Lehre und Verkündigung der Kirche in Auseinandersetzung mit der Gemeindewachstumsbewegung – Grundzüge lutherischer Missiologie

 

Inhaltsverzeichnis

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I. Grundlage. 1

II. Ausgangspunkt, Weg und Ziel 1

III. Die Gnadenmittel als die von Gott gegebenen Mittel, Gemeinde Jesu Christi zu bauen. 2

IV. Die Verkündigung der Gemeinde Jesu Christi und ihr Gottesdienst 3

V. Das heilige Predigtamt oder Dienst des Wortes als Gottes Werkzeug in Gemeinde und Mission. 4

VI. Ziel aller Evangelisation und Mission: konfessionelle Kirche. 5

 

 

Von Seiten der Gemeindewachstumsbewegung (GWB) wird gefordert, die Kirche müsse auf die „Bedürfnisse“ der Menschen, ihre Fragen, Wünsche, Empfindungen eingehen; die Menschen dürften nicht vor den Kopf gestoßen werden, sie müssten sich „wohl fühlen“; die Kirche müsse „mit der Zeit gehen“, dürfe deshalb nicht „konservativ“ sein, sondern müsse „zeitgemäße“ Gottesdienstformen verwenden.

Dem gegenüber lehrt die evangelisch-lutherische Kirche:

I. Grundlage

1. Grundlage der kirchlichen Verkündigung ist nicht der Mensch in seinem Wollen, Denken, Fühlen, mit seinen „Bedürfnissen“, sondern Gottes Heiliges Wort mit Jesus Christus, dem Lamm Gottes, als Zentrum (christozentrisch), denn Gott weiß besser als jeder Mensch selbst, was der Mensch ist und was er benötigt, 1. Kor. 2,14; Eph. 4,18; 1. Kor. 2,4.5.

Darum ist es unerlässlich, dass Gesetz und Evangelium unverkürzt und in rechter Unterscheidung gepredigt werden: Nämlich die abgrundtiefe und völlige Verdorbenheit des Menschen aufgrund der Erbsünde, Eph. 2,1-3, die volle Erlösung durch Jesus Christus, frei, umsonst uns geschenkt, 2. Kor. 5,17-21, zugeeignet durch die Gnadenmittel, das Evangelium in Wort, Taufe, Absolution und Abendmahl, Röm. 10,14-17; 1. Petr. 1,23; Joh. 3,3.5; Tit. 3,5-7; Eph. 5,25; Joh. 20,21-23; 1. Kor. 11,23-32. Damit zusammen hängt die Unterscheidung von Sünde und Gnade, Natur und Gnade, vom natürlichen und vom bekehrten Menschen, von Rechtfertigung und Heiligung. Darum ist die rechte Lehre von der Heilsordnung grundlegend für die evangelistische und missionarische Arbeit, die immer das Ziel die Bekehrung des einzelnen Menschen von der Finsternis zu Jesus Christus als seinem Heiland haben muss, Kol. 1,12, damit also das Einfügen der Person in den (geistlichen) Leib Christi durch das Evangelium in Wort und Taufe. Es geht in der missionarischen und evangelistischen Arbeit, wiewohl „alle Völker zu Jüngern“ gemacht werden sollen, immer um den Einzelnen, dass er zum rettenden Glauben kommt, nicht um „Massen“, nicht um „Gesellschaft“, nicht um ein „Kollektiv“.

Wo diese Unterscheidung nicht statthat, wo Gesetz und/oder Evangelium verkürzt werden, wo der Ansatzpunkt und die Predigt nicht christozentrisch sind, da wird den Menschen eine andere und nicht die biblische christliche Religion gebracht.

Es ist deshalb falsche Lehre und Praxis, wenn, anstatt Gottes Urteil über die Menschen, Gottes Heil für die Menschen in Jesus Christus und Gottes Mittel, dieses Heil zu empfangen, in den Mittelpunkt zu stellen, sich an „menschlichen Bedürfnissen“, Interessen, Gefühlen, Angewohnheiten orientiert und so die biblische Botschaft reduziert wird.

 

II. Ausgangspunkt, Weg und Ziel

2. Ausgangspunkt und Grundlage der missionarischen und evangelistischen Verkündigung ist die Tatsache, dass der natürliche Mensch tot ist in Übertretungen und Sünden, Eph. 2,1-3, abgrundtief verdorben, fern von Gott, unfähig zu allem Gott Wohlgefälligen und Guten, Ps. 51,7; 1. Mose 5,3, dass sein Verstand verfinstert ist, Eph. 4,18; 5,8 und er deshalb in geistlichen Dingen vor der Bekehrung keinerlei freien Willen hat, nichts beitragen kann zu seiner Bekehrung. Es ist daher dem natürlichen Menschen unmöglich, dass er etwas von Gottes Wort vernimmt, dass er das gepredigte Wort zum Beispiel aus natürlichem Verständnis versteht oder begreift, was Liturgie, Gottesdienst ist, 1. Kor. 2,14. Nur durch den Heiligen Geist Gottes kommt er zum Verständnis der Schrift und der göttlichen Wahrheit – was aber nicht ohne die Gnadenmittel geschieht, sondern allein durch den Gebrauch der Gnadenmittel, 1. Kor. 2. Allein durch Jesus Christus, dem Heiland der Welt, Joh. 4,42, ist Gott mit allen Menschen versöhnt und in Christus ist für alle Menschen Vergebung der Sünden, Leben, Seligkeit, Freispruch im Jüngsten Gericht vorhanden, 2. Kor. 5,17-21. Diese Gnade bietet der dreieinige Gott an, reicht er dar, eignet er zu durch die Gnadenmittel, nämlich das Evangelium in Wort und Sakrament, Röm. 1,16.17; 10,14-17; 1. Petr. 1,23; Joh. 3,3-5; Eph. 5,25; Tit. 3,3-7; 1. Kor. 11,23-32. Darum hat Christus seine Gemeinde kurz vor seiner Himmelfahrt beauftragt, in alle Welt hinauszugehen, alle Völker zu Jüngern zu machen durch taufen und lehren, Matth. 28,18-20; Mark. 16,15.16; Luk. 24,47; Joh. 20,21-23.

Der rechtfertigende Glaube hat zum Gegenüber nicht Christus als den Herrn, sondern den Heiland; er ist ebensowenig bloß ein intellektuelles Wissensgebilde, sondern ist Vertrauen des Herzens auf den Christus für uns, der uns die Vergebung der Sünden erworben hat, Gal. 2,16; Röm. 3,21-28; 4,5 ff.

Rom verwirft die Rettung allein aus Gnaden, allein um Christi Verdienst willen, allein durch den Glauben. Die Reformierten verwerfen, dass Christus für alle Menschen gestorben ist. Rom leugnet also die Gnade allein, Genf die universelle Gnade. Die evangelisch-lutherische Kirche bekennt dagegen die freie Gnade und Rettung, die für alle Menschen da und durch Christus geschehen ist (allgemeine Rechtfertigung) und nun jedem Menschen angeboten, dargereicht wird durch das Evangelium in Wort und Sakrament, damit er glaube und lebe (persönliche Rechtfertigung).

Es ist darum eine falsche Lehre und Praxis, wenn davon ausgegangen wird, der Unbekehrte müsste „überzeugt“ werden, um an Jesus Christus zu glauben, habe einen zumindest begrenzten freien Willen in geistlichen Dingen, wodurch er an seiner Umkehr mitarbeiten, etwas beitragen, das Widerstreben mildern, sich zu Christus hinneigen, sich entscheiden, sein Leben Christus übergeben könnte, um gerettet zu sein; Christus habe das Heil nicht für alle Menschen erworben, Gott wolle nicht ernsthaft die Errettung aller Menschen.

Auf der gleichen Linie liegt die falsche Lehre und Praxis, es gehöre in die Bekehrung, Christus als seinen Herrn anzuerkennen; der rettende Glaube sei vor allem ein reflektierender und intellektuller Akt, der Christus als Herrn akzeptiere und ihm das Leben übergebe.

