Das Buch des Propheten Daniel

 

Luthers Vorrede ueber den Propheten Daniel, nebst Auslegung des elften und zwoelften

    Kapitels                               S.   1

Einleitung                                S.   8

Kapitel 1                                  S.   8

Kapitel 2                                  S. 10

Kapitel 3                                  S. 13

Kapitel 4                                  S. 16

Kapitel 5                                  S. 19

Kapitel 6                                  S. 21

Kapitel 7                                       S.

Kapitel 8                                       S.

Kapitel 9                                       S.

Kapitel 10                                     S.

Kapitel 11                                     S.

Kapitel 12                                     S.

Geschichtlicher Hintergrund zu den siebzig Jahrwochen in Daniel 9                                          

Geschichtlicher Hintergrund von Daniel 11                                                    

 

 

 

Luthers Vorrede ueber den Propheten Daniel, nebst Auslegung des elften und zwoelften Kapitels

(1530) A

 

    1. Auf dass die Einfältigen und die, so die Geschichten nicht wissen noch lesen können, dies Buch St. Daniels doch etlichermaßen können vornehmen, will ich mit dieser Vorrede eine kleine Anweisung geben. Und aufs erste, wie Daniel etliche Jahre vor der Zerstörung Jerusalems nach Babel sei gekommen, unter dem König Jojakim, welchen der König Nebukadnezar fangen und binden ließ, und wollte ihn nach Babel führen, und doch andern Rats war und ließ ihn da bleiben, führte aber etliche der besten Leute (unter welchen Daniel auch gewesen ist) und Gefäße aus dem Tempel mit sich; von dem allen findet man im zweiten Buch der Könige im 24. Kapitel, V. 14-16, und in [dem zweiten Buch] der Chronik im 36. Kapitel, V. 20.

    2. Im ersten Kapitel geht vorher ein schönes Beispiel von dem Leben Daniels, wie heilig, wie gottesfürchtig und wie eines großen, ritterlichen Glaubens zu Gott er gewesen sei, unter solchem wüsten, heidnischen Wesen und unter so greulichen Ärgernissen, so er zu Babel hat müssen sehen und hören täglich; und doch fest und beständig geblieben [und] solches alles in seinem Herzen überwunden. Darum folgt auch bald hernach, wie Gott ihm so große Gnade erzeigt, und zum ersten geistlich hoch ehrt, mit Weisheit und Verstand über alle Menschen begabt, und nachher auch weltlich hoch gesetzt und eitel mächtige, große Wunder und Werke durch ihn tut. Damit er uns allen anzeigt, wie lieb und wert er habe die, so ihn fürchten und ihm vertrauen. Und [er] lockt uns mit solchem großen Beispiel gar freundlich zur Gottesfurcht und Glauben.

    3. Im zweiten Kapitel geht Daniels Ehre, verursacht durch des Königs Traum, welchen Daniel aus göttlicher Offenbarung wieder findet und deutet. Dadurch wird er ein Fürst im ganzen Land Babel und Bischof oder Oberster über alle Geistlichen und Gelehrten. Welches geschieht auch dem jüdischen Volk zu Trost, auf dass sie im Elend nicht zweifeln oder ungeduldig sein sollen, als hätte sie Gott verworfen und seine Verheißung von Christus aufgehoben. Darum muss ein gefangener Jude ein solch großes Königreich regieren und kein Babylonier solche Ehre haben; gerade, als wäre er dazu gefangen weggeführt, dass er so ein großer Herr werden sollte, auch über die, so ihn gefangen hatten und hielten. So gar wunderlich führt Gott seine Gläubigen und gibt viel mehr, als ein Mensch wünschen kann.

    4. Der Traum aber und das Bild ist im Text durch Daniel selbst klar gedeutet von den vier Königreichen, als da ist das erste, der Assyrer oder Babylonier, das zweite, der Meder und Perser, das dritte des großen Alexander und der Griechen, das vierte, der Römer. In dieser Deutung und Meinung ist alle Welt einträchtig, und das Werk und die Geschichten beweisen’s auch gewaltig.

    5. Aber vom Römischen Reich redet er am meisten und längsten. Darum müssen wir auch fleißig zuhören. Am Ende, da sich die eisernen Schenkel beginnen zu teilen in die Zehen und Füße, deutet er drei Stücke vom Römischen Reich.

    6. Das erste ist, dass die Zehen geteilt sind, aber doch gleichwohl den Ursprung von dem eisernen Fuß behalten, gleichwie im menschlichen Leib auch die Zehen sich teilen, aber doch gleichwohl aus dem Fuß herwachsen und zum Fuß gehören. So ist das Römische Reich zertrennt, da Spanien, Frankreich, England und andere Stücke mehr davon gekommen sind. Es ist aber dennoch herausgewachsen und gleich wie eine Pflanze versetzt (wie sie es nennen), translatum, von den Griechen auf die Deutschen; so, dass dennoch des Eisens Art da ist geblieben; denn es hat noch seine Stände, Ämter, Rechte und Gesetze, wie es vor Zeiten gehabt. Darum spricht er hier: Ob es wohl ein zertrenntes Reich sein wird, so soll doch Eisens Wurzel, Pflanze oder Stamm darinnen sein.

    7. Das zweite Stück, dass solche geteilte Zehen ungleich sind, eines Teils Eisen, eines Teils Ton, welches er selbst deutet, dass es soll ein solches zerteiltes Reich sein, dass es etwa mächtig, etwa schwach sei, das findet sich so. Denn es hat oft manchen weidlichen Kaiser gehabt, wie Carolus Magnus [Karl den Großen], die drei Ottonen, und dergleichen, die unüberwindlich gewesen sind. Wiederum auch oft schwache und unselige Kaiser, die oft überwunden sind. Das wird aber alles darum gesagt, dass wir wissen, wie das Römische Reich soll das letzte sein, und niemand soll es zerbrechen, außer allein Christus mit seinem Reich. Darum, ob sich gleich viele Könige gegen das deutsche Kaisertum gesetzt haben und der Türke auch dawider tobt und sie alle vielleicht etliche Male eine Schlacht gewinnen mögen, so müssen sie doch solcher eisernen Wurzel und Pflanze nicht mächtig werden oder sie gar ausrotten. Es muss bleiben bis an den Jüngsten Tag, wie schwach es immer sei. Denn Daniel lügt nicht, und bisher die Erfahrung auch bewiesen hat, beide, an Päpsten selbst und an Königen.

    8. Das dritte Stück, dass solche zerteilte, ungleiche Zehen gleich gemengt oder einer um den andern gewechselt stehen, deutet er selbst, dass [es] ein solch schwaches Reich sein wird, das sich mit Bündnis und Verwandtschaft hin und her bei anderen Königen flicken und sich stärken wird; aber es wird doch nicht helfen noch Treue finden. Und muss so allein durch Gottes Vorsehung seine Stärke und Sieg haben, wenn es sein soll.

    9. Den Berg, davon der Stein ohne Menschenhände gerissen wird, deuten etliche die heilige Jungfrau Maria, von welcher Christus geboren ist, ohne menschliches Zutun; und ist nicht unchristlich geredet. Es mag aber auch wohl der Berg sein das ganze jüdische Reich, aus welchem Christus gekommen und ihr Fleisch und Blut ist, und nun doch von ihnen gerissen und unter die Heiden gekommen; da ist er in aller Welt ein HERR geworden, in allen diesen vier Königreichen, und wird’s auch bleiben.

    10. Im dritten Kapitel beschreibt er abermals ein großes Wunderzeichen des Glaubens, dass die drei Männer im glühenden Ofen erhalten werden. Dadurch denn Gott bekannt [gemacht] und gepriesen ward vom König, durchs ganze Königreich, auch mit Schriften. Welches abermals geschieht zu Trost den gefangenen Juden, welche samt ihrem Gott gar verachtet und nichts waren zu Babel unter den Tyrannen und falschen Göttern. Aber hier wird ihr Gott hoch geehrt über alle Götter, auf dass sie ja fest glauben sollen, er könne und wolle sie wohl erlösen zu rechter Zeit, und indes an solcher seiner Ehre und Wunder sich halten und trösten.

    11. Im vierten Kapitel steht ein treffliches Beispiel gegen die Wüteriche und Tyrannen. Denn da wird der große, mächtige König seiner Vernunft beraubt und so rasend und toll, dass man ihn, wie einen tollen Hund, mit Ketten binden und auf dem Feld gehen lassen muss, den man bei den Leuten nicht hat mögen leiden. Jetzt, weil es da im Buch steht, scheint es ein geringes Ding; aber wenn wir hätten sollen dabei gewesen sein und solches gesehen haben, so würden wir ein schreckliches, greuliches Urteil Gottes gesehen haben, so, dass sich wohl jedermann hätte müssen von Herzen erbarmen über alle Oberherren und bösen Tyrannen, dass sie so ein grausames Urteil müssen erwarten, wo sie ihre Herrschaft missbrauchen.

    12. Solches aber geschieht auch zu Trost dazumal den elenden gefangenen Juden und jetzt immerdar allen, so von den Tyrannen geplagt werden oder Unrecht leiden, dass sie sehen, wie Gott wolle und könne uns rächen an unsern Feinden, mehr, als wir wünschen dürfen, wie der 58. Psalm, V. 11, auch sagt: „Der Gerechte wird mit Freuden die Rache sehen und seinen Gang in des Gottlosen Blut baden.“ Darum sollen wir solche Tyrannen nicht allein geduldig erleiden, sondern auch uns ihres künftigen Urteils erbarmen und für sie herzlich bitten. Gleichwie hier der fromme Daniel tut und betrübt sich, dass dem König (der sie doch gefangen und ihr Land zerstört hat) so übel gehen sollte, und wünscht es lieber seinen Feinden.

    13. Aber wiederum ist das für die frommen Herren und Fürsten ein tröstliches, liebliches Bild, dass Gott der HERR auch diesen tyrannischen König durch einen schönen Baum vorbildet, der alle Tiere nährt und unter seinem Schaffen ruhen lässt, damit Gott anzeigt, dass er Ruhe und Frieden, Schutz und Schirm, Nahrung und Güter und dies ganze zeitliche Leben durch die Obrigkeit gebe und erhalte, und dass ihm sehr wohlgefalle, wo ein Herr oder Fürst solches sein Amt fleißig übt. Denn es sind schöne Früchte, schöne Äste, schönes Laub (spricht er), das ist, es sind köstliche, edle, gute Werke. Weil es denn Gott selbst wohlgefällt, dass er’s so fein malt, lobt und ziert, sollte ein Herr ja mit Lust und Liebe sein Amt treiben, ob’s gleich voller Mühe und Arbeit ist. So sollen wir auch nicht achten, wie böse die Tyrannen sind, sondern wie ein köstliches, nützliches Amt sie haben von Gott, uns zu Gut und Heil eingesetzt.

    14. Im fünften Kapitel kommt aber[mals] ein Beispiel gegen die Tyrannen. Denn das vorige Beispiel ist noch leidlich, weil derselbe König sich strafen lässt und bekehrt sich zu Gott mit rechter Buße, Demut und Bekenntnis, dass er ohne Zweifel aus einem Tyrannen ein großer Heiliger ist geworden. Aber hier wird der verstockte, unbußfertige Tyrann, der sicher und fröhlich ist, in seiner Bosheit gestraft, ohne alle Barmherzigkeit, dass er Leib und Leben, Land und Leute auf einmal verliert. Welches freilich zu einem Schrecken allen dergleichen Tyrannen geschrieben ist.

    15. Im sechsten Kapitel kommt ein feines, liebliches Beispiel, da ein feiner, frommer König ist, der Daniel lieb hat. Des muss Daniel auch bei den andern großen Haufen entgelten; die beweisen ihm ein Hofetücklein und er wird auch endlich in der Löwen Loch geworfen. Da werden die gefangenen, elenden Juden wiederum betrübt worden sein. Aber Gott beweist sich abermals redlich und tröstlich und kehrt das Spiel fein um, dass Daniels Feinde das mussten selbst ausessen, das sie ihm hatten eingebrockt; wie der 7. Psalm, V. 15.17 sagt: „Sieh gehen mit Unglück schwanger, aber sie gebären einen Fehl. Ihr Unglück fällt auf ihren Kopf und ihr Frevel auf ihren Wirbel.“ So ist Daniels Leben nichts anderes als ein feiner, reiner Spiegel, darin man sieht des Glaubens Kampf und Sieg durch Gottes Gnade wider alle Teufel und Menschen, und seine große Frucht und Nutzen, den er durch Geduld und Kreuz schafft, beide vor Gott und der Welt.

    16. Im siebten [Kapitel] gehen an die Gesichte und Weissagungen von den zukünftigen Königreichen und besonders von dem Reich Christi, um welches willen alle diese Gesichte geschehen. Und aufs erste, die vier Königreiche, die er droben im 2. Kapitel, V. 31, im großen Bild angezeigt hat, sieht er hier abermals in einer andern Gestalt, nämlich in vier Tieren, allermeist um des vierten Tiers, des römischen Reichs willen, davon er etwas weiter sagen will. Denn unter demselben römischen Reich sollte das größte Ding auf Erden geschehen, nämlich Christus kommt, die Menschen erlösen und die Welt ihr Ende nehmen.

    17. So ist nun das erste Tier, das Königreich zu Assyrien und Babylon, das ist, der Löwe mit den zwei Adlersflügeln; denn es ist das edelste und beste, und (wie droben gesagt) das goldene Königreich gewesen vor allen. Die zwei Flügel sind die zwei Stücke des Reichs, Assyrien und Babylon. Und ihm wird ein menschliches Herz gegeben, denn es hat der andern Königreiche keines solchen König gehabt, der so wunderlich zu Gottes Erkenntnis gekommen sei, auch nicht so viel großer, heiliger, weiser Leute am Hof gehabt als dies Königreich.

    18.  Das andere Tier, der Bär, ist das Königreich in Persien und Medien, welches hat das vorige zu Babel zerstört und ihm seine Flügel ausgerauft. Und [es] hat unter seinen Zähnen drei Rippen (das sind drei große, lange Zähne), das sind die vornehmsten Könige Kores [Kyros], Darius und Xerxes, welche das meiste in diesem Königreich getan und viel Fleisch gefressen, das ist, große Länder gewonnen haben.

    19. Das dritte Tier, der Parder, mir vier Flügeln und vier Köpfen, ist das Königreich des großen Alexander in Griechenland, aus welchem danach vier Königreiche geworden sind, wie wir im folgenden Kapitel hören werden.

    20. Das vierte Tier, mit den eisernen Zähnen, ist nun das, welches eigentlich gemeint ist, das letzte, nämlich das römische Königreich, mit welchem die Welt soll ein Ende haben. Wie denn hier Daniel viel sagt vom Jüngsten Gericht und von der Heiligen Königreich, so nach diesem Königreich folgen soll. Er malt aber dasselbe römische Königreich so, dass[es] zum ersten soll zertrennt werden in zehn Königreiche; das sind die zehn Hörner, wie Syrien, Ägypten, Asia  [Kleinasien], Gräcia [Griechenland], Afrika, Spanien, Gallien, Italien, Germanien, Anglien [England]; und dass ein kleines Horn soll drei Hörner von den vordersten zehn Hörnern abstoßen, das ist, der Mohammed oder Türke, der jetzt Ägypten, Asia und Gräcia hat; und wie dasselbe kleine Horn soll die Heiligen bestreiten und Christus lästern; welches wir alles erfahren und vor unseren Augen sehen. Denn der Türke hat großen Sieg gegen die Christen gehabt und leugnet doch Christus und hebt seinen Mohammed über alles, dass wir nun gewiss nichts zu erwarten haben als den Jüngsten Tag; denn der Türke wird nicht mehr Hörner über die drei abstoßen.

    21. Im achten Kapitel hat Daniel ein besonderes Gesicht; nicht, dass es die ganze Welt, wie das vorige, sondern sein Volk, die Juden, betrifft, wie es ihnen gehen sollte vor dem römischen Reich, und ehe nun Christus kommen würde, nämlich unter dem dritten Reich des großen Alexander; auch dass sie abermals getröstet werden und nicht verzagen in dem Jammer, der über sie kommen würde, als wollte Christus abermals sie lassen und nicht kommen.

    22. Und Daniel zwar deutet das Gesicht selbst, dass der Widder mit den zwei Hörnern sei der König in Medien und Persien. Der Ziegenbock sei der große Alexander, der schlug Darius, den letzten König in Persien, und gewann sein Königreich. Und Daniel spricht, dass der Bock habe gleich[sam] geflogen, dass er die Erde nicht rührte. Denn Alexander ging so schleuig, dass er in zwölf Jahren die Welt bezwang und fing an, da er zwanzig Jahre alt war, und starb im 32. Jahr; dass freilich für eine Person kein größerer Mann (nach der Welt zu reden) auf Erden gekommen ist noch kommen wird. Aber das bald aufgeht, das vergeht auch bald, denn sein Königreich zerfiel gleich, da er starb, und wurden die vier Königreiche draus: Syrien, Ägypten, Asia, Gräcia.

    23. Nun lässt Daniele die zwei, Asia und Gräcia, fahren und nimmt die zwei, Syrien und Ägypten, vor sich. Denn zwischen diesen zweien liegt das jüdische Land, und hat Syrien gegen Mitternacht [Norden] und Ägypten gegen Mittag [Süden], welche hatten ewigen Streit miteinander. Darum wurden die Juden, weil sie so zwischen Tür und Angel staken, von beiden Seiten wohl geplagt. Jetzt fielen sie Ägypten zu, jetzt Syrien, darnach ein Königreich dem andern überlegen war, und mussten der Nachbarschaft übel entgelten, wie es denn geht in Kriegsläuften. Besonders, da der lose Mann König in Syrien war, den die Geschichte Antiochus den Edlen nennt, der griff greulich auf die Juden, würgte und wütete wie ein Teufel unter ihnen: Den Gottesdienst zu Jerusalem legte er nieder, machte den Tempel zu Schanden, plünderte und nahm alle Kleinode, richtete Abgötterei und Götzen drinnen auf, verjagte und tötete die Priester und alles, was nicht wollte, wie er wollte. Er wollte schlicht aus allerlei Glauben einerlei Glauben machen, und das sollte der Griechen Glaube sein. Dazu halfen ihm denn etliche abtrünnige Buben aus den Juden, die sonst nicht konnten emporkommen, wie man das weiter im ersten Buch der Makkabäer im ersten Kapitel findet. Aber er trieb es nicht lange.

   24. Von diesem Antiochus sagt nun hier Daniel, dass nach dem Alexander aus der vier Hörner einem sei ein kleines Horn gekommen, das isst, Antiochus der Edle, aus dem Horn Syrien; der wurde mächtig gegen Mittag, Morgen [Osten] und gegen das werte Land, das ist das jüdische Land. Denn Antiochus nahm dem König in Ägypten viel Land und Städte durch große Verräterei und Schalkheit, wie hernach im 11. Kapitel folgen wird. So warf er auch viel Sterne zur Erde, dass viele heilige Leute unter den Juden umkamen; verwüstete und schändete dem Gott vom Himmel seinen Gottesdienst im Tempel und setzte AbgöttereiB hinein. Gegen solchen Teufel erweckte Gott den Judas Makkabäus mit seinen Brüdern, die stritten und taten große, redliche Taten, schlugen in fünf Jahren schier bei 200.000 Mann tot, Makk. Buch 2, und reinigten das Land und den Tempel und brachten alles wieder zurecht. Wie hier im Text steht, dass der Tempel nach 2.300 Tagen gereinigt werden soll, welche machen sechs Jahre und ein Vierteljahr; denn ebenso lange wütete auch der Antiochus gegen die Juden, und starb auch in demselben siebten Jahr. Und trifft die Zahl fein gleich zu, wie das Makkabäerbuch beweist.

    25. Darum spricht hier der Engel, dass der König Antiochus großen Schaden tun werde, und sei ein frecher, unverschämter König. Denn er führte auch ein loses, schändliches Leben für seine Person, in aller Unzucht, wie die Geschichten schreiben. Aber er soll (spricht er) ohne Hand zerbrochen werden. Denn da er in Persien Geld holen wolle, befahl er dieweil seinem Feldhauptmann Lysias, dass er die Juden schlicht sollte ausrotten und vertilgen. Aber da er kein Geld konnte kriegen und vernahm, dass Judas Makkabäus Lysias mit seinem Heer hatte geschlagen und niedergelegt, ward er vor großem Zorn und Ungeduld krank, dass [es] ihm nicht nach seinem Sinn gegangen war, und starb auch so vor großem Leid und Jammer in fremden Landen [1. Makk. 6,1-16].

    26. So soll’s den Tyrannen gehen. Denn dieser Antiochus ist hier zum Beispiel gesetzt aller bösen Könige und Fürsten, besonders derer, so gegen Gott und sein Wort toben. Darum haben auch alle vorigen Lehrer diesen Antiochus eine Figur des Antichristen genannt und gedeutet, haben’s auch recht getroffen. Denn ein solcher wüster Unflat, ein solcher wütiger Tyrann sollte zum Vorbild des letzten Greuels erwählt werden, wie denn auch etliche Worte in diesem und im 12. Kapitel [Kap. 11,36] sich merken lassen und heimlich anzeigen.

    27. Das neunte Kapitel hat zuerst ein sehr schönes Gebet, darin Daniel bittet für sein Volk, das zu Babel gefangen war, und für die Stadt Jerusalem und den Tempel, dass die Juden wieder möchten heimziehen und den Gottesdienst wieder anrichten. Das Gebet wird erhört, dazu über das wird ihm mehr, als er bittet, offenbart, wie viel Jahre noch sein sollten, dass Christus komme und sein ewiges Reich anfange. Und dies ist eine treffliche, große Offenbarung von Christus, die so gewiss und genau die Zeit [be]stimmt.

    28. Die 70 Wochen, die der Engel [be]stimmt, halten einträchtig alle Lehrer, es seien Jahrwochen und nicht Tagewochen, (das ist), eine Woche hält sieben Jahre und nicht sieben Tage. Welches auch die Erfahrung erzwingt. Denn 70 Tagewochen machen noch nicht zwei Jahre; das wäre keine besondere Zeit zu solcher herrlichen Offenbarung. So machen nun diese 70 Wochen 490 Jahre. So lange sollte man auf Christus noch harren, und alsdann soll er sein Reich anfangen.

    29. Hier ist nun zu forschen, wo und wann solche 70 Wochen anfangen? Der Engel deutet sie und fängt an ihm Jahr, da ein Wort ausgeht, dass Jerusalem wieder soll gebaut werden usw. Denn so spricht er [V. 25]: „Von der Zeit an, wenn von der Zeit an, wenn das Wort ausgeht, dass Jerusalem wieder soll gebaut werden“ usw., welches etliche haben wüst gedehnt und gezogen. Unsere Meinung ist, dass man soll anfangen mit diesen 70 Wochen im zweiten Jahr des Königs, der Langhand hieß. Denn in demselben Jahr geschah das Wort Gottes durch die Propheten Haggai, und hieß Serubabel den Tempel bauen, wie man in beiden Propheten findet, Hagg. 1,1.2; Sach. 1,1.7. Desgleichen gebot auch derselbe Darius und ging sein 6. Gebot auch daraus helfen. (Esra 6,1).

    30. 31. Denn vom ersten Jahr des Kyrus, der die gefangenen Juden wieder losgab, bis auf das zweite Jahr des Darius, sind 46 Jahre, in welchen sie nicht konnten noch durften bauen, um des Verbots des Kambyses willen, des Sohnes des Kyrus, dass sie auch verzagten und sprachen (wie Haggai Kap. 1,2 sagt): „Es will noch nicht Zeit sein, des HERRN Haus zu bauen.“ Und dies mögen sein die 46 Jahre, davon die Juden sagen zu Christus Joh. 2,20: „Dieser Tempel ist in 46 Jahren gebaut, und du willst ihn in drei Tagen bauen?“ Das ist, man ist wohl 46 Jahre damit umgegangen, ehe man den Tempel hat können recht anfangen zu bauen; so schwer ging es zu; denn darnach war er schleunig gebaut in 4 Jahren, Esra 6,15.C

    32. So teilt nun der Engel die ganzen 70 WochenD in drei Teile. In den ersten sieben Wochen, das ist vom zweiten Jahr des Darius bis in das 49. Jahr, sollen die Mauern und Gassen wieder gebaut werden, in kümmerlicher Zeit. Denn es ward ihnen auch sauer, weil die umliegenden Länder ihnen sehr widerstandenE, wie Neh. 2,10 geschrieben steht, welcher ihnen im 20. Jahr des Darius, das ist im 18. Jahr nach dem ausgegangenen Wort Haggais, zu Hilfe kam aus Persien, von Darius gesandt, oder vielmehr erlaubt aus Gnaden. Denn auch Daniel Kap. 10,13 klagt, dass der Fürst in Persien ihm widerstanden habe zu Hofe 21 Tage; meint vielleicht engelische Tage oder 21 Jahre.

    33. [Kap. 9,26:] „Darnach über 62 Wochen soll Christus ausgerottet werden.“ Diese 62 und jene sieben zusammen machen 69 Wochen, das ist 483 Jahre. So bleibt noch übrig Eine und die letzte Woche (das ist, sieben Jahre) von den 70 Wochen. Denn der Engel deutlich sagt, dass Christus soll nicht mitten in der letzten Woche (wie wir etwa gedacht), sondern nach den 62 Wochen getötet werden, das ist, im ersten Jahr der letzten Woche oder im Anfang der letzten Woche, in welcher, spricht er, wird er den Bund vielen bestätigen. Denn in derselben letzten Woche oder sieben Jahre ging das Evangelium gewaltig mit Zeichen und Wundern, durch den Heiligen Geist, und wurden viele tausend Juden bekehrt, auch viele Heiden, wie Lukas in der Apostelgeschichte schreibt, dass es wohl mag heißen die rechte Osterwoche, von dem Ostertag an, das ist, von der Auferstehung Christi.

    34. [Kap. 9,27:] Mitten aber in derselben Woche sollte fallen und aufhören das Opfer und Speisopfer. Denn fast über drei Jahre nach der Auferstehung Christi ward der Apostel Konzil gehalten, Apg. 15,6, und das Gesetz Moses öffentlich abgetan, und die Heiden, ja auch alle Juden frei davon gesprochen, V. 28, dass man’s nicht müsste halten, wäre auch nicht not zur Seligkeit, dazu auch unerträglich, wie St. Petrus daselbst predigt. So findet sich’s, dass die 70 Wochen sich enden mit dem siebten Jahr nach Christi Auferstehung. Da ist’s aus mit den verstocken Juden und halsstarrigem Jerusalem, und kehren sich die Apostel zu den Heiden, wie St. Paulus sagt Apg. 13,46.

    35. Und wir sehen hieraus, dass der Engel [V. 25] Christus einen Fürsten nennt, nicht von seiner Taufe oder Predigtamt an (wie wir zuvor gemeint), sondern von seiner Auferstehung an, da er, durch sein Leiden in seine Ehre gegangen und zur Rechten Gottes gesessen, ein regierender HERR geworden ist; wie alle Könige und Fürsten in der Schrift von ihrem anfangenden Regiment [an] Fürsten heißen. Denn von seiner Taufe an ist er ein Diener gewesen der Beschneidung, wie St. Paulus Röm. 15,8 sagt, ja, aller Welt durch sein Leiden usw.

    36. Der Engel sieht aber mit dem Wort [Kap. 9,26]: „Christus wird ausgerottet werden und nichts mehr sein“, auf den Spruch Jes. 53,8 (wiewohl es andere Buchstaben sind): „Er ist aus dem Lande der Lebendigen hinweggerissen.“ Und ist die Meinung, dass Christi Reich solle ein neues, geistliches, himmlisches Reich sein, nichts überall weder vom Gesetz Moses noch vom weltlichen Reich behalten, sondern solches alles verlassen und ein anderes, neues, ewiges, himmlisches Reich anfangen und ahben wie der 16. Psalm, V. 4, auch sagt: „Ich will ihres Trankopfers samt dem Blut nicht opfern, noch ihren Namen in meinem Mund führen.“ Wie denn die Propheten alle von dem Reich Christi pflegen zu reden.

    37. Mit dieser Rechnung mag leicht stimmen der andern Rechnung, nämlich, vom zweiten Jahr des Darius bis auf den großen Alexander sind 145 Jahre, wie Metasthenes schreibt. Von Alexander bis auf die Geburt Christi 305, wie die Geschichten zeugen. (andere: 310.) Von der Geburt Christi bis auf seine Taufe 30 Jahre. Darnach drei Jahre bis auf sein Leiden. Macht alles 483, das sind 69 Wochen. Dass sich’s aber mit etlichen stößt um die fünf übrigen Jahre, soll uns nicht irren. Ist Wunder genug, dass die heidnischen und andern Geschichten so genau mit Daniel zutreffen. F

    38. Das zehnte Kapitel ist eine Vorrede des elften. Doch schreibt Daniel darin etwas Besonderes von den Engeln, wie sonst nirgends in der Schrift steht, nämlich, dass die guten Engel mit den bösen streiten und die Menschen verteidigen. Und nennt auch die bösen Engel Fürsten und spricht, der Fürst aus Griechenland. Daher man verstehen kann, warum es an Königen- und Fürsten-Höfen so wüst und wild zugeht und das Gute so gehindert, Krieg und Unglück angerichtet wird. Denn die Teufel sind da, hetzen und reizen oder hindern doch so viel, dass es nirgends vonstatten gehen will. Wie zum Beispiel, da die Juden sollten von Babel durch die Könige in Persien los werden, das wollte nirgends fort, ob’s gleich die Könige gerne taten. Dass dieser Engel hier [V. 20] spricht: Er habe zu schaffen und müsse gegen den Fürsten in Persien streiten; und sorgt doch, wo er hinzieht, so komme dieweil der Fürst aus den Griechen. Als sollte er sagen: Wo wir einem Unglück steuern, da richtet der Teufel immer ein anderes an: Werdet ihr los von Babel, so werden euch plagen die Griechen. Davon jetzt genug, denn es gehört mehr Raum und Zeit dazu, weiter davon zu reden.

    39. Im elften Kapitel weissagt Daniel seinem Volk, den Juden, fast desgleichen, wie er im 8. Kapitel tut, von dem großen Alexander und den zwei Königreichen Syrien und Ägypten, allermeist um des Antiochus willen (der Edel heißt), der die Juden plagen sollte. Aber er malt denselben so, dass er seine Worte endlich dahin lenkt, dass er unter der Person des Antiochus den Antichristen beschreibt und so diese unsere letzte Zeit trifft, hart vor dem jüngsten Tag. Denn auch alle Lehrer einträchtig solche Weissagung von Antiochus auf den Antichristen deuten. Und die Worte geben’s und zwingen’s auch, dass er nicht gar und allein den Edlen meine, sondern mengt den Edlen und Antichristen untereinander und verwirrt also willig seine hellen, lichten Worte.

    40. „Noch drei Könige“, spricht er [Kap. 11,2], „werden in Persien stehen“. Das meint er nicht so, dass Persien so wenig Könige haben sollte, wie die Juden deuten, denn sie haben zum wenigsten zehn Könige gehabt. Aber diese vier heißen darum in Persien stehend, dass sie etwas Besonderes vor den andern gewesen sind, wie, nach Kyrus ist gekommen Kambyses, Darius, Xerxes, das sind die vier vornehmsten. Und dieser Xerxes war der reichste und stritt mit unzähligem Volk gegen die Griechen, aber schändlich verlor er und kam selbst kaum davon. Darnach kommt Alexander und seine vier Nachkommen, nichts seines Stammes noch Geblüts.

