(entnommen
aus: Roland Sckerl: Apologetischer Katechismus)
86.
Ist es nicht eigentlich gleichgültig, bestenfalls eine literarische Frage, wer
diese Bücher geschrieben hat?
Nein, keineswegs, denn an nicht wenigen
Stellen im Neuen Testament, und auch schon im Alten Testament, wird
ausdrücklich Mose als der Schreiber dieser fünf Bücher angegeben. Wer also
etwas anderes behauptet, stellt sich ausdrücklich gegen die Lehre des Heiligen
Geistes in der Bibel: Jos. 1,7-8; 8,31.32; 1. Kge 2,3; 2. Kge 14,6;
21,8; Esra 6,18; Neh. 13,1 (nimmt Bezug auf 5. Mose 23,3); Dan. 9,13
(bezieht sich auf 5. Mose, Segen und Fluch); Mal. 3,22 (nimmt Bezug auf 2. Mose
20,1 ff.); Matth. 8,4; Mark. 1,44; Luk. 2,22 (mit
Bezug auf 3. Mose 14,2); Matth. 19,7 (mit Bezug auf
5. Mose 24,1); Matth. 22,24; Mark. 12,19; Luk.
20,28 (mit Bezug auf 5. Mose 25,5); Mark. 7,10 (mit Bezug auf 2. Mose 20,12
f.); Mark. 12,26; Luk. 20,37 (mit Bezug auf 2. Mose 3,6); Joh. 7,22
(mit Bezug auf 1. Mose 17,10 ff.); Apg. 3,22 (mit Bezug auf 5. Mose 18,15 f.);
Röm. 9,15 (mit Bezug auf 2. Mose 33,19); Röm. 10,5 (mit Bezug auf 3.
Mose 18,5); Röm. 10,19 (mit Bezug auf 5. Mose 32,21); Hebr. 8,5 (mit
Bezug auf 2. Mose 25,40) (kursive Stellen geben direkt die Schreiberschaft
Moses an).
Auch im Pentateuch selbst gibt es Zeugnisse
für eine Schreiberschaft Moses: 2. Mose 17,14; 24,4.7;
34,27; 4. Mose 33,1-2; 5. Mose 31,9.11.[1]
87.
Aber deutet nicht schon 1. Mose 2,4b mit der Voranstellung der Erde und des
Himmels auf zwei verschiedene Schöpfungsgeschichten, mithin auch auf zwei
verschiedene Quellen hin?
Das ist zwar eine Argumentation, wie sie
schon in rabbinischer Exegese auftaucht, die von der Bibelkritik begierig
aufgegriffen wurde, aber darum ist sie dennoch nicht richtig. Der Grund ist
vielmehr ein inhaltlicher: Während 1. Mose 1 einen Gesamtüberblick über die
Schöpfung gibt, richtet 1. Mose 2 das Augenmerk auf die Erde und das, was sich
auf ihr abspielt. Die Aussagen in Kap. 2 bilden dabei wiederum die Grundlagen
für das, was in Kap. 3 geschieht, wenn in Kap. 2 von der Erschaffung des
Menschen, von dem Garten Eden und dem Gebot an Adam die Rede ist.[2]
Dabei bildet z.B. das erste Buch Moses in
sich eine Einheit: Auf die Schöpfung folgen die verschiedenen Fortpflanzungen,
immer aufeinander aufbauend.
88.
Aber gibt es nicht immer wieder Wiederholungen, die andeuten, dass da
verschiedene Quellen zusammengefügt wurden?
Die Übereinstimmungen, die in Kap. 5-6 mit
Kap. 1 gefunden werden, betreffen aber nicht nur die sogenannte Quelle P,
sondern ebenso auch Stücke, die der Quelle J zugeschrieben werden. Außerdem ist
es durchaus der hebräischen Redeweise gemäß, Dinge wieder aufzugreifen, die
vorher schon berichtet wurden, um dann von ihnen aus weiterzuführen. Es ist
dies also die Art, den Faden wieder aufzunehmen, um dann in eine neue Richtung
weiter zu gehen. Wenn etwa behauptet wird, dass Kap. 5,29 ein Einschub eines
Redaktors sei, um eine Verbindung zu Kap. 3 herzustellen, so ist zu bedenken,
dass V. 29 unbedingt in den Zusammenhang gehört, denn das gesamte Kapitel läuft
auf Noah zu.[3]
89.
Aber weisen nicht die außergewöhnlich hohen Zahlen für das Alter der frühen
Generationen auf eine eher bildhafte, mythische Sprache hin?
