Das Buch des
Propheten Joel
Luthers Vorrede
auf den Propheten Joel
1532A
1. Joel zeigt nicht an, zu welcher Zeit er
gelebt und gepredigt hat. Es sagen aber die Alten: Er sei gewesen zu der Zeit,
da Hosea und Amos gewesen sind; das lassen wir also
gut sein, und wissen es nicht zu verbessern.
2. Er ist aber ein gütiger und sanfter Mann
gewesen, schilt und straft nicht so, wie die andern Propheten,
sondern fleht und klagt, wollte gerne die Leute fromm machen mit guten,
freundlichen Worten, und sie vor Schaden und Unglück bewahren. Aber es wird ihm
freilich wie andern Propheten gegangen sein, dass man seinen Worten nicht
glaubte und ihn für einen Narren gehalten hat.
3. Doch ist er im Neuen Testament hoch
berühmt, denn St. Petrus zieht ihn hervor, Apg. 2,16.17. Und muss Joel die
erste Predigt geben, die in der christlichen Kirche geschehen ist, nämlich auf
den Pfingsttag zu Jerusalem, da der Heilige Geist jetzt gegeben ist. So führt
St. Paulus [Röm. 10,13] den Spruch auch gar herrlich: „Wer den Namen des HERRN
anruft, soll selig werden“, welcher auch in Joel, Kap. 3,5, steht.
4. Im ersten Kapitel weissagt er die
zukünftige Strafe über das Volk Israel, das sie sollten von den Assyrern
verderbt und weggeführt werden. Und nennt die Assyrer Raupen, Heuschrecken,
Käfer und Geschmeiß. Denn die Assyrer fraßen das Königreich Israel, ein Stück
nach dem andere, bis sie es gar verderbten. Aber doch musste zuletzt der König
Sanherib vor Jerusalem darnieder liegen; welches rührt hier Joel im zweiten
Kapitel, V. 20, da er spricht: „Und den von Mitternacht will ich ferne von euch
treiben“ usw.
5. Zum andern weissagt er am Ende des
zweiten Kapitels und fortan hinaus vom Reich Christi und dem Heiligen Geist,
und sagt von dem ewigen Jerusalem.
6. Dass er aber vom Tal Joschafat
spricht, wie der HERR alle Heiden daselbst vor Gericht fordern wolle, welches
die alten Väter vom Jüngsten Gericht verstehen, und ich solchen Verstand nicht
verdamme, halte aber dennoch, dass Joels Meinung sei: Gleichwie er das ewige
Jerusalem die christliche Kirche heißt, so heiße er auch dieselbe im Tal Joschafat, darum, dass alle Welt5 zur christlichen Kirche
durch das #Wort gefordert und derselben gerichtet und durch die Predigt
gestraft wird, wie sie allzumal Sünder vor Gott sind, wie Christus spricht:
„Der Geist der Wahrheit wird die Welt strafen um die Sünde. Denn Joschafattal heißt Gerichtstal, gleichwie auch Hosea im zweiten Kapitel, V. 15, die christliche Kirche das
Tal Achor nennt.
Der Prophet Joel („Jahwe ist Gott“) unterscheidet sich von anderen Männern mit diesem recht häufigen Namen durch die Angabe, dass er der Sohn Bethuels war. Über die Umstände seines Lebens ist nichts Genaues bekannt. Auch können wir nicht mit Sicherheit sagen, wo er lebte, obwohl es am wahrscheinlichsten erscheint, dass er in Judäa wirkte und seine Prophezeiungen in Jerusalem verkündete. Joel gehört zu den frühesten der sogenannten kleinen Propheten, denn in den Schriften von Amos und sogar Jesaja finden sich deutliche Hinweise auf sein Buch. Die Tatsache, dass er die Phönizier, Philister, Ägypter und Edomiter als Feinde Judas nennt, aber die Syrer nicht erwähnt, deutet darauf hin, dass diese Weltmacht und andere zu seiner Zeit noch keine Rolle spielten. Insgesamt scheint es am besten anzunehmen, dass Joel in der ersten Hälfte des 9. Jahrhunderts v. Chr. lebte.
Das Buch Joel entstand anlässlich einer schrecklichen Heuschreckenplage und Dürre, die er als Vorboten und Zeichen des letzten großen Gerichts des Herrn erklärt, das nur durch aufrichtige Reue abgewendet werden kann. Das Buch lässt sich klar in zwei Teile unterteilen. Der erste Teil ist eine herzzerreißende Klage über das Leid des Volkes aufgrund der Heuschreckenplage, verbunden mit einem dringenden Aufruf zur Buße (Kap. 1, 1-2, 17). Der zweite Teil ist ein Versprechen der göttlichen Barmherzigkeit für alle, die Buße tun, zunächst in Bezug auf zeitliche Segnungen in naher Zukunft, dann auch in Bezug auf geistliche, messianische Segnungen, insbesondere die Ausgießung des Geistes als letzte große Tat Gottes vor dem Kommen des schrecklichen Tages des Herrn.
Die Sprache des Propheten zeichnet sich durch klassische Schönheit und Reinheit aus, und einige seiner Passagen sind in ihrer Ausdruckskraft einzigartig. Die Segnungen des messianischen Zeitalters werden in Perioden von überragender Pracht und Macht hervorgehoben. Die wichtigsten Punkte des Buches werden von Petrus in seiner großen Pfingstpredigt (Apg. 2,16-21) und von Paulus (Röm. 10,13) genannt.