3. In reformierten Kirchengemeinschaften finden sich im Blick auf das Wirken Gotts vor allem zwei Richtungen, die miteinander verwandt sind: Diejenige, die das unmittelbare Wirken des Heiligen Geistes betont (genuin calvinistische Lehre) und diejenige, die meint, diesem Wirken sei durch menschliche Methoden aller möglicher Art nachzuhelfen (Arminianismus mit allen seinen Abkömmlingen). Beiden gemeinsam ist, dass sie die Kraft und Macht der Gnadenmittel Gottes – des Evangeliums in Wort und Sakrament – faktisch ausblenden oder zumindest, insbesondere bei den Sakramenten, sehr stark minimieren.

Dem gegenüber lehrt die evangelisch-lutherische Kirche, dass Gott nicht unmittelbar, sondern mittelbar, eben durch die Gnadenmittel, wirkt, Joh. 3,3-7; Röm. 1,16.17; 10,14-17; 1. Petr. 1,23. Nicht menschliche Methoden, sie seien philosophischer, soziologischer, psychologischer und sonst einer Art, werden den Menschen „überzeugen“, „überwältigen“. Nein, das ist allein das Werk des Heiligen Geistes, das er durch Wort und Sakrament ausführt, Joh. 16,5-15; Apg. 1,8. Das Evangelium ist kräftig und wirkmächtig in sich selbst, weil der Heilige Geist stets darin wirkend gegenwärtig ist, 2. Kor. 3,6 ff., denn es ist Geist und ist Leben, Joh. 6,63, ist eine Kraft Gottes, die da selig macht alle, die daran glauben, Röm. 1,16.17, ist das lebendige Wort Gottes, das da ewiglich bleibet, das wiedergebärt, 1. Petr. 1,23, das Wort, das tut, wozu Gott es gesandt hat, Jes. 55,10.11. Dieses Wort benötigt keine Zeichen und Wunder zu seiner Kräftigung, Stärkung, die nur für eine bestimmte Zeit, nämlich die grundlegende Zeit des Neuen Testamentes, die Apostelzeit, verheißen waren, 2. Kor. 12,10; Hebr. 2,4.

Es ist deshalb falsche Lehre und Praxis, wenn behauptet wird, dass Gott keine Mittel benötige, sondern unmittelbar wirke; dass Wort und Sakrament nicht an sich schon kräftig und wirkmächtig seien, sondern erst durch menschliche Frömmigkeit, Methoden, Wissenschaft kräftig würden; dass die Sakramente nur abbilden würden, was unabhängig von ihnen geschehen sei oder geschehen werde; dass besondere Zeichen und Wunder (z.B. Zungenrede, Krankenheilung, Prophetie) nötig seien, um dem Wort die Kraft zu geben, damit Gemeinde gebaut werden könnte; wenn Ereignisse, Wunder. Sensationelles, Willen und Gefühl Ansprechendes ins Zentrum rücken und die Botschaft vom Kreuz, Gesetz und Evangelium zurückdrängen.

4. Gottes Werk der Erlösung kommt nicht aus dem Inneren des Menschen, hat auch keinerlei Voraussetzung im Menschen selbst, sondern ist Gottes Wirken, das von außen zum Menschen kommt, durch die Gnadenmittel, die die fremde Gerechtigkeit, Christi Gerechtigkeit, anbieten, darreichen, zueignen, Röm. 1,16.17; 1. Petr. 1,23; Röm. 10,14-17; Joh. 3,3-5; Tit. 3,3-7; 1. Kor. 11,23-32; 10,16-17. Damit dies auch wahrhaft geschieht, hat der dreieinige Gott seiner ekkleesia tou theou nicht nur die Gnadenmittel anvertraut, sondern auch das heilige Predigtamt gestiftet, also geordnet, dass die ekkleesia Diener am Wort beruft, Matth. 10,1; Apg. 20,28; Eph. 4,11; Tit. 1,5; 1. Kor. 12,28 f. Da die eine ekkleesia tou theou zuerst und vor allem in der lokalen ekkleesia (ecclesia simplex, auch Ortsgemeinde genannt) in Erscheinung tritt als der Primär- oder Basisversammlung der an Christus Gläubigen, um die Gnadenmittel nach innen und außen zu verwalten, so tritt dies Eine heilige Predigtamt zuerst und vor allem in der ecclesia simplex auf, ohne dass über seine äußere Gestalt – auch seine Aufgliederung in verschiedene Dienste, innerhalb wie außerhalb der ecclesia simplex – von Gott etwas geordnet wäre (außer der Grundordnung, dass in dieses Amt nur Männer berufen werden dürfen). Gottes Ordnung ist, dass allein das reine und unverfälschte Gotteswort gepredigt und die Sakramente einsetzungsgemäß gereicht werden, Matth. 28,18-20; 7,15 ff.; Joh. 10,5; Röm. 16,17.18; Apg. 20,27; 2. Kor. 6,14-18, 1. Joh. 4,1-3; 2. Joh. 8-11.

Es ist darum falsche Lehre und Praxis, wenn man meint, man müsse an den „Bedürfnissen des Menschen“ anknüpfen, diese Bedürfnisse befriedigen, der Mensch habe einen Keim für das Evangelium in sich. Es ist auch falsche Lehre und Praxis, wenn dem Amt des Wortes und der Lehre keine oder nur eine untergeordnete Bedeutung in Mission und Evangelisation zugewiesen wird oder wenn man andererseits eine episkopale oder hierarchische Ordnung für notwendig erachtet.

 

III. Die Gnadenmittel als die von Gott gegebenen Mittel, Gemeinde Jesu Christi zu bauen

5. Schwerpunkt und Kern der Lehre und Verkündigung der Kirche muss darum das Evangelium von Jesus Christus sein, nämlich dass Gott tatsächlich die ganze Welt in seinem Sohn Jesus Christus versöhnt hat, jeden Menschen ohne Ausnahme, Joh. 1,1-18; 3,16; 6,48-51; 14,6; Apg. 4,12; Röm. 5,15-19; 2. Kor. 5,19-21; 1. Joh. 5,11.12; dass dieses Heil frei und umsonst ist und wir Menschen uns in keiner Weise dazu bereiten, schicken können oder sonst etwas dazu beitragen, es zu erlangen, sondern es frei und umsonst allein aus Gnaden empfangen allein durch den Glauben, Röm. 3,21-28; 4,5 ff.; Eph. 2,4-9; und dass in keinem anderen Heil ist als allein in Jesus Christus, dem Lamm Gottes, das der Welt Sünde trägt, Joh. 1,29; Apg. 4,12, und alle anderen Religionen Rebellion gegen Gott sind.

Falsche Lehre ist daher, dass wir die Erlösung ganz oder teilweise verdienen müssten oder könnten; dass Christus die Erlösung nicht wahrhaft für alle Menschen erworben habe; dass Gottes Erlösungswille nicht über alle Menschen ernsthaft sei; dass die Erlösung des Einzelnen zumindest zu einem bestimmten Teil von des Menschen Haltung gegenüber Gottes Ruf abhänge (mindern des Widerstrebens, wollen, Entscheidung, Übergabe); dass der Mensch zumindest einen gewissen freien Willen habe, um sich, etwa unter Beihilfe der göttlichen Gnade, zu entscheiden; dass zum rechfertigenden Glauben Hoffnung und Liebe dazugehörten; dass der rechtfertigende Glaube nur ein Hoffen auf Gottes zukünftige Barmherzigkeit sei, nicht Gewissheit der Erlösung um Christi willen.

6. Amt und Auftrag der Kirche Jesu Christi sind nicht nur hauptsächlich, sondern einzig die Verkündigung und Lehre des Evangeliums zur Rettung bluterkaufter Seelen, Matth. 28,18-20; Mark. 16,15.16; Luk. 24,47; Joh. 20,21-23; Apg. 1,8, nicht Sozialpolitik, Sozialarbeit, Umgestaltung der Gesellschaft. Diakonische Arbeit ist wohl eine Frucht christlicher Nächstenliebe, aber nicht die eigentliche Aufgabe der Gemeinde, und wo sie ausgeführt wird, ist sie stets mit der Mission verbunden.

