WWARUM  WIR  SÄUGLINGE  TAUFEN !

 

Von

 

Pastor Jeffrey C. Kinery +

 

    Menschen, die als Erwachsene zum christlichen Glauben bekehrt wurden, haben Jesus Christus als ihren persönlichen Retter von Sünden kennengelernt durch die Predigt vom Glauben (Gal. 3,2), durch das Wort Gottes (Röm. 10,17). Sie bekennen ihren Glauben, bevor sie getauft werden (Apg. 8,13.37), und danach stärkt die Taufe ihren Glauben so, wie es das Heilige Abendmahl macht. Erwachsene werden also erst unterwiesen und dann getauft (Apg. 2,41; 8,35-38; 10,47-48; 16,14-15. 30-34; 18,8).

 

    Wenn es sich aber um Kinder handelt, so ist das eine andere Sache. Kleine Kinder kommen durch die Taufe in die christliche Kirche. Alle rechtgläubigen (orthodoxen) Kirchen praktizieren die Säuglings- oder Kindertaufe. Einzig die Sekten, die aus den häretischen Wiedertäufern (Anabaptisten) des 16. Jahrhunderts erwachsen sind, verweigern den Kindern dieses Gnadenmittel. Die Augsburgische Konfession der Evangelisch-Lutherischen Kirche lehrt, "daß man auch die Kinder taufen soll, welche durch solche Taufe Gott überantwortet und gefällig [lat. Text: in Gottes Gnade aufgenommen] werden. Derhalben werden die Wiedertäufer verworfen, welche lehren, daß die Kindertaufe nicht recht sei." (CA IX, 2.3) Ebenso sagt die Apologie der Augsburgischen Konfession: "Zum andern ists am Tage, daß Gott der Herr sich gefallen läßt die Taufe der jungen Kinder; derhalben lehren die Wiedertäufer unrecht, so dieselbige Taufe verdammen." (Apol. IX, 53) Die Evangelisch-Lutherische Kirche praktiziert, auf festem biblischen und historischen Grund stehend, die Kindertaufe aus folgenden Gründen:

 

    1. Kleine Kinder, Säuglinge, BENÖTIGEN die Taufe, weil sie, wie die Erwachsenen, durch die Erbsünde von Natur abgrundtief verdorben sind. Schon Babies sind ja bekannt dafür, daß sie aus reiner eifersüchtiger Selbstsucht schreien - ein Zug, den sie nicht gelernt haben, der ihnen nicht gelehrt wurde, sondern den sie in ihrer Natur haben. Von Natur aus sind Babies böse! Auch sie sind Nachkommen - und von gleicher Natur - dieses diebischen Gärtners (Adam) und ebenso dieses betrunkenen Seekapitäns (Noah). Die lutherischen Bekenntnisse verdammen die folgenden falschen Lehren: "Daß Kinder, die nicht getauft sind, vor Gott nicht Sünder, sondern gerecht und unschuldig seien, welche in ihrer Unschuld, weil sie noch nicht zu ihrem Verstand kommen, ohne die Taufe (derer, ihrem Vorgeben nach, sie nicht bedürfen) selig werden. Verwerfen also damit die ganze Lehre von der Erbsünde und was derselben anhanget." Ebenso sind diejenigen verdammt, die lehren, "daß Kinder nicht sollen getauft werden, bis sie zu ihrem Verstand kommen und ihren Glauben selbst bekennen können". Des weiteren ist der Gedanke verworfen "daß der Christen Kinder darum, weil sie von christlichen und gläubigen Eltern geboren, auch ohne und vor der Taufe heilig und Gottes Kinder seien; auch der Ursache der Kinder halben Taufe weder hoch halten noch fördern gegen die ausdrücklichen Worte der Verheißung Gottes, die sich allein auf die erstrecken, welche seinen Bund halten und denselben nicht verachten, 1 Mose 17,7 ff." (Konkordienformel, Epit. XII, Par. 6-8; s.a. Konkordienformel, Ausf. Darl. XII, Par. 11-13) Es kommt auch vor, daß Säuglinge sterben. Die Bibel lehrt, daß der Tod ein Lohn der Sünde ist (Röm. 6,23) - Babies sind also Sünder!

    1 Mose 5,3; 8,21; Psalm 25,7; 51,7; 58,4; Spr. 20,9.11; Hiob 14,1-4; 15,14; 25,4; 13,26; Pred. 7,20; Joh. 3,6; 9,34 a; Röm. 3,10-12. 19 b. 22 b. 23; 5,12. 15. 18-19. 22-23; Eph. 2,1-3; 1 Kor. 15,22; 2,14.     

 

    2. Kleine Kinder sind ganz gewiß in den BEFEHL eingeschlossen, "alle Völker" zu taufen. Kinder wurden in die Volkszählungen der alten Nationen eingeschlossen. Wenn einige argumentieren, daß auf Kleinkinder nicht ausdrücklich Bezug genommen wird in Jesu Einsetzung der christlichen Taufe, dann könnten wir auch hervorheben, daß ebensowenig erwachsene Männer oder Frauen bei den Worten "alle Völker" ausgewählt sind.

    Matth. 28,18-20. (Es ist typisch für die Baptisten, daß sie in diesen großen Auftrag Christi ein zeitliches Element und eine Abfolge hineinbringen, was grammatisch nicht annehmbar ist. "Machet zu Jüngern alle Völker" ist eine völlig richtige Übersetzung von 'mathateusate'. Auf dieses Wort folgen dann die Partizipien 'baptizontes' [taufend] und 'didaskontes' [lehrend]. Bei dieser Konstruktion wird also die Bedeutung weitergegeben: "machet Jünger durch taufen und lehren". Zwei Handschriften (B und D) haben sogar 'baptizantes', das ist 'getauft habend'. Die Baptisten nun erklären den Text als seien dies die Worte: 'mathateusantes' (Partizip) ... 'baptizate' ... 'didaskete', nämlich, "nachdem ihr sie zu Jüngern gemacht habt, tauft und lehrt sie", eine falsche Auslegung, die, neben dem, daß sie wenig Sinn macht, tatsächlich besagt, daß Jünger Christi gemacht werden könnten, bevor sie getauft und gelehrt würden. Wie soll das geschehen? Welch möglichen Mittel und Methoden könnten verwendet werden, um das zu erreichen? Leider wird keine vernünftige Antwort gegeben und ist, wie wir meinen, auch nicht möglich. (aus: "Baptism - Who and Why?" von S. Twenge, in: The Faithful Word, Vol. 13, Nr. 4, Nov. 1976, S. 6.))

 

    3. Die VERHEISSUNG der Erlösung durch die Taufe ist den Kindern gegeben: "Peter sprach zu ihnen: Tut Buße und lasse sich ein jeglicher taufen auf den Namen Jesu Christi zur Vergebung der Sünden, so werdet ihr empfangen die Gabe des Heiligen Geistes. Denn euer und eurer Kinder ist diese Verheißung und aller, die ferne sind, welche Gott, unser Herr, herzurufen wird." Apg. 2,38.39. Das griechische Wort für "Kinder" ist hier "teknois". Das ist ein Begriff, der Nachkommen und Kinder jeglichen Alters, einschließlich kleiner Säuglinge, einschließt. (vgl. Luk. 1,17; 3,8; Apg. 17,28.29)

 

    4. Das Sakrament der Taufe wird von St. Paulus MIT DER BESCHNEIDUNG VERGLICHEN. Die Beschneidung war im Alten Testament das Sakrament, durch das kleine Kinder, acht Tage alte männliche Säuglinge, in den Bund Israels, die Kirche, gebracht wurden. Gal. 3,6-8 informiert uns, daß der Bund, den Gott mit Abraham machte, eine Evangeliumsbeziehung war. Nach 1 Mose 17,9-14 sollte das sakramentliche Zeichen dieses Gnadenbundes die Beschneidung sein. Es sollte von Abraham und seinem Samen "bei seinen Nachkommen" gehalten werden. Es ist klar, daß, wenn auch das Zeichen der Beschneidung verschwunden ist, kleine Kinder immer noch in den Gnadenbund eingeschlossen sind (Gal. 3,15-17). Wie männliche Kinder zu Teilhabern des Bundes im Alten Testament durch die Beschneidung gemacht wurden, so sollen im Neuen Testament alle Kinder durch die Taufe zu Empfängern der göttlichen Gnade gemacht werden. St. Paulus nennt die Taufe die "Beschneidung ohne Hände, durch Ablegung des sündlichen Leibes im Fleisch, nämlich mit der Beschneidung Christi, in dem, daß ihr mit ihm begraben seid durch die Taufe; in welchem ihr auch seid auferstanden durch den Glauben, den Gott wirket, welcher ihn auferwecket hat von den Toten". (Kol. 2,11.12) In Röm. 2,28.29 spricht Paulus von der "Beschneidung des Herzens".

