Biblisch-pädagogische Leitlinien für eine freie evangelische Bekenntnisschule

 

A) Basis für das pädagogische Konzept:

Fundament für allen Unterricht und alle Erziehung ist die Heilige Schrift Alten und Neuen Testaments, wie sie in der Grundordnung bekannt wird, bezeugt besonders im Kleinen Katechismus Dr. Martin Luthers als der Grundlinie für den reformatorischen evangelischen Unterricht.

 

B) Biblische Grundlinien und Zielsetzung:

1. Ausgangspunkt aller Erziehung ist die Liebe unseres Schöpfers und Erlösers in Jesus Christus, Joh. 3,16, die wir den uns anvertrauten Kindern weitergeben und bezeugen dürfen. In diesen Ausgangspunkt gehört mit hinein die Tatsache, dass wir Menschen seit dem Sündenfall nicht mehr gut sind, sondern von Natur aus abgrundtief verdorben und zu allem Bösen geneigt. Diese Liebe schließt nicht aus, sondern ein, dass die Kinder zu rechter Gottesfurcht erzogen werden (denn die Furcht des Herrn ist der Weisheit Anfang, Ps. 111,10) a) auf der Grundlage des Gesetzes als der Forderung Gottes an uns und b) auf der Grundlage des Evangeliums als der Gnade Gottes zu uns in Jesus Christus und so die Gottheit und Autorität Gottes erfahren in der Heiligkeit, in der Barmherzigkeit, in der gebenden Liebe und in der Beziehung Gottes zu seinen abgefallenen und in Jesus Christus versöhnten Geschöpfen. Nur auf der Grundlage dieser rechten Gottesfurcht und einer auf dem Evangelium Jesu Christi beruhenden Gottesgemeinschaft kann die Persönlichkeit und Verantwortlichkeit des Menschen vor Gott und gegenüber den Mitgeschöpfen recht entfaltet werden. Bei allem Ernst, aller notwendigen Strenge und Disziplin, müssen die Liebe und das Evangelium dominieren.

2. Erstes Ziel muss es sein, diejenigen, die noch nicht im bewussten lebendigen Glauben ihrem Heiland Jesus Christus nachfolgen, zu einer lebendigen, tiefgehenden Erkenntnis ihrer Sündenverdorbenheit und ihrer Verlorenheit ohne Jesus Christus, zu einem tiefgehenden Zerbruch ihres alten Ich und dann zu einem herzlichen innigen Glauben an ihren Heiland Jesus Christus zu führen, damit sie in herzlicher Dankbarkeit und Liebe als Erlöste sich ihm ganz hingeben und nicht in Selbstliebe, Selbstwertgefühl oder Selbstverwirklichung ihr Leben in die Irre geht, sondern sie gemäß Matth. 6,33; 2. Kor. 5,14-15 ihr Leben ganz ihrem Heiland weihen und von Herzen im Glaubensgehorsam ihm nachfolgen, sie nicht sich selbst leben, sondern dem, der für sie gestorben und auferstanden ist, 2. Kor. 5,14-15.

Diejenigen, die schon in bewusstem Glauben stehen, sollen in diesem Glauben durch Gesetz und Evangelium zu täglicher Buße und Erneuerung des Glaubens geführt, im Glauben und der Nachfolge gestärkt und ermutigt werden, dass sie noch herzlicher und freudiger in allem ihrem Heiland Jesus Christus dienen.

3. Da wir als Christen Pilger und Fremdlinge in dieser Welt sind, aber nicht von dieser Welt, Joh. 17,11, und die Welt im Argen liegt, 1. Joh. 5,19, so muss aller Unterricht auch geprägt sein von der Prüfung aller Ordnungen, alles Denkens, aller Lebens-, Kultur- und Zivilisationsentwürfe dieser Welt durch die Bibel. Dies gilt gerade auch in der Betrachtung der Geschichte des eigenen Volkes. Nur so können die Schülerinnen und Schüler fähig werden, als lebendige Christen in dieser Welt zu bestehen, ohne dem Geist dieser Welt in seiner vielfältigen Gestalt zu verfallen. Es ist daher wichtig, dass sie vom ersten Gebot her die verschiedenen Formen der Götzen immer besser erkennen lernen, damit sie selbst sich von ihnen frei halten können.

4. Als Gott den Menschen schuf, 1. Mose 1,26-31, da schuf er ihn einen Mann und eine Frau, also als geschlechtliche Wesen, in geschlechtlicher Verschiedenheit, die nicht nur eine biologische, sondern auch eine seelische Unterschiedenheit bedingt und von Gott vorgegebene verschiedene Aufgaben und Dienste in Ehe, Familie, Gemeinde und Volk, siehe auch 1. Mose 2,18 ff.; 1. Kor. 14; 1. Tim. 2; Tit. 2; Spr. 31. Der Unterricht in der Schule, und zwar in allen davon berührten Fächern, soll die Kinder ermutigen und anleiten, diese Verschiedenheit als Gottes gute Ordnung und Gabe anzunehmen und die entsprechenden unterschiedlichen Aufgaben als Mann und Frau, Vater und Mutter, Versorger der Familie einerseits und Hausfrau und Mutter andererseits von Herzen zu bejahen und ihnen Vorbilder und Hinweise geben, in diesen Ordnungen zu leben, auch wenn die Welt dagegen steht.

5. Eltern wie Lehrer stehen unter der von Gott ihnen gegebenen Autorität des vierten Gebotes, die sie aber nur in der rechten Nachfolge Christi ausüben können: a) indem alle Autorität mit Barmherzigkeit verbunden ist, und damit mit der Bereitschaft zur Vergebung und dem eigenen Eingeständnis von Schuld; b) indem alle Autorität sich als gebende Liebe zeigt, der es um das Wohlergehen des Kindes geht; c) indem alle Autorität sich auch als Beziehung erweist, die Gehorsam auf der Grundlage von Vertrauen und Liebe erreichen will.

6. Auf dieser unter 5. genannten Grundlage muss aber alle Erziehung autoritativ sein und darf nicht von einer Gleichrangigkeit von Eltern und Kind ausgehen, sondern von der Gleichwertigkeit sowie der Überordnung von Eltern und Lehrern. Eltern und Lehrer müssen gemäß der Schrift Regeln und Normen vorgeben und Gehorsam verlangen, Orientierung geben, Rahmen und Grenzen setzen und wo nötig auch Strafen androhen und durchführen, um so dem Kind Hilfestellung zu geben für seine Entwicklung, besonders auch die Prägung des Gewissens und der Erkenntnis der Sünde. Unterweisung und Disziplin sind deshalb wichtige und notwendige Elemente der Erziehung. Mit der wachsenden Erkenntnis des Kindes wird sich der Freiraum des Kindes erweitern. Alle Strafe kann und darf dabei nur letzte Konsequenz sein, nicht aus dem Affekt kommen, und muss am Wohl des Kindes sich orientieren.

 

 

C) Pädagogische Grundlinien:

 

1. Jedes einzelne Kind ist ein besonderes Geschöpf Gottes mit einer eigenen, noch zu entwickelnden und zu entfaltenden Persönlichkeit, mit besonderen Begabungen, Fähigkeiten, Neigungen. Neben der grundlegend notwendigen Vermittlung des Grundwissens ist es daher wichtig, dass jedes Kind die ihm gebührende Förderung bekommt, insbesondere auch die Möglichkeit, seine Begabungen zu entwickeln; außerdem soll es gemäß seiner Schwächen oder Stärken besonders gefördert werden. Daher sind kleine Klassen (höchstens 15 Schülerinnen und Schüler) notwendig. Es ist auch zu prüfen, in wieweit der Lebensbezug der einzelnen Fächer durch fächerübergreifende zusätzliche Projekte gefördert werden kann.

2. Gott hat uns Menschen zu Gemeinschaftswesen erschaffen, die in Verantwortung vor ihm einander dienen sollen. Es ist wichtig, dass das Kind die Klasse als Gemeinschaft erfährt, in der es auch für andere – jeweils in seinen Möglichkeiten und Bezügen – Verantwortung übernimmt, hilft und geholfen bekommt. Bessere Schüler unterstützen die Lehrer bei der Förderung der schwächeren Schüler. Schüler der höheren Klassen übernehmen Patenschaften für die Schüler der unteren Klassen, um ihnen zu helfen.

2.1. Die Gemeinschaft wird auch gestärkt und gefördert durch gemeinsames Arbeiten und Gestalten, etwa in den verschiedenen Arbeitsgemeinschaften, die angeboten werden sollen, ebenso in Projektwochen zum Ende des Schuljahres und durch gemeinsames Erleben, etwa bei Klassenfahrten.

3. Die grundsätzliche Prägung geschieht allein durch Gottes Wort, das den Einzelnen vor Gott stellt, ihn umkehrt und wiedergebärt, ihn fortwährend erneuert und umgestaltet und das auch wirkliche Gemeinschaft bewirkt.

