Evangelienpredigten (Lutherpredigten, Hauspostille):

 

Evangelienpredigt zum ersten Adventssonntag ueber Matthaeus 21,1-9: Jesu Einzug in Jerusalem

 

Evangelienpredigt zum ersten Adventssonntag ueber Matthaeus 21,1-9: Jesu Einzug in Jerusalem

 

Matthäus 21,1-9: Da sie nun nahe an Jerusalem kamen nach Bethphage an den Ölberg, sandte Jesus seiner Jünger zwei und sprach zu ihnen: Geht hin in den Flecken, der vor euch liegt, und bald werdet ihr eine Eselin finden angebunden und ein Füllen bei ihr.  Löst sie auf und führt sie zu mir! Und so euch jemand etwas wird sagen, so sprecht: Der HERR bedarf ihrer; sobald wird er sie euch lassen. Das geschah aber alles, auf dass erfüllet würde, was gesagt ist durch den Propheten, der da spricht: Sagt der Tochter Zion: Siehe, dein König kommt zu dir sanftmütig und reitet auf einem Esel und auf einem Füllen der lastbaren Eselin. Die Jünger gingen hin und taten, wie ihnen Jesus befohlen hatte, und brachten die Eselin und das Füllen und legten ihre Kleider darauf und setzten ihn darauf. Aber viel Volks breitete die Kleider auf den Weg; die andern hieben Zweige von den Bäumen und streuten sie auf den Weg. Das Volk aber, das vorging und nachfolgte, schrie und sprach: Hosianna  dem Sohn Davids! Gelobet sei, der da kommt in dem Namen des HERRN!  Hosianna in der Höhe!

 

    Die Juden hatten viele schöne und herrliche Verheißungen von dem Messias oder Christus, wie er auf die Erde kommen, ein ewiges Reich anrichten und sein Volk von allem Übel erlösen und ihm ewig helfen sollte; wie man denn in allen Predigten der Propheten sieht, dass sie über die Maßen herrlich von dem künftigen Reich Christi reden. Und solche Predigten sind bei den Juden sehr wohl bekannt gewesen. Aber da fanden sich falsche Prediger und fleischliche Lehrer, die das Volk auf diese Meinung führten, als sollte Christus mit weltlicher Pracht kommt, einreite, wie sonst weltliche Könige pflegen, wobei es alles auf das prächtigste und köstlichste zugeht; und er sollte dann aus den Juden in der Welt sehr große, gewaltige Fürsten und Regenten machen. Wie sie denn noch heute denken, wenn ihr Messias kommen werde,  so werden sie aller Welt Herren und die Heiden ihre Knechte sein. Auf solchen Messias oder Christus sehen sie noch, begehren den Messias, das ist, den HERRN Christus, nicht dazu, dass er sie von den Sünden und dem ewigen Tod erlösen sollte.

    Auf dass nun die Juden gewarnt und durch solche fleischlichen Lehrer nicht betrogen würden, so hat Gott durch den Propheten Sacharja lange zuvor lassen verkündigen: Christus werde nicht kommen als ein weltlicher König, mit großer Pracht und köstlicher Rüstung; sondern als ein armer Bettler werde er zu Jerusalem, in seiner Hauptstadt, auf einem Esel einreiten, wie denn die Geschichte des heutigen Evangeliums zeigt. Auf dass ja die Juden sich nicht entschuldigen könnten und sagen: Hätten wir’s gewusst, dass er so ein armer König sein sollte, wir wollten ihn angenommen haben. Denn solches hat ihnen der Prophet klar genug angezeigt, so lange Zeit zuvor. So ist die Geschichte auch öffentlich bei hellem Tag geschehen, dass Christus daher reitet auf einem geliehenen Esel, der weder Sattel noch anderes Gestell hat, und deshalb die Jünger ihre Kleider auf den Esel legen müssen, dass der arme König sich behelfen könne.