    41. Da gehen nun an die zwei Königreiche Syrien und Ägypten, wie sich dieselben mit einander kratzen und raufen. Hier muss man die Namen der Könige auf ein Blatt setzen, dass man nicht irre werde in der Geschichte und im Text:

 

Der große Alexander

 

König Seleukos NicatorG                                        König Antigonos in Asia               König Antipater in                       König Ptolemäus

                                                                                                                                            Griechenland                                 in Ägypten

 

     Antiochos Soter                                                                                                                                                            Ptolemaios Philadelphos

 


     Antiochos Theos          Bernice (Geschwister) -------------------------------------------------------------------------------     Ptolemaios Euergetes

 


Seleukos Callinicus.  Antiochos Hierax                                                                                                                               Ptolemaios Philopator

 


Seleukos Ceraunus.  Antiochos der Große                                                                                                                           Ptolemaios Epiphanes

 


          Seleukos Philopator. Antiochos Epjphanes. Kleopatra                                                                                               Ptolemaios Philometor

 

Nach dem Alexander ist das Königreich in Ägypten sehr mächtig geworden, von dem hier Daniel sagt. Desgleichen das Königreich in Syrien auch, dass keines das andere hat mögen überwinden noch unter sich bringen, wie sie oft versucht und gerne getan hätten.

    42. Der erste Krieg erhob sich zwischen Antiochos Theos und Ptolemaios Philadelphos; aber nachdem sie lange kriegten, vertrugen sie sich. Und Ptolemaios Philadelphos war sonderlich ein feiner König, der zu Frieden und allerlei Künsten Lust hatte und viel gelehrte Leute unterhielt, eine schöne Bücherei aus aller Welt sammelte, viel Guten den Juden tat, den Tempel und Gottesdienst zu Jerusalem herrlich zierte, dass ich achte, er sei auch der heiligen Könige einer. Derselbe gab seine einige Tochter, Bernice genannt, dem Antiochos Theos, dass der Friede desto fester hielte, und starb darnach. Sie aber, die Bernice, als eines mächtigen Königs Tochter und nun auch selbst eine mächtige Königin und Frau zu Hof, trachtete, dass ihr Sohn sollte erben im Königreich Syrien. Aber sie verfehlte es; denn Laodicea, die vorige Königin von Antiochos Theos, samt ihren zwei Söhnen, Seleukos Callinicos und Antiochos Hierax, waren ihr und ihrem Sohn feind und wollten das Königreich selbst erben. Und sie gab ihrem Herrn, Antiochos Theos, Gift, und darnach hetzte sie die zwei Söhne gegen Bernice, ihre Stiefmutter, welche verjagten sie, und endlich töteten sie diese mit Kind und mit allem Hofgesinde. Das meint hier Daniel, da er sagt [Kap. 11,6]: „Sie wird nicht bleiben bei der Macht des Arms, dazu ihr Same auch nicht stehen, sondern wird mit Kind, Gesinde, ja auch mit ihrem Herrn König, von dem sie so mächtig war geworden, übergeben werden in [den] Tod.“

    43. Solche Untugend strafte und rächte Bernices Bruder Ptolemaios Euergetes, bekriegte die zwei Brüder, Seleukos und Antiochos, verjagte sie auch und plünderte ihre Königreiche und zog wieder heim. Und endlich kurz darnach kamen diese zwei Brüder (wie Muttermördern gebührt) jämmerlich und elendig um. Davon sagt hier Daniel [V. 7], dass der König gegen Mittag mit Heereskraft den König gegen Mitternacht überziehen und siegen werde.

    44. Nach des Ptolemaios Euergetes Tod rüsteten sich wiederum des verstorbenen Seleukos Callinicos Söhne, nämlich Seleukos Ceraunos und der große Antiochos. Aber Seleukos Ceranunos starb während der Rüstung, so dass Antiochos musste von Babylonien eilend kommen und den Streit vollführen gegen Ptolemaios, des Euergetes Sohn, genannt Ptolemaios Philopator. Aber Ptolemaios Philopator legte den großen Antiochos mit seinem Heer danieder. Das sagt hier Daniel, dass die Söhne des Callinicos zornig würden sein und den Ptolemaios Philopator überziehen. Aber Philopator wird sie schlagen und stolz durch solchen Sieg werden. Denn derselbe Philopator darnach sich in Unzucht begab und zuletzt seine Königin Euridice, die auch seine Schwester war, um einer Dirne willen erschlug.

    45. Antiochos aber, der Große, nach Philopators Tod, rüstete sich wiederum noch stärker, gegen Philopators Sohn, genannt Ptolemaios Epiphanes, der war noch ein Kind, um die vier oder fünf Jahre. Und wie es zugeht, wenn die Herren Vormünder haben müssen, rotteten sich gegen ihn auch mit Antiochos andere Könige, wie Philippos in Griechenland, und wollten sich in des Kindes Epiphanes Land teilen. Und war dazu im Land selbst auch Zwietracht, und fielen die Juden auch von ihm ab, zu Antiochos. Daher spricht hier Daniel, dass der König Antiochos wieder komme, und dass viele sich gegen das Kind Epiphanes setzen, dass „die Arme des Mittags“ [V. 15], das ist, die Hauptleute des Epiphanes, so er hatte im Land Phönizien und Judäa und zu Jerusalem, konnten nicht widerstehen, sondern Antiochos gewann solches Land alles. Und kam auch ins werte Land, Jerusalem, da halfen ihm die Juden des Epiphanes Hauptleute vollends zu verjagen. Des ehrte sie Antiochos hoch und gab ihnen großes Gut und viel Freiheiten.

    46. Da er aber wollte weiter fahren und Ägypten auch gewinnen, rief Ptolemaios Epiphanes die Römer an. Da musste Antiochos abstehen und vertrug sich mit Ptolemaios Epiphanes und gab ihm seine Tochter Kleopatra, aber nicht guter Meinung, sondern, wie Daniel hier [V. 17] sagt, „dass er ihn verderbe“, denn mit der Tochter dachte er den jungen Knaben ums Königreich zu bringen. Aber die Königin und die Ägypter kamen dahinter.

    47.  Danach stritt er gegen die Inseln in Asia (wie Daniel [V. 18] sagt) und gewann ihrer viel. Aber die Römer begegneten ihm und trieben ihn zurück, zogen ihm einen guten Rock aus, fast das ganze Asia [Kleinasien]. Darnach kehre er heim und zog nach Persien und wollte viel Geld holen zu Elimaide, aus einem Tempel. Aber das Landvolk war auf und schlug ihn mit seinem ganzen Heer rein zu Tode. So blieb er in fremden Landen, und „ward nirgends gefunden“ [V. 19].

    48. Nun hatte er zuvor, da die Römer über ihn siegten, seinen Sohn Antiochos, genannt Edel, den Geringsten und Ungeachtetsten, nach Rom als Geißel oder Pfand geschickt. Als er nun tot war, wurde sein Sohn, Seleukos Philopator, König. Aber [er war] ein untüchtiger Mann, wie Daniel hier [V. 20] sagt, besser zum Schergen oder Vogt als zum König geschickt, als der nichts Fürstliches oder Redliches ausrichtete, starb auch bald.

    49. Da entrann Antiochos der Edle heimlich aus Rom, und wiewohl er auch ungeachtet und ihm das Reich nicht bedacht war (wie Daniel [V. 21] sagt), doch kam er geschlichen und gab’s so gut vor, dass er mit List König wurde. Das ist der letzte König, da Daniel von schreibt, das edle, fromme Kind, das alles mit Listen und Tücken, mit Lügen und Trügen, nicht wie ein König, sondern wie ein loser Bube handelt. Denn seine Tücken waren bäurisch, grob und unverschämt, dass er auch nach keinem Schein der Ehren fragte, wie folgen wird. Um dieses Schelmen und losen Vettern willen am meisten ist das Gesicht geschehen, zu Trost den Juden, welche er mit aller Plage sollte.

    50. Wie er nun das Königreich tückisch überkommen hatte, so griff er mit derselben Kunst weiter, und weil der König in Ägypten, seiner Schwester Sohn, genannt Ptolemaios Philometor, noch zu jung war, gab er vor, er wollte ein treuer Vormund seines Vetters sein und nahm die Städte zu Syrien, Phönizien und Judäa ein. Da sie nun die Gewaltigen in Ägypten wieder forderten, wollte er [sie] nicht abtreten. Da ging der Streit an, davon Daniel hier [V. 22] sagt, dass er, wie eine Flut, die Ägypter-Arme (das ist, Philometors Gewaltige und Hauptleute) überwältigte, denn er behielt den Sieg.

    51. An diesen Tücken ließ er’s nicht genug sein, dachte auch das ganze Ägyptenland so zu erschleichen, machte einen Vertrag mit Philometors Hauptleuten, gab vor, er tät‘s alles seinem Vetter zum Besten, als ein treuer Vormund. Auf solche List, wie Daniel hier [V. 23] sagt, zog er mit geringem Volk nach Ägypten, denn sie taten dem lieben Vetter alle Tore auf. Und er setzte die Krone auf und mache sich zum König in Ägypten, raubte, pünderte und beutete das ganze Land Ägypten mit solcher List (wie hier [V. 24 ff.] der Text sagt), das bisher keiner seiner Vorfahren mit Macht tun konnte, und zog wieder heim.

    52. Indes, als König Philometor nun erwachsen war und das Reich einnahm, wollte er das Seine mit Gewalt wieder holen und rüstete sich so die zwei Könige gegeneinander. Aber da das edle Kind Antiochos sah, dass Philometor ihm zu stark sein wollte, hielt er sich an seine Tugend und richtete mit Geld Verräterei zu, dass Philometors eigene Leute ihn schlugen und so viele drüber erschlagen wurden; doch gewann er das Land nicht. Darnach machte er abermals Frieden mit seinem Vetter, aß und redete mit ihm über Tisch, wäre gerne noch eins in Ägypten gewesen; aber man glaubte ihm hinfort nicht; und, wie hier Daniel sagt [V. 27], beide Könige dachten einander zu verderben, unter dem Schein des Friedens. So kehrte er wieder heim mit großem Gut, und unterwegs ward er auch zu Jerusalem durch List und Tücke eingelassen; da beraubte er den Tempel und die Stadt schändlich; wie 1. Makk. 1,23 steht, und hier [V. 28] Daniel auch sagt, dass er sein Herz richten wird gegen den heiligen Bund.

    53.  Darnach, etwa über zwei Jahre, da seine Lügen und Bubenstücke nicht mehr helfen wollten, unterstand er sich, mit Gewalt Ägypten zu gewinnen, und überzog seinen Vetter, nun nicht als ein Vormund, sondern als ein Feind. Aber Daniel sagt [V. 29], „es soll ihm nicht so gelingen wie beim ersten Mal“. Denn die Römer, so des Königs Philometor, aus seines Vaters Testament, Vormünder und Schutzherren waren, schickten mit Kriegsvolk einen Ratsherrn, Marcus Popilius, zu ihm und geboten ihm, aus Ägypten zu ziehen. Aber er wollte hier auch seine Kunst gebrauchen und die Römer von sich weisen mit guten Worten, und gab vor, er wollte sich mit seinen Freunden bedenken. Da machte Marcus Popilius mit einem Stab, so er in der Hand hatte, einen Kreis im Sand, da Antiochos stand am Meer, und sprach: Da sagt der Rat zu Rom: Aus dem Kreis gehe du nicht, du sagst denn deine Antwort, ob du Krieg oder Frieden haben wollest? Da musste er mit Schaden abziehen und kehrte wieder heim.

    54. Da ging’s über Jerusalem und über Gottes Haus, Dienst und Volk; denn er konnte seinen Zorn sonst nirgends büßen, noch seinen Hohn rächen, als an Gott und seinem Reich. Und viel böser Buben aus den Juden halfen ihm und hingen sich an ihn, bis dass Gott Judas Makkabäus und seine Brüder gegen ihn erweckte; wie das alles droben Kap. 8 angezeigt ist, und hier Daniel in dem Text erzählt.

    1. [55.] Das zwölfte Kapitel Daniels, wie es alle Lehrer einträchtig ausleben, geht ganz und gar unter Antiochos Namen auf den Antichristen und auf diese letzte Zeit, da wir drinnen leben. Darum ist hier keine Geschichte mehr zu suchen, sondern das helle Evangelium zeigt und sagt jetzt einem jeden wohl, wer der rechte Antiochos sei, der sich über alle Götter erhoben hat, und „Frauenliebe“, das ist, den Ehestand „nicht geachtet“, sondern verboten, und dafür die Welt mit seines Gottes Abgötterei, dazu mit fleischlicher Unzucht, erfüllt hat, und die Schätze und Güter auf Erden austeilt usw. Denn „Frauenliebe“ heißt hier nicht die unzüchtige Liebe, sondern muss die ehrliche, züchtige Liebe zu Frauen heißen, die Gott geschaffen und geboten hat, nämlich die eheliche; weil der Prophet allhier das für der vornehmsten Laster eines des Antichristen rechnet, dass er die Liebe zu den Frauen nicht achtet.

 

 

Einleitung

 

    Daniel, nach dem Zeugnis dieses Buches und verschiedener historischer Quellen, vgl. Matthäus 24, 15. 21; Markus 13, 19; 1. Petrus 1, 10.11; 2. Thessalonicher 2, 3. 4, war der Autor ein Mitglied einer der führenden jüdischen Familien, möglicherweise sogar königlicher Abstammung. Bei einer der Eroberungen Jerusalems, etwa im Jahr 606 v. Chr., wurde er in die Gefangenschaft verschleppt und nach Babylon gebracht, wo er unter dem Namen Belteshazzar für besondere Dienste am Hofe Nebukadnezars ausgebildet wurde. Obwohl Daniel von Versuchungen jeglicher Art umgeben war, blieb er der Religion seiner Väter treu. Gott stattete ihn mit einem außergewöhnlichen Maß an Weisheit aus, insbesondere in Bezug auf die Deutung von Träumen. Aufgrund der Tatsache, dass er die richtige Erklärung für einen seltsamen Traum des Königs gab, wurde er in eine hohe Position im Königreich erhoben, in der er von einigen Nachfolgern Nebukadnezars, wie Evil-Merodach, Belsazar und später Darius, weitergeführt wurde. Er lebte noch, als Kyros das Oberhaupt des Reiches wurde, kehrte aber nicht mit den anderen Verbannten nach Jerusalem zurück. Vgl. Esra 1, 2. Der Ruhm seiner Weisheit und seiner Gerechtigkeit reichte weit über seine unmittelbare Nachbarschaft und den Kreis seines eigenen Volkes hinaus. Daniel wurde offenbar über neunzig Jahre alt, aber es gibt keine authentischen Berichte über den Zeitpunkt und die Art seines Todes, obwohl es einige apokryphe Materialien über verschiedene Ereignisse in seinem Leben gibt.

    Das Buch Daniel lässt sich leicht in zwei ziemlich gleichwertige Teile unterteilen, von denen der erste hauptsächlich historisch ist und von verschiedenen herausragenden Erfahrungen im Leben Daniels erzählt, während der zweite verschiedene Visionen wiedergibt, die er von den Königreichen der Welt und dem Messias, dem König, hatte, sowie die Interpretation der seltsamen Dinge, die ihm von Engeln gegeben wurden. Zwischen den beiden Teilen besteht eine enge innere Verbindung, was die Einheit des Buches unterstreicht, die durch die sprachliche Übereinstimmung noch verstärkt wird. Ein Merkmal des Buches ist die Tatsache, dass alle Abschnitte, die speziell für das jüdische Volk bestimmt sind, auf Hebräisch verfasst sind, während die Abschnitte, die die ganze Welt betreffen, auf Aramäisch verfasst sind, das zu dieser Zeit die Sprache der Welt war.

    Der Zweck des Buches, das in Bezug auf seine Prophezeiungen apokalyptischen Charakter hat, ist es, dem Volk des Herrn, das sich zu dieser Zeit in der Gewalt seiner Feinde befand, zu zeigen, dass Gott in der Lage ist, seine Kinder, die ihn fürchten, selbst vor den größten und mächtigsten Männern der Erde zu schützen, und ihnen die tröstliche Gewissheit zu geben, dass alle Machenschaften der Feinde Gottes auf seinen Befehl hin ein Ende haben müssen, während das Reich des Herrn für immer bestehen bleibt.

    Was den Charakter von Daniels Werk betrifft, können wir sagen: „Daniel und Hesekiel waren Zeitgenossen und lebten im selben Land, dem Königreich von Babylon. Aber während Hesekiel unter seinen gefangenen Landsleuten am Ufer des Chebar arbeitete, predigte Daniel den Namen Gottes am Hof des Königs, der die Juden erobert hatte. Seine Predigten hinterließen einen tiefen Eindruck. Nebukadnezar erklärte zu verschiedenen Zeiten, dass ihn die Worte Daniels sehr bewegten (Kap. 2, 47; 3, 29; 4, 33. 34). König Darius äußerte sich in ähnlicher Weise (Kap. 6, 26. 27). Dies bedeutet jedoch nicht, dass diese großen Könige wahre Gläubige des Evangeliums wurden; die Geschichte zeigt, dass sie keine echte Herzenswandlung erlebten; sie verehrten weiterhin ihre heidnischen Götzen und starben als Götzendiener. Aufgrund der besonderen Umstände, unter denen Daniel sprach, ist auch sein Stil besonders. Er verwendet nicht den üblichen prophetischen Ausdruck „So spricht der Herr“ und spricht auch nicht, wie es die Propheten normalerweise tun, das Volk seiner Zeit an. Seine Vorhersagen sind sehr symbolisch. Über die letzte Offenbarung schreibt er: „Und ich hörte, aber ich verstand nicht“ (Kap. 12, 8. 9).[1] 1)

 

 

 

 

Kapitel 1

 

Die Erziehung Daniels und seiner Gefährten am babylonischen Hof und ihre Standfestigkeit im Glauben

 

    Daniel und seine Freunde werden nach Babylon (Babel) gebracht (V. 1-7): V. 1. Im dritten Jahr der Herrschaft Jojakims, des Königs von Juda, vgl. 2 Könige 24, 1; 2 Chronik 36, 6. 7, kam Nebukadnezar, der König von Babel, nach Jerusalem und belagerte es. Dieser Bericht, der von ungläubigen Bibelkritikern als unwahr erklärt wurde, wird durch weltliche Berichte reichlich unterstützt und bestätigt, wie jüngste Untersuchungen gezeigt haben; denn selbst wenn Nabopolassar zu Beginn dieses Jahres König von Babylon war, fand sein Tod statt, während Nebukadnezar sich mitten in seinem Feldzug gegen Jerusalem befand, und so war dieser tatsächlich König, bevor die Stadt eingenommen wurde.[2] V. 2. Und der HERR gab Jojakim, den König von Juda, in seine Hand, zusammen mit einem Teil der Gefäße des Hauses Gottes, der Rest wurde bei späteren Kriegszügen erbeutet, 2. Könige 25, die er in das Land Schinear, der alte Name für Babylonien, zum Haus seines Gottes, dem Tempel des Bel, einer der Hauptgottheiten Babylons, brachte; und er brachte die Gefäße in das Schatzhaus seines Gottes, den üblichen Aufbewahrungsort für Gefäße aus Edelmetallen. Das Ziel dieser Expedition bestand lediglich darin, Jerusalem und Juda dem König von Babylon tributpflichtig zu machen. Spätere Expeditionen stärkten die Macht des Weltreichs über Jerusalem, bis es schließlich etwa zwanzig Jahre später unterworfen und zerstört wurde. V. 3. Und der König sprach zu Aschpenas, dem Obersten seiner Hofbeamten, dem Oberhaupt aller Hofbeamten, dass er einige der Kinder Israel bringen solle, von denen, die nach Babylonien verschleppt worden waren, und zwar von königlichem Stamm und von den Vornehmen, 2. Könige 20, 17. 18, Vers 4. junge Männer im mittleren Jugendalter zwischen sechzehn und zwanzig Jahren, bei denen es keine Makel gab, d. h. keine körperlichen Mängel, so dass sie makellos schön waren, aber gut aussehend, was bei orientalischen Völkern als wesentlich angesehen wurde, wenn sie für den Hofdienst bestimmt waren, und geschickt in aller Weisheit, mit dem offensichtlichen Talent, sich schnell Wissen und Fähigkeiten anzueignen, die klug und verständig waren, das heißt, mit gutem, gesundem Urteilsvermögen und gesundem Menschenverstand bei der Anwendung des Wissens, das sie besaßen und erwarben, fähig, im Palast des Königs zu dienen [w.: stehen], sich an die Sitten und Gebräuche des Königshofes zu gewöhnen, und denen sie die Schrift und Sprache der Chaldäer beibringen konnten, die der gebildeten Klassen des babylonischen Volkes. Ihr Studienprogramm würde somit alles umfassen, was in den höchsten Schulen des Reiches gelehrt wurde, und ihre Ausbildung würde der der edelsten Jugendlichen des Reiches entsprechen. V. 5. Und der König bestimmte für sie, nämlich für diejenigen, die ausgewählt werden sollten, eine tägliche Versorgung von der königlichen Tafel, mit dem Essen, das an seinen eigenen Tischen serviert wurde, und von dem Wein, den er trank, wörtlich „mit dem Wein, den er trank“, oder „Bankett“, so dass man sie drei Jahre lang erziehen solle und ihre Ausbildung und ihre körperliche Entwicklung Hand in Hand gingen, damit sie am Ende vor dem König stehen konnten, voll ausgestattet für seinen Dienst als Höflinge und Berater oder in welcher Funktion auch immer er sie einsetzen wollte. V. 6. Unter ihnen waren von, unter den gemäß diesem königlichen Erlass ausgewählten Jugendlichen, den Kindern Judas, des bedeutendsten Stammes des jüdischen Volkes, Daniel, Hananja, Mischael und Asarja, V. 7. denen der Oberste der Hofbeamten [w.:Eunuchen], der für dieses gesamte Experiment verantwortlich war, Namen gab; und er nannte Daniel Beltschazar, Hananja Schadrach, Mischael Meschach und Abed-Nego. „Die Namensänderung als Zeichen des Eintritts in den Zustand der Unterwerfung unter einen Herrscher ist ein häufig bezeugter Brauch im orientalischen und klassischen Altertum.“ Es ist bezeichnend, dass all diese Namen eine bestimmte Bedeutung hatten, eine Tatsache, an die sich christliche Eltern vielleicht erinnern sollten, wenn sie ihre Kinder in der Heiligen Taufe zu Christus, ihrem barmherzigen König, bringen. Das Vergeben bedeutungsloser und heidnischer Namen sollte in allen christlichen Gemeinden unbedingt unterlassen werden.

 

    Daniel und seine Gefährten bleiben ihren Glaubensüberzeugungen treu (V.8-21): V. 8. Aber Daniel nahm sich in seinem Herzen vor, entschied sich definitiv, dass er sich nicht mit des Königs Speise oder dem Wein, den er trank, verunreinigen wollte, vor allem, weil die Heiden den Brauch hatten, ihr Essen und sogar ihre gesamten Mahlzeiten zu weihen, indem sie einen Teil ihren Göttern opferten, vgl. 1 Kor 10,18-20; daher bat er den Obersten der Hofbeamten, sich nicht verunreinigen zu müssen. Daniels Entschluss, das Essen des Königs zu meiden, war also darauf zurückzuführen, dass er das Gesetz geistlich richtig verstand und sowohl seinem Geist als auch seinem Buchstaben gehorchen wollte. V. 9. Und Gott, dessen gütige Vorsehung in der gesamten Erzählung zum Ausdruck kommt, gab Daniel Gunst und Gnade des Obersten der Hofbeamten, so dass dieser Daniel wohlgesonnen war und bereit war, ihm von Anfang an jeden vernünftigen Wunsch zu erfüllen. V. 10. Und der Oberste der Hofbeamten, dem Daniel sogleich seine Bitte vortrug, sprach zu Daniel, indem er die positive Einstellung, die er dem jüdischen Jüngling gegenüber hatte, zum Ausdruck brachte: Ich fürchte meinen Herrn, den König, der euer Essen und Trinken durch einen bestimmten Befehl bestimmt hat; denn warum sollte er sehen, dass eure Gesichter magerer sind, dass ihr mager und ausgezehrt seid und in einem schlechteren Zustand, als die der jungen Männer eures Alters? Die Frage hat die Bedeutung einer nachdrücklichen Verneinung: Er darf euch nicht in diesem Zustand sehen. Denn so brächtet ihr mich bei dem König um mein Leben, das heißt, der König hielt sein Leben als Pfand für die treue Erfüllung seines Gebots bezüglich der Ausbildung der jüdischen Jugendlichen. V. 11. Da sprach Daniel zu dem Aufseher, den der Oberste der Hofbeamten über Daniel, Hananja, Mischael und Asarja gesetzt hatte, der Beamte, der während ihrer Ausbildung ihr unmittelbarer Vorgesetzter war, V. 12. Versuche es doch mit deinen Knechten zehn Tage lang und lass sie uns Gemüse zu essen und Wasser zu trinken geben, die einfachste Art von Gemüse mit Wasser, wobei jeglicher Luxus in der Ernährung weggelassen wird. V. 13. Dann lass unser Aussehen vor dir betrachtet werden, in einer sorgfältigen Untersuchung ihres körperlichen Zustands, und das Aussehen der jungen Männer, die von der Speise des Königs essen, und vergleiche diese vier mit den Jugendlichen, die die Anordnung des Königs bezüglich ihrer Ernährung befolgt haben; und wie du siehst, entscheide entsprechend dem Ergebnis der Beobachtungen, die nach Ablauf der Frist gemacht wurden, danach verfahre mit deinen Knechten, wobei die Prüfung die Angelegenheit ein für alle Mal klärt. V. 14. So stimmte er ihnen in dieser Angelegenheit zu und versuchte es zehn Tage mit ihnen, wobei er den Versuch gemäß ihrer Bitte durchführte. V. 15. Und am Ende der zehn Tage sahen sie schöner und kräftiger aus, sie hatten klarere Augen und waren in jeder Hinsicht in besserer Verfassung als alle jungen Männer und Jugendlichen, die die Speise des Königs aßen. V. 16. Da nahm der Aufseher, der offensichtlich für die Küche des Königs verantwortlich war, ihnen die königliche Speise und den Wein weg, den sie trinken sollten, und stellte ihn nicht mehr für ihre Ernährung bereit; und gab ihnen Gemüse, insbesondere Hülsenfrüchte. V. 17. Und Gott gab ihnen, diesen vier jungen Männern, deren Treue er auf diese Weise belohnte, Kenntnis und Verständnis in jeder Art von Schrift und Weisheit, so dass sie die chaldäische Literatur und wissenschaftliche Kenntnisse beherrschten; und Daniel, zusätzlich zu diesen Leistungen, verstand sich auf Visionen und Träume jeder Art, was eindeutig eine wundersame Gabe war, die Gott für einen besonderen Zweck gewährte und nicht mit der Gabe der Prophezeiung identisch war. V. 18. Und am Ende der Tage, die der König bestimmt hatte, dass sie hereingebracht werden sollten, d. h. am Ende des ursprünglich festgelegten Zeitraums von drei Jahren, brachte der Oberste der Hofbeamten sie vor Nebukadnezar, so dass alle jüdischen Jugendlichen zur Inspektion und Prüfung vorgeführt wurden. V. 19. Und der König redete mit ihnen und prüfte sie in allen Fächern, die sie studiert hatten; und unter allen wurde keiner wie Daniel, Hananja, Mischael und Asarja gefunden, keiner der anderen kam ihnen gleich, weder in körperlicher Schönheit noch in geistiger Exzellenz. Und sie standen [dienten] vor dem König, sie traten in den königlichen Dienst ein, sie erhielten eine wichtige Position am königlichen Hof. V. 20. Und in allen Angelegenheiten, die Weisheit und Klugheit erforderten, die der König von ihnen erfragte, nämlich bei der allgemeinen Untersuchung, fand er sie zehnmal klüger als alle Magier und Beschwörer, die gelehrtesten Männer und diejenigen, die okkulte Künste praktizierten, die es in seinem ganzen Reich gab. V. 21. Und Daniel blieb, er hatte Ämter am Hof inne, er lebte in babylonischen Hofkreisen, bis zum ersten Jahr des Königs Kyrus. Wenn Gottes Kinder seinem Wort und seinen Geboten treu sind, belohnt er sie oft schon in diesem Leben, indem er ihnen Positionen mit Reichtum und Einfluss in der Welt gibt.

 

 

Kapitel 2

 

Daniel legt den Traum Nebukadnezars von den vier Weltreichen aus

 

    Der Traum Nebukadnezars (V. 1-13): V. 1. Und im zweiten Jahr der Herrschaft Nebukadnezars, als er vom Mitregenten zum alleinigen Regenten des babylonischen Reiches aufgestiegen war, was kurz nach der Untersuchung der vor ihn gebrachten jüdischen Jugendlichen gewesen sein muss, hatte Nebukadnezar Träume, und durch das Eingreifen Gottes wurde ihm eine Vision der Zukunft in Form von Symbolen zuteil, die seinen Geist beunruhigten, sehr stark aufgewühlt, und sein Schlaf war dahin, so dass er nicht in der Lage war, die für einen ruhigen Schlaf notwendige innere Ruhe wiederzugewinnen. V. 2. Da befahl der König, die Magier, die Männer, die in der chaldäischen Sprache und Literatur bewandert waren, und die Beschwörer, die Meister der Beschwörung, und die Zauberer, die Männer, die Hexerei praktizierten, und die Chaldäer [Astrologen], die edelsten und erhabensten unter den einflussreichsten Männern des Königreichs, zu rufen, um dem König seine Träume zu sagen, um ihm den Inhalt seines Traums zu erzählen, an den er sich nicht erinnern konnte. So kamen sie, seiner Aufforderung folgend, und traten vor den König. V. 3. Und der König sprach zu ihnen: Ich habe einen Traum gehabt, und mein Geist war beunruhigt, den Traum zu kennen, denn er hatte nur eine vage Vorstellung von der Bedeutung seines Traums, weshalb er umso mehr darauf bedacht war, ihn sich in allen Einzelheiten zusammen mit seiner Erklärung vorlegen zu lassen. V. 4. Dann sprachen die Chaldäer, als die führenden Vertreter der Weisen des Reiches, zum König auf Aramäisch, dem aramäischen Dialekt des Ostens, in dem auch dieser Abschnitt des Buches geschrieben ist [von hier ab bis 7,28]: O König, lebe ewig! Dies war die übliche Form der Begrüßung an den Höfen der chaldäischen und persischen Monarchen. Erzähle deinen Knechten den Traum, und wir wollen die Deutung zeigen. Sie mussten den Inhalt des Traums kennen, bevor sie überhaupt eine Interpretation wagen konnten. V. 5. Der König antwortete und sprach zu den Chaldäern: Mein Entschluss steht fest:, d. h. die Aussage über das, was er von ihnen verlangte, war von ihm gewichen, er hatte seinen Zweck, sie gerufen zu haben, dargelegt; Wenn ihr mir den Traum nicht bekannt macht, indem ihr seinen Inhalt und seine Deutung gebt, was er nun eindeutig verlangte, sollt ihr in Stücke gehauen, wobei das Zerstückeln eine unter den Chaldäern übliche Strafe war, und eure Häuser sollen zu einem Misthaufen gemacht werden, d. h. dem Erdboden gleichgemacht und mit Abfall und Mist bedeckt werden. V. 6. Wenn ihr aber den Traum und seine Deutung zeigt, worin er bestand und was er bedeutete, sollt ihr von mir Geschenke, Belohnungen und große Ehre erhalten, sowohl in Geld als auch in Beförderung. Darum sagt mir den Traum und seine Deutung. Das Beharren des Königs glich dem eines wahren orientalischen Despoten, der ohne Grund verlangte, einfach weil es ihm gefiel. V. 7. Sie antworteten erneut und sagten, in dem Bemühen, dem König die Unvernunft seiner Bitte vor Augen zu führen: Der König sage seinen Knechten den Traum, und wir werden die Deutung des Traumes zeigen. V. 8. Der König antwortete und sprach: Ich weiß genau, ganz sicher, dass ihr Zeit gewinnen wollt, weil ihr seht, dass mein Entschluss feststeht, weil er auf einer schnellen Antwort auf seine Forderung bestand. Er erklärte, dass sie lediglich versuchten, die Angelegenheit auf unbestimmte Zeit zu verschieben, in der Hoffnung, dass er nachgeben und ihnen den Inhalt seines Traums mitteilen würde. V. 9. Aber wenn ihr mir den Traum nicht mitteilt, gibt es nur ein Urteil für euch, ein und dasselbe Urteil würde sie alle treffen: denn ihr habt euch verabredet, Lug und Trug vor mir zu reden, niederträchtige Falschdarstellungen, mit denen sie ihn zum Narren hielten, bis die Zeit sich ändert, bis sie durch einen glücklichen Zufall in den Besitz des Geheimnisses gelangen oder bis der König seine Forderung zurückzieht. Darum sagt mir den Traum, den er sogleich erkennen würde, und ich werde wissen, dass ihr mir die Deutung davon zeigen könnt. Nebukadnezar war klar, dass die Weisen nicht in der Lage waren, Verborgenes zu offenbaren, und daher kam er zu dem Schluss, dass die Deutung, die sie anbieten würden, falls sie den Inhalt des Traums herausfinden würden, bestenfalls reine Vermutung sein würde. V. 10. Die Chaldäer antworteten vor dem König und versuchten zu begründen, dass es für bloße Menschen unmöglich sei, die Forderung des Königs zu erfüllen, und sagten: Es gibt keinen Menschen auf der Erde, der die Sache des Königs zeigen kann, indem er dieses Geheimnis offenbart; daher gab es keinen König, wie groß und mächtig er auch sei, der solche Dinge von einem Magier, Beschwörer oder Chaldäer verlangt hat. Die Tatsache, dass kein Herrscher auf Erden, egal wie groß und mächtig er war, jemals eine solche Forderung gestellt hatte, war für sie ein Beweis dafür, dass die Erfüllung seines Befehls die höchste menschliche Weisheit überstieg. V. 11. Denn die Sache, die der König verlangt, ist zu schwer, höchst einzigartig und ungewöhnlich, wie sie in der Geschichte nicht bekannt war, und es gibt niemanden, der sie vor dem König zeigen kann, außer den Göttern, deren Wohnung nicht bei den Menschen ist. „Gott lässt die Heiden ihre ohnmächtigen Ansprüche auf übernatürliches Wissen aus ihrem eigenen Mund verurteilen, um seine Macht, seinen Dienern Geheimnisse zu offenbaren, in einem helleren Kontrast hervorzuheben.“ Vers 12. Hierüber wurde der König zornig und sehr wütend und befahl, alle Weisen von Babel umzubringen, entweder aus dieser Stadt oder aus der Provinz. Vers 13. Und der Erlass erging, dass die Weisen getötet werden sollten, wobei offenbar mit der Hinrichtung begonnen wurde. Und man suchte Daniel und seine Gefährten, die nicht zusammen mit den älteren Mitgliedern der Chaldäer vorgeladen worden waren, sondern zu ihrer Klasse gehörten, um sie zu töten. Die Feinde der Gläubigen scheinen oft kurz davor zu stehen, über sie zu triumphieren und ihnen das Leben zu nehmen, aber Gott hält seine schützende Hand über seine Kinder, so dass ohne seine Zustimmung kein Leid in ihre Nähe kommen kann.

