L E I T F A D E N

 

D E S

 

C H R I S T L I C H E N    G L A U B E N S

 

(Compendium locorum theologicorum, deutsch)

 

 

Kurze

evangelisch-lutherische

Glaubenslehre

 

 

Entnommen aus der

Heiligen Schrift

und dargelegt

nach dem

Konkordienbuch

 

Von

 

Leonhart Hutter

 

Nach der Übersetzung von

Carl Emil Francke

(„Inbegriff der Glaubensartikel“,

Ausgabe Leipzig 1837)

 

Ergänzt durch Roland Sckerl

 

 

Durmersheim

 

2015

 

 

 

Originaltitel: Compendium locorum theologicorum

Herausgegeben von Roland Sckerl

 

 

 

 

 

 

 

Inhaltsverzeichnis

 

Dem Leser herzlichen Segen! 5

Ein Wort an den geehrten Leser! 7

Abschnitt 1: Von der heiligen Schrift 9

Abschnitt 2: Vom dreieinigen Gott 23

Abschnitt 3: Von den zwei Naturen Christi 27

Abschnitt 4: Von der Schöpfung. 42

Abschnitt 5: Von den guten und den bösen Engeln. 45

Abschnitt 6: Vom Ebenbild Gottes im Menschen oder der ursprünglichen Gerechtigkeit 49

Abschnitt 7: Von der Vorsehung Gottes. 51

Abschnitt 8: Von der Sünde im Allgemeinen und Besonderen. 54

Abschnitt 9: Vom freien Willen oder den menschlichen Kräften. 63

Abschnitt 10: Vom Gesetz Gottes. 70

Abschnitt 11: Vom Evangelium.. 82

Abschnitt 12: Von der Rechtfertigung des Sünders vor Gott 86

Abschnitt 13: Von der Erwählung. 95

Abschnitt 14: Von den guten Werken. 104

Abschnitt 15: Von der Buße und der Beichte. 110

Abschnitt 16: Vom heiligen Predigtamt und dem Kirchenregiment 114

Abschnitt 17: Von der Kirche Gottes. 119

Abschnitt 18: Von der christlichen Freiheit und von den Kirchengebräuchen oder Mitteldingen  130

Abschnitt 19: Von den heiligen Sakramenten im Allgemeinen. 137

Abschnitt 20: Von der heiligen Taufe. 140

Abschnitt 21: Von dem heiligen Abendmahl 145

Abschnitt 22: Von den Opfern und der katholischen Messe. 156

Abschnitt 23: Von dem Ärgernis. 159

Abschnitt 24: Vom Kreuz und dem Trost im Kreuz. 160

Abschnitt 25: Vom Gebet 162

Abschnitt 27: Von der Obrigkeit und bürgerlichen Dingen. 168

Abschnitt 28: Von der Ehe und der Priesterehe. 171

Abschnitt 29: Vom Tod des Leibes und der Unsterblichkeit der Seele. 174

Abschnitt 30: Vom Ende der Welt 176

Abschnitt 31: Von der Auferstehung der Toten. 177

Abschnitt 32: Vom Jüngsten Gericht und der Wiederkunft Christi zu richten die Lebenden und die Toten  178

Abschnitt 33: Von der Hölle. 181

Abschnitt 34: Vom ewigen Leben. 183

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

C o m p e n d i u m

 

l o c o r u m

 

t h e o l o g i c o r u m

 

 

Aus der Heiligen Schrift

und dem Konkordienbuch

 

 

Genehmigt und autorisiert von

Sr. Hoheit Kurfürst Christian II. von Sachsen &c.

 

Zusammengestellt und von den beiden

theologischen Fakultäten zu

Leipzig und Wittenberg

gebilligt.

 

Zum Gebrauch in den

drei berühmten Schulen

als auch zum übrigen

allgemeinen Gebrauch

in allen seinen Gebieten

 

 

Werk und wissenschaftliche Erarbeitung

 

von

 

LEONHART HUTTER

 

Ordinarius der

Wittenberger Akad.

 

Wittenberg: Paul Helwig

 

1610

 

 

 

 

 

 

 

 

Dem Leser herzlichen Segen!

 

    Wir können dem Staat keinen größeren und bessern Dienst leisten, als wenn wir die Jugend belehren und erziehen, vorzüglich bei den jetzigen Sitten und Zeiten, wo sie so gesunken ist, dass sie durch aller Macht gezügelt und eingeschränkt werden muss, wie es M. Tullius gewichtige Meinung ist. Aber dieser Erziehung Zweck und Ziel muss vor allem die Gottesfurcht sein, oder die wahre Erkenntnis des wahren Gottes. Denn wie die Gottesfurcht unnütz ist, wenn sie der wissenschaftlichen Erkenntnis entbehrt, so ist die Wissenschaft nichts, wenn sie keine Frucht der Gottesfurcht bringt, wie Gregor in seinen moralischen Schriften schreibt. Damit wir übrigens diesen Zweck und dies Ziel in gehöriger Ordnung erreichen können, wird in der Tat eine große Umsicht und Klugheit nötig sein. Denn wenn, nach jener Antwort des Aristoteles, dann erst die Schüler die meisten Fortschritte machen, wenn die Langsameren emsig den Fortschreitenden folgen, und diese die Folgenden nicht aufhalten, so wird es gewiss höchst nötig sein, dass der Lehrer, bei den fortschreitenden Studien der Schüler, sorgfältig die Gemüter unterscheide und nicht anders als der Landmann die Natur des Landes, welches er bebauen will, die Anlage und den Geist eines jeden Schülers genau erforsche, und nicht dasselbe bei allen ohne Unterschied anwende.

    Und damit wird auch unsers Orts in diesem Stück das Bemühen der Lehrer auf einige Weise entweder unterstützen oder erleichtern möchten, haben wir diesen theologischen Inbegriff der Glaubensartikel so erscheinen lassen wollen, dass nach drei verschiedenen Klassen der Schüler, deren erste die Anfänger, die zweite die Fortschreitenden, die dritte die Ausgebildeteren bilden, auch die Fragen von drei verschiedenen Gattungen sind, so dass den Anfängern diejenigen Fragen zum Lernen vorgelegt würden, denen gar kein Zeichen beigefügt ist, den Fortschreitenden aber die, welche mit der Figur eines Kreuzes (+) bezeichnet sind, den Ausgebildeteren endlich diejenigen, denen ein Sternchen (*) vorgesetzt ist. Denn auf diese Weise wird weder die Langsamkeit der Anfangenden und Unwissenden den Fortschreitenden und Ausgebildeten, noch jenen die Fortschritte und Emsigkeit dieser zum Nachteil gereichen können.

    Übrigens ist kein Grund vorhanden, warum wir dich, lieber Leser, mit der Erklärung, welcher Methode wir uns bei der Zusammenstellung und Anordnung dieses Inbegriffs vorzüglich bedient haben, länger aufhalten sollten. Zwar entgeht es uns nicht, dass einige in der theologischen Anordnung der Glaubensartikel, bis zum Aberglauben, ängstlich sind. Denn etliche behaupten, dass die Kette der Glaubensartikel vom Anfang bis zum Ende nach den verschiedenen Offenbarungen und Werken Gottes zu ordnen sei. Andere meinen, dass in diesem Stück die Verschiedenheit der Subjekte und Objekte, sowohl hinsichtlich des Schöpfers als der Kreaturen, streng beobachtet und befolgt werden müsse. Noch andere bemühen sich ängstlich, das ganze System der christlichen Religion in fortlaufende Dichotomien zu zerlegen. Noch andere endlich glauben, dass man auf andere Weise und Ordnung bei der theologischen Auseinandersetzung der Glaubensartikel verfahren müsse. Ob wir nun wohl die Bemühungen dieser Männer nicht mit schwarzer Farbe zeichnen wollen, vielmehr klar überzeugt sind, dass sie an ihrer Stelle Lob und Empfehlung verdienen, so haben wir doch bei der Zusammenstellung des vorliegenden Inbegriffs die einfachere Methode beobachtet, die nämlich, welcher auch andere ausgezeichnete Theologen, vorzüglich Ph. Melanchthon und Jacob Heebrand gefolgt sind, welche auch die Natur der Glaubensartikel selbst zu verlangen scheint. Denn die Beschaffen oder vielmehr wechselseitige Beziehung derselben ist eine solche, dass, wie in einer Kette die Glieder zusammenhängen, so auch in unsrer heiligen theologischen Wissenschaft immer ein Artikel einen andern, von sich verschiedenen, erzeugt, dieser wiederum einen andern, und so fort, bis der ganze Leib oder das System der christlichen Lehre fertig und vollendet vorliegt. Und da gewiss für niedere Schulen kaum eine passendere Ordnung erfunden werden kann als die, welche aus der gegenseitigen Verwandtschaft der Glaubensartikel entspricht, so war es uns, besonders zu dieser Zeit, durchaus heilige Pflicht, nicht im geringsten von derselben abzuweichen.

    Aber auch dies wollen wir nicht verhehlen, dass wir bei Vollbringung dieser Arbeit auch das berücksichtigt haben, dass wir, so wie wir die Erklärungen und Einteilungen der Artikel aus den symbolischen Büchern unserer Kirche nicht entnehmen konnten, aus auch der Worte anderer Theologen, wie des sel. Luthers, Melanchthons (wo dieser die reine Lehre festgehalten), des Dr. Martin Chemnitz, Dr. Aegidius Hunnius bedient haben, aber bei Anführung der Seitenzahl aus dem Konkordienbuch derjenigen lateinischen Ausgabe gefolgt bin, welche auf besonderen Befehl des durchlauchten Kurfürsten von Sachsen Christian II. in Oktav-Format (wie man es nennt) im Jahr 1602 zu Leipzig gedruckt ist [in der deutschen Ausgabe hat der Übersetzer stattdessen die Paragraphen angeben]. Und wir hegen das Vertrauen, dass auch du, freundlicher Leser, diese unsre Arbeit nicht missbilligen werdest.

  

    Lebe wohl und bitte Gott mit uns innig, dass er dieses heilige Gefäß des reinen und wahren lutherischen Glaubens bis auf die späten Nachkommen (wenn solche zu hoffen) ganz und unversehrt fortpflanze, verteidige und schütze. Amen.

Leonhard Hutter, Dr.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Ein Wort an den geehrten Leser!

 

    Dieses Büchlein wird dem theologisch nicht geschulten Leser vielleicht auf den ersten Blick zu schwierig vorkommen, und er meint vielleicht, sie sei nichts für ihn. Dennoch will ich ihn ermutigen, es in die Hand zu nehmen und zunächst diejenigen Abschnitte und Fragen, die kein Kennzeichen haben, durchzulesen und später die mit einem Kreuz und schließlich die mit einem Stern versehenen. Vor allem aber sollte er sich nicht scheuen, seinen Pastor zu fragen, wenn er etwas nicht versteht.

    Manche fragen sich vielleicht, warum solch ein Buch, dass doch schon fasst vierhundert Jahre alt ist, nun noch einmal übersetzt und herausgegeben wurde. Der Hauptgrund liegt darin, dass dieses Werk Leonhart Hutters in knapper, übersichtlicher und verständlicher Form aufgebaut ist und vor allem die klare, reine biblische lutherische Lehre weitergibt. So, wie es im 17. und beginnenden 18. Jahrhundert das Lehrbuch an den Schulen über unseren Glauben war, so könnte es auch heute wieder ein Buch zur Unterweisung der Kirche und ihrer Glieder werden. In einer Zeit, in der falsche Lehre immer mehr um sich greifen, ist es notwendig, dass nicht nur Einzelne, sondern auch die Gemeinde die Lehre beurteilen kann, wie sie ja eigentlich vom ihrem allgemeinen Priestertum her auch soll. Der kirchliche Unterricht ist ja nicht nur etwas für Kinder, sondern ebenso für Erwachsene und sollte seinen festen Platz in unseren lutherischen Bekenntnisgemeinden haben. In solchem Unterricht könnte dieses Buch eine Hilfe sein, ein Leitfaden. Dadurch könnten die Gemeindeglieder, besonders die Hausväter, herangeführt werden an die Lehre. Denn unser Ziel sollte es sein, dass anhand dieses Buches, neben dem Erklärungs-Katechismus, in der Familie Unterweisung geschieht.

    Nach den Absätzen sind Querverweise zu den Bekenntnisschriften gegeben, da Hutter zum Teil wörtlich aus ihnen zitiert (ohne Klamme angeführt) oder sich doch auf sie bezieht (mit Klammer angegeben).

    Die im Text angegebenen und auch ausgeführten Bibelstellen sind zumeist knapp gehalten, und es ist notwendig, um sie besser zu verstehen, in der Schrift auch die Verse in der Umgebung zu lesen. Bei einigen wenigen Versen hat sich die Verszählung geändert, was angegeben wurde. Stellen aus den apokryphen Schriften wurden nicht wiedergegeben.

    Die in eckige Klammern [ ] gesetzten und kleiner gedruckten Teile sind Ergänzungen zu dem ursprünglichen Text durch den Herausgeber.

    Abschließend kann ich mit Leonhart Hutter nur hoffen und den Leser mit auffordern zu beten, dass Gott unsere lutherischen Bekenntnisgemeinden bei der reinen, unverfälschten Lehre erhält und jeden Einzelnen in ihr stärkt und festigt.

                                                                                                          Der Herausgeber

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Abschnitt 1: Von der heiligen Schrift

 

1. Was ist die heilige Schrift?

    Sie ist das Wort Gottes, welches auf den Antrieb des Heiligen Geistes von den Propheten und Aposteln niedergeschrieben ist und uns von dem Wesen und dem Willen Gottes unterweist.

    Und zwar werden unter dem Namen der Heiligen Schrift im Allgemeinen alle biblische Bücher befasst: Vorzugsweise aber bezeichnen wir mit dieser Benennung diejenigen Bücher, welche kanonische sind. Weshalb auch die Schrift selbst kanonisch genannt wird. (Chemnitz in Examen Concilii Tridentini.)

 

+2. Also haben die biblischen Bücher nicht ein und dasselbe Ansehent?

    Nein, denn die einen sind kanonische, die anderen apokryphische: Jene haben ein festes Ansehen, was allen andern vorgezogen werden muss; diese aber, ob sie gleich die Kirche liest zur Erbauung des Volks, wo werden sie doch nicht angewandt, um das Ansehen der kirchlichen Glaubensartikel zu begründen, wie Hieronymus lehrt. (Chemnitz.)

 

+3. Warum spricht man von den ‚kanonischen’ Büchern?

    Der Begriff leitet sich her von ‚kanoon’ (das ist Regel, Richtschnur), weil sie gleichsam die vollkommenste Waage und Richtschnur sind, nach denen alle anderen überlieferten Schriften, von Gläubigen oder Ungläubigen, frei beurteilt werden. Dass sie selbst aber nach etwas anderem beurteilt werden, darf durchaus nicht geschehen. (Chrysostomos, Homilien, 13. in 2. ad Corinthos.) Es setzt aber die Heilige Schrift selbst diese Benennung fest. (Chemnitz.)

    Psalm 19,5: Ihre Schnur gehet aus in alle Lande und ihre Rede an der Welt Ende.

    Römer 10,18: Es ist je in alle Lande ausgegangen ihr Schall und in alle Welt ihre Worte.

    Galater 6,16: Und wieviel nach dieser Regel einhergehen, über die sei Friede und Barmherzigkeit und über den Israel Gottes!

    Philipper 3,16: So ferne, dass wir nach einer Regel, darein wir gekommen sind, wandeln und gleichgesinnt seien.

 

[3.a Hat also die Kirche den Kanon festgelegt?

    Die kanonischen Schriften leiten ihre gewaltige Bedeutung hauptsächlich aus der Tatsache her, dass sie göttlich inspiriert sind, 2. Tim. 2,16, das heißt, dass sie nicht aus dem Willen eines Menschen kommen, sondern dass die Männer Gottes sprachen und schrieben, wie sie vom Heiligen Geist bewegt wurden. (Chemnitz, Ex. Trid. I, 85)

    Dieser Kanon oder Regel ist die Lehre, die göttlich dem menschlichen Geschlecht übermittelt wurde von Anbeginn der Welt durch die Patriarchen, Propheten, Christus und die Apostel. Und weil diese Lehre durch den Willen Gottes in der Heiligen Schrift enthalten ist, darum wird sie kanonisch genannt. Ein Kanon ist eine unfehlbare Regel oder Maßstab, der in keiner Weise erlaubt, dass irgendetwas hinzugetan oder weggenommen wird. (Chemnitz, Ex. Trid. I, 81)

    Die kanonischen Bücher sind diejenigen, deren Lehren und einzelne Worte zum Schreiben den Propheten und Aposteln durch die unmittelbare Inspiration des Heiligen Geistes anvertraut und durch Gott der Kirche übermittelt und durch sie angenommen wurde als die unfehlbare Regel des Glaubens und Lebens für den Menschen, der gerettet werden soll. (Hollaz, 129)

 

3.b Wie kam die Kirche zu der Feststellung, welche Bücher kanonisch sind?

    Damit diese ganze Sache, die in sich selbst von solch einer ungeheuren Bedeutung ist, vollkommen sicher gegen allen Betrug sein möge, wählte Gott bestimmte Männer aus zu schreiben, bekräftige sie durch viele Wunder und göttliche Zeugnisse, damit kein Zweifel sein möge, dass die Dinge, die sie schrieben, göttlich inspiriert waren. Schließlich wurde diese, göttlich inspirierten, Schreiben, zu der Zeit, als sie geschrieben wurden, mit allgemeiner Zustimmung, unter öffentlicher Billigung, der Kirche vorgestellt, gegeben und anvertraut, damit sie, durch alle mögliche Sorge und Bedachtsamkeit, sie unverfälscht bewahren und von Hand zu Hand weitergeben und der Nachwelt anvertrauten sollte. Und wie sie alte Kirche, in der Zeit Moses, Josuas und der Propheten, so konnte auch die frühe Kirche in der Zeit der Apostel gewisses Zeugnis geben, welche Schreiben göttlich inspiriert waren. Denn sie kannte die Autoren, die Gott der Kirche durch besonderes Zeugnis anvertraute; sie wusste auch, was die Dinge waren, die sie geschrieben hatten, und konnte auch von dem, was sie mündlich von den Aposteln gelernt hatte, entscheiden, dass diese Dinge, die schreiben wurden, die gleiche Lehre waren, die ihnen die Apostel mündlich gegeben hatte. … Die Heilige Schrift, bezieht ihre kanonische Autorität grundsätzlich vom Heiligen Geist, durch dessen Impuls und Inspiration sie geschrieben wurde; in zweiter Linie von den Schreibern selbst, denen Gott klare und besondere Beweise ihrer Wahrheit gab; schließlich von der frühen Kirche, als einer Zeugin, in deren Tagen diese Schriften veröffentlicht und bestätigt wurden. (Chemnitz, Ex. Trid. 85)

       Darlegung schrift- und bekenntnismäßiger Grundsätze, IV. E:

    Wir glauben, lehren und bekennen, dass das verbindliche (autoritative) Wort für die Kirche heute das kanonische Wort ist, nicht vorkanonische Quellen, Formen oder Traditionen – wie brauchbar die Erforschung dieser Möglichkeiten unter Umständen auch sein mag für ein klareres Verständnis darüber, was der kanonische Text aussagen will.

    Wir verwerfen daher die folgenden Ansichten:

1. Dass es verschiedene „Bedeutungen“ eines biblischen Textes oder Abschnittes gebe, die an verschiedenen Punkten seiner vorkanonischen Geschichte entdeckt werden könnten; oder dass die Aussage, die ein kanonischer Text heute hat sich unterscheiden könne von der Bedeutung, die er hatte, als er geschrieben wurde.

2. Dass biblische Materialien, die als „authentisch“ beurteilt werden (zum Beispiel „authentische“ Jesusworte, „authentische“ Bücher von Paulus oder „authentische“ Gedanken Moses) eine größere Autorität hätten als „nicht-authentische“ biblische Aussagen.

3. Dass bestimmte Abschnitte oder Teile in dem kanonischen Text der Schrift als schöpferische Zusätze der biblischen Schreiber oder der frühen christlichen Gemeinschaft anzusehen seien und daher nicht als voll verbindlich angenommen werden müssten.

4. Dass außerkanonische Quellen auf solch eine Weise verwendet werden dürften, dass sie die klare Aussage des kanonischen Textes in Frage stellen.

5. Dass die wesentlichen theologischen Angaben der biblischen Theologie in der vorkanonischen Geschichte des biblischen Textes zu finden seien.

6. Dass bestimmte kanonische Materialien eine größere Autorität hätten als andere kanonische Materialien aufgrund ihres höheren Alters oder weil sie angeblich „ursprünglicher“ oder „authentischer“ seien.

7. Dass verschiedene Aussagen Jesu, die in den Evangelien berichtet werden, tatsächlich nicht von Jesus stammten und daher historischer Faktizität oder des vollen Maßes seiner Autorität ermangelten.]

 

+4. Woher hat aber die kanonische Schrift dieses Ansehen?

    Dass die kanonische Schrift das ist, was sie in sich selbst ist, nämlich die göttliche Wahrheit, dies hat sie von keinem andern als erstens von Gott selbst, ihrem Urheber.

    2. Timotheus 3,16: Denn alle Schrift, von Gott eingegeben, ist nütze zur Lehre, zur Strafe, zur Besserung, zur Züchtigung in der Gerechtigkeit.

    2. Petrus 1,21: Denn es ist noch nie eine Weissagung aus menschlichem Willen hervorgebracht; sondern die heiligen Menschen Gottes haben geredet, getrieben von dem Heiligen Geist.

    Dann aber hat Gott selbst von diesem Ansehen der kanonischen Schrift Zeugnis ablegen wollen durch die Kirche, nicht zwar durch jede, sondern durch diejenige nur, welche zu den Zeiten, wo die kanonischen Schriftsteller lebten, bestand, jedoch so, dass dieselbe nicht die Stelle eines Richters, sondern nur die eines Zeugen versieht. (Chemnitz.)

 

[4.a Was heißt denn: Gott ist der Urheber der Schrift?

    Obwohl Gott nicht direkt die Heilige Schrift geschrieben hat, sondern Propheten und Apostel als seine Feder und Instrumente verwendete, so hat die Heilige Schrift deshalb keinerlei geringere Autorität. Denn es ist Gott, und zwar Gott allein, der die Propheten und Apostel inspiriert hat, nicht nur, was sie sprachen, sondern auch, was sie schrieben. Und er machte Gebrauch von ihren Lippen, ihrer Zunge, ihren Händen, ihrer Feder. Daher, oder in dieser Hinsicht, wurde die Heilige Schrift, so, wie sie ist, von Gott selbst geschrieben. Denn die Propheten und Apostel waren nur Werkzeuge. (Hutter, Loci theologici, 30)

    Die wirksame oder Hauptursache der Heiligen Schrift ist der dreieinige Gott, 2. Tim. 3,16 (der Vater, Hebr. 1,1; der Sohn, Joh. 1,18; und der Heilige Geist, 2. Sam. 23,2; 1. Petr. 1,11; 2. Petr. 1,21) 1) durch den eigentlichen Ratschluss; 2) durch die folgende Inspiration oder dem Befehl, dass die heiligen Männer Gottes schreiben sollten, und durch das Inspirieren angab, was er war, dass sie schreiben sollten. (Quenstedt, I, 55)

    Die werkzeugliche Ursache der Heiligen Schrift waren die Männer Gottes, 2. Petr. 1,21, also Männer, die besonders und unmittelbar von Gott ausgewählt und berufen wurden zu dem Zweck, dass er ihnen mitteilte, die göttlichen Offenbarungen niederzuschreiben. Dies waren die Propheten des Alten Testaments und die Evangelisten und Apostel des Neuen Testaments, die wir daher richtig die Hilfskräfte Gottes, die Hand Christi und die Schreiber oder Sekretäre des Heiligen Geistes nennen, da sie weder sprachen noch schrieben aus ihrem eigenen menschlichen Willen, sondern, getragen von dem Heiligen Geist, wurden sie angeregt dazu, geleitet, getrieben, inspiriert und regiert von dem Heiligen Geist. Sie schrieben nicht als Menschen, sondern als Männer Gottes, das ist, als Diener Gottes und besondere Werkzeuge des Heiligen Geistes. Wenn daher ein kanonisches Buch ein Buch Moses, die Psalmen Davids, ein Brief des Paulus usw. genannt wird, so ist das mehr ein Bezug auf den Übermittler, nicht auf die eigentliche Ursache. (Gerhard, Loci theologici, II, 26)

      Darlegung schrift- und bekenntnismäßiger Grundsätze, IV. A:

    Wir glauben, lehren und bekennen, dass alle Schrift durch Inspiration (Eingebung) durch Gott den Heiligen Geist gegeben ist und dass daher Gott der wahre Autor jedes Wortes der Schrift ist. Wir erkennen daher, dass es einen qualitativen Unterschied gibt zwischen dem eingegebenen Zeugnis der Heiligen Schrift in allen ihren Teilen und Wörtern und dem Zeugnis von jeder anderen Weise menschlichen Ausdrucks, weshalb die Bibel ein einzigartiges Buch ist.

Wir verwerfen daher die folgenden Ansichten:

1. Dass die Heilige Schrift nur in dem Sinne inspiriert sei, wie alle Christen „inspiriert“ seien, um zu bekennen, dass Jesus Christus Herr ist.

2. Dass der Heilige Geist nicht die tatsächlichen Wörter den biblischen Autoren eingegeben hätte, sondern sie nur mit besonderer Führung ausstattete.

3. Dass nur solche Sachen in der Schrift durch den Heiligen Geist eingegeben seien, die sich direkt auf Jesus Christus und des Menschen Erlösung beziehen.

4. Dass nichtkanonische Schriften der christlichen Tradition als „eingegeben“ im gleichen Sinne wie die Heilige Schrift angesehen werden könnten.

5. Dass Teile des neutestamentlichen Zeugnisses von Jesus Christus erfundene Zusätze enthielten, die ihren Ursprung in der frühen christlichen Gemeinschaft hätten und nicht wirkliche Tatsachen darstellten.

 

4.b Kannst du noch näher erklären, was mit „Inspiration“ gemeint ist?

    I. Die Pläne von all dem, das in der Heiligen Schrift enthalten ist, wurden den Propheten und Aposteln unmittelbar vom Heiligen Geist mitgeteilt.

    II. All die Worte, ohne Ausnahme, die in der Heiligen Schrift enthalten sind [Grundtext], wurden durch den Heiligen Geist in die Feder der Propheten und Apostel diktiert. (Hollaz, 83 und 85)

    Die göttliche Inspiration der Worte, die aus dem alltäglichen Gebrauch bekannt waren, war nötig zum klaren Ausdruck dessen, was der Heilige Geist meinte. Denn die Propheten und Apostel hatten nicht die Freiheit, die göttliche Bedeutung in solche Worte zu kleiden, die sie von sich aus wählen würden; sondern es war ihre Pflicht, an der mündlichen Eingebung (Diktat) des Heiligen Geistes zu hängen und von ihm abzuhängen, so dass sie die Heilige Schrift schreiben konnten, in der Ordnung und Verbindung, die so gnädig und wunderbar gegeben wurde, und wodurch sie erscheinen können in vollkommener Übereinstimmung mit dem Sinn des Heiligen Geistes. (Hollaz, 87)

    Wenn alle Schrift inspiriert ist, dann kann nichts in der Heiligen Schrift sein, das nicht göttlich eingegeben und durch Inspiration mitgeteilt wurde an jene, die schrieben. Denn wenn auch nur ein einziger Teil der Schrift aus menschlichem Wissen oder Erinnerung abgeleitet worden wäre oder aus menschlicher Offenbarung, dann könnte nicht festgestellt werden, dass die gesamte Schrift göttlich inspiriert wäre. (Calov, I, 555)

 

4.c Was bedeutet dies für den Inhalt der Heiligen Schrift?

    Die göttliche Inspiration, durch die die Themen und die Worte, die gesprochen, genauso wie diejenigen, die geschrieben werden sollten, den Propheten und Apostel durch den Heiligen Geist unmittelbar eingegeben wurden, erhielt sie frei von Irrtum, im Predigen wie im Schreiben des göttlichen Wortes. (Hollaz, 88)

    Kein Irrtum, selbst nicht in unwichtigen Dingen, kein Gedächtnisfehler, schon gar keine Unwahrheit, können irgendeinen Platz in der gesamten Heiligen Schrift haben. (Calov, I, 551)

    Es sind in der Heiligen Schrift enthalten historische, chronologische, genealogische, astrologische, die Natur betreffende und politische Dinge, welche, mag ihre Kenntnis auch nicht schlechthin notwendig sein, dennoch von Gott offenbart worden sind, weil das Wissen um sie zur Auslegung der Heiligen Schrift und zur Verdeutlichung der Glaubenssätze und Sittengebote nicht wenig ausmacht. Wenn nur die Geheimnisse des Glaubens, die in der Heilligen Schrift enthalten sind, von göttlicher Inspiration abhängen, und all der Rest, der auch durch das Licht der Natur erkannt werden kann, nur von göttlicher Leitung abhängt, dann wäre nicht alle Schrift inspiriert. Aber Paulus erklärt, dass die gesamte Schrift göttlich inspiriert ist. Daher sind nicht nur die Geheimnisse des Glaubens, sondern auch all die übrigen Wahrheiten, die durch das Licht der Natur erkannt werden könnten, die in der Schrift enthalten sind, göttlich eingegeben und inspiriert. (Hollaz, 83)

      Darlegung schrift- und bekenntnismäßiger Grundsätze, IV. F:

    Mit Luther bekennen wir, dass „Gottes Wort nicht irren kann“. Wir glauben, lehren und bekennen daher, dass, weil die Heilige Schrift das Wort Gottes ist, sie keine Irrtümer oder Widersprüche enthält, sondern dass sie in allen ihren Teilen und Wörtern die unfehlbare Wahrheit ist. Wir halten dafür, dass die Meinung, die Schrift enthalte Irrtümer, dem Grundsatz ‚allein die Schrift’ Gewalt antut, denn sie beruht auf der Annahme von irgendeiner Norm oder Kriterium für die Wahrheit über der Schrift Wir anerkennen, dass es scheinbare Widersprüche oder Diskrepanzen und Probleme gibt, die herrühren aufgrund der Unsicherheit über den ursprünglichen Text.

    Wir verwerfen daher die folgenden Ansichten:

1. Dass die Schrift theologische wie auch tatsächliche Widersprüche und Irrtümer enthalte.

2. Dass die Schrift irrtumslos nur in Sachen sei, die direkt die Evangeliumsbotschaft und Erlösung enthielten.

3. Dass die Schrift nur funktional irrtumslos wäre, dass also die Schrift „irrtumslos“ wäre nur in dem Sinne, dass sie ihr Ziel erreiche, das Evangelium von der Erlösung den Menschen zu bringen.

4. Dass die biblischen Schreiber sich darin anpassten, dass sie die irrtümlichen Ansichten ihrer Tage verwendeten und wiederholten (z.B. die Behauptung, dass Pauli Aussage zur Rolle der Frau in der Gemeinde heute nicht bindend sei, da sie das kulturell bedingte Ergebnis dessen sei, dass der Apostel die Ansichten des damaligen Judentums als ein Kind seiner Zeit teilte).

5. Dass Aussagen Jesu und der neutestamentlichen Schreiber hinsichtlich der menschlichen Autorschaft von Teilen des Alten Testamentes oder der Geschichtlichkeit von bestimmten alttestamentlichen Personen und Ereignissen nicht als wahr [richtig] angenommen werden müssten (z.B. Davids Autorschaft von Psalm 110, die Geschichtlichkeit Jonas oder der Sündenfall Adams und Evas).

6. Dass nur diejenigen Aspekte einer biblischen Aussage als wahr betrachtet werden müssten, die mit der angeblichen Intention des Abschnittes übereinstimme (zum Beispiel, dass des Paulus Aussage über Adam und Eva in Röm. 5 und 1 Kor. 11 nicht die Historizität von Adam und Eva beweise, da das nicht die besondere Absicht des Apostels gewesen wäre; oder dass die Jungfrauengeburt des Herrn geleugnet werden dürfe, da die Kindheitsgeschichten bei Matthäus und Lukas nicht die besondere Absicht hätten, ein bio-logisches Wunder zu diskutieren).

7. Dass Jesus einige der Aussagen nicht gemacht und einige der Taten nicht vollbracht hätte, die ihm in den Evangelien zugeschrieben werden, sondern dass sie tatsächlich erfunden oder von der frühen christlichen Gemeinschaft oder den Evangelisten geschaffen wurden um ihrer besonderen Absichten willen.

8. Dass die biblischen Schreiber manchmal Menschen Aussagen in den Mund gelegt hätten, die sie tatsächlich nicht gemacht hätten (zum Beispiel die Behauptung, dass der „Deuteronomist“ Salomo eine Rede in den Mund lege, die Salomo tatsächlich nie gehalten habe), oder dass sie von Ereignissen als tatsächlich stattgefunden berichten würden, die tatsächlich nicht passiert seien (zum Beispiel der Fall Adams und Evas, die Durchquerung des Roten Meeres auf trockenem Land, die Geschichte mit der ehernen Schlange; Jesu Verfluchung des Feigenbaumes, die Erfahrungen Johannes des Täufers in der Wüste, Jesu Verwandlung des Wassers in Wein, Jesu Wandel auf dem Wasser, oder selbst Jesu leibliche Auferstehung von den Toten oder die Tatsache des leeren Grabes).

9. Dass die Verwendung bestimmter „literarischer Formen“ notwendig die Historizität von dem Beschriebenen in Frage stelle (zum Beispiel, dass die angebliche Midrash-Form der Kindheitserzählungen bei Matthäus und Lukas andeute, dass tatsächlich keine Jungfrauengeburt stattgefunden habe, oder dass die literarische Form von 1 Mose 3 gegen die Historizität des Sündenfalles spreche).

 

4.d Wie kommt es dann aber, dass wir so große Unterschiede in den Stilen der Bücher haben?

    Es gibt eine große Vielfalt unter den heiligen Schreibern im Blick auf den Stil und die Art zu sprechen, was von der Tatsache herrühren dürfte, dass der Heilige Geist sich selbst der gewöhnlichen Weise zu sprechen sich anbequemte, jeden bei seiner eigenen Art beließ. Damit leugnen wir aber dennoch nicht, dass der Heilige Geist die einzelnen Worte diesen Individuen eingab. (Quenstedt, I, 76)

      Darlegung schrift- und bekenntnismäßiger Grundsätze, IV. G:

    Wir glauben, lehren und bekennen, dass, weil derselbe Gott in der gesamten Heiligen Schrift spricht, es eine organische Einheit sowohl innerhalb als auch zwischen dem Alten und dem Neuen Testament gibt. Während wir auf der einen Seite anerkennen, daß es eine reiche Vielheit an Sprache und Stil in der Schrift gibt, und feststellen, dass es Unterschiede im Schwerpunkt in den verschiedenen Berichten ein- und desselben Ereignisses oder Themas gibt, so bestätigen wir nichtsdestoweniger, dass dieselbe Lehre des Evangeliums in all seinen Artikeln in der gesamten Schrift dargeboten wird.

    Wir verwerfen die Ansicht, dass die Heilige Schrift uns innerhalb und zwischen den verschiedenen Büchern und Schreibern widersprüchliche oder widersprechende Lehren und Theologien darböte. Wir betrachten diese Sichtweise nicht nur als etwas, welches dem Selbstverständnis der Schrift Gewalt antut, sondern auch als etwas, das es der Kirche unmöglich macht eine einheitliche theologische Position zu haben und zu bekennen, die wahrhaft biblisch und evangelisch ist.

 

4e. Aber muss die Theologie nicht auf die Erkenntnisse der anderen Wissenschaften Rücksicht nehmen?

    Nein! Grundlage aller Theologie ist die Lehre Gottes, die Rede Gottes in der Heiligen Schrift, die allein irrtumslos ist, während alle Wissenschaft und Wissenschaftler irren und auch schon vielfach geirrt haben und sich immer wieder korrigieren müssen. Abgesehen davon sind viele Aussagen der „Wissenschaft“ rein hypothetisch, unbewiesen, oftmals auf sehr fraglichen Grundlagen aufbauend. Vielmehr stellt die Theologie mit ihren Erkenntnissen aus der Heiligen Schrift immer wieder eine Anfrage an die profane Wissenschaft dar und ist ihr oftmals schon um Jahrhunderte voraus (Hiob spricht bereits vom Gewicht der Luft, 28,25, was wissenschaftlich erst von Torricelli im 17. Jahrhundert festgestellt wurde). Darum können wir getrost dem Wort Gottes im Allem vertrauen und müssen nicht erst abwarten, dass die Wissenschaft es bestätigt.

 

4f. Aber hat die Heilige Schrift nicht ein bestimmtes Weltbild?

    Ganz und gar nicht! Die Heilige Schrift hat weder ein babylonisches, noch ein ptolemäisches noch ein kopernikanisches oder sonst ein bestimmtes menschliches Weltbild, sondern sie stellt die Dinge so dar, 1. wie die Menschen sie mit ihren Augen sehen konnten (Schlacht bei Gibeon), 2. aus der absoluten Warte Gottes. Da Gott nicht lügt und alle Lüge hasst, so hat er auch nicht zugelassen, dass sich Irrtümer, Fehler, menschliche Weltbilder in sein Heiliges Wort einschleichen. Vielmehr haben immer wieder, besonders in neuerer Zeit, Ausleger und Feinde des Wortes Gottes ihr Weltbild in die Bibel hineingetragen. Es widerspricht deshalb auch der Gottheit Christi, dass er sich an Weltbilder seiner Zeit angepasst habe und daher nicht alle seiner Worte heute mehr buchstäblich zu nehmen seien. (Seine Aussagen in Markus 13,19 und Matthäus 19,4 ff passten beispielsweise gar nicht in das mystisch-apokalyptische Weltbild der damaligen Juden.) Ebensowenig hat eine Anpassung an die Religionen im Umfeld Israels stattgefunden. Etwaige Ähnlichkeiten können herrühren entweder aus dem gemeinsamen Ursprung in Adam und Noah oder aber daraus, dass die Heidenvölker Lehren des alttestamentlichen Gottesvolkes übernahmen (wie etwa bei den Samaritanern). Wir haben also ein festes, unwandelbares und zu allen Zeiten die gleiche Lehre verkündendes Gotteswort.

    Psalm 119,89-91: Herr, dein Wort bleibt ewiglich, soweit der Himmel ist; deine Wahrheit währet für und für. Du hast die Erde zugerichtet, und sie bleibt stehen. Es bleibet täglich nach deinem Wort; denn es muss dir alles dienen.

    Jesaja 40,8: Das Heu verdorret, die Blume verwelket; aber das Wort unsers Gottes bleibet ewiglich.

 

4g. Wie beurteilst du die historisch-kritische Methode der Bibelauslegung?

    Die historisch-kritische Methode der Bibelauslegung ist schon von ihrem Grundansatz her gegen das Wort Gottes gerichtet und daher für eine bibeltreue Schriftauslegung gänzlich unbrauchbar. Die Grundlage der modernistischen Bibelauslegung ist ja ein von Gott losgelöstes innerweltliches Weltbild, das die Welt gegen Gott abschließt, das aufbaut auf Wiederholung und Vergleichbarkeit von Ereignissen und somit Wunder Gottes ausschließt. Auch die sogenannte ‚gemäßigte Bibelkritik’, die von vielen sogenannten ‚positiven Theologen’ verwendet wird, kommt von dem Ansatz her, dass die Bibel so, wie sie uns überliefert wurde, nicht als Gottes Wort zu nehmen sei, sondern vielmehr Gottes- und Menschenwort nebeneinander enthalte, ‚Gemeindetheologie’ ausführe, eine Zusammensetzung aus verschiedenen ‚Überlieferungen’ darstelle (Redaktionskritik), unterschiedliche Stilformen angeblich unterschiedliche Schreiber oder Überlieferer voraussetzten (Literar- und Formkritik; tatsächlich verwendet jeder gute Schriftsteller aber unterschiedliche Stile, je nachdem, wie es zum Inhalt passt). Die Aussagen der historisch-kritischen Methode widersprechen auch an vielen Stellen den Aussagen der Bibel, die eindeutige Hinweise gibt für die Einheit etwa der fünf Bücher Mose (gegen die Pentateuchkritik) oder des Buches Jesaja (gegen die Jesajakritik). Die angeführten Argumente der historisch-kritischen Methode sind in sich nicht schlüssig, vor allem, da sie allesamt im Gegenteil die Einheit der Bücher eigentlich unterstreichen, da sie verdeutlichen, wie für unterschiedliche Aussagen auch unterschiedliche Stile, Worte gewählt wurden.

    Kolosser 2,4.8: Ich sage aber davon, dass euch niemand betrüge mit vernünftiger Rede. ... Sehet zu, dass euch niemand beraube durch die Philosophie und Verführung nach der Menschen Lehre und nach der Welt Satzungen und nicht nach Christus.

 

4h. Wie kommt es aber zu solcher Kritik?

    Letztlich ist alle Kritik an der Bibel ein Werk des Diabolos, des Durcheinanderbringers, des Teufels, der damit der Gemeinde Jesu Christi ihre Grundlage rauben will. Er benutzt dabei das unbußfertige Herz des Menschen, das sich nicht beugen will unter die absolute Autorität Gottes, sondern sich aufschwingt zum Richter über Gott und sein Wort.

    2. Korinther 10,5b: Wir nehmen gefangen alle Vernunft unter den Gehorsam Christi.

 

4i. Wie verstehen wir also die Heilige Schrift Gottes richtig?

    Sie ist Gottes Wort und Rede an uns, in der er durch Gesetz und Evangelium zu uns spricht, um uns 1. unsere Sündenverdorbenheit und Verlorenheit aufzuzeigen und so uns zu Reue und Buße zu führen; 2. uns seine Gnade, Barmherzigkeit, Vergebung in Jesus Christus anbietet, darreicht und zueignet; 3. seine Gläubigen im Einzelnen und die Gemeinde insgesamt durch seinen Heiligen Geist durch Wort und Sakrament stärkt und leitet. Kern und Stern der Heiligen Schrift aber ist Jesus Christus, der für uns Gekreuzigte und Auferstandene, im alten Testament bereits verheißen, was sich im Neuen Testament erfüllt hat.

    2. Timotheus 2,15: Befleißige dich, Gott zu erzeigen einen rechtschaffenen, unsträflichen Arbeiter, der da recht teile das Wort der Wahrheit.

    Sacharja 11,7: Und ich hütete die Schlachtschafe um der elenden Schafe willen und nahm zu mir zwei Stäbe: einen hieß ich Sanft, den andern hieß ich Weh; und hütete die Schafe.

    Markus 1,15: Die Zeit ist erfüllet, und das Reich Gottes ist herbeigekommen. Tut Buße und glaubt an das Evangelium.

    1. Korinther 1,23: Wir aber predigen den gekreuzigten Christus, den Juden ein Ärgernis und den Griechen eine Torheit.

    1. Korinther 2,2: Ich aber hielt mich nicht dafür, dass ich etwas wüsste unter euch als allein Jesus Christus, den Gekreuzigten.

    Da das Neue Testament der Schlusspunkt der geschriebenen Offenbarung Gottes ist, so erklären wir mit Nachdruck, dass es entscheidend ist dafür, die Beziehung zwischen den beiden Testamenten und die Aussage der alttestamentlichen Prophetien im einzelnen festzulegen, da die Aussage einer Prophetie völlig erst von ihrer Erfüllung her erkannt werden kann. Mit den lutherischen Bekenntnissen erkennen wir, dass es messianische Weissagungen über Jesus Christus im ganzen Alten Testament gibt. Dementsprechend erkennen wir, dass das Alte Testament „verheißt den zukünftigen Christus und bietet ewigen Segen, Benedeiung, ewiges Heil, Gerechtigkeit und ewiges Leben durch ihn an“ (Apol. 4,5) und dass die Patriarchen und ihre Nachkommen sich getröstet haben mit solchen messianischen Verheißungen (vgl. Konk. Formel, Ausf. Darl. 5,23) (Darl. schrift- und bekenntnisgemäßer Grundsätze, IV, H)

 

4j. So unterscheidest du also zwischen Gesetz und Evangelium in der Heiligen Schrift?

    Unbedingt! Denn das ist allein der Schlüssel zum rechten Verständnis des Wortes Gottes. Es ist falsch, ohne diesen Unterschied nur von einer ‚Offenbarung Gottes’ zu sprechen und so diese Unterschiede einzuebnen, wiewohl beides Gottes Wort ist, aber Jesus Christus für uns ist die Mitte, des Alten wie des Neuen Testamentes. Das Alte Testament weist hin auf Jesus Christus und seine Gemeinde, im Neuen Testament ist dann die neue Zeit angebrochen, werden die Verheißungen des Alten Testamentes erfüllt. (siehe die Erfüllungszitate etwa bei Matthäus)

 

4k. Können wir von innerer und äußerer Schrift, innerem und äußerem Schriftsinn sprechen?

    Nein. Die Schrift Gottes ist sein Wort, durch das er mit uns redet, so, wie es in den Heiligen Büchern niedergeschrieben ist. Wenn die Schrift Gottes es nicht selbst durch Parallelstellen oder den Kontext anders angibt, ist Gottes Wort im buchstäblichen Sinne zu verstehen. In und mit diesem Wort wirkt der Heilige Geist Gottes, das Wort ist kein toter Buchstabe oder eine leere Hülse; der Geist kommt auch nicht erst durch den Prediger oder Hörer hinzu.

    Jesaja 55,8-11: Denn meine Gedanken sind nicht eure Gedanken und eure Wege sind nicht meine Wege, spricht der Herr, sondern so viel der Himmel höher ist als die Erde, so sind auch meine Wege höher als eure Wege und meine Gedanken als eure Gedanken. Denn gleichwie der Regen vom Himmel fällt und nicht wieder zurückkehrt, sondern feuchtet die Erde und macht sie fruchtbar und lässt wachsen, dass sie gibt Samen zu säen und Brot zu essen, so soll das Wort, das aus meinem Munde geht, auch sein. Es wird nicht wieder leer zu mir zurückkommen, sondern wird tun, was mir gefällt, und ihm wird gelingen, wozu ich es sende.

    Römer 10,17: So kommt der Glaube aus der Predigt, das Predigen aber durch das Wort Gottes.

    Galater 3,2: Habt ihr den Geist empfangen durch des Gesetzes Werke oder durch die Predigt vom Glauben?

 

4L. Muss aber nicht nach 2. Korinther 3 zwischen Geist und Buchstabe unterschieden werden?

    Das ist ganz richtig. Aber das besagt gerade nicht, dass hinter dem Buchstaben des Bibelwortes noch eine andere, ‚mystische’ Aussage steckt, die man erst herausholen müsste, sondern, wie aus 2. Korinther 3 eindeutig hervorgeht, meint diese Unterscheidung die schon angesprochene Unterscheidung zwischen Gesetz (hier als Buchstabe bezeichnet nach den Steintafeln des Dekalogs) und Evangelium (hier als Geist bezeichnet, der durch das Evangelium den rettenden Glauben schenkt).

 

4m. Wie ist also die Heilige Schrift Gottes recht zu verstehen?

    Als Regel gilt: Für ein Schriftwort gibt es wegen ein- und desselben Urhebers aufgrund der Absicht und Gesinnung des Heiligen Geistes nur den einen, durch ihn selbst beabsichtigen Sinn, nämlich den buchstäblichen.  (König: Theologia positiva acroamatica. De Protheoria Speciali, Par. 95)

 

4n. Ist dieser buchstäbliche Schriftsinn immer einer?

    Der buchstäbliche Sinn ist entweder eigentlich oder bildlich. (König, Par. 96)

 

4o. Was ist der eigentliche buchstäbliche Sinn?