3.1. Dieses Wort Gottes soll seine Prägekraft über den Evangelischen Unterricht hinaus entfalten a) in der gemeinsamen Morgenfeier zum Beginn der Woche; b) in den allmorgendlichen Andachten in den Klassen; c) in der gemeinsamen Wochenschlussfeier; d) in einer ausgeprägten Festkultur gemäß dem Kirchenjahr mit den festen Daten (Advent, Weihnachten, Neujahr/Beschneidung Jesu, Epiphanias/Darstellung Jesu; Passion, Karwoche mit Gründonnerstag, Karfreitag, Ostern; Christi Himmelfahrt, Pfingsten, Trinitatis; Märtyrertag, Peter und Paul, Bekenntnistag, Taufgedächtnis, Israelsonntag; Bibeltag, Erntedankfest, Reformationstag) und jährlich variierenden Themen (Mission, Märtyrer, Diakonie, Kirche und Theologen, Reformation); e) darin, dass die Bibel für alle Fächer die geistliche Orientierung gibt und alle Themen an der Bibel zu prüfen sind.

3.2. Sowohl die Lehrerschaft als auch die Schülerschaft besteht aus lauter Sündern. Diese Grundtatsache ist für das gemeinsame Leben und den Umgang miteinander immer wieder vor Augen zu haben. In Jesus Christus aber gibt es Gnade für Sünder, die uns in der Taufe und im Wort angeboten und dargereicht wird. Wichtig ist es daher, die rechte Sündenerkenntnis zu fördern, Sünde beim Namen zu nennen und nicht als „Fehler“, „Schwäche“ abzutun, und zur Umkehr und dem Ergreifen der Vergebung Christi zu rufen, das seelsorgerliche Gespräch zu ermöglichen (mit Hinweis auch auf die Möglichkeit der Einzelbeichte). Auch die Lehrer müssen ihrerseits Schuld, die sie gegenüber Schülern begangen haben, eingestehen und um Vergebung bitten.

3.3. Das schulische Leben und der Unterricht sollen auch der Einübung in das christliche Leben dienen und dabei auch die christlichen Tugenden besonders im Auge haben und fördern wie: Gottesliebe, Nächsten- und Feindesliebe; Geduld und Sanftmut, Friedfertigkeit, Freundlichkeit, Gütigkeit, Keuschheit, Zucht und Gehorsam, Genügsamkeit, Fleiß, Wahrhaftigkeit, Treue, Ehrlichkeit, Verschwiegenheit, Demut und Selbstverleugnung, gepaart mit Verzicht (Mark. 8; Joh. 12) und Erfahrung der notwendigen Grenzen, Versöhnlichkeit, Barmherzigkeit, Gastfreiheit, Dienstfertigkeit, Dankbarkeit, Standhaftigkeit und Bekennermut. Auch das Erlernen und Einüben der daraus sich ableitenden „Sekundärtugenden“ wie Ordnung, Pünktlichkeit, Pflichttreue, Höflichkeit, Rücksichtnahme, Arbeit, Leistungsbereitschaft, Selbständigkeit gehören dazu.

3.4. Ebenso gehört dazu, einzuüben in das Christenleben als einem Leben in einem christusfeindlichen Umfeld. Der Feind ist sowohl in uns (alter Mesnch) als auch der Teufel selbst und die christusfeindliche Umgebung. Christliches Leben als Heiligungsleben, das die Kinder, soweit sie Christen sind, lernen und einüben sollen, in Auseinandersetzung mit dem eigenen Fleisch (Sünden), mit den Versuchungen der Umwelt, dem Zeitgeist, den falsch-frommen Verführungen soll einüben in ein Leben der Fremdlingschaft als Zucht der Gedanken, der Worte, der Werke, als Leben in Verzicht auf alles, was den geistlichen Weg hindern kann, als ein Leben auch im Anderssein, das es auch mit sich bringt, in gewisser Hinsicht Außenseiter zu sein.

3.5. Die biblischen Ordnungen von Ehe und Familie sowie der Obrigkeit sollen den Kindern in ihrer biblischen Bedeutung als die guten Ordnungen Gottes dargestellt werden, unter klarer Berücksichtigung der Gleichwertigkeit und biologischen und seelischen Verschiedenartigkeit von Mann und Frau und ihren von daher vorgegebenen unterschiedlichen Aufgaben in Familie, Gemeinde, Volk und Staat. Es ist zu ermutigen, enge Freundschaften zwischen den Geschlechtern in der Schulzeit, die noch Reifezeit ist, nicht einzugehen. Es ist darauf zu achten, dass beide Geschlechter in der Kleidung, dem äußeren Auftreten und der Sprache Zucht und Keuschheit üben und sich in der gebotenen Zurückhaltung begegnen, vor allem ab der Pubertät.

4. Zur ganzheitlichen Entwicklung des Kindes sind musisch-kreative Tätigkeiten wichtig. Um sie zu fördern, sollen nach Möglichkeit und Interesse umfassende Angebote an Arbeitsgemeinschaften und Wahlpflichtfächern vorhanden sein, z.B.: Chöre verschiedener Stufen, Flöte, Gitarre, Klavier; textiles Gestalten, Theater, Innenarchitektur, Mode, Design, Foto; handwerkliche Werkstätten; Malen; Astronomie, Meteorologie, Luftfahrttecnik, Informatik; verschiedene Sportarten; Schülerzeitung, Journalismus; Schülerbibliothek; sozial-diakonische Tätigkeiten (Krankenhaus, Altenheim, Kindergarten, Sozialstation). Es wird so eine Einheit von Lernen, Leben, Erleben und Arbeit angestrebt.

4.1. Dadurch sollen die Kinder auch angeleitet werden zu einem vor Gott verantwortlichen Umgang mit der uns anvertrauten Schöpfung, unter gleichzeitiger Auseinandersetzung mit den evolutionistischen, humanistischen und ökologistischen Weltbildern.

4.2. Zur Auseinandersetzung mit den Lebens- und Kulturauffassungen der Welt gehört auch die Auseinandersetzung mit der Rockmusik, derem heidnisch-okkulten Hintergrund, den physischen und psychischen sowie geistlichen Gefahren, die von ihr ausgehen. Ebenso sind die musikalischen Alternativen deutlich aufzuzeigen.

5. Die Mitarbeit der Eltern als den von Gott gegebenen Erziehern ist erwünscht und soll gefördert werden im Blick auf den Unterricht unterstützende Funktionen (bis hin zur Mitarbeit von Eltern bei bestimmten Projekten je nach Neigungen und Begabungen sowie bei über den Unterricht hinausgehenden Zusatzangeboten); im Blick auf Elternpädagogik (regelmäßige Abende); Elternsprechtage; Mitverantwortung der Eltern hinsichtlich der Unterrichtsbücher.

5.1. Da es sehr wichtig ist, dass die Lehrer auch das familiäre Umfeld ihrer Schülerinnen und Schüler kennen und den intensiven Kontakt mit den Eltern suchen, sind sie angehalten, die Elternhäuser kennen zu lernen und daher nach Möglichkeit sie einmal im Jahr zu besuchen.

6. Alle Pädagogik geht dabei aus von dem Fundament der bedingungslosen Liebe und Geborgenheit, die Gott uns schenkt, von der Notwendigkeit der Unterweisung und der klaren Regeln für den Sünder sowie notwendiger Überprüfung und etwaiger Strafe bei Verstoß gegen die vorgegebenen Regeln und Ordnungen.

 

D) Schulische Grundlinien:

 

1. Halbtagsschule mit dem Angebot der Kinder- und Hausaufgabenbetreuung

2. Dreigegliedertes Schulsystem mit der Möglichkeit, nach dem 4. Schuljahr jederzeit zu wechseln; entsprechendes Angebot an Förderklassen für solche, die später auf einen anderen Schulzweig wechseln; intensive Einzelförderung und Begabtenförderung

3. Kleine Klassen, um entsprechende Einzelförderung und Integration von Problemkindern zu ermöglichen

4. Kombination von Lernen und Leben, von Theorie und Praxis, einschließlich Arbeit, jugendgemäßen Erlebnissen, Wissensförderung und Sport

 

E) Abgrenzung gegenüber der Psychologie:

 

1. Die Psychologie in dem Sinne, wie sie heute allgemein auftritt, kann nicht als empirische Wissenschaft verstanden werden.

2. Eine „christliche Psychologie“ ist ein Widerspruch in sich, da die Psychologie, insbesondere insofern sie mit der Psychoanalyse (Sigmund Freud, Carl Gustav Jung, Alfred Adler u.a.) zusammenhängt, schon von ihrem Ansatz her antichristlich ist, die Sünde als Sünde leugnet und eindeutig vom Geist dieser Welt, bis hin zu Okkultem, bestimmt ist.