Verkündigung der
Strafe Gottes: kommende Verwüstung Judas
Eine Beschreibung der kommenden Not (V. 1-12): V. 1. Das Wort des HERRN, das zu Joel, dem Sohn Petuëls, geschah, wobei die Überschrift uns versichert, dass es sich nicht um Joels eigene Gedanken handelt, sondern um die inspirierten Worte des Herrn.
V. 2. Hört dies, ihr Ältesten, deren Erinnerung Generationen von Menschen zurückreicht, und merkt auf, indem ihr eure ganze Aufmerksamkeit und Sorgfalt darauf richtet, und ihr Bewohner des Landes. Es ist eine eindringliche Aufforderung an das ganze Volk Juda, die Lehre aus der großen Katastrophe zu ziehen, die über sie hereingebrochen ist. Ist so etwas in euren Tagen oder in den Tagen eurer Väter jemals geschehen? Eine Heimsuchung dieser Art und dieses Ausmaßes hatte es in Palästina noch nie gegeben. V. 3. Erzählt davon euren Kindern, und lasst eure Kinder es ihren Kindern erzählen und deren Kinder einer folgenden Generation, indem ihr es von Vater zu Sohn weitergebt, wobei alle diese Überlieferung mit Ehrfurcht, Furcht und Zittern annehmen, als eine beispiellose Manifestation des Zorns Gottes gegen die Menschen wegen ihrer Sünden. V. 4. Was der Nager, wörtlich „die Abknabberin”, übriggelassen hat, hat die Heuschrecke gefressen, die schwärmende oder sich vermehrende Heuschrecke des Orients; und was die Heuschrecke übriggelassen hat, hat die Fresser, die fressende Heuschrecke, gefressen; und was der Fresser übriggelassen hat, hat das Geschmeiß gefressen, das heißt die verzehrende Heuschrecke. Alle vier Namen beschreiben die Verwüstung, die durch die große orientalische Heuschrecke angerichtet wurde, die offenbar zu dieser Zeit in aufeinanderfolgenden Schwärmen in das Land kam und zuerst die zarten Triebe der Obstgärten und Weinberge, dann das Gemüse und die Feldfrüchte und schließlich das Laub der Bäume und jedes grüne Grashalmchen, das zu sehen war, abfraß. Die Verwüstung, die durch die Heuschreckenplage angerichtet wurde, wird auf anschauliche Weise beschrieben, wobei ein Merkmal nach dem anderen dargestellt wird, um den Menschen die Ernsthaftigkeit der Lage bewusst zu machen. V. 5. Wacht auf, ihr Trunkenen, und weint; heult, ihr Weinsäufer, um den Most, denn die Versorgung mit Trauben und damit auch mit dem daraus hergestellten Getränk war nicht mehr gewährleistet; denn er ist euch von eurem Mund entrissen. Dieser Appell wird eingeführt, um mit poetischer Kraft die völlige Verwüstung des Landes zu beschreiben. V. 6. Denn ein Volk ist über mein Land gekommen, eine große und mächtige Armee von wilden Kriegern, stark und ohne Zahl, in Schwärmen von unzähligen Myriaden, ihre Zähne sind Löwenzähne und die Backenzähne wie einer Löwin, die Kieferzähne einer Löwin, die ihre Jungen beschützt oder rächt und alles zermalmt, was ihnen in den Weg kommt. V. 7. Er hat meinen Weinstock verwüstet, indem er sein Laub verzehrte, und meinen Feigenbaum entrindet, indem er die Rinde abknabberte und den Stamm und die Zweige entblößte, so dass sie ruiniert waren; er hat ihn völlig abgeschält und hingeworfen; seine Zweige sind weiß geworden, weil die Rinde vollständig entfernt wurde. Da dies der Zustand war, in dem das Land nach dem Besuch der Heuschrecken zurückgelassen wurde, fordert der Prophet nun seine Landsleute auf, zu trauern. V. 8. Klage wie eine Jungfrau, umgürtet mit Sacktuch, dem Trauergewand, um den Mann ihrer Jugend, den der Tod nach ihrer Verlobung hinweggerafft hat. Die Trauer einer verwitweten Jungfrau und Braut wird auch in anderen Stellen als tief und überwältigend dargestellt. Vgl. Jes 54,6. V. 9. Speisopfer und Trankopfer, die Opfergaben im Gottesdienst des Herrn, sind vom Haus des HERRN weggenommen, weil es unmöglich war, die notwendigen Materialien zu beschaffen, da alles zerstört war; die Priester, die Diener des HERRN, trauern wegen des Verfalls, der durch die Verwüstung verursacht wurde und zu einem Mangel an Tieren für Opferzwecke führte. V. 10. Das Feld ist verwüstet, der Erdboden verdorrt, sowohl die unbewirtschafteten als auch die bewirtschafteten Teile des Landes leiden in gleichem Maße; denn das Getreide ist vernichtet, das Getreide vollständig verbraucht; der Most ist vertrocknet, die Trauben sind verdorben, weil es an Laub an den Reben mangelt; das Öl verwelkt, weil die Olivenbäume keine Früchte trugen. V. 11. Steht beschämt, ihr Ackerleute, die ihr die Schande enttäuschter Hoffnungen tragt, nachdem ihr hart für die Ernte gearbeitet habt; heult, ihr Weingärtner, diese beiden repräsentieren die landwirtschaftlichen Klassen des Landes, um den Weizen und um die Gerste, denn die Ernte auf den Feldern ist verdorben, was der Grund für die Klage der Bauern ist. V. 12. Der Weinstock ist verdorrt, und der Feigenbaum verwelkt, so dass auch Gärtner und Obstbauern Grund zum Trauern hatten; Granatbaum, auch Dattelpalme, die normalerweise den Angriffen der Heuschrecken entging, und Apfelbaum oder die Quitte, alle Bäume des Feldes sind verdorrt; ja, die Freude ist von den Menschenkindern entschwunden, so dass es keine Freude über eine reichhaltige Ernte geben konnte, wie es sonst üblich war. Vgl. Ps. 4, 7; Jes. 9, 3. Die Beschreibung der schwärmenden Heuschrecken und der Verwüstung, die sie hinterlassen, ist eine der eindringlichsten in der gesamten Literatur, und das Bild wird zu Recht als eines angesehen, das alle Menschen zur Umkehr aufrufen sollte.