 

    Daniel bereitet sich darauf vor, den Traum des Königs zu deuten (V. 14-30): V. 14. Dann wandte sich Daniel mit Rat und Verstand, mit gesundem und umsichtigem Rat, an Arioch, den Obersten der königlichen Leibwache, der auch für das Todesurteil verantwortlich war, der ausgezogen war, um die Weisen von Babel zu töten; Vers 15. und antwortete und sprach zu Arioch, dem Bevollmächtigten des Königs, und zeigte damit die Weisheit, für die er später so berühmt wurde: Warum ist der Erlass des Königs ergangen? Warum der wütende und scharfe Befehl, der wie ein Blitz aus heiterem Himmel über das betroffene Volk kam? Da machte Arioch Daniel die Sache bekannt und gab ihm die Informationen, die er suchte. V. 16. Da ging Daniel hinein, natürlich nachdem er ordnungsgemäß angekündigt worden war, und bat den König, ihm eine Frist zu geben, die Ausführung des grausamen Erlasses um einige Tage zu verschieben, dass er dem König die Deutung zeigen könne, wodurch er dem König ein definitives Versprechen gab. V. 17. Darauf ging Daniel in sein Haus und teilte die Sache Hananja, Misael und Asarja, seinen Gefährten, mit, die mit ihm einer Meinung waren, was die Religion ihrer Väter betraf, V. 18. dass sie den Gott des Himmels um Erbarmen bäten, wobei die Erfüllung ihrer gemeinsamen Gebete als Entgegennahme von Geschenken vor dem Thron Gottes dargestellt wurde, wegen dieses Geheimnisses, damit Daniel und seine Gefährten, seine jüdischen Gefährten, nicht mit den übrigen Weisen von Babel umkämen, deren Tod gemäß dem Erlass des Königs unvermeidlich schien. V. 19. Da wurde Daniel das Geheimnis in einem Nachtgesicht offenbart, wobei der Herr selbst das in diesem dringenden Fall erforderliche Wissen gewährte. Und Daniel pries, der Gott allein alle Ehre und Herrlichkeit gab, den Gott des Himmels, den einen und einzigen Herrn. V. 20. Daniel fing an und sprach: sozusagen als Antwort auf die Güte Gottes mit seinem Lobgesang: Gepriesen sei der Name Gottes von Ewigkeit zu Ewigkeit, wobei dieser Name sein ganzes Wesen und seine Eigenschaften umfasst; denn Weisheit und Macht sind sein, die beiden Eigenschaften, die hier in Betracht kommen; Vers 21. und er ändert die Zeiten und Zeitabschnitte, wie es in der Erfüllung der prophetischen Vision des Königs zum Ausdruck kommt; er setzt Könige ab und setzt Könige ein, alle Ereignisse in der Geschichte der Nationen werden von ihm bestimmt; er gibt den Weisen Weisheit und Verstand den Verständigen, und Daniel führt seine eigenen Leistungen ausschließlich auf die Gabe Gottes zurück; Vers 22. er offenbart die tiefen und verborgenen Dinge, die vor den Augen der bloßen Menschen verborgen sind; er weiß, was in der Finsternis ist, was vor den Augen der Menschen verborgen ist, und das Licht wohnt bei Ihm, bleibt bei Ihm als Sein Besitz, so dass Er die Quelle allen Lichts ist, physisch und spirituell. V. 23. Ich danke dir und lobe dich, Gott meiner Väter, der Patriarchen der jüdischen Nation, der du mir Weisheit und Kraft gegeben und mir jetzt offenbart hast, was wir von dir erbeten haben, worum sie ihn so eifrig angefleht hatten; denn du hast uns jetzt die Angelegenheit des Königs offenbart, genau das, was die Chaldäer für unmöglich erklärt hatten. V. 24. Deshalb ging Daniel zu Arioch, den der König dazu bestimmt hatte, die Weisen von Babel umzubringen. Er ging zu ihm und sagte Folgendes zu ihm: Bringe die Weisen von Babel nicht um, woraufhin ihre Hinrichtung umgehend ausgesetzt wurde. Führe mich vor den König, und ich will dem König die Deutung zeigen. V. 25. Da brachte Arioch Daniel eilends vor den König und sprach zu ihm: Ich habe einen Mann gefunden unter den Gefangenen aus Juda, der dem König die Deutung anzeigen kann. V. 26. Der König, der Daniel ordnungsgemäß zur Audienz empfing, antwortete und sprach zu Daniel, der Beltschazar hieß: Bist du imstande, mir den Traum, den ich gesehen habe, und seine Deutung anzuzeigen? V. 27. Daniel antwortete vor dem König, dessen Verwunderung über seine Behauptung, er könne das tun, was die Weisen des Reiches für ihre Weisheit als zu hoch befunden hatten, gerade in seiner Frage zum Ausdruck gekommen war, und sagte: Das Geheimnis, das der König verlangt hat, können die Weisen, die Beschwörer, die Magier und die Wahrsager dem König nicht zeigen. Es war eindeutig unmöglich für einen bloßen Menschen, egal wie weise er war, die Schwierigkeit des Königs zu lösen; Vers 28. Aber es gibt einen Gott im Himmel, der Geheimnisse offenbart, der die Eigenschaft der Allwissenheit besitzt, von der die heidnischen Götter und ihre Diener nichts wussten, und der dem König Nebukadnezar mitteilt, was in den letzten Tagen geschehen wird, in der Zeit, auf die die Gläubigen des Alten Testaments mit so großer Spannung blickten. Dein Traum und die Visionen deines Hauptes, die er in seinem Geist sah, auf deinem Lager waren diese: V. 29. Dir, o König, kam deine Gedanken deinem Bett in den Sinn, er war mit diesen Problemen beschäftigt, was in der Zukunft geschehen sollte; und er, der Geheimnisse offenbart, der eine wahre Gott, den die Juden verehrten, hat dir bekannt gemacht, was geschehen wird. V. 30. Mir aber ist dieses Geheimnis nicht offenbart worden, weil ich nicht weiser wäre als alle anderen Lebenden, denn er besaß ein so außergewöhnliches Maß an Weisheit aufgrund seiner eigenen Anstrengungen oder natürlichen Fähigkeiten, sondern damit dem König die Deutung kundtun werde, und damit du die Gedanken deines Herzens erfährst. Der unbestimmte Ausdruck wurde absichtlich verwendet, damit die Person des Daniel so wenig wie möglich auffällt. Wenn Gott eine Person mit ungewöhnlichem Verständnis und Weisheit ausstattet, um sein Wort und Werk zu fördern, ist es die Pflicht dieser Person, angemessen demütig zu sein, Gott allein die Ehre zu geben und mit fröhlicher Energie in seinem Dienst zu arbeiten.

 

    Daniel legt den Traum aus und wird erhöht (V. 31-49): V. 31. Du, König, sahst, das heißt, er sah vor seinen Augen, er hatte seinen Blick auf die Vision gerichtet, und siehe, ein großes Bild, ein Standbild in menschlicher Gestalt. Dieses Bild war gewaltig und sein Glanz außerordentlich, es stand vor dir, ihm gegenüber, in voller Sicht; und sein Aussehen war schrecklich, wegen seiner kolossalen Proportionen und seines furchterregenden Aussehens. V. 32. Das Haupt dieses Bildes war aus feinem Gold, oder, „was das Bild betraf, war sein Kopf aus reinem Gold“, seine Brust und seine Arme aus Silber, sein Bauch und seine Lenden, oder, „seine Hüften mit den Oberschenkeln“, aus Bronze, V. 33. seine Schenkel aus Eisen, seine Füße teils aus Eisen und teils aus Ton. „Nur der erste Teil, der Kopf, bildet eine Einheit; der zweite, die Arme, zeigt Anzeichen von Teilung; der dritte weist dasselbe Merkmal in den Oberschenkeln auf: Der vierte, obwohl er aus einer gemeinsamen Quelle stammt, ist vollständig geteilt, obwohl er auch Bewegungsfähigkeit besitzt; der fünfte ist von Anfang an geteilt und wird schließlich noch weiter in die zehn Zehen unterteilt. Das Material wird im Laufe der Zeit immer weniger kostbar, bis es gewöhnlichen Ton erreicht.“ V. 34. Du sahst das an, das heißt, der Blick des Königs war immer noch auf dieses Bild gerichtet, bis ein Stein herabgerissen wurde, der ohne Hände, ohne menschliches Zutun, durch einen besonderen Akt Gottes von einem Berg oben losgerissen wurde, der, als er vom Berghang herunterrollte, das Bild an seinen Füßen aus Eisen und Ton traf und sie zerschmetterte. V. 35. Da, als Folge dieses zerschmetternden Schlags, wurden Eisen, Ton, Bronze, Silber und Gold, alle verderblichen Materialien des Bildes in umgekehrter Reihenfolge genannt, gemeinsam zermalmt und wurden wie die Spreu der Sommertennen, zu feinstem Staub zermahlen, der vom Wind weggetragen wurde, völlig zerstört; und der Wind trug sie fort, so dass keinen Spur mehr von ihnen gefunden wurde, so dass kein Überrest zurückblieb; und der Stein, der das Bild zerschlug, wurde zu einem großen Berg und füllte die ganze Erde, das Bild und alles, was es darstellte, versank daneben in Bedeutungslosigkeit. V. 36. Dies ist der Traum, an den sich der König jetzt in allen Einzelheiten erinnert haben muss, sodass er sie erkannte; und wir werden die Deutung vor dem König vortragen, wobei Daniel sich hier mit seinen Gefährten, den gläubigen Anbetern des Herrn, gleichsetzt, mit denen er gemeinsam Zugang zu den Geheimnissen der göttlichen Offenbarung hatte. V. 37. Du, König, bist ein König der Könige, ein großer Herrscher, Herrscher einer Weltmacht; denn der Gott des Himmels hat dir das Königreich gegeben, oder Herrschaft, Macht und Stärke und Ehre, wobei die Aufmerksamkeit des Königs hier auf den einen Herrn gerichtet ist, den Spender aller guten Gaben. V. 38. Und wo immer Menschenkinder wohnen, selbst in den entlegensten Teilen der bewohnbaren Welt, dazu die Tiere des Feldes und die Vögel des Himmels, hat er sie in deine Hand gegeben, in einer absoluten Herrschaft, wie sie der Mensch am Anfang besaß, und hat dich zum Herrscher über sie alle gemacht, seine Macht erstreckte sich über praktisch die gesamte damals bekannte Welt, zumindest über alle Teile, die man als zivilisiert bezeichnen könnte. Du bist dieses Haupt aus Gold, was umso passender ist, da Babylon einen immensen Reichtum besaß, auch an Edelmetallen. V. 39. Und nach dir wird ein anderes Königreich aufkommen, geringer als du, mit einem niedrigeren Standard politischer Moral, ohne innere Stärke, obwohl es immer noch eine Weltherrschaft besitzt, und ein weiteres drittes Königreich aus Bronze, das über die ganze Erde herrschen wird, aufgrund seiner unnachgiebigen Härte, wenn auch von minderer Qualität. V. 40. Und ein viertes Königreich wird stark sein wie Eisen, denn wie oder „genauso wie“ Eisen alles zerschmettert und bezwingt, es zermalmt und völlig zerstört; und wie Eisen, das all dies zerschmettert, wird es alles zerschmettern und zermalmen, wobei seine zerstörerische Kraft der Vergleichspunkt ist. V. 41. Und dass du die Füße und Zehen teils von Ton und teils von Eisen gesehen hast, was bedeutet: die völlige Schwäche und der Mangel an Kraft, so wird das Königreich geteilt sein; aber von des Eisens Art wird darin bleiben, und das wird trotz der inneren Spaltung so bleiben, wie du das Eisen mit lehmigem Ton vermischt gesehen hast, in seiner klebrigen Form, wie es aus den Gruben kommt. V. 42. Und da die Zehen der Füße teils aus Eisen und teils aus Ton waren, was auf die Schwäche der Füße hinweist, die den großen Koloss stützen, so wird das Königreich teils stark und teils schwach sein, d. h. hauptsächlich zerbrechlich und daher immer am Rande des Zerfalls. V. 43. Und dass du gesehen hast Eisen mit Ton vermengt: die Herrscher und die verschiedenen herrschenden Elemente, die das vierte Königreich bilden, Sie werden sich durch Heiraten untereinander [w.: durch den Samen der Menschen] vermischen und sich bemühen, Harmonie herzustellen; aber sie werden nicht aneinander haften, zu einer fest zusammenhängenden Masse, so wie sich Eisen nicht mit Ton vermischt, nämlich in einer festen und dauerhaften Verbindung. Die Bedeutung ist klar. Die Weltmacht in ihrer Gesamtheit erscheint als eine kolossale menschliche Gestalt: Babylon, der Kopf aus Gold; Medo-Persien, die Brust und die beiden Arme aus Silber; das griechisch-makedonische Reich, als der Bauch und die beiden Schenkel aus Messing; und Rom, mit seinen verschiedenen Zweigen und abhängigen Königreichen, als die Beine aus Eisen und die Füße aus Eisen und Ton. „Es werden nur die Königreiche erwähnt, die in irgendeiner Beziehung zum Volk des Herrn stehen.“ V. 44. Und in den Tagen dieser Könige, während die verschiedenen kleinen Herrscher unter der allgemeinen Herrschaft Roms an der Macht waren, wird der Gott des Himmels ein Königreich errichten, das niemals zerstört werden wird, dessen göttlicher und ewiger Charakter überall offensichtlich ist; und das Königreich wird keinem anderen Volk überlassen werden, seine Herrschaft wird nicht von einer neuen Macht übernommen werden, die entstehen könnte, sondern es wird all diese Königreiche zermalmen und zerstören und alle Weltmächte zu Fall bringen, und es wird ewig bestehen. Das Reich Christi ist nicht von dieser Welt, und doch ist seine Macht so groß, dass es alle menschliche Macht und Autorität überwindet und stattdessen die herrliche Herrschaft des Evangeliums des Friedens errichtet; denn Christus ist der König der Könige und der Herr der Herren. V. 45. Weil du gesehen hast, dass der Stein ohne Zutun von Menschenhand und ohne menschliches Einwirken vom Berg losbrach und Eisen, Bronze, Ton, Silber und Gold zerschmetterte, da all diese Materialien gleichermaßen machtlos waren, seinem ungestümen Ansturm standzuhalten: Der große Gott hat dem König kundgetan, was nachher geschehen wird, und der eine und einzige wahre Gott hat nicht nur die Macht, solch wunderbare Offenbarungen zu machen, sondern auch seine Verheißungen zu erfüllen. Und der Traum ist gewiss und seine Deutung sicher, eine Tatsache, die Daniels nachdrückliche Erklärung zum Abschluss gebührend in den Vordergrund rückte. V. 46. Da fiel der König Nebukadnezar auf sein Angesicht, überwältigt von der Weisheit, die in dieser klaren Erklärung enthalten war, und verneigte sich tief vor Daniel, verehrte ihn als Propheten des wahren Gottes, betete den Herrn in der Person Daniels an und befahl, ihm ein Opfer und wohlriechende Düfte darzubringen. Vgl. Apostelgeschichte 10, 25; 14, 13. V. 47. Der König antwortete Daniel und sprach: Wahrhaftig, euer Gott ist ein Gott über alle Götter, vor Nebukadnezar der mächtigste aller Götter, und ein Herr über alle Könige und ein Offenbarer von Geheimnissen, da du dies Geheimnis hast offenbaren können, das so offensichtlich über die bloße menschliche Fähigkeit hinausging. V. 48. Dann machte der König Daniel zu einem großen Mann, erhob ihn in eine Position von großer Würde und Macht und gab ihm viele große Geschenke, belohnte ihn nach der Art orientalischer Herrscher und machte ihn zum Herrscher über die gesamte Provinz Babel, eine zivile Ernennung, die ihm die Verwaltung in der wichtigsten Provinz des Reiches übertrug, und zum Obersten über alle Weisen von Babel, eine Position, die sowohl Einfluss als auch Ehre mit sich brachte. V. 49. Und Daniel den König, und er setzte Sadrach, Mesach und Abed-Nego über die Angelegenheiten der Provinz Babel ein, als diejenigen, die unmittelbar für die Verwaltung zuständig waren; aber Daniel saß am Hof [w.: im Tor] des Königs, als sein oberster Berater und Präsident über die verschiedenen Orden, in die die Weisen von Babylon unterteilt waren. Christen können durchaus auch die höchsten Staatsämter bekleiden, denn dann können sie ihr Amt zur Ehre Gottes und zum wahren Wohl des Staates ausüben.

 

 

Kapitel 3

 

Die Prüfung der Standhaftigkeit und Gottesfurcht der drei Freunde Daniels

 

    Die drei Männer sind dem HERRN treu (V. 1-18): V. l. Der König Nebukadnezar fertigte zu einem späteren Zeitpunkt seiner Herrschaft ein Bildnis aus Gold an, eine riesige Götzenfigur, wahrscheinlich in Form eines Menschen, dessen Höhe sechzig Ellen [ca. 29 m] und dessen Breite sechs Ellen [ca. 2,90 m] betrug, d. h. seine Höhe mit seinem Sockel betrug etwa neunzig Fuß und seine Breite neun Fuß; er stellte es in der Ebene von Dura auf, sehr wahrscheinlich in der Ebene östlich des Tigris oder in einem kleineren Tal in der Nähe der Hauptstadt, in der Provinz Babel. V. 2. Dann sandte der König Nebukadnezar Boten aus, um die Satrapen, (Provinz-)Statthalter und Verwalter [d.i. Stellvertreter der Satrapen], leitende Beamte mit sowohl zivilen als auch militärischen Aufgaben, die Staatsräte, oder leitende Verwaltungsbeamte, die Schatzmeister, die Finanzdirektoren oder Verwalter der Staatskasse, die Berater, die Richter, die obersten Gerichtsbeamten und alle höheren Beamten der Provinzen zu rufen, damit sie zur Einweihung des Bildes kamen, das König Nebukadnezar aufgestellt hatte, um zu Ehren dieses Anlasses ein großes Fest zu feiern, bei dem alle Beamten des Reiches die Gäste des Königs waren. V. 3. Da versammelten sich die Satrapen, (Provinz-)Statthalter und Verwalter, die Staatsräte, Schatzmeister, Richter, obersten Gerichtsbeamten und alle höheren Beamten der Provinzen zur Einweihung des Standbildes, das der König Nebukadnezar, hatte aufstellen lassen, und gehorchten stolz dem Befehl des Königs. Und sie standen vor, gegenüber dem Bild, das Nebukadnezar aufgestellt hatte, bereit, an allen Zeremonien der Einweihung teilzunehmen, da das Bild ein Symbol für die Weltmacht Babylons und die göttliche Majestät des Königs war, wie sie glaubten. V. 4. Dann rief ein Herold laut, buchstäblich, „mit Macht“, und erhob seine Stimme, um alle Mitglieder der versammelten Menge zu erreichen: Euch ist befohlen, ihr Völker, Nationen und Sprachen: wobei es sich offensichtlich um eine Formel handelt, die in den offiziellen Erlassen des Chaldäischen Reiches verwendet wurde, mit denen sich der Herrscher an alle Untertanen seines großen Reiches wandte, V. 5. Wenn ihr den Klang des Horns oder der Tuba der Alten, der Flöte, der Rohrflöte oder der Hirtenflöte, der Zither, der Harfe, einer kleinen viersaitigen Harfe wie eine Zither, der Laute, eines dreieckigen Saiteninstruments, des Psalters, einer anderen Art von Harfe, des Hackbretts, der Doppelflöte, die aus zwei durch einen Ledersack gesteckten Pfeifen besteht, und alle Arten von Musik hört, die Aufzählung ist charakteristisch für die pompöse Sprache eines Weltherrschers, sollt ihr niederfallen und das goldene Standbild anbeten, das der König Nebukadnezar aufgestellt hat. Vers 6. Und wer nicht niederfällt und anbetet, der soll noch in derselben Stunde in den glühenden Feuerofen geworfen werden. Diese Art der Bestrafung war bei den Babyloniern üblich, und da alle Menschen bei der Anbetung auf ihr Angesicht fallen mussten, war es umso einfacher, diejenigen auszumachen, die sich weigerten, dem Erlass des Königs Folge zu leisten. Vers 7. Deshalb in dem Augenblick, in Übereinstimmung mit der Ankündigung des Herolds, als alle Völker den Klang von Horn, Flöte, Zither, Harfe, Laute, Doppelflöte und allerlei Musik hörten, fielen alle Völker, hier vertreten durch seine jeweiligen Herrscher, Nationen und Sprachen, so viele wie zu der großen Feier erschienen waren, nieder und beteten das goldene Bild an, das König Nebukadnezar aufgestellt hatte. Es ist hier anzumerken, dass die meisten heidnischen Nationen zwar die Götter der von ihnen eroberten Länder tolerierten, gleichzeitig aber von den unterworfenen Völkern eine größere Verehrung für ihre eigenen Götter forderten, deren Überlegenheit sie durch die Tatsache, dass sie Sieger waren, als voll und ganz gegeben betrachteten. V. 8. Daher kamen zu dieser Zeit einige Chaldäer, die wegen der Beförderung der Fremden eifersüchtig waren, während sie sich mit niedrigeren Positionen zufrieden geben mussten, herbei und verklagten die Juden, wörtlich: „Sie aßen ihre Fleischstücke“, ein Begriff, der im Aramäischen für Verleumdung und das Ausstoßen hasserfüllter Verdächtigungen verwendet wird. V. 9. Sie fingen an und sagten zum König Nebukadnezar: „O König, lebe ewiglich!“ Dies war die übliche Anrede in Babylonien. V. 10. Du, König, hast einen Befehl erlassen, einen unmissverständlichen Befehl ausgegeben, dass jedermann, der den Klang von Horn, Flöte, Zither, Harfe, Laute, und Doppelflöte und allerlei Musik hört, niederfallen und das goldene Bild anbeten soll; V. 11. und wer nicht niederfällt und anbetet, der soll in einen brennenden Feuerofen geworfen werden. Vers 12. Es gibt bestimmte jüdische Männer, die du über die Angelegenheiten der Provinz Babel gesetzt hast, die daher, wie die Ankläger andeuten, dem König als ihrem Wohltäter besonders verpflichtet waren, Schadrach, Meschach und Abed-Nego. Diese Männer, oh König, deren Einfluss und Beispiel von so großer Bedeutung waren, haben verachten dich und haben deine Befehle nicht befolgt; sie dienen nicht deinen Göttern und beten nicht das goldene Bild an, das du aufgestellt hast. Was das Verhalten dieser Chaldäer zu dieser Zeit so besonders verabscheuungswürdig machte, war die Tatsache, dass sie diesen einen Fall des Ungehorsams gegenüber dem Befehl des Königs seitens der jüdischen Beamten zum Anlass nahmen, sie aus ihren Ämtern zu entfernen, das heißt, Neid war das einzige Motiv, das sie zu diesem Zeitpunkt zu solchen Schritten veranlasste. „Die Erwähnung ihres hohen Beamtenrangs sollte die Gefährlichkeit des Ungehorsams solcher Männer gegenüber dem königlichen Befehl betonen und auch die Aufmerksamkeit auf die Abscheulichkeit ihrer Undankbarkeit gegenüber ihrem königlichen Wohltäter lenken.“ V. 13. Da befahl Nebukadnezar voller Zorn und Wut, in der äußersten Heftigkeit seines Zorns, Schadrach, Meschach und Abed-Nego zu holen, um sie sofort in seine Gegenwart zu bringen. Darauf brachten sie diese Männer vor den König. V. 14. Nebukadnezar sprach zu ihnen: Ist es wahr, dass ihr, Schadrach, Meschach und Abed-Nego, meinen Göttern nicht dient, wörtlich: „Mit vorsätzlicher, böser Absicht dient ihr meinem Gott nicht?“ und das goldene Bild, das ich aufgestellt habe, nicht anbetet? Seine Götter wurden hier zusammengeführt und unter dem goldenen Bild dargestellt, und Nebukadnezar deutete die Abwesenheit der drei Männer bei der Festversammlung als ein Bestreben, sich bewusst jeglicher Teilnahme an den Zeremonien zu entziehen. V. 15. Nun, wenn ihr bereit seid, zu der Zeit, da ihr den Klang von Horn, Flöte, Zither, Harfe, Laute und Doppelpfeife und allerlei Musik hört, niederzufallen und das Bild anzubeten, das ich gemacht habe, nun, die Vervollständigung des Bedingungssatzes wird im Aramäischen ausgelassen, wie in 2 Mose 32; Lukas 13, 9; werdet ihr aber nicht anbeten, so werdet ihr zu derselben Stunde in den glühenden Feuerofen geworfen werden; und welcher Gott ist, der euch aus meiner Hand erretten könnte? Dies war keine direkte Lästerung des wahren Gottes, aber es war eine sehr anmaßende Aussage, da der König damit die Befreiung aus dem Feuerofen zu einem Werk erklärte, das kein Gott vollbringen konnte. V. 16. Schadrach, Meschach und Abed-Nego antworteten und sprachen zum König: Nebukadnezar, die Direktheit ihrer Ansprache verleiht ihrer Aussage zusätzliche Nachdruck, wir halten es nicht für nötig, dir in darauf zu antworten, das heißt, sie hielten es nicht für notwendig, nach einer vernünftigen Entschuldigung oder Erklärung zu suchen. V. 17. Wenn es geschieht: Siehe unser Gott, dem wir dienen, kann uns wohl uns aus dem brennenden Feuerofen retten, oder besser: „Wenn unser Gott uns retten kann“, und auch  aus deiner Hand kann er erretten, o König. Dies war kein Zweifel an der Stärke und Fähigkeit des Herrn, ihnen zu helfen; es überließ die Angelegenheit nur der Gnade und dem guten Willen dessen, dessen Handlungen immer richtig und gut sind. V. 18. Aber wenn nicht, das heißt, wenn eine Befreiung nicht mit seinem Rat und Willen übereinstimmt, sei dir, König, gesagt, dass wir deinen Göttern nicht dienen und das goldene Bild, das du aufgestellt hast, nicht anbeten werden. Wir haben hier ein schönes Beispiel für die Treue des Glaubens und die sanfte Unterwerfung unter den Willen Gottes. Auch Christen in einer ähnlichen Situation können es als unmöglich empfinden, Verständnis für die Probleme zu wecken, die ihre Gegner beschäftigen. Sie werden daher nicht versuchen, ihre Haltung zu rechtfertigen, sondern die Angelegenheit ganz in Gottes Hände legen, dessen Wege immer gut sind. [Die Art und Weise der Darlegung erinnert an offizielle Dokumente, wie sie damals wohl angefertigt wurden.]