    Die Beschneidung war im Alten Testament befohlen (3 Mose 12,3), und es war eine schwere Sünde, wenn sie von einem Israeliten unterlassen wurde (2 Mose 4,23-26). Wurden die männlichen Säuglinge nicht beschnitten, so war dies eine Schande für das Volk (Jos. 5,2-9). Aber selbst das Alte Testament sprach von der "Beschneidung des Herzens" und, darüber hinaus, gebot den Juden, "das Herz deines Samens" zu beschneiden. Im Neuen Testament erfüllt die Taufe genau dies alles. (vgl. 5 Mose 10,16; 30,6 mit Kol. 2,11.12)

 

    5. In Epheser 5,25-26 lesen wir von der HEILIGUNG DER GESAMTEN KIRCHE. Paulus schreibt: "... gleichwie Christus auch geliebet hat die Gemeinde und hat sich selbst für sie gegeben, auf daß er sie heiligte, und hat sie gereiniget durch das Wasserbad im Wort." Da auch Kinder Teil der Kirche sein sollen, so müssen auch sie geheiligt und gereinigt sein durch das Wasserbad im Wort - durch die Taufe.

 

    6. Jüdische Rabbiner und Kommentatoren sprechen von verschiedenen JÜDISCHEN TAUFEN im Alten Testament. Maimonides sagt: "Auf dreierlei Weise trat Israel in den Bund ein: durch Beschneidung und Taufe und Opfer. Die Beschneidung war es in Ägypten, wie geschrieben steht: "Kein Unbeschnittener soll davon essen." [2 Mose 12,48] Die Taufe war es in der Wüste vor der Gesetzgebung, wie geschrieben steht: "Heilige sie heute und morgen, daß sie ihre Kleider waschen." [2 Mose 19,10] (Waschen der Kleider meinte das Waschen des gesamten Körpers.) Und vom Opfer gilt, was 2 Mose 24,5 geschrieben wird." Im Neuen Testament lesen wir von der 'Lehre von den Taufen' (nämlich der christlichen Taufe in Beziehung zu den jüdischen Waschungen) (Hebr. 6,2) und 'mancherlei Taufen' (Hebr. 9,10). Einige dieser Waschungen oder Taufen beinhalteten das Abwaschen, Begießen und Besprengen mit Wasser oder Blut (2 Mose 29,4.21; 3 Mose 14,7-9; 16,14-19; 4 Mose 19,7.13-21). Wichtig ist hier, daß Kinder in all diese Taufen eingeschlossen waren. Edward W. A. Koehler schreibt: "Es ist für unseren jetzigen Zweck ohne Bedeutung zu zeigen, ob diese Taufe (die oben von Maimonides erwähnte) eine göttliche Einsetzung war oder nicht; es genügt zu sagen, daß die Juden glaubten, daß in der Wüste das gesamte Volk, einschließlich der Kinder, getauft wurde. Sie hielten weiter dafür, daß diese Taufe für alle ihre Nachkommen gültig sei; filius baptizati habetur pro baptizato (die Kinder haben die Taufe um zu taufen)." Es wird anerkannt, daß diese alttestamentlichen Taufen keine christliche Taufe waren. Wenn jedoch das Volk gewohnt war, Kinder ebenso wie Erwachsene zu taufen, hätte dann nicht Jesus, als er Seine Taufe einsetzte, die Kinder ausdrücklich ausschließen müssen, wenn sie nicht mit eingeschlossen sein sollten? Koehler stellt wiederum fest: "Immer dann, wenn ein Brauch fortgeführt wird, muß nichts weiter dazu gesagt werden; wenn aber eine tiefgreifende Änderung eingeführt wird, so muß das denen, die unter dem alten Brauch aufgewachsen sind, gesagt werden." Taufen war nicht neu für die Juden. Jesus gab einem alten Brauch, der auch Kinder betraf, eine neue Bedeutung und Kraft. Christus hat die Kleinkinder nicht von Seiner Taufe ausgeschlossen; so dürfen wir es auch nicht tun.         

 

    7. Ähnlich zu dem vorangegangenen Argument ist die Sache der PROSELYTENTAUFE. Die jüdischen Autoritäten berichten uns, daß, wenn ein heidnischer Proselyt zum Judentum in diesen Glauben im Alten Testament eintrete, so würde er mit seinen Kindern getauft. Die Gemara Babylon stellt fest: "Wenn mit einem Proselyten seine Söhne und seine Töchter zu Proselyten gemacht werden, so gereicht das, was durch ihren Vater geschieht, auch ihnen zum Guten." "Sie sind gewohnt, einen solchen Proselyten in seiner Kindheit zu taufen auf das Bekenntnis des Hohen Rates." Die Mishna sowohl des babylonischen als auch des Jerusalemer Talmuds spricht von Proselyten, die in einem Alter unter drei Jahren getauft wurden. Maimonides schreibt: "Der Heide, der zu einem Proselyten gemacht wird, und der Sklave, der freigemacht wird, beide sind sie wie ein neugebornes Kind." Diese durch eine Taufe vollbrachte neue Geburt geht für Maimonides weiter: "Wenn ein Israelit ein kleines Heidenkind nimmt oder findet ein heidnisches Kind und tauft es zum Proselyten, so ist es ein Proselyt." Wiederum ist also dies der Punkt, daß dieser allgemein übliche Brauch Erwachsene und Kleinkinder gleichermaßen betraf. Die neue Bedeutung und Kraft, die mit dem alten Brauch verbunden wurde, schloß im Neuen Testament die Kinder nicht aus.  

 

    8. Alle Juden - Männer, Frauen und Kinder - wurden unter Mose getauft mit der Wolke und mit dem Meer [1 Kor. 10,2]. Von diesem alttestamentlichen Bild lesen wir: "Also zogen aus die Kinder Israel von Ramses gen Suchoth, sechshunderttausend Mann zu Fuß ohne die Kinder." (2 Mose 12,37) 2 Mose 14 berichtet uns von der Durchquerung des Roten Meeres durch alle Kinder Israel. Im Neuen Testament lesen wir: "Ich will euch aber, liebe Brüder, nicht verhalten, daß unsere Väter sind alle unter der Wolke gewesen und sind alle durchs Meer gegangen und sind alle unter Mose getauft mit der Wolke und mit dem Meer." (1 Kor. 10,1.2) Es ist selbstverständlich, daß die Kinder daran teilhatten und nicht zurückgelassen wurden, um durch die Hände der Ägypter dahingeschlachtet zu werden. Darüber hinaus sagt uns St. Paulus: "Das ist aber uns zum Vorbilde geschehen." (1 Kor. 10,6)

   

    9. Wie schon oben erwähnt, GIBT ES KEINE BESONDERE STELLE IN DER SCHRIFT, DIE BABIES VON DER TAUFE AUSSCHLIESST. Wir würden dies erwarten, wenn wir bedenken, wie weit verbreitet der Brauch war, Kleinkinder von Juden und Proselyten zum Judentum zu taufen. Auf der anderen Seite setzt die Schlußfolgerung der eindeutigen Bibelstellen klar die Praxis der Kleinkindertaufe voraus. Die Lehre ist klar, auch wenn wir zugegebenermaßen kein direktes Wort der Art haben "Tauft Babies." Die Praxis der Kindertaufe ist gegründet auf einer notwendigen, logischen Schlußfolgerung aus den Worten der Bibel, die lehren, daß jedermann, die kleinen Kinder eingeschlossen, voll Sünde ist, einen Erlöser braucht und daß die Taufe das Mittel ist, wodurch jegliche Person den rettenden Glauben an Jesus Christus sich aneignen kann. (So findet sich z.B. auch das Wort "Dreieinigkeit" nicht in der Bibel, aber die Lehre davon ist dennoch schriftgemäß, denn sie folgt aus den eindeutigen Bibelstellen, die uns lehren, daß es nur einen wahren Gott gibt, der sich selbst in drei voneinander verschiedenen Personen - Vater, Sohn und Heiliger Geist - offenbart hat, daher Dreieinigkeit, drei individuelle Personen in einem göttlichen Sein oder Wesen.)

