostel Konzil gefallen ist (welches die Wahrheit ist) oder von der Kirche verändert ist (welches erlogen ist). Was schadet's, man kraft das Wort Heiliger Geist aus, und ließe es die Apostel allein gemacht haben ohne den heiligen Geist, so wollten wir den Sachen vielleicht helfen? Ist das lächerlich? Erdenke du was Besseres! Denn wo man den heiligen Geist nicht heraus kraft aus dem Konzil, so muss der beiden eins geschehen, entweder dass beide, wir und Papisten, denken und halten solches Konzil, oder, soll's frei und nicht gehalten sein, dass man uns arme Ketzer_zufrieden lasse mit dem Geschrei: Konzilien, Konzilien, Konzilien! Denn wo dies Konzil nicht zu halten ist, ist der anderen auch keins zu halten, wie gesagt. Sonst sollen sie wiederum hören dies Geschrei: Medice, cura te ipsum, Hans, nimm dich selbst bei der Nase! Lasst sie es zuvor halten, die so schreien, so wollen wir gern hernach treten. Wo nicht, so findet sich's, dass sie dies Wort Konzilien, Konzilien nicht mit Ernst schreien und speien, sondern den Leuten auf dem Maul damit trampeln, die armen Gewissen verräterisch und boshaft schrecken und nur die einfältigen Seelen verderben wollen.
Ich zeige solches alles von diesem Konzil darum an, weil es das erste und höchste ist, dass wir den Sachen nachdenken, ehe wir die Kirche nach den Konzilien leben oder regieren lassen. Denn so dies Konzil uns so viel Gewirr gibt, was sollt's werden, wenn wir die andern auch vornehmen sollten? Wahr ist's, und ich bekenne es, das Wort Konzil ist bald genannt, und diese Predigt, man solle die Konzilien halten, ist leicht geschehen. Aber wie man sich dazu stellen solle, dass es wieder aufgerichtet werde, wo nun? wo da, lieber Freund? Der Papst ist wohl klug mit den Seinen, kommt bald davon und spricht: er sei über alle Konzilien und mag halten, was er will, und Andern erlauben zu halten, sofern er will. Ja, wenn man der Sachen so raten kann, so lasst uns das Wort Konzil und die Predigt, man solle die Konzilien halten, stille schweigen und dafür rufen Papst, Papst, und man solle des Papstes Lehre halten! Also kommen wir auch allesamt bald davon und werden feine Christen, wie sie sind. Denn was soll uns das Konzil, wenn wir's nicht halten können oder wollen, sondern allein den Namen oder Buchstaben rühmen?
Oder, was mich noch viel besser zu sein dünkt (weil wir jetzt so ins Reden gekommen sind und auch ein wenig in dieser Fastnacht scherzen müssen), so es doch allein um die Buchstaben zu tun ist: „Konzil“, ohne die Tat und Folge, dass wir die Stuhlschreiber zu Papst, Kardinälen, Bischöfen und Predigern machten! Denn die könnten solche Buchstaben sein schreiben, groß, klein, schwarz, rot, grün, gelb und wie man's haben wollte. Alsdann wäre die Kirche nach den Konzilien fein regiert, und wäre nicht not zu halten, was in den Konzilien geordnet ist, sondern die Kirche hätte genug an solchen Buchstaben: Konzil, Konzil. Gefallen uns aber die Stuhlschreiber nicht, so lasst uns Maler, Schnizer und Drucker nehmen, die uns schöne Konzilien malen, schnitzen und drucken, alsdann ist die Kirche köstlich regiert. Und lasst uns die Maler, Schnizer, Drucker auch zu Papst, Kardinälen und Bischöfen machen! Was darf man weiter fragen, wie man des Konzils Dekret halte? Es ist genug an Buchstaben und Bildern.
Über das so lasst uns denken: Wie, wenn alle Menschen blind wären und solche Konzilien geschrieben, gemalt, geschnitzt, gedruckt nicht sehen könnten? Wie würde alsdann die Kirche zu regieren sein durch die Konzilien? Mein Rath ist das: man nehme die Chorschüler zu Halberstadt und Magdeburg, wenn sie das Quicunque 1) singen, und lasse sie dafür schreien: Konzil, Konzil, dass die Kirche und das Gewölbe beben, die könnte man ja hören, auch weit über die Elbe, wenn wir gleich alle blind wären. Alsdann wäre die Kirche wohl regiert, und flugs aus solchen Chorschülern eitel Päpste, Kardinäle und Bischöfe gemacht, als die so leichtlich die Kirche regieren können, welches sonst den heiligsten Vätern zu Rom unmöglich geworden ist. Aber ich will bald hernach mehr von diesem Konzil sagen, es wird mir zu viel; muss auch des Konzils zu Nicäa nicht vergessen, welches das beste und erste universale ist nach der Apostel Konzil.
Dieses Konzil setzt unter anderen Stücken, dass die Christen, so gefallen sind, wiederum zur Buße angenommen werden sollen sieben Jahre lang zw. Wo sie indes stürben, sollte man sie los geben und das Sakrament nicht versagen, Welches doch die Konzilschreier jetzt nicht halten, sondern dagegen tun und weisen die sterbenden Christen ins Fegfeuer mit der übrigen Buße. Denn wo der Papst dies Stück halten sollte, Teufel! welch ein armer Bettler sollte er werden mit allen Klöstern, wenn solches Bergwerk, Fundgrube und Handel, nämlich Fegfeuer, Messen, Wallfahrten, Stiften, Brüderschaften, Ablass, Bullen usw. zu Grunde gehen müssten? Behüte der Teufel den Papst samt allen Kardinälen, Bischöfen, Mönchen und Nonnen, dass die Kirche ja nicht nach diesem Konzil regiert werde. Wo wollten sie bleiben? Aber weil dies Stück mich allein trifft, der ich solches bisher gegen den Papst getrieben habe und sehr wohl denke, wie sie des Konzils Wort mir zugegen drehen und deuten möchten, will ich's jetzt fahren lassen, muss jetzt das handeln, so uns zu beiden Teilen insgemein angeht, den Konzilschreibern zu Lob und Ehren.
Es setzt dasselbe Konzil, dass diejenigen, so vom Kriege lassen um der Religion willen und darnach wieder in Krieg ziehen, fünf Jahre unter den Katechumenen sein sollen, darnach über zwei Jahre zugelassen werden zum Sakrament. Ich nehme das Wort Religion jetzt an, dass es heiße der gemeine christliche Glaube; davon hernach weiter. Ich will jetzt auch nicht disputieren, damit ich nicht von der Straße komme und meinen Lauf hindern lasse mit solchen zufälligen Fragen, ob das Konzil zu kriegen verboten oder Macht und Recht gehabt habe, solches zu verbieten oder zu verdammen (wo die Krieger sonst nicht den Glauben verleugnen, davon das vorige Stück redet).
Sondern das ist unser Handel, ob solcher Artikel auch bis daher gehalten oder noch fort und fort zu halten sei von Rechtswegen, dass kein Kriegsmann selig oder ein Christ sein könne? Denn dass derselbe Artikel gefallen, dazu unmöglich wieder aufzurichten sei, viel weniger denn der Apostel Dekrete von der Blutwurst, schwarzen Gallerten und dergleichen, wie droben gesagt, wird der Papst mit allen den Seinen selber zeugen müssen. So redet das Konzil nicht von Mördern, Räubern, Feinden, sondern de Militia, das ist, von ordentlichen Kriegen, da ein Fürst, König oder Kaiser frei mit seinem Fähnlein zu Felde liegt, da auch Gott selbst geboten hat, man solle ihnen untertan und gehorsam sein, Röm. 13, 1, wenn sie gleich Heiden wären, sofern sie nicht gegen Gott uns zu kriegen zwingen, wie S. Moritz und viele andere getan haben.
Wohlan, lasst uns nun die Kirche regieren nach diesem Konzil. Erstlich dem Kaiser das Schwert abgürten, darnach aller Welt gebieten, dass sie Frieden halte und Niemand Krieg anfange noch leide. Denn Krieg ist verboten bei sieben Jahre langer Buße im Konzil zu Nicäa. Was wollen wir mehr? Die Kirche ist nun regiert, man bedarf keiner Krieger, der Teufel ist tot, und sind alle Jahre seit der Zeit dieses Konzils eitel goldene Jahre gewesen, ja das ewige Leben im höchsten Frieden, wo anders des Konzils Statut recht und zu halten ist.
Wir müssten aber hier treffliche, gute Maler haben, die uns solche Kirche malen könnten, dass wir sie sehen möchten. Oder wo wir blind wären, müssten wir viel größere Schreier haben, denn die Chorschüler zu Halberstadt sind, damit wir sie doch hören könnten. Die Stuhlschreiber könnten vielleicht die Buchstaben „Konzil" auch schreiben, weil die mehr Farbe haben und bessere Buchstaben machen könnten wie wir armen Christen. Aber weil das Werk nicht mehr da ist, so können wir durch Buchstaben, Bild und Schreien nicht selig werden. Wir müssen anders von den Sachen reden und den Papisten die Buchstaben, Bilder und Schreien lassen. Es will uns gebühren, nach den Konzilien zu leben, und nicht die Buchstaben „Konzil" allein zu rühmen, weil wir Christen sein sollen.
Du sprichst, das Konzil sei zu verstehen von solchen Christen, die von sich selber dem Kriege nachlaufen um Geldes willen, die soll man billig so hoch verdammen; sonst wäre es lauter Gespött, dass ein Konzil ordentlichen Krieg oder weltlicher Obrigkeit Gehorsam so hoch verdammen sollte. Im Namen Gottes, ich will gern ein unverständiger Narr und Esel sein, der ich freilich auch die Konzilien hoch halte. Deute du es, so gut du kannst, ich bin's wohl zufrieden. Allein sage mir das, ob du im Konzil zu Nicäa dabei gewesen bist, da solcher Artikel gestellt ward, dass du solche Deutung so gewiss nachsagen kannst? Wo nicht, wo hast du es denn sonst gelesen? Denn der Artikel sagt dürre: militia, von Kriegen; sagt nicht von unrechten Kriegen, welche ohne Noth gewesen wären durch Konzilien zu verdammen, weil sie auch bei allen Heiden nach der Vernunft, die nicht Christen noch Konzilien sind, hoch verdammt werden.
Wenn ein König oder Fürst kriegen und sich wehren muss durch rechten Krieg, der muss nehmen, was er haben kann. Sollen aber solche zulaufenden Krieger verdammt sein, wo wollen jetzt Kaiser, Könige, Fürsten bestehen, nachdem jetzt keine andere, denn zulaufende Krieger vorhanden sind? Sage mir, sollen die Herrn allein in ihrer Person kriegen oder Strohmänner flechten gegen die Feinde? Und frage du das Konzil zu Rath, ob's zu tun sei. Ja, Lieber, es ist leicht geredet, Konzil hat solches geboten, wenn man die Buchstaben ansieht, wie eine Kuh das Thor, und nicht denkt, was dazu gehört, und wie man's halten müsse und darnach tun. Und warum haben's die Päpste und Bischöfe hernach selbst nicht gehalten, die so viel Krieg und Blutvergießen in aller Welt angerichtet haben und noch ohne Aufhören treiben und schreien dieweil immerdar: Konzilien, Konzilien! Väter, Väter! doch dass sie frei dagegen tun mögen und herausklauben, was sie von uns getan haben wollen?
Ei Luther, mit der Weise solltest du wohl das Konzil zu Nicäa fast verdächtig machen, als wäre es aufrührerisch gewesen! Denn wo wir jetzt also lehrten, dass der Kaiser und die Kriegsleute (so rechte Sachen hätten) verdammt wären, würden wir billig für aufrührerisch gehalten nach unseren eigenen Schriften. Ich bin jetzt (sage ich) und muss gut konzilisch sein, hernach will ich weiter davon sagen und mich erklären. Jetzt sage ich wie droben, das Konzil kann nicht anders reden, denn von ordentlichem Krieg, der dazumal im Brauch durchs römische Reich gewesen ist, eben sowohl unter demselben Kaiser Constantin als zuvor unter den Heiden; da waren aber die Fußknechte oder Fußvolk, zu der Zeit Milites genannt, gesessene Bürger, die ihren jährlichen Sold ewiglich hatten, also dass wo der Vater starb oder zu alt ward, musste der Sohn fort an des Vaters Statt Krieger sein und wurde dazu gezwungen; wie es jetzt der Türke auch noch im Brauch hält. Ich laß mir sagen, dass der König zu Frankreich fast desgleichen tue im Schweizerland und gebe auch den Kindlein Sold. Ist's wahr, so sei es nicht erlogen.
So waren auch die Reiter ewige und erbliche Krieger und hatten ihren Sold, hießen Equites; solche Reiter sind jetzt fast unsere Edelleute, die zu Ross und Harnisch gerüstet sitzen müssen, davon sie ihre Lehngüter haben. Dass also das römische Reich allzeit seine gewisse Anzahl hatte, beides, des Fußvolks und reisigen Zeugs, besoldet ewiglich usw., das sag' ich darum, das Konzil recht zu verstehen, nämlich, dass es nicht anders denn von ordentlichen Kriegen verstanden werden kann, weil es von römischem Kriegsvolk reden muss, darin, nach der Lehre S. Pauli, viele Christen haben gehorsam sein müssen, als S. Morik mit seinen Gesellen, auch Jovinianus, Gratianus, Valentinianus, Theodosius usw., ehe sie Kaiser wurden. Ist's aber recht gewesen vor der Taufe, den heidnischen Kaisern im Krieg zu dienen, warum sollte es darnach unrecht gewesen sein, nach der Taufe wiederum auch christlichen Kaisern so zu dienen?
Es wäre denn, dass Religio an diesem Ort nicht der christliche Glaube, sondern Möncherei hieße. Da wäre ich gefangen und müsste selbst nach diesem Konzil wieder in die Kappe kriechen, wo ich's anders auch tun wollte; und wüsste auch S. Peter nicht im Himmel zu finden, weil er zuvor ein Fischer gewesen und nach dem Apostelamt wiederum das Fischeramt braucht, das er doch verlassen hatte um Christus willen.
Es heiße nun gleich Religion Möncherei, so doch zu der Zeit keine Orden noch solche Klöster oder Mönche gewesen sind, wiewohl es bald und geschwind hernach einriss. S. Antonius mit den Seinen ist um dieselbe Zeit gewesen, den sie aller Mönche Vater und Anfang nennen. Aber zu der Zeit hat Mönch geheißen, was wir jetzt Klausner oder Einsiedler heißen, wie auch das griechische Wort Monachus lautet auf Latein Solitarius, das ist ein Einsamer, der gar allein von den Leuten wohnt und lebt in einem Holz oder Wildnis oder sonst allein. Ich weiß jetzt keine solchen Mönche, ist auch länger als in tausend Jahren keiner gewesen, man wollte denn die armen Gefangenen in Türmen und Kerkern Mönche nennen, die leider rechte Mönche sind, denn sie sitzen allein von den Leuten. Des Papsttums Mönche sind mehr unter den Leuten und weniger allein, wie alle Leute sind. Denn welcher Stand oder Amt in der Welt ist mehr bei und unter den Leuten und weniger von den Leuten, wie solche Mönche? Es sei denn, dass die Klöster, so in Städten und aufm Land liegen, nicht unter noch bei den Leuten gebaut heißen sollten.
Aber die Grammatik fahre hin, wollen von der Sache reden. Heißt hier Religion Möncherei, die zu derselben Zeit gewesen sei: Warum verdammt denn dies Konzil die Militia, das ist Gehorsam der weltlichen Obrigkeit, dass Mönche in solchem Gehorsam nicht selig werden sollen? Doch das wäre noch zu leiden, dass die Möncherei gelobt würde. Aber dass die ordentliche Militia dagegen verdammt wird, als könnte S. Antonius nicht mit gutem Gewissen dem Kaiser im Kriege dienen, das ist zu viel. Denn wo wollte der Kaiser zuletzt Leute nehmen, wenn sie alle Mönche werden wollten und vorgeben, sie dürften nicht dienen im Kriege? Lieber, sage, wie weit ist wohl solche Lehre von einem Aufruhr, sonderlich wenn wir so lehrten? Und wir wissen doch, dass von Gott dieselbe erwählte Möncherei nicht geboten, sondern Gehorsam geboten ist. Wenn die Mönche ja fliehen wollten von den Leuten, sollten sie fein ehrlich und redlich fliehen, nicht einen Stank hinter sich lassen; das ist, sie sollten mit ihrem Fliehen nicht andere Stände und Ämter stinkend machen, als wären sie eitel verdammtes Ding und ihre selbst erwählte Möncherei müsste eitel Balsam sein. Denn so lautet es, wenn einer flieht und ein Mönch wird, als spräche er: Pfui dich, wie stinken die Leute, wie verdammt ist ihr Stand! Ich will selig werden und sie zum Teufel fahren lassen. Wenn Christus auch also geflohen und ein solcher heiliger Mönch geworden wäre, wer wäre für uns gestorben oder hätte genug für uns arme Sünder getan? Vielleicht die Mönche mit ihrem flüchtigen, strengen Leben?
Es ist wahr, S. Johannes der Täufer ist auch in der Wüste gewesen, doch nicht gar von den Leuten; aber er kam darnach wieder unter die Leute, da er eines Mannes Alter erreicht hatte, und predigte. Christus war (wie Moses auf dem Berge Sinai) vierzig Tage gar ohne Leute in der Wüste unter den Tieren und aß und trank nicht, er kam auch wieder unter die Leute. Wohlan, wollen wir, so lasst sie uns für Einsiedler und Mönche halten; dennoch verdammen sie alle beide ') nicht der besoldeten Krieger Stand, ob sie gleich nicht solche Krieger sind, sondern Johannes spricht zu ihnen, Luc. 3, 14: Lasst euch begnügen an eurem Sold und tut sonst Niemand Gewalt noch Unrecht. Christus ging zum Hauptmann zu Kapernaum, seinem Knecht zu helfen, der auch ohne Zweifel im Sold gedient hat (Matth. 8, 10). Noch heißt ihn Christus nicht solchen Stand verlassen, sondern rühmt seinen Glauben über ganz Israel. Und S. Petrus ließ Cornelius zu Cäsarea nach der Taufe auch Hauptmann bleiben samt seinen Dienern, so im Sold der Römer da lagen. Wie vielmehr sollte S. Antonius mit seinen Mönchen nicht solche Ordnung Gottes mit seiner neuen und eigenen Heiligkeit bestänkert haben, weil er ein schlichter Laie, ganz ungelehrt, in keinem Predigtamt oder Kirchenamt war? Wohl glaube ich, dass er groß sei bei Gott gewesen, und noch, wie viele seiner Schüler mehr; aber sein Vornehmen ist ärgerlich und gefährlich, darinnen er erhalten ist, wie die Auserwählten in Sünden und anderen Ärgernissen erhalten werden. Aber das Exempel seines Wesens ist nicht zu loben, sondern das Exempel und die Lehre Christi und Johannis.
Es heiße nun Religio der christliche Glaube oder Möncherei, so folgt aus diesem Konzil, dass Militia, welches zu der Zeit weltlicher Ordnung Gehorsam gewesen, als ein Ungehorsam vor Gott oder ein stinkender Gehorsam gegen menschliche, erwählte Möncherei zu halten sei. Aber S. Martins Legende lautet dahin, dass Religio geheißen habe christlicher Glaube. Denn da er Christ werden wollte, übergab er seine erbliche Militia, darin sein Vater gewesen und, nun zu alt, seinen Sohn Martin an seine Statt hatte einschreiben lassen, wie des römischen Reiches Gebot und Weise zwang; und ward ihm solches übel ausgelegt, als wäre er vor den Feinden verzagt, darum er flöhe und Christ würde, wie man in seiner Legende lesen mag: dass es gleichwohl sieht, als sei zu der Zeit bereits der Wahn im Volk erwachsen (nicht ohne Predigt etlicher Bischöfe) dass Militia sei als ein gefährlicher, verdammter Stand zu halten, und müsse davon fliehen, wer Gott dienen will. Denn S. Martin ist nicht lange nach dem Konzil von Nicäa gewesen, denn er war unter Iulianus ein Kriegsmann.
Wollen wir nun das Konzil halten oder wieder aufrichten, so müssen wir S. Antonius nachfliehen in die Wüste, Kaiser und Könige zu Mönchen machen und sagen, dass sie nicht Christen noch selig sein können; oder also predigen, dass sie in gefährlichem und stinkendem Gehorsam leben und nicht Gott dienen. Wollen wir aber dies Konzil nicht halten, so müssen wir gar keins halten. Denn eins ist so gut als das andere, weil derselbe Heilige Geist sie alle gleich regiert, und wir aber die Konzilien nicht gemalt noch in Buchstaben, sondern in der Tat und Folge haben wollen. Mich will aber schier ein Schwindel ankommen, als haben die lieben heiligen Väter solchen Artikel nicht gesetzt, weil sie gewiss den Kaiser Constantin damit verschont haben würden, welcher sie von den Tyrannen erlöst hatte, nicht mit S. Antonius Möncherei, sondern mit Krieg und Schwert. Es sieht aus, als haben's die anderen losen Bischöfe hinein geklickt oder hernach mit darunter geflickt
Weiter, dasselbe Konzil setzt, dass der römische Bischof nach alter Gewohnheit die suburbicarischen Kirchen [in der Nähe von Rom gelegene Gemeinden] sich befohlen sein lassen solle; gleichwie der Bischof zu Alexandria die Kirchen in Ägypten. Ich will und kann nicht deuten, was Suburbicariae heißen, weil es nicht mein Wort ist, außer dass es lautet, die Kirchen, so bis daher in welschem Lande um die römischen Kirchen gelegen; gleichwie die Kirchen in Ägypten um die Kirchen zu Alexandria. Deute aber, wer da will, so verstehe ich dennoch das wohl, dass dies Konzil dem Bischof zu Rom keine Herrschaft über seine umliegenden Kirchen gibt, sondern sie ihm befiehlt, dafür zu sorgen; und tut dasselbe nicht, als müsste es sein jure divino [aus göttlichem Recht], sondern aus alter Gewohnheit. Gewohnheit aber heißt nicht Scriptura sancta [heilige Schrift] oder Gottes Wort. Über das nimmt es die Kirchen in Ägypten (als auch von alter Gewohnheit her) von dem Bischof zu Rom und befiehlt sie dem Bischof zu Alexandria. Desgleichen ist wohl zu denken, dass die Kirchen in Syrien dem Bischof zu Antiochia befohlen gewesen sind oder dem zu Jerusalem und nicht dem Bischof zu Rom, weil sie weiter gelegen sind von Rom wie Alexandria oder Ägypten.
Soll nun in unseren Kirchen dies Konzil gelten und zu Kräften kommen, müssen wir zuvor den Bischof zu Rom verdammen als einen Tyrannen und alle seine Bullen und Dekretalen mit Feuer verbrennen. Denn da ist keine Bulle noch Dekretal, darin er sich nicht mit großem Brüllen und Drohen rühme, er sei aller Kirchen auf Erden oberstes Haupt und Herr, dem alles untertan sein müsse, was auf Erden ist, wo es selig werden wolle. Welches stracks nichts anderes ist denn so viel gesagt: das Nicänische Konzil ist falsch, verflucht und verdammt, dass mir's solche Herrlichkeit über alles nimmt und den Bischof zu Alexandria mir gleichsetzt. Doch hat der Türke und Sultan zuvor längst solchen Artikel des Konzils durch Zerstörung Alexandrias so ausgelegt und ausgelehrt, dass weder Papst noch wir uns darum bekümmern dürfen; damit wir lernen, dass der Konzile Artikel nicht alle ewiglich gleich, wie des Glaubens Artikel, zu halten sind.
Weiter, dies Konzil setzt, dass, welche sich selbst entmannen gegen die große unleidliche Brunst ihres Fleisches, nicht zu Klerikern oder Kirchenamt gelassen werden sollen. Wiederum setzt es, dass die Bischöfe sollen keine Frau um sich haben oder bei ihnen wohnen, es wäre denn Mutter, Schwester, Basen (das sind Vaters oder Mutters Schwestern) oder dergleichen nahe Freundinnen. Hier verstehe ich den Heiligen Geist gar nicht in dem Konzil. Sollen die nicht taugen zum Kirchenamt, die sich vor unleidlicher Brunst entmannen; und wiederum die auch nicht taugen, so gegen solche Brunst Weiber nehmen oder haben nach des S. Paulus Rat 1. Kor. 7, 2, was will das werden? Soll denn ein Bischof oder Prediger in der unleidlichen Brunst stecken bleiben und weder durch die Ehe noch Entmannung von solchem gefährlichen Wesen sich erretten mögen? Denn was darf man dem viel gebieten, der ein Weib hat, dass er keine anderen Weiber bei sich haben soll? Welches auch wohl den Laien und Ehemännern nicht ziemt. So würde sich's mit der Mutter, den Schwestern, Basen wohl selbst schicken, wo der Bischof eine Hausfrau hätte; es bedürfte keines Verbots. Oder hat der Heilige Geist sonst nichts zu tun in den Konzilen, als dass er mit unmöglichen, gefährlichen, unnötigen Gesetzen seine Diener verstricken und beschweren muss?
Die Historien sagen, dass S. Paphnutius, der treffliche Mann, in diesem Konzil den Bischöfen gewehrt habe, da sie vorhatten, die Ehe zu verbieten, auch denen, so vor der Weihe Frauen genommen hatten, und wollten denselben die Ehepflicht auch verbieten mit ihren eigenen Frauen. Er aber riet, man sollt's nicht tun, und sprach: Es wäre auch Keuschheit, so ein Mann mit seiner Ehefrau die Ehepflicht brauchte. Man schreibt, er hab's erhalten. Aber diese zwei Dekrete lauten, dass die Bischöfe fortgefahren haben und die Frauen schlechthin verboten. Denn es waren auch viele ungeschickte, falsche Bischöfe unter dem frommen Haufen und heiligen Konzil, wie die Arianer mit ihrer Rotte (wie die Historien klar zeigen) die vielleicht auch etwas dazu getan haben; davon hernach weiter. Wollen ein wenig aufhören von den Konzilen, und die Väter daneben auch ansehen. Wiewohl uns S. Augustinus irre macht, weil er keinem will (wie droben gesagt) geglaubt, sondern alle unter die Schrift gefangen und gezwungen haben, so wollen wir doch sie selbst auch ansehen.
S. Cyprianus, der ältesten Väter einer, als der lange vor dem Konzil zu Nicäa gewesen, zur Zeit der Märtyrer, selbst auch ein trefflicher Märtyrer, hat gelehrt und auch steif darob gehalten, dass man die bei den Ketzern Getauften wieder taufen musste; ist auch darauf geblieben bis in seine Marter, ob er wohl heftig von anderen Bischöfen ermahnt wurde, und S. Cornelius, Bischof zu Rom, der auch zur selben Zeit gemartert ist, nicht mit ihm halten wollte. Und hernach hat S. Augustinus große Mühe, ihn zu entschuldigen, und muss zuletzt solcher Hilfe brauchen, dass solcher Irrtum sei durch sein Blut, so er um Christus Liebe willen vergossen, abgewaschen. So redet S. Augustinus und verdammt S. Cyprians Lehre von der Wiedertaufe, wie sie denn hernach fort und fort (wie auch billig) verdammt ist. Aber mit Cyprian möchten wir leicht zufrieden sein, da in ihm uns arme Sünder Christus trefflich tröstet, dass seine großen Heiligen dennoch auch haben Menschen sein müssen; wie denn S. Cyprian, der treffliche Mann und teure Märtyrer, wohl mehr in ebenso groben Stücken, strauchelt, davon jetzt nicht Zeit zu reden ist.
Aber wo wollen wir bleiben vor den Vätern, die solche Lehre auf S. Cyprian geerbt haben? Du magst lesen Ecclesiast. Histor. lib. 7 [Kirchengeschichte des Eusebius, Buch 7] das erste und andere Blatt, was der treffliche Bischof Dionysius zu Alexandria davon an den Bischof Sixtus zu Rom schreibt und daneben auch selber sagt: Es sei zuvor, ehe denn es die Bischöfe in Afrika getan, von großen, trefflichen Bischöfen geschehen und im Konzil zu Iconium beschlossen; darum wohl solcher wichtiger Handel zu betrachten sei, ehe man sie verdamme. Über das steht klar im Nicänischen Konzil dieser Artikel, man solle die Ketzer, Paulianisten oder Photinianer wiederum taufen, und stößt solcher Artikel auch S. Augustin hart vor den Kopf, Libro de Haeresibus [Buch von den Ketzereien], weil er sich mit den Wiedertäufern, Donatisten, sehr lange und viel geplagt hatte; doch dreht er sich mit solchen Worten aus um des Nicänischen Konzils Dekrets willen: dass zu glauben sei, die Photinianer haben der Taufe Form nicht gehalten, wie doch andere Ketzer taten. Ja, wer auch glauben könnte, da keine Beweis ist. Denn die Photinianer hatten noch machten kein anderes Evangelium, wie die ganze Kirche hatte, darum mehr zu glauben ist, sie haben der gemeinen Form gebraucht. Denn die Ketzer wollen allezeit sich der Schrift rühmen. Also will die Wiedertaufe Recht behalten gegen S. Augustin und uns alle, weil das Nicänische Konzil und zuvor andere Konzile und Väter mit Cyprian stimmen.
Über das sind nun auch die Canones Apostolorum der Apostel Aufsätze [angebliche Rechtsüberlieferung der Apostel], durch den Druck von vielen ausgegangen, damit die Kirche wieder ja wohl regiert werde. Unter denselben steht auch dieser Canon: man solle der Kezer Sakrament und Taufe für nichts halten, sondern solle sie wieder taufen. Und ist leicht zu rechnen, wo die Apostel solches geordnet haben, dass es hernach durch die vorigen Väter und Konzilien (wie droben Dionysius sagt) bis auf S. Cyprian und von dannen aufs Konzil zu Nicäa gekommen sei. Denn Cyprianus ist vor dem Konzil zu Nicäa gewesen. Haben solches die Apostel gesetzt, so hat S. Cyprianus recht, und liegt S. Augustinus mit aller Christenheit darnieder, wir auch mit ihm, die wir's mit ihm halten. Denn wer will gegen die Apostel lehren? Haben's die Apostel nicht gesetzt, so sollte man solche Bücher - Schreiber und Meister allesamt ertränken und erhenken, dass sie solche Bücher unter der Apostel Namen ausbreiten, drucken, schreiben; sind auch wert, dass man ihnen in keinen anderen Büchern noch Sachen glaube, weil sie immer fort und fort solche Bücher vorbringen, die sie selbst nicht glauben und uns doch aufladen, mit diesen Buchstaben Konzil, Väter, die mir ein Chorschüler zu Halberstadt wohl besser schreiben könnte, wenn's allein um die Buchstaben zu tun wäre, da sie doch allein mit umgehen und uns narren.
Hat nun S. Cyprianus solche Regel der Apostel vor sich gehabt und das Konzil zu Nicäa und andere mehr; wie wollen wir die Väter vergleichen? Die Apostel mit Cyprian wollen, man solle wiedertaufen. S. Augustinus mit der ganzen Kirche hernach will, es sei unrecht. Wer predigt dieweil den Christen, so lange bis solcher Spalt geschlichtet und verglichen werde? Ja, es ist gut gaukeln mit Konzilien und Vätern, wenn man mit den Buchstaben alfenzt1) oder ein Konzil immer verzieht, wie nun zwanzig Jahre geschehen, und nicht denkt, wo indes die Seelen bleiben, die man mit gewisser Lehre weiden soll, wie Christus spricht, Joh. 21, 6: Pasce oves meas [Weide meine Schafe].
S. Cyprian entschuldige ich, erstlich sofern, dass er nicht ein solcher Wiedertäufer gewesen ist, wie jetzt die unsern sind. Denn er hält's dafür, dass bei den Ketzern allerdings kein Sakrament sei, darum müsse man sie, gleich den andern Heiden taufen, und ist seines Herzens Irrtum, dass er keine Wiedertaufe gebe, sondern taufe einen ungetauften Heiden. Denn er weiß und hält von keiner Wiedertaufe, sondern allein eine einige Taufe. Aber unsere Wiedertäufer bekennen, dass bei uns und unter dem Papsttum die Taufe wohl recht sei, aber weil sie von Unwürdigen gegeben oder empfangen wird, soll es keine Taufe sein: solches würde S. Cyprian nicht gelitten, viel weniger getan haben.
Solches will ich von dem heiligen Märtyrer S. Cyprianus für mich gesagt haben, von welchem ich hoch halte, seiner Person und Glaubens halber. Denn die Lehre ist unterworfen dem Spruch S. Pauli, 1. Thess. 5, 21: Omnia probate usw [Prüfet alles]). Aber unser Vornehmen ist jetzt nicht, was ich sage, sondern, wie man die Väter zusammenreime, damit wir gewiss werden, was und wie man den armen Christen predigen solle. Denn hier sind die Apostel und Cyprianus über der Taufe mit S. Augustinus und der Kirche uneins. Sollen wir S. Augustin folgen, so muss man die Apostel verdammen mit ihren Regeln und das Nicänische Konzil mit den vorigen Vätern und Konzilien samt S. Cyprian. Und wiederum ist S. Cyprianus recht mit den Aposteln, so ist S. Augustinus mit der Kirche unrecht. Wer predigt dieweil und tauft, bis wir der Sachen eins werden? Und nachdem die Papisten die Canones der Apostel und Konzilien mit den Vätern gegen uns rühmen und zum Wahrzeichen etliche im geistlichen Recht des Gratian eingeleibt sind, und sollte der Damm brechen, dass derselben Canones und Konzilien etliche ketzerisch erfunden würden, wie dieser von der Wiedertaufe ist, wer könnte darnach wehren, dass die Fluth nicht über und über ginge und mit ihrem Sausen auch einmal schreien würde. Ihr lügt doch alles, was ihr schreibt, sagt, druckt, speiet und schreiet, man darf euch kein Wort glauben, wenn ihr gleich Konzilien, Väter, Apostel vorwendet.
Aber indes wir also aus den Vätern oder Konzilien klauben, jene, was ihnen gefällt, wir, was uns gefällt, und nicht eins werden können, weil die Väter selbst nicht eins sind, so wenig wie die Konzile; Lieber, wer predigt dieweil den armen Seelen, die von solchem Klauben und Zanken nichts wissen? Heißt das die Schafe Christi geweidet, wenn wir selbst nichts wissen, ob's Gras oder Gift, Heu oder Geschmeiß sei? Und sollen dieweil also pampeln und hangen, bis es einmal zu Ende komme und das Konzil beschließe. Ah, wie übel hätte Christus seine Kirche versehen, wenn's so zugehen sollte. Nein, es muss anders zugehen, wie wir aus Konzilien und Vätern vorwenden; oder es muss keine Kirche gewesen sein seit der Apostel Zeit, welches nicht möglich ist. Denn da steht's: Ich glaube eine heilige, christliche Kirche; und: Ich bin bei euch bis zur Welt Ende (Matth. 28, 20). Diese Worte müssen nicht fehlen, und sollten auch alle Konzilien und Väter fehlen. Der Mann muss heißen Ego veritas2); Väter und Konzilien sollen gegen ihm heißen Omnis homo mendax [Alle Menschen sind Lügner], wo sie gegen einander wären.
Solches sage ich nicht um der Unsern willen, welchen ich hernach wohl zeigen will, was Konzilien, Väter, Kirche sei, ob sie es nicht wüssten (davor sie Gott behütet hat), sondern um der Schreier willen, die nicht anders denken, denn wir haben die Väter und Konzilien nicht gelesen. Wiewohl ich die Konzile nicht alle gelesen, will sie auch nicht alle lesen und so viel Zeit verlieren, als ich versucht habe, weil ich die vier Hauptonzile sehr wohl gelesen und viel besser wie sie alle, das weiß ich; will auch mutwillig so vermessen sein, dass ich nach den vier Hauptkonzilen die andern alle will geringer halten, ob ich sie gleich für gut halten würde - vernehmet mich: etliche. Die Väter, hoffe ich, sollen mir besser bekannt sein, wie solchen Schreiern, die heraus zwacken, was sie wollen, das andere, was sie verdrießt, fahren lassen. Darum müssen wir anders zur Sache tun.
Und was fechten wir doch? Wollen wir der Väter Sprüche vergleichen, so lasst uns Magister Sententiarum [Sentenzen o. Kirchenlehre des Petrus Lombardus] vornehmen, der ist in diesem Werk über die Maßen fleißig und uns lange zuvor gekommen. Denn derselbe hat auch solche Anfechtung von der Ungleichheit der Väter gehabt und solcher Sachen abhelfen wollen. Und meines Achtens hat er's besser gemacht, denn wir's machen würden. Und du wirst in keinem Konzil, noch in allen Konzilen, dazu in keinen Vätern so viel finden wie in dem Buch Sententiarum. Denn die Konzile und Väter handeln etliche Stücke der christlichen Lehre, keiner aber handelt sie alle, wie dieser Mann tut, oder doch die meisten. Aber von den rechten Artikeln, als Fides et Justificatio [Glaube und Rechtfertigung], redet er zu dünn und zu schwach, ob er wohl die Gnade Gottes hoch genug preist. Also, wie oben gesagt, mögen wir Gratian für uns gearbeitet haben lassen in der Vergleichung der Konzilen, darin er sich sehr bemüht, aber nicht so rein ist wie Magister Sententiarum. Denn er gibt ja zu viel dem römischen Bischof und zieht alles auf ihn. Sonst hätte er's auch vielleicht besser gemacht mit dem Vergleichen der Konzile, als wir's jetzt tun könnten.
Wer auch weiter sehen will, wie die lieben heiligen Väter Menschen gewesen sind, der lese doch das Büchlein D. Pommers [Bugenhagens], unseres Pfarrherrn, über die vier Kapitel an die Korinther; daraus wird er ja lernen müssen, dass S. Augustin recht geschrieben hat Noli meis usw., wie droben gesagt ist, dass er keinem der Väter glauben will, er habe denn die Schrift für sich. Lieber Herr Gott, wenn der christliche Glaube an den Menschen hangen sollte und auf Menschen Wort gegründet sein, was bedürfte man denn der Heiligen Schrift? Oder wozu hat sie Gott gegeben? So lasst sie uns unter die Bank stoßen und an ihrer Statt die Konzile und Väter auf den Pult legen. Oder sind die Väter nicht Menschen gewesen, wo wollen wir Menschen denn selig werden? Sind sie Menschen gewesen, so werden sie zuweilen auch gedacht, geredet, getan haben, wie wir denken, reden, tun; darauf aber sprechen müssen (wie wir) den lieben Segen: Vergib uns unsere Schuld, wie wir vergeben usw., sonderlich weil sie nicht solche Verheißung des Geistes haben, wie die Apostel, sondern der Apostel Schüler sein müssen.
Wenn der Heilige Geist so albern gewesen wäre, dass er sich versehen hätte oder vertrauen müssen, die Konzile und Väter würden alles gut machen und nicht fehlen, wäre ihm ohne Not gewesen, dass er seine Kirche vor ihnen verwarnte, man sollte alles prüfen und zusehen, wo man würde Stroh, Heu, Holz auf den Grund bauen, 1. Kor. 3, 12. Damit hat er nicht heimlich noch schwächlich, sondern öffentlich und gewaltig geweissagt, dass in der heiligen Kirche mit unter sein würden hölzerne, stroherne, heuerne Bauleute, das ist Lehrer, die dennoch auf dem Grunde oder Fundament blieben, durchs Feuer wohl Schaden nehmen, doch selig werden müssten, welches nicht von den Ketzern verstanden werden kann. Denn dieselben legen einen anderen Grund, diese aber bleiben auf dem Grunde, das ist im Glauben Christi, werden selig und heißen Gottes Heilige, haben gleichwohl Heu, Stroh, Holz, das durchs Feuer der Heiligen Schrift verbrennen muss, wiewohl ohne Schaden ihrer Seligkeit, wie S. Augustinus von sich spricht: Errare potero, haereticus non ero: Ich mag irren, aber Ketzer will ich nicht werden. Ursache, Ketzer irren nicht allein, sondern wollen sich nicht weisen lassen, verteidigen ihren Irrtum für recht und streiten gegen die erkannte Wahrheit und gegen ihr eigen Gewissen.
Von solchen sagt S. Paulus Tit. 3, 10. 11: Einen Kezer sollst du meiden, wenn er eins oder zweier vermahnt ist, und sollst wissen, dass ein solcher verkehrt ist und sündigt αὐτοκατάκριτος, das ist, der mutwillig und wissentlich im Irrtum verdammt bleiben will. Aber S. Augustinus will seinen Irrtum gern bekennen und sich sagen lassen. Darum kann er kein Kezer sein, wenn er gleich irrte. Also tun alle andern Heiligen auch und geben ihr Heu, Stroh und Holz gern von sich in's Feuer, damit sie auf dem Grunde der Seligkeit bleiben. Wie wir auch getan haben und noch tun.
Demnach, weil es in den Vätern nicht anders sein kann, denn dass sie (ich rede von den heiligen und guten), wo sie ohne Schrift, das ist ohne Gold, Silber, Edelsteine bauen, Holz, Stroh und Heu bauen: so muss man ja dem Urteil S. Pauls nach Unterschied zu machen wissen unter Gold und Holz, unter Silber und Stroh, unter Edelstein und Heu, und uns nicht von den unnützen Schreiern dahin zwingen lassen, dass Gold und Holz ein Ding, Silber und Stroh ein Ding, Smaragd und Heu ein Ding sei; oder sie bitten (wo es zu tun wäre), dass sie selbst zuerst so klug würden und nähmen Holz für Gold, Stroh für Silber, Heu für Perlen. Sonst sollen sie unser billig auch verschonen und solche Torheit oder Kindheit nicht anmuten.
Und ist uns allen dennoch auch dies Wunderstück des Heiligen Geistes zu merken, dass er schlicht alle Bücher der Heiligen Schrift, beide, des neuen und alten Testaments, allein aus dem Volk Abrahams und durch seinen Samen der Welt hat geben wollen und nicht eines durch uns Heiden geschrieben werden lassen, so wenig als er auch die Propheten und Apostel hat aus den Heiden wählen wollen, wie S. Paulus sagt, Röm. 3, 2: Die Juden haben den großen Vorteil, dass ihnen Gottes Reden vertraut sind, wie auch der 147. Psalm v. 19: Er hat Jakob seine Rede verkündigt und Israel seine Rechte, also hat er keinen Heiden getan: und Christus selbst Joh. 4, v. 22: Wir wissen, dass aus den Juden das Heil gekommen ist, und Röm. 9,4: Ihrer ist die Verheißung, Gesetz, Väter und Christus usw.
Deshalb müssen wir Heiden die Schriften unserer Väter der Heiligen Schrift nicht gleich hoch, sondern ein wenig herunter halten. Denn jene sind die Kinder und Erben, wir sind die Gäste und Fremdlinge, die zu der Kinder Tisch aus Gnaden gekommen sind ohne alle Verheißung. Sa wir sollten Gott demütig danken und mit dem heidnischen Weiblein nicht mehr begehren, denn dass wir die Hündlein sein möchten, so die Brosamlein auslesen, die von der Herren Tische fallen. (Matth. 15, 27). So fahren wir zu und wollen den Aposteln unsere Väter und uns gleich heben, denken nicht, dass Gott uns auch vielmehr zerbrechen möchte, weil er die natürlichen Zweige, Röm. 11, 21, und des Abrahams Samen oder Erben nicht verschont hat um ihres Unglaubens willen. Noch will der verfluchte Gräuel zu Rom auch über die Apostel und Propheten Macht haben, die Schrift zu ändern nach seinem Gefallen. Darum schreibt Augustinus recht (wie droben vermeldet) zu S. Hieronymus: Ich achte nicht, lieber Bruder, dass du deine Schrift wolltest gleich der Apostel und Propheten Bücher gehalten haben; da behüte Gott vor, du wirst solches nicht begehren.