Der eigentliche ist dabei derjenige, der genau so vom Heiligen Geist in den eigentlichen Worten beabsichtigt ist. Bei ihm gilt folgende Theologenregel: Der eigentliche buschtäbliche Sinn ist immer, vor allem aber da, wo ausdrücklich ein Glaubensartikel überliefert wird, streng festzuhalten und niemals umzudeuten, solange er nicht offensichtlich und wahrhaftig einen Glaubensartikel oder ein Liebesgebot verletzt und zugleich eindeutig aus sich selbst oder aufgrund anderer echter Parallelstellen als übertragene Redeweise erkannt und erwiesen wird. (König, Par. 97-98)

 

4p. Und was ist der bildliche buchstäbliche Sinn?

    Der bildliche Sinn ist der, den der Heilige Geist mit Worten, die irgendeine rhetorische Figur gebrauchen, als genau diesen beabsichtigt. (König, Par. 99)

 

+5. Welches sind apokryphe Bücher?

    Diejenigen, deren dunkler Ursprung denen nicht klar war, durch deren Zeugnis das Ansehen der wahren Schriften auf uns gekommen ist. (Augustinus. Liberum 15. De Civitate Dei. cap. 23. Chemnitz.)

 

+6. Gibt es noch andere Einteilungen in der Heiligen Schrift?

    Ja. So werden die biblischen Bücher unterschieden nach den verschiedenen Zeiten und der verschiedenen Beschaffenheit der Kirche eingeteilt in die Bücher des Alten und des Neuen Testamentes. Ebenso werden sie nach der inneren Beschaffenheit unterschieden in Gesetzbücher, Propheten und Evangelien usw.

 

[6.a In welcher Beziehung stehen denn Altes und Neues Testament zueinander?

    Die biblischen Bücher werden unterteilt in die Bücher des Alten und des Neuen Testaments. Die Bücher des Alten Testaments sind solche, die geschrieben wurden vor der Erscheinung Christi; die Bücher des Neuen Testaments diejenigen, die geschrieben wurden nach der Erscheinung Christi und adressiert an die Kirche. Es ist zu beachten, dass die Bücher des Alten Testaments so genannt werden, nicht, weil sie nicht eindeutig etwas enthielten von dem Wesen, der Gnade und Glückseligkeit des Neuen Testaments, durch Christus denen verheißen, die an ihn glauben, sondern weil sie das als zukünftig und in der bestimmten Zeit zu erfüllen vorhersagen und vorbilden, das im Neuen Testament als vollendet verkündet wird. Röm. 3,21; 16,26. (Gerhard, Loci theologici, II, 50)

    Die Bücher des Alten Testaments wurden der israelitischen Kirche anvertraut, diejenigen des Neuen Testaments der aus allen Völkern gesammelten christlichen Kirche. Die christliche Kirche empfängt die kanonischen Bücher des Alten Testaments wegen der höchst wunderbaren Harmonie der prophetischen und apostolischen Schriften, aufgrund ihres großen Nutzens und besonders im Gehorsam gegenüber Christi Befehl, Joh. 5,39. Es gibt einen Unterschied zwischen dem Alten und Neuen Testament im Blick auf den Grad der Klarheit, aber keine Verschiedenheit über den Gegenstand der Offenbarung, so, als ob in dem einen Dinge als ausdrücklich notwendig zu glauben gelehrt würden, verschieden von denen, die im anderen gelehrt werden, denn der Glaube ist in beiden der gleiche. Eph. 4,16. (Hollaz, 129)

      Darlegung schrift- und bekenntnismäßiger Grundsätze, IV. H:

    Da das Neue Testament der Schlusspunkt der geschriebenen Offenbarung Gottes ist, so erklären wir mit Nachdruck, dass es entscheidend ist dafür, die Beziehung zwischen den beiden Testamenten und die Aussage der alttestamentlichen Prophetien im Einzelnen festzulegen, da die Aussage einer Prophetie völlig erst von ihrer Erfüllung her erkannt werden kann. Mit den lutherischen Bekenntnissen erkennen wir, dass es messianische Weissagungen über Jesus Christus im ganzen Alten Testament gibt. Dementsprechend erkennen wir, dass das Alte Testament „verheißt den zukünftigen Christus und bietet ewigen Segen, Benedeiung, ewiges Heil, Gerechtigkeit und ewiges Leben durch ihn an“ (Apol. 4,5) und dass die Patriarchen und ihre Nachkommen sich getröstet haben mit solchen messianischen Verheißungen (vgl. Konk. Formel, Ausf. Darl. 5,23)

Daher verwerfen wir folgende Ansichten:

1. Dass die neutestamentlichen Aussagen über alttestamentliche Texte und Ereignisse nicht ihre Bedeutung feststellen würden (zum Beispiel die Behauptung, dass Jesu Bezug auf Psalm 110 in Matthäus 22,53-44 weder die Schreiberschaft Davids noch den weissagenden messianischen Charakter begründeten).

2. Dass alttestamentliche Weissagungen als messianische Weissagungen nicht in dem Sinne zu betrachten seien, dass sie wesensmäßig vorhersagend wären, sondern nur in dem Sinne, dass das Neue Testament sie später auf neutestamentliche Ereignisse bezieht.

3. Dass die alttestamentlichen Propheten nie erkannten, dass ihre Weissagungen über ihre eigene Zeit hinaus zur Zeit Christi reichten.

 

6.b Was ist grundlegend wichtig zum Verständnis der Heiligen Schrift?

    Es wäre dem Inhalt und Selbstverständnis der Heiligen Schrift nicht angemessen, wenn wir die verschiedenen Aussagen der Einen Wahrheit einfach nebeneinander setzten. Sondern Jesus Christus, der um unserer Sünden willen dahingegeben und um unserer Rechtfertigung willen auferweckt wurde (Röm. 4,25), ist vielmehr Zentrum, Kern und Stern der Heiligen Schrift Alten und Neuen Testaments, 1. Kor. 2,2; Luk. 24,25-27, und damit die Lehre von der Rechtfertigung des Sünders allein aus Gnaden, allein um Christi Verdienst willen, empfangen allein durch den Glauben, die Hauptlehre der ganzen Heiligen Schrift. (Materialprinzip)

      Darlegung schrift- und bekenntnismäßiger Grundsätze, IV. B:

    Wir glauben, dass alle Schrift Zeugnis von Jesus Christus gibt und dass ihr vorrangiger Zweck ist, Menschen weise zu machen zur Erlösung durch den Glauben an Jesus Christus. Wir bekräftigen daher nachdrücklich, dass die Schrift nur dann richtig gebraucht wird, wenn sie vom Gesichtspunkt der Rechtfertigung durch den Glauben und mit der rechten Unterscheidung von Gesetz und Evangelium gelesen wird. Da das Rettungswerk Jesu Christi erfüllt wurde durch seinen persönlichen Eintritt in unsere Geschichte und sein echtes historisches Leben, Sterben und Auferstehen, bestätigen wir, dass die Anerkennung des erlösenden (soteriologischen) Zweckes der Schrift es uns in keiner Weise erlaubt, die Historizität und Faktizität der Dinge, die in der Bibel berichtet werden, in Frage zu stellen oder zu leugnen.

    Wir verwerfen daher folgende Ansichten:

1. Dass es ein angemessenes Herangehen an die Heilige Schrift darstelle, die Fakten und Daten, die in der Schrift dargelegt werden, zu kennen, ohne sie auf Jesus Christi und sein Erlösungswerk zu beziehen.

2. Dass das Alte Testament, in seinen eigenen Begriffen gelesen, Jesus Christus nicht bezeuge.

3. Dass es zulässig sei, die Historizität von Begebenheiten oder das Stattfinden von Wundern, wovon in der Schrift berichtet wird, zu verwerfen, so lange Gesetz und Evangelium nicht vermengt würden.

4. Dass die Anerkennung des vorrangigen Zweckes der Schrift es gleichgültig mache, ob solche Fragen nach Fakten wie die folgenden bestätigend beantwortet werden: Waren Adam und Eva tatsächliche historische Individuen? Durchquerte Israel das Rote Meer auf trockenem Land? Hat das Wunder mit der ehernen Schlange tatsächlich stattgefunden? Wurde Jesus wirklich von einer Jungfrau geboren? Hat Jesus all die Wunder, die ihm zugeschrieben werden, vollbracht? Hat Jesu Auferstehung tatsächlich eingeschlossen, dass sein toter Körper zum Leben zurückkehrte?

 

      Darlegung schrift- und bekenntnismäßiger Grundsätze, IV. C:

    Wir glauben, lehren und bekennen, dass das Evangelium der gnädigen Rechtfertigung des Sünders durch den Glauben an Jesus Christus nicht nur die Hauptlehre der Heiligen Schrift und eine grundlegende Voraussetzung für die Auslegung der Schrift ist, sondern das Herz und die Mitte unseres christlichen Glaubens und der Theologie (Materialprinzip). Wir glauben, lehren und bekennen auch, dass „allein Gottes Wort stellt Artikel des Glaubens“ (Schmalkald. Art.. II,2,15) und „dass die einzige Regel und Richtschnur, nach welcher zugleich alle Lehren und Lehrer gerichtet und geurteilt werden sollen, sind allein die prophetischen und apostolischen Schriften Alten und Neuen Testaments“ (Konk.Formel, Kurze Darl., Zusammenf., 1) (Formalprinzip). Das Evangelium, das das Zentrum unserer Theologie ist, ist das Evangelium, wovon die Schrift zeugt, wie auch die Schrift, aus der wir unsere Theologie ziehen, uns ständig zum Evangelium Jesu Christi weist.

    Wir verwerfen die folgenden Verfälschungen der Beziehung zwischen dem Evangelium und der Bibel (dem Material- und Formalprinzip):

1. Dass die Annahme der Bibel an sich, anstatt des Evangeliums, das Herz und die Mitte des christlichen Glaubens und der Theologie und der Weg zur ewigen Erlösung sei.

2. Dass das Evangelium, nicht die Schrift, die Norm sei, alle Lehre und Lehrer zu bewerten und zu beurteilen (so z.B., wenn eine Entscheidung über die Zulassung, Frauen zum Predigtamt zu ordinieren, auf der Grundlage des „Evangeliums“ anstatt der Lehre der Schrift selbst gefällt wird).

3. Dass die Geschichtlichkeit bestimmter biblischer Berichte (wie die Sintflut oder der Sündenfall) in Frage gestellt werden dürfte, wenn das nicht dem Evangelium schade.

4. Dass Christen nicht Dinge akzeptieren müssten, die zwar in der Schrift gelehrt werden, aber nicht Teil des „Evangeliums“ seien.

 

7. Ist denn die Heilige Schrift deutlich und verständlich?

    Sie ist es in hohem Grad; vorzüglich an alle den Stellen, welche vom Glauben und unserer Rechtfertigung vor Gott und der ewigen Seligkeit handeln.

    Psalm 119,105: Dein Wort ist meines Fußes Leuchte und ein Licht auf meinem Wege.

    2. Petrus 1,19: Und wir haben desto fester das prophetische Wort, und ihr tut wohl, dass ihr darauf achtet als auf ein Licht, das da scheinet an einem dunklen Ort, bis der Tag anbreche und der Morgenstern aufgehe in euren Herzen.

 

8. Ist denn die kanonische Schrift vollkommen und ausreichend, was die Unterweisung sowohl im Glauben als auch in den Sitten?

    Ja, dem ist unbedingt so.

    2. Timotheus 3,16 und 17: Denn alle Schrift, von Gott eingegeben, ist nütze zur Lehre, zur Strafe, zur Besserung, zur Züchtigung in der Gerechtigkeit, dass ein Mensch Gottes sei vollkommen, zu allem guten Werk geschickt.

    Und zuvor Vers 15: Und weil du von Kind auf die Heilige Schrift weißt, kann dich dieselbe unterweisen zur Seligkeit durch den Glauben an Christus Jesus.

 

*9. So wird folglich die kanonische Schrift auch Norm und Richter in kirchlichen Streitigkeiten sein?

    Es gibt durchaus keine andere Norm und Regel, nach welcher alle Lehren und Lehrer geschätzt und beurteilt werden müssen, als die prophetischen und apostolischen Schriften, sowohl des Alten als des Neuen Testaments, wie geschrieben steht:

    Psalm 119,105: Dein Wort ist meines Fußes Leuchte und ein Licht auf meinem Wege. Und

    Galater 1,8: Aber wenn auch wir oder ein Engel vom Himmel euch würde Evangelium anders predigen, als wir euch gepredigt haben, der sei verflucht. Konk.Formel, Kurze Darl., 767,1

Konk. Formel, Kurze Darl., Summ. Begr. 1:

    Wir glauben, lehren und bekennen, dass die einige Regel und Richtschnur, nach welcher zugleich alle Lehren und Lehrer gerichtet und geurteilt werden sollen, sind allein die prophetischen und apostolischen Schriften Alten und Neuen Testaments; wie geschrieben steht: "Dein Wort ist meines Fußes Leuchte und ein Licht auf meinem Wege", Ps. 119. Und St. Paulus: "Wenn ein Engel vom Himmel käme und predigte anders, der soll verflucht sein", Gal. 1.

Konk. Formel, Ausf. Darl., Summ. Begr. 3:

    Als erstlich: zu den prophetischen und apostolischen Schriften Alten und Neuen Testaments, als zu dem reinen, lautern Brunnen Israels, welche allein die einige, wahrhaftige Richtschnur ist, nach der alle Lehrer und Lehre zu richten und zu urteilen sind.

 

*10. Haben nicht die Schriften der Väter und der Neuern gleiches Ansehen mit der Heiligen Schrift?

    „Andere Schriften aber der alten oder neuen Lehrer, wie sie Namen haben, sollen der Heiligen Schrift nicht gleichgehalten, sondern alle zumal miteinander derselben unterworfen und anders oder weiter nicht angenommen werden denn als Zeugen, welcher Gestalt nach der Apostel Zeit und an welchen Orten solche Lehre der Propheten und Apostel erhalten worden.“ Konk.Formel, Kurze Darl., Summ., 1.

 

*11. Was hältst du von den ökumenischen oder allgemeinen Symbolen (Glaubensbekenntnissen)?

    Ich halte, dass sie zwar kurze, aber ganz vorzüglich fromme und im Wort Gottes fest gegründete Bekenntnisse des christlichen Glaubens sind: entgegengesetzt jenen Ketzern, welche teils bei Lebzeiten der Apostel, teils aber nach ihrer Zeit aufgestanden sind.

Konk.Formel, Kurze Darl., Summ., 2:

    Und nachdem gleich nach der Apostel Zeit, auch noch bei ihrem Leben, falsche Lehrer und Ketzer eingerissen, und wider dieselben in der ersten Kirche Symbola, das ist, kurze, runde Bekenntnisse, gestellt, welche für den einhelligen, allgemeinen christlichen Glauben und Bekenntnis der rechtgläubigen und wahrhaftigen Kirche gehalten, als nämlich das Symbolum Apostolicum, Symbolum Nicaenum und Symbolum Athanasii; bekennen wir uns zu denselben und verwerfen hiermit alle Ketzereien und Lehren, so denselben zuwider in die Kirche Gottes eingeführt worden sind.  

 

*12. Wie viele dieser Bekenntnisse gibt es?

    Drei: das apostolische, das nicänische und das athanasianische Bekenntnis.

 

*13. Erkennen nicht unsere Kirchen noch andere Bekenntnisschriften an?

    Ja! Aber nicht anders, als dass sie, ebenso wie jene, Zeugnis geben, wie zu ihrer Zeit in der Kirche gelehrt wurde: jedoch in geringerem Grade, weil sie mit weniger Übereinstimmung der Zeiten angenommen sind.

 

*14. Welches sind diese Bekenntnisse unserer Kirchen?

    Es sind dies: 1. das Augsburgische Bekenntnis in der ersten, in keiner Weise veränderten Fassung aus dem Jahr 1530, das der großen Reichsversammlung und dem Kaiser Karl V. in Augsburg vorgelegt wurde; 2. deren Apologie (oder Verteidigung); 3. die Schmalkaldischen Artikel; 4. die beiden Katechismen Luthers; 5. und schließlich die christliche Konkordienformel. Konk.Formel, Kurze Darl. Summ., 4. [Dazu kommt aus neuerer Zeit noch 6. die ‚Kurze Darlegung der Lehrstellung’, angenommen von der Evang.-Luth. Synode von Missouri, Ohio u.a.St. im Jahr 1932. Anm. d. Hrsg.]

 

*15. Haben alle Bekenntnisschriften, die du bisher aufgezählt hast, gleiches Ansehen?

    Nein. Denn diejenigen, welche mit einmü+tiger Zustimmung der ganzen allgemeinen Kirche angenommen sind, wie jene drei allgemeinen Bekenntnisse, haben ein weit größeres Ansehen als diejenigen, welche durch das Urteil und Zustimmung einiger weniger Partikular-Kirchen angenommen sind. Obgleich sie alle darin übereinkommen, dass sie in einem hohen Grade von der Heiligen Schrift zu unterscheiden sind.

Konk. Formel, Kurze Darl., Summ. Begr. 7-8:

    Solchergestalt wird der Unterschied zwischen der Heiligen Schrift Alten und Neuen Testaments und allen andern Schriften erhalten, und bleibt allein die Heilige Schrift der einige Richter, Regel und Richtschnur, nach welcher als dem einigen Probierstein sollen und müssen alle Lehren erkannt und geurteilt werden, ob sie gut oder bös, recht oder unrecht seien.

    Die andern Symbola aber und angezogenen Schriften sind nicht Richter wie die Heilige Schrift, sondern allein Zeugnis und Erklärung des Glaubens, wie jederzeit die Heilige Schrift in streitigen Artikeln in der Kirche Gottes von den damals Lebenden verstanden und ausgelegt und derselben widerwärtige Lehre verworfen und verdammt worden.

 

*16. Was ist denn der Unterschied zwischen Schrift und Bekenntnis?

    Die Heilige Schrift wird allein anerkannt als Richter, Regel und Richtschnur, nach welcher, als dem einigen Probierstein, alle Lehren zu prüfen und zu urteilen sind, ob sie fromm oder böse, wahr oder falsch sind. Die Bekenntnisse oder andere Schriften aber haben nicht das Ansehen eines Richters: denn dies gebührt allein der Heiligen Schrift. Konk.Formel, Kurze Darl. 769,7.

 

*17. Welches ist nun der Nutzen und Zweck jener Bekenntnisschriften?

    Dieser, dass nur für unsern Glauben sie Zeugnis ablegen, denselben erklären und zeigen, wie die Heilige Schrift in den einzelnen Zeiten in streitigen Artikeln in der Kirche von den Lehrern, welche damals lebten, verstanden und erklärt worden ist: und mit welchen Gründen die mit der Heilige Schrift streitenden Lehren verworfen und verdammt worden sind. Konk.Formel, Kurze Darl. Summ., 8.

 

[17a. Haben die Bekenntnisschriften nur einen historischen, zeitbedingten Wert?

    Nein. Wenn sie als ‚historisch’ bezeichnet werden, dann deshalb, weil sie in einer bestimmten Zeit entstanden sind, aufgrund der Streitfragen, die in jener Zeit aufkamen. In dieser Zeit haben dann die Väter die schon immer vorhandene biblische Lehre in Auseinandersetzung mit den Irrlehren bezeugt. Dieses biblische Zeugnis aber ist, da es auf der Schrift gründet, immer gültig.

 

17b. Was sagst du zu dem Argument, es herrsche heute eine andere Zeit, mit anderen Streitfragen und auch einer anderen Glaubensauffassung?

    Da die Bekenntnisse die Lehre der Heiligen Schrift bekennen, kann ihre verbindliche Bedeutung nicht zeitlich beschränkt werden. Neue Auseinandersetzungen können dazu führen, dass weitere Bekenntnisse erarbeitet werden müssen, die aber die früheren nicht aufheben.

    Die Behauptung, heute herrsche eine andere Glaubensauffassung oder die Verwerfungen der Bekenntnisse träfen die heutige Zeit nicht mehr, ist falsch, denn damit werden die Bekenntnisse selbst aufgehoben. Entweder sind die Bekenntnisse noch gültig – dann sind sie auch uneingeschränkt verbindlich – oder sie sind es nicht, dann müsste man sie mit Schriftbeweisen widerrufen.

 

17c. Ist aber nicht das Leben wichtiger als die Lehre?

    Beides ist wichtig. Aber wir müssen die rechte biblische Gewichtung beachten. Die Lehre ist nicht in unserer Hand, sondern uns von Gott vorgegeben, wir haben wir ihm nur nach der Schrift nachzusprechen. Wir sind also keine Herren über die Lehre. Außerdem ist es so, dass die Lehre auch angibt, wie das Leben nach Gottes Willen formiert werden soll. Wenn also die Lehre abgeschwächt wird, so fällt auch die Grundlage für ein Gott wohlgefälliges Leben. Das Leben wird in dieser Zeit nie vollkommen sein, denn wir bleiben Sünder. Es bedarf daher gerade immer wieder der Kritik unseres Lebens durch die Lehre (das Gesetz), damit wir in Buße umkehren.

    Johannes 8,31.32: So ihr bleiben werdet an meiner Rede, so seid ihr meine rechten Jünger und werdet die Wahrheit erkennen; und die Wahrheit wird euch frei machen.

    Matthäus 28,20a: Lehret sie halten alles, was ich euch befohlen habe.

    Apostelgeschichte 20,27: Ich habe euch nichts verhalten, dass ich nicht verkündiget hätte alle den Rat Gottes.

    1. Timotheus 3,15: Die Gemeinde des lebendigen Gottes ist ein Pfeiler und eine Grundfeste der Wahrheit.]

 

17d. Welches ist daher unsere richtige Stellung zu unseren Bekenntnisschriften?

    Wir bekräftigen erneut, dass wir die Schrift annehmen als das inspirierte und irrtumslose Wort Gottes und dass wir bedingungslos unterschreiben „alle symbolischen Bücher der Evangelisch-Lutherischen Kirche als eine wahre und unveränderte Darlegung und Darbietung des Wortes Gottes“. (Verfassung, Art. 2; vgl. auch Zusatz 4.21). Wir nehmen die Bekenntnisschriften an, weil sie aus Gottes Wort genommen sind und betrachten deshalb ihren Lehrgehalt aus einen wahre und bindende Darbietung der Heiligen Schrift und als bindend für unsere Arbeit als Diener Jesu Christi und Diener der Lutherische Kirche – Missouri- Synode.

 

    Wir nehmen die folgende Verdeutlichung des Wesens unserer Unterschrift unter die Bekenntnisse an:

1. Wir anerkennen, dass der Lehrgehalt der lutherischen Bekenntnisse nicht nur diejenigen Lehren der Heiligen Schrift beinhaltet, die ausdrücklich in den Bekenntnissen behandelt werden, sondern auch solche biblische Lehren, die irgendwie indirekt oder gelegentlich nur gestreift werden, wie die Lehren von der Heiligen Schrift, der Schöpfung, dem Heiligen Geist und den Letzten Dingen.

2. Mit den Vätern geben wir zu, dass nicht alles in den lutherischen Bekenntnissen Teil ihres Lehrgehaltes sind, aber wir verwerfen alle Versuche, den Raum dieses Lehrgehaltes in willkürlicher oder subjektiver Weise zu verkleinern. Wir geben zum Beispiel zu, dass die Unterschrift unter die lutherischen Bekenntnisse uns nicht an jeden einzelnen exegetischen Punkt in den Bekenntnissen bindet oder auch an den bekenntnismäßigen Gebrauch bestimmter Bibelstellen, um eine bestimmte Lehrerklärung zu unterstreichen. Da jedoch die Bekenntnisse als biblische Darlegungen verstanden werden wollen, so verwerfen wir die Meinung, dass wir durch unsere Unterschrift unter die Bekenntnisse nicht gebunden seien an die Darlegung der Schrift in den Bekenntnissen oder an den Lehrgehalt, den die Bekenntnisse aus einzelnen biblischen Abschnitten ziehen.

3. Wir geben zu, dass die Bekenntnisse gelesen und studiert werden müssen mit Blick auf die historischen Situationen, in denen sie geschrieben wurden, aber wir verwerfen die Ansicht, dass unsere Unterschrift unter die Bekenntnisse nur bedeute, dass wir die Bekenntnisse als eine historisch richtige Antwort betrachten auf die Probleme, die die Kirche beschäftigte, als die Bekenntnisse geschrieben wurden.

4. Wir erklären, dass der Lehrgehalt der Bekenntnisse im Zentrum Jesus Christus hat und das Evangelium von unserer Rechtfertigung aus Gnaden durch den Glauben, aber wir verwerfen die Ansicht, dass der Lehrgehalt der Bekenntnisse nur solche Bekenntnisdarlegungen einschließe, die ausdrücklich und direkt von dem Evangelium von Jesus Christus handeln. Dem gemäß anerkennen wir auch nicht den Gedanken, dass unsere Unterschrift unter die lutherischen Bekenntnisse es uns erlaube, solche Bekenntnispositionen zu verwerfen wie die Existenz des Teufels und der Engel oder dass Adam und Eva wirkliche historische Personen waren, deren Sündenfall ein wirkliches historisches Ereignis war.

5. Wir anerkennen, dass die lutherischen Bekenntnisse keinen besonderen Artikel über die Heilige Schrift und ihre Auslegung enthalten, aber wir bestätigen und nehmen an das bekenntnisgemäße Verständnis des Wesens der Heiligen Schrift und der rechten theologischen Grundsätze für ihre Auslegung.

6. Wir anerkennen die lutherischen Bekenntnisse als eine wahre Darlegung der Heiligen Schrift und verwerfen daher die Meinung, dass unsere Unterschrift unter die lutherischen Bekenntnisse es uns frei lasse, irgendeine Lehraussage der Bekenntnisse zu verwerfen, von der wir meinen, dazu gäbe es keine erkennbare biblische Unterstützung.

7. Wir anerkennen, dass unsere Unterschrift unter die lutherischen Bekenntnisse uns verpflichtet, in Übereinstimmung mit der gesamten Heiligen Schrift zu predigen und zu lehren. Wir verwerfen daher die Meinung, dass alle diejenigen biblischen Dinge, die nicht ausdrücklich in den lutherischen Bekenntnissen behandelt seien, offene Fragen seien.

8. Wir bekennen, dass die Heilige Schrift die einzige Regel und Richtschnur ist für Lehre und Leben, und dass andere Schriften „mit der Heiligen Schrift nicht auf eine Stufe gestellt werden sollten“ (Konk.Formel, Kurze Darl., 1-2). Wir verwerfen daher die Ansicht, dass es legitim sei, die Lehrfolgerungen der Bekenntnisse festzuhalten, ohne ihre biblische Grundlage anzunehmen; oder die formale Unterschrift unter die Bekenntnisse als einen angemessenen Schutz gegen unsaubere exegetische Schlüsse anzusehen.

9. Schließlich bekräftigen wir, dass unsere Annahme der lutherischen Bekenntnisse nicht nur bedeutet, dass wir den Lehrgehalt der lutherischen Bekenntnisse als eine lebensfähige Möglichkeit für lutherische Christen heute tolerieren, sondern dass wir tatsächlich predigen, lehren und bekennen den Lehrgehalt der lutherischen Bekenntnisse als unseren eigenen. (Darl. schrift- und bekenntnisgemäßer Grundsätze, VI)]

 

 

Abschnitt 2: Vom dreieinigen Gott

 

1. Was ist der allgemeine christliche Glaube von Gott?

„Dies ist der rechte christliche Glaube, dass wir eine einigen Gott in drei Personen und drei Personen in einiger Gottheit verehren: Und nicht die Personen ineinander mengen, noch das göttliche Wesen zertrennen. Denn eine andere Person ist der Vater, eine andere der Sohn, eine andere der Heilige Geist: Aber der Vater und der Sohn und der Heilige Geist ist ein einiger Gott, gleich in der Herrlichkeit und gleich in ewiger Majestät.“ Athanasianum 3-6.

 

2. Was ist also Gott?

Gott ist ein geistiges Wesen, voll Einsicht, ewig, wahrhaftig, gut, rein, gerecht, barmherzig, völlig frei, von unermesslicher Macht und Weisheit; der ewige Vater, der den Sohn, sein Ebenbild von Ewigkeit gezeugt hat; und der Sohn, das gleich ewige Ebenbild des Vaters; und der Heilige Geist, welcher ausgeht vom Vater und vom Sohn. Wie Gott sich offenbart hat im gewissen Wort und göttlichen Zeugnis, dass der ewige Vater mit dem Sohn und dem Heiligen Geist geschaffen habe und erhalte Himmel und Erde und alle Kreaturen, sofern er sie erhält, und sich sammle im menschlichen Geschlecht eine Kirche wegen des Sohnes und durch ihn, und sei Richter der Gerechten und Ungerechten. (Melanchthon, im Examen).

 

3. Beweise, dass Ein Gott sei!

5. Mose 6,5; Mark. 12,29: Höre, Israel, unser Gott, der Herr, ist einer.

Jes. 44,6: Ich bin der Erste und der Letzte und außer mit ist kein Gott. Und V. 8: Ist auch ein Gott außer mir?!

1. Kor. 8,6: Es ist kein Gott außer dem einen. Denn es sind wohl solche, die Götter heißen im Himmel und auf Erden, wohl sind viele Götter und Herren: Wir haben dennoch nur einen, der ist Gott, der Vater, von dem alles ist und wir in ihm.

 

+4. Sind es denn nicht drei Götter, so doch der Vater Gott ist und der Sohn Gott ist und der Heilige Geist Gott ist?

Zwar der Vater ist Gott, der Sohn ist Gott, der Heilige Geist ist Gott – das Wort ‚Gott’ persönlich genommen: Und sind dennoch nicht drei Götter, sondern Ein Gott ist es, das Wort ‚Gott‘ wesentlich genommen.

„So ist der Vater Herr und der Sohn ist Herr und der Heilige Geist ist Herr und sind doch nicht drei Herren, sondern es ist Ein Herr. Denn gleich wie wir müssen, nach christlicher Wahrheit, eine jegliche Person für sich Gott und Herrn bekennen: Also können wir im christlichen Glauben nicht drei Götter oder drei Herren nennen.“ Athanasianum 15 ff.

 

5. Wie viele Personen sind in der Gottheit?

Drei: der Vater, der von niemandem gemacht ist, weder geschaffen noch geboren; der Sohn, welcher allein vom Vater ist, nicht gemacht noch geschaffen, sondern von Ewigkeit geboren; der Heilige Geist, welcher ist vom Vater und vom Sohn, nicht gemacht, noch geschaffen, noch geboren, sondern ausgehend. Und diese drei Personen sind desselben Wesens und derselben Macht und gleicher Ewigkeit.

Athanasianum:

    Der Vater ist von niemand, weder gemacht, noch geschaffen, noch geboren.

Der Sohn ist allein vom Vater, nicht gemacht, noch geschaffen, sondern geboren.

    Der Heilige Geist ist vom Vater und Sohn, nicht gemacht, nicht geschaffen, nicht geboren, sondern ausgehend.

    So ists nun Ein Vater, nicht drei Väter; Ein Sohn, nicht drei Sahne; Ein Heiliger Geist, nicht drei Heilige Geister.

    Und unter diesen drei Personen ist keine die erste, keine die letzte, keine die größte, keine die kleinste; sondern alle drei Personen sind miteinander gleich ewig, gleich groß.

Augsb. Bek. Art. 1:

    Erstlich wird einträchtiglich gelehrt und gehalten, laut des Beschlusses des Konzils von Nicäa, dass ein einig göttlich Wesen sei, welches genannt wird und wahrhaftiglich ist Gott, und sind doch drei Personen in demselben einigen göttlichen Wesen, gleich gewaltig, gleich ewig, Gott Vater, Gott Sohn, Gott Heiliger Geist, alle drei Ein göttlich Wesen, ewig, ohne Stück, ohne End, unermesslicher Macht, Weisheit und Güte, ein Schöpfer und Erhalter aller sichtbaren und unsichtbaren Dinge. Und wird durch das Wort Persona verstanden nicht ein Stück, nicht eine Eigenschaft in einem andern, sondern das selbst bestehet; wie denn die Väter in dieser Sache dies Wort gebraucht haben.

Schmalk. Art., 1. Teil, I-II:

    Dass Vater, Sohn und Heiliger Geist, in einem göttlichen Wesen und Natur, drei unterschiedliche Personen, ein einiger Gott ist, der Himmel und Erde geschaffen hat.

    Dass der Vater von niemand, der Sohn vom Vater geboren, der Heilige Geist vom Vater und Sohn ausgehend.

 

+6. Gibt es Beweise für die Trinität aus der Schrift?

Ps. 33,6: Der Himmel ist durch das Wort des Herrn gemacht und all sein Heer durch den Geist seines Mundes.

Matth. 28,19: Taufet sie im Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes.

1. Joh. 5,7: Denn drei sind, die da Zeugnis geben: der Geist und das Wasser und das Blut, und diese drei stimmen überein (V. 8).

 

7. Was ist Gott der Vater?

Der Vater ist die erste Person der Gottheit, die nicht geboren ist, auch nicht ausgeht, sondern welche von Ewigkeit den Sohn, ihr Ebenbild, gezeugt hat, welche schafft, trägt, erhält und regiert alles zumal, das Sichtbare und Unsichtbare, Engel und Menschen, mit dem Sohn und dem Heiligen Geist, schickend den Sohn, dass er erlöse, und den Heiligen Geist, dass er heilige. (Chemnitz, Loci Theol. 1)

 

8. Was ist Gott der Sohn?

Der Sohn ist die zweite Person der Gottheit, nicht geschaffen aus dem Nichts, sondern von Ewigkeit geboren vom Vater, des Vaters Ebenbild und Abglanz seiner Herrlichkeit; durch den, im Heiligen Geist, der Vater erschaffen hat, trägt, erhält und regiert alles, das Sichtbare und das Unsichtbare, Himmel und Erde, die Engel und die Menschen; der vom Vater gesandt wurde in die Welt, dass er durch die angenommene menschliche Natur das Werk der Erlösung vollbringe. (Chemnitz, Loci Theol. 1)

 

9. Was ist Gott der Heilige Geist?

Der Heilige Geist ist die dritte Person der Gottheit, nicht gemacht, nicht geschaffen, noch geboren, sondern vom Vater und vom Sohn von Ewigkeit ausgehend, in welchem der Vater durch den Sohn alles erschaffen hat, das Sichtbare und Unsichtbare, die Engel und die Menschen; und noch schafft, trägt, erhält und regiert; der ausgegossen ist vom Vater durch den Sohn in sichtbarer Gestalt über die Apostel; und welcher noch heute unsichtbar ausgegossen wird vom Vater durch den Sohn in die Herzen der Gläubigen, dass er sie heilige durch das Wort und die Sakramente. (Chemnitz, Loci, ebd.)

 

*10. Was bezeichnen die Worte „Person“ und „Wesen“ in diesem Artikel?

Das Wort Person bezeichnet nicht einen Teil oder Beschaffenheit an etwas anderem, sondern das, was eigenes Bestehen hat, oder, Person ist ein lebendiges, ungeteiltes, vernünftiges Etwas, das sich nicht mitteilt und nicht getragen wird von etwas anderem; Wesen aber wird genannt, was in Wahrheit ist und besteht, ob es gleich mitgeteilt ist. (Melanchthon, Loci.)

Augsb. Bek. Art. 1:

    Und wird durch das Wort Persona verstanden nicht ein Stück, nicht eine Eigenschaft in einem andern, sondern das selbst bestehet; wie denn die Väter in dieser Sache dies Wort gebraucht haben.

 

11. Da man an der Gottheit des Vaters niemals gezweifelt hat, von der Gottheit des Sohnes aber der nächste Artikel handelt, könntest du da nicht, bitte, an diesem Ort dartun, dass der Heilige Geist wahrer Gott ist?

Dies erhellt sich aus der Heiligen Schrift:

Zum ersten nämlich wird dem Heiligen Geist zuschrieben jener große Name HERR (Jahwe), welcher dem Wesen nach nur dem alleinigen und einigen Gott zukommt. Denn der Heilige Geist ist jener HERR (Jahwe), der durch die Propheten gesprochen hat:

4. Mose 12,6: Und er sprach: Hört meine Worte. Ist jemand unter euch ein Prophet des HERRN, dem will ich mich kundmachen in einem Gesicht, oder will mit ihm reden in einem Traum.

Apg. 1,16: Ihr Männer und Brüder, es musste die Schrift erfüllt werden, welche zuvor gesagt hat der Heilige Geist durch den Mund Davids, von Juda, der ein Vorgänger war derer, die Jesus fingen.

Hebr. 3,7: Denn wie der Heilige Geist spricht: Heute, so ihr hören werdet seine Stimme.“

2. Petr. 1,21: Denn es ist noch nie eine Weissagung aus menschlichen Willen hervorgebracht, sondern die heiligen Menschen Gottes haben geredet, getrieben von dem Heiligen Geist.

Dann wird der Heilige Geist mit deutlichen Worten Gott genannt:

Apg. 5,3 und 4, als Petrus Ananias schilt: Warum hat der Satan dein Herz erfüllt, dass du den Heiligen Geist belögest und entwedetest etwas vom Gelde des Ackers? Du hast nicht Menschen, sondern Gott belogen. Und Paulus 1. Kor. 3,16: Wisset ihr nicht, dass ihr Gottes Tempel seid und der Geist Gottes in euch wohnet?

Schließlich werden dem Heiligen Geist jene wesentlichen Eigenschaften zugesprochen, welche Gott allein zukommen, wie:

1. Ewigkeit: Hebr. 9,14: ... wieviel mehr wird das Blut Christi, der sich selbst als ein Opfer ohne Fehl durch den ewigen Geist Gott dargebracht hat, unser Gewissen reinigen von den Toten Werken, zu dienen dem lebendigen Gott.

2. Allwissenheit: Joh. 14,26: Aber der Tröster, der Heilige Geist, welchen der Vater senden wird in meinem Namen, der wird euch alles lehren und euch erinnern alles des, was ich euch gesagt habe. 1. Kor. 2,10.11: Der Geist erforscht alle Dinge, auch die Tiefen der Gottheit. So weiß auch niemand, was in Gott ist, als allein der Geist Gottes.

3. Allmacht: (Weish. 7,22: Ist in ihnen der Heilige Geist, Geist der Allmacht und aller Vorsorge?)

1. Kor. 12,6: Aber es ist ein Gott, der da wirket alles in allen.

4. Unendlichkeit: Ps. 139,7: Wohin soll ich gehen vor deinem Geist, wohin soll ich fliehen vor deinem Angesicht?

(Weish. 1,7: Der Geist des Herrn erfüllt die ganze Erde.)

5. Wahrhaftigkeit: 1. Joh. 5,6: Und der Geist ist’s, der da Zeugnis gibt, denn der Geist ist die Wahrheit.

6. Anbetung: Denn Paulus bezeugt, dass die seligen Engel dem Heiligen Geist auch religiöse Verehrung bezeugen und gemeinsam singen: Heilig, heilig, heilig ist der Herr Gott Zebaoth. Jes. 6,3 und Apg. 28,25.

7. Erschaffung und Bewahrung aller erschaffenen Dinge: Ps. 33,6: Der Himmel ist durch des Herrn Wort gemacht und all sein Heer durch den Geist seines Mundes.

Schließlich Lebendigmachung, Wiedergeburt, Heiligung und solche andere Werke, welche nur dem göttlichen Wesen eigentümlich sind:

Joh. 3,5: Jesus antwortete: Wahrlich, wahrlich, ich sage dir: Es sei denn, dass jemand geboren werde aus dem Wasser und Geist, so kann er nicht in das Reich Gottes kommen.  

Matth. 12,28: So ich aber die Teufel durch den Geist Gottes austreibe, so ist je das Reich Gottes zu euch gekommen.

1. Kor. 3,16: Wisst ihr nicht, dass ihr Gottes Tempel seid, und der Geist Gottes in euch wohnt.

(Hunnius im Art. Von der heil. Dreieinigkeit)

 

 

Abschnitt 3: Von den zwei Naturen Christi

 

1. Wer ist Christus?

Christus ist die zweite Person der Gottheit, nämlich der Sohn Gottes, „Gott, aus des Vaters Natur vor der Welt geboren; und Mensch, aus der Mutter Natur in der Welt geboren“. (Athanasianum 29)

 

2. Warum wird von Christus genannt von Jesus oder Erlöser?

So antwortet der Engel Matth. 1,21: Und sie wird einen Sohn gebären, des Namen sollst du Jesus heißen, denn er wird sein Volk retten von ihren Sünden.

 

3. Warum wird er Christus genannt?

Weil er nach der menschlichen Natur gesalbt ist mit der unendlichen Fülle des Heiligen Geistes.

Ps. 45,8: Darum hat, dich, Gott, dein Gott, gesalbt mit Freudenöle, mehr als deine Gesellen. Welche Worte der Brief an die Hebräer auf Christus bezieht: Kap. 1,9: Du hast geliebt die Gerechtigkeit und gehasst die Ungerechtigkeit; darum hat dich, o Gott, gesalbt dein Gott mit dem Öl der Freunde über deine Genossen.

Konk. Formel, Ausf. Darl. Art. VIII,72-74:

    Sondern wir glauben, lehren und bekennen, dass Gott der Vater seinen Geist Christo, seinem geliebten Sohn, nach der angenommenen Menschheit, also gegeben (darum er denn auch Messias, das ist, der Gesalbte, genannt [genannt] wird, dass er nicht mit dem Maß wie die andern Heiligen desselben Gaben empfangen habe. Denn aus Christus dem HERRN nach seiner angenommenen menschlichen Natur (weil er nach der Gottheit mit dem Heiligen Geist eines Wesens ist): "ruhet der Geist der Weisheit und des Verstandes, des Rats, der Stärke und der Erkenntnis", Jes. 11 und 61, nicht also, dass er daher, als ein Mensch, nur etliche Dinge wusste und vermöchte, wie andere Heilige durch Gottes Geist, welcher allein erschaffene Gaben in ihnen wirkt, wissen und vermögen; sondern, weil Christus nach der Gottheit die andere [die zweite] Person in der heiligen Dreifaltigkeit ist und von ihm wie auch vom Vater der Heilige Geist ausgeht und also sein und des Vaters eigener Geist ist und bleibt in alle Ewigkeit, von dem Sohne Gottes nicht abgesondert, so ist Christo nach dem Fleisch, so mit dem Sohne Gottes persönlich vereinigt ist, die ganze Fülle des Geistes (wie die patres sagen) durch solche persönliche Vereinigung mitgeteilt, welche sich freiwillig mit aller Kraft darin, damit und dadurch beweist und erzeigt, dass er nicht nur etliches wisse und etliches nicht wisse, etliches vermöge und etliches nicht vermöge, sondern er weiß und vermag alles, auf welchen der Vater ohne Maß den Geist der Weisheit und Kraft ausgegossen, dass er als Mensch durch solche persönliche Vereinigung alle Erkenntnis, alle Gewalt mit der Tat und Wahrheit empfangen hat. Und also sind alle Schätze der Weisheit in ihm verborgen, also ist ihm alle Gewalt gegeben, und er ist gesetzt zur Rechten der Majestät und Kraft Gottes.

 

+4. Also behauptest du, dass in Christus zwei Naturen sind?

Gewiss: Nachdem nämlich der Sohn Gottes Mensch geworden ist in der Fülle der Zeit, „sind nunmehr in derselben einigen, unzertrennten Person Christi zwei unterschiedliche Naturen: die göttliche, die von Ewigkeit ist, und die menschliche, die in der Zeit, in Einigkeit der Person des Sohnes Gottes, angenommen. Und diese beiden Naturen in der Person Christi werden niemals wieder getrennt, noch vermengt, noch die eine in die andere verwandelt: sondern eine jede in ihrer Natur und Wesen in der Person Christi in alle Ewigkeit bleibt“. (Konkordienformel, Ausf. Darl., Art. VIII, 7.)

 

*5. Woher beweist du, dass Christus wahrer Gott ist?

Erstens beweise ich es daher, dass ihm in der Heiligen Schrift der wesentliche Name Gottes beigelegt und er HERR (Jahwe) genannt wird. Jer. 23,6: Und dies wird sein Name sein, damit er genannt wird: HERR, der unsere Gerechtigkeit ist. (Hunnius, im Art. v. d. heil. Dreieinigkeit)

Dann wird er ausdrücklich Gott genannt: Joh. 20,28, wo Thomas zu Christus sagt: Mein Herr und mein Gott.

Ebenso Paulus Röm. 9,5: Christus, sagt er, ist aus dem Vater ins Fleisch gekommen, er, der Gott, der gepriesen ist in die Ewigkeit.

Schließlich legt die Heilige Schrift Christus nicht nur religiöse Anbetung bei, sondern auch solche Werke, welche durchaus keiner Kreatur, sondern Gott allein zukommen.

Ps. 97,7: Betet ihn an, alle seine Engel; und was der Hebräerbrief, von Christus erkennend, bezeugt: Kap. 1,6.

Joh. 1,1-3: Am Anfang war das Wort und das Wort war bei Gott und Gott war das Wort. Dasselbe war im Anfang bei Gott. Alle Dinge sind durch dasselbe gemacht, und ohne dasselbe ist nichts gemacht, was gemacht ist.

 

+6. Hat denn der Sohn Gottes die wahre menschliche Natur, der unsern gleich, angenommen?

Ganz und gar, nur ohne Sünde. Deshalb verwerfen und verdammen unsere Kirchen folgerichtig jene Lehre, in der gelehrt wird, „dass Christus nicht eine wahrhaftige menschliche Natur von Leib und Seele, gehabt hat, wie Marcion gedichtet hat“. (Konk. Formel, Kurze Darl., Art. 8)

Joh. 1,14: Das Wort ward Fleisch.

Gal. 4,4: Als aber die Zeit erfüllet ward, sandte Gott seinen Sohn, geboren von einem Weibe und unter das Gesetz getan.

Hebr. 2,14: Weil nun die Kinder Fleisch und Blut haben, ist er auch der gleichen Art teilhaftig geworden.

Und V. 16: Denn er nimmt sich ja nicht der Engel an, der Kinder Abrahams nimmt er sich an.

Joh. 10,18: Niemand nimmt es von mir, sondern ich lasse es von mir selber (mein Leben; V. 17).

Matth. 26,38: Meine Seele ist betrübt bis in den Tod.

Luk. 23,46: Vater, ich befehle meinen Geist in deine Hände. Und als er das gesagt hatte, verschied er. Matth. 27,50.

(Athanasium: Vollkommener Gott und vollkommener Mensch, aus vernünftiger Seele und menschlichem Leib bestehend.)

 

*7. Auf welche Weise wurde der Sohn Gottes Mensch?

Der Sohn Gottes ist so Mensch geworden, „dass er vom heiligen Geist, ohne männliches Zutun, empfangen, und von der reinen heiligen Jungfrau Maria geboren ist“. Schmalk. Art., T. I. Art. 4.

 

*8. Wenn in Christus zwei vollständige Naturen sind, genehmigst du dann nicht auch, dass in ihm zwei Personen und somit zwei Christusse sind?

Keineswegs. Denn „nunmehr nach der Menschwerdung besteht nicht eine jede Natur in Christus für sich selbst also, dass eine jede eine besondere Person sei oder mache, sondern dass sie also vereint sind, dass sie eine einige Person machen, in welcher zugleich persönlich ist un besteht beide, die göttliche und die angenommene menschliche Natur, also, dass nunmehr nach der Menschwerdung zu der ganzen Person Christi gehöre nicht allein seine göttliche, sondern auch seine angenommene menschliche Natur, und dass, wie ohne seine Gottheit, also auch ohne seine Menschheit die Person Christi oder Filii Dei incarnati, das ist, Sohnes Gottes, der Fleisch an sich genommen und Mensch geworden, nicht ganz sei.“ „Denn gleichwie Leib und Seele ein Mensch ist, so ist Gott und Mensch ein Christus.“ Konkordienformel, Ausf. Darl., VIII, 11. Athansianum.

 

+9. Wie ist diese Vereinigung der beiden Naturen in Christus beschaffen?