    Deshalb können sich die Juden keineswegs entschuldigen. Denn hier ist eine helle, klare Weissagung: Wenn Christus zu Jerusalem werde einreiten, so werde er nicht, wie sonst weltliche Könige, auf hohen Pferden, mit Harnisch, Spieß, Schwertern und Büchsen kommen, welches alles zum Ernst gehört und Macht anzeigt; sondern er werde kommen, wie es der Evangelist nennt, „sanftmütig“, oder wie der Prophet spricht, „arm und elend“. Als wollte der Prophet jedermann warnen und sprechen: Habt ja auf den Esel gute Acht und wisst, dass, der drauf kommt, der rechte Messias sei. Darum hütet euch und gafft nicht auf die goldene Krone, Samtkleider und goldene Stücke, noch auf eine große Rüstung. Denn Christus wird elend kommen, mit betrübtem und sanftmütigem Herzen, und auf einem Esel sich sehen lassen. Das ist alle seine Pracht und Herrlichkeit, die er bei seinem Einreiten nach Jerusalem vor der Welt führen wird.

    Die Weissagung nun veranlasst den HERRN zu diesem Einzug, und es ist ihm sehr viel daran gelegen gewesen. Deshalb befiehlt er auch den Jüngern die Sache so fleißig; und nicht bei Nacht, noch heimlich, sondern öffentlich, bei hellem, lichtem Tag, zieht er zu Jerusalem ein, nicht allein, sondern mit viel Volk, das vor- und nachgeht und ihm als dem rechten König und Sohn Davids zuschreit, wünscht ihm auch Glück und Heil zu seinem Königreich; dass also das ganze Jerusalem, solches Einzugs muss gewahr werden, den Esel und diesen armen König sehen und hören, von welchem Sacharja hatte geweissagt und die Juden gewarnt, dass sie sich an der armen Gestalt und dem bettlerischen Einzug nicht sollten ärgern; sondern sollten den Wahn fallen lassen, dass sie dachten, Christus würde mit weltlicher Pracht kommen. Er wird wohl ein König sein, spricht Sacharja, aber ein armer, elender König, der ganz und gar kein Ansehen eines Königs hat, wenn man ihn nach der äußerlichen Pracht rechnen und ansehen will, welche die weltlichen Könige und Fürsten vor der Welt führen.

    Dagegen aber, sagt Sacharja, wird dieser arme und bettlerische König eine andere Macht haben als sonst alle Könige und Kaiser haben, die jemals auf Erden gekommen sind, sie seien gleich so große und mächtige Herren gewesen, wie sie immermehr konnten sein. Denn er heißt Gerechter und Helfer. Nicht ein reicher, prächtiger, herrlicher König vor der Welt; sondern ein Gerechter und ein Heiland, der Gerechtigkeit und Seligkeit mitbringen und Sünde und Tod angreifen und ein Sündenfeind und Todesfeind sein soll, der allen denen von Sünden und ewigem Tod will helfen, die an ihn glauben und ihn als ihren König aufnehmen, und sich den armen, entlehnten Esel nicht ärgern lassen. Die solches tun, denen soll die Sünde vergeben sein und der Tod nicht schaden, sondern sie sollen das ewige Leben haben. Und ob sie schon leiblich einmal sterben und begraben werden, so soll es doch nicht ein Tod sein noch heißen, sondern nur ein Schlaf. Solches will der Prophet von diesem König uns lehren mit dem, dass er ihm diese zwei Namen gibt und heißt ihn gerecht und einen Heiland, der dem Tod die Zähne ausbrechen, dem Teufel den Bauch zerreißen und so uns, die wir an ihn glauben, von Sünde, Tod frei machen soll und unter die Engel führen, da ewiges Leben und Seligkeit ist.

    Den andern Königen lässt er ihre Pracht, Schlösser, Häuser, Geld und Gut, lasst sie köstlicher essen, trinken, kleiden, bauen als andere Leute; aber diese Kunst können sie nicht, die dieser arme Bettelkönig Christus kann. Denn da ist weder Kaiser, König noch Papst mit all seiner Macht, der von der geringsten Sünde helfen, und mit ihrem Geld und Gut die geringste Krankheit heilen könnte; ich schweige, dass sie wider gegen den ewigen Tod und die Hölle helfen sollten. Aber dieser Bettelkönig Christus hilft nicht allein gegen eine Sünde, sondern gegen alle meine Sünde; und nicht allein gegen meine Sünde, sondern der ganzen Welt Sünde. Er kommt und will wegnehmen, nicht allein die Krankheit, sondern den Tod; nicht allein meinen Tod, sondern der ganzen Welt Tod.