 

    Die wunderbare Bewahrung der Diener Gottes (V. 19-30): V. 19. Da wurde Nebukadnezar voll Zorn, von äußerster und unvernünftiger Wut, und sein Gesichtsausdruck veränderte sich gegenüber Schadrach, Meschach und Abed-Nego, sein Gesichtsausdruck zeigte die äußerste Wut, die ihn beherrschte; daher sprach er und befahl, den Ofen noch siebenmal mehr zu heizen, als es üblich war. In der Hitze seiner Leidenschaft erkannte er nicht, dass er damit eigentlich sein eigenes Ziel verfehlte; denn je heißer das Feuer, desto eher konnten seine Opfer von ihrem Elend erlöst werden. V. 20. Und er befahl den besten Kriegsleuten, die in seinem Heer waren, auf die er sich in Bezug auf absoluten Gehorsam und Vertrauenswürdigkeit verlassen konnte, Schadrach, Meschach und Abed-Nego zu fesseln und sie in den brennenden Feuerofen zu werfen, eine Aufgabe, die hier mit erheblicher Gefahr verbunden war, da sie eine Annäherung an die intensive Hitze des Ofens beinhaltete. V. 21. Dann wurden diese Männer in ihren Mänteln, ihren Hosen und ihren Hüten, besser gesagt, „in ihren Untergewändern, ihren Tuniken und ihren Mänteln“ und ihren anderen Kleidungsstücken, von denen zumindest ein Teil aus empfindlichem, leicht entflammbarem Material bestand, gefesselt und in den brennenden Feuerofen geworfen, wobei die Wiederholung dieses Satzes dazu beiträgt, das Element der Gefahr stärker hervorzuheben. V. 22. Deshalb, weil der Befehl des Königs so streng, weil er in Wut sprach, und der Ofen übermäßig heiß war, weit über seine übliche Hitze hinaus, tötete die Flamme des Feuers, ein Windstoß, der aus der Öffnung fegte, jene Männer, die Schadrach, Meschach und Abed-Nego hinaufbrachten, nachdem die Diener des Königs sie durch die Öffnung oben geworfen hatten. V. 23. Und diese drei Männer, Schadrach, Meschach und Abed-Nego, fielen gefesselt, wie sie von den Henkern gefesselt worden waren, in den brennenden Feuerofen. V. 24. Da entsetzte sich der König Nebukadnezar und geriet in große Verwunderung und stand eilends auf, denn er war vor Angst außer sich, und sprach zu seinen Räten, den Ministern oder Statthaltern, die seinen Rat bildeten: Haben wir nicht drei Männer gebunden in das Feuer lassen werfen? Der Königssitz scheint gegenüber der Seitentür des Ofens aufgestellt worden zu sein, die offen war, um einen starken Luftzug zu ermöglichen, der das Feuer anfachte, und von hier aus war er Zeuge der Hinrichtung. Sie antworteten und sprachen zum König: Gewiss, o König! V. 25. Er antwortete und sprach: Siehe, ich sehe vier Männer frei, nicht mehr gefesselt, wie sie hineingeworfen worden waren, umhergehen mitten im Feuer, verlassen es nicht, sondern warten auf Gottes Zeit, um sie herauszuholen, und sie haben keine Verletzung, wie man es aufgrund der groben Behandlung, die ihnen zuteil wurde, erwarten könnte; und die Gestalt des vierten, wegen der überzeugenden Würde seines Aussehens ist wie ein Sohn der Götter, einer, der zu einer göttlichen Familie und Geschlecht gehört. Der vierte Mann war ein Engel Gottes, der zum Schutz seiner frommen Diener gesandt wurde, damit die Flamme ihnen nichts anhaben konnte. Gott beschützt diejenigen, die ihr Vertrauen in ihn setzen, inmitten von Tod und Zerstörung, so dass ihnen kein Haar von ihrem Kopf fällt, ohne seinen Willen. V. 26. Dann trat Nebukadnezar an die Öffnung des brennenden Feuerofens, der nun auf seinen Befehl hin geöffnet wurde, und sprach: Schadrach, Meschach und Abed-Nego, ihr Knechte des höchsten Gottes, von dessen überlegener Größe er gerade einen überwältigenden Eindruck erhalten hatte und den er deshalb bereit war, auf diese Weise zu bezeichnen, geht heraus und kommt herbei. Da gingen Schadrach, Meschach und Abed-Nego aus dem Feuer hervor, Vers 27. Und die Satrapen, (Provinz-)Statthalter und höheren Beamten, die repräsentativen Herrscher seines gesamten Reiches, und die Staatsräte des Königs, die Mitglieder seines eigenen Geheimrats, die sich versammelt hatten, sahen diese Männer, über deren Körper das Feuer keine Macht hatte, da es nicht die geringste Wirkung auf sie hatte, noch war ein Haar ihres Hauptes versengt, was normalerweise die erste Auswirkung von Feuer ist, noch waren ihre Mäntel verändert, ihre Unterwäsche vom Feuer berührt, noch war der Geruch von Feuer auf sie übergegangen, mit anderen Worten, man konnte nicht einmal bemerken, dass sie sich in der Nähe von Feuer befunden hatten. V. 28. Dann fing Nebukadnezar an und sagte: Gepriesen sei der Gott Schadrachs, Meschachs und Abed-Negos, dessen Überlegenheit gegenüber seinen eigenen Göttern der König damit anerkannte, der seinen Engel gesandt und seine Knechte gerettet hat, die auf ihn vertrauten und das Gebot des Königs nicht gehalten haben, seine Befehle kühn übertraten und ihren Leib hingaben, sie ohne zu zögern im Interesse ihrer Treue zu ihrem Gott opferten, damit sie keinem Gott dienen oder ihn anbeteten außer ihrem eigenen Gott. V. 29. Deshalb erlasse ich einen Befehl, wörtlich: „Und von mir wird ein Dekret erlassen“, dass aus jedem Volk, jeder Nation und jeder Sprache, wer etwas Lästerliches gegen den Gott Schadrachs, Meschachs und Abed-Negos sagt, in Stücke gehauen werden und sein Haus zu einem Misthaufen gemacht werden soll, vgl. Kap. 2, 5, denn es gibt keinen anderen Gott, der so erretten kann. Dieses Bekenntnis impliziert zwar nicht den Glauben an den einen wahren Gott, doch es verfügte die Duldung der Anbeter des Herrn im gesamten Reich Babylons. V. 30. Dann stellte der König, nachdem er den drei Männern erneut seine volle Gunst erwiesen hatte, Schadrach, Meschach und Abed-Nego in der Provinz Babel in höhere Ämter. Die Standhaftigkeit dieser Männer, zu ihrem Gott zu stehen, brachte ihnen also keineswegs Unglück, sondern führte zu weiteren Segnungen. Beachten Sie auch, dass die Wunder, die der Herr im Interesse seiner Kirche vollbringt, auch dem Staat zugutekommen, sodass die Menschen gezwungen sind, die Hand Gottes in den Angelegenheiten der Menschen anzuerkennen, auch wenn sie ihn nicht als den Gott ihrer Erlösung anerkennen.

 

 

Kapitel 4

 

Nebukadnezars Traum, Auslegung durch Daniel, dessen Aufruf an den König und die Erfüllung des Traums

 

    Der König erzählt Daniel seinen Traum (V. 1-18): V. 1. König Nebukadnezar an alle Völker, Nationen und Sprachen, dieser Begriff, in einer öffentlichen Bekanntmachung oder einem königlichen Erlass, einschließlich aller Untertanen des Reiches, die auf der ganzen Erde leben, denn das babylonische Reich umfasste praktisch die gesamte damals erforschte Welt: Friede sei mit euch, wörtlich: „Friede sei euch in reichem Maße zuteil“, ein Gruß, der im Orient viele Jahrhunderte lang gebräuchlich war und später von den Christen übernommen wurde. Vgl. 1. Petr 1,2; 2. Petr 1,2. V. 2. Ich hielt es für gut, es gefiel dem König, er hielt es für richtig und angemessen, die Zeichen und Wunder verkündigen, die der höchste Gott an mir gewirkt hat, wobei hier auf den wahren Gott Bezug genommen wird, von dessen allmächtiger Kraft Nebukadnezar weitere unmissverständliche Beweise erhalten hatte, wie er in diesem Edikt berichtet. V. 3. Wie groß sind seine Zeichen und wie mächtig sind seine Wunder! Sie übertreffen die aller sogenannten Götter der Heiden. Sein Reich ist ein ewiges Reich, und seine Herrschaft währt von Generation zu Generation. Es ist eine Doxologie, die dem wahren Gott gebührende Ehre erweist, auch wenn sie nicht den Glauben an den Herrn bekennt. Nun folgt der Bericht über die Ereignisse, die diesen Lobpreisausbruch verursacht haben. V. 4. Ich, Nebukadnezar, hatte Ruhe in meinem Haus, seine Kriege siegreich beendet, sein Königreich in Frieden, und lebte froh in meinem Palast, genoss wunderbaren Wohlstand. V. 5. Ich sah einen Traum, der mich erschreckte, dessen plötzliches Eintreten ihn mit Schrecken erfüllte, und die Gedanken auf meinem Lager , die ihn im Zusammenhang mit seinem Traum beschäftigten, und die Visionen, die ich gesehen hatte, die sich seinen Augen des Geistes darboten, beunruhigten mich, ihre Phantasien und Bilder erfüllten ihn mit der Befürchtung eines bevorstehenden Unglücks. V. 6. Deshalb erließ ich den Befehl, er erließ den Befehl, alle Weisen von Babel vor mich zu bringen, damit sie mir die Deutung des Traums mitteilten, wobei der Traum selbst mit all seinen Details in diesem Fall in der Erinnerung des Königs sehr klar war, so dass er nur eine Erklärung wünschte. V. 7. Da kamen die Magier, die Beschwörer, die Chaldäer und die Wahrsager [o. Zeichendeuter, mittels Leberschau] herein, vgl. Kap. 2, 2, und ich erzählte den Traum vor ihnen; aber sie konnten mir die Deutung nicht sagen, ihre rein menschliche Weisheit war nicht in der Lage, in die Tiefen der Geheimnisse einzudringen, die Gott in diesem Fall bekannt machen wollte. V. 8. Aber zuletzt kam Daniel vor mich, dessen Name, der ihm gegeben wurde, als er in den Dienst des Königs trat, Beltschazar ist, nach dem Namen meines Gottes, „der Erste des Bel“, der Hauptgott von Babylon, und in dem der Geist der heiligen Götter ist, von dessen herausragenden prophetischen Gaben der König bei früheren Gelegenheiten Zeugnis gegeben hatte, obwohl er in diesem Fall aus unerklärlichen Gründen bis zum Schluss zurückhaltend war; und vor ihm erzählte ich den Traum: V. 9. O Beltschazar, Oberster der Magier, dessen vergleichsweise unabhängige Position als Oberhaupt aller Weisen in Babylon es ihm ermöglichte, bei dieser Gelegenheit einer großen Versammlung der Beamten des königlichen Hofes fernzubleiben, weil ich weiß, dass der Geist der heiligen Götter in dir ist und dir kein Geheimnis verborgen ist, kein Geheimnis zu schwierig ist, um es zu erklären, erzähle mir die Visionen meines Traums, den ich gesehen habe, und deren Deutung. V. 10. Dies waren die Visionen, die ich gesehen habe auf meinem Lager, wörtlich: „Und in Bezug auf die Visionen meines Kopfes auf meinem Lager“, und siehe, ein Baum in der Mitte der Erde, der daher offensichtlich eine große Bedeutung für die ganze Erde besaß, und seine Höhe war gewaltig, er war von Anfang an von auffälliger Größe. V. 11. Der Baum wuchs und wurde stark, wurde groß und mächtig, und seine Höhe reichte bis zum Himmel und wurde gesehen bis ans Ende der ganzen Erde, so dass er weit genug reichte, um von den äußersten Enden der Welt aus gesehen zu werden; V. 12. seine Blätter waren schön, seine Verzweigung, die die Krone bildete, war sehr schön, und seine Früchte waren zahlreich, sie wuchsen in großen Mengen, und in ihm war Nahrung für alle, Nahrung für alle, die unter seinem Schutz lebten, war darauf zu finden; die Tiere des Feldes fanden Schatten unter ihm, und die Vögel des Himmels wohnten in seinen Ästen, und alles Fleisch ernährte sich von ihm, was das Bild des gesamten Menschengeschlechts war, das unter dem Zepter Nebukadnezars vereint war und unter seiner wohltätigen Regierung Wohlstand genoss. V. 13. Ich sah in den Visionen auf meinem Lager, und siehe, ein Wächter und Heiliger, das heißt ein heiliger Wächter, ein von Gott beauftragter Engel, der über die Angelegenheiten der Menschen wacht, kam vom Himmel herab. V. 14. Er rief laut und sagte: Haut den Baum um und schneidet seine Äste ab, streift seine Blätter ab, und streut seine Früchte umher, in verächtlicher Weise, als wären sie wertlos; lasst die Tiere unter ihm weglaufen, da sie in seinem Schutz nicht mehr sicher sind, und die Vögel von seinen Ästen fliehen, die ihnen keinen sicheren Unterschlupf mehr bieten; V. 15. Doch lasst den Wurzelstock mit seinen Wurzeln in der Erde, und zwar mit einer Kette aus Eisen und Erz, im Gras des Feldes, wobei diese Beschreibung bereits darauf hinweist, dass die Anwendung auf ein beseeltes Wesen erfolgen muss, dessen Fesseln die der mentalen und spirituellen Dunkelheit waren, die durch den Verlust der Vernunft verursacht wurde. Und lasst ihn vom Tau des Himmels benetzt werden, da es keinen Schutz gibt, der das Wetter von ihm fernhält, und sein Teil sei bei den Tieren am Gras der Erde, damit er an ihrer Nahrung teilhabe; Vers 16. Sein menschliches Herz soll von ihm genommen, sodass dieses Zentrum des intellektuellen Lebens seinen menschlichen Aspekt verlieren würde, und ihm das Herz eines Tieres gegeben werden, damit er vollständig auf die Ebene eines Tieres herabsteige; und sieben Zeiten sollen über ihn vergehen, wobei die genaue Länge dieser Zeiträume nicht angegeben ist. V. 17. Solches ist der Beschluss der Wächter, nach ihrem einheitlichen Urteil, und Anordnung der Heiligen, wobei die Engel Gottes Ihn sozusagen an die Anforderungen Seiner Heiligkeit und Gerechtigkeit gegenüber einem so schamlosen Übertreter erinnert haben, damit die Lebenden, alle Menschen auf der Erde, erkennen, dass der Höchste Gewalt hat über der Menschen Königreiche, Autorität und Macht nach seinem Willen verteilt, und sie gibt, wem er will, und den niedrigsten der Menschen darüber einsetzt, einen Mann aus dem niedrigsten Stand des Lebens, wenn Gott es so will, und die Zügel der Regierung nach seiner Disposition übernimmt. V. 18. Diesen Traum habe ich, König Nebukadnezar, gesehen, wobei alle Einzelheiten klar vor seinen Augen waren und auf die gleiche Weise dargelegt wurden. Nun, du, Beltschazar, erkläre die Deutung davon und lege ihre Bedeutung dar, da alle Weisen meines Königreichs nicht in der Lage sind, mir die Deutung mitzuteilen; Vers 7. Aber du bist dazu in der Lage, denn der Geist der heiligen Götter ist in dir. Die Angelegenheiten der ganzen Welt und jeder Nation auf der Erde liegen in den Händen Gottes, der sie nach seinem Wohlgefallen im Interesse seiner Kirche lenkt.

 

    Die Auslegung und Erfüllung des Traumes (V. 19-37): V. 19. Da war Daniel, der Beltschazar hieß, entsetzt, er stand fassungslos vor dem Traum und seiner Bedeutung, eine Stunde lang, eine lange Zeit, und seine Gedanken beunruhigten ihn, denn er war von Ehrfurcht überwältigt. Der König, der aus dem Ausdruck seines Gesichts schloss, dass er die Deutung gefunden hatte, sprach und sagte: Beltschazar, lass dich nicht von dem Traum oder seiner Deutung beunruhigen, erfülle ihn mit Sorge um seine Sicherheit, wenn er seine Bedeutung preisgibt. Beltschazar antwortete und sprach: Er sprach wie ein treuer Untertan des Königs, in dessen Reich er jetzt lebte: Mein Herr, der Traum gelte denen, die dich hassen, und seine Deutung deinen Feinden! Das heißt: Möge der Traum die Feinde des Königs betreffen und seine Bedeutung sich auf seine Feinde und nicht auf ihn beziehen! Nach dieser einleitenden Bemerkung ging Daniel sofort zu seiner Erklärung über. V. 20. Der Baum, den du sahst, oder besser gesagt, „von dem du sahst“, der wuchs und stark war, oder „dass er groß und stark war“, dessen Höhe bis zum Himmel reichte und der über die ganze Erde sichtbar war, wobei die Macht des Reiches bis an die äußersten Grenzen der bekannten Welt reichte, V. 21. dessen Blätter schön und dessen Früchte zahlreich waren, und an dem es Nahrung für alle gab, unter dem die Tiere des Feldes wohnten und auf dessen Zweigen die Vögel des Himmels ihre Behausung hatten, genau wie der König es in seinem Traum beschrieben hatte: Vers 22. Das bist du, König, der du bist groß und stark geworden; denn deine Größe ist gewachsen und reicht bis zum Himmel, da seine Macht die jedes lebenden Monarchen überstieg, und deine Herrschaft bis ans Ende der Welt, eine echte Weltmacht. Beachten Sie, dass Daniel, obwohl er Mitleid mit dem König hat, dennoch mit kompromissloser Offenheit spricht. Die gleiche ruhige und leidenschaftslose Verurteilung der Sünde sollte man auch bei den heutigen Pastoren finden. V. 23. Und dass der König einen Wächter und einen Heiligen vom Himmel herabkommen sah, einen der heiligen Engel Gottes, der zu diesem Zweck abgeordnet wurde, der sagte: „Fällt den Baum und vernichtet ihn, aber den Wurzelstock davon, den Wurzelstock, lasst in der Erde, und zwar mit einer Kette aus Eisen und Erz, im Gras des Feldes, und lass ihn vom Tau des Himmels benetzt werden und sein Teil sei bei den Tieren am Gras der Erde, bis sieben Zeiten über ihn vergehen, vgl. V. 15. 16: V. 24. Dies ist die Deutung, o König, und dies ist der Beschluss des Höchsten, der über meinen Herrn, den König, gekommen ist und in Gottes Ratschluss vollständig beschlossen ist: V. 25. Man wird, da das Thema absichtlich unbestimmt ist, dich von den Menschen ausstoßen und dich aus der Gesellschaft der Menschen ausschließen werden, dass du bei den Tieren auf dem Feld leben wirst, völlig auf einer Stufe mit unvernünftigen Tieren, und man wird dich Gras essen lassen wie Ochsen und du wirst mit dem Tau des Himmels benetzen werden; und sieben Zeiten, bestimmte Zeiträume, werden über dich vergehen, bis du erkennst, öffentlich und frei anerkennst und bestätigst, dass der Allerhöchste über die Königreiche der Menschen herrscht, als der wahre Herrscher der verschiedenen Nationen der Erde, und sie gibt, wem er will. Mit anderen Worten, Nebukadnezar würde von Wahnsinn befallen werden, was ihn für einige Zeit aus der menschlichen Gesellschaft ausschließen würde. Der Zweck des Herrn, ihn auf diese Weise zu bestrafen, bestand darin, ihn dazu zu bringen, sich seiner völligen Hilflosigkeit vor dem wahren Herrscher des Universums bewusst zu werden. V. 26. Und dass gesagt wurde, nämlich der Rat der Wächter, der im Namen Gottes sprach, den Baumstumpf mit den Wurzeln übrig zu lassen: Dein Königreich soll dir bleiben, würde es für ihn bewahrt werden, damit er nach einer gewissen Zeit seine Herrschaft wieder aufnehmen könne, sobald du erkannt hast, dass die Himmel herrschen, nachdem er dieses Bekenntnis gerne ablegen und damit alle Ehre und Herrlichkeit allein Gott überlassen würde. V. 27. Darum, o König, lass meinen Rat dir gefallen, denn Daniel hatte ehrlich das Wohlergehen seines Herrschers im Sinn, und brich mit deinen Sünden durch Gerechtigkeit ab, indem du alle Übertretungen, für die orientalische Monarchen bekannt waren, zugunsten der Ausübung wahrer Gerechtigkeit und Rechtschaffenheit ablehnst, und mit deinen Missetaten, indem du den Armen Barmherzigkeit erweist, denen, die in irgendeiner Art von Bedrängnis sind, wenn es dir lange wohlgehen soll, oder „wenn dein gegenwärtiges Glück andauern soll“. Ein völliger Sinneswandel des Königs war notwendig, zusammen mit einer konsequenten Ausübung der höchsten Tugenden als Beweis seiner Erneuerung, um die drohende Strafe des Herrn abzuwenden. V. 28. All dies, genau wie es vom Propheten vorhergesagt worden war, kam über den König Nebukadnezar. V. 29. Nach Ablauf von zwölf Monaten, so kurz nachdem er seine Warnung erhalten hatte, als er auf dem königlichen Palast in Babel sich erging, auf dessen Flachdach, von dem aus er die ganze Stadt überblicken und sich einen Eindruck von ihrer Pracht verschaffen konnte; V. 30. Hob der König an und sagte: Ist das nicht dieses große Babel, das ich zum königlichen Wohnsitz erbaut habe, der Sitz oder die Hauptstadt seines gesamten Reiches, durch die Gewalt meiner Macht und zur Ehre meiner Herrlichkeit? Es war eine Äußerung maßlosen Stolzes, durch die Nebukadnezar sich selbst zum Schöpfer der Größe und Herrlichkeit seines Königreichs machte und damit Gott der Ehre beraubte, die Ihm allein gebührte. V. 31. Während das Wort (noch) im Mund des Königs war, bevor er seine blasphemische Äußerung beendet hatte, ertönte eine Stimme vom Himmel, mit großer Plötzlichkeit, die die Folgen umso deutlicher hervortreten ließ, und sprach: O König Nebukadnezar, dir wird gesagt, wobei die Betonung auf dem Pronomen lag: Dein Königreich ist von dir gewichen, d. h. er sollte seiner Position und seines Amtes als Herrscher enthoben werden. V. 32. Und man wird dich von den Menschen ausstoßen, von der Gesellschaft der Menschen, und bei den Tieren auf dem Feld, bei den vernunftlosen Tieren, wirst du wohnen; und man wird dich, wieder das unpersönliche Subjekt, man wird dich Gras essen lassen wie die Ochsen, und sieben Zeiten werden über dich vergehen, bis du erkennst, dir voll bewusst bist und akzeptierst, dass der Höchste über die Königreiche der Menschen herrscht und sie gibt, wem er will. V. 33. Zur selben Stunde wurde das Wort an Nebukadnezar erfüllt, so dass kein Zweifel an Ursache und Wirkung bestehen konnte; und er wurde von den Menschen ausgestoßen und fraß Gras wie Ochsen, und sein Leib war vom Tau des Himmels benetzt, bis sein Haar wie Adlerfedern und seine Nägel wie Vogelkrallen gewachsen waren. Diese Form des Wahnsinns ist der medizinischen Wissenschaft wohlbekannt, da von Zeit zu Zeit einige Fälle aufgetreten sind, die genau mit der Beschreibung der hier gegebenen Symptome übereinstimmen, sogar mit dem Grasfressen und dem Leben im Freien ohne Kleidung; da Menschen in diesem Zustand oft glauben, sie seien Wölfe, wird dies als Lykanthropie bezeichnet. V. 34. Und am Ende der Tage, der für diese Bestrafung festgelegten Zeit, hob ich meine Augen zum Himmel empor, in der Geste eines Menschen, der allein von dort Hilfe sucht, und mein Verstand kehrte zu mir zurück, so dass er wieder den vollen Gebrauch seiner Vernunft hatte, und ich lobte den Höchsten, wodurch ich ihn als den einen wahren Gott anerkannte, und ich pries und ehrte den, der ewig lebt, dessen Herrschaft eine ewige Herrschaft ist und dessen Reich von Generation zu Generation währt, wie der König in der Einleitung dieses Edikts, Vers 3, gesagt hatte, 3; v. 35. und alle Bewohner der Erde gelten wie nichts, sie sind hilflos im Vergleich zu seiner allmächtigen Majestät, und er handelt nach seinem Willen mit dem Heer des Himmels, so dass sich selbst die höchsten Engel seinem Willen beugen, und mit den Bewohnern der Erde; und niemand kann seiner Hand wehren oder zu ihm sagen: Was tust du? Gott ist der höchste, der absolute Herrscher über alles Geschaffene. V. 36. Zu derselben Zeit, nämlich als Nebukadnezar Gott allein alle Ehre und Herrlichkeit gab, kehrte mein Verstand zu mir zurück; und zur Ehre meines Königreichs kehrten meine Herrlichkeit und mein Glanz zu mir zurück, so dass ihm seine frühere Würde und Macht zurückgegeben wurden; und meine Räte und meine Großen, die ihn verstoßen und verlassen hatten, als der Wahnsinn ihn erfasste, suchten mich auf, so dass er offiziell aufgefordert wurde, seine Position an der Spitze der Nation wieder einzunehmen; und ich wurde wieder in meinem Königreich eingesetzt, und mir wurde außerordentliche Macht hinzugefügt, so dass die Autorität seiner Position noch größer war als vor dem seltsamen Wahnsinn, der ihn erfasste. V. 37. Nun lobe und preise und ehre ich, Nebukadnezar, indem ich dieses Dekret mit seinem offenen Bekenntnis erlasse, den König des Himmels, die Häufung von Synonymen zeigt die Intensität der Überzeugung des Königs, dessen Werke allesamt Wahrheit sind und dessen Wege Recht sind, so dass Nebukadnezar seine Strafe ohne weiteres als verdient anerkannte; und diejenigen, die in Stolz wandeln und sich auf Kosten der Ehre Gottes erhöhen, kann er erniedrigen. Nebukadnezar erkannte zwar die Demütigung, die er erlitten hatte, als gerechte Strafe für seinen Stolz an, doch er erkannte nicht die Größe der Gnade und Barmherzigkeit Gottes, die ihn zur wahren Reue bewegen wollte. Man kann jedoch davon ausgehen, dass diese Erfahrung ein Schritt in die richtige Richtung war und dass dieser große heidnische König schließlich im wahren Glauben starb.

 

Kapitel 5

 

Fest und Untergang des gottlosen Königs Belsazar

 

    Das Fest und die Handschrift an der Wand (V. 1-16): V. 1. Der König Belsazar, der Sohn des Nabonidus, entweder leiblich oder adoptiert, und Mitregent mit ihm, anscheinend der Enkel von Nebukadnezar, gab ein großes Fest für seine tausend Gewaltigen und trank Wein vor den Tausend, wobei das Bankett zu einer Trinkorgie wurde. Er hatte zu dieser Zeit das Kommando über die Hauptstadt und zeichnete sich durch die meisten Laster aus, für die orientalische Herrscher bekannt waren. V. 2. Belsazar, unter dem Einfluss des Weines, saß vor ihnen auf einer Plattform oder einem Podest, als er gerade unter den Einfluss der berauschenden Wirkung des Weins geraten war, befahl, die goldenen und silbernen Gefäße zu bringen, die sein Vater oder Großvater Nebukadnezar aus dem Tempel in Jerusalem weggenommen hatte, vgl. Jer. 52, 19; 2 Könige 25, 14-17, damit der König und seine Gewaltigen, die führenden Adligen des Reiches, seine Frauen und seine Nebenfrauen, deren Anwesenheit bei den königlichen Banketten auch von weltlichen Historikern erwähnt wird, daraus tranken und sie dazu benutzten, ihren betrunkenen Spott zur Schau zu stellen. V. 3. Da brachte man die goldenen Gefäße, die aus dem Tempel des Hauses Gottes, aus dem eigentlichen Heiligtum, das sich in Jerusalem befand, weggenommen worden waren; und der König und seine Gewaltigen, seine Frauen und seine Nebenfrauen tranken daraus. Diese Tat kann in keiner Weise entschuldigt oder geduldet werden, nicht einmal als religiöse Handlung, als Trankopfer für den Gott der Juden: Es war eine Tat rücksichtsloser Gotteslästerung. V. 4. Sie tranken Wein und priesen in ihrem betrunkenen Zustand die Götter aus Gold, Silber, Bronze, Eisen, Holz und Stein. Es handelte sich also im Wesentlichen um eine Erhebung ihrer Götzen über den Herrn, von dem sie dachten, dass sie ihn im Kampf besiegt hätten; aber der Prophet weist auf die Nichtigkeit ihrer Götzen hin, indem er die Materialien aufzählt, aus denen sie hergestellt wurden. V. 5. In demselben Augenblick, plötzlich, während sie noch mitten in ihrem betrunkenen Gelage waren, kamen Finger einer Menschenhand hervor und schrieben, oder schrieben gerade, gegenüber dem Leuchter auf die getünchte Wand des Königspalastes, der weder mit Paneelen noch mit Wandteppichen verkleidet war; und der König sah die Hand, das Ende der sich bewegenden Finger, die schrieb. „Auf einem Fleck der Wand, der dem Licht der Lampe über dem König besonders ausgesetzt war, erblickte er plötzlich das geheimnisvolle und furchterregende Phänomen der Hand, die mit dem Schreiben beschäftigt war.“ V. 6. Da entfärbte sich das Gesicht des Königs, wörtlich: „Dann veränderte sich die Farbe des Königs für ihn“, und seine Gedanken erschreckten ihn, als sein schlechtes Gewissen ihn mit Schrecken erfüllte, so dass alle Kraft aus seinen Gliedern wich, sie nicht mehr die Kraft besaßen, den Körper fest zusammenzuhalten, und seine Knie schlotterten, sein Schrecken führte dazu, dass er die Kontrolle über sie völlig verlor. „Wie sehr hatte sich die Szene von der Freude seiner gotteslästerlichen Feier zu dieser Blässe der Wangen, dem Zucken des Körpers, der Reue des Gewissens und der furchtbaren Vorahnung des Untergangs verändert! Viele Sünder haben eine ähnliche Erfahrung gemacht, und Tausende andere müssen sie noch machen!“ (Cowles.) V. 7. Der König rief laut, und seine Angst ließ ihn seine Stimme mit Macht erheben, man solle die Beschwörer, die Chaldäer und die Wahrsager hereinbringen, das heißt alle weisesten Männer des Reiches. Und der König sprach zu den Weisen von Babel, die seiner Aufforderung sofort folgten: Wer diese Schrift liest und mir ihre Deutung zeigt, ihre Bedeutung erklärt und ihre Bedeutung anwendet, soll mit Purpur bekleidet werden, mit den kostbaren Purpurkleidern, die von orientalischen Herrschern getragen werden, und eine goldene Kette um den Hals tragen, diese goldene Kette dient als Zeichen der besonderen Gunst des Königs, und soll der dritte Herrscher im Königreich sein und die höchste Position im Reich einnehmen, neben seinem Kaiser und Mitregenten. V. 8. Da kamen alle Weisen des Königs herein, einer nach dem anderen, und sie erschienen in Übereinstimmung mit seiner Aufforderung; aber sie konnten weder die Schrift nicht lesen noch dem König die Deutung mitteilen. Mit anderen Worten, sie mussten ihr völliges Versagen eingestehen. V. 9. Da war König Belsazar aufgrund der völligen Unfähigkeit der Weisen, ihm die gewünschten Informationen zu geben, noch mehr erschreckt, er war von tiefster Besorgnis und Angst erfüllt, und verlor ganz seine Farbe, und seine Gewaltigen waren fassungslos, nicht nur voller Angst, sondern auch voller Verwirrung, was sich in aufgeregten Bewegungen zeigte. „Keiner blieb auf seinem Platz; es entstand ein allgemeiner Aufruhr; Gruppen bildeten sich; und die Menschen redeten und liefen ziellos hin und her.“ V. 10. Da kam die Königinmutter oder die Witwe, sehr wahrscheinlich die Frau von Nebukadnezar, aufgrund der Worte des Königs und seiner Gewaltigen, deren Klang, als sie in ihrer Aufregung ihre Stimmen erhoben, bis in ihre Gemächer drang, in den Festsaal; und die Königin sprach und sagte: „O König, lebe ewig!“ Die übliche Ansprache in ihrem Mund schmälerte in keiner Weise die ruhige Würde ihres Kommens. Lass dich nicht von deinen Gedanken erschrecken, und lass dein Gesicht sich nicht entfärben, durch die Sorge und den Schrecken, die durch die geheimnisvolle Schrift an der Wand hervorgerufen werden. V. 11. Es gibt einen Mann in deinem Königreich, in dem der Geist der heiligen Götter wohnt, die Königinmutter wiederholt also genau die Worte von Nebukadnezar, Kap. 4, 8. 9. 18; und in den Tagen deines Vaters, oder Großvaters, wurden Erleuchtung, Klugheit und Weisheit, wie die Weisheit der Götter, in ihm gefunden; den der König Nebukadnezar, dein Vater, , die Wiederholung dient dazu, ihren Worten mehr Nachdruck zu verleihen, machte zum Obersten der Magier, Beschwörer, Chaldäer und Wahrsager, ja, dein Vater, o König, Kap. 4, 9, Vers 12. Denn ein hervorragender Geist, ein außergewöhnliches Talent, Erkenntnis und Verstand, Träume zu deuten und Rätsel zu lösen, das Erklären von Rätseln und Fragen und Knoten zu lösen, das heißt, das Finden der Lösungen der kompliziertesten Probleme, wurden in demselben Daniel gefunden, dem der König den Namen Beltschazar gegeben hat. So lasse man Daniel rufen, und er wird die Deutung zeigen. „Da Daniel nach orientalischem Brauch wahrscheinlich seines Amtes enthoben wurde, zu dem Nebukadnezar ihn nach dem Tod des Königs befördert hatte, nämlich als Oberster der Magier, obwohl er möglicherweise weiterhin im Staatsdienst blieb, könnte Belsazar leicht nichts von seinen Verdiensten gewusst haben.“ V. 13. Da wurde Daniel vor den König gebracht; er wurde aufgefordert, unverzüglich zu erscheinen. Und der König sprach zu Daniel: Bist du der Daniel, der zu den Kindern der Gefangenschaft Judas gehört, den der König, mein Vater oder Großvater, aus Juda hergebracht hat? Die Frage sollte lediglich die Identität von Daniel zweifelsfrei klären und bedurfte daher keiner Antwort. V. 14. Ich habe von dir gehört, dass der Geist der Götter in dir ist, wobei der König das Adjektiv „heilig“ ausließ, das die Königinmutter verwendet hatte, und dass Erleuchtung und Verstand und außergewöhnliche Weisheit in dir zu finden sind. V. 15. Und nun sind die Weisen, die Beschwörer und die Wahrsager nur als Vertreter der gesamten Klasse der Weisen des Königreichs erwähnt worden, vor mich gebracht worden, damit sie diese Schrift lesen und mir ihre Deutung kundtun; aber sie konnten die Deutung der Sache nicht zeigen, sie konnten die Worte an der Wand nicht erklären; Vers 16. Ich habe aber von dir gehört, dass du Deutungen geben und Knoten auflösen kannst, die schwierigsten Knoten lösen kannst. Wenn du nun die Schrift lesen und mir ihre Deutung kundtun kannst, sollst du mit Purpur bekleidet werden und eine goldene Kette um deinen Hals tragen und der dritte Herrscher im Königreich sein, wobei die zuvor am Abend auf allgemeinere Weise gemachte Verheißung nun auf Daniel allein angewendet wird. Wie Belsazar werden die Ungläubigen oft von den Schrecken eines schlechten Gewissens geplagt und greifen bereitwillig auf fast jede Lösung zurück, die sich anbietet, um ihr Schicksal zu erfahren oder Seelenfrieden zu erlangen.