„Diese Vereinigung ist nicht eine solche Verknüpfung und Verbindung, dass keine Natur mit der andern persönlich, das ist um der persönlichen Vereinigung willen, etwas gemein haben soll; wie es wäre, wenn einer zwei Bretter zusammenleimt, da keines dem andern etwas gibt oder von dem andern nimmt.“ „So nämlich ist der Irrtum und Ketzerei der Nestorianer und der Samostratenser gewesen, welche, wie Suidas und Theodorus Presbyter Rethenensis bezeugen, gelehrt und gehalten haben, das ist, dass die Naturen ganz und gar keine Gemeinschaft miteinander haben, dadurch die Naturen voneinander abgesondert, und also zwei Christusse gemacht, dass ein anderer sei Christus und ein anderer Gott das Wort, so in Christus wohnt.“ Konkordienformel, Kurze Darl., VIII, 9; Ausf. Darl., VIII, 15.

 

+10. Was ist also die persönliche Vereinigung?

Es ist die höchste Gemeinschaft, durch welche die göttliche und menschliche Natur so in der einen Person Christi vereinigt sind, dass sie eine wahrhaftige Gemeinschaft unter sich haben, aus welcher alles das herfließt, was Menschliches von Gott und was Göttliches von dem Menschen Christus ausgesagt und geglaubt wird.

Konk. Formel, Kurze Darl., Art. VIII, 9:

    Nachdem beide Naturen persönlich, das ist, in einer Person, vereinigt [sind], glauben, lehren und bekennen wir, dass diese Vereinigung nicht eine solche Verknüpfung und Verbindung sei, daß keine Natur mit der andern persönlich, das ist, um der persönlichen Vereinigung willen, etwas gemein haben soll; als, wenn einer zwei Bretter zusammenleimt, da keines dem andern etwas gibt oder von dem andern nimmt, sondern hier ist die höchste Gemeinschaft, welche Gott mit dem Menschen wahrhaftig hat, aus welcher persönlichen Vereinigung und der daraus erfolgenden höchsten und unaussprechlichen Gemeinschaft alles herfließt, was menschlich von Gott und göttlich vom Menschen Christo gesagt und geglaubt wird; wie solche Vereinigung und Gemeinschaft der Naturen die alten Kirchenlehrer durch die [durch das] Gleichnis eines feurigen Eisens wie auch der Vereinigung Leibes und der Seele im Menschen erklärt haben.

Konk. Formel, Ausf. Darl., Art. VIII, 17-19:

    Wider diese verdammte Ketzerei hat die christliche Kirche je und aIlwege einfältig geglaubt und gehalten, dass die göttliche und menschliche Natur in der Person Christi also vereinigt [sind], dass sie eine wahrhaftige Gemeinschaft miteinander haben, dadurch die Naturen nicht in ein Wesen, sondern, wie D. Luther schreibt, in eine Person gemengt [werden]; inmaßen um solcher persönlichen Vereinigung und Gemeinschaft willen die alten Lehrer der Kirche vielfältig, vor und nach dem Chalcedonischen Konzil, das Wort mixtio, "Vermischung", in gutem Verstand und Unterschied gebraucht (wie deshalben viele Zeugnisse der Väter, wo vonnöten, angezogen werden möchten, welche auch vielfältig in der unsern Schriften zu finden) und die persönliche Vereinigung und Gemeinschaft mit dem Gleichnis animae et corporis und ferrl candentis (das ist, eines feurigen Eisens, des Leibes und der Seele) erklärt [haben]. Denn Leib und Seele wie auch Feuer und Eisen nicht per phrasin oder modum loquendi oder verbaliter, das ist, dass es nur eine Weise zu reden und bloße Worte sein sollte, sondern vere und realiter, das ist, mit der Tat und Wahrheit, Gemeinschaft miteinander haben, und gleichwohl dadurch keine confusio oder exaequatio naturarum, das ist, einige Vermischung oder Vergleichung der Naturen, eingeführt [wird], als, wenn aus Honig und Wasser ein Met gemacht, welcher kein Unterschieden Wasser oder Honig mehr, sondern ein gemengter Trank ist, da es sich denn mit der göttlichen und menschlichen Natur Vereinigung in der Person Christi viel anders [ver]hält. Denn es viel eine andere, höhere und unaussprechlichere Gemeinschaft und Vereinigung ist zwischen der göttlichen und menschlichen Natur in der Person Christi, um welcher Vereinigung und Gemeinschaft willen Gott ist Mensch und Mensch ist Gott, dadurch doch weder die Naturen noch derselben Eigenschaften miteinander vermischt werden, sondern es behält eine jede Natur ihr Wesen und Eigenschaften.

 

*11. Ist das nicht einerlei Art, was aus dieser Vereinigung herfließt?

Nein, sondern was aus dieser Vereinigung, gleichsam als Wirkung, folgt, kann und muss in zwei Arten unterschieden werden, deren erstere die innigste gegenseitige Gemeinschaft oder Mitteilung der Naturen, die letztere aber die wahrhaftige und wirklich Mitteilung der Eigentümlichkeiten beider Naturen genannt wird.

Konk. Formel, Ausf. Darl., Art. VIII, 20-21:

    Um dieser persönlichen Vereinigung willen, welche ohne solche wahrhaftige Gemeinschaft der Naturen nicht gedacht werden noch sein kann, hat nicht die bloße menschliche Natur für der ganzen Welt Sünde gelitten, deren Eigenschaft ist leiden und sterben, sondern es hat der Sohn Gottes selbst wahrhaftig, doch nach der angenommenen menschlichen Natur, gelitten und ist (Vermöge unsers einfältigen christlichen Glaubens) wahrhaftig gestorben, wiewohl die göttliche Natur weder leiden noch sterben kann; wie D. Luther solches in seinem großen Bekenntnis vom heiligen Abendmahl wider die gotteslästerliche alloeosin [Bedeutungsverwechslung] Zwinglis (da er gelehrt, dass eine Natur für die andere genommen und verstanden werden solle), die er als des Teufels Larven bis in Abgrund der Hölle verdammt, ausführlich erklärt hat.

 

*12. Wie verhält sich’s mit der Gemeinschaft der Naturen?

Es verhält sich damit so, dass Gott wahrhaftig Mensch ist, was sich auf keinerlei Weise so verhalten würde, wenn die göttliche und die menschliche Natur ganz und gar keine wahrhaftige und wirklich Gemeinschaft unter sich hätten. „Denn wie könnte der Mensch, Marien Sohn, Gott oder Gottes des Allerhöchsten Sohn mit Wahrheit genannt werden oder sein, wenn seine Menschheit mit Gottes Sohn nicht persönlich vereinigt und also realiter, das ist, mit der Tat und Wahrheit nichts, als nur den Namen Gottes mit ihm gemein hätte?“ Konkordienformel, Kurze Darl., VIII, 10.11.

 

*13. Pflegt denn auch die Heilige Schrift so zu reden?

Allerdings. Jer. 23,5.6 und Kap. 33,15.16: Siehe, es kommt die Zeit, spricht der Herr, dass ich dem David ein gerechtes Gewächs erwecken will; und soll ein König sein, der wohl regieren wird, und Recht und Gerechtigkeit auf Erden anrichten. Zu derselben Zeit soll Juda geholfen werden und Israel sicher wohnen. Und dies wird sein Name sein, dass man ihn nennen wird: Herr (Jahwe), der unsere Gerechtigkeit ist.

Matth. 16,16: Du bist Christus, des lebendigen Gottes Sohn.

Matth. 22,43.44: Er sprach zu ihnen: Wie nennt ihn denn David im Geist einen Herrn, da er sagt: Der Herr hat gesagt zu meinem Herrn: Setze dich zu meiner Rechten, bis dass ich lege deine Feinde zum Schemel deiner Füße?

Luk. 1,32: Der wird groß und ein Sohn des Höchsten genannt werden.

Röm. 1,3: Von seinem Sohne, der geboren ist aus dem Samen Davids nach dem Fleisch.

1. Kor. 15,47: Der andere Mensch ist Herr vom Himmel.

Woraus die Konkordienformel richtig schließt, dass die Jungfrau Maria nicht einen bloßen purlauteren Menschen, sondern den wahrhaftigen Sohn Gottes empfangen und geboren habe: darum sie auch recht die Mutter Gottes genannt wird und auch wahrhaftig ist. (Konk. Formel, Kurze Darl., Art. VIII,13)

 

+14. Nun wollen wir zu der Mitteilung der Eigenschaften übergehen: Und da möchte ich zuerst wissen, welche Eigenschaften der göttlichen Natur sind?

Die Eigentümlichkeiten oder „die Eigenschaften der göttlichen Natur sind, allmächtig, ewig, unendlich, nach Eigenschaft der Natur und ihres natürlichen Wesens, für sich selbst allenthalten gegenwärtig sein, alles wissen usw. , welche der menschlichen Natur Eigenschaften nie werden“. (Konk. Formel, Kurze Darl., Art. VII, 7)

 

*15. Was sind die Eigenschaften der menschlichen Natur?

Die Eigentümlichkeiten oder „die Eigenschaften menschlicher Natur sind: ein leiblich Geschöpf oder Kreatur sein, Fleisch und Blut sein, endlich und umschrieben sein, leiden, sterben, auf- und niederfahren, von einem Ort zum andern sich bewegen, Hunger, Durst, Frost, Hitze leiden und dergleichen, welche der göttlichen Natur Eigenschaft nie werden. (Konkordienformel, Kurze Darl., VIII, 8.)

 

*16. Von welcher Art und Beschaffenheit ist nun die Mitteilung dieser Eigenschaften zu bestimmen?

Nicht als eine wesentliche oder natürliche, als welche nichts anders ist, als eine Vermischung der Eigenschaften, welche zu der Eutychianischen Ausgleichung der Naturen führt. (Konkordienformel, Kurze Darl., VIII, 18)

Konk. Formel, Kurze Darl., Art. VIII, 6:

    Wir glauben, lehren und bekennen, dass die göttliche und menschliche Natur nicht in ein Wesen vermengt, keine in die andere verwandelt, sondern eine jede ihre wesentlichen Eigenschaften behalte, welche der anderen Natur Eigenschaft nie werden.

 

*17. Wie ist sie folglich beschaffen?

Die Mitteilung der Eigenschaften ist so zu bestimmen, wie sie in der Heiligen Schrift beschrieben wird: Nämlich als wahrhaftige oder wirkliche Mitteilung, die aus der persönlichen Vereinigung und Gemeinschaft der Naturen in Christus hervorgeht, wovon der Apostel Kol. 2,9 spricht: In Christus wohnt die Fülle der Gottheit leibhaftig. Das ist: in dem angenommenen Fleisch, gleich wie in seinem eigenen Tempel, wie es Athanasius erklärt.

 

*18. Nun möchte ich, dass du feste und unzweifelhafte Gründe der Mitteilung der Eigenschaften darlegst!

Dass diese Mitteilung nicht gleichsam nur eine Redeweise, sondern  wahrhaftig und wesentlich zu verstehen ist, dies kann mit drei ganz festen Beweisen dargetan werden. Konkordienformel, Ausf. Darl., VIII, 56.

 

*19. Wie lautet der erste?

Zum ersten ist eine einhellige Regel der ganzen alten rechtgläubigen Kirche: Was die Heilige Schrift bezeugt, dass Christus in der Zeit empfangen habe, dass er dasselbe nicht nach der göttlichen Natur, nach welcher er alles von Ewigkeit her besitzt, sondern die Person Christi nach der angenommenen menschlichen Natur dasselbe in der Zeit empfangen habe.“ Konkordienformel, Ausf. Darl., VIII, 57.

 

*20. Welches ist der zweite?

Zum andern zeugt die Schrift klar, Joh. 5 u. 6, dass die Kraft, lebendig zu machen und das Gericht zu halten Christus gegeben sei, darum, dass er des Menschen Sohn ist, sofern er nämlich Fleisch und Blut hat.“ Konkordienformel, Ausf. Darl., VIII, 58.

 

*21. Und der dritte?

Zum dritten sagt die Schrift nicht allein insgemein von der Person des Menschen Sohns, sondern deutet auch ausdrücklich auf seine angenommene menschliche Natur, wenn sie sagt: ‚Das Blut Jesu Christi, des Sohnes Gottes, reinigt uns von allen Sünden.‘“ [1. Joh. 1,7.] Konkordienformel, Ausf. Darl., VIII, 59.

 

*22. Wie ist das zu verstehen?

„Nicht allein nach dem Verdienst des Blutes Christi, welches am Kreuz einmal verrichtet, sondern Johannes redet an demselben Ort davon, dass uns im Werk oder Handlung der Rechtfertigung nicht allein die göttliche Natur in Christus, sondern auch sein Blut, per modum efficaciae, das ist, wirklich, reinigt uns von allen Sünden. Also ist das Fleisch Christi eine lebendigmachende Speise.“ Konkordienformel, Ausf. Darl., VIII, 59.

 

*23. Ist denn diese wirkliche Mitteilung der Eigenschaften nur einerlei Art?

Nein. Es werden in der Schrift drei unterschiedliche Arten der Mitteilung gegeben; von denen

die erste die ist, wenn das, „was gleich nur einer Natur Eigenschaft ist, nicht der Natur allein, als abgesondert, sondern der ganzen Person, welche zugleich Gott und Mensch ist, zugeschrieben wird“, wenn nun Gott oder Mensch genannt, dass nach dieser Natur etwas der ganzen Person zugeschrieben werde. Konk. Formel, Ausf. Darl., Art. VIII, 36.

 

*24. Ich möchte gern die Beispiele dieser Art aus der Heiligen Schrift hören?

Röm. 1,3: ... der Sohn Gottes, geboren aus dem Samen Davids nach dem Fleisch.

Luk. 1,35: Das Heilige, dass von dir geboren wird, wir Gottes Sohn genannt werden.

Und hierher gehören auch diejenigen Zeugnisse der Heiligen Schrift, welche dartun, dass der Sohn Gottes, indem er die menschliche Natur an sich nahm, auch zugleich alle Eigenschaften derselben an sich genommen, und sich wirklich angeeignet habe. Und aus dieser Rücksicht wird in der Heiligen Schrift vom Sohn Gottes das ausgesagt, was der menschlichen Natur eigentümlich ist.

Apg. 20,28: Gott hat mit seinem eigenen Blut die Gemeinde erworben.

Gal. 2,20: Der Sohn Gottes hat sich selbst für mich gegeben.

Röm. 8,32: Welcher auch seines eigenen Sohnes nicht hat verschont, sondern hat ihn für uns alle dahin gegeben.

Gal. 4,4: Da aber die Zeit erfüllt ward, sandte Gott seinen Sohn, geboren von einer Frau, und unter das Gesetz getan.

1. Joh. 1,1: Das wir beschaut haben, und unsere Hände betastet haben, vom Wort des Lebens.

Konk. Formel, Ausf. Darl., Art. VIII, 36-45:

    Als erstlich, weil in Christus zwei unterschiedliche Naturen an [in] ihrem natürlichen Wesen und Eigenschaften unverwandelt und unvermischt sind und bleiben, und aber [und demnach] der beiden Naturen nur eine einige Person ist, so wird dasselbe, was gleich nur einer Natur Eigenschaft ist, nicht der Natur allein, als abgesondert, sondern der ganzen Person, welche zugleich Gott und Mensch ist (sie werde genannt Gott oder Mensch), zugeschrieben.

    Aber in hoc genere, das ist, in solcher Weise zu reden, folgt nicht, was der Person zugeschrieben wird, dass dasselbe zugleich beider Naturen Eigenschaft sei, sondern [es] wird unterschiedlich erklärt, nach welcher Natur ein jedes der Person zugeschrieben wird. Also ist Gottes Sohn geboren aus dem Samen Davids nach dem Fleisch, Röm. 1. Ebenso, Christus ist getötet nach dem Fleisch und hat für uns gelitten im oder am Fleisch, l. Petr. 3 und 4.

    Weil aber unter den Worten (da gesagt wird, es werde der ganzen Person zugeschrieben, was einer Natur eigen ist) die heimlichen und öffentlichen Sakramentierer ihren schädlichen Irrtum verbergen, dass sie wohl die ganze Person nennen, aber gleichwohl nur bloß die eine Natur darunter verstehen und die andere Natur gänzlich ausschließen, als hätte die bloße menschliche Natur für uns gelitten, wie denn D. Luther in seinem großen Bekenntnis vom heiligen Abendmahl von des Zwingels alloeosis [Zwinglis Bedeutungsverwechslung] geschrieben, wollen wir D. Luthers eigene Worte hie setzen [hierhersetzen], damit die Kirche Gottes wider solchen Irrtum zum besten verwahrt werden möge. Seine Worte lauten also:

    "Das heißt Zwingel alloeosin, wenn etwas von der Gottheit Christi gesagt wird, das doch der Menschheit zusteht, oder wiederum [oder umgekehrt]. Als Luk. 24: ‘Musste nicht Christus leiden und also zu seiner Herrlichkeit eingehen?’ Hie gaukelt er, dass ‘Christus’ für .die menschliche Natur genommen werde. Hüte dich, hüte dich, sage ich, vor der alloeosis. Sie ist des Teufels Larve; denn sie richtet zuletzt einen solchen Christum zu, nach dem ich nicht gern wollte ein Christ sein, nämlich, dass Christus hinfort nicht mehr sei noch tue mit seinem Leiden und Leben denn ein anderer schlechter Heiliger. Denn wenn ich das glaube, dass allein die menschliche Natur für mich gelitten hat, so ist mir der Christus ein schlechter Heiland, so bedarf er wohl selbst eines Heilandes. Summa, es ist unsäglich, was der Teufel mit der alloeosis sucht."

    Und bald hernach: "Ob die ist Wettermacherin, die Frau Vernunft, der alloeosis Großmutter, sagen würde: Ja, die Gottheit kann nicht leiden noch sterben, sollst du antworten: Das ist wahr; aber dennoch, weil Gottheit und Menschheit in Christo eine Person ist, so gibt die Schrift um solcher persönlichen Einigkeit willen auch der Gottheit alles, was der Menschheit widerfährt, und wiederum. Und ist auch also in der Wahrheit; denn das musst du ja sagen, die Person (zeiget Christum) leidet, stirbt; nun ist die Person wahrhaftiger Gott, darum ist recht geredet: Gottes Sohn leidet. Denn obwohl das eine Stück (dass ich so rede), als die Gottheit, nicht leidet, so leidet dennoch die Person, welche Gott ist, am andern Stück, als an der Menschheit; denn in der Wahrheit ist Gottes Sohn für uns gekreuzigt, das ist, die Person, die Gott ist; denn sie ist, sie (sage ich), die Person, ist gekreuzigt nach der Menschheit."

    Und abermals bald hernach: "Wo die alloeosis soIl bestehen, wie sie Zwingel führt, so wird Christus zwei Personen müssen sein, eine göttliche und eine menschliche, weil er die Sprüche vom Leiden allein aus die menschliche Natur zieht und allerdings von der Gottheit wendet. Denn wo die Werke geteilt und gesondert werden, da muss auch die Person zertrennt werden, weil alle Werke oder Leiden nicht den Naturen, sondern der Person zugeeignet werden. Denn die Person ist’s, die alles tut und leidet, eines nach dieser Natur, das andere nach jener Natur; wie das aIles die Gelehrten wohl wissen. Darum halten wir unsern Herrn Christus für Gott und Mensch in einer Person, non confundendo naturas nec dividendo personam, dass wir die die Naturen nicht mengen und die Person auch nicht trennen."

    Ebenso D. Luther "Von den Conciliis und Kirchen": "Wir Christen müssen wissen, wo Gott nicht mit in der Wage ist und das Gewicht gibt, so sinken wir mit unserer Schüssel zu Grunde. Das meine ich also: wo es nicht sollte heißen: Gott ist für uns gestorben, sondern allein ein Mensch, so sind wir verloren. Aber wenn Gottes Tod und Gott gestorben in der Waagschüssel liegt, so sinkt er unter, und wir fahren empor als eine leichte, ledige [leere] Schüssel; aber er kann auch wohl wieder emporfahren oder aus seiner Schüssel springen. Er könnte aber nicht in der Schüssel sitzen, er müsste uns gleich ein Mensch werden [wenn er nicht ein Mensch wie wir geworden wäre], dass es heißen könnte: Gott gestorben, Gottes Marter, Gottes Blut, Gottes Tod. Denn Gott in seiner Natur kann nicht sterben; aber nun Gott und Mensch vereinigt ist in einer Person, so heißet’s recht Gottes Tod, wenn der Mensch stirbt, der mit Gott ein Ding oder eine Person ist." Bis daher Lutherus.

    Daraus offenbar, dass es unrecht geredet sei, wenn gesagt oder geschrieben wird, dass hiervor gesetzte Reden: "Gott hat gelitten, Gott ist gestorben", allein praedicatio verbalis, das ist, allein bloße Worte [seien] und [es] nicht mit der Tat also sei. Denn unser einfältiger christlicher Glaube weiset’s aus [zeigt’s an, beweist es], dass der Sohn Gottes, so Mensch geworden, für uns gelitten, gestorben und mit seinem Blute uns erlöst habe.

 

*25. Welches ist die andere Art der Mitteilung der Eigenschaften?

Die andere Art betrifft die Verrichtungen des Amtes Christi, wo „die Person nicht handelt oder wirkt in, mit, durch oder nach einer Natur allein, sondern in, nach, mit und durch beide Naturen, oder, wie das Konzil von Chalcedon redet: Eine Natur wirkt mit Gemeinschaft der andern, was einer jeden Eigenschaft ist.“ Konkordienformel, Ausf. Darl. VIII, 47

 

*26. Welche Stellen in der Heiligen Schrift gehören hierher?

Die, welche bezeugen, dass Christus sei unser Mittler, Erlöser, König, Hoherpriester, Haupt, Hirte usw., nicht nach einer Natur allein, es sei die göttliche oder die menschliche, sondern nach beiden Naturen. Konkordienformel, Ausf. Darl., VIII, 47

 

*27. Beweis das aus der Schrift!

Die Schrift nennt Christus bald nach der göttlichen, bald nach der menschlichen Natur unsern Erlöser, damit sie zeige, dass Christus das Werk der Erlösung nach beiden Naturen zukomme, wie:

Jer. 23,6 und 33,16: Und dies wird sein Name sein, dass man ihn nennen wird: Herr (Jahwe), der unsere Gerechtigkeit ist.

1. Joh. 3,8: Dazu ist erschienen der Sohn Gottes, dass er die Werke des Teufels zerstöre.

1. Mose 3,15: Des Weibes Same soll dir den Kopf zertreten.

Luk. 9,56: Des Menschen Sohn ist nicht gekommen, dass er die Seelen verderbe, sondern dass er sie errette.

1. Tim. 2,5: Denn es ist ein Gott und ein Mittler zwischen Gottes und den Menschen: nämlich der Mensch Christus Jesus, der sich selbst gegeben hat zur Erlösung für alle.

 

*28. Was ist nun die dritte Art der Mitteilung der Eigenschaften?

Die dritte Art hat zu tun mit denjenigen Aussprüchen der Schrift, welche gewaltig zeugen, „dass die menschliche Natur in Christus, darum weil sie mit der göttlichen Natur persönlich vereinigt ist, neben und über ihre natürliche, wesentliche und in ihr selbst bleibende menschliche Eigenschaften auch besondere, hohe, große, übernatürliche, unerforschliche, unaussprechliche und himmlische Vorzüge an göttlicher Majestät und Herrlichkeit, Kraft und Gewalt über alles, was genannt mag werden, nicht allein in dieser, sondern auch in der zukünftigen Welt empfangen habe.“ Konkordienformel, Ausf. Darl., VIII, 51

 

*29. Bringe mir aus der Heiligen Schrift klare Beweise, mit welchen du dies bekräftigst!

Matth. 11,27: Alle Dinge sind mir übergeben von meinem Vater.

Matth. 28,18: Mir ist gegeben alle Gewalt im Himmel und auf Erden.

Joh. 3,34: Denn Gott gibt den Geist (dem Sohne) nicht nach dem Maß.

Joh. 5,27: Der Vater hat dem Sohn die Macht gegeben, auch das Gericht zu halten, darum, dass er des Menschen Sohn ist.

Eph. 1,20: Durch sie hat er ihn auch von den Toten auferweckt und gesetzt zu seiner Rechten im Himmel über alle Reiche, Gewalt, Herrschaft und was sonst genannt werden mag, nicht allein in dieser Welt, sondern auch in der zukünftigen.

Daniel 7,13.14: Ich sah in diesem Gesicht in der Nacht, und siehe, es kam einer mit den Wolken des Himmels wie eines Menschen Sohn und gelangte zu dem, der uralt war und wurde vor ihn gebracht. Der gab ihm Macht, Ehre und Reich, dass ihm alle Völker und Leute aus so verschiedenen Sprachen dienen sollten. Seine Macht ist ewig und vergeht nicht, und sein Reich hat kein Ende.

Konk. Formel, Ausf. Darl., Art. VIII, 61-65:

    Indem wir denn nichts Neues von uns selber erdenken [in dieser Sache erdenken wir eben nichts Neues aus uns selbst], sondern nehmen an und erholen [wiederholen] die Erklärungen, so die ist rechtgläubige Kirche aus gutem Grunde der Heiligen Schrift hiervon gegeben hat, nämlich dass solche göttliche Kraft, Leben, Gewalt, Majestät und Herrlichkeit der angenommenen menschlichen Natur in Christo gegeben sei, nicht also, wie der Vater dem Sohn nach der göttlichen Natur sein Wesen und alle göttlichen Eigenschaften von Ewigkeit mitgeteilt hat, daher er eines Wesens mit dem Vater und Gott gleich ist; denn Christus ist allein nach der göttlichen Natur dem Vater gleich, aber nach der angenommenen menschlichen Natur ist er unter Gott; daraus offenbar, dass wir keine confusionem. exaequationem. abolitionem, das ist, keine Vermischung, Vergleichung oder Abtrennung der Naturen in Christus machen; so ist auch die Kraft, lebendig zu machen, nicht also in dem Fleisch Christi wie in seiner göttlichen Natur, nämlich als eine wesentliche Eigenschaft.

    Es ist auch solche Kommunikation oder Mitteilung nicht geschehen durch eine wesentliche oder natürliche Ausgießung der Eigenschaften der göttlichen Natur in die menschliche, also dass Christus Menschheit solche für sich selbst und von dem göttlichen Wesen abgesondert hätte, oder als hätte dadurch die menschliche Natur in Christo ihre natürlichen, wesentlichen Eigenschaften gar abgelegt und wäre nunmehr entweder in die Gottheit verwandelt oder derselben mit solchen mitgeteilten Eigenschaften in und für sich selbst [*derselben] gleich geworden, oder dass nunmehr beider Naturen einerlei oder ja gleiche natürliche wesentliche Eigenschaften und Wirkungen sein sollten. Denn solche und dergleichen irrige Lehren sind in den alten bewährten conciliis aus Grund der Schrift billig verworfen und verdammt. Nullo enim modo vel facienda vel admittenda est aut conversio aut confusio aut exaequatio sive naturarum in Christo sive essentialium proprietatum. Das ist: Denn auf keinerlei Weise soll gehalten oder zugelassen werden Verkehrung, Vermischung oder Vergleichung der Naturen in Christo oder derselben wesentlichen Eigenschaften.

    Wie wir denn auch die Worte realis communicatio oder realiter kommuniziert, das ist, die Mitteilung oder Gemeinschaft, so mit der Tat und Wahrheit geschieht, niemals von einer physica communicatione vel essentiali transfusione, (das ist, von einer wesentlichen, natürlichen Gemeinschaft oder Ausgießung, dadurch die Naturen in ihrem Wesen und derselben wesentlichen Eigenschaften vermengt [werden]) verstanden [haben], wie etliche solche Worte und Reden arglistig und boshaftig, die reine Lehre damit verdächtig zu machen, wider ihr eigen Gewissen verkehrt haben; sondern [obige Worte] allein der verbali communicationi, das ist, dieser Lehre entgegengesetzt haben, da solche Leute vorgegeben, dass es nur eine phrasis und modus loquendi, das ist, mehr nicht denn bloße Worte, Titel und Name sei, daraus sie auch so hart gedrungen, dass sie von keiner andern Gemeinschaft [haben] wissen wollen. Derwegen zu wahrhaftiger Erklärung der Majestät Christi wir solche Worte (de reali communicatione) gebraucht und damit anzeigen wollen, dass solche Gemeinschaft mit der Tat und Wahrheit, doch ohne alle Vermischung der Naturen und ihrer wesentlichen Eigenschaften, geschehen sei.

    So halten und lehren wir nun mit der alten, rechtgläubigen Kirche, wie dieselbe diese Lehre aus der Schrift erklärt hat, dass die menschliche Natur in Christo solche Majestät empfangen habe nach Art der persönlichen Vereinigung; nämlich, weil die ganze Fülle der Gottheit in Christo wohnt, nicht wie in andern heiligen Menschen oder Engeln, sondern leibhaftig, als in ihrem eigenen Leibe, dass sie mit aller ihrer Majestät, Kraft, Herrlichkeit und Wirkung in der angenommenen menschlichen Natur freiwillig (wann und wie er will) leuchtet, in [und in], mit und durch dieselbe seine göttliche Kraft, Herrlichkeit und Wirkung beweist, erzeigt und verrichtet, wie die Seele im Leibe und das Feuer in einem glühenden Eisen tut (denn durch solche Gleichnisse, wie4 droben auch vermeldet, hat die ganze alte Kirche diese Lehre erklärt); solches ist zur Zeit der Erniedrigung verborgen und zurückgehalten worden, aber jetzund nach abgelegter knechtischer Gestalt geschieht solches völlig, gewaltig und öffentlich vor allen Heiligen im Himmel und Erden, und werden auch wir in jenem Leben solche seine Herrlichkeit von Angesicht zu Angesicht schauen, Joh. 17.

 

*30. Wie ist nun diese Mitteilung beschaffen?

Sie ist wahrhaftig und wirklich; und durch sie hat die menschliche Natur göttliche Majestät empfangen, aus Grund der persönlichen Vereinigung. Denn da in Christus die ganze Fülle der Gottheit wohnt, nicht wie in den heiligen Menschen und Engeln, sondern leibhaftig, wie in ihrem eigenen Leibe: So ist diese menschliche Natur mit aller göttlichen Majestät, Kraft und Herrlichkeit wahrhaftig und wesentlich versehen: Und das Wort oder der Sohn Gottes übt, wirkt und vollbringt in ihr, mit ihr und durch sie seine göttliche Kraft, Majestät und Wirksamkeit. Konkordienformel, Ausf. Darl., VIII, 64

 

*31. Bezeichnet denn nicht die Heilige Schrift im Besondern einige göttliche Eigenschaften, welche in und durch die angenommene Menschheit ganz vorzüglich hindurch leuchten?

Ja, denn obgleich die ganze Fülle der Gottheit in der angenommenen menschlichen Natur wohnt, als im eigenen Tempel, Kol. 2,9, so bezeichnet dennoch die Heilige Schrift einige göttliche Eigenschaften, welche durch die menschliche Natur ganz vorzüglich ihre Wirkungen offenbaren. Als welche sind:

I. Allmacht: Matth. 28,18: Mir ist gegeben alle Gewalt im Himmel und auf Erden. Hebr. 2,8: Alles ist unter seine Füße unterworfen: Wenn er ihm alles unter die Füße getan hat, so hat er nichts ausgenommen, was ihm nicht untertan wäre.

II. Allwissenheit: Kol. 2,3: In welchem verborgen liegen alle Schätze der Weisheit und der Erkenntnis. Joh. 2,25: Und er bedurfte nicht, dass jemand ihm Zeugnis gäbe von einem Menschen; denn er wusste wohl, was im Menschen war.

III. Die Gewalt, lebendig zu machen: Joh. 6,51: Ich bin das lebendige Brot, vom Himmel gekommen. Wer von diesem Brot essen wird, der wird leben in Ewigkeit. Und das Brot, das ich geben werde, das ist mein Fleisch, welches ich geben werde für das Leben der Welt.

1. Kor. 15,45: Der erste Mensch, Adam, ward zu einer lebendigen Seele und der letzte Adam zum Geist, der da lebendig macht.

IV. Die Gewalt, Sünden zu vergeben und Gericht zu halten: Matth. 9,6; Mark. 2,10; Luk. 5,24: Auf dass ihr aber wisset, dass des Menschen Sohn Macht habe, auf Erden die Sünden zu vergeben, sprach er zu dem Gichtbrüchigen: Stehe auf, hebe dein Bett auf und gehe heim.

Joh. 5,27: Der Vater hat dem Sohn Macht gegeben, auch das Gericht zu halten, darum, dass er des Menschen Sohn ist.

V. Die göttliche Verehrung: Phil. 2,9 und 10: Darum hat ihn auch Gott erhöht und ihm den Namen gegeben, der über allen Namen ist, dass in dem Namen Jesu sich beugen sollen aller derer Knie, die im Himmel und auf Erden und unter der Erde sind, und alle Zungen bekennen sollen, dass Jesus Christus der Herr sei, zur Ehre Gottes des Vaters.

Hebr. 1,6: Es beten ihn an alle Engel Gottes.

VI. Allgegenwart: Matth. 18,20: Denn wo zwei oder drei versammelt sind in meinem Namen, da bin ich mitten unter ihnen.

Matth. 28,20: Und siehe, ich bin bei euch alle Tage, bis an der Welt Ende. 

Eph. 1,22: ... und hat alle Dinge unter seine Füße getan und hat ihn gesetzt zum Haupt der Gemeinde über alles, welche da ist sein Leib, nämlich die Fülle des, der alles in allen erfüllt. (V. 23)

Eph. 4,10: Der hinuntergefahren ist, das ist derselbe, der aufgefahrene ist über alle Himmel, auf dass er alles erfülle.

Konk. Formel, Ausf. Darl., Art. VIII,67-74:

    Deswegen verstehen wir solche Zeugnisse der Schrift, so von der Majestät reden, die welcher die menschliche Natur in Christus erhöht ist, nicht also, dass solche göttliche Majestät, welche der göttlichen Natur des Sohnes Gottes eigen ist, in der Person des Menschensohnes schlecht nur allein nach seiner göttlichen Natur zugeschrieben soll werden, oder dass dieselbe Majestät in der menschlichen Natur Christi allein dergestalt sein sollte, dass seine menschliche Natur von derselben allein den bloßen Titel und Namen, per phrasin et modum loquendi, das ist, allein mit Worten, aber mit der Tat und Wahrheit ganz und gar keine Gemeinschaft mit ihr haben sollte. Denn aus solche Weise (weil Gott ein geistlich, unzertrennt Wesen und demnach allenthalben und in allen Kreaturen ist, und in welchen er ist, sonderlich aber in den Gläubigen und Heiligen [in denen er] wohnt, daselbst solche seine Majestät mit und bei sich hat) auch mit Wahrheit gesagt werden möchte, daß in allen Kreaturen, in welchen Gott ist, sonderlich aber in den Gläubigen und Heiligen, in welchen Gott wohnt, alle Fülle der Gottheit leibhaftig wohne, alle Schätze der Weisheit und der Erkenntnis verborgen [seien], alle Gewalt im Himmel und auf Erden gegeben werde, weil ihnen der Heilige Geist, der alle Gewalt hat, gegeben wird; dergestalt denn zwischen Christus nach seiner menschlichen Natur und den andern heiligen Menschen kein Unterschied gemacht würde, und also Christus seiner Majestät, so er vor allen Kreaturen als ein Mensch oder nach seiner menschlichen Natur empfangen hat, beraubt würde. Denn sonst keine Kreatur, weder Mensch noch Engel, sagen kann oder soll: "Mir ist gegeben alle Gewalt im Himmel und auf Erden"; so doch Gott mit aller Fülle seiner Gottheit, die er allenthalben bei sich hat, in den Heiligen ist, aber nicht leibhaftig in ihnen wohnt oder persönlich mit ihnen vereinigt ist wie in Christus. Denn aus solcher persönlichen Vereinigung kommt’s, dass Christus auch nach seiner menschlichen Natur spricht Matth. 28: "Mir ist gegeben alle Gewalt im Himmel und auf Erden." Item Joh. 13: "Da Christus wusste, dass ihm der Vater alles in seine Hand gegeben hatte." Ebenso Kol. 2: "In ihm wohnt die ganze Fülle der Gottheit leibhaftig." Ebenso: "Mit Preis und Ehren hast du ihn gekrönt und hast ihn gesetzt über die Werke deiner Hände; alles hast du untertan zu seinen Füßen. In dem, dass er ihm alles hat untertan, hat er nichts gelassen, das ihm nicht untertan sei", Hebr. 2, "ausgenommen, der ihm alles untertan hat", 1 Kor. 15.

    Wir glauben, lehren und bekennen aber keineswegs eine solche Ausgießung der Majestät Gottes und aller derselben Eigenschaften in die menschliche Natur Christi, dadurch die göttliche Natur geschwächt [entkräftet werde] oder etwas von dem ihren einem andern übergebe, das sie nicht für sich selbst behielte, oder dass die menschliche Natur in ihrer Substanz und Wesen gleiche Majestät empfangen haben sollte, von der Natur und Wesen des Sohnes Gottes abgesondert oder unterschieden, als wenn aus einem Gefäß in das andere Wasser, Wein oder Öl gegossen würde. Denn die menschliche Natur wie auch keine andere Kreatur weder im Himmel noch auf Erden [denn die menschliche Natur ebenso wenig wie eine andere Kreatur] solchergestalt der Allmächtigkeit Gottes fähig ist, dass sie für sich selbst ein allmächtig Wesen würde oder allmächtige Eigenschaften an und für sich selbst hätte, dadurch die menschliche Natur in Christus geleugnet und in die Gottheit ganz und gar verwandelt würde, welches unserm christlichen Glauben, auch aller Propheten und Apostel Lehre zuwider ist.

    Sondern wir glauben, lehren und bekennen, dass Gott der Vater seinen Geist Christo, seinem geliebten Sohn, nach der angenommenen Menschheit, also gegeben (darum er denn auch Messias, das ist, der Gesalbte, genannt wird, dass er nicht mit dem Maß wie die andern Heiligen desselben Gaben empfangen habe. Denn aus Christus dem Herrn nach seiner angenommenen menschlichen Natur (weil er nach der Gottheit mit dem Heiligen Geist eines Wesens ist): "ruhet der Geist der Weisheit und des Verstandes, des Rats, der Stärke und der Erkenntnis", Jes. 11 und 61, nicht also, dass er daher, als ein Mensch, nur etliche Dinge wusste und vermöchte, wie andere Heilige durch Gottes Geist, welcher allein erschaffene Gaben in ihnen wirkt, wissen und vermögen; sondern, weil Christus nach der Gottheit die andere [die zweite] Person in der heiligen Dreifaltigkeit ist und von ihm wie auch vom Vater der Heilige Geist ausgeht und also sein und des Vaters eigener Geist ist und bleibt in alle Ewigkeit, von dem Sohne Gottes nicht abgesondert, so ist Christus nach dem Fleisch, so mit dem Sohne Gottes persönlich vereinigt ist, die ganze Fülle des Geistes (wie die patres sagen) durch solche persönliche Vereinigung mitgeteilt, welche sich freiwillig mit aller Kraft darin, damit und dadurch beweist und erzeigt, dass er nicht nur etliches wisse und etliches nicht wisse, etliches vermöge und etliches nicht vermöge, sondern er weiß und vermag alles, auf welchen der Vater ohne Maß den Geist der Weisheit und Kraft ausgegossen, dass er als Mensch durch solche persönliche Vereinigung alle Erkenntnis, alle Gewalt mit der Tat und Wahrheit empfangen hat. Und also sind alle Schätze der Weisheit in ihm verborgen, also ist ihm alle Gewalt gegeben, und er ist gesetzt zur Rechten der Majestät und Kraft Gottes.

 

*32. Hat denn Christus nach seiner menschlichen Natur diese mitgeteilte göttliche Majestät immer ausgeübt und gebraucht?

    Obgleich Christus die mitgeteilte göttliche Majestät, nach der angenommenen menschlichen Natur, gleich in seiner Empfängnis und im Mutterleibe gehabt, dieselbe auch nicht verloren oder abgelegt hat, so hat er sich doch, wie der Apostel Phil. 2,7 zeugt, derselben entäußert und sie, wie Dr. Luther lehrt, im Stande seiner Erniedrigung heimlich gehalten und nicht allezeit, sondern wenn er gewollt, angewandt. Konkordienformel, Ausf. Darl., VIII, 26

 

*33. Befindet sich denn Christus noch jetzt in diesem Zustand der Entäußerung?

Nein. Denn nachdem er nicht schlicht, wie ein anderer heiliger, gen Himmel, sondern, wie der Apostel zeugt, über alle Himmel gefahren ist, dass er alles erfülle, Eph. 4,10, so regiert er schon deshalb, nicht allein als Gott, sondern auch als Mensch allenthalben gegenwärtig, von einem Meer zum andern und bis an der Welt Ende, wie einst die Propheten von ihm geweissagt haben und die Apostel bezeugen, dass Christus allenthalben mit ihnen gewirkt habe. Mark. 16,19.20. Konkordienformel, Ausf. Darl., VIII, 27

 

*34. Dieser Behauptung scheint entgegen zu stehen, dass Christus gen Himmel gefahren ist und sitzt zur Rechten Gottes des Vaters?

Durchaus nicht. Denn Christus ist gen Himmel gefahren, dass er sitze zur Rechten des Vaters und immerdar regiere und herrsche über alle Kreaturen (wie Dr. Luther spricht) nach Art und Weise der Rechten Gottes, welche nicht ein bestimmter und eingeschlossener Ort im Himmel ist, sondern die allmächtige Kraft Gottes selbst, welche Himmel und Erde erfüllt, in welche Christus, nach seiner Menschheit, in der Tat und Wahrheit eingesetzt worden ist. Augsb. Bekenntnis, III; Konkordienformel, Ausf. Darl., VIII, 28

 

35. Was ist ferner in Christus zu betrachten?

Nachdem wir bisher die Person Christi betrachtet haben, müssen wir nun auch einen Blick auf sein Amt richten. Und dieses ist ein zweifaches, das königliche nämlich und das hohepriesterliche.

 

+36. Was ist das hohepriesterliche Amt Christi?

Es ist das Amt, nach welchem er sich Gott dem Vater für die Sünden der ganzen Welt, und zwar nicht bloß für die Erbschuld, sondern auch für alle Tatsünden der Menschen, als ein Opfer dargebracht und uns aus jeglicher Gefangenschaft der Sünde, des Todes und des Teufels zur Freiheit seiner Kindschaft angenommen hat.

Hebr. 9,12: Er ist auch nicht mit der Böcke oder Kälber Blut, sondern durch sein eigen Blut ein für allemal in das Heilige eingegangen und hat eine ewige Erlösung erworben.

Augsb. Bekenntnis, III,3:

… dass er ein Opfer wäre, nicht allein für die Erbsünde, sondern auch für alle andere Sünde und Gottes Zorn versöhnt.

Gr. Kat. Art. II, 27.31:

    Wenn man nun fragt: "Was glaubst du im zweiten Artikel von Jesus Christus?", so antworte aufs kürzeste: "Ich glaube, dass Jesus Christus, wahrhaftiger Gottessohn, mein Herr geworden ist." Was ist nun das: "Ein Herr werden?" Das ist's, dass er mich erlöst hat von der Sünde, vom Teufel, vom Tod und allem Unglück. Denn vorher habe ich keinen Herrn noch König gehabt, sondern bin unter des Teufels Gewalt gefangen, zum Tode verdammt, in der Sünde und Blindheit verstrickt gewesen.

    Das sei nun die Zusammenfassung dieses Artikels: Das Wörtlein "Herr" heiße ganz einfach so viel wie "ein Erlöser". Das heißt einen, der uns vom Teufel zu Gott, vom Tod zum Leben, von der Sünde zur Gerechtigkeit gebracht hat und dabei erhält.

 

+37. Was ist Christi königliches Amt?

Es ist das Amt, nach welchem Christus gen Himmel gefahren und das Regiment angenommen hat, sitzend zur Rechten des Vaters, dass ihm der Teufel und alle Gewalt muss untertan sein und zu Füßen liegen, so lange, bis er uns endlich am Jüngsten Tag gar scheide und sondere von der bösen Welt, Teufel, Tod, Sünde und mit ewigem Ruhm und Ehre uns kröne, wie Luther spricht im großen Katechismus. (Großer Katechismus, II, 31)

Ps. 110,2: Der Herr wird das Zepter deiner Macht ausstrecken aus Zion. Herrsche mitten unter deinen Feinden.

 

38. Wie ist das Reich Christi beschaffen?

Es ist geistlich und ewig.

Joh. 18,36: Mein Reich ist nicht von dieser Welt.

Luk. 1,33: Er wird über das Haus Jakob regieren und seines Reiches wird kein Ende sein.

 

39. Welche Wohltaten ergießen sich aus beiden Ämtern Christi auf uns?

1. Der Glaube; 2. die Vergebung der Sünden; 3. die Rechtfertigung; 4. die Versöhnung mit Gott dem Vater; 5. Die ewige Errettung und Verherrlichung.

 

 

Abschnitt 4: Von der Schöpfung

 

1. Was heißt „schaffen“?

Schaffen heißt entweder ganz und gar aus Nichts etwas machen oder aus einer rohen und ungeordneten Masse etwas hervorbringen. Wegen Ähnlichkeit des Begriffs aber wird es jedoch von dem Apostel auch für die geistliche Wiedergeburt und Heiligung verwendet, Eph. 2,10: Wir sind in Christus Jesus geschaffen zu guten Werken. (Melanchthon und Hunnius)

 

2. Was ist die Schöpfung?

Die Schöpfung ist das äußerliche Handlung der ganzen Dreieinigkeit, in welcher Gott alle geschaffenen Dinge, sichtbare und unsichtbare, in dem Zeitraum von sechs Tagen, nach seinem völlig freuen und guten Willen aus Nichts gemacht hat.

 

+3. Womit beweist du, dass die Schöpfung das Werk der ganzen Dreieinigkeit ist?

Aus der Heiligen Schrift: 1. Mose 1,1: Am Anfang schuf Gott (Elohim) Himmel und Erde... Und Gott sprach und es ward Licht. Und der Geist Gottes schwebte auf dem Wasser. Denn durch das Wort „er sagte“ darf nicht das äußere Wort, als Ausdruck des inneren Gedankens, oder das verwindende Wort, sondern es muss darunter verstanden werden das wesentliche Wort Gottes, das ist, der Sohn Gottes, wie Johannes im Evangelium bezeugt.

Joh. 1,1-3: Am Anfang war das Wort und das Wort war bei Gott und Gott war das Wort. Dasselbe war im Anfang bei Gott. Alle Dinge sind durch dasselbe gemacht, und ohne dasselbe ist nichts gemacht, was gemacht ist.

Hierher gehört auch Ps. 33,6: Der Himmel ist durch das Wort Gottes gemacht und all sein Heer durch den Geist seines Mundes.

Endlich muss man die Regel Augustins in Bekanntschaft halten: „Die äußerlichen Werke der Gottheit sind unteilbar.“

 

*4. Warum wird dann in dem apostolischen Glaubensbekenntnis das Werk der Schöpfung allein dem Vater zugeschrieben?

Weil in dem Werk der Schöpfung sich vorzüglich Gott, der Vater, offenbart hat als Vater, Schöpfer und Erhalter aller geschaffenen Dinge.

 

*5. Aus welcher Materie hat Gott die Welt geschaffen?

Gott schuf zuerst, weil keine Materie vorher da war, eine rohe und ungeordnete Masse, aus welcher er nachher Himmel und Erde und die übrigen Geschöpfe der Reihe nach hervorbrachte und bildete.

Ps. 148,5: Die sollen loben den Namen des Herrn; denn er gebietet, so wird’s geschaffen.