 

    10. Christus HAT NIE DIE KINDERSEGNUNG EINGESETZT. Einige Kirchen versuchen den Leerraum, der dadurch entstanden ist, daß sie die Kindertaufe verwerfen, damit zu füllen, daß sie die Babies vor die Gemeinde oder zum Altar bringen lassen, um sie zu segnen und zu weihen. Dies mag ein lieblicher Brauch sein, aber er ist ohne göttliches Mandat. Jesus hat weder die Erwachsenen-, noch die Kindertaufe eingesetzt, sondern einfach nur die Taufe - die Taufe für alle. Sie ist des Erlösers gnädige Einrichtung, die bestimmt ist für alle Einwohner der Erde, die menschliche Seelen sind. Irgendwelche Ersatzmittel können das nicht geben, was die Taufe gibt.

 

    11. Die Praxis, ganze Haushaltungen im Neuen Testament zu taufen, schloß mit größter Gewißheit die Kleinkinder ein. Nicht nur die Kinder, sondern auch die Sklaven mit ihren Kindern waren nach dem jüdischen, griechischen und römischen Verständnis von Familie und/oder Haushalt eingeschlossen. In Apg. 10,24 lernen wir, daß Cornelius "seine Verwandten und Freunde" zusammengerufen hatte. Bei Petri Predigt "fiel der Heilige Geist auf alle, die dem Wort zuhöreten". (V. 44) Petrus "befahl, sie zu taufen in dem Namen des HErrn". (V. 48) Und Petrus verkündigte über Cornelius, daß dadurch "du selig werdest und dein ganzes Haus". (Apg. 11,14) Gleicherweise wurde Lydia "und ihr Haus getauft" (Apg. 16,15); der Gefängniswärter in Philippi "ließ sich taufen und alle die Seinen alsobald" (Apg. 16,33); "Crispus aber, der Oberste der Schule, glaubte an den HErrn mit seinem ganzen Hause; ... und ließen sich taufen" (Apg. 18,8); und Paulus schreibt "Ich habe aber getauft des Stephanas Hausgesinde [griech.: Haushalt]." (1 Kor. 1,16). 

 

    12. Die BEISPIELE CHRISTI UND PAULI werden zuweilen dazu mißbraucht, die Notwendigkeit der Taufe überhaupt, nicht nur für Kleinkinder, zu leugnen. Es wird gesagt, daß Christus nie getauft habe, da Joh. 4,1-2 berichtet: "Da nun der Herr inneward, daß vor die Pharisäer kommen war, wie Jesus mehr Jünger machte und taufte denn Johannes (wiewohl Jesus selber nicht taufte, sondern seine Jünger), verließ er das Land Judäa und zog wieder nach Galiläa." Aber die Taufe durch Jesu Jünger war nichtsdestotrotz  eine gültige Taufe in seinem Namen. Joh. 3,22 sagt: "Danach kam Jesus und seine Jünger in das jüdische Land und hatte daselbst sein Wesen mit ihnen und taufete." Weiter: "Und [des Johannes Jünger] kamen zu Johannes und sprachen zu ihm: Meister, der bei dir war jenseit des Jordans, von dem du zeugetest, siehe, der taufet, und jedermann kommt zu ihm." (Joh. 3,26) Jesu Taufe, von seinen Jüngern an allen vollzogen, die zu ihm kamen, war allerdings seine von ihm autorisierte Taufe. Wenn auch Jesus selbst niemals andere taufte, so hat er uns allen doch ein Beispiel gegeben, indem er sich von Johannes taufen ließ (Matth. 3,13-17) und für Diener sorgte, die sie an uns vollziehen sollen. Des weiteren, wenn auch St. Paulus schreibt "Denn Christus hat mich nicht gesandt zu taufen, sondern das Evangelium zu predigen", so ist es doch eine Tatsache, daß Paulus "Crispus und Gaius" und viele andere getauft hat (1 Kor. 1,14-17). Paulus selbst wurde getauft (Apg. 9,18). Paulus machte seinen Einwurf zu den Korinthern im Hinblick darauf, "daß nicht jemand sagen möge, ich hätte auf meinen Namen getauft". (V. 15) So sind also die Beispiele Christi und St. Pauli vielmehr eine Mahnung an alle, Kinder eingeschlossen, getauft zu werden.

 

    13. Das ZEUGNIS DER FRÜHEN KIRCHE zeigt, daß die Kleinkindertaufe praktiziert wurde. Die apostolischen und Kirchenväter bezeugen ihren Gebrauch und ihre Akzeptanz. Polycarp, Clemens von Rom, Justin Martyr, Irenäus, Tertullian (durch seine Opposition), Origenes, Cyprian, Pelagius und Augustinus bezeugen alle ihren Gebrauch von Anfang an. Hören wir einige ihrer Zeugnisse:

 

    Augustinus, 354-430, tröstet einige, die beunruhigt waren, "daß einige ihre Kinder nicht zur Taufe bringen, mit dem Glauben, daß sie durch geistliche Gnade zum ewigen Leben wiedergeboren werden könnten".

    Pelagius, geboren 330, schreibt: "Ich habe selbst von keinem ungläubigen Häretiker gehört, der behauptet hätte, das Kinder nicht zu taufen seien."

    Auf dem Konzil von Karthago, 254, sagten die sechsundsechzig Bischöfe: "Wir dürfen niemanden am Getaufwerden und der Gnade Gottes hindern, denn er ist gnädig und freundlich zu uns allen. Und diese Regel, da sie für alle gilt, sollte unserer Meinung nach besonders im Hinblick auf die Kinder, auch die neugeborenen, beachtet werden." 

    Origenes, 184-254, hält fest: "Gemäß der Praxis der Kirche, wird die Taufe auch Kindern gegeben, denn, wenn in den Kindern nichts wäre, was Vergebung und Gnade benötigte, so würde die Gnade der Taufe auch nicht notwendig erscheinen." Weiter schreibt er: "Das ist auch der Grund, weshalb die Kirche von den Aposteln her es überliefert bekommen hat, auch den Kindern die Taufe zu geben. Denn die, denen die göttlichen Geheimnisse anvertraut waren, wußten, daß in allen Personen eine natürliche Verunreinigung durch die Sünde ist, welche durch Wasser und Geist hinweggetan werden muß, weshalb ja auch der Leib selbst ein Leib der Sünde genannt wird." Weiter: "Kleinkinder sind um der Vergebung der Sünden willen zu taufen."

 

    Die Evangelisch-Lutherische Synode von Missouri zitiert in ihrer Serie zum hundertjährigen Jubiläum, The Abiding Word, Bd 2, S. 399-400, zusätzliche historische Zeugnisse:

 