3. Die Psychologie ist nur soweit anerkennbar, soweit sie rein beschreibend, erfahrungsorientiert arbeitet, es also um das beobachtbare Verhalten und Erleben des Menschen geht, um überprüfbare Zusammenhänge. Aber auch hier sind alle Ansätze vom christlichen Weltbild aus zu prüfen.

4. Die wahre Hilfe für die Seele des Menschen ist allein in der Heiligen Schrift, bei Jesus Christus, dem Heiland aller Menschen, zu suchen, denn die Bibel ist uns von Gott gegeben für alles, was zur Gottseligkeit und einem Gott wohlgefälligen Leben nötig ist, 2. Petr. 1,3-4; Jer. 17,9-10; Ps. 139,23-24; 2. Tim. 3,17.

5. Ziel biblischer Seelsorge kann daher nicht „Selbstannahme”, „Selbstliebe”, „Selbstverwirklichung” sein, sondern vielmehr Sterben des alten Menschen, Zerbruch, Selbstverleugnung, Demut. Christusliebe, Hingabe an Christus, Mark. 8,34; Phil. 3,3-7; Ps. 51,18; 34,18, um als Gottes Geschöpf und Erlöster aus der Liebe Gottes für Christus und den Nächsten zu leben.

 

 

 

 

Anhang zur Grundordnung und zum pädagogischen Konzept:

 

1. Stellungnahme zur charismatischen Frage

 

1.1      Grundhaltung der ...

(1) Wir wissen, daß es heute in vielen Teilen der Christenheit bedeutsame Aufbrüche gibt. An der Übereinstimmung mit dem Wort Gottes, tiefer Sündenerkenntnis, verändertem Leben, der Last für Verlorene und einem brennenden Zeugnis können wir die geistliche Echtheit solcher Bewegungen prüfen und erkennen. Wir stellen auch fest, daß einige dieser Aufbrüche von außergewöhnlichen Erfahrungen begleitet werden. Im Interesse einer auf das Wort Gottes gegründeten Haltung nehmen wir dazu wie folgt Stellung:

(2) Wir bejahen die Bemühungen um eine geistliche Erneuerung der Gemeinde Jesu, die zu allen Zeiten notwendig ist. Die Grundlage einer solchen Erneuerung kann allein das Wort der heiligen Schrift mit ihrer Botschaft von dem um unserer Sünde willen gekreuzigten und auferstandenen Christus sein. Das Ziel geistlicher Erneuerung besteht darin, den Einzelnen und die Gemeinde durch Sündenerkenntnis und Umkehr zu einer lebendigen Beziehung zu Jesus Christus und zueinander zu führen, um der Welt das umfassende Heil in Christus durch Wort und Tat zu bezeugen. (Apg 11, 18, Rom 12, 1-2, 1. Kor 2, 2. Eph 2, 79-22; 3, 17, Offb 2 u. 3)

(3) Wir erfahren geistliche Erneuerung, wenn wir durch Sündenerkenntnis, Umkehr und Glaubensgehorsam gegenüber dem Wort Gottes dem Herrn Jesus Christus in unserem Leben vermehrt Raum geben. (Phil. 2, 13, Kol. 1, 27)

2.2        Zeichen und Wunder

(1) Im Blick auf bei vielen Aufbrüchen in der Kirchen- und Missionsgeschichte auftretende außergewöhnliche und übernatürliche Erfahrungen orientieren wir uns am Zeugnis der Heiligen Schrift, die Bibel verwendet die Ausdrücke „Zeichen" und „Wunder", deren Bedeutung teilweise zu unterscheiden ist.

(2) „Wunder" sind nach biblischem Verständnis außergewöhnliche Erfahrungen der Allmacht Gottes, über die man sich nur wundern kann. Der umfassende und ganzheitliche Anspruch Jesu, Herr über die Welt und die Menschen und Retter von Sünde, Tod und Teufel zu sein, kann sich auch darin äußern, daß er auch heute Wunder tut. Wir dürfen Gott um alles bitten, dürfen ihm alles zutrauen, aber müssen ihm zugleich alles überlassen. Er tut Wunder, wenn er will. „Wunder“ meint hier nicht die außerordentlichen Wunder, wie wir sie im Zusammenhang mit dem Auftreten Jesu Christi und der Apostel besonders beobachten konnten, die Teil der „Zeichen und Wunder“ sind, die an dieser heilsgeschichtlichen Schnittstelle auftraten, sondern die weniger auffallenden Wunder, wie die Bekehrung eines Menschen, die Erhaltung der Gemeinde Jesu Christi durch sein Wort, die Heilung von Kranken allein auf Gebet hin, die Bewahrung im Glauben, die Versorgung der Seinen mit all dem, was sie an Leib und Seele benötigen und ähnlichem.

(3) „Zeichen" waren in biblischer Zeit u a. wunderhafte Begleiterscheinungen der Verkündigung, die der Legitimation göttlicher Offenbarung und ihrer ersten Zeugen dienten. Im AT erwiesen sie insbesondere Mose u. Aaron, Elia und Elisa als Gottes Gesandte, im NT der Sohn Gottes und die Apostel und ihre Mitarbeiter (Mk 16, 16-20, Lk 9, 1-2, Apg 4, 29, Rom 15, 18-19,2. Kor 12, 12, Hebr 2, 3-4)

(4) Göttliche „Zeichen und Wunder“ sind uns im NT für unsere heutige nachapostolische Zeit nicht verheißen. Das NT warnt vor verführerischen Zeichen und Wundern der letzten Zeit (Mt 24, 24, 2. Thess 2, 9, Offb 13, 13-17)

(5) Das Wirken von Wundern bleibt dem souveränen Handeln Gottes vorbehalten. Einmal gibt Gott Kraft, um Krankheiten zu heilen, ein anderes Mal gibt er Kraft, um Krankheiten zu ertragen (2. Kor 12, 9). Beide Male handelt es sich um die gleiche göttliche Dynamis/Kraft, die Gott verschieden wirken läßt. Gott muß Gott bleiben - gerade in seinen Wegen, die höher sind als unsere Wege (Jes 55, 8, Dan 3, 17-18).

(6) Der Glaube an den gekreuzigten und auferstandenen Herrn schließt für den Glaubigen Freude, Vollmacht, Sieg (Lk 10, 19-20, Rom 8, 37) aber auch die Bereitschaft zu einem Leben in Schwachheit, Anfechtung und Leid ein. Leiden und Krankheit werden immer ein Teil des Weges Gottes mit uns bleiben. Bei allen Erweisen des Geistes und der Kraft bleibt die Gemeinde die umkämpfte und bedrohte Herde, das leidende Gottesvolk auf dem Weg zu Jesu sichtbarem Reich (Lk 12, 32, Hebr 11, 13-16). [„Oft verherrlicht sich Gott.-...mehr durch „Wunden" als durch Wunder (vgl. 2. Kor.12, 9l)" (Neidhart, Zeichen und Wunder in biblischer Sicht, Bibel und Gemeinde 2/90, S. 157}] (Rom 8, 23, 2. Kor 5, 7, 2. Kor 12, 9)

(7) Das größte Wunder wird immer die Erneuerung des Menschen durch Umkehr und Wiedergeburt bleiben. In diesem Sinn ist auch Joh. 14, 12 zu verstehen (Joh. 14, 12).

2.3        Gaben des Geistes

(1) Die Gaben des Geistes haben ihren Platz nach der Schrift im Leben der Gemeinde zum Nutzen aller (Rom 12, 5-6, 1. Kor. 12, 7). Durch sie wird der Gläubige zum Dienst in Gemeinde und Mission ausgerüstet (1. Kor 12, 28-31, 1. Kor 14, 12).

(2) Die Geistesgaben, die wir auch nach der Zeit der Apostel in der Gemeinde haben,  sind Dienstgaben. Einem jeden werden die Gaben zugeteilt, die der Geist will und wie er es will. Es gibt in der Gemeinde Jesu keine Standardgaben, die für alle verpflichtend wären. Geistesgaben sind Gnadengaben (1. Kor. 12, 11)

(3) Der Gläubige wird durch den Heiligen Geist nicht zu Zwangshandlungen veranlaßt. Die Gaben des Geistes sind ihren Trägern Untertan (1. Kor 12, 1-3, 1. Kor14, 32).

(4) Der heilige Geist überführt die Welt von Sünde, Gerechtigkeit und Gericht (Joh 16, 8-11).

(5) Der Heilige Geist verherrlicht Jesus, nicht sich selbst (Joh 16, 13-14).

(6) Die Geistesgaben haben nur zeitliche Bedeutung, aber die Liebe bleibt ewig (1. Kor 13, 8).