Es ist daher falsche Lehre und Praxis, wenn von einer „holistischen“ Mission gesprochen wird, die Verkündigung und Sozialarbeit gleichermaßen umfassen müsse; die Kirche und Staat, Verkündigung und Politik vermengt; die behauptet, die Kirche habe über der Seelenrettung hinaus noch einen „Auftrag“ an der Gesellschaft, z.B. deren ethische Besserung.

7. Es ist behauptet worden, die zeitlich-räumliche Differenz des „einst und dort“ zum „heute und hier“ müsse vom Menschen überwunden werden durch Anpassung der Botschaft an die Zeit, durch Erfahrung, Erlebnis, Hingabe u.ä.

Die Bibel Gottes aber lehrt uns, dass Gott selbst diese Differenz überwunden hat – nämlich durch seine Gnadenmittel, also die von ihm eingesetzten Mittel, durch die er die einmal für immer durch Jesus Christus erworbene Erlösung uns zueignet, schenkt, festigt, bewahrt, 1. Joh. 5,6-8, denn er selbst ist ja wirkend gegenwärtig in Wort und Sakrament, in Wort, Wasser und Blut, zeugt und erhält dadurch den rettenden Glauben, 1. Petr. 1,23; Röm. 1,16; 10,14-17; Joh. 3,3.5; Tit. 3,5-7, der dies alles empfängt, Röm. 3,21-28; Gal. 2,16.

Darum kommt das innere Leben der Christen allein durch die äußeren Mittel, eben das Evangelium in Wort und Sakrament, wodurch Gott seinen Geist gibt, Joh. 3,3-5; Röm. 1,16; 10,14-17; 1. Petr. 1,23; Gal. 3,2.5.14. Nicht wir Menschen kommen zu Gott, sondern Gott kommt zu uns; nicht wir Menschen erwählen Gott, sondern er hat uns von Ewigkeit her erwählt, Joh. 15,16; 2. Tim. 1,9.

Es ist daher falsche Lehre und Praxis, wenn an die Stelle der Gnadenmittel Gottes Erlebnis, Erfahrung, Gefühl, Empfindung, das fromme Ich, Entscheidung, Bedürfnisse des Menschen gesetzt werden; wenn behauptet wird, der Heilige Geist benötige (und benütze) „keine Vehikel“ für sein Wirken, der Mensch könne sich für Jesus entscheiden; wenn Entscheidung, Erlebnis, Erfahrung, Gefühl, das fromme Ich mit seinem Denken und Tun zur Grundlage der Heilsgewissheit gemacht werden; wenn behauptet wird, Christus sei nicht für alle Menschen gestorben, sondern nur für die Erwählten.

8. Darum baut Gott seine Kirche nicht anders als eben durch die von ihm eingesetzten, geordneten Gnadenmittel, nämlich das Evangelium in Wort und Sakrament, wodurch allein Menschen selig werden können, Matth. 28,18-20; Mark. 16,15.16; Luk. 24,47; Joh.20,21-23.

Zu diesem Ziel hat der dreieinige Gott seiner Kirche nicht nur den Auftrag gegeben, sein Wort in aller Welt zu verkündigen, sondern auch den Dienst des Wortes in der Gemeinde gestiftet, in den zu berufen die Gemeinde aufgefordert ist, 1. Kor. 4,1; Eph. 4,11; Apg. 20,28 f.; 1. Kor. 12,27 f.; Tit. 1,5.

Es ist daher eine falsche Lehre und Praxis, wenn versucht wird, die Kirche Jesu Christi durch andere Mittel als die Gnadenmittel Gottes zu bauen, sei es Synergismus (Mitarbeit des Menschen an seiner Erlösung), Moralismus (Christentum als Ethik, Gesetzesreligion, moralische Besserung der Gesellschaft); Unionismus (Vermengung wahrer und falscher Lehre und Kirche); Antinomismus (Leugnung des Gesetzes); Revivalismus (Entscheidungstheologie, freier Wille); Antisakramentalismus (Verwerfung oder Geringschätzung der Sakramente); Subjektivismus (Betonung des frommen Ich und seiner Gefühle und Werke); Millenialismus (Lehre von einem angeblich bevorstehenden Tausendjährigen Reich); Pfingstlertum (Betonung außerordentlicher Gaben); anthropozentrischer Gemeindebau und anthropozentrische Verkündigung (Gemeindewachstumsbewegung).

9. Es ist behauptet worden, dadurch wachse die Gemeinde Jesu Christi und würden Menschen mit dem Evangelium erreicht, wenn die Gemeinde und ihr Gottesdienst „sucherorientiert“, „bedürfnisorientiert“ wäre, davon ausgehend, was die Menschen bewege, was ihre Bedürfnisse sind, ihnen etwas Liebes, Nettes, Gutes zu sagen, ihnen nicht fremdartig zu erscheinen. Betont werden dabei die „kleinen Zellen“, „homogene Einheiten“ (rassisch, kulturell, sozial) als kleine Gemeinschaften, die soziologisch homogen wären und den Menschen besondere Erlebnisse, Erfahrungen böten und sie ihre „Gaben“ entfalten ließe. Die GWB stellt keineswegs nur neutrale Methoden auf, sondern, wie McGavran selbst ausdrückte, damit auch einen neuen Inhalt, beides ist nicht von einander zu trennen. Die GWB kennt als einen ihrer Grundsätze keinen Unterschied von Gesetz und Evangelum und auch keine Unterscheidung der beiden Reiche Gottes und sieht daher Sozialpolitik als Teil der kirchlichen Pflichten. Ebensowenig trifft die GWB klarfe Aussagen zu Kontroversthemen wie Taufe, Frauenordination, Bekehrung, freien Willen. Das aber, was zur Bekehrung gesagt wird, sieht in der Bekehrung nicht ein Werk Gottes durch die Gnadenmittel, sondern Ergebnis einer Beeinflussung durch Menschen. Letztlich geht es in der GWB weniger um geistliches als um zahlenmäßiges, numerisches Wachstum. Die Bibel wird tatsächlich der „Wissenschaft“, vor allem aber dem „Erfolg“ (Pragmatismus) unterworfen.

Gemäß der Heiligen Schrift kann es aber nicht um Erhöhung der Mitgliederzahlen gehen, sondern um den rettenden Glauben an Jesus Christus. Missionsarbeit ist geistliche, theologische, nicht soziologische oder Sozialarbeit. Die Gemeinde Jesu Christi (im eigentlichen oder engeren Sinne) ist eine geistliche, keine soziologische Größe.

Die lutherische Theologie bezeugt, dass es eine theorie- oder theologiefreie Methode nicht gibt, da vielmehr die Theologie immer zur Praxis führt. In der Auseinandersetzung mit den heutigen Theorien und Praktiken geht es dabei um „Gnadenmittel oder Entscheidungstechnik“, „Evangeliumsamt oder Selbstwirken mit den ‚Gaben’“, „Liturgie oder ‚alles im Fluss’“, „konfessionell oder allgemein-protestantisch“.

Die evangelisch-lutherische Kirche lehrt daher aufgrund der Bibel Gottes, dass sie nichts weiß und verkündigt als Jesus Christus, den Gekreuzigten, 1. Kor. 2,2, und dass das Wort vom Kreuz Zentrum von Lehre und Verkündigung ist, 1. Kor. 1,18 ff.; dass die Kirche Christi nicht mit klugen, hohen Worten menschlicher Wissenschaft und Vernunft gebaut wird, sondern durch die schlichte Predigt vom Kreuz, denn nicht aus menschlicher Kraft und Weisheit erwächst die Gemeinde, sondern sie ist allein das Werk des Heiligen Geistes durch Wort und Sakrament, 1. Kor. 2-3.