Aufruf zum Fasten und zur Buße (V. 13-20): V. 13. Gürtet euch, nämlich mit Trauergewändern, und klagt, ihr Priester; heult, ihr Diener des Altars, deren Hauptaufgabe darin bestand, die Opfer auf den beiden Altären des Tempels darzubringen. Kommt, liegt die ganze Nacht in Sack und Asche, ihr Diener meines Gottes, und setzt eure Trauerübungen sogar während der Nacht fort; denn das Speisopfer und das Trankopfer werden vom Haus eures Gottes weggenommen, vgl. V. 9, so dass alle üblichen Opfer eingestellt werden mussten. V. 14. Heiligt ein Fasten, indem ihr einen Tag oder mehrere Tage für einen besonderen Gottesdienst festlegt, an denen die Tiefe der Trauer des Volkes durch den Verzicht auf Speisen zum Ausdruck gebracht werden soll; ruft einen Feiertag aus, wie sie im Zusammenhang mit den großen Festen abgehalten wurden; versammelt die Ältesten und alle Bewohner des Landes im Haus des HERRN, eures Gottes, und schreit zum HERRN mit ungestümen und eindringlichen Gebeten. V. 15. Wehe über den Tag! So klagt der Prophet selbst. Denn der Tag des HERRN, die Zeit seiner strengen Heimsuchung, ist nahe, und kommt wie ein Verderben vom Allmächtigen und seine verwüstende Plage über das Land bringen. V. 16. Ist nicht die Speise vor unseren Augen weggenommen? Denn ihre Nahrungsvorräte wurden durch die einfallenden Heuschreckenschwärme vernichtet, ja, Freude und Jubel aus dem Haus unseres Gottes? Denn die verschiedenen Opfer und Dankmahlzeiten waren nicht mehr möglich. V. 17. Der Same ist unter ihren Schollen vertrocknet und verdorrt im Boden wegen der schrecklichen Dürre; die Speicher sind leer, die Kornspeicher sind leer, weil es keine Ernte gab; die Scheunen, die sonst so reiche Ernten beherbergten, sind zerfallen, weil kein Geld für ihre Reparatur vorhanden ist; denn das Getreide ist verdorrt. V. 18. Wie stöhnt das Vieh! Denn auch die Wiesen waren ausgetrocknet. Die Rinderherden sind verwirrt, wobei dieses Wort gewählt wurde, um das unruhige Herumstreifen hungriger Rinder zu bezeichnen, weil sie keine Weide haben; ja, die Schafe verschmachten und leiden unter den Folgen der Übertretungen des Volkes des Landes. All dies veranlasst den Propheten, seine Stimme zum Herrn zu erheben und um Hilfe zu rufen.
V. 19. HERR, zu dir rufe ich, denn das Feuer, die sengende Hitze, hat die Weiden der Steppe, der großen Steppen Judäas, verschlungen, und die Flamme, die glühende Hitze der Dürre, hat alle Bäume des Feldes versengt. V. 20. Die Tiere des Feldes, sowohl domestizierte als auch wilde Tiere, schreien lechzend zu dir, ihr stummes Elend ist ein eindringlicher Hilferuf; denn die Wasserbäche sind ausgetrocknet, und das Feuer hat die Weiden der Steppe verschlungen. Vgl. Hiob 38, 41; Ps. 104, 21; 145, 15; 147, 9; Jer. 14, 5. 6. Die ganze Schöpfung seufzt und liegt in Wehen bis jetzt wegen der Last der Schuld des Menschen. Röm. 8, 19-22.
Mahnung zur Buße.