Zusätzliche Zeugnisse für die Kindertaufe: Augustinus (+ 430): "Die Pelagianer haben es nie gewagt, die Kindertaufe zu leugnen, da sie wußten, daß, wenn sie sie geleugnet hätten, sie dann gewiß mit der ganzen Kirche hätten kämpfen müssen" (s. Lib. I:26). Wieder sagt er im Hinblick auf die Kindertaufe, daß "die gesamte Kirche sie gebraucht" und daß der Brauch, Kleinkinder zu taufen, "von den heiligen Aposteln herkommt". In seiner Zehnten Predigt ermahnt er seine Hörer: "Laßt euch von niemandem durch falsche Lehre verführen. Die Taufe von Kindern ist von der Kirche zu allen Zeiten praktiziert worden. ... und hat sie bis auf diesen Tag fortwährend bewahrt." (zitiert in Rambachs Erläuterungen, S. 681; für das gesamte Zitat s. Syn.Ber. d. Canada-Distr., 1888, S. 45) Derselbe Bericht zitiert auch ein Dekret des Konzils von Karthago (418): "Wer immer leugnet, daß neugeborene Kinder getauft werden sollen, der sei verflucht" (ebd. S. 46). Der Bericht zitiert darüber hinaus Tertullians Argument gegen die Kindertaufe (Tertullian, + ca. 220): "Von der Natur und Anlage jedoch und auch dem Alter jeder Person, ist es viel nützlicher, die Taufe hinauszuzögern; und das betrifft besonders kleine Kinder ... Laßt sie kommen, wenn sie heranwachsen; laßt sie kommen, wenn sie lernen (das ist), wenn sie gelehrt sind, wozu sie kommen. Warum soll das unschuldige Alter zur Vergebung der Sünden eilen? In irdischen Dingen gehen die Leute gewiß weitaus vorsichtiger vor; sie vertrauen denen göttliche Dinge an, denen sie nicht irdische Güter anvertrauen. Laßt die Kinder erst lernen, nach der Erlösung zu fragen, damit es klar ist, daß wir sie denen geben, die danach fragen. Aus dem gleichen starken Grund soll sie [die Taufe] auch bei den Unverheirateten herausgezögert werden. Wenn jemand die Bedeutung der Taufe betrachtet, so wird er ängstlicher sein, wenn er sie erhält, als wenn er sie hinauszögert." (ebd. S. 48) Der Bericht zitiert Luther mit den Worten, daß "Tertullian unter den Kirchenvätern ein richtiger Karlstadt war" (S. 47). [Abgesehen von der damals zwar weit verbreiteten Haltung der Taufverzögerung, ist schon allein die Begründung dafür völlig unbiblisch, zeigt, wie wenig Tertullian die Tiefe der Erbsünde und damit die Verdorbenheit des Säuglings erkannt hatte, ebenso, wie sehr er im Gesetz verhaftet war und die Heiligung ins Zentrum rückte und nicht das Evangelium als Zentrum des christlichen Glaubens erfaßte und wie nötig jeder Mensch die Vergebung der Sünden hat, die ihm in der Taufe zugeeignet wird und sie daher gar nicht zu früh bekommen kann. Ein Argument aber führt Tertullian für seine Haltung nicht an, was aber doch so bestechend, so durchschlagend gewesen wäre, wenn er es hätte bringen können: nämlich, daß die Kindertaufe erst später aufgekommen sei, etwa im zweiten Jahrhundert. Nein, das brachte er nicht, weil er es nicht konnte, denn es hätte nicht der historischen Wahrheit entsprochen (ebenso kennt die alte Kirche kein Taufdiskussion derart, daß eine Änderung des Taufmodus stattgefunden hätte im Blick auf das Alter des Täuflings. Die Diskussion, die in Tertullians Zeit aufkam, die auch als einzige bekannt ist, ging ja genau in die entgegengesetzte Richtung, nämlich die Kinder von der Taufe auszuschließen.) Anm. d. Übers.] - Cyprian, Bischof von Karthago (+ A.D. 258) war ein Freund aber kein Gefolgsmann Tertullians. Dieser Cyprian wies einen Presbyter in Numidien mit Namen Fidus zurecht, da er lehrte, die kleinen Kinder sollten nicht vor dem achten Tag getauft werden, da im Alten Testament die männlichen Kinder am achten Tag beschnitten wurden. Er [Cyprian] schreibt: "Und dies war nun, liebster Bruder, das abschließende Urteil auf unserem Konzil (in Karthago), daß niemand ausgeschlossen sein sollte von der Taufe und der Gnade Gottes, der doch so gnädig und gut und treu zu allen ist. Da nun dieser (gütige, göttliche) Vorsatz beachtet und erhalten werden soll im Blick auf alle, so halten wir dafür, daß dieser Vorsatz umso mehr die jungen Kinder, also auch die neugebornen, einschließt." (Ep. LIX. Ad Fidum. ebd. S. 49). Irenäus, ein Schüler Polycarps, der seinerseits ein Schüler des Apostels Johannes war, war Bischof in Gallien (Frankreich) seit A.D. 177. In seinem wohlbekannten Schreiben "Gegen die Häretiker" sagt er (II,22): Christus ist gekommen, daß er alle durch sich errette, ich sage: alle, die durch Ihn zu Gott wiedergeboren werden, die Kleinkinder und die Kindlein nicht weniger als solche, die Knaben oder junge Männer oder alte Männer sind." Irenäus erwähnt hier die Taufe nicht ausdrücklich, aber, wie der Bericht zeigt, schreibt er immer von der Wiedergeburt und Erlösung kleiner Kinder in einer solchen Weise, daß die Kindertaufe vorausgesetzt werden muß (ebd. S. 49). Weiter zeigt der Bericht, daß Justin Martyr (* A.D. 89; + A.D. 166) in seinem Dialog mit Tryphos, dem Juden darlegt, daß die Taufe die Beschneidung des Neuen Testamentes ist, und daß er in seiner Apologie, an Antonius Pius gerichtet (A.D. 81-166) schreibt: "Sehr viele Personen im Alter von sechzig oder siebzig Jahren, beides, Männer und Frauen, die als ein Kind zu Jüngern Christi (er verwendet hier dasselbe Verb matheteuein, das Christus in Matth. 28,19 verwendet) gemacht wurden, bleiben unbefleckt und unverheiratet." Ganz deutlich bezieht sich Justin Martyr hier auf die Heilige Taufe. Aber das bedeutet, daß die Kindertaufe nicht nur während seines Lebens (ca. A.D. 100) praktiziert wurde, sondern schon, während einige der Apostel (z.B. St. Johannes) noch lebten (ebd. S. 50).

     

    Es ist einfach eine Tatsache, daß diese Männer zeitlich weit näher an den Aposteln waren, als wir es sind. Ihre überwältigende Stimme gibt ein klares Zeugnis davon, daß die Säuglingstaufe praktiziert wurde. Sollen die Praktiken der modernen Leugner der Säuglingstaufe (gegründet auf den extremen Spekulationen der Wiedertäufer des 16. Jahrhunderts) uns als Führer dienen, oder sind die konkreten Zeugnisse vieler gottesfürchtiger Männer (die mit der Schriftwahrheit übereinstimmen) unser Vorbild?

 

    14. Das BEISPIEL JOHANNES' DES TÄUFERS sollte uns veranlassen, Babies zu taufen, denn es steht geschrieben, es "ging zu ihm hinaus die Stadt Jerusalem und das ganze jüdische Land und alle Länder an dem Jordan und ließen sich taufen von ihm im Jordan und bekannten ihre Sünden" [Matth. 3,5.6]. Gewiß sind in diese großen Mengen auch Kinder eingeschlossen.

 

    15. Eines der Hauptargumente derer, die gegen die Säuglingstaufe sind, ist ihre Behauptung, daß Babies nicht glauben könnten. Die Bibel lehrt jedoch, daß kleine Kinder glauben können - SÄUGLINGE, KLEINKINDER KÖNNEN GLAUBEN! Natürlich ist der Glaube der Kleinkinder kein reflektierender Glaube (fides reflexa), also kein bewußter und überlegender Glaube. Dennoch aber haben sie einen tatsächlichen Glauben (fides actualis), der sich wirklich an sein Gegenüber - Jesus Christus - hält. Dieser direkte Glaube (fides directa), der sich direkt Christus aneignet, ist nicht bloß ein möglicher oder als zukünftig möglicher Glaube, sondern ein wirklicher und rettender. Jesus sagt: "Wahrlich, ich sage euch, es sei denn, daß ihr euch umkehret und werdet wie die Kinder (paidia [d.i.: der Knabe, kleines Kind]), so werdet ihr nicht ins Himmelreich kommen. Wer nun sich selbst niedriget wie dies [kleine] Kind (paidione), der ist der Größte im Himmelreich. Und wer ein solches [kleines] Kind (paidione) aufnimmt in meinem Namen, der nimmt mich auf. Wer aber ärgert dieser Geringsten (nikrone - mikroskopisch, winzig, die ganz Kleinen) einen, die an mich glauben dem wäre besser, daß ein Mühlstein an seinen Hals gehänget und er ersäuft würde im Meer, da es am tiefsten ist. ... Sehet zu, daß ihr nicht jemand von diesen Kleinen verachtet! Denn ich sage euch: Ihre Engel im Himmel sehen allezeit das Angesicht meines Vaters im Himmel." (Matth. 18,3-6.10) Weiter sagt der Heiland: "Also auch ist's vor eurem Vater im Himmel nicht der Wille, daß jemand von diesen Kleinen (nikrone) verloren werde." (V. 14) In Matth. 19,14 spricht Jesus von "Kindlein" (paidia) und sagt: "solcher ist das Himmelreich". Das heißt also, daß wir im Glauben werden sollten wie sie, um Gottes Reich zu ererben. Sie sind das höchste Beispiel des Glaubens und haben das Vertrauen, das wir nachahmen sollen. Jesus sagt: "Wahrlich, ich sage euch, wer nicht das Reich Gottes nimmt wie ein Kind (paidione), der wird nicht hineinkommen." (Luk. 18,17) In Luk. 10,21 (Matth. 11,25) lesen wir: "Zu der Stunde freuete sich Jesus im Geist und sprach: Ich preise dich, Vater und Herr Himmels und der Erde, daß du solches verborgen hast den Weisen und Klugen und hast es offenbart den Unmündigen (napiois)." Matth. 21,15-16 erwähnt, daß "die Kinder (paidias) im Tempel schreien und sagen: Hosianna dem Sohn Davids!" was den Hohenpriestern und Schriftgelehrten mißfiel, und Jesus sie deshalb zurechtwies, indem er das Alte Testament (Ps. 8,3) zitiert, so es heißt: "Habt ihr nie gelesen: Aus dem Munde der Unmündigen und Säuglinge (napione kai thelazontone) hast du Lob zugerichtet?" Luk. 18,15 erwähnt, daß "sie brachten auch junge Kindlein (brephee) zu ihm, daß er sie sollte anrühren". Als die Jünger sie zurückwiesen, sagte Jesus: "Lasset die Kindlein (paidia) zu mir kommen und wehret ihnen nicht; denn solcher ist das Reich Gottes." (V. 16) Diese "jetzt gebornen Kindlein" (artigeneeta brephee) sind "gierig nach der vernünftigen lautern Milch" des Wortes (1 Petr. 2,2 [hier wird zwar nur vergleichsweise von den neugebornen Kindern gesprochen, nämlich daß wir so begierig nach Gottes Wort sein sollen, wie dies kleine Kinder nach der Muttermilch sind; aber es zeigt dies Wort, daß der auch an anderen Stellen verwendete Begriff 'brephee' eben gerade auch Säuglinge umschließt, Anm. d. Übers.]) Bedenken wir insbesondere, daß "Kindlein" (brephee) auch den Fötus im Mutterleib einschließt (Luk. 1,41.44; 2,12.16; 18,15; Apg. 7,19; 2 Tim. 3,15). St. Johannes spricht Gläubige immer wieder als "Kindlein" (teknia und paidia) in seinen drei Briefen an (1 Joh. 2,1.13.18.28; 3,7.10; 4,4; 5,21; 2 Joh. 1,13; 3 Joh. 4). Es ist offensichtlich, daß die griechischen Worte für "Kinder" (teknois), "Kindlein" (paidia), Babies (napione), "die Kleinen" (mikrone), "kleine Kinder" (brephee) und "Säuglinge" (thelazontone) wechselweise in der Schrift verwendet werden, und es wird von diesen ausgesagt, daß sie "glauben", "ihrer das Himmelreich ist", sie "Gott preisen" und daß wir wie sie werden sollen. Wenn darauf bestanden wird, daß rettender Glaube ein bewußtes vernünftiges Verstehen erfordert, dann fragen wir, ob eine Person Glauben hat, während sie schläft, bewußtlos, verwirrt ist, im Koma liegt oder geistig ernstlich behindert ist? Babies können glauben und die Taufe wirkt in ihnen diesen Glauben.              