(7) Deswegen sollte der Gebrauch der Geistesgaben von wachsamer Liebe und vom Wissen um ihre Vorläufigkeit bestimmt sein. Ihr Besitz darf kein Grund zur Überheblichkeit werden. Ein verantwortliches Leben in der Heiligung wird uns vor Mißbrauch, geistlichem Leerlauf und vor der Anmaßung bewahren, über den Heiligen Geist verfügen zu wollen.

2.4        Geistestaufe

(1) Der Sünder empfängt den Heiligen Geist, wenn er in aufrichtiger Sinnesänderung und im Vertrauen auf Jesu Erlösungswerk zu Gott gekommen ist und durch Gottes Barmherzigkeit wiedergeboren wird. Er ist dadurch mit dem Heiligen Geist getauft (1. Kor 12, 13).

(2) Die Bibel spricht nicht von der Notwendigkeit einer früher oder später auf die Wiedergeburt folgenden Geistestaufe („second blessing"), um dadurch Vollmacht oder die „Fülle des Geistes" zu erlangen. Das schließt nicht aus, daß Gläubige in besonderer Weise Gottes Geist erfahren können. Solche Erfahrungen sind allerdings an der Heiligen Schrift zu prüfen.

(3) Der Wiedergeborene ist nach dem Zeugnis der Schrift ein Tempel des Heiligen Geistes (1. Kor 3, 16).

(4)Der Heilige Geist wohnt von der Wiedergeburt an im Wiedergeborenen, und dieser ist dadurch mit dem Heiligen Geist versiegelt (Eph 1, 13).

(5) Der Gläubige ist aufgefordert, dem Heiligen Geist in seinem Leben Raum zu geben, ihn nicht zu dämpfen (1. Thess 5, 19) oder gar zu betrüben (Eph. 4, 30), sondern sich von ihm ständig erfüllen zu lassen (Eph 5, 18).

(6) Daß ein Mensch mit dem Heiligen Geist erfüllt ist, ist nicht so sehr an den Gaben des Geistes, als vielmehr an der Frucht des Geistes in seinem Leben erkennbar (Mt 7, 20-23, 1. Kor 13, 1-3, Gai 5, 22-23)

2.5        Gemeindeerneuerung

(1} Nur von dem Zentrum der Schrift, von dem gekreuzigten und auferstandenen und jetzt lebenden Christus her, kann es eine geistliche Gemeindeerneuerung und ein gesundes Gemeindewachstum geben. Wo die Entdeckung und der Gebrauch der Geistesgaben zum wesentlichen Kriterium lebendiger Gemeinde wird, ist das Ziel verfehlt und der Grund verlassen (1. Kor 3, 11).

(2) Geistliche Stagnation und Rückgang gehen m der Regel auf Ungehorsam und Sünde zurück, nicht aber auf Mangel an Geistesgaben. Damit soll der legitime Platz von Geistesgaben in der Gemeinde nicht bestritten werden. Es muß in diesem Zusammenhang jedoch betont werden, daß es dem Heiligen Geist schon zur Zeit der Urgemeinde gefallen hat, nicht alle Gemeinden nach dem gleichen Muster aufzubauen, (vgl. z.B. Korinth und Ephesus).

2.6        Unterscheidung der Geister

(1) Das Phänomen „slain in the spirit", worunter das Auf-den-Rücken-Fal!en einzelner oder ganzer Gruppen von Menschen verstanden wird, erfüllt uns mit Besorgnis. In der Schrift finden wir dafür keinen Anhalt. Wohl fallen Menschen bei Engel- und Christuserscheinungen auf ihr Angesicht und können auch das Bewußtsein verlieren (Dan 10, 9, Offb 1, 17)

(2) Wohl kann es in evangelistischen Versammlungen vorkommen, daß Menschen zu Boden fallen, wenn es in ihnen zum Kampf zwischen widergöttlichen Mächten und dem Heiligen Geist kommt. Aber nirgendwo erwähnt die Schrift das Fallen auf den Rücken als eine Wirkung des Heiligen Geistes, die ein „Ruhen im Geist", ein Zeichen besonderer Fülle oder völliger Inbesitznahme durch den Heiligen Geist wäre. Es gibt hingegen zu denken, daß das Auf-den-Rücken-Fallen, wo es in der Bibel erwähnt wird, in einem Gerichtszusammenhang steht (1.Mose 49, 16-17, 1.Sam 4, 18, Jes 28,13, Klgl 1, 13). Wir halten deswegen diese Praxis für biblisch fragwürdig und können uns mit ihren Vertretern nicht identifizieren. Entsprechende Erlebnisse müssen mit Betroffenen besprochen und geprüft werden.

(3) Da es in der Welt nicht nur den Geist aus Gott, sondern auch den Geist des Widerchrists gibt (Joh 4, 1-6), gilt es, gemäß den Richtlinien der Heiligen Schrift mithilfe der Gabe der Unterscheidung der Geister (1. Kor 12, 10) zu erkennen, was von Gott und was dämonisch oder fleischliche Nachahmung ist. Diese Verantwortung ist der Gemeinde gegeben. Da die Heilige Schrift durch das Wirken des Heiligen Geistes entstanden ist, ist Übereinstimmung mit ihr das sichere Kennzeichen für alles Wirken des Heiligen Geistes heute wie zu aller Zeit.

2.7        Resümee

(1) Es ist dies nicht die Absicht dieser Erklärung, in alle Einzelheiten der biblischen Lehre von den Geistesgaben zu gehen. Doch fühlen wir uns gedrungen, einige Grundsätze zu betonen, die uns im Werk der ... als Richtlinien dienen sollen und die im Einklang mit unserem gottgegebenen Auftrag stehen:

(2) Die Gabe des Geistes, die jedem Gläubigen mit der Wiedergeburt geschenkt ist, schließt durch Gottes Gnade alle Macht und Befähigung ein, um sein Volk zum Dienst auszurüsten (Rom 12, 1 - 8:, 1.Kor 12, Eph 4, 7 - 12, 1.Petr 4, 10-11).

(3) Wir glauben, daß die Zungenrede nach biblischem Zeugnis eine der Gaben des Geistes war (I.Kor 12, 10), und zu den „Zeichen und Wundern“ der Apostelzeit gehörte. Wir erkennen daher die Lehre nicht an, daß die Zungenrede der ausschlaggebende Beweis für die „Fülle" oder „Taufe" des Geistes ist. Eine Gemeinschaft von Gläubigen kann durch diese Lehrposition in schwere Spaltungen geraten. Wir glauben auch nicht, daß der Heilige Geist jedem Gläubigen dieselben Geistesgaben geben will.

(4) Im Blick auf unsere interdenominationelle Stellung können wir den Gebrauch der auffälligeren Geistesgaben (wie Zungenrede, Auslegung der Zungenrede, prophetische Rede) in unseren internen und öffentlichen Veranstaltungen (Unterricht, Konferenzen, Sitzungen, Gebetsversammlungen, Freundestreffen und sonstigen Versammlungen) nicht zulassen, da wir sie als für unsere Zeit nicht mehr verheißen ansehen.

[(5) Obwohl wir die Anordnungen des Apostels Paulus für den Ablauf eines Gottesdienstes in 1. Kor 14, 26-28 anerkennen, glauben wir, daß die Erhaltung der Einheit innerhalb der AHS-Gemeinschaft Vorrang vor dem „Recht" des einzelnen auf Ausübung von Geistesgaben haben muß, die die geistliche Einheit gefährden (I.Kor 14, 26-28, Eph 4, 3)]

(6) Alle Glieder der ... tragen dafür Mitverantwortung, den Gebrauch irgendeiner Gabe zu beurteilen, damit erkannt wird, was von Gott ist, und in Frage gestellt wird, was unecht erscheint; denn wir wissen, daß es dämonische und fleischliche Nachahmungen gibt (1.Thess 5, 19-21, Joh 4, 1-3).

(7) Wer eine pfingst- oder charismatische Haltung vertritt oder verbreitet oder Glied einer Pfingst- oder charismatischen Gemeinde ist, ist in der Gemeinschaft der ... nicht akzeptabel. Jedes Glied der ...-Gerneinschaft ist dafür verantwortlich, zum Aufbau des Ganzen beizutragen, und sollte jede Betonung von Lehre und Erfahrung vermeiden, die die überaus wichtige Auswirkung der Frucht des Geistes vernachlässigt.

(8) Wir bekräftigen, daß wir unseren Auftrag von Gott nur ausführen können, wenn wir den Heiligen Geist in seiner Fülle und Kraft persönlich kennen. Die Frucht des in uns wohnenden Geistes soll täglich sichtbar werden (Gal 5, 22-23, Eph 5, 9-10).