    Solches, spricht der Prophet, sagt der Tochter Zion, dass sie sich nicht ärgere an seiner elenden Zukunft; sondern tue die Augen zu und die Ohren auf, und sieh nicht, wie armselig er einherreitet, sondern höre, was man von diesem armen König predige und sage. Das Elend und die Armut sieht man, dass er auf einem Esel ohne Sattel und Sporen einherreitet wie ein Bettler; aber dass er die Sünde von uns nehmen, den Tod würgen, ewige Heiligkeit, ewige Seligkeit und ewiges Leben geben werde, das sieht man nicht. Deshalb muss man es hören und glauben. Darum spricht Sacharja: „Sagt’s der Tochter Zion“, dass sie es wisse und sich nicht daran kehre noch ärgere, dass er so jämmerlich einreitet und so schmählich stirbt. Denn solches alles geschieht dir, Zion, zugut, dass er dir helfen will, als ein Heiland, gegen den Teufel und Tod, und will dich heiligen und von Sünden ledig machen.

    Wer nun solches nicht mit den Ohren will fassen, sondern mit Augen sehen und Händen greifen, der wird fehlen werden; denn mit diesem König ist es weit anders als sonst mit andern Königen. Was dieselben tun, das tun sie mit einer Pracht, und hat alles ein großes, tapferes Ansehen. Solches findet man bei Christus nicht; der hat solches sein Werk, dass er von Sünden und dem Tod helfen will, erstlich in die Taufe gesteckt. Da sehen die Augen nichts anderes als ein schlichtes Wasser wie jedes andere Wasser. Er hat’s in das Wort gefasst und in die Predigt. Da sehen die Augen nichts anderes als einen Menschenatem. Aber wir sollen uns hüten und den Augen nicht folgen, sondern die Augen zu- und die Ohren auftun und das Wort hören. Dasselbe lehrt, wie unser HERR Jesus Christus sein Blut vergossen habe zur Vergebung unserer Sünde und ewigem Leben. Solche Gaben will er uns geben in der heiligen Taufe, im Abendmahl, in der Predigt oder Absolution, da sollen wir’s gewiss finden. Nun, wahr ist es, es scheint klein und gering, dass durchs Wasserbad, Wort und Sakrament solches soll ausgerichtet werden; aber lass dich durch die Augen nicht verführen. Dort war es auch klein und gering, dass der, der auf dem entlehnten Esel einritt und hernach sich kreuzigen ließ, sollte Sünde, Tod und Hölle wegnehmen. Niemand konnte [es] ihm ansehen, aber der Prophet sagt‘s. Deshalb muss es auch geglaubt und mit den Ohren gefasst werden, mit den Augen wird man’s nicht sehen.

    Darum spricht der Evangelist: „Sagt’s der Tochter Zion.“ Und der Prophet spricht: „Zion, jauchze und sei fröhlich“, tanz und spring, „denn dein König kommt“. Was für ein König? Ein heiliger, gerechter König, und ein Heiland oder Helfer, der dein Heiligmacher und Heiland sein will. Denn seine Heiligkeit und Gerechtigkeit will er dir anhängen, dass du von Sünden ledig seist; und sein Leben will er für dich lassen, dass er durch seinen Tod vom ewigen Tod sollte erlöst sein. Deshalb ärgere dich nicht an seiner elenden und armen Gestalt, sondern danke ihm dafür und tröste dich’s. Denn es geschieht alles um deinetwillen und dir zugut; er will dir so von deinen Sünden und [vom] Tod helfen und [dich] gerecht und selig machen.

    Das ist nun unser König, der liebe HERR Jesus Christus, und ist dies sein Reich und Amt. Er geht nicht mit Talern, Kronen und großen Königreichen und weltlicher Pracht um; nein, sondern wenn wir müssen sterben und können das Leben hier länger nicht behalten, so ist dies sein Amt und Werk, dass wir durch sein Leiden und Tod wissen, wo wir bleiben sollen; dass wir können sagen: Ich bin geheiligt durch meinen König Jesus Christus, der ist darum so elendiglich gekommen, hat sich darum an das Kreuz lassen schlagen, dass er mich heiligen wollte und in mir ersäufen meine Sünde und den Tod. Wer solches so glaubt, wie er’s hört und im Evangelium gepredigt wird, der hat’s so. Denn darum ist die heilige Taufe von Christus eingesetzt, dass er dadurch seine Gerechtigkeit dir will anziehen, dass seine Heiligkeit dein und seine Unschuld auch dein eigen sein soll. Denn wir sind elende, arme Sünder, aber in der Taufe tröstet uns Christus und spricht: Gib mir deine Sünde her, und hab für dich meine Gerechtigkeit und Heiligkeit; lass dir deinen Tod abziehen und zieh mein Leben an. Das heißt eigentlich Christi Regiment. Denn all sein Amt und Werk ist dieses, dass er uns täglich Sünde und Tod ausziehe, und seine Heiligkeit und Leben uns anziehe.