Die lutherische Kirche weiß, dass das Wirken des Heiligen Geistes und damit auch Frucht nicht erzwingbar ist, sondern Gott souverän ist. Wir Menschen sollen, als des Heiligen Geistes Mitarbeiter – und das gilt für das Priestertum aller Gläubigen ebenso wie für den, der im Dienst des Wortes ist – die Gnadenmittel verwalten; aber wann und wo der Heilige Geist dann Frucht hervorbringt, das bleibt Gottes Sache allein. Wir haben zu predigen, zur Zeit oder zur Unzeit, 2. Tim. 4,2; 1. Kor. 3,6.7. Damit sagt die lutherische Kirche eindeutig nein zu der Haltung der GWB, dass Erfolg durch die richtige Methode erreicht werden könnte, dass also Menschen nur „überzeugt“ und „in den Kirchenkörper eingefügt“ werden müssen. Dies zeigt, dass die GWB einen völlig veräußerlichten Kirchen- und Bekehrungsbegriff hat. Die GWB spricht daher auch von „gefühlten Bedürfnissen“, die angesprochen werden müssten – aber welcher Mensch fühlt schon, dass er ein Sünder und in Ewigkeit verloren ist, welcher Mensch weiß, dass er einen Retter braucht?

Die GWB knüpft letztlich am Revivalism an, an der synergistischen Grundrichtung, die auf Mitwirken des Menschen bei der Bekehrung setzt (Finney), letztlich behauptet, der Mensch gebe sich selbst den Glauben, Glaube sei vor allem eine intellektuelle Zustimmung und Unterwerfung und führe aus Gehorsam zur Mission. Hier wird eindeutig die Heiligung in das, was eigentlich Rechtfertigung ist, eingemengt. Gehorsam gilt als Ausdruck des Glaubens. Der gesetzliche Einschlag reformiert-evangelikaler Theologie, die Gehorsam im Zentrum hat, wird hier deutlich.

Es ist nicht verwunderlich, dass die GWB, als eine rein pragmatisch, auf Erfolg ausgerichtete Bewegung, mehr und mehr Tendenzen zu den Pfingstlern und Charismatikern entwickelte und mit ihnen übereingeht in der Dritten Welle und der Power Evangelisation. Die GWB vertritt letztlich eine Herrlichkeitstheologie anstatt eine Kreuzestheologie und hat einen starken Einschlag von Esoterik (Vision als Mittel zur Verwirklichung von Dingen).

Die Gemeinde Christi ist mit ihrer Verkündigung und ihrem Wesen und Charakter allerdings ein Fremdkörper in dieser Welt. Wollte man dies beseitigen, so hieße es, dem Wort vom Kreuz, der Lehre von Gesetz und Evangelium die Spitze und Salzkraft zu nehmen, hieße, das Salz dumm zu machen.

Im Zentrum christlicher Lehre und Verkündigung müssen daher Gesetz und Evangelium stehen: die Predigt von der abgrundtiefen Sündenverdorbenheit und –verfallenheit des Menschen und dass er so verloren ist – und darum dann für den erschrockenen Sünder die liebliche Predigt von Gottes Liebe, Gnade und Erbarmen in seinem Sohn Jesus Christus.

Die Kirche Gottes wird allein aus der Kraft des Wortes Gottes geboren; entscheidend ist nicht, was und wo wir wollen und planen, sondern was und wo Gott will, Jes. 55,10.11; Röm. 1,16.17; 10,14-17; 1. Petr. 1,23; Joh. 3,3-5; Tit.3,4-7.

Auch Wunder und Zeichen sind uns nicht für die gesamte Zeit der Kirchengeschichte verheißen.

Es ist daher falsche Lehre und Praxis, wenn behauptet wird, nicht Gesetz und Evangelium, nicht das Kreuz Christi sollten Gottesdienst und Verkündigung bestimmen, sondern der „suchende“ Mensch mit seinen Gefühlen, Sehnsüchten, Wünschen; wenn behauptet wird, man dürfe den Menschen nichts Negatives sagen (also auch nicht über ihre Verdorbenheit und Verlorenheit, über die Sünde reden), sondern man solle ihnen Liebes und Gutes sagen; wenn behauptet wird, die Gemeinden müssten „kleine Zellen“ als „homogene Einheiten“ bilden, damit die Menschen sich dort wohl fühlten und gute Erlebnisse, Erfahrungen machen könnten (obwohl die Bibel nirgends solche Kreise kennt, sondern vielmehr die Gemeinde, die aus Menschen unterschiedlichster Kulturen, Sprachen kamen, aber eins waren in Jesus Christus); wenn behauptet wird, es käme auf besondere Pläne, Methoden, menschliche Organisation an, damit Gemeinde entstünde und wachse; wenn behauptet wird, die Gemeinden müssten in ihrer Lehre und Art sich an die Menschen und die Welt anpassen (die Bibel aber sagt: Stellet euch nicht dieser Welt gleich; die Welt vergehet mit ihrer Lust; die Welt liegt im Argen); wenn behauptet wird, nicht das Predigtamt mit seiner Verkündigung von Gesetz und Evangelium sei das entscheidend Wichtige, sondern dass „Ziele vorgegeben“ würden, dass man „Visionen“ habe über die Zukunft; wenn behauptet wird, die Unterschiede zwischen dem heiligen Predigtamt und dem Priestertum aller Gläubigen sollten eingeebnet werden, der Pastor mehr ein Trainer sein, nicht Hirte; wenn behauptet wird, wichtig sei nicht Gottes Ordnung des Predigtamtes, sondern seien die „Gaben“ der Einzelnen.

 

IV. Die Verkündigung der Gemeinde Jesu Christi und ihr Gottesdienst

10. Gemäß der GWB und den ihr verwandten Richtungen, soll der Gottesdienst der Gemeinde den Ansichten und Anschauungen sowie dem Lebensstil der Welt angepasst werden, damit die Welt sich dann dafür interessiere (z.B. Pantomime, Theater, Kino, „Anspiele“, Rockmusik, Aktivitäten, Gefühls- und Erlebnisorientierung; siehe: Willow Creek, Saddleback, Emerging Church).

Tatsächlich aber ist der Gottesdienst der Gemeinde – 1. Kor. 14 – vor allem und in erster Linie Versammlung der Gemeinde (nicht der Außenstehenden) vor Gott, um Gemeinschaft mit Gott zu haben, um sich von Gott durch Wort und Sakrament dienen zu lassen, worauf dann die Gemeinde durch Gebet und Bekenntnis antwortet. Gottesdienst als Wirken des dreieinigen Gottes durch Wort und Sakrament ist geistlicher Kampf gegen die Mächte der Finsternis, der mit Waffen der geistlichen Ritterschaft auszukämpfen ist, 2. Kor. 12; Eph. 6,10-18. Das bestimmt auch Ordnung und Gestaltung des Gottesdienstes, der also gerade nicht eine Sakralisierung der Welt darstellt, sondern ein Stück Reich Gottes auf Erden, also das genaue Gegenteil, das aber von den Außenstehenden nicht begriffen werden kann, 1. Kor. 2,14, ihm aber, soweit es möglich ist, erklärt werden sollte. Apg. 2,42; Röm. 1,16.17; 10,14-17; 1. Petr. 1,23; Joh. 3,3-7; Tit. 3,5; 1. Kor. 10,16.17; 11,23-32.

Es ist daher falsche Lehre und Praxis, dass der Gottesdienst der Welt angepasst werden müsste; dass die Unterschiede zwischen dem Reich Gottes und dem Reich der Welt nivelliert oder zumindest abgeschwächt werden müssten; dass Gottesdienst und Verkündigung den Anschauungen, Ansichten, Auffassungen der Welt („Außenstehenden“) anzupassen seien; dass Erlebnis, Unterhaltung, Erfahrung, Gefühl entscheidende oder zumindest wichtige Elemente des Gottesdienstes sein müssten.