(9) Der Vorgang des Prüfens muß bei aller biblischen Nüchternheit von aufrichtiger Bruderliebe gekennzeichnet sein. Es ist nicht unsere Aufgabe, Menschen oder Gruppierungen mit offenkundig anfechtbaren Positionen sofort zu verwerfen, sondern sie brüderlich zu begleiten und ihnen zurechtzuhelfen, soweit dies angenommen wird. Zu dieser Aufgabe benötigen wir die Weisheit von oben. Sie unterscheidet sich von der menschlichen Weisheit, die oft Eifersucht, Neid und Zank hervorruft, dadurch, dass sie lauter, friedfertig, taktvoll, einsichtig, voll Barmherzigkeit und guter Früchte, ohne Vorurteile und Heuchelei ist (2. Tim 2, 24-26, Jak 3, 14-18).

(10) Wir wollen dem Heiligen Geist die ihm gebührende Stellung als einer der drei Personen des dreieinigen Gottes geben und uns ihm in Ehrfurcht unterstellen. Wir halten uns an die Weisung der vom heiligen Geist eingegebenen Schrift:

„Prüfet alles, und das Gute behaltet"   (1. Thess. 5, 21)

 

 

2. Der Kleine Katechismus Dr. Martin Luthers

 

 

DIE ZEHN GEBOTE

 

wie sie ein Hausvater seinem Hause einfältig vorhalten soll.

 

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Das erste Gebot.

 

Du sollst keine anderen Götter haben neben mir.

 

Was ist das? Antwort:

Wir sollen Gott über alle Dinge fürchten, lieben und vertrauen.

 

 

Das zweite Gebot.

 

Du sollst den Namen deines Gottes nicht unnütz führen.

 

Was ist das? Antwort:

Wir sollen Gott fürchten und lieben, daß wir bei seinem Namen nicht fluchen, schwören, zaubern, lügen oder trügen, sondern denselben in allen Nöten anrufen, beten, loben und danken.

 

 

Das dritte Gebot.

 

Du sollst den Feiertag heiligen.

 

Was ist das? Antwort:

Wir sollen Gott fürchten und lieben, daß wir die Predigt und sein Wort nicht verachten, sondern dasselbe heilig halten, gerne hören und lernen.

 

 

Das vierte Gebot.

 

Du sollst deinen Vater und deine Mutter ehren, auf daß dir's wohlgehe und du lange lebest auf Erden.

 

Was ist das? Antwort:

Wir sollen Gott fürchten und lieben, daß wir unsere Eltern und Herren nicht verachten noch erzürnen, sondern sie in Ehren halten, ihnen dienen, gehorchen, sie lieb und wert haben.

 

 

Das fünfte Gebot.

 

Du sollst nicht töten.

 

Was ist das? Antwort:

Wir sollen Gott fürchten und lieben, daß wir unserm Nächsten an seinem Leibe keinen Schaden noch Leid tun, sondern ihm helfen und fördern in allen Leibesnöten.

 

 

Das sechste Gebot.

 

Du sollst nicht ehebrechen.

 

Was ist das? Antwort:

Wir sollen Gott fürchten und lieben, daß wir keusch und züchtig leben in Worten und Werken und ein jeglicher sein Gemahl liebe und ehre.

 

 

Das siebente Gebot.

 

Du sollst nicht stehlen.

 

Was ist das? Antwort:

Wir sollen Gott fürchten und lieben, daß wir unsers Nächsten Geld oder Gut nicht nehmen noch mit falscher Ware oder Handel an uns bringen, sondern ihm sein Gut und Nahrung helfen bessern und behüten.

 

 

 

 

 

Das achte Gebot.

 

Du sollst nicht falsch Zeugnis reden wider deinen Nächsten.

 

Was ist das? Antwort:

Wir sollen Gott fürchten und lieben, daß wir unsern Nächsten nicht fälschlich belügen, verraten, nachreden oder bösen Leumund machen, sondern sollen ihn entschuldigen, Gutes von ihm reden und alles zum besten kehren.

 

 

Das neunte Gebot.

 

Du sollst nicht begehren deines Nächsten Haus.

 

Was ist das? Antwort:

Wir sollen Gott fürchten und lieben, daß wir unserm Nächsten nicht mit List nach seinem Erbe oder Hause stehen noch mit einem Schein des Rechts an uns bringen, sondern ihm dasselbe zu behalten förderlich und dienstlich sein.

 

 

Das zehnte Gebot.

 

Du sollst nicht begehren deines Nächsten Frau, Knecht, Magd, Vieh oder alles, was sein ist.

 

Was ist das? Antwort:

Wir sollen Gott fürchten und lieben, daß wir unserm Nächsten nicht seine Frau, Mitarbeiter oder Vieh abspannen, abdringen oder abwendig machen, sondern dieselben anhalten, daß sie bleiben und tun, was sie schuldig sind.

 

 

Was sagt nun Gott von diesen Geboten allen? Antwort:

 

Er sagt also: Ich, der HERR, dein Gott, bin ein starker, eifriger Gott, der  über die, so mich hassen, die Sünde der Väter heimsucht an den Kindern bis ins dritte und vierte Glied; aber denen, so mich lieben und meine Gebote halten, tue ich wohl in tausend Glied.

 

Was ist das? Antwort:

Gott drohet zu strafen alle, die diese Gebote übertreten; darum sollen wir uns fürchten vor seinem Zorn und nicht gegen solche Gebote tun. Er verheißet aber Gnade und alles Gute allen, die solche Gebote halten; darum sollen wir ihn auch lieben und vertrauen und gerne tun nach seinen Geboten.

 

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DER GLAUBE,

 

wie ein Hausvater denselben seinem Hause aufs einfältigste vorhalten soll.

 

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Der erste Artikel.

 

Von der Schöpfung.

 

Ich glaube an Gott den Vater, den Allmächtigen, Schöpfer Himmels und der Erden.

 

Was ist das? Antwort:

Ich glaube, daß mich Gott geschaffen hat samt allen Kreaturen, mir Leib und Seele, Augen, Ohren und alle Glieder, Vernunft und alle Sinne gegeben hat und noch erhält; dazu Kleider und Schuh', Essen und Trinken, Haus und Hof, Frau und Kind, Äcker, Vieh und alle Güter; mit aller Notdurft und Nahrung des Leibes und Lebens reichlich und täglich versorget, vor aller Gefahr beschirmet und vor allem Übel behütet und bewahret; und das alles aus lauter väterlicher, göttlicher Güte und Barmherzigkeit, ohne alle mein Verdienst und Würdigkeit. Des alles ich ihm zu danken, zu loben und dafür zu dienen und gehorsam zu sein schuldig bin. Das ist gewißlich wahr.

 

 

 

Der andere Artikel.

 

Von der Erlösung.

 

Und an JEsus Christus, seinen einigen Sohn, unsern HErrn, der empfangen ist von dem Heiligen Geist, geboren aus Maria, der Jungfrau, gelitten unter Pontius Pilatus, gekreuziget, gestorben und begraben, niedergefahren zur Hölle, am dritten Tage wieder auferstanden von den Toten, aufgefahren gen Himmel, sitzend zur Rechten Gottes, des allmächtigen Vaters, von dannen er kommen wird, zu richten die Lebendigen und die Toten.

 

Was ist das? Antwort:

Ich glaube, daß JEsus Christus, wahrhaftiger Gott, vom Vater in Ewigkeit geboren, und auch wahrhaftiger Mensch, von der Jungfrau Maria geboren, sei mein HErr, der mich verlornen und verdammten Menschen erlöset hat, erworben und gewonnen von allen Sünden, vom Tode und von der Gewalt des Teufels, nicht mit Gold oder Silber, sondern mit seinem heiligen, teuren Blut und mit seinem unschuldigen Leiden und Sterben, auf daß ich sein eigen sei und in seinem Reich unter ihm lebe und ihm diene in ewiger Gerechtigkeit, Unschuld und Seligkeit, gleichwie er ist auferstanden vom Tode, lebet und regieret in Ewigkeit. Das ist gewißlich wahr.

 

 

Der dritte Artikel.

 

Von der Heiligung.

 

Ich glaube an den Heiligen Geist, eine heilige christliche Kirche, die Gemeinde der Heiligen, Vergebung der Sünden, Auferstehung des Fleisches und ein ewiges Leben. Amen.

 

Was ist das? Antwort:

Ich glaube, daß ich nicht aus eigener Vernunft noch Kraft an JEsus Christus, meinen HErrn, glauben oder zu ihm kommen kann; sondern der Heilige Geist hat mich durch das Evangelium berufen, mit seinen Gaben erleuchtet, im  rechten Glauben geheiliget und erhalten; gleichwie er die ganze Christenheit auf Erden berufet, sammelt, erleuchtet, heiliget und bei JEsus Christus erhält im rechten einigen Glauben; in welcher Christenheit er mir und allen Gläubigen täglich alle Sünden reichlich vergibt und am Jüngsten Tage mich und alle Toten auferwecken wird und mir samt allen Gläubigen in Christus ein ewiges Leben geben wird. Das ist gewißlich wahr.