Verheißung des Segens in Christus
Der Prophet drängt zur Buße (V. 1-17): V. 1. Blast die Posaune in Zion, dieses Signal der Priester, das das kommende Unheil ankündigt, und schlagt Alarm auf meinem heiligen Berg, vom Tempelberg aus, als Zentrum der Verehrung des Herrn und Ort seiner Gegenwart inmitten seines Volkes. Erzittern sollen alle Bewohner des Landes, aus ihrer Sorglosigkeit aufgerüttelt; denn der Tag des HERRN kommt, ja, er ist nahe, die Heimsuchung liegt nicht mehr in einer fernen Zukunft, sondern ist ein Ereignis, das sehr bald zu erwarten ist, V. 2. Ein Tag der Finsternis und der Dunkelheit, wie wenn das Licht der Sonne durch riesige Heuschreckenschwärme verdeckt wird, ein Tag der Wolken und der Wolkennacht, der schweren, dichten und verdunkelnden Bewölkung Wie die Morgenröte ist es über die Berge ausbreitet, ein großes und ein mächtiges Volk, wobei die Flügel der Heuschrecken die Strahlen der Sonne in einem trüben Licht reflektieren, bevor ihre immense Zahl die Sonne ganz verdeckt, wie von Ewigkeit her nicht gewesen ist und Zukunft nicht bis in die fernsten Generationen, vgl. Kap. 1, 2. V. 3. Fressendes Feuer, eine äußerst intensive und sengende Hitze, geht vor ihm her, um die bevorstehende Verwüstung vorzubereiten, und hinter ihm eine brennende Flamme, die schreckliche, vernichtende Hitze, die auch nach dem Vorbeiziehen der Heuschreckenschwärme noch anhält. Das Land ist vor ihnen wie der Garten Eden, wie der schöne Park des Paradieses, der in 1. Mose 2 beschrieben wird, und nach ihnen eine öde Wüste; und nichts wird ihnen entgehen, so gründlich wird die Verwüstung sein. V. 4. Ihr Aussehen, von den Heuschrecken, ist wie das Aussehen von Pferden, denen sie in der Form ihrer Köpfe ähneln; und wie Rennpferde stürmen sie voran, mit unheimlicher Schnelligkeit. V. 5. Wie das Rasseln von Streitwagen, wenn sie über unebene Bergstraßen rattern, hüpfen sie über die Gipfel der Berge, so wird das Geräusch ihrer knisternden Bewegungen in einer großen Masse sein; wie das Prasseln der Feuerflamme, die Stoppeln verzehrt, wie ein starkes Volk, das zum Kampf gerüstet ist, denn es gibt eine starke Ähnlichkeit zwischen all diesen rauschenden, hämmernden Geräuschen und den Bewegungen riesiger Heuschreckenschwärme. V. 6. Vor ihm, während sie ihren Weg der Verwüstung fortsetzen, entsetzen sich die Völker, alle, die davon heimgesucht werden, zittern und hilflos vor Schrecken sein; alle Gesichter glühen, die strahlende Farbe der Gesundheit verlieren und vor bewusster Hilflosigkeit blass werden und glühen dann vor Angst. V. 7. Sie laufen wie Helden, geradewegs zum Angriff; ersteigen die Mauer wie Kriegsleute, in einem Vormarsch, der nicht aufzuhalten ist; ein jeder zieht auf seinem Weg voran, und weichen nicht von ihren Pfaden, eine Besonderheit, die allen Beobachtern auffällt. Es war und ist vergeblich, ihnen mit den Mitteln zu widerstehen, die gewöhnlich eingesetzt werden, um den Vormarsch einer einfallenden Armee aufzuhalten. V. 8. Keiner stößt den anderen, ohne sich vorzudrängen, auf diejenigen, die vor ihm gehen; sie gehen jeder auf seinem Weg, wie eine gut gedrillte Armee; und brechen durch die Waffen hindurch, lassen sich nicht aufhalten [and. Vers.: werden nicht verwundet], denn sie werden als eine unbesiegbare Armee des Herrn dargestellt. V. 9. Sie stürmen gegen die Stadt, ohne in ihrem Vormarsch behindert zu werden; rennen auf die Mauer, klettern an den Häusern hinauf; dringen wie ein Dieb durch die Fenster. Hieronymus schreibt über dieses Phänomen: „Wenn die Heuschrecken kommen und den ganzen Raum zwischen Erde und Himmel ausfüllen, fliegen sie in perfekter Ordnung, als ob sie einem göttlichen Befehl gehorchten, so dass sie wie die Quadrate eines Pflasters aussehen. Jede hält ihren Platz und weicht nicht einmal um einen Fingerbreit davon ab. Für diese Heuschrecken ist nichts undurchdringlich, Felder, Wiesen, Bäume, Städte, Häuser, sogar ihre geheimsten Kammern.“ V. 10. Die Erde erbebt vor ihnen, erschreckt von ihrer schrecklichen Schar, die Himmel erzittern, widerhallend vom Rauschen ihres Fluges; Sonne und Mond verfinstern sich, und die Sterne verlieren ihren Glanz, ihr Licht wird von den unermesslichen Heuschreckenscharen verdeckt; V. 11. Und der HERR lässt seine Stimme vor seinem Heer erschallen, das hier durch die Heuschrecken symbolisiert wird; denn sein Heerlager ist sehr groß, die Heerscharen unter seinem Befehl sind überaus zahlreich; denn er ist mächtig, der sein Wort vollstreckt und den Willen des Herrn ausführt; denn der Tag des HERRN, sein kommendes Gericht, ist groß und sehr schrecklich; und wer kann ihn ertragen? Es ist offensichtlich, dass die gesamte Beschreibung beiläufig symbolisch für das große und mächtige Gericht des Herrn ist, das in seinen vorläufigen Zügen in der Sintflut, in den beiden Zerstörungen Jerusalems und in verschiedenen anderen Katastrophen und Umwälzungen zu sehen ist, das aber unermesslich größer sein wird, als der Mensch sich vorstellen kann, wenn es tatsächlich eintritt. Vgl. Mal. 3, 2. Da dies wahr ist, hat die Ermahnung des Propheten besondere Kraft.