11. Ziel und damit auch Schwerpunkt und Kern des Gottesdienstes ist die Vergebung der Sünden um Jesu Christi willen, die wir alle – auch der Christ – täglich und stündlich benötigen. Gott muss uns zuerst dienen, nämlich dass er uns zur Erkenntnis der Sünden führt (durch das Gesetz) und dann die Vergebung der Sünden uns zueignet und befestigt (durch das Evangelium), bevor wir, als Erlöste, ihm in unserem Leben dienen können, Joh. 13,6.9.

Diese Vergebung der Sünden ist keine direkte, unmittelbare Gabe des Heiligen Geistes, sondern er schenkt, gibt, eignet sie zu durch die Gnadenmittel, das Evangelium in der Bibel (im Lesen), der Predigt, der Taufe, der Absolution und dem Abendmahl.

Es ist daher eine falsche Lehre und Praxis, wenn der Schwerpunkt des Gottesdienstes verschoben wird auf menschliches Erleben, Vergnügen, Tun, Moralität, Entscheidung; wenn behauptet wird, Gott wirke auch unmittelbar, ohne die Gnadenmittel.

12. Die Gemeindewachstumsbewegung behauptet a) dass das Wachstum einer Gemeinde ein Kennzeichen dafür sei, ob eine Gemeinde recht christlich sei; b) dass es spezifische Kriterien gebe, aufgrund deren Wachstum sozusagen sicher erreicht werden könne.

Dem gegenüber ist festzuhalten: 1) Wir haben nirgends eine Zusage bekommen, dass jede Verkündigung sichtbare, zählbare Frucht bringt. 2) Wir wissen aus der Schrift, dass oftmals die Frucht ganz ausbleiben kann (siehe Jeremia) oder doch zahlenmäßig nur gering sein kann (siehe unseren Heiland Jesus Christus; den Apostel Paulus in Athen). 3) Wir wissen weiter, dass auch Widerstreben und Widerstand und Verfolgung Ergebnis der Verkündigung sein können (z.B. Apg. 3-5; 14,23; 2. Tim. 3,12), weil das Wort vom Kreuz dem natürlichen Menschen, seinem Empfinden, seinem Verstand zuwider ist, 1. Kor. 1,18-29. Dieses Wort vom Kreuz aber darf in keiner Weise verkürzt, abgeschwächt oder ihm die Spitze genommen werden, die Menschen dieser Welt mögen es hören wollen oder nicht, denn das Wort vom Kreuz ist das Zentrum des christlichen Glaubens überhaupt, 1. Kor. 1,23.24; 2,2. 4) Wir wissen, dass die Frucht vor unseren Augen verborgen sein kann. 5) Frucht und Wachstum zeigen sich keineswegs nur in zählbaren Größen, sondern vor allem und gerade auch in oftmals nicht messbarem inneren geistlichen Wachstum der Gemeinde und ihrer Glieder in Lehre, Glauben und der Frucht des Glaubens, Gal. 5. 6) Vor allem: Äußeres wie inneres Wachstum, der Heilige Geist in seinem Wirken, sind unserer Verfügbarkeit entzogen, denn nicht wir sind die Herren der Mission und Evangelisation, sondern der Heilige Geist, der weht, wo er will, Joh. 3,8, der Buße und Reue wirkt, der bekehrt und im Glauben erhält und in der Heiligung fördert durch Wort und Sakrament, Röm. 1,16.17; 10,14-17; 1. Petr. 1,23; Joh. 6,63; Joh. 3,3-5; Tit. 3,5; Eph. 5,25; 1. Kor. 11,23-32; 1. Petr. 5,5. Die Mission ist Gottes Mission, missio Dei. 7) Die Sendboten der frohen Botschaft sind Diener Gottes, sind Gottes Mitarbeiter, die da säen und begießen – aber das Gedeihen gibt allein Gott der Herr. Die Gemeinde der Heiligen ist nicht Menschenwerk, sondern Gottes Bau, 1. Kor. 3,5-9; Ps. 100,3, auch damit unserer Verfügbarkeit entzogen. 8) Geistliche Frucht entsteht nicht aus menschlicher vernünftiger Rede, menschlicher Weisheit, menschlichen Tricks durch psychologische und andere „wissenschaftliche“ Praktiken, sondern in Erweisung des Geistes und der Kraft, damit der Glaube bestehe nicht auf Menschenweisheit, sondern auf Gottes Kraft, 1. Kor. 2,4-9. Hinter allem steht die Tatsache, dass eben der unbekehrte Mensch geistlich tot ist und einer geistlichen Lebendigmachung, Auferweckung bedarf, die allein der Heilige Geist durch das Evangelium in Wort und Sakrament vollbringen kann, Eph. 2,4-9. Jede Bekehrung ist und bleibt daher ein Wunderwerk des dreieinigen Gottes. 9) Richtig ist allerdings, dass wir durch Sünde, Lauheit, falsche Lehre, durch fehlende Liebe zu den Verlorenen die missionarische Arbeit erheblich hindern können. Darum ist die Gemeinde Christi immer wieder aufgerufen, sich zu prüfen, in wieweit sie allerdings Gottes Wirken hindert.

Es ist daher eine falsche Lehre und Praxis, dass äußeres Wachstum zu den Kennzeichen der Gemeinde Jesu Christi gehöre, gar Kennzeichen dafür sei, ob eine Gemeinde eine rechte christliche Gemeinde sei; dass durch die rechte Methode der Verkündigung, des Gemeindebaus, der Evangelisation Wachstum erfolgen müsse; dass also das Wirken des Heiligen Geistes für uns verfügbar sei; dass es darauf ankomme, den Willen des Menschen und sein Unbewusstes zu bearbeiten, damit er sich bekehre; dass Widerstreben der Menschen umgangen werden könne, müsse durch entsprechende Änderung der Verkündigung, durch Abschwächung der konfessionellen Ausrichtung, durch Abbau der Schranken zwischen der Gemeinde Jesu Christi und der Welt, durch Anpassen an die Praktiken, Ansichten, das Leben der Welt.

13. Die Praxis der GWB, durch „Zielsetzen“, „Visionen“ „Resultate“ zu erreichen, liegt auf der gleichen falschen Linie, denn sie stellt ebenfalls den Versuch dar, den Heiligen Geist und sein Wirken dem Menschen verfügbar zu machen und die missio Dei in eine Mission des Menschen zu verwandeln. Damit hängt dann auch zusammen, dass neben die Heilige Schrift Gottes andere Autoritäten, etwa die Sozialwissenschaften, gesetzt werden. Es ist auch zu fragen, in wieweit nicht hinter diesen Methoden Esoterik, okkulte Praktiken des Schamanismus stecken.

Die evangelisch-lutherische Kirche lehrt gemäß der Heiligen Schrift, dass Gott und sein Geist für uns nicht verfügbar sind, auch nicht durch Zielsetzungen oder irgendwelche sonstigen Methoden, sondern dass Gottes Geist wirkt, wo und wann er will, Joh. 3,8. Der Auftrag der Kirche Jesu Christi ist es daher, das Wort Gottes unverkürzt in Gesetz und Evangelium zu verkündigen, es sei zur Zeit oder zur Unzeit, 2. Tim. 4,2. Was Gott dann daraus macht, das müssen wir ihm überlassen, Jes. 55,11; 1. Kor. 3,6.7.

Es ist daher falsche Lehre und Praxis, man müsse nur das „Richtige“ tun, dann ergebe sich daraus Wachstum; die missionarische Arbeit sei in ihrem Kern nicht verkündigen, sondern „überzeugen“; es komme nicht so sehr auf die reine biblische Lehre an, sondern auf die richtige, „wissenschaftliche“ Methode, um „gesichertes“ Wachstum zu erreichen.