Hebr. 11,3: Durch den Glauben merken wir, dass die Welt durch Gottes Wort fertig ist, dass alles, was man sieht, aus nichts geworden ist.

 

+6. Welches sind vorzüglich die Ursachen, warum Gott dies alles geschaffen hat?

Die antreibende Ursache war die unendliche Güte Gottes, der, weil er in sich das höchste Gut ist, so auch einen Teil dieser seiner Güte uns ganz freiwillig mitteilen wollte.

Joh. 1,3: Alle Dinge sind durch dasselbe gemacht, und ohne dasselbe ist nichts gemacht, was gemacht ist.

Hebr. 1,2: Er hat am letzten in diesen Tagen zu uns geredet durch den Sohn, welchen er gesetzt hat zum Erben über alles, durch welchen er auch die Welt gemacht hat.

Die Endursache ist, dass er von den Geschöpfen wiederum erkannt und verherrlicht würde.

Ps. 19,1.2: Die Himmel erzählen die Ehre Gottes, und die Feste verkündigt seiner Hände Werk.

1. Kor. 3,22: Es sei die Welt, es sei das Leben oder der Tod, es sei das Gegenwärtige oder Zukünftige: Alles ist euer.

 

*7. Welches war die Reihenfolge der Schöpfung?

Obwohl Gott in seiner unendlichen Allmacht auch in einem einzigen Augenblick hätte alles, was im Himmel und auf Erden ist, schaffen und vollenden können, so wollte er doch lieber nach einer Ordnung vorschreiten und in sechs Tagen die Welt gründen und bereiten. Die einzelnen Tageswerke hat Georg Fabricius schön in diesen Versen zusammengefasst:

Am ersten Tag zeuget das Licht;/ es gründet der andere den Himmel.

Nach dem stehet die Erde;/ am vierten zwei Lichter erglänzen.

Am fünften erfüllt er die verödete Erde mit verschiedenen Tieren;/ gleich dem göttlichen Bilde wird Adam am sechsten gebildet.

 

[7.a Hat Gott durch Entwicklung (Evolution) geschaffen?

Nein; Schöpfung und Evolution oder Entwicklungstheorie schließen sich vielmehr aus. Denn die Heilige Schrift bezeugt:

1. Gott hat alles durch sein allmächtiges Wort erschaffen, und zwar ein jegliches nach seiner Art; die Arten sind nicht aus einander entstanden durch Zufall, Veränderung und Auslese (Selektion), wie es auch vor dem Sündenfall ja keinen Tod oder Zerstörung gab. (Weg der Schöpfung) Das schließt auch eine sogenannte theistische Evolution aus.

    1. Mose 1,11.12: Und Gott sprach: Es lasse die Erde aufgehen Gras und Kraut, die Samen bringen, und fruchtbare Bäume, da ein jeglicher nach seiner Art Frucht trage und habe seinen eigenen Samen bei sich selbst auf Erden. Und es geschah also. Und die Erde ließ aufgehen Gras und Kraut, die Samen brachten, ein jegliches nach seiner Art, und Bäume, die da Frucht trugen und ihren eigenen Samen bei sich selbst hatten, ein jeglicher nach seiner Art. Und Gott sah, dass es gut war.

2. Gott hat alles innerhalb von sechs Tagen (wie unsere Tage sind) geschaffen und die Pflanzen und Lebewesen sind nicht durch zufällige Entwicklungen in Jahrmillionen entstanden. (Dauer der Schöpfung)

    1. Mose 1,5: Da ward aus Abend und Morgen der erste Tag.

    1. Mose 2,2: Und so vollendete Gott am siebten Tage seine Werke, die er machte, und ruhte am siebten Tage von allen seinen Werken, die er machte.

    2. Mose 20,9-11: Sechs Tage sollst du arbeiten und alle deine Dinge beschicken; aber am siebenten Tage ist der Sabbat des HERRN, deines Gottes. Da sollst  du kein Werk tun, noch dein Sohn, noch deine Tochter, noch dein Knecht,  noch deine Magd, noch dein Vieh, noch dein Fremdling, der in deinen  Toren ist. Denn in sechs Tagen hat der HERR Himmel und Erde gemacht und das Meer  und alles, was drinnen ist, und ruhte am siebenten Tage. Darum segnete  der HERR den Sabbattag und heiligte ihn.

3. Gott hat dabei zuerst die Wasser- und die Lufttiere erschaffen, danach die Landtiere, alle jeweils nach ihrer Art, und als Krone der Schöpfung den Menschen. (Reihenfolge der Schöpfung)

    1. Mose 1,20-27: Und Gott sprach: Es bringe hervor das Wasser sich regende, lebendige Tiere und Vögel, die auf Erden unter der Feste des Himmels fliegen. Und Gott schuf große Wale und allerlei Tier, das da lebt und webt  und vom Wasser erregt ward, ein jegliches nach seiner Art; und allerlei  gefiedertes Gevögel, ein jegliches nach seiner Art. Und Gott sah, dass  es gut war. Und Gott segnete sie und sprach: Seid fruchtbar und mehret euch und  erfüllet das Wasser im Meer; und das Gevögel mehre sich auf Erden. Da ward aus Abend und Morgen der fünfte Tag. Und Gott sprach: Die Erde bringe hervor lebendige Tiere, ein jegliches  nach seiner Art: Vieh, Gewürm und Tier auf Erden, ein jegliches nach  seiner Art. Und es geschah also. Und Gott machte die Tiere auf Erden, ein jegliches nach seiner Art, und  das Vieh nach seiner Art und allerlei Gewürm auf Erden nach seiner Art.  Und Gott sah, dass es gut war. Und Gott sprach: Lasst uns Menschen machen, ein Bild, das uns gleich sei,  die da herrschen über die Fische im Meer und über die Vögel unter dem  Himmel und über das Vieh und über die ganze Erde und über alles Gewürm,  das auf Erden kreucht. Und Gott schuf den Menschen ihm zum Bilde, zum Bilde Gottes schuf er ihn;  und schuf sie einen Mann und eine Frau.

4. Der gesamte Kosmos, also die gesamte Schöpfung, ist ein hochkompliziertes Gebilde, in dem alle Teile aufeinander abgestimmt sind und genauestens zusammen passen, was deutlich macht, dass allem ein genaues Programm oder Plan zugrunde liegen muss, was eindeutig auf den allwissenden und allmächtigen Schöpfer verweist. Gott, der Schöpfer, konnte beim Abschluss der Schöpfung urteilen: „Siehe, es war sehr gut.“ (1. Mose 1,31) Krankheit, Leid, Tod gehören nicht automatisch zum Kosmos dazu, sondern sind vielmehr eine Folge des Sündenfalls. (Qualität der Schöpfung)

    Röm. 1,19.20: Denn dass man weiß, dass Gott sei, ist ihnen offenbar; denn Gott hat es  ihnen offenbart damit, dass Gottes unsichtbares Wesen, das ist, seine ewige Kraft und  Gottheit, wird ersehen, so man des wahrnimmt an den Werken, nämlich an  der Schöpfung der Welt, also dass sie keine Entschuldigung haben.

    Röm. 6,23: Der Tod ist der Sünde Sold; Gottes Gabe aber das ewige Leben in Christus Jesus, unserem Herrn.

    5. Die Evolutionstheorie stellt einen direkten Angriff auf den biblischen Glauben und die biblische Lehre dar, denn die Bibel geht, etwa auch in der Lehre von der Rechtfertigung (Röm. 5), von der geschichtlichen Tatsache von Adam und Eva als den ersten Menschen aus. Sie leugnet letztlich den Sündenfall und damit die Verantwortlichkeit des Menschen für die Sünde und ist der Versuch, die allen Menschen innewohnende natürliche Gotteserkenntnis zu zerstören. Biblische Lehre und Evolutionstheorie sind daher unvereinbar.

    Röm. 1,22: Da sie sich für weise hielten, sind sie zu Narren geworden.

    Ps. 19,2-4: Ein Tag sagt’s dem andern, und eine Nacht tut’s kund der andern. Es ist keine Sprache noch Rede, da man nicht ihre Stimme höre. Ihre Schnur gehet aus in alle Lande und ihre Rede an der Welt Ende; er  hat der Sonne eine Hütte in denselben gemacht.]

 

 

Abschnitt 5: Von den guten und den bösen Engeln

 

+1. Sind denn Engel von Gott geschaffen?

Selbstverständlich.

Ps. 104,4: Der du machst deine Engel zu Winden und deine Diener zu Feuerflammen.

Kol. 1,16: Denn in ihm ist alles geschaffen, was im Himmel und auf Erden ist, das Sichtbare und Unsichtbare, es seien Throne oder Herrschaften oder Reiche oder Gewalten; es ist alles durch ihn und zu ihm geschaffen.

Aber an welchem Tag nun genau Gott sie geschaffen hat, das wird in der Heiligen Schrift nicht ausdrücklich erwähnt: Doch ist die Unwissenheit in diesem Stück mit keinem Schaden für uns verbunden. (Hunnius)

 

2. Was sind die Engel?

Die Engel sind geistige Wesen, geschaffen von Gott nach seinem Bild, nämlich mit höchster Vollkommenheit, Weisheit, Gerechtigkeit und Heiligkeit, damit sie Gott dienen, die Auserwählten bewahren und endlich die ewige Seligkeit genießen. Hunnius.

 

*3. Aus welchem Stoff sind die Engel bereitet?

Gewiss nicht aus dem Wesen Gottes, sonst wären sie nämlich Götter; ebenso wenig aus jener rohen und ungeordneten Masse, sonst wären sie körperliche Wesen; sondern sie sind aus Nichts hervorgebracht, durch die Kraft des allmächtigen Gottes. Ders.

 

+4. Mit was für Beschaffenheit sind sie bereitet?

Sie sind mit Freiheit ihres Willens geschaffen, ganz gut. Doch so, dass sie diese Freiheit ihres Willens missbrauchen und sich zum Bösen wenden konnten. Ders.

 

5. Wie viele Gattungen von Engeln gibt es?

Zwei: gute und böse. Gute Engel werden jetzt diejenigen genannt, welche die gute Beschaffenheit, mit der sie am Anfang geschaffen wurden, nicht nur behalten haben, sondern auch im Guten schon so befestigt , dass sie in Ewigkeit nicht mehr fallen. Ders.

 

+6. Welcherart und wie groß ist die Vollkommenheit der guten Engel?

Groß zwar, doch steht sie der Vollkommenheit Gottes in vielen Stücken nach. Denn obwohl ihre Heiligkeit in ihrer Art vollendet ist, so ist sie doch nicht von einer solchen Art, dass sie diese jemandem mitteilen könnten. Darum konnten sie auch das Werk der Erlösung nicht vollbringen.

Ebenso ist auch ihre Weisheit unaussprechlich, aber doch von einer solchen Art, dass sie durch die Erkenntnis und Offenbarung der Geheimnisse des Evangeliums, welche, ehe sie aus dem ewigen Rat Gottes offenbart wurden, selbst den Engeln unbekannt waren, erhöht und vollendet werden kann. So ist auch ihre Macht zwar groß, doch also beschränkt, dass sie der Macht Gottes in allen Stücken nachsteht ihnen auch nicht aus natürlicher Eigenschaft zukommt. Ders.

 

*7. Gibt es gewisse Ordnungen der Engel?

Dass es gewisse Ordnungen der Engel gibt, erhellt daraus, dass die Heilige Schrift den Michael den Erzengel und einen von den ersten Fürsten nennt, Daniel 10,13. Und einige nennt sie Thronen, andere Fürstentümer, andere Herrschaften, andere Obrigkeiten,   Kol. 1,16. Ob es übrigens neun Ordnungen der Engel gibt, wie die Scholastiker dichten, und wie jene Ordnungen unterschieden sind, darüber lasst sich nichts Gewisses festsetzen, weil die Heilige Schrift hierüber ein tiefes Schweigen beobachtet.

 

8. Was ist das Geschäft der guten Engel?

I. Dass sie ohne Unterlass Gott preisen:

Jes. 6,3: Seraphim standen und einer rief zum andern und sprach: Heilig, heilig, heilig ist der Herr Zebaoth, alle Lande sind seiner Ehre voll!

II. Dass sie seine Befehle vollbringen und den Menschen Gottes Willen verkünden. Dies ist offenbar aus der Geschichte der Magd Hagar, Abrahams, Jakobs, der Empfängnis und der Geburt sowohl Johannes des Täufers als auch Christi des Erlösers selbst.

III. Dass sie über das Heil der Frommen wachen.

Hebr. 1,14: Sind sie nicht allzumal dienstbare Geister, ausgesandt zum Dienst um derer willen, die das Heil ererben sollen?

Ps. 91,11: Denn er hat seinen Engeln befohlen, dass sie dich behüten auf allen deinen Wegen.

IV. Dass sie nach dem Tod die Seelen der Frommen in Abrahams Schoß oder das ewige Leben tragen.

Luk. 16,22: Es begab sich aber, dass der Arme starb und ward getragen von den Engeln in Abrahams Schoß.

V. Endlich, dass sie am Jüngsten Tag Christus, dem Richter aller, zur Seite stehen und die Gottlosen sondern von den Gerechten und sie in den Feuerofen werfen.

    Matth. 13,40-42: Gleichwie man nun das Unkraut ausjätet und mit Feuer verbrennet, so wird’s  auch am Ende dieser Welt gehen. Des Menschen Sohn wird seine Engel senden, und sie werden sammeln aus  seinem Reich alle Ärgernisse und die da Unrecht tun, und werden sie in den Feuerofen werfen; da wird sein Heulen und Zähneklappen.

Matth. 13,49.50: Also wird es auch am Ende der Welt gehen. Die Engel werden ausgehen und die Bösen von den Gerechten scheiden und werden sie in den Feuerofen werfen; da wird Heulen und Zähneklappen sein.

Matth 25,31: Wenn aber des Menschen Sohn kommen wird in seiner Herrlichkeit und alle heiligen Engel mit ihm, dann wird er sitzen auf dem Stuhl seiner Herrlichkeit.

1. Thess. 4,16: Denn er selbst, der Herr, wird mit einem Feldgeschrei und Stimme des Erzengels und mit der Posaune Gottes herniederkommen vom Himmel.

Matth. 24,31: Und er wird senden seine Engel mit hellen Posaunen, und sie werden sammeln seine Auserwählten von den vier Winden, von einem Ende des Himmels zu dem andern.

 

+9. Ist es erlaubt, die Engel anzurufen oder anzubeten?

Nein, denn sie selbst verbitten sich ernstlich, dass ihnen solche Verehrung erwiesen werde.

Offenb. 19,10: Und er fiel vor ihn zu Füßen, ihn anzubeten. Und er sprach zu mir: Siehe zu, tu es nicht; ich bin dein Mitknecht und deiner Brüder und derer die das Zeugnis Jesu haben. Bete Gott an!

Offenb. 22,9: Und er (der Engel) spricht zu mir: Siehe zu, tue es nicht; denn ich bin dein Mitknecht; bete Gott an.

 

+10. Du hast aber gesagt, dass es böse Engel gebe; nun möchte ich wissen, was die bösen Engel sind?

Die bösen Engel oder die Teufel sind Geister, von Gott in eben derselben Vollkommenheit, Gerechtigkeit und Heiligkeit wie die andern geschaffen; aber sie haben sich von ihrem Werkmeister freiwillig abgewendet und sind seine Feinde geworden, weshalb sie denn in ewige Verdammnis geworfen und eingeschlossen sind. Ders.

 

+11. Womit beweist du das?

Aus der Heiligen Schrift. Denn so sagt Christus selbst Joh. 8,44: Der Teufel hat nicht bestanden in der Wahrheit. Und 2. Petr. 2,4 heißt es: Denn Gott selbst hat die Engel, die gesündigt haben, nicht verschont, sondern hat sie in finstere Höhlen hinabgestoßen und übergeben, dass sie zum Gericht behalten werden.

Judas schreibt in seinem Brief V. 6: Auch die Engel, die ihren himmlischen Stand nicht bewahrten, sondern ihre Behausung verließen, hat er behalten zum Gericht des großen Tages mit ewigen Banden in der Finsternis.

 

*12. Was ist die Ursache, dass die Teufel sündigten?

Die Teufel sündigen nicht aus einer eingepflanzten oder anerschaffenen Schlechtigkeit, auch sind sie nicht aus einer Bestimmung des Schicksals oder aus einem Beschluss Gottes dazu angetrieben, sondern, Joh. 8,44: Wenn er die Lügen redet, so redet er von seinem Eigenen.

 

*13. Aber woraus ist denn die Sünde der Teufel entsprungen?

Sie ist aus dem Missbrauch jenes freien Willens, mit dem er geschaffen war, entsprungen. Dieser freie Wille nämlich wurde vom Gegenstand abgewendet, als er, durch die Betrachtung und zu große Bewunderung seiner engelischen Würdigkeit und Vorzüglichkeit betrogen, es für unwürdig achtete, eines andern Herrschaft zu gehorchen. Ders.

 

*14. So hat sich denn auch der Teufel eine Schuld der Sünde zugezogen?

Ja, denn indem er in dieser seiner Selbstbewunderung dem Schöpfer den schuldigen Gehorsam zu leisten verweigerte, riss er sich selbst und sehr viele andere, die zur Teilnahme an der Sünde verführt waren, von Gott, dem Werkmeister, los. Also war Stolz die Sünde des Teufels; dies nämlich geht besonders daraus hervor, dass er nach seiner alten Geschicklichkeit den ersten Menschen dieselbe Sünde, nämlich das Verlangen, die Gottheit zu erreichen, einflößte.

1. Mose 3,4.5: Da sprach die Schlange zum Weibe: Ihr werdet keineswegs des Todes sterben; sondern Gott weiß, dass, an welchem Tage ihr davon esset, so werden eure Augen aufgetan, und ihr werdet sein wie Gott und wissen, was gut und böse ist.

Luthers Erklärung zu 1. Mose 1.

 

15. Welches sind die Bestrebungen und Werke der bösen Engel?

Die Bestrebungen und Werke der bösen Engel sind in allem entgegengesetzt den Bestrebungen und Werken der guten Engel.

Denn 1. loben sie Gott nicht, sondern lästern ihn.

2. Sie verkehren die Befehle und den Willen Gottes oder hindern wenigstens,  dass sie von den Menschen geschehen.

3. Sie bemühen sich, den Lauf des Evangeliums aufzuhalten.

4. Sie stellen den Frommen nach.

5. Sie freuen sich über die Schandtaten und ewige Verdammnis der Gottlosen. Hunnius.

 

*16. Was und wieviel wissen denn die Teufel?

Die Kenntnis zukünftiger Dinge, welche Gott allein eigen ist, kommt den Teufeln nicht zu, außer was ihnen etwa aus göttlicher Offenbarung bekannt ist oder was sie auf irgendeine berechnende Weise erschließen.

Dann durchschauen sie auch nicht die Gedanken der Menschen von vornherein. Denn auch dieses hat sich Gott allein vorbehalten. Auch kennen sie diejenigen Gedanken nicht, welche vom Heiligen Geist in den Frommen erregt werden.

 

*17. Was haben die Teufel für Gewalt?

Eine zwar große, doch durch die Herrschaft Gottes so beschränkte, dass sie, ohne seine Erlaubnis, auch nicht einmal in die Schweine fahren können, Matth. 8,31. Auch vermögen sie nicht, ein Ungeziefer zu schaffen, 2. Mose 8,18.

Matth. 8,31: Da baten ihn die Teufel und sprachen: Willst du uns austreiben, so erlaube uns, in die Herde Säue zu fahren.

2. Mose 8,18: Die Zauberer taten auch also mit ihrem Beschwören, dass sie Läuse herausbrächten, aber sie konnten nicht.

 

*18. Haben denn die Teufel einige Hoffnung, erlöst zu werden?

Ganz und gar nicht. Denn sie können nicht selbst genug tun für ihre Sünden, noch erstreckt sich Christi Genugtuung auf sie, „denn er nimmt nirgend die Engel an sich, sondern den Samen Abrahams nimmt er an sich“, Hebr. 2,16. Auch kann kein anderes Lösegeld für die Teufel gegeben werden. Ferner sind sie „mit ewigen Banden in Finsternis“ in der Hölle gehalten, Jud. 6. Und obwohl sie schon jetzt ihre Strafen gar sehr fühlen, so werden sie doch weit härteren Strafen am Jüngsten Gericht unterliegen müssen.

Matth. 8,29: Und siehe, sie schrien und sprachen: Ach Jesu, du Sohn Gottes, was haben wir mit dir zu tun? Bist du hergekommen, uns zu quälen, ehe denn es Zeit ist?

Matth. 25,41.46: Dann wird er sagen zu denen zur Linken: Gehet hin von mir, ihr Verfluchten, in das ewige Feuer, das bereitet ist dem Teufel und seinen Engeln!... Und sie werden in die ewige Pein gehen, die Gerechten aber in das ewige Leben.

2. Petr. 2,4: Denn so Gott die Engel, die gesündigt haben, nicht verschonet hat, sondern hat sie mit Ketten der Finsternis zur Hölle verstoßen und übergeben, dass sie zum Gerichte behalten werden.

 

 

Abschnitt 6: Vom Ebenbild Gottes im Menschen oder der ursprünglichen Gerechtigkeit

 

+1. Was war das Ebenbild Gottes, nach dem der erste Mensch geschaffen ist?

Die ursprüngliche Gerechtigkeit bezieht sich nicht bloß auf die zweite Tafel der zehn Gebote, sondern auch auf die erste, welche Furcht Gottes, Vertrauen und Liebe zu Gott verlangt. Daher wird auch der Mensch, welcher nach diesem Bild Gottes geschaffen war, nicht nur eine ebene Beschaffenheit des Leibes gehabt haben, sondern auch eine gewissere Erkenntnis Gottes, Furcht Gottes und Vertrauen zu Gott, oder wenigstens die rechte Beschaffenheit und Kraft, dasselbe zu tun; ferner die Unsterblichkeit und Herrschaft über die Kreaturen.

Apologie, Art. II, 15-18:

    Was ist aber justitia orginalis oder die erste Gerechtigkeit im Paradies?  Gerechtigkeit und Heiligkeit in der Schrift heißt je nicht allein, wenn ich die andere Tafel Moses halte, gute Werke tue und dem Nächsten diene, sondern denjenigen nennt die Schrift fromm, heilig und gerecht, der die erste Tafel, der das erste Gebot hält, das ist, der Gott von Herzen fürchtet, ihn liebt und sich auf Gott verlässt. Darum ist Adams Reinigkeit und unverrücktes Wesen nicht allein eine feine, vollkommene Gesundheit und allenthalben reines Geblüt, unverderbte Kräfte des Leibes gewesen, wie sie davon reden, sondern das Größte an solcher edlen ersten Kreatur ist gewesen ein helles Licht im Herzen, Gott und sein Werk zu erkennen, eine rechte Gottesfurcht, ein recht herzliches Vertrauen gegen Gott und allenthalben ein rechtschaffener, gewisser Verstand, ein feines, gutes, fröhliches Herz gegen Gott und alle göttlichen Sachen. Und das bezeugt auch die Heilige Schrift, da sie sagt, dass der Mensch nach Gottes Bild und Gleichnis geschaffen sei. Denn was ist das anders, als dass göttliche Weisheit und Gerechtigkeit, die aus Gott ist, sich im Menschen bildet, dadurch wir Gott erkennen, durch welche Gottes Klarheit sich in uns spiegelt, das ist, dass dem Menschen erstlich, als er geschaffen, diese Gaben gegeben seien, recht, klare Erkenntnis Gottes, rechte Furcht, rechtes Vertrauen und dergleichen?

 

+2. Beweise dies bitte aus der Heiligen Schrift!

Dies wird in der Schrift bezeugt, wenn sie sagt, dass der Mensch nach dem Bild und Gleichnis Gottes geschaffen wurde, 1. Mose 1,26.27. Vgl. die oben angeführte Stelle aus der Apologie.

Ebenso zeigt Paulus in seinen Briefen an die Epheser und Kolosser, dass das Ebenbild Gottes Erkenntnis Gottes, Gerechtigkeit und Wahrheit ist, Eph. 4,24; Kol. 3,10.

Eph. 4,24: Ziehet den neuen Menschen an, der nach Gott geschaffen ist in rechtschaffener Gerechtigkeit und Heiligkeit.

Kol. 3,10: Ziehet den neuen [Menschen] an, der da erneuert wird zu der Erkenntnis nach dem Ebenbilde des, der ihn geschaffen hat.

 

+3. Ist dies Ebenbild Gottes denn  nach dem Fall im Menschen geblieben?

Nein! Denn die Erbsünde, welche durch den Fall der ersten Eltern in alle Menschen durchgedrungen, ist eine so tiefe und schreckliche Verderbnis der Natur. Dass sie mit keines Menschen Vernunft erkannt werden kann.

Daher sind die gegen diesen Artikel getriebenen Satzungen der Scholastiker, nach welchen gelehrt wird, dass die natürlichen Kräfte des Menschen nach Adams Fall unversehrt und unverdorben geblieben seien, eitel Irrtum und Fisternis.

Konk. Formel, Ausf. Darl., Art. I, 8:

    Zum dritten, was dieser Erbschade sei, weiß und kennt die Vernunft nicht, sondern es muss, wie die Schmalkaldischen Artikel reden, aus der Schrift Offenbarung gelernt und geglaubt werden.

 

*4. Aber woher beweist du denn das?

Ich beweise es daraus, dass auf den Fall Adams sogleich ein völliges Nichtdasein oder Mangel oder Beraubung der im Paradies angeschaffenen Erbgerechtigkeit oder des Ebenbildes Gottes, nach welchem der Mensch im Anfang in Wahrheit, Heiligkeit und Gerechtigkeit geschaffen war, folgte; und zugleich trat auch eine Ohnmacht, Unvermögen und Dummheit ein, durch welche der Mensch zu allem Göttlichen oder Geistlichen gänzlich ungeschickt ist, was aus den folgenden Artikeln von der Erbsünde und dem freien Willen deutlicher erhellt wird.

 

*5. Kann denn das verlorene Ebenbild Gottes im Menschen nicht wieder hergestellt werden?

Die menschliche Natur, welche durch dieses Übel verkehrt und ganz verderbt ist, kann anders nicht geheilt werden, als durch des Heiligen Geistes Wiedergeburt und Erneuerung. Welches Werk des Heiligen Geistes in diesem Leben doch nur angefangen, aber allererst in jenem Leben vollkommen sein wird. Konk.Formel, Art. I, 14

 

 

Abschnitt 7: Von der Vorsehung Gottes

 

*1. Gibt es eine Sorgfalt und Vorsehung Gottes für die geschaffenen Dinge?

Dass es eine göttliche Vorsehung gebe ,und dass Gott sorge trage für die Kreaturen, geht hervor

1. aus der  Schrift:

Jer. 10,23: Ich weiß, Herr, dass des Menschen Tun stehet nicht in seiner Gewalt und stehet in niemands Macht, wie er wandele oder seinen Gang richte.

Joh. 5,17: Mein Vater wirket bisher, und ich wirke auch.

Apg. 17,25: Da er doch selbst jedermann Leben und Odem und alles gibt.

Hebr. 1,3: Er trägt alle Dinge mit seinem kräftigen Wort.

2. geht es hervor aus der wunderbaren Erhaltung der geschaffenen Dinge, besonders aber der Kirche und der Frommen, gegen das Wüten des Teufels und der Welt. (Melanchthon)

 

+2. Was ist die Vorsehung Gottes?

Die Vorsehung ist eine solche Handlung Gottes, nach welcher Gott nicht nur schlechthin alles, sowohl das gute als das Böse, was geschieht und getan wird, weiß, sondern auch, mit welcher er alle Dinge, die er geschaffen hat, trägt und erhält, besonders aber für das Heil derer sorgt, die selig werden; die guten Taten der Menschen befiehlt, unterstützt, befördert, die bösen verhütet und verabscheut, und sie entweder verhindert oder so zulässt, dass er sie, in Bezug auf ihr Ende, auch gegen des Teufels und der Gottlosen Willen zu seiner Verherrlichung und der Auserwählten Heil lenkt.. (Hunnius, Art. von der Vorsehung)

 

*3. Warum sagst du, dass die Vorsehung nicht eine bloße Kenntnis sei?

Darum, dass der Unterschied zwischen der Vorsehung und dem Vorherwissen bezeichnet werde. Denn das Vorherwissen weiß nur die Dinge, sowohl die guten als die bösen, schlechthin voraus, ohne die Ursache der vorausgewussten Dinge zu bezeichnen. Aber die Vorsehung umfasst außer der Kenntnis der Dinge auch die wirksame Sorge, Einrichtung und Anordnung derselben.

 

*4. Gibt es denn gewisse Grade der göttlichen Vorsehung?

Es werden vorzüglich drei Grade bestimmt. Der erste von ihnen heißt die allgemeine Vorsehung, welche im Allgemeinen an derjenigen Erhaltung der Dinge wahrgenommen wird, in welcher Gott die Ordnung oder Wirkungsweise der Natur unversehrt bewahrt und erhält, wie z.B. die regelmäßige Ordnung in den Bewegungen der Himmelskörper, den Wechsel der Zeiten, die fortwährende Dauer der Flüsse, die Fruchtbarkeit der Erde, der Tiere und dergl. anderes.

Der zweite Grad wir die besondere genannt, nach welcher alle Kreaturen Gott, wenn er befiehlt und will, gehorchen und seine Gebote vollziehen.

Der dritte Grad heißt die ganz besondere Vorsehung, welche sich nur auf die Auserwählten bezieht und zu dem Artikel von der Prädestination gehört. D. Hunnius.

 

+5. In welchen Rücksichten trifft Gott mit seiner Vorsehung mit den Handlungen aller Menschen zusammen?

Vorzüglich auf drei Wegen: Denn erstens trägt Gott die tätige Natur, welche ohne diese Unterstützung Gottes nicht nur nichts tun, sondern nicht einmal einen Augenblick bestehen könnte: in ihm leben, weben und sind wir. Apg. 17,28.

Dann teilt er den Trieb mit oder die Kraft, etwas zu tun; also die Grundlage und Werkzeuge der Handlungen, den Verstand, den Willen und die übrigen Geistesvermögen und die Glieder des Leibes.

Endlich ist Gott auch zugleich tätig in Rücksicht der Endzwecke, was nämlich alle Handlungen der Menschen betrifft, welche er zu gewissen bestimmten, und zwar guten, nützlichen und heilsamen Endzwecken richtet.

 

*6. Aber scheint Gott nicht die Ursache der Sünde zu sein, wenn er den sündhaften Handlungen das Ziel gibt?

Ganz und gar nicht. Denn erstens gibt es keinen Widerspruch zwischen diesen beiden Dingen: Dass die Substanz von Gott geschaffen sei und getragen werde, und dass doch der verderbte Wille des Teufels und des Menschen die Ursache der Sünde sei. Dann ist ein sehr großer Unterschied zwischen dem Trieb selbst und der anhaftenden Sünde. Denn dass der Mensch seine Hand ausstrecken und mit derselben etwas ergreifen kann, davon ist die nächste Ursache gewiss die Seele des Menschen selbst, die entferntere aber und erste ist Gott selbst, welcher die Seele zu dergleichen Handlungen, welche durch leibliche Werkzeuge bewirkt werden müssen, geschickt gemacht und eingerichtet hat. Wenn aber der Dieb seine Hand ausstreckt nach einer unerlaubten Sache, so ist diese Unordnung, welche zum Trieb hinzutritt, gewiss nicht Gott, sondern dem verkehrten Willen des Diebes zuzuschreiben. Melanchthon. D. Hunnius.

 

*7. Aber in der Heiligen Schrift steht oft, dass Gott verhärte, blind mache, in einen verstockten Sinn dahin gebe: Also scheint Gott doch auf irgendeine Weise die Ursache der Sünde zu sein?

Durchaus nicht. Denn in diesen und ähnlichen Sprüchen wird Gott nicht als Urheber und Ursache der Sünde eingeführt, sondern als gerechte Richter, der die vorhergehende unbesiegbare Hartnäckigkeit des Menschen so straft, dass er seine Gnade und den Heiligen Geist einem solchen Menschen nimmt und ihn der Gewalt des Teufels und seinem eignen Gutdünken überlässt. Und in dieser Hinsicht ist der Wille Gottes zwar zugleich tätig, aber nicht zur Sünde, sondern in Rücksicht des Endes, in welchem die Sünde von Gott bestimmt ist, wie aus der Geschichte des Pharao von Ägypten deutlich erhellt.

 

*8. Wenn in der Heiligen Schrift gesagt wird, dass nicht nur Gott, sondern auch der Teufel, ja auch der Mensch sich selbst verhärte und blind mache, so möchte ich wissen, wie dies verstanden werden müsse?

In ganz verschiedener Hinsicht wird von Gott, vom Teufel und vom Menschen der Verhärtungsakt ausgesagt. Denn Gott verhärtet nicht dadurch, dass er die Bosheit mitteilt, sondern teils dadurch, dass er die Gnade und Barmherzigkeit nicht mitteilt, teils, dass er den Menschen sowohl der Gewalt Satans als seinem eignen Gutdünken überlässt: Und dies aus völlig gerechtem Gericht, welches die vorhergegangene unüberwindliche Hartnäckigkeit des Menschen auf diese Weise straft.

2. Thess. 2,9-11: Des, welches Zukunft geschieht nach der Wirkung des Satans, mit allerlei lügenhaften Kräften und Zeichen und Wundern, und mit allerlei Verführung zur Ungerechtigkeit unter denen, die verloren werden; dafür, dass sie die Liebe zur Wahrheit nicht haben angenommen, dass sie selig würden. Darum wird ihnen Gott kräftige Irrtümer senden, dass sie glauben der Lüge.

 

*9. Wie wird vom Teufel gesagt, dass er verhärte?

Der Teufel verhärtet und macht blind dadurch, dass er antreibt, überredet und Gelegenheit zur Sünde darbietet.

1. Chr. 21,1: Und der Satan stand gegen Israel und gab David ein, dass er Israel zählen ließ.

 

*10. In wiefern kann vom Menschen gesagt werden, dass er sich selbst verhärtet?

Der Mensch verhärtet sich selbst und macht sich blind, indem er seinen Lüsten und den Einflüsterungen Satans gern und begierig folgt und sich durch eigenen Willen von Gott abwendet. Und so flüstert der Teufel ein, der Mensch stimmt zu, Gott verlässt.

 

 

Abschnitt 8: Von der Sünde im Allgemeinen und Besonderen

 

1. Was ist die Sünde im Allgemeinen?

Die kurze Erklärung steht in dem Johannesbrief, 1. Joh. 3,4: Sünde ist das, was gegen das Gesetz Gottes ist. (Die Sünde ist das Unrecht. Luther) Oder, wie Melanchthon erklärt: Die Sünde ist ein Mangel oder eine Neigung oder eine Handlung, welche mit dem Gesetz Gottes streitet, Gott beleidigt, von Gott verdammt ist und schuldig macht des ewigen Zorns und der ewigen Strafen, wenn nicht Vergebung erfolgt ist. (Melanchthon: Loci commues)

 

+2. Was ist die Ursache der Sünde?

Gott gewiss nicht: Ps. 5,5: Du bist nicht ein Gott, dem gottloses Wesen gefällt, sondern zum Teil der Teufel, welcher auch selbst zuerst gesündigt und die ersten Eltern zum Sündigen verführt hat. Joh. 8,44: Der Teufel ist ein Lügner und der Vater der Lüge; teils die Menschen selbst, welche den Einflüsterungen und den bösen Begierden ihres Fleisches folgen: Röm. 5,12: Durch einen Menschen ist die Sünde in die Welt gekommen und der Tod durch die Sünde. (Melanchthon: Loci communes)

Augsb. Bekenntnis, Art. 19:

    Von Ursach der Sünde wird bei uns gelehrt, dass, wiewohl Gott der Allmächtige die ganze Natur geschaffen hat und erhält, so wirkt doch der verkehrte Wille die Sünde in allen Bösen und Verächtern Gottes; wie denn des Teufels Wille ist und aller Gottlosen, welcher alsbald, so Gott die Hand abgetan, sich von Gott zum Argen gewandt hat, wie Christus spricht Joh. 8,44: "Der Teufel redet Lügen aus seinem Eigenen."

 

3. Wie viele Arten der Sünde gibt es?

Die Sünde wird verschieden eingeteilt; vorzüglich aber: 1. Erbsünde und Tatsünde, 2. tödliche und läßliche Sünde; 3) die Todsünde wird wieder eingeteilt in Sünden gegen das Gewissen, von denen die eine als Sünde gegen den Menschensohn, die andere als Sünde gegen den Heiligen Geist bezeichnet ist.

 

4. Was ist die Erbsünde?

Die Erbsünde ist die natürliche und allen Menschen angeborne Krankhheit, Seuche und Gebrechen, welches nicht nur bewirkt, dass wir ohne Furcht und Vertrauen gegen Gott und durch die böse Lust ganz verderbt sind, sondern uns auch der ewigen Verdammnis schuldig macht, wenn nicht die Wiedergeburt dazwischen kommt. (Augsb. Bek., Art. II; Konk.Formel, Ausf. Darl., Art. I, 10)

Augsb. Bekenntis, Art. 2,1-3:

    Weiter wird bei uns gelehrt, dass nach Adams Fall alle Menschen, so natürlich geboren werden, in Sünden empfangen und geboren werden, das ist, dass sie alle von Mutterleibe an voller böser Lust und Neigung sind und keine wahre Gottesfurcht, keinen wahren Glauben an Gott von Natur haben können; dass auch dieselbe angeborne Seuche und Erbsünde wahrhaftiglich Sünde sei und verdamme alle die untern ewigen Gottes Zorn, so nicht durch die Taufe und Heiligen Geist wiederum neu geboren werden. 

    Hierneben werden verworfen die Pelagianer und andere, so die Erbsünde nicht für Sünde haben, damit die Natur fromm machen durch natürliche Kräfte, zu Schmach dem Leiden und Verdienst Christi.

    + Oder: Dass die Erbsünde (an der menschlichen Natur) nicht allein sei ein solcher gänzlicher Mangel alles Guten in geistlichen, göttlichen Sachen, sondern dass sie zugleich auch sei anstatt des verlornen Bildes Gottes in dem Menschen eine tiefe, böse, greuliche, grundlose, unerforschliche und unaussprechliche Verderbung der ganzen Natur und aller Kräfte, sonderlich der höchsten, vornehmsten Kräfte der Seele im Verstand, Herzen und Willen (Konk. Formel, Ausf. Darl., Art. I, 11)

 

5. Gibt es denn eine solche Erbsünde?

Ja. 1. Mose 6,5: Der Herr aber sah, dass der Menschen Bosheit groß war auf Erden und alles Dichten und Trachten ihres Herzens nur böse war immerdar.

1. Mose 8,21: Das Dichten des menschlichen Herzens ist böse von Jugend auf.

Psalm 51,7: Siehe, ich bin aus sündlichem Samen geboren, und meine Mutter hat mich in Sünden empfangen.

Hiob 14,4: Kann wohl ein Reiner kommen von Unreinen?

Hiob 15,14.15: Was ist der Mensch, dass er rein sein sollte, und dass der gerecht sein sollte, der vom Weibe geboren ist? Siehe, seinen Heiligen traut Gott nicht, und selbst die Himmel sind nicht rein vor ihm.

Joh. 3,6: Was vom Fleisch geboren ist, das ist Fleisch.

Röm. 5,12: Derhalben, wie durch einen Menschen die Sünde in die Welt gekommen ist und der Tod durch die Sünde, so ist der Tod zu allen Menschen durchgedrungen, weil sie alle gesündigt haben.

Röm. 8,7: Denn fleischlich gesinnt sein ist Feindschaft wider Gott, weil das Fleisch dem Gesetz Gottes nicht untertan ist; denn es vermag’s auch nicht.

Eph. 2,3: Wir waren alle Kinder des Zorns von Natur.

Konk. Formel, Kurze Darl., Art. I, 21:

    Denn die Erbsünde ist nicht eine Sünde, die man tut, sondern sie steckt in der Natur, Substanz und Wesen des Menschen; also wenngleich kein böser Gedanke nimmer im Herzen des verderbten Menschen aufstiege, kein unnütz Wort geredet [würde], noch böse Tat geschähe, so ist doch die Natur verderbt durch die Erbsünde, die uns im sündlichen Samen angeboren wird und ein Brunnquell ist aller andern wirklichen Sünden, als böser Gedanken, Worte und Werke, wie geschrieben steht: "Aus dem Herzen kommen arge Gedanken"; ebenso: "Das Dichten des menschlichen Herzens ist böse von Jugend auf." Matth. 15; 1. Mose 6.

Konk.. Formel, Ausf. Darl., Art. I, 9:

    Dass dieser Erbschade sei die schuld, dass wir allesamt von wegen des Ungehorsams Adams und Evas in Gottes Ungnade und Kinder des Zorns von Natur sind, wie der Apostel zu den Römern im 5. Kapitel zeugt.

Konk. Formel, Ausf. Darl., Art. I, 10:

    Zum andern, dass es auch eine gänzliche Entbehrung oder Mangelung der angeschaffenen Erbgerechtigkeit im Paradies oder des Bildes Gottes, nach welchem der Mensch anfänglich in Wahrheit, Heiligkeit und Gerechtigkeit geschaffen, und zugleich ein Unvermögen und Untüchtigkeit zu allen Gottessachen sei.

 

+6. Also ist diese Sünde in alle Menschen ohne Ausnahme durchgedrungen?

Ohne Ausnahme. Denn „nach Adams Fall werden alle Menschen, so natürlich geboren [gezeugt] werden, in Sünden empfangen und geboren, das ist, alle sind von Mutterleib an voller böser Lust und Neigung und haven von Natur keine wahre Gottesfurcht, keinen wahren Glauben an Gott“. Und dhaer kommt es, dass alle Menschen „in Gottes Ungnaden und Kinder des Zorns von Natur sind“. (Augsb. Bek., Art. II; Konk. Formel, Ausf. Darl., Art. I)

 

7. Welche Strafen folgen auf diese Sünde?

Der ewige und der leibliche Tod. Und außer diesen andere leibliche, geistliche, zeitliche und ewige Plagen und Jammer, die Tyrannei und Herrschaft des Satans, welchem der Mensch, in Folge dieser Sünde, zur elendesten Knechtschaft dahin gegeben ist und von ihm gefangen gehalten wird.

Konk.Formel, Ausfl. Darl., Art. I, 13:

    Die Strafe und Pön der Erbsünde, so Gott auf Adams Kinder und auf die Erbsünde gelegt, ist der Tod, die ewige Verdammnis, auch ander leiblich und geistlich, zeitlich und ewig Elend, Tyrannei und Herrschaft des Teufels, dass die menschliche Natur dem Reich des Teufels unterworfen und unter des Teufels Gewalt dahingegeben und unter seinem Reich gefangen [ist]. der manchen großen, weisen Menschen in der Welt schrecklichem Irrtum, Ketzerei und anderer Blindheit betäubt und verführt und sonst die Menschen zu allerlei Lastern dahinreißt.

 

*8. Welche Irrtümer muss man vermeiden, um diesen Artikel rein zu erhalten?

Vor allem zwei: Der eine ist der Irrtum der Pelagianer und der, zum Teil an ihre Seiten tretenden, Römischen; der andere aber der Irrtum der Manichäer und der neuen Flacianer. S. Konk. Formel, Ausf. Darl. Art. I.

 

*9. Wollest du nicht so gut sein, und mir die Irrtümer der Pelagianer nennen?

Erstens: Sie haben geträumt, dass die Erbsünde nur eine reatus oder Schuld sei, von wegen fremder Verwirkung, ohne unserer Natur Verderbung. Konk. Formel, Ausf. Darl. Art. I.

Zweitens: Dass die sündlichen bösen Lüste nicht Sünde seien, sondern gewisse Beschaffenheiten oder anerschaffene und wesentliche Eigenschaften der Natur.

Drittens: Dass jener Mangel und Erbschade nicht eigentlich und wahrhaftig vor Gott eine Sünde sei, um welcher willen der Mensch müsse verloren gehen, wenn er nicht von Christus erlöst wird.

Viertens: Dass die Natur, auch nach dem Fall, und zwar vorzüglich in Betreff der geistlichen Dinge, noch ganz gut und rein, und in ihren natürlichen Beschaffenheiten, das ist, in ihrem natürlichen Vermögen und Kräften, vollkommen und unverletzt sei.

Fünftens: Dass die Erbsünde nur ein äußerlicher, geringschätziger oder eingesprengter Fleck oder eine Verderbung der zufälligen Dinge und Eigenschaften an des Menschen Natur sei.

Sechstens: Dass die Erbsünde nicht eine Beraubung oder Mangelung, sondern nur ein äußerliches Hindernis der geistlichen guten Kräfte sei; als wenn ein Magnet mit Knoblauchsaft bestrichen wird, dadurch seine natürliche Kraft nicht weggenommen, sondern allein gehindert wird.

Siebtens: Dass die Natur durch den Fall des menschlichen Geschlechts zwar sehr geschwächt und verderbt sei, aber doch nicht durchaus alle Güte verloren habe, sondern dass der Mensch aus der natürlichen Geburt noch etwas Gutes übrig habe, so klein und wenig, gering und schwach es auch sei, nämlich die Fähigkeit, Geschicklichkeit, Tüchtigkeit, Vermögen und einige Kräfte, in geistlichen Dingen etwas anzufangen, zu wirken oder mitzuwirken. – Die Römischen und die Synergisten. - Konk.Formel, Ausf. Darl., Art. I, 17-23

 

*10. Das Eine beunruhigt mich, dass ich nämlich aus dem eben Gesagten erkenne, dass du die Lust Sünde nennst; ich bitte dich, woher beweist du das?

Die Römischen stritten zur Zeit, als die Augsburgische Konfession übergeben wurde, gegen den sel. Luther, dass die Begierde Strafe und nicht Sünde sei. Hingegen aber verteidigte Luther, dass dieselbe Sünde sei, und zwar mit Recht, denn Paulus sagt, Röm. 7,7: Ich wusste nicht, dass die Lust Sünde sei, wenn nicht das Gesetz gesagt hätte: Lass dich nicht gelüsten. Ferner V. 23: Ich sehe einen ander Gesetz in meinen Gliedern, das da widerstreitet dem Gesetz in meinem Gemüt und nimmt mich gefangen in der Sünde Gesetz, welches ist in meinen Gliedern. Röm. 7. Apol., Art. II, 38.39.41

 

*11. Aber möchtest du die Lust nicht richtiger einen gleichgültigen Zunder nennen, wie die Römischen behaupten?

Durchaus nicht. Denn wer sollte, wenn auch die vollkommene Übereinstimmung nicht da ist, dies je gleichgültig nennen: Zweifeln an Gottes Zorn, an Gottes Gnade, unwillig werden, wenn Gott nicht gleich aus Betrübnis reißt, gereizt werden durch Zorn, Wollust, Ruhmsucht, Geldgeiz usw.?

Apol., Art. II,42-43:

    Und wenn die Widersacher werden vorgeben, dass fomes oder die böse Neigung weder gut noch böse sei, da werden nicht allein viele Sprüche der Schrift darwider sein, sondern auch die ganze Kirche und alle Väter. Denn alle erfahrenen, christlichen Herzen wissen, dass diese Stücke leider uns in der Haut stecken, angeboren sind, nämlich dass wir Geld, Gut und alle andern Sachen grösser denn Gott achten, sicher dahingehen und leben; ebenso, dass wir immer nach Art fleischlicher Sicherheit also gedenken, Gottes Zorn und Ernst sei nicht so groß über die Sünde, als er doch gewiss ist; ebenso, dass wir den edlen, unaussprechlichen Schatz des Evangeliums und Versöhnung Christi nicht von Herzen so teuer und edel achten, wie er ist; ebenso, dass wir wider Gottes Werk und Willen murren, dass er in Trübsalen nicht bald hilft und macht’s, wie wir wollen. Ebenso, wir erfahren täglich, dass es uns wehe tut, wie auch David und alle Heiligen geklagt, dass es den Gottlosen in dieser Welt wohl geht.