V. 12. Doch auch jetzt noch, spricht der HERR, kehrt um zu mir mit eurem ganzem Herzen, in wahrer Reue, mit Fasten, Weinen und Klagen, als äußere Zeichen der Herzenswandlung, V. 13. und zerreißt eure Herzen, in wahrer und ungeheuchelter Trauer, und nicht eure Kleider, denn Letzteres können auch Heuchler tun, und kehrt um zum HERRN, eurem Gott; denn er ist gnädig und barmherzig, langmütig und von großer Güte, und es reut ihn bald die Strafe, das heißt, er lässt sich davon überzeugen, nicht allein strenge Gerechtigkeit walten zu lassen. Vgl. 2. Mose 34,6. V. 14. Wer weiß, ob er nicht umkehren, die angedrohte Strafe nicht vollstrecken, es ihn reuen und einen Segen hinter sich zurücklassen wird, nämlich, wenn Er, wie die Menschen Ihn sich vorstellten, auf Seinen Thron im Himmel zurückkehrt, Speisopfer und Trankopfer für den HERRN, euren Gott? Denn durch eine reichliche Ernte, zu der Er sich vielleicht überreden lässt, würde das Volk wieder in die Lage versetzt, seine üblichen Opfer im Tempel darzubringen. Um dies zu erreichen, war es jedoch notwendig, dass sich das Volk zu einem großen Gebets- und Flehen-Gottesdienst versammelte. V. 15. Blast die Posaune in Zion, der Ruf geht erneut hinaus; heiligt ein Fasten, ruft einen Feiertag aus! V. 16. Versammelt das Volk zu einer großen Versammlung der Anbetung und der Fürbitte; heiligt die Gemeinde, damit niemand nach dem Gesetz des Levitikus unrein sei; versammelt die Ältesten, die alten Menschen der Gemeinde; lasst die Kinder und die Säuglinge zusammenkommen, denn niemand soll in diesem großen Ruf nach Gnade ausgelassen werden, da alle, vom Kleinsten bis zum Größten, schuldig waren. Der Bräutigam komme aus seiner Kammer und die Braut aus ihrem Gemach hervor, wo sie sich auf die bevorstehende Hochzeit vorbereiteten. Die Tatsache, dass sogar Säuglinge und Braut und Bräutigam in den Aufruf des Propheten einbezogen wurden, zeigt, dass die Schuld allumfassend und unentschuldbar war. V. 17. Die Priester, die Diener des HERRN, die die Position von Vermittlern zwischen Gott und seinem Volk einnahmen, sollen zwischen der Vorhalle und dem Altar weinen und sagen, in einer feierlichen Litanei, die direkt vor der Tür des Heiligen Ortes gesungen wird: Verschone dein Volk, o HERR, und gib dein Erbe, das Volk, das dein Eigentum ist, nicht der Schmach preis, vgl. 2. Mose 32, 11. 12, dass die Heiden über sie herrschen oder „sie verspotten” mögen. Warum sollten sie unter den Völkern sagen, unter den heidnischen Nationen überall: Wo ist ihr Gott? und so Schande über den heiligen Namen des Herrn bringen. Dies ist eines der stärksten Argumente, das Gläubige vorbringen können, wenn sie ihre Bitte vor den Herrn bringen, nämlich dass die Herrlichkeit seines eigenen Namens erfordert, dass er seine Kinder in Barmherzigkeit ansieht, damit sie nicht den Listigkeiten des Feindes ausgeliefert werden.
Gottes Verheißung zeitlicher und geistlicher Segnungen (V. 18-27): V. 18. Da, als der Herr sah, dass sein Volk wirklich reumütig war, eiferte der HERR um sein Land, von der Leidenschaft seiner Liebe erfüllt sein, vielmehr war er so erfüllt und handelte entsprechend und hatte Mitleid mit seinem Volk. V. 19. Und der HERR antwortete und sagte zu seinem Volk, getrieben von der Glut seiner Liebe zu ihnen: Siehe, ich werde euch Getreide und Wein und Öl senden, die reichsten zeitlichen Segnungen, die durch die erneuerte Fruchtbarkeit des Landes möglich wurden, dass ihr werdet davon satt werdet; und ich werde euch nicht mehr zum Spott unter den Heiden machen, worüber sie in ihrem Gebet geklagt hatten, V. 20. sondern ich werde den Feind von Norden weit von euch entfernen, die Heuschreckenschwärme, die aus dieser Richtung kamen, und werde ihn in ein ödes und wüstes Land treiben, in die Wüste Arabiens, seine Vorhut zum Ostmeer, das heißt zum Toten Meer, und seine Nachhut, zum Westmeer, das heißt zum Mittelmeer; und sein Gestank wird aufsteigen, der schreckliche Gestank der verwesenden Insekten, und sein Verwesungsgeruch wird aufsteigen, weil er Großes vollbracht hat, wobei die gesamte Beschreibung die schnelle und vollständige Zerstörung der großen Plage darstellt. V. 21. Fürchte dich nicht, liebes Land, das ganze Land ist wie zuvor in dieser neuen Ermahnung eingeschlossen; freue dich und juble, nämlich über die Heerscharen, die das Land verwüstet haben; denn der HERR hat Großes getan, der Herr ist in der Lage, wunderbare Werke zu vollbringen, um sein Volk zu befreien. V. 22. Fürchtet euch nicht, ihr Tiere des Feldes, die ihr so dringend Nahrung gebraucht habt; denn die Weiden der Steppe, die großen Prärien des Südens, grünen wieder, grün und reich an Gras; und die Bäume tragen ihre Früchte wie vor der schrecklichen Heimsuchung, der Feigenbaum und der Weinstock geben ihren Ertrag [w.: Kraft] und bringen Früchte wie früher. V. 23. Freut euch, ihr Kinder Zions, ihr Bewohner Judas, ihr Kinder des Herrn, und jubelt über den HERRN, euren Gott, den Gott des Bundes, den Herrn der Barmherzigkeit; denn er hat euch den Frühregen nach dem Maß gegeben, wörtlich „einen Lehrer der Gerechtigkeit” oder „Regen in gerechtem Maß”, wobei