Es ist auch kein Konzil noch Väter, darinnen man die ganze christliche Lehre finden oder lernen könnte. So handelt das Nicänische allein, dass Christus wahrhaftiger Gott sei; das zu Konstantinopel, dass der Heilige Geist Gott sei; das zu Ephesus, dass Christus nicht zwei, sondern eine Person sei; was zu Chalcedon, dass Christus nicht eine, sondern zwei Naturen habe, als Gottheit und Menschheit. Das sind die vier großen Hauptkonzile, und haben nichts mehr, denn diese vier Stücke, wie wir hören werden. Das ist aber noch nicht die ganze Lehre christlichen Glaubens. S. Cyprianus handelt, wie man fest im Glauben sterben und leiden solle, und wiedertäuft die Kezer, schilt auch böse Sitten und die Weiber. S. Hilarius verteidigt das Konzil zu Nicäa, dass Christus rechter Gott sei, und handelt ein wenig von den Psalmen. S. Hieronymus lobt die Jungfrauschaft und die Einsiedler. S. Chrysostomus lehrt beten, fasten, Almosen, Geduld usw. S. Ambrosius hat dennoch viel, aber S. Augustinus am meisten, darum auch Magister Sententiarum das meiste aus ihm hat.
Und Summa, tu sie alle zusammen, beide, Väter und Konzilien, so kannst du doch nicht die ganze Lehre christlichen Glaubens aus ihnen klauben, ob du ewig daran klaubst. Und wenn die Heilige Schrift nicht getan und gehalten hätte, wäre die Kirche der Konzile und Väter halber nicht lange geblieben. Und zu Wahrzeichen: Woher haben's die Väter und Konzilien, was sie lehren oder handeln? Meinst du, dass sie es zu ihrer Zeit erst erfunden, oder vom heiligen Geist immer ein Neues ihnen eingegeben sei? Wodurch ist denn die Kirche bestanden vor solchen Konzilien und Vätern? Oder sind keine Christen zuvor gewesen, ehe die Konzilien und Väter aufkamen? Darum müssen wir anders von den Konzilien und Vätern reden und nicht die Buchstaben, sondern den Verstand ansehen, und das sei genug zum ersten Teil dieses Büchleins, dass wir auch Odem holen.
Der andere Teil.
Erstlich von den Konzilien. Denn die Buchstaben Konzilium geben uns Unverständigen unermesslich viel zu schaffen, auch mehr denn die Väter und Kirche. Ich will aber kein Richter und Meister hiermit sein, sondern meine Gedanken dargeben. Wer es besser machen kann, dem sei Gnade und Glück gewünscht, Amen. Und nehme vor mich den Spruch des S. Hilarius de Trinitate: Ex causis dicendis sumenda est intelligentia dictorum, das ist: Wer eine Rede verstehen will, der muss sehen, warum oder aus was für Ursachen es geredet sei. Sic ex causis agendi cognoscuntur acta [So aus den Triebfedern zum Handeln erkennt man das Handeln]. Solches lehrt auch die natürliche Vernunft. Ich will's aber gröblicher Weise anzeigen. Wenn ein Bauer den andern verklagt: Lieber Richter, dieser Mann heißt mich einen Schalk und Buben - diese Worte und Buchstaben so bloß geben den Verstand, dass dem Kläger groß Unrecht geschieht, und sind falsche und eitle Lügen. Kommt aber der Verklagte und gibt Ursachen solcher Buchstaben und spricht: Lieber Richter, er ist ein Bube und Schalk, denn er ist aus der Stadt N. mit Ruthen gestäupt um seiner Schalkheit willen und mit Mühe durch fromme Leute erbeten, dass er nicht erhängt ist, und will mich hier in meinem Hause übergeben; - hier wird der Richter die Buchstaben anders verstehen denn zuvor. Wie es denn täglich die Erfahrung im Regiment wohl lehrt. Denn ehe man Grund und Ursache der Reden erfährt, so sind es Buchstaben oder Chorschülergeschrei und Nonnengesang.
Also, da Christus spricht zu Petrus: Was du bindest auf Erden, soll gebunden sein im Himmel, und was du lösest, soll los sein (Matth. 16, 19). Diese Buchstaben nimmt der Papst und fährt mit dahin ins Schlaraffenland und deutet sie also: Was ich mache im Himmel und auf Erden, das ist recht; ich habe die Schlüssel zu binden und zu lösen alles und alles. Ja, wenn wir hätten Rüben gegessen usw.! Wenn man aber die Ursachen ansieht, so ist Christus in dem, dass er vom Binden und Lösen der Sünde redet, weil es Schlüssel sind zum Himmelreich, dahin Niemand kommt ohne durch Vergebung der Sünden, und Niemand davon ausgeschlossen wird, denn dem sie um sein unbußfertiges Leben willen gebunden werden. Dass also die Worte nicht S. Peters Gewalt, sondern die Nothdurft der elenden Sünder oder der stolzen Sünder angeht. Aber der Papst macht aus solchen Schlüsseln zwei Dietriche zu aller Könige Kronen, Kasten, zu aller Welt Beutel, Leib, Ehr und Gut. Denn er sieht wie ein Narr die Buchstaben an und achtet der Ursachen nichts.
Also sind viele Sprüche in der Schrift, die nach den Buchstaben gegen einander sind, aber wo die Ursachen angezeigt werden, ist's alles recht. Halte auch wohl, dass alle Juristen und Medici solches in ihren Büchern auch überaus viel finden, wie ich droben von dem Richter gesagt. Und was ist alles Wesen der Menschen, denn eitel Antilogiae [Gegensprüche] oder gegenwärtiges Ding, bis man die Sachen hört? Darum sind meine Antilogisten treffliche, seine, fromme Säue und Esel, die meine Antilogien zusammenklauben und lassen die Ursachen anstehen, ja verdunkeln sie mit Fleiß; gerade als könnte ich nicht auch aus ihren Büchern Antilogias vortragen, da sie auch nicht mit einer Ursache auszugleichen sind. Aber davon genug; denn sie sind auch so viele Worte nicht wert.
Wir nehmen nun vor uns das Konzilium zu Nicäa. Das ist aus solcher Ursache vorgenommen worden: Der löbliche Kaiser Konstantinus war Christ geworden und hatte den Christen Friede gegeben gegen die Tyrannen und Verfolger, mit so großem, ernstlichem Glauben und herzlicher Meinung, dass er auch seinen Schwager Licinius, dem er seine eigene Schwester Constantia gegeben und zu einem Nebenkaiser gemacht hatte, überzog und vom Reiche stieß darum, dass er nach viel Vermahnungen nicht aufhören wollte, die Christen schändlich zu martern.
Da nun der feine Kaiser solchen Frieden den Christen gemacht und ihnen alles Gute tat, die Kirchen förderte, womit er immer konnte, und ganz sicher war, also, dass er vorhatte, außer dem Reich mit den Persern zu kriegen: in solches schöne, friedliche Paradies und friedliche Zeit kommt die alte Schlange und erweckt Arius, einen Priester zu Alexandria, gegen seinen Bischof; der wollte etwas Neues aufbringen gegen den alten Glauben und auch ein Mann sein, ficht seines Bischofs Lehre an, dass Christus nicht Gott sei, und fielen ihm zu viele Priester und große gelehrte Bischöfe, und nahm das Unglück in vielen Landen sehr zu, bis dass sich Arius rühmen durfte, er wäre ein Märtyrer und müsste um der Wahrheit willen leiden von seinem Bischof Alexander, der ihm solches nicht gut sein ließe, schriebe schändliche Briefe in alle Lande gegen ihn.
Da solches vor den frommen Kaiser kam, tat er als ein sehr weiser Fürst und wollte die Flammen löschen, ehe das Feuer größer würde, schreibt einen Brief an sie beide, Bischof Alexander und Priester Arius, vermahnt sie so gütlich, auch so ernstlich, dass nicht besser geschrieben werden könnte; zeigt ihnen an, wie er mit großer Mühe Frieden im Reich gemacht habe für die Christen, und sie sollten nun unter sich selbst Unfrieden anrichten! Das wäre den Heiden ein großes Ärgernis, und würden vielleicht wieder vom Glauben fallen (wie denn auch geschah, und er selbst klagt), und er würde damit verhindert, gegen die Perser zu ziehen. Summa, es ist ein demütiger, christlicher Brief, von solchem großen Kaiser an die zwei Männer geschrieben. Mich dünkt, es sei schier zu viel Demut. Denn ich kenne meine rauen Federn so, dass ich solche demütige Schrift nicht hätte aus meinem Tintenfass bringen können, sonderlich wenn ich Kaiser und ein solcher Kaiser gewesen wäre.
Solcher Brief aber half nicht. Arius hatte nun einen großen Anhang gewonnen und wollte mit dem Kopf hindurch gegen seinen Bischof. Der fromme Kaiser lässt auch nicht ab, schickt eine leibliche Botschaft, einen trefflichen, in aller Welt berühmten Bischof, genannt Hosius zu Cordova aus Spanien, zu den zwei gen Alexandria und ganz Ägypten, die Sachen zu schlichten. Das half auch nicht, und lief indes das Feuer je weiter, als wenn ein Wald brennt. Da tat der gute Kaiser Constantinus das Lekte und ließ aus allen Landen die besten und berühmtesten Bischöfe sammeln; gebot, dass man sie mit des Reichs Eseln, Pferden, Maulpferden gen Nicäa zusammenführen musste, und wollte die Sachen durch dieselben zu Frieden bringen. Da kamen wahrlich viel feine Bischöfe und Väter zusammen, und sonderlich berühmt Jakobus zu Nisibis und Paphnutius zu Ptolemais, welche von Licinius große Marter erlitten hatten und Wunderzeichen getan. Es waren aber auch unter ihnen, wie Mäusemist unter dem Pfeffer, etliche Bischöfe Arianer.
Der Kaiser war nun fröhlich und hoffte der Sache gutes Ende, hielt sie alle ehrlich und schön. So fahren etliche zu und bringen dem Kaiser Klagezettel vor, was ein Bischof gegen den andern hatte und begehrten des Kaisers Urteil. Er weist sie von sich; denn es war ihm nicht zu tun um der Bischöfe Zank, sondern wollte diesen Artikel von Christus richten lassen, und hatte das Konzil nicht um ihres Zankes willen zusammen gefordert. Da sie aber nicht abließen, hieß er ihm die Zettel alle bringen und las derer keinen sondern warf sie ins Feuer. Doch weist er sie mit solchen gütigen Worten ab: er könnte nicht ihr Richter sein, welche Gott hätte über ihn zu Richtern gesetzt, und vermahnt sie, zur Hauptsache zu greifen. Wohlan, lasst mir das einen weisen, sanften, geduldigen Fürsten sein; ein anderer hätte sich an solchen Bischöfen geärgert und das Fass in einen Haufen gestoßen. Aber doch hat er seine Meinung damit wohl gezeigt, dass er die Zettel, unangesehen ihre bischöfliche Würde, verbrannt und sie damit ihrer kindischen Sachen vermahnt, weil sie um einer viel größeren Sache willen erfordert wären.
Da nun das Konzil anging, setzte er sich auch mitten unter die Bischöfe auf einen Stuhl, der niedriger war wie der Bischöfe Stühle. Der Bischof zu Rom, Sylvester, war nicht da, sondern (wie etliche sagen) hatte zwei Priester dahin geschickt. Als nun der Bischof zu Antiochia, Eustathius, der im Konzil obenan saß, dem Kaiser gedankt und ihn gelobt hatte für solche Wohltat, ward des Arius Lehre öffentlich gelesen (denn es scheint, dass er selbst nicht da gewesen sei, weil er kein Bischof noch Botschafter gewesen), wie dass Christus nicht Gott, sondern von Gott geschaffen und gemacht wäre, wie das weiter in den Historien steht. Da standen die heiligen Väter und Bischöfe von ihren Stühlen auf vor Unwillen und zerrissen die Zettel in Stücke und sagten: das wäre nicht recht. Und ward also Arius auch schier mit Ungebärden des Konzils öffentlich verdammt. So wehe tat's den Vätern, und so unleidlich war es ihnen, solche Lästerung des Arius zu hören. Und unterschrieben sich alle Bischöfe solcher Verdammnis, auch die arianischen Bischöfe mit; wiewohl aus falschem Herzen, wie sich's hernach auswies, ausgenommen zwei Bischöfe aus Ägypten, die unterschrieben sich nicht. Also ließ der Kaiser das Konzil des Tages voneinander, und schrieb er selbst und das Konzil auch Briefe in alle Welt von diesem Handel. Und der Kaiser Konstantinus war herzlich froh, dass die Sache geschlichtet und verrichtet war, hielt sich sehr freundlich zu ihnen, sonderlich zu denen, die gemartert gewesen waren.
Hieraus sieht man nun wohl, warum das Konzil zusammengekommen ist, und was sie haben tun sollen, nämlich den alten Artikel des Glaubens, dass Christus rechter, wahrhaftiger Gott sei, erhalten gegen die neue Klugheit des Arius, der nach der Vernunft diesen Artikel fälschen wollte, ja ändern und verdammen: darüber ist er selbst verdammt. Denn das Konzil hat diesen Artikel nicht aufs neue erfunden oder gestellt, als wäre er zuvor nicht gewesen in der Kirche, sondern gegen die neue Ketzerei des Arius verteidigt. Wie man an der Tat sieht, dass die Väter unleidlich wurden und den Zettel zerrissen; damit bekannten sie, dass sie zuvor anders gelernt und gelehrt hatten von der Apostel Zeit her in ihren Kirchen. Denn wo wären die Christen geblieben, so vor diesem Konzil wohl mehr denn dreihundert Jahre, von den Aposteln her, geglaubt und den lieben Herrn Jesum als einen rechten Gott angebetet und angerufen und darüber gestorben und sich jämmerlich hatten martern lassen?
Solches muss ich hierneben also anzeigen. Denn es sind des Papstes Heuchler in so grobe Narrheit gefallen, dass sie nicht anders meinen, die Konzilien haben Macht und Recht, neue Artikel des Glaubens zu sehen und die alten zu ändern. Das ist nicht wahr. Und solchen Zettel sollen wir Christen auch zerreißen. Es haben's auch keine Konzilien getan noch tun können. Denn die Artikel des Glaubens müssen nicht auf Erden durch die Konzilien, als aus neuer heimlicher Eingebung wachsen, sondern vom Himmel durch den heiligen Geist öffentlich gegeben und offenbart sein, sonst sind's nicht Artikel des Glaubens, wie wir hernach hören werden. Also dies Konzil zu Nicäa, wie gesagt, hat diesen Artikel nicht erfunden noch aufs neue gestellt, dass Christus Gott sei, sondern der Heilige Geist hat's getan, der über die Apostel am Pfingsttage öffentlich vom Himmel kam und Christus durch die Schrift als einen rechten Gott verklärt, wie er den Aposteln verheißen hatte. Von den Aposteln ist's geblieben und gekommen auf dies Konzil und so immerfort bis auf uns. Wird auch bleiben bis an der Welt Ende, wie er spricht: Ich bin bei euch bis an der Welt Ende.
Und wenn wir nicht mehr hätten, diesen Artikel zu verteidigen, denn dies Konzil, würden wir übel stehen. Und ich wollte dem Konzil selber auch nicht glauben, sondern sagen: Es sind Menschen gewesen. Aber der Evangelist S. Iohannes und S. Paulus, Petrus, samt den anderen Aposteln, diese halten fest und stehen uns für guten Grund und Wehre, als denen es offenbart ist vom heiligen Geist, öffentlich vom Himmel gegeben, von welchen es die Kirche vor diesem Konzil und das Konzil auch von denselben gehabt. Denn sie haben sich beide vor dem Konzil, da Arius anfing, und im Konzil und nach dem Konzil hart mit der Schrift, besonders mit des S. Johannes Evangelium, gewehrt und scharf disputiert, wie des Atanasius und des Hilarius Bücher zeugen. So spricht auch Tripart. lib. 5, c. 29: Der Glaube ist zu Nicäa durch der Apostel Schrift gegründet. Sonst, wo die Heilige Schrift der Propheten und Apostel es nicht tat, so würden die bloßen Worte des Konzils nichts schaffen und ihr Urteil nichts ausrichten. Also ist dieser Artikel von der Gottheit Christi das Hauptstück dieses Konzils, ja es ist das Konzil ganz und gar, als darum es berufen und des Tages (wie gesagt) von einander gelassen ist.
Eines anderen Tages aber, da der Kaiser Konstantinus nicht bei vermeldet wird, sind sie wieder zusammengekommen und haben andere Sachen gehandelt, vom äußerlichen, zeitlichen Regiment der Kirche: darunter sind ohne Zweifel die Zettel gewesen, so Konstantinus zuvor ins Feuer warf und nicht Richter sein wollte. Darum sie selber haben zusammenkommen müssen und ohne den Kaiser solches schlichten. Denn das mehrere Teil ist eitel rechtes Pfaffengezänk, als dass nicht zwei Bischöfe in einer Stadt sein sollten; ferner, dass kein Bischof soll von einer kleinen Kirche nach einer größern trachten; ferner, dass Clerici oder Kirchendiener sollen nicht von ihrer Kirche lassen und durch andere Kirchen hin und wieder schleichen; ferner, dass keiner eines andern Bischofs Personen weihen solle ohne sein Wissen und Willen; ferner, dass kein Bischof einen annehmen soll, der von einem andern ausgestoßen ist; ferner, dass der Bischof zu Jerusalem seinen alten Vorteil der Würdigkeit vor andern behalten soll, und des Geschwätzes mehr. Wer kann solche Stücke für Artikel des Glaubens halten? Und was kann man davon in der Kirche dem Volke predigen? Was geht die Kirche oder das Volk solches an? Man wollte denn das daraus lernen als aus einer Historie, dass zu der Zeit allenthalben in den Kirchen auch mutwillige, böse, unordentliche Bischöfe, Priester und Kleriker und Leute gewesen sind, die mehr nach Ehren, Gewalt und Gut gefragt haben, wie nach Gott oder seinem Reich, denen man also hat wehren müssen.
Denn das ist leicht zu rechnen, dass Konstantinus um solcher Stücke willen nicht dies Konzil zusammengebracht hat: sonst hätte er's wohl getan, ehe denn Arius den Jammer anfing. Was hätte er sich damit zu bekümmern gehabt, wie solche Stücke gehalten würden? Weil das alles die Bischöfe unter einander, ein jeglicher in seinem Bistum zu regieren hatte mit seiner Kirche, und zuvor bereits getan hatten, wie die Artikel selbst melden. Und wäre auch Sünde und Schande, dass man um solcher geringer Sachen willen ein solch großes Konzil sammeln sollte. Dieweil zu solchen äußerlichen Sachen die Vernunft, von Gott gegeben, genugsam ist zu ordnen, dass der Heilige Geist hierzu nicht vonnöten ist, welcher Christus verklären soll und nicht mit solchen Händeln, der Vernunft unterworfen, umgehen. Man wollte denn alles des Heiligen Geistes Tun heißen, was fromme Christenleute tun, auch wenn sie essen und trinken. Sonst muss ja der Heilige Geist der Lehre halber anderes zu tun haben, wie solche Werke, der Vernunft unterworfen.
So sind sie auch nicht alle fromm gewesen in diesem Konzil, nicht eitel Paphnutius, Jakobus, Eustathius usw. Denn man zählte ja 17 arianische Bischöfe, die da großen Ansehens waren, wiewohl sie sich bücken und heucheln mussten vor den andern. Die Historie des Theodoret sagt, es seien 20 Artikel gewesen; Ruffinus macht ihrer 23. Ob nun die Arianer oder auch andere mit, hernach etliche dazu getan oder herab genommen oder andere gestellt (denn der Artikel, den S. Paphnutius erhalten haben soll, von den Ehefrauen der Priester, ist nicht darunter), da kann ich nichts von sagen. Das weiß ich aber wohl, dass sie längst wohl alle gestorben, in den Büchern begraben und verwest sind, auch nimmer wieder aufstehen können, wie Constantinus bedeutet und mit dem Werk geweissagt hat, da er sie ins Feuer warf und verbrannte. Denn man hält sie nicht und kann sie nicht halten. Es ist gewesen Heu, Stroh, Holz (wie S. Paulus sagt), auf den Grund gebaut; darum hat sie das Feuer mit der Zeit verzehrt, wie andere zeitliche, vergängliche Dinge vergehen. Wären's aber Artikel des Glaubens oder Gottes Gebote gewesen, so wären sie auch geblieben, wie der Artikel von der Gottheit Christi.
Doch ist von den hölzernen Artikeln ein Klötzlein bisher glimmend geblieben, nämlich vom Ostertage. Denselben Artikel halten wir doch (wie uns die Mathematiker oder Astronomen überweisen) auch nicht ganz recht, weil der Gleichtag oder Aequinoctium zu unserer Zeit weit anders steht, wie zu jener Zeit), und unser Ostern oft zu spät im Jahr gehalten wird. Es ist vorzeiten flugs nach den Aposteln der Zank angegangen über dem Ostertag, und haben sich die Bischöfe über solche geringen, unnötigen Sachen verketzert und verbannt, dass es Sünde und Schande ist. Etliche wollen's mit den Juden gleich auf einen Tag nach dem Gesetz Moses halten. Die andern, damit sie nicht sich jüdisch hielten, wollten den Sonntag darnach halten. Denn der Bischof zu Rom, Victor, bei hundertachtzig Jahren vor diesem Konzil, so auch Märtyrer geworden, verbannte alle Bischöfe und Kirchen in Asien, dass sie nicht gleich mit ihm die Ostern hielten. So zeitlich haben die römischen Bischöfe nach der Majestät und Gewalt gegriffen. Aber Irenäus, Bischof zu Lyon in Frankreich, der des S. Johannes des Evangelisten Jünger einen, Polycarpus, gekannt hatte, straft ihn und stillt die Sachen, dass der Victor die Kirche zufrieden lassen musste.
Darum musste sich Konstantinus dieser Sachen auch annehmen und schlichten helfen im Konzil und schrieb aus, dass man das Osterfest sollte in aller Welt gleich halten, Lege Tripart. lib. 9. cap. 38. pulcherrime. Jetzt bedürft's wohl wiederum einer Reformation, dass der Kalender korrigiert [was 1582 durch Papst Gregor XIII. geschah] und die Ostern zurechtgerückt würden. Aber das soll niemand tun als die hohen Majestäten, Kaiser und Könige, die müssten einträchtig zugleich ein Gebot in alle Welt ausgehen lassen, auf welche Zeit man den Ostertag hinfort halten sollte. Sonst, wo es ein Land ohne das andere anfinge, und die weltlichen Händel, als Jahrmärkte, Messen und andere Geschäfte nach dem jetzigen Ostertag sich richten, müssten die Leute desselben Landes auf einen Markt eines andern Landes zu unrechter Zeit kommen, und würde eine wüste Zerrüttung und Verwirrung in allen Sachen werden. Es wäre wohl sein, auch leicht zu tun, wo es die hohen Majestäten tun wollten, weil es bereits alles fein abgearbeitet ist durch die Astronomen und es allein am Ausschreiben oder Gebot fehlt. Indes halten wir das glimmende Hölzlein vom Nicänischen Konzil, dass der Ostertag auf einen Sonntag bleibt, es schaukle dieweil die Zeit, wie sie kann. Denn sie heißen es festa mobilia [bewegliche Feiertage]: ich heiße sie Schaukelfeste, da jährlich der Ostertag mit seinen anhangenden Festen sich ändert, jetzt früh, jetzt spät ins Jahr kommt und auf keinem gewissen Tage, wie die andern Feste, bleibt.
Es kommt solches Schaukeln der Feste daher, dass die alten Väter (wie gesagt) flugs im Anfang den Ostertag haben wollten, um die Zeit von Moses gestiftet, nämlich im vollen Mond März, zunächst dem Gleichtag oder Aequinoctium, und wollten doch auch nicht gar judaisieren oder mit den Juden auf den Vollmond die Ostern halten; sondern ließen, als Christen, in dem das Gesetz Moses fahren und nahmen den Sonntag nach dem vollen Mond März. So ist's geschehen im nächst vergangenen Jahr, 1538; da haben die Juden ihr Ostern gehalten am Sonnabend nach Invocavit, wie es unsere Kirche nennt; das ist wohl fünf Wochen zuvor, ehe denn wir unser Ostern gehalten haben. Solches verlachen nun die Juden und spotten uns Christen, als die wir nicht recht, auch nicht wissen recht die Ostern zu halten, stärken sich damit in ihrem Unglauben. Das verdrießt denn nun die Unsern, und wollten den Kalender gern korrigiert sehen von den hohen Majestäten, weil es ohne derselben Zutun nicht möglich, viel weniger zu raten ist.
Es ist aber, meines Achtens, demselben geschehen, wie Christus spricht Matth. 9: Wo man einen alten Rock mit neuem Tuche flickt, da wird der Riss ärger; und wo man Most in alte, böse Fässer tut, da zerspringen die alten Reifen und wird der Most verschüttet. Sie wollen vom alten Gesetz Moses ein Stück behalten, nämlich dass man den Vollmond März achten sollte: das ist der alte Rock; darnach wollen sie nicht demselben Vollmondstage (als Christen, durch Christus vom Gesetz Moses befreit) unterworfen sein, sondern den folgenden Sonntag dafür haben; das ist der neue Lappen auf dem alten Rock. Darum hat der ewige Hader und das ewige Schaukeln bis daher so viel Wesens gemacht in der Kirche und muss es machen bis an der Welt Ende, dass der Bücher kein Maß noch Ende hat sein können. Das hat Christus aus besonderen Ursachen so verhängt und gehen lassen, als der immerdar seine Macht in Schwachheit beweist und uns unsere Schwachheit erkennen lehrt.
Wie viel besser hätten sie das Gesetz Moses vom Osterfest ganz und gar tot sein lassen und nichts von dem alten Rock behalten! Denn Christus, auf den es gerichtet war, hat's durch sein Leiden und Auferstehen rein aufgehoben, getötet und begraben ewiglich, den Vorhang im Tempel zerrissen und hernach Jerusalem mit Priestertum, Fürstentum, Gesetz und alles gebrochen und zerstört. Dafür sollten sie den Tag des Leidens, des Grabes und Auferstehens, nach der Sonne Lauf gerechnet, gemerkt und in den Kalender auf gewissen Tag gesetzt haben, wie sie getan haben mit dem Christtag, Neuen Jahr, der heiligen Könige, Lichtmess und Mariä Verkündigung, S. Johannes und anderen Festen mehr, die sie gewisse und nicht Schaukelfeste heißen: so hätte man jährlich gewiss gewusst, wann der Ostertag und die daran hängen, kommen müssten, ohne solche große Mühe und Disputation.
Ja, sprichst du, man müsste den Sonntag ehren um der Auferstehung Christi willen, der darum heißt Dominica dies, und den Ostertag darauf legen, weil Christus nach dem Sabbath, den wir nun Sonnabend nennen, auferstanden ist. Es ist wohl ein Argument, das sie bewegt hat; aber weil dies Dominica nicht Sonntag heißt, sondern des Herrn Tag, warum sollte man nicht alle Tage, darauf der Ostertag gekommen wäre, mögen diem Dominicam, des Herrn Tag, heißen? Ist nicht der Christtag auch dies Dominica, des Herrn Tag, das ist, darin des Herrn sonderlich Werk, seine Geburt, begangen wird, der doch nicht alle Jahre auf den Sonntag kommt? Doch heißt er der Christtag, das ist des Herrn Tag, wenn er gleich auf einen Freitag kommt, darum, dass er ausgerechnet nach der Sonne Lauf einen gewissen Buchstaben im Kalender hat. Eben also hätte auch der Ostertag einen gewissen Buchstaben im Kalender haben können, er wäre auf Freitag oder Mittwoch gekommen, wie es mit dem Christtag geht. Damit wären wir des Gesetzes Moses mit seinem vollen Märzmond fein los gewesen. Gleichwie man jetzt nicht fragt, ob der Mond voll sei oder nicht um den Christtag, und bleiben, ohne Rechnung des Mondes, bei den Tagen nach der Sonne Lauf.
Und ob man vorgäbe, weil der Gleichtag oder Aequinoctium (wie die Astronomen weisen) seines Orts geht, aber die Jahre im Kalender zu langsam und nicht gleich mit einkommen, und dasselbe je länger je mehr, so würde der Gleichtag je länger je ferner von dem bestimmten Tage der Ostern kommen, wie er denn je länger je ferner von Philippi und Jakobi und andern Festen kommt. Was fragen wir Christen darnach, wenn gleich unser Ostern um Philippi und Jakobi käme (welches doch vor der Welt Ende nicht geschehen wird, wie ich hoffe)? Und noch weiter, halten wir doch alle Tage Ostern mit der Predigt und Glauben von Christus. Und ist genug, dass die Ostern zum groben, öffentlichen, empfindlichen Gedächtnis einmal im Jahr auf einen besonderen Tag gehalten werden: nicht allein darum, dass man daselbst die Historie von der Auferstehung desto fleißiger vor dem Volk handeln könne, sondern auch um der Jahreszeit willen, darnach sich die Leute mit ihren Händeln und Geschäften richten mögen; wie man hat die Jahrgezeit Michaelis, Martini, Katherinä, Johannis, Peter und Paul usw.
Aber das ist nun längst und von Anfang versäumt, dass wir solches nicht anrichten können, weil es die Väter nicht getan haben. Der alte Rock ist immer mit geblieben samt seinem großen Riss; so mag er nun fortan auch also bleiben bis an den jüngsten Tag. Es ist doch nun auf der Neige. Denn hat der alte Rock nun bei 1400 Jahren sich flicken und reißen lassen, so mag er sich vollends auch flicken und reißen lassen noch ein hundert Jahr. Denn ich hoffe, es solle alles schier ein Ende haben. Und haben die Ostern nun bei vierzehn hundert Jahren geschaukelt, so mögen sie fortan die übrige kurze Zeit auch schaukeln, weil doch Niemand dazu tun will, und die es gern wollten, nicht tun können.
Solch weitläufig und unnötig Geschwätz tue ich allein darum, dass ich meine Meinung damit angezeigt haben will, ob etliche Rotten mit der Zeit aus eigener Kühnheit sich unterstehen würden, das Osterfest anders zu rücken, wie wir jetzt halten. Und ich halte, wenn die Wiedertäufer so gelehrt gewesen wären in der Astronomie, dass sie solches verstanden hätten, wären sie mit dem Kopf hindurch gefahren und hätten (wie der Rotten Art ist) auch etwas Neues wollen in der Welt ausbringen und den Ostertag anders denn alle Welt halten. Aber weil es ungelehrte Leute in den Künsten gewesen sind, hat sie der Teufel zu solchem Instrument oder Werkzeug nicht brauchen können.
Darum ist das mein Rath, man soll das Osterfest gehen und halten lassen, wie es jetzt geht und gehalten wird, und den alten Rock flicken und reißen (wie gesagt) und das Osterfest hin und her schaukeln lassen bis an den jüngsten Tag oder bis es die Monarchen einträchtig und zugleich ändern, angesehen diese Ursache.
Denn es bricht uns kein Bein, und S. Peters Schifflein wird darum keine Not leiden, weil es weder Ketzerei noch Sünde ist (wie es doch die alten Väter aus Unverstand geachtet und sich darüber verketzert und verbannt haben), sondern schlicht ein Irrtum oder Solöcismus [Sprachfehler] in der Astronomie, mehr dienstlich dem weltlichen Regiment denn der Kirche. Spotten unser darüber die Juden, als täten wir's aus Unverstand, so spotten wir sie viel mehr wieder, dass sie ihre Ostern so steif und vergeblich halten und nicht wissen, dass es Christus alles vor 1500 Jahren erfüllt, aufgehoben und zunichte gemacht hat. Denn wir tun's willig, wissentlich und nicht aus Unverstand. Wir wüssten sehr wohl, wie man Ostern nach Moses Gesetz halten sollte, besser wie sie es wissen. Wir wollen's aber und sollen's nicht tun. Denn wir haben den Herrn über Moses und über alles, der spricht (Matth. 12, 8.): Des Menschen Sohn ist Herr über den Sabbath. Wie vielmehr ist er Herr über Ostern und Pfingsten, die im Gesetz Moses geringer sind wie der Sabbath, welcher in den Tafeln Moses, Ostern und Pfingsten außer den Tafeln Moses stehen? Dazu haben wir S. Paulus, der verbietet stracks, dass man nicht solle gebunden sein an die Freitage, Feste und Jahrtage Moses (Gal. 4, 10. Kol. 2, 16).
Darum steht's und soll es in unserer Macht und Freiheit stehen, dass wir Ostern halten, wann wir wollen, und wenn wir auch den Freitag zum Sonntag machten und wiederum, dennoch sollte es recht sein, so fern es geschähe einträchtig durch die Majestäten und die Christen (wie gesagt). Denn Mose ist tot und begraben durch Christus. Und Tage oder Zeit sollen nicht Herren sein über die Christen, sondern die Christen sind freie Herrn über Tage und Zeit zu sehen, wie sie wollen, oder wie es ihnen eben ist. Denn Christus hat alles frei gemacht, da er Moses aufgehoben hat, ohne dass wir's bleiben lassen wollen, wie es jetzt geht, weil da keine Gefahr, Irrtum, Sünde noch Ketzerei ist, und wir ohne Noth oder aus eigenem, einzelnem Mutwillen nichts ändern wollen um der Andern willen, die gleich mit uns an solchen Ostern hangen. Denn wir ohne Ostern und Pfingsten, ohne Sonntag und Freitag wissen selig zu werden und um der Ostern, Pfingsten, Sonntag, Freitag willen nicht können verdammt werden, wie uns S. Paulus lehrt.
Und dass ich wieder zum Konzil komme, sage ich, dass wir das Klötzlein vom Nicänischen Konzil wohl allzu sehr halten, und hernach der Papst mit seiner Kirche hat daraus gemacht nicht allein Gold, Silber, Edelsteine, sondern auch einen Grund, das ist einen Artikel des Glaubens, ohne den wir nicht selig werden können, und sie nennen's alle ein Gebot und Gehorsam der Kirche; damit sie viel ärger sind wie die Juden. Denn die Juden haben doch für sich den Text Moses, von Gott zu der Zeit geboten; diese haben nichts denn ihren eigenen Dünkel für sich, fahren zu und wollen aus den alten Lumpen Moses einen neuen Rock machen, geben vor, Moses zu halten, und ist doch ihr Ding ein lauter Gedicht und Traum von Moses, der so lange tot und, wie die Schrift sagt [5. Mose 34, 6], vom Herrn selber (das ist von Christus) begraben, dass kein Mensch sein Grab gefunden hat; und sie wollen den Moses lebendig uns vor die Augen gaukeln, sehen nicht, dass, wie S. Paulus Galat. 5, 3 sagt, wenn sie ein Stück Moses halten wollen, so müssen sie auch den ganzen Moses halten. Darum, wenn sie den vollen Monat März für nötig achten zu halten zu den Ostern, als ein Stück seines Gesetzes, müssen sie auch das ganze Gesetz vom Osterlamm halten und schlicht Juden werden und mit den Juden ein leibliches Osterlamm halten: wo nicht, müssen sie es alles fahren lassen, auch den Vollmond mit dem ganzen Moses, oder ja nicht für nötig zur Seligkeit, gleich einem Artikel des Glaubens, achten; wie ich halte, dass die Väter in diesem Konzil (sonderlich die besten) getan haben.
Also haben wir, dass dies Konzil hat vornehmlich diesen Artikel gehandelt, dass Christus rechter Gott sei, darum es auch zusammen gefordert ist, darum es auch ein Konzil ist und heißt. Daneben haben sie etliche zufällige, leibliche, äußerliche, zeitliche Stücke gehandelt, die billig weltlich zu achten sind, nicht den Artikeln des Glaubens zu vergleichen, auch nicht als ein ewiges Recht zu halten (denn sie sind vergangen und verfallen), sondern das Konzil hat solche leiblichen Stücke, als zu ihrer Zeit zufällig und notdürftig, auch mit verrichten müssen, die uns zu unserer Zeit nichts mehr angehen, dazu auch nicht möglich noch nützlich zu halten. Und zu Wahrzeichen, ist der eine auch falsch und unrecht, dass man die Ketzer wieder taufen solle, ist er anders von den rechten Vätern selbst gesetzt und nicht von den Arianern oder den anderen losen Bischöfen hinein geflickt. Also hat auch das Konzil der Apostel zu Jerusalem nach dem Hauptstück etliche zufällige, äußerliche Artikel, als von dem Blut, Erstickten, Götzenopfer, als zu ihrer Zeit Notdurft, entrichten müssen; aber nicht der Meinung, dass es ein ewiges Recht, wie ein Artikel des Glaubens, in der Kirche bleiben sollte, denn es ist gefallen. Und warum wollten wir dasselbe Konzil nicht auch besehen, wie es aus den Ursachen zu verstehen sei, die es erzwungen haben.
Das war aber die Ursache. Die Heiden, so durch Barnabas und Paulus bekehrt wurden, hatten den heiligen Geist eben sowohl empfangen durchs Evangelium als die Juden und waren doch nicht unter dem Gesetz wie die Juden. Da drangen die Iuden hart darauf: man müsste die Heiden beschneiden und heißen das Gesetz Moses halten, oder sie könnten nicht selig werden. Solches waren harte, scharfe, schwere Worte, nicht selig werden können ohne Moses Gesetz und Beschneidung. Und solches trieben vor anderen die Pharisäer, so an Christus gläubig geworden waren, Apg. 15. Da kamen die Apostel samt den Ältesten zusammen um solcher Sache willen, und da sie viel und scharf gezankt hatten, trat S. Petrus auf und tat die gewaltige und schöne Predigt Ap. Gesch. 15, 7-11: Lieben Brüder, ihr wisst, wie Gott erwählt hat, dass durch meinen Mund die Heiden das Wort des Evangeliums hörten und glaubten; und Gott, der Herzkündiger, zeugte über sie und gab ihnen den heiligen Geist, gleich wie uns, und machte keinen Unterschied zwischen uns und ihnen und reinigte ihre Herzen durch den Glauben. Was versucht ihr denn nun Gott mit Auflegen des Jochs auf der Sünder Hälse, welches weder unsere Väter noch wir haben tragen mögen; sondern wir glauben durch die Gnade des Herrn Jesu Christi selig zu werden, gleicher Weise wie auch sie geworden sind.
Diese Predigt lautet schier, als sei S. Petrus zornig und unlustig über die harten Worte der Pharisäer, da sie sagten, sie können nicht selig werden, wo sie nicht sich beschneiden und das Gesetz Moses halten, wie droben gesagt. Gibt wiederum auch harte und scharfe Worte und spricht: Wisset ihr doch wohl, dass die Heiden durch mich das Wort gehört und gläubig geworden sind, als Cornelius mit den Seinen. Und zu Wahrzeichen murrtet ihr gegen mich und fuhrt mich an, dass ich zu den Heiden gegangen war, sie bekehrt und getauft hatte, Apg. 10 und 11. Wie habt ihr denn nun des vergessen und wollt den Heiden solche Last auflegen, die weder unsere Väter noch wir selbst tragen mögen? Was ist's denn anders denn Gott versuchen, so wir Andern unmögliche Last aufladen, die wir selbst auch nicht tragen können, so wenig als sie; sonderlich so ihr wisst, dass Gott ihnen ohne solche Last den Geist gegeben hat und uns gleich gemacht, nachdem wir auch nicht um des Verdienstes willen der Last, sondern aus Gnaden denselben Geist empfangen haben, wie unsere Väter auch. Denn weil wir die Last nicht haben tragen können, haben wir damit viel mehr Ungnade denn Gnade verdient, als die wir's schuldig waren zu tragen, wie wir uns verpflichtet hatten.
Dies ist ja die Substanz und Hauptsache dieses Konzils, nämlich dass die Pharisäer gegen das Wort der Gnade die Werke oder Verdienste des Gesetzes als zur Seligkeit nötig aufrichten wollten. Damit wäre das Wort der Gnade zunichte geworden samt Christus und dem heiligen Geist. Darum ficht und schließt S. Petrus so hart dagegen und will schlicht ohne alle Werke allein aus der Gnade Jesu Christi selig werden. Daran nicht genug, er darf auch so kühn sein und sagen, dass alle ihre vorigen Väter, beide, Patriarchen, Propheten und die ganze heilige Kirche in Israel nicht anders denn allein durch die Gnade Jesu Christi sei selig geworden, und verdammt alle die als Gottes Versucher, so durch andere Wege haben wollen oder noch wollen selig werden. Ich meine, das heiße gepredigt und dem Fass den Boden ausgestoßen! Sollte man diesen Ketzer nicht verbrennen, der alle guten Werke verbietet und allein die Gnade und den Glauben zur Seligkeit für genug hält, und das bei allen Heiligen und Vorfahren von der Welt her? Wir müssen jetzt Ketzer und Teufel heißen, die wir doch nichts anders als diese Predigt des S. Petrus und dieses Konzils Dekret lehren; wie alle Welt nun weiß, besser, wie es die Pharisäer wussten, die S. Petrus hier schilt.
Aber S. Peter ist weit über uns und doch gar zu wunderlich, dass er nicht allein die Gnade Christi predigt zur Seligkeit, welches wohl Iedermann gern hört; aber dass er spricht, es haben solche Last weder sie selbst noch ihre Vorfahren tragen können, das ist auf gut Deutsch so viel gesagt: Wir Apostel und wer wir sind, samt unseren Vorfahren, Patriarchen, Propheten und dem ganzen Volk Gottes haben Gottes Gebot nicht gehalten, sind Sünder und verdammt. Denn er redet ja nicht von der Blutwurst oder schwarzen Gallerten, sondern vom Gesetz Moses, und spricht, es habe es Niemand gehalten oder halten können, wie Christus Joh. 7, 19: Niemand unter euch hält das Gesetz. Das ist dünkt mich) das Gesetz recht zur Verdammnis gepredigt und sich selber mit zum verdammten Sünder gemacht! Woher kommt denn der vermeinte Stuhlerbe S. Petri dazu, dass er sich selbst Sanctissimum [Allerheiligster] nennt und Heilige erhebt, welche er will, um ihrer Werke, nicht um der Gnade Christi willen. Und wo sind die Mönche, die viel mehr tragen können wie die Last des Gesetzes, dass sie auch ihre übrige Heiligkeit verkaufen? Solchen wunderlichen Peterskopf haben wir nicht. Denn wir dürfen die Patriarchen, Propheten, Apostel und heilige Kirche nicht für Sünder halten, sondern müssen auch den Papst den Allerheiligsten heißen, d. i. Sanctum Sanctorum, i. e. Christus.
Aber S. Peter ist wert einer sehr gnädigen und ehrlichen Absolution und nicht mehr für wunderlich zu halten. Denn er predigt in diesem sehr großen Artikel erstlich das Gesetz, dass wir alle Sünder sind; zum andern, dass allein die Gnade Christi uns selig mache, auch die Patriarchen, Propheten, Apostel und die ganze heilige Kirche von Anfang, welche er alle mit sich zu Sündern macht und verdammt. Zum Dritten, ehe denn das Konzil zu Nicäa wird, lehrt er, dass Christus rechter Gott sei. Denn er sagt, es müssen alle Heiligen verdammt sein, wo sie nicht durch die Gnade unsers Herrn Jesu Christi selig werden. Gnade und Seligkeit zu geben, als ein Herr der muss rechter Gott sein, der da könne Sünde durch Gnade, Tod und Hölle durch Seligkeit wegnehmen; solches wird keine Kreatur tun, es wäre denn der Sanctissimus zu Rom, doch ohne Schaden der Predigt S. Peters. Zum Vierten, wer anders hält und die Christen durch Gesetz oder eigen Werk lehrt selig werden oder Gnade erlangen zu können, der sei ein Gottes-Versucher.