  

    16. Den Christen ist es befohlen, DIE BABIES ZU JESUS CHRISTUS ZU BRINGEN. In Mark. 10,13-16 (Matth. 19,13-15; Luk. 13,15-17) wird uns gesagt, daß wir es nicht hindern sollen, sondern erlauben, daß kleine Kinder zu Jesus gebracht werden. Zuvor hat Jesus gesagt: "Wer ein solches Kindlein in meinem Namen aufnimmt, der nimmt mich auf." (Mark. 9,37) Bringen etwa christliche Eltern ihre Babies nicht gerade dann zu Christus, wenn diese kleinen Kinder in der Taufe "Christus anziehen" (Gal. 3,27)?

 

    17. DIE TAUFE IST NOTWENDIG, um in Gottes Reich einzutreten. In Joh. 3,3-6 lesen wir: "Jesus antwortete und sprach zu ihm: Wahrlich, wahrlich, ich sage dir: Es sei denn, daß jemand von neuem geboren werde, kann er das Reich Gottes nicht sehen. Nikodemus spricht zu ihm: Wie kann ein Menschen geboren werden, wenn er alt ist? Kann er auch wiederum in seiner Mutter Leib gehen und geboren werden? Jesus antwortete: Wahrlich, wahrlich, ich sage dir: Es sei denn, daß jemand geboren werde aus dem Wasser und Geist, so kann er nicht in das Reich Gottes kommen. Was vom Fleisch geboren wird, das ist Fleisch, und was vom Geist geboren wird, das ist Geist." In Mark. 16,16 hebt der Herr hervor: "Wer da glaubet und getauft wird, der wird selig werden; wer aber nicht glaubet, der wird verdammt werden." Eltern, die sich weigern, ihre Kinder zu taufen, sind wie die "Pharisäer und Schriftgelehrten", die sich weigerten, "sich taufen zu lassen mit der Taufe des Johannes" und so "verachteten Gottes Rat wider sich selbst und ließen sich nicht von ihm taufen". (Luk. 7,29.30) Denen, die die Taufe verweigern und verwerfen, können wir keinen Trost anbieten. Wir wagen es niemals, ihnen den Eindruck zu geben, daß sie die Erlösung empfangen, wenn sie Gottes Sakrament verachten. Wenn sie das Beispiel des Schächers am Kreuz aufwerfen, dem Christus das Paradies verhieß, müssen wir fragen: 1) Woher wissen wir, daß er nicht während seines Lebens mit der Taufe des Johannes getauft wurde (Seine Taufe wird nicht erwähnt, ebensowenig aber auch abgewiesen)? 2) Kann eine Ausnahme, die Christus von seiner Regel in Joh 3,5 zuließ und einem Einzelnen in Luk. 23,43 gewährte, auf alle bezogen werden? (Wir sind an die Gnadenmittel gebunden, Christus nicht.) [Wir müssen auch sehen, daß dieser Schächer, selbst wenn er nicht getauft worden ist, die Taufe ja nicht deshalb nicht empfing, weil er sie verachtete, sondern weil er nicht mehr die Gelegenheit dazu hatte, sie zu empfangen. Der Glaube ist absolut, unbedingt notwendig zur Erlösung, die Taufe ist notwendig als das Mittel, neben dem Evangelium im Wort, die Erlösung zu empfangen; es sei denn, sie kann aus besonderen Umständen heraus nicht erlangt werden und so Gott allein durch das Evangelium im Wort errettet. Anm. d. Übers.] 3) Christus hatte seine Taufe noch nicht eingesetzt; dies machte er erst unmittelbar vor seiner Himmelfahrt (Matth. 28,18-20).

 

    18. Wir müssen stets bedenken, daß die Heilige Taufe das WUNDER DER BEKEHRUNG wirkt, hervorgebracht vom Heiligen Geist durch Gottes Wort, im Herzen eines Kindes oder eines Erwachsenen. Diejenigen, die gegen die Kindertaufe sind, kommen alle von einer synergistischen Sicht der Bekehrung her ('Synergismus' kommt vom Lateinischen 'syn' = 'mit', 'argo' = 'arbeiten', meint also Mitarbeiten und behauptet, daß der Mensch in seiner Bekehrung mit Gott zusammenarbeiten könne. Es wird gesagt, daß eine Person erst so alt werden müsse, daß sie Rechenschaft ablegen könne, die Verantwortung tragen, um sich Jesus zu übergeben, für Jesus zu entscheiden, Jesus in ihr Leben einzuladen, zu wählen zu glauben oder Jesus als ihren persönlichen Heiland suchen zu können. Die Bibel sagt uns jedoch, daß die Errettung das Ergebnis von Gottes Entscheidung über uns ist und niemals von uns im Blick auf Ihn. Sonst wäre ja unsere "Entscheidung" ein gutes Werk von unserer Seite, das dem Glauben voranginge und bedeuten würde, daß wir unsere Errettung verdienen würden oder doch an ihr teilnähmen. Wir können aber die Erlösung nicht durch Werke, Mittun bekommen (Röm. 3,24.28; 5,15.18; 11,6; Tit. 3,5; Eph. 2,8.9; Gal. 2,11); wir können sie nur als ein Geschenk durch den Glauben empfangen. Die Erlösung ist einzig und allein und völlig Gottes Werk (Monergismus) durch sein Wort (Joh. 6,44.65; 15,5.6; Röm. 9,16; Eph. 1,19.20; 2,13; 1 Kor. 12,3; Kol. 2,12). Die Taufe ist das Wasser mit Gottes Wort verbunden. Sie erlöst wahrhaftig! Beachte die folgenden Segnungen, die die Taufe gibt:

 

Apg. 2,38: "... und lasse sich ein jeglicher taufen auf den Namen Jesu Christi zur Vergebung der Sünden, so werdet ihr empfangen die Gabe des Heiligen Geistes."

Apg. 22,16: "Stehe auf und laß dich taufen und abwaschen deine Sünden und rufe an den Namen des Herrn."

Röm. 6,3-14: "Wisset ihr nicht, daß alle, die wir in Jesum Christum getauft sind, die sind in seinen Tod getauft? So sind wir je mit ihm begraben durch die Taufe in den Tod, auf daß, gleichwie Christus ist auferweckt von den Toten durch die Herrlichkeit des Vaters, also sollen auch wir in einem neuen Leben wandeln. ... dieweil wir wissen, daß unser alter Mensch samt ihm gekreuziget ist, auf daß der sündliche Leib aufhöre, daß wir hinfort der Sünde nicht dienen. Denn wer gestorben ist, der ist gerechtfertiget von der Sünde. ... Denn die Sünde wird nicht herrschen können über euch, sintemal ihr nicht unter dem Gesetze seid, sondern unter der Gnade."