die Bedeutung des hebräischen Wortes bis zu einem gewissen Grad umstritten ist; [der Früh- oder Herbstregen ist, wie das hebräische Wort andeutet, zugleich ein Symbol für den Segen des Lehrers der Gerechtigkeit, der kommen sollte, Christus; s.a. Anmerkung Evangelical Heritage Version]; und er wird für euch den Regen, den Frühregen und den Spätregen herabkommen lassen wie zuvor, wobei der Frühregen direkt nach der Aussaat im Herbst und der Spätregen kurz vor der Ernte im Frühjahr kommt. V. 24. Und die Tennen, die Dreschplätze, werden voll Getreide sein, das Ergebnis einer neuen, reichen Ernte, und die Keltern werden überfließen von Wein und Öl, da die Behälter der Weinberge die reiche Fülle der Segnungen nicht fassen können. V. 25. Und ich werde euch erstatten, ersetzen, die Jahre, die die Heuschrecken, der Abfresser, Das Geschmeiß und der Nager, mein großes Heer, die ich unter euch gesandt habe, gefressen haben, wobei die Insekten aus Kap. 1, 4 in umgekehrter Reihenfolge genannt werden. V. 26. Und ihr werdet reichlich zu essen haben, eine Fülle der besten Speisen haben, und satt werden und den Namen des HERRN, eures Gottes, loben, der Wunderbares an euch getan hat, indem er seine Wunder durch die Art und Weise, wie er mit ihnen umgegangen ist, bekannt gemacht hat; und mein Volk wird nie mehr zuschanden werden, niemals zu Recht mit Spott und Schande überhäuft werden, da es so offensichtlich wäre, dass der Herr auf ihrer Seite steht. Dies würde darüber hinaus mehr denn je durch die Fülle der geistigen Segnungen bestätigt werden, die Er über Seine Kinder ausgießen wollte, nachdem sie wieder zu Seinen Söhnen geworden waren. V. 27. Und ihr werdet erkennen, dass ich inmitten Israels bin, als sein auserwähltes Volk, und dass ich der HERR, euer Gott, der Gott des Bundes bin, und keiner sonst; und mein Volk, das wahre geistliche Israel, wird nie mehr zuschanden werden.
Verheißung der Ausgießung des Heiligen Geistes.
Erlösung Israels, Schutz der Kirche, Vernichtung der Feinde
Die
Verheißung der Ausgießung des Heiligen Geistes (V. 1-5): V. 1. Und danach wird es
geschehen, in der messianischen Zeit, auf die diese Prophezeiung
hinauslief, dass ich meinen Geist über alles Fleisch ausgießen werde,
über Menschen jeder Rasse und Nation; und eure Söhne und eure Töchter werden
weissagen und offen die großen Taten Gottes verkünden, eure Alten werden
Träume haben, eure Jungen werden Visionen sehen, die großen Möglichkeiten
des Wirkens des Herrn und die Energie zur Ausführung der Pläne des Herrn werden
zu ihnen kommen und sie mit unwiderstehlicher Kraft vorantreiben, die Barrieren
sowohl des Geschlechts als auch des Alters werden beseitigt, außer wie in
anderen Teilen der Schrift eingeschränkt; V. 2. und auch auf die Knechte und
Mägde, auf die Geringsten im Lande, werde ich in jenen Tagen meinen
Geist ausgießen, wobei alle sozialen Unterschiede in der Zeit des Neuen
Testaments, soweit es das Werk der Kirche betrifft, aufgegeben werden. Diese
Prophezeiung erfüllte sich, was ihren Anfang betrifft, am großen Pfingsttag,
wie Petrus auch in der Einleitung zu seiner kraftvollen Predigt vor den
erstaunten Einwohnern der Stadt Jerusalem in Apostelgeschichte 2, 17-21
feststellt. Aber dieses Ereignis hat seine wunderbaren Verheißungen keineswegs
erschöpft; denn der Geist des Herrn wird auch heute noch auf die Mitglieder der
Kirche des Neuen Testaments ausgegossen und wird allen wahren Gläubigen bis zum
Ende der Zeit gegeben werden. Aber diese große und wunderbare Tat des Herrn
steht Seite an Seite mit seinem Gericht über die Völker. V. 3. Und ich werde
Wunderzeichen am Himmel und auf der Erde zeigen, seltsame und erschreckende
Vorzeichen, Blut und Feuer und Rauchsäulen, Wunder am Himmel oben und
Zeichen seiner Majestät auf der Erde unten, Blut und Feuer und Rauchwolken. V.
4. Die Sonne wird sich in Finsternis verwandeln, in eine dunkle und
kalte Masse, und der Mond in Blut, da blutige Kriege und Verwüstungen
auf der Erde stattfinden würden, bevor der große und schreckliche Tag des HERRN
kommt, nämlich der Tag des Jüngsten Gerichts. Vgl. 1 Thess. 5, 2; 1 Kor. 1,
8; 2 Kor 1, 14; 2 Thess 2, 8. V. 5. Und es wird
geschehen, dass während dieser großen Zeit der Vorbereitung des Herrn auf
das endgültige Gericht, während der gesamten messianischen Zeit: Wer den
Namen des HERRN anruft, den Herrn bekennt und ihn als den einzigen Retter
der Menschheit annimmt, wird errettet werden, gerettet vor dem kommenden
Zorn; denn auf dem Berg Zion und in Jerusalem wird Rettung sein, die
Botschaft des Evangeliums, verkündet in und durch die Kirche Gottes, die allen
Gläubigen Erlösung und die Gewissheit des ewigen Lebens bringt, wie der HERR
verheißen hat, und bei den Übriggebliebenen, die der HERR berufen wird,
nämlich den Überresten gemäß der Gnadenwahl, dem Volk, das der Herr aus allen
Nationen der Erde erwählt hat. Diese herrliche Verheißung gilt bis zum heutigen
Tag für alle, die sich in Buße und Glauben dem Herrn zuwenden, seinen Namen als
den einzigen Erlöser bekennen und ihn inbrünstig um Befreiung von allem Bösen
bitten, insbesondere von der Sünde des Fleisches.