Keineswegs. Die Lebenskraft der Menschen
war noch nicht erschöpft. Das ist das Eine, was zu bedenken ist. Das andere ist
dies: Gott wollte ja die Erde bevölkern. Darum waren hohe Alter nötig, damit
die Menschen viele Kinder haben konnten. Außerdem dienten diese hohen
Lebensalter einer genauen Überlieferung.[4]
90.
Gibt es denn nicht völlig unterschiedliche Stile in den fünf Büchern?
Das ist völlig richtig, aber jeweils im
Inhalt her so gefordert, ob es sich um historische Darstellung, um Listen, um
Predigten handelt oder um Gesetze.[5]
91.
Und wie steht es mit den unterschiedlichen Gottesnamen?
Sie taugen sehr wenig für eine sogenannte
„Quellenscheidung“, vor allem, da die Septuaginta in 180 Fällen, wie
festgestellt wurde, einen unpassenden Gottesnamen verwendet hat.[6]
Selbst bibelkritische Theologen sind vielfach der Ansicht, dass eine
Literaturgeschichte als Entwicklungsfolge schriftlicher Urkunden gescheitert
sei. Die Quellenscheidung wird etwa von Gunkel als künstlich und
geschichtsverfälschend angesehen.[7] Wenn
man die parallelen Kulturen des alten Orients betrachtet, so kann man
feststellen, dass sie alle mehrere Namen für ihre oberste Gottheit hatten –
warum sollten die Israeliten nicht auch unterschiedliche Gottesnamen haben?
Außerdem ist der jeweilige Gebrauch des einen oder anderen Namens vom
Situationskontext her bedingt. So steht Elohim vor allem für den allmächtigen
Schöpfer des Universums, des HERRN der Natur. Jahwe dagegen ist mehr der
Bundesname Gottes, der daher vor allem im Zusammenhang mit einem Bund genannt
wird[8]
Die vergleichende Literatur des alten
Orients hat auch einige Grundvoraussetzungen der Formgeschichte in Frage
gestellt, etwa die, dass kurze Fragmente die ursprüngliche Form seien.[9] Da
außerdem z.B. die Priesterschaft die Authentizität des im Tempel zu Zeit Josias
gefundenen Gesetzes nicht anzweifelte, wird deutlich, dass z.B. das 5. Buch
Mose schon zu Josias Zeiten ein sehr altes Buch war[10]
92.
Welche Argumente gibt es denn sonst noch dafür, dass Mose der Schreiber ist?
Da ist zunächst dies, dass der gesamte
Pentateuch eine literarische Einheit darstellt, aus fünfmal zwei
Teilabschnitten, d.h. jedes der fünf Bücher ist in zwei Teile zu unterteilen.
Dabei ist die Mitte tatsächlich im dritten Buch mit dem großen Versöhnungstag
mitten im reinen Gesetzesbuch (3. Mose), während alle anderen vier Bücher
Geschichte und Gesetz umfassen.[11]
Viele der geographischen Angaben sind so
gehalten, dass sie davon ausgehen, dass die unmittelbaren, ersten Leser die
entsprechenden Orte kennen. Überhaupt wird immer wieder auch Ägypten als
Vergleichsort genannt, was eine Bekanntheit mit Ägypten voraussetzt. Das Land
Kanaan wird dagegen eher wie ein fremdes Land dargestellt.[12]
Das Buch Josua setzt an verschiedenen
Stellen den Pentateuch voraus, z.B. Jos. 23,6; ebenso das Buch Richter.[13].
Auch im Nordreich finden sich wichtige
Spuren des Pentateuch, etwa in den – nachäffenden –
religiösen Veranstaltungen. Dann aber auch bei den dort wirkenden Propheten Hosea und Amos. Das zeigt an, dass der Pentateuch also
bereits zur Reichsteilung existierte.[14]
Christus hat sich eindeutig zum
alttestamentlichen Kanon bekannt, etwa in Luk. 11,51; Luk. 24 und Matth. 23, ohne sich in irgendeiner Weise dem Zeitgeist
anzupassen[15].