Es mag, wer da will, diese Last deuten, dass allein sei das Gesetz Moses und Beschneidung, nicht die zehn Gebote oder gute Werke, des bin ich wohl zufrieden. Kannst du die zehn Gebote leichter halten wie die Zeremonien Moses, so fahre hin und sei heiliger denn S. Petrus und Paulus; ich bin so schwach in den zehn Geboten, dass mich dünkt, alle Zeremonien Moses sollten mir viel leichter zu halten sein, wenn mich die zehn Gebote nicht drückten. Doch davon ist jetzt nicht Zeit zu disputieren; es ist sonst und anderswo reichlich disputiert. Das wird aber auch die Vernunft richten und bekennen müssen, dass zehn Gebote oder Werke der zehn Gebote nicht sind noch heißen mögen die Gnade Jesu Christi, sondern ganz und gar etwas Anderes sein und heißen müssen. Nun spricht hier S. Petrus, dass wir allein durch die Gnade Jesu Christi selig werden müssen: die Gnade aber nicht mit den Händen, vielweniger mit den Werken der Hände, sondern mit dem Glauben im Herzen empfangen und behalten werden kann. Das ist ja gewisslich wahr.
Und ist Wunder zu sehen, dass S. Petrus, der als ein Apostel Befehl und Macht hatte samt anderen Aposteln aufs neue diesen Artikel zu stellen, darum sie auch der Kirche Grundstein heißen, dennoch zurück geht und die heilige vorige Kirche Gottes, aller Patriarchen und Propheten von Anfang einführt und sagt so viel: Es ist nicht eine neue Lehre, denn also haben unsere Vorfahren und alle Heiligen gelehrt und geglaubt. Was unterstehen wir uns denn, Anderes oder Besseres zu lehren, als dass wir Gott damit versuchen und der Brüder Gewissen irre machen und beschweren? Das, sage ich, ist das Substantiale oder die Hauptsache dieses Konzils, darum es zusammen gefordert oder gekommen ist, ist auch damit beschlossen und alles ausgerichtet. Aber der Papstesel sieht und achtet solches Hauptstückes nicht und gafft die andern vier Stücke an, so Iacobus dazu tut, vom Blut, Erstickten, Götzenopfer und Hurerei. Denn sie wollen daraus ihre Tyrannei stärken und geben vor: Weil die Kirche solche Artikel geändert hat, wollen sie auch Macht haben, die Artikel des Glaubens und die Konzile zu ändern; das ist: Wir sind die Kirche, mögen setzen und tun, was uns gelüstet. Hörst du's, Papstesel, du bist zumal ein grober Esel, ja eine unflätige Sau bist du!
Der Artikel dieses Konzils ist nicht gefallen noch geändert, sondern allezeit, auch von Anfang, wie S. Petrus hier sagt, geblieben und wird bleiben bis zur Welt Ende. Denn es sind heilige Menschen immer für und für geblieben, die allein durch die Gnade Christi, und nicht durchs Gesetz, selig geworden sind. Wie denn auch unter dem Teufel des Papsttums geblieben ist der Text und Glaube des Evangeliums, der Taufe, des Sakraments, der Schlüssel und des Namens Jesu Christi usw., obwohl der Papst mit seinen verfluchten Lügen dagegen getobt und die Welt schändlich verführt hat. Gleichwie vom Nicänischen Konzil gesagt ist, dass sein Dekret zuvor gewesen und hernach geblieben ist. Denn der rechten Konzilien Dekrete müssen immer bleiben; wie sie denn auch immer geblieben sind, zuvor die Hauptartikel, darum sie Konzil geworden sind und heißen.
Was wollen wir aber hier in diesem Konzil der Apostel sagen, da S. Jakob die vier Stücke auszieht: Blut, Ersticktes, Götzenopfer und Hurerei? Ist nicht das Konzil gegen sich selbst, und der heilige Geist mit sich selbst uneins? Denn die zwei Reden sind offenbar und greiflich gegen einander: Die Last des Gesetzes Moses nicht aufladen und gleichwohl aufladen. Und ob man wollte sophistisieren [machen Wortklauberei], es wäre geredet im Konzil nicht vom ganzen Gesetze, sondern von Stücken, deren man etliche aufladen und etliche nicht aufladen möchte, das tut's nicht. Denn S. Paulus, Gal. 5, 3 schließt: Wer ein Stück des Gesetzes hält, der ist's schuldig ganz und gar zu halten. Und ist auch eben so viel, als erkennte er sich's ganz schuldig, sonst würde er des Stückes auch nicht achten. Und würde auch allhier sich der neue Lappen auf einem alten Rock finden, und der Riss ärger werden. So ist's auch ganz offenbar, dass diese Stücke sind im Gesetz Moses und sonst nirgends in der Heiden Gesetze. Was wäre sonst not gewesen, den Heiden solches aufzulegen, wo sie des zuvor gewohnt wären, als ihres Landrechts? Wie bringen wir's nun zusammen, kein Gesetz und alle Gesetze?
Wohlan, können wir's nicht zusammenreimen, so müssen wir S. Jakob fahren lassen mit seinem Artikel und S. Petrus behalten mit seinem Hauptartikel, um welches willen dies Konzil gehalten ist. Denn ohne S. Peters Artikel kann Niemand selig werden. Aber Cornelius und die Heiden, so S. Petrus bei ihm und mit ihm getauft hatte, wurden heilig und selig, ehe S. Jakob kam mit seinem Artikel usw.; wie S. Petrus in diesem Konzil predigt. Droben habe ich auch angestochen, ob man mit gutem Gewissen möge solche Stücke verfallen sein lassen, weil der Heilige Geist dies Konzil regiert und solches alles setzt. Aber diese Disputation ist viel schärfer, ob das Konzil gegen sich selbst und mit sich selbst uneins sei. Und also, eben indem sie uns unmöglicher Last entnehmen wollen, laden sie uns noch eine unmöglichere Last auf, dass wir zugleich nichts und alles tun sollen. Zwar jetzt, weil es gefallen ist, haben wir guttun und bleiben bei dem einen Teil, bei S. Peters Artikel, das ist bei dem rechten christlichen Glauben.
Nur die Hurerei, als das vierte Stück in S. Jakobs Artikel genannt, ist nicht gefallen; wiewohl vor 20 Jahren die Kurtisanen und verdammten Herren schon daran waren, dass sie begannen, die Hurerei für keine Todsünde zu halten, sondern für eine tägliche Sünde; trieben den Spruch: Natura petit exitum [Die Natur sucht einen Ausgang], wie es denn zu Rom die heiligsten Leute noch halten. Und sollte wohl die Blindenleiter eben dieser Artikel dahin verursacht haben, weil S. Jakobus die Hurerei bei den drei verfallenen Stücken setzt, daraus sie genommen: gilt das Verbot des Blutes, des Erstickten, des Götzenopfers nicht mehr, so gilt auch das Verbot der Hurerei nicht mehr, nachdem es bei den drei Stücken steht und sonst ein natürliches und menschliches Werk ist. Die lass fahren, sie sind nichts Besseres wert.
Ich will mein Bedünken hierzu sagen, ein anderer mach's besser. Es ist nun oft gesagt, dass man die Konzilien solle ansehen und auch halten nach dem Hauptartikel, der die Ursache zum Konzil gegeben hat: denn das und da ist das Konzil substantialiter, der rechte Körper oder Leib des Konzils, nach dem sich alles andere richten und schicken soll, wie ein Kleid sich nach dem Leibe schickt, der es trägt oder anhat, wo nicht, so zieht man's ab und wirst's von sich, so ist's nicht mehr ein Kleid. Es kann aber kein Konzil sein (wie auch keine Versammlung, es sei gleich ein Reichstag oder Kapitel), wenn die Hauptsachen ausgerichtet sind, so finden sich zufällige Nebenhändelchen, eins oder zwei, die auch wollen mit geflickt oder verrichtet sein. Wie im Nicänischen Konzil, da es ausgerichtet war, dass Christus rechter Gott sei, fanden sich die äußerlichen Händel vom Ostertag und Pfaffengezänk. Also hier auch findet sich S. Jakobs Artikel nach dem Hauptartikel S. Petri.
So ist nun aller Apostel und des Konzils endliche Meinung und Urteil, dass man ohne Gesetze oder Gesetzes Last allein durch die Gnade Jesu Christi selig werden müsse; da S. Petrus, S. Paulus und ihr Teil dies Urteil erlangt hatten, waren sie froh und wohl zufrieden. Denn nach solchem Urteil hatten sie gearbeitet und gerungen gegen die Pharisäer und Juden, so gläubig geworden und das Gesetz doch behalten wollten. Dass nun S. Jakob seinen Artikel dazu tut, können sie wohl leiden, weil solches nicht als Gesetz oder Gesetzes Last aufgelegt wird; wie denn auch der Brief des Konzils meldet, (Apg. 15, 28): Nihil oneris, wir wollen euch keine Last auflegen, allein dass ihr euch bewahret vor Blut usw. Ja, sie hätten wohl leiden mögen, dass S. Jakob noch mehr Stücke, als vom Aussatz oder dergleichen hinzugesetzt hätte, wie doch ohne das die zehn Gebote bleiben. Aber solches soll kein Gesetz noch Last sein (sprechen sie), sondern sonst nötige Stücke. Wenn aber Last nicht mehr Last ist, so ist's gut zu tragen, und wenn Gesetz nicht mehr Gesetz ist, ist's gut zu halten, wie die zehn Gebote. Wie vielmehr ist's also in den Zeremonien, sonderlich wenn sie dazu abgetan oder sehr wenig behalten werden. Davon anderswo mehr. Denn wo der Papst uns seiner Last entnehmen wollte, dass es nicht Gesetze sein müssten, wollten wir ihm leichtlich gehorchen, sonderlich wo er derselben ein wenig behielte und die Menge abtäte. Also muss nun S. Jakob mit seinem Artikel den Verstand leiden, dass S. Peters Artikel von der Gnade, ohne Gesetze, rein und fest bleibe, und ohne das Gesetz allein regiere.
Wollen aber die Ursachen solcher Nebenhändel S. Jakobs auch ansehen, damit wir dies Konzil ganz verstehen mögen. Es war den Juden Moses Gesetz (so zu reden) angeboren, eingeboren, eingesäugt, eingeleibt und eingelebt von Jugend auf, dass es fast ihre Natur geworden war, wie S. Paulus, Gal. 2, 15, spricht: Wir sind von Natur Juden, das ist Moses geboren; denn er redet da vom Gesetz und nicht allein von der Geburt. Darum konnten sie der Heiden Wesen nicht ertragen, dass man sie ihnen vergleichen sollte, wo sie in den Ländern unter den Heiden zerstreut waren, wenn sie sahen, wie die Heiden Blut, Ersticktes und Götzenopfer aßen (Ap. Gesch. 15, 29) und gleichwohl Gottes Volk oder Christen sich rühmten. Solches hat S. Jakob bewogen, solches Ärgernis zu verhüten, damit die Heiden der Freiheit nicht zu frech missbrauchten als den Juden zu Trotz, sondern säuberlich täten, damit die Juden, so tief im Gesetz naturt, nicht vor den Kopf gestoßen würden und das Evangelium verspien. Denn, lieber Gott, mit kranken und irrenden Menschen soll man Geduld haben; auch wie wir trunkenen Deutschen zuweilen weise sind und sprechen: Einem trunkenen Mann soll ein Fuder Heu weichen. Denn an kranken Leuten kann Niemand ein Ritter werden, und an Unverständigen kann Niemand ein Meister werden.
Nun macht's S. Jakob dennoch sehr fein säuberlich, lässt das ganze Gesetz Moses von Opfern und von andern allen Stücken, die sie zu Jerusalem und im Lande halten mussten, ganz anstehen und nimmt allein die vier Stücke vor sich, daran die Juden außer Jerusalem unter den Heiden sich ärgerten. Denn die Juden mussten, unter den Heiden zerstreut, der Heiden Weise sehen, bei ihnen wohnen und zuweilen mit ihnen essen. Da war es sehr verdrießlich, dazu auch unrecht, einem Iuden vorzusehen Blutwurst, Hasen in Schwarz, Gallerten, Götzenopfer, so ich wüsste, dass er's nicht leiden konnte und zum Trotzverstehen müsste. Denn damit täte ich eben so viel, als spräche ich: Hörst du es, Jude, ob ich dich gleich könnte zu Christus bringen, wenn ich die Blutwurst nicht äße noch dir vorsetzte, so will ich's doch nicht tun, sondern mit der Blutwurst dich von Christus abschrecken und in die Hölle jagen. Wäre das freundlich, ich will schweigen christlich gehandelt? Muss nicht ein jeglicher Mensch oft schweigen und einem andern zu gut lassen, wenn er sieht und weiß, dass Reden und Tun desselben Schaden wäre, sonderlich wo es nicht gegen Gott ist? Nun waren zu der Zeit die Heiden heftig auf die Juden und sehr stolz, weil sie ihre Herrn waren; wiederum die Juden unleidlich, weil sie allein Gottes Volk wären, wie solches viele Historien gewaltig bezeugen.
Darum war dieser gute Rat S. Jakobs das allerfeinste Mittel zum Frieden, ja auch vielen zur Seligkeit, dass die Heiden, weil sie nun die Gnade Christi ohne Gesetz und Verdienst erlangt hatten, wiederum auch den Juden in gar wenigen Stücken förderlich sich erzeigten, als den Kranken und Irrenden, zu derselben Gnade zu kommen. Denn dieweil es den Heiden nichts schadet vor Gott, ob sie Blut, Ersticktes, Götzenopfer in öffentlichem, äußerlichem Brauche meiden, weil sie doch im Gewissen durch die Gnade des alles frei waren, um der Juden Nutz und Heil willen ihr Trotzen anstehen ließen und sonst in Abwesenheit der Juden ohne Ärgernis fressen und saufen konnten, was sie gelüstet, ohne Gefahr des Gewissens; und die Juden auch wohl gleich frei im Gewissen wären, aber die äußerliche, alte Gewohnheit nicht so plötzlich ändern konnten (Consuetudo est altera natura [Gewohnheit ist die zweite Natur]); vielmehr, wo sie aus Gottes Gesetz erwachsen ist): so lehrt es ja die Billigkeit und Vernunft auch, dass man hierin nicht trotzen und hindern, sondern dienen und fördern solle, nach dem Gebot: Liebe deinen Nächsten usw.
Also sind die zwei Artikel, S. Peters und S. Jakobs, gegen einander und doch nicht gegen einander. S. Peters Artikel ist vom Glauben, S. Jakobs ist von der Liebe. S. Peters Artikel leidet kein Gesek, frisst Blut, Ersticktes, Götzenopfer und den Teufel dazu und merkt's nicht; denn er handelt gegen Gott und nicht gegen Menschen, tut auch nichts, sondern glaubt nur an den gnädigen Gott. Aber S. Jakobs Artikel lebt und ist mit den Menschen und richtet alles dahin, dass sie auch zu S. Peters Artikel kommen, und wehrt mit Fleiß, dass ja niemand gehindert werde. Nun ist der Liebe Amt so getan auf Erden, dass dasjenige, so sie liebt und fördert, wandelbar und vergänglich ist, dass sie es nicht ewiglich haben kann, sondern vergeht und kommt darnach ein anderes, was sie auch lieben muss bis an der Welt Ende. Als nun die Juden zerstört oder halsstarrig geworden und die Heiden nicht mehr solche Liebe an ihnen zu üben hatten, ist's alles gefallen, nicht durch der Kirche Gewalt verändert, wie die Papisten lügen, sondern, weil die Ursache nicht mehr da gewesen ist, haben die Christen Blut und Gallerte frei gegessen, welches sie um der Juden willen eine Zeitlang zu ihrem Besten unterlassen haben, ob sie es gleich vor Gott nach dem Glauben nicht schuldig waren zu lassen. Denn wo S. Jakob hätte solche Stücke als Gesek auflegen wollen, hätte er auch das ganze Gesetz auflegen müssen, wie Gal. 5, 3 S. Paulus sagt: wer ein Gesetz hält, muss sie alle halten. Das wäre stracks gegen S. Peters Artikel, welchen S. Jakob bestätigt.
Dass er aber die Hurerei mit untermengt, welche doch in den zehn Geboten ewiglich verboten bleibt, achte ich, sei diese Ursache. Denn Hurerei war bei den Heiden gering, ja für keine Sünde gehalten. Wie man in den heidnischen Büchern liest und ich droben angezeigt habe, wie vor zwanzig Jahren die Kurtisanen und unnützen Pfaffen auch ansingen, solches öffentlich zu reden und zu glauben. Darum ist's bei den Heiden eben so große Sünde gewesen, Hurerei zu treiben, als Blutwurst, Hasen in Pfeffer, Gallerten oder Götzenopfer zu essen. Man lese der Römer Historien, wie ungern sie Ehefrauen nahmen, dass sie Kaiser Augustus zur Ehe zwingen musste. Denn sie meinten, Hurerei wäre recht, und geschähe ihnen Gewalt und Unrecht, dass man sie zur Ehe zwingen wollte. Darum will S. Jakobus die Heiden lehren, dass sie, auch ungezwungen durch die Obrigkeit, von sich selbst gern Hurerei lassen und ehelich, züchtig, keusch leben sollen; wie die Juden taten, die sich an solcher Freiheit zur Hurerei hoch ärgerten und nicht glauben konnten, dass sie sollten zu Gottes Gnade kommen und Gottes Volk werden um solcher Ungleichheit willen der Speise und des Wandels usw.
Also haben die Apostel den Heiden das Gesetz nicht aufgelegt und doch den Juden eine Zeitlang gelassen und die Gnade daneben frisch gepredigt. Wie wir sehen an S. Paulus, dass er bei den Juden sich jüdisch hielt, bei den Heiden heidnisch, auf dass er sie alle gewönne, 1. Kor. 9,20. Und beschnitt seinen Jünger Timotheus, der bereits gläubig war, Ap. Gesch. 16, 3, nicht als müsste es so sein, sondern wie S. Lucas schreibt, um der Juden des Ortes willen, dass er sie nicht ärgern wollte. Und hernach, Ap.-Gesch. 21, 26, ließ er sich im Tempel reinigen mit den Juden und opferte nach dem Gesetz Moses; welches er alles tat, wie S. Augustinus den feinen und nun berühmten Spruch schreibt: Oportuit Synagogam cum honore sepelire, dass man müsste den Mose oder seine Kirche und Gesetz mit Ehren begraben.
Aber wie solches Konzil und beide, S. Peters und S. Jakobs Artikel hernach gehalten sind, findet man reichlich in S. Paulus Episteln, darin er allenthalben über die falschen Apostel klagt, welche das Gesetz als nötig und gegen die Gnade trieben, ganze Häuser und Länder von Christus wieder zum Gesetz verführten, doch unter dem Namen Christi; gleichwie auch nach dem Nicänischen Konzil die Sache viel ärger ward. Denn da der Schalk Arius sich also demütigt und das Konzil auch mit einem Ende vor dem Kaiser Constantin annahm, darum der Kaiser ihn wieder einkommen ließ '): da blies er allererst das Feuer recht auf, und trieben das Spiel seines Teiles Bischöfe, sonderlich nach Constantins Tod, durch den Sohn Kaiser Constantius (welchen sie eingenommen), so greulich, dass in aller Welt Constantius alle rechten Bischöfe verjagte, bis auf die zwei, Gregorius und Basilius.
Etliche sagen hier, dass Constantinus, der Vater, sollte vor seinem Tode auch Arianer geworden sein und einen Arianischen Priester, von seiner Schwester Constantia_am Totenbette ihm treu befohlen, weiter dem Sohn Constantius im Testament befohlen haben, durch welchen die Arianer so mächtig hernach geworden seien. Außer dass uns solche Historien warnen für die großen Herren treulich zu beten, denn der Teufel sucht sie zum höchsten, weil er durch sie den größten Schaden tun kann. Und dass wir auch selbst vorsichtig seien und nicht leichtlich den Rottengeistern glauben, wenn sie sich gleich hoch und tief demütigen, wie dieser Schalk Arius tat; wie auch Saul gegen David tat. Aliquando (spricht man) compunguntur et mali [Einmal werden auf die Bösen getroffen]); aber sie halten hinter dem Berge, bis sie Luft und Raum kriegen, so gehen sie daher wie Arius und tun doch, was sie zuvor im Sinn gehabt haben, dass mich's schier nicht viel wundert, warum die Väter so strenge und lange Buße den verleugnenden Christen aufgelegt haben; sie werden's erfahren haben, wie falsch ihre Demuth sei, und wie schwerlich sie mit Ernst und von Grund des Herzens sich demütigen oder büßen, wie auch Sirach sagt (12,9): Ab inimico re Konziliato usw. [Traue deinem versöhnten Feinde nimmermehr ]).
Summa, wer nicht weiß, was da heiße Osculum Judae, Judas Kuss, der lese mit mir die Historien des Arius unter Constantinus, so wird er sagen müssen, dass Arius weit über Judas gewesen ist. Denn er betrügt den guten Kaiser Constantinus mit diesen schönen Worten: Wir glauben an Einen Gott Vater allmächtigen und an den Herrn Jesum Christ, seinen Sohn, der aus ihm geboren ist vor der ganzen Welt, Ein Gott, Ein Wort, durch welchen alles gemacht ist usw. (Joh. 1, 3). Lieber, welcher Christ könnte doch solche Worte für ketzerisch halten oder denken, dass Arius hiermit dennoch Christus für eine Kreatur hielte? wie es sich doch klar findet, da es zum Verhör kommt. Desgleichen narrt auch hernach Auxentius, der Bischof von Mailand, der Nächste vor S. Ambrosius 3), die Leute mit solchen schönen Worten, dass ich im ersten Anlauf schier zornig ward über S. Hilarius, da ich den Titel las: Blasphemia Auxentii, vorn auf die Bekenntnisse des Auxentius. Ich hätte mein Leib und Seele auf des Auxentius Wort gewagt, dass er Christus für einen rechten Gott gehalten hätte; hoffe auch, dass unter solchen blinden, geschwinden Worten dennoch viele fromme, einfältige Leute bei dem vorigen Glauben geblieben und erhalten sind, als die solche Worte nicht anders haben verstehen können, denn wie der Glaube von Anfang gewesen ist. Wie sie denn kein Mensch anders verstehen kann, wer nichts weiß von der Arianer heimlichen Deutung.
Und weil solches Exempel vonnöten ist zu wissen bei den Christen, und der gemeine Leser die Geschichte nicht so fleißig ansieht, auch nicht denkt, wie nütze sie zur Warnung sei gegen alle anderen Rottengeister, welche der Teufel, ihr Gott, so schlüpfrig macht, dass man sie nirgends ergreifen noch fassen kann, will ich diese Sache kurz in etliche Stücke ordnen.
Zum ersten hatte Arius gelehrt, dass Christus nicht Gott, sondern eine Kreatur wäre. Da jächten [jagten] ihm die frommen Bischöfe ab, dass er bekennen musste, Christus wäre Gott. Aber das tat er in solcher falschen Meinung, dass Christus Gott wäre, wie S. Petrus und Paulus, wie die Engel, welche Götter und Gottes Kinder in der Schrift heißen. (1. Kor. 8, 5. Joh. 10, 34. Ps. 82, 6. Hiob 38, 7.)
Zum andern, da das die Väter gewahr wurden, jächten sie ihn weiter, dass er mit den Seinen zuließ, Christus wäre rechter, wahrhaftiger Gott, duckte sich mit solchen Worten ums Glimpfs willen, weil es bis daher also gelehrt war in allen Kirchen. Aber unter sich selbst deuten sie diese Worte also, sonderlich Eusebius, Bischof zu Nicomedia, des Arius höchster Patron: Omne factum Dei est verum, Was Gott schafft oder macht, das ist wahrhaftig und recht; denn was falsch ist, das hat Gott nicht gemacht. Darum wollen wir bekennen, dass Christus ein rechter, wahrhaftiger Gott sei (bei uns aber ein gemachter Gott, wie Moses und alle Heiligen) usw. Hier ließen sie zu alles, was man noch jetzt singt in den Kirchen des Sonntags nach dem Nicänischen Konzil: Deum de Deo, Lumen de Lumine, Deum verum de Deo vero [Gott von Gott, Licht von Licht, wahrer Gott von wahrem Gott.]).
Zum dritten, da solche falsche Tücke auch ausbrach, dass sie unter solchen Worten dennoch Christus eine Kreatur hießen, ward die Disputation schärfer, dass sie bekennen mussten, Christus wäre vor der ganzen Welt gewesen. Wer könnte hier anders glauben, denn dass Arius mit seinen Bischöfen rechte Christen wären und unbillig vom Nicänischen Konzil verdammt? Denn solches trieben sie bald nach dem Nicänischen Konzil (welches mit ihnen des kurzen gespielt hatte und den Glauben gestellt, wie er noch vorhanden), denn sie wollten das Nicänische Konzil zunichte machen und fochten ein Stück nach dem andern an.
Zum vierten, da solcher blinder Griff auch gemerkt ward, dass dennoch Christus sollte eine Kreatur sein und heißen, mit solcher Deutung, Christus wäre wohl vor aller Welt gewesen, das ist, er wäre geschaffen und gemacht, ehe denn alle Welt oder andere Kreatur (Kol. 1, 15), wurden sie gezwungen zu bekennen, dass alle Welt, alle Dinge durch ihn gemacht wären, wie Joh. 1, 3 sagt; doch bei ihrem Volk deuten sie es also: Christus wäre zuvor gemacht, darnach alle Dinge durch ihn gemacht.
Zum fünften, hatten sie nun leicht zu bekennen Genitum, non factum, von Gott geboren, nicht geschaffen, geboren, wie alle Christen, aus Gott geboren, Gottes Kinder sind, Joh. 1, 12; nicht geschaffen unter anderen Kreaturen, sondern zuvor vor allen Kreaturen.
Zum Sechsten, da es ging an das Herz, dass Christus homousios [wesensgleich]) sei mit dem Vater, das ist, dass Christus mit dem Vater gleich und einerlei Gottheit, gleich und einerlei Gewalt habe: da konnten sie keine Tücke, Loch, Ränke noch Schwank mehr finden. Homousius heißt einerlei Wesen oder Natur, oder einerlei und nicht zweierlei Wesen; wie die Väter im Konzil gesetzt hatten und im Latein gesungen wird: Consubstantialis [lateinisch: wesensgleich]); etliche ihn coëxistentialis, coëssentialis [Im Sein gleich]) hernach nannten. Solches hatten sie zu Nicäa im Konzil angenommen, und nahmen's noch an, wo sie vor dem Kaiser und den Vätern reden mussten. Aber bei den Ihren fochten sie es überaus hart an, gaben vor, solches Wort stünde in der Schrift nicht; hielten viele Konzilien, auch noch bei Constantins Zeiten, damit sie das Konzil zu Nicäa schwächen mochten; richteten viel Unglück an, machten hernach den Unsern damit so bange, dass auch S. Hieronymus, darüber bestürzt, einen kläglichen Brief schrieb an den Bischof zu Rom, Damasus, und fing an zu begehren, dass man solches Wort: Homousios, auskratzen sollte. Denn ich weiß nicht (spricht er), was doch für ein Gift in dem Buchstaben sei, dass sich die Arianer so unnütz darüber machen.
Und ist noch vorhanden ein Dialogus, darin Atanasius und Arius zanken vor einem Amtmann, Probus, über dieses Wort Homousios. Und als Arius hart darauf drang, es stünde solches Wort in der Schrift nicht, Atanasius wiederum mit derselben Kunst Arius fing und sprach: Es stehen diese Worte auch nicht in der Schrift: Innascibilis, ingenitus Deus, das ist, Gott ist ungeboren, welches die Arianer gebraucht hatten, zu beweisen, dass Christus nicht Gott sein könnte, weil er geboren wäre, Gott aber wäre ungeboren usw. Und der Amtmann Probus urteilt gegen Arius. Denn es ist ja wahr, man soll außer der Schrift nichts lehren in göttlichen Sachen, wie S. Hilarius schreibt, 1. de trinit. Das meint sich nicht anders, denn man soll nichts anders lehren. Aber dass man nicht mehr oder andere Worte brauchen sollte, wie in der Schrift stehen, das kann man nicht halten, sonderlich im Zank, und wenn die Kezer die Sachen mit blinden Griffen falsch machen wollen und der Schrift Wort verkehren: da war vonnöten, dass man die Meinung der Schrift, so mit vielen Sprüchen gesetzt, in ein kurzes und Summarienwort fasst und fragt, ob sie Christus homousios hielten, wie der Schrift Meinung in allen Worten ist, welche sie mit falschen Glossen bei den Ihren verkehrten, aber vor dem Kaiser und im Konzil frei bekannt hatten. Gleich als wenn uns die Pelagianer gefährden wollten mit diesem Wort: Erbsünde oder Adams-Seuche, weil solche Worte in der Schrift nicht stehen; so doch die Schrift derselben Worte Meinung gewaltig lehrt, als dass wir in Sünden empfangen (Ps. 51, 7), alle von Natur des Zorns Kinder (Eph. 2, 3), und alle um Eines Sünde willen Sünder sein müssen (Röm. 5, 12). Nun sage mir, wenn noch heutigen Tages Arius vor dich käme und bekennte dir den ganzen Glauben des Nicänischen Konzils, wie wir heutigen Tages denselben in unseren Kirchen singen: könntest du ihn für ketzerisch halten? Ich spräche selbst, er ist recht; und er doch darunter als ein Schalk anders glaubte und hinterwärts die Worte anders verstünde und lehrte: wäre ich nicht sein betrogen? Darum glaube ich nicht, dass Constantinus Arianisch geworden sei, sondern sei bei dem Nicänischen Konzil geblieben. Aber das ist ihm gegenfahren, dass er betrogen ward und dem Arius glaubte, als hielte er's gleich mit dem Nicänischen Konzil, darüber (wie droben gesagt) des einen Eid von ihm nahm und also befahl, dass man Arius zu Alexandria wieder annehmen sollte. Da aber das Atanasius nicht tun wollte, als der den falschen Arius besser denn Constantinus kannte, musste er verjagt werden. Denn es mag wohl dem Constantinus als einem Menschen eingefallen sein, als hätte man Arius, solchen frommen Christen, aus Neid oder Argwohn zu Nicäa verdammt; besonders weil die Arianer, und zuvorderst Eusebius von Nicomedia, um den Kaiser sich annahmen, ihm die Ohren voll bläuten und Arius schmückten. Denn zu Hofe haben große Könige und Herren, wenn sie gleich fromm sind, nicht allezeit Engel und S. Johannes den Täufer um sich (Marc. 6, 18), sondern oft den Satan (1. Kön. 22, 22), Judas und Doeg (1. Sam. 22, 9), wie der Könige Bücher uns wohl zeigen. Und ist das ein gutes Anzeichen, dass Constantinus vor seinem Ende Atanasius auch wieder einkommen hieß, wie hart auch die Arianer ihm wehrten (3. Tripart. 1) 11). Damit bezeugt er, dass er des Nicänischen Konzils und desselben Lehre nicht hat verworfen haben wollen, sondern alles gern zur Einigkeit gebracht hätte.
So tun jetzt unserer falschen Papisten-Schreiberlein etliche auch, stellen sich, als wollten sie den Glauben und gute Werke lehren, sich damit zu schmücken und uns zu verunglimpfen, als hätten sie allewege also gelehrt, und wir sie unbillig eines andern beschuldigt, auf dass, wenn sie mit solchen Schafskleidern sich wiederum geputzt hätten, als wären sie uns ganz gleich, ihren Wolf sein wieder in den Schafstall bringen möchten. Denn es ist nicht ihr Ernst, Glauben und gute Werke zu lehren, sondern weil sie, gleichwie die Arianer, ihr Gift und Wölferei nicht anders erhalten noch wieder aufrichten können, denn durch solche Schafskleider vom Glauben und guten Werken, schmücken und bergen sie den Wolfsbalg, bis sie wieder in den Schafstall kommen. Aber man müsste ihnen tun, wie sie den Unsern tun, und sie ihre Gräuel gegenrufen und dasselbe tätlich beweisen heißen mit Ablegung aller Missbräuche, so gegen den Glauben und gute Werke in ihren Kirchen unter ihrem Volk regierten, damit man sie an ihren Früchten kennen könnte. Sonst kann man den schlechten Worten und Gebärden, das ist den Schafshäuten nicht glauben. Also sollte Arius auch gegenrufen haben, seinen Irrtum bekannt und tätlich gegen sich selbst gelehrt und gelebt haben, wie S. Augustin gegen seine Manichäerei; wie jetzt viele tun gegen ihre Papisterei und Möncherei, unter welchen ich mich von Gottes Gnaden auch rechnen kann. Aber sie wollen nicht geirrt haben und können Gott die Ehre nicht geben, dass sie es bekennten; gleichwie die Arianer auch wollten ihre Lügen verteidigt haben und als vom Konzil nicht gebannt geachtet sein.
Solches Exempel dieser Historien sollen wir wohl merken, sonderlich die, so wir Prediger sein müssen und die Heerde Christi zu weiden Befehl haben, dass wir wohl zusehen oder gute Bischöfe sein, wie S. Petrus sagt, 1. Petr. 5, 2 (denn Episcopus oder Bischof sein, heißt wohl zusehen, wacker sein, fleißig wachen), damit wir von dem Teufel nicht übereilt werden. Denn hier sehen wir, wie er sich so meisterlich verdrehen, verkleiden, verstellen kann, dass er viel schöner wird, wie die Engel des Lichts (2. Kor. 11, 14), und falsche Bischöfe heiliger sind, wie die rechten Bischöfe, und der Wolf frommer wie kein Schaf. Wir haben jetzt nicht mit den groben, schwarzen Polter-Papstgeistern außer der Schrift zu tun; sie finden sich jetzt in die Schrift und unsere Lehre, wollen uns gleich sein und doch uns zerreißen.
Aber der Heilige Geist muss hier allein helfen, und wir fleißig beten, sonst haben wir weit verloren.
Aus diesem allen sieht man nun wohl, warum das Konzil gehalten sei, nicht um äußerlicher Zeremonien willen, sondern um des hohen Artikels willen der Gottheit Christi, weil darum sich der Zank erhoben, im Konzil vornehmlich behandelt und hernach durch unsägliche Wüterei des Teufels angefochten, darin der anderen Artikel nicht gedacht wird. Hat auch der Jammer bis in die dreihundert Jahre bei den Christen gewährt, dass Augustinus hält, des Arius Pein in der Hölle werde in der Hölle täglich größer, so lange dieser Irrtum währt, denn der Mahomet ist aus dieser Sekte gekommen. Und was ich droben vorgenommen habe, sieht man wohl, dass dieses Konzil nichts Neues erdacht noch gesetzt, sondern den alten Glauben gegen den neuen Irrtum des Arius durch die Heilige Schrift verdammt hat; dass man hieraus den Konzilien nicht die Macht geben kann (vielweniger dem Papst zu Rom), alte Artikel zu ändern und neue Artikel des Glaubens oder von guten Werken zu erdenken oder zu sehen, wie sie sich fälschlich rühmen.
Das sei einmal genug von dem ersten Hauptkonzil zu Nicäa gesagt.
Das andere Hauptkonzil zu Konstantinopel etwa bei fünfzig Jahren nach dem Nicänischen, unter den Kaisern Gratian und Theodosius versammelt [381], hat diese Ursachen gehabt. Arius hatte die Gottheit Christi und des heiligen Geistes verleugnet. Da zwischenein rottet sich eine neue Rotte, die Macedonianer, wie immer ein Irrtum den andern, ein Unglück das andere bringt ohne Ende und Aufhören. Diese lobten das Nicänische Konzil, dass Christus rechter Gott wäre, und verdammten den Arius mit seiner Ketzerei heftig, lehrten aber, der Heilige Geist wäre nicht rechter Gott, sondern eine Kreatur Gottes, durch welche Gott der Menschen Herzen bewegt, erleuchtet, tröstet, stärkt und alles tut, so die Schrift vom heiligen Geiste sagt. Diese Rotte riss auch gewaltig ein unter viele große gelehrte, treffliche Bischöfe. Das kam daher: Macedonius war Bischof zu Konstantinopel, in der größten Hauptstadt des ganzen Reiches gegen Orient, da das kaiserliche Hoflager war. Derselbe Bischof sing diese Rotte an; das hatte ein gewaltiges Ansehen, dass der vornehmste Bischof, dazu in des Kaisers Residenz zu Konstantinopel, so lehrte. Da fiel zu, da schlug zu fast alles, was sich an Konstantinopel hielt in den Ländern um Konstantinopel, und Macedonius feiert auch nicht, treibt die Sache hart, hätte gern alle Welt (wie der Teufel in allen Rotten tut) an sich gezogen.
Hier waren nun die frommen Bischöfe viel zu schwach, solchen Bischofsrotten dagegenstehen, weil zuvor ein schlichter Priester zu Alexandria, Arius, einen solchen Wust angerichtet hatte, hier aber nicht ein Priester, nicht ein gemeiner Bischof, sondern der vornehmsten Stadt, des kaiserlichen Palasts zu Konstantinopel Bischof, solchen Wust anrichtete. Hier mussten die Bischöfe abermals den Kaiser anrufen, dass ein Hauptkonzil gegen solche Lästerung versammelt wurde. Dieses tat der fromme Kaiser Theodosius und legte es eben in die Stadt Konstantinopel, in die Pfarre und Kirche, da Macedonius Bischof gewesen war, gleichwie zuvor Konstantinus auch das Nicänische Konzil gen Nicäa legte, da der Bischof Theogonius war, welcher neben dem Bischof Eusebius zu Nikomedien den Arius heben und zuletzt wieder einbringen half.
Im Jahr hernach hielt der Bischof zu Rom, Damasus, auch ein Konzil und hätte gern die Sachen zu Rom verhandelt, damit der römische Stuhl die Obrigkeit kriegte, Konzilien zu berufen und alle Sachen zu richten, und sollte ein Universalkonzil heißen. Denn er berief als ein oberster Bischof in der Welt die Väter, so zu Konstantinopel das Konzil vorm Jahre gehalten hatten. Aber sie wollten nicht kommen, schrieben ihm aber, was sie im Konzil zu Konstantinopel verhandelt hatten, einen sehr schönen christlichen Brief; zeigten ihm unter andern an, wie sie des Macedonius Kekerei verdammt hätten und weiter wie sie andere Bischöfe zu Konstantinopel, zu Antiochia und Jerusalem geordnet hätten. das sollten sie nicht getan haben, ohne Wissen und Willen des Bischofs zu Rom, der allein wollte Recht und Macht haben, Konzilien zu berufen, welches er doch nicht vermochte, alle Ketzerei zu urteilen, welches er nicht konnte, und Bischöfe zu ändern, welches ihm nicht gebührte!
Über das geben sie ihm sehr gute Schlappen, erzählen, wie sie in der neuen Kirche zu Konstantinopel (denn die Stadt Konstantinopel war neulich gebaut) Nectarius zum Bischof gesetzt hätten, und zu Antiochia Flavianus, zu Jerusalem Cyrillus. Denn diese drei Stücke waren dem Bischof zu Rom sehr verdrießlich, ja unleidlich zu hören und zu lesen. Das Erste, dass sie Konstantinopel die neue Kirche nennen und einen Bischof daselbst setzen, so doch ohne Willen und Wissen des neuen Bischofs zu Rom keine neue Kirche noch Bischof sollte geordnet sein. Das Andere ist noch ärger, dass sie die Kirche zu Antiochia die erste und allerälteste Kirche nennen, in welcher (wie sie aus S. Lucas, Apg. 11, 26 beweisen) die Gläubigen in Christus zum ersten Christen genannt sind, auch S. Peter und Paul samt vielen höchsten Aposteln daselbst das Evangelium gepredigt, mehr denn sieben Jahre. Solches wäre auf mein Deutsch so viel gesagt: Hört ihr's, Herr Bischof zu Rom, ihr seid nicht der erste noch oberste Bischof, sondern wo es eine Kirche sein sollte, so wäre es die zu Antiochia billiger, welche für sich hat S. Lucas Schrift und die Tat, Rom aber weder Schrift noch Tat für sich hat.
Aber es sind feine, treffliche Leute gewesen, die nach christlicher Liebe und Demuth dem hoffärtigen Geist zu Rom säuberlich und sanft haben steuern wollen und, wie Sirach (K. 28, 12) lehrt, in den Funken speien und vermahnen, dass der Bischof zu Rom sich bedenken sollte, weil das Evangelium nicht aus Rom gen Antiochia, sondern aus Antiochia gen Rom gekommen wäre, billig die älteste Kirche zu Antiochia der jungen Kirche zu Rom vorginge, wo es ja Vorgehens gelten sollte. Welcher Ehrgeiz (wie die Worte geben) solche feinen, heiligen Väter übel auf den römischen Bischof verdrossen hat (wie billig). Und wenn ein Doktor Luther in dem Konzil gewesen wäre, hätte solcher gelinde Brief nicht an den Bischof zu Rom geschrieben werden müssen, so viel ihm möglich gewesen wäre. Summa, es sind in diesem Konzil Leute gewesen, welchen alle Bischöfe zu Rom, so je gewesen, nicht das Wasser reichen konnten.
Das Dritte ist das allerärgste, da sie die Kirche zu Jerusalem die Mutter aller Kirchen nennen. Ursache, da ist Christus der Herr selber Bischof gewesen und hat zum Wahrzeichen sich selbst am Kreuz geopfert für aller Welt Sünde. Daselbst ist der Heilige Geist am Pfingsttage vom Himmel gegeben; hernach haben alle Apostel sämtlich (nicht allein Petrus, davon sich der Bischof zu Rom rühmt) die Kirche regiert. Solcher Dinge ist gar keins zu Rom geschehen. Damit ermahnen sie säuberlich den Bischof zu Rom, dass er bedenken solle, es fehle noch weit, dass er nicht Bischof zu Jerusalem sei in der Mutterkirche, sondern seine Kirche zu Rom sei eine Tochterkirche, als die nicht habe Christus gehabt und die Apostel und Jerusalem zum Glauben gebracht, sondern er ist mit seiner Kirche durch jene zum Glauben gebracht, wie S. Paulus die Korinther auch eben damit demütigt, dass von ihnen das Evangelium nicht gekommen, sondern von andern zu ihnen gekommen sei (2. Kor. 10, 14).
Aber zuletzt machen sie es über alle Maßen zu grob und setzen in die neue Kirche zu Konstantinopel einen Patriarchen und tun das ohne Vorwissen und Willen des Bischofs zu Rom, als sei zu solchen Sachen an seinem Wissen gar nichts gelegen. Hier fängt an der ewige Zank und Hader (wie des Papstes Heuchler selbst schreiben) zwischen dem Bischof zu Rom und dem zu Konstantinopel um das Primat oder die höchste Obrigkeit. Denn da der Bischof zu Konstantinopel nun (wiewohl in einer neuen Stadt) dem Bischof zu Rom als ein Patriarch gleichgesetzt war, besorgt sich der zu Rom, es würde der zu Konstantinopel sich des Primats unterstehen; wie denn hernach geschah. Denn die Bischöfe zu Konstantinopel gaben vor, der Kaiser hätte seine Residenz oder Hof zu Konstantinopel und nicht zu Rom, und Konstantinopel hieße das neue Rom, darum müsste er der oberste Bischof sein, weil er der kaiserlichen Stadt und des Hofes Bischof wäre. Wiederum, der zu Rom gab vor, Rom wäre das rechte Rom, und der Kaiser hieße der römische Kaiser und nicht der konstantinopolische Kaiser, und Rom wäre eher gewesen wie Konstantinopel. Kratzten sich mit solchen kindischen, weibischen, närrischen Zoten, dass es Sünde und Schande ist zu hören und zu lesen.