 

12. Gehe nun über zu der anderen Klasse der Irrenden, welche die der alten und neuern Manichäer ist!

Die Irrtümer der alten Manichäer in der Lehre von der Erbsünde sind diese:

Erstens: Dass die menschliche Natur anfangs zwar rein und gut von Gtot geschaffen sei, allein nach dem Fall sei von außen her die Erbsünde (als etwas Wesentliches) durch den Satan in die Natur eingegossen und mit ihr vermischt, wie das Gift mit dem Wein vermischt wird. Konk.Formel, Ausf. Darl., Art. I, 26

Zweitens: Dass nicht der verdorbene Mensch selber sündige, sondern etwas anderes und Fremdes im Menschen; und dass Gott durch das Gesetz nicht die Natur selbst, sondern nur die Erbsünde anklage und verdamme. Konk.Formel, Ausf. Darl., Art. I, 30

 

*13. Du hast oben gesagt, dass dem manichäischen Irrtum das Dogma der Flacianer verwandt sei. Welches ist doch dieses?

Die Flacianer behaupten, „dass die Erbsünde sei eigentlich und ohne allen Unterschied des verderbten Menschen Substanz, Natur und Wesen selbst, also, dass kein Unterschied zwischen der verderbten Natur nach dem Fall an ihr selbst und der Erbsünde, sollte auch nicht gedacht noch mit Gedanken voneinander unterschieden werden können“. (Konk.Formel, Kurze Darl., Art. I, 19)

 

*14. Hast du nicht sichere Gründe in Bereitschaft, mit denen du die Flacianer widerlegen kannst?

Ja! Ich habe sie in Bereitschaft, und zwar sind sie aus den vorzüglichsten Artikeln des christlichen Glaubens genommen; nämlich aus dem Artikel von der Schöpfung, der Menschwerdung des Sohnes Gottes, der Erlösung, der Heiligung, der Auferstehung usw. (Konk.Formel, Ausf. Darl., Art. I, 34)

 

*15. Wie bestätigst du dies aus dem Artikel von der Schöpfung?

Gott hat nicht nur vor dem Fall die menschliche Natur geschaffen, sondern er schafft, erhält und trägt sie auch nach dem Fall. (Konk. Formel, ebd.)

5. Mose 32,6: Ist er’s nicht allein, der dich gemacht und bereitet hat?

Hiob 10,8: Deine Hände haben mich gebildet und bereitet.

Apg. 17,28: Denn in ihm leben, weben und sind wir.

Jes. 45,9: Wehe dem, der mit seinem Schöpfer hadert, nämlich die Scherbe mit dem Töpfer des Tons. Spricht auch der Ton zu seinem Töpfer: Was machst du? Du beweist deine Hände nicht an deinem Werk.

Jes. 54,5: Der dich gemacht hat, ist dein Mann, Herr Zebaoth ist sein Name.

Jes. 64,8: Aber nun, Herr, du bist unser Vater; wir sind Ton. Du bist unser Töpfer, und wir sind alle deiner Hände Werk.

Ps. 139,14 und 15: Ich danke dir darüber, dass ich wunderbar gemacht bin; wunderbar sind deine Werke, und das erkennt meine Seele wohl. Es war dir mein Gebein nicht verhohlen, da ich im Verborgenen gemacht ward, da ich gebildet ward unten in der Erde.

Pred. 12,7: Denn der Staub muss wieder zu der Erde kommen, wie er gewesen ist, und der Geist wieder zu Gott, der ihn gegeben hat.

Offenb. 4,11: Du hast geschaffen alle Dinge, und durch deinen Willen haben sie das Wesen und sind geschaffen.

Aber nun ist Gott nicht der Schöpfer oder Erhalter der Sünde. Folglich ist die Erbsünde nicht die Natur des Menschen selbst, sondern etwas von ihr Vreschiedenes. (Konk.Formel, Ausf. Darl., Art. I, 34)

 

*16. Zeige dies auch aus dem Artikel von der Menschwerdung des Sohnes Gottes!

Der Sohn Gottes hat dieselbe unsere menschliche Natur, aber nicht die Erbsünde angenommen, und zwar so, dass er uns, seinen Brüdern, in allem ähnlich wurde, mit Ausnahme der Sünde.

Hebr. 2,17: Daher musste er allerdings seinen Brüdern gleich werden.

Folglich sind auch nach dem Sündenfall die menschliche Natur und die Erbsünde nicht ein und dasselbe, sondern sind sorgfältig zu unterscheiden.

Konk. Formel, Ausf. Darl., Art. I, 44:

    Wenn nun kein Unterschied wäre zwischen der Natur oder dem Wesen des verderbten Menschen und zwischen der Erbsünde, so müsste folgen, dass Christus entweder unsere Natur nicht angenommen, weil er die Sünde nicht hätte angenommen, oder, weil er unsere Natur angenommen, dass er auch die Sünde hätte angenommen, welches beides wider die Schrift ist. Weil aber Gottes Sohn unsere menschliche Natur und nicht die Erbsünde an sich genommen, so ist hieraus klar, dass die menschliche Natur (auch nach dem Fall) und die Erbsünde nicht ein Ding seien, sondern unterschieden werden müssen.

 

*17. Geht dasselbe auch aus dem Artikel von der Erlösung hervor?

Ja. Denn was Christus an sich genommen hat, das hat er auch erlöst. Nun hat er aber nicht die Erbsünde erlöst. Also hat Christus auch die Erbsünde nicht an sich genommen, und somit ist zwischen unserer Natur, welche Christus angenommen und erlöst hat, und zwischen der Erbsünde ein deutlicher Unterschied zu setzen notwendig.

Konk.Formel, Kurze Darl., Art. I, 5-7:

    Es hat auch der Sohn Gottes in Einigkeit seiner Person solche menschliche Natur, doch ohne Sünde, und also nicht ein fremd, sondern unser Fleisch an sich genommen, und [ist] nach demselben unser wahrhaftiger Bruder geworden. Hebr. 2: "Nachdem die Kinder Fleisch und Blut haben, ist er’s gleichermaßen teilhaftig worden." Ebenso: "Er nimmt nirgend die Engel an sich, sondern den Samen Abrahams nimmt er an sich; daher muss er allerdinge seinen Brüdern, ausgenommen die Sünde, gleich werden." Also hat es auch Christus erlöst als sein Werk, heiligt es als sein Werk, erweckt es von den Toten und ziert es herrlich als sein Werk. Aber die Erbsünde hat er nicht erschaffen, nicht angenommen, nicht erlöst, nicht geheiligt, wird sie auch nicht erwecken an den Auserwählten, weder zieren noch selig machen, sondern in der Auferstehung gar vertilgt sein wird.

    Daraus der Unterschied zwischen der verderbten Natur und der Verderbung, so in der Natur steckt und die Natur dadurch verderbt worden, leichtlich zu erkennen.

 

*18. Wird dieses auf gleiche Weise aus dem Artikel von der Heiligung dargetan werden können?

Ja. Denn Gott wäscht ab, reinigt, heiligt und macht selig nicht die Erbsünde, sondern den Menschen oder unsere menschliche Natur.

Folglich kann also die Erbsünde nicht der Mensch selbst sein, wenn nicht jemand aus gottloser und schrecklicher Ungereimtheit mit jenen neuen Manichäern behaupten will, dass die Erbsünde selbst im Namen der heiligen Dreieinigkeit getauft, geheiligt und endlich selig werde.

Konk. Formel, Ausf. Darl., Art. I, 45:

    Zum dritten, im Artikel von der Heiligung zeugt die Schrift, dass Gott den Menschen von der Sünde abwasche, reinige, heilige, und dass Christus sein Volk von ihren Sünden selig mache. So kann ja die Sünde der Mensch selber nicht sein; denn den Menschen nimmt Gott um Christus willen zu Gnaden aus, aber der Sünde bleibt er in Ewigkeit Feind. Es ist deshalb unchristlich und abscheulich, zu hören, dass die Erbsünde im Namen der heiligen Dreifaltigkeit getauft, geheiligt und selig gemacht werde, und dergleichen Reden mehr (damit [mit Anführung welcher] wir einfältige Leute nicht verärgern wollen), so in der neuen Manichäer Schriften zu finden.

 

*19. Zeige eben dies aus dem Artikel von der Auferstehung!

Am letzten Tag wird das Wesen dieses unseres Fleisches, welches wir mit uns herumtragen, aber von der Sünde gereinigt, auferstehen; und im ewigen Leben werden wir dieselbe Seele, nur von der Sünde unbefleckt, haben und behalten.

Hiob 19,26: In meinem Fleisch werde ich Gott sehen. (Konk.Formel, Art. I, 45)

Wenn nun also kein Unterschied wäre zwischen unserer verderbten Natur und der Erbsünde, würde das daraus folgen: 1. Entweder wird dies Fleisch am Jüngsten Tag nicht auferstehen; oder 2. Die Sünde würde am letzten Tag wieder auferstehen und in jenem ewigen Leben in dem Auserwählten sein und bleiben; welches beides mit dem Artikel von der Auferstehung schnurstracks streitet. (Konk.Formel, Ausf. Darl., Art. I, 47)

 

*20. Wenn die Sünde etwas von der Natur des Menschen selbst Verschiedenes ist, so möchte ich wissen, ob sie etwas Wesentliches oder Zufälliges sei?

Du fragst nicht ungeschickt; denn alles, was ist, ist entweder wesentlich oder etwas Zufälliges, was nicht an sich besteht, sondern an einer anderen Substanz ist und von ihr geschieden werden kann. Nun aber steht es bei allen, die gesunden Verstand haben, fest, dass die Sünde nicht eine Sache sei, welche an sich besteht, sondern dass sie am Menschen mit Veränderlichkeit hängt. Wer sollte also zweifeln, dass einfach, bestimmt und rund müsse geantwortet werden, dass die Erbsünde nicht etwas Wesentliches, sondern etwas Zufälliges sei.

Konk.Formel, Ausf. Darl., Art. I, 54.57:

    Was aber die lateinischen Worte substantia und accidens anlangt, soll der einfältigen Kirche, weil solche Worte dem gemeinen Manne unbekannt, mit denselben in öffentlichen Predigten billig verschont werden. Wenn aber die Gelehrten unter sich oder bei andern, welchen solche Worte nicht unbekannt, sich derselben in diesem Handel gebrauchen, wie Eusebius, Ambrosius und sonderlich Augustinus, wie auch andere vornehme Kirchenlehrer mehr, aus Not, diese Lehre wider die Ketzer zu erklären, getan, so nehmen sie vor eine immediatam divisionem, das ist, sie nehmen vor eine solche Teilung, dazwischen kein Mittel ist, dass alles, was da ist, müsse entweder substantia, das ist, ein selbständig Wesen, oder accidens, das ist, ein zufälliges Ding, sein, das nicht für sich selbst wesentlich besteht, sondern in einem andern selbständigen Wesen ist und davon kann unterschieden werden; welche Teilung auch Cyrillus und Basilius gebrauchen.

    Und dieweil unter andern dieses auch ein ungezweifelter, unwidersprechlicher Grundspruch in der Theologie ist, dass eine jede substantia oder selbständiges Wesen, sofern es eine Substanz ist, entweder Gott selber oder ein Werk und Geschöpf Gottes sei, so hat Augustinus in vielen Schriften wider die Manichäer mit allen wahrhaftigen Lehrern wohlbedacht und mit Ernst die Rede peccatum originis est substantia vel natura, das ist, die Erbsünde ist des Menschen Natur oder Wesen, verdammt und verworfen; nach welchem alle Gelehrten und Verständigen allezeit gehalten, dass dasjenige, so nicht für sich selbst besteht, noch ein Teil ist eines andern selbständigen Wesens, sondern in einem andern Ding wandelbarlich ist, nicht eine substantla, das ist, etwas Selbständiges, sondern ein accidens, das ist, etwas Zufälliges, sei. Also pflegt Augustinus beständig auf diese Weise zu reden die Erbsünde sei nicht die Natur selbst, sondern ein accidens vitium in natura, das ist, ein zufälliger Mangel und Schaden in der Natur. 56] Wie man denn auf solche Weise auch in unsern Schulen und Kirchen nach der Dialektik vor diesem Zank frei und unverdächtig geredet hat und deswegen weder von D. Luther noch einigem rechtschaffenen Lehrer unserer reinen evangelischen Kirchen jemals gestraft worden [ist].

    Weil denn die unwidersprechliche Wahrheit ist, dass alles, was da ist, entweder eine Substanz oder ein accidens, das ist, entweder ein selbständiges Wesen oder etwas zufälliges in demselben ist, wie kurz zuvor mit Zeugnissen der Kirchenlehrer angezeigt und erwiesen ist, und kein kein wahrhaft Verständiger jemals daran gezweifelt hat, so dringt die Not, und kann hier keiner vorüber, wenn jemand fragen wollte, ob die Erbsünde eine Substanz, das ist, ein solches Ding, das für sich selbst bestehe und nicht in einem andern ist, oder ein accidens, das ist, ein solch Ding sei, das nicht für sich besteht, sondern in einem andern ist und für sich nicht bestehen noch sein kann so muss er und heraus bekennen, dass die Erbsünde keine Substanz, sondern ein Akzidens sei.

 

21. Was ist die Tatsünde?

Die Tatsünde ist eine jede Handlung, sei sie eine innere oder eine äußere, welche mit dem Gesetz Gottes streitet, wie im Verstand die Zweifel an Gott, im Willen und Herzen die Flammen böser Begierden, in den äußeren Gliedern endlich alle Bewegungen und Handlungen, welche dem Gesetz Gottes zuwider sind. (Melanchthon, Loci)

 

+22. Was ist die Todsünde?

Todsünde wird jede Sünde bei Unwiedergeborenen genannt, sowohl die Erbsünde als die Tatsünden; seien es innere oder äußere. Bei den Wiedergebornen aber ist Todsünde entweder ein Irrtum in den Grundartikeln oder eine innere Tat, welche mit dem Gesetz Gottes streitet, und zwar gegen das Gewissen begangen, die die Gnade Gottes, den Glauben und den Heiligen Geist forttreibt. (Melanchthon)

 

+23. Was ist läßliche Sünde?

In ihrer Natur und an sich ist gar keine Sünde läßlich; sondern eine solche ist und wird sie genannt durch und wegen Christus. (Melanchthon)

Läßliche Sünde ist also ein Fall oder eine Handlung der Wiedergeborenen, welche mit dem Gesetz Gottes streitet, durch welche aber die Gnade, der Heilige Geist und der Glaube nicht verloren gehen; denn die Wiedergebornen widerstreiten im Geist, dass sie nicht gegen das Gewissen fehlen und sind betrübt über diesen Unflat und glauben, dass sie wegen des Mittlers Gott gefallen, und dass ihnen alle Sünden durch und wegen Christus ans Gnaden vergeben werden.

 

+24. Was ist die Sünde gegen das Gewissen?

Sie geschieht, wenn der Mensch, mit widersprechendem Gewissen, wissentlich und williglich Böses begeht.

 

*25. Was ist die Todsünde gegen den Menschensohn?

Sie ist die aus Unwissenheit geschehene Bestreitung der, entweder noch nicht erkannten, evangelischen Lehre, oder Verleugnung der schon erkannten Wahrheit aus Schwachheit oder Furcht der Gefahr, jedoch ohne irgendeine feindliche Lästerung derselben.

 

*26. Was ist eine Todsünde gegen den Heiligen Geist?

Sie ist der freiwillige und mit überlegtem Entschluss begangene gänzliche oder teilweise Abfall oder Verleugnung der erkannten evangelischen Wahrheit, welche feindlich streitet und lästert gegen das Zeugnis des eigenen Herzens und Gewissens, gegen das Amt des Heiligen Geistes oder die Mittel des Heils.

 

27. Warum heißt es, dass diese Sünde gegen den Heiligen Geist unvergebbar ist?

Gewiss nicht deshalb, weil sie unter eine solche einfache Unmöglichkeit der Vergebung fiele, dass sie durch ihre Größe die Barmherzigkeit Gottes des Vaters und das Verdienst Christi überträfe.

Röm. 5,20: Wo die Sünde mächtig geworden ist, da ist die Gnade viel mächtiger geworden.

1. Joh. 1,7: Das Blut Jesu Christi, des Sohnes Gottes, macht uns rein von aller Sünde.

1. Joh. 2,2: Christus ist die Versöhnung für unsere Sünden; aber nicht allein für die unseren, sondern auch für die der ganzen Welt.

 

28. In welcher Hinsicht wird sie also unvergebbar genannt?

1) Weil sie niemals in der Tat selbst vergeben wird, und dies zwar aus Schuld und Verbrechen desjenigen, welcher auf diese Weise sündigt, indem ein solcher von Christus, außer welchem kein Opfer für die Sünde übrig, freiwillig abfällt. 2) Weil der, welcher auf solche Weise sündigt, die Heilsmittel, ohne welche niemandem Vergebung der Sünde zuteil werden kann, hartnäckig vernachlässigt, verachtet und gleichsam mit Füßen tritt. Endlich 3) weil diese Sünde mit der endlichen Verhärtung des Herzens verbunden ist, so dass solche Sünder, nachdem schon ein gewisser Vorsatz in ihnen fest geworden, die erkannte Wahrheit mit Wissen und Willen auf schreckliche Weise zu befeinden und zu schmähen fortfahren.

 

*29. Gibt es denn auch Sünden in den Heiligen?

Paulus selbst macht einen Unterschied zwischen den Sünden der Heiligen und der Nichtwiedergeborenen. Röm. 8,13: Denn wo ihr nach dem Fleisch lebt, so werdet ihr sterben müssen; wo ihr aber durch den Geist des Fleisches Geschäfte tötet, so werdet ihr leben. Er bekennt also, dass in den Heiligen Geschäfte des Fleisches, das ist, viele sündige Neigungen, Zweifel, Sicherheit, Unglaube, irrtümliches Vertrauen, eitle Begierden sind; dass sie aber gegen dieselben im Geist, das ist, mit geistlichen Bewegungen, Anrufung Gottes, Glauben, Geduld, Keuschheit und andern Übungen der Gottseligkeit kämpfen. (Melanchthon, Loci)

 

 

Abschnitt 9: Vom freien Willen oder den menschlichen Kräften

 

1. Wird denn der menschliche Wille nur auf eine Weise betrachtet?

Nein, sondern er lässt eine vierfache Betrachtung zu: Erstens vor dem Fall; zweitens nach dem Fall; drittens nach der Wiedergeburt; viertens nach der Auferstehung des Fleisches. Konk.Formel, Kurze Darl., Art. II, 1

 

2. Was für einen freien Willen hatte der Mensch vor dem Fall?

Jenen, welcher oben im 6. Artikel, „Vom Ebenbild Gottes“, erklärt worden ist. Denn dies, dass der Mensch eben so nicht sündigen, als sündigen konnte, wenn er wollte, war nicht der letzte Teil des Ebenbildes Gottes.

 

3. Ist denn dem Menschen nach dem Fall noch einige Freiheit des Willens übrig geblieben?

„Der Mensch hat nach dem Fall etlicher Maßen einen freien Willen, äußerlich ehrbar zu leben und zu wählen unter den Dingen, so die Vernunft begreift.“ Denn er kann einigermaßen „von Gott reden, einen äußerlichen Gottesdienst oder heilige Gebärden erzeigen, Obrigkeit und Eltern gehorchen, nicht stehlen, nicht töten. Denn dieweil nach Adams Fall gleichwohl bleibt die natürliche Vernunft, dass ich Böses und Gutes kenne in den Dingen, die mit Sinnen und Vernunft zu begreifen sein, so ist auch etlicher Maßen unsers freien Willens Vermögen, ehrbar oder unehrbar zu leben.“ Augsb. Bek. Art. XVIII, 1; Apol., Art. XVIII, 4

 

+4. Warum sagst du „einiger Maßen“?

Weil „die angeborne böses Lust so gewaltig ist, dass die Menschen öfter derselben folgen als der Vernunft. Und der Teufel, welcher kräftig wirkt in den Gottlosen, reizt ohne Unterlass die arme schwache Natur zu allen Sünden. Und das ist die Ursache, warum auch wenig, der natürlichen Vernunft nach, ein ehrbares Leben führen. Apol., Art. XVIII, 5

 

5. Hat denn der Mensch nach dem Fall auch einige Freiheit in geistlichen Dingen?

Nein; denn nach dem Fall hat der Mensch alle Kraft verloren, ohne den Heiligen Geist die Gerechtigkeit Gottes oder geistliche Gerechtigkeit zu wirken; „denn der natürliche Mensch vernimmt nichts vom Geist Gottes“, 1. Kor. 2,14; sondern dies geschieht in dem Herzen, wenn durch das Wort der Heilige Geist empfangen wird.. Augsb. Bek., Art. XVIII, 2

 

*6. Kann denn der Mensch nicht aus den Kräften des Willens auch for der Bekehrung sich auf die Gnade vorbereiten, zu ihr sich hinneigen und, wenn auch nur auf schwache Weise, dem Wort Gottes beistimmen??

Er kann es nicht; denn die Heilige Schrift bezeugt, dass der verstand, das Herz und der Wille des unwiedergebornen Menschen in geistlichen und göttlichen Dingen aus eignen und natürlichen Kräften ganz und gar nichts erkennen, glauben, ergreifen, denken, wollen, anfangen, vollenden, tun, wirken oder mitwirken könne.

Konk.Formel, Ausf. Darl., Art. II, 40-45:

    Im Kleinen Katechismus D. Luthers steht also geschrieben: "Ich glaube, dass ich nicht aus eigener Vernunft noch Kraft an Jesus Christus, meinen Herrn, glauben oder zu ihm kommen kann, sondern der Heilige Geist hat mich durchs Evangelium berufen, mit seinen Gaben erleuchtet, im rechten Glauben geheiligt und erhalten; gleichwie er die ganze Christenheit auf Erden beruft, sammelt, erleuchtet, heiligt und bei Jesus Christus erhält im rechtem einigen Glauben" usw.

    Und in der Auslegung des Vaterunsers, in der andern Bitte, sind diese Worte: "Wie geschieht das?" nämlich dass Gottes Reich zu uns komme. Antwort: "Wenn der himmlische Vater uns seinen Heiligen Geist gibt, dass wir seinem heiligen Wort durch seine Gnade glauben und göttlich leben" usw.

    Diese Zeugnisse sagen, dass wir aus eigenen Kräften zu Christus nicht kommen können, sondern Gott müsse uns seinen Heiligen Geist geben, dadurch wir erleuchtet, geheiligt und also zu Christus durch den Glauben gebracht und bei ihm erhalten werden, und wird weder unsers Willens noch Mitwirkens gedacht.

    Hierauf wollen wir einen Spruch setzen, da sich D. Luther nachmals mit einer Protestation, dass er bei solcher Lehre bis an sein Ende zu verharren gedenke, erklärt im Großen Bekenntnis vom heiligen Abendmahl, da er also sagt: "Hiermit verwerfe und verdamme ich als eitel Irrtum alle Lehren, so unsern freien Willen preisen, als die stracks wider solche Hilfe und Gnade unsers Heilandes Jesus Christus streben. Denn weil außerhalb Christo der Tod und die Sünde unsere Herren und der Teufel unser Gott und Fürst ist, kann da keine Kraft noch Macht, kein Witz noch Verstand sein, damit wir zu der Gerechtigkeit und Leben uns könnten schicken oder trachten, sondern müssen Verblendete und Gefangene der Sünde und des Teufels eigen sein, zu tun und zu gedenken, was ihnen gefällt, und Gott mit seinen Geboten zuwider ist"

    In diesen Worten gibt D. Luther, seligen und heiligen Gedächtnisses, unserm freien Willen keine einige Kraft, sich zur Gerechtigkeit zu schicken oder danach zu trachten, sondern sagt, dass der Mensch, verblendet und gefangen, allein des Teufels Willen, und was Gott dem Herrn zuwider ist, tue. Darum ist hier kein Mitwirken unsers Willens in der Bekehrung des Menschen, und muss der Mensch gezogen und aus Gott neugeboren werden; sonst ist kein Gedanke in unsern Herzen, der sich zu dem heiligen Evangelium, dasselbe anzunehmen, von sich selbst wenden könnte. …

    Deshalb ist es unrecht gelehrt, wenn man vorgibt, dass der unwiedergeborne Mensch noch so viele Kräfte habe, dass er begehre, das Evangelium anzunehmen, sich mit demselben zu trösten, und also der natürliche menschliche Wille in der Bekehrung etwas mitwirke.

 

*7. Kannst du das aus der Schrift beweisen?

Ja. Denn sie bezeugt, dass der Mensch zum Guten gänzlich verdorben und tot sei, so dass in seiner Natur nach dem Fall vor der Wiedergeburt nicht einmal ein Fünklein geistlicher Kräfte übrig geblieben oder noch da sei, mit welchen er aus sich selbst zu der Gnade Gottes sich vorbereiten oder die dargebotene Gnade ergreifen oder zu dieser Gnade (aus sich und durch sich) geschickt sein könne oder sich zur Gnade neigen oder mit seinen Kräften etwas zu seiner Bekehrung, sei es ganz oder zur Hälfte oder zum geringsten Teil beitragen, tun, wirken oder mitwirken könne; sondern der Mensch sei der Sünde Knecht und Eigentum des Satans, von welchem er getrieben wird.

 

8. Durch welche Stellen wird das erklärt?

Von dem Verstand oder der Erkenntnis des Menschen sind diese Zeugnisse klar:

1. Kor. 2,15: Der natürliche Mensch vernimmt nichts vom Geist Gottes; es ist ihm eine Torheit und kann es nicht erkennen; denn es muss geistlich gerichtet sein.

Eph. 4,17-19: Ihr dürft nicht mehr wandeln wie die Heiden wandeln in der Nichtigkeit ihres Sinnes: Ihr Verstand ist verfinstert und sie sind fremd geworden dem Leben, das aus Gott ist, durch die Unwissenheit, die in ihnen ist, durch die Verstockung ihres Herzens; in ihren Gewissen sind sie stumpf geworden.

Matth. 13,13: Denn mit sehenden Augen sehen sie nicht und mit hörenden Ohren hören sie nicht; und sie verstehen’s auch nicht.

Röm. 3,12: Sie sind alle abgewichen und allesamt untüchtig geworden. Da ist keiner, der Gutes tue, auch nicht einer.

Eph. 5,8: Denn ihr waret vormals Finsternis, nun aber seid ihr Licht in dem Herrn.

Apg. 26,18 und Joh. 1,5: Das Licht scheint in der Finsternis und die Finsternis hat’s nicht ergriffen.

Eph. 2,1: Auch ihr waret (nicht matt, nicht unwillig, nicht entkräftet, sondern) tot in euren Übertretungen und Sünden.

2. Kor. 3,5: Nicht dass wir tüchtig sind von uns selber, etwas zu denken als von uns selber; sondern dass wir tüchtig sind, das ist von Gott.

Röm. 8,6.7: Fleischlich gesinnt sein ist der Tod... Denn fleischlich gesinnt sein ist Feindschaft wider Gott.

Konk.Formel, Ausf. Darl., Art. II, 10

 

9. Beweise eben dies vom Herzen oder Willen des Menschen?

Erstens: Dies ist klar aus den angeführten Sprüchen der Heiligen Schrift, denn wie kann in den geistlichen Dingen der unwiedergeborne Mensch etwas wollen, wenn er das, was jene geistlichen Dinge sind, nicht erkennt?

Zweitens: Die Heilige Schrift bezeugt klar und deutlich, dass der Wille des unwiedergebornen Menschen in göttlichen Dingen nicht nur gänzlich von Gott abgewendet, sondern auch gegen ihn gewendet, zu allem Bösen gekehrt und ganz und gar verderbt ist.

1. Mose 6,5; 8,21: Denn das Dichten und Trachten des menschlichen Herzens ist böse von Jugend auf.

Jer. 17,9: Es ist das Herz ein trotzig und verzagt Ding; wer kann es ergründen?

Röm. 8,7: Denn fleischlich gesinng sein ist Feindschaft wider Gott.

Gal. 5,17: Das Fleisch streitet wider den Geist.

Röm. 7,14: Ich aber bin fleischlich, unter die Sünde verkauft. V. 22.23: Denn ich habe Lust an Gottes Gesetz nach dem inwendigen Menschen; ich sehe aber ein ander Gesetz in meinen Gliedern, das da widerstreitet dem Gesetz in meinem Gemüte und nimmt mich gefangen in der Sünde Gesetz, welches ist in meinen Gliedern.

Konk.Formel, Ausf. Darl., Art. II, 17

 

*10. Wenn die Beschaffenheit des unwiedergebornen Menschen eine solche ist, so scheint er nicht mehr zu seiner Bekehrung zu tun als ein Stein oder Baumstamm?

Die Heilige Schrift trägt in der Tat keine Bedenken, das Herz des unwiedergebornen Menschen einem harten Sein zu vergleichen, welcher, wenn er berührt wird, nicht nachgibt, sondern widersteht; ferner einem unbehauenen Baumstamm, zuweilen auch einem ungezähmten wilden Tier; aber solche Vergleiche sind im gesunden, rechtgläubigen Verstand zu fassen. Konk. Formel, Ausf. Darl., Art. II, 19

 

*11. Welcher ist dieser gesunde Verstand?

Der Verstand ist nicht dieser, dass der Mensch nach dem Fall nicht mehr ein vernünftiges Geschöpf sei; oder dass er, ohne das göttliche Wort anzuhören und darüber nachzudenken, bekehrt werden; oder dass er in äußerlichen und bürgerlichen Dingen nichts Gutes oder Böses erkennen oder frei etwas zu tun oder unterlassen könne; sondern dass er in geistlichen und göttlichen Dingen aus eigenen Kräften nicht mehr zu seiner Bekehrung leisten könne als ein Baumstamm oder ein Stein. Ja, er ist weniger als ein Stein oder Baumstamm, welche wenigstens nicht widerstreben. Konk.Formel, Ausf. Darl., Art. II, 19.20

 

*12. Also ist dem unwiedergebornen Menschen durchaus keine Geschicklichkeit zu seiner Bekehrung zuzugestehen?

Ich unterschiede mit dem sel. Luther zwischen tätiger und leidender Geschicklichkeit oder Fähigkeit. Jene spreche ich dem unwiedergebornen oder unbekehrten Menschen schlechthin ab; diese aber (die leidende) gestehe ich ihm zu. (Konk.Formel, Ausf. Darl., Art. II, 23)

 

13. Welche Gründe hast du für diese Unterscheidung?

Weil Gott nach seinem so ernsten und gerechten Gericht die gefallenen bösen Geister in alle Ewigkeit verstoßen, nach seiner besondern Barmherzigkeit aber gewollt hat, dass die so elende Natur des gefallenen Menschen, der Bekehrung und Gnade Gottes und des ewigen Lebens wiederum fähig und teilhaftig werden sollte, nicht zwar aus eigner, natürlicher, tätiger oder wirksamer Geschicklichkeit, Geeignetheit oder Fähigkeit, sondern aus lauterer Gnade, durch die barmherzige und wirksame Tätigkeit des heiligen Geistes. So wird deshalb die leidende Fähigkeit dem unwiedergebornen Menschen ganz mit Recht zugeschrieben. Konk.Formel, Ausf. Darl., Art. II, 22

 

14. Wenn der Mensch nichts aus seinen eigenen Kräften zu seiner Bekehrung tut, wer bewirkt diese dann?

Des unwiedergebornen Menschen Bekehrung, Glaube an Christus, Wiedergeburt, Erneuerung und alles, was dazu gehört, sie wirksaym anzufangen und zu vollenden, wird in der Heiligen Schrift durchaus nicht in irgendeinem oder auch nur im geringsten Teil den menschlichen Kräften des natürlichen freien Willens zugeschrieben, sondern völlig, d.h. schlechthin der alleinigen göttlichen Wirkung und dem Heiligen Geist. (Konk.Formel, Ausf. Darl., II, 25)

 

15. Beweise dies aus der Schrift!

Phil. 2,13: Denn Gott ist’s, der da wirket beides, das Wollen und das Vollbringen, nach seinem Wohlgefallen.

Apg. 5,31: Den hat Gott durch seine rechte Hand erhöht zum Fürsten und Heiland, zu geben Israel Buße und Vergebung der Sünde.

2. Tim. 2,25.26: Strafe die Widerspenstigen, ob ihnen Gott dermaleinst Buße gäbe, die Wahrheit zu erkennen, und sie wieder nüchtern würden aus des Teufels Strick, von dem sie gefangen sind zu seinem Willen.

+Phil. 1,29: Euch ist die Gnade gegeben, an Christus zu glauben.

Eph. 2,8: Denn aus Gnaden seid ihr selig geworden durch den Glauben, und das nicht aus euch: Gottes Gabe ist es.

Joh. 6,29: Das ist Gottes Werk, dass ihr an den glaubet, den er gesandt hat.

5. Mose 29,4: Und der Herr hat euch bis auf diesen heutigen Tag noch nicht gegeben ein Herz, das verständig wäre, Augen, die da sähen, und Ohren, die da hören.

Matth. 13,14: Mit den Ohren werdet ihr hören und werdet es nicht verstehen, und mit sehenden Augen werdet ihr sehen und werdet es nicht vernehmen.

Der Heilige Geist ist der Geist der Wiedergeburt und Erneuerung:

Tit. 3,4.5: Da aber erschien die Freundlichkeit und Leutseligkeit Gottes, unsers Heilandes, nicht um der Werke willen der Gerechtigkeit, die wir getan hatten, sondern nach seiner Barmherzigkeit machte er uns selig durch das Bad der Wiedergeburt und Erneuerung des Heiligen Geistes.

*Hes. 11,19: Ich will euch ein einträchtiges Herz geben und einen neuen Geist in euch geben; und will das steinerne Herz wegnehmen aus eurem Leibe und ein fleischernes Herz geben.

*Hes. 36,26: Und ich will euch ein neues Herz und einen neuen Geist in euch geben; und will das steinerne Herz aus eurem Fleisch wegnehmen und euch ein fleischernes Herz geben.

*5. Mose 30,6: Und der Herr, dein Gott, wird dein Herz beschneiden und das Herz deines Samens, dass du den Herrn, deinen Gott, liebest von ganzem Herzen und von ganzer Seele, auf dass du leben mögest.

*Ps. 51,10: Schaffe in mir, Gott, ein reines Herz und gib mir einen neuen, gewissen Geist.

Eph. 2,10: Gott hat uns in Christus Jesus geschaffen zu guten Werken.

Jak. 1,17: All gute Gabe und alle vollkommene Gabe kommt von oben her, von dem Vater des Lichts.

Joh. 6,44: Es kann niemand zu mir kommen, es sei denn, dass ihn ziehe der Vater.

Matth. 11,27: Und niemand kennt den Sohn als nur der Vater; und niemand kennt den Vater als nur der Sohn und wem es der Sohn will offenbaren.

1. Kor. 12,3: Niemand kann Jesus einen Herrn heißen außer durch den Heiligen Geist.

Joh.15,5: Ohne mich könnt ihr nichts tun.

2. Kor. 3,5: Dass wir tüchtig sind, das ist von Gott.

1. Kor. 4,7: Was hast du, das du nicht empfangen hast? Warum rühmest du dich, als hättest du nicht empfangen? Konk.Formel, Ausf. Darl., II, 26

 

*16. Führt der Heilige Geist das Werk der Bekehrung durch Mittel oder ohne Mittel?

Durch Mittel. „Denn Gott will durch kein anderes Mittel als durch sein heiliges Wort, so man dasselbe predigen hört oder liest, und die Sakramente, gemäß seinem Wort gebraucht, die Menschen zur ewigen Seligkeit berufen, zu sich ziehen, bekehren, wiedergebären und heiligen.“ Konk.Formel, Ausf. Darl., II, 50

 

*17. Zeige dies aus der Schrift!

1. Kor. 1,21: Denn dieweil die Welt durch ihre Weisheit Gott in seiner Weisheit nicht erkannte, gefiel es Gott wohl, durch törichte Predigt zu retten, die daran glauben.

Röm. 10,17: So kommt der Glaube aus der Predigt, das Predigen aber durch das Wort Christi.

Joh. 17,20: Ich bitte aber nicht allein für sie, sondern auch für die, die durch ihr Wort an mich glauben werden.

Apg. 11,14: Der wird dir die Botschaft sagen, dadurch du selig wirst und dein ganzes Haus.

Matth. 17,5: Dies ist mein lieber Sohn, an welchem ich wohlgefallen habe, den sollt ihr hören. Konk.Formel, Ausf. Darl., II, 51

 

*18. Nun möchte ich, dass du die ganze Weise und Verfahren beschreibt, dessen sich Gott bei der Bekehrung der Menschen bedient!

„Dieweil die natürlichen Kräfte des Menschen zur wahren Bekehrung nichts tun oder helfen können (1. Kor. 2,14; 2. Kor. 3,5), so kommt Gott aus unermesslicher Güte und Barmherzigkeit uns zuvor und lässt sein heiliges Evangelium, dadurch der Heilige Geist solche Bekehrung und Erneuerung in uns wirken und ausrichten will, predigen und zündet durch die Predigt und Betrachtung seines Wortes den Glauben und andere gottselige Tugenden in den Hörenden an, so jedoch, dass es Gaben und Wirkungen des Heiligen Geistes allein sind.“ Konk.Formel, II, 71.

 

*19. Wie verhält sich denn der Wille des Menschen bei solcher Bekehrung?

Der menschliche Wille ist weder wirkende noch mitwirkende Ursache, noch auch diejenige Ursache, ohne welche die Bekehrung nicht geschehen könnte. Weshalb auch jene Lehre von den drei wirkenden, in der Bekehrung des unwiedergebornen Menschen zusammentreffenden Ursachen, welche bisher in den Schulen vorgetragen worden, mit Recht verworfen wird.

Konk. Formel, Ausf. Darl., Art. II, 90:

    Weil auch in den Schulen die Jugend de tribus causis efficientibus, concurrentibus in conversione hominis non renati, das ist, mit der Lehre von den drei bewirkenden Ursachen der Bekehrung des unwiedergebornen Menschen zu Gott, heftig irregemacht worden, welchergestalt dieselben nämlich das gepredigte und gehörte Wort Gottes, der Heilige Geist und des Menschen Wille zusammenkommen, ist abermals aus hiervor gesetzter Erklärung offenbar, dass die Bekehrung zu Gott allein Gottes des Heiligen Geistes Werk sei, welcher der rechte Meister ist, der allein solches in uns wirkt, dazu er die Predigt und das Gehör seines heiligen Wortes als sein ordentlich Mittel und Werkzeug gebraucht. Des unwiedergebornen Menschen Verstand aber und Wille ist anders nichts denn allein subiectum convertendum, das ist, der bekehrt werden soll, als eines geistlich toten Menschen Verstand und Wille, in dem der Heilige Geist die Bekehrung und Erneuerung wirkt, zu welchem Werk des Menschen Wille, so bekehrt soll werden, nichts tut, sondern lasst allein Gott in ihm wirken, bis er wiedergeboren und alsdann auch mit dem Heiligen Geist in andern nachfolgenden guten Werken wirkt, was Gott gefällig ist, aus Weise und Maß, wie droben ausführlich erklärt worden.

 

*20. Wie verhält er sich denn?

Der menschliche Wille verhält sich nur als Subjekt, das bekehrt werden soll, in welchem der Heilige Geist die Bekehrung und Erneuerung wirkt; zu welchem Werk aber der Wille des zu bekehrenden Menschen nichts beiträgt, sondern lässt Gott in ihm wirken, bis er wiedergeboren wird. (Konk.Formel, Ausf. Darl., II, 90)

 

21. Sage mir bitte zum Abschluss, wie viele und welches sind die Ursachen der Bekehrung?

Es gibt nicht mehr als zwei Ursachen: Die eine, und zwar  die ursprünglich wirkende, ist der Heilige Geist; die andere, welche das Mittel ist, ist das Wort Gottes, welches des heiligen Geistes Werkzeug ist, wodurch er die Bekehrung des Menschen bewirkt. Des unwiedergebornen Menschen Verstand aber und Wille sind nur das Subjekt, das bekehrt werden soll.

Konk.Formel, Kurze Darl., II, 19:

    Dass also vor der Bekehrung des Menschen nur zwei wirkliche [bewirkende] Ursachen sich finden, nämlich der Heilige Geist und das Wort Gottes, als das Instrument des Heiligen Geistes, dadurch er die Bekehrung wirkt, welches der Mensch hören soll, aber demselben nicht aus eigenen Kräften, sondern allein durch die Gnade und Wirkung Gottes des Heiligen Geistes Glauben geben und es annehmen kann.

 

*22. In der Bekehrung ist also der Wille vollkommen passiv?

Ja, denn ich behaupte mit dem sel. Luther, dass der Wille des Menschen sich bei der Bekehrung nur leidend verhält, was nämlich jene neuen Bewegungen betrifft, welche der Geist Gottes durch das Wort und die Sakramente in den Herzen oder dem Willen des Menschen anzündet, und so die Bekehrung wirkt. Nach der Bekehrung aber ist dieser erneuerte Wille das Werkzeug und Instrument des heiligen Geistes, dass er nicht allein die Gnade ergreife, sondern auch in nachfolgenden Übungen des Glaubens mit dem Heiligen Geist zugleich wirke. (Konk.Formel, Ausf. Darl., II, 89)

 

 

Abschnitt 10: Vom Gesetz Gottes

 

1. Wie vielfach ist das Gesetz Gottes?

Dreifach: das Zeremonial-, Gerichts- und Sittengesetz.

 

2. Was ist das Zeremonialgesetz?

Es ist die äußerliche Ordnung von den Opfern und des gesamten levitischen Gottesdienstes, durch welchen nicht allein das jüdische Volk von andern Völkern unterschieden, sondern auch Christus mit seinen Wohltaten vorgebildet und durch den Glauben den Auserwählten und Gläubigen wahrhaft angeeignet wurde.

 

+3. Wurde das Zeremonialgesetz abgeschafft; und wenn ja: warum?

Es ist jetzt abgetan:

1. Weil Gott selbst wollte, dass es nur für eine gewisse Zeit und allein für das israelitische Volk heilig sein sollte, indem er öfter im zweiten und dritten Buch Mose diese Worte wiederholt: Dies sollt ihr halten in euren Geschlechtern.

2. Weil das Zeremonialgesetz nur das Vorbild und der Schatten war auf Christus, welcher mit der Zeit geboren werden sollte. Nachdem nun dieser in das Fleisch gekommen, mussten jene Schatten und Vorbilder aufhören.

Hebr. 10,1: Denn das Gesetz hat den Schatten von den zukünftigen Gütern, nicht das Wesen der Güter selbst.

3. Weil Gott selbst einen neuen Bund verheißen hat.

Jer. 31,31: Siehe, es kommt die Zeit, spricht der Herr, da will ich mit dem Hause Israel und mit dem Hause Juda einen neuen Bund schließen.

Hebr. 8,13: Indem er sagt: Ein neues, macht er das erste alt. Was aber alt und überjahret ist, das ist nahe bei seinem Ende. (Melanchthon: Loci und Examen)

 

4. Was ist das gerichtliche oder Rechtsgesetz?

Das ist die bürgerliche Verfassung, welche die Art und Weise vorschreibt, nach welcher die öffentlichen Gerichte und die äußerliche Zucht unter dem israelitischen Volk gehalten werden sollte.

 

+5. Ist dies Gesetz auch abgetan?

Ja, und zwar:

1. Weil es ebenfalls nur für eine bestimmte Zeit und einen bestimmten Staat, den jüdischen nämlich, angeordnet war.

2. Weil der jüdische Staat nur bis auf Christus währen sollte. Daher konnte auch dieses Gesetz nicht beständig sein.

1. Mose 49,10: Es wird das Szepter von Juda nicht entwendet werden, noch ein Meister von seinen Füßen, bis dass der Held komme, und demselben werden die Völker anhangen.

3. Weil das Evangelium alle bürgerliche Ordnungen, wenn sie nur dem göttlichen Willen und der Billigkeit gemäß sind, nicht aufhebt.

Matth. 22,21: Gebt dem Kaiser, was des Kaisers ist; und Gott, was Gottes ist.

Röm. 13,1: Es ist keine Obrigkeit, außer von Gott; wo aber Obrigkeit ist, die ist von Gott verordnet.

6. Was ist das Sittengesetz oder die Zehn Gebote?

Das Sittengesetz ist die von Gott gegebene Lehre, welche vorschreibt, wie wir beschaffen sein, was wir tun und unterlassen sollen, und einen vollkommenen Gehorsam gegen Gott verlangt und verkündigt, dass Gott denen, welche den vollkommenen Gehorsam nicht leisten, zürne, und sie mit dem ewigen Tod bestrafe. (Melanchthon: Loci)

 

+7. Ist denn das Gesetz nicht von Natur bekannt? Warum also sagst du: Es ist die von Gott offenbarte Lehre?

Das göttliche Gesetz ist zwar in die Herzen der Menschen geschrieben, so dass die menschliche Vernunft auf natürliche Weise das Gesetz einigermaßen erkennt; allein, es ist eine Decke über das menschliche Herz gelegt, wie Paulus spricht, Röm. 2,14; 2. Kor. 3,13.14, das ist, es hat der falsche Wahn die Gemüter der Menschen eingenommen, als wenn äußerliche und bürgerlich-gesetzliche Werke dem Gesetz Gottes Genüge leisteten. Deshalb war eine neue Offenbarung nötig, welche durch die Bekanntmachung der Zehn Gebote vermittelst des Dienstes Moses in der Wüste geschehen ist. S. 2. Mose 20,1 ff. (Apol., IV, 7. 133; Konk.Formel, Ausf. Darl., V, 10)

Röm. 2,14.15: Denn so die Heiden, die das Gesetz nicht haben und doch von Natur tun des Gesetzes Werk, dieselben, dieweil sie das Gesetz nicht haben, sind sie sich selbst ein Gesetz damit, dass sie beweisen, des Gesetzes Werk sei beschrieben in ihrem Herzen, da ihr Gewissen sie bezeugt, dazu auch die Gedanken, die sich untereinander verklagen oder entschuldigen.

 

+8. Was fordern also die Zehn Gebote?

„Nicht allein ein äußerlich ehrbar Leben oder gute Werke, welche die Vernunft einigermaßen zu tun vermag, sondern auch etwas anderes, welches weit über alle Vernunft geht, nämlich, Gott wahrhaft zu fürchten, zu lieben, anzurufen.“ Apol. IV, 8; Konk.Formel, V

 

[8.a Was fordert Gott von dir im ersten Gebot?

    Du sollst keine anderen Götter haben neben mir.

 

8. a1 Was ist das? Antwort:

    Wir sollen Gott über alle Dinge fürchten, lieben und vertrauen.

 

8. a2 Was heißt denn: „einen Gott haben“?

    Das ist: du sollst mich allein für deinen Gott halten. Was ist das gesagt, und wie versteht man‘s? Was heißt, einen Gott haben, oder was ist Gott? Antwort: ein Gott heißt das, dazu man sich versehen soll alles Guten und Zuflucht haben in allen Nöten; also dass einen Gott haben nichts anders ist, denn ihm von Herzen trauen und glauben; wie ich oft gesagt habe, dass allein das Trauen und Glauben des Herzens beide macht, Gott und Abgott. Ist der Glaube und Vertrauen recht, so ist auch dein Gott recht; und wiederum, wo das Vertrauen falsch und unrecht ist., da ist auch der rechte Gott nicht. Denn die zwei gehören zu Haufe, Glaube und Gott. Worauf du nun (sage ich) dein Herz hängst und verlässt, das ist eigentlich dein Gott.