 

    Die Deutung und die Erfüllung (V. 17-30): V. 17. Da antwortete Daniel und sprach vor dem König: Behalte deine Gaben und gib deine Geschenke, die Geschenke, die er als Gebühr für Daniel vorgesehen hatte, einem anderen, als dem Propheten des Herrn. Daniel lehnte alles ab, was später so ausgelegt werden könnte, als hätte es ihn in seiner Botschaft beeinflusst; dennoch werde ich dem König die Schrift vorlesen und ihm die Deutung mitteilen, als einen Akt der Loyalität sowohl gegenüber dem irdischen Herrscher als auch gegenüber dem himmlischen Souverän; denn er beabsichtigte, ohne Vorbehalt zu sprechen, unabhängig davon, ob das Ergebnis dem König gefallen oder missfallen würde. V. 18. O König, die formelle und feierliche Ansprache, die die Wichtigkeit der Botschaft von Anfang an hervorhebt und ihre gesamte Bedeutung in direkten Zusammenhang mit dem König bringt, der höchste Gott gab Nebukadnezar, deinem Vater, ein Königreich, Macht, Herrlichkeit und Ehre, weit über die von Belsazar; Vers 19. Und wegen der Macht, die er ihm gab, die kaiserliche Autorität und Vorherrschaft, die er genoss, zitterten und fürchteten sich alle Völker, Nationen und Sprachen vor ihm, waren in einem ständigen Zustand der Angst und Furcht, damit sie nicht sein Missfallen auf sich zogen; er tötete, wen er wollte, und ließ leben, wen er wollte, da er der absolute Herr über Leben und Tod war; er erhöhte, wen er wollte, und demütigte, wen er wollte, denn sowohl die Beförderung als auch die Degradierung der Untertanen seines Reiches waren eine Frage seiner Laune. V. 20. Aber trotz dieser beispiellosen Machtposition als sein Herz sich erhob und sein Geist sich im Stolz verhärtete, so dass er dachte, er könne stolz und unter völliger Missachtung des Willens des Herrn handeln, wurde er von seinem königlichen Thron gestürzt, und man nahm ihm seine Herrlichkeit, wie in Kapitel 4; V. 21. und er wurde von den Menschenkindern ausgestoßen, von ihrer Gesellschaft ausgeschlossen, und sein Herz wurde wie das der Tiere, und seine Wohnung war bei den Wildeseln, wobei dieser malerische Punkt zur weiteren Verschönerung der Erzählung hinzugefügt wurde; man gab ihm Gras zu essen wie Ochsen, und sein Leib war vom Tau des Himmels benetzt, bis er erkannte, dass der höchste Gott über die Königreiche der Menschen herrscht und dass er über dieses setzt, wen auch immer er will, das heißt, bis er dem wahren Gott allein alle Ehre und Herrlichkeit gab. Die Lektion dieser Geschichte ist nun klar. V. 22. Und du, sein Sohn, oder Enkel, oh Belsazar, hast dein Herz nicht gedemütigt, nicht vom Beispiel seines Verwandten profitiert, obwohl du das alles wusstest, V. 23. sondern hast dich gegen den Herrn des Himmels erhoben, in blasphemischem Stolz; und man hat die Gefäße seines Hauses, des Tempels des Herrn, des einen wahren Gottes, vor dich gebracht, und du und deine Gewaltigen, deine Frauen und deine Nebenfrauen haben Wein daraus getrunken; und du hast die Götter aus Silber und Gold, aus Bronze, Eisen, Holz und Stein gepriesen, die weder sehen noch hören noch wissen, vgl. 5. Mose 4, 28; Ps. 115, 5 ff.; Ps. 135, 15 ff.; und den Gott, in dessen Hand dein Atem ist und dem alle deine Wege gehören, den einen Schöpfer und Herrscher des Universums, hast du nicht geehrt, wie es die feierliche Pflicht war, die auf ihm ruhte. V. 24. Da wurde diese Hand, die ausgestreckten Finger der schreibenden Hand, von ihm gesandt, und diese Schrift geschrieben, um das nun unvermeidliche Schicksal anzukündigen. V. 25. Und dies ist die Schrift, die geschrieben wurde: MENE, MENE, TEKEL, UPHARSIN, wörtlich: „nummeriert, nummeriert, gewogen und geteilt“. V. 26. Dies ist die Deutung der Worte, der Schrift an der Wand: MENE, Gott hat dein Königreich gezählt und beendet, d. h. die Dauer von Belsazars Königtum, seiner Herrschaft, war nun festgelegt, zu dem ihr zugewiesenen Ende gebracht. V. 27. TEKEL: Du bist gewogen auf der Waage, nämlich in der Waage der Gerechtigkeit und des Rechts Gottes, sein Charakter wird gemäß den Anforderungen der Heiligkeit Gottes analysiert, und für zu leicht befunden, mit einem zu geringen moralischen Wert und zu geringer moralischer Kapazität. V. 28. PERES: Dein Königreich ist geteilt, getrennt, in zwei Teile geschnitten und den Medern und Persern gegeben, wobei der Herr selbst die Teilung vornimmt. V. 29. Da befahl Belsazar, gemäß seinem Versprechen, und sie kleideten Daniel in Purpur, in königlichen Purpur, und legten ihm eine goldene Kette um den Hals und verkündeten, dass er der dritte Herrscher im Königreich sein sollte, an Macht gleich nach Nabonidus und Belsazar. Auch wenn diese Proklamation nur im Bankettsaal erfolgte, erreichte sie die dort versammelten Vertreter des gesamten Königreichs. V. 30. In derselben Nacht wurde Belsazar, der König der Chaldäer, getötet, nämlich als seine Stadt von den siegreichen Armeen des Feindes eingenommen wurde, die die Stadt als Ergebnis einer List einnahmen. V. 31. Und Darius, der Meder, übernahm das Königreich, als er etwa zweiundsechzig Jahre alt war. Wir haben auch Beweise aus weltlichen Quellen, dass Darius, der Meder, dessen anderer Name Gobryas war, von Kyrus, seinem Oberherrn, das Königreich von Belsazar, dem Chaldäer, erhielt, das zu dieser Zeit einen kleinen Teil des persischen Reiches ausmachte.[3] Wie in dieser Geschichte angedeutet wird, hat die Hand Gottes oft in die gotteslästerlichen Werke der Ungläubigen eingegriffen, sodass all ihr Lachen in bittersten Kummer verwandelt wurde. Und alle Gerichte Gottes hier in der Zeit sind nur schwache Vorboten, die den letzten großen Tag des Gerichts mit seiner Verurteilung der Gottlosen einleiten.

 

 

Kapitel 6

 

Daniels Erlösung aus der Löwengrube unter König Darius

 

    Daniel wird ein Opfer von Eifersucht (V. .1-17): V. 1. Es gefiel Darius, als er die Regierung des Königreichs vollständig übernommen hatte, über das Königreich 120 Satrapen [Provinzstatthalter] einzusetzen, die über das gesamte Königreich herrschen sollten, als Gouverneure der kleineren Abschnitte oder Provinzen, in die das Reich unterteilt war, V. 2. und über diese drei Vorsteher, Oberpräfekten oder Minister, von denen Daniel der erste war, nicht höher im Rang, sondern erster in der Würde, denen die Satrapen Rechenschaft ablegen sollten, wobei die Satrapen ihren Vorgesetzten hauptsächlich in finanziellen Angelegenheiten verantwortlich waren, damit der König keinen Schaden erlitt, da seine Interessen aufgrund dieser staatsmännischen Regelung gewahrt wurden. V. 3. Da übertraf Daniel die Vorsteher und Satrapen, d. h. er erwies sich ihnen überlegen, weil ein außergewöhnlicher Geist in ihm war, Kap. 5, 12; und der König dachte daran, ihn über das ganze Reich zu setzen. Diese Absicht teilte der König höchstwahrscheinlich mit, was den Neid der anderen Vorsteher weckte. V. 4. Da trachteten die Vorsteher und Satrapen, von Neid bewogen, das Beste des Königreichs zu verachten, danach, wie sie eine Sache an Daniel fänden, die gegen das Königreich wäre, das ist, sie suchten eine Schuld an seiner Amtsführung zu finden; aber sie konnten keinen Anklagegrund noch Übeltat finden, keinen Grund zur Anklage, keinen Vorwurf, denn er war treu, und keine Schuld noch Übeltat wurde an ihm gefunden, er war in seiner gesamten Amtsführung über jeden Vorwurf erhaben. „Treue ist die wichtigste politische Tugend eines Dieners oder Beamten einer Regierung, ebenso wie Gerechtigkeit und Barmherzigkeit die Zierde der Herrscher sein sollten.“ (Lange.) V. 5. Dann sagten diese Männer, als sie sich über Mittel und Wege zur Beseitigung des verhassten Rivalen austauschten: Wir werden keinen Anklagegrund gegen diesen Daniel finden, es sei denn in Bezug auf das Gesetz seines Gottes, in Bezug auf die Ausübung seiner Religion. Dies ist der Weg, den die Feinde der Gläubigen oft einschlagen: Wenn sie die Christen in keiner Angelegenheit, die ihre Pflichten betrifft, diskreditieren können, versuchen sie zu zeigen, dass die Einhaltung ihrer religiösen Bräuche für den Staat gefährlich ist. V. 6. Dann versammelten sich diese Vorsteher und Satrapen beim König und eilten in stürmischer Hast und mit wilder Ungestümheit zu ihm und sprachen so zu ihm: König Darius, lebe ewig! V. 7. Alle Vorsteher des Königreichs, eine Aussage, die die Wahrheit ziemlich gefährlich ausdehnte, die Statthalter und die Satrapen, die Räte und die Unterstatthalter, die unteren Präfekten, haben sich beraten, dass der König eine Verordnung erlassen und ein Verbot festsetzen solle, dass jeder, der innerhalb von dreißig Tagen eine Bitte an einen Gott oder Menschen richtet, innerhalb der nächsten dreißig Tage außer an dich, o König, in die Löwengrube geworfen wird. Die Bitte war geschickt formuliert, um dem König zu schmeicheln, zumal es der Wunsch aller Beamten des Reiches zu sein schien. V. 8. Nun, o König, erlasse das Verbot und eine Urkunde aufsetzen, indem du die Proklamation mit seinem offiziellen Siegel versiehst, die nicht geändert werden darf, gemäß dem Gesetz der Meder und Perser, das niemand aufheben kann, es könnte nicht im medo-persischen Reich aufgehoben werden. V. 9. Darauf ließ König Darius, der von der Plötzlichkeit und dem Eifer der Bitte mitgerissen wurde, die ihm kaum Zeit zum Nachdenken ließ, die Schrift und das Verbot aufsetzen und versah das Verbot mit seinem königlichen Siegel und setzte es damit für sein gesamtes Reich in Kraft. V. 10. Als Daniel nun erfuhr, dass die Schrift ausgefertigt war, als er erfuhr, dass das Edikt durch das Anbringen des königlichen Siegels in Kraft gesetzt worden war, ging er in sein Haus. Er hatte aber in seinem Obergemach offene Fenster, im oberen Stockwerk seines Hauses, in Richtung Jerusalem, wo er in seiner Andacht ungestört sein konnte, und warf sich dreimal täglich auf seine Knie, gemäß dem alten jüdischen Brauch, Ps. 55, 17, und betete und lobte vor seinem Gott, wie er es zuvor getan hatte, da der königliche Erlass seine Gewohnheit der täglichen Anbetung nicht im Geringsten änderte. Er gab sich keinen stürmischen Protesten hin, sondern ignorierte stillschweigend ein Gesetz, das von ihm praktisch, wenn nicht sogar tatsächlich, verlangte, den wahren Gott zu verleugnen. Ein solcher passiver Widerstand ist oft der wirksamste Protest gegen Gesetze, die den Dienst am wahren Gott beeinträchtigen. V. 11. Da stürmten jene Männer herbei, sie kamen häufig zu hastigen und turbulenten Treffen zusammen und fanden Daniel betend und flehend vor seinem Gott, wobei die offenen Fenster von Daniels Kapelle es ihnen ermöglichten, ihn ohne Probleme auszuspionieren. V. 12. Dann traten sie, sie arrangierten sofort eine Audienz vor den König und redeten mit ihm über den Erlass des Königs, erinnerten ihn daran und bestanden darauf, ihn daran zu erinnern: Hast du nicht ein Verbot unterzeichnet, dass jedermann, der innerhalb von dreißig Tagen eine Bitte an einen Gott oder Menschen richtet, außer an dich, König, in die Löwengrube geworfen wird? Der König antwortete, ohne zu zögern und ohne zu lügen, denn er war sich ihrer verborgenen Absicht nicht bewusst, und sagte: „Das ist wahr, nach dem Gesetz der Meder und Perser, das nicht aufgehoben werden kann,“ womit er auf die sichere Bestrafung für jeden hinwies, der gegen das königliche Edikt verstoßen könnte. V. 13. Da antworteten sie und sprachen vor dem König, voller freudiger Genugtuung darüber, dass die Antwort des Königs so gut zu ihrem Plan passte: "Dieser Daniel, auf den sie sich mit höhnischer Verachtung beziehen, der zu den Kindern der Gefangenschaft Judas gehört, den man immer vernünftigerweise eines Aktes der Rebellion gegen die Autorität des Königs verdächtigen könnte, achtet weder auf dich, König, noch auf das Verbot, das du unterzeichnet hast, die Andeutung ist, dass Daniel den Erlass böswillig missachtete und damit offen die Autorität des Königs in Frage stellte, sondern betet dreimal täglich. V. 14. Als der König diese Worte hörte, war er zutiefst betrübt, wörtlich: „Trauer überkam ihn“, er war zutiefst betrübt und beunruhigt über diese Wendung der Ereignisse, und er setzte sein Herz darauf, Daniel zu retten, denn er schätzte Daniels Fähigkeiten und seine Treue sehr hoch ein; und er bemühte sich bis zum Untergang der Sonne, ihn zu befreien, er dachte über die Angelegenheit nach und hielt die Verschwörer in der Hoffnung auf, dass vor dem Morgen ein Ausweg gefunden werden könnte. V. 15. Da stürmten aber jene Männer (wieder) zum König und bedrängten ihn auf äußerst aufdringliche und tumultartige Weise und sprachen zum König: Wisse, o König, dass das Gesetz der Meder und Perser lautet: Kein Erlass und keine Satzung, die der König erlässt, darf geändert werden. Der Erfolg ihres gesamten schändlichen Plans beruhte in der Tat auf dieser Tradition. V. 16. So fand er keinen Ausweg und konnte sich nicht gegen die Verschwörer behaupten. Da befahl der König, Daniel zu holen und ihn in die Löwengrube zu werfen. Die Hinrichtung erfolgte sofort nach dem Urteilsspruch, wie es der Brauch verlangte. Nun sprach der König zu Daniel, da er ihm in dieser Notlage nicht helfen konnte: Dein Gott, dem du ständig dienst, der helfe dir! Dies war kein Bekenntnis zum wahren Gott, sondern lediglich ein frommer Wunsch, dass der Gott der Juden sich dieser Notlage gewachsen zeigen möge. V. 17. Und ein Stein wurde gebracht, wahrscheinlich einer, der für ähnliche Hinrichtungen verwendet wurde, und auf die Öffnung der Grube gelegt, über die Öffnung, durch die die Verurteilten hinabgeworfen wurden; und der König versiegelte ihn mit seinem eigenen Siegel und mit dem Siegel seiner Gewaltigen, der höchsten Beamten seines Reiches, damit die Sache mit Daniel nicht geändert werden konnte, das heißt, damit niemand eingreifen konnte, weder durch den Versuch, ihn zu befreien, noch indem er seinen bösen Willen auf ihn einwirken ließ. Es ist bezeichnend, dass Daniel keine Anstalten machte, seine Hinrichtung aufzuschieben oder auszusetzen, sondern das Ergebnis ruhig in Gottes Hände legte. Wahrer Glaube an Gott beruht auf seinem Willen, egal was kommen mag, in dem Wissen, dass Gottes Wege immer gut und richtig sind und dass alle Dinge zum Guten zusammenwirken für diejenigen, die Gott lieben.

 

    Daniel wird auf wunderbare Weise gerettet (V. 18-28): V. 18. Darauf begab sich der König in seinen Palast und verbrachte die Nacht fastend, unfähig zu schlafen oder zu essen, da er sich Sorgen um das Schicksal von Daniel machte; und ließ kein Essen zu sich bringen, noch „wurde ihm Speise gebracht“; und sein Schlaf floh ihn, er war in echter Bedrängnis, ausgesprochen unwohl wegen des Kurses, auf den er sich eingelassen hatte. V. 19. Dann stand der König sehr früh am Morgen auf, bei Tagesanbruch, sobald es hell wurde, und ging eilends zur Löwengrube, da die königlichen Tiergärten günstig in der Nähe lagen. V. 20. Und als er zur Grube kam, rief er mit angstvoller Stimme, die den Kummer in seinem Herzen bezeugte, nach Daniel; und der König hob an und sagte zu Daniel: O Daniel, du Knecht des lebendigen Gottes, den er bereit war, gemäß Daniels Bekenntnis als solchen anzuerkennen, hat dein Gott, dem du ständig dienst, mit beständiger, unermüdlicher Hingabe, dich von den Löwen retten können? V. 21. Da sprach Daniel zum König, der dem König ruhig von seiner Position unten in der Grube aus antwortete: O König, lebe ewig! V. 22. Mein Gott hat seinen Engel gesandt, der vielleicht sogar für das Auge Daniels sichtbar war, und hat den Löwen den Rachen verschlossen, dass sie mir kein Leid antaten, denn vor ihm wurde Unschuld an mir gefunden, Gott hatte ihn für unschuldig erklärt, indem er ihn auf so wundersame Weise bewahrte; und auch vor dir, o König, habe ich nichts Böses getan, d. h. er hatte nicht gegen das Edikt des Königs verstoßen und sich nicht der Rebellion gegen die Person des Königs schuldig gemacht, wie auch das persönliche Interesse des Königs an seinem Fall zeigte. V. 23. Da freute sich der König sehr, wegen der wunderbaren Rettung, die Daniel erfahren hatte, und befahl, dass sie Daniel aus der Grube herausholten, durch eine Öffnung, die es ihm ermöglichte, entfernt zu werden. So wurde Daniel aus der Grube geholt, und man fand keinerlei Verletzungen an ihm, nicht einmal einen Kratzer von den Tatzen eines der Raubtiere, weil er seinem Gott vertraut hatte, und dieses feste Vertrauen wurde vom Herrn auf diese Weise belohnt. V. 24. Und der König, der nun erkannte, dass die Feinde Daniels ihn als Werkzeug benutzt hatten, um ihre eifersüchtige Bosheit zu entladen, befahl, und man brachte die Männer, die Daniel beschuldigt hatten, und man warf sie in die Löwengrube, sie, ihre Kinder und ihre Frauen, wie es im Land üblich war, und da sie sich derselben Bosheit schuldig gemacht hatten wie die Männer; und ehe sie noch den Boden erreichten, ergriffen sie die Löwen und zermalmten alle ihre Knochen, fielen über sie her und überwältigten sie, zermahlten sie zu Brei, bevor ihre Körper den Boden der Grube erreichten. V. 25. Dann schrieb König Darius, immer noch unter dem Eindruck der wundersamen Befreiung, die er miterlebt hatte, an alle Völker, Nationen und Sprachen, die auf der ganzen Erde lebten, und gab eine feierliche Proklamation heraus: Friede sei mit euch. V. 26. Ich erlasse den Befehl, dass in jedem Herrschaftsbereich meines Königreichs, soweit seine königliche Macht reicht, die Menschen zittern und sich fürchten, in ehrfürchtiger Scheu vor dem Gott Daniels; denn er ist der lebendige Gott, der in Ewigkeit bleibt, ewig und unveränderlich, und sein Königreich wird nicht zerstört, und seine Herrschaft wird bis zum Ende andauern und alle irdischen Königreiche überdauern. V. 27. Er befreit und rettet, wörtlich: „Er ist ein Befreier und Retter“, und er wirkt Zeichen und Wunder im Himmel und auf Erden, die außerhalb der Naturgesetze liegen, der Daniel aus der Gewalt der Löwen gerettet hat, die ihn normalerweise im Handumdrehen in Stücke gerissen hätten. V. 28. Und dieser Daniel, von dem die Fürsten so verächtlich gesprochen hatten, gedieh unter der Herrschaft von Darius und unter der Herrschaft von Kyrus, dem Perser, gut, denn die persische Monarchie folgte kurz nach den Medern. Die Wunder, die der Herr im Interesse seiner Kinder vollbringt, sollen unter anderem den Ungläubigen dienen, damit auch sie erkennen, dass der Gott Israels, der Gott der Christen, der wahre, lebendige Gott ist, der einzige Retter und Erlöser.

 

 

Kapitel 7

 

Das Gesicht von den vier Weltreichen und Christi ewigem Königreich

 

    Das Gesicht von den vier Tieren (V. 1-14): V. 1. Im ersten Jahr Belsazars, des Königs von Babel, der Mitregent seines Vaters Nabonidus und Enkel und Adoptivsohn von Nebukadnezar war, hatte Daniel nach den zuverlässigsten weltlichen Berichten einen Traum und Visionen in seinem Kopf, klare Bilder seines Geistes, ganz anders als verwirrte Bilder, auf seinem Lager, das heißt während der Nacht. Dann, unmittelbar oder kurz nachdem es sich ereignete, schrieb er den Traum auf und erzählte die Summe der Dinge, wobei er die wichtigsten Fakten in der richtigen Reihenfolge darlegte und zweitrangige Dinge ausließ, wie z. B. Details zum Aussehen der Tiere. V. 2. Daniel hob an und sagte, als er seine Erzählung von dem seltsamen Erlebnis, das ihm widerfahren war, einleitete: Ich sah in meiner Vision bei Nacht, und siehe, die vier Winde des Himmels, von den vier Hauptpunkten des Kompasses, stürmten auf das große Meer zu und stürmten auf der Oberfläche des Ozeans gegeneinander. V. 3. Und vier große Tiere, monströse Wesen, stiegen aus dem Meer empor, Weltmächte, die aus der Aufregung des politischen Meeres der heidnischen Welt aufstiegen, ein jedes anders als das andere, eine nach der anderen aus der großen Tiefe auftauchend. V. 4. Das erste war wie ein Löwe und hatte Adlerflügel, ein Symbol für königliche Macht und Autorität; ich sah, wie ihm die Flügel ausgerissen wurden, wodurch dem Tier die Fähigkeit zu fliegen genommen wurde. Und es wurde von der Erde emporgehoben, auf die es beschränkt war, nachdem ihm die uneingeschränkte Bewegungsfreiheit genommen worden war, und auf die Füße wie ein Mensch gestellt, wobei es aufrecht auf seinen Hinterfüßen stand, und ihm wurde das Herz eines Menschen gegeben, so dass es am Verstand und den Gefühlen eines Menschen teilhatte. V. 5. Und siehe, ein anderes Tier, ein zweites, war einem Bären gleich, das später in der Zeit erschien, und es war sich auf einer Seite aufgerichtet, so dass es sich seitlich neigte, während es die Schulter auf dieser Seite hob, um sich vorwärts zu bewegen; und es hatte drei Rippen im Maul zwischen den Zähnen, ein Teil einer Beute, die es ergriffen hatte, von Tieren, die es überwältigt hatte; und man sprach zu ihm so: Erhebe dich, verschlinge viel Fleisch, denn dir sind Eroberung und Plünderung gegeben. V. 6. Danach sah ich, und siehe, ein anderes, ein drittes Tier, das etwas später in der Geschichte auf den Plan trat, wie ein Leopard, der auf dem Rücken vier Geflügelschwingen hatte, die es ihm ermöglichten, sich mit großer Schnelligkeit zu bewegen; das Tier hatte auch vier Köpfe, was darauf hindeutet, dass seine Autorität auf vier Herrscher aufgeteilt werden würde; und ihm wurde die Herrschaft gegeben, große Autorität und Macht in der Welt. V. 7. Danach sah ich in den Nachtvisionen ein viertes Tier, das als letzte Weltmacht auf den Plan trat, schrecklich und furchterregend, von Ehrfurcht gebietender Wildheit und überaus stark; und es hatte große eiserne Zähne, die die Gier nach Eroberung und Zerstörung symbolisierten; es verschlang und zermalmte, ernährte sich gierig von allem, was es in seine Gewalt bringen konnte, und zertrat den Rest, was es nicht verschlingen konnte, mit seinen Füßen, darauf aus, alles zu vernichten, was sich ihm in den Weg stellte. Und es unterschied sich von allen Tieren, die vor ihm da waren, so dass das gesamte Tierreich kein Tier hervorbringen konnte, dem es ähnlich war; und es hatte zehn Hörner, was einen weiteren Eindruck von Macht und Wildheit vermittelte. V. 8. Ich betrachtete die Hörner und beobachtete sie sehr genau, und siehe, da wuchs zwischen ihnen ein anderes kleines Horn empor, das wie das elfte aufstieg und anfangs von unbedeutender Größe war, vor dem drei der ersten Hörner (mit der Wurzel) ausgerissen wurden, um Platz für den Neuankömmling zu schaffen; und siehe, in diesem Horn waren Augen wie Menschenaugen, Symbole des Verstehens, obwohl es nicht die Eigenschaften der Göttlichkeit besaß, und einen Mund, der große Dinge sprach, voller stolzer und blasphemischer Prahlerei. V. 9. Ich sah, immer noch in genauer Beobachtung, bis Throne aufgestellt wurden, durch einen großen Akt des Gerichts, und einer, der alt, war nach Tagen, Symbol des ewigen und majestätischen Gottes, setzte sich. Dessen Gewand war weiß wie Schnee und das Haar seines Hauptes wie reine Wolle, beides Symbole für unbefleckte Reinheit und Heiligkeit; sein Thron glich einer feurigen Flamme, die blitzte, als bestünde sie aus einer feurigen Masse, und dessen Räder glichen loderndem Feuer, ein Symbol für den feurigen Eifer, mit dem der Herr die Übertreter bestraft, aber auch Sein Volk läutert und es auf die zukünftige Verherrlichung vorbereitet. V. 10. Ein feuriger Strom ergoss sich und ging von ihm heraus, um die sündigen und feindlichen Kräfte der Welt zu verschlingen und die Kinder des Königreichs zu läutern. Tausendmal Tausende dienten ihm, und zehntausendmal Zehntausende standen vor ihm, eine unzählige Anzahl heiliger Engel, die bereit waren, seinen Befehlen zu folgen. Das Gericht wurde angesetzt, alles wurde für den Prozess vorbereitet und die Bücher wurden geöffnet, nämlich die Bücher der Aufzeichnungen, in die die Taten der Menschen eingetragen wurden, um als Grundlage für das Urteil zu dienen, das der himmlische Richter über die Menschen fällen sollte. V. 11. Ich sah auf wegen der Stimme der großen Worte, die das Horn sprach, denn es war auf das Prahlen des Herrschers zurückzuführen, der durch das letzte Horn dargestellt wurde, dass das Gericht und die Zerstörung über die Welt kamen; Ich sah, bis das Tier getötet wurde, nämlich das vierte, das wilde und zerstörerische Tier, und sein Leib zerstört und der brennenden Flamme übergeben wurde, deren verschlingende feurige Ströme vom Thron des ewigen Richters ausgingen. V. 12. Und den anderen Tieren wurde, so wurde den drei zuerst beschriebenen ihre Herrschaft genommen, auch ihre Macht wurde im allgemeinen Gericht genommen; denn die Dauer ihres Lebens war festgelegt, was die Zeit und die Zeit betrifft; Gott hatte im Voraus festgelegt, wie lange ihre Macht dauern sollte. V. 13. Ich sah in den Nachtvisionen, und siehe, einer wie der Sohn eines Menschen kam mit den Wolken des Himmels und ritt auf ihnen wie auf einem himmlischen Wagen, und kam zu dem Alten an Tagen, und man brachte ihn vor ihn. Auf der Grundlage dieser Passage, die die formelle Amtseinführung des Messias als König seines ewigen Königreichs beschreibt, hat Jesus in den Evangelien so häufig den Namen „Menschensohn“ für sich selbst verwendet. V. 14. Und ihm wurde Herrschaft und Ehre und Reich gegeben, göttliche Autorität über das Gebiet der Erde, damit ihm alle Völker, Nationen und Sprachen dienen sollten. Seine Herrschaft ist eine ewige Herrschaft, die nicht vergehen wird, und sein Königreich wird nicht zerstört werden. Die Beschreibung zeigt deutlich, dass der Menschensohn eine Person ist, die sich vom Vater unterscheidet, und dass die Tatsache seiner ewigen Herrschaft und Macht ein direktes Argument für seine Gottheit ist. Vgl. Offb. 11, 15; 19, 16.