Das Gezänk währte, bis dass Phokas Kaiser ward 1), welcher den frommen Kaiser Maurikius, den die Historien heilig nennen, seinen Herrn und Vorfahren (dessen Hauptmann er gewesen war) mit Weib und Kindern hatte köpfen lassen. Dieser fromme Kain bestätigt dem frommen Bischof Bonifazius zu Rom2) die Obrigkeit über alle Bischöfe, und sollte auch solche Obrigkeit billig von keinem bessern Mann, denn von solchem schändlichen Kaisermörder bestätigt werden, auf dass Rom ebenso gute Ankunft des Papsttums hätte, als zuvor des Reiches Ankunft hatte, da Romulus seinen Bruder Remus ermordet, auf dass er allein regieren und die Stadt Rom nach seinem Namen nennen möchte. Dennoch kehrten sich die Bischöfe zu Konstantinopel nicht daran, der Zank blieb gleichwohl fort und fort, obgleich die Römischen indes, über des Kaisers Phokas Bestätigung, sich mit den Feigenblättern zu schmücken begannen und überlaut mit großem Brüllen schrien (Offenb. 12, 1), dass die Kirche zu Rom die oberste wäre, nicht aus menschlicher Ordnung, sondern aus Christus eigener Einsetzung, Matth. 16, 18: Tu es Petrus [Du bist Petrus]. Aber die zu Konstantinopel sahen, dass die zu Rom, als ungelehrte Leute, die Worte Christi falsch und ungereimt führten und nahmen sich's nicht an.
Also haben die zwei Kirchen, Rom und Konstantinopel, gehadert um den nichtigen Primat mit eitel faulen, lahmen, vergeblichen Zoten, bis sie zuletzt der Teufel alle beide gefressen hat: die zu Konstantinopel durch den Türken und Mahomet, die zu Kom durch das Papsttum und seine lästerlichen Dekrete. Solches erzähle ich alles darum, dass man sehe, wie aus diesem seinem Konzil zu Konstantinopel solcher Jammer verursacht ist, darum, dass daselbst der Bischof als Patriarch geordnet ist. Wiewohl es doch ohne das nicht nachgeblieben wäre, wenn schon kein Patriarch zu Konstantinopel geordnet wäre, denn der ehrsüchtige Teufelskopf zu Rom hatte bereits angefangen, solches allenthalben von den Bischöfen zu fordern (wie droben gesagt ist), und wo ihm nicht wäre der zu Konstantinopel unterwegs vorgefallen, so hätte er sich an den zu Alexandria, Jerusalem und Antiochia gerieben und das Dekret des Konzils zu Nicäa nicht leiden wollen, darin er dem Bischof zu Alexandria gleich und unter den Bischof zu Jerusalem gesetzt wird. Denn er will's sein ohne Konzilien und Väter, sondern jure divino'), als von Christus selber gesetzt, wie er brüllt, lästert und lügt in seinen Dekreten.
Wohlan, so haben wir dies andere Hauptkonzil zu Konstantinopel; das hat drei Stücke getan. Erstlich bestätigt, dass der Heilige Geist sei wahrhaftiger Gott, daneben den Macedonius verdammt, welcher den heiligen Geist als eine Kreatur hielt und lehrte. Zum andern, die Ketzerbischöfe abgesetzt und rechte Bischöfe, sonderlich zu Antiochia und Jerusalem, geordnet. Zum Dritten, den Bischof Nectarius zu Konstantinopel zu einem Patriarchen gemacht, darüber die Bischöfe zu Rom unsinnig, toll und töricht geworden sind, wiewohl es die lieben Väter vielleicht guter Meinung getan hatten. Das erste Stück ist das rechte Hauptstück und die einzige Ursache, darum dies Konzil gehalten ist, daraus man auch des Konzils Meinung verstehen kann, nämlich dass es nicht mehr tun sollte, noch getan hat, denn dass es den Artikel von der Gottheit des Heiligen Geistes erhalten hat. Und damit ist das Konzil endlich ausgerichtet, als darum es zusammen gefordert ist. Das andere Stück, vom Absetzen der Bischöfe, ist kein Artikel des Glaubens, sondern ein äußerliches, greifbares Werk, welches auch die Vernunft tun soll und kann, dass nicht not ist, den heiligen Geist sonderlicher Weise (wie zu den Artikeln des Glaubens) dazu zu haben oder ein Konzil darum zu sammeln. Darum wird's auch eines andern Tages nach des Konzils Tag geschehen sein.
Denn sie stiften nicht aufs neue die Kirchen- oder Bischofsämter zu Antiochia und Jerusalem, sondern lassen sie bleiben, wie sie dieselben von Anfang gefunden haben: allein sie setzen andere Personen darein, welches vonnöten war. Denn die Ämter müssen allezeit in der Kirche von Anfang gewesen sein und bis zu Ende bleiben; aber andere Personen muss man immer darein sehen, als Matthias nach Judas (Ag. 1, 26) und lebendige Bischöfe nach den verstorbenen. Welches nicht ein eigenes Geschäft der Konzilien ist, sondern mag, ja muss geschehen beides vor den Konzilien und nach den Konzilien, darnach die Nothdurft der Kirchen es erfordert. Konzilien kann man nicht täglich haben, aber Personen muss man täglich haben, die man in die Ämter der Kirchen, so oft sie ledig werden, setzen könne.
Das dritte Stück ist ein neues, dass sie einen Patriarchen machen aus menschlicher Wohlmeinung. Aber wie es geraten ist, haben wir droben erzählt, welch ein schändliches Gezänk und Gebeiße die zwei Bischöfe darüber angerichtet, dass man wohl sieht, wie solches der Heilige Geist nicht geordnet hat. Denn es ist kein Artikel des Glaubens, sondern ein äußerliches, greifbares Werk der Vernunft, oder Fleisches und Blutes. Was fragt der heilige Geist darnach, welcher Bischof äußerlich vorn oder hinten gehe? Er hat anders zu tun, wie solches weltliche Kinderspiel. Und man lernt nicht allein das hieraus, dass die Konzilien keine Macht haben, neue gute Werke zu stiften, vielweniger neue Artikel des Glaubens, sondern es warnt uns auch, dass die Konzilien allerdinge nichts Neues setzen noch stiften sollen, als die da wissen sollen, dass sie darum nicht versammelt sind, sondern den alten Glauben gegen die neuen Lehrer zu versechten; ohne dass sie neue Personen (die nicht Artikel des Glaubens noch gute Werke heißen können, denn sie sind ungewisse sterbliche Menschen) in die alten vorigen Ämter setzen mögen. Welches man außer den Konzilien in den Kirchen mehr, ja täglich tun muss.
Es bekennen auch die Väter dieses Konzils selbst, dass sie nichts Neues gestiftet haben, da sie dem Bischof zu Rom, Damasus, schreiben (wie gesagt), was sie im Konzil getan haben, unter anderen Worten also: Wir wissen, dass dies der alte, rechte Glaube ist, der sich nach der Taufe richtet und uns an den Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes glauben lehrt usw. Ja, sie schweigen des dritten Stücks, des Patriarchen zu Konstantinopel, ganz und gar, vielleicht dass sie gedacht haben, es sei nicht das Stück, darum sie ins Konzil gekommen seien, und es sei keine Ketzerei, wo ein Christ nicht als einen Artikel des Glaubens den Bischof für einen Patriarchen halten würde, gleichwie jetzt viele Leute nicht darum Ketzer noch verloren sind, ob sie den Papst nicht für das Haupt der Kirche halten, unangesehen seine Konzilien, Dekrete, Bullen und Brüllen: oder werden's nicht allesamt einträchtig getan haben, sondern der Kaiser Theodosius habe es getan. Denn die anderen Historien zeigen an, dass Theodosius es angeregt und getrieben haben solle, welcher nicht Macht gehabt hat, Artikel des Glaubens zu stellen.
Weil sie nun selber sagen und bekennen, es sei der alte, rechte Glaube, darauf wir zuvor getauft und gelehrt sind: was wollen wir denn die hohe Macht den Konzilien geben, dass sie neue Artikel setzen mögen und alle die, so es nicht glauben, als Ketzer verbrennen? Das heißt ja nicht recht die Konzilien verstanden und gar nicht wissen, was Konzil sei, oder was sein Amt und Tun sei, sondern bloß die Buchstaben ansehen und ihm alle Macht, auch über Gott, geben. Davon hernach weiter. Wollen die andern zwei Hauptkonzile auch vollends und kurz besehen.
Das dritte Hauptkonzil [431] ist gehalten unter dem Kaiser Theodosius dem Jüngern, dessen Großvater Theodosius der Erste war, davon droben gesagt ist im zweiten Konzil. Derselbe Kaiser fordert zusammen zweihundert Bischöfe nach Ephesus. Und wiewohl die lateinischen Schreiber 3) den Papst gern mit einflechten wollten, so ist's doch die Wahrheit, dass nicht der Papst, sondern der Kaiser dies Konzil hat zusammen fordern müssen. Denn es war nun ein Patriarch zu Konstantinopel dem Bischof zu Rom gleich gesetzt, dass die Bischöfe gegen Morgen nun viel weniger auf den Bischof zu Rom gaben, wie zuvor. Darum war es dem Bischof zu Rom unmöglich, solches Konzil zu berufen, sonderlich gen Ephesus, weit jenseits des Meeres in Asien, sonst hätte er's wohl, wo er's vermocht hätte, näher gen Rom gelegt, wie Damasus über das vorige Konzil zu Konstantinopel tat. Doch soll er seine Botschaft daselbst gehabt haben. Das gehe hin, sie sind aber nicht obenan gesessen.
Und war die Ursache dieses Konzils: Die lieben Väter und feinen Bischöfe waren dahin: S. Ambrosius, S. Martinus, S. Hieronymus, S. Augustinus (welcher eben desselben Jahres gestorben ist) 1), S. Hilarius, S. Eusebius und dergleichen und an ihrer Statt gar ungleiche Väter aufgekommen, dass auch der Kaiser Theodosius nicht mehr einen Bischof zu Konstantinopel wählen lassen wollte aus den Priestern oder Geistlichen in der Stadt Konstantinopel, aus der Ursache, dass sie gemeiniglich stolz, ehrsüchtig, starrköpfig wären, welche lauter Unglück anzurichten pflegen. Denn auch S. Johannes Chrysostomus war ein solcher Kopf gewesen, wie die Tripartit Historie meldet. Darum ließ der Kaiser einen Advena [Ausländer] (so wird er genannt) zu Antiochia holen, mit Namen Nestorius, der war eines strengen, keuschen Lebens, wohl gestimmt und beredt, den Ketzern allen heftig feind, der musste Patriarch und Bischof zu Konstantinopel werden. Und lief der Kaiser hierin weidlich an und fand den rechten; wollte dem Regen entlaufen und fiel ins Wasser.
Der fing an, seinen Priester Anastasius zu verteidigen, welcher gepredigt hatte: man sollte die heilige Jungfrau Maria nicht Gottes Mutter heißen; denn weil sie ein Mensch wäre, könnte sie keinen Gott gebären. Solches stieß alle Christen vor den Kopf, und sie verstanden's nicht anders, denn als hielte er Christus, von Maria geboren, nicht für Gott, sondern für einen lauteren Menschen, wie wir alle sind; und ward daraus ein solches Wesen und Irrung, dass der Kaiser ein Konzil sammeln musste, der Sache zu helfen. Dann kamen die hohen Bischöfe, wiewohl langsam, nach Ephesus zusammen, Nestorius mit vielen andern, Cyrillus von Alexandria, Iuvenalis von Ierusalem. Und da Johannes von Antiochia sehr verzog, fuhr Cyrillus zu, der dem Nestorius feind war, und Juvenalis, verdammten den Nestorius, und er sie wiederum mit den Seinen. Als Johannes von Antiochia kam und solchen Spalt fand, wurde er über Cyrillus zornig, dass er so heißer Stirn eilends Nestorius verdammt hätte, und kamen die zwei auch darüber an einander, und verdammte einer den andern und stießen sich von dem Bischofsamt.
Als Nestorius sah, dass solcher Wust sich erhoben hatte, sprach er: Ah, lasst uns wegtun, was solche Unlust macht und bekennen, dass Maria Gottes Mutter heiße. Aber es half ihn solch Gegenrufen nicht, er musste verdammt und des Landes verwiesen bleiben. Wiewohl die zwei Bischöfe, Antiochia und Alexandria, auch nach dem Konzil, da sie wieder heimgekommen waren, sich einander verdammten, zuletzt aber wieder zufrieden wurden. Es ist gleichwohl ärgerlich, auch jämmerlich zu lesen, dass solche hohen Leute so weibisch und kindisch gehandelt, wohl eines Konstantinus bedurft hätten, der ihre Haderbriefe auch ins Feuer geworfen hätte. Aber sie waren dahin, die es tun konnten.
Ist nun Nestorius in solchem Irrtum gewesen, dass er Christus nicht als Gott, sondern als lauteren Menschen gehalten hat, so ist er billig verdammt, als der viel ärger, wie Arius oder Macedonius gelehrt hat. Das ist nun das dritte Hauptkonzil, mehr hat es nichts gehandelt. Und wir sehen dennoch, dass es keinen neuen Artikel gestiftet hat, sondern den alten, rechten Glauben verteidigt gegen die neue Lehre des Nestorius, hat er anders solches gelehrt, dass wir hieraus nicht den Konzilen Macht geben können, neue Artikel zu stellen. Denn, dass Christus rechter Gott sei, ist zuvor im Konzil zu Nicäa und zu Konstantinopel verfochten als ein rechter, alter Artikel, von Anfang gehalten und durch die Heilige Schrift bewiesen und überzeugt gegen die neue Ketzerei des Arius. Die anderen Dekrete, so daselbst gestellt sind, betreffen leibliche Sachen und sind nicht Artikel des Glaubens, die lassen wir fahren.
Damit wir aber dies Konzil gründlich verstehen, wollen wir ein wenig weiter davon reden. Denn ich selbst habe etwa nicht verstehen können, was doch der Irrtum des Nestorius gewesen sei, habe immerhin mit gedacht, dass Nestorius die Gottheit Christi verleugnet hätte und Christus für nichts mehr, als einen lauteren Menschen gehalten, wie die päpstlichen Dekrete und alle päpstlichen Schreiber sagen; aber aus ihren eigenen Worten, da ich sie recht ansah, habe ich anders denken müssen. Denn sie geben ihm schuld, er mache aus Christus zwei Personen, nämlich Gott und Mensch. Etliche dichten, die es auch nicht haben verstehen können, er habe so gelehrt: Christus sei erstlich von Maria als lauterer Mensch geboren, habe darnach so heilig gelebt, dass sich die Gottheit mit ihm vereinigt und er also Gott geworden sei. Und ist ihr Schreiben so verwirrt, dass ich denke, sie wissen noch heutzutage selbst nicht, was und warum sie Nestorius verdammt haben. Das merke daran: Se bekennen, dass Nestorius Christus für Gott und Mensch gehalten habe, nur dass er zwei Personen daraus gemacht haben soll. So ist's hieraus gewiss, dass Nestorius nicht Christus für einen lauteren Menschen gehalten hat, wie wir alle gemeint haben, weil er ihn auch für einen Gott hält, laut ihren eigenen Worten. Und bleibt allein der Knoten, dass er Christus einen rechten und wahren Gott und Menschen, für eine zwiefältige Person gehalten haben soll, nämlich eine göttliche und eine menschliche. Das ist eins.
Wer nun Christus zertrennt und zwei Personen daraus macht, der macht zwei Christus, einen göttlichen Christus, der ganz Gott und kein Mensch sei, und einen menschlichen Christus, der ganz Mensch und kein Gott sei. Sonst könnten's nicht zwei Personen sein. Nun ist das gewiss, dass Nestorius nicht zwei Christus, sondern einen einigen Christus geglaubt hat, wie auch ihre eigenen Worte mitbringen, dass Nestorius Christus, nämlich den einigen, denselben, den rechten, und keinen andern Christus für zwei Personen gehalten habe: so muss das auch falsch und unrecht sein, dass Nestorius Christus für zwei Personen gehalten habe. Denn es kann nicht miteinander stehen, dass Christus zwei Personen sei und doch derselbe einige Christus bleibe, sondern, wie gesagt, sind es zwei Personen, so sind es zwei Christus und nicht Ein Christus. Nestorius aber hält nicht mehr als Einen Christus. Darum hat er Christus nicht für zwei Personen halten können, sonst müsste er gegen sich selbst gleich Ja und Nein halten in einerlei Artikel. So steht auch nirgends in den Historien, dass Nestorius Christus für zwei Personen gehalten habe, außer dass die Päpste und ihre Historien so klügeln. Wiewohl sie es auch selbst bekennen, dass sie dichten, Nestorius habe gelehrt, Christus sei nach der Geburt von Maria Gott geworden, oder mit Gott vereinigt in Eine Person. Solches hat sie ihr Gewissen oder irriger Verstand gezwungen, weil sie haben bekennen müssen, dass Nestorius nicht mehr denn einen einigen Christus hätte.
Nun fragt sich's, was ist denn an dem Nestorius verdammt, und warum ist dies dritte Hauptkonzil gegen ihn gehalten, so Nestorius nicht anders lehrt, denn dass Christus wahrhaftiger Gott und Mensch sei, auch ein einiger Christus, nicht zwei Christus, das ist, eine einige Person in zwei Naturen, wie wir alle glauben und die ganze Christenheit von Anfang geglaubt hat? Denn es findet sich, dass der Papst mit den Seinen solche Worte auf Nestorius erdichtet hat, dass er Christus für einen lauteren Menschen und nicht auch für einen Gott, und dass er Christus für zwei Personen oder zwei Christus gehalten habe. Solches findet sich, sage ich, nicht allein aus den Historien, sondern auch aus der Päpste und ihrer Schreiber eigenen Worten und Schriften. Was hat denn nun Nestorius geirrt? Damit wir die Ursachen dieses Konzils erfahren.
Du magst im 12. Buch Tripart. Cap. 4 ein Blatt oder zwei lesen, das kannst du in einer halben Viertelstunde tun, daselbst steht's alles, was man gründlich von Nestorius und diesem Konzil wissen kann; und siehe darauf, ob ich's treffe. Der Mangel steht darin: Nestorius ist ein stolzer, ungelehrter Mann gewesen, und da er so ein großer Bischof und Patriarch wurde, meinte er, dass er als der gelehrteste Mann auf Erden gehalten sein müsste, müsste keine Bücher der Vorfahren oder anderer lesen oder ihrer Weise nach von den Sachen zu reden lernen; sondern weil er wohl beredt und bestimmt, wollte er ein selbsterwachsener Doktor oder Meister sein, und wie er's ausredet oder ausspräche, so sollt's recht sein. Und lief mit solchem Stolz an diesen Artikel, dass Maria Gottes Mutter oder Gottes Gebärerin ist. Da fand er wiederum auch stolze Bischöfe, denen sein Stolz nicht gefiel, besonders Cyrillus zu Alexandria. Denn da war kein Augustinus noch Ambrosius vorhanden. Nun hatte Nestorius in der Kirche zu Antiochia gelernt, dass Christus rechter Gott wäre, vom Vater in Ewigkeit geboren, wie das Konzil zu Nicäa verteidigt hatte, und darnach von der Jungfrau Maria als rechter Mensch geboren. Diese zwei Stücke waren bei Nestorius in keinem Zweifel, hatte sie selbst lange gepredigt, ja er verfolgte die Arianer, im Nicänischen Konzil verdammt, so heftig, dass er auch viel Mord und Blutvergießen darüber anrichtete. So gar fest hielt er Christus für einen rechten Gott und Menschen.
Über das ließ er auch zu, dass Christus, Gottes Sohn, wohl von der Jungfrau Maria geboren wäre nach der Menschheit, nicht nach der Gottheit, welches wir und alle Christen auch sagen. Aber da stieß sich's, er wollte nicht, dass darum Maria sollte Gottes Mutter heißen, weil Christus nicht nach der Gottheit von ihr geboren wäre; oder, wie man's deutlich reden mag, dass Christus nicht die Gottheit von der Mutter, wie die Menschheit von ihr hatte. Das ist der Krieg ganz und gar, dass Gott nicht könne von einem Menschen geboren werden oder seine göttliche Natur haben, und ein Mensch könne nicht Gott gebären oder einem Gott die göttliche Natur geben. Denn der ungelehrte, grobe, stolze Mann stand auf diesen Buchstaben: Gott geboren von Maria, und deutet „geboren“ nach der Grammatik oder Philosophie, als hieße es die Natur der Gottheit von der Gebärerin haben, dass auch die Tripartit sagt: er habe solche Worte für Scheusal gehalten; wie wir und alle Christen, wo sie solchen Verstand haben sollten, auch halten.
Hieraus sieht man, dass Nestorius, als ein unverständiger, stolzer Bischof, Christus mit rechtem Ernst meint; aber nach seinem Unverstand weiß er nicht, was und wie er redet, als der von solchen Sachen nicht hat recht zu reden wissen und doch hat Meister sein wollen zu reden. Denn das wissen wir auch wohl, dass Christus seine Gottheit nicht von Maria hat. Aber dass es darum sollte falsch sein, dass Gott von Maria geboren und Gott Mariens Sohn und Maria Gottes Mutter sei, das folgt nicht daraus. Des muss ich ein grobes Exempel setzen. Wenn eine Frau ein Kind gebiert, so kann ein fauler Nestorius (so nennt ihn Tripartit) so stolz und ungelehrt sein und klügeln: Diese Frau hat geboren, aber sie ist nicht Mutter dieses Kindes. Ursache: die Seele des Kindes ist nicht von ihrer Natur oder Geblüt, sondern anderswo her, also von Gott, eingegossen. Also ist dies Kind wohl von der Frau geboren nach dem Leibe; aber weil die Seele nicht ist von ihrem Leib, so ist sie des Kindes Mutter nicht, weil sie der Seele des Kindes Mutter nicht ist.
Ein solcher fauler Sophist leugnet nicht, dass die zwei Naturen, Leib und Seele, Eine Person sei; sagt auch nicht, dass da zwei Personen oder zwei Kinder sind, sondern bekennt, dass zwei Naturen als Leib und Seele, Eine Person oder Ein Kind sei, auch die Mutter nicht zwei Kinder, sondern Ein Kind geboren habe; sondern sieht nicht, was er leugnet oder sagt. Eben solcher Mann ist Nestorius auch gewesen: der gibt zu, dass Christus sei Gott und Mensch in Einer Person; aber weil die Gottheit nicht von der Mutter Maria kommt, soll sie nicht Gottes Mutter heißen: das ist billig im Konzil verdammt und soll verdammt sein. Und obwohl Nestorius in einem Stück der Hauptsache eine rechte Meinung hat, dass Christus Gott und Mensch ist, soll man doch das andere Stück oder solche Worte und Rede nicht leiden, dass Gott nicht sei von Maria geboren und von den Juden gekreuzigt. Gleichwie man den Sophisten nicht leiden soll, der ganz recht redet in dem Stücke, dass die Mutter des Kindes Seele nicht gebären noch geben kann, da er sagt: Das Kind ist nicht der Mutter natürliches Kind, und die Mutter ist nicht des Kindes natürliche Mutter.
Summa, der stolze, ungelehrte Bischof hat ein griechisches, böses Gebeiß angerichtet, wie der Römer Cicero von den Griechen sagt: Jam diu torquet controversia verbi homines graeculos, contentionis cupidiores, quam veritatis [Lange schon quält der Krieg um Worte die guten Leutchen in Griechenland, die mehr den Streit als die Wahrheit lieben (Cicero de oratore I, 11, 47)]. Denn wer da bekennt, dass eine Mutter ein Kind gebiert, das Leib und Seele hat, der soll sagen und halten, dass die Mutter das ganze Kind geboren und des Kindes rechte Mutter ist, ob sie gleich der Seele Mutter nicht wäre: sonst würde daraus folgen, dass keine Frau eines Kindes Mutter wäre, und das vierte Gebot müsste gar aufgehoben werden: Du sollst Vater und Mutter ehren. Also soll man auch sagen, dass Maria des Kindes, so Jesus Christus heißt, rechte, natürliche Mutter ist, und sie die rechte Gottes-Mutter, Gottes-Gebärerin war und was mehr von Kindesmüttern gesagt werden kann, als säugen, waschen, ätzen, tränken, dass Maria Gott säugte, Gott wiegte, Gott Brei und Suppen machte usw. Denn Gott und Mensch ist Eine Person, Ein Christus, Ein Sohn, Ein Jesus, nicht zwei Personen, nicht zwei Christus, nicht zwei Söhne, nicht zwei Jesus. Gleichwie dein Sohn nicht zwei Söhne, zwei Hanse, zwei Schuster ist, ob er gleich zwei Naturen hat, Leib und Seele, Leib von dir, Seele von Gott allein.
So ist nun Nestorius Irrthum nicht der, dass er Christus für einen puren Menschen hält, auch nicht zwei Personen daraus macht, sondern zwei Naturen, Gott und Mensch, in Einer Person bekennt: aber Communicationem idiomatum [Gemeinschaft der Naturen mit gegenseitiger Mitteilung der Eigenschaften] will er nicht zugeben. Das kann ich mit einem Worte nicht Deutsch reden. Idioma heißt, was einer Natur anhängt oder ihre Eigenschaft ist, als sterben, leiden, weinen, reden, lachen, essen, trinken, schlafen, trauern, freuen, geboren werden, Mutter haben, Brüste saugen, gehen, stehen, arbeiten, sitzen, liegen und was des mehr ist, heißen idiomata naturae humanae, das ist, Eigenschaften, die einem Menschen von Natur anhangen, als die er tun oder leiden kann, auch wohl muss. Denn Idioma auf Griechisch, Proprium auf Lateinisch, ist Ein Dinge Lasst's uns dieweil eine Eigenschaft heißen. Wiederum, Idioma Deitatis, göttlicher Natur Eigenschaft ist, dass sie unsterblich, allmächtig, unendlich, nicht geboren, nicht ißt, trinkt, schläft, steht, geht, trauert, weint. Und was soll man viel sagen? Es ist gar ein unmesslich ander Ding Gott, als ein Mensch ist. Darum können die Idiomata beider Naturen nicht überein kommen. Dies ist die Meinung des Nestorius.
Wenn ich nun also predigte: Jesus, Zimmermann zu Nazareth (denn so nennen ihn die Evangelien: Filium fabri) geht dort auf der Gasse und holt seiner Mutter ein Krüglein Wasser und einen Pfennig wert Brots, dass er mit seiner Mutter esse und trinke; und derselbe Zimmermann Jesus ist der rechte, wahrhaftige Gott in Einer Person: solches gibt mir Nestorius zu und sagt, es sei recht. Wenn ich aber also sage: dort geht Gott auf der Gasse, holt Wasser und Brot, dass er mit seiner Mutter esse und trinke; diese Rede gesteht mir Nestorius nicht, sondern spricht: Wasser holen, Brot kaufen, Mutter haben, mit ihr essen und trinken, das sind idiomata, Eigenschaften menschlicher und nicht göttlicher Natur. Also wenn ich sage: der Zimmermann Jesus ist von den Juden gekreuzigt, und derselbe Jesus ist der rechte Gott; solches gibt mir Nestorius zu, es sei recht. Sage ich aber: Gott ist von den Juden gekreuzigt, so spricht er: Nein; denn Kreuz, Leiden und Sterben ist nicht göttlicher, sondern menschlicher Natur Idioma oder Eigenschaft.
Wenn nun solches die gemeinen Christen hören, so können sie nicht anders denken, als dass er Christus für einen puren Menschen halte, und trenne die Personen; welches er doch nicht zu tun gedenkt, ohne dass es die Worte geben, als täte er's. Daraus sieht man, dass er ein ganz toller Heiliger und unverständiger Mann gewesen ist. Denn nachdem er zugibt, dass Gott und Mensch in einer Person vereinigt und vermischt ist, so kann er ja mit keiner Weise wehren, dass die Idiomata der Naturen nicht auch vereinigt und vermischt sein sollten. Was wäre sonst Gott und Mensch in Einer Person vereinigt? Und ist seine Narrheit eben die, dagegen man in den Schulen lehrt: Qui concedit antecedens bonae consequentiae, non potest negare consequens [ Wer den Vordersatz eines guten Schlusses zugibt, kann den Schlusssatz nicht leugnen.]; auf Deutsch reden wir also: Ist eines wahr, so muss das andere auch wahr sein; ist das andere nicht wahr, so ist das erste auch nicht wahr. Wer das zugibt, dass Grete deine Ehefrau sei, der kann nicht leugnen, dass ihr Kind (wo sie fromm ist) dein Kind sei. Wenn man solches in der Schule lehrt, so denkt Niemand, dass solche groben Leute sein können: aber frage die Regenten und Juristen darum, ob sie nicht oft solche Parten vor sich gehabt haben, die ein Ding bekennen und doch nicht zulassen wollen, was daraus folgt.
Man möchte aber vorgeben, Nestorius hätte schalksweise bekannt, dass Christus Gott und Eine Person sei. Nein, so klug ist der stolze Mann nicht gewesen, sondern hat's ernstlich gemeint. Denn in einer Predigt (sagt Tripart.) hat er geschrien: Nein, lieber Jude, du darfst nicht stolzieren, du hast Gott nicht kreuzigen können. Da will er sagen, Christus ist wohl Gott, aber Gott ist nicht gekreuzigt. Und im Konzil vor dem Bischof Cyrillus spricht er, dass viele Christus für Gott bekennen, aber das will ich nimmermehr sagen, dass Gott sei bitris oder trinitris. Das ist so viel gesagt: Jesus ist Gott, wie unserer Viele bekennen; aber dass Gott sollte zwei- oder dreimal geboren werden, das will ich nicht lehren; und liegt ihm das im Sinn (wie Tripart. anzeigt), wie Gott und Sterben sich nicht zusammenreimen. Denn es dünkt ihn schrecklich zu hören, dass Gott sterben sollte. Und ist das seine Meinung gewesen, Christus sei nach der Gottheit unsterblich; hat aber so viel Verstand nicht gehabt, dass er's also hätte aussprechen können. Dazu ist geschlagen, dass die anderen Bischöfe auch stolz gewesen sind, nicht gedacht, wie man die Wunden heilen, sondern viel ärger reißen könnte.
Wiewohl nun, gründlich zu reden, aus Nestorius Meinung folgen muss, dass Christus ein purer Mensch und zwei Personen sei, so ist's doch seine Meinung nicht gewesen. Denn der grobe, ungelehrte Mann sah das nicht, dass er unmögliche Dinge vorgab, dass er zugleich Christus ernstlich für Gott und Mensch in Einer Person hielt und doch die Idiomata [Eigenschaften] der Naturen nicht derselben Person Christi zugeben wollte. Das Erste will er für wahr halten; aber das soll nicht wahr sein, das doch aus dem Ersten folgt. Damit zeigt er an, dass er selbst nicht versteht, was er verneint.
Denn wir Christen müssen die Idiomata der zwei Naturen in Christus der Person gleich und alle zueignen, als: Christus ist Gott und Mensch in Einer Person. Darum was von ihm geredet wird als Mensch, das muss man von Gott auch reden, nämlich, Christus ist gestorben, und Christus ist Gott, darum ist Gott gestorben; nicht der abgesonderte Gott, sondern der mit der Menschheit vereinigte Gott. Denn vom abgesonderten Gott ist's beides falsch, nämlich dass Christus Gott sei und Gott gestorben sei. Beides ist falsch. Denn da ist Gott nicht Mensch. Dünkt's aber Nestorius wunderlich zu sein, dass Gott stirbt, sollte er bedenken, dass ja so wunderlich ist, dass Gott Mensch wird. Denn damit wird der unsterbliche Gott dasjenige, so sterben, leiden und alle menschlichen Idiomata haben muss. Was wäre sonst derselbe Mensch, mit dem sich Gott persönlich vereinigt, wenn er nicht rechte, menschliche Idiomata haben sollte? Es müsste ein Gespenst sein, wie die Manichäer zuvor gelehrt hatten. Wiederum, was man von Gott redet, muss auch dem Menschen zugemessen werden. Nämlich: Gott hat die Welt geschaffen und ist allmächtig; der Mensch Christus ist Gott, darum hat der Mensch Christus die Welt geschaffen und ist allmächtig. Ursache ist: denn es ist Eine Person geworden aus Gott und Mensch, darum führt die Person beider Naturen idiomata.
Ah, Herr Gott, von solchem seligen, tröstlichen Artikel sollte man ungezankt, ungezweifelt in rechtem Glauben immer fröhlich sein, singen, loben und danken Gott dem Vater für solche unaussprechliche Barmherzigkeit, dass er uns seinen lieben Sohn uns gleich, Mensch und Bruder hat werden lassen. So richtet der leidige Satan durch stolze, ehrsüchtige, verzweifelte Leute solche Unlust an, dass uns die liebe und selige Freude verhindert und verderbt werden muss. Das sei Gott geklagt! Denn wir Christen müssen das wissen: wo Gott nicht mit in der Wage ist und das Gewicht gibt, so sinken wir mit unserer Schüssel zu Grunde. Das meine ich also: wo es nicht heißen sollte, Gott ist für uns gestorben, sondern allein ein Mensch, so sind wir verloren; aber wenn Gottes Tod und Gott gestorben in der Waageschüssel liegt, so sinkt er unter, und wir fahren empor als eine leichte, ledige Schüssel. Aber er kann wohl auch wieder empor fahren oder aus seiner Schüssel springen. Er könnte aber nicht in die Schüssel sitzen, er müsste gleich uns ein Mensch werden [d.i.: Gott konnte sein Gewicht nicht in die Wagschale legen, wenn er nicht uns gleich Mensch geworden wäre.], dass es heißen könnte: Gott gestorben, Gottes Marter, Gottes Blut, Gottes Tod. Denn Gott in seiner Natur kann nicht sterben; aber nun Gott und Mensch vereinigt ist in Einer Person, so heißt's recht Gottes Tod, wenn der Mensch stirbt, der mit Gott Ein Ding oder Eine Person ist.
Es hat auch dies Konzil viel zu wenig verdammt an dem Nestorius. Denn es handelt allein das einzelne Idioma, dass Gott von Maria geboren sei. Daher die Historien schreiben, dass in diesem Konzil beschlossen sei gegen Nestorius, Maria sollte θεοτόκος, das ist Gottes-Gebärerin heißen, so doch Nestorius alle Idiomata menschlicher Natur von Gott in Christus leugnete, als Sterben, Kreuz, Leiden und alles, was sich mit der Gottheit nicht reimt. Darum sollten sie nicht allein beschließen, dass Maria θεοτόκος wäre, sondern auch, dass Pilatus und die Juden Gottes-Kreuziger und Mörder wären, und dergleichen. Dass man aber hernach ihn durch alle Idiomata verdammt hat mit diesen Worten: Nestorius leugnet, dass Christus Gott und Eine Person sei, ist wohl in effectu oder ex consequenti [in der Wirkung oder Konsequenz] recht, aber zu rau und fremd geredet, weil Nestorius hieraus nicht anders hat denken können, denn es sei ihm Gewalt und Unrecht geschehen. Denn er hat solche Worte nie gelehrt, sondern dagegen allezeit gesagt, dass Christus rechter, wahrhaftiger Gott und nicht zwei Personen sei, darauf er die Arianer hart verfolgt hat. Denn solche Leute können nicht syllogisiren [schließen] oder consequentias machen [Konsequenzen ziehen], nämlich, dass der sollte die Substanz oder Natur verleugnet heißen, welcher die Idiomata oder Eigenschaften der Natur verleugnet; sondern so sollte das Urteil lauten: Wiewohl Nestorius bekennt, dass Christus rechter Gott und Mensch, Eine Person sei, aber weil er die Idiomata menschlicher Natur derselben göttlichen Person Christi nicht gibt, ist's unrecht und eben so viel, als leugnete er die Natur selbst; und sie sollten nicht allein das eine Idioma, von der Mutter Maria ausgestrichen haben. Damit wäre die Sache dieses Konzils desto klarer zu verstehen gewesen, welches ich achte, dass sehr Wenige bisher verstanden haben. Aus Platina und seines Gleichen mehr ist's unmöglich zu verstehen.
Denn ich habe wohl auch vor mir Nestorianer gehabt, die sehr steif gegen mich fochten, dass die Gottheit Christi es nicht leiden konnte; und zu Wahrzeichen schrieb auch Zwingli gegen mich über diesen Spruch: Verbum caro factum est [Das Wort wurde Fleisch], (Joh. 1, 14) und wollte schlechthin nicht, dass Verbum sollte factum heißen, sondern wollte haben, Verbum caro facta est, Ursache, Gott könne nichts werden. Ich aber wusste zu der Zeit selbst nicht, dass solches des Nestorius Dünkel wäre, weil ich dies Konzil auch nicht verstand, sondern aus der Heiligen Schrift, Augustinus und Magister Sententiarum [Petrus Lombardus] solches für Irrtum erkannte. Und wer weiß, wie viel noch Nestorianer auch im Papsttum sind, die doch dies Konzil hoch rühmen und nicht wissen, was sie rühmen. Denn Vernunft will hier klug sein und nicht leiden, dass Gott sterben sollte oder menschlicher Weise ein Wesen haben, ob sie schon aus Gewohnheit daher glaubt, dass Christus Gott sei, wie Nestorius.
Wohlan, dies Konzil hat auch nichts Neues im Glauben gestellt, wie wir droben gesagt, sondern den alten Glauben verteidigt gegen den neuen Dünkel des Nestorius, dass man daraus nicht Exempel nehmen noch den Konzilien Macht geben kann, neue oder andere Artikel des Glaubens zu sehen. Denn dieser Artikel ist zuvor in der Kirche von Anfang gewesen und nicht durchs Konzil aufs Neue gemacht, sondern durch das Evangelium oder die Heilige Schrift erhalten. Denn da steht S. Lucas 1, 32, dass der Engel Gabriel der Jungfrau Maria verkündigt, dass aus ihr sollte geboren werden der Sohn des Allerhöchsten. Und S. Elisabeth (Luc. 1, 43): Woher kommt mir das, dass die Mutter des Herrn zu mir kommt? Und die Engel allesamt in der Weihnacht (Cap. 2, 11): Euch ist heute geboren ein Heiland, welcher ist Christus der Herr. Ferner S. Paulus, Gal. 4, 4: Gott hat seinen Sohn gesandt, von einem Weibsbilde geboren. Diese Sprüche, weiß ich fürwahr, halten ja fest genug, dass Maria Gottes Mutter sei. So spricht S. Paulus, 1. Kor. 2, 8: Die Fürsten dieser Welt haben den Herrn der Majestät gekreuzigt; Ap.-Gesch. 20, 28: Gott hat die Kirche mit seinem eigenen Blut erworben, so doch Gott kein Blut hat, nach der Vernunft zu richten. Phil. 2, 6. 7: Christus, da er Gott gleich war, ward er ein Knecht und erfunden in aller Menschen Weise. Und der Kinderglaube, Symbolum Apostolorum, sagt: Ich glaube an Jesum Christus, seinen einigen Sohn, unsern Herrn, der empfangen, geboren von Maria, gelitten, gekreuzigt, gestorben, begraben usw. Da stehen ja klar genug die Idiomata menschlicher Natur und werden doch dem einigen Sohn und Herrn zugemessen, an welchen wir glauben gleich dem Vater und als an einen rechten Gott. Das sei genug von diesem Konzil.
Das vierte Hauptkonzil ist gehalten zu Chalcedon in Pontus oder Asien, etwa bei zwei oder drei und zwanzig Jahren nach dem dritten vorigen Hauptkonzil zu Ephesus, durch den Kaiser Martianus, so nach dem jüngern Theodosius zu Konstantinopel Kaiser wurde, Anno 455. Und sind also die vier Hauptkonzilien fast innerhalb 130 Jahren gehalten; denn das zu Nicäa ist Anno 325 gehalten; waren aber zuvor und daneben, wie auch hernach, viele andere Konzilien ohne die Kaiser durch die Bischöfe selbst hin und wieder gehalten. Aber diese vier konnten nicht ohne die Kaiser zusammenkommen. So gar gebrechlich waren die heiligen Väter, da nicht leicht einer dem andern weichen wollte, wie leider die Historien wohl zeugen; uns zu sonderlichem Trost, dass wir nicht sollen verzweifeln, weil der Heilige Geist in solchen etlichen Vätern gewesen und sie heilig sein und heißen müssen, wir werden auch heilig sein und selig werden.
Was aber die Ursache dieses Konzils gewesen sei, das wollte ich selbst gern von einem andern lernen. Denn hier reicht keine glaubwürdige Historia. Die Ecclesiastica hört auf mit dem ersten Nicänischen Konzil, die Tripartit und Theodoretus mit dem dritten zu Ephesus, und müssen nun fortan ganz des Papstes und der Seinen Historien glauben; welchem sehr misslich ist zu glauben aus trefflichen, merklichen Ursachen. Denn sie haben bis daher alles zu sich gezogen und ihre Majestät so schändlich erlogen, und lügen noch immerfort, dass Niemand sein Gewissen darauf bauen kann. Nun rate, wo will ich selig werden, der ich dies Konzil nicht verstehe, noch weiß, was es macht? Und wo sind sie hingefahren die lieben Heiligen und Christen, die durch so viel hundert Jahre her nicht gewusst haben, was dies Konzil gesetzt hat? Denn es müssen immerdar Heilige auf Erden sein, und wenn die sterben, müssen andere Heilige leben von Anfang bis zu Ende der Welt, sonst wäre der Artikel falsch: Ich glaube eine heilige christliche Kirche, Gemeinde der Heiligen; und müsste Christus lügen, da er sagt (Matth. 28,20): Ich bin bei euch bis zur Welt Ende. Lebendige Heilige, sage ich, müssen immerdar auf Erden sein, sie seien, wo sie können, sonst hätte Christi Reich ein Ende, und wäre Niemand, der das Vater Unser betet, den Glauben bekennt, getauft würde, zum Sakrament ginge, absolviert würde usw.
Wohlan, Platina und andere sagen, es sei diese Ursache: Dass zu Konstantinopel ein Abt, oder wie sie es nennen, Archimandrit Eutyches, gegen den Nestorius ein anderes aufgebracht und gelehrt habe, dass Christus sei eine Person allein in göttlicher Natur. Dagegen haben die Väter im Konzil beschlossen, es sei Christus eine Person. und zwei Naturen. Das ist nun recht und der christliche Glaube. Des Papstes Historien aber schreiben, er habe gelehrt, dass, nach dem als die Gottheit die Menschheit angenommen hat, und also Christus geworden in einer Person, sei darnach nicht mehr als die Gottheit geblieben, und Christus allein Gott und nicht Mensch zu halten. Des Eutyches' Meinung, so ist er schier auch ein grober Nestorius, der in Christus zwei Personen und doch eine Person soll gelehrt haben. So müsste dieser zugleich zwei Naturen und doch eine Natur in Christus gelehrt haben. Denn so schreibt der Papst Leo in einem Briefe, dass Eutyches und Nestorius gegenwärtige Ketzerei lehren. Und ist ja wahr, dass, wer da lehrt, dass Christus zwei und doch eine Person oder Natur sei, und wiederum, dass in Christus zwei Naturen und doch eine Natur sei: die sind freilich gegeneinander, ja, ein jeglicher gegen sich selbst.