1 Kor. 6,11: "Aber ihr seid abgewaschen, ihr seid geheiliget, ihr seid gerecht worden durch den Namen des Herrn Jesu und durch den Geist unsers Gottes."

1 Kor. 12,13: "Denn wir sind durch einen Geist alle zu einem Leibe getauft, wir seien Juden oder Griechen, Knechte oder Freie, und sind alle zu einem Geist getränket."

Gal. 3,26.27: "Denn ihr seid alle Gottes Kinder durch den Glauben an Christum Jesum. Denn wieviel euer getauft sind, die haben Christum angezogen."

Eph. 4,3-6: "Seid fleißig, zu halten die Einigkeit im Geist durch das Band des Friedens. Ein Leib und ein Geist, wie ihr auch berufen seid auf einerlei Hoffnung eurer Berufung. Ein Herr, ein Glauben, eine Taufe, ein Gott und Vater (unser) aller, der da ist über euch alle und durch euch alle und in euch allen."

Eph. 5,25-27: "Ihr Männer, liebet eure Frauen, gleichwie Christus auch geliebet hat die Gemeinde und hat sich selbst für sie gegeben, auf daß er sie heiligte und hat sie gereiniget durch das Wasserbad im Wort, auf daß er sie sich selbst darstellete als eine Gemeinde, die herrlich sei, die nicht habe einen Flecken oder Runzel oder des etwas, sondern daß sie heilig sei und unsträflich."

Tit. 3,5-7: "Nicht um der Werke willen der Gerechtigkeit, die wir getan hatten, sondern nach seiner Barmherzigkeit machte er uns selig durch das Bad der Wiedergeburt und Erneueurng des Heiligen Geistes, welchen er ausgegossen hat über uns reichlich durch Jesum Christum, unsern Heiland, auf daß wir durch desselbigen Gnade gerecht und Erben seien des ewigen Lebens nach der Hoffnung."

1 Petr. 3,20.21: "... zu den Zeiten Noahs, da man die Arche zurüstete, in welcher wenig, das ist, acht Seelen behalten wurden durchs Wasser, welches nun auch uns selig macht in der Taufe, die durch jenes bedeutet ist, nicht das Abtun des Unflats am Fleisch, sondern der Bund eines guten Gewissens mit Gott duch die Auferstehung Jesu Christi."

 

    Ist es denn so schwer zu glauben, daß der Gott, der die Herzen erwachsener Menschen überwindet und sie durch sein Wort zum Glauben bringt, durch die Verbindung seines Wortes im Gebrauch des Wassers im Herzen eines kleinen Kindes, eines Säuglinges, eine Bekehrung wirken und seinen Heiligen Geist ihm senden kann? Derselbe Geist ruft durch den Mund der Kindlein: "Abba, lieber Vater". (Röm. 8,15-16)

 

    Ist die Taufe absolut notwendig? Was ist mit denjenigen Kindern christlicher Eltern, die sterben, bevor sie getauft werden konnten? Wenn es sich bei den Eltern dieser Kinder um gläubige (nicht ungläubige) Personen handelt, die beabsichtigten, ihr Kind zu taufen und die Taufe nicht verwerfen, so "befehlen wir dieses Kind der Barmherzigkeit des Herrn an", wie die lutherische Liturgie sagt. Dafür haben wir gute Gründe:

 

    1. Die Zusammenhänge solcher Abschnitte, die scheinbar die absolute Notwendigkeit der Taufe lehren, zeigen an, daß diese Worte Aussagen des Gesetzes sind, nicht des Evangeliums. Joh. 3,5 und Luk. 7,29.39 wurden zu Ungläubigen gesprochen, zu Pharisäern, die die Taufe verwarfen. In Mark. 16,16 fehlt die verwerfende Formel "und derjenige, der nicht getauft wird, soll verdammt werden". Nur der Unglaube verdammt. Luther sagt im Großen Katechismus, daß es die Verachtung der Taufe ist, die verdammt, nicht ihr Mangel. Luther sagt: "Der ungetaufte Gläubige wird nicht verdammt. Der ist verdammt, der nicht glaubt." (St. Louis ed., XII, 1706)

    2. Wir sind wohl an die Gnadenmittel (Wort und Sakramente) gebunden, aber bedenke, daß Gott nicht gebunden ist. Er kann, wenn er es so wählt, den Glauben in einem Säugling auch außerhalb der Taufe schaffen, geradeso, wie er Kinder Abrahams sich aus Steinen erwecken kann (Matth. 3,9). Es gibt verschiedene Hinweise, daß Gott nicht nur Glauben ohne Mittel schaffen könnte, sondern es auch tat: a) Johannes der Täufer, Luk. 1,15.41.44; b) kleine Mädchen im Alten Testament; c) ein kleiner Junge im Alten Testament, der vor der Beschneidung starb und dennoch in den Himmel ging, 2 Sam. 12,18.23; d) Babies und Säuglinge, Matth. 21,15.16 (Ps. 8,2); e) die Babies der Heiligen, bevor der Bund der Beschneidung gegeben wurde. Diese Beispiele dürfen allerdings niemals dazu gebraucht werden, die Vernachlässigung oder Verwerfung der Taufe zu rechtfertigen.

    3. Christliche Eltern bringen ungeborene und neugeborene Kinder Gott im Gebet; nicht, daß er Glaube der Eltern auf das Kind übergeht, sondern das Gebet ist kraftvoll (Jak. 5,16).

 

    Diese erwähnten Punkte sind als reiner Trost des Evangeliums christlichen Eltern gegeben, deren Kinder nicht die Möglichkeit hatten, getauft zu werden und starben. Wir lassen die letzte Sorge für ihre Seele in der Hand eines barmherzigen Gottes. Das ist das Vertrauen, wozu uns das erste Gebot aufruft.

 

    Ist die lutherische Praxis, bei der Taufe "Paten" zu haben, biblisch? Gemäß dem Kleinen Katechismus sollen Paten a) bezeugen, daß die Kinder richtig getauft wurden; b) beistehen in der Sorge für die christliche Erziehung und Unterweisung ihrer Patenkinder, besonders dann, wenn diese ihre Eltern verlieren sollen; und c) sollen sie für sie beten. Da ein Pate verspricht, das Kind im gleichen Glauben aufzuziehen und zu unterweisen, in welchem es getauft wurde, ist es richtig, wenn die Kirche darauf besteht, daß die Paten aus der gleichen Kirchengemeinschaft kommen, damit nicht das Gewissen einer Person belastet wird und auch um sicher zu gehen, daß das Versprechen erfüllt wird. Die Praxis, Zeugen zu haben,  die angeben, daß ein Akt wahrhaftig und tatsächlich stattgefunden hat, ist allerdings biblisch. (5 Mose 19,15; Matth. 18,16; Joh. 8,17; 2 Kor. 13,1) [Das Patenamt selbst ist dabei nicht eine göttliche biblische Ordnung, aber es hat Vorbilder und ist eine feine kirchliche Einrichtung.]

 

    Möge Gott allen, die diese Schrift lesen, schenken, daß sie das Bekehrungswerk des Heiligen Geistes hochschätzen, der durch das Mittel der Heiligen Taufe kleine Kinder zu Jesus, ihrem Heiland, bringt. Amen.

 

                                                                                                      Pastor Jeffrey C. Kinery +  


 

 

 

W A R U M    W I R

 

 

S Ä U G L I N G E

 

 

T A U F E N !

 

 

 

 

 

 

Unsere Stellung in der

 

Lehre von der Kindertaufe

 

 

 

 

 

 

von

 

Pastor

 

Jeffrey C. Kinery +

 

 

 

 

 

 

Bekenntnistreue

Freie Evangelisch-Lutherische

Kirche

 

 

1997

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Originaltitel: Our Position on Infant Baptism

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Übersetzung und Herausgabe:

Roland Sckerl

Nordring 14 b

D-76448 Durmersheim


D I E    H E I L I G E    T A U F E

 

    (Die Heilige Taufe ist das Sakrament der Wiedergeburt, durch welches wir Christus, unserm HErrn, eingeleibt, in Seinen Tod begraben und mit ihm bekleidet, Kinder und Erben Gottes, aus einem Heiden zu einem Christenmenschen werden. Der dreieinige Gott, Vater, Sohn und Heiliger Geist, macht darin einen Bund mit uns, daß er unser gnädiger lieber Vater sein wolle, uns als seine Kinder annehmen und uns aus großer Liebe schenken seinen Sohn JEsus Christus mit allem seinem Verdienst, Leiden, Blutvergießen und Sterben und in ihm und durch ihn Vergebung der Sünde, Erlösung vom Tode, Teufel und ewiger Verdammnis. Darum lasset uns nicht solche unaussprechliche Gabe gering achten und handeln, ist doch die Taufe unser Trost und Eingang zu allen göttlichen Gtern und aller Heiligen Gemeinschaft.