 

    Die Auslegung der Vision (V. 15-28): V. 15. Ich, Daniel, war erschrocken in meinem in meinem Inneren, denn der Körper enthält den Geist wie die Scheide das Schwert, und die Visionen meines Kopfes ängstigten mich, er war besorgt darüber. V. 16. Ich näherte mich einem von denen, die dabeistanden, einem von denen, die im Dienste Gottes standen, und fragte ihn nach gewisser Auskunft über all das, nach der wahren Erklärung der Gerichtsszene, die hier aufgeführt wurde. Und er redete mit mir und machte mich mit der Deutung der Dinge bekannt, so dass Daniel die Vision in all ihren Teilen verstand. V. 17. Diese großen Tiere, die vier sind, sind vier Könige, die Häupter mächtiger Reiche, jeder von ihnen der Begründer einer Dynastie, die auf Erden, von der Oberfläche der Erde entstehen werden. V. 18. Aber die Heiligen des Höchsten werden das Reich empfangen und es als Geschenk von oben erhalten und das Reich bis in Ewigkeit besitzen, ja, in die Ewigkeit der Ewigkeiten. Die wahren Mitglieder der Bundesnation, die Gläubigen des Neuen Testaments, die Gemeinde des Herrn, die aus den Auserwählten aller Nationen besteht, sind aufgrund ihres Glaubens an den Messias die Besitzer des Reiches Gottes. Sie genießen alle Segnungen des Herrn in dieser Beziehung zum Messias und zu ihrem himmlischen Vater hier in der Zeit und danach in der Ewigkeit. V. 19. Dann wollte ich Genaueres über das vierte Tier erfahren, das heißt, Daniel war bestrebt, auch über dieses Tier Bescheid zu wissen, er wollte darüber informiert werden, das sich von allen anderen unterschied, so völlig anders war, überaus schrecklich, dessen Zähne aus Eisen und dessen Klauen aus Erz waren, wobei das Merkmal der eisernen Klauen in dieser Beschreibung hinzugefügt wurde; das fraß, zermalmte und den Rest mit seinen Füßen zertrat; V. 20. und über die zehn Hörnern auf seinem Kopf und über das andere, das hervorbrach, und vor dem drei abfielen, und von dem Horn, das Augen und einen Mund hatte, der große Dinge redete, in prahlerischer Gotteslästerung, dessen Aussehen gewaltiger war als das seiner Gefährten, d. h. sein Aussehen war so, dass es Schrecken einflößte. V. 21. Ich sah, wie dasselbe Horn Krieg gegen die Heiligen führte und siegte, was eine vorübergehende Niederlage der Streitkräfte des Herrn bedeutete, V. 22. bis der Alte an Tagen kam, der wahre und einzige Gott, der über seine Feinde zu Gericht saß, und den Heiligen des Höchsten das Gericht gegeben wurde, denn der Herr nahm sich ihrer an und befreite sie von der Unterdrückung durch das Tier; und die Zeit kam, in der die Heiligen das Reich einnahmen, die Kirche, die die Segnungen des Herrn auch hier in der Zeit innehatte, trotz aller Feindseligkeit Satans und seiner bösen Mächte, und in das Königreich der Herrlichkeit ungestört in ihren Besitz überging. V. 23. So sagte er: Das vierte Tier wird das vierte Königreich auf Erden sein, nach dem babylonischen, dem medo-persischen und dem griechischen Reich, das sich von allen Reichen unterscheiden und die ganze Erde verschlingen, zertreten und in zermalmen wird, wobei die allgemeine Wirkung seiner Herrschaft eindeutig zerstörerisch sein wird. V. 24. Und die zehn Hörner sind zehn Könige, die aus diesem Königreich entstehen werden, d. h. das Römische Reich würde sich bei seinem Zerfall in eine Reihe kleinerer Staaten auflösen, die alle die Traditionen des Mutterstaates weiterführen und im Geiste mit ihm verbunden bleiben würden; und ein anderer wird nach ihnen aufsteigen, ein Herrscher, der viel Macht ausübt, und er wird sich von den vorigen unterscheiden, sich von seinen Vorgängern unterscheiden, und er wird drei Könige unterwerfen, wodurch sie ihre Identität vollständig verlieren. V. 25. Und er wird große Worte gegen den Höchsten sprechen, in Gotteslästerungen von ungewöhnlich bösartigem Charakter, und die Heiligen des Höchsten unterdrücken und daran denken, Festzeiten und Gesetz zu ändern, indem er menschliche und göttliche Gesetze nach Belieben beiseitelässt; und sie werden in seine Hand gegeben, damit er praktisch seinen Willen nach Belieben ausführen kann, für eine Zeit und zwei Zeiten und eine halbe der Zeit, die gesamte Zeitspanne, die in drei verschiedene Zeiträume unterteilt ist, ausgedrückt in Gottes Zeit. Vers 26. Aber das Gericht wird tagen, das Urteil wird vollstreckt werden, und man wird seine Herrschaft wegnehmen, um sie bis zum Ende zu vernichten und zu zerstören, so dass ihre endgültige Zerstörung nicht vor dem Ende der Welt zu erwarten ist. Vers 27. Und das Reich und die Herrschaft und die Größe der Reiche unter dem ganzen Himmel, auf der ganzen Welt, wird dem Volk der Heiligen des Höchsten gegeben werden, damit die Kirche des Herrn endlich siegreich sein wird, dessen Reich ein ewiges Reich ist und alle Herrschaften werden ihm dienen und gehorchen. Vgl. Eph. 1, 21. 22; Kol. 1, 16. V. 28. Hiermit endet der Bericht, dies ist der Kern der Vision. Was mich, Daniel, betrifft, so quälten mich meine Gedanken sehr, nämlich nachdem er aus seinem Traum erwacht war, und mein Gesicht entfärbte sich, sein Gesicht zeigte die Wirkung seiner Sorge über die Angelegenheit; aber ich behielt die Angelegenheit in meinem Herzen, er machte sie nicht bekannt, besprach sie nicht mit anderen.

    Die Interpretation dieser Vision kann kurz wie folgt gegeben werden. Der Löwe mit den Flügeln des Adlers war das babylonische Reich, dessen siegreicher Fortschritt etwa zu der Zeit gestoppt wurde, als Nebukadnezar von dem seltsamen Wahnsinn befallen wurde, der ihn dazu brachte, die Gemeinschaft der Tiere zu suchen, die jedoch später zumindest ein gewisses Verständnis für den wahren Gott erlangten. Der Bär, der sich auf einer Seite aufrichtete, ist das medo-persische Reich, dessen kriegerische Natur in weltlichen Berichten bezeugt wird. Der Leopard, auf dessen Rücken Flügel erschienen, ist das griechische Reich, das sich unter Alexander dem Großen mit großer Geschwindigkeit über die Welt ausbreitete. Das vierte Tier ist das Römische Reich mit seiner unersättlichen Wildheit und Eroberungslust, dessen geistiger Nachkomme und Nachfolger das Reich des Antichristen, des Papstes in Rom, ist, wie es im Buch der Offenbarung beschrieben wird. Das alte Reich ging zwar unter, wurde aber im Reich Karls des Großen wiederbelebt, und die politische Macht des Papstes ist heute in praktisch jeder Nation der Erde zu spüren. Praktisch jedes Merkmal der Beschreibung passt von Anfang an zur Herrschaft des römischen Antichristen. Das Reich des Papstes wuchs wie ein Horn und übte seine politische Macht sehr allmählich, aber nicht weniger sicher aus. Von kleinen Anfängen an entwickelte es sich, bis es eine Position erreichte, in der es praktisch die Geschicke der Nationen kontrollierte. Die Päpste haben sich in vielen Fällen höchster Weisheit bedient, zusammen mit einer fast teuflischen List, um ihre Sache voranzutreiben. Durch ihre List haben sie ihre Autorität in den Beratungen der Nationen geltend gemacht; sie haben die Menschen mit ihrer Macht beeindruckt, die weit über den tatsächlichen Stand der Dinge hinausgeht. Das Königreich des Papstes ist anders als jedes andere Königreich, da er politische Macht unter dem Deckmantel der Verbreitung des Königreichs Gottes ausübt. Immer wieder hat der Papst von Rom gotteslästerliche Worte gegen den einen wahren Gott ausgesprochen. Die Geschichte verzeichnet zahlreiche Fälle von Verfolgungen, die von Päpsten und ihren Millionen durchgeführt wurden, wie während der schrecklichen Inquisitionen. Päpste haben das Wort Gottes nach ihrem eigenen Gutdünken und ihren eigennützigen Interessen entsprechend abgeändert. Trotz der Rückschläge, die das Reich des Antichristen in der Vergangenheit erlitten hat, wie als Kaiser Otto I. Papst Johannes XII. absetzte, als die Konzile des 15. Jahrhunderts versuchten, zumindest eine äußerliche Reformation zu bewirken, und vor allem als Martin Luther den Kampf in die Reihen des Feindes trug, wird das Reich des Antichristen bis zum Ende der Zeit bestehen bleiben. Vgl. 2. Thess. 2; Offb. 17. Die Weissagung Daniels hat sich erfüllt und erfüllt sich auf höchst merkwürdige Weise, eine Tatsache, die unseren Glauben an jedes Wort der Bibel stärkt.[4]

 

 

Kapitel 8

 

Gesicht vom Widder und Ziegenbock oder dem Ende des zweiten und Beginn des dritten Reiches

 

    Das Gesicht selbst (V. 1-14): V. 1. Im dritten Jahr der Herrschaft des Königs Belsazar, zwei Jahre nachdem Daniel die Vision der vier Monarchien gehabt hatte, erschien mir, ja mir, Daniel, eine Vision, nach der, die mir zuerst erschienen war, d. h. zusätzlich zu der anderen wichtigen prophetischen Vision, die er im vorherigen Kapitel aufgezeichnet hatte. Es ist offensichtlich, dass diese Vision nicht in einem Traum zu Daniel kam, sondern dass er wach und bei Bewusstsein war, als ihm diese Information zuteil wurde. V. 2. Und ich sah in der Vision, in einem Zustand der Ekstase: Und es begab sich, als ich sah, dass ich in Susa im Palast war, der in der Provinz Elam liegt, denn Susa war während der babylonischen Vorherrschaft die Hauptstadt dieser Provinz, während es unter persischer Herrschaft in der Satrapie Susiana lag; und ich sah in der Vision, dass ich am Fluss Ulai war, oder Eulaeus, an dem Susa lag. Daniel besuchte offenbar in seiner Eigenschaft als einer der führenden Beamten des Reiches von Zeit zu Zeit die verschiedenen Provinzen, oder er hatte vielleicht sogar ein Winterquartier in dieser Stadt. V. 3. Dann hob ich meine Augen auf und sah: Und siehe, da stand vor dem Fluss, wahrscheinlich östlich davon, ein Widder, nicht in einer Herde, sondern allein, der zwei Hörner hatte; und die beiden Hörner waren hoch, beide Ausdruck von Königtum und Macht, aber eines war höher als das andere, und das höhere, das die größere Macht besaß, wuchs zuletzt, es war später in Bezug auf die Zeit. V. 4. Ich sah, wie der Widder nach Westen und nach Norden und nach Süden stieß, um alle Länder in diesen Richtungen zu unterwerfen, so dass kein Tier vor ihm bestehen konnte und es auch niemanden gab, der seiner Hand retten konnte, denn seine Macht war zu dieser Zeit absolut; aber er tat, was er wollte, und wurde groß, so dass das von ihm repräsentierte Reich zu einer Weltmacht wurde. V. 5. Und während ich darauf achtete und alles, was geschah, sehr genau beobachtete, siehe, da kam ein Ziegenbock von Westen, von Europa, über Kleinasien, über die ganze Erde, über alle dazwischenliegenden Länder hinweg, und berührte nicht den Boden, das heißt, sein Vormarsch war so schnell, dass er wie ein Flug war; und der Bock hatte ein ansehnliches Horn zwischen seinen Augen, in der Mitte seiner Stirn, so dass seine ganze Kraft dahinter stand. V. 6. Und er kam zu dem Widder, der zwei Hörner hatte, ohne Rücksicht auf irgendetwas, den ich vor dem Fluss stehen sah, und rannte in der Wut seiner Kraft auf ihn zu, in unwiderstehlicher, mächtiger Wut. V. 7. Und ich sah, wie er sich dem Widder näherte, und er wurde von Zorn gegen ihn erfüllt, von plötzlichem, explosivem Zorn, und stieß den Widder, in einem heftigen Sturz, und zerbrach seine beiden Hörner; und es war keine Kraft in dem Widder, vor ihm zu bestehen, sondern er warf ihn zu Boden und zertrat ihn, so dass der vollständige Sturz des Widders schnell vollbracht war; und es war niemand, der den Widder aus seiner Hand retten konnte, alle Mittel, die er befahl, nützten ihm nichts. V. 8. Und der Ziegenbock wurde sehr groß, seine Macht entwickelte sich mächtig; und als er stark war, gerade als er den höchsten Punkt seiner Macht erreichte, zerbrach das große Horn, die Einheit der angreifenden Macht wurde durch den Tod ihres Anführers zerbrochen: und dafür wuchsen vier ansehnliche an seiner Stelle, vier Anführer, die die Macht unter sich aufteilten, in Richtung der vier Winde des Himmels. V. 9. Und aus einem von ihnen kam ein kleines Horn hervor, das in winziger Weise spross, wie die Zweige in den Zinken einer Antilope, das wurde sehr groß gegen Süden und gegen Osten und gegen das herrliche Land, Judäa, das herrliche Land, das Land des auserwählten Volkes Gottes, V. 10. Und es wuchs bis zum Heer des Himmels, bis zur Versammlung des Volkes des Herrn, denn die Juden waren zu dieser Zeit Vertreter der Kirche des Herrn auf Erden; und es warf einige vom Heer und von den Sternen zur Erde und zertrat sie, da es sich in seinem Stolz anmaßte, sogar gegen das Reich des Herrn Krieg zu führen. V. 11. Ja, er wuchs bis an den Fürsten des Heeres, indem er sich auf eine Stufe mit dem höchsten Gott, dem König der Könige und dem Herrn der Herren stellte, und durch ihn wurde das tägliche Opfer abgeschafft, d. h., er störte die Verehrung des wahren Gottes, wie sie damals im Tempel stattfand, und der Ort seines Heiligtums wurde verwüstet, durch gotteslästerliches Verhalten entweiht. V. 12. Und ihm wurde das Heer hingegeben mit dem täglichen Opfer wegen der Übertretung, das heißt, „der Kampf gegen das tägliche Opfer wurde mit Empörung eröffnet“, mit götzendienerischer Verehrung durch den heidnischen Herrscher, der durch das letzte Horn dargestellt wird, und es warf die Wahrheit zu Boden; und was es unternahm, gelang ihm, es erreichte so viel, es war erfolgreich mit göttlicher Erlaubnis: Gott erlaubte, dass die Entweihung eine Zeit lang weiterging. V. 13. Da hörte ich einen Heiligen, einen Engel des Herrn, sprechen, und ein anderer Heiliger sagte zu dem, der sprach, während sie sich unterhielten, wobei die Unterbrechung im Interesse von Daniel erfolgte: Wie lange soll die Vision über das tägliche Opfer dauern, das heißt, wie lange würde das Thema dieser Vision, die Zerstörung der Anbetung des Herrn, andauern, und der verwüstenden Übertretung, die schreckliche Übertretung, die gerade beschrieben worden war, um sowohl das Heiligtum als auch das Heer zum Zertreten hingegeben werden? Damit die Kirche Gottes, die damals durch die Nation der aus Babylon zurückgekehrten Juden repräsentiert wurde, verwüstet und an der Ausbreitung gehindert würde. V. 14. Und er sprach zu mir: Bis 2.300 Abende und Morgen; dann wird das Heiligtum gerechtfertigt [d.i. zu seinem Recht kommen] werden, was „entweiht“ bedeuten könnte. Die Zahlen in der Vision sind seltsam mit direkten Aussagen verwoben, die in gewissem Maße die Auslegung im zweiten Teil des Kapitels vorwegnehmen.

 

    Die Erklärung der Vision (V. 15-21): V. 15. Und als ich, ja ich, Daniel, die Vision gesehen und nach der Bedeutung gesucht hatte, darüber nachdachte und sie von allen Seiten betrachtete, siehe, da stand vor mir wie die Erscheinung eines Mannes, die Erscheinung kam mit erschreckender Plötzlichkeit. V. 16. Und ich hörte eine Menschenstimme, wobei der Sprecher für Daniel unsichtbar war, zwischen den Ufern des Ulai, die aus den beiden Armen des Euläus-Flusses kam, und sie rief: Gabriel, mache diesen Mann mit der Vision vertraut. Das Wesen, das Daniel in Gestalt eines Mannes erschien, war also einer der Engelsfürsten des Herrn. Vgl. Lukas 1, 19. V. 17. Und er kam an den Ort, wo ich stand; und als er herzutrat, erschrak ich, die unmittelbare Nähe eines heiligen Wesens erfüllte ihn mit Furcht, und ich fiel auf mein Angesicht; er aber sprach zu mir: Merke auf, du Menschenkind, die Ansprache, die Daniel an seine menschliche Schwäche erinnert, ohne ihn jedoch zu demütigen; denn für Zeit des Endes gilt die Vision, das heißt, es gibt Auskunft über Ereignisse am Ende der Zeit, der letzten Periode der Erdgeschichte. V. 18. als er mit mir sprach, sank ich in Ohnmacht zur Erde auf mein Angesicht, in einem Zustand der Betäubung oder Ekstase, der seine Sinne von irdischen Dingen abschirmte; aber er rührte mich an und richtete mich auf, um ihn vorerst zu stärken, damit er den Rest der Vision miterleben konnte. V. 19. Und er sprach: Siehe, ich will dir kundtun, wie am letzten Ende des Zorns sein wird, wenn der Zorn Gottes über die gottlose Welt ausgegossen wird; denn sie bezieht sich auf die Zeit des Endes, oder: „Es [die Vision] bezieht sich auf die Zeitspanne des EndesZu der festgesetzten Zeit wird das Ende sein.“ Es wird sogar an dieser Stelle darauf hingewiesen, dass die Trübsal, die die Juden zur Zeit der Makkabäer, insbesondere durch die Tyrannei von Antiochus Epiphanes, erlitten haben, ein Symbol für die Leiden ist, die am Ende der messianischen Ära zu erwarten sind. V. 20. Der Widder, den du gesehen hast, mit den zwei Hörnern, sind die Könige von Medien und Persien, die medo-persische Monarchie in ihrer gesamten historischen Entwicklung. Dieses Reich unterwarf unter persischer Führung: im Westen Babylon, Mesopotamien, Syrien und die Länder Kleinasiens; im Norden Kolchis, Armenien, Iberien und die Staaten entlang des Kaspischen Meeres; im Süden Judäa, Ägypten, Äthiopien und Indien. V. 21. Und der Ziegenbock, der sich siegreich nach Osten über Kleinasien bewegt, ist der König von Griechenland, wörtlich „von Javan“, Mazedonien, Griechenland und die ionischen Kolonien, die in diesem Begriff enthalten sind; und das große Horn zwischen seinen Augen ist der erste König, Alexander der Große, der Gründer dieser Weltmacht. V. 22. Nun,Und dass es zerbraochen ist, während und vier dafür aufstanden, ist, oder: „Was das Horn betrifft, das zerbrochen wurde und an dessen Stelle vier traten“, so ist dies die Bedeutung: Vier Königreiche werden aus der Nation hervorgehen, aus der Welt der Nationen, die unter der Herrschaft des ersten Königs vereint sind, aber nicht in seiner Macht, nicht dem Gründer gleichgestellt, weder einzeln noch alle zusammen. Diese vier sind die Dynastien der Diadochen, von denen in der Tat fünf, Antigonus, Antipater, Ptolemäus, Kassander und Lysimachos, den Titel eines Königs annahmen; aber Antigonus wurde bald in der Schlacht besiegt, so dass es wirklich vier Monarchien gab, Lysimachos nahm Thrakien und Bithynien, Kassander Makedonien und Griechenland, Seleukus Syrien, Babylonien und die östlichen Länder und Ptolemäus Ägypten, Palästina und Arabien Petraea. Antipatros war inzwischen gestorben. V. 23. Und in der letzten Zeit ihres Königreichs, das heißt, nachdem diese Dynastien eine Zeit lang existiert hatten, wenn die Übertreter voll und ganz da sinddas Maß ihrer Sünden voll machen, wenn die abtrünnigen Juden das Maß ihrer Bosheit noch einmal erfüllt hätten, wird eein König mit grimmigem frechem Antlitz, schamlos, ohne die geringste Rücksicht auf Gott und die Menschen, und der dunkle Sätze verstehtein Meister der Ränke, seine wahren Absichten hinter zweideutigen Aussagen verbirgt, wird aufstehen und als Herrscher über diesen Teil des griechischen Reiches an die Macht kommen. V. 24. Und seine Macht wird mächtig groß sein, aber nicht durch seine eigene Macht, sondern aufgrund seiner listigen Verstellung, mit der Erlaubnis Gottes; und er wird auf wunderbare Weise zerstörenaußerordentliches Unheil anrichten, so dass die Menschen über seine diesbezüglichen Aktivitäten erstaunt wären, und er wird gedeihen und praktizierenihm gelingen und es ausrichten. und das mächtige undUnd er wird die Starken samt dem heiligen Volk zerstören, wobei er sowohl an den kriegerischen Feinden, die sich ihm entgegenstellen, als auch an der Gemeinde der Heiligen des Herrn Rache übt. V. 25. Und durch seine Politik Klugheit wird er ihm auch die List in seiner Hand gedeihen lassender Betrug gelingen, das heißt, dass er mit seiner List in seinen Täuschungen erfolgreich sein wird, in verschiedenen heuchlerischen Plänen, die er beschlossen hatte; und er wird sich in seinem Herzen erheben und aufgrund dieser erfolgreichen Manöver stolz werden, und durch den Friedenunversehens wird er viele vernichten, während sie in sorgloser Sicherheit lebten, und die Plötzlichkeit des Angriffs sie dazu bringt, sich kampflos zu ergeben; Er wird sich auch gegen den Fürsten der Fürsten erheben und sich sogar gegen Gott stellen. Aber er wird ohne Zutun von Menschenhand zerschlagen zerbrochen werden, und Gott selbst wird seine Strafe in die Hand nehmen. V. 26. Und die Vision vom Abend und Morgen, die erzählt wurde, über die Länge der Zeit der Bedrängnis, ist wahr; darum aber halte die Vision verschlossen, um sie für einen späteren Tag aufzubewahren, denn sie wird für viele Tage seines ist noch eine lange Zeit bis dahin. Da die Vision Dinge der fernen Zukunft betrifft, würde sie ihren prophetischen Wert behalten und sollte daher zu diesem Zeitpunkt nicht allgemein offenbart werden. V. 27. Und ich, Daniel, überwältigt von der überraschenden und überwältigenden Art der Offenbarung, wurde ohnmächtigwar erschöpft und war einige Tage krank. Danach stand ich auf und erledigte verrichtete die Geschäfte des Königs und kümmerte mich wie zuvor um die Pflichten seines Amtes; und ich war erstaunt verwundert über die Vision, er hielt seinen Ratschlag dazu ein, aber niemand verstand siekonnte sie mir auslegen, denn die volle Bedeutung der Offenbarung, die er erhielt, wäre nur mit ihrer Erfüllung möglich. Antiochus Epiphanes wird in der Geschichte zu Recht als ein Typos auf den Antichrist angesehen, das Papsttum von Rom, denn er unternahm jede Anstrengung, um die Verehrung des wahren Gottes im Heiligen Land zu vertreiben und stattdessen eine Verehrung seiner selbst einzuführen.

 

Kapitel 9

 

Daniels Bußgebet und die Weissagung von den 70 Jahrwochen und von Christus

 

    Daniels Bekenntnis und Gebet (V. 1-19): V. l. Im ersten Jahr des Darius, des Sohnes des Ahasveros [Xerxes], in der weltlichen Geschichte als Gobryas bekannt und nach dem Fall Babylons als Vizekönig des Reiches erwähnt, aus dem Geschlecht der Meder, die sich mit den Persern bei der Eroberung Babylons verbündeten, der zum König über das Reich der Chaldäer gemacht wurde, nicht durch Thronbesteigung, sondern durch die Vermittlung der siegreichen Armee und durch die Hand von Kyrus, v. 2. im ersten Jahr seiner Herrschaft verstand ich, Daniel, durch Bücher, er beobachtete, er holte sich seine Informationen und zog dann seine Schlussfolgerungen, die Anzahl der Jahre, über die das Wort des HERRN an den Propheten Jeremia erging, vgl. Jer. 25, 11, dass siebzig Jahre in der Verwüstung Jerusalems vollendet werden würden. Beachte, dass Daniel im Besitz eines Buches mit den Prophezeiungen Jeremias war, das daher schon damals in mehreren Exemplaren existiert haben muss, dass er die Worte dieses Buches als das Wort des Herrn betrachtete und dass er definitiv daran glaubte, dass die Worte der Prophezeiung, als die Worte des Herrn, in Erfüllung gehen würden. V. 3. Und ich richtete mein Angesicht auf Gott, den HERRN, den einen souveränen Gott des Universums, um durch Gebet und Flehen zu suchen, um für die Wiederherstellung der Stadt seiner Väter zu bitten, in Fasten und Sackleinen und Asche. Es war also ein eindringliches, bewegendes Gebet, das Daniel durch das Wirken des Heiligen Geistes suchte, durch das er seine Bitten vor Gott kundtat. V. 4. Und ich betete zum HERRN, meinem Gott, und legte mein Bekenntnis ab, ein offenes Eingeständnis der eigenen Sündhaftigkeit, das den Weg für die richtige Anbetung des Herrn bereitet, und sprach: Ach HERR, du großer und schrecklicher Gott, dessen Furcht und Schrecken über alle seine Feinde kommt, der du Bund hältst und Barmherzigkeit erweist denen, die dich lieben, und denen, die deine Gebote halten, vgl. 5. Mose 7, 9: Vers 5. Wir haben gesündigt und Unrecht getan, indem wir den Pfad der Gebote Gottes verlassen haben, und sind gottlos gewesen und abtrünnig geworden, rebellisches Verhalten gezeigt, wir sind von deinen Geboten und deinen Rechten abgewichen, wobei die Einleitung des Bekenntnisses den Worten von Salomos Gebet in 1. Könige 8, 47; Vers 6 nachempfunden ist. 6. Wir haben auch nicht auf deine Knechte, die Propheten, gehört, wobei sein Bekenntnis nun im Namen seines gesamten Volkes abgelegt wird, das die Ermahnungen der Propheten offen missachtet, die in deinem Namen zu unseren Königen, unseren Obersten und unseren Vätern und zu allem Volk im Land sprachen. Vgl. 2. Könige 17; Jer. 44, 17. V. 7. Bei dir HERR, ist Gerechtigkeit, Er ist der Besitzer absoluter Gerechtigkeit, der allein Gerechtigkeit verteilen kann, wir aber müssen uns schämen, nämlich die Verwirrung, die sich im schuldigen Erröten aufgrund des Sündenbewusstseins und der daraus resultierenden Schande und Trübsal zeigt, wie es an diesem Tag ist: den Männern von Juda und den Bewohnern Jerusalems, die als Anführer des Volkes des Herrn an erster Stelle stehen, und ganz Israel, denn viele Angehörige der anderen Stämme hatten sich dem südlichen Königreich angeschlossen, als der Untergang des nördlichen Königreichs unmittelbar bevorstand, alle, die sich zum wahren Gott bekannten und so ihr Schicksal gemeinsam besiegelten, die nah und fern sind, in allen Ländern, in die du sie vertrieben hast, als sie in die schändliche Verbannung verschleppt wurden, wegen ihrer Missetat, die sie gegen dich begangen haben, wobei die Schuld des Volkes immer wieder hervorgehoben wird. V. 8. Ja, HERR, unser Angesicht muss schamrot werden, und unserer Könige, unserer Obersten und unserer Väter, weil wir gegen dich gesündigt haben. Diese Aussage wird zur Betonung wiederholt, ebenso wie die gleichbedeutenden Ausdrücke zu Beginn von Daniels Bekenntnis gehäuft wurden, um die volle Tragweite der Schuld des Volkes herauszustellen. Dieser Verwirrung und Schuld steht die einzige Hoffnung der sündigen Sterblichen gegenüber, die Barmherzigkeit Gottes, die sich in der Vergebung der Sünden zeigt. V. 9. Bei dem HERRN, unserem Gott, ist Barmherzigkeit und Vergebung, von denen die reuigen Sünder das große Bedürfnis verspüren. Denn wir haben uns gegen ihn aufgelehnt, und das Bedürfnis nach seiner Vergebung als ihre einzige Hoffnung ist ihnen klar geworden; V. 10. und haben wir nicht auf die Stimme des HERRN, unseres Gottes, gehört, in seinen Gesetzen zu wandeln und sie genau zu befolgen, die er uns durch seine Knechte, die Propheten, seine Knechte, kundgetan hat, indem er den Menschen seinen Willen kundtat. V. 11. Ja, ganz Israel hat dein Gesetz übertreten und ist abgewichen ist, sodass sie deiner Stimme nicht gehorchten, und sich mit diesem vorsätzlichen Ziel von ihm abgewandt hat; darum ist der Fluch auf uns ausgegossen, wie ein Hagelschauer, und der Eid, der im Gesetz des Mose, des Knechtes Gottes, vgl. 3 Mose 26; 5 Mose 28, geschrieben steht, weil wir gegen ihn gesündigt haben. V. 12. Und er hat seine Worte, die er gegen uns gesprochen hat, gehalten, indem er sie in die Tat umsetzte, da sie nun den Beweis vor Augen hatten, und gegen unsere Richter, die uns richteten, wobei der Begriff alle Autoritätspersonen der gesamten Nation einschloss, indem er ein großes Unheil über uns brachte; denn unter dem ganzen Himmel ist nicht geschehen, was an Jerusalem geschehen ist, die Strenge der Strafe des Herrn war unübertroffen. V. 13. Wie es im Gesetz des Mose geschrieben steht, in den beiden Kapiteln, die die schrecklichen Aussagen des Herrn über seine Bestrafung der Übertreter seines Gesetzes enthalten, ist all dieses Unglück über uns gekommen; dennoch haben wir nicht das Angesicht des HERRN unseres Gottes besänftigt, indem wir ihn angefleht oder sein Angesicht besänftigt haben, indem wir versucht haben, seinen Zorn zu besänftigen, wie es in König Salomos großem Gebet vorgeschlagen wurde, indem wir uns von unseren Sünden bekehrten und auf deine Wahrheit geachtet hätten. Die Wahrheit Gottes ist sein in seinem Wort offenbarter Erlösungsplan, nach dem er möchte, dass der Sünder von seinen bösen Wegen umkehrt, die ihm im Evangelium angebotene Erlösung annimmt und ein Leben im Einklang mit dem Willen des Herrn führt. V. 14. Darum hat der HERR über das Unglück gewacht, er war besorgt, dass sie über die Übertreter kommen würden, und hat es über uns gebracht; denn der HERR, unser Gott, ist gerecht in allen seinen Werken, die er tut, alle seine Handlungen sind im Wesentlichen gerecht; aber wir haben seiner Stimme nicht gehorcht, weshalb die ihnen auferlegte Strafe als gerecht und rechtschaffen anerkannt werden musste. V. 15. Und nun, o HERR, unser Gott, der du dein Volk mit starker Hand aus dem Land Ägypten geführt hast, 2 Mose 32,11, und dir einen Namen gemacht hast, wie es an diesem Tag ist, werden seine barmherzigen Taten überall dort anerkannt, wo sie unter den Völkern bekannt werden: Wir haben gesündigt, wir sind gottlos gewesen, dieses Bekenntnis leitet nun auch die letzte Bitte in Daniels Gebet ein. V. 16. Ach HERR, nach all Deiner Gerechtigkeit willen, in Übereinstimmung mit der Gerechtigkeit, die die Erfüllung seiner Verheißungen verlangte, wende ab deinen Zorn und deinen Grimm von deiner Stadt Jerusalem, deinem heiligen Berg, der so genannt wurde, weil sein Heiligtum dort seit so vielen Jahrhunderten lag, abgewendet werden. Denn wegen unserer Sünden und der Missetaten unserer Väter sind Jerusalem und Dein Volk zu einem Schandfleck bei allen geworden, die um uns herum sind, so dass die Heiden sie mit Verachtung und Spott betrachteten. V. 17. Nun, o unser Gott, höre das Gebet deines Dieners und seine Bitten und lass dein Angesicht in barmherziger Liebe auf dein verwüstetes Heiligtum leuchten, denn die Tatsache, dass der Tempel in Trümmern lag, war der Hauptgrund für Daniels Gebet, um deinetwillen, HERR, denn die Herrlichkeit der Wiederherstellung würde dann dem Herrn gehören. V. 18. O mein Gott, neige dein Ohr, in der Haltung williger Aufmerksamkeit, und höre; öffne Deine Augen und sieh unsere Verwüstungen, sowohl die Städte als auch ihre Ruinen, die in diesem Begriff enthalten sind, und die Stadt, die nach deinem Namen genannt ist, wörtlich: „auf die Dein Name genannt ist“, wo Gott sich so herrlich offenbart hat, die Er, indem Er sie zu Seinem Heiligtum erwählt hat, unter den Städten der Welt so hoch erhoben hat; denn wir liegen vor dir mit unserem Gebet, und werfen uns vor dich, nicht auf unsere Gerechtigkeit, in Abhängigkeit von einem Zustand oder einer Handlung der Gerechtigkeit seitens der Bittsteller, sondern auf deine große Barmherzigkeit, denn die unverdiente Gnade Gottes, Seine freie Gunst, ist die einzige Hoffnung der Sünder. V. 19. Ach HERR, erhöre; ach HERR, vergib; ach HERR, merke auf und handle! Der Prophet erreicht hier den Höhepunkt eines eindringlichen und inbrünstigen Gebets. Zögere nicht, um deiner selbst willen, mein Gott; denn deine Stadt und dein Volk sind nach deinem Namen genannt, und deshalb sollte sein Eifer für seine eigene Ehre der Grund sein, der ihn dazu drängt, das Gebet des Propheten zu erhören. Das Gebet des Glaubens ist immer gewiss, sanftmütig und eindringlich, und wenn es durch die Verheißungen des Herrn unterstützt wird, kann es zu einem Flehen um Gnade werden, das mit Sicherheit erhört wird.