Haben aber die Papisten gewusst, dass solches des Nestorius und Eutyches Meinung nicht gewesen sei, sollten sie billig solcher Worte sich enthalten und ein wenig deutlicher von den Sachen und in terminis propriis davon reden, das ist, ihre selbsteigenen Worte gebrauchen. Sonst denken die Ketzer, man wolle sie mit Gewalt und Unrecht durch falsche Worte übereilen und ihre Worte fälschlich deuten; wie ich droben vom Nestorius gesagt habe.
Denn, dass Eutyches nicht allein eine Natur in Christus halte, geben der Papisten selbsteigene Worte, da sie sagen: Eutyches habe bekannt, dass in Christus zwei Naturen sind, nämlich, die Gottheit hat die Menschheit angenommen. Wer solches bekennt, der sagt, dass Christus mehr denn eine Natur habe. Aber was Eutyches damit meint, dass hernach in Christus allein die göttliche Natur ohne menschliche Natur geblieben sei, das zeigen sie nicht an; lassen's also hangen, als habe Eutyches zugleich gehalten, dass Christus zwei Naturen und doch nicht zwei, sondern eine Natur habe. Also werden darnach auch die Historien ungewiss und dunkel, dass Niemand verstehen kann, was Eutyches oder was des Papstes Historien meinen; verlieren damit dies Konzil samt der Ursache, warum es versammelt ist. Ja, man kann's aus der Konzilien Geschichten und aus der Päpste Briefen nicht finden. Wiederum aber sollten die Historienschreiber des Papstes nicht so rau und unbehauen schreiben noch ihre eigenen Worte uns vorplaudern, ohne dass man daraus entnehmen kann, dass sie dies Konzil schier so fein verstanden haben als ich.
Ich will meine Gedanken sagen. Treff ich's, wohl; wo nicht, so ist hiermit der christliche Glaube nicht gefallen. Eutyches' Meinung ist auch (wie des Nestorius) über den Idiomaten irre; doch auf eine andere Weise. Nestorius will die Idiomata der Menschheit nicht der Gottheit in Christus geben, ob er wohl fest darauf steht, dass Christus Gott und Mensch sei. Wiederum, Eutyches will die Idiomata der Gottheit nicht der Menschheit geben, ob er gleich auch festhält, dass Christus wahrer Gott und Mensch ist. Als wenn ich predigte, das Verbum, Gottes Sohn, sei Schöpfer Himmels und der Erden, gleich dem Vater in Ewigkeit, Joh. 1, 3, und das Verbum, derselbe Gottes Sohn, sei wahrhaftiger Mensch, Joh. 1, 13. 14. Solches lässt mir Eutyches zu und zweifelt nichts daran. Wenn ich aber fortfahre und predige, dass derselbe Mensch, Christus, sei Schöpfer Himmels und der Erden, da stößt sich Eutyches und entsekt sich vor diesem Wort: Ein Mensch schafft Himmel und Erden; und spricht Nein. Denn solches göttliches Idioma (als Himmel schaffen) steht nicht Menschen zu. Denkt aber nicht, dass er zuvor hat zugelassen, dass Christus sei wahrhaftiger Gott und Mensch in einer Person, und will doch die Folge oder Consequens bonae consequentiae [den Schluss einer guten Schlussfolgerung] nicht zulassen.
Denn wer das bekennt, dass Gott und Mensch eine Person ist, der muss um solcher Vereinigung willen der zwei Naturen in einer Person, schlechthin auch zulassen, dass dieser Mensch Christus, von Maria geboren, sei Schöpfer Himmels und der Erden. Denn er ist dasjenige geworden in einer Person, nämlich Gott, der Himmel und Erde geschaffen hat. Solche Folge versteht Eutyches nicht und sagt doch fest, Christus sei Gott und Mensch, sieht auch nicht, dass er die menschliche Natur Christi verleugnen muss in Christus, wo er die göttlichen Idiomata von der menschlichen Natur verwirft. Denn damit würde die Person zertrennt, und bliebe Christus kein Mensch. Und das wollen die anzeigen, so vom Eutyches schreiben, er habe die menschliche Natur in Christus nicht bleiben lassen, scilicet in consequenti [im Schlusssatz]; so er doch bekennt, scilicet in antecedenti [nämlich im Vordersatz], dass die göttliche und menschliche Natur Ein Christus, Eine Person, und zwei Naturen sei. Summa, wie droben gesagt, wer die zwei Naturen in Christus, Gott und Mensch, bekennt, der muss auch ihrer beide Idiomata der Person zusprechen. Denn Gott und Mensch ist nichts, wo sie nicht ihre Idiomata haben sollten. Darum sind sie beide, Nestorius und Eutyches, mit ihrem Irrtum und Verstand billig verdammt.
Wiewohl es wahr ist, dass Eutyches mehr Anfechtung vielleicht gehabt hat wie Nestorius. Denn der menschlichen Natur Idiomata sind von Christus viel hinter ihm geblieben, als essen, trinken, schlafen, trauern, leiden, sterben, begraben usw. Denn er sitzt nun zur rechten Hand Gottes, isst, trinkt, schläft, trauert, leidet, stirbt nimmermehr in Ewigkeit, wie uns auch geschehen wird, wenn wir aus diesem Leben in jenes Leben kommen, 1. kor. 15, 49. 53. Solches sind zeitliche und vergängliche Idiomata; aber die natürlichen bleiben, als dass er Leib und Seele, Haut und Haar, Blut und Fleisch, Mark und Bein und alle Glieder menschlicher Natur habe. Darum muss man sagen: Dieser Mensch Christus, das Fleisch und Blut der Maria, ist Schöpfer Himmels und der Erden, hat Tod überwunden, Sünde vertilgt, Hölle zerbrochen; welches eitel göttliche Idiomata sind, und doch der Person, die der Maria Fleisch und Blut ist, recht und christlich zugeeignet werden, weil es nicht zwei, sondern eine Person ist.
Gleichwie dein Sohn Petrus gelehrt heißt, so doch solches Idioma allein der Seele und nicht des Leibes ist, und ein Eutyches möchte schwätzen: Nein, Petrus ist nicht gelehrt, sondern seine Seele. Wiederum ein Nestorius: Nein, ich habe deinen Sohn nicht gestäupt, sondern seinen Leib: das lautet, als wollte man aus Petrus zwei Personen machen oder nur eine Natur behalten, so es doch nicht so gemeint wird. Unverstand und Grobheit ist das und zeugt, dass sie böse Dialectici [Denker] gewesen sind. Doch ist solcher Unverstand nicht seltsam in der Welt auch in andern Sachen, da man oft etwas bekennt und doch leugnet das, so daraus folgen muss, wie gesagt: Antecedente concesso, negare consequens [den Schlusssatz leugnen, nachdem man den Vordersatz zugegeben hat]. Wie jetzt viele große Herren und gelehrte Leute sind, die bekennen frei und fest, dass unsere Lehre vom Glauben, der ohne Verdienst gerecht mache aus lauter Gnade, recht sei: aber dass man darum sollte Klösterei oder Heiligendienst oder dergleichen lassen und verachten, das stößt sie vor den Kopf, so es doch die Folge und Konsequenz erzwingt. Denn es kann ja Niemand gerecht werden, ohne durch den Glauben: daraus folgt, dass man durch Klosterleben nicht gerecht werden könne. Was hält man denn daran? Wozu soll's denn?
Und damit ich mich selbst auch bei der Nase nehme und meiner Narrheit nicht so undankbar vergesse: ich habe vor zwanzig Jahren gelehrt, dass allein der Glaube ohne Werke gerecht mache, wie ich noch immer thue. Wäre aber dazumal einer aufgestanden, der da gelehrt hätte, Möncherei und Nonnerei sollte Abgötterei und die Messe der rechte Gräuel heißen: hätte ich solchen Kezer nicht verbrennen helfen, so hätte ich's doch gehalten, ihm wäre recht geschehen. Und ich unbedächtiger Narr konnte nicht die Folge sehen, die ich müsste nachgeben, dass, wo es der Glaube allein täte, so könnte es die Möncherei und Messe nicht tun. Und das noch viel seiner war, ich wusste, dass es lauter Menschenlehre und -Werke waren, und ich schrieb doch solches auch den guten Werken von Gott geboten und im Glauben getan nicht zu. Zwar ich habe meinen Nestorius und Eutyches weidlich bewiesen (doch in anderen Sachen), da ich eines zugab und das andere, so daraus folgt, nicht nachgab; gleichwie Nestor zugibt, Christus sei Gott und Mensch, und will nicht auch hier nachgeben, dass derselbe Gott geboren und gestorben sei, welches doch daraus folgt.
Weiter, der Luther schilt die Papisten, sie lehren den christlichen Glauben nicht, auch keine guten Werke: so feiern sie auch nicht, schelten wiederum den Luther viel heftiger, er lehre den christlichen Glauben nicht recht und verbiete gute Werke. Woran stößt sich's denn, dass sie nicht eines sind, so sie einerlei bekennen? Das will ich dir sagen: Es ist ein Nestorius hier über den Idiomaten irre geworden. Der Luther will die guten Werke haben, aber sie sollen nicht die herrlichen, göttlichen Idiomata tragen, dass sie genugtun für die Sünde, Gottes Zorn versöhnen und die Sünder gerecht machen. Denn solche Idiomata gehören einem Andern zu, der heißt Gottes Lamm, das der Welt Sünde trägt (Joh. 1, 29). Sa freilich, dem Blut und Sterben Christi soll man solche Idiomata lassen; gute Werke sollen andere Idiomata, anderen Verdienst und Lohn haben. Solches wollen die Papisten nicht, sondern geben den guten Werken, dass sie für die Sünde genugtun und die Leute fromm machen. Darum schreien sie, der Luther lehre nicht gute Werke, sondern verbiete sie. Sie aber sehen diese Folge oder Konsequenz nicht, dass, wo man solche guten Werke lehrt, die genugtun für die Sünde, dass es eben so viel ist, als keine guten Werke lehren. Denn solche guten Werke sind nihil in rerum natura, nichts und nirgend, und können auch nicht sein. Darum eben in dem, dass sie fest und ganz gute Werke lehren und bekennen, lehren sie gar keine guten Werke.
Hier siehst du, was des Nestorius Dialectica [Denkkunst, Logik] ist, der ein antecedens gibt und leugnet das consequens, und damit das antecedens auch falsch macht. Denn ist eines wahr, so muss das andere auch wahr sein in einer rechten Folge oder Konsequenz. Wiederum, ist das Letzte falsch, so muss das Erste auch falsch sein. Gute Werke tun genug für die Sünde, das geben sie nicht allein zu, sondern treiben's hart; aber das andere, so daraus folgt, dass solche Werke nicht gut, ja nichts und gar keine Werke sind, das verdammen sie. Nun folgt es doch gewaltig aus dem vorigen. Denn gute Werke, so für die Sünde genugtun, ist eben so viel, als keine guten Werke. Gleichwie diese Folge gewaltig ist, qui docet id, quod non est, docet nihil: Wer da lehrt das, so nichts ist, der lehrt eben so viel, als nichts. Also mag man auch vom Glauben reden: Wer solchen Glauben lehrt, der nicht allein und ohne Werke gerecht macht, der lehrt eben so viel als keinen Glauben. Denn solcher Glaube, der mit oder durch Werke gerecht macht, ist nichts und nirgend.
Ich will noch ein Gröberes setzen. Etliche Juristen geben's zu, der Priester Ehe sei recht; aber die Folge geben sie nicht, dass die Kinder sollten Erben sein. Das ist eben so viel gesagt: Der Priester Ehe muss Hurerei sein. Denn ist Ehe da, so muss auch das Kind Erbe sein; ist's nicht Erbe, so ist keine Ehe da. Solches heißt man in den Schulen, negare consequens antecedentis concessi in bona consequentia [In einer richtigen Schlussfolgerung den Schluss aus einem zugegebenen Vordersatze leugnen.]; und, destructo consequente, retinere antecedens [Den Schluss umwerfen und den Vordersatz aufrecht erhalten.], das unmöglich ist, und heißen grobe, unverständige Leute. Aber es hat beiden, Nestorius und Eutyches, hieran gemangelt, wie Vielen in anderen Sachen auch geschieht. Denn gewiss ist's ihr Ernst gewesen, dass sie alle beide Christus für Gott und Mensch in einer Person gehalten haben, wie die Historien und auch die Acta Conciliorum geben, und haben doch in die Folge oder Konsequenz sich nicht richten können, dass die Person, so Gott und Mensch ist, wohl gekreuzigt und Himmel geschaffen hat, aber Gott möge nicht gekreuzigt werden noch Mensch Himmel schaffen.
Und was wollen wir von uns sagen? Die Apostel zu Jerusalem (Apg. 15, 11) samt vielen tausend Juden, waren durch den Glauben allein gerecht worden, das ist, durch die Gnade Christi; dennoch hatten sie auch ihren Nestorius und Eutyches in der Haut, sahen diese Folge nicht, dass Moses Gesetz nichts dazu täte noch tun könnte, sondern wollten demselben auch die Idiomata geben, so allein dem Lamm Gottes zustehen, und sprachen (wie droben gesagt): die Heiden könnten nicht selig werden, wo sie nicht beschnitten würden und Moses Gesek hielten. Das war eben so viel, als Christus verleugnen mit seiner Gnade, wie S. Paulus sagt Gal. 2, 21: Ist aus dem Gesek Gerechtigkeit, so ist Christus vergeblich gestorben; und Röm. 11, 6: Ist's Gnade, so ist's nicht Werk. Aber die zu Jerusalem sagen so: Es ist wohl allein die Gnade, aber es muss gleichwohl allein das Werk sein; denn ohne Gesetz kann man nicht selig werden, ob man wohl allein durch die Gnade ohne Werk selig werden muss. Das heißt auf Deutsch, sich selbst in die Backen hauen und nicht verstehen, was man redet. Die Schulen nennen's (wie gesagt): Antecedens concedere, und consequens negare; oder consequens destruere und antecedens affirmare [Den Vordersatz zugeben und den Schlusssatz leugnen, oder den Schluss umstoßen und den Vordersatz bejahen.]): zugleich Ja und Nein sagen in einerlei Sachen. Das kann niemand tun als ein gar unverständiger oder ein verzweifelter Spötter.
So tun jetzt meine Antinomer [Leugner des Gesetzes für des Christen Leben] auch, die predigen sehr fein, und (wie ich nicht anders denken kann) mit rechtem Ernst von der Gnade Christi, von Vergebung der Sünden, und was mehr vom Artikel der Erlösung zu reden ist. Aber diese Konsequenz fliehen sie wie der Teufel, dass sie den Leuten sagen sollten vom dritten Artikel, der Heiligung, das ist vom neuen Leben in Christus. Denn sie meinen, man solle die Leute nicht erschrecken noch betrüben, sondern immer tröstlich predigen von der Gnade und Vergebung der Sünden in Christus und beileibe ja meiden diese oder dergleichen Worte. Hörest du's, du willst ein Christ sein, und 'gleichwohl ein Ehebrecher, Hurenjäger, volle Sau, hoffärtig, geizig, Wucherer, neidisch, rachgierig, boshaft usw. bleiben! Sondern so. sagen sie: Hörst du's, bist du ein Ehebrecher, ein Hurer, ein Geizhals oder sonst ein Sünder, glaubst du nur, so bist du selig, darfst dich vor dem Gesetz nicht fürchten, Christus hat's alles erfüllt.
Lieber, sage mir, heißt das nicht Antecedens concediert und Consequens negiert [Vordersatz angenommen, Schlusssatz verworfen]? Ja, es heißt eben in demselben Christus wegnehmen und zunichte machen, wenn er am höchsten gepredigt wird. Und ist alles eitel Ia und Nein in einerlei Sachen. Denn solcher Christus ist nichts und nirgends, der für solche Sünder gestorben sei, die nicht nach Vergebung der Sünden von den Sünden lassen und ein neues Leben führen. Also predigen sie fein auf Nestorische und Eutychische Dialectica Christus so, dass Christus sei und sei es doch nicht; und sind wohl seine Osterprediger, aber schändliche Pfingstprediger. Denn sie predigen nichts de sanctificatione et vivificatione Spiritus Sancti [Heiligung und Lebendigmachung durch den Heiligen Geist], von der Heiligung des Heiligen Geistes, sondern allein von der Erlösung Christi: so doch Christus (den sie hoch predigen, wie billig) darum Christus ist oder Erlösung von Sünden und Tod erworben hat, dass uns der Heilige Geist zu neuen Menschen machen soll aus dem alten Adam, dass wir der Sünden todt und der Gerechtigkeit leben, wie S. Paulus lehrt, Röm. 6, 2 ff., hier auf Erden anfangen und zunehmen und dort vollbringen. Denn Christus hat uns nicht allein Gratiam, die Gnade, sondern auch Donum, die Gabe des Heiligen Geistes verdient, dass wir nicht allein Vergebung der Sünden, sondern auch aufhören von den Sünden hätten (Joh. 1, 16. 17). Wer nun nicht aufhört von Sünden, sondern bleibt im vorigen bösen Wesen, der muss einen anderen Christus von den Antinomern haben. Der rechte Christus ist nicht da, und wenn alle Engel eitel Christus, Christus! schrien, und muss mit seinem neuen Christus verdammt werden.
Nun siehe, wie böse Dialectici wir sind in hohen Sachen, so über uns, oder ungeübt sind, dass wir zugleich ein Ding halten und nicht halten. Aber in niedrigen Sachen, da sind wir überaus scharfe Dialectici. Denn ein Bauer, wie grob er ist, hat er das bald verstanden und gerechnet: wer mir einen Groschen gibt, der gibt mir keinen Gulden, denn es folgt von selber, und er sieht die Folge sein. Aber unsere Antinomer sehen nicht, dass sie Christus predigen ohne und gegen den heiligen Geist, weil sie die Leute in ihrem alten Wesen bleiben lassen wollen und gleichwohl seligsprechen. So doch die Konsequenz das will, dass ein Christ den heiligen Geist haben soll und neues Leben führen oder wissen, dass er keinen Christus habe. Noch wollen die Esel bessere Dialectici sein, denn Mag. Philippus und Aristoteles, des Luthers muss ich schweigen, weil der Papst dieselben allein gefühlt, sie sind mir weit zu hochgeflogen. Wohlan, des Nestorius und Eutyches Dialectica ist eine gemeine Plage, sonderlich in der Heiligen Schrift; aber in anderen Sachen weiß sie sich wohl zu halten. Wiewohl sie den Juristen und Regenten in subtilen Sachen auch genug zu schaffen gibt, da sie zuweilen Ia und Nein zugleich hören und mit Mühe scheiden.
Ist nun Eutyches oder Nestorius steif und stolz auf seinem Sinn geblieben (wie ich nicht richten kann noch soll, s weit ich die Historien gelesen) nach der Bischöfe Unterricht, so sind sie nicht allein als Kezer, sondern auch als grobe Narren billig verdammt. Sind sie aber nicht steif auf ihrem Sinn gestanden, wie sonderlich von Eutyches der Konzilien Acten selbst melden, und sie haben nicht nach S. Paulus Lehre (Gal. 6, 1) freundlich den Irrenden unterrichtet, so haben sie dennoch die Sache an sich selbst recht geurteilt, müssen aber mit ihrem Stolz und geschwinden Vornehmen (weil nun die Konzile ein großes Ansehen erlangt, und hier wohl 630 Bischöfe gewesen sind) sich wohl vor dem rechten Richter verantworten.
Ich gedenke, wie M. Johannes Wesalia [Johann Ruchrath von Wesel], der zu Mainz Prediger gewesen, zuvor zu Erfurt die hohe Schule mit seinen Büchern regiert, aus welchen ich daselbst auch bin Magister geworden, allein darum verdammt sein musste von den verzweifelten, hoffärtigen Mördern, genannt haereticae pravitatis inquisitores (ich sollte sagen inventores) [„Auffinder (genauer Aufsucher) der kezerischen Bosheit", ich wollte sagen „Erfinder“], Predigermönche, dass er nicht sagen wollte: Credo Deum esse [Ich glaube, dass Gott sei]; sondern sprach: Scio Deum esse [Ich weiß, dass Gott sei]. Denn alle Schulen hielten, dass Deum esse per se notum sit [Es ist mir bekannt, dass Gott ist], wie S. Paulus Röm. 1, 19 auch sagt. Wie auch die Barfüßermörder zu Eisenach mit dem Johann Ilten umgegangen sind, steht in der Apologie4.
Ich setze, dass zu dir und zu mir unverwarnt ein ehrlicher Mann käme, der die Sache fein mit rauen Worten fremd machen könnte, und spräche: Soll ich euch nicht sagen, es ist ein neuer Prophet aufgestanden, der lehrt, wo ein Mensch vollkommen heilig wird, kann er nicht allein Wunder tun, sondern auch Himmel und Erde, Engel, und was drinnen ist, aus nichts schaffen, wie etliche Scholastiker auch disputiert haben, Lib. 4. Und was noch ärger ist, er sagt, der alte Gott sei gestorben usw. Hier würdest du und ich sagen: Das muss der Teufel und seine Mutter sein. Die Schrift sagt (Maleach. 3, 6): Ich bin Gott und werde nicht verwandelt. Und S. Paulus (1. Tim. 6, 16): Qui solus habet immortalitatem [Der allein Unsterblichkeit hat]. Was bedarf's vieler Worte? Gott lebt allein und ist das Leben selbst. Darauf finge er an: Lehrt ihr doch selber also und sprecht, Christus sei ein Mensch, vollkommen heilig, der Himmel und Erden geschaffen hat, dazu auch rechter Gott, der für euch 'am Kreuz gestorben ist. Siehe da, wie gar unversehens sind wir lästerliche Nestorius und Eutyches geworden, die wir zugleich bekennen, dass Christus Gott und Mensch, eine Person, sei für uns gestorben, habe Himmel und Erde geschaffen, und doch droben sagten, es müsste der Teufel und seine Mutter sein, wer da sagt, dass ein Mensch Himmel und Erde geschaffen hätte und Gott gestorben sei; so es die Konsequenz oder Folge erzwingt, aus dem, dass wir Christus als Gott und Mensch in einer Person glauben. Da siehst du, wie die Idiomata unversehens unbedachte Leute vor den Kopf stoßen und irre machen. Hier sollte man zulaufen, mit Sanftmut unterrichten und nicht mit Stolz die Irrigen verdammen. Gott gebe, dass ich lüge. Ich sorge, dass etliche Kezer am jüngsten Tage Richter, und die Richterbischöfe verdammt sein werden. Gott ist wunderlich und unbegreiflich in seinen Gerichten, (Röm. 11, 33), ohne dass man weiß, er sei gnädig den Demütigen und feind den Hoffärtigen (1. Petr. 5, 5): und besonders in den Konzilen und Kirchenständen sollte man nichts aus Eifer, Neid oder Stolz handeln. Denn Gott kann's nicht leiden.
Solche Gedanken habe ich vom Eutyches. Habe ich's nicht getroffen, so habe ich gefehlt, und sei ihre Schuld. Warum haben sie es nicht ordentlicher gehandelt und fleißiger beschrieben, dass man's klarer verstehen könnte. Und wie müsste man tun, wenn gleich dieses Konzil verloren wäre? Der christliche Glaube müsste darum nicht versinken. Ist doch wohl mehr und Nützlicheres verloren, wie dies Konzil ist. Klagt doch S. Augustinus selbst, dass er schier nichts finde bei seinen Vorfahren, das ihm hülfe gegen den Pelagius; und muss doch von solcher Hauptsache viel gehandelt gewesen sein. Ich habe mich aber in diesen Gedanken nach den Worten des römischen Bischofs Leo gehalten, der schreibt, dass des Eutyches und Nestorius Kezerei gegeneinander seien, oder gegensinnig und umgekehrt. Nun ist's gewiss aus der Tripartit, dass Nestorius Christus für rechten Gott und Menschen bekannt habe, auch ganz heftig, und ist kein Arianer gewesen, die schlechthin Christus nicht für Gott hielten, sondern er hat sie verjagt und verfolgt auch durch Mord und Schlachten. Aber das ist seine Ketzerei, dass die Idiomata ihn bestürzt und irre gemacht haben, dass Gott vom Weibsbilde geboren und gekreuzigt sein sollte. Darum muss Eutyches' Ketzerei gegensinnig also getan sein, dass er Christus auch für Gott und Menschen hält; aber die Idiomata göttlicher Natur nicht dem Menschen geben will. Gleichwie wiederum Nestor die Idiomata menschlicher Natur nicht Gott zumessen will in Christus einiger Person; das heißt gegeneinander oder umgekehrt.
Ist aber seine Meinung gewesen, dass er schlechterdings die menschliche Natur in Christus verleugnete, so ist seine Ketzerei nicht gegensinnig gegen des Nestorius Kekerei, sondern er muss unsinnig und rasend gewesen sein, der zugleich halten sollte, dass in Christus die Gottheit mit der Menschheit vereinigt sei, und doch allein eine Natur, nämlich die Gottheit, bleibe oder werde. Solches wäre nicht allein gegen Nestorius, sondern gegen alle Gläubigen und Ungläubigen, gegen alle Kezer und rechte Christen, gegen alle Heiden und Menschen. Denn also hat kein Mensch je gelehrt. Aber weil sie diese Sachen also beschrieben haben, dass sie selbst zeugen, Eutyches habe Christus bekannt, Gottheit und Menschheit in einer Person vereinigt, und das andere also schreiben, als wollten sie nicht, dass man's verstehen solle, so wollen wir es auch nicht verstehen. Was liegt uns daran, so wir's sonst viel besser haben. Eutyches sagt im Konzil, dass er's nicht mit solchen Worten geredet habe, wie sie ihm Schuld gaben, nämlich dass er die menschliche Natur in Christus verleugnen sollte. Daraus kann man merken, dass er geirrt hat und nicht wollte Christus Menschheit verleugnen. Aber wenn ich Doktor Luther wäre, wollte ich gern von den Papistenschreibern hören, wie sie doch selbst ihren eigenen Worten glauben könnten, da sie das sagen dürfen: Nestorius habe zugleich zwei Personen und doch allein eine Person in Christus gehalten; Eutyches habe zugleich zwei Naturen und doch nur eine in Christus gehalten. Ich denke wahrlich, sie sind auch Nestorische und Eutychische Dialectici; von der Theologie rede ich nichts: vielleicht müssen sie Antilogisten [Leute, die mit den Denkgesetzen im Streit liegen, die sich selbst widersprechen.] sein.
Und dass wir wieder zum Konzil kommen, so findet sich's hier auch, dass dies Konzil keinen neuen Artikel des Glaubens gestiftet hat. Dass man abermals hieraus kein Exempel haben kann, den Konzilien Macht zu geben, dass sie neue Artikel der Christenheit aufladen möchten. Denn solcher Artikel ist gar viel reichlicher und gewaltiger in der Schrift gegründet, Joh. 5, 27: Der Vater hat dem Sohn Macht gegeben, Gericht zu halten, darum, dass er des Menschen Sohn ist. Hier hätte Christus, nach Eutyches Meinung, sagen müssen: darum, dass er Gottes Sohn ist. Denn Gericht halten ist ein Idioma göttlicher Natur und nicht menschlicher Natur; Christus aber gibt's seiner menschlichen Natur, nämlich des Menschen Sohn, das ist, der Jungfrau Maria Sohn. Und Matth. 22, 43 fragt Christus die Pharisäer: wie sich's reimt, dass David Christus, der doch sein Sohn und Samen sein musste, seinen Herrn hieße. Ist er Davids Sohn oder Samen, wie sitzt er denn zur Rechten Gottes? Hier hätte Eutyches sagen müssen: Davids Same kann nicht zur Rechten Gottes sitzen, sondern allein Gottes Sohn; und bekennt doch, dass Gottes Sohn und Davids Sohn eine Person sei. Wo die Person aber sitzt, da sitzt Gottes und Davids Sohn. Solche Folge sieht Eutyches nicht, darum hat man denken müssen, er hielte Christus für keinen Menschen, sondern allein für eine göttliche Person und Natur; welches doch seine Meinung nicht ist.
Und in Summa, alle Propheten, alle Schrift, so Christus oder dem Messias ein ewiges Reich geben, Erlösung von Sünden, Tod, Hölle, sind alle gegen Eutyches. Denn sie sagen alle, der Same des Weibes solle den Kopf der Schlange zertreten, 1 Mos. 3, 15, das ist, Sünde, Tod, Teufel, Hölle überwinden: welches sind göttlicher Natur Idiomata und nicht des Weibessamens. Und alle Welt sollte durch den Samen Abrahams gesegnet werden, 1 Mos. 22, 18, das ist, auch die Sünde, Tod, Hölle, der Fluch Gottes weggenommen werden; das sind auch Idiomata, nicht Abrahams Samen, sondern göttlicher Natur. Und darnach die herrlichen, gewaltigen Prophetien Davids, Jesaias, Jeremias (Cap. 23, 5) und aller Propheten, die von Davids Samen sagen, er solle ewige Gerechtigkeit anrichten, das ist Tod, Sünde, Hölle wegtun. Dieses sind eitel Idiomata göttlicher Majestät und Natur, werden aber doch dem Sohn Davids, Christus, dem Sohn der Jungfrau Maria zugeeignet in der ganzen Schrift. Habe ich nun dies Konzil nicht, oder verstehe es nicht recht, so habe ich doch diese Schrift und verstehe sie recht, nach welcher sich das Konzil auch zu halten schuldig ist, und mir gewisser ist, denn alle Konzilien.
Wer da will, der mag weiter des Konzils Geschichte selbst lesen; ich habe mich unlustig darüber gelesen. Solch ein Gebeiße, Getümmel und Unordnung ist darinnen gehalten, dass ich schier dem großen Nazianzener, des S. Hieronymus Lehrer glauben muss, der doch vor dieser Zeit gelebt und bessere Konzile oder Väter gesehen hat, dennoch so schreibt: Wenn man die Wahrheit sagen soll, so halte ich, dass man aller Bischöfe Konzile fliehen solle. Denn ich habe kein gutes Ende der Konzile gesehen, auch nicht des Bösen Abschaffung, sondern Ehrsucht, Zank ums Vorgehen usw., dass mich wundert, wie es zugeht, dass sie um solcher Worte willen nicht längst den ärgsten Kezer aus ihm gemacht haben. Aber wahr ist's, das er sagt, wie die Bischöfe ehrsüchtig, stolz, zänkisch und heftig in den Konzilien sind; das wirst du wohl finden in diesem Konzil. So müssen sie auch nicht von Noth wegen alle heilig sein, die recht lehren oder rechte Lehre erhalten. Denn Bileam weissagt auch recht (4 Mos. 24, 17), und Judas ist auch ein rechter Apostel (Matth. 10, 4), und die Pharisäer sitzen auf dem Stuhl Moses und lehren recht, (Matth. 23, 2.) So müssen wir auch etwas mehr und Gewisseres haben für unsern Glauben, wie die Konzilien sind. Dasselbe mehr und Gewisseres ist die Heilige Schrift.
Dass aber wahr sei, da er sagt, er habe der Konzile kein gutes Ende gesehen, lehren uns die Historien fein. Denn des Arius Kekerei ist ein Scherz gewesen vor dem Nicänischen Konzil gegen den Jammer, so sie nach dem Konzil angerichtet haben; wie droben gesagt. Also ist's den anderen Konzilen, als mit Macedonius und Nestorius, auch gegangen. Denn der Teil, so verdammt ward, hielt sich desto fester zusammen, wollten sich schmücken und unverdammt sein, bliesen immer das Feuer heftiger auf denn zuvor gegen die Konzile, welche sie nicht recht verstanden. Gleichwie es uns Deutschen ergangen ist mit dem Konstanzer Konzil: da der Papst dem Konzil unterworfen und abgesetzt ward und seine Tyrannei und Simonie hart verdammt, ist seit der Zeit der Papst mit sieben ärgern Teufeln besessen und hat seine Tyrannei und Simonie erst recht angerichtet; frisst, raubt, stiehlt alle Stifte, Klöster, Kirchen, verkauft Ablass, Gnade, Recht, Gott, Christus, den heiligen Geist; verrät, verderbt, verwirrt Kaiser und Könige; kriegt, vergießt Blut, schlägt tot Leib und Seele, dass man greifen muss, wer der Gott sei, der zu Rom haushält. Da haben wir Deutschen unsern Lohn, dass wir im Konstanzer Konzil die Päpste abgesetzt und reformiert haben. Ich meine ja, es sei das Ende dieses Konzils wohl geraten. Sekt ein andermal mehr Päpste ab und reformiert sie, ob sie nicht genug hätten an sieben Teufeln, dass sie derselben sieben und siebenzig Legionen gegen euch kriegen. Ist anders noch Raum da, dass mehr Teufel in sie fahren können und sie nicht bereits ganz voller Teufel sind. Das ist die Reformation des Konstanzer Konzils.
So haben wir die vier Hauptkonzile und die Ursachen, warum sie gehalten sind. Das erste, zu Nicäa, hat die Gottheit Christi gegen Arius verteidigt; das andere, zu Konstantinopel, die Gottheit des Heiligen Geistes gegen Macedonius verteidigt; das dritte zu Ephesus, in Christus eine Person gegen Nestorius verteidigt; das vierte in Chalcedon, zwei Naturen in Christus gegen Eutyches verteidigt, aber damit keinen neuen Artikel des Glaubens gestellt. Denn solche vier Artikel sind gar viel reichlicher und gewaltiger, auch allein, in S. Johannis Evangelium gestellt, wenn gleich die anderen Evangelisten und S. Paulus, S. Petrus hiervon nichts geschrieben hätten, die doch solches alles auch gewaltig lehren und zeugen, samt allen Propheten. Haben nun diese vier Hauptkonzile (welche von den Bischöfen zu Rom den vier Evangelien nach ihrem Dekret gleich zu halten sind, gerade als ständen solche Stücke nicht viel reichlicher neben allen Artikeln in den Evangelien, oder die Konzilien hätten's nicht aus den Evangelien: so fein verstehen die Eselbischöfe, was Evangelien oder Konzilien sind,) nichts Neues wollen noch können in Glaubensartikeln machen oder sehen, wie sie selbst bekennen: wie viel weniger kann man solche Macht geben den anderen Konzilien, die man geringer halten muss, wo diese vier sollen die Hauptkonzile sein und heißen.
Auf diese Weise muss man nun auch alle anderen Konzilien verstehen, sie seien groß oder klein; und wenn ihrer viel tausend wären, dass sie nichts Neues, weder im Glauben noch guten Werken sehen, sondern als der höchste Richter und der größte Bischof unter Christus, den alten Glauben und alte gute Werke verteidigen nach der heiligen Schrift: ohne dass sie auch daneben von zeitlichen, vergänglichen, wandelbaren Sachen, zu ihrer Zeit Nothdurft, handeln, welches doch auch geschehen muss außer den Konzilien, in allen Pfarren und Schulen. Sezen sie aber etwas Neues im Glauben oder in guten Werken, so sei gewiss, dass der heilige Geist nicht da sei, sondern der unheilige Geist mit seinen Engeln. Denn das müssen sie ohne und außer der Heiligen Schrift, ja gegen die Heilige Schrift tun, wie Christus spricht (Matth. 12, 30): Wer nicht mit mir ist, der ist gegen mich. Der Heilige Geist weiß und kann nichts mehr, denn S. Paulus, da er spricht 1. Kor. 2, 2: Ich weiß nichts denn Jesus Christus, den Gekreuzigten. Und ist der Heilige Geist nicht gegeben, dass er uns sollte etwas außer Christus eingeben oder lehren, sondern er soll uns alles in Christus lehren und erinnern (Joh. 14, 26), in welchem alle Schätze der Weisheit und des Verstandes verborgen liegen (Coloss. 2, 3); denselben soll er uns erklären, wie Christus sagt Joh. 16, 14 und nicht unsre Vernunft und Dünkel preisen oder zum Abgott machen.
Darum sind solche Konzilien außer der Schrift, Kaiphas-, Pilatus- und Herodes-Konzilien, wie dieApostel sagen, Ap.-Gesch. 4,27: Convenerunt in unum adversus Dominum [Sie versaymmeln such gegen den Herrn] sie ratschlagen oder halten Konzile gegen Gott und seinen Christus (Ps. 2, 2). Und die Evangelisten alle schreiben, dass die Hohenpriester und Pharisäer Rath hielten oder Konzilien sammelten, wie sie Christus töten möchten (Matth. 26, 4. Mark. 14, 1. Luk. 22, 2), wie David zuvor verkündigt hatte Psalm 2, dass sie gegen Gott und seinen Gesalbten ratschlagen würden und Christus Predigt eitel Bande und Seile nennen, dieselben zerreißen und von sich werfen wollten. Solches sind das mehrere Theil des Papstes Konzilien gewesen, darin er sich an Christus Statt zum Haupt der Kirche setzt, die Heilige Schrift unter sich wirst und zerreißt, wie seine Dekrete weisen; wie er zu Konstanz beider Gestalt des Sakraments verdammt, vorhin die Ehe zerrissen, verboten, verdammt und den Christus schlechtweg gekreuzigt und begraben hat.
Hier wird nun die Hauptfrage sein, darum ich dies Büchlein schreibe. Was ist denn nun ein Konzil, oder was ist sein Werk? Denn so es nicht neue Artikel des Glaubens stellen sollte, so wäre bisher alle Welt jämmerlich betrogen, die nicht anders weiß noch hält, denn was ein Konzil schließt, das sei ein Artikel des Glaubens oder doch zum wenigsten für ein zur Seligkeit nötiges Werk zu halten, also dass, wer des Konzils Dekret nicht hält, der könne nimmermehr selig werden, weil er dem heiligen Geist, des Konzils Meister, ungehorsam ist. Wohlan, ich achte mein Gewissen frei, dass kein Konzil (wie droben gesagt) Macht habe, neue Artikel des Glaubens zu sehen, weil es die vier Hauptkonzile nicht getan haben. Darum will ich meine Meinung hier sagen, und auf die Hauptfrage also antworten:
Erstlich dass ein Konzil keine Macht habe, neue Artikel des Glaubens zu stellen, unangesehen, dass der Heilige Geist darin ist. Denn auch der Apostel Konzil zu Jerusalem, Apg. 15, setzt im Glauben nichts Neues, sondern, wie S. Petrus schließt, dass auch alle ihre Vorfahren diesen Artikel geglaubt haben, man müsse ohne Gesetze, allein durch die Gnade Christi selig werden.
Zum andern hat ein Konzil Macht und ist's auch schuldig zu tun, neue Artikel des Glaubens zu dämpfen und zu verdammen nach der Heiligen Schrift und altem Glauben. Gleichwie das Konzil zu Nicäa verdammt den neuen Artikel des Arius, das zu Konstantinopel den neuen Artikel des Macedonius, das zu Ephesus den neuen Artikel des Nestorius, das zu Chalcedon den neuen Artikel des Eutyches.
Zum Dritten hat ein Konzil keine Macht, neue gute Werke zu gebieten, kann's auch nicht tun. Denn da sind bereits alle guten Werke in der Heiligen Schrift überflüssig geboten. Was kann man mehr guter Werke erdenken, denn die der Heilige Geist in der Schrift gelehrt hat, als Demuth, Geduld, Sanftmut, Barmherzigkeit, Treue, Glaube, Gütigkeit, Friede, Gehorsam, Zucht, Keuschheit, geben, dienen usw. (Gal. 5, 22) und Summa, die Liebe? Was kann doch für ein gutes Werk erdacht werden, das nicht in der Liebe geboten ist (1. Kor. 13, 13)? Ist's aber außer der Liebe, was ist's dann für ein gutes Werk? Sintemal die Liebe, nach S. Paulus Lehre, Gal. 5, 14, aller Gebote Erfüllung ist, wie auch Christus selbst sagt, Matth. 5, 44.
Zum Vierten hat ein Konzil Macht, ist's auch schuldig zu tun, dass es böse Werke, so der Liebe gegenstreben, verdamme nach der Heiligen Schrift und alter Weise der Kirche, und die Personen strafe, wie des Nicänischen Konzils Dekret der Bischöfe und Diakonen Ehrsucht und andere Laster straft. Hier wäre aber wohl zu reden von zweierlei bösen Werken: etliche, die offenbar böse heißen und sind, als Geiz, Mord, Ehebruch, Ehrsucht und dergleichen. Solche finden wir von den Konzilien verdammt, wie sie auch ohne die Konzilien in der Schrift verdammt sind, dazu auch im weltlichen Recht gestraft werden. Aber daneben sind andere, neue gute Werke; die heißen nicht böse, sondern sind schöne, böse, seine Laster, heilige Abgötterei, von den Sonderheiligen oder auch tollen Heiligen erdichtet, und Summa, der weiße Teufel und lichte Satan. Solche böse (ich sollte sagen, neue gute) Werke sollen die Konzilien aufs höchste und schärfste verdammen; denn sie sind dem christlichen Glauben gefährlich und dem christlichen Leben ärgerlich und machen den beiden eine Ungestalt oder Verachtung.
So, wenn ein schwacher Christ einen heiligen Einsiedler oder Mönch hört oder sieht, der eine sonderstrenge Weise führt, über den alten gemeinen Christenstand oder Wesen, so stößt er sich daran und denkt, dass gegen diesen neuen Heiligen aller alten Christen Leben nichts oder gar weltlich und gefährlich sei. Daher ist denn eingerissen der Gräuel in aller Welt, dass ein christlicher Bürger oder Bauer, der einen rechten, reinen Glauben an Christus hat und sich übt in den rechten, alten, guten Werken, von Gott in der Schrift geboten, als in Demuth, Geduld, Sanftmut, Keuschheit, Liebe und Treue gegen seinen Nächsten, Fleiß und Sorge in seinem Dienst, Amt, Beruf und Stand: dieser ist ein rechter alter Heiliger und Christ, aber er muss stinken und nichts sein gegen den neuen Heiligen, der unter einem besonderen Kleid, Speise, Fasten, Lager, Gebärde und dergleichen neuen guten Werken ein hochmütiger, ehrsüchtiger, zorniger, ungeduldiger, gehässiger, fleischbrünstiger, vermessener, falscher Christ ist. Solche nennt S. Paulus selbst (2. Tim. 3, 2 ff.) hoffärtige und eigenwillige Heilige, die sich selbst ein neues eigenes Wesen und Gottesdienst erwählen (von Gott nicht geboten), über das alte, rechte gemeine Wesen und Gottesdienst der christlichen Kirche, von Gott gestiftet und geboten.