 

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DAS VATERUNSER,

 

wie ein Hausvater dasselbe seinem Hause aufs einfältigste vorhalten soll.

 

 

Vater unser, der du bist im Himmel.

 

Was ist das? Antwort:

Gott will uns damit locken, daß wir glauben sollen, er sei unser rechter Vater und wir seine rechten Kinder, auf daß wir getrost und mit aller Zuversicht ihn bitten sollen wie die lieben Kinder ihren lieben Vater.

 

Die erste Bitte.

 

Geheiliget werde dein Name.

 

Was ist das? Antwort:

Gottes Name ist zwar an sich selbst heilig; aber wir bitten in diesem Gebet, daß er auch bei uns heilig werde.

 

Wie geschieht das? Antwort:

Wo das Wort Gottes lauter und rein gelehret wird, und wir auch heilig, als die Kinder Gottes danach leben. Das hilf uns,       lieber Vater im Himmel! Wer aber anders lehret und lebet,  denn  das  Wort Gottes lehret, der entheiliget unter uns den Namen Gottes. Da behüte uns vor, lieber himmlischer Vater!

 

Die andere Bitte.

 

Dein Reich komme.

 

Was ist das? Antwort:

Gottes Reich kommt wohl ohne unser Gebot, von sich selbst; aber wir bitten in diesem Gebet, daß es auch zu uns komme.

 

Wie geschieht das? Antwort:

Wenn der himmlische Vater uns seinen Heiligen Geist gibt, daß wir seinem heiligen Wort durch seine Gnade glauben und göttlich leben, hier zeitlich und dort ewiglich.

 

 

Die dritte Bitte.

 

Dein Wille geschehe, wie im Himmel, also auch auf Erden.

 

Was ist das? Antwort:

Gottes guter, gnädiger Wille geschieht wohl ohne unser Gebet; aber wir bitten in diesem Gebet, daß er auch bei uns geschehe.

 

Wie geschieht das? Antwort:

Wenn Gott allen bösen Rat und Willen bricht und hindert, so uns den Namen Gottes nicht heiligen und sein Reich nicht kommen lassen wollen, als da ist des Teufels, der Welt und unsers Fleisches Wille, sondern stärket und behält und fest in seinem Wort und Glauben bis an unser Ende. Das ist sein gnädiger und guter Wille.

 

Die vierte Bitte.

 

Unser täglich Brot gib uns heute.

 

Was ist das? Antwort:

Gott gibt täglich Brot, auch wohl ohne unsere Bitte, allen bösen Menschen; aber wir bitten in diesem Gebet, daß er's uns erkennen lasse, und mit Danksagung empfangen unser täglich Brot.

 

Was heißt denn täglich Brot? Antwort:

Alles, was zur Leibesnahrung und -notdurft gehört, als Essen, Trinken, Kleider, Schuh', Haus, Hof, Acker, Vieh, Geld, Gut, fromm Gemahl, fromme Kinder, fromm Mitarbeiter, fromme und getreue Oberherren, gute Regierung, gut Wetter, Friede, Gesundheit, Zucht, Ehre, gute Freunde, getreue Nachbarn und desgleichen.

 

Die fünfte Bitte.

 

Und vergib uns unsere Schuld, wie wir vergeben unsern Schuldigern.

 

Was ist das? Antwort:

Wir bitten in diesem Gebet, daß der Vater im Himmel nicht ansehen wolle unsere Sünden und um derselben willen solche Bitte nicht versagen; denn wir sind der keines wert, das wir bitten, haben's auch nicht verdienet, sondern er wolle es uns alles aus Gnaden geben; denn wir täglich viel sündigen und nichts als Strafe verdienen. So wollen wir zwar wiederum auch herzlich vergeben und gerne wohltun denen, die sich an uns versündigen.

 

Die sechste Bitte.

 

Und führe uns nicht in Versuchung.

 

Was ist das? Antwort:

Gott versucht zwar niemand; aber wir bitten in diesem Gebet, daß uns Gott wolle behüten und erhalten, auf daß uns der Teufel, die Welt und unser Fleisch nicht betrüge noch verführe in Mißglauben, Verzweiflung und andere große Schande und Laster, und ob wir damit angefochten würden, daß wir doch endlich gewinnen und den Sieg behalten.

 

Die siebente Bitte.

 

Sondern erlöse uns von dem Übel.

                                        
Was ist das? Antwort:

Wir bitten in diesem Gebet zusammenfassend, daß uns der Vater im Himmel von allerlei Übel Leibes und der Seele, Gutes und Ehre erlöse und zuletzt, wenn unser Stündlein kommt, ein seliges Ende beschere und mit Gnaden von diesem Jammertal zu sich in den Himmel nehme. Amen.

 

Was heißt Amen? Antwort:

Daß ich soll gewiß sein, solche Bitten sind dem Vater im Himmel angenehm und erhöret; denn er selbst hat uns geboten, also zu beten, und verheißen, daß er uns wolle erhören. Amen, Amen, das heißt: Ja, ja, es soll also geschehen.

 

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DAS SAKRAMENT DER HEILIGEN TAUFE,

 

wie dasselbe ein Hausvater seinem Hause soll einfältiglich vorhalten.

 

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Zum ersten.

 

Was ist die Taufe? Antwort:

Die Taufe ist nicht allein schlicht Wasser, sondern sie ist das Wasser in Gottes Gebot gefasset und mit Gottes Wort verbunden.

 

Welches ist denn solch Wort Gottes? Antwort:

Da unser HErr Christus spricht Matthäus im letzten Kapitel: Gehet hin in alle Welt und lehret alle Heiden und taufet sie im Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes.

 

 

Zum andern.

 

Was gibt oder nützt die Taufe? Antwort:

Sie wirket Vergebung der Sünden, erlöset vom Tod und Teufel und gibt die ewige Seligkeit allen, die es glauben, wie die Worte und Verheißungen Gottes lauten.

 

Welches sind solche Worte und Verheißungen Gottes? Antwort:

Da unser HErr Christus spricht Marcus im letzten Kapitel: Wer da glaubet und getauft wird, der wird selig werden; wer aber nicht glaubet, der wird verdammt werden.

 

 

Zum dritten.

 

Wie kann Wasser solche große Dinge tun? Antwort:

Wasser tut's freilich nicht, sondern das Wort Gottes, so mit und bei dem Wasser ist, und der Glaube, so solchem Wort Gottes im Wasser trauet; denn ohne Gottes Wort ist das Wasser schlicht Wasser und keine Taufe; aber mit dem Worte Gottes ist es eine Taufe, das ist, ein gnadenreich Wasser des Lebens und ein Bad der neuen Geburt im Heiligen Geist, wie St. Paulus sagt zu Titus im dritten Kapitel:

Durch das Bad der Wiedergeburt und Erneuerung des Heiligen Geistes, welchen er ausgegossen hat über uns reichlich durch JEsus Christus, unsern Heiland, auf daß wir durch desselbigen Gnade gerecht und Erben seien des ewigen Lebens nach der Hoffnung. Das ist gewißlich wahr.

 

 

Zum vierten.

 

Was bedeutet denn solch Wassertaufen? Antwort:

Es bedeutet, daß der alte Adam in uns durch tägliche Reue und Buße soll ersäuft werden und sterben mit allen Sünden und bösen Lüsten, und wiederum täglich herauskommen und auferstehen ein neuer Mensch, der in Gerechtigkeit und Reinigkeit vor Gott ewiglich lebe.

 

Wo steht das geschrieben? Antwort:

St. Paulus zu den Römern im sechsten spricht Kapitel: Wir sind samt Christus durch die Taufe begraben in den Tod, auf daß, gleichwie Christus ist von den Toten auferwecket durch die Herrlichkeit des Vaters, also sollen auch wir in einem neuen Leben wandeln.

                                                                                                    

DAS AMT DER SCHLÜSSEL,

 

wie ein Hausvater dasselbe seinem Hause einfältiglich vorhalten soll.

 

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Was ist das Amt der Schlüssel? Antwort:

Das Amt der Schlüssel ist die besondere Kirchengewalt, die Christus seiner Kirche auf Erden hat gegeben, den bußfertigen Sündern die Sünde zu vergeben, den Unbußfertigen aber die Sünde zu behalten, solange sie nicht Buße tun.

 

Wo steht das geschrieben? Antwort:

So schreibt der heilige Evangelist Johannes im 20. Kapitel:

Der HErr JEsus blies seine Jünger an und sprach zu ihnen: Nehmet hin den Heiligen Geist! Welchen ihr die Sünden erlasset, denen sind sie erlassen; und welchen ihr sie behaltet, denen sind sie behalten.