14. Da der Gottesdienst Gottes Dienst an uns ist durch Wort und Sakrament, Ausdruck innigster Gottesgemeinschaft, so gehört in diesen Gottesdienst und damit in die Gemeinde als Versammlung um Wort und Sakrament das von Gott gestiftete heilige Predigtamt als das Amt des göttlichen Wortes. Es ist das Amt oder der Dienst, durch den Gott uns dient mit Wort und Sakrament, Matth. 28,18-20; Joh. 20,21-23; Apg. 20,28 ff.; 1. Kor. 10,27; Eph. 4,11. Gott handelt nicht unmittelbar mit uns, sondern durch seine Mittel, Wort und Sakrament, die er durch den durch die Gemeinde berufenen Hirten verwaltet als durch Haushalter der Geheimnisse Gottes, 1. Kor. 4,1. Die GWB dagegen entwertet das Hirtenamt und sieht im Pastor mehr einen Trainer, Betreuer, „Coach“ – aber das hat mit dem biblischen Weiden der Herde nichts zu tun. Die Lehre tritt überhaupt in der GWB weit zurück, Erfahrungen sind ihr wichtiger.

Da der Gottesdienst also in erster Linie Gottes Handeln ist, die Versammlung der Gemeinde Versammlung vor dem Angesicht des lebendigen Gottes ist, Gottesgemeinschaft, so kann er nicht anders denn als heilige Zeit am heiligen Ort gehalten werden und darf und kann nicht dem Gefühl, Erlebnis der Besucher dienen oder sie gar in ihrer profan-weltlichen Haltung bestärken.

Es ist daher falsche Lehre, wenn behauptet wird, Gott wirke unmittelbar, ohne das Amt, an den Seinen, das Amt sei überhaupt nicht nötig; der Gottesdienst dürfe keine feste Ordnung haben, da diese dem Wirken des Heiligen Geistes widerspräche; der Gottesdienst müsse gerade ein Ort sein, an dem Außenstehende, Suchende, kurz: der Mensch mit seinem Denken, Empfinden, Wünschen, Wollen im Mittelpunkt stehe.

15. Wort und Sakrament gehören dabei im Gottesdienst zusammen: Das missionarische Wort führt zur Taufe, das Wort der Predigt zum heiligen Abendmahl, Apg. 20,7 ff.; 2,42. Die Kirche als Leib Christi versammelt sich um Christi sakramentalen Leib, 1. Kor. 10,17. Die Sakramente können ohne das Wort nicht sein, denn die Taufe ist das Wasser in Gottes Gebot gefasst und mit Gottes Wort verbunden; beim Abendmahl gehören Christi Ordnung und Befehl in den Einsetzungsworten und dass wir seinen rettenden Sühnetod verkündigen, 1. Kor. 11,23 ff.

Schwerpunkt und Zentrum aber des Gottesdienstes ist die Predigt, denn das Evangelium ist Gottes Kraft zur Erlösung, 2. Kor. 3,6 ff.; Röm. 1,16.17; 10,14-17. Darum ist jede Predigt auch geistlicher Kampf, Ringen um die bluterkauften Seelen, Matth. 13; 2. Kor. 10,4.5, Abwehr falscher Lehre, Tit. 1. Es geht um das umfassende Bewahren von Lehre, Taufe und Abendmahl, das Entzünden und Bewahren des Glaubens. Darum muss ein Pastor den ganzen Ratschluss Gottes verkündigen, Apg. 20,27, besonders Gesetz und Evangelium recht unterscheiden, 2. Tim. 2,15.

Es ist darum falsche Lehre und Praxis, wenn die Verbindung von Wort und Sakrament aufgelöst wird; wenn das Sakrament aus einem Handeln Gottes zu einem Handeln des Menschen gemacht wird; wenn die Verkündigung verkürzt oder entleert wird; wenn Gesetz und Evangelium vermengt werden; wenn Politik, Philosophie oder andere profane „Wissenschaften“ in die Verkündigung eindringen; wenn der Gottesdienst nicht mehr als geistlicher Kampf gesehen wird; wenn aus dem Gottesdienst als heiligem Tempel Gottes eine Stätte für Gefühl, Unterhaltung, Vergnügen, Lust wird.

16. Da der Gottesdienst Gottes Dienst am Menschen in Gesetz und Evangelium durch Wort und Sakrament ist, mit dem Ziel, dass Sünde aufgezeigt, Sündenerkenntnis gewirkt, die Vergebung der Sünden zugeeignet, der Glaube an Jesus Christus entzündet, gestärkt und bewahrt wird, ist es damit unvereinbar, wenn anstatt Gott und seinem Wort der Mensch mit seinen Gefühlen, Anschauungen, Wünschen, seiner Unterhaltung, Vergnügen in den Mittelpunkt rückt. Christlicher Gottesdienst kann daher nicht Massenveranstaltung in dem Sinne sein, dass die Menge hier als Masse oder Kollektiv mit einem bestimmten Massengefühl angesprochen wird, um sie zu bearbeiten, zu „Erlebnissen“ zu führen. Christlicher Gottesdienst ist vielmehr Andacht im Tempel Gottes und auch jeder Christ soll wiederum ein Tempel Gottes sein, 1. Kor. 6,9. Der Gottesdienst ist geistlich, nicht fleischlich, 1. Petr. 2,5, vernünftig, Röm. 12,1, von Nüchternheit, Wachsamkeit und Zucht gekennzeichnet, 1. Kor. 9,25; Gal. 5,23; Kol. 4,2; Tit. 2,12; 1. Petr. 1,13; 4,7; 5,8.

Es ist daher falsche Lehre und Praxis, wenn der Gottesdienst oder eine Evangelisation umgewandelt wird in eine Veranstaltung, in der (mit psychologischen Methoden) ein Massengefühl erzeugt wird oder direkt oder indirekt Druck auf die Menschen zu einer „Entscheidung“ ausgeübt wird oder sonst in irgendeiner Weise das Fleisch angesprochen wird, Erregung bewirkt werden soll.

17. Die Ordnung des Gottesdienstes selbst ist unter den vorgegebenen Prämissen frei aber darum nicht einfach gleichgültig. Die liturgische Ordnung, wiewohl nicht von Gott geboten und daher nicht gewissensverbindlich, stellt allerdings eine gute kirchliche Ordnung dar, eine geordnete Verkündigung von Gesetz und Evangelium, die insbesondere das Evangelium herausstellt, nicht vom Zentrum, dem Christus für uns, ablenkt, sondern zu ihm hinführt. Gesten und Handlungen, bei denen der Körper angesprochen wird oder die Regie übernimmt – Klatschen, Trampeln, Tanzen – haben daher keinen Raum im Gottesdienst. Der Gottesdienst und seine Ordnung sind vielmehr ein Spiegelbild des Bekenntnisses der Kirche. Die Liturgie darf darum auch nicht Produkt irgendeiner bestimmten Kultur sein und darf insbesondere nicht Elemente der heidnischen Kultur aufnehmen. die Liturgie dient nicht der Bewahrung irgendeiner volklichen Identität, sondern der Einen Kirche Jesu Christi und der Predigt des einen Evangeliums und der Verwaltung der von Christus eingesetzten Sakramente; 1. Petr. 2,9; Offenb. 7,9; 1. Kor. 10,16.17. Das gilt auch vom Liedgut der Kirche, das Ausdruck des Bekenntnisses, des Glaubens der Kirche ist.

Es ist darum falsche Lehre und Praxis, wenn jegliche Liturgie als angeblich unbiblische Praxis aufgehoben wird; wenn die Liturgie aufgelöst oder geändert wird mit dem Ziel, den Gottesdienst den Wünschen und Gedanken der Zeit und der Menschen anstatt dem Wort Gottes anzupassen; wenn dem Gottesdienst und dem Bekenntnis abträgliche, ihnen zuwider laufende Elemente verwendet werden, wie Rockmusik, Unterhaltung, Theater, Show, Tanz, Klatschen und andere Elemente ver Vergnügungs- und Unterhaltungsindustrie; wenn die Menschen emotionalisiert werden sollen; wenn heidnische Elemente in den christlichen Gottesdienst eingebaut werden; wenn bekenntniswidrige Liturgien oder Gesangbücher verwendet werden.