Es mögen die Auserwählten in solchen neuen ärgerlichen Werken erhalten sein [d.i.: Sie mögen trotz solchen Werkedienstes von Gott im Gnadenstande erhalten worden sein.], aber sie haben diese neue Haut wieder ausziehen müssen, und in der alten christlichen Haut selig werden. Gleichwie dem S. Antonius geschah, da er lernen musste, dass ein Schuster oder Gerber zu Alexandria ein besserer Christ wäre als er mit seiner Möncherei. Wie er auch bekannte, er wäre nicht soweit gekommen wie derselbe Schuster. So auch der große heilige Johannes, Primus Eremita, der auch ein Prophet war dem Kaiser Theodosius, von S. Augustinus hoch gerühmt: Da die Leute sich seiner Strenge verwunderten, unter welchen S. Hieronymus einer war, gab er diese Antwort: Was sucht ihr Besonderes bei uns? Habt ihr‘s doch besser in euren Pfarren, da man der Apostel und Propheten Schrift und Exempel euch predigt? Das heißt ja die Kappe ausgezogen und sich unter die Heilige Schrift geworfen, den gemeinen Christenstand allein preisen. Ebenso musste Paphnutius lernen, er wäre einem Fiedler gleich, der ein Mörder gewesen war; weiter, zwei Ehefrauen, die bei ihren Männern dieselbe Nacht gelegen hatten, und musste sagen: Ei man darf keinen Stand verachten. So ist S. Bernhard, Bonaventura und ohne Zweifel viel mehr frommen Menschen auch geschehen: da sie zuletzt gefühlt, dass ihre neue Heiligkeit und Möncherei den Stich nicht hat halten können gegen die Sünde und Tod, sind sie zum Kreuz gekrochen und ohne solche neue Heiligkeit im alten christlichen Glauben selig geworden. Wie das S. Bernhards Worte an vielen Orten zeugen.
Solche neuen guten Werke findet man in keinen Konzilen, besonders in den vier Hauptkonzilen nicht verdammt, außer dass eins oder zwei kleinen Konzile, wie das zu Gangra von zwanzig Bischöfen, so neulich ist im Druck ausgegangen, hierin etwas getan hat: Sondern vielmehr haben sie solche neue Heiligkeit lassen überhand nehmen, bis dass die christliche Kirche schier nicht mehr ist kenntlich geblieben, und wie die unfleißigen Gärtner lassen die Wasserreiser also überhand nehmen, dass der alte rechte Baum Schaden leiden oder verderben muss. Ist doch zu der Zeit bereits von S. Antonius an die Möncherei so eingerissen, dass in diesem vierten Konzil auch bei Konstantinopel eine Abtei gewesen, darin obgenannter Eutyches Abt gewesen ist. Wiewohl es nicht solche steinernen, kaiserlichen Schlösser gewesen sind, wie hernach die Klöster geworden sind. Denn sie nennen ihn Archimandrita. Mandre soll heißen ein schlechtes Gezäune oder Gehege, wie von Büschen, Sträuchern, Reisern gemacht wird für das Vieh oder Hürden für die Schafe, und Eutyches, als der Oberste, in solchem Gehege mit den Seinen sich genährt, und ein abgesondertes Leben geführt hat. Daraus kann man verstehen, was zu der Zeit ein Kloster gewesen ist, da noch kein Kloster gewesen ist, das verschlossen oder Mauern gehabt hätte.
Aber gleichwie es zugeht im Garten, wo die Wasserreiser oder Sprösslinge viel höher wachsen, denn die rechten, fruchtbaren Reiser, also geht's auch in dem Garten der Kirche, dass solche neuen Heiligen, so beiseits auswachsen und doch auch Christen sein wollen und vom Saft des Baumes sich nähren, viel gewaltiger zunehmen wie die rechten alten Heiligen des christlichen Glaubens und Lebens. Und weil ich darauf gekommen bin, muss ich das anzeigen, so ich aus den Historien gemerkt habe. S. Bernhard [von Clairvaux] ist 36 Jahr Abt gewesen und hat in denselben Jahren 160 Klöster seines Ordens gestiftet. Nun weiß man wohl, was Zisterzienser für Klöster sind, ob sie vielleicht zu der Zeit geringer, nun aber lauter Fürstentümer sind; und will noch mehr sagen: Es sind zu derselben Zeit, also unter Kaiser Heinrich III., IV., V., innerhalb zwanzig Jahren vielerlei fürstliche Klosterorden aufgekommen, die Grandiomontenses, die reformierten Canonici regulares, Karthäuser und Zisterzienser. Was will hernach geworden sein in den vierhundert Jahren bis auf uns? Ich halte wahrlich, man möchte wohl sagen, das heißt Mönche geregnet und geschneit. Und wäre nicht Wunder, dass keine Stadt noch Dorf übergeblieben wäre, da nicht ein Kloster oder zwei, doch zum wenigsten ein Terminarius oder Stationarius [jemand der für sein Kloster bettelte oder dessen Interessen vertrat] wäre. Die Historien schelten Kaiser Valentinianus, dass er die Mönche zum Kriege brauchte. Ia lieber, es wollten der müßigen Leute zu viel werden; wie man auch von etlichen Königen in Frankreich liest, dass sie verbieten mussten, Mönch zu werden, sonderlich den Leibeigenen. Denn sie suchten unter der Kappe Freiheit, und lief alles in die Klöster.
Die Welt will betrogen sein. Wenn man viel Rotkehlchen und Vögel fangen will, muss man das Käuzlein oder eine Eule auf den Kloben oder die Leimrute setzen, so geht's vonstatten. Also auch, wenn der Teufel die Christen fangen will, muss er eine Mönchskappe, oder (wie es Christus nennt Matth. 6, 16) ein saures, hypokritisches [heuchlerisches] Angesicht aufstellen: so wundern wir uns dann viel mehr über solche Eulen und Käuze, denn über das rechte Leiden, Blut, Wunden, Sterben und Auferstehen, das wir an Christus unserm Herrn sehen und hören, für unsere Sünde ergangen; fallen also mit Haufen und aller Macht vom christlichen Glauben auf die neue Heiligkeit, das ist, dem Teufel in seine Kloben und Leimruten. Denn wir müssen immer was Neues haben; Christus Sterben und Auferstehen, Glaube und Liebe ist alt und nur gemeines Ding, darum muss es nichts mehr gelten, sondern neue Ohrenkrauer (wie S. Paulus sagt 2. Tim. 4, 3) müssen wir haben. Und geschieht uns recht, weil uns die Ohren so sehr jucken, dass wir die alte rechte Wahrheit nicht mehr leiden können, ut acervemus [dass wir auf uns laden, 2. Tim. 4,3], dass wir große Haufen neuer Lehren auf uns laden. Wie denn geschehen ist und fort geschehen wird. Denn die folgenden Konzilien, sonderlich die päpstlichen (denn sie sind hernach fast alle päpstlich), haben solche neuen guten Werke nicht allein unverdammt gelassen, sondern in aller Welt hoch über die alten guten Werke erhoben, dass der Papst auch viele Heiligen hat canonisirt oder erhoben aus den Mönchsorden.
Im Anfang ist's wohl schön anzusehen gewesen und noch; aber es wird zuletzt zumal gräuliches, ungeheures Ding daraus, da ein jeglicher von Tag zu Tage dazu tut. So des S. Franciscus Anfang ließ sich fein ansehen, ist aber nun so grob geworden, dass sie auch die Kappen den Toten anziehen, darin die Toten selig werden sollen [d.i. Laien ließen sich in der Franziskanerkutte begraben]. Ist's nicht schrecklich zu hören? Ja so geht's, wenn man anfängt von Christus zu fallen und ins Fallen kommt, so kann man nicht aufhören. Was ist geschehen zu unserer Zeit in den Niederlanden, da Frau Margarethe [von Österreich, Statthalterin] bestellt, dass man sie nach ihrem Tod zur Nonne machen sollte. Das geschah. Man zog sie nonnisch an, setzte sie über einen Tisch, trug ihr Essen und Trinken vor, kredenzt ihr auch wie einer Fürstin: Da büßte sie ihre Sünde und wurde eine heilige Nonne. Aber da es etliche Tage gewährt hatte und es der fromme Kaiser Karl erfuhr, ließ er's abschaffen. Wo er das nicht getan hätte, ich halte, solches Exempel sollte in alle Welt geschwemmt haben. So tut und so muss tun die neue Heiligkeit, die es besser machen will, wie die rechte, alte christliche Heiligkeit ist: die narrt nicht also, sondern bleibt und übt sich immer im Glauben, Liebe, Demut, Zucht, Geduld ec., dass man nichts Ungeheures, sondern eitel liebliche, holdselige, stille, säuberliche, nützliche Exempel daran sieht, die Gott und Menschen gefallen. Aber die neue Heiligkeit poltert mit sonderlichen neuen Gebärden, damit sie die leichtfertigen Seelen an sich locke, gibt große Dinge vor, und ist doch nichts dahinter, wie S. Petrus schreibt (2. Petr. 2, 14-18).
Weiter, Gerson schreibt von den Karthäusern, dass sie recht daran tun, wenn sie so steif über ihrer Regel halten, dass sie kein Fleisch essen, wenn sie gleich sterben müssten. Nun wohlan, wenn hier ein frommer Arzt merkt, dass dem Kranken wohl zu helfen wäre mit einer Hühnerbrühe oder Bissen Fleisches und sonst nicht: so folgt man dem Arzt nicht, sondern der Kranke muss eher sterben. Da lobe ich S. Augustinus vor, der schreibt in seiner Regel, man solle den Arzt um Rat fragen, und spricht: Sie sind nicht alle gleiches Vermögens, darum solle man sie auch nicht alle gleich halten. Das ist eine recht schöne ἐπιεικεῖα [Billigkeit, Lindigkeit], zwinget sie auch nicht, ewig zu bleiben. Denn es ist nicht ein Kerkerkloster, sondern eine freie Gesellschaft etlicher Priester gewesen. D. Staupitz sagt mir einmal, er hätte von dem Bischof zu Worms, der ein Dahlberger war, gehört: wenn S. Augustinus sonst nichts geschrieben hätte als die Regel, so müsste man dennoch sagen, dass er ein trefflicher, weiser Mann gewesen wäre. Das ist auch wahr. Denn er hätte solche Karthäuser aufs Höchste als Mörder, und ihre Klöster als rechte, leibliche Mordgruben (wie sie denn in der Wahrheit sind) verdammt. Ich habe zu Erfurt selbst im Karthäuserkloster einen Kranken an einer Krücke gehen sehen, der noch jung war; den fragt ich, ob man ihn nicht des Chors und der Wache überhöbe? Nein, sprach er kläglich, ich muss fort.
Es ist uns aber recht geschehen. Gott hat uns seinen Sohn zum Lehrer und Heiland gesandt; daran nicht genug, er predigt selbst aus seinem hohen Himmelsthron uns allen und spricht (Matth. 17, 5) Hunc audite: Diesen höret. Da sollten wir mit den Aposteln niederfallen und uns dünken lassen, wir hörten sonst nichts in aller Welt: so lassen wir Vater und Sohn umsonst predigen, fahren zu und erdichten eigene Predigt. So geht's denn also, wie der 81. Psalm (12.13) sagt: Mein Volk gehorcht meiner Stimme nicht; so lass ich sie gehen nach ihres Herzens Dünkel. Daher kommen denn solche schöne ἐθελοθρησκείαι und ἀφειδίαι, Col. 2, 23, selbst erwählte Geistlichkeit und Unbarmherzigkeit über unseren eigenen Leib, dass wir uns selbst also ums Leben bringen, so doch Gott geboten hat, man solle des Leibes pflegen und ihn nicht töten. Meinst du nicht, wo man nach S. Augustinus Regel und S. Paulus Lehre (Röm. 13, 14) die Ärzte hätten raten lassen über die Leiber der Geistlichen, besonders der Weibsbilder [Nonnen], es wäre gar mancher seiner Person geholfen, die sonst hat toll werden müssen oder sterben, wie die Erfahrungen uns wohl lehrten. Aber es ist die Zeit des Zorns gewesen, dass die neue und tolle Heiligkeit hat regieren müssen, der Welt zur Strafe.
Zum fünften hat ein Konzil nicht Macht, neue Zeremonien den Christen aufzulegen bei einer Todsünde oder bei Gefahr des Gewissens zu halten, als Festtage, Feiertage, Speise, Trank, Kleider. Wo sie es aber tun, so steht da S. Augustinus ad Januarium und spricht: Hoc genus liberas habet observationes [Diese Stücke zu beobachten bleibt frei]; und Christus habe wenig Zeremonien gegeben, denn weil sie es nicht Macht zu heißen haben, so haben wir's auch Macht zu lassen. Ja, es ist uns verboten zu halten durch S. Paulus, Col. 2, 16: Lasst euch nicht Gewissen machen über ein Theil Tage und Fasten, Speise oder Trank 2c.
Zum sechsten hat ein Konzil Macht und ist's schuldig zu tun, solche Zeremonien nach der Schrift zu verdammen: denn sie sind unchristlich und richten eine neue Abgötterei oder Gottesdienst an, der von Gott nicht geboten, sondern verboten ist.
Zum siebenten hat ein Konzil nicht Macht, sich in weltliches Recht und Regiment zu mengen 2c. Denn S. Paulus sagt (2. Tim. 2, 4): Wer Gott im geistlichen Streit dienen will, der soll sich weltlicher Geschäfte entschlagen.
Zum achten hat ein Konzil Macht und ist schuldig, solche vorgenommene Weise oder neue Rechte zu verdammen nach der Heiligen Schrift, das ist des Papstes Decretale ins Feuer werfen.
Zum neunten hat ein Konzil nicht Macht, solche Statuten oder Dekrete zu machen, die lauter nichts mehr suchen, denn Tyrannei; das ist, wie die Bischöfe sollen Gewalt und Macht haben, zu gebieten, was sie wollen, und jedermann müsse zittern und gehorsam sein. Sondern es Macht hat und ist schuldig, solches zu verdammen nach der Heiligen Schrift, 1. Petr. 5, 3: Sollt nicht herrschen über das Volk; und Christus (Luc. 22, 26): Vos non sic 1): Wer der Oberste sein will, soll euer Diener sein.
Zum Zehnten hat ein Konzil Macht, etliche Zeremonien zu sehen, mit solchem Unterschied: Erstlich, dass sie nicht der Bischöfe Tyrannei stärken. Zum andern, dass sie dem Volk vonnöten und nützlich seien und eine feine, ordentliche Zucht und Wesen geben. So ist es vonnöten, etliche Tage zu haben, auch Orte, da man zusammenkommen könne. Desgleichen bestimmte Stunden, zu predigen und öffentlich die Sakramente zu reichen und zu beten, singen, Gott loben und danken usw. Wie S. Paulus sagt, 1. Kor. 14, 40: Lasst alles ordentlich und ehrlich zugehen. Mit solchen Stücken wird nicht der Bischöfe Tyrannei, sondern bloß des Volkes Not, Nutz und Ordnung gesucht. Und Summa, man muss es haben, und kann's nicht entbehren, soll anders die Kirche bleiben.
Doch wo jemand aus Not, Krankheit, Hindernis, oder was das sein mag, zuweilen solches nicht halten könnte, muss es nicht Sünde sein. Denn es geschieht ihm zugute, und nicht dem Bischofe. Ist er ein Christ, so wird er seinen eigenen Schaden hierin nicht suchen. Was fragt Gott darnach, wer nicht will bei solchem Haufen oder Wesen sein; ein jeglicher wird's wohl finden. Und Summa, wer ein Christ ist, der ist mit solcher Ordnung nicht gebunden, er tut's lieber, denn er's lässt, wo er ungehindert sein kann. Darum kann man ihm kein Gesetz hier sehen, er will und täte lieber mehr, denn solches Gesek fordert. Wer aber solches hochmütig, stolz und mutwillig verachtet, den lass fahren. Denn ein solcher wird wohl höhere Geseke verachten, es sei Gottes oder menschliches Gesetz.
Möchtest vielleicht hier sagen: Was willst du zuletzt aus den Konzilien machen, wenn du sie so genau beschneiden willst? Mit der Weise hätte wohl ein Pfarrherr, ja ein Schulmeister, (will der Eltern schweigen), mehr Macht über seine Schüler, denn ein Konzil über die Kirche? Antworte ich: Meinst du denn auch, dass ein Pfarrherr oder Schulmeister so geringe Ämter sind, dass sie nicht etwa den Konzilien möchten zu vergleichen sein? Wenn keine Pfarrherrn oder Bischöfe wären, wo wollte man ein Konzil sammeln? Wenn keine Schulen wären, wo wollte man Pfarrherrn nehmen? Ich rede von solchen Schulmeistern, die nicht allein die Kinder und Jugend Künste lehren, sondern zur christlichen Lehre ziehen und treulich einbilden. Gleich so auch von solchen Pfarrherrn, die treulich und rein Gottes Wort lehren. Denn das will ich gar leicht beweisen, dass der arme, geringe Pfarrherr zu Hippo, S. Augustinus, mehr gelehrt hat, wie alle Konzilien (der heiligsten Päpste zu Rom will ich von Furcht wegen schweigen). Ich will mehr sagen, es ist in dem Kinderglauben [Apost. Bekenntnis] mehr gegeben wie in allen Konzilien. So lehrt auch das Vater Unser und die zehn Gebote mehr, denn alle Konzilien lehren. Dazu lehren sie nicht, sondern wehren, dass nichts Neues gegen die alte Lehre gepredigt werde. Hilf Gott, wie sollen die Papisten mir diese Worte auszwacken, zerschreien, zermartern und zerantilogisiren [innere Widersprüche nachweisen], daneben aber stehen lassen meine Ursachen, warum ich so geredet habe; denn es sind fromme, ehrliche Leute, die nichts denn kalumnieren [schimpfen] und lügen können, davor ich mich ja billig fürchten sollte. Gott aber vergebe mir's nicht, ich kann's ja nicht tun, und lasse sie immerhin lästern und lägen.
Aber laß uns, du und ich, mit einander von der Sache reden: Was kann denn ein Konzil tun oder was ist sein Werk? Höre du selbst ihre eigenen Worte. Anathematizamus, so heißt ihr Amt. Wir verdammen! Ja, sie reden viel demütiger und sagen nicht: Wir verdammen, sondern so sagen sie: Anathematizat Ecclesia, die heilige christliche Kirche verdammt. Des Konzils Verdammnis sollte mich nicht schrecken, aber der heiligen Kirche Verdammnis würde mich in einem Augenblick töten um des Mannes willen, der da sagt (Matth. 28, 20): Ich bin bei euch, bis zur Welt Ende; oh! des Mannes Verdammnis ist nicht zu leiden. Die Konzilien aber, weil sie die heilige christliche Kirche anziehen als den rechten hohen Richter auf Erden, zeugen, dass sie nicht Richter ihres Gefallens sind, sondern die Kirche, so die Heilige Schrift predigt, glaubt und bekennt, wie wir hören werden. Gleichwie ein Dieb oder Mörder vor dem Richter wohl bleiben würde seiner Person halber; aber das Recht und Land halten zusammen bei dem Richter, als ihrem Diener: vor den zweien muss er sich fürchten.
So ist nun ein Konzil nicht anders denn ein Konsistorium, Hofgericht, Kammergericht oder dergleichen, darinnen die Richter, nach Verhör der Parteien, das Urteil sprechen, doch mit solcher Demuth, von Rechts wegen, das ist, unser Amt ist Anathematizare, verdammen. Aber nicht nach unserem Kopf noch Willen oder neuem erdichteten Recht, sondern nach dem alten Recht, das im ganzen Reich für Recht gehalten wird. Also verdammt ein Konzil auch einen Kezer, nicht nach ihrem Dünkel, sondern nach des Reiches Recht, das ist, nach der Heiligen Schrift, wie sie bekennen, welches der heiligen Kirche Recht ist. Solches Recht, Reich und Richter ist wahrlich zu fürchten bei ewiger Verdammnis. Denn solches Recht ist Gottes Wort; das Reich ist Gottes Kirche; der Richter ist beider Amtmann oder Diener.
Solcher Diener oder Richter dieses Rechtes und Reiches ist nicht allein das Konzil, sondern auch ein jeglicher Pfarrherr und Schulmeister. Dazu so kann ein Konzil nicht ewiglich
und ohne Unterlass solches Richteramt gebrauchen. Denn die Bischöfe können nicht ewig bei einander versammelt bleiben, sondern müssen allein zu etlichen Zeiten der Noth zusammenkommen und anathematisieren oder Richter sein. So wenn ein Arius zu Alexandria seinem Pfarrer oder Bischof zu mächtig wird, das Volk an sich hängt, auch auf dem Lande andere Pfarrherr und Leute darein mengt, dass der Pfarrherrn zu Alexandria unterliegt und sein Richteramt nicht mehr das Recht dieses Reiches, das ist den rechten christlichen Glauben verteidigen kann: in solcher Noth und zu solcher Zeit sollen die anderen Pfarrherrn und Bischöfe mit aller Macht zulaufen und dem Pfarrherrn zu Alexandria gegen den Arius helfen, den rechten Glauben verteidigen und Arius verdammen zur Rettung der Anderen, damit der Jammer nicht ganz überhandnehme. Und wo die Pfarrer nicht zu kommen vermöchten, soll der fromme Kaiser Constantinus auch mit seiner Macht dazu tun und den Bischöfen zusammenhelfen. Gleich als wenn ein Feuer ausgeht; so es der Hauswirth allein nicht dämpfen kann, sollen alle Nachbarn zulaufen und löschen helfen: und wo sie nicht zulaufen, soll die Obrigkeit helfen und gebieten, dass sie zulaufen müssen, und das Feuer anathematisieren oder verdammen, zur Rettung der andern Häuser.
Also ist denn das Konzil der große Diener oder Richter in diesem Reich und Recht; aber wenn die Noth vorüber ist, so hat er sein Amt ausgerichtet. Gleichwie in dem weltlichen Regiment die hohen, großen Richter dazutun müssen, wo die niedrigen, kleinen Gerichte dem Uebel wollen zu schwach werden zu gegenstehen, bis er zuletzt kommt an das höchste, größte Gericht, an den Reichstag, welcher auch nicht ewig sein kann, sondern, wenn die Noth ist verrichtet, wieder von einander ziehen muss und die Sachen den niederen Gerichten wiederum befohlen sein lassen. Aber auf den Reichstagen trägt sich's zu, dass man zuweilen neue oder mehr Rechte ordnen, die alten ändern und bessern oder gar abtun muss, und nicht ewig nach einem ewigen Recht sprechen kann. Denn es ist ein weltliches Regiment, das regiert zeitliche Dinge, die sich ändern und wandeln: darum müssen sich die Rechte, so auf solche wandelbare Dinge gesetzt sind, auch ändern. Denn wo das Ding nicht mehr ist, darauf das Recht geordnet, so ist das Recht auch nichts mehr. Gleichwie die Stadt Rom jetzt nicht mehr die Stände und Wesen hat, die sie zuvor gehabt hat, darum sind die Rechte, so darauf geordnet gewesen, auch tot und gelten nichts mehr. Vergängliches Ding hat vergängliches Recht.
Aber in diesem Reich der Kirche heißt's also: Gottes Wort bleibt ewiglich (Jes. 40, 8); nach demselben muss man richten und nicht neue oder andere Gottes Worte machen, neue oder andere Artikel des Glaubens sehen. Darum sind Pfarrherr und Schulmeister die niedrigen, aber tägliche, bleibende, ewige Richter, die ohne Unterlass anathematisieren, das ist dem Teufel und seinem Toben wehren. Ein Konzil als ein großer Richter, muss alte, große Schälke fromm machen oder töten, kann aber keine anderen zeugen. Ein Pfarrherr und Schulmeister haben mit kleinen, jungen Schälken zu tun und zeugen immer neue Leute zu Bischöfen und zu Konzilien, wo es not ist. Ein Konzil haut die großen Äste ab an den Bäumen oder rottet die bösen Bäume ganz aus. Aber ein Pfarrherr und Schulmeister pflanzen und zeugen eitel junge Bäumlein und Würzsträuchlein in dem Garten.
sie haben ein köstliches Amt und Werk und sind die edelsten Kleinode der Kirche; sie erhalten die Kirche. Da= rum sollen alle Herren dazu tun, dass man Pfarrherr und Schulen erhielte. Denn wo wir die Konzilien ja nicht haben können, so sind die Pfarren und Schulen, wiewohl kleine, doch ewige und nützliche Konzilien.
Man sieht wohl, mit wie großem Ernst die alten Kaiser die Pfarren und Schulen gemeint haben, da sie so reichlich die Stifte begabt haben. Denn dass es erstlich Schulen gewesen sind, zeigen diese Namen: Probst, Dechant, Scholasticus, Kantor, Kanoniker, Vicarii Custos usw. Aber was ist daraus geworden? Ach Herr Gott! dass sie doch noch etwas tun wollten, blieben was sie sind, behielten was sie hätten, wären Fürsten und Herren, richteten aber wiederum Stunden an und zwängen die Domherren, Vicarien, Chorschüler, dass sie des Tages eine Lektion in der Heiligen Schrift hörten, damit es wieder, doch etlichermaßen, einer Schule Gestalt hätte, auf dass man Pfarrherrn und Bischöfe haben könnte und hülsen also die Kirchen regieren. Herr Gott, wie unermesslich groß Gutes könnten sie bei der Kirche tun,
und Gott würde ihnen ihren Reichtum oder Gewalt wohl gönnen und lassen, wo sie sonst ihr schändliches Leben auch besserten. Aber solch unser Seufzen und Klagen ist umsonst. Da ist kein Hören noch Sehen, sie lassen die Pfarren verwüsten und das Volk ohne Gottes Wort roh und wild werden. Ich hab's gehört von Leuten, denen ich glauben muss, dass in vielen Bistümern bei zweihundert, dreihundert, vierhundert gute Pfarren ledig stehen. Ist das nicht ein schreckliches, grausames Ding zu hören unter den Christen? Erbarm's Gott im Himmel und erhöre unser elendes Seufzen und Klagen! Amen.
Und dass wir auch einmal von den Konzilien kommen, halte ich, dass man hieraus wohl verstehen können sollte, was ein Konzil sei, was sein Recht, Macht, Amt und Werk sei, auch welche Konzilien rechte oder falsche Konzilien seien: nämlich, dass sie sollen gegen die neuen Artikel des Glaubens den alten Glauben bekennen und verteidigen und nicht neue Artikel des Glaubens gegen den alten Glauben setzen, auch nicht neue gute Werke gegen die alten guten Werke setzen, sondern die alten guten Werke gegen die neuen guten Werke verteidigen. Wiewohl wer den alten Glauben verteidigt gegen den neuen Glauben, der verteidigt auch die alten guten Werke gegen die neuen guten Werke. Denn wie der Glaube ist, so sind auch die Früchte oder guten Werke, ohne dass die zwei Konzilien solche Konsequenz nicht gesehen haben, sonst würden sie den Archimandriten Eutyches, nicht allein des Glaubens halber (welches sie ernstlich getan), sondern auch seiner Möncherei halber verdammt, welches sie nicht getan, sondern vielmehr bestätigt haben, damit bezeugt, dass sie selbst auch böse Dialectici, ein Antezedens geben, und das Konsequenz nicht geben, nach gemeiner Plage aller Welt, und eben den Fehl in guten Werken haben, den Nestorius und Eutyches im Glauben gehabt. Das ist so viel gesagt: Gott will uns nicht allein im Glauben zu Kindern machen, sondern auch in der Dialectica für Narren halten und als eitel Nestorius und Eutyches uns rechnen, damit er uns demütigen möchte. Denn ob Nestorius und Eutyches wohl in der Theologie verdammt sind, so bleibt doch ihre faule Dialectica allzeit in der Welt, wie sie von Anfang gewesen ist, dass man das Antezedens hält und Konsequenz lässt. Und was will man viel sagen? Wenn du alle Konzilien hast, so bist du dennoch dadurch kein Christ, sie geben zu wenig. Wenn du auch alle Väter hast, so geben sie dir auch nicht genug; du musst doch in die Heilige Schrift, darin es alles reichlich gegeben ist, oder in den Katechismus, da es kurz gegeben, und auch weit mehr, wie in allen Konzilien und Vätern gefunden wird.
Endlich, ein Konzil soll allein mit des Glaubens Sachen zu tun haben, und das, wenn der Glaube Not leidet. Denn öffentliche böse Werke kann man wohl daheim durch die weltliche Herrschaft, Pfarrherr, Eltern verdammen und die guten handhaben. Es gehören aber die falschen guten Werke auch zu des Glaubens Sachen, als die den rechten Glauben verderben; darum gehören sie auch, wo die Pfarrherrn zu schwach sind, ins Konzil. Wiewohl die Konzilien, wie gesagt, sich nicht damit bekümmert haben, ohne eins oder zwei kleine Konzilien, als das zu Gangra, davon droben gesagt ist. Die Zeremonien sollte man gar aus den Konzilien daheim in den Pfarren, ja in den Schulen lassen, dass der Schulmeister wäre Magister Ceremoniarum [Zeremonienmeister] neben dem Pfarrherrn. Denn von den Schülern lernen es die andern alle, ohne alle Aufsäße und Mühe.
Also, was, wann und wie die Schüler in der Kirche singen oder beten, so lernts der Hause hernach, und was sie über der Leiche oder beim Grabe singen, so lernen es die Andern auch: wenn sie niederknieen und die Hände falten, so der Schulmeister mit dem Stecken klopft unter dem Gesang: Et homo factus est [Und ist Mensch geworden (Nicänum)], so tut's der Haufe hernach; wenn sie die Hüte abziehen oder die Kniee beugen, so oft man den Namen Jesus Christus nennt, und was sie derselben christlichen Zucht und Gebärden mehr üben, das tut der Hause auch wohl ungepredigt hernach, als durch lebendige Exempel bewegt. Sind doch alle Zeremonien auch unter dem Papst aus den Schulen und Pfarren gekommen, ohne wo der Papst seine Tyrannei gesucht hat, mit Speise, Fasten, Feier usw. Doch, man muss hier auch auf die Masse sehen, dass der Zeremonien zuletzt nicht zu viel werden. Zuvor aber muss man darauf sehen, dass sie ja nicht als nötig zur Seligkeit geachtet werden, sondern allein zur äußerlichen Zucht und Ordnung dienen, die man alle Stunde ändern möge, und nicht für ewige Rechte (wie der Papstesel tut) in der Kirche geboten und mit tyrannischem Drohen in die Bücher verfasst werden. Denn es ist ganz und gar äußerliches, leibliches, vergängliches, wandelbares Ding.
Demnach hätten wir jetzt zu unserer Zeit wohl Sachen, die mehr denn wichtig und wert genug wären, ein Konzil zu sammeln. Denn wir armen, elenden, schwachgläubigen und leider rechten Misergi [μίσεργοι, arbeithassend], das ist faultätigen Christen, so noch übrig geblieben sind, hätten den Papst zu verklagen samt den Seinen um den Artikel S. Peters, davon droben gehört ist, dass es Gott versucht heiße, wo man die Gläubigen beladet mit unerträglichen Bürden, die weder wir noch unsere Vorfahren haben tragen können (sonderlich aber der Papst mit den Seinen nicht mit einem Finger anrühren will). Ap. Gesch. 15, 10. Wiewohl S. Petrus redet von Moses Gesetz, das Gott selbst geboten hat; aber der Papstesel hat uns mit seinen unflätigen, dreckigen und stinkenden Bürden unterdrückt, dass die heilige Kirche hat müssen sein heimliches Gemach sein und, was unten und oben von ihm gegangen ist, haben müssen für Gott anbeten: auch dass er hat nicht eine oder zwei, wie Arius und seines Gleichen, sondern die ganze christliche Kirche angesteckt und verbrannt damit, dass er den alten rechten Glaubensartikel S. Peters 2) zu Grund vertilgt hat, so viel an ihm gewesen ist. Denn, dass wir (wie S. Petrus zeugt) allein durch die Gnade Christi selig werden müssen, wie die ganze Christenheit von Anfang der Welt, alle Patriarchen, Propheten, Könige, Heiligen usw. geworden sind, das heißt er Ketzerei, und hat von Anfang denselben Artikel immer fort und fort verdammt, kann auch nicht aufhören.
Hier rufen wir und schreien um ein Konzil und bitten die ganze Christenheit um Rath und Hülfe gegen diesen Erzkirchenbrenner und Christenmörder, dass wir diesen Artikel S. Petri wiederkriegen möchten. Wir begehren aber also, dass man hierin keine Nestorische oder Eutychische Dialectica gebrauchen wollte, die ein Stück gibt oder bekennt, aber das Konsequenz oder andere Stück leugnet. Wir begehren den ganzen Artikel rund und rein, wie er von S. Peter gesetzt und von S. Paulus gelehrt ist, nämlich dass man dabei auch alles verdamme, was da folgt aus diesem Artikel verdammt sein, oder wie es S. Petrus nennt: die unerträgliche, unmögliche Last, und S. Augustinus: die unzählige Last, von Bischöfen auf die Kirche geladen. Denn was hilft's, wenn man schon das erste Stück zugibt, es sei wahr, dass wir allein durch die Gnade Christi gerecht und selig werden müssen, und doch das andere Stück nicht folgen lässt, das daraus folgen muss. Wie da S. Paulus sagt (Röm. 11, 6): Ist's Gnade, so ist's nicht Werk, sind's Werke, so ist's nicht Gnade; und S. Petrus: Ist's Gnade, so ist's die unerträgliche Last nicht; ist's die unerträgliche Last, so ist's nicht die Gnade Christi, welches heißt Gott versuchen. Auch S. Augustinus: Da Christus die Kirche mit wenig Zeremonien beschwert, ja vielmehr frei haben wollte, so hat er sie nicht von den unzähligen Lasten der Bischöfe unterdrückt haben wollen; dass die Kirche ärger daran ist, wie die Juden, welche von Gottes Gesetzen beschwert waren und nicht, wie die Kirche, von menschlichen, vermessenen, frevlelhaften Aufsätzen ausspricht.
Solche Dialectica des S. Petrus, S. Paulus, S. Augustinus wollen wir haben, die des Heiligen Geistes Dialectica ist, die es ganz gibt und nicht auf Nestorisch zerstückt, oder eins allein wahr sein lassen will und das andere, so aus demselben auch muss wahr sein, nicht wahr sein lassen will. Sonst wäre es gleich, wie von etlichen Königen Israel und Juda geschrieben ist, dass sie den rechten Gottesdienst wohl wiederum anrichteten, aber die Höhen oder andere Altäre und Gottesdienste nicht abtaten. Dieses heißt der Prophet Elia, in beide Teile hinken (1 Kön. 18, 21); wir Deutschen heißen's, zwei Schwäger mit einer Schwester machen wollen. Also wollten sie einem Volk zweierlei Gott geben, oder wenn sie fast reformierten, neben dem einigen Gott auch einen fremden, andern Gott bleiben lassen. Denn sie waren auch grobe Nestorische Dialectici, die da bekannten, man müsste allein Einen Gott anbeten, und doch nicht sahen, das daraus folgen müsste, auch nicht folgen ließen, dass alle anderen Götter ab sein müssten, oder sie könnten den einigen Gott nicht haben. Darum wollen wir in dem Konzil, von uns begehrt, keinen Nestor leiden, der uns eins gibt und das andere nimmt, mit welchem wir das auch nicht behalten können, das er gibt, und ist ein rechter Geber-Nehmer. Denn wo man uns gibt, dass allein die Gnade Christi uns selig mache, und nicht auch gibt die Folge und Nachdruck, dass die Werke uns nicht selig machen, sondern will behalten, dass Werke nötig sind zur Genugtuung oder zur Gerechtigkeit, so ist uns damit das Erste wieder genommen, das uns gegeben ist, nämlich dass allein die Gnade ohne Werke uns selig mache; so behalten wir nichts, und ist das Uebel ärger geworden.
Ich will Deutsch reden: Der Papst soll im Konzil nicht allein alle seine Tyrannei menschlicher Gebote abtun, sondern auch mit uns halten, dass auch die guten Werke, nach Gottes Geboten getan, nicht zur Gerechtigkeit helfen können, die Sünde zu vertilgen, Gottes Gnade zu erlangen, sondern allein der Glaube an Christus, der ein König der Gerechtigkeit in uns ist, durch sein teures Blut, Sterben und Auferstehen, damit er für uns die Sünde vertilgt, genug getan, Gott versöhnt und uns vom Tod, Zorn und Hölle erlöst hat. Darum soll er alle seine Bullen, Dekrete, Bücher vom Ablass, vom Fegefeuer, Klosterei, Heiligendienst, Wallfahrten, samt allen unzähligen Lügen und Abgöttereien, verdammen und verbrennen, weil sie stracks gegen diesen Artikel S. Peters toben, soll auch alles wiedergeben, was er damit erkauft, gestohlen, geraubt, geplündert oder erworben hat, sonderlich seinen erlogenen Primat, welchen er so nötig rühmt, dass niemand selig werden könne, wer ihm nicht untertan sei. Denn des Papstes Hut ist nicht für meine Sünde gestorben, heißt auch nicht Christus, und sind alle Christen vor ihm und unter ihm, ohne seinen Hut, heilig und selig geworden.
Dies ist ja, meine ich, eine Sache wichtig genug, darum man ein stattliches, scharfes, gewaltiges Konzil halten sollte. Hier sollten Kaiser und Könige zutun und den Papst, wo er nicht wollte, dazu zwingen, wie die Kaiser in den vier Hauptkonzilen getan haben. Es müssten aber nicht alle Bischöfe, Äbte, Mönche, Doktoren und des unnützen Hudelmanns Gesindlein und das große Geschleppe dahin kommen, sonst wird's ein solches Konzil, da man das erste Jahr zubringt mit der Ankunft, mit Zanken, welcher obenan sitzen, hinten oder vorn, gehen solle, das andere Jahr mit Prangen, Banketten, Rennen und Stechen, das dritte Jahr mit andern Sachen, oder auch mit Verbrennen, etwa eines Johann Hus oder zweier, und indes ein solche Unkost geschehe, dass man wohl einen Heerzug gegen den Türken damit halten möchte: sondern man müsste aus allen Landen die recht gründlich gelehrten Leute in der Heiligen Schrift fordern, die auch Gottes Ehre, den christlichen Glauben, die Kirche, der Seelen Heil und der Welt Friede mit Ernst und von Herzen meinten. Darunter etliche von weltlichem Stande (denn es geht sie auch an), die auch verständig und treuherzig wären. So wenn Herr Hans von Schwarzenberg lebte, dem wüsste man zu vertrauen, oder seines Gleichen. Und wäre genug, wenn ihrer alle über dreihundert wären, auserlesene Leute, da man Land und Leute auf sehen möchte: gleichwie das erste Konzil, welches aus allen Landen, so jetzt der Türke und unsere Monarchen haben, nicht mehr als dreihundert und achtzehn hatte, und dennoch wohl siebzehn falsche und Arianer waren; das andere zu Konstantinopel hatte hundert und fünfzig; das dritte zu Ephesus zweihundert; das vierte zu Chalcedon sechshundert und dreißig, schier so viel als die andern alle, und waren doch gar ungleich den Vätern zu Nicäa und Konstantinopel.
Man müsste auch nicht aller Lande Sachen, die sonst niemand richten kann oder will, auch alte, verweste, böse Händel aufraffen und alles dem Konzil auf den Hals schütten. Ein Constantinus müsste da sein, der solche Sachen aufraffte und alle ins Feuer würfe, hieße dieselben daheim in Ländern richten und entscheiden lassen; sondern hieße sie zur Sache greifen und aufs förderlichste davon kommen. Auda würde denn des Papstes Ketzerei, ja Gräuel, stückweis öffentlich gelesen, wie es alles gegen S. Peters Artikel, und gegen den alten rechten Glauben der Kirche, so von Anfang der Welt S. Peters Artikel gehalten hat, erfunden ist, und flugs verdammt usw.
Ja, sprichst du, solches Konzil ist nimmermehr zu hoffen. Das denke ich selber auch wohl. Aber wenn man denn will davon reden und ein Konzil begehren oder wünschen, so müsste man ein solches wünschen, oder lasse es ganz fahren und wünsche keines, man schweige mutterstille. Denn ein solches ist gewesen das erste zu Nicäa, und das andere zu Konstantinopel; welchen Exempeln ja billig zu folgen wäre. Und ich zeige es darum an, dass Kaiser und Könige, weil sie Christen sind, schuldig wären, ein solches Konzil zu sammeln zur Rettung vieler tausend Seelen, die der Papst mit seiner Tyrannei und Scheu des Konzils (so viel an ihm ist) verderben lässt, die alle wohl durch ein Konzil wieder zu S. Peters Artikel und zum rechten alten christlichen Glauben kommen könnten, und sonst verloren werden müssen. Denn sie können diese Lehre S. Peters nicht kriegen, weil sie nichts davon hören noch sehen.
Und ob andere Monarchen nicht tun wollten zum Hauptkonzil, so könnte dennoch Kaiser Carl und die deutschen Fürsten wohl ein Provincial [Provinzkonzil] halten in deutschen Landen. Und dass Etliche meinen, es würde ein Schisma [Spaltung] draus: wer weiß denn auch, wenn wir das Unsere dazu täten und Gottes Ehre und der Seelen Heil mit Ernst suchten, Gott könnte noch wohl der andern Monarchen Herz kehren und wenden, dass sie mit der Zeit solches Konzils Urteil loben und annehmen würden. Denn plötzlich könnte es nicht geschehen. Aber wenn's Deutschland annähme, so müsste es in anderen Landen auch erschallen, dahin es ohne solchen großen Prediger, als das Konzil ist, und eine starke Stimme hat, die man fern hört, nicht kann oder schwerlich kommen kann.
Wohlan, müssen wir denn an einem Konzil verzweifeln, so sei es dem rechten Richter, unserm barmherzigen Gott befohlen. Indes wollen wir die kleinen Konzilien und die jungen Konzilien, das ist, Pfarren und Schulen fördern und S. Peters Artikel auf alle mögliche Weise treiben und erhalten lassen gegen alle verdammten neuen Artikel des Glaubens und neuer guten Werke, so der Papst in die Welt geschwemmt hat. Ich will mich trösten, wenn ich die Kinder in Bischofslarven gehen sehe, und denken, dass solche Spielbischöfe Gott zu rechten Bischöfen macht und machen wird, wiederum, die, so rechte Bischöfe sein sollten nach ihrem Namen, für eitel Spielbischöfe und Spötter seiner Majestät halte, wie Moses sagt (5. Mose 32, 21): Ich will sie erzürnen mit dem, was nicht mein Volk ist, und mit einem Narrenvolk erbittern, darum dass sie mich erzürnt haben mit dem, das nicht Gott ist. Es ist nicht sein Erstes, dass er Bischöfe verwirft, er hat's im Hosea (Kap. 4, 6) gedroht: Du wirsst die Lehre weg, so will ich dich wieder wegwerfen, dass du nicht mein Priester seiest. Et factum est ita, et fit ita [Und so ist es geschehen und geschieht noch].
Das sei genug von den Konzilien, wollen nun von der Kirche am Ende auch reden.
Der dritte Teil
Gleichwie sie von den Vätern und Konzilien schreien und nicht wissen, was Väter und Konzilien sind, allein mit den ledigen Buchstaben uns übertäuben wollen: also schreien sie auch von der Kirche. Aber dass sie sagen sollten, was doch, wer doch, wo doch die Kirche sei, da täten sie so viel Dienstes nicht, weder der Kirche noch Gotte, dass sie danach fragten oder trachteten. Gern haben sie es, dass man sie für die Kirche halte, als Papst, Kardinäle, Bischöfe, und ließe sie doch unter diesem herrlichen Namen eitel Teufelsschüler sein, die nichts denn eitel Büberei und Schalkheit üben möchten.
Wohlan, hintenan gesetzt mancherlei Schriften und Teilung des Wortes Kirche, wollen wir diesmal einfältig bei dem Kinderglauben bleiben, der da sagt: Ich glaube eine heilige, christliche Kirche, Gemeinschaft der Heiligen. Da deutet der Glaube klar, was die Kirche sei, nämlich eine Gemeinschaft der Heiligen, das ist ein Haus oder Sammlung solcher Leute, die Christen und heilig sind; das heißt ein christlicher, heiliger Haufe oder Kirche. Aber dies Wort Kirche ist bei uns zumal undeutsch und gibt den Sinn oder Gedanken nicht, den man aus dem Artikel nehmen muss.