    Darum ist nun die Meinung dieses Gebots, dass es fordert rechten Glauben und Zuversicht des Herzens, welche den rechten einigen Gott treffe und an ihm allein hange. Und will so viel gesagt haben: siehe zu und lasse mich allein deinen Gott sein und suche ja keinen andern; das ist was dir mangelt an Gutem, des versieh dich zu mir und suche es bei mir, und wo du Unglück und Not leidest, kriech und halte dich zu mir. Ich, ich will dir genug geben und aus aller Not helfen, lass nur dein Herz an keinem andern hangen noch ruhen. (Gr. Kat., 1. Teil, 1. Gebot, 1-4)

 

8. b Was fordert Gott von dir im zweiten Gebot?

     Du sollst den Namen deines Gottes nicht unnütz führen.

 

8. b1 Was ist das? Antwort:

    Wir sollen Gott fürchten und lieben, dass wir bei seinem Namen nicht fluchen, schwören, zaubern, lügen oder trügen, sondern denselben in allen Nöten anrufen, beten, loben und danken.

 

8. b2 Was heißt denn: „Gottes Namen missbrauchen“?

    Gleichwie das erste Gebot das Herz unterweist und den Glauben gelehrt hat, also führt uns dies Gebot heraus und richtet den Mund und die Zunge gegen Gott. Denn das erste, so aus dem Herzen bricht und sich erzeigt, sind die Worte.

    Wie ich nun droben gelehrt habe zu antworten, was da heiße einen Gott haben, also musst du auch den Verstand dieses und aller Gebote lernen einfältig fassen und von dir sagen .Wenn man nun fragt: Wie verstehst du das andere Gebot, oder was heißt Gottes Namen vergeblich führen oder missbrauchen? Antworte aufs kürzeste also: Das heißt Gottes Namen missbrauchen, wenn man Gott den HERRN nennt, welcherlei Weise es geschehen mag, zur Lüge oder allerlei Untugend. Darum ist so viel geboten, dass man Gottes Namen nicht fälschlich anziehe oder in den Mund nehme, da das Herz wohl anders weiß oder je anders wissen soll; wie unter denen oft geschieht, die vor Gericht schwören, und ein Teil dem anderen lügt. Denn Gottes Namen kann man nicht höher missbrauchen, denn damit zu lügen und trügen. Das lasse das Deutsche und leichtesten Verstand dieses Gebotes bleiben. (Gr. Kat. 1.Teil, 50-52)

 

8. c Was fordert Gott von dir im dritten Gebot?

    Du sollst den Feiertag heiligen.

 

8. c1 Was ist das? Antwort:

    Wir sollen Gott fürchten und lieben, dass wir die Predigt und sein Wort nicht verachten, sondern dasselbe heilig halten, gerne hören und lernen.

 

8. c2 Was ist denn mit „Feiertag“ gemeint?

    „Feiertag“ haben wir genannt nach dem hebräischen Wörtlein Sabbat, welches eigentlich heißt „feiern“, das ist müßig stehen von der Arbeit. Daher wir pflegen zu sagen“ Feierabend machen“ oder „heiligen Abend geben.“ Nun hat Gott im Alten Testament den siebenten Tag ausgesondert und aufgesetzt zu feiern und geboten, denselben vor allen andern heilig zu halten. Und dieser äußerlichen Feier nach ist dies Gebot allein den Juden gestellt, dass sie sollten von groben Werken stillstehen und ruhen, auf dass sich beide, Mensch und Vieh, wieder erholten und nicht von steter Arbeit geschwächt würden. Wiewohl sie es hernach allzu eng spannten und gröblich missbrauchten, dass sie auch an Christo lästerten und nicht leiden konnten solche Werke, die sie doch selbst daran taten, - wie man im Evangelium liest (Matth. 12,1-3; Mark. 2,23-28; 3,2-4; Luk. 6,1-10; 13,10-17; 14,1-6; Joh. 5,9-18; 7,22-23; 9,14-16). Gerade als sollte das Gebot damit erfüllt sein, dass man gar kein äußerlich Werk täte; welches doch nicht die Meinung war, sondern lediglich die, dass sie den Feier- oder Ruhetag heiligten, wie wir hören werden.

     Darum geht nun dies Gebot nach dem groben Verstand uns Christen nichts an, denn es ein ganz äußerliches Ding ist, wie andere Satzungen des Alten Testaments, an sonderliche Weise, Person, Zeit und Stätte gebunden, welche nun durch Christum alle frei gelassen sind. Aber einen christlichen Verstand zu fassen für die Einfältigen, was Gott in diesem Gebot von uns fordert, so merke, dass wir Feiertage halten nicht um der verständigen und gelehrten Christen willen, denn diese bedürfen nirgends zu, sondern erstens auch um leiblicher Ursache und Notdurft willen, welche die Natur lehrt und fordert für den Gemeinden Haufen, Knechte und Mägde, so die ganze Woche ihrer Arbeit und Gewerbe gewartet, dass sie sich auch einen Tag einziehen, zu ruhen und erquicken. Darnach allermeist darum, dass man an solchem Ruhetage (weil man sonst nicht dazu kommen kann) Raum und Zeit nehme, Gottesdienstes zu warten; also dass man zu Haufe komme, Gottes Wort zu hören und handeln, darnach Gott loben, singen und beten.

    Solches aber (sage ich) ist nicht also an Zeit gebunden wie bei den Juden, dass es müsse eben dieser oder jener Tag sein; denn es ist keiner an sich selbst besser denn der andere: sondern sollte wohl täglich geschehen, aber weil es der Haufe nicht warten kann, muss man je zum wenigsten einen Tag in der Woche dazu ausschießen. Weil aber von alters her der Sonntag dazu gestellt ist, soll man‘s auch dabei bleiben lassen, auf dass es in einträchtiger Ordnung gehe und niemand durch unnötige Neuerung eine Unordnung mache. Also ist das die einfältige Meinung dieses Gebotes: Weil man sonst Feiertag hält, dass man solche Feier anlege, Gottes Wort zu lernen; also dass dieses Tages eigentliches Amt sei das Predigtamt um des jungen Volkes und armen Haufens willen; doch das Feiern nicht so eng gespannt, dass darum andere zufälligen Arbeit, so man nicht umgehen kann, verboten wäre.

    Deshalb wenn man fragt, was da gesagt sei: Du sollst den Feiertag heiligen? so antworte: Den Feiertag heiligen heißt soviel wie heilig halten. Was ist denn heilig halten? Nichts anders denn heilige Worte, Werke und Leben führen; denn der Tag bedarf für sich selbst keines Heiligens, denn er ist an sich selbst heilig geschaffen; Gott will aber haben, dass er dir heilig sei. Also wird er deinethalben heilig und unheilig, so du heiliges oder unheiliges Ding daran treibst. Wie geht nun solches Heiligen zu? Nicht also, dass man hinter dem Ofen sitze und keine grobe Arbeit tue oder einen Kranz aufsetze und seine besten Kleider anziehe, sondern (wie gesagt) dass man Gottes Wort handle und sich darin übe. (Gr. Kat., 1. Teil, 79-88)

 

8. d Was fordert Gott von dir im vierten Gebot?

    Du sollst deinen Vater und deine Mutter ehren, auf dass dir's wohlgehe und du lange lebest auf Erden.

 

8. d1 Was ist das? Antwort:

    Wir sollen Gott fürchten und lieben, dass wir unsere Eltern und Herren nicht verachten noch erzürnen, sondern sie in Ehren halten, ihnen dienen, gehorchen, sie lieb und wert haben.

 

8. d2 Was ist denn mit „Eltern“ gemeint?

    Diesem Vater- und Mutterstand hat Gott sonderlich den Preis gegeben vor allen Ständen, die unter ihm sind, dass er nicht schlechthin gebietet, die Eltern lieb zu haben, sondern zu ehren. Denn gegen Brüder, Schwestern und den Nächsten insgemein befiehlt er nichts Höheres, denn sie zu lieben; also dass er Vater und Mutter scheidet und auszeichnet vor allen anderen Personen auf Erden und neben sich setzt. Denn es ist ein viel höheres Ding ehren denn lieben, da es nicht allein die Liebe begreift, sondern auch eine Zucht, Demut und Scheu, als gegen eine Majestät, allda verborgen. Auch nicht allein fordert, dass man sie freundlich und mit Ehrerbietung anspreche, sondern allermeist, dass man sich beide, von Herzen und mit dem Leib, also stelle und erzeige, dass man viel von ihnen halte und - nach Gott - für die Obersten ansehe. Denn welchen man von Herzen ehren soll, den muss man wahrlich für hoch und groß achten. Also dass man dem jungen Volk einpräge, ihre Eltern an Gottes statt vor Augen zu halten und also zu denken, ob sie gleich gering, arm, gebrechlich und seltsam seien, dass sie dennoch Vater und Mutter sind, von Gott gegeben. Des Wandels oder Fehls halber sind sie der Ehren nicht beraubt. Darum ist nicht anzusehen die Person, wie sie sind, sondern Gottes Willen, der es also schafft und ordnet. Sonst sind wir zwar vor Gottes Augen alle gleich; aber unter uns kann es ohne solche Ungleichheit und ordentlichen Unterschied nicht sein. Darum sie auch von Gott geboten ist, zu halten, dass du mir als deinem Vater gehorsam seiest und ich die Oberhand habe.

   So lerne nun zum ersten, was die Ehre gegen die Eltern heiße, in diesem Gebot gefordert, nämlich dass man sie vor allen Dingen herrlich und wert halte als den höchsten Schatz auf Erden. Darnach auch mit Worten sich züchtig gegen sie stelle, nicht übel anfahre, poche noch poltere; sondern lasse sie recht haben und schweige, ob sie gleich zu viel tun. Zum dritten auch mit Werken, das ist mit Leib und Gut, solche Ehre beweise, dass man ihnen diene, helfe und versorge, wenn sie alt, krank, gebrechlich oder arm sind, und solches alles nicht allein gern, sondern mit Demut und Ehrerbietung, als vor Gott getan. Denn wer das weiß, wie er sie im Herzen halten soll, wird sie nicht lassen Not noch Hunger leiden, sondern über und neben sich setzen und mitteilen, was er hat und vermag. (Gr. Kat., 1. Teil, 105-111)

    In dieses Gebot gehört auch weiter zu sagen von allerlei Gehorsam gegen Oberpersonen, die zu gebieten und zu regieren haben. Denn aus der Eltern Obrigkeit fließt und breitet sich aus alle andere. (Gr. Kat., 1. Teil, 141)

8. e Was fordert Gott von dir im fünften Gebot?

    Du sollst nicht töten.

 

8. e1 Was ist das? Antwort:

    Wir sollen Gott fürchten und lieben, dass wir unserm Nächsten an seinem Leibe keinen Schaden noch Leid tun, sondern ihm helfen und fördern in allen Leibesnöten.

 

8. e2 Was heißt das für dein Verhalten gegenüber deinem Nächsten?

    Wir haben nun ausgerichtet beide, geistliches und weltliches Regiment, das ist göttliche und väterliche Obrigkeit und Gehorsam. Hier aber gehen wir nun aus unserm Haus unter die Nachbarn, zu lernen, wie wir untereinander leben sollen, ein jeglicher für sich selbst, gegen seinen Nächsten. Darum ist in diesem Gebote nicht eingezogen Gott und die Obrigkeit, noch die Macht genommen, so sie haben zu töten. Denn Gott sein Recht, Übeltäter zu strafen, der Obrigkeit an der Eltern statt befohlen hat, welche vorzeiten (als man in Mose liest) ihre Kinder selbst mussten vor Gericht stellen und zum Tode urteilen. Deshalb, was hier verboten ist, ist einem gegen den andern verboten und nicht der Obrigkeit.

    Dies Gebot ist nun leicht genug und oft behandelt, weil man‘s jährlich im Evangelium hört, Mattth 5,21, da es Christus selbst auslegt und in eine Summa fasst, nämlich dass man nicht töten soll weder mit Hand, Herzen, Mund, Zeichen, Gebärden noch Hilfe und Rat. Darum ist darin jedermann verboten zu zürnen, ausgenommen (wie gesagt) die an Gottes Statt sitzen, das ist, Eltern und Obrigkeit. Denn Gott und was in göttlichem Stand ist gebührt zu zürnen, schelten und strafen, eben um derer willen, so dies und andere Gebote übertreten. (Gr. Kat., 1. Teil, 180-182)

 

8. e3 Was heißt denn „nicht töten“?

    So steht nun dies Gebot darauf, dass man niemand ein Leid tue um irgendeines bösen Stückes willen, ob ers gleich höchlich verdient. Denn wo Totschlag verboten ist, da ist auch alle Ursache verboten, daher Totschlag entspringen mag. Denn mancher, ob er nicht tötet, so flucht er doch und wünscht, dass, wer es sollte am Hals haben, würde nicht weit laufen. Weil nun solches jedermann von Natur anhängt und im Gemeinden Brauch ist, dass keiner vom andern leiden will, so will Gott die Wurzel und Ursprung wegräumen, durch welche das Herz wider den Nächsten erbittert wird, und uns gewöhnen, dass wir allezeit dies Gebot vor Augen haben und uns darin spiegeln, Gottes Willen ansehen und ihm das Unrecht, so wir leiden, befehlen mit herzlichem Vertrauen und Anrufen seines Namens und also jene feindlich scharren und zürnen lassen, dass sie tun, was sie könnten. Also dass ein Mensch lerne den Zorn stillen und ein geduldiges, sanftes Herz tragen, sonderlich gegen die, die ihm Ursache zu zürnen geben, das ist gegen die Feinde.

    Darum ist die ganze Summa davon (den Einfältigen aufs deutlichste einzuprägen, was da heiße nicht töten): zum ersten, dass man niemand Leid tue erstens mit der Hand oder Tat, darnach die Zunge nicht brauchen lasse, dazu zu reden oder raten; über das keinerlei Mittel oder Weise gebrauche noch bewillige, dadurch jemand könnte beleidigt werden, und endlich, dass das Herz niemand feind sei noch aus Zorn und Hass Böses gönne; also dass Leib und Seele unschuldig sei an jedermann, eigentlich aber an dem, der dir Böses wünscht oder zufügt. Denn dem, der dir Gutes gönnt und tut, Böses tun, ist nicht menschlich, sondern teuflisch. (Gr. Kat., 1. Teil, 186-188)

 

8. e4 Was ist in dieses Gebot auch eingeschlossen?

    Dieses Gebot verbietet damit auch die Tötung der Leibesfrucht (Abtreibung), ausgenommen bei akuter Gefahr für das Leben der Mutter, denn Leibesfrucht ist ein Geschenk Gottes (Ps. 127,3); die aktive oder passive Beihilfe zum Selbstmord, also die Euthanasie und auch die sogenannte „verbrauchende Embryonenforschung“ und die künstliche Befruchtung, wenn nicht alle befruchteten Eizellen eingesetzt werden. Unsere Pflicht als Christen aus der Nächstenliebe gebietet uns aber, nicht nur diese Dinge zu verwerfen, sondern auch den Müttern in ihrer Bedrängnis wie auch den kranken und alten Menschen beizustehen.

 

8. f Was fordert Gott von dir im sechsten Gebot?

    Du sollst nicht ehebrechen.

 

8. f1 Was ist das? Antwort:

    Wir sollen Gott fürchten und lieben, dass wir keusch und züchtig leben in Worten und Werken und ein jeglicher sein Gemahl liebe und ehre.

 

8. f2 Warum ist dieses Gebot so nötig?

    Diese Gebote sind nun an sich selbst leicht zu verstehen aus dem nächsten, denn sie gehen alle dahin, dass man sich hüte vor allerlei Schaden des Nächsten; sind aber fein ordentlich gestellt. Zum ersten auf seine eigene Person; danach fortgefahren auf die nächste Person oder das nächste Gut nach seinem Leibe, nämlich sein eheliches Gemahl, welches mit ihm ein Fleisch und Blut ist, also dass man ihm an keinem Gut höheren Schaden tun kann. Darum auch deutlich hier ausgedrückt wird, dass man ihm keine Schande zufügen soll an seiner Ehefrau. Und lautet eigentlich auf den Ehebruch, darum dass im jüdischen Volk so geordnet und geboten war, dass jedermann musste ehelich erfunden werden, darum auch die Jugend aufs zeitlichste beraten ward, also dass Jungfrauenstand nichts galt, auch kein öffentliches Huren- und Bubenleben (wie jetzt) gestattet ward. Darum ist der Ehebruch die gemeinste Unkeuschheit bei ihm gewesen.

    Weil aber bei uns ein solches schändliches Gemenge und Grundsuppe aller Untugend und Büberei ist, ist dies Gebot auch wider alle Unkeuschheit gestellt, wie man sie nennen mag, und nicht allein äußerlich die Tat verboten, sondern auch allerlei Ursache, Reizung und Mittel; also dass Herz, Mund und der ganze Leib keusch sei, keinen Raum, Hilfe noch Rat zur Unkeuschheit gebe, und nicht allein das, sondern auch wehre, schütze und rette, wo die Gefahr und Not ist, und wiederum helfe und rate, dass sein Nächster bei Ehren bleibe. Denn wo du solches nachlässt, so du könntest dafür sein, oder durch die Finger siehst, als ging dich‘s nicht an, bist du eben sowohl schuldig als der Täter selbst. Also ist, aufs kurze zu fassen, so viel gefordert, dass ein jeglicher beide für sich selbst keusch lebe und dem Nächsten auch dazu helfe; also dass Gott durch dies Gebot eines jeglichen ehelich Gemahl will umschränkt und bewahrt haben, dass sich niemand daran vergreife. (Gr. Kat., 1. Teil, 200-205)

 

8. f3 Was ist denn die Ehe?

    Die Ehe ist die von Gott gestiftete, durch rechtmäßiges öffentliches Ehegelöbnis geschlossene lebenslange Verbindung eines Mannes und einer Frau zu einem Fleisch. (nach dem Schwan’schen Katechismus) Eine ähnliche Verbindung anderer Personen miteinander, etwa von Mann mit Mann oder Frau mit Frau, ist nicht die von Gott gestiftete Ehe, vielmehr Gott ein Greuel, vgl. Röm. 1,24-32.

 

8. g Was fordert Gott von dir im siebten Gebot?

    Du sollst nicht stehlen.

 

8. g1 Was ist das? Antwort:

    Wir sollen Gott fürchten und lieben, dass wir unsers Nächsten Geld oder Gut nicht nehmen noch mit falscher Ware oder Handel an uns bringen, sondern ihm sein Gut und Nahrung helfen bessern und behüten.

 

8. g2 Was heißt denn „stehlen“?

    Nach deiner Person und ehelichem Gemahl ist zeitlich Gut das nächste; das will Gott auch verwahrt haben und geboten, dass niemand dem Nächsten das Seine abbreche noch verkürze. Denn stehlen heißt nicht anders denn eines andern Gut mit Unrecht zu sich bringen, damit kürzlich begriffen ist allerlei Vorteil mit des Nächsten Nachteil in allerlei Händeln. Das ist nun gar ein weitläufiges, allgemeines Laster, aber so wenig geachtet und wahrgenommen, dass es über die Maßen ist, also dass, wo man sie alle an Galgen hängen sollte, was Diebe sind und doch nicht heißen wollen, sollte die Welt bald wüst werden und beide, an Henkern und Galgen, gebrechen. Denn es soll (wie jetzt gesagt) nicht allein gestohlen heißen, dass man Kasten und Taschen räumt, sondern um sich greifen auf dem Markt, in allen Kauf- und Fleischerläden, Wein- und Bierkellern, Werkstätten und kürzlich, wo man hantiert, Geld um Ware oder Arbeit nimmt und gibt.

    Zum Beispiel nämlich, dass wir‘s für den Gemeinden Haufen ein wenig grob ausstreichen, dass man doch sehe, wie fromm wir sind; wenn ein Knecht oder Magd im Haus nicht treulich dient und Schaden tut oder geschehen lässt, den sie wohl abwehren könnte, oder sonst ihr Gut verwahrlost und versäumt aus Faulheit, Unfleiß oder Bosheit, zu Trotz und Verdruss Herrn und Frauen, und wie solches mutwillig geschehen kann (denn ich rede nicht von dem, das versehen und ungern getan ist): da kannst du ein Jahr dreißig oder vierzig Gulden und mehr entwenden, welches, so ein anderer heimlich genommen oder weggetragen hätte, müsste er am Strick erwürgen, aber hier darfst du noch trotzen und pochen, und darf dich niemand einen Dieb heißen. Desgleichen rede ich auch von Handwerksleuten, Arbeitern, Tagelöhnern, die ihren Mutwillen brauchen und nicht wissen, wie sie die Leute übersetzen sollen, und doch lässig und untreu in der Arbeit sind. Diese alle sind weit über die heimlichen Diebe, vor denen man Schloss und Riegel legen kann, oder wo man sie begreift, also mitfährt, dass sie es nicht mehr tun. Vor diesen aber kann sich niemand hüten, darf sie auch niemand sauer ansehen oder eines Diebstahls zeihen, dass einer zehnmal lieber aus dem Beutel verlieren sollte. Denn da sind meine Nachbarn, gute Freunde, mein eigenes Gesinde, dazu ich mich Gutes versehe, die mich am allerersten berücken.

    Also auch fort auf dem Markt und Gemeinden Händeln geht es mit voller Macht und Gewalt, da einer den anderen öffentlich mit falscher Ware, Maß, Gewicht, Münze betrügt und mit Behändigkeit und seltsamen Finanzen oder geschwinden Ränken übervorteilt, weiter mit dem Kauf übersetzt und nach seinem Mutwillen beschwert, schindet und plagt. (Gr. Kat., 1. Teil, 223-227)

    Das sei genug davon gesagt, was stehlen heiße, dass man‘s nicht so enge spanne, sondern gehen lasse so weit, wie wir mit dem Nächsten zu tun haben. Und kurz in eine Summa, wie in der vorigen, zu fassen, ist dadurch verboten: erstens dem Nächsten Schaden und Unrecht zu tun (wie mancherlei Weise zu erdenken sind), Habe und Gut abzubrechen, verhindern und vorzuenthalten, auch solches nicht bewilligen noch gestatten, sondern wehren, zuvorkommend und wiederum geboten, sein Gut fördern, bessern und, wo er Not leidet, helfen, mitteilen, vorstrecken beiden, Freunden und Feinden.

    Wer nun gute Werke sucht und begehrt, wird hier übrig genug finden, die Gott von Herzen angenehm und gefällig sind, dazu mit trefflichem Segen begnadet und überschüttet, dass es reichlich soll vergolten werden, was wir unserm Nächsten zu Nutz und Freundschaft tun; wie auch der König Salomo lehrt Spr. 19,17: Wer sich des Armen erbarmt, der leiht dem HERRN, der wird ihm wiedervergelten seinen Lohn. Da hast du einen reichen Herrn, der dir gewiss genug ist und nichts wird gebrechen noch mangeln lassen, so kannst du mit fröhlichem Gewissen hundertmal mehr genießen, als du mit Untreu und Unrecht zusammenscharrst. Wer nun den Segen nicht mag, der wird Zorn und Unglück genug finden. (Gr. Kat., 1. Teil, 250-253)

 

8. h Was fordert Gott von dir im achten Gebot?

    Du sollst nicht falsches Zeugnis reden gegen deinen Nächsten.

 

8. h1 Was ist das? Antwort:

    Wir sollen Gott fürchten und lieben, dass wir unsern Nächsten nicht fälschlich belügen, verraten, nachreden oder bösen Leumund machen, sondern sollen ihn entschuldigen, Gutes von ihm reden und alles zum Besten kehren.

 

8. h2 Was will also Gott von dir in diesem Gebot?

    Also haben wir nun die Summa und allgemeinen Verstand von diesem Gebote, dass niemand seinem Nächsten, beide, Freund und Feind, mit der Zunge schädlich sein noch Böses von ihm reden soll, Gott gebe, es sei wahr oder erlogen, so nicht aus Befehl oder zu Besserung geschieht; sondern seine Zunge brauchen und dienen lassen, von jedermann das Beste zu reden, seine Sünde und Gebrechen zu decken, entschuldigen und mit seiner Ehre beschönigen und schmecken. Ursache soll sein allermeist diese, so Christus im Evangelium anzieht und damit alle Gebote gegen den Nächsten will gefasst haben: Alles, was ihr wollt, das euch die Leute tun sollen, das tut ihr ihnen auch. (Gr. Kat., 1. Teil, 285-286)

 

8. i Was fordert Gott von dir im neunten und zehnten Gebot?

    (9. Gebot)   Du sollst nicht begehren deines Nächsten Haus.

 

8. i1 Was ist das? Antwort:

    Wir sollen Gott fürchten und lieben, dass wir unserm Nächsten nicht mit List nach seinem Erbe oder Hause stehen noch mit einem Schein des Rechts an uns bringen, sondern ihm dasselbe zu behalten förderlich und dienstlich sein.

 

    (10. Gebot) Du sollst nicht begehren deines Nächsten Frau, Knecht, Magd, Vieh oder alles, was sein ist.

 

8. i2 Was ist das? Antwort:

Wir sollen Gott fürchten und lieben, dass wir unserm Nächsten nicht seine Frau, Mitarbeiter oder Vieh abspannen, abdringen oder abwendig machen, sondern dieselben anhalten, dass sie bleiben und tun, was sie schuldig sind.

 

8. i3 Worum geht es Gott in diesen beiden Geboten?

    Also lassen wir diese Gebote bleiben in dem allgemeinenVerstand, dass vornehmlich geboten sei, dass man des Nächsten Schaden nicht begehre, auch nicht dazu helfe noch Ursache gebe, sondern ihm gönne und lasse, was er hat, dazu fördere und erhalte, was ihm zu Nutz und Dienst geschehen mag, wie wir wollten uns getan haben; also dass es sonderlich wider die Abgunst und den leidigen Geiz gestellt sei, auf dass Gott die Ursache und Wurzel aus dem Wege räume, daher alles entspringt, dadurch man dem Nächsten Schaden tut. Darum er‘s auch deutlich mit den Worten setzt: du sollst nicht begehren usw. Denn er will vornehmlich das Herz rein haben, wiewohl wir‘s, so lange wir hier leben, nicht dahin bringen können, also dass dies wohl ein Gebot bleibt, wie die andern alle, das uns ohne Unterlass beschuldigt und anzeigt, wie fromm wir vor Gott sind. (Gr. Kat., 1. Teil, 309-310)

 

8. j Was sagt nun Gott von all diesen Geboten?

    Er sagt also: Ich, der HERR, dein Gott, bin ein starker, eifriger Gott, der  über die, so mich hassen, die Sünde der Väter heimsucht an den Kindern bis ins dritte und vierte Glied; aber denen, so mich lieben und meine Gebote halten, tue ich wohl in tausend Glied.

 

8. j1 Was ist das? Antwort:

    Gott droht zu strafen alle, die diese Gebote übertreten; darum sollen wir uns fürchten vor seinem Zorn und nicht gegen solche Gebote tun. Er verheißt aber Gnade und alles Gute allen, die solche Gebote halten; darum sollen wir ihn auch lieben und vertrauen und gerne tun nach seinen Geboten.

 

8. j2 Wie hängen diese Gebote alle am ersten Gebot?

    Das ist auch eben der Sinn und die rechte Auslegung des ersten und vornehmsten Gebotes, daraus alle anderen quellen und gehen sollen; also dass dies Wort „du sollst nicht andere Götter haben“ nichts anderes aufs einfältigste will gesagt haben, denn so viel hier gefordert: Du sollst mich als deinen einigen rechten Gott fürchten, lieben und mir vertrauen. Denn wo ein solches Herz gegen Gott ist, das hat dieses und alle andere erfüllt; wiederum wer etwas andres im Himmel und auf Erden fürchtet und liebt, der wird weder dieses noch keines halten. Also hat die ganze Schrift überall dies Gebot gepredigt und getrieben, alles auf die zwei Stücke, Gottesfurcht und Vertrauen, gerichtet, und vornehmlich der Prophet David im Psalter durch und durch, als da er spricht: der HERR hat Gefallen an denen, die ihn fürchten und auf seine Güte warten, als wäre das ganze Gebot mit einem Vers ausgestrichen und ebensoviel gesagt: der HERR hat Gefallen an denen, die keine andere Götter haben.

    Also soll nun das erste Gebot leuchten und seinen Glanz geben in die andern alle. Darum musst du auch dies Stück lassen gehen durch alle Gebote, als die Schale oder Bügel im Kranz das Ende und Anfang zu Haufe füge und alle zusammen halte, auf dass man‘s immer wiederhole und nicht vergesse. (Gr. Kat., 1. Teil, 324-326)]

 

9. Welches ist der Nutzen des Sittengesetzes und wie vielfach ist er?

Der Nutzen des göttlichen Gesetzes ist im Allgemeinen ein dreifacher. Erstens, sofern es angewendet wird auf die bürgerliche Ordnung, damit die äußerliche Zucht und Ehrbarkeit gegen wilde und ungezogene Menschen einigermaßen erhalten werde. Zweitens, sofern es zur Erziehung gebraucht wird, damit die Sünder zur Erkenntnis der Sünden gebracht werden. Drittens wird es zur Unterweisung gebraucht, damit die, welche durch den Geist Gottes wiedergeboren und zu dem Herrn bekehrt sind, und denen schon die Decke Moses genommen ist, daraus belehrt werden, wie sie in wahrer Gottesfurcht wandeln und damit eine gewisse, sichere Regel haben, nach welcher sie ihr ganzes Leben einrichten können und sollen. Konk.Formel, Kurze Darl., VI, 1; Ausf. Darl., VI, 1

 

*10. Was bedürfen die Wiedergeborenen das Gesetz, da sie frei sind, und so, wie die Sonne, ohne fremden Antrieb, freiwillig, durch den Trieb des Heiligen Geistes tun, was Gott von ihnen fordert?

Obwohl die, welche gläubig und wahrhaft zu Gott bekehrt und gerechtfertigt, frei sind von dem Fluch des Gesetzes, und in dieser Rücksicht wahrhaft Freie sind und genannt werden; so müssen sie sich dennoch täglich im Gesetz des Herrn üben, Ps. 1,2.

Ps. 1,2: Er hat Lust zum Gesetz des Herrn und redet von seinem Gesetz Tag und Nacht.

Denn das Gesetz Gottes ist wie der klarste Spiegel, in welchem der Wille Gottes und das, was ihm wohlgefällt, deutlich vor unsere Augen gelegt wird. (Konk.Formel, Kurze Darl., VI, 2); Ausf. Darl. VI, 4)

 

*11. Aber dem Gerechten ist doch eigentlich kein Gesetz gegeben? 1. Tim. 1,9

Zwar ist nicht dem Gerechten, aber dem Ungerechten das Gesetz gegeben, wie der Apostel bezeugt: Doch darf man dies nicht schlechthin so verstehen, als wenn dem Gerechten ohne Gesetz zu leben erlaubt sei. Vielmehr ist dies der wahre und rechte Verstand der Worte Pauli: Dass das Gesetz die, welche durch Christus mit Gott versöhnt sind durch seinen Fluch nicht verderben; und dass es den Wiedergebornen durch seinen Zwang nicht beschwerlich sein kann, sofern sie nach dem inwendigen Menschen am Gesetz Gottes Wohlgefallen haben und freiwillig tun, was es verlangt. Konk.Formel, VI, 5

 

*12. Aber warum haben die Wiedergebornen den Dienst des Gesetzes nötig?

Weil die Erneuerung und Heiligung ihres Gemüts in diesem Leben nur angefangen, nicht vollendet wird, so dass der alte Adam ihrer Natur und allen ihren inneren und äußeren Kräften beständig anhängt. (Konk. Formel, Ausf. Darl., VI, 7)

 

*13. Beweise dies aus der Heiligen Schrift!

Also spricht der göttliche Apostel von sich selbst, als Wiedergebornen: Ich weiß, dass in mir, das ist, in meinem Fleisch, wohnet nichts Gutes: Wollen habe ich wohl, aber vollbringen das Gute finde ich nicht. Denn das Gute, das ich will, das tue ich nicht; aber das Böse, das ich nicht will, das tue ich. ... So sehe ich nun ein anderes Gesetz in meinem Gliedern, das da streitet gegen das Gesetz in meinem Geist und mich gefangen nimmt unter das Gesetz der Sünde. Röm. 7,18.19.23.

So auch in Gal. 5,17: Denn das Fleisch streitet wider den Geist und der Geist wider das Fleisch; dieselben sind gegeneinander, dass ihr nicht tut, was ihr wollt.

Deshalb bedürfen die Wiedergebornen nicht nur der beständigen Erinnerung, Lehre und Drohung des Gesetzes, sondern auch seiner Züchtigungen, damit jener Alte aus ihnen herausgetrieben werde und sie dem Heiligen Geist gehorchen, wie geschrieben steht: Es ist gut für mich, dass du mich gedemütigt hast, damit ich deine Gebote lerne. Ps. 119,71.

Ebenso 1. Kor. 9,27: Ich züchtige meinen Leib und zähme ihn, damit ich nicht den andern predige und selbst verwerflich werde. So auch Hebr. 12,8: Seid ihr aber ohne Züchtigung, welche sie alle erfahren haben, so seid ihr Ausgestoßene und nicht Kinder. (Konk.Formel, Ausf. Darl., VIII, 9)

 

*14. Ist noch eine andere Ursache, um welcher willen das Gesetz in der Kirche und bei den Wiedergebornen muss getrieben werden?

Ja freilich; denn es kann leicht geschehen, dass auch die Wiedergebornen, wegen des alten Adams, welcher noch in allen ihren Kräften drinnen ist, unter dem Vorgeben einer besondern Demut, religiöse Werke erdichten und Gottesverehrung erwählen, die im Worte Gottes nicht geboten sind; oder dass sie sich einbilden und überreden, dass ihr Leben und Ihre Werke ganz rein und vollkommen seien. Deshalb hält das Gesetz nicht nur durch Erinnerungen und Drohungen, sondern auch durch Strafen und Plagen den alten Adam in Schranken, dass er dem Geist gehorche und sich ihm gefangen gebe. Ja, gleich wie in einem Spiegel, zeigt es, dass bei den Wiedergebornen in diesem Leben alles noch unvollkommen und unrein sei; so dass sie mit dem Apostel bekennen müssen: „Ich bin mir nichts bewusst; aber dadurch bin ich nicht gerechtfertigt.“ 1. Kor. 4,4. (Konk. Formel, Kurze Darl., VI, 4; Ausf. Darl., VI, 21)

 

*15. Aber leistet denn das nicht das Evangelium an den Wiedergeborenen?

Zwar tut das Evangelium in diesem Stück sehr viel, aber in ganz anderer Weise als das Gesetz. Denn das Gesetz schärft zwar ein, es sei Gottes Wille und Befehl, dass wir in einem neuen Leben wandeln; allein Kräfte und Vermögen gibt es nicht, mit welchen wir den neuen Gehorsam anfangen und leisten könnten. Aber der Heilige Geist, welcher nicht durch die Predigt des Gesetzes, sondern durch die des Evangeliums gegeben und empfangen wird, der erneuert das Herz des Menschen. Konk.Formel, Ausf. Darl. VI, 11

 

*16. Vollbringt der Heilige Geist dies durch mittelbar oder unmittelbar?

Mittelbar; „denn er gebraucht das Gesetz dazu, dass er aus demselben die Wiedergebornen lehrt, und in den zehn Geboten ihnen zeigt und weist, welches da sei der wohlgefällige Wille Gottes (Röm 12,2), „in welchen guten Werken sie wandeln sollen, welche Gott zuvor bereitet hat.“ Eph. 2,10. Konk. Formel, Ausf. Darl., VI, 12

 

*17. Also unterscheiden sich die Werke des Gesetzes und die Werke des Heiligen Geistes?

Gar sehr. Dieser Unterschied aber rührt her aus der Verschiedenheit der Menschen, welche nach dem Gesetz und dem Willen Gottes zu leben sich bemühen, von denen einige unwiedergeboren, andere wiedergeboren sind. (Konk.Formel, Kurze Darl., VI, 7); Ausf. Darl. VI, 16

 

*18. Wie verhalten sich zu dem Gesetz Gottes die Werke der Unwiedergebornen?

Der unwiedergeborne Mensch, welcher einigermaßen nach dem Gesetz Gottes lebt und des Gesetzes Werke deshalb tut, weil sie auf diese Weise befohlen sind, und welcher solchen Gehorsam entweder aus Furcht vor der Strafe oder Hoffnung einiger Belohnung leistet, dieser ist noch unter dem Gesetz, wie ein Sklave, und seine Werke sind es eigentlich, welche Paulus Gesetzeswerke nennt. Konk.Formel, Ausf. Darl., VI, 16.

 

*19. Wie verhalten sich der Wiedergebornen Werke zu dem Gesetz Gottes?

Wenn der Mensch durch den Heiligen Geist wiedergeboren und von dem Gesetz, das ist von dem Zwang des Gesetzes, befreit ist und schon im Geist Gottes handelt, dann lebt er nach dem unwandelbaren Willen Gottes, der im Gesetz offenbart ist und tut, sofern er wiedergeboren ist, alles mit freiem und willigem Geist. Und solche Werke dürfen eigentlich nicht Gesetzeswerke genannt werden, sondern Werke und Früchte des Geistes. Denn diese Menschen sind ferner nicht mehr unter dem Gesetz, sondern unter der Gnade. Röm. 6,14. Konk.Formel, Ausf. Darl. VI, 17

 

+20. Kann denn das Sittengesetz von den Wiedergebornen beobachtet oder erfüllt und so der Mensch gerechtfertigt werden?

Er kann es nicht; was ja aus dem schon Gesagten aufs klarste hervorgeht. Denn auch die guten Werke der Wiedergebornen sind in diesem Leben, wegen der im Fleische klebenden Sünde, unvollkommen und unrein. Und ob sie gleich nach dem inwendigen Menschen tun, was Gott wohlgefällt, so müssen sie doch beständig und unablässig mit dem alten Adam kämpfen, welcher wie ein wilder und hartnäckiger Esel immerzu gegen den Geist gelüstet; und deshalb nicht nur durch die Lehre, Ermahnungen und Drohungen des Gesetzes, sondern auch durch seine Plagen und Strafen muss gezähmt werden, so dass viel daran fehlt, dass er könne das Gesetz halten oder erfüllen. (Konk.Formel, Ausf. Darl., VI, 23)

 

*21. Auf wie viele Weisen hat Christus das Sittengesetz erfüllt?

Auf viererlei Weisen vorzüglich: 1. Indem er den wahren Sinn des Gesetzes erklärt hat. Matth. 5.

2. Indem er ihm vollkommenen Gehorsam geleistet hat.

Röm. 5,19: Durch des Einen Ungehorsam sind die vielen zu Sündern geworden; aber durch des Einen Gehorsam werden die vielen gerecht.

3. Indem er den Fluch des Gesetzes auf sich genommen hat.

Gal. 3,13: Christus hat uns vom Fluch des Gesetzes erlöst, indem er ward ein Fluch für uns.

4. Indem er uns seine eigene Gerechtigkeit und seinen dem Gesetz geleisteten Gehorsam schenkt.

2. Kor. 5,21: Denn er hat den, der von keiner Sünde wusste, für uns zur Sünde gemacht, damit wir würden in ihm die Gerechtigkeit, die vor Gott gilt.

 

 

Abschnitt 11: Vom Evangelium

 

1. Was ist das Evangelium?

Das Evangelium ist die von Gott offenbarte Lehre, welche voll ist von Trost wegen der Barmherzigkeit Gottes und der Vergebung der Sünden aus Gnaden durch und wegen des Verdienstes Christi, sobald es der Glaube ergreift.

Konk. Formel, Kurze Darl., Art. V,5:

    Das Evangelium aber sei eigentlich eine solche Lehre, die da lehrt, was der Mensch glauben soll, der das Gesetz nicht gehalten hat und durch dasselbe verdammt [wird], nämlich das Christus alle Sünden gebüßt und bezahlt und ihm ohne alle sein Verdienst erlangt und erworben habe Vergebung der Sünden, Gerechtigkeit, die vor Gott gilt, und das ewige Leben.

 

Konk. Formel, Kurze Darl., Art. V, 7:

    Wenn aber das Gesetz und Evangelium, wie auch Moses selbst [als] ein Gesetzeslehrer, und Christus als ein Prediger des Evangeliums gegeneinander gehalten [werden], glauben, lehren und bekennen wir, dass das Evangelium nicht eine Buß= oder Strafpredigt, sondern eigentlich anderes nichts denn eine Trostpredigt und fröhliche Botschaft sei, die nicht straft noch schreckt, sondern wider das Schrecken des Gesetzes die Gewissen tröstet, allein aus das Verdienst Christi weist und mit der lieblichen Predigt von der Gnade und Huld Gottes, durch Christus’ Verdienst erlangt, wieder aufrichtet.

 

Konk. Formel, Ausf. Darl., Art. V, 20.21:

    Das Evangelium aber ist eigentlich eine Lehre (nachdem der Mensch das Gesetz Gottes nicht gehalten, sondern dasselbe übertreten, darwider seine verderbte Natur, Gedanken, Worte und Werke streiten, und [er] der Ursachen dem Zorn Gottes, dem Tod, allen zeitlichen Plagen und der Strafe des höllischen Feuers unterworfen [ist]), die da lehrt, was der Mensch Glauben solle, dass er bei Gott die Vergebung der Sünden erlange, nämlich, dass der Sohn Gottes, unser Her Christus, den Fluch des Gesetzes auf sich genommen und getragen, alle unsere Sünden gebüßt und bezahlt [hat], durch welchen allein wir bei Gott wieder zu Gnaden kommen, Vergebung der Sünden durch den Glauben erlangen, aus dem Tod und allen Strafen der Sünden erledigt und ewig selig werden.

    Denn alles, was tröstet, die Huld und Gnade Gottes den Übertretern des Gesetzes anbietet, ist und heißt eigentlich das Evangelium, eine gute und fröhliche Botschaft, dass Gott die Sünde nicht strafen, sondern um Christus’ willen vergeben wolle.

 

+2. Da mehrere Unterscheidungspunkte zwischen dem Gesetz und dem Evangelium sind, bitte ich, dass du sie der Reihe nach nennst!

Erstens. Unterscheiden sie sich durch die Erkenntnis (die art und Weise, wie sie bekannt werden). Denn das Gesetz ist von Natur bekannt, sofern nämlich einige Erkenntnis desselben von Gott dem menschlichen Versand eingepflanzt und eingegraben ist.

Röm. 2,14.15: Denn so die Heiden, die das Gesetz nicht haben, und doch von Natur tun des Gesetzes Werk, dieselben, weil sie das Gesetz nicht haben, sind sie sich selbst ein Gesetz, damit, dass sie beweisen, es Gesetzes Werk sei beschrieben in ihrem Herzen, da ihr Gewissen sie bezeugt, dazu auch die Gedanken, die sich untereinander verklagen oder entschuldigen.

Das Evangelium aber ist ein Geheimnis, das von der Welt her verborgen gewesen ist.

    Röm. 16,25.26: Dem aber, der euch stärken kann laut meines Evangeliums und Predigt von  Jesu Christo, durch welche das Geheimnis offenbaret ist, das von der  Welt her verschwiegen gewesen ist, nun aber offenbaret, auch kundgemacht durch der Propheten Schriften aus  Befehl des ewigen Gottes, den Gehorsam des Glaubens aufzurichten unter  allen Heiden.

 

+3. Was ist der andere Unterschied zwischen dem Gesetz und dem Evangelium?

Zweitens. Sie unterscheiden sie sich durch den Inhalt. Denn das Gesetz hat es mit Geboten zu tun und lehrt, wie wir sein, was wir tun und was wir unterlassen sollen. 5. Mose 6,5.

Das Evangelium aber geht mit lauter Verheißungen der Gnade um.

Joh. 3,16.17: Also hat Gott die Welt geliebt, dass er seinen eingebornen Sohn gab, damit alle, die an ihn glauben, nicht verloren werden, sondern das ewige Leben haben. Denn Gott hat seinen Sohn nicht gesandt in die Welt, dass er die Welt richte, sondern dass die Welt durch ihn gerettet werde.

 

+4. Zeige den dritten Unterschied zwischen dem Gesetz und dem Evangelium!

Drittens. Sie unterscheiden sich durch die  Form der Verheißungen. Denn die Verheißungen des Gesetzes vergelten nach Verdienst, wo zwischen Arbeit und Lohn ein gerechtes Verhältnis ist.

Aber die Verheißungen des Evangeliums sind eitel Gnade; so dass auf unsere Werke nicht im geringsten Rücksicht genommen wird.

Röm. 4,4.5: Dem aber, der mit Werken umgehet, wird der Lohn nicht aus Gnade zugerechnet, sondern aus Pflicht. Dem aber, der nicht mit Werken umgehet, glaubet aber an den, der die Gottlosen gerecht macht, dem wird sein Glauben gerechnet zur Gerechtigkeit. (Melanchthon: Loci)

 

+5. Zeige den vierten Unterschied!

Viertens. Sie unterscheiden sich durch den Gegenstand. Denn das Gesetz bezieht sich auf sichere, freche, epikurische, heuchlerische Menschen, wie auch auf den alten Adam, sofern er noch in den Wiedergebornen die Herrschaft erstrebt.

1. Tim. 1,9.10: Und weiß solches, dass dem Gerechten kein Gesetz gegeben ist, sondern den Ungerechten undUngehorsamen, den Gottlosen und Sündern, den Unheiligen und Ungeistlichen, den Vatermördern und Muttermördern, den Totschlägern, den Hurern, den Homosexuellen, den Menschendieben und Lügnern, den Meineidigen, und so etwas mehr der heilsamen Lehre zuwider ist. Gal. 5,17.

Das Evangelium aber bezieht sich auf solche, die zerknirscht und durch das Gefühl und die Furcht des göttlichen Zorns niedergedrückt sind oder auf die Armen im Geist.

Jes. 61,1: Der Geist des HERRN HERRN ist über mir, darum hat mich der HERR gesalbt.  Er hat mich gesandt, den Elenden zu predigen, die zerbrochenen Herzen  zu verbinden, zu predigen den Gefangenen eine Erledigung, den Gebundenen  eine Öffnung. Luk. 4,18.

 

+6. Zeige den fünften Unterschied!

Fünftens. Sie unterscheiden sich durch die Wirkungen. Das Gesetz klagt an, schreckt, wirkt Zorn und Verdammnis.

Röm. 4,15: Das Gesetz richtet nur Zorn an.

„Das Evangelium aber ist eine Kraft Gottes die da selig macht alle, die daran glauben.“ Röm. 1,16.

Röm 5,16: Die Gabe aber hilft aus vielen Sünden zur Gerechtigkeit.

 

+7. Um welchen Unterschied vorzüglich wird heutzutage gestritten?

Über diesen letzten Unterschied, oder, was dasselbe ist, über die Erklärung des eigentlich so genannten Evangeliums, erhoben in früheren Jahren die Antinomer Streit, indem sie behaupteten, dass das Evangelium eigentlich sei nicht nur die Lehre von der Gnade Gottes, sondern, dass es auch zugleich sei die Predigt von der Buße, welche die Sünde des Unglaubens strafe. Konk. Formel, Kurze Darl., V, 1; Ausf. Darl., V, 2

 

+8. Auf diese Weise scheinst du die Apologie des Augsburger Bekenntnisses eines Irrtums zu beschuldigen, welche im 12. Artikel deutlich behauptet, dass die Summe der Predigt des Evangeliums sei, Sünde zu strafen und Vergebung der Sünde anzubieten?

Nicht allein die Apologie des Augsburger Bekenntnisses, sondern auch selbst der sel. Luther und andere rechtgläubige Theologen haben so geschrieben und gelehrt, aber in einem ganz andern und verschiedenen Sinn, als nachher die Antinomer diese Redensarten gebrauchten. Denn die Apologie und andere gebrauchen das Wort „Evangelium“ im Allgemeinen für die ganze christliche Lehre, nicht aber im besondern Sinn, wie es die Antinomer fassten. (Konk.Formel, Ausf. Darl., V, 27)

 

*9. Ich sehe, dass die Entscheidung dieses Streits aus der Doppelsinnigkeit des Worts zu nehmen ist. Bitte, du wollest sie deshalb erklären!