    Diese Predigt sollte man billig mit großen Freuden hören und annehmen, sich daraus bessern und fromm werden. So kehrt sich’s leider um, und wird die Welt aus dieser Lehre nur je länger je ärger, das ist des leidigen Teufels Arbeit und Geschäft. Wie man sieht, dass die Leute jetzt geiziger, unbarmherziger, unzüchtiger, frecher und ärger sind als zuvor unter dem Papsttum. Was macht’s? Nichts anderes als dass man diese Predigt nicht mit Freuden annimmt, sondern jedermann schlägt es in den Wind, nimmt sich mehr um Geld und Gut an als um den seligen Schatz, welchen unser HERR Christus zu uns bringt. Deshalb straft sie unser HERR Gott wieder und spricht: Willst du denn mir nicht darum danken, dass ich durch meines eingebornen Sohnes Tod und Sterben die Sünde und den Tod hinweg nehme? Wohlan, so will ich dir Sünde und Tod genug schaffen, weil du es doch so willst haben; und wo vorher nur ein Teufel dich besessen und geritten hat, sollen dich jetzt sieben ärgere Teufel reiten. Wie man denn an Bürgern und Bauern mit dem schändlichen, geizigen, unordentlichen Leben, Unzucht und andere Unart sieht.

    Deshalb ermahne ich euch, dass ihr ja solche Predigt mit Lust und Liebe hören und mit aller Dankbarkeit wollt annehmen und unsern HERRN Gott von Herzen bitten, dass er euch einen starken Glauben geben wolle, dass ihr solche Lehre behalten mögt; so wird gewiss die Frucht daraus folgen, dass ihr von Tag zu Tag demütiger, gehorsamer, freundlicher, züchtiger und frömmer werdet. Denn diese Lehre hat diese Art und Natur an sich, dass sie züchtige, gehorsame, fromme Leute macht. Die es aber nicht mit Liebe wollen annehmen, die werden siebenmal ärger als sie gewesen sind, ehe sie zu dieser Lehre gekommen sind; wie man allenthalben sieht. Deshalb hütet euch, denn das Stündlein wird gewiss nicht ausbleiben, dass Gott solchen Undank strafen wird. Alsdann wird sich’s finden, was die Welt damit verdient habe.

    Darum lernt diese Geschichte des heutigen Evangeliums wohl. Denn weil die Juden dem Propheten nicht haben wollen folgen, ist es uns gesagt, dass unser König sanftmütig und arm komme, damit wir uns an solcher Armut nicht ärgern noch auf weltliche Pracht und Reichtum mit den Juden gaffen; sondern lernen, dass wir an unserm HERRN Christus einen solchen König haben, der gerecht und ein Heiland sei, und uns von Sünden und dem ewigen Tod helfen wolle. Solche Predigt sollt ihr mit Willen und Freuden annehmen, und Gott dafür von Herzen danken; sonst werdet ihr den leidigen Teufel müssen annehmen mit Heulen, weinen und Zähneklappen.

    Zu solchem ermahnt uns das Beispiel der Apostel und anderer, so hier mit dem HERRN Christus zu Jerusalem einlaufen. Denn weil der HERR Christus ein König ist, so muss er auch ein Reich oder Volk haben, und dasselbe Volk muss sich mit rechtem gebührlichen Dienst gegen diesen König erzeigen. Was nun solcher Dienst sei, zeigt die Geschichte sehr fein an. Denn hier findet man Leute, die den HERRN Christus als einen König erkennen und sich nicht scheuen, neben dem elenden Esel und armen König her zu laufen. Unter denselben sind die Apostel die ersten, die erkennen den HERRN Christus für den rechten Messias, der gerecht machen und ein Heiland gegen Sünde und Tod sein werde. Deshalb bringen sie hier dem HERRN Christus den Esel, das ist, sie weisen zu Christus die Juden, so bisher unter dem Gesetz gelebt und solche Last, wie ein Esel, getragen hatten. Danach mit dem Esel führen sie zu Christus auch das junge Füllen, die Heiden, so noch ungezähmt und unter keinem Gesetz gewesen waren. Denn Christus ist ein Heiland aller Menschen. Weshalb alle rechtschaffenen Prediger und Lehrer die Leute zu Christus leiten und führen sollen. Das ist der eine Gottesdienst, der diesem König gebührt, dass man ihn für einen Gerechten und Heiland erkennen, annehmen, rühmen und preisen und jedermann zu ihm weisen soll.