 

V. Das heilige Predigtamt oder Dienst des Wortes als Gottes Werkzeug in Gemeinde und Mission

18. Die GWB, wie auch viele Kreise der evangelikalen und pfingstlerisch-charismatischen Bewegung, drängt das heilige Predigtamt in den Hintergrund, indem sie a) „Laienprediger“ bevorzugt; b) die Aufgabe des Amtes hauptsächlich im „Trainieren“ oder befähigen der Laien sieht, wodurch sich das Predigtamt langfristig überflüssig mache; c) besondere „Gaben“ betont, von denen jeder eine oder etliche bekommen habe und in die Gemeinde einbringen solle, wobei zwischen natürlichen Begabungen und wirklichen geistlichen Gaben des Heiligen Geistes nicht unterschieden wird; d) behaupten, jeder habe ein Amt, jeder sei im Amt. Die Unterscheidung zwischen dem heiligen Predigtamt und dem Priestertum aller Gläubigen wird damit eingeebnet.

Christus aber hat nicht vielerei Ämter, Dienste in der Gemeinde gesetzt, sondern nur das eine, das heilige Predigtamt in der Gemeinde, ekkleesia, das Amt des Wortes und der Lehre oder das Amt des Evangeliums, Apg. 20,28; Eph. 4,11; 1. Kor. 10,26 ff.; 2. Kor. 5,19. Es ist dieses Amt, durch das Gott will, dass die Gnadenmittel, das Evangelium in Wort und Sakrament, das er der ekkleesia gegeben hat, öffentlich verwaltet werden als diejenigen Mittel, durch die Gott Menschen selig macht und die damit im Zentrum des kirchlichen Lebens stehen.

Dagegen ist das gemäß der Bibel geordnete Verhältnis in der Gemeinde dasjenige von Hirten und Schafen, Joh. 10; Matth. 9; 10; 1. Petr. 5; Apg. 20,28 ff., wobei der Hirte vor Gott für die Seelen der Schafe verantwortlich ist.

Die Aufgabe des heiligen Predigtamtes liegt nicht darin, „Visionen“ zu haben, Ziele vorzugeben, zu trainieren, kurz: sich selbst überflüssig zu machen, sondern in der Lehre und Predigt des Wortes Gottes in Gesetz und Evangelium und der schriftgemäßen Verwaltung der Sakramente, 1. Tim. 4; 2. Tim 4; 2,15; Matth. 28; Apg. 20,28 ff, in der Verteidigung der biblischen Lehre gegenüber Irrlehrern, Tit. 1,9.

Es ist zwar richtig, dass die Gemeinde ein Leib ist, der aus vielen Gliedern besteht, die einander dienen mit den mancherlei Gaben, die Gott ihnen gegeben hat. Und doch sind nicht diese Gaben das Eigentliche, Zentrale, machen nicht erst Gemeinde und Christsein aus. Sondern im Zentrum des gottesdienstlichen Lebens steht das Evangelium in Wort und Sakrament, steht die Vergebung der Sünden, nämlich dass der Pastor Haushalter der mancherlei Geheimnisse Gottes ist, 1. Kor. 4,1. Daraus erwächst dann von selbst als Frucht, dass wir einander dienen, wo es nötig ist, und zwar mit geistlichen Gaben, die der Heilige Geist gibt wem, wann und wo er will, 1. Kor. 12.

Die Gabe, von der Gott spricht, die bleiben soll in der Gemeinde, bis Christus wiederkommt, das ist die Gabe des heiligen Predigtamtes, Eph. 4,11; 1. Petr. 20,27; Apg. 20,28.

Jeder Gläubige ist durch die Wiedergeburt ein Priester und damit Mitinhaber der Schlüsselgewalt der Kirche, also von Wort und Sakrament, und soll die Schlüssel auch gebrauchen. Zu dem rechten Begriff des Gottesdienstes gehört auch, dass jegliche Arbeit, die wir tun, Gottesdienst sein soll, leben für Gott. Somit ist auch alles Wirken derer, die zum Priestertum aller Gläubigen gehören, Gottesdienst oder sollte es sein., denn wir sollen unsere Leiber als ein Opfer für Christus geben, Röm. 12,1, und in unserem täglichen Leben Christus verherrlichen.

Dazu ist aber auch der Gottesdienst, in dem uns Gott durch das Gnadenmittelamt dient, notwendig, weil in ihm rechte Sündenerkenntnis geweckt, die Vergebung der Sünden geschenkt und so die Liebe zu Christus entfacht wird und dadurch auch die Liebe und Kraft, dem Nächsten zu dienen.

Zur öffentlichen Verwaltung der Schlüssel aber hat Christus das heilige Predigtamt eingesetzt, das durch die Gemeide als Inhaberin der Schlüsselgewalt übertragen wird durch die Berufung. Das Priestertum aller Gläubigen hört durch solch eine Berufung nicht auf, an der Schlüsselgewalt Teil zu haben, z.B. im Überwachen der Lehre, in der Kirchenzucht, im Mitarbeiten und Mitentscheiden in allen Dingen, die die Gemeinde und ihre Arbeit betreffen, ebenso auch im alltäglichen Christenleben.

Weil der Diener am Wort Christi Knecht ist, Gal. 1, und damit für Christus der Gemeinde dient, so ist es Gott selbst, der durch ihn im Gottesdienst redet und handelt durch Wort und Sakrament. Dadurch wird Gemeinde Jesu Christi gebaut und erhalten. Wort und Sakrament machen den wahren, rechten Gottesdienst aus.

Die Predigt des Evangeliums hat dabei Vorrang, 1. Kor. 2,2; 2. Kor. 3; Röm. 1,16. Zugleich ist der Gottesdienst, gerade im Wort, Kampf mit dem Teufel und der Welt und unserem Fleisch, Matth. 13; 2. Kor. 10,4.5. Es geht darum, den ganzen Ratschluss Gottes zu verkündigen, Apg. 20,27, die Wahrheit zu lehren, die Irrlehre zu verwerfen, das christliche Leben zu prägen.

Das heilige Abendmahl ist dabei für den Christen von großer Bedeutung, zur Vergewisserung des Heils, zur Stärkung für die Hingabe und Nachfolge. Das Abendmahl ist dabei reines Geschenk, nicht menschliche Tat, auch nicht menschliche Selbstaufopferung.

Die GWB hat ein völlig anderes Verständnis von Gottesdienst. Dieses Verständnis kommt dem nahe von einer Massenveranstaltung mit einer Massenatmosphäre, in der er darum geht, dass die Teilnehmer „positive Erfahrungen“ machen. Theologisch-lehrmäßiger Tiefgang ist da nicht gefragt. Vielmehr gehe es darum, „Gott zu fühlen“.

Die lutherische Kirche hat dagegen als Ziel, dass die Christen durch Wort und Taufe zu rettenden Glauben kommen und dann durch Wort und Sakrament im Glauben erhalten werden und wachsen. Es geht dabei also gerade nicht um „Gruppengefühle“, denn die Gemeinde ist gebaut aus lebendigen (Einzel-)Steinen, 1. Petr. 2,5, nicht aus Steinblöcken. Gottesdienst ist also eine geistliche Handlung, 1. Petr. 2,5. Der Gottesdienstteilnehmer muss dabei seine Selbstkontrolle behalten und soll im Gewissen angesprochen werden. Das Getriebenwerden von Gefühlen, von einem Rausch, ist heidnisch, gehört zu Orgien, Voodoo, Teilen des Revivalism, zu den Pfingstlern und der Rockmusik und spricht die fleischlichen Sinne an, überwältigt Vernunft und Willen des Menschen. Es darf in einem Gottesdienst gerade nicht darum gehen, eine Stimmung, Massenatmosphäre wie in einem Stadion zu erzeugen, sondern Christus und sein Evangelium müssen im Zentrum stehen. Es geht auch nicht um Unterhaltung, um Effekte (etwa durch Pantomime, Clowns, Theater, Ballons oder andere Unterhaltungsshows), die den Gottesdienst trivialisieren, verweltlichen würden. Unterhaltungsgottesdienst ist, das lehrt uns Matth. 4,5.6, vom Teufel.