Es begegnet uns eine zweifache Doppelsinnigkeit: Die eine ist die des Wortes „Evangelium“; die andere die des Wortes „Buße“. Das Wort Evangelium nämlich wird sowohl in der Heiligen Schrift als auch in den Schriften der Alten und Neuern auf zweierlei Weise gebraucht und gefasst: Denn erstens bezeichnet es die ganze Lehre Christi, welche er während sseines Amtes auf dieser Erde vorgelegt und im Neuen Bund vorzutragen befohlen hat, und welche des Gesetzes Erklärung und Verkündigung der Gnade Gottes umfasst. (Konk.Formel, Kurze Darl., V, 6; Ausf. Darl. V, 3)

So wird es Mark. 1,1 genommen: Dies ist der Anfang des Evangeliums von Christus Jesus. ... Johannes der Täufer war in der Wüste und predigte die Taufe der Buße zur Vergebung der Sünden.(V. 4)

Mark. 16,15: Gehet hin in alle Welt und prediget das Evangelium aller Kreatur.

Zweitens aber wird das Wort Evangelium in einer andern, und zwar seiner eigentlichen Bedeutung gebraucht, sofern es dem Gesetz gerade entgegengesetzt wird, und bezeichnet die frohe Botschaft von der gnädigen Vergebung der Sünden um Christi willen. Und in dieser Rücksicht unterscheidet Christus selbst diese zwei Lehrgattungen voneinander, wenn er Mark. 1,15 spricht: Tut Buße, und glaubet an das Evangelium!

 

*10. Gib nun die Beziehung dieses Unterschiedes auf den vorliegenden Streit an!

Wenn das Wort „Evangelium“ im weiteren Sinne und ohne Unterschied des Gesetzes und Evangeliums, von der ganzen Lehre Christi genommen und gebraucht wird, so ist die Erklärung des Evangeliums, das es sei die Predigt von der Buße und Vergebung der Sünden, wahr; wenn aber Gesetz und Evangelium, so wie Mose selbst, als Lehrer des Gesetzes, und Christus, als Lehrer des Evangeliums, unter sich verglichen werden, und so das Evangelium in seiner besondern Bedeutung gebraucht wird: Dann ist das Evangelium nicht die Predigt von der Buße, welche die Sünden straft, sondern ist eigentlich nichts anderes als die fröhlichste Botschaft und predigt voll Trostes, welche nicht straft oder schreckt, sondern die Gewissen gegen die Schrecken des Gesetzes tröstet, sie zu dem alleinigen Verdienst Christi aufblicken lässt und mit der süßesten Verkündigung der Gnade und Huld Gottes, welche durch das Verdienst Christi erlangt ist, sie wiederum aufrichtet. (Melanchthon: Loci)

 

*11. Wie viele Bedeutungen hat das Wort ‚Buße’ in der Heiligen Schrift?

Das Wort „Buße hat in der Heiligen Schrift nicht immer eine und dieselbe Bedeutung. Denn an einigen Stellen der Schrift wird es für die ganze Bekehrung des Menschen zu Gott genommen, so, wenn Christus (Luk. 13,3): Ich sage euch: Nein, wenn ihr nicht Buße tut, werdet ihr auch alle so umkommen.

Luk. 15,7: Freude ist über einen Sünder, der Buße tut.

Matth. 3,2: Tut Buße, denn das Himmelreich ist nahe herbeigekommen.

Luk. 3,8: Tut rechtschaffene Früchte der Buße.

2. Petr. 3,9: Gott will nicht, dass jemand verloren gehe, sondern dass sich jedermann zur Buße kehre.

Dann aber wird es in andern Stellen der Schrift nur teilweise genommen und bezeichnet nur einen Teil der Bekehrung, nämlich wahre Reue und Leid oder die ernstliche Erkenntnis der Sünden. Konk.Formel, Ausf. Darl., V, 7-9

 

*12. Wie kann ich wissen, wann das Wort ‚Buße’ in seinem allgemeinen und wann in seinem engeren Sinn genommen wird?

Teilweise wird es dann genommen, wenn Buße und Glaube oder Buße und Vergebung der Sünden verbunden stehen, wo „Buße tun“ nichts anderes bezeichnet als die Sünden wahrhaft erkennen, ernstlich Leid tragen und künftighin von den Sünden abstehen.

Mark. 1,15: Tut Buße und glaubet an das Evangelium.

Luk. 24,47: Es muss gepredigt werden in seinem Namen Buße zur Vergebung der Sünden unter allen Völkern.

Apg. 20,21: Ich habe bezeugt den Juden und Griechen die Bekehrung zu Gott und den Glauben an unsern Herrn Jesus. Konk.Formel, Ausf. Darl., V, 8

 

*13. Wende diese Unterscheidung gleicherweise auf die aktuelle Auseinandersetzung an!

Wenn das Wort „Buße“ im ersteren Sinn genommen wird, so bezieht es sich auf die Lehre des Gesetzes und Evangeliums zugleich, aber in verschiedener Rücksicht..

Im letzteren Sinn aber bezieht es sich allein auf das Gesetz, durch welches allein Erkenntnis der Sünden kommt.

Röm. 3,20: Denn durch das Gesetz kommt Erkenntnis der Sünde. (Konk. Formel, Ausf. Darl., V 7 ff.)

 

*14. Kann auch das Gesetz den Unglauben strafen, von welchem es doch nichts weiß?

Ja, freilich. Denn das Gesetz straft den Unglauben, sofern es jeden Zweifel oder Misstrauen an irgendeinem Wort Gottes, also auch am Wort des Evangeliums, straft, anklagt und verdammt. (Konk.Formel, Ausf. Darl., V,19)

 

 

Abschnitt 12: Von der Rechtfertigung des Sünders vor Gott

 

[I.a Wie kommt denn ein Mensch zum rechtfertigenden Glauben?

    Ein Mensch, der zuvor ein sicherer Sünder war, kommt zum rechtfertigenden Glauben „nicht aus eigener Vernunft noch Kraft“, sondern indem der Heilige Geist ihn zunächst durch das Gesetz erleuchtet, dass er Sünden in seinem Leben erkennt und zu einem erweckten Sünder wird, der gegen die Sünde kämpft, um dann zur Erkenntnis seiner abgrundtiefen Sündenverdorbenheit und Verlorenheit zu kommen, zur Erkenntnis, dass er Gott nichts, gar nichts bringen kann, und so zu einem verzweifelten oder zerbrochenen Sünder geworden ist, der nun erleuchtet wird durch den Heiligen Geist mittels des Evangeliums, dass er Jesus Christus lebendig erkennt als seinen persönlichen Heiland, der auch für ihn Mensch wurde, auch für ihn Gottes Gesetz stellvertretend erfüllte, auch seine Sünden als das Lamm Gottes auf sich nahm, auch für ihn am Kreuz starb und so Gott auch mit ihm versöhnte, auch ihm die Vergebung der Sünden und das ewige Leben erworben hat und so mittels des Evangeliums den rechtfertigenden Glauben in ihm weckt, der die Gnade Gottes in Christus für sich persönlich empfängt, ergreift, sich aneignet und der Mensch so zu einem erretteten, gerechtfertigten Sünder wurde.

    „Die Handlungen, um die Gnade zuzueignen, gemäß der Ordnung, in der sie verbunden sind und aufeinander folgen, sind die Berufung, die Erleuchtung, Bekehrung, Wiedergeburt, Rechtfertigung, mystische Vereinigung mit dem dreieinigen Gott, Erneuerung, Bewahrung im Glauben und Heiligung, Herrlichmachung. … Diese Ordnung und, wie gesehen, die verknüpften Serien von Handlungen, die Gnade zuzueignen, lernen wir von Apg. 26,17[-18], wo Christus zu Paulus sagt: ‚Ich sende dich unter die Heiden.‘, das ist die Gnade der Berufung. ‚Aufzutun ihre Augen‘, das ist die Erleuchtung! ‚Dass sie sich bekehren von der Finsternis zu dem Licht‘, das ist der Akt der Bekehrung! ‚Und von der Gewalt Satans zu Gott‘, das ist die Wiedergeburt selbst, durch die wir Kinder Gottes werden! ‚Zu empfangen Vergebung der Sünden‘, das ist die Rechtfertigung! ‚Und das Erbe samt denen, die geheiligt werden durch den Glauben an mich‘, das ist die Vereinigung mit Christus durch Glauben, Heiligung, Bewahrung in der Heiligkeit und Herrlichmachung!“ (Hollaz, S. 795; in: Schmid, Doctrinal Theology, S. 444)]

 

+1. Was bezeichnet in diesem Artikel das Wort „rechtfertigen“?

Es heißt nichts anderes als freisprechen von den Sünden und den ewigen Strafen der Sünden oder gerecht erklären In welchem Sinne dieses Wort hier und da in der Heiligen Schrift genommen wird.

Spr. 17,15: Wer den Schuldigen gerecht spricht und den Gerechten schuldig, die sind beide dem Herrn ein Gräuel.

Jes. 5,23: Weh denen, die den Schuldigen gerecht sprechen für Geschenke und das Recht nehmen denen, die im Recht sind!

Röm. 8,33: Wer will die Auserwählten Gottes beschuldigen? Gott ist hier, der da gerecht macht. (Konk. Formel, Kurze Darl., III, 7); Ausf. Darl., III, 17

 

2. Wie erklärst du die Rechtfertigung des Menschen vor Gott?

Die Rechtfertigung ist ein Werk Gottes, durch welches er der Sünder, der an Christus glaubt, aus bloßer Gnade oder umsonst von den Sünden freispricht, demselben Vergebung der Sünden schenkt und die Gerechtigkeit Christi ihm so zurechnet, dass er völlig versöhnt und, in die Kindschaft aufgenommen, von der Schuld und Strafe der Sünde befreist ist und die ewige Seligkeit erlangt.

 

+3. In wieviel Stücken nun wird unsere Rechtfertigung vor Gott vollbracht?

In zweien: Von denen das eine ist das privative (wegnehmende). Gott nämlich nimmt das hinweg, was in uns ist, d.i. er vergibt die Sünden aus bloßer Gnade, ohne irgendeine Rücksicht auf unsere Werke. Das andere ist das positive (gebende), indem Gott das gibt, was nicht in uns ist oder uns nicht anklebt, d.i. er rechnet uns zu die Gerechtigkeit des Gehorsams Christi. Diese beiden Stücke werden in der Heiligen Schrift Röm. 4 mit dem Einen Wort „Zurechnung“ ausgedrückt, weshalb unsere Gerechtigkeit auch die zugerechnete ist.

    Röm. 4,2-6: Das sagen wir: Ist Abraham durch die Werke gerecht, so hat er wohl Ruhm,  aber nicht vor Gott. Was sagt denn die Schrift? Abraham hat Gott geglaubet, und das ist ihm  zur Gerechtigkeit gerechnet. Dem aber, der mit Werken umgehet, wird der Lohn nicht aus Gnade zugerechnet,  sondern aus Pflicht. Dem aber, der nicht mit Werken umgeht, glaubt aber an den, der die  Gottlosen gerecht macht, dem wird sein Glaube gerechnet zur Gerechtigkeit. Nach welcher Weise auch David sagt, dass die Seligkeit sei allein des  Menschen, welchem Gott zurechnet die Gerechtigkeit ohne Zutun der Werke.

 

4. Um diese Dinge besser zu verstehen will ich wissen, wie viele und welche Ursachen unserer Rechtfertigung du festsetzt!

Es gibt drei Ursachen unserer Rechtfertigung: 1. die Gnade Gottes; 2. das Verdienst Christi; 3. den Glauben, welcher diese Wohltaten Gottes in der Verheißung des Evangeliums ergreift. Konk.Formel, Ausf. Darl., III, 25

 

+5. Was verstehst du unter der Gnade Gottes?

Nicht einen eingegossenen Zustand der Liebe, wie die Katholischen sich einbilden, sondern die freiwillige und wahrhaft väterliche Huld göttlicher Barmherzigkeit und die unendliche Liebe Gottes, durch welche er, durchaus nicht von unserem Verdienst bewogen, sich unser zu erbarmen angetrieben worden ist und beschlossen hat, wegen des alleinigen Verdienstes oder Gehorsams seines Sohnes, wenn es im Glauben ergriffen ist, die Gläubigen zu Gnaden wieder anzunehmen, ihnen die Sünden zu vergeben und endlich in Ewigkeit zu beseligen. (Konk.Formel, Ausf. Darl., III, 30. 62)

 

+6. Erklärt denn auch die Heilige Schrift die Gnade Gottes auf ebensolche Weise in diesem Artikel?

Ja.

Eph. 2,4.5.7: Aber Gott, der da reich ist an Barmherzigkeit, hat um seiner großen Liebe willen, mit der er uns geliebt hat, auch uns, die wir tot waren in den Sünden, samt Christus lebendig gemacht, denn aus Gnaden seid ihr gerettet worden... auf dass er erzeigte in den zukünftigen Zeiten den überschwänglichen Reichtum seiner Gnade durch seine Güte über uns in Christus Jesus.

2. Tim. 1,9: Er hat uns gerettet und berufen mit einem heiligen Ruf, nicht nach unseren Werken, sondern nach seinem eigenen Vorsatz und nach der Gnade, die uns gegeben ist in Christus Jesus vor der Zeit der Welt.

Tit. 3,5: Er rettete uns, nicht um der Werke willen der Gerechtigkeit, die wir getan hatten, sondern nach seiner Barmherzigkeit.

Röm. 3,24: Sie werden ohne Verdienst gerecht aus seiner Gnade durch die Erlösung, die durch Christus Jesus geschehen ist.

 

*7. Warum zählst du das Verdienst Christi unter die Ursachen unserer Rechtfertigung?

Aus zwei Gründen. Erstens. Weil die Gnade und Barmherzigkeit Gottes in Christus gegründet ist und ohne dieses Verdienst Christi niemandem zuteil wird.

Zweitens. Weil Christus allein die Kelter des göttlichen Zornes getreten hat, Jes. 63,3; und uns erlöst hat von der Gewalt des Todes und der Hölle, Hos. 13,14; von dem Fluch des Gesetzes, Gal. 4,5; von der Knechtschaft des Todes und der Herrschaft dessen, welcher des Todes Gewalt hatte, nämlich dem Teufel, Hebr. 2,14-15; denn durch seinen Gehorsam und seine Gerechtigkeit hat er uns gerecht gemacht, Röm. 6,19; 10,4; und schließlich, weil das Verdienst Christi der göttlichen Gerechtigkeit genuggetan hat.

Jes. 63,3: Ich trete die Kelter alleine, und ist niemand unter den Völkern mit mir.

Hos. 13,14: Ich will sie erlösen aus der Hölle und vom Tod erretten. Tod, ich will dir ein Gift sein; Hölle, ich will dir eine Pestilenz sein!

    Gal. 4,4.5: Da aber die Zeit erfüllet ward, sandte Gott seinen Sohn, geboren von  einem Weibe und unter das Gesetz getan, auf dass er die, so unter dem Gesetz waren, erlöste, dass wir die Kindschaft  empfingen.

Röm. 5,19: Denn gleichwie durch eines Menschen Ungehorsam viel Sünder geworden sind, also durch eines Gehorsam werden viel Gerechte.

Röm. 10,4: Christus ist des Gesetzes Ende; wer an den glaubt, der ist gerecht.

Gal. 3,13: Christus aber hat uns erlöst von dem Fluch des Gesetzes, da er ward ein Fluch für uns (denn es stehet geschrieben: Verflucht sei jedermann, der am Holz hänget!)

 

+8. Was verstehst du unter dem Verdienst Christi?

Ich verstehe darunter den Gehorsam Christi, nicht nur den, mit welchem er dem Vater gehorsam war durch sein ganzes Leiden und den Tod, sondern auch den, mit welchem er sich, um unseretwillen, dem Gesetz Gottes freiwillig unterwarf und dasselbe durch solchen seinen Gehorsam erfüllte, so dass Gott wegen des ganzen Gehorsams Christi, welchen er im Tun und Leiden für uns geleistet hat, uns die Sünden vergibt, für gut und gerecht uns erklärt und mit ewigem Heil beschenkt.

Röm. 5,19: Denn gleichwie durch eines Menschen Ungehorsam viel Sünder geworden sind, also durch eines Gehorsam werden viel Gerechte.

Konk. Formel, Ausf. Darl., III, 14-15:

    Dass also die Gerechtigkeit, die vor Gott dem Glauben oder den Gläubigen aus lauter Gnade zugerechnet wird, ist der Gehorsam, Leiden und Auferstehung Christi, da er für uns dem Gesetzgenuggetan und für unsere Sünde bezahlt hat. Denn weil Christus nicht allein Mensch, sondern Gott und Mensch in einer unzertrennten Person [ist], so ist er ebenso wenig unter dem Gesetzgewesen (weil er ein Her des Gesetzes), als dass er für seine Person hat leiden und sterben sollen. Darum uns denn sein Gehorsam nicht allein im Leiden und Sterben, sondern auch dass er freiwillig an unserer Statt sich unter das Gesetz getan und dasselbe mit solchem Gehorsam erfüllt hat, uns zur Gerechtigkeit zugerechnet wird, dass uns Gott um solches ganzen Gehorsams willen, so er im Tun und Leiden, im Leben und Sterben für uns seinem himmlischen Vater geleistet, die Sünde vergibt, uns für fromm und gerecht hält und ewig selig macht.

 

* 9. Ist Christus unsere Gerechtigkeit nur nach seiner göttlichen Natur oder nur nach seiner menschlichen Natur oder nach beiden?

Nicht nach der göttlichen allein, wie Osiander geträumt hat; nicht nach der menschlichen allein, wie Stancarus gefabelt hat; sondern nach beider Natur ist Christus unsere Gerechtigkeit, welcher nämlich als Gott und Mensch, in seinem einigen, ganzen und vollkommensten Gehorsam, unsere Gerechtigkeit ist. Denn die menschliche Natur allein, ohne die göttliche, kann dem ewigen und allmächtigen Gott weder durch Gehorsam noch durch Leiden fürdie Sünden der ganzen Welt genug tun und den unendlichen Zorn Gottes versöhnen. Die Gottheit aber allein, ohne die Menschheit, hätte das Amt eines Mittlers zwischen Gott und uns nicht zu erfüllen vermocht.

Konk. Formel, Ausf. Darl., Art. III, 55-56:

    Demnach, weil in unsern Kirchen zwischen den Theologen Augsburgischer Konfession bekannt, das alle unsere Gerechtigkeit außerhalb unser und aller Menschen Verdienst, Werk, Tugend und Würdigkeit zu suchen und allein auf dem Herrn Christus steht, so ist wohl zu betrachten, welchergestalt Christus in diesem Handel der Rechtfertigung unsere Gerechtigkeit genannt wird, nämlich, dass unsere Gerechtigkeit nicht auf die eine oder die andere Natur, sondern auf die ganze Person Christi gesetzt, welcher als Gott und Mensch in seinem einigen, ganzen, vollkommenen Gehorsam unsere Gerechtigkeit ist.

    Denn wenn Christus gleich vom Heiligen Geist ohne Sünde empfangen und geboren und in menschlicher Natur allein alle Gerechtigkeit erfüllt hätte und aber nicht wahrer ewiger Gott gewesen, könnte uns solcher der menschlichen Natur Gehorsam und Leiden auch nicht zur Gerechtigkeit gerechnet werden; wie denn auch, da der Sohn Gottes nicht Mensch geworden, die bloße göttliche Natur unsere Gerechtigkeit nicht hätte sein können. Demnach so glauben, lehren und bekennen wir, dass der ganzen Person Christi ganzer Gehorsam, welchen er für uns dem Vater bis in den allerschmählichsten Tod des Kreuzes geleistet hat, uns zur Gerechtigkeit zugerechnet werde, Denn die menschliche Natur allein, ohne die göttliche, [hätte] dem ewigen, allmächtigen Gott weder mit Gehorsam noch Leiden für aller Welt Sünde genugtun, die Gottheit aber allein, ohne die Menschheit, zwischen Gott und uns nicht vermitteln können

 

*10. Zeige aus der Bibel, dass Christus unsere Gerechtigkeit nach beiden Naturen ist!

Jes. 35,4: Gott selbst wird kommen und uns retten.

Jer. 23,6: Der Herr ist unsere Gerechtigkeit.

Röm. 8,32: Gott hat auch seinen eigenen Sohn nicht verschont, sondern ihn für uns dahingegeben.

Gal. 4,4: Als aber die Zeit erfüllt war, sandte Gott seinen Sohn, geboren von einem Weibe und unter das Gesetz getan.

1. Joh. 3,8: Dazu ist erschienen der Sohn Gottes, dass er die Werke des Teufels zerstöre.

2. Kor. 5,18: Gott hat uns mit ihm selbst versöhnt durch Christus.

Kol. 1,20: Es ist Gottes Wohlgefallen gewesen, dass durch Christus alles versöhnt würde mit Gott, es sei auf Erden oder im Himmel, dadurch, dass er Frieden machte durch das Blut an seinem Kreuz.

1. Tim. 2,5: Denn es ist ein Gott und ein Mittler zwischen Gott und den Menschen, nämlich der Mensch Christus Jesus.

+11. Warum zählst du den Glauben unter die Ursachen unserer Rechtfertigung?

Weil allein der Glaube das Mittel und Werkzeug ist, mit welchem wir die Gnade Gottes, das Verdienst Christi und in demselben diejenige Gerechtigkeit, welche vor dem Gesetz Gottes bestehen kann, ergreifen und empfangen können. Konk.Formel, Kurze Darl., III, 5.

Konk. Formel, Ausf. Darl., Art. III, 13. 31:

    Denn der Glaube macht gerecht nicht darum und daher, daß er so ein gut Werk und schöne Tugend ist, sondern weil er in der Verheißung des heiligen Evangeliums das Verdienst Christi ergreift und annimmt; denn dasselbe muss uns durch den Glauben appliziert und zugeeignet werden, wenn wir dadurch gerecht sollen werden

    Es ist auch weder Reue oder Liebe oder andere Tugend, sondern allein der Glaube das einige Mittel und Werkzeug, damit und dadurch wir Gottes Gnade, das Verdienst Christi und Vergebung der Sünden, so uns in der Verheißung des Evangeliums vorgetragen werden, empfangen und annehmen können.

 

12. Was ist der rechtfertigende Glaube?

Der rechtfertigende Glaube ist „nicht eine bloße Erkenntnis der Historien von Christus, sondern eine solche Gabe Gottes, dadurch wir Christus, unsern Erlöser, im Wort des Evangeliums recht erkennen und auf ihn vertrauen, dass wir allein um seines Gehorsams willen, aus Gnaden, Vergebung der Sünden haben, für fromm und gerecht von Gott dem Vater gehalten und ewig selig werden. (Konk.Formel, Kurze Darl., III, 6)

 

*13. Behauptet die Heilige Schrift dasselbe von dem rechtfertigenden Glauben?

Durchaus dasselbe. Denn dass der Glaube nicht eine bloße Kenntnis der Geschichte sei oder nur eine allgemeine Zustimmung, welche auch in den Epicuräern, ja selbst in den Teufeln ist, die doch nicht gerechtfertigt werden, dies erhellt deutlich aus dem einzigen Wort Jakobus 1,19: Du glaubst, dass ein einiger Gott sei, du tust wohl daran; die Teufel glauben es auch und zittern. (Augsb. Bek. XX, 23; Apol. IV, 55)

 

*14. Also darf der rechtfertigende Glaube nicht erklärt werden durch Kenntnis der Geschichten?

Doch; denn solche Kenntnis selbst oder allgemeine Zustimmung wird beim rechtfertigenden Glauben so viel als möglich und gleichsam vorausgesetzt.

Jes. 53,11: Und durch seine Erkenntnis wird er, der Gerechte, viele gerecht machen.

 

*15. Woher beweist du, dass der Glaube auch festes Vertrauen sei?

Dass der rechtfertigende Glaube das Vertrauen sei, welches die Verheißung des Evangeliums ergreift, erhellt daher, dass die Schrift ihn nennt pleerophorian, das ist eine feste Überzeugung der Seele von unserm Heil.

Röm. 4,21: Und wusste aufs allergewisseste, dass, was Gott verheißet, das kann er auch tun.

Kol. 2,2: Auf dass ihre Herzen ermahnt und zusammengefasst werden in der Liebe zu allem Reichtum des gewissen Verstandes, zu erkennen das Geheimnis Gottes und des Vaters und Christi.

Hebr. 6,11: Wir begehren aber, dass euer jeglicher denselben Fleiß beweise, die Hoffnung festzuhalten bis ans Ende.

An anderen Stellen wird es pepoitheesis genannt, völliges Vertrauen.

Röm. 8,38.39: Denn ich bin gewiss, dass weder Tod noch Leben, weder Engel noch Fürstentümer noch Gewalten, weder Gegenwärtiges noch Zukünftiges, weder Hohes noch Tiefes noch keine andere Kreatur mag mich scheiden von der Liebe Gottes, die in Christus Jesus ist, unserem Herrn.

2. Kor. 3,4: Ein solches Vertrauen aber haben wir durch Christus zu Gott.

Eph. 3,12: Durch welchen wir haben Freudigkeit und Zugang in aller Zuversicht durch den Glauben an ihn.

Ebenso parreesia, eine Zuversicht, welche ohne alle Furcht und Zittern sich auf die göttliche Gnade und Barmherzigkeit verlässt.

Eph. 3,12: s.o.

Hebr. 3,6: Christus aber als ein Sohn über sein Haus; welches Haus sind wir, so wir anders das Vertrauen und den Ruhm der Hoffnung bis ans Ende fest behalten.

1. Jooh. 2,28: Und nun, Kindlein, bleibet bei ihm, auf dass, wenn er offenbar wird, dass wir Freudigkeit haben und nicht zuschanden werden vor ihm in seiner Zukunft.

Ebenso hopostasis und elenchthos, einen unbeweglichen Grund und Fundament und zweifellose Zuversicht, mit welcher der Gläubige in seinem Gewissen von der Gewissheit der Dinge, welche er glaubt, versichert wird.

Hebr. 11,1: Es ist aber der Glaube eine gewisse Zuversicht des, das man hoffet, und nicht zweifeln an dem, das man nicht sieht.

 

+16. Was ist der wahre und eigentliche Gegenstand des rechtfertigenden Glaubens?

Es ist die eigentliche Verheißung des Evangeliums von der gnädigen Vergebung der Sünden durch und wegen des Verdienstes Christi mit festem Vertrauen ergriffen; oder was ebendahin ausgeht: Der Gegenstand des rechtfertigenden Glaubens ist das Verdienst Christi, welches in der Verheißung des Evangeliums dargeboten wird. (Konk.Formel, Ausf. Darl., III, 13.25)

 

17. Beweise aus der Heiligen Schrift, dass der Mensch durch den Glauben gerechtfertigt wird!

Röm. 3,28: So halten wir es nun, dass der Mensch gerecht werde ohne des Gesetzes Werke, allein durch den Glauben.

Gal. 2,16: Doch weil wir wissen, dass der Mensch durch des Gesetzes Werke nicht gerecht wird, sondern durch den Glauben an Jesus Christus, sind auch wir gläubig geworden an Christus Jesus, damit wir gerecht werden durch den Glauben an Christus und nicht durch des Gesetzes Werke.

+Phil. 3,9: Und in Christus erfunden werde, damit ich nicht habe meine eigene Gerechtigkeit, die aus dem Gesetz kommt, sondern die durch den Glauben an Christus, nämlich die Gerechtigkeit, die aus Gott kommt aufgrund des Glaubens.

Eph. 2,8.9: Denn aus Gnaden seid ihr gerettet worden durch den Glauben, und dasselbe nicht aus euch, Gottes Gabe ist es, nicht aus den Werken, damit sich nicht jemand rühme.

Apol. IV, 73-78; vgl. auch 93:

    Wir halten, die Widersacher müssen bekennen, dass vor allen Dingen zu der Rechtfertigung vonnöten sei Vergebung der Sünden. Denn wir sind alle unter der Sünde geboren. Darum so schließen wir nun also:

    Vergebung der Sünden erlangen und haben, dasselbe heißt vor Gott gerecht und fromm werden, wie der 32. Psalm sagt: "Wohl dem, dem die Übertretung vergeben ist." Allein aber durch den Glauben an Christus, nicht durch die Liebe, nicht um der Liebe oder Werke willen, erlangen wir Vergebung der Sünden, wiewohl die Liebe folgt, wo der Glaube ist, Deshalb muss folgen, dass wir allein durch den Glauben gerecht werden. Denn gerecht werden heißt ja, aus einem Sünder fromm werden und durch den Heiligen Geist neugeboren werden.

 

*18. Aber vielleicht wollen diese Zeugnisse nur das sagen, dass der Glaube den Anfang der Rechtfertigung gewähre, welche nachher durch die Werke zu Ende gebracht und vollendet wird?

Keineswegs! Denn das Gegenteil geht auch daraus auf’s deutlichste hervor, „dass S. Paulus schreibt, dass Abraham vor Gott gerecht sei geworden allein durch den Glauben um des Mittlers willen, ohne Zutun seiner Werke, nicht allein, da er erstlich von der Abgötterei bekehrt und keine guten Werke hatte (1. Mose 11,31), sondern auch, da er hernach durch den Heiligen Geist erneuert und mit vielen herrlichen, guten Werken geziert war“.

1. Mose 15,6: Und er glaubte dem Herrn, und das ward ihm gerechnet zur Gerechtigkeit.

Röm. 4,3-6: Was sagt denn die Schrift? Abraham hat Gott geglaubt, und das ist ihm  zur Gerechtigkeit gerechnet. Dem aber, der mit Werken umgehet, wird der Lohn nicht aus Gnade zugerechnet,  sondern aus Pflicht. Dem aber, der nicht mit Werken umgehet, glaubt aber an den, der die  Gottlosen gerecht macht, dem wird sein Glaube gerechnet zur Gerechtigkeit. Nach welcher Weise auch David sagt, dass die Seligkeit sei allein des  Menschen, welchem Gott zurechnet die Gerechtigkeit ohne Zutun der Werke. Hebr. 11,8 ff. Konk. Formel, Ausf. Darl., III, 33.4

Durch den Glauben gehorchte Abraham, als er gerufen wurde, an einen Ort zu geben, den er später als ein Erbteil erhalten sollte, usw. (Der Apostel zeigt hier eine Reihe von Beispielen.)

Und der Apostel, indem er absichtlich die Frage erhebt: „Worauf denn Abrahams Gerechtigkeit vor Gott, dadurch er einen gnädigen Gott gehabt, ihm gefällig und angenehm gewesen zum ewigen Leben, gestanden sei, antwortet also: Dem aber, der nicht mit Werken umgehet, glaubet aber an den, der die Gottlosen gerecht macht, dem wird sein Glaube gerechnet zur Gerechtigkeit. Wie auch David sagt: Selig ist der Mann, dem Gott zurechnet die Gerechtigkeit ohne Zutun der Werke.

 

+19. Da in diesem Artikel die ausschließenden Worte allein durch den Glauben, nur durch den Glauben häufig verwendet werden, so möchte ich wissen, warum ihr Gebrauch beizubehalten sei?

Vor allem aus drei Gründen:

I. Dass alle eigenen Werke, die vorhergehenden sowohl wie die nachfolgenden und gegenwärtigen, und alle Würdigkeit und Vertrauen derselben in dem Artikel der Rechtfertigung gänzlich ausgeschlossen werden.

II. „Dass das Amt und die Eigenschaft des Glaubens allein bleibe, dass er allein und sonst nichts anderes sei das Mittel oder Werkzeug, damit und dadurch Gottes Gnade und Verdienst Christi in der Verheißung des Evangeliums empfangen, ergriffen, angenommen und appliziert und zugeeignet werde.“

III. „Dass weder die Erneuerung noch die Heiligung oder irgendwelche andere Tugenden, gleichsam als die Form oder ein Teil oder die Ursache der Rechtfertigung, unter welchem Schein, Titel und Namen es sei, in den Artikel der Rechtfertigung als dazu nötig und gehörig eingemengt werden sollen.“ Konk. Formel, Ausf. Darl., III, 37-39

 

*20. Also kann der Glaube in dem Artikel der Rechtfertigung ohne gute Werke sein?

Durchaus nicht. Denn Glaube und gute Werke werden hierdurch nicht so voneinander geschieden, „dass ein wahrhaftiger Glaube unterweilen eine Zeitlang neben einem bösen Vorsatz sein und bestehen könnte, sondern es wird hiermit allein die Ordnung angezeigt der Ursachen und Wirkungen und wie eins dem andern vorgehe oder nachfolge“. Konk. Formel, Ausf. Darl., III,41

 

*21. Erkläre dies genauer!

I. Die guten Werke gehen nicht vor dem Glauben vorher, sondern folgen ihm nach. Denn erst, wen ein Mensch gerechtfertigt ist, wird er auch durch den Heiligen Geist erneuert und geheiligt. Und aus dieser Erneuerung folgen darauf die Früchte, das ist, die guten Werke.

II. Obgleich (wie Luther spricht) Glaube und Werke sich fein zusammenreimen und schließen und keines ohne das andere sein kann, so ist es doch der Glaube allein, welcher den Segen ergreift, ohne die Werke, und doch nimmer und zu keiner Zeit allein ist. Konk. Formel, Ausf. Dar,l., III, 41

 

*22. Noch beunruhigt mich das eine Bedenken, dass nämlich Jakobus Kap. 2,22 versichert, der Mensch werde nicht gerecht durch den Glauben, sondern durch die Werke?

Dass Jakobus dem Paulus nicht widerspricht, kann aus zwei Gründen dargetan werden. Denn erstens betrachtet Paulus den Glauben vor dem Angesicht Gottes (d.i. wie Gott ihn ansieht), wo er es allein ist, der das Verdienst Christi ergreift, und so von Gott zur Gerechtigkeit angerechnet wird. Jakobus aber untersucht, an welcher Sache und an welchem Zeichen der Mensch entweder bei sich selbst oder bei andern Menschen den wahren und lebendigen, ferner den toten und geheuchelten Glauben erkennen und unterscheiden könne. Und hier nennt Jakobus denjenigen einen toten Glauben (V. 20), dem nicht gute Werke und Früchte des Geistes folgen. Und deshalb leugnet er mit Recht, dass wir durch solchen Glauben, welcher ohne Werke, das ist, welcher tot ist, gerechtfertigt werden; ja, welcher eigentlich kein Glaube, sondern ein eitler Wahn und Heuchelei ist. Apol. IV, 244-246

 

*23. Was ist der andere Grund der Verschiedenheit zwischen Paulus und Jakobus?

Der andere Grund besteht darin, dass Paulus von der Rechtfertigung des Menschen vor Gott handelt, wo der Glaube allein, welcher Gottes Gnade und Christi Verdienst ergreift, Statt hat. Jakobus aber handelt von Menschen, die schon durch den Glauben gerechtfertigt sind, welche aber durch die guten Werke auf dieser Erde erkannt werden sollen.

 

 

Abschnitt 13: Von der Erwählung

 

*1. Wie unterscheidet sich das ewige Vorherwissen Gottes von der ewigen Vorherbestimmung desselben?

Das Vorherwissen oder Vorhersehen Gottes, nach welchem er alles vorhersieht und vorherweiß, ehe es geschieht, erstreckt sich über alle Kreaturen, sowohl gute wie böse. Die ewige Wahl aber oder Gottes Verordnung zur Seligkeit, geht nicht zugleich über die Frommen und Bösen, sondern allein über die Kinder Gottes, die zum ewigen Leben erwählt und verordnet sind, ehe der Welt Grund gelegt ward, wie der Apostel spricht Eph. 1,4: Er hat uns erwählt in Christus und verordnet zur Kindschaft durch Jesus Christus. Konk.Formel, Kurze Darl., XI, 18,2-7; Ausf. Darl., XI, 65,4.5

 

*2. Woher ist die gesunde Lehre von der ewigen Wahl Gottes zu nehmen?

Gewiss nicht aus einem geheimen, himmlischen und unerforschlichen Ratschluss Gottes; als wenn nichts mehr zu der ewigen Vorherbestimmung Gottes verlangt würde, als dass Gott vorhergesehen habe, welche und wie viele Menschen das Heil erlangen, und wer und wie viele in Ewigkeit verloren gehen würden; oder, als wenn Gott eine militärische Musterung angestellt und gesagt hätte: Dieser soll selig, jener aber verdammt werden, dieser soll bis zum Ende beständig im Glauben beharren, jener aber soll nicht beharren. Solche Gedanken erzeugen und bestärken im menschlichen Herzen gewiss entweder Sicherheit und Unbußfertigkeit oder Angst und Verzweiflung. Konk.Formel, Ausf. Darl., XI, 9.10

 

*3. Wäre vielleicht das Urteil unserer Vernunft über die ewige Vorherbestimmung Gottes zu hören und zu befolgen?

In keinem Stücke. Denn dieses flüstert der Art Gedanken ein: „Hat mich Gott erwählt zur Seligkeit, so kann ich nicht verdammt werden, ich tue, was ich wolle. Und wiederum: Bin ich nicht erwählt zum ewigen Leben, so hilfts nichts, was ich Gutes tue, es ist doch alles umsonst.“ Diese und ähnliche Gedanken führen uns in der Tat in ein epikuräisches Leben oder stürzen uns in Verzweiflung. Konk. Formel, Kurze Darl., XI, 9.

 

+4. Woher nun muss die gesunde Lehre von der Wahl Gottes genommen werden?

Aus dem offenbarten Wort Gottes; aber nicht aus dem Wort des Gesetzes, denn das bewirkt Zorn, Röm. 4,15, sondern nur aus dem Wort des Evangeliums, das uns zu Christus führt, der jenes Buch des Lebens ist, in dem alle geschrieben sind, welche das ewige Heil erlangen, und welches den ganzen Vorsatz, Ratschluss, Willen und Verordnung Gottes erklärt. (Konk.Formel, Kurze Darl., XI, 13; Ausf. Darl., XI, 13.14)

 

5. Was ist die ewige Vorherbestimmung Gottes?

Die Vorherbestimmung oder Wahl ist der von Ewigkeit gefasste Vorsatz und Beschluss des göttlichen Willens, nach welchem Gott aus bloßer Barmherzigkeit alle diejenigen in Christus zum ewigen Leben [durch den Glauben an Jesus Christus] erwählt und zu retten beschlossen hat, [die er dann in der Zeit durch das Evangelium zum wahren Glauben an Jesus Christus führt und in diesem Glauben bis ans Ende erhält, während er beschlossen hat, alle diejenigen in Ewigkeit zu verdammen, die im Unglauben beharren].

 

*6. Damit ich diese Erklärung völliger verstehe, bitte ich zu zeigen, was denn Gott in diesem ewigen Ratschluss und Vorsatz beschlossen hat.

Der Ratschluss oder Vorsatz der göttlichen Vorsehung wird in acht verschiedenen Graden vollendet, nämlich: 1) Erlösung, 2) Berufung, 3) Bekehrung, 4) Rechtfertigung, 5) Heiligung, 6) Erhaltung in allen Anfechtungen, 7) Bestätigung bis ans Ende, 8) Verherrlichung.

 

*7. Was hat Gott über die Erlösung beschlossen?

Er hat beschlossen, dass das gesamte menschliche Geschlecht wahrhaft erlöst und mit Gott durch Christus versöhnt würde. Konk.Formel, Ausf. Darl., XI, 15

 

*8. Was hat Gott über die Berufung beschlossen?

„Dass das Verdienst und Wohltaten Christi durch sein Wort und Sakrament allen Menschen sollen vorgetragen, dargereicht und ausgeteilt werden.“ Konk.Formel, Ausf. Darl., XI, 16

 

*9. Was über die Bekehrung?

„Dass er mit seinem Heilligen Geist durch das Wort, wenn es gepredigt, gehört und betrachtet wird, in uns wolle kräftig und tätig sein, die Herzen zu wahrer Buße bekehren und im rechten Glauben erhalten.“ Konk.Formel, Ausf. Darl. XI, 17

 

*10. Was über die Rechtfertigung?

„Dass er alle die, so in wahrer Buße durch rechten Glauben Christus annehmen, gerecht machen, sie zu Gnaden, zur Kindschaft und Erbschaft des ewigen Lebens annehmen wolle.“ Konk.Formel, Ausf. Darl., XI, 18

 

*11. Was hat Gott über die Heiligung beschlossen?

„Dass er, die also gerechtfertigt, heiligen wolle in wahrer Liebe, wie S. Paulus Eph. 1,4 sagt.“ Konk.Formel, Ausf. Darl., XI, 19

 

*12. Was über die Erhaltung?

Gott hat in seinem ewigen Rat auch beschlossen, „dass er die Gerechtfertigten in ihrer vielfachen und verschiedenen Schwachheit gegen Teufel, Welt und Fleisch schützen und auf seinen Wegen regieren und führen, und wenn sie gefallen sind, wieder aufrichten wolle, damit sie im Kreuz und Versuchungen einen gewissen Trost empfangen und zum Leben erhalten werden.“ Konk.Formel, Ausf. Darl., XI, 20

 

*13. Was über die Bestätigung bis ans Ende?

„Es ist sein ewiger Beschluss, dass er in ihnen das gute Werk, so er angefangen hat, stärken, mehren und sie bis ans Ende erhalten wolle, wo sie an Gottes Wort sich halten, mit innigem Gebet seine Hilfe anrufen, an Gottes Gnade bleiben und die empfangenen Gaben treu gebrauchen.“ Konk.Formel, Ausf. Darl., XI, 21

 

*14. Was über die Verherrlichung?

„Dass er endlich dieselben, so er erwählt, berufen und gerecht gemacht hat, auch im ewigen Leben ewig selig und herrlich machen wolle.“ Konk.Formel, Ausf. Darl., XI, 22

 

*15. Aber vielleicht hat Gott das nur im Allgemeinen beschlossen, ohne besondere Rücksicht auf die Auserwählten?

„Gott hat auf diese Weises nicht im Allgemeinen nur die Seligkeit der Seinen bereitet, sondern auch alle und jede Personen der Auserwählten (welche durch Christus sollen selig werden) in Barmherzigkeit vorausgewusst und zur Seligkeit erwählt, auch verordnet, dass er sie (die Auserwählten) auf die Weise, wie jetzt gemeldet, durch seine Gnade, Gaben und Wirkung des ewigen Heils teilhaftig machen, dasselbe helfen und befördern, sie selbst stärken und erhalten wolle.“ Konk.Formel, Ausf. Darl., XI, 23

 

*16. Aber gehören alle diese acht Punkte zum Ratschluss der Erwählung?

Gewiss; „und es soll keines derselben ausgeschlossen noch unterlassen werden, wenn man redet von dem Vorsatz, Vorsehung, Wahl und Verordnung Gottes zur Seligkeit“. Konk. Formel, Ausf. Darl., XI, 24

 

+17. Wolltest du wohl aus der Heiligen Schrift beweisen, dass Gott des menschlichen Geschlechts sich also erbarmt habe, dass er will, dass alle gerettet werden?.

Deutlich lehrt das Evangelium, dass Gott alles unter dem Unglauben beschlossen hat, dass er sich aller erbarme. (Röm. 11,32)

Und Christus selbst sagt Joh. 3,16: Also hat Gott die Welt geliebt, dass er seinen eingebornen Sohn gab, damit alle, die an ihn glauben, nicht verloren werden, sondern das ewige Leben haben.

Ebenso Paulus:

1. Tim. 2,4: Gott will, dass alle Menschen gerettet werden und zur Erkenntnis der Wahrheit kommen.

Und Petrus:

2. Petr. 3,9: Gott hat Geduld mit euch und will nicht, dass jemand verloren werde, sondern dass sich jedermann zur Buße kehre. Konk. Formel, Kurze Darl. Art. XI, 10; Ausf. Darl., Art. XI, 28

 

+18. Hat denn Gott auch gewollt, dass alle Menschen auf gleiche Weise durch seinen Sohn erlöst würden?

Ja, er hat es gewollt:

Jes. 53,6: Aber der Herr warf unser aller Sünde auf ihn.

Röm. 5,18: Wie nun durch eines Sünde die Verdammnis über alle Menschen gekommen ist, so ist auch durch eines Gerechtigkeit die Rechtfertigung zum Leben über alle Menschen gekommen.

2. Kor. 5,15: Christus ist für alle gestorben.

1. Tim. 2,6: Christus hat sich selbst gegeben für alle zur Erlösung.

1. Joh. 2,2: Und derselbe ist die Versöhnung für unsere Sünden, nicht allein aber für die unseren, sondern auch für die der ganzen Welt.

Konk.Formel, Kurze Darl., XI, 8:

    Dieser Christus ruft zu sich alle Sünder und verheißt ihnen Erquickung, und ist ihm Ernst, dass alle Menschen zu ihm kommen und sich helfen lassen sollen, denen er sich im Wort anbietet, und will, dass man es höre und nicht die Ohren verstopfen oder das Wort verachten soll; verheißt dazu die Kraft und Wirkung des Heiligen Geistes, göttlichen Beistand zur Beständigkeit und ewigen Seligkeit.

 

+19. Noch dies möchte ich, dass es bewiesen werde, nämlich dass Gott gesorgt habe, dass alle Menschen durch das Wort des Evangeliums zu Christus berufen würden!

Dies erhellt sich deutlich schon daraus, dass Christus befohlen hat, „predigen lassen in seinem Namen Buße und Vergebung der Sünden unter allen Völkern und anheben zu Jerusalem“, Luk. 24,47, Konk. Formel, Kurze Darl., XI, 8; „so ist ja in alle Lande ausgegangen ihr Schall und in alle Welt ihre Worte“, Röm. 10,18; Ps. 19,5; damit das Evangelium gepredigt ist unter aller Kreatur, Kol. 1,23; dass er befohlen hat, alle Völker zu taufen, Matth. 28,19; Mark. 16,15; dass er alle heißt trinken aus dem gesegneten Kelch, Matth. 26,27; dass er endlich verheißen hat, der Heilige Geist werde mit dem gepredigten, gehörten und fleißig betrachteten Wort gegenwärtig und wirksam sein. Konk. Formel, Ausf. Darl., XI, 28

    Luk. 24,47: Und predigen lassen in seinem Namen Buße und Vergebung der Sünden unter allen Völkern und anheben zu Jerusalem.

    Kol. 1,23: So ihr anders bleibet im Glauben gegründet und fest und unbeweglich von der Hoffnung des Evangeliums, welches ihr gehört habt, welches gepredigt ist unter aller Kreatur, die unter dem Himmel ist.

    Ps. 19,5: Ihre Schnur geht aus in alle lande und ihre Rede an der Welt Ende. Röm. 10,18.

    Mark. 16,15: Gehet hin in alle Welt und prediget das Evangelium aller Kreatur!

    Matth. 26,27: Und er nahm den Kelch und dankte, gab ihnen den und sprach: Trinket alle daraus!

 

*20. Ist’s denn aber mit dieser allgemeinen Berufung Gott ein rechter Ernst?

    Es sei fern, „dass wir solchen Beruf Gottes, so durch die Predigt des Wortes geschieht, sollten für ein Spiegelfechten halten, sondern sollen gewiss wissen, dass dadurch Gott seinen Willen, und zwar seinen ganz ernsten Willen, offenbart, dass er in denen, die er durch das Wort des Evangeliums beruft, wirken wolle, dass sie erleuchtet, bekehrt und selig werden mögen“. Und zwar ist dieser Wille Gottes so sehr ernst, dass er sogar mit Tränen der Unbußfertigkeit derer, welche verloren gehen, nachgeht und feierlich beteuert, dass er den Tod der Sterbenden nicht will, sondern dass er sie habe sammeln wollen, wie eine Henne ihre Jungen sammelt. Konk. Formel, Ausf. Darl., XI, 29

    Hes. 18,23: Meinst du, dass ich Gefallen habe am Tode des Gottlosen, spricht der HERR HERR, und nicht vielmehr, dass er sich bekehre von seinem Wesen und lebe?