Gottes Gericht über seine Feinde (V. 6-13): V. 6 (4,1). Denn siehe, in jenen Tagen und zu jener Zeit, in der messianischen Zeit, die gerade anhand ihrer herausragenden Merkmale beschrieben worden war, wobei der Tag des Gerichts in der Beschreibung sehr prominent hervorgehoben wurde, wenn ich das Geschick Judas und Jerusalems, des geistlichen Israels, durch die Erlösung durch Christus, wiederherstellen werde, wofür die Rückkehr Judas aus dem Exil nur ein Vorbild war, V. 7 (4,2). werde ich alle Völker versammeln, mit den großen und mächtigen heidnischen Nationen, und sie hinabführen in das Tal Joschafat, das hier zum Schauplatz des letzten großen Gerichts über die Menschen gemacht wird, und dort mit ihnen rechten, indem ich einen formellen Prozess mit ihnen führe, wegen meines Volkes und meines Erbteils Israel, im Interesse des Volkes des Herrn, das sie unter die Nationen zerstreut haben, in den verschiedenen Unterdrückungen und Gefangenschaften, die das Volk des Herrn seit frühester Zeit heimgesucht haben, und mein Land geteilt haben, es sich angeeignet oder aufgeteilt haben, wie es ihnen passte. V. 8 (4,3). Und sie haben das Los geworfen über mein Volk, nachdem sie es gefangen genommen hatten, und haben einen Jungen für eine Hure gegeben, nämlich als Preis, für den sie sich die Dienste einer Prostituierten gesichert haben, und haben ein Mädchen für Wein verkauft, um sich zu betrinken, und vertrunken. Die Beschreibung ist typisch für die Art und Weise, wie die Feinde des Herrn seit jeher mit den Gläubigen umgegangen sind. V. 9 (4,4). Und was habt ihr mit mir zu tun, ihr von Tyrus und Sidon und alle Bezirke der Philister? Das heißt, welchen Zweck verfolgten sie mit ihrem Handeln, als nicht nur die Hauptstädte Phöniziens, sondern auch die Stadtstaaten Philistias solche Feindseligkeit gegen ihn zeigten? Wollt ihr mir etwas vergelten? Sie wollten Rache für das nehmen, was sie als Unrecht empfanden. Sie hatten weder Grund, Rache zu nehmen, noch Gelegenheit, sie auszuüben. Und wenn ihr mir Vergeltung zufügt, werde ich eure Vergeltung schnell und unverzüglich auf euren eigenen Kopf zurückbringen, vgl. Ps. 7, 17, V. 10 (4,5). Denn ihr habt mein Silber und mein Gold genommen, aus den Tempelschätzen und aus der ganzen Stadt Jerusalem, und meine wertvollsten Kleinode in eure Tempel gebracht, darunter auch die Paläste ihrer Herrscher, meine schönen, angenehmen Dinge, seine kostbarsten Besitztümer; V. 11 (4,6). Auch die Kinder Judas und die Kinder Jerusalems habt ihr an die Griechen verkauft, wobei die Philister diejenigen waren, die die Gefangenen in die Sklaverei zwangen, und die Phönizier diejenigen, die als Vermittler beim Verkauf der hebräischen Sklaven fungierten, um sie weit von ihrem Gebiet zu entfernen, um in fernen Ländern Sklaven zu sein. V. 12 (4,7). Siehe, ich werde sie aus dem Ort herausholen, wohin ihr sie verkauft habt, und sie von den Herren befreien, an die sie verkauft worden sind, und euer Tun auf euren eigenen Kopf zurückbringen, damit ihre Rache auf sie selbst zurückfällt; V. 13 (4,8). und ich werde eure Söhne und Töchter in die Hand der Kinder Judas verkaufen, als Tyrus und Sidon erobert und ihre Einwohner entweder getötet oder in die Sklaverei gebracht wurden, und sie werden sie an die Sabäer verkaufen, die als das am weitesten im Osten gelegene Volk in der arabischen Wüste erwähnt werden, an ein fernes Volk; denn der HERR hat es gesagt. Die Bildsprache dieses Absatzes basiert zumindest teilweise auf den Ereignissen jener Tage; aber die Anwendung umfasst weit mehr als das, denn der Herr macht diese Ereignisse zu einem Symbol für die Strafen, die er für alle seine Feinde vorgesehen hat.