Vielmehr geht es im Gottesdienst, überhaupt auch in der evangelistischen und missionarischen Verkündigung, um Sünde, Gericht und Errettung. In Christus ist Gott auf die Erde gekommen, um uns in den Himmel zu heben und schenkt uns durch das Evangelium in Wort und Sakrament Vergebung der Sünden, Leben und Seligkeit – und damit haben wir schon Anteil am Himmel.

Der christliche Gottesdienst, die christliche Verkündigung überhaupt, braucht daher Ordnung, Disziplin, Würde, Ehrbarkeit und Andacht und daher einen entsprechenden Rahmen. Der Weg der Gemeinde Jesu muss nach oben führen, nicht nach unten. Der Geist muss den Körper führen, nicht umgekehrt Emotionen, der Körper, Gefühle, den Geist (denn so geht es in heidnischen Kulten zu).

Darum hat die Kirche Jesu Christi hat darum bei der Musik immer darauf geachtet, nicht heidnisch-kultische Musik zu verwenden. Das ist gerade auch in der Mission zu beachten. Er darf nicht darum gehen, ethnische Besonderheiten zu feiern, sondern den dreieinigen Gott zu ehren. Die Liturgie ist nicht der Ausdruck einer Kultur, sondern des Evangeliums. Die Kirchenlieder sollen den Glauben ausdrücken, christuszentriert sein, nicht darauf aus sein, das Gefühl anzusprechen.

Es ist daher falsche Lehre und Praxis, wenn die Unterschiede zwischen dem heiligen Predigtamt und dem Priestertum aller Gläubigen eingeebnet werden; wenn behauptet wird, die Aufgaben des Predigtamtes lägen darinnen, Visionen zu haben, Ziele vorzugeben, die Gemeinde zu trainieren; wenn der Unterschied zwischen der Gabe des heiligen Predigtamtes und den anderen geistlichen Gaben, die der Heilige Geist gibt, eingeebnet werden; wenn behauptet wird, die Gaben seien für den Christen frei verfügbar, er müsse nur wissen, welche er habe; wenn behauptet wird, jeder sei im Amt oder habe ein Amt.

19. Wer Christus in den Gnadenmitteln, Wort und Sakrament, hat, der hat das volle Evangelium und benötigt nicht erst noch besondere Zeichen und Wunder. Gott hat dazu keine „Gabe des Predigens“ oder „Gabe des Evangelisierens“ eingesetzt, sondern seine Gabe sind vielmehr Pastoren und Evangelisten, also solche, die im vorgegebenen Amt des Wortes und der Lehre arbeiten, Eph. 4,11; Apg. 20,28.

Zu diesem Amt gehört auch, die Gemeindeglieder zuzubereiten, dass sie rechter Haushalter und Zeugen werden, welche Zubereitung durch Lehre, Unterweisung, Predigt und Leben in den Sakramenten geschieht.

Die Gemeinde beruft in das Amt des Wortes und der Lehre und überträgt in dieser Berufung die öffentliche Verwaltung von Wort und Sakrament – aber die Gemeinde ist darum nicht Herr über das Amt in dem Sinne, dass sie Inhalt der Lehre, der Verkündigung gegen die Bibel ändern könnte oder dass sie die Inhaber des Amtes willkürlich ein- oder absetzen könnte, sondern tatsächlich handelt Gott durch die Gemeinde. Es kann daher keine zeitlichen Berufungen geben.

Es ist darum falsche Lehre und Praxis, wenn behauptet wird, dass die Gabe des Predigtamtes nicht genüge, sondern besondere Gaben, Zeichen, Wunder nötig seinen um das „volle Evangelium“ zu bekommen; dass der Pastor nur ein „Trainer“ und nicht wirklich Hirte sei; dass Gemeindeglieder die „Gabe des Predigens“ oder „des Evangelisierens“ haben könnten; dass die Bildung kleiner Zellen eine Kraftquelle für die Gemeinde sei anstatt des Gottesdienstes mit Wort und Sakrament.

 

VI. Ziel aller Evangelisation und Mission: konfessionelle Kirche

20. Die GWB hat das „Wachstum“ in den Rang eines Kennzeichens der wahren Kirche erhoben (was hieße, das sie unserem Heiland Jesus Christus, auch dem Wirken des Jeremia und vieler anderer Propheten, es absprechen würde, dass ihre kleinen Kreise „wahre Kirche“ waren). Damit hängt zusammen, wie schon oben angedeutet, dass die GWB wenig Wert auf die reine biblische Lehre legt. Sie hat daher keinerlei Verständnis (wie übrigens auch die Evangelikalen) für die konfessionelle Kirche und ist vielmehr unionistisch ausgerichtet. Das Kirchenverständnis der GWB ist, wie oben schon ausgeführt, veräußerlicht, geht, ähnlich wie Rom, von der sichtbaren Kirche aus, meint, die Kirche sei zählbar.

Die evangelisch-lutherische Kirche muss dagegen festhalten, dass es auch in der Evangelisation und Mission darum geht, das Rechte zu lehren. Es darf auch in der Mission nicht um Pragmatismus gehen, sondern um die echte biblische Substanz, darum, den Leib Christi durch Wort und Sakrament zu bauen und zu erhalten, alles zu lehren, was Christus befohlen hat, Matth. 28,18-20, den ganzen Ratschluss Gottes zu verkündigen, Apg. 20,27, auch wenn durch diesen Tiefgang nicht so viele erreicht werden sollten. Dazu gehört auch der Kampf gegen die falsche Lehre, Tit. 1,9. Der Wahlspruch bibel- und bekenntnistreuer lutherischer Kirche war daher stehts: Lutherische Kirche treibt lutherische Mission und baut dadurch lutherische Kirche. Treues Predigen, Katechisieren, eindeutige Sakramentslehre und biblische Seelsorge führen auch zu einer eindeutig lutherischen Prägung und sind die rechte Grundlage für die missionarische Arbeit. Praktisch wird dies in Gottesdiensten, in der Gemeindeschule, in thematischen Vorträgen, in Büchertischen mit Bibeln, Katechismen, dem Augsburgischen Bekenntnis, in Traktaten und Studienheften.

Die wahre Frucht ist dabei verborgen, denn der Glaube sitzt im Herzen. Die Kirche ist kein Seh-, sondern ein Glaubensartikel, denn sie ist nicht eine Ansammlung äußerer Dinge, sondern hat nur äußere Kennzeichen, an denen ihr Vorhandensein erkannt werden kann. Nur Gott selbst kennt die Seinen, 2. Tim. 2,19. Darum ist die Kirche auch von oben, von Gott her, seinem Wort und Sakrament her zu definieren, nicht vom Menschen her.

Dabei ist immer zu bedenken, dass was Wort Gottes nicht nur ruft und zum Glauben führt, zusammenbringt, sondern auch scheidet, 1. Kor. 11; Joh. 10,5; Röm. 16,17.18. Genau das will die GWB nicht, ja, will es unter allen Umständen vermeiden und verwässert darum die Lehre. Es muss vielmehr immer um das ganze Evangelium, die ganze Lehre, die ganze Bibel gehen.

Da, wo die Ordnung lebendig ist, ist die Aufgabe der Mission sage der ecclesia simplex, auch wenn sie manche praktische Dinge durch die ecclesia composita (Synode) ausführt. Die Hauptaufgabe der Synode aber ist es, Menschen zum Dienst auszubilden und über die Lehre zu wachen.

Es ist deshalb falsche Lehre und Praxis, wenn die unverkürzte Lehre der Heiligen Schrift abgeschwächt oder verkürzt wird und nur noch bestimmte, ausgesuchte Lehrartikel verkündet werden; wenn behauptet wird, die Frucht müsse sichtbar werden.

 

Wenn das dem Vorangegangenen verglichen wird, so wird deutlich, das lutherische Theologie und GWB unvereinbar sind.