Die fünf Bücher Mose sind eine Einheit und
so auch immer überliefert worden. Die Vertreter der „Quellenscheidungstheorie“
sind sich untereinander auch keineswegs einig, eben weil sie willkürlich
trennen und aufteilen.[16]
Der Bericht des Auszuges enthält
Einzelheiten, wie sie nur von einem Augenzeugen oder Teilnehmer stammen können,
Informationen, die einem Verfasser späterer Jahrhunderte nicht zugänglich
gewesen wären, etwa die genaue Zahl der Wasserquellen 2. Mose 15,27 und der
Palmbäume, die in Elim waren. 4. Mose 11,7-8 schildert das Aussehen und den
Geschmack des Mannas.[17]
Den Schreiber von 1. und 2. Mose
kennzeichnet eine gründliche Kenntnis Ägyptens, einschließlich ägyptischer
Namen. Überhaupt kommen dort mehr ägyptische Begriffe vor als sonst im Alten
Testament. Außerdem gibt es eine große Anzahl von Spracheigentümlichkeiten und
Redewendungen, die eindeutig ägyptischen Ursprungs sind, wie Abraham S. Yahuda festgestellt hat. Auch eine Vertrautheit mit
ägyptischen Bräuchen, Religion, Hofleben, Beamtentum werden deutlich, wie Garrow Duncan hervorhebt.[18]
Der Schreiber der Thora, also der fünf
Bücher, vertritt eine Ansicht, die von außerhalb Kanaans kommt. So sind etwa
Bezeichnungen für Jahreszeiten oder das Klima ägyptisch, nicht kanaanitisch,
ähnlich steht es mit der erwähnten Flora und Fauna.[19]
Der Schreiber ist außerdem sehr gut bekannt
mit der Geographie Ägyptens und des Sinai, während die Geographie Kanaans, auch
im 1. Mose, nur wenig vorkommt, und wenn, dann im Vergleich mit Ägypten (1.
Mose 13,10).[20]
Gerade im 1. Buch Mose begegnen wir
Bräuchen, die für das 2. Jahrtausend vor Christus nachgewiesen sind, aber nicht
bis in das 1. Jahrtausend hineinreichten, etwa den Brauch, mit den Mägden
eheliche Kinder zu zeugen; die Gültigkeit eines mündlichen Testaments auf dem
Sterbebett; die Bedeutung des Besitzes des Familien-Terafim
für das Erbrecht; die Verhandlung Abrahams über den Erwerb der Höhe Machpela.[21]
93.
Was spricht sonst noch gegen die Quellenscheidung?
Die Quellenscheidungstheorie geht ja von der
Grundannahme aus, dass die Bibel nicht inspiriert ist, es keine übernatürliche
Offenbarung gibt – damit wird von vornherein die Aussagekraft der Schrift
eingeschränkt und eine objektive Auseinandersetzung mit der Bibel unmöglich.[22]
Ihre Vertreter widersprechen sich immer
dann, wenn ihre Behauptungen, etwa dass bis zum Exil keinen schriftlichen
mosaischen Gesetzeskodex gegeben habe, eben durch die Teile, die sie der
„Priesterschrift“ zuordnen, widerlegt wird – und sie dann behaupten, dabei
handele es sich um spätere Einfügungen.[23]
Die Gesamtstruktur der Quellenscheidung
beruht ja auf Behauptungen, angeblichen Voraussetzungen, die man bei keiner
anderen Kultur, keinem anderen Volk machen würde, etwa dass ein hebräischer
Verfasser nur über einen Stil, nur über einen Gottesnamen, nur über einen
Begriff für eine Sache verfügt habe.
Ein weiteres Axiom, das willkürlich gesetzt
wurde, ist dies, dass immer dann, wenn Bibel und heidnische Umwelt, Bibel und
Wissenschaft sich widersprechen, man der heidnischen Umwelt oder der
Wissenschaft glaubt (die übrigens vieles von dem, was sie im 19. Jahrhundert
noch verwarf, inzwischen durch die Archäologie bestätigt hat) und behauptete,
die Religion Israels und auch die der Heiden seien alle Produkt einer Evolution
von animistischen Formen über primitiven Polytheismus zum Monotheismus, was
aber an keiner der Religionen nachweisbar ist.[24]
93a.
Aber hat Mose überhaupt schreiben können? Gab es zu seiner Zeit überhaupt schon
ein entsprechendes Alphabet?
Vielfach wird in der Wissenschaft ein dem
Hebräischen bzw. Althebräischen ähnliches Alphabet erst mit dem phönizischen
Alphabet um etwas nach 1.000 vor Christus gleichgesetzt. Aber das ist nicht
ganz korrekt. Denn bereits Flinders Petrie entdeckte mit seiner Frau in Ägypten
wesentlich ältere Schriften, die aufgrund verwandter Texte in das Mittlere
Ägyptische Reich zu datieren sind, und diese Schriften weisen eine dem
Semitischen sehr ähnliche Schrift auf, die aufgrund des ersten Fundortes auch
als proto-sinaitisch oder, aufgrund dessen, dass sie
dort später vielfach gefunden wurde, als proto-kanaanitisch bezeichnet wird.