Der HERR, die Hoffnung seines Volkes (V. 14-26): V. 14 (4,9). Ruft dies unter den Heiden, als sie sich bereit machten, Krieg gegen das Volk des Herrn zu führen. Heiligt euch zum Krieg, weiht das Unternehmen durch Opfer, erweckt die Helden, lasst sie aus ihrer Untätigkeit erwachen, lasst alle Kriegsleute herantreten und heraufkommen und sich für den Feldzug versammeln. V. 15 (4,10). Schmiedet eure Pflugscharen zu Schwertern und eure Winzermesser zu Spießen und setzt alle Kräfte ein, um ihren unheiligen Krieg zu gewinnen. Die Schwachen sage: Ich bin stark, wie wenn kriegerische Erregung eine ganze Nation erfasst. V. 16 (4,11). Eilt und kommt, alle Heiden, und versammelt euch ringsum, denn das Volk des Herrn wird immer als das Volk angesehen, das eine zentrale Stellung auf der Erde einnimmt; dorthin lass deine Starken herabkommen, o HERR, um der Invasion der Feinde mit einem furchtlosen Gegenangriff zu begegnen, V. 17 (4,12). Die Heiden sollen sich aufmachen, zum Krieg aufgerufen werden und zum Tal Joschafat hinaufkommen; denn dort werde ich sitzen, um alle Heiden ringsum zu richten, alle heidnischen Völker der Welt, da sie alle bis zum Zeitpunkt des Jüngsten Gerichts mit der Botschaft des Evangeliums in Berührung gekommen sein werden. V. 18 (4,13). Schlagt die Sichel an, ruft der Herr seinen mächtigen Helden zu, denn die Ernte ist reif, die Ernte der Welt hat ihre Reife erreicht. Kommt, stampft und stampft die Fässer mit den geernteten Trauben, denn die Kelter ist voll, die Kufen laufen über, die Erde ist mehr als reif für das Gericht des Herrn; denn ihre Bosheit ist groß. Vgl. Offb. 14, 15-18. V. 19 (4,14). Scharen über Scharen treffen im Tal der Entscheidung, denn mit der Verkündigung des Evangeliums unter allen Völkern ist die Stunde der Entscheidung für sie alle gekommen, vgl. Johannes 3, 18-21; denn der Tag des HERRN, das endgültige Gericht, ist nahe im Tal der Entscheidung und wird sich offenbaren, sobald alle Menschen die Gelegenheit gehabt haben, die Botschaft des Evangeliums zu hören. V. 20 (4,15). Die Sonne und der Mond werden sich verfinstern, und die Sterne werden ihren Glanz verlieren. Vgl. Kap. 2, 31. V. 21 (4,16). Und der HERR wird aus Zion heraus brüllen, mit einer Stimme wie Donner, die seine Feinde erschreckt, und seine Stimme aus Jerusalem erschallen lassen, in dem Wort, das dort seit so vielen Jahrhunderten verkündet wurde; und Himmel und Erde werden erbeben. Aber der HERR wird eine Zuflucht seinem Volk und eine Burg der Kinder Israels sein. „Zion oder Jerusalem ist natürlich nicht das irdische Jerusalem in Palästina, sondern die Heilige Stadt des lebendigen Gottes, in der der Herr für immer mit seiner erretteten und verherrlichten Gemeinde vereint sein wird.“ V. 22 (4,17). So werdet ihr erkennen, dass ich der HERR, euer Gott, bin, der auf Zion, meinem heiligen Berg, inmitten der Gemeinde der Gläubigen wohnt. Dann wird Jerusalem heilig sein, eine wahre Gemeinschaft der Heiligen; und keine Fremden werden mehr hindurchziehen, nur diejenigen, die durch das Blut Christi nahegebracht worden sind. V. 23 (4,18). Und es wird geschehen an jenem Tag, wenn die Segnungen der messianischen Zeit ausgeteilt werden, dass die Berge von Most tropfen und die Hügel von Milch überfließen und alle Bäche Judas, von denen die meisten außer in der Regenzeit trocken waren, werden voll Wasser strömen und eine Quelle aus dem Haus des HERRN hervorbrechen wird, vgl. 2. Mose 47, 1-12, und wird das Tal von Schittim bewässern, das sonst eine trockene Wüste ist. Die Beschreibung zeigt treffend die Kraft der Botschaft des Evangeliums, die von der Kirche Christi ausgeht und sogar den unfruchtbaren Orten der Erde, den Herzen der Ungläubigen und gottlosen Menschen überall Fruchtbarkeit bringt. V. 24 (4,19). Ägypten wird eine Wüste sein, und Edom eine öde Steppe sein, da diese beiden Länder die Feinde des Herrn repräsentieren, wegen der Gewalt gegen die Kinder Judas, die Vertreter der Kirche des Herrn, weil sie unschuldiges Blut in ihrem Land vergossen haben. V. 25 (4,20). Aber Juda wird für immer bewohnt werden und Jerusalem von Generation zu Generation, denn die streitende Kirche wird mit der triumphierenden Kirche verschmelzen. V. 26 (4,21). Und ich werde ihr Blut sühnen, das ich nicht gesühnt hatte, nämlich durch die Sühne, die der Messias vollbracht hat; denn der HERR wohnt in Zion. Die gesamte Beschreibung spricht eindeutig nicht von einer bloßen irdischen, zeitlichen Verherrlichung Jerusalems und einer entsprechenden Verwüstung Ägyptens und Edoms, sondern letztere sind Symbole für die Mächte, die sich der Kirche Gottes widersetzen, und der Herr legt die Segnungen dar, die das Werk der Kirche den Menschen bringt, auf der Grundlage der Erlösung, die durch Jesus Christus bewirkt wurde. Vgl. Offb. 22, 2. Der Herr wohnt inmitten seiner Kirche und offenbart sich als König seines Volkes, teils durch die Vernichtung seiner Feinde, teils durch die Vollendung seines Reiches in Herrlichkeit.
A Entnommen aus: Dr. Martin Luthers Sämtliche Schriften. Hrsg. von Joh. Georg Walch. Nachdr. der 2., überarb. Aufl. St. Louis, Missouri. Bd. 14. Groß Oesingen: Verl. der Lutherischen Buchhandlung Heinrich Harms. 1987. Sp. 54-57