Denn Apg. 19, 39. 41 heißt der Kanzler Ecclesia die Gemeinde oder das Volk, so zu Haus auf den Markt gelaufen war, und spricht: Man mag's in einer ordentlichen Gemeinde ausrichten. Weiter: Da er das gesagt, ließ er die Gemeinde gehen. An diesen und mehr Orten heißt Ecclesia oder Kirche nichts anders, denn ein versammeltes Volk, ob sie wohl Heiden und nicht Christen waren; gleichwie die Ratsherren ihre Gemeinde aufs Rathaus fordern. Nun sind in der Welt mancherlei Völker; aber die Christen sind ein besonderes, berufenes Volk, und heißen nicht schlechthin Ecclesia, Kirche oder Volk, sondern Sancta, Catholica, Christiana [heilige, allgemeine, christliche], das ist ein christliches, heiliges Volk, das da glaubt an Christus, darum es ein christliches Volk heißt, und hat den heiligen Geist, der sie täglich heiligt, nicht allein durch die Vergebung der Sünden, so Christus ihnen erworben hat (wie die Antinomer [Gegner des dritten Gebrauchs des Gesetzes für die Christen] narren), sondern auch durch Abtun, Ausfegen und Töten der Sünden, davon sie ein heiliges Volk heißen. Und ist nun die heilige, christliche Kirche so viel als ein Volk, das Christen und heilig ist, oder wie man auch zu reden pflegt, die heilige Christenheit, oder die ganze Christenheit. Im Alten Testament heißt es Gottes Volk.
Und wären im Kinderglauben solche Worte gebraucht worden, ich glaube, dass da sei ein christliches, heiliges Volk, so wäre aller Jammer leicht zu vermeiden gewesen, der unter dem blinden, undeutlichen Wort „Kirche“ eingerissen ist. Denn das Wort: christliches, heiliges Volk, hätte klar und gewaltig mit sich gebracht beides, Verstand und Urteil, was Kirche oder nicht Kirche wäre. Denn wer da dies Wort gehört hätte: christlich heilig Volk, der hätte flugs urteilen können: der Papst ist kein Volk, vielweniger ein heiliges, christliches Volk. Also auch die Bischöfe, Pfaffen und Mönche, die sind kein heiliges, christliches Volk; denn sie glauben nicht an Christus, leben auch nicht heilig, sondern sind des Teufels böses, schändliches Volk. Denn wer nicht recht an Christus glaubt, der ist nicht christlich oder ein Christ. Wer den heiligen Geist nicht hat gegen die Sünde, der ist nicht heilig. Darum können sie nicht ein christliches, heiliges Volk sein, das ist Sancta et Catholica Ecclesia.
Aber weil wir dies blinde Wort „Kirche“ im Kinderglauben gebrauchen, fällt der gemeine Mann auf das steinerne Haus, so man Kirche nennt, wie es die Maler malen; oder gerät es wohl, so malen sie die Apostel, Jünger und die Mutter Gottes, wie auf dem Pfingsttag, und den heiligen Geist oben über schwebend. Das geht noch hin; aber das ist nur einer Zeit heiliges, christliches Volk, als im Anfang. Aber Ecclesia soll heißen das heilige, christliche Volk nicht allein zur Apostel Zeit, die nun längst tot sind, sondern bis an der Welt Ende. Dass also immerdar auf Erden im Leben sei ein christliches, heiliges Volk, in welchem Christus lebt, wirkt und regiert per redemtionem, durch Gnade und Vergebung der Sünden, und der Heilige Geist per vivificationem et sanctificationem, durch tägliches Ausfegen der Sünden und Erneuerung des Lebens, dass wir nicht in Sünden bleiben, sondern ein neues Leben führen können und sollen in allerlei guten Werken und nicht in alten bösen Werken, wie die zehn Gebote oder zwei Tafeln Moses fordern, das ist S. Paulus Lehre. Aber der Papst mit den Seinen hat beides, Namen und Gemälde der Kirche, allein auf sich und auf seinen schändlichen, verfluchten Haufen gezogen unter dem blinden Wort Ecclesia, Kirche 20.
Aber doch geben sie sich selbst den rechten Namen, wenn sie sich Ecclesia nennen (so wir recht deuten sollen, dass sich's mit ihrem Wesen reime) oder Romana oder Sancta und nicht dazu tun (wie sie auch nicht können) Catholica. Denn Ecclesia heißt ein Volk; das sind sie, gleichwie der Türke auch Ecclesia, ein Volk ist. Ecclesia romana, heißt ein römisches Volk; das sind sie auch, und wahrlich viel römischer, denn die Heiden vor Zeiten römisch gewesen sind. Ecclesia romana sancta, heißt ein heiliges, römisches Volk; das sind sie auch, denn sie haben gar eine viel größere Heiligkeit erfunden, als der Christen Heiligkeit ist oder das heilige, christliche Volk hat. Denn ihre Heiligkeit ist eine römische Heiligkeit, Romanae Ecclesiae, des römischen Volkes Heiligkeit, und sie heißen nun auch Sanctissimi, sacrosancti, die Allerheiligsten; wie Virgil redet: sacra fames, sacra hostia [heiliger Hunger, heiliges Opfer], und Plautus: omnium sacerrimus [von allen der Heiligste]; denn christliche Heiligkeit können sie nicht leiden. Darum können sie den Namen christliche Kirche oder christliches Volk nicht haben, auch aus der Ursache, dass christliche Kirche und christliche Heiligkeit ein gemeiner Name und allen Kirchen und Christen in der Welt gemeines Ding ist. Daher nennt man es Catholicum. Sie aber achten solchen gemeinen Namen und Heiligkeit gering und fast nichts; dafür haben sie erdacht eine besondere, höhere, andere, bessere Heiligkeit vor andern, die soll heißen Sanctitas Romana et Ecclesiae Romanae sanctitas, das ist römische Heiligkeit und des römischen Volkes Heiligkeit.
Denn christliche Heiligkeit oder gemeiner Christenheit Heiligkeit ist die, wenn der Heilige Geist den Leuten Glauben gibt an Christus und sie dadurch heiligt, Apg. 15, 9, das ist, er macht neues Herz, Seele, Leib, Werk und Wesen, und schreibt die Gebote Gottes nicht in steinerne Tafeln, sondern in fleischliche Herzen, 2. Kor. 3, 3. Also, dass ich's gröblich rede: nach der ersten Tafel gibt er rechte Erkenntnis Gottes, dass sie, von ihm erleuchtet, mit rechtem Glauben, allen Ketzereien gegenstehen, alle falschen Gedanken und Irrtümer überwinden können und damit rein im Glauben gegen den Teufel bleiben. Er gibt auch Stärke und tröstet die blöden, verzagten, schwachen Gewissen gegen das Anklagen und Anfechtung der Sünden, damit die Seelen nicht verzagen oder verzweifeln, auch nicht erschrecken vor der Marter, Pein, Tod, Zorn und Gericht Gottes, sondern, in der Hoffnung gestärkt und getrost, kecklich und fröhlich den Teufel überwinden. Also gibt er auch rechte Furcht und Liebe gegen Gott, dass wir Gott nicht verachten und gegen seine wunderlichen Gerichte nicht murren noch zürnen, sondern in allem, was vorfällt, Gutes oder Böses, ihn lieben, loben, danken und ehren. Solches heißt ein neues, heiliges Leben in der Seele, nach der ersten Tafel Moses. Man heißt's auch tres virtutes Theologicas, die drei Haupttugenden der Christen, als Glaube, Hoffnung, Liebe (1. Kor. 13, 13), und der Heilige Geist, der solches, uns von Christus erworben, gibt, tut und wirkt, heißt darum Sanctificator oder Vivificator [Heilig- oder Lebendigmacher]. Denn der alte Adam ist tot und kann's nicht tun und muss es dazu noch durchs Gesetz lernen, dass er's nicht tun könnte und tot sei; sonst wüsste er solches auch nicht von sich selbst.
In der anderen Tafel und nach dem Leib heiligt er die Christen auch und gibt, dass sie willig den Eltern und Oberherren gehorsam sind, friedlich, demütig sich halten, nicht zornig, noch rachgierig oder boshaft, sondern geduldig, freundlich, dienstlich, brüderlich, lieblich sind, nicht unkeusch, Ehebrecher, unzüchtig, sondern keusch, züchtig, mit Weib, Kind und Gesind oder ohne Frau und Kind. Also fort: nicht stehlen, wuchern, geizen, übervorteilen usw., sondern ehrlich arbeiten, sich redlich nähren, gern leihen, geben, helfen, wo sie können, also nicht lügen, trügen, afterreden, sondern gütig, wahrhaftig, treu und beständig sind, und was mehr in den Geboten Gottes gefordert wird. Solches tut der Heilige Geist, der heiligt und erweckt auch den Leib zu solchem neuen Leben, bis es vollbracht werde in jenem Leben. Und das heißt die christliche Heiligkeit. Und solche Leute müssen immer auf Erden sein, und sollten es gleich nur zwei oder drei, oder allein die Kinder sein. Der Alten sind leider wenig. Und welche es nicht sind, die sollen sich nicht für Christen rechnen, man soll sie auch nicht trösten, als seien sie Christen, durch viel Geplauder von der Vergebung der Sünden und Gnade Christi, wie die Antinomer tun.
Denn dieselben, nachdem sie die zehn Gebote verwerfen und nicht verstehen, predigen sie dieweil von der Gnade Christi viel, stärken aber und trösten diejenigen, so in Sünden bleiben, dass sie sich nicht fürchten noch erschrecken sollen vor den Sünden, denn sie sind alle weg durch Christus: und sehen und lassen gleichwohl die Leute in öffentlichen Sünden gehen, ohne alle Neuerung oder Besserung ihres Lebens. Daraus merkt man wohl, dass sie wahrlich auch den Glauben und Christus nicht recht verstehen und eben damit aufheben, da sie ihn predigen. Denn wie kann der recht von den Werken des Heiligen Geistes in der ersten Tafel, von Trost, Gnade, Vergebung der Sünden reden, wer die Werke des Heiligen Geistes in der andern Tafel nicht achtet, noch treibt, welche er verstehen kann und erfahren, jene aber nie versucht noch erfahren hat. Darum ist's gewiss, dass sie weder Christus noch den heiligen Geist haben oder verstehen und ihr Geschwätz lauter Schaum auf der Zunge ist und, wie gesagt, rechte Nestorier und Eutyches' sind, die Christus bekennen oder lehren in Antecedenti, in der Substanz, und doch leugnen in Consequenti oder Idiomaten, das ist, sie lehren Christus und vertilgen Christus, indem sie ihn lehren.
Nun, das ist von der christlichen Heiligkeit gesagt; die will der Papst nicht haben, eine besondere muss er haben, die viel heiliger ist, nämlich, dass man Casel [Messgewand], Platten, Kappen, Kleider, Speise, Fest, Tage, Möncherei, Nonnerei, Messen, Heiligendienst und andere mehr unzählige Stücke von äußerlichen, leiblichen, vergänglichen Dingen lehren soll. Ob man darunter lebe ohne Glauben, Gottesfurcht, Hoffnung, Liebe und was der Heilige Geist nach der ersten Tafel wirkt, sondern dafür Missglaube, ungewisse Herzen, zweifeln, Gottesverachtung, Ungeduld gegen Gott, falsches Vertrauen Christi noch auf sein Verdienst, sondern selbst durch Werke auf Werke (das ist Abgötterei) und nicht auf die Gnade genugtun, auch andern verkaufen die Übermaß [„Überschuss“ guter Werke], dafür aller Welt Gut und Geld nehmen, als wohl verdient: solches alles hindert nicht, kann gleichwohl heiliger sein wie die christliche Heiligkeit selbst ist.
Also in der andern Tafel schadet's nichts, dass sie Ungehorsam gegen die Eltern und Oberherren lehren, selbst morden, kriegen, hetzen, neiden, hassen, rächen, unkeusch sind, lügen, stehlen, wuchern, täuschen und alle Büberei treiben aufs Höchste: Wirf nur ein Chorhemd über den Kopf, so bist du heilig, nach der römischen Kirche Heiligkeit, kannst wohl selig werden, ohne die christliche Heiligkeit. Aber wir wollen der unflätigen Leute müßig gehen, es ist doch vergeblich, was wir an ihnen tun. Venit ira Dei super eos in finem [Gekommen ist über sie der Zorn Gottes zum Ende], wie S. Paulus sagt (1. Thess. 2, 16) und mit uns reden von der Kirche.
Wohlan, der Kinderglaube lehrt uns, wie gesagt, dass ein christliches, heiliges Volk auf Erden sein und bleiben müsse bis an der Welt Ende. Denn es ist ein Artikel des Glaubens, der nicht aufhören kann, bis da kommt, was er glaubt, wie Christus verheißt (Matth. 28, 20): Ich bin bei euch bis zur Welt Ende. Wobei will oder kann doch ein armer, irriger Mensch merken, wo solch christliches, heiliges Volk in der Welt ist? Es soll ja in diesem Leben und auf Erden sein: denn es glaubt wohl, dass ein himmlisches Wesen und ewiges Leben kommen werde, es hat's aber noch nicht; darum muss es noch in diesem Leben und in dieser Welt sein und bleiben bis zur Welt Ende. Denn es spricht: Ich glaube ein anderes Leben; damit bekennt es, dass es noch nicht sei in demselben Leben, sondern glaubt, hofft und liebt's als sein rechtes Vaterland und Leben, muss dieweil im Elende [in der Fremde] bleiben und harren, wie man singt im Liede vom heiligen Geist: Wenn wir heimfahren aus diesem Elende, Kyrieleis. Davon ist zu reden.
Erstlich ist dies christliche heilige Volk dabei zu erkennen, wo es hat das heilige Gottes Wort. Wiewohl dasselbe ungleich zugeht, wie S. Paulus sagt (1. Kor. 3, 12. 13). Etliche haben's ganz rein, Etliche nicht ganz rein. Die, so es rein haben, heißen die, so Gold, Silber, Edelstein auf den Grund bauen; die es unrein haben, heißen die, so Heu, Stroh, Holz auf den Grund bauen, doch durchs Feuer selig werden, davon auch droben gesagt ist mehr denn genug. Dies ist das Hauptstück und das hohe Hauptheiligtum, davon das christliche Volk heilig heißt. Denn Gottes Wort ist heilig und heiligt alles, was es rührt, ja es ist Gottes Heiligkeit selbst, Röm. 1, 16: Es ist Gottes Kraft, die selig macht alle, die daran glauben; und 1. Tim. 4, 5: Es wird alles heilig durchs Wort und Gebet. Denn der Heilige Geist führt es selbst und salbt oder heiligt die Kirche, das ist das christliche heilige Volk, damit und nicht mit dem Chresem [Salböl] des Papstes, damit er Finger, Kleider, Röcke, Kelch und Steine salbt oder heiligt. Denn diese Stücke lernen nimmermehr Gott lieben, glauben, loben, fromm sein. Schmücken mögen sie den Madensack [zur Verwesung bestimmter menschlicher Leib], darnach zerreißen und verfaulen, mit Chresem und Heiligkeit so viel daran ist, samt dem Madensack.
Aber dies Heiligtum ist das rechte Heiligtum, die rechte Salbe, so zum ewigen Leben salbt, wenn du schon keine Papsteskrone noch Bischofshut haben kannst, sondern bloßen, nackten Leibes leben und sterben müssest; gleichwie die Kindlein (und wir alle) nackt und ohne allen Schmuck getauft werden. Wir reden aber von dem äußerlichen Wort, durch Menschen als durch dich und mich mündlich gepredigt. Denn solches hat Christus hinter sich gelassen als ein äußerliches Zeichen, dabei man seine Kirche erkennen sollte oder sein christliches heiliges Volk in der Welt. Auch reden wir von solchem mündlichen Wort, da es mit Ernst geglaubt und öffentlich bekannt wird vor der Welt, wie er spricht (Matth. 10, 32.33; Marc. 8,38): Wer mich bekennt vor den Leuten, den will ich bekennen vor meinem Vater und seinen Engeln. Denn viele sind, die es wohl heimlich wissen, aber wollen's nicht bekennen. Viele haben's, die aber nicht daran glauben oder darnach tun. Denn wenige sind ihrer, die daran glauben und darnach tun. Wie das Gleichnis von dem Samen, Matth. 13, sagt, dass es drei Theile Ackers wohl kriegen und haben, aber allein der vierte Theil, der seine, gute Acker, Frucht bringt in Geduld.
Wo du nun solches Wort hörst oder siehst predigen, glauben, bekennen und darnach tun, da habe keinen Zweifel, dass gewiss daselbst sein muss eine rechte Ecclesia sancta catholica, ein christliches heiliges Volk (1. Petr. 2, 9), wenn ihrer gleich sehr wenige sind. Denn Gottes Wort geht nicht ledig ab, Jesaia 55, 11, sondern muss zum wenigsten ein Viertheil oder Stück vom Acker haben. Und wenn sonst kein Zeichen wäre denn dies allein, so wäre es dennoch genugsam zu weisen, dass daselbst ein christliches heiliges Volk sein müsste. Denn Gottes Wort kann nicht ohne Gottes Volk sein. Wiederum Gottes Volk kann nicht ohne Gottes Wort sein. Wer wollt's sonst predigen oder predigen hören, wo kein Volk Gottes da wäre? Und was könnte oder wollte Gottes Volk glauben, wo Gottes Wort nicht da wäre?
Und dies ist das Stück, so alle Wunder tut, alles zurecht bringt, alles erhält, alles ausrichtet, alles tut, alle Teufel austreibt, als Wallfahrtsteufel, Ablassteufel, Bullenteufel, Bruderschaftsteufel, Heiligenteufel, Messeteufel, Fegfeuersteufel, Klösterteufel, Pfaffenteufel, Rottenteufel, Aufruhrteufel, Ketzerteufel, alle Papstesteufel, auch Antinomerteufel; doch nicht ohne Geschrei und Gezerre, wie er in den armen Menschen zeigt, Marc. 1, 23. 26; 9, 26. Nein, er muss ein Geschrei und Reißen hinter sich lassen, wenn er - ausfahren soll, wie man sieht an Emser, Eck, Rotzlöffel [gemeint ist Cochläus, Löffel heißt auf Latein cochlear], - Schmid, Wezel , Tölpel, Knebel, Filz, Rülz, Sau, Esel und dergleichen seinen Schreiern und Schreibern, die sind alle des Teufels Maul und Glieder, durch welche er so schreit und reißt; hilft ihnen aber nicht, er muss heraus und kann die Kraft des Wortes nicht leiden. Denn sie selbst bekennen, dass es wohl Gottes Wort und die heilige Schrift sei, aber aus den Vätern und Concilien kann man's besser haben. Die lass fahren; es ist genug, dass wir wissen, wie das Hauptstück, Hauptheiligtum zeugt, hält, nährt, stärkt und schützt die Kirche, wie S. Augustinus auch sagt: Ecclesia verbo Dei generatur, alitur, nutritur, roboratur [Die Kirche wird durch das Wort Gottes erzeugt, erhalten, ernährt und gestärkt.]. Wer aber die sind, so es verfolgen und verdammen, die nennen sich selbst, durch ihre eigenen Früchte.
Zum anderen kennt man Gottes Volk, oder das christliche heilige Volk, an dem heiligen Sakrament der Taufe, wo es recht nach Christus Ordnung gelehrt, geglaubt und gebraucht wird. Denn das ist auch ein öffentliches Zeichen und köstliches Heiltum [Heiligtum], dadurch Gottes Volk geheiligt wird. Denn es ist ein heiliges Bad der neuen Geburt durch den heiligen Geist (Tit. 3, 5), darin wir baden und vom heiligen Geist gewaschen werden von Sünden und Tod, als in dem unschuldigen, heiligen Blut des Lämmleins Gottes. Wo du solches Zeichen siehst, da wisse, dass gewiss die Kirche oder das heilige, christliche Volk da sein muss, unangesehen, ob dich der Papst nicht tauft oder du nichts von seiner Heiligkeit und Gewalt wissest: gleichwie die jungen Kindlein nichts davon wissen. Nur dass, wenn sie erwachsen, sie leider von ihrer Taufe verführt werden, wie S. Petrus klagt, 2. Petr. 2, 18: reizen durch Unzucht diejenigen, so recht entronnen waren und nun im Irrtum wandeln usw. Ja, es soll dich auch nicht irren, wer der Täufer sei. Denn die Taufe ist nicht des Täufers, noch ihm gegeben, sondern des Täuflings, der getauft wird, dem sie von Gott gestiftet und gegeben ist, gleichwie das Wort Gottes ist nicht des Predigers (er wolle denn selbst auch mit hören und glauben), sondern des Jüngers, der es hört und glaubt, demselben ist's gegeben.
Zum dritten kennt man Gottes Volk oder ein christliches, heiliges Volk an dem heiligen Sakrament des Altars, wo es recht nach Christus Einsehung gereicht, geglaubt und empfangen wird. Denn es ist auch ein öffentliches Zeichen und teures Heiltum, von Christus hinter sich gelassen, dadurch sein Volk geheiligt wird, damit es sich auch übt und öffentlich bekennt, dass es Christen sei, wie es tut mit dem Wort und mit der Taufe. Und darfst hier auch nichts achten, ob der Papst nicht für dich Messe hält, dich weiht, firmelt oder salbt oder Messgewand anzieht. Du kannst's wohl ohne alle Kleider (wie in einem Bette krank) empfangen, nur dass die äußerliche Zucht zwingt, sich züchtig und ehrlich zu decken; darfst auch hierin nichts fragen, ob du eine Platte hast oder gechresemt [gesalbt] seiest; dazu nicht disputieren, ob du Mannsbild oder Weibsbild, jung oder alt seiest, so wenig du nach solchem allen fragst in der Taufe und Predigt: es ist genug, dass du geweiht und gechresemt seiest mit dem hohen, heiligen Chresem Gottes, des Wortes Gottes und der Taufe, auch dieses Sakraments; da bist du hoch und herrlich genug gesalbt und priesterlich gekleidet. Irre dich auch nicht, wie heilig der Mann oder ob er zweiweibig sei oder nicht, der dir's reicht. Denn das Sakrament ist nicht dessen, der es reicht, sondern dessen, dem es gereicht wird. Ohne dass er's selbst auch mitnimmt. Alsdann ist er der einer, die es empfangen, und wird damit auch ihm gegeben.
Wo du nun solches Sakrament in rechtem Brauch gereicht siehst, da wisse gewiß, dass Gottes Volk sei. Denn wie droben vom Wort gesagt, wo Gottes Wort ist, da muss die Kirche sein: So auch, wo die Taufe und Sakrament [hier: Abendmahl] sind, muss Gottes Volk sein; und wiederum [umgekehrt]. Denn solche Heiltumsstücke hat, gibt, übt, gebraucht, bekennt niemand als allein Gottes Volk, ob gleich etliche falsche und ungläubige Christen heimlich darunter sind; aber dieselben entheiligen nicht das Volk Gottes, sonderlich weil sie heimlich sind: denn die offenbaren leidet nicht die Kirche oder Gottes Volk unter sich, sondern straft und heiligt sie auch, oder, wo sie nicht wollen, stößt sie aus durch den Bann von dem Heiltum und hält sie für Heiden, Matth. 18, 17.
Zum vierten kennt man das Gottesvolk oder heilige Christen an den Schlüsseln, die sie öffentlich brauchen. Das ist, wie Christus Matth. 18, 15. 16 setzt, wo ein Christ sündigt, dass derselbe gestraft werden solle, und so er sich nicht bessert, soll er gebunden und verstoßen werden: bessert er sich, so soll er losgesprochen werden. Das sind die Schlüssel. Nun ist der Schlüssel Brauch zweierlei, öffentlich und sonderlich. Denn es sind etliche so blöde und verzagt im Gewissen, wenn sie schon nicht öffentlich verdammt sind, dass sie dennoch nicht sich trösten können, bis sie insonderheit vom Pfarrer eine Absolution kriegen. Wiederum auch sind etliche so hart, dass sie auch im Herzen und vor dem Pfarrer in geheim [Privatbeichte oder Ermahnung] nicht wollen vergeben noch ablassen von Sünden. Darum muss der Schlüssel Brauch gehen auf allerlei Weise, öffentlich und besonders. Wo du nun siehst, dass man Sünde vergibt oder straft an etlichen Personen, es sei öffentlich oder sonderlich, da wisse, dass Gottes Volk da sei. Denn wo nicht Gottes Volk ist, da sind die Schlüssel nicht, und wo die Schlüssel nicht sind, da ist Gottes Volk nicht. Denn Christus hat sie darum hinter sich gelassen, dass ein öffentliches Zeichen und Heiltum sein sollte, dadurch der Heilige Geist (aus Christus Sterben erworben) die gefallenen Sünder wieder heiligt, und die Christen damit bekennten, dass sie ein heiliges Volk sind unter Christus in dieser Welt. Und welche sich nicht bekehren wollten, noch wieder heiligen lassen, dass dieselben ausgestoßen wurden von solchem heiligen Volk, das ist gebunden und durch den Schlüssel ausgeschlossen wurden, wie den unbußfertigen Antinomern geschehen wird.
Hier musst du dich nicht an die zwei Schlüssel des Papstes kehren, die er gemacht hat zu zwei Dietrichen zu aller Könige Kasten und Kronen. Denn wo er die Sünde nicht binden oder strafen will, sie sei öffentlich oder sonderlich (wie er denn tut), so lasse sie in deiner Pfarre gestraft und gebunden sein. Wenn er sie nicht lösen noch vergeben will, so lass sie in deiner Pfarre los und vergeben sein. Denn sein Reservieren oder Binden, sein Laxieren oder Erlauben entheiligt noch heiligt dich, weil er nicht die Schlüssel haben kann, sondern lauter Dietriche hat. Die Schlüssel sind nicht des Papstes (wie er lügt), sondern der Kirche, das ist des Volks Christi, des Volks Gottes oder des heiligen, christlichen Volks, so weit die ganze Welt ist, oder wo Christen sind. Denn sie können nicht alle zu Rom sein. Es wäre denn zuvor die ganze Welt zu Rom, das noch lange nicht geschehen wird. Gleichwie die Taufe, Sakrament, Gottes Wort nicht des Papstes, sondern des Volks Christi sind, und heißen auch claves Ecclesiae, nicht claves Papae [Schlüssel der Kirche, nicht Schlüssel des Papstes].
Zum fünften kennt man die Kirche äußerlich dabei, dass sie Kirchendiener weiht oder beruft, oder Ämter hat, die sie bestellen soll. Denn man muss Bischöfe, Pfarrer oder Prediger haben, die öffentlich und sonderlich die obgenannten vier Stücke oder Heiltümer geben, reichen und üben, von wegen und im Namen der Kirche, vielmehr aber aus Einsetzung Christi, wie S. Paulus Eph. 4, 11 sagt: Accepit dona in hominibus [Er hat den Menschen Gaben gegeben]: Er hat gegeben etliche zu Aposteln, Propheten, Evangelisten, Lehrern, Regierern usw. Denn der Haufe im Ganzen kann solches nicht tun, sondern müssen's einem befehlen oder befohlen sein lassen. Was wollte sonst werden, wenn ein Jeglicher reden oder reichen wollte, und keiner dem andern weichen. Es muss einem allein befohlen werden, und ihn allein lassen predigen, taufen, absolvieren und Sakramente reichen; die andern alle dessen zufrieden sein und darein willigen. Wo du nun solches siehst, da sei gewiss, dass da Gottes Volk und das christliche, heilige Volk sei.
Wahr ist's aber, dass in diesem Stück der Heilige Geist Frauen, Kinder und untüchtige Leute ausgenommen hat, sondern allein tüchtige Mannspersonen hierzu erwählt (ausgenommen die Not), wie man das liest in des S. Paulus Episteln hin und wieder, dass ein Bischof soll lehrhaftig, fromm und einer Frau Mann sein, 1. Tim. 3, 2 und 1. Kor. 14, 34: eine Frau soll nicht im Volk lehren; Summa, es soll ein geschickter, auserwählter Mann sein, dahin Kinder, Weiber und andere Personen nicht tüchtig, ob sie wohl tüchtig sind, Gottes Wort zu hören, Taufe, Sakrament, Absolution zu empfangen, und rechte, heilige Christen mit sind, wie S. Petrus (1. Epist. 3, 7) sagt. Denn solchen Unterschied gibt auch die Natur und Gottes Kreatur, dass Weiber (viel weniger Kinder oder Narren) kein Regiment haben können noch sollen, wie die Erfahrung gibt, und Moses, 1. Mos. 3, 16 spricht: Du sollst dem Manne untertan sein. Das Evangelium aber hebt solches natürliches Recht nicht auf, sondern bestätigt es als Gottes Ordnung und Geschöpf.
Hier wird der Papst mir einreden durch seine Schreimäuler und Teufelsreißer: S. Paulus sagt nicht allein von Pfarrherrn und Predigern, sondern auch von Aposteln, Evangelisten, Propheten und anderen hohen geistlichen Ständen, darum müssen ja höhere Stände in der Kirche sein, denn die Pfarrherrn und Prediger sind. Wo nun hin, Domine [Herr] Luther? Wo soll ich hin? Da will ich hin: wenn sie nun selbst Apostel, Evangelisten, Propheten werden, oder mir einen zeigen, ach was narre ich! wenn sie mir einen zeigen unter ihnen, der eines Schülers wert ist in der Schule oder so viel könne in der christlichen Lehre und heiliger Schrift, als ein Maidlein von sieben Jahren, so will ich mich gefangen geben. Nun weiß ich fürwahr, dass ein Apostel, Evangelist, Prophet mehr oder ja so viel kann, als ein Maidlein von sieben Jahren (ich rede von der Heiligen Schrift und vom Glauben). Denn dass sie mehr Menschenlehre, auch mehr Schalkheit können, das glaube ich sehr wohl und stärker, denn ich an Gott glaube, weil sie vor Augen mit der Tat mich überweisen. Darum wie sie Kirche sind, so sind sie auch Apostel, Evangelisten und Propheten. Denn die rechten Apostel, Evangelisten und Propheten predigen Gottes Wort und nicht gegen Gottes Wort.
Haben nun die Apostel, Evangelisten und Propheten aufgehört, so müssen andere an ihre Statt gekommen sein und noch kommen bis ans Ende der Welt. Denn die Kirche soll nicht aufhören bis an der Welt Ende; darum müssen Apostel, Evangelisten, Propheten bleiben, sie heißen auch wie sie wollen oder können, die Gottes Wort und Werk treiben. Denn der Papst mit den Seinen, so Gottes Wort verfolgen und doch selbst bekennen, es sei wahr, die müssen sehr schlechte Apostel, Evangelisten und Propheten sein, wie der Teufel mit seinen Engeln. Aber, wie komme ich doch auf das schändliche, unflätige Volk des Papstes; lass sie fahren abermals und heiße sie nicht wieder kommen, oder usw.
Gleichwie droben von den andern vier Stücken des großen göttlichen Heilthums gesagt ist, dadurch die heilige Kirche geheiligt wird, dass du nicht sollst achten, wer und wie die sind, von denen man solches empfängt; so sollst du auch hierin nichts fragen, wer und wie der ist, der es dir gibt oder das Amt hat. Denn es ist alles gegeben, nicht dem, der's hat, sondern dem, der's durch sein Amt kriegen soll, ohne dass er's auch kann mit dir kriegen, wo er will. Lass ihn sein, was er will und wie er kann; weil er im Amt ist und vom Haufen geduldet wird, so lass du es auch gehen: seine Person macht dir Gottes Wort und Sakrament weder ärger noch besser. Denn es ist nicht sein, was er redet oder tut; sondern Christus, dein Herr, und der Heilige Geist redet und tut's alles, sofern er bleibt in der rechten Weise zu lehren und zu tun; ohne dass die Kirche öffentliche Laster nicht leiden soll noch leiden kann. Aber du allein sei zufrieden und lass gehen, weil du Einzelner nicht der ganze Haufe oder das christliche, heilige Volk sein kannst.
Aber an den Papst musst du dich nicht kehren: der verbietet, dass kein Ehemann zu solchem Amt berufen werden könne, sondern sollen allzumal keusche Jungfrauen sein, nach der Nestorischen Konsequenz, das ist so viel, alle Geistlichen sollen keusch sein, aber sie selbst mögen wohl unkeusch sein. Siehe da, dennoch kommst du mir mit dem Papst herein, und ich wollte dich nicht mehr haben. Wohlan, so sei mir übel und unwillkommen, ich will dich auf Lutherisch empfangen.
Der Papst verdammt das eheliche Leben der Bischöfe oder Pfarrherrn, das ist nun offenbar genug. Daran hat er nicht genug, verdammt noch viel ärger die Digamia [Zweiweiberei], und dass ich's ja klar sage, macht er viererlei Digamos [unterscheidet viererlei Männer mit zwei Frauen], wo nicht fünferlei. Ich will jetzt Digamum heißen zweiweibig, der zweimal freit, oder eines anderen Witwe nimmt. Der erste ist zweiweibig, der zwei Jungfrauen nach einander zur Ehe nimmt; der andere, so er eine Witfrau nimmt; der dritte, so er eine Braut nimmt, vom toten Bräutigam als Jungfrau gelassen; der vierte kommt ja schändlich dazu, dass er auch ein zweiweibiger Mann heißen muss darum, dass er unwissend, unwillig eine Jungfrau nimmt und hernach sie nicht rein noch als Jungfrau findet, aber kurzum, er muss bei dem Papst ein Zweiweibiger sein, viel mehr als der dritte, der die Braut als Jungfrau genommen hat. Diese alle stinken und riechen übel im geistlichen Recht, dürfen nicht predigen, taufen, Sakramente reichen oder ein Amt der Kirche üben, wenn sie gleich heiliger wären als S. Johannes und ihre Frauen heiliger als die Gottes-Mutter. So trefflich heilig ist der Papst in seinen Dekreten.
Aber wenn einer hätte hundert Jungfrauen geschwächt, hundert eheliche Witfrauen geschändet und noch hundert Huren hinter dem Rücken liegen gehabt, der kann nicht allein Prediger oder Pfarrherr, sondern auch Bischof oder Papst werden, und wenn er's noch immer täte, würde er dennoch jetzt in solchen Ämtern geduldet: Aber wenn er eine Braut als Jungfrau oder eine falsche Jungfrau kriegt, so kann er Gottes Diener nicht sein. Hilft nichts, dass er ein rechter Christ, gelehrt, fromm, nützlich sei, er ist ein zweiweibiger, er muss vom Amt, und nimmermehr nicht dazu kommen. Wie dünkt dich? Ist das nicht eine höhere Heiligkeit, als Christus selbst ist, beides mit dem Heiligen Geist und seiner Kirche? Christus verschmäht nicht weder einweibige, zweiweibige Männer, noch einmännige, zweimännige Frauen, wenn sie an ihn glauben, lässt sie Glieder seines heiligen, christlichen Volks bleiben, braucht ihrer auch, wozu sie nütze sind oder sein können. Wiewohl nach der Heiligen Schrift zweiweibig heißt, der zugleich einmal zwei lebendige Frauen hat, wie Lamech [1. Mose 4]; aber der Papst ist gelehrter und heißt zweiweibig, wer zwei Frauen nacheinander hat. So auch von Frauen; denn er ist viel gelehrter als Gott selbst.
Und das noch viel feiner ist, der Papst selbst bekennt auch, dass des Zweiweibigen Ehe recht sei und nicht sündige gegen Gott, noch Welt, noch Kirche, und dieselbe Ehe sei ein Sakrament der Kirche: doch muss er verworfen sein vom Kirchenamt. Auch der Dritte und Vierte, die billig sollten Einweibige oder Jungfrauen-Männer heißen. Warum das? Ei, es fehlt an dem, dass solche Ehe nicht ein Sakrament oder Figur [Bild] Christi und der Kirche sein kann: denn Christus hat nur eine Braut, die Kirche, und die Braut nur einen Mann, Christus, und bleiben beide Jungfrauen. In diesem Stück sind doch so viel ungereimter Narrendinge, dass sie niemand alle erzählen kann, dass man billig die Canonisten [Kirchenrechtler] soll Eseljuristen heißen. Erstlich, soll die Ehe ein Sakrament Christi und der Kirche sein, so wird keine Ehe ein Sakrament sein müssen, denn allein die, so Bräutigam und Braut beide Jungfrauen bleiben; denn Christus und die Kirche bleiben Jungfrauen. Wo wollen wir denn Kinder und Erben nehmen? Wo will bleiben der Ehestand, von Gott eingesetzt? Und Summa, es wird keine Ehe sein, denn Josephs und Mariä, oder dergleichen; alle anderen Ehen müssen kein Sakrament, vielleicht auch Hurerei sein.
Zum andern, wer hat solches gelehrt oder gesetzt, dass wir's halten müssen? S. Paulus, Ephes. 5, 32, sagt (sprechen sie), dass Mann und Weib ein großes Sakrament sei: Ja ich sage, in Christus und der Kirche. Lieber, kannst du mir aus diesen Worten S. Pauli nehmen, dass die Ehe ein Sakrament sei, wie sie von Sakramenten sagen? Er spricht: Mann und Frau sind Ein Leib, das ist ein großes Sakrament. Darnach deutet er sich selbst: Ich sage von Christus und der Kirche und nicht von Mann und Weib. So sagen sie, er rede von Mann und Weib. Paulus will Christus und Kirche für ein großes Sakrament oder Mysterium [Geheimnis] haben: so sprechen sie, Mann und Frau sei ein großes Sakrament. Warum halten sie es denn schier für das geringste Sakrament, ja für lauter Unreinigkeit und Sünde, darin man nicht Gott dienen könne? Weiter kannst du auch in S. Paulus Worten finden, dass die Ehe der Zweiweibigen und und Zweimänninnen nicht sind Mann und Weib, oder Ein Leib? Sind sie Ein Leib: warum sind sie denn nicht auch Sakrament Christi und der Kirche? Redet doch S. Paulus insgemein von allen Ehemännern und Frauen, so Ein Leib werden, sie seien ledig oder Witwen, und heißt sie Sacracrament (wie ihr Sakrament versteht). Woher seid ihr denn so klug, dass ihr Unterschied der Ehe macht, und nehmt allein die eine Ehe zum Sakrament Christi und der Kirche, da sich ein Mann mit einer Jungfrau verehelicht, und schließt alle andere Ehe aus? Wer hat euch befohlen, S. Paulus Worte also zu martern und zu zwingen?
Über das behaltet ihr auch dieselbe Ehe nicht zum Sakrament. Denn die Bräutigame lassen ihre Bräute nicht Jungfrauen bleiben, und sie nehmen auch nicht darum Männer, dass sie Jungfrauen bleiben wollen, welches sie viel besser ohne Männer tun können, sondern sie wollen und sollen Kinder tragen, wie sie Gott dazu geschaffen hat. Wo bleibt nun hier das Sakrament Christi und der Kirche, welche alle beide Jungfrauen blieben? Ist's aber fein arguirt a figura ad historiam, vel e contra, ab historia ad figuram [Ist ein seiner Schluss gemacht vom Bilde auf die Geschichte (die Wirklichkeit) oder umgekehrt von der Geschichte (der Wirklichkeit) auf das Bild?]? Wo habt ihr solche Dialectica gelernt: Christus und Kirche sind ehelich und bleiben leibliche Jungfrauen; darum soll Mann und Weib auch leibliche Jungfrauen bleiben? Weiter: Christus ist nur mit einer Jungfrau ehelich; darum soll ein Christ oder Priester auch allein mit einer Jungfrau ehelich sein, sonst ist das Sakrament nicht da? Warum lasst ihr denn zu und sagt, dass der Witwen Ehe auch ein Sakrament sei, weil es eine Ehe, und wiederum doch nicht ein Sakrament sein könne, weil nicht das Weib eine Jungfrau gewesen ist? Seid ihr nicht toll und töricht und grobe Nestorier, die ihr nicht wisset, was ihr Ia oder Nein sagt, eines in Antecedente, ein anderes in Consequente? Aus mit euch groben Eseln und Narren!
Es ist auch dieser grobe Irrtum daher gekommen (ist anders jener nicht aus diesem gekommen), dass sie die Bischöfe und Päpste Bräutigam der Kirche genannt und gehalten haben; daher sie den Spruch S. Pauli ziehen (1. Tim. 3, 2): Ein Bischof soll einer Frau Mann sein, das ist einer Kirche Bischof, wie Christus einer Kirche Bräutigam ist; darum sollen sie nicht Digami sein. Fürwahr, Päpste und Bischöfe sind seine Gesellen dazu, dass sie der Kirche Bräutigame sein sollten. Ja, wenn's die Hurwithin wäre oder des Teufels Tochter in der Hölle! Rechte Bischöfe sind Diener dieser Braut, und sie ist die Frau und Herrin über sie. S. Paulus nennt sich selbst Diaconon, einen Diener der Kirche, 1. Kor. 3,5, will nicht Bräutigam noch Herr dieser Braut sein, sondern Jesus Christus Gottes Sohn, also heißt der rechte eine Bräutigam dieser Braut. S. Johannes [der Täufer] spricht nicht: Ich bin der Bräutigam, sondern: Ich bin des Bräutigams Freund und freue mich, dass ich seine Sprache hören soll. Denn wer die Braut hat (spricht er Joh. 3, 29), der ist Bräutigam, des Sprache soll man mit Freuden hören und sich darnach als ein Diener halten.
Aber wie sein halten sie selbst auch eben diese grobe Eselei und Narrheit. Ein Bischof hat wohl drei Bistümer, doch muss er Eines Weibes Mann heißen. Und wenn er schon nur Ein Bistum hat, so hat er dennoch wohl hundert, zwei hundert, fünf hundert und mehr Pfarren oder Kirchen; doch ist er einer Kirche Bräutigam. Der Papst will aller Kirchen, groß und klein, Bräutigam sein; doch heißt er Einer Kirche Mann. Diese sind nicht Digami oder Zweiweibige, die so viel Bräute zugleich auf einmal haben. Aber wer eine Jungfrau nimmt, die vertraut gewesen ist, der ist ein Digamus. Solche ungeschwungene, ungeheuere Narrheit soll Gott über uns verhängen, wenn wir sein Wort verachten und alles besser machen wollen, denn er uns befohlen hat.
Ja, sie haben ein Acutius in ihrem Dekret, da S. Augustinus gegen S. Hieronymus hält, dass der, so vor der Taufe ein Weib gehabt und nach der Taufe auch eins, sei ein Zweiweibiger. Lieben Esel, folget auch hieraus, dass S. Augustinus, ob er gleich diesen für einen Zweiweibigen hält (das die Schrift nicht tut), damit ihn wolle verdammt haben, dass er Gott nicht dienen möge, wie ihr tut? Und ob's daraus folgt, habt ihr nicht dagegen in Dist. 93) ein stark Noli meis? Wie dass ihr das Acutius so fest haltet (das doch gegen die Schrift ist), und das Noli meis samt andern Kapiteln so übergeht? Ja, es ist das die Meinung: ihr wollt der Kirche Herren sein; was ihr sagt, soll recht sein: die Ehe soll recht sein und ein Sakrament, wenn ihr wollt; wiederum soll die Ehe Unreinigkeit sein, das ist, ein beschissenes Sakrament, die Gott nicht dienen könne, wenn ihr wollt; die Ehe soll Kinder tragen, doch soll die Frau Jungfrau bleiben, oder es ist kein Sakrament Christi und der Kirche, wenn ihr wollt. Die Zweiweibigen sind ohne Schuld und haben eine rechte Ehe und Sakrament, wenn ihr wollt; wiederum sind sie verdammt vom Gottesdienst, darum dass sie kein Sakrament Christi und der Kirche haben, wenn ihr wollt. Siehe, wie schwindelt und schlottert euch der Teufel, der euch solches ungereimtes Ding lehrt?