 

    Gabriel tröstet Daniel durch die Weissagung von Christus und den siebzig Wochen (V. 20-27): V. 20. Und während ich noch redete und betete und meine Sünde und die Sünde meines Volkes Israel bekannte und mein Flehen vor dem HERRN, meinem Gott, darbrachte und seine Bitten häufte, um die Barmherzigkeit Gottes zu suchen, für den heiligen Berg meines Gottes, im Interesse des Heiligtums des Herrn und der wahren Anbetung; Vers 21. ja, während ich im Gebet sprach und die abschließenden Bemerkungen seines Gebets machte, kam der Mann Gabriel, einer der Engelsfürsten, den ich zu Beginn in der Vision gesehen hatte, Kap. 8, 15. 16, in eiligem Flug, zur Zeit des Abendopfers und berührte mich, besser gesagt: „Der Mann Gabriel, den ich früher in einer Vision gesehen hatte, während ich mich in einem Zustand großer Erschöpfung befand, ... kam um die Zeit des Abendopfers zu mir“, gegen drei Uhr nachmittags, denn dies war eine der Gebetsstunden, die von den Juden eingehalten wurden. V. 22. Und er gab mir Verständnis und sprach mit mir und sagte: Daniel, ich bin jetzt gekommen, um dir zum richtigen Verständnis zu verhelfen, eine geschickte und korrekte Einsicht in das Problem, das ihn verwirrte, und eine Zusicherung für die Zukunft. V. 23. Denn am Anfang deines Betens erging das Wort, nämlich der Erlass oder das Orakel, das jetzt verkündet wird, und ich bin gekommen, um es dir zu bekannt zu machen, denn du bist sehr geliebt, weshalb der Herr so bereit war, ihm die Lösung des Problems der siebzig Wochen bekannt zu machen; So merke nun auf das Wort und verstehe die Vision! indem du den Ausspruch beobachtest, wie es jetzt dargelegt und erklärt werden soll. V. 24. Siebzig Wochen sind über dein Volk und über deine heilige Stadt bestimmt, die Hauptstadt, die Daniel so sehr am Herzen lag. Die Bestimmung der Zeit war absichtlich unbestimmt, um die Übertretung zu beenden und den Sünden ein Ende zu setzen, um die Rebellion einzudämmen und die Sünden zu versiegeln, damit sie nicht länger zum Ausdruck kommen, und um die Missetat zu sühnen, um eine Sühne für die Schuld zu bewirken, und ewige Gerechtigkeit zu bringen, das Ergebnis der Sühne der Sünde, und die Vision und Propheten zu versiegeln, denn es würde keine weiteren Propheten mehr geben, wenn die wichtigsten und größten Prophezeiungen erfüllt wären, und das Allerheiligste zu salben, wobei der neue, geistliche Tempel, von dem Hesekiel spricht, gemeint ist, die Gründung der Kirche des Neuen Testaments auf Erden und insbesondere ihre Vollendung im Himmel am Ende der Zeit. V. 25. Wisse und verstehe daher, dass vom Erlass des Gebots zur Wiederherstellung und zum Bau Jerusalems an, von dem Zeitpunkt an, als der Erlass des Cyrus über den Wiederaufbau Jerusalems erging, Esra 1, 1; Jes. 44, 28, bis auf Christus, den Messias, Gesalbten, dem Fürsten, sind sieben Wochen, d. h. bis zum Kommen Christi, des Erlösers, und 62 Wochen, in denen der große geistliche Tempel des Herrn errichtet werden würde. Lang werden die Plätze und Gräben wieder aufgebaut werden, und zwar in unruhigen Zeiten, während die Kirche Christi noch eine streitende Kirche wäre. V. 26. Und nach 62 Wochen wird Christus ausgerottet werden, nämlich zur Zeit der großen Verleugnung, eines der Zeichen, die dem Ende der Welt vorausgehen, und niemand ist für ihn, wörtlich: „und nicht für ihn ist jemand“, das heißt, vorerst scheint es keinen Helfer zu geben; und das Volk eines Fürsten, der kommen wird, ein mächtiger Gegner, der Antichrist, wird die Stadt und das Heiligtum zerstören, so dass anscheinend alles vor seinem Angriff verloren wäre; und das Ende davon wird mit einer Flut sein, so dass der angreifende Fürst selbst am Ende durch ein göttliches Gericht zugrunde gehen würde, und zum Ende wird es Krieg geben, fest beschlossene Verwüstungen, bis zum Ende dieser Welt. V. 27. Und er, der feindliche Fürst, wird den Bund mit vielen während einer Woche bestätigen, so dass die große Masse der Menschen gezwungen wäre, diesen Bund zu akzeptieren und ihn als an Gottes Stelle stehend anzuerkennen; und in der Mitte der Woche wird er das Opfer und die Opfergabe einstellen, so dass es zu einer ernsthaften Beeinträchtigung der wahren Anbetung Gottes kommen würde, und auf Schwingen des Greuels kommt, der Zerstörung verursacht, nämlich mit seinen götzendienerischen Bräuchen, bis das bestimmte Ende ausgegossen wird über den, der Verwüstung verursacht, wörtlich: „bis die vervollkommnete und vollständig bestimmte Ausrottung und gerichtliche Bestrafung über den Verwüster ausgegossen wird“, Gott selbst bringt Zerstörung über ihn. Die Prophezeiung beschreibt somit die Wechselfälle der Kirche Gottes, die durch das Kommen des verheißenen Messias erleichtert werden würden. Aber auch nach seinem Kommen würde die Gemeinde der Heiligen in der Tat eine streitende Kirche sein, wobei der große römische Antichrist den ersten Angriff auf die Streitkräfte des Herrn unternimmt und in den letzten Tagen der Welt von anderen antichristlichen Elementen unterstützt wird, die seiner Führung folgen, bis der Herr ihn und sie zum Zeitpunkt des Großen Gerichts endgültig und endgültig vernichten wird.

 

 

Geschichtlicher Hintergrund zu den siebzig Jahrwochen in Daniel 9

 

V. 25                „Von der Zeit an, dass der Befehl ausgeht, dass Jerusalem [nicht der Tempel] soll wiederum gebaut werden …“: 460/59 v. Chr.: Artaxerxes gibt Befehl zum Bau Jerusalems

 

                        die sieben Jahrwochen (49 Jahre, also bis 410 v. Chr.): Erneuerung Jerusalems und des Gottesdienstes durch Esra und Nehemia

 

                        62 Jahrwochen bis auf Christus, den Fürsten: (434 Jahre, also bis 24 n. Chr.): das wäre also bis zum 30. Lebensjahr Jesu Christi (er ist richtig geboren im Jahr 6 bevor wir mit der Zeitrechnung beginnen), also der Taufe Jesu und dem Beginn des öffentlichen Wirkens des Heilandes.

                        Während dieser 434 Jahre werden zwar Jerusalem und das Volk Gottes gebaut, aber „kümmerlich“, mit viel Schwachheit, Not, Kampf.

 

V. 26-27           die 70. Jahrwoche:

                        a) V. 26: Christus wird „ausgerottet werden“: Das Wort beschreibt im Hebräischen sowohl den Tod des Heilandes (am Kreuz) als auch das Aufrichten eines Bundes, nämlich des Neuen Bundes.

                        b) V. 26: „Ein Volk des Fürsten wird kommen …, die Stadt und das Heiligtum zerstören“: Das ist im Jüdischen Krieg geschehen, 66-70 n. Chr., in dem Jerusalem und der Tempel zerstört wurden, 70 n. Chr..

                        c) V. 26: „bis zum Ende wird es wüst bleiben“: Die Endzeit ist nicht zuletzt Trübsalszeit.

                        d) V. 27: „Er wird aber vielen den Bund stärken“: nämlich Christus stärkt seine Gemeinde durch Wort und Sakrament und regiert sie durch die Gnadenmittel. „eine Woche lang“: die gesamte 70. Jahrwoche, also während seiner Zeit hier auf Erden und weiter bis zum Ende der Tage, dem Jüngsten Tag.

                        e) V. 27: „in der Mitte der Woche wird das Opfer und Speisopfer aufhören“:

                                    1) durch Christi Kreuzestod sind die alttestamentlichen Opfer zum Ziel und Ende gekommen;

                                    2) mit der Zerstörung des Tempels in Jerusalem hörte der Opferdienst auf

                        f) V. 27: es bleibt noch eine halbe Jahrwoche oder 3 ½ Jahre oder 42 Monate oder 1260 Tage (wenn jeder Monat mit 30 Tagen gerechnet wird): das ist die gesamte (restliche) neutestamentliche Zeit, die nicht zuletzt geprägt ist durch die Trübsal und das Wüten des Antichristen, dessen Zeit gerade mit diesen Zahlen auch beschrieben wird als einer von Gott begrenzten Zeit.

            g) V. 27: „Greuel der Verwüstung“: der Abfall von Gottes Wort, die Rebellion gegen Christus, wodurch bereits das Judentum zur Zeit des jüdischen Krieges gekennzeichnet war, was aber auch ein Merkmal der antichristlichen Mächte ist (s. 2. Thess. 2).H

 

 

Kapitel 10

 

Vorbereitung der letzten Gesichte

 

    Der Beginn der Vision (V. 1-9): V. 1. Im dritten Jahr des Kyrus, des Königs von Persien, zwei Jahre nachdem sein Erlass über die Wiederherstellung Jerusalems und des Tempels ergangen war, wurde Daniel, dessen Name Belteshazzar hieß, etwas offenbart, wobei hier beide Namen genannt werden, einer als Mitglied des Volkes Gottes, der andere als Beamter des persischen Hofes, der seiner Nation einen besseren Dienst erweisen konnte, indem er am Hof blieb, als indem er sich ihnen bei der Wiederherstellung ihrer Stadt anschloss, zumal er nun schon in fortgeschrittenem Alter war; und die Sache, das Wort Gottes, das dem Propheten in dieser Vision offenbart wurde, ist wahr und von großer Trübsal, das heißt, die Offenbarung betraf Elend, Elend und Not auf Erden; und er merkte auf die Sache und bekam Verständnis für die Vision, er beachtete das Wort, das der Herr ihm kundtat, und schenkte der Vision große Aufmerksamkeit. V. 2. In jenen Tagen trauerte ich, Daniel, drei volle Wochen lang, sehr wahrscheinlich wegen der Zustände im Land seiner Väter, wo die kleine Handvoll Juden unter besonderen Schwierigkeiten versuchte, den Tempel wieder aufzubauen und die Stadt wiederherzustellen, eine Tatsache, die Daniel dazu veranlasste, sich zu Beginn eines neuen Jahres dem Fasten und Beten zu widmen. V. 3. Ich aß keine leckere Speise, sondern nur ungesäuertes Brot, wie es bei Bedrängnis gegessen wird, 5. Mose 16:3. Und weder Fleisch noch Wein kamen in meinen Mund, so dass ich auf alle Speisen verzichtete, die sonst an Festtagen gegessen werden. Ich salbte mich auch nicht, sondern enthielt mich aller Äußerungen von Freude und Glück, bis drei ganze Wochen erfüllt waren. Daniel fastete also vollständig, mit allen Ausdrucksformen von Leid und Trauer, die Menschen in einer solchen Zeit annehmen. V. 4. Und am 24. Tag des ersten Monats, des Monats Nisan, anscheinend am Ende seines Fastens, als ich am Ufer des großen Flusses, des Hiddekel, des Tigris, war, V. 5. und hob meine Augen auf und schaute, wie in der Vision am Ufer des Eulaeus, Kap. 8, 3, und siehe, da stand ein Mann, gekleidet in Leinen, dessen Farbe Heiligkeit symbolisiert, dessen Lenden mit feinem Gold von Ufas umgürtet waren, wobei das Gold auf seinen fürstlichen Rang hinweist. V. 6. Sein Leib war auch wie Chrysolith, sodass er mit dem goldenen Glanz von Topas oder Bernstein leuchtete, und sein Gesicht wie der Anblick eines Blitzes, blendend hell, und seine Augen wie Feuerflammen, vgl. Offb. 1, 14, und seine Arme und seine Füße wie in der Farbe von poliertem Erz, glänzend wie glühendes Erz, und die Stimme seiner Worte wie die Stimme einer Volksmenge, die Stimme des Brausens wie die des Ozeans oder einer großen Menschenmenge. V. 7. Aber ich, Daniel, allein sah die Erscheinung, so dass alle ihre Details ihm klar waren; denn die Männer, die bei mir waren, sahen die Erscheinung nicht, wie es auch bei den Gefährten Sauls auf dem Weg nach Damaskus der Fall war, Apostelgeschichte 9, 7; 22, 11; aber ein großes Schrecken überfiel sie, so dass sie flohen, um sich zu verstecken, wörtlich: „sie flohen, indem sie sich versteckten“, ein Ausdruck, der die Größe ihrer Angst zeigt. V. 8. Und ich blieb allein und sah diese große Erscheinung, vgl. 2 Mose 3,3, und es blieb keine Kraft in mir, wegen des überwältigenden Schreckens der Vision; und mein Gesicht entfärbte sich bis zur Verunstaltung, wörtlich: „das gesunde Aussehen meines Gesichts verwandelte sich in Verunstaltung“, und ich behielt keine Kraft, Aus der gesamten Beschreibung geht hervor, dass Daniel hier eine Vision vom Engel der Gegenwart, dem Engel des Angesichts, dem Messias selbst hatte, wie er sich den Gläubigen des Alten Testaments offenbarte. Vgl. Offb. 1, 13-15. V. 9. Und ich hörte die Stimme seiner Worte; und als ich die Stimme seiner Worte hörte, sank ich ohnmächtig auf meinem Gesicht, mein Gesicht zum Boden.

 

    Der erste Teil der Botschaft des Engels (V. 10-21): V. 10. Und siehe, eine Hand berührte mich, der fassungslose Prophet konnte nicht sagen, wessen Hand es war, obwohl der Text darauf hindeutet, dass es derselbe Engel in Weiß war, und half mir auf die Knie und auf die Hände und ihn sanft in einen halb wachen Zustand schüttelte, so dass er zumindest eine kauernde Position einnahm, obwohl seine Benommenheit noch nicht ganz verschwunden war. V. 11. Und er sprach zu mir: „Daniel, du vielgeliebter Mann, vgl. Kap. 9, 23, merke auf die Worte, die ich zu dir spreche, und präge sie dir genau ein, und stehe aufrecht, wobei du die letzten Auswirkungen der Lähmung abschüttelst, die ihn befallen hat; denn zu dir bin ich jetzt gesandt, als Überbringer einer Botschaft des Trostes und des Segens. Und als er dies Wort zu mir gesprochen hatte, stand ich zitternd auf, immer noch in ängstlicher Erwartung der Dinge, die ihm offenbart werden würden. V. 12. Da sprach er zu mir: Fürchte dich nicht, Daniel; denn vom ersten Tag an, an dem du dein Herz darauf gerichtet hast zu verstehen, sich mit der Lösung der Probleme zu befassen, und dich vor deinem Gott zu demütigen, in der angemessenen Demut des Geistes, wurden deine Worte gehört, und ich bin gekommen, um deiner Worte willen, als Folge des Gebets, das Gott zur Kenntnis gelangt war. Der Herr erhört immer alle Gebete derer, die an ihn glauben, auch wenn er manchmal seine Antwort verzögert oder sie auf eine andere Weise gibt, als seine Kinder es erwarten. V. 13. Aber der Engelfürst des Königreichs Persien, der Engel der Finsternis, der die persische Weltmacht in ihren Götzen darstellt und daher mit einem bösen Geist identisch ist, widerstand mir 21 Tage lang und versuchte, den Engel der Gegenwart daran zu hindern, seine Mission des Trostes zu erfüllen; und siehe, Michael, einer der obersten Engelfürsten, der erste in der Rangordnung, der die Stärke des Allmächtigen besitzt, kam mir zu Hilfe; und ich behielt den Sieg bei den Königen von Persien und nutzte seinen Einfluss im Interesse des Volkes des Herrn. Es gibt eine Welt der Engel und Geister, und diese Geister haben oft einen sehr entscheidenden Einfluss auf die Ereignisse der Geschichte. V. 14. Nun bin ich gekommen, um dir zu erklären, was deinem Volk in den letzten Tagen, während der messianischen Ära, widerfahren wird; denn noch ist die Vision für (ferne) Tage, sie reicht weit in die Zukunft.

    V. 15. Und als er solche Worte zu mir gesprochen hatte, richtete ich mein Gesicht zum Boden, voller Ehrfurcht und Bestürzung über die zu erwartenden Offenbarungen, und schwieg still, blieb vorerst sprachlos. V. 16. Und siehe, einer, der den Menschenkindern glich, ein Engel, der wie ein Mensch aussah, wahrscheinlich wieder der Engel des Herrn im besonderen Sinne des Wortes, berührte meine Lippen, um seine Stummheit zu heilen. Da tat ich meinen Mund auf und redete und sprach zu dem, der vor mir stand: Mein Herr, durch die Erscheinung, durch die Erscheinung, die er geschaut hatte, überfielen mich Krämpfe, mit akuter und überwältigender Kraft, und ich hatte keine Kraft mehr. V. 17. Denn wie kann der Diener dieses meines HERRN mit diesem meinem HERRN sprechen? Dessen Majestät war von einer Art, die einen armen, sündigen Sterblichen in Schrecken versetzen konnte. Denn ich – so bleibt von nun an keine Kraft in mir, und es ist auch kein Atem mehr in mir. Er konnte vor Aufregung und Bestürzung weder stehen noch richtig atmen. V. 18. Da, rührte mich der, der aussah wie ein Mensch, an und stärkte mich, V. 19. und sagte: „Fürchte dich nicht, vielgeliebter Mann, denn sein Schrecken war der eigentliche Grund für seine Schwäche. Friede sei mit dir; sei stark, ja, sei stark! Die Wiederholung der tröstenden Worte dient dazu, ihnen Nachdruck zu verleihen. Und als er mit mir gesprochen hatte, wurde ich gestärkt und sagte: Mein Herr, rede, er fühlte sich nun in der Lage, die Botschaft zu hören und zu empfangen; denn du hast mich gestärkt. V. 20. Da sprach er: Weißt du, warum ich zu dir gekommen bin? Der Prophet muss sich den ernsten und höchst wichtigen Charakter der Botschaft vor Augen halten. Und nun will ich zurückkehren, um mit dem Fürsten von Persien zu kämpfen, um ihn daran zu hindern, seine bösen Pläne gegen die Kinder Gottes auszuführen; und wenn ich mit ihm fertig bin; bereit, Krieg zu führen, siehe, dann wird der (Engel-)Fürst von Griechenland kommen, ein weiterer feindlicher Geist, der Griechenland repräsentiert und dazu bestimmt ist, die nächste Weltmacht zu werden. V. 21. Aber ich will dir zeigen, was im Buch der Wahrheit, im heiligen Dokument der göttlichen Verordnungen Gottes, geschrieben ist; und es gibt niemanden, der mir gegen jene hilft und voll und ganz auf seiner Seite steht, außer Michael, euer Fürst, dem besonderen Beschützer des Volkes Gottes. Der Fürst dieser Welt versucht mit all seinen Heerscharen böser Geister unablässig, den gnädigen und guten Willen des Herrn gegenüber seinen Kindern zu brechen und zu behindern; aber der Herr ist mächtiger als alle seine Feinde und bewahrt diejenigen, die an ihn glauben, vor allem Leid und jeder Gefahr. Kap. 11, 1. Und ich, im ersten Jahr des Darius, des Meders, stand bereit, um ihm zu helfen und ihn zu stärken, oder, „auch ich stand bereit, um ihn zu stärken“, was darauf hindeutet, dass die verschiedenen Engelsgeister einander unterstützen, wenn besondere Anstrengungen für die Menschen oder Nationen in ihrer Obhut erforderlich sind. Der Kern des Verses ist offensichtlich, dass Michael aktiv daran beteiligt war, die Macht Babylons durch die Armeen von Medo-Persien zu stürzen, und dass der Engel des Herrn ihm bei dieser Arbeit mächtig zur Seite stand. In den großen Krisen der Geschichte, beim Wandel der Monarchien und inmitten jeder Trübsal können wir auf die Treue und Barmherzigkeit unseres Gottes vertrauen.

 

 

Kapitel 11

 

Weissagungen über die Könige von Persien, Alexander von Mazedonien und die Nachfolgereiche und besonders die Tyrannei von Antiochus Epiphanes

 

    Ereignisse der näheren Zukunft (V. 1-20): V. 2. Und nun will ich dir die Wahrheit zeigen. Vgl. Kap. 10, 21. Siehe, es werden noch, nämlich nach Kyros, der damals König war, drei Könige in Persien aufstehen, deren Namen allgemein als Kambyses, Pseudo-Smerdis und Darius Hystaspes bekannt sind; und der vierte wird weit größere Reichtümer erwerben als sie alle. Und wenn er durch seinen Reichtum mächtig geworden ist, da er seinen immensen Reichtum einsetzte, um eine mächtige Armee auszurüsten, wird er alles gegen das Königreich Griechenland erregen, wobei Xerxes alles auf die Invasion des rivalisierenden Königreichs jenseits der Dardanellen setzt. V. 3. Und ein mächtiger König wird aufstehen, ein heldenhafter, kriegerischer König, nämlich Alexander von Makedonien und Griechenland, der mit großer Macht herrschen und nach seinem Willen handeln wird, mit tyrannischer Autorität. V. 4. Und wenn er emporgekommen ist, sobald seine Macht einigermaßen gefestigt ist, wird sein Reich zerbrechen, womit die kurze Dauer von Alexanders Herrschaft angedeutet wird, und wird in alle vier Himmelsrichtungen zerteilt werden, in einer vierfachen Teilung seines Königreichs nach der Schlacht von Ipsos, 301 v. Chr. v. Chr., doch nicht auf seine Nachkommen, und nicht mit solcher Macht, mit der er geherrscht hat; denn sein Königreich wird zerstört und anderen zufallen, mit Ausschluss von jenen, so dass die natürlichen Erben und rechtmäßigen Nachfolger Alexanders beseitigt wurden. Beide Söhne Alexanders wurden getötet, und nachdem die Generäle Alexanders sein Reich zunächst in kleine Teile aufgeteilt hatten, entstand schließlich eine vierfache Monarchie, die jedoch immer noch griechischen Charakter hatte.

    V. 5. Und der König des Südens wird stark werden, der Herrscher Ägyptens [Ptolemäer], und einer seiner Obersten wird stark sein über ihn, wobei es sich höchstwahrscheinlich um Seleukos Nikator handelt, und wird herrschen; seine Herrschaft wird eine große Herrschaft sein, die sich tatsächlich von Phrygien im Westen bis zum Indus im Osten erstreckte. V. 6. Und am Ende der Jahre, d. h. nach mehreren Jahren, werden sie sich verbünden, der König des Südens und der König des Nordens bilden eine Konföderation, als Antiochus II. Theos, der zweite Nachfolger von Seleukus Nikator, Berenike, die Tochter von Ptolemaios Philadelphos, heiratete; und die Königstochter des Südens wird zum König des Nordens [Seleukiden] kommen, um eine Vereinbarung zu treffen, um durch diese Heirat gerechte und friedliche Beziehungen herzustellen; aber sie wird nicht die Macht des Arms behalten, noch soll er bestehen und sein Arm, und keiner von ihnen soll die durch ihre Heirat und den Zusammenschluss ihrer Kräfte erworbene Macht behalten; sondern sie soll preisegeben werden, und die sie gebracht haben, und derjenige, der sie gezeugt hat, und derjenige, der sie in diesen Zeiten gestärkt hat, als die kritische Lage, in der er sich befand, ihm die Heirat nahelegte. Weltliche Berichte schildern die Situation wie folgt: „Sobald Ptolemaios Philadelphos 247 v. Chr. starb, vertrieb Antiochos Theos Berenike und rief die zuvor verstoßene Laodike zurück. Letztere strebte jedoch nach weiterer Rache und vergiftete den König, um dies zu erreichen. Sie ließ ihren Sohn von ihm, Seleukos II. Kallinikos, zu seinem Nachfolger erklären und schickte Attentäter gegen Berenike, die in das Heiligtum von Daphne geflohen war. Die letztgenannte Königin wurde zusammen mit ihrem kleinen Sohn getötet, und die Hoffnung der Ptolemäer, einen ihrer Nachkommen auf dem Thron der Seleukiden zu sehen, wurde damit völlig zunichte gemacht. V. 7. Aber aus einem Zweig ihres Stammes, einem Trieb aus dem scheinbar toten Stamm, wird einer an seiner Stelle aufstehen, um ihren Platz in dieser Auseinandersetzung einzunehmen, ihr eigener Bruder, Ptolemaios III. Euergetes, der mit einem Heer kommen und in die Festung des Königs des Nordens eindringen wird, gegen alle Festungen der nördlichen Macht, und gegen sie vorgehen und siegen wird, wobei dies in dem Maße geschehen wird, dass das gesamte syrische Land von Kilikien bis jenseits des Tigris erobert, zahlreiche Festungen eingenommen und Laodike, die Rivalin und Mörderin von Berenice, getötet wird; v. 8. und soll auch ihre Götter mit ihren gegossenen Bildern, ihre gegossenen oder gegossenen Bilder und ihre kostbaren Gefäße aus Silber und Gold nach Ägypten entführen, all dies als willkommene Beute; und er wird sich eine Jahre vom König des Nordens fernhalten, indem er sich mit seiner überlegenen Stärke gegen ihn behauptet. V. 9. Und der wird in das Reich des Königs des Südens kommen, aber in sein eigenes Land, nach Syrien, zurückkehren. Dies erfüllte sich in der Expedition von Seleukus Kallinikos, als er eine Flotte gegen Ägypten schickte, die jedoch in einem Sturm zerstört wurde, während sein Heer besiegt und gestürzt wurde. V. 10. Aber seine Söhne, wiederum die des Königs des Nordens, werden sich rüsten, sich auf den Krieg vorbereiten und eine große Streitmacht zusammenziehen, um Krieg gegen das südliche Königreich zu führen; und sie wird kommen und überschwemmen und überfluten, die Aktivitäten von Antiochus dem Großen bei seinem siegreichen Vormarsch auf Ägypten werden hier beschrieben; dann wird er zurückkehren und sich rüsten, seinen Feldzug gegen die Ägypter im folgenden Frühjahr erneuern, zum Kampf gegen seine Festung, sehr wahrscheinlich die befestigte Stadt Gaza. V. 11. Und der König des Südens wird ergrimmen, in heftigen und plötzlichen Zorn, und wird ausziehen und mit ihm, dem König des Nordens, kämpfen. Und der wird eine große Menge aufstellen; aber die Menge wird in seine Hand gegeben werden. Dies beschreibt zweifellos den Angriff von Ptolemaios Philopator, mit dem er versuchte, die Macht von Antiochos zu brechen. V. 12. Und wenn er die Menge weggeführt hat, wird sein Herz sich erheben, wörtlich: „und wird die Menge erheben und sein Herz erheben“, da er den Feldzug mit großem Mut aufnahm; und er wird viele Zehntausende niederschlagen und Myriaden in der Schlacht von Raphia in der Nähe von Gaza töten; aber er wird nicht mächtig bleiben, weil er seinem Sieg nicht mit einem gewissen Maß an Energie nachgegangen ist. V. 13. Denn der König des Nordens wird zurückkehren und eine größere Menge aufstellen als die vorherige und nach einigen Jahren mit einem großen Heer und mit großer Ausrüstung kommen. Dies geschah etwa dreizehn Jahre später, als Antiochus der Große sich durch erfolgreiche Feldzüge gegen die Königreiche im Osten gestärkt hatte, sodass sein Heer aus Veteranen bestand und seine Ausrüstung aus den allerbesten. V. 14. Und in derselben Zeit werden sich viele gegen den König des Südens erheben, insbesondere in Aufständen, die durch schlechte Regierungsführung im eigenen Land verursacht wurden; auch Gewalttätige deines Volkes werden sich erheben, um die Vision zu erfüllen, wörtlich: „Gewalttätige Personen deines [Daniels] Volkes werden sich gegen ihn auflehnen“, nämlich als eine Anzahl Juden mit Antiochus dem Großen eine Liga gegen Ägypten einging; aber sie werden fallen, da der Herr wegen ihres Aufruhrs gegen die rechtmäßige Regierung Trübsal und Bedrängnis über sie senden wird, wobei es sich wahrscheinlich um die Unterdrückung durch Antiochus Epiphanes handelt. V. 15. So wird der König des Nordens kommen und erneut zum Angriff vorrücken, und einen Wall aufschütten und eine feste Stadt einnehmen, wörtlich: „Stadt der Befestigungen“, ein Begriff, der allgemein für die Festungen des Südens verwendet wird; und die Heere des Südens werden nicht standhalten, auch nicht sein erlesenes Volk, da ihre Armeen nicht in der Lage sind, den drohenden Schlag abzuwehren, und sie werden auch keine Kraft haben, um standzuhalten, und alle Ressourcen des südlichen Königreichs werden ihnen in dieser Notlage nichts nützen. V. 16. sondern wer gegen ihn vorgeht, wird nach seinem eigenen Willen handeln, denn Antiochus, der Sieger von Paneas, in der Nähe der Quellen des Jordans, überrannte nun das ganze Land, und niemand wird vor ihm bestehen; und er wird im herrlichen Land stehen, wörtlich: „im Land der Verzierung“, das Heilige Land, insbesondere wenn man es vom Standpunkt seiner spirituellen Segnungen betrachtet, und die Vernichtung liegt in seiner Hand. V. 17. Er wird sein Augenmerk darauf richten, in die Gewalt seines ganzen Königreichs zu kommen, in der Absicht, seinen Erfolgen einen weiteren Angriff auf das nun fast unterworfene Land folgen zu lassen. Und er wird sich mit ihm vertragen, vielmehr mit dem Ziel, ein angemessenes politisches Verhältnis wiederherzustellen, wobei die Vereinbarung darin bestand, dass die Heirat von Kleopatra, der Tochter des Antiochus, mit Ptolemaios Epiphanes vereinbart wurde, Antiochus erhielt dafür Koilesyrien; und ihm eine Tochter der Frauen geben, nämlich Kleopatra, die damals noch ein Mädchen war und von ihrer Mutter und anderen, die sie erzogen, dass er ihn verderbe, besser gesagt, „ihr Verderben brachte“; denn die Hochzeit, die fünf Jahre später stattfand, zum Ruin des Landes führte, das sie repräsentierte; aber es wird ihm nicht gelingen und wird nichts daraus werden, das heißt, sie war nicht in der Lage, die Pläne ihres Vaters auszuführen. V. 18. Danach wird er, der König des Nordens, sein Gesicht den Inseln zuwenden, einschließlich der Küstenländer des Mittelmeers, und viele einnehmen; aber ein Mächtiger wird ihn zwingen, mit Schmähen aufzuhören, oder: „Doch seine Verachtung, die er auf die Generäle gehäuft hat, werden sie an ihm rächen“, das heißt, die Befehlshaber der Inseln und Küstenländer schlugen seine Angriffe sofort zurück, so dass er gezwungen war, sich in die Festungen zurückzuziehen, die früher in seiner Gewalt waren; und wird ihm sein Schmähen heimzahlen. V. 19. Dann wird er sein Augenmerk auf die Festungen seines eigenen Landes richten und sich wegen der Stärke des Angriffs gegen ihn dorthin zurückziehen; aber er wird straucheln und fallen und nicht mehr gefunden werden, denn diese Umkehr war der Anfang seines Endes, denn die Geschichte berichtet, dass er bei einem Aufstand der Einwohner von Elymais getötet wurde. V. 20. Dann wird an seiner Stelle einer aufstehen, der einen Steuereintreiber durch das herrliche Land ziehen lässt, so dass seine Untertanen mit verschiedenen Bedrängnissen und Lasten unterdrückt wurden; aber innerhalb weniger Tage wird er vernichtet werden, weder durch Zorn noch durch Kampf, was das Ende von Seleukus Philopator ist, der von Heliodorus, seinem ehemaligen Favoriten, der die Krone für sich selbst suchte, vergiftet wurde. So lenkt der Herr das Schicksal von Einzelpersonen und Nationen und bestraft diejenigen, die sich seinen Plänen zum Wohle seines Volkes widersetzen.