Wissenschaftler wie Douglas Petrovich und David Rohl haben festgestellt, dass die dort gefundenen
Buchstaben sich durchaus als mit dem Hebräischen verwandt erkennen und
entsprechend lesen lassen (wenn die beiden auch zu unterschiedlichen
Textergebnissen kommen). Da diese Schrift erstmals im Zeitraum des Mittleren
Reiches, und zwar zur Zeit Amenemhats III.
aufgetaucht ist, zu dessen Zeit auch eine schwere Hungersnot von sieben bis
zehn Jahren stattfand, die wiederum durchaus mit derjenigen, die Joseph
vorhersagte, übereinstimmen kann und diese Zeit auch die Zeit war, in der
Joseph in Ägypten war, ist es also durchaus möglich, wohl sogar wahrscheinlich,
dass es sich bei der dort gefundenen Schrift um so etwas wie ein Urhebräisch
handelt, als dem ersten Alphabet überhaupt, das Mose, der sowohl Hebräer als
auch unterwiesener Prinz von Ägypten war, gekannt haben und daher auch
verwendet haben dürfte. Interessanterweise taucht dieses Alphabet zu späterer
Zeit in Ägypten nicht mehr auf, dafür aber in Kanaan und dann, etwa zu Zeit
Salomos, in Phönizien (auf einem Sarkophag eines Königs Ahiram,
ein Name, der sehr deutlich erinnert an den Hiram von Tyros, mit dem Salomo in
engem Kontakt stand). Es könnte also durchaus sein, dass durch die Beziehung
Salomos zu Hiram von Tyros das hebräische Alphabet zu den Phöniziern kam (von
denen es dann später die Griechen übernahmen). Das ist auch das, was der jüdische
Historiker Eupolemus im 2. Jahrhundert vor Christus
schrieb: Dass die Hebräer zuerst das Alphabet hatten, es dann an die Phönizier
weitergaben und die an die Griechen.[25]
[1] vgl. dazu auch:
Gleason L. Archer jr.: Einleitung in das Alte Testament. Bad Liebenzell: Verl.
der Liebenzeller Mission. 1987. Bd. 1. (TELOS-Bücher. 1806.) S. 136 f.
[2] Vgl. Hans Möller:
Der Anfang der Bibel. 3., bearb. Aufl. Zwickau: Concordia-Verlag. 1997. S. 27;
Archer, a.a.O., S. 161
[3] Vgl. Hans Möller,
a.a.O., S. 50; Archer, a.a.O., S. 134. 161. 167 f.
[4] Vgl. Hans Möller,
a.a.O., S. 51
[5]
Vgl. Wilhelm
Möller: Grundriss für Alttestamentliche Einleitung. Berlin: Evangelische
Verlagsanstalt. 1958. S. 110 f.
[7] Vgl. ebd. S. 116 f.
[8] Vgl. ebd. S. 150 f.
153
[9]
Vgl. ebd. S.
118
[10]
Vgl. ebd. S.
125
[11] Vgl. Wilhelm
Möller, a.a.O., S. 108
[12] Vgl. ebd. S. 114 f.
[13] Vgl. ebd. S. 117
ff.
[14] Vgl. ebd. S. 118 f.
[15] Vgl. ebd. S. 372.
375
[16]
Vgl. Hans
Möller: Alttestamentliche Bibelkunde. 2., durchges.
Aufl. Berlin: Evangelische Verlagsanstalt. 1989. S. 17-18
[17] Vgl. Archer,
a.a.O., S. 138
[18] Vgl. ebd. S.
138-142
[19] Vgl. ebd. S. 143
[20] Vgl. ebd. S. 144
[21] Vgl. ebd. S. 145 f.
[22] Vgl. ebd. S. 130 f.
[23] Vgl. ebd. S. 131
[24] Vgl. ebd. S. 132 f.
Gerade W.F. Albright hat bei seiner Forschung gerade auch das Ziel gehabt, die
Glaubwürdigkeit der Bibel durch archäologische Entdeckungen zu untermauern.
[25] Vgl. dazu
den Film: Die Mose-Kontroverse (Timothy Mahoney:
Patterns of Evidence II). Düsseldorf: inner cube