 

Was glaubst du bei diesen Worten? Antwort:

Ich glaube, was die berufenen Diener Christi aus seinem göttlichen Befehl mit uns handeln, besonders wenn sie die öffentlichen und unbußfertigen Sünder von der christliche Gemeine ausschließen und die, so ihre Sünde bereuen und sich bessern wollen, wiederum entbinden: daß es also kräftig und gewiß sei, auch im Himmel, als handelte es unser lieber HErr Christus mit uns selber.

 

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Wie man die Einfältigen soll lehren beichten.

 

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Was ist die Beichte? Antwort:

Die Beichte begreift zwei Stücke in sich: eins, daß man die Sünde bekenne; das andere, daß man die Absolution oder Vergebung vom Beichtvater empfange, als von Gott selbst, und ja nicht daran zweifle, sondern fest glaube, die Sünden seien dadurch vergeben vor Gott im Himmel.

 

Welche Sünden soll man denn beichten?

Vor Gott soll man sich aller Sünden schuldig geben, auch die wir nicht erkennen, wie wir im Vaterunser tun; aber vor dem Beichtvater sollen wir allein die Sünden bekennen, die wir wissen und fühlen im Herzen.

 

Welche sind die?

Da siehe deinen Stand an nach den zehn Geboten, ob du Vater, Mutter, Sohn, Tochter, Herr, Frau, Knecht seiest; ob du ungehorsam, untreu, unfleißig gewesen seiest; ob du jemand leid getan habest mit Worten oder Werken; ob du gestohlen, versäumet, verwahrloset, Schaden getan habest.

 

Lieber, stelle mir eine kurze Weise zu beichten! Antwort:

So sollst du zum Beichtvater sprechen: Würdiger lieber Herr, ich bitte Euch, wollet meine Beichte hören und mir die Vergebung sprechen um Gottes willen.

    Sage an!

Ich armer Sünder bekenne mich vor Gott aller Sünden schuldig; besonders bekenne ich vor Euch, daß ich ein Knecht, Magd usw. bin. Aber ich diene leider untreulich meinem Herrn; denn da und da habe ich nicht getan, was sie mich hießen, habe sie erzürnet und zu fluchen beweget, habe versäumet und Schaden lassen geschehen, bin auch in Worten und Werken schamlos gewesen, habe mit meinesgleichen gezürnet, wider meine Frau gemurret und gefluchet usw. Das alles ist mir leid und bitte um Gnade; ich will mich bessern.

 

    Ein Herr oder Frau sage also:

Besonders bekenne ich vor Euch, daß ich mein Kind und Mitarbeiter, Frau, nicht treulich erzogen habe zu Gottes Ehren. Ich habe geflucht, böses Exempel mit unzüchtigen Worten und Werken gegeben, meinem Nachbar Schaden getan, übel nachgeredet, zu teuer verkauft, falsche und nicht ganze Ware gegeben - und was er mehr gegen die Gebote Gottes und seinen Stand getan usw.

 

  Wenn aber jemand sich nicht befindet beschweret mit solcher oder größern Sünde, der soll nicht sorgen oder weiter Sünde suchen noch erdichten und damit eine Marter aus der Beichte   machen,  sondern erzähle eine oder zwei, die du weißest, also: Besonders bekenne ich, daß ich einmal geflucht, ebenso, einmal unhübsch mit Worten gewesen, einmal dies N. versäumet habe usw. Also laß es genug sein.

  Weißest du aber gar keine (welches doch nicht wohl möglich sein sollte), so sage auch keine besonders, sondern nimm die Vergebung auf die allgemeine Beichte, so du vor Gott tust gegen den Beichtvater.

 

    Darauf soll der Beichtvater sagen:

Gott sei dir gnädig und stärke deinen Glauben! Amen.

    Weiter:

Glaubest du auch, daß meine Vergebung Gottes Vergebung sei?

Ja, lieber Herr!

    Darauf spreche er:

Wie du glaubest, so geschehe dir. Und ich, aus dem Befehl unsers HErrn JEsu Christi, vergebe dir deine Sünde im Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes. Amen.

    Gehe hin in Frieden!

 

Welche aber große Beschwerung des Gewissens haben oder betrübt und angefochten sind, die wird ein Beichtvater wohl wissen mit mehr Sprüchen zu trösten und zum Glauben zu reizen. Das soll allein eine allgemeine Weise der Beichte sein für die Einfältigen.

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DAS SAKRAMENT DES ALTARS,

 

wie ein Hausvater dasselbe seinem Hause einfältiglich vorhalten soll.

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Was ist das Sakrament des Altars? Antwort:

Es ist der wahre Leib und Blut unsers HErrn JEsu Christi unter dem Brot und Wein, uns Christen zu essen und zu trinken von Christus selbst eingesetzt.

 

Wo steht das geschrieben? Antwort:

So schreiben die heiligen Evangelisten Matthäus, Markus, Lukas und St. Paulus:

Unser HErr JEsus Christus, in der Nacht, da er verraten ward, nahm er das Brot, dankte und brach's und gab's seinen Jüngern und sprach: Nehmet hin und esset; das ist mein Leib, der für euch gegeben wird. Solches tut zu meinem Gedächtnis!

Desselbigengleichen nahm er auch den Kelch nach dem Abendmahl, dankte und gab ihnen den und sprach: Nehmet hin und trnket alle daraus; dieser Kelch ist das Neue Testament in meinem Blut, das für euch vergossen wird zur Vergebung der Sünden. Solches tut, sooft ihr's trinket, zu meinem Gedächtnis!

 

Was nützt denn solch Essen und Trinken? Antwort:

Das zeigen uns die Worte: Für euch gegeben und vergossen zur Vergebung der Sünden: nämlich daß uns im Sakrament Vergebung der Sünden, leben und Seligkeit durch solche Worte gegeben wird. Denn wo Vergebung der Sünden ist, da ist auch Leben und Seligkeit.

 

Wie kann leiblich Essen und Trinken solche große Dinge tun? Antwort:

Essen und Trinken tut's freilich nicht, sondern die Worte, so da stehen: Für euch gegeben und vergossen zur Vergebung der Sünden. Welche Worte sind neben dem leiblichen Essen und Trinken das Hauptstück im Sakrament; und wer denselben Worten glaubet, der hat, was sie sagen und wie sie lauten, nämlich Vergebung der Sünden.

 

Wer empfängt denn solch Sakrament würdig? Antwort:

Fasten und leiblich sich bereiten ist wohl eine feine äußerliche Zucht; aber der ist recht würdig und wohl geschickt, wer den Glauben hat an diese Worte: Für euch gegeben und vergossen zur Vergebung der Sünden.

Wer diesen Worten nicht glaubet oder zweifelt, der ist unwürdig und ungeschickt. Denn das Wort Für euch! fordert nichts als gläubige Herzen.

 

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Wie ein Hausvater sein Haus soll lehren, morgens und abends sich segnen.

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Der Morgensegen.

 

Des Morgens, so du aus dem Bette fährst, sollst du dich segnen mit dem heiligen Kreuz und sagen:

Das walte Gott Vater, Sohn und Heiliger Geist! Amen.

 

Darauf knieend oder stehend den Glauben und Vaterunser beten. Willst du, so magst du dies Gebetlein dazu sprechen:

Ich danke dir, himmlischer Vater, durch JEsus Christus, deinen lieben Sohn, daß du mich diese Nacht vor allem Schaden und Gefahr behütet hast, und bitte dich, du wollest mich diesen Tag auch behüten vor Sünden und allem Übel, daß dir all mein Tun und Leben gefalle. Denn ich befehle mich, meinen Leib und Seele, und alles in deine Hände. Dein heiliger Engel sei mit mir, daß der böse Feind keine Macht an mir finde. Amen.

 

Und alsdann mit Freuden an dein Werk gegangen und etwa ein Lied gesungen, wie "Die zehn Gebote", oder was deine Andacht gibt.

 

 

Der Abendsegen.

 

Des Abends, wenn du zu Bette gehst, sollst du dich segnen mit dem heiligen Kreuz und sagen:

Das walte Gott Vater, Sohn und Heiliger Geist! Amen.

 

Darauf knieend oder stehend den Glauben und Vaterunser beten. Willst du, so magst du dies Gebetlein dazu sprechen:

Ich danke dir, mein himmlischer Vater, durch JEsus Christus, deinen lieben Sohn, daß du mich diesen Tag gnädiglich behütet hast, und bitte dich, du wollest mir vergeben meine Sünden, wo ich unrecht getan habe, und mich diese Nacht gnädiglich behüten. Denn ich befehle mich, meinen Leib und Seele, und alles in deine Hände. Dein heiliger Engel sei mit mir, daß der böse Feind keine Macht an mir finde. Amen.

 

Und alsdann flugs und fröhlich geschlafen.

 

Wie ein Hausvater seinem Hause soll lehren, das Benedicte und Gratias sprechen.

 

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Das Benedicte (Bittgebet).