    Die Heilige Schrift bezeugt klar, daß es Gottes Wille ist, daß auch die kleinen Kindlein sollen zur heiligen Taufe gebracht werden. Denn die Taufe ist auch der Christen Bund im Neuen Testament, gleichwie die Beschneidung der Juden im Alten Testament und sind ja auch die Säuglinge durch die Erbsünde verloren, stecken in des Teufels Reich und bedürfen der Wiedergeburt in Christus JEsus. Darum taufen wir die Kindlein auf Begehren ihrer Eltern oder derer, die auf Dauer sie in ihrer Obhut haben, wie auch die männlichen Kindlein im Alten Testament am achten Tage beschnitten wurden. Denn Christus spricht: Wer nicht aus Wasser und Geist wiedergeboren werde, der kann das Reich Gottes nicht sehen. Und: Lasset die Kindlein zu mir kommen und wehret ihnen nicht. Ebenso: Gott will nicht, daß eines dieser Kleinsten verloren gehe. Auch wissen wir aus der Schrift, daß die Apostel auch Kinder getauft haben, wenn sie ganze Häuser getauft haben.

    Es ist darum gut, wenn die Taufe nicht ohne Not aufgeschoben wird, sondern, wenn möglich, am ersten oder zweiten Sonntag nach der Geburt vollzogen werden kann.

    Es ist weiter gut, wenn die Taufe im öffentlichen Gottesdienst, im Beisein der Gemeinde, gehalten werde, damit die Gemeinde nicht allein des Gebrauchs und Nutzens der Taufe erinnert, sondern auch ermahnet und beweget werde, Gottes Namen über das Kind anzurufen, damit es durch die heilige Taufe unserm HErrn Christus und seiner lieben Kirche einverleibt werde und sie auch weiterhin für den jungen Christen bzw. die junge Christin bete.

    Von alters her hat es die Kirche für recht und schicklich erachtet, Taufpaten bei der heiligen Taufe zu haben.

    Zum ersten sollen sie Zeugen sein, daß das Kind getauft ist.

    Zum andern sollen sie, neben den Eltern, das Kindlein dem Herrn Christus bringen, an seiner Statt dem Teufel und der Welt entsagen, den christlichen Glauben bekennen und als Bürgen fr das Kindlein geloben, daß sie das, was sie unserm HErrn Gott in der Taufe zugesagt, auch treu halten wollen.

    Zum dritten sollen sie, samt den Eltern, die Kinder erinnern, was sie ihretwegen in der Taufe zugesagt, fleißig darauf sehen, daß das Kindlein im rechten christlichen Glauben erzogen werde, besonders die Gebote Gottes, Seinen Willen und die eigene Sünde zu erkennen; das Glaubensbekenntnis, Gottes Gnade und Erlösung durch Christus JEsus zu erfassen; das heilige Vaterunser, Gott in allen Dingen azurufen; und die Stcke der Gnadenmittel, durch die Gott die Erlösung uns schenkt, lernt und versteht. Auch sollen sie gerade dies als Paten dann ausrichten, wenn die Eltern dem Kinde durch einen frühen Tod entrissen würden.

    Darum offenbar ist, daß zu diesem heiligen Werke nur rechtgläubige gottesfürchtige Leute genommen werden sollen, die bereits konfirmiert und in der Lage sind, dem Kindlein beim Aufwachsen im Glauben recht beizustehen.)   

   

P.: Der Friede des HErrn sei mit euch allen. Amen.

 

G.: Tauflied

 

P.: Liebe Gemeinde und liebe Freunde in Christus! Wir hören alle Tage aus Gottes Wort, erfahren's auch, an unserem Leben und Sterben, daß wir von Adam her allesamt in Sünden empfangen und geboren werden, darinnen wir denn unter Gottes Zorn in Ewigkeit verdammt und verloren sein müßten, wenn uns nicht durch den eingebornen Gottessohn, unsern lieben HErrn JEsus Christus, daraus geholfen wäre.

    Weil darum dieses Kindlein in seiner Natur mit gleicher Sünde wie auch wir, gänzlich vergiftet, verunreinigt und tot ist zu allem Guten und Gott Wohlgefälligen, darum auch im ewigen Tod und Verdammnis sein und bleiben müßte;

    Gott aber, der Vater aller Gnade und Barmherzigkeit, seinen Sohn JEsus Christus der ganzen Welt, und also auch diesem Kindlein, nicht weniger als den Erwachsenen, gesandt hat,

    welcher auch der ganzen Welt Sünde getragen, und so auch die Erbsünde und alle Sünden dieses Kindleins, die ganze Welt und so auch dieses Kindlein von allen Snden, Tod und Verdammnis erlöset und ewig selig gemacht und mit Gott versöhnt hat,

    welcher auch befohlen hat, man solle auch die Kindlein zu ihm bringen, da er nicht will, daß eines dieser Kleinsten verloren gehe, sondern daß sie gerettet werden:

    Darum, so nehmet aus christlicher Liebe euch dieses armen Kindleins gegen Gott, dem HErrn, euch mit Ernst auch an, dasselbe unsern HErrn Christus im Gebet und Flehen vorzutragen, ihn um Vergebung der Sünden zu bitten, daß es aus dem Reich des Teufels und der Finsternis in das Reich der Gnaden und Seligkeit aufgenommen werde,

    aus der gewissen Zuversicht, daß unser HErr Christus aufgrund seiner Verheißung solches Gebet auch gewiß erhört, umsomehr er befohlen hat, die Kindlein zu ihm zu bringen und verheißen, sie in sein Reich aufzunehmen.

    Die Heilige Taufe nun ist unseres HErrn JEsus Christus Befehl und Gebot, welches er seinen lieben Jüngern gegeben hat, da er spricht bei Matthäus im letzten Kapitel: Gehet hin und machet zu Jüngern alle Völker: Taufet sie im Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes und lehret sie halten alles, was ich euch befohlen habe; und verbunden hat mit seiner tröstlichen Verheißung, die er dazu gesprochen hat bei Markus im letzten Kapitel: Wer da glaubet und getauft wird, der wird selig werden. So ist auch die Heilige Taufe, die ja nicht allein Wasser ist, sondern das Wasser in Gottes Gebot gefaßt und mit Gottes Gebot verbunden, Gottes Gnadenmittel, durch das er wirket, schenkt und zueignet Vergebung der Sünden und damit Leben und Seligkeit, da darinnen der alte Mensch in den Tod gegeben und ein neuer Mensch aus der Taufe hervorkomme.

    Und da auch dieses Kindlein, wie vernommen, um der Erbsünde und aller Sünden willen der Erlösung bedarf, sollt ihr es auf Gottes Verheißung und Befehl auch zur seligmachenden Taufe bringen, daß es in Gottes Namen getaufet werde.

 

Danach macht der P., zum Zeichen, daß das Kindlein durch den gekreuzigten Christus erlöset ist, dem Kinde ein Kreuz an Stirn und Brust mit den Worten:

 

Nimm hin das Zeichen des heiligen Kreuzes an der Stirn und an der Brust, denn in der Taufe soll dein alter Mensch mit Christus gekreuziget werden; auch sollst du  aufgenommen werden in die Gemeinde derer, die an den gekreuzigten Christus glauben und ist das Leben der Christen dem Kreuze unterworfen.   

 

 

P.: Lasset uns beten.

O allmächtiger, ewiger Gott, Vater unseres HErrn JEsus Christus, ich rufe Dich an über diesem Kind, das Deiner Taufe Gabe erbittet und Deine ewige Gnade durch die geistliche Wiedergeburt begehret: Nimm es auf, HErr, und wie Du gesagt hast: Bittet, so werdet ihr nehmen, suchet, so werdet ihr finden, klopfet an, so wird euch aufgetan: so reiche nun das Gute dem, der da bittet, und öffne die Tür dem, der da anklopfet, daß es den ewigen Segen dieses himmlischen Bades erlange und das verheißene Reich Deiner Gabe empfange, durch JEsus Christus, unsern HErrn. Amen.