    Der andere Gottesdienst ist, dass man dem HERRN Christus auf dem Esel das Hosianna singen soll, das ist, nachdem man ihn erkannt und als einen Heiland angenommen hat, soll man auch ihm zu seinem Reich Glück und Heil wünschen und alles tun, was zur Mehrung und Förderung seines Reichs dient. Gott gebe es; sagen die Pharisäer und Hohenpriester dazu, was sie wollen. Denn „Hosianna“ heißt so viel auf Deutsch wie: HERR, hilf, HERR, gib Glück dem Sohn Davids. Eben wie wir im Vaterunser beten: Dein Reich komme. Denn der Teufel und seine Glieder werden es nicht unversucht lassen, wie sie dieses Reich hindern und das Wort entweder vertilgen oder fälschen können. Da gehört nun Beten und Wünschen zu, dass Gott solchen des Teufels Willen brechen und zurück wolle treiben.

    Das dritte ist, dass man nicht allein beten, sondern auch die Kleider ausziehen und dem HERRN Christus auf den Weg streuen soll, dass er doch ein wenig einen herrlichen und ehrlichen Einzug möge haben; welches geschieht, wenn wir das Predigtamt fördern nach unserem Vermögen, dass man helfe mit Geld und Gut, auf dass man feine, gelehrte, fromme Leute aufziehe, die der Kirche mit dem Wort und gutem Wandel vorangehen; dass man die, so im Amt sind, so halte, dass sie ihres Amts warten, dem Studieren obliegen und nicht um der Nahrung willen davon lassen oder mit andern Händeln müssen umgehen. Zusammenfassend: Wo man Geld und Gut dazu gebrauchen kann, dass die Kirchenämter wohl bestellt und die Leute mit rechten Vorstehern wohl versorgt werden, da breitet man dem HERRN Christus die Kleider unter, dass er desto ehrlicher möge einreiten.

    So soll man diesem König dienen und nach den Hohenpriestern und Pharisäern nichts fragen, welchen dieser Einzug und armes Gepränge sehr zuwider ist; ja, wollten’s gern wehren. Aber Christus will es ungewehrt haben. Denn weil er ein König ist, so muss er sein Hofvolk und Hofdienst haben. Und wohl denen, die ihm dienen; denn er ist ein solcher König, der uns wieder dienen will, nicht mit Geld und Gut, welches ein sehr geringer Dienst ist, sondern mit Gerechtigkeit gegen die Sünde und Hilfe gegen den Tod und ewige Verdammnis. Deshalb sollen wir zu seinem Dienst bereit und willig sein und uns an des Papsts, der Bischöfe und anderer Beispiele nicht ärgern, welche damit umgehen, dass sie nicht, wie die Apostel, den Esel zum HERRN Christus führen und ihn drauf setzen; sondern wollen selbst auf dem Esel reiten, die Leute mit Lehre und anderm regieren, wie sie wollen. Christus aber lassen sie zu Fuß gehen und können nicht leiden, dass er durch sein Evangelium einreite und sich sehen lasse.

    Diese falschen Lehrer haben auch ihre Schüler, die ihnen heucheln, Palmen und Ölzweige an den Weg streuen; aber zu dem armen Christus werden sie mit Steinen. Denn sie verfolgen ihn, sein Evangelium und alle, die es predigen. Solche werden an jenem Tag mit den Juden inne werden, dass sie den gerechten König und Heiland verachtet haben, und müssen deshalb Gottes Zorn in Ewigkeit tragen; dagegen die, so ihn angenommen, bekannt und ihre Armut zu seinen Ehren gewendet haben, durch ihn ewige Gerechtigkeit und ewiges Leben empfangen werden. Das verleihe uns allen unser lieber HERR und Heiland Jesus Christus. Amen.