 

Die Kinder und Hausgemeinschaft sollen mit gefaltenen Händen und züchtig vor den Tisch treten und sprechen:

Aller Augen warten auf dich, HErr, und du gibst ihnen ihre Speise zu seiner Zeit. Du tust deine Hand auf und sättigest alles, was da lebet, mit Wohlgefallen.

 

Danach das Vaterunser und dies folgende Gebet:

HErr Gott, himmlischer Vater, segne uns diese deine Gaben, die wir von deiner milden Güte zu uns nehmen durch JEsum Christum, unsern HErrn! Amen.

 

 

Das Gratias (Dankgebet).

 

Also auch nach den Essen sollen sie gleicherweise tun, züchtig und mit gefaltenen Händen sprechen:

Danket dem HErrn, denn er ist freundlich, und seine Güte währet ewiglich; der allem Fleische Speise gibt, der dem Vieh sein Futter gibt, den jungen Raben, die ihn anrufen. Er hat nicht Lust an der Stärke des Rosses noch Gefallen an jemandes Beinen. Der HErr hat Gefallen an denen, die ihn fürchten und die auf seine Güte warten.

 

Danach das Vaterunser und dies folgende Gebet:

Wir danken dir, HErr Gott Vater, durch JEsum Christum, unsern HErrn, für alle deine Wohltat, der du lebest und regierest in Ewigkeit! Amen.

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DIE HAUSTAFEL

 

etlicher Sprüche für allerlei heilige Ordnungen und Stände, dadurch dieselben, als durch eigene Lektion, ihres Amts und Dienstes zu ermahnen.

 

Den Bischöfen, Pfarrern und Predigern.

 

  Ein Bischof soll unsträflich sein, einer Frau Mann, nüchtern, sittig, mäßig, gastfrei, lehrhaftig, nicht ein Weinsäufer, nicht pochen, nicht unehrliche Hantierung treiben, sondern gelinde, nicht haderhaftig, nicht geizig, der seinem eigenen Hause wohl vorstehe, der gehorsame Kinder habe, mit aller Ehrbarkeit, nicht ein Neuling, der ob dem Worte halte, das gewiß ist und lehren kann, auf daß er mächtig sei, zu ermahnen durch die heilsame Lehre und zu strafen die Widersprecher. 1 Tim. 3,2.3.4.6; Tit. 1,9.

 

Was die Zuhörer ihren Lehrern und Seelsorgern zu tun schuldig sind.

 

  Esset und trinket, was sie haben; denn ein Arbeiter ist seines Lohnes wert. Luk. 10,7.

  Der HErr hat befohlen, daß, die das Evangelium verkündigen, sollen sich vom Evangelium nähren. 1 Kor. 9,14.

  Der unterrichtet wird mit dem Wort, der teile mit allerlei Gutes dem, der ihn unterrichtet. Irret euch nicht; Gott läßt sich nicht spotten! Gal. 6,6.7.

  Die Ältesten, die wohl vorstehen, die halte man zweifacher Ehre wert, sonderlich die da arbeiten im Wort und in der Lehre. Denn es spricht die Schrift: Du sollst nicht dem Ochsen das Maul verbinden, der da drischt, und: Ein Arbeiter ist seines Lohnes wert. 1 Tim. 5,17.18.

  Wir bitten euch aber, lieben Brüder, daß ihr erkennet, die an euch arbeiten und euch vorstehen in dem HErrn und euch vermahnen. Habt sie desto lieber um ihres Werks willen und seid friedsam mit ihnen! 1 Thess. 5,12.13.

  Gehorchet euren Lehrern und folget ihnen; denn sie wachen über eure Seelen, als die da Rechenschaft dafür geben sollen, auf daß sie das mit Freuden tun und nicht mit Seufzen; denn das ist euch nicht gut. Hebr. 13,17.

 

Von weltlicher Obrigkeit.

 

  Jedermann sei untertan der Obrigkeit, die Gewalt über ihn hat. Denn es ist keine Obrigkeit ohne von Gott; wo aber Obrigkeit ist, die ist von Gott verordnet. Wer sich nun wider die Obrigkeit setzet, der widerstrebet  Gottes  Ordnung;  die  aber widerstreben, werden über sich ein Urteil empfahen. Denn sie trägt das Schwert nicht umsonst; sie ist Gottes Dienerin, eine Rächerin zur Strafe über den, der Böses tut. Röm. 13,1.2.4.

 

Von den Untertanen.

 

  Gebet dem Kaiser, was des Kaisers ist, und Gott, was Gottes ist! Matth. 22,21.

  So seid nun aus Not untertan, nicht allein um der Strafe willen, sondern auch um des Gewissens willen. Derhalben müsset ihr auch Schoß geben; denn sie sind Gottes Diener, die solchen Schutz sollen handhaben. So gebet nun jedermann, was ihr schuldig seid: Schoß, dem der Schoß gebührt, Zoll, dem der Zoll gebührt, Furcht, dem die Furcht gebührt, Ehre, dem die Ehre gebührt. Röm. 13,5-7.

  So ermahne ich nun, daß man vor allen Dingen zuerst tue Bitte, Gebet, Fürbitte und Danksagung für alle Menschen, für die Könige und für alle Obrigkeit, auf daß wir ein ruhig und stilles Leben führen mögen in aller Gottseligkeit und Ehrbarkeit. Denn solches ist gut, dazu auch angenehm vor Gott, unserm Heilande. 1 Tim. 2,1-3.

  Erinnere sie, daß sie den Fürsten und der Obrigkeit untertan und gehorsam seien! Tit. 3,1.

  Seid untertan aller menschlichen Ordnung um des HErrn willen, es sei dem Könige, als dem Obersten, oder den Hauptleuten, als den Gesandten von ihm zur Rache über die Übeltäter und zu Lobe den Frommen. 1 Petr. 2,13.14.

 

Den Ehemännern.

 

  Ihr Männer, wohnet bei euren Frauen mit Vernunft und gebet dem weiblichen als dem schwächsten Werkzeuge seine Ehre, als auch Miterben der Gnade des Lebens, auf daß eure Gebete nicht verhindert werden. 1 Petr. 3,7.

  Und seid nicht bitter gegen sie! Kol. 3,19.

 

Den Ehefrauen.

 

  Die Frauen seien untertan ihren Männern als dem HErrn, wie Sarah Abraham gehorsam war und hieß ihn Herr, welcher Töchter ihr worden seid, so ihr wohl tut und nicht so schüchtern seid. 1 Petr. 3,1.6.

 

Den Eltern.

 

  Ihr Väter, reizet eure Kinder nicht zu Zorn, auf daß sie nicht scheu werden, sondern ziehet sie auf in der Zucht und Vermahnung zu dem HErrn. Eph. 6,4. Kol. 3,21.

 

Den Kindern.

 

  Ihr Kinder, seid gehorsam euren Eltern in dem HErrn; denn das ist billig. Ehre Vater und Mutter; das ist das erste Gebot, das Verheißung hat: auf daß dir's wohlgehe und du lange lebest auf Erden. Eph. 6,1-3.

 

Den Knechten, Mägden, Tagelöhnern und Arbeitern.

 

  Ihr Knechte, seid gehorsam euren leiblichen Herren mit Furcht und Zittern, in Einfältigkeit eures Herzens, als Christus; nicht mit Dienst allein vor Augen, als den Menschen zu gefallen, sondern als die Knechte Christi, daß ihr solchen Willen Gottes tut von Herzen, mit gutem Willen. Lasset euch dünken, daß ihr dem HErrn dienet und nicht den Menschen; und wisset, was ein jeglicher Gutes tun wird, das wird er von dem HErrn empfahen, er sei ein Knecht oder ein Freier. Eph. 6,5-8.

 

Den Hausherren und Hausfrauen.

 

  Ihr Herren, tut auch dasselbige gegen sie und lasset das Drohen; und wisset, daß auch euer HErr im Himmel ist, und ist bei ihm kein Ansehen der Person. Eph. 6,9.

 

Der allgemeinen Jugend.

 

  Ihr Jungen, seid untertan den Ältesten und haltet fest an der Demut! Denn Gott widerstrebet den Hoffärtigen; aber den Demütigen gibt er Gnade. So demütigt euch nun unter die gewaltige Hand Gottes, daß er euch erhöhe zu seiner Zeit. 1 Petr. 5,5.6.

 

Den Witwen.

 

Das ist eine rechte Witwe, die einsam ist, die ihre Hoffnung auf Gott stellet und bleibet am Gebet und Flehen Tag und Nacht. Welche aber in Wollüsten lebet, die ist lebendig tot. 1 Tim. 5,5.6.

 

Der Gemeinde.

 

  Liebe deinen Nächsten als dich selbst! In dem Wort sind alle Gebote verfasset. Röm. 13,9. Und haltet an mit Beten für alle Menschen! 1 Tim. 2,1.

 

Ein jeder lern' sein Lektion,

So wird es wohl im Hause stohn.