 

(anderes Gebet:)

Allmächtiger, ewiger Gott, der Du hast durch die Sintflut, nach Deinem strengen Gericht, die ungläubige Welt verdammt und den gläubigen Noah und seine Familie nach Deiner großen Barmherzigkeit erhalten; und den verstockten Pharao mit all den Seinen im roten Meer ersäuft und Dein Volk Israel trocken hindurchgefhrt, damit dies Bad Deiner heiligen Taufe zukünftig bezeichnet; und durch die Taufe Deines lieben Kindes, unseres HErrn JEsus Christus, den Jordan und alle Wasser zur seligen Sintflut und reichlichen Abwaschung der Sünden geheiliget und eingesetzt: wir bitten durch dieselbe Deine grundlose Barmherzigkeit, Du wollest dieses Kind gnädiglich ansehen und mit rechtem Glauben im Geist beseligen, daß durch diese heilsame Sintflut an ihm ersaufe und untergehe alles, was ihm von Adam angeboren ist und es selbst dazu getan hat; und es, aus der Ungläubigen Zahl ausgesondert, in der heilige Arche der Christenheit trocken und sicher behalten, allzeit brünstig im Geiste, fröhlich in Hoffnung Deinem Namen diene, auf daß es mit allen Gläubigen Deiner Verheißung ewiges Leben zu erlangen würdig werde: durch JEsum Christum, unsern HErrn. Amen.

 

Lasset uns hören das Heilige Evangelium nach Sankt Markus im zehnten Kapitel:

Und sie brachten Kindlein zu JEsu, daß er sie anrührete; die Jünger aber fuhren die an, die sie trugen. Da es aber JEsus sah, ward er unwillig und sprach zu ihnen: Lasset die Kindlein zu mir kommen und wehret ihnen nicht, denn solcher ist das Reich Gottes. Wahrlich, ich sage euch: wer das Reich Gottes nicht empfänget wie ein Kindlein, der wird nicht hineinkommen. Und er herzte sie und legte die Hände auf sie und segnete sie.

 

Dann legt der P. seine Hand auf des Kindes Haupt und betet das Vaterunser samt den Paten und Eltern:

Vater unser, der Du bist im Himmel. Geheiliget werde Dein Name. Dein Reich komme. Dein Wille geschehe, wie im Himmel, also auch auf Erden. Unser täglich Brot gib uns heute. Und vergib uns unsere Schuld, wie auch wir vergeben unsern Schuldigern. Und führe uns nicht in Versuchung, sondern erlöse uns von dem Übel. Denn Dein ist das Reich und die Kraft und die Herrlichkeit in Ewigkeit. Amen.

 

P., zu Kinde gewandt: Der HErr behüte deinen Ausgang und Eingang, von nun an bis in Ewigkeit.

 

P. zu den Paten: Liebe Paten! Da ihr euch aus christlicher Liebe dieses Kindes angenommen und es in dieser öffentlichen christlichen Handlung vertretet, so wollet ihr mir auf folgende Fragen, die ich an das Kind richte, Rede und Antwort geben, wodurch bezeuget wird, was Gott in und mit der Taufe wirkt:

 

Entsagst du dem Teufel?

 

Paten für das Kind: Ja, ich entsage.

 

Und allen seinen Werken?

 

Paten für das Kind: Ja, ich entsage.

 

Und allem seinem Wesen?

 

Paten für das Kind: Ja, ich entsage.

 

Glaubst du an Gott, den Vater, den Allmächtigen, Schöpfer Himmels und der Erden?

 

Paten für das Kind: Ja, ich glaube.

 

Glaubst du an JEsus Christus, Gottes eingebornen Sohn, unsern HErrn, der empfangen ist von dem Heiligen Geist, geboren von der Jungfrau Maria, gelitten unter Pontius Pilatus, gekreuziget, gestorben und begraben, niedergefahren zur Hölle, am dritten Tage wieder auferstanden von den Toten, aufgefahren gen Himmel, sitzend zur Rechten Gottes, des allmächtigen Vaters, von dannen er kommen wird zu richten die Lebendigen und die Toten?

 

Paten für das Kind: Ja, ich glaube.

 

Glaubst du an den Heiligen Geist, eine heilige christliche Kirche, die Gemeinschaft der Heiligen, Vergebung der Sünden, Auferstehung des Fleisches und ein ewiges Leben?

 

Paten für das Kind: Ja, ich glaube.

 

Willst du getauft werden?

 

Paten für das Kind: Ja, ich will.

 

Wie soll das Kind heißen?

 

P.: Ich taufe dich, ..., im Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes.

 

Dann legt der P. die Hand auf des Kindes Haupt und spricht:

Der allmächtige Gott und Vater unseres HErrn JEsus Christus, der dich wiedergeboren hat durchs Wasser und den Heiligen Geist und hat dir alle deine Sünde vergeben, der stärke dich mit seiner Gnade zum ewigen Leben. Amen.

In der Taufe wurde  dir übergezogen das weiße Kleid der Gerechtigkeit Christi. Denn: welche auf Christus getauft sind, die haben Christus angezogen. Bewahre deine Taufe unsträflich! Lasset eure Lenden umgürtet sein und eure Lichter brennen und seid gleich den Menschen, die auf ihren HErrn warten. Amen.

Friede sei mit dir. Amen.

P.: Lasset uns beten.

Allmächtiger, barmherziger Gott und Vater, wir sagen Dir Lob und Dank, daß Du diesem Kind verliehen hast, daß es durch die heilige Taufe wiedergeboren und Deinem lieben Sohn, unserm HErrn und einzigen Heiland JEsus Christus, eingeleibt, Dein Kind und Erbe Deiner himmlischen Güter und ein Glied Deiner Kirche geworden ist. Wir bitten Dich demütig, daß Du dieses Kind, das nun Dein Kind geworden ist, bei dem empfangenen Heil gnädiglich bewahren wollest, damit es nach allem Deinem Wohlgefallen zu Lob und Preis Deines heiligen Namens treu und gottselig auferzogen werde und endlich das versprochene Erbteil im Himmel mit allen Heiligen empfange; durch JEsus Christus. Amen.

 

P. zu den Eltern und Paten:

Ich ermahne euch in Kraft der christlichen Liebe, die ihr jetzt dies Kindlein zur Taufe gebracht und an seiner Statt bei der Taufe geantwortet habt, daß ihr treu fr dieses Kind betet und daß ihr's fleißig und treu wollt unterrichten und lehren, daß es ein lebendiges Glied der Gemeinde JEsu Christi bleibe: erstlich die zehn Gebote, auf daß es den Willen Gottes und seine Sünde dadurch lerne erkennen; darnach den christlichen Glauben, durch welche es Gnade, Vergebung der Sünden und den Heiligen Geist empfangen hat und darinnen bewahrt wird; zuletzt auch das Vaterunser, damit es Gott anrufen und um Hilfe bitten könne, dem Satan Widerstand zu tun und christlich zu leben, bis Gott an ihm erfüllet, was er jetzt in der Taufe angefangen hat, und es in sein ewiges Herrlichkeitsreich nehme; dazu es auch in der Heiligen Schrift unterweisen, es regelmäßig zu den Gottesdiensten bringen, für seine weitere Unterweisung im christlichen Glauben sorgen, damit es auch das Sakrament des Altars empfange, in dser Taufgnade verbleibe und in der Gemeinschaft der rechtgläubigen Kirche. Wollt ihr dies tun?

 

Eltern und Paten: Ja, mit Gottes Hilfe.

 

Die Eltern treten dann mit dem Kinde vor, daß sie den Segen empfangen:

 

P.: Danket dem HErrn, denn er ist freundlich und seine Güte währet ewiglich. Siehe, er hat Dich, der Er hat Mutterfreuden geschenkt, treu bewahret und dir ein lebendiges Kind geschenkt, darüber Du allen Grund hast zu danken. 

Laßt uns darum Gott anbeten: Ewiger Gott, der Du unser Vater bist in JEsus Christus, wir danken Dir, daß Du auch diesem Elternpaar ein lebendiges Kind geschenket, auch die Mutter in der Schwangerschaft und bei der Geburt treu bewahret hast. Insbesondere preisen wir Dich, daß dieses Kindlein heute auch durch Deine Heilige Taufe zum ewigen Leben wiedergeboren wurde und befehlen Dir nun Kind, Eltern und Paten an, daß Du dieses Kindlein an Leib und Seele bewahren wollest zum ewigen Leben, den Eltern und Paten aber Weisheit gibst, es in Zucht und Vermahnung zu Dir zu erziehen. Amen.­

 

P.: Der HErr segne euch und behüte euch.

Der HErr lasse sein Angesicht leuchten über euch und sei euch gnädig.

Der HErr erhebe sein Angesicht auf euch und gebe euch seinen Frieden. Amen.

 

G.: Tauflied     

   

P.: Der Friede des HErrn sei mit euch allen. Amen.