 

    Weissagung über Antiochus Epiphanes (V. 21-35): V. 21. Und an seiner Statt wird ein Verächtlicher aufstehen, ein verachtenswerter und moralisch verachtenswerter Charakter, dem die Ehre des Königtums nicht zugedacht war, der die königliche Macht und Autorität gegen den Willen der Nation an sich gerissen hat; aber er wird unversehens kommen und das Königreich durch Ränke erlangen, das heißt, unerwartet kommen; während die Menschen dachten, dass der rechtmäßige Erbe den Thron besteigen würde, erlangte Antiochus Epiphanes das Königreich durch Täuschung und betrügerisches Verhalten, so dass er im Besitz des Throns war, bevor die Menschen es wirklich bemerkten. V. 22. Und die heranflutenden Heere werden vor ihm weggeschwemmt und zerschmettert werden; ja sogar der Fürst des Bundes, wörtlich: „und die überströmenden Heere werden vor ihm untergehen und zerschlagen werden, und auch die Fürsten des Bundes“; das heißt, selbst wenn die Menschen mit großen Heeren gegen ihn vorgehen würden, würden seine eigenen Streitkräfte, die noch stärker sind, sie besiegen, so dass nicht nur seine Feinde, sondern auch seine Verbündeten seine schwere Hand spüren würden; denn seine Idee war es, der alleinige und einzige Herrscher über das gesamte Reich zu sein. V. 23. Denn nachdem er sich mit ihm verbündet hat, nachdem er einen besiegten Feind dazu gebracht hatte, seine Bedingungen zu akzeptieren, wird er betrügerisch vorgehen und weitere kluge Tricks anwenden; und wird mit wenig Volk heraufziehen und stark werden, wobei seine kleinere Streitmacht für seine Zwecke ausreicht, weil er sie so geschickt eingesetzt hat. V. 24. Unversehens wird er, während niemand erwartet, dass er so schnell handelt, in die fettesten Orten einer Provinz kommen, wo der größte Reichtum zu finden war; und wird das tun, was seine Väter nicht getan haben und auch nicht seine Vorväter, und weicht von den humaneren Praktiken seiner Vorgänger ab; und wird Beute, Raub und die Reichtümer unter ihnen verteilen, indem er die von ihm gemachte Beute verschwendet und die Provinzen verarmen lässt; und er wird seine Pläne gegen die Festungen schmieden, doch nur für eine gewisse Zeit, nämlich bis die in den Ratschlüssen Gottes festgelegte Zeit erreicht ist.

    V. 25. Und er wird seine Macht und seinen Mut gegen den König des Südens mit einem großen Heer aufbringen, indem er all seine Energie aufbringt und seinen großen Reichtum für einen erfolgreichen Feldzug einsetzt; und der König des Südens wird zum Kampf mit einem sehr großen und mächtigen Heer ziehen, um die Invasion abzuwehren; aber er wird nicht standhalten, denn es werden Pläne gegen ihn geschmiedet, und seine eigenen Verbündeten werden Verrat begehen, um dem Eindringling zu helfen. Dies erfüllte sich, als Antiochus Epiphanes Philometor von Ägypten stürzte, wobei einige seiner engsten Berater sich auf die Seite des Feindes schlugen. V. 26. Und diejenigen, die seine Speise essen, werden ihn vernichten, und selbst die Mitglieder des ägyptischen Königshauses, die Minister des Königs, werden sich eines solchen Verrats schuldig machen, und seine Armee wird auseinanderlaufen, ohne jedoch etwas für ihn zu erreichen, und viele werden erschlagen. V. 27. Und die Herzen dieser beiden Könige werden darauf aus sein, Unheil zu stiften, indem sie Freundschaft vortäuschen und so versuchen, einander zu schaden, und sie werden an einem Tisch Lügen reden, wobei all ihre Beteuerungen, einander zu schätzen, nur erfunden sind, um Politik zu betreiben; aber es wird nicht gelingen, und keinem wird es gelingen, die besonderen Pläne, die er bei diesem Treffen im Sinn hatte, umzusetzen, von denen in der weltlichen Geschichte keine Berichte zu finden sind; denn das Ende wird zum festgelegten Zeitpunkt kommen. Die Prophezeiung blickt auf die Zeit, in der die Unterdrückung, die diese Könige durch die Misshandlung der Kinder des Volkes Gottes ausüben, ihren Höhepunkt erreichen wird, aber nebenbei bemerkt, wird mit dem Sturz dieser Feinde auch ihre Unterdrückung ein Ende haben. V. 28. Dann wird er, der König des Nordens, mit großem Reichtum in sein Land zurückkehren, mit viel Beute, die hauptsächlich in Ägypten erbeutet wurde; und sein Herz wird gegen den heiligen Bund gerichtet sein, gegen die göttliche Einrichtung der jüdischen Theokratie, das jüdische Volk in seinem Land, das zu dieser Zeit die sichtbare Kirche Gottes darstellt; und er wird es vollbringen und in sein eigenes Land zurückkehren, seine bösen Absichten durch verschiedene Gräueltaten zu verwirklichen, während er durch Judäa marschiert, wie in den Büchern der Makkabäer berichtet wird. Vers 29. Zur bestimmten Zeit wird er wieder nach Süden ziehen, in einem weiteren Feldzug gegen Ägypten und die ihm tributpflichtigen Länder; aber es wird beim zweiten Mal nicht geraten wie beim ersten Mal, das heißt, die Triumphe der anderen Expeditionen wurden nicht wiederholt. Vers 30. Denn die Schiffe der Kittim werden gegen ihn kommen, eine Flotte, die aus der Richtung Zyperns kommt, das heißt aus dem Westen, in diesem Fall eine römische Gesandtschaft mit einer Reihe von Schiffen, wobei die römischen Abgesandten in Alexandria an Land gehen, um den syrischen König daran zu hindern, Ägypten zu erobern; darum wird er verzagen und umkehren, seine Schritte in Enttäuschung und Wut zurückverfolgen, weil er in seinem Vorhaben vereitelt wurde. Dann wird er gegen den heiligen Bund ergrimmen und es ausführen, seinen Groll an Judäa auslassen und seinen Unmut in Raub- und Plünderungsaktionen ausleben. Er wird umkehren und sein Augenmerk auf die richten, die den heiligen Bund verlassen, d. h., er beobachtete solche Abtrünnigen von der jüdischen Religion, er richtete seine Aufmerksamkeit auf sie, machte sie zu seinen Favoriten und etablierte mit ihrer Hilfe eine götzendienerische Religion.

    V. 31. Und Heere von ihm werden dastehen, von ihm entsandte Streitkräfte, und sie werden das Heiligtum, die Bergfeste, den Tempel, als Festung des Herrn, entweihen und das tägliche Opfer abschaffen und den Greuel der Verwüstung aufstellen, wobei es sich um einen Altar des Götzendienstes handelt, der auf dem Brandopferaltar des Herrn errichtet wurde. „Auf seinem Heimweg aus Ägypten schickte Antiochus Apollonius mit 20.000 Mann, um Jerusalem zu zerstören, zwei Jahre nachdem er es selbst eingenommen hatte. Apollonius tötete eine große Menschenmenge, zerstörte die Stadt und plünderte sie. Die Soldaten stürmten dann von einer Festung aus, die sie mit Blick auf den Tempel errichtet hatten, auf die Anbeter zu und töteten sie, sodass der Tempeldienst eingestellt wurde. Außerdem verfügte Antiochus, dass sich alle unter Androhung der Todesstrafe der griechischen Religion anschließen sollten, und der Tempel wurde dem Jupiter Olympus geweiht. Antiochus identifizierte sich mit diesem Gott und wollte mit fanatischem Hochmut seine eigene Anbetung universell machen.“ V. 32. Und diejenigen, die sich boshaft gegen den Bund verhalten, nämlich die abtrünnigen Juden, wird er durch Schmeicheleien zum Abfall verleiten, indem er sie durch schmeichelhafte Versprechungen von irdischem Gewinn und weltlichen Vorteilen zur Rückkehr zum Heidentum verleitet. Aber das Volk, das seinen Gott kennt, wird stark sein und danach handeln, das heißt, es würde all seinen Schmeicheleien widerstehen und am Bund festhalten. V. 33. Und die Verständigen im Volk, die den Herrn kennen und in seiner Furcht wandeln, werden viele unterweisen und sich alle Mühe geben, sie auf dem richtigen Weg zu halten; doch sie werden durch Schwert und Flamme, durch Gefangenschaft und Plünderung fallen, eine Zeitlang. Diese Worte prophezeien offensichtlich den Aufstand zur Zeit der Makkabäer, als die Gläubigen unter den Juden, obwohl sie selbst große Verluste erlitten, ihre Unterdrücker besiegten. V. 34. Und wenn sie fallen, indem sie sich für ihre religiösen Grundsätze opfern, wird ihnen eine kleine Hilfe geschehen, denn das theokratische Königreich wurde durch ihre Bemühungen erhalten; aber viele werden sich ihnen nur heuchlerisch anschließen und sich heuchlerisch der siegreichen Partei der Juden anschließen, um sich selbst zu retten. V. 35. Und einige von den Verständigen werden fallen, der Tod und verschiedene damit einhergehende Leiden fordern ihren Tribut, damit sie bewährt, rein und lauter werden, bis zum Ende der Zeit, denn all diese Leiden würden als Prüfungen dienen, um das Kleid vom reinen Metall zu trennen, denn es ist noch eine Zeit bestimmt, das heißt, die Zeit der Trübsal würde sich bis dahin erstrecken. Wenn die Feinde also versuchen, den Gläubigen Schaden zuzufügen, tragen sie nur zur Reinigung des Volkes Gottes bei, in dem großen Prozess, das Echte vom Falschen, das Heuchlerische vom Wahren zu trennen. Es ist leicht zu erkennen, dass die gesamte Beschreibung der Karriere von Antiochus Epiphanes zeigt, dass er ein erbitterter Gegner des wahren Gottes war. Indem der Faktor Zeit, der für prophetische Äußerungen typisch ist, ignoriert wird, widmet sich der folgende Abschnitt der Beschreibung des Antichristen, dessen Typus Antiochus war.

 

    Antiochus Epiphanes als Typos auf den Antichristen (11,36-12,1): V. 36. Und der König, der römische Antichrist, wie er von Antiochus Epiphanes vorhergesagt wurde, wird nach seinem Willen handeln und seine Macht und Autorität willkürlich durchsetzen; und er wird sich selbst erhöhen, im Stolz seines Herzens, und sich über jeden Gott erheben, indem er Götter jeder Art und Beschreibung arrogant und blasphemisch beiseiteschiebt, und wird greuliche Dinge gegen den Gott der Götter reden, indem er Aussagen macht, die über das vernünftige Verständnis hinausgehen die für einen normalen Menschen unerklärlich wären, und wird Erfolg haben, bis der Zorn vollendet ist, bis der Zorn Gottes über sein Volk voll und ganz ausgeführt ist, bis seine Strafe ihren Zweck erfüllt hat; denn was beschlossen ist, wird geschehen, es kann nicht widerrufen werden, es muss ausgeführt werden. V. 37. Weder wird er den Gott seiner Väter achten, wodurch er mit der wahren Anbetung seines Volkes, dem angemessenen Gottesdienst, wie er in der christlichen Kirche bestand, bricht, noch das Verlangte der Frauen, indem er die natürliche Neigung des Mannes zur Frau, die vom Schöpfer in die Geschlechter eingepflanzt wurde, leugnet und ablehnt, noch irgendeinen Gott achten, da es für ihn charakteristisch ist, dass er jede Ehrfurcht und jedes natürliche Gefühl, einschließlich des natürlichen Wissens über Gott, beiseiteschiebt; denn er wird sich über alles, sowohl Göttliches als auch Menschliches, in herausfordernder, hochmütiger Arroganz erheben. V. 38. An ihrer Stelle wird er den Gott der Festungen ehren, wörtlich: „und den Gott der Festungen an seiner Stelle wird er ehren“, das heißt, er würde den Krieg, die Anwendung von Gewalt, zu seinem Gott machen und seine Macht durch Gewalt ausdehnen; und einen Gott, den seine Väter nicht kannten, wird er mit Gold, Silber und Edelsteinen und Kleinodien, dem kostbarsten Schmuck, ehren und all seinen Reichtum für die Erreichung seiner Ziele, für die Ausbreitung seiner Macht, opfern. V. 39. Er wird mit Hilfe eines fremden Gottes gegen die befestigten Orte vorgehen, d. h. er wird einen bestimmten Kurs gegen sie verfolgen; denen, die ihn anerkennen, wird er große Ehre erweisen; und er wird sie über viele herrschen lassen und das Land zum Lohn austeilen, als Belohnung für diejenigen, die seine Ansprüche akzeptieren. Dies war schon immer die Politik der Männer, die auf dem Thron des Antichristen saßen, ihre Handlanger mit der Beute zu belohnen, die sie durch ihre politischen Intrigen erlangt hatten. V. 40. Und am Ende, nämlich in der gegenwärtigen Weltzeit, während der messianischen Ära, wird der König des Südens mit ihm zusammenstoßen, und der König des Nordens wird gegen ihn anstürmen mit Streitwagen und mit Reitern und mit vielen Schiffen, mit der Hilfe mächtiger Streitkräfte. Und er wird in die Länder eindringen, wobei der König des Südens seinen Feldzug mit aller Energie vorantreibt, und wird sie überschwemmen und überfluten. V. 41. Und er, nämlich der Antichrist, wird auch in das herrliche Land, das Land Israel, einfallen, und viele werden umkommen; aber diese werden seiner Hand entkommen: Edom und Moab und die Oberhäupter der Kinder Ammon, diese alten Feinde des Volkes Gottes, die stellvertretend für alle Kräfte stehen, die sich dem Herrn widersetzen, und daher von Anfang an Verbündete des Antichristen sind, die er nicht zu stürzen braucht. V. 42. Er wird seine Hand auch nach den Ländern ausstrecken, um sie in Besitz zu nehmen; und das Land Ägypten wird ihm nicht entrinnen. V. 43. Und er wird sich der Schätze aus Gold und Silber, deren Besitz schon immer eines der Hauptziele des Antichristen war, und aller Kostbarkeiten Ägyptens bemächtigen; und Libyer und Kuschiter [Äthiopier], die stellvertretend für die südlichsten Völker der Welt stehen, werden in seinem Gefolge sein. Wir haben hier in wenigen kühnen Strichen und in Begriffen, die den Feldzügen der antichristlichen Kräfte im dritten und zweiten Jahrhundert vor Christus entnommen sind, ein Bild des Antichristen in der Entwicklung seiner Macht. Obwohl er aufgrund des Abfalls der griechisch-orthodoxen Kirche und des Aufstiegs des Mohammedanismus vorübergehend Rückschläge erlitt, gelang es ihm dennoch, ein Land nach dem anderen zu unterwerfen, sodass seine Hochburgen auf der ganzen Welt zu finden waren. V. 44. Aber Gerüchte aus dem Osten, die das Ausmaß der orientalischen Abspaltung darlegten, und aus dem Norden, als die Ära der Reformation begann, werden ihn beunruhigen, denn was er anfangs für einen leeren Streit müßiger Mönche gehalten hatte, nahm bald alarmierende Ausmaße an; daher wird er mit großem Grimm ausziehen, um viele zu vernichten und zu verderben, in der Gegenreformation, durch die Inquisition und durch die Bemühungen der Jesuiten. V. 45. Und er wird seine Palastzeltes zwischen dem Meer und dem herrlichen heiligen Berg errichten, wörtlich: „zwischen den Meeren, gegenüber dem Berg der Herrlichkeit [oder des Schmuckes] der Heiligkeit“, so dass sein Palast als Rivale des alten Sitzes der Macht des Herrn inmitten seines heiligen Volkes gedacht war; aber dann wird es mit ihm zu Ende gehen, seine wahre Natur wird von zumindest einigen, die die Zeichen der Zeit lesen, aufgedeckt und erkannt werden, und niemand wird ihm helfen. Die Reformation versetzte dem römischen Antichristen einen Schlag, von dem er sich nie vollständig erholt hat, obwohl er seinen Betrugskampagne bis zum Ende der Zeit fortsetzen wird.

 

 

Geschichtlicher Hintergrund von Daniel 11

Verse:

 

2 b       Persische Könige:

            558-530 Kyrus            423-404 Darius II.

            530-522 Kambyses      404-359 Artaxerxes II

            522-486 Darius I.            359-338/337 Artaxerxes III.

            486-465 Xerxes I.            338/7-336/5 Arses

            465-423 Artaxerxes I.   336/5-330 Darius III.

            480 : Seeschlacht von Salamis

 

3.4          336-323 Alexander der Große von Mazedonien

 

5-20      323-175 vor Christi Geburt

5          323-283 Ptolemaios I. Legi von Ägypten

            320 Einnahme von Judäa und Phönizien

            312/01-198 Judäa ägyptisch

            305/4-281 Seleukos I. von Syrien: Seleukidenreich

6-9          261-246 Antiochus II. von Syrien

285-246 Ptolemaios II Philodelphios von Ägypten

252 Antiochus verstößt seine Frau Laodike und heiratet Berenike von Ägypten, Tochter

        des Ptolemaios

246 Mordanschlag Laodikes gegen Antiochus

246-226 Seleukos II., Sohn der Laodike, König von Syrien

246 Ermordung der Berenike und ihres Sohnes auf Betreiben Laodikes

246-221 Ptolemaios III. Euergetes von Ägypten: Laodikischer Krieg zwischen Ägypten und

               Syrien

10-12  226-223 Seleukos III. Soter von Syrien, wurde ermordet

222-187 Antiochus III. der Große von Syrien

221; 219; 218 Krieg Antiochus’ III. gegen Ägypten

219 Eroberung von Tyrus und Akko

218/17 Eroberung von Judäa

221-204 Ptolemaios IV. Philopator von Ägypten

217 Schlacht von Raphia: Ptolemaios besiegt Antiochus

204 Unruhen in Ägypten, Ptolemaios V. Eiphanes (-181)

13-17  Ägypten verliert endgültig Judäa an Syrien

201 syrische Invasion in Ägypten

198 Schlacht von Bunyas, Syrien siegt gegen Ägypten, Eroberung Sidons

194/193 Kleopatra von Syrien heiratet Ptolemaios V. von Ägypten; eine andere Tochter des

               Antiochus heiratet den König von Kappadozien; Laodike von Syrien heiratet Antio-

                chus von Syrien

18            Rom tritt auf gegen Antiochus von Syrien

            191 Schlacht bei den Thermopylen: Rom besiegt Antiochus

            190 Schlacht von Magnesia: Lucius Scipio besiegt Antiochus

            189 Friede von Apamea: Entmachtung Syriens

19            187 Antiochus wird bei der Plünderung des Tempels von Elam getötet

20            187-175 Seleukos IV. Philopator von Syrien; versucht, durch Heliodor Israel finanziel auszu-

                           saugen; Heliodor lässt schließlich Seleukos ermorden

 

21            175-164 Antiochus IV. Epiphanes, Bruder von Seleukos IV., der noch zwei Söhne, Demetrius und Antiochus, hatte

 

22-24  175-171:

            175 Hoherpriester Onias III abgesetzt, Jason Hoherpriester

            171 Onias III. ermordert; Jason abgesetzt, Menelaos Hoherpriester, Spaltung der Priesterschaft

 

25-28  170-168 6. syrischer Krieg gegen Ägypten

25-26  erster Feldzug: 169 Schlacht von Pelusium: Antiochus siegt, erobert Memphis, krönt sich zum

            König von Ägypten

            Aufstand in Alexandria, Ptolemaios VI. Abgesetzt

            171 Aufstand Jasons in Judäa, Blutbad des Antiochus in Jerusalem, Plünderung des Tempels

 

29-35  zweiter Feldzug im syrisch-ägyptischen Krieg: 168: Antiochus erobert Memphis; vor Alexan-

            dria zwingt ihn Rom zur Umkehr

            Antiochus lässt seine Wut an Israel aus und sucht, die griechenfreundliche Partei an sich zu

            Binden

            167 Appolonis plündert Jerusalem, tötet viele, legt Brände

            Verbot des täglichen Opfers, des Sabbaths, der jüdischen Feste, der Beschneidung, der Bibel

            Einführung des Bacchus-Festes

            Zeus-Altar im Tempeli

Kapitel 12

 

Die Not der Endzeit, Gottes Vergeltung und die Auferstehung der Gläubigen und der Gottlosen

 

    Die Erlösung des Volkes Gottes (V. 1-4): V. 1. Und zu dieser Zeit, am Ende des gegenwärtigen Weltzeitalters, wird Michael aufstehen, der große Fürst, der für die Söhne deines Volkes eintritt, als himmlischer Beschützer Israels, Kap. 10, 13. 21; und es wird eine Zeit der Not sein, der Trübsal und des Leidens für die Gläubigen geben, wie es sie noch nie gab, seit es Völker gibt, bis zu jener Zeit, dem Höhepunkt der Unterdrückung, die alle antichristlichen Kräfte über das geistige Israel gebracht haben. Und zu jener Zeit wird dein Volk, die wahren Gläubigen, erlöst werden, jeder, der im Buch verzeichnet ist, dessen Name im Buch des Lebens eingetragen war. Vgl. Offb. 13, 8. V. 2. Und viele, die im Staub der Erde schlafen, werden aufwachen, wörtlich: „Viele, eine große Menge derer, die im Staubland schlafen, werden aufwachen“, werden in der letzten Auferstehung zum Leben zurückkehren, die einen zum ewigen Leben und die anderen zur Schmach und ewigen Schande, dies ist die Teilung beim Jüngsten Gericht, die Gläubigen sind für den Himmel bestimmt, die Ungläubigen für die Hölle mit ihren Qualen. V. 3. Und die Verständigen, die wahren Lehrer des Volkes, werden leuchten wie des Himmels Glanz, in einer wunderbaren Verherrlichung, und die, die viele zur Gerechtigkeit weisen, indem sie sie inmitten der Trübsal der letzten Tage in Loyalität und Treue unterweisen, wie die Sterne für immer und ewig, wobei diese Aussage zu Recht auf das Werk der treuen Prediger des Evangeliums in diesen letzten Tagen der Zerstörung und des Abfalls angewendet wird.

    V. 4. Und du, Daniel, halte die Worte unter Verschluss und versiegle das Buch, damit sein Inhalt den Menschen vorerst nicht offenbart wird, bis zur Zeit des Endes, der gegenwärtigen messianischen Ära; viele werden es durchforschen, und so wird das Verständnis groß werden [nach der LXX: viele werden umherirren, und die Bosheit wird zunehmen]. Es ist allgemein wahr, dass das Wissen und die Auslegung der alten Prophezeiungen denen zuteil werden, die die heiligen Schriften sorgfältig durchforschen und dabei die Prophezeiung und die Erfüllung gewissenhaft vergleichen, wie es in den Anweisungen des Herrn angegeben ist. Vgl. Johannes 5, 39.

 

    Ein letztes ermutigendes Wort (V. 5-13): V. 5. Und ich, Daniel, sah, nachdem der Engel seine Botschaft beendet hatte, und siehe, da standen zwei andere, zwei weitere Engel neben dem, der zu ihm gesprochen hatte, der eine auf dieser Seite des Flussufers und der andere auf der anderen Seite des Flussufers, auf beiden Seiten des Tigris. V. 6. Und einer, nur einer dieser Engel, der als sprechend vorgestellt wird, sagte zu dem Mann, der in Leinen gekleidet war, der über den Wassern des Flusses stand und eine Position über dem Wasser einnahm: Wie lange soll es dauern, bis diese Wunder zu Ende sind? wörtlich: „Bis wann das Ende dieser wunderbaren Dinge?“ Das Ende ist die Zeit oder Ära des Messias mit allem, was darin geschieht. V. 7. Und ich hörte den Mann, der in Leinen gekleidet war, der über dem Wasser des Flusses war, als würde er dort thronen oder auf dem Wasser schwimmen, als er seine rechte und seine linke Hand zum Himmel erhob, in der Geste eines feierlichsten Schwurs, und bei dem schwor, der ewig lebt, bei dem einen ewig wahren Gott, dass es, die Zeit dieser wunderbaren Dinge: Eine Zeit und zwei Zeiten und eine halbe Zeit wird es dauern, wobei die Dauer der Zeitspanne der Dauer der Herrschaft des Antichristen entspricht, vgl. Kap. 7, 25; und wenn die Zerschlagung der Kraft des heiligen Volkes ein Ende hat, wenn die christliche Kirche aufgrund der Unterdrückung durch den Antichristen einen Punkt erreicht haben wird, der scheinbar kurz vor der Vernichtung steht, werden all diese Dinge vollendet sein, einschließlich der Befreiung des Volkes des Herrn durch den Engel Michael und alles andere, was in der großen Prophezeiung des Engels enthalten war. V. 8. Und ich hörte, verstand aber nicht, er begriff die Bedeutung der Ankündigung des Engels nicht; und ich sagte: Mein Herr, was wird das Ende dieser Dinge sein? Er wollte eine genauere Erklärung und Interpretation des Zeitraums, auf den Bezug genommen wurde, und der Abfolge der Ereignisse in dieser Zeit, denn er war sich dessen immer noch nicht sicher. V. 9. Und er sagte: Geh hin, Daniel, die Worte waren ermutigend, wenn auch in der Art einer Ablehnung; denn die Worte sind verborgen, völlig verschlossen und versiegelt bis zur Zeit des Endes, damit sie nicht verloren gehen oder verstümmelt werden in den kommenden Zeiten und bis zur messianischen Ära. V. 10. Viele werden gereinigt und geläutert und geprüft werden, die Zeit der Trübsal bringt die Fülle ihres Glaubens an ihren Herrn hervor; aber die Gottlosen werden gottlos handeln, indem sie ihre Augen und ihren Verstand absichtlich vor den Lektionen verschließen, die auch für sie bestimmt sind; und keiner der Gottlosen wird es verstehen, die Augen ihres Verstandes werden durch ihre eigene Schuld geblendet; aber die Verständigen werden es verstehen, denn sie würden die Zeichen der Zeit richtig lesen und deuten. V. 11. Und von der Zeit an, da das tägliche Opfer abgeschafft, vgl. Kap. 11, 31, und der Greuel der Verwüstung aufgestellt wird, in der von Antiochus Epiphanes eingeführten Abgötterei, dem Antitypus des Antichristen, sind es 1290 Tage, eine Zeitspanne, deren Dauer in menschlichen Tagen und Jahren nicht genau bestimmt werden kann. V. 12. Gesegnet ist, wer wartet und die 1335 Tage erreicht, offensichtlich das Ende der großen Prüfung, die die Treue der Kinder des Herrn auf die Probe stellen soll. V. 13. Du aber gehe hin, dem Ende entgegen, und erwarte ruhig den Tod als Befreiung von allen gegenwärtigen Leiden. Und du wirst ruhen, im Frieden des Grabes, und am Ende der Tage zu deinem Los aufstehen, im Besitz des Erbes der Heiligen im Licht, Kol. 1, 12, dessen Genuss er mit all jenen teilen wird, die wie er dem Herrn bis zum Ende treu sind. Gesegnet sind alle, die in diesem Geist ruhiger Hoffnung und sicheren Vertrauens auf die Verheißung Gottes ihrem Tod entgegensehen!

 



A Entnommen aus: Walch, Bd. 6. Nachdr. der 2., überarb. Aufl. Groß Oesingen: Verlag der Lutherischen Buchhandlung Heinrich Harms. 1987. Sp. 896-917

B Erlanger: „Abgötter“. Die Weimarsche bietet „Abgötterei“, und Freder übersetzt: et cultus idolatricos substituit.

C Statt dieses Absatzes findet sich in der Ausgabe von 1530 und in der ersten vollständigen Bibelausgabe von 1534 Folgendes: Und trifft die Rechnung mit zu. Denn von demselben Befehl oder Wort, so durch Haggai ausging, bis auf Christi Taufe, da er sein Amt annahm und sein Reich oder neues Testament anfing (wie ihn der Engel hier einen Fürsten beschreibt), sind beiläufig 483 Jahre, welche manchen dieser Wochen 69, davon der Engel hier spricht: „Bis auf Christus, den Fürsten, sind sieben Wochen und 62 Wochen“, das sind 69 Wochen. Die Rechnung steht so: Nach dem zweiten Jahr des Darius, bis auf den großen Alexander, sind 145 Jahre, wie Metasthenes schreibt. Von Alexander bis auf Christi Geburt 311 Jahre, wie die Geschichten zeugen. Von Christus Geburt, bis zu seiner Taufe, 30 Jahre, Luk. 3,23. Das alles zusammen macht 486 Jahre, das sind die 69 Wochen. Drei Jahre sind übrig, die muss man in die Rechnung schlagen, darum, dass in solchen Rechnungen und Historien oft geschieht, dass ein  halbes Jahr ein ganzes Jahr genannt wird. Man kann nicht alle Tage und Stunden so genau treffen und fassen, wenn man Geschichten schreibt; [es] ist uns gar genug, dass man’s so nahe trifft, besonders weil wir so gewisse Schrift von der Hauptsache haben. Von dieser Meinung sind nicht weit, die solche 70 Wochen ansahen am 20. Und letzten Jahr des Kambyses, des Darius Vater, welcher ließ Nehemia ziehen, Jerusalem zu bauen, Neh. 2,6. Denn das 20. Jahr des Kambyses ist zwei Jahre vor des Darius zweitem Jahr gewesen. Wenn aber ein großes Ding geschieht innerhalb von drei Jahren, muss man’s doch zusammenfassen, wie ein Jahr oder einerlei Zeit, und sagen: Es geschah um die oder die Zeit, gleichwie man hier sagen muss: Das Wort Gottes ging aus, dass Jerusalem sollte gebaut werden, im zweiten Jahr des Darius, um die Zeit, da Nehemia von Kambyses kam und Jerusalem zu bauen anfing. Usw. Denn es war ein großes Ding und von vielen angefangen, auch von den Engeln selbst getrieben, Sach. 1,13, und doch nicht von allen zugleich auf Einen Tag oder Stunde.

D In der Ausgabe von 1530: „Weiter teilt der Engel diese 70“ usw.

E Statt dessen, was in diesem Absatz folgt, hat die Ausgabe von 1530: „Hierher stimmt, da die Juden zu Christus sprechen Joh. 2,20: Dieser Tempel ist in 46 Jahren gebaut, und du willst ihn in drei Tagen bauen? Darnach über 62 Wochen (spricht er) soll Christus getötet werden.“

F Statt der §§ 33-37 findet sich in der Ausgabe von 1530 und in der ersten vollständigen Bibelausgabe von 1534 Folgendes: Hier zeigt er an, was geschehen soll, wenn diese 69 Wochen um sind und Christus angefangen hat, nämlich, Christus soll gekreuzigt (welches ist geschehen im vierten Jahr nach den 69 Wochen, und nach seinem Anfang) und die Stadt Jerusalem soll darüber endlich zerstört werden, und das Judentum ein Ende haben (welches ist durch die Römer hernach geschehen). Die Eine und letzte Woche, das ist, sieben Jahre, ist die Zeit, so nach den 69 Wochen folgt, in welcher (wie gesagt ist) sollte Christus getötet werden. Und das ist so zugegangen (spricht er): „Er wird den Bund vielen leisten eine Woche.“ Denn die Predigt Christi ging dieselben sieben Jahre mächtig, beide durch Christus selbst ins vierte Jahr, und hernach durch die Apostel, und verkündigte ihnen die verheißene Gnade. Und mitten in derselben Woche, das ist, im vierten Jahr nach Christi Taufe, ward er getötet. Und da fiel das Opfer, das ist, durch Christi Tod, der das rechte Opfer ist, ward das jüdische Opfer und Gottesdienst aufgehoben. Darnach ward von den Römern und Kaiser Cajo Caligula in den Tempel ein Abgott gesetzt (wie er hier sagt), zum Zeichen, dass [es] aus sein sollte mit dem Tempel und Judentum.

G Luther hatte versehentlich „Nicanor“

[1] Concordia Bible Class, Mai 1919, 76-78; Fürbringer: Einleitung in das Alte Testament, 74-78

[2] Vgl. Wilson, Studies in the Book of Daniel, 58

[3] Wilson, Studies in the Book of Daniel, 144. 145

[4] Vgl. Lehre und Wehre, Bd. 59 (1913), 49 ff.

H Zugabe durch den Hrsg.

i Zugabe durch den Hrsg.