Wie käme ich dazu, dass ich S. Augustinus Spruch für einen Artikel des Glaubens halten müsste, so er selbst nicht seine Sprüche für Artikel des Glaubens gehalten haben will und auch seiner Vorfahren Sprüche nicht will zu Artikel des Glaubens leiden? Haben die lieben Väter so gehalten und gelehrt, dass Digamus heiße einen solchen (wie gesagt): was geht uns das an? Wir müssen's darum nicht so halten noch lehren. Wir müssen nicht unsere Seligkeit auf Menschen Wort oder Werk, wie unser Haus auf Heu und Stroh setzen. Aber die Canonisten sind solche groben Esel und Narren mit ihren Gözen zu Rom, dass sie aus der lieben Väter Sprüchen und Tun eitel Artikel des Glaubens machen gegen ihren Willen und ohne ihren Dank. Man sollte aus der Schrift beweisen, dass solche Männer Zweiweibige und Dreiweibige hießen, so wäre dann das recht, dass sie nicht Kirchendiener sein müssten nach S. Paulus Lehre, 1. Tim. 3, 2: Ein Bischof soll eines Weibes Mann sein. Aber es ist den Vätern oft gegangen, dass sie einen alten Lappen an ein neues Tuch geflickt haben. Als 1), hier ist's wohl recht und das neue Tuch, dass kein Digamus Kirchendiener sein soll; dass aber dieser oder dieser ein Digamus sei, das ist ein alter Lumpen ihres Dünkels, weil es nicht die Schrift sagt. Aber in der Schrift heißt zweiweibig, der zugleich zwei lebendige Frauen hat: und S. Paulus wird geachtet, dass er eine Frau gehabt habe (Phil. 4, 3) und sei ihm gestorben. Demnach müsste er auch ein Zweiweibiger sein und das Apostelamt lassen; denn 1. Cor. 7, 8 rechnet er sich unter die Witwen und will doch (1. Kor. 9, 5. 6) Macht haben mit Barnabas, eine andere Frau mit sich zu führen. Wer will uns gewiss machen, dass die armen Fischer Petrus, Andreas, Jacobus Jungfrauen und nicht. Witwen oder nicht zwei Frauen nach einander gehabt haben?
Die Eselköpfe meinen nicht die Keuschheit wie die Väter, sondern wollten die armen Seelen gern irre machen und in Gefahr werfen, allein dass ihr garstiges Stankbuch [kanonisches Recht] Recht behielte, und ihre Kunst nicht irren könnte noch geirrt hätte. Sonst sehen sie ja wohl, was für Keuschheit gehalten wird. Können sie doch in andern opinionibus (und was ist's als lauter opiniones [Meinungen] ihr Bestes und Meistes) sein sagen non tenetur, hoc tene [Das ist nicht bindend, behalte das bitte im Hinterkopf.]; warum können sie es hier nicht auch tun, so sie doch sonst nicht einen, sondern alle Väter zugleich auf einen Haufen verwerfen in causis decidendis [bei den entscheidenden Fällen], wie ihr Abgott sprüht und brüllt? Aber sie wollten die Kirche gern regieren, nicht mit gewisser Weisheit, sondern mit mutwilligen opinionibus und wiederum aller Welt Seelen irre und ungewiss machen, wie sie zuvor getan haben. Aber gleichwie sie die Väter und Theologen verwerfen aus ihren Canonchen [kanonisches Recht]; so verwerfen wir sie wiederum aus der Kirche und aus der Schrift. Sie sollen uns nicht lehren die Schrift, noch regieren in der Kirche: es gebührt ihnen nicht, sie können's auch nicht; sondern sie sollen ihrer Canonchen und Hadersachen von Präbenden [Einkünften] warten, das ist ihre Heiligkeit. Sie haben uns arme Theologen samt den Vätern aus ihren Büchern verworfen, des wir ihnen gar freundlich danken. Nun wollen sie uns auch aus der Kirche und Schrift werfen; und sie taugen selber auch nicht hinein. Das ist zu viel und zerreißt den Sack; auch wollen wir's nicht leiden.
Ich halte fürwahr, ihrer Klugheit nach müsste kein Mann eine Jungfrau nehmen, oder könnte nach ihrem Tod nicht Priester bei ihnen werden. Denn wer kann ihm Bürge werden oder gut dafür sein, dass er gewiss eine Jungfrau kriege? Der Weg geht vor der Tür über (wie man spricht). Wo er sie nun nicht als Jungfrau fände, als er's wagen muss, so ist er ein stinkender, zweiweibiger Mann ohne seine Schuld. Will er nun gewiss sein, dass er Priester werden könne, so muss er auch keine Jungfrau nehmen: denn wer will ihn des gewiss machen? Aber Jungfrauen, Witwen, Ehefrauen schänden, viele Huren haben, allerlei stumme Sünden treiben, mag er wohl tun; so ist er dann wert eines Priesters Stand. Aber das ist die Summa davon: Papst, Teufel und seine Kirche ist dem Ehestand feind, wie Daniel sagt (Kap. 11, 37), darum will er denselben also schänden, dass er nicht soll Priesteramt pflegen können. Das muss so viel gesagt sein: Der Chestand ist Hurenwerk, Sünde, unrein, von Gott verworfen. Und ob sie gleichwohl daneben sagen, er sei heilig und ein Sakrament, das lügen sie aus falschem Herzen. Denn wo sie ihn heilig und ein Sakrament mit Ernst hielten, würden sie den Priestern nicht die Ehe verbieten. Weil sie aber verbieten, müssen sie ihn für unrein und Sünde halten, wie sie auch klar sagen: Mundamini, qui fertis [„Werdet gereinigt, die ihr tragt“, nämlich die Geräte des Herrn. Jes. 52, 11.]; oder müssen (wo Etliche so fromm sind) grobe Nestorier und Eutyches sein, die ein Antezedens setzen und die Konsequenz leugnen. So sei diesmal Esel Papst und Papst Esel mit seinen Eselsjuristen empfangen, wollen wieder zu den Unsern kommen.
So kehre dich (wie gesagt) nicht an die Papisten, wer und wie der sei, so das Kirchenamt führt. Denn die Esel verstehen S. Paulus Wort nicht, wissen auch nicht, was die Grammatica [Sprache] des S. Paulus ein Sakrament heißt. Sakrament, spricht er (Eph. 5, 32), sei Christus und seine Kirche; das ist, Christus und die Kirche ist Ein Leib wie Mann und Frau; aber es ist großes Geheimnis und muss mit dem Glauben begriffen werden, es lässt sich nicht sehen noch greifen: darum ist's ein Sakrament, das heißt ein heimliches Ding, mysterium, unsichtbar, verborgen. Weil aber nicht allein jungferliche Eheleute, sondern auch Witweneheleute Ein Leib sind, so ist eine jegliche Ehe eine Figur oder Zeichen dieses großen Sakraments oder Geheimnisses in Christus und der Kirche. S. Paulus redet nicht weder von Jungfrauen noch von Witwen; er redet von der Ehe, da Mann und Frau Ein Leib sind. Wo du nun solche Ämter oder Amtleute siehst, da wisse, dass gewisslich das heilige, christliche Volk sein muss; denn die Kirche kann ohne solche Bischöfe, Pfarrherrn, Prediger, Priester nicht sein, und wiederum, sie auch nicht ohne die Kirche, sie müssen bei einander sein.
Zum sechsten erkennt man äußerlich das heilige, christliche Volk am Gebet, Gott loben und danken öffentlich. Denn wo du siehst und hörst, dass man das Vater Unser betet und beten lernt, auch Psalmen oder geistliche Lieder singt, nach dem Worte Gottes und rechtem Glauben; ferner den Glauben, zehn Gebote und Katechismus öffentlich treibt, da wisse gewiss, dass da ein heiliges, christliches Volk Gottes sei. Denn das Gebet ist auch der teuren Heiltümer eins, dadurch alles heilig wird, wie S. Paulus sagt (1. Tim. 4, 5). So sind die Psalmen auch eitel Gebete, darin man Gott lobt, dankt und ehrt. Und der Glaube und zehn Gebote sind auch Gottes Wort und alles eitel Heiltum, dadurch der Heilige Geist das heilige Volk Christi heiligt. Aber wir reden vom Gebet und Gesängen, das verständlich ist, daraus man lernen und sich bessern kann. Denn der Mönche, Nonnen, Pfaffen Lören [Leiern] ist kein Gebet, auch kein Lob Gottes. Denn sie verstehen's nicht und lernen nichts daraus, tun's also hin, wie eine Eselsarbeit, um des Bauches willen, und wird gar keine Besserung, noch Heiligung, noch Gottes Wille darin gesucht.
Zum siebenten erkennt man äußerlich das heilige, christliche Volk bei dem Heiltum des heiligen Kreuzes, dass es alles Unglück und Verfolgung, allerlei Anfechtung und Uebel (wie das Vater Unser betet) vom Teufel, Welt und Fleisch, inwendig trauern, blöde sein, erschrecken, auswendig arm, verachtet, krank, schwach sein leiden muss, damit es seinem Haupte, Christus, gleich werde. Und muss die Ursache auch allein diese sein, dass es fest an Christus und Gottes Wort hält und also um Christus willen leide, Matth. 5, 10: Selig sind die, so um meinetwillen Verfolgung leiden. Sie müssen fromm, still, gehorsam sein, bereit, mit Leib und Gut der Obrigkeit und Jedermann zu dienen, Niemand kein Leid tun. Aber kein Volk auf Erden muss solchen bitteren Hass leiden: sie müssen ärger denn Juden, Heiden, Türken, Summa, sie müssen Kezer, Buben, Teufel, verflucht und die schädlichsten Leute auf Erden heißen, dass auch die einen Gottesdienst tun, von welchen sie erhenkt, ertränkt, ermordet, gemartert, verjagt, zerplagt werden, und sich niemand über sie erbarme, sondern auch mit Myrrhen und Gallen dazu tränke, wo sie dürstet; und doch nicht darum, dass sie Ehebrecher, Mörder, Diebe oder Schälke sind, sondern dass sie Christus allein und keinen andern Gott haben wollen. Wo du nun solches siehst oder hörst, da wisse, dass die heilige, christliche Kirche sei, wie er spricht, Matth. 5, 11. 12: Selig seid ihr, wenn euch die Leute fluchen und euern Namen verwerfen als ein schädliches, böses Ding, und das um meinetwillen; seid fröhlich und freuet euch, euer Lohn ist im Himmel groß. Denn mit diesem Heiltum macht der Heilige Geist dies Volk nicht allein heilig, sondern auch selig.
Und kehre dich dieweil nicht an der Papisten Heiltum von toten Heiligen, vom Holz des heiligen Kreuzes. Denn es sind so schier Knochen vom Schindanger wie heilige Beine, und so schier vom Galgenholz wie vom heiligen Kreuz. Und ist lauter Trügerei darunter, damit der Papst die Leute ums Geld narrt und von Christus verführt. Und ob's schon recht Heiltum wäre, so macht's doch niemand heilig. Aber wenn man dich um Christus willen verdammt, verflucht, schilt, lästert, plagt, das macht dich heilig. Denn es tötet den alten Adam, dass er Geduld, Demuth, Sanftmut, Lob und Dank lernen muss und im Leiden fröhlich sein. Das heißt denn durch den heiligen Geist geheiligt und erneuert zum neuen Leben in Christus, und also lernt sich's Gott glauben, trauen, hoffen, lieben, wie Röm. 5, 4: Tribulatio spem [Trübsal bringt Hoffnung] usw.
Dies sind nun die rechten sieben Hauptstücke des hohen Heiltums, dadurch der Heilige Geist in uns eine tägliche Heiligung und Vivification in Christus übt. Und das nach der ersten Tafel Moses, die erfüllen wir hierdurch, wiewohl nicht so reichlich als Christus getan hat: wir folgen aber immer nach unter seiner Erlösung oder der Vergebung der Sünden, bis wir auch einmal ganz heilig werden und keine Vergebung mehr bedürfen; denn dahin ist es alles gerichtet. Ich wollte sie auch wohl die sieben Sakramente nennen; aber weil dies Wort, Sakrament, in Missbrauch gekommen ist durch die Papisten und anders in der Schrift gebraucht wird, lass ich sie sieben Hauptstücke christlicher Heiligung oder sieben Heiltümer bleiben.
Über diese sieben Hauptstücke sind nun mehr äußerliche Zeichen, daran man die heilige, christliche Kirche kennt, nämlich, da uns der Heilige Geist auch nach der andern Tafel Moses heiligt, wenn er uns hilft, dass wir Vater und Mutter herzlich ehren, und sie wiederum Kinder christlich erziehen und ehrlich leben; wenn wir unsern Fürsten und Herren treulich, gehorsam dienen und untertan sind und sie wiederum ihre Untertanen lieb haben, schützen und schirmen. Ferner, wenn wir niemand gram sind, keinen Zorn, Hass, Neid noch Rachgier gegen unsern Nächsten tragen, sondern gern vergeben, gern leihen, helfen und raten. Wenn wir nicht unzüchtig und Säufer, stolz, hoffärtig, prächtig, sondern keusch, züchtig, nüchtern, freundlich, gelinde, sanft und demütig sind; nicht stehlen, rauben, wuchern, geizen, überteuern, sondern milde, gütig, genügsam, mitteilig; nicht falsch, verlogen, meineidig, sondern wahrhaftig, beständig und was mehr von solchen Geboten gelehrt wird, wie das alles S. Paulus hin und wieder reichlich lehrt. Denn darum müssen wir auch den Dekalog [Zehn Gebote] haben, nicht allein darum, dass er uns gesetzesweise sage, was wir zu tun schuldig sind, sondern auch, dass wir darin sehen, wie weit uns der heilige Geist mit seinem Heiligen gebracht hat und wie fern es noch fehlt, auf dass wir nicht sicher werden und denken, wir haben's nun alles getan. Und also immerfort wachsen in der Heiligung und stets mehr eine neue Kreatur in Christus werden; es heißt Crescite [Wachset], und Abundetis magis [Werdet völliger] (1. Thess. 4, 1)
Wiewohl aber solches Zeichen nicht so gewiss angesehen werden mag, als die droben, weil auch etliche Heiden sich in solchen Werken geübt haben und wohl zuweilen heiliger scheinen wie die Christen: - so geht doch ihr Ding nicht so rein und einfältig aus dem Herzen um Gottes willen, sondern suchen etwas Anderes darinnen, weil sie keinen rechten Glauben noch Erkenntnis Gottes haben; hier aber ist der Heilige Geist, der das Herz heiligt und solche Frucht aus gutem, feinen Herzen bringt, wie Christus sagt in der Parabel Matth. 13 (Luc. 8, 15). Und weil gleichwohl die erste Tafel höher ist und größeres Heiltum da sein muss, habe ich's in der anderen Tafel alles zusammenfassen wollen; sonst hätte ich's auch wohl in sieben Heiltümer oder Hauptstücke teilen können, nach den sieben Geboten.
Da haben wir nun gewiss, was, wo und wer sie sei, die heilige, christliche Kirche, das ist, das heilige, christliche Volk Gottes; und es kann uns nicht fehlen, dessen sind wir wohl sicher. Alles andere außer diesen Stücken kann fehlen und fehlt gewiss, wie wir zum Teil hören werden. Aus solchem Volk sollte man Leute nehmen zum Konzil: das möchte ein Konzil sein, das vom heiligen Geist regiert würde. Also schreibt auch Lyra, dass die Kirche nicht zu rechnen sei nach den hohen oder geistlichen Ständen, sondern nach den Leuten, so recht glauben. Wundert mich, wie er nicht um solches Wortes willen verbrannt ist, dass er Päpste, Kardinäle, Bischöfe, Prälaten nicht die Kirche sein lassen will; daraus gar gräuliche Ketzerei folgt, der heiligen, römischen Kirche unleidlich und viel zu nahe. Davon anderswo.
Da nun der Teufel sah, dass Gott eine solche heilige Kirche baute, feierte er nicht und baute seine Capelle dabei, größer denn Gottes Kirche ist, und tat ihm also. Er sah, dass Gott äußerliches Ding nahm, als Taufe, Wort, Sakrament, Schlüssel usw., dadurch er seine Kirche heiligte (wie er denn allezeit Gottes Affe ist und will alle Dinge Gott nachtun und ein Besseres machen): nahm er auch äußerliche Dinge für sich, die auch heiligen sollten, gleichwie er tut bei den Wettermachern, Zauberern, Teufelbannern usw.: da
lässt er auch wohl das Vater Unser beten und Evangelien über lesen, auf dass es großes Heiltum sei. Also hat er durch die Päpste und Papisten weihen oder heiligen lassen Wasser, Salz, Kräuter, Kerzen, Glocken, Bilder, Agnus Dei [Gotteslamm], Pallia [weiße Binde der Erzbischöfe], Altar, Kaseln, Platten, Finger, Hände - wer will's alles erzählen? -, zuletzt die Mönchkappen so heiligen, dass viele Leute darin gestorben und begraben sind, als wollten sie dadurch selig werden.
Nun wäre das wohl sein, wenn man Gottes Wort, Segen oder Gebet über die Kreatur spräche, wie die Kinder über Tische tun, und über sich selbst, wenn sie schlafen gehen und aufstehen, davon S. Paulus sagt (1. Tim. 4, 4. 5): Alle Kreatur ist gut und wird geheiligt durchs Wort und Gebet. Denn daraus kriegt die Kreatur keine neue Kraft, sondern wird in ihrer vorigen Kraft bestätigt. Aber der Teufel sucht ein anderes, er will, dass durch sein Affenspiel die Kreatur eine neue Kraft und Macht kriege. Gleichwie das Wasser durch Gottes Wort eine Taufe wird, ein Bad zum ewigen Leben, die Sünde abwäscht und selig macht, welches nicht des Wassers Natur noch Macht ist, und Brot und Wein Leib und Blut Christi wird, durch Auflegen der Hände Sünde vergeben werden nach Gottes Einsetzung: also will der Teufel auch, dass sein Gaukelwerk und Affenspiel kräftig sei und über die Natur etwas tue. Weihwasser soll Sünde tilgen, es soll Teufel austreiben, soll den Poltergeistern wehren, soll die Kindbetterinnen schirmen, wie uns der Papst lehrt can. Aquam sale, de pe [Salzwasser aus dem Meer]: so soll Weihsalz auch tun. Agnus Dei, vom Papst geweiht, soll mehr tun, als Gott selber zu tun vermag, wie solches in Versen beschrieben ist, die ich einmal glossiert [mit Anmerkungen versehen]) auslassen sollte. Glocken sollen die Teufel im Wetter verjagen; Antoni Messer stechen den Teufel; die gesegneten Kräuter treiben die giftigen Würmer weg; etliche Segen heilen die Kühe, wehren den Milchdieben, löschen Feuer; etliche Briefe machen sicher im Krieg und auch sonst gegen Eisen, Feuer, Wasser, Tier usw. Möncherei, Messe und dergleichen sollen mehr als gemeine Seligkeit geben. Und wer kann's alles erzählen? Ist doch keine Noth so gering gewesen, der Teufel hat ein Sakrament oder Heiltum darauf gestiftet, dadurch man Rath und Hülfe finde. Darüber hat er auch Propheten, Wahrsager und weise Männer gehabt, die heimliche Dinge haben offenbaren und gestohlenes Gut wiederbringen können.
Oer ist weit über Gott mit Sakramenten, Propheten, Aposteln, Evangelisten gerüstet, und seine Kapellen sind weit größer, denn Gottes Kirche, hat auch ein weit größeres Volk in seiner Heiligkeit denn Gott. Man glaubt ihm auch leichter und lieber in seinem Verheißen, in seinen Sakramenten, in seinen Propheten, als Christus. Er ist der große Gott in der Welt, wie ihn Christus nennt (Joh. 12, 31. 14,30) Fürst der Welt, und Paulus (2. Kor. 4, 4) Gott dieser Welt. Mit solchem Affenspiel zieht er die Leute vom Glauben Christi und macht das Wort und die Sakramente Christi verachtet, dazu fast unkenntlich, weil man alles näher erzeugen kann, als Sünde tilgen, aus Nöthen helfen, selig werden durch des Teufels Sakrament, denn durch Christus Sakrament. Denn derselbe will durch seinen heiligen Geist die Leute heilig und fromm machen an Leib und Seele und nicht im Unglauben und Sünden bleiben lassen. Solches ist denen zu schwer, so nicht gern fromm sein oder Sünde lassen wollen, die können solches Werkes des Heiligen Geistes leicht entraten, nachdem sie gelernt haben, wie sie ohne des Heiligen Geistes Werk wohl leichter, als [nämlich, zum Beispiel] durch Weihwasser, durch Agnus Dei, durch Bullen und Briefe, durch Messen und Mönchkappen können selig werden, darum nicht not ist, etwas Anderes zu suchen noch zu achten.
Nicht allein das, sondern der Teufel hat sich damit also gerüstet, dass er dadurch das Wort und Sakrament Gottes gar aufheben wollte und gedachte also: Wird jemand auftreten, der meine Kirche, Sakrament und Bischöfe angreifen wird, als sollte äußerliches Ding nicht selig machen, so sollen Gottes Wort und Sakrament auch mit zu Grunde gehen. Denn es sind auch äußerliche Zeichen, und seine Bischöfe und Kirche sind auch leibliche Menschen. Soll meines nicht gelten, so muss seines viel weniger gelten. Zuvor, weil meiner Kirche Bischöfe und Sakrament flugs wirken und helfen in diesem Leben und gegenwärtig, dass man's sehen und greifen muss, denn ich bin dabei und helfe bald, wie man begehrt; aber Christus Sakramente wirken aufs künftige und unsichtbare Wesen im Geist, dass man seine Kirche und Bischöfe kaum von fern ein wenig riechen kann, und der Heilige Geist sich so stellt, als sei er nicht da, lässt sie alles Unglück leiden und vor meiner Kirche als Kezer gehalten werden müssen. Indessen ist meine Kirche nicht allein so nahe, dass man sie wohl greifen mag, sondern meine Werke folgen auch bald, dass Jedermann denkt, sie sei die rechte Gotteskirche. Solchen Vorteil habe und kann ich.
Also ist's auch gegangen, da wir durchs Evangelium zu lehren anfingen, dass solches äußerliches Ding nicht selig machen könnte, weil es schlechte leibliche Kreaturen wären und der Teufel oft zur Zauberei gebrauchte, fielen die Leute, auch große und gelehrte Leute dahin, dass die Taufe als ein äußerliches Wasser, das Wort als eine äußerliche, menschliche Rede, die Schrift als ein äußerlicher Buchstabe von Tinte gemacht, das Brot und Wein als vom Bäcker gebacken sollten schlechthin nichts sein, denn es wären äußerliche, vergängliche Dinge. So gerieten sie auf das Geschrei: Geist, Geist! Der Geist muss tun, der Buchstabe tötet! So hieß Münzer uns Wittenberger Theologen die Schriftgelehrten und sich den Geistgelehrten, und ihm nach viele andere mehr. Darin siehst du, wie sich der Teufel also gerüstet uud verposteiet hatte: wenn man seine äußerliche Lehre und Sakrament (die doch bald und sichtbar, gewaltig flugs hülfen) angreifen würde, so müssten die äußerlichen Sakramente und Worte Christi (welche langsam mit der Hülfe, oder je unsichtbar und schwächlich kommen) viel mehr mit zu Grunde gehen.
Darum hat nun Ecclesia, das heilige christliche Volk, nicht schlechte [bloß] äußerliche Worte, Sakramente oder Ämter, wie der Gottes-Affe, Satan, auch und viel mehr hat, sondern hat sie von Gott geboten, gestiftet und geordnet, also, dass er selbst, kein Engel, dadurch mit dem heiligen Geist wirken will. Und sollen nicht Engel, noch Menschen, noch Creatur1), sondern Gottes selber Wort, Taufe, Sakrament oder Vergebung Amt, heißen, nur dass er's tun will, uns armen, schwachen, blöden Menschen zu Trost und gut, nicht durch seine bloße, erscheinende, helle Majestät. Denn wer könnte dieselbe in solchem sündlichen, armen Fleisch einen Augenblick leiden? Wie Moses sagt (2. Mose 33, 20): Non videbit me homo et vivet [Kein Mensch wird leben, der mich sieht.]. So die Juden nicht konnten seiner Füßen Schuh leiden auf dem Berge Sinai (2. Mos. 20, 19), das ist, im Wetter und Wolken: wie wollten sie mit solchen blöden Augen die Sonne seiner göttlichen Majestät und klares Angesicht gelitten haben? Sondern er will's tun durch leidliche, säuberliche, liebliche Mittel, die nicht wohl von uns selbst besser erwählt werden könnten, als, dass ein frommer, gütiger Mensch mit uns redet, predigt, die Hände auflegt, Sünde vergibt, tauft, Brot und Wein zu essen und zu trinken gibt. Wer kann sich vor solchen lieblichen Formen entsezen und nicht vielmehr sich von Herzen freuen?
Wohlan, das geschieht uns blöden Menschen zu gut, darin wir sehen, wie Gott als mit lieben Kindern umgeht und nicht will (wie er wohl Recht hätte) majestätisch mit uns handeln und doch darunter seine majestätischen, göttlichen Werke, Macht und Gewalt übt, als Sünde vergeben, Sünde ausfegen, Tod wegnehmen, Gnade und ewiges Leben schenken. Ja, solche Stücke fehlen in des Teufels Sakramenten und Kirche, da kann niemand sagen: Gott hat's geboten, befohlen, eingesetzt, gestiftet, er will selber da sein und selber alles tun; sondern so muss man sagen: Gott hat's nicht geboten, sondern verboten, Menschen haben‘s erdichtet, oder vielmehr der Gottes-Affe hat's erdichtet und die Leute damit verführt. Denn er wirkt auch nichts, denn was zeitlich ist, oder wo es geistlich sein soll, ist's eitel Trügerei. Denn er kann damit nicht ewig Sünde vergeben und selig machen, wie er lügt durchs Weihwasser, Messen und Möncherei, ob er gleich eine Kuh wieder ihre Milch kriegen lassen kann, die er selbst zuvor durch seine Prophetin und Pfäffin gestohlen hat, welche man bei den Christen Teufelshuren heißt und, wo man sie kriegt, mit Feuer verbrennt, wie recht ist, nicht um des Milchdiebstahls, sondern um der Lästerung willen, dass sie gegen Christus den Teufel mit seinen Sakramenten und Kirchen stärkt.
Summa, wenn dich Gott hieße einen Strohhalm aufheben oder eine Feder reißen mit solchem Gebot, Befehl und Verheißung, dass du dadurch solltest aller Sünde Vergebung, seine Gnade und ewiges Leben haben: solltest du das nicht mit allen Freuden und Dankbarkeit annehmen, lieben, loben und darum denselben Strohhalm und Feder als höheres Heiltum halten und dir lieber sein lassen, denn Himmel und Erde ist? Denn wie gering der Strohhalm ober Feder ist, dennoch kriegst du dadurch solches Gut, was dir weder Himmel noch Erde, ja alle Engel nicht geben können. Warum sind wir so schändliche Leute, dass wir der Taufe Wasser, Brot und Wein, das ist, Christus Leib und Glut, mündliches Wort, eines Menschen Hände-Auflegen zur Vergebung nicht auch als so hohes Heiltum halten, als wir den Strohhalm oder Feder halten würden, so doch in denselben, wie wir hören und wissen, Gott selber wirken will, und soll sein Wasser, Wort, Hand, Brod und Wein sein, dadurch dass er dich in Christus heiligen und beseligen wolle, der uns solches erworben und den heiligen Geist vom Vater zu solchem Werk gegeben hat?
Wiederum, wenn du denn gleich geharnischt gingst nach S. Jakob [Santiago di Compostella], oder ließest dich von Karthäusern, Barfüßern [Franziskanermönche], Predigern [Dominikaner] durch so strenges Leben ermorden, damit du selig werden möchtest, und Gott hätte solches nicht geheißen noch gestiftet, was hülfe dich's? Er weiß doch nichts darum, sondern der Teufel und du haben's erdacht, als besondere Sakramente oder Priesterstände. Und wenn du gleich Himmel und Erde tragen könntest, damit du selig würdest, doch ist's alles verloren, und der, so den Strohhalm (wo es geboten wäre) aufhöbe, der täte mehr denn du, und wenn du zehn Welten tragen könntest. Warum das? Gott will, man solle seinem Wort gehorchen, man solle seine Sakramente brauchen, man solle seine Kirche ehren, so will er's gnädig und sanft genug machen und gnädiger, auch sanfter, als wir's könnten begehren. Denn es heißt (2. Mose 20, 3): Ich bin dein Gott, du sollst keine anderen Götter haben; heißt auch: Diesen sollt ihr hören (Matth. 17, 5) und keinen Andern.
Das sei genug geredet von der Kirche. Mehr kann man nicht von ihr reden, ohne dass man ein jegliches Stück weiter ausstreichen kann. Das andere alles muss eine andere Meinung haben; davon wollen wir auch sagen.
Über solche äußerlichen Zeichen und Heiltümer hat die Kirche andere mehr äußerliche Weise, davon und dadurch sie nicht geheiligt wird, weder an Leib noch an Seele, die auch von Gott nicht eingesetzt noch geboten sind, sondern wie droben auch viel davon gesagt ist, dass es von auswendig not oder nütz ist, wohl und fein ansteht: als, dass man zur Predigt oder Gebet etliche Feiertage hält, etliche Stunden, Vormittage oder Nachmittage, dass man Kirchenbau oder Haus, Altar, Predigtstuhl, Taufstein, Leuchter, Kerzen, Glocken, Priesterkleider und dergleichen braucht. Diese Stücke wirken nichts noch tun anders, denn ihre Natur ist; gleichwie Essen und Trinken nichts mehr tun um der Kinder Benedicite oder Gratias [Gebete vor und nach Tisch] willen. Denn die Gottlosen oder rohe Leute, so kein Benedicite oder Gratias beten, das ist Gott weder bitten noch danken, werden eben so fett und stark von Essen und Trinken, als die Christen. Die Christen können wohl ohne solche Stücke geheiligt werden und bleiben, wenn man schon auf dem Pflaster ohne Haus [Kirchengebäude], ohne Predigtstuhl predigt, Sünde vergibt, ohne Altar Sakramente reicht, ohne Taufstein tauft; wie es täglich geschieht, dass man daheim predigt, tauft, Sakrament reicht, aus besonderen Ursachen. Aber um der Kinder und des einfältigen Volks willen ist's fein und gibt eine feine Ordnung, dass sie eine gewisse Zeit, Stätte und Stunde haben, darnach sie sich richten und zusammenfinden können, wie S. Paulus sagt, 1. Kor. 14, 40: Lasst alles sein ordentlich zugehen. Und solche Ordnung soll niemand (wie auch kein Christ tut) ohne Ursache, aus lauter Stolz, allein eine Unordnung dagegen anzurichten, verachten, sondern dem Haufen zu gut solche Ordnung mit halten oder ja nicht irren noch hindern. Denn das wäre gegen die Liebe und Freundlichkeit getan.
Gleichwohl sollen sie frei bleiben: als wenn wir nicht können aus Noth oder anderer nützlicher Ursache, um 6 oder 7, um 12 oder 1, auf Sonntag oder Montag, im Chor oder zu S. Peter predigen, so predige man auf andere Stunde und Tage und Stätte; allein dass man den Haufen nicht irre mache, sondern mitnehme in solcher Änderung. Denn solche Stücke sind ganz und gar äußerlich, auch (wie es die Zeit, Stätte und Person fordern) der Vernunft zu regieren mächtig und gänzlich unterworfen. Gott, Christus und der Heilige Geist fragen nichts darnach, eben so wenig, als was und wo wir essen, trinken, kleiden, wohnen, freien, gehen oder stehen wollen: ohne dass (wie gesagt) ohne Ursache niemand ein Eigenes vornehmen und den Haufen irre machen oder hindern soll. Gleichwie zur Hochzeit oder anderen Gesellschaften niemand der Braut oder dem Haufen zum Verdruss ein Besonderes oder Hinderliches vornehmen soll, sondern mit dem Haufen sich gleich halten, sitzen, gehen, stehen, tanzen, essen und trinken. Denn man kann nicht einem Jeglichen einen besonderen Tisch, Küche, Keller, Diener bestellen. Fehlt ihm etwas, so stehe er auf vom Tische und lasse die andern mit Frieden sitzen und bleiben. Also hier auch, soll's alles friedlich, ordentlich zugehen und doch frei sein, wo es Zeit, Person oder andere Ursachen fordern zu ändern; daselbst folgt der Haufe auch mit einträchtig. Weil es (wie gesagt) keinen Christen heiliger noch unheiliger macht.
Wiewohl der Papst hiervon die Welt voll Bücher geklickt [gekleckst] und lauter Strick, Gesetz, Recht, Artikel des Glaubens, Sünde und Heiligkeit daraus angerichtet hat, dass wohl wert wäre, noch einst sein Dekret mit Feuer zu verbrennen. Denn man solches Buches [päpstliches Recht] wohl entraten könnte, welches großen Schaden getan hat. Es hat die Heilige Schrift unter, die Bank gestoßen und die christliche Lehre fast unterdrückt, auch die Juristen mit ihrem kaiserlichen Recht unter sich gebracht, also beide, Kirche und Kaiser mit Füßen getreten, dafür uns die groben Eselsköpfe, die Canonisten, die Irrwische gegeben, die dadurch die Kirche regiert und, das noch kläglicher ist, das Beste drinnen stehen gelassen und das Ärgste herausgenommen, in die Kirche mit Gewalt getrieben haben. Denn was Gutes drinnen ist, könnte man viel besser und reichlicher in der Heiligen Schrift, ja auch in dem einen S. Augustinus haben, so viel es die Christenheit zu lehren betrifft, darnach auch in der Juristen Büchern, so weltliches Regiment betrifft. Denn die Juristen haben einmal selbst vorgehabt, solches Buch aus der Juristerei zu werfen und den Theologen zu lassen. Aber besser wäre es ins Feuer geworfen und zu Asche gemacht, wiewohl etwas Gutes drinnen steht. Denn wie könnte eitel Böses bestehen, wo kein Gutes drunter wäre? Aber des Bösen ist zu viel, dass es dem Guten den Platz nimmt, und (wie gesagt) das Gute ist in der Schrift reichlicher, auch in den Vätern und bei den Juristen zu finden. Man wollt's denn behalten als Zeugnis auf der Bücherei, damit man sehe, wie die Päpste und etliche Konzile samt anderen Lehrern, genarrt und gefehlt haben; darum ich's auch behalte.
Solche äußerlichen freien Stücke wollen wir achten, wie ein Westerhemd oder Windel, darin man das Kindlein zur Taufe fasst. Denn das Kindlein wird nicht getauft oder heilig vom Westerhemd, noch von Windeln sondern bloß allein durch die Taufe; aber doch gibt's die Vernunft, dass man's so in ein Tüchlein fasse. Wenn dasselbe unrein oder zerrissen wird, nimmt man ein anderes, und wächst das Kindlein ohne alles Zutun der Windeln oder des Westerhemdes: doch dass man hier abermals Maß halte und der Westerhemden oder Windeln nicht zu viel nehme, damit das Kindlein nicht erstickt werde. Also sollen die Zeremonien auch eine Maaß haben, damit sie nicht zuletzt eine Last oder Arbeit werden, sondern so leicht bleiben, dass man sie nicht fühlt. Gleichwie zur Hochzeit niemand eine Last oder Arbeit fühlt, wenn er sich den Andern gleich hält und gebärdet. Von dem besonderen Fasten will ich einmal schreiben, wenn ich von der Deutschen Plage, Fressen und Saufen, schreiben werde. Denn es gehört auch fast ins weltliche Regiment.
Von den Schulen habe ich droben auch und sonst viel geschrieben, dass man ja fest und fleißig drüber halte. Denn wiewohl sie in dem, dass die Knaben Sprachen und Künste lernen, als ein heidnisches, äußerliches Ding anzusehen sind, doch sind sie hoch vonnöten. Denn wo man nicht Schüler zieht, so werden wir nicht lange Pfarrherrn und Prediger haben, wie wir wohl erfahren: denn die Schule muss der Kirche Personen geben, die man zu Aposteln, Evangelisten, Propheten, das ist Predigern, Pfarrherrn, Regierern machen könne. Ohne was man sonst noch für Leute in der ganzen Welt haben muss, die Kanzler, Räte, Schreiber und dergleichen werden sollen, die auch weltlich regieren helfen. Über das, wo der Schulmeister gottesfürchtig ist und die Knaben Gottes Wort und rechten Glauben verstehen, singen und üben lehrt und zu christlicher Zucht hält, da sind die Schulen (wie droben gesagt) lauter junge, ewige Konzile, die wohl mehr Nugen schaffen, denn viele andere große Konzile. Darum haben die vorigen Kaiser, Könige und Fürsten recht wohl getan, dass sie mit solchem Fleiß so viele Schulen, hoch und klein, Klöster und Stifter gebaut haben, dass sie der Kirche reichen und großen Vorrath von Personen haben schaffen wollen; aber durch die Nachkommen sind sie schändlich zum Missbrauch verkehrt. So sollen jetzt Fürsten und Herren auch tun, der Klöster Güter zu Schulen wenden und viele Personen zum Studium stiften; werden's unsere Nachkommen missbrauchen, so haben wir zu unserer Zeit das Unsere getan.
Summa, die Schule muss das Nächste sein bei der Kirche, als darin man junge Prediger und Pfarrherrn zeugt und daraus hernach dieselben an der Toten Statt setzt. Darnach ist des Bürgers Haus das nächste an der Schule, als daraus man Schüler kriegen muss; darnach das Rathaus und Schloss, so Bürger schützen müssen, damit sie Kinder zur Schule zeugen und Schulen Kinder zu Pfarrherrn aufziehen und darnach Pfarrherrn wiederum Kirchen und Gottes Kinder (es sei Bürger, Fürst oder Kaiser) machen können. Gott aber muss der Oberste und Nächste sein, der solchen Ring oder Zirkel gegen den Teufel erhalte und alles tue in allen Ständen, ja in allen Kreaturen. Also sagt Psalm 127, 1. 2, dass auf Erden allein zwei leiblichen Regimente sind, Stadt und Haus: Wenn der Herr das Haus nicht baut; Weiter: Wenn der Herr die Stadt nicht behütet. Das Erste ist Haushalten, daraus kommen Leute. Das Andere ist Stadt regieren, das ist Land, Leute, Fürsten und Herren (das wir die weltliche Obrigkeit heißen). Da ist alles gegeben: Kind, Gut, Geld, Tiere usw. Das Haus muss bauen, die Stabt muss solches hüten, schützen und verteidigen. Darnach kommt das Dritte, Gottes eigenes Haus und Stadt, das ist die Kirche, die muss aus dem Hause Personen, aus der Stadt Schutz und Schirm haben.
Das sind drei Hierarchien [Stände], von Gott geordnet, und wir bedürfen keiner mehr, haben auch genug und übergenug zu tun, dass wir in diesen dreien recht leben gegen den Teufel. Denn siehe allein das Haus an, was da zu tun ist, Eltern und Hausherren gehorsam zu sein, wiederum Kinder und Gesinde göttlich ernähren, ziehen, regieren und versorgen, dass wir genug zu tun hätten mit dem Hausrecht, wenn sonst nichts mehr zu tun wäre. Darnach gibt uns die Stadt, das ist weltliches Regiment, auch genug zu tun, wo wir treulich gehorsam sein, wiederum, unsere Untertanen, Land und Leute, richten, schützen und fördern sollen. Der Teufel gibt uns genug zu schaffen, und hat uns Gott damit den Nasenschweiß wohl gegeben, Distel und Dornen die Fülle, dass wir überaus reichlich an diesen zwei Rechten zu lernen, zu leben, zu tun und zu leiden haben. Darnach ist das dritte Recht und Regiment: wo das der Heilige Geist regiert, so heißt es Christus eine tröstliche, süße, leichte Bürde (Matth. 11, 30); wo nicht, so ist's nicht allein schwer, sauer und schrecklich, sondern auch unmöglich, wie Paulus sagt Röm. 8, 3: Impossibile legis2 [das Unmögliche des Gesetzes], und anderswo: Der Buchstabe tötet (2. Kor. 3, 6).
Was soll uns nun über diesen drei hohen göttlichen Regimenten, über die drei göttlichen, natürlichen, weltlichen Rechte das lästerliche Gaukelrecht oder Regiment des Papstes? Welches alles sein will und doch nichts ist, sondern verführt und reißt uns von diesen seligen, göttlichen Ständen und Rechten und zieht uns dafür eine Larve oder Kappe an und macht uns dem Teufel zu Narren und Gaukelmännlein, die müßig gehen und nicht kennen mehr diese drei Gottes Hierarchien oder Rechte. Darum wollen wir es nicht mehr leiden, sondern nach S. Petri, Pauli, Augustini Lehre tun und frei davon sein und den 2. Psalm v. 3 gegen sie kehren: Lasst uns zerreißen ihre Bande und von uns werfen ihre Seile. Ja, wir wollen mit S. Paulus singen (Gal. 1, 8): Wer anders lehrt, wenn's auch ein Engel vom Himmel wäre, der sei verflucht; und mit S. Petro sagen (Apg. 15, 16): Was versucht ihr Gott mit Auflegen solcher Last? Und also wiederum des Papstes Herren sein und ihn mit Füßen treten, wie Ps. 91 13 sagt: Du wirst auf den Ottern und Basilisken gehen und den Löwen und Drachen mit Füßen treten. Und das wollen wir tun aus Kraft und Hülfe des Weibessamens, so der Schlange den Kopf zertreten hat (1. Mose 3, 15) und noch zertritt, ob wir gleich wagen müssen, dass er uns wiederum in die Ferse beißt. Demselben gebenedeiten Samen des Weibes sei Lob und Ehre samt dem Vater und Heiligen Geist, dem einigen rechten Gott und Herrn in Ewigkeit. Amen.
1 Entnommen aus: Luthers Werke für das christliche
Haus. Hrsg. von Buchwald, Kawerau u.a. Braunschweig: C.A. Schwetschke und Sohn.
1889. Bd. 2. https://www.google.de/books/edition/Werke_f%C3%BCr_das_christliche_haus/85opAAAAYAAJ?hl=de&gbpv=1&dq=luthers+werke+f%C3%BCr+das+christliche+haus&printsec=frontcover
2 An anderen Orten zählt Luther nur zwei Merkmale auf,
woran der Gläubige das Dasein der Kirche erkenne: Gottes Wort und die
Sakramente. [Sie sind die eigentliche notae ecclesiae, die anderen sind von
ihnen abgeleitet und ihnen untergeordnete Spezialbereiche, die aber nicht den
eigentlichen notae ecclesiae gleichzustellen sind. Anm. d. Hrsg.]
3 Man wolle yor, bzw. bei dem Lesen der Schrift die
Nachträge S. 172 f. beachten.
4 Die Franziskaner (Barfüßer) zu Eisenach hielten, eben
als Luther dort Schüler war, den Mönch Johann Ilten in strengem Gewahrsam, der
Kirche und Bischöfe um allerhand sittlicher Schäden willen gestraft hatte. Nach
seinem Tod kam eine Schrift von ihm in Umlauf, in der man eine Weissagung auf
Luther fand. Die Apologie ist eine Verteidigungsschrift des Ilten.