    Hes. 33,11: So wahr als ich lebe, spricht der HERR HERR, ich habe keinen Gefallen am Tode des Gottlosen, sondern dass sich der Gottlose bekehre von seinem Wesen und lebe. So bekehret euch doch nun von eurem bösen Wesen! Warum wollt ihr sterben, ihr vom Hause Israel?

    Matth. 23,37: Jerusalem, Jerusalem, die du tötest die Propheten und steinigst, die zu dir gesandt sind, wie oft habe ich deine Kinder versammeln wollen, wie eine Henne versammelt ihre Küchlein unter ihre Flügel; und ihr habt nicht gewollt!

 

+21. Ist die ewige Wahl Gottes ebenso allgemein wie die Barmherzigkeit Gottes, die Erlösung und die Berufung allgemein ist?

    Nein. Denn hier jenes Wort Christi Statt: Viele sind berufen, aber wenige sind auserwählt. „und hat’s die Meinung in keinem Wege, dass auch diejenigen die Auserwählten sein sollten, wenn sie gleich das Wort Gottes verachten, von sich stoßen, lästern und verfolgen; aber, wenn sie es hören, ihre Herzen verstocken, dem heiligen Gott widerstreben, ohne Buße in Sünden verharren und an Christus nicht wahrhaft glauben.“ (Konk. Formel, Ausf. Darl. XI, 34); Konk. Formel, Ausf. Darl., XI, 39

 

+22. Aber warum so?

    Weil, „wie Gott in seinem ewigen Rat verordnet hat, dass der Heilige Geist die Auserwählten durchs Wort berufen, erleuchten und bekehren, und dass er alle die, so durch rechten Glauben Christus annehmen, gerecht und selig machen wolle: Also hat er auch in seinem ewigen Rat beschlossen, dass er diejenigen, so durchs Wort berufen werden, wenn sie das Wort von sich stoßen und dem Heiligen Geist, (der in ihnen durchs Wort kräftig sein und wirken will) widerstreben und darin verharren, verstocken und verdammen wolle“. Konk. Formel, Ausf. Darl., XI, 40

 

*23. Somit ist also die Ursache dieser Sonderung nicht in Gott?

    Ganz recht. Denn dass viele berufen, wenige aber auserwählt sind, kommt nicht daher, dass es mit Gottes Beruf, so durchs Wort geschieht, die Meinung haben sollte, als wollte Gott nicht, dass alle durch dasselbe bekehrt und selig gemacht würden. Denn das hieße, Gott widersprechende Willensmeinungen andichten; als wenn der, welcher die ewige Wahrheit ist, sich selbst zuwider wäre oder etwas anderes spräche, anderes aber im Herzen meinte, so doch Gott solche Untugend auch an Menschen straft. Ja, auf diese Weise wird sogar der Grund unseres Glaubens umgestürzt, welcher sich allein auf das Wort Gottes stützt, und uns aus demselben über den Willen Gottes, im Bezug auf unser Heil, Gewissheit gibt. (Konk. Formel, Kurze Darl., XI, 12; Konk. Formel, Ausf. Darl., XI, 39); Konk. Formel, Ausf. Darl., XI, 35.36

 

*24. [Warum ist es so, dass zwar viele berufen, aber nur wenige auserwählt sind?

    Gott hat in seinem Rat verordnet, dass der Heilige Geist die Auserwählten durchs Wort berufen, erleuchten, bekehren, und dass er alle die, so durch rechten Glauben Christus annehmen, gerecht und selig machen wolle. Ebenso hat er in seinem Rat auch beschlossen, dass er diejenigen, so durchs Wort berufen werden, wenn sie das Wort von sich stoßen und dem Heiligen Geist, der in ihnen durchs Wort kräftig sein und wirken will, widerstreben und darin verharren, dass er sie verstocken, verwerfen, verdammen wolle. Und so sind viele berufen und wenige auserwählt. Solche Verachtung des Wortes ist nicht die Ursache der Vorsehung Gottes, sondern des Menschen verkehrter Wille, der das Mittel und Werkzeug des Heiligen Geistes von sich stößt oder verkehrt und dem Heiligen Geist widerstrebt. Wer aber gerecht wird, der wird ohne alle unsere Werke und Verdienst, lauter aus Gnaden, allein um Christi willen gerecht und selig. Denn vor der Zeit der Welt, ehe der Welt Grund gelegt ward, da wir ja nichts Gutes haben tun können, sind wir nach Gottes Vorsatz aus Gnaden in Christus zur Seligkeit erwählt, Röm. 9; 2. Tim. 1. Wer also zum Glauben an Christus kommt, der kann das einzig und allein Gottes gnädigen Erwählen und Wirken zuschreiben; wer verloren geht, geht allein aus eigener Schuld verloren. Konk. Formel, Ausf. Darl., XI, 40.41.42.43]

 

+25. In wem ist die Erwählung geschehen?

    In Christus allein:

    Eph. 1,4: Gott hat uns in Christus erwählt, ehe der Welt Grund gelegt war, dass wir sollten sein heilig und unsträflich vor ihm. V. 6: Er hat uns angenehm gemacht in dem Geliebten.

    „Also weist die ganze heilige Dreieinigkeit, Gott Vater, Sohn und Heiliger Geist, alle Menschen auf Christus als auf das Buch des Lebens, in dem sie des Vaters ewige Wahl suchen sollen.“ Weshalb Christus selbst spricht: Niemand kommt zum Vater denn durch mich. Joh. 14,6. Und: Ich bin die Tür, wer durch mich eingeht, der wird gerettet werden. Joh. 10,9. Konk. Formel, Ausf. Darl., XI, 65-66

 

*26. Christus ist jedoch der Erlöser aller Menschen: Wenn nun die Erwählung in Christus geschehen ist, so sind alle Menschen in Christus erwählt und folglich ist eine allgemeine Erwählung festzusetzen?

    [Keineswegs. „Das ist von Ewigkeit bei dem Vater beschlossen, wen er wolle selig machen, den wolle er durch Christus selig machen. … Christus aber, als der eingeborne Sohn Gottes, der in des Vaters Schoß ist, hat uns des Vaters willen und also auch unsere ewige Wahl zum ewigen Leben verkündigt, nämlich da er sagt]: Tut Buße und glaubt an das Evangelium, Mark. 1,15.

     Und an anderer Stelle: Das ist der Wille des, der mich gesandt hat, dass, wer den Sohn Gottes sieht und glaubt ihm, hat das ewige Leben, Joh. 6,40.

     Und anderswo: Also hat Gott die Welt geliebt, dass er seinen eingebornen Sohn gab, , damit alle, die an ihn glauben, nicht verloren werden, sondern das ewige Leben haben, Joh. 3,16.

    [„Dass aber nicht alle die, so es gehört, glauben und deshalb so viele desto tiefer verdammt werden, ist nicht die Ursache, dass ihnen Gott die Seligkeit nicht gegönnt hätte, sondern sie selbst sind schuldig dran, die solchergestalt das Wort gehört, nicht zu lernen, sondern dasselbe allein zu verachten, zu lästern und zu schänden, und dass sie dem heiligen Geist, der durchs Wort in ihnen wirken wollte, widerstrebt haben. … So unterscheidet der Apostel mit besonderem Fleiß das Werk Gottes, der allein Gefäße der Ehren macht, und das Werk des Teufels und des Menschen, der sich selbst aus Eingebung des Teufels und nicht Gottes zum Gefäß der Unehren gemacht hat.“] Konk. Formel, Ausf. Darl., XI, [66.]67[.78.79]

 

*27. Ist also festzustellen, dass Gott in Vorsehung des Glaubens die Menschen erwählt hat?

    [Keineswegs. Denn es ist falsch und unrecht, wenn gelehrt wird, dass nicht allein die Barmherzigkeit Gottes und das allerheiligste Verdienst Christi, sondern auch in uns eine Ursache der Wahl Gottes sei, um welcher willen Gott uns zum ewigen Leben erwählt habe. Denn nicht allein, ehe wir Gutes getan, sondern auch, ehe wir geboren werden, hat er uns in Christus erwählt, ja, ehe der Welt Grund gelegt war, und „auf dass der Vorsatz Gottes bestünde nach der Wahl, ward zu ihm gesagt, nicht aus Verdienst der Werke, sondern aus Gnaden des Berufers, also: Der Ältere soll dienstbar werden dem Jüngeren.“

    So ist der Glaube nicht Ursache der Wahl, sondern umgekehrt, die ewige Wahl ist Ursache des Glaubens, denn sie ist Erwählung in Christus zur Rettung um Christi willen durch den Glauben an Christus. Darum kann auch der Glaube getrost sein in aller Anfechtung und weiß, dass ohne den Glauben niemand selig wird, und soll im Glauben an Christus seiner Erwählung gewiss sein.

    2. Thess. 2,13-14: Gott hat euch erwählt von Anfang zur Seligkeit in der Heiligung des Geistes und im Glauben der Wahrheit, darein er euch berufen hat durch unser Evangelium zum herrlichen Eigentum unsern HERRN Jesus Christus.

    2. Tim. 2,9: Er hat uns selig gemacht und berufen mit einem heiligen Ruf, nicht nach unsern Werken, sondern nach seinem Vorsatz und Gnade, die uns gegeben ist in Christus Jesus vor der Zeit der Welt.

Konk. Formel, Kurze Darl., XI, 13; Konk. Formel, Ausf. Darl., XI, 87-88]1

 

*28. Aber Gott scheint Ursache zu sein, dass nicht alle glauben; denn er schenkt nicht allen den Glauben?

    Es sei ferne von uns zu behaupten, dass Gott irgendeinem Menschen entweder den Glauben oder, als Folge davon, die Seligkeit nicht gönne. Nein, die Gottlosen selbst sind Ursache ihres Verderbens und tragen die Schuld, weil sie das Wort nicht mit der Aufmerksamkeit oder dem Vorsatz gehört haben, dass sie dasselbe mit Ernst oder mit Begierde lernten, sondernd ass sie es verachteten, lästerten und schändeten und dem heiligen Geist, welcher durch das Wort in ihnen wirken wollte, widerstanden. (Konk. Formel, Kurze Darl., XI, 12); Konk. Formel, Ausf. Darl., XI, 78

 

+29. Du hast oben unter die Merkmale der Auserwählten auch die Beharrlichkeit gestellt: Ich möchte daher wissen, ob die Auserwählten über ihre Beharrlichkeit im Glauben gewiss sein können?

    Sie können deren ganz gewiss sein. Denn zum ersten wissen sie, dass ihre Erwählung und Seligkeit einzig und allein in Christus gegründet sind, den auch die Pforten der Hölle nicht überwältigen können.

    Matth. 16,18: Und auf diesen Felsen will ich bauen meine Gemeinde, und die Pforten der Hölle sollen sie nicht überwältigen.

Konk. Formel, Ausf. Darl., XI, 45-46:

    Es gibt auch also diese Lehre den schönen, herrlichen Trost, dass Gott eines jeden Christen Bekehrung, Gerechtigkeit und Seligkeit so hoch sich hat angelegen sein lassen und es so treulich damit gemeint, dass er, ehe der Welt Grund gelegt, darüber Rat gehalten und in seinem Vorsatz verordnet hat, wie er mich dazu bringen und darin erhalten wolle; item, dass er meine Seligkeit so wohl und gewiss habe verwahren wollen, weil sie durch Schwachheit und Bosheit unsers Fleisches aus unsern Händen leichtlich könnte verloren oder durch List und Gewalt des Teufels und der Welt daraus gerissen und genommen werden, dass er dieselbe in seinem ewigen Vorsatz, welcher nicht fehlen oder umgestoßen werden kann, verordnet und in die allmächtige Hand unsers Heilandes Jesu Christi, daraus uns niemand reißen kann, zu bewahren gelegt hat, Joh. 10; daher auch Paulus sagt Röm. 8: "Weil wir nach dem Vorsatz Gottes berufen sind, wer will uns denn scheiden von der Liebe Gottes in Christus?"

    Zweitens. Dazu wohnt der Heilige Geist in den Auserwählten als in seinem Tempel; und er ist in diesen nicht müßig, sondern treibt sie zum Gehorsam gegen die Gebote Gottes; ja, er gibt ihnen Zeugnis, dass sie Gottes Kinder sind [,Röm. 8,17]. Konk. Formel, Ausf. Darl., XI, 73

    Schließlich wissen sie gewiss, dass Gott, wenn sie ihn anrufen, sie erhört, Luk. 11,13: „So denn ihr, die ihr arg seid, könnt euren Kindern gute Gaben geben, wie viel mehr wird der Vater im Himmel den Heiligen Geist geben denen, die ihn bitten.“ Konk. Formel, Ausf. Darl., XI, 72

 

30. So können folglich die Auserwählten nicht aus der Gnade Gottes fallen?

    Wohl können sie es, doch so, dass sie durch wahre Buße und Glauben sich durch die Kraft des Heiligen Geistes wiederum zu Gott bekehren und zum Leben wieder kommen. Denn wenn sie nicht zurückkehrten, so wären sie nicht in der Zahl der Erwählten, sondern gehörten nur zu denen, welche eine Zeitlang glauben, aber in den Tagen der Verfolgung abfallen und verdammt werden.

Konk. Formel, Ausf. Darl., XI, 75:

    Und weil unsere Wahl zum ewigen Leben nicht aus unserer Frömmigkeit oder Tugend, sondern allein auf Christus’ Verdienst und den gnädigen Willen seines Vaters gegründet ist, der sich selbst nicht verleugnen kann, weil er in seinem Willen und Wesen unwandelbar ist: derhalben, wenn seine Kinder aus dem Gehorsam treten und straucheln, lässt er sie durchs Wort wieder zur Buße rufen, und will der Heilige Geist dadurch in ihnen zur Bekehrung kräftig sein; und wenn sie in wahrer Buße durch rechten Glauben sich wieder zu ihm bekehren, will er das alte Vaterherz immer erzeigen allen denen, die sich ob seinem Wort fürchten und von Herzen wieder zu ihm bekehren; wie geschrieben steht Jer.3: "Wenn sich ein Mann von seinem Weibe scheiden lässt, und sie zieht von ihm und nimmt einen andern Mann, darf er sie auch wieder annehmen? Ist’s nicht also, dass das Land verunreiniget würde? Du aber hast mit viel Buhlern gehurt; doch komm wieder zu mir, spricht der Herr“.

 

*31. Ist die Zahl der Erwählten bestimmt?

Ja, [allerdings, da ja Gott weiß, wen und wie viele er vor der Zeit der Welt in Christus zur Rettung durch den Glauben an Christus erwählt hat. Uns aber hat er diese Zahl nicht mitgeteilt.

Konk. Formel, Ausf. Darl., XI, 54-56:

    Also ist daran kein Zweifel, dass Gott gar wohl und aufs allergewisseste vor der Zeit der Welt zuvor ersehen habe und noch wie, welche von denen, so berufen werden, glauben oder nicht glauben werden; item, welche von den Bekehrten beständig, welche nicht beständig bleiben werden; welche nach dem Fall wiederkehren, welche in Verstockung fallen werden. So ist auch die Zahl, wie viele derselben beiderseits sein werden, Gott ohne allen Zweifel bewusst und bekannt. 

    Weil aber solches Geheimnis Gott seiner Weisheit vorbehalten und uns im Wort davon nichts offenbart, viel weniger solches durch unsere Gedanken zu erforschen uns befohlen, sondern uns ernstlich davon abgehalten hat, Röm. 11, sollen wir mit unsern Gedanken nicht folgern, schließen noch darin grübeln, sondern uns an sein geoffenbartes Wort, darauf er uns weiset, halten.

   Also weiß auch Gott ohne allen Zweifel und hat einem jeden Zeit und Stunde seines Berufs, Bekehrung bestimmt; weil aber uns solches nicht offenbart ist, haben wir Befehl, dass wir immer mit dem Wort anhalten, die Zeit aber und Stunde Gott befehlen sollen, Apg. 1.]

 

 

Abschnitt 14: Von den guten Werken

 

+1. Will Gott, dass die Gläubigen in guten Werken wandeln?

    Darüber ist kein Streit, dass alle Menschen, vorzüglich aber diejenigen, welche durch den Heiligen Geist wiedergeboren und erneuert sind, gute Werke zu tun schuldig sind.

    Matth. 5,16: So soll euer Licht leuchten vor den Leuten, dass sie eure guten Werke sehen und euren Vater im Himmel preisen.

    2. Kor. 9,8: Ihr seid reich zu jedem guten Werk.

    1. Thess. 4,7: Denn Gott hat uns nicht berufen zur Unreinigkeit, sondern zur Heiligung.

    Eph. 2,10: Wir sind sein Werk, geschaffen in Christus Jesus zu guten Werken, welche Gott zuvor bereitet hat, dass wir darin wandeln sollen.

    Und wie es unmöglich ist, dass ein guter Baum schlechte Früchte trage, Matth. 7,18, ebenso ist es unmöglich, dass ein durch den Glauben Gerechtfertigter der guten Werke ermangele. (Augsb. Bek., VI; XX);

Konk. Formel, Kurze Darl., IV, 8:

    Wir glauben, lehren und bekennen auch, das alle Menschen, sonderlich aber die durch den Heiligen Geist wiedergeboren und erneuert sind, schuldig seien, gute Werke zu tun.

Konk. Formel, Ausf. Darl., IV, 7:

    Erstlich ist in diesem Artikel von folgende Punkten unter den unsern kein Streit: als, dass es Gottes Wille, Ordnung und Befehl sei, das die Gläubigen in guten Werken wandeln sollen

 

2. Was sind gute Werke?

    Gute Werke sind die inneren und äußeren Handlungen, welche von Gott geboten und in den Zehn Geboten zusammengefasst sind, und welche von den Wiedergeborenen im Glauben durch den Heiligen Geist geschehen, zur Verherrlichung Gottes, und um unsern Gehorsam sowohl als unsere Dankbarkeit gegen Gott darzulegen.

 

3. Also behauptest du, dass keine Werke wahrhaft gut sind, außer die, welche von Gott selbst geboten sind?

    Gewiss. Denn das sind keine wahrhaft guten Werke, „die ihm ein jeder, aus guter Meinung, selbst erdenkt, oder die nach Menschensatzung geschehen, sondern die Gott selber in seinem Wort vorgeschrieben und befohlen hat.

    5. Mose 12,8.32: Ihr sollt es nicht so halten, wie wir es heute hier tun, ein jeder, was ihn recht dünkt. Alles, was ich euch gebiete, das sollt ihr halten und danach tun. Ihr sollt nichts dazutun und nichts davon tun.

Konk. Formel, Ausf. Darl., IV, 7

 

4. Wie geschehen wahrhaft gute Werke?

    „Rechtschaffene gute Werke geschehen nicht aus eigenen natürlichen Kräften, sondern also, wenn die Person durch den Glauben mit Gott versöhnt, und durch den Heiligen Geist erneuert, oder, wie Paulus redet, Eph. 2,10, in Christus Jesus neu geschaffen wird zu guten Werken“. Konk. Formel, Ausf. Darl., IV, 7

 

5. Gefallen Gott die guten Werke, und wenn ja: Warum?

    Die guten Werke gefallen Gott und sind ihm angenehm wegen unsers Herrn Jesus Christus, der im Glauben ergriffen wird, welcher Glaube macht, dass die Person Gott angenehm und wohlgefällig ist. (Apol. IV, 189; Konk. Formel, Ausf. Darl., IV, 7)

 

*6. Folglich gefallen die guten Werke der Heiden Gott nicht?

    „Die Werke, so zur Erfüllung äußerlicher Zucht gehören, welche auch von den Ungläubigen und Unbekehrten geschehen, obwohl vor dieser Welt dieselben löblich, dazu auch von Gott in dieser Welt mit zeitlichen Gütern belohnt werden, jedoch weil sie nicht aus rechtem Glauben gehen, sind sie vor Gott Sünde, das ist, mit Sünden befleckt, und werden vor Gott für Sünde und unrein gehalten, weil die Person mit Gott nicht versöhnt ist, denn ein böser Baum kann nicht gute Früchte bringen. Und: Was nicht aus Glauben geht, das ist Sünde. Röm. 14,23.“ Konk. Formel, Ausf. Darl., IV, 8

 

7. Aus welchen Gründen müssen die guten Werke geschehen?

    Gute Werke sind geboten:

    1. wegen des Befehls Gottes;

    2. wegen der Übung des Glauben;

    3. um des Bekenntnisses willen;

    4. aus Dankbarkeit;

    5. wegen der Belohnungen, welche ihnen aus Gnaden verheißen und zugesagt sind.

Apol. IV, 189:

    Denn gute Werke müssen geschehen, wegen des Befehls Gottes, ferner den Glauben zu üben, wegen des Bekenntnisses und des Dankes. Aus diesen Ursachen müssen die guten Werke notwendig geschehen, welche, obgleich sie im noch nicht völlig erneuerten Fleisch geschehen, das die Bewegungen des Heiligen Geistes enthält und etwas von seiner Unreinigkeit anspritzt, doch wegen des Glaubens heilige, göttliche Werke sind, Opfer und Staatsregierung Christi, welcher sein Reich vor dieser Welt zeigt. Denn in denselben heiligt er die Herzen und den Teufel zurück und setzt, damit er das Evangelium unter den Menschen erhalte, dem Reich des Teufels das Bekenntnis der Heiligen entgegen und offenbart in unserer Schwachheit seine Macht.

Anmerkung: Diese Stelle der Apologie ist aus dem lateinischen Grundtext ganz wörtlich übersetzt, weil sie im deutschen Original nur mehr den Sinn wiedergebend als wortgetreu übertragen ist, und deshalb zur Erhärtung unserer Frage nicht geeignet war. Sie steht in der Leipziger Ausgabe, S. 193 ff.

 

8. Sind diese Belohnungen der guten Werke eben die Gnade selbst, durch welche wir gerechtfertigt werden?

    Nein! Denn die Gnade Gottes, Vergebung der Sünden, Rechtfertigung und ewiges Leben erlangen wir nur durch den Glauben, nicht durch unsere Verdienste.

    Richtig werden daher die Belohnungen der guten Werke erklärt teils durch leibliche Güter dieses Lebens, teils durch die Stufen der Herrlichkeit im ewigen Leben. Doch diese Belohnungen selbst hängen nicht von dem Verdienst unserer Werke ab, sondern einzig und allein von der Gnade Gottes, welcher sie zugesagt hat. Apol. IV, 189

 

+9. Können wir denn durch gute Werke unsere Rechtfertigung und das ewige Leben verdienen?

    Nicht im Geringsten. „Denn wir empfangen Vergebung der Sünde und Gerechtigkeit allein durch den Glauben an Christus, wie Christus selbst spricht: Luk. 17,10: So ihr dies alles getan habt, sollt ihr sprechen: Wir sind unnütze Knechte.

    Zum zweiten verdunkelt die Meinung vom Verdienst der guten Werke den Ruhm Christi, weil die Menschen diese ihre Werke Gott vorlegen als den Preis und die Versöhnung.

Ausgsb. Bek. XX,10:

    Wer nun meint, solches durch Werke auszurichten und Gnade zu verdienen, der verachtet Christus und sucht einen eigenen Weg zu Gott, wider das Evangelium.

    Zum dritten: „Erschrockene Gewissen finden keinen Frieden in solchen Werken; sondern indem sie in wahrem Schrecken stets eines auf das andere häufen, verzweifeln sie endlich, weil sie kein Werk finden, das rein genug sei; so dass das Gesetz dieselben stets anklagt und verdammt.“ Apol. IV, 204-205

    Zum vierten: Diejenigen, die auf ihre Werke vertrauen, erlangen niemals die Erkenntnis Gottes, sondern erzürnt fliehen sie vielmehr den zürnenden und strafenden Gott, und meinen auch nie, dass sie erhört werden. Aber der Glaube zeigt, dass Gott wegen des Sohnes umsonst vergebe und erhöre. Augsb. Bek., XX

    Schließlich widerspricht es der Heiligen Schrift, die bezeugt, dass wir gerechtfertigt und gerettet werden allein durch den Glauben, ohne Werke, wie im vorigen Artikel gezeigt ist.

Augsb. Bek. XX; Apol. IV, 204-205

 

+10. Sind die guten Werke notwendig oder freiwillig?

    Dass die guten Werke notwendig sind, nicht zwar zur Seligkeit, sondern aus andern Ursachen, geht aus dem schon Gesagten deutlich genug hervor. Denn sie werden von den Gläubigen verlangt als Früchte des Glaubens, und der Glaube ohne die Liebe ist tot, obgleich die Liebe nicht die Ursache unserer Seligkeit ist. Konk. Formel, Ausf. Darl., IV, 1

 

*11. Dies scheint zu widerstreiten mit der Freiheit der Kinder Gottes, da deren Werke nicht notwendig, sondern freiwillig sind?

    Diese zwei streiten durchaus nicht wider einander, was völlig klar wird, sobald man eine doppelte Unterscheidung beobachtet. Denn erstens wird das Wort „notwendig“ in dem Sinne gebraucht, dass es eine unumgängliche Notwendigkeit oder einen Zwang bedeutet. Zweitens wird das Wort „notwendig“ in einem bedingten Sinne gebraucht, so dass man darunter einen schuldigen Gehorsam versteht, der geleistet wird wegen Gottes Ordnung, (S. 98) Befehls und Willens. Im ersteren Sinne hebt die Notwendigkeit alle Freiheit zu handeln auf: im letzteren aber ist sie der Freiheit untergeordnet. Konk. Formel. Kurze Darl. Art. IV,1-4

 

*12. Was ist die andere Unterscheidung?

    Diese betrifft das Wort frei, oder Freiheit, welches entweder eigentlich, oder uneigentlich gebraucht wird. In seinem eigentlichen Sinne genommen, wird es der sklavischen Notwendigkeit und dem Zwange entgegengesetzt: uneigentlich genommen aber wird es der Ordnung, dem Befehl und der Pflicht des Gesetzes gegenüber gestellt; denn das Gesetz ist der Freiheit nicht geradezu entgegengesetzt, sondern sie sind einander untergeordnet.

 

*13. Füge nun diese Unterscheidungen zu der vorliegenden Frage und zeige, ob die guten Werke notwendig sind oder frei?

    Wenn jene Unterscheidungen beobachtet werden, so ist klar, dass die guten Werke der Wiedergeborenen sowohl freiwillige, als auch notwendige sind. Notwendige sind sie aber nicht aus Notwendigkeit des Zwanges: sondern nur aus der Notwendigkeit des Befehls, oder jenes schuldigen Gehorsams, welchen die Rechtgläubigen, so viel sie wiedergeboren, nicht aus Zwang oder Treiben des Gesetzes, sondern aus freiwilligem Geiste leisten, weil sie nicht mehr unter dem Gesetze, sondern unter der Gnade sind.“ Konk. Formel, Kurze Darl., Art. IV,10.11.

    Wiederum sind dieselben Werke frei, das Wort Freiheit eigentlich genommen, sofern nämlich die Wiedergeborenen mit freiwilligem Geiste wirken: nicht aber sind sie auf solche Weise frei, „als ob es in des wiedergeborenen Menschen Willkür stehe, Gutes zu tun oder zu lassen, wenn er wolle, und gleichwohl den Glauben behalten möge, wenn er in Sünden vorsätzlich verharret.“ Konk. Formel, Kurze Darl., Art. IV, 16.17.

 

+14. Wenn die guten Werke notwendig sind, sind sie dann zur Seligkeit notwendig?

    In den vorigen Jahren, bald nach dem Tode unseres sel. Luthers, gab es Einige, welche diese Redensarten gebrauchten: „Gute Werke sind nötig zur Seligkeit; Es ist unmöglich, ohne gute Werke selig zu werden; Es ist niemals jemand ohne gute Werke selig worden.“ Aber aus gewissen und wichtigen Gründen sind diese Sätze, als solche, die von der Form der gesunden Worte abweichen, von den Rechtgläubigen missbilligt und verworfen worden. S. Konk. Formel, Kurze Darl., Art. IV,2; – Ausf. Darl., Art IV,1.

 

+15. Nenne diese Gründe!

    I. Diese Redensarten streiten schlechthin wider die Lehre von den ausschließenden Partikeln, d. i. den Worten, mit welchen St. Paulus unsere Werke und Verdienst aus dem Artikel der Rechtfertigung ausschließt. Denn der heil. Paulus schließt unsere Werke und Verdienste von jenem Artikel völlig aus, und schreibt Alles der alleinigen Gnade und Barmherzigkeit Gottes und dem Verdienste Christi zu, versichernd, dass der Seligkeit nur der Mensch teilhaftig werde, dem Gott die Gerechtigkeit zurechnet ohne Werke. Röm. 4,6.

    II. Diese Sätze nehmen den angefochtenen und betrübten Gewissen den wahren Trost des Evangeliums, und geben Ursache zum Zweifel an der Gnade Gottes.

    III. Diese Redensarten stärken die Vermessenheit und den falschen Wahn eigener Gerechtigkeit, nebst dem Vertrauen auf eigene Würdigkeit.

    IV. Sie sind aus der Formel des Interims hervorgegangen, und haben daher offenbare Feinde der Wahrheit zu Urhebern. 

    V. Der sel. Luther hat diese Sätze an den falschen Aposteln, welche die Galater in Irrtum führten, an den Papisten, Anabaptisten und endlich an einigen andern verworfen und verdammt. Konk. Formel, Kurze Darl., Art. IV, 22-28.

 

*16. Erhalten denn die guten Werke nicht den Glauben, die Gerechtigkeit und die Seligkeit?

    Nein. „Denn der Glaube ergreift die Gerechtigkeit und Seligkeit nicht also, dass er darnach sein Amt den Werken übergebe, dass dieselben daraufhin den Glauben, die Gerechtigkeit und Seligkeit erhalten müssen, sondern der Glaube ist das eigentliche einige Mittel, dadurch Gerechtigkeit und Seligkeit nicht allein empfangen, sondern auch erhalten wird.“

Konk. Formel, Kurze Darl., Art. IV. – Ausf. Darl., Art. IV,34:

    X. Wir glauben, lehren und bekennen auch, dass den Glauben und die Seligkeit in uns nicht die Werke, sondern allein der Geist Gottes die Seligkeit durch den Glauben erhalte, dass Gegenwärtigkeit und Inwohnung die guten Werke Zeugen seien.

 

17. Lieber, beweise solches aus der Heiligen Schrift!

    „Der heil. Paulus gibt Röm. 5,1 und 2 dem Glauben nicht allein den Eingang zur Gnade, sondern auch, dass wir in der Gnade stehen und uns rühmen der zukünftigen Herrlichkeit; das ist, Anfang, Mittel und Ende gibt er alles dem Glauben allein, indem er sagt: ‚Nun wir denn sind gerecht geworden durch den Glauben, so haben wir Frieden mit Gott durch unsern HERRN Jesus Christus, durch welchen wir auch einen Zugang haben im Glauben zu dieser Gnade, darinnen wir stehen, und rühmen uns der Hoffnung der Herrlichkeit Gottes.“ Konk. Formel, Ausf. Darl., Art. IV,34.

    Röm. 11,20: Sie sind zerbrochen um ihres Unglaubens willen; du stehst aber durch den Glauben.

   Kol. 1,22.23: Auf dass er euch darstellte heilig und unsträflich und ohne Tadel vor ihm selbst; so ihr anders bleibt im Glauben gegründet und fest.

1.        Petr. 1,5: Euch, die ihr aus Gottes Macht durch den Glauben bewahrt werdet zur Seligkeit.

 

+18. Wenn die guten Werke zur Seligkeit nicht notwendig sind, so werden sie schädlich und verderblich zur Seligkeit sein?

    „Wenn jemand die guten Werke in den Artikel der Rechtfertigung ziehen, seine Gerechtigkeit oder das Vertrauen der Seligkeit darauf setzen, damit die Gnade Gottes verdienen und dadurch selig werden wollte: Hierauf sagt Paulus selbst, dass einem solchen Menschen seine Werke nicht allein unnützlich und hinderlich, sondern auch schädlich sind.“ Konk. Formel, Ausf. Darl., Art. IV,37.

    Phil. 3,7.8: Aber was mir gewinn war, das habe ich um Christi willen für Schaden geachtet. Denn ich achte es alles für Schaden gegen die überschwängliche Erkenntnis Jesu Christi, meines HERRN, um welches willen ich alles habe für Schaden gerechnet und achte es für Dreck, auf dass ich Christus gewinne.

 

+19. Auf diese Weise wären die guten Werke an sich schädlich und verderblich?

    Du schließt schlecht von dem Zufälligen auf das, was an sich ist. Denn durch das Zufällige geschieht es, dass die guten Werke schädlich sind, sofern nämlich ein falsches Vertrauen gegen das ausdrückliche Wort Gottes auf sie gesetzt wird. Doch deshalb ist es nicht erlaubt, einfach und nackt zu behaupten: Gute Werke sind den Gläubigen zu oder an ihrer Seligkeit schädlich. Denn diese Redensart, also bloß gesetzt, ist falsch und ärgerlich, dadurch Zucht und Ehrbarkeit geschwächt, das rohe, wilde, sichere, epikuräische Leben eingeführt und gestärkt wird. Konk. Formel, Ausf. Darl., Art. IV, 38.39.

 

 

Abschnitt 15: Von der Buße und der Beichte

 

*1. Können die, welche nach der Taufe gefallen sind, von neuem in die Gnade bei Gott zurückkehren?

    Schon vor Zeiten leugneten die Novatianer, dass die nach der Taufe Gefallenen zur Gnade zurückkehren könnten. Von solchen nun geht unsre Kirche ab und lehrt: „Dass diejenigen, so nach der Taufe gesündigt haben, zu aller Zeit, so sie zur Buße kommen mögen, Vergebung der Sünden erlangen, und ihnen die Absolution von der Kirche nicht soll verweigert werden. Augsb. Bek., Art. 12.

 

+2. Lehrt denn die Heilige Schrift ebenso?

    Ja. Denn dies ist das eigentlichste Ziel des Evangeliums, dass es den Reuigen die Gnade Gottes und gnädige Vergebung der Sünden verkündige, und dies nicht einmal nur, sondern so oft ein armer Sünder Buße tut und seine Sünden herzlich bereut. So spricht der Herr Hes. 18,30.32: „Bekehrt euch von aller eurer Übertretung, auf dass ihr nicht fallen müsst um der Missetat willen. Denn ich habe keinen Gefallen am Tode des Sterbenden. Darum bekehrt euch, so werdet ihr leben!“

    So vertraut Christus Matth. 18,18 den Aposteln und Kirchendienern [und allen Christen] den Löseschlüssel an, indem er spricht: Welchen ihr die Sünden erlasst, denen sind sie erlassen. Welchen aber usw.“ Also nicht nur den noch nicht Wiedergebornen, sondern auch denen, die nach der Taufe gefallen sind.

    So haben auch Petrus, der über die Verleugnung Christi, und Thomas, der über seinen Unglauben Reu und Leid hatte, Gnade und Vergebung der Sünden erlangt.

 

3. Was ist die Buße?

    Die Buße oder Bekehrung zu Gott ist die Zerknirschung des Herzens über unsere Sünde und das Vertrauen, welches sich um Christi willen die Vergebung der Sünden, Versöhnung, Rechtfertigung und Lebendigmachung gewiss verspricht, verbunden mit dem festen Vorsatz, einen neuen Gehorsam anzufangen. Melanchthon.

 

4. Wie viele Stücke gehören zur Buße?

    Zwei: nämlich Reue und Leid über die Sünde und der Glaube. Ebend. Augs. Bek. Art. 12, 4.5

 

5. Gehört denn der neue Gehorsam nicht auch zu den Stücken der Buße?

    Der neue Gehorsam oder die guten Werke folgen auf wahre Reue und Leid und den Glauben. Daher machen sie nicht einen Teil der Buße aus, sondern sind vielmehr deren Früchte und Wirkung. Melanchthon. Augsb. Bek. Art. 12,6

 

6. Was verstehst du unter Zerknirschung oder Reue und Leid?

    „Wir sagen, dass Contritio oder rechte Reue das sei, wenn das Gewissen erschreckt wird und seine Sünde und den großen Zorn Gottes über die Sünde anhebt zu fühlen und ist ihm leid, dass es gesündigt hat.“ Apol. Art. V (XII), 29.

 

+7. Kannst du das aus der Heiligen Schrift beweisen?

    Ja. Denn von diesen Schrecken des Gewissens spricht die Heilige Schrift, Ps. 38,5: „Meine Sünden gehen über mein Haupt, wie eine schwere Last sind sie mir zu schwer geworden.“ Ps. 6,3: „Heile mich, HERR, denn meine Gebeine sind erschrocken, und meine Seele ist sehr erschrocken.“ Und Hiskia, Jes. 38,13: „Er zerbrach mir alle meine Gebeine, wie ein Löwe.“

 

8. Was verstehst du unter dem Glauben?

    Nichts anderes als das feste Vertrauen, dass uns durch und wegen des Verdienstes Christi, umsonst, ohne irgend unser Verdienst, alle unsere Sünden vergeben werden.

 

+9. Woher kann und soll die wahre Reue genommen werden?

    Dies wird erhellt aus dem vorigen Artikel, nämlich allein aus dem Gesetz, dessen Summe und Amt es ist, die Sünden zu strafen. „Denn durch das Gesetz kommt Erkenntnis der Sünde.“ Röm. 3,20. „Das Gesetz richtet Zorn an.“ Röm. 4,15. „Und ich erkannte die Sünde nicht außer durch das Gesetz.“ Röm. 7,7. – Apol. V (XII),34.

 

*10. Verdient die Reue etwas?

    Die Katholischen behaupten zwar, dass die Menschen durch solche Schmerzen und Schrecken Gnade verdienen, sofern sie Gott dabei lieben. Aber dies ist falsch und irrig, denn wie sollen die Menschen in so großen Schrecken Gott lieben, wenn sie den schrecklichen und unaussprechlichen Zorn Gottes fühlen. Ferner fehlt so viel daran, dass sie Gnade verdienen, dass sie vielmehr, wenn sie allein sind und bleiben, den Menschen zur Verzweiflung bringen, wie die Geschichten des Saul und Judas bezeugen.

 

*11. Was wird daher zu dieser Reue mehr erfordert, wenn sie heilsam sein soll?

    Das andere Stück der Buße wird erfordert, nämlich der Glaube an Christus. „Denn es muss in solchen Schrecken das Evangelium von Christus vorgehalten werden, in welchem verheißen ist Vergebung der Sünde, aus Gnaden, durch Christus.“ Apol. V (XII),35.

    Daher müssen die so zerschlagenen Herzen glauben, dass ihnen um Christi willen die Sünden aus Gnaden vergeben werden. Dieser Glaube richtet die Zerknirschten auf, stärkt und belebt sie, nach dem Wort: „So wir nun durch den Glauben gerechtfertigt sind, haben wir Friede mit Gott durch unsern HERRN Jesus Christus.“ Röm. 5,1. Dieser Glaube erlangt die Vergebung der Sünden; dieser Glaube rechtfertigt vor Gott. Apol. V (XII),36.

 

*12. Welche und wie viele Stücke ihrer Buße stellen die Katholischen auf?

    Diese drei: Reue des Herzens, Bekenntnis des Mundes und Genugtuung durch Werke. Mit solcher Vertröstung und Zusage: Wo der Mensch recht bereut, beichtet, genug tut, so habe er damit Vergebung verdient und die Sünde vor Gott bezahlt. Schmalk. Art., T. 3, Art. 3,12.13.

 

+13. Was hältst du von diesen drei Stücken?

    Ich meine, dass sie, so wie sie wenigstens von den Katholischen erklärt werden, keinen Grund in Heiliger Schrift haben, und dass es unmöglich, ja gottlos, ist, sie zu beobachten.

 

*14. Was für eine Reue fordern also die Katholischen?

    Erstens eine solche, welche nicht nur im Allgemeinen über alle Sünden, sondern welche auch im Besonderen über jede einzelne Sünde Leid trage, und zwar so, dass der Mensch für jede Sünde, über welche er keine Reue empfindet, auch keine Vergebung bekommt.

    Zweitens dichten sie, dass, wenn jemand eine solche Reue nicht haben könne, er wenigstens die attritio haben müsse, das ist die halbe Reue oder Anfang der Reue.

    Endlich, wenn jemand sagt, dass er solche Reue nicht haben könne, so fragen sie, ob er sich dieselbe nicht wünsche? Wenn er antwortet, dass er sie wünsche, so nehmen sie es für Reue an und vergeben ihm die Sünden wegen dieses seines guten Werkes. Schmalk. Art., T. 3, Art. 3,16.17.

 

*15. Was hältst du aber von dieser katholischen Reue?

    Ich halte dafür, dass solche Reue sei ein gemachter und erdichteter Gedanke aus eigenen Kräften, ohne Glaube, ohne Erkenntnis Christi, das ist, lauter Heuchelei, welche der Sünden Lust nicht töten kann. Schmalk. Art., T. 3, Art. 3,18.

 

*16. Was für ein Bekenntnis des Mundes erfordern die Katholischen?

    Einst wurde und wird noch jetzt von den Katholischen eine solche Beichte verlangt: „Ein jeglicher musste alle seine Sünden erzählen, welche er aber vergessen hatte, wurden ihm sofern vergeben, wenn sie ihm würden einfallen, dass er sie noch musste beichten.“ Schmalk. Art., T. 3, Art. 3,19.

 

+17. Vermisst du bei dieser Beichte etwas?

    Ja, denn erstens ist sie unmöglich. Denn wer kann sich an alle Sünden, die er, ich will nicht sagen in einem ganzen Jahr, sondern nur in einer Woche begangen hat, so erinnern, dass er sie nach der Reihe und einzeln aufzählen könnte. Ganz anders betet David: „Wer kann merken, wie oft er fehlet? Verzeihe mir die verborgenen Fehler.“ Ps. 19,13.

    Zweitens war diese Beichte nichts anderes als eine große Marter der Gewissen, welchen Stricke übergeworfen wurden, indem sie überredet waren, dass sie, ohne diese genaue Aufzählung, keine Vergebung der Sünden erlangen könnten.

    Drittens führte eine solche Beichte die Menschen zur Verzweiflung. Denn sie dichteten, dass sie, und zwar die ganze vollständige Beichte aller Sünden, zur Seligkeit notwendig sei. Weil aber das menschliche Gemüt niemals gewiss sein konnte, ob es alle Sünden gebeichtet habe, so wurde es an seiner Seligkeit zu verzweifeln gezwungen.

    Endlich dichteten sie, dass dieselbe verdienstlich sei; nämlich je aufrichtiger und offener die Beichte sei, und mit je größerer Scham sie vor dem Priester gesprochen wurde, desto völliger sei auch die Genugtuung für die Sünde. Schmalk. Art., T. 3, Art. 3,19. – Apol. V (XII),110.111.

 

+18. Du verwirfst also jedes Bekenntnis des Mundes?

    Nicht im geringsten. Ja, ich glaube vielmehr, dass die Beichte in der Kirche müsse beibehalten werden, wegen der Privatabsolution, welche ist Gottes Wort, das den Einzelnen, welche ihre Sünden ernstlich bekennen, die Vergebung der Sünden auf göttlichen Befehl verkündigt. Apol. VI (XII),99.

 

+19. Aber welche Beichte achtest du für notwendig?

    Gewiss achte ich nicht eine solche für notwendig, welche in Aufzählung aller Sünden besteht; denn solche ist unmöglich und beschwert die Gewissen. Sondern diejenige halte ich für notwendig, welche vor Gott entweder unmittelbar geschieht, wie die von David gesprochene, Ps. 32,5: „Darum bekenne ich dir meine Sünde und verhehle meine Missetat nicht. Ich sprach: Ich will dem HERRN meine Übertretung bekennen. Da vergabst du mir die Missetat meiner Sünde.“ Oder mittelbar, und dies zwar entweder öffentlich vor der ganzen Gemeinde oder privat vor dem Diener der Kirche, vor welchem die Beichte entweder im Allgemeinen über alle Sünden oder auch im Besondern über die eine oder andere Sünde geschieht, wenn etwa die Gewissensbisse eine solche spezielle Beichte erfordern. Augs. Bek., XI, 66; XXV,7. – Apol. VI (XII),99; Kl. Kat. Beichte.

 

+20. Was ist daher eine solche Beichte?

    Sie ist nichts anderes als eine solche Reue, in welcher man den Zorn Gottes fühlt, bekennt, dass Gott billig zürne, auch nicht durch unsere Werke könne versöhnt werden, und zugleich Barmherzigkeit und Vergebung der Sünden um Christi willen sucht. Apol. VI (XXII), 107.108.

 

+21. Was ist von der Privatabsolution zu halten?

    Dass es Gottes Befehl sei, dass wird er Absolution Glauben beimessen und fest dafür halten, dass wir so wahrhaftig mit Gott versöhnt sind, als wenn wir eine Stimme vom Himmel hierüber gehört hätten. Konk. Formel, Ausf. Darl., XI, 38.

 

+22. Was stellst du über das dritte Stück der katholischen Beichte fest?

    Ganz dasselbe wie über die katholische Ohrenbeichte: Dass nämlich die gesetzlichen Genugtuungen, welche von den Priestern zur Sühnung der Sünden aufgelegt werden, nicht göttlichen Rechtes und also gar nicht nötig sind. Denn diese Lehre muss vor allen Dingen erhalten werden und stehen bleiben, dass wir durch den Glauben Vergebung der Sünden erlangen, nicht durch unsere Werke, die vorher oder nachher geschehen, wenn wir bekehrt oder neu geboren sind in Christus. Apol. VI (XII), 116.

 

 

Abschnitt 16: Vom heiligen Predigtamt und dem Kirchenregiment

 

[A. Welches ist denn Christi evangelische Ordnung zur öffentlichen Verwaltung der Gnadenmittel?

    Christus hat dazu mit dem Apostelamt das heilige Predigtamt eingesetzt oder gestiftet, also geordnet, dass die christliche Versammlung oder Gemeinde Diener an Wort und Sakrament berufen soll, die im Auftrag der Gemeinde, von Gemeinschaftswegen, Wort und Sakrament nach innen (Gemeinde) und außen (Evangelisation und Mission) verwalten.

    Apg. 20,28: So habt nun Acht auf euch selbst und auf die ganze Herde, unter welche euch der Heilige Geist gesetzt hat zu Bischöfen, zu weiden die Gemeinde Gottes, welche er durch sein eigen Blut erworben hat.

    1. Kor. 10,28: Und Gott hat gesetzt in der Gemeinde aufs erste die Apostel, aufs andere die Propheten, aufs dritte die Lehrer, danach die Wundertäter, danach die Gaben, gesund zu machen, Helfer, Regierer, mancherlei Sprachen.

Eph. 4,11: Und er hat etliche zu Aposteln gesetzt, etliche zu Propheten, etliche zu Evangelisten, etliche zu Hirten und Lehrern.

    Tit. 1,5: Derhalben ließ ich dich in Kreta, dass du solltest vollends anrichten, da ich’s gelassen habe, und besetzten die Städte hin und her mit Ältesten, wie ich dir befohlen habe.

    1. Petr. 5,1: Die Ältesten, so unter euch sind, ermahne ich, der Mitälteste und Zeuge der Leiden, die in Christus sind, und teilhaftig der Herrlichkeit, die offenbart werden soll.

    1. Kor. 3,5: Wer ist nun Paulus? Wer ist Apollos? Diener sind sie, durch welche ihr seid gläubig geworden; und dasselbe, wie der HERR einem jeglichen gegeben hat.

    Wir haben eine gewisse Lehre, dass das Predigtamt vom allgemeinen Beruf der Apostel herkommt. (Schmalk. Art., Tract. 10)

 

B. Wie viele Ämter oder Dienste hat Christus eingesetzt?

    Christus hat mit dem Apostelamt, von dem alle anderen Dienste herkommen, nur ein Amt oder Dienst eingesetzt, nämlich den Dienst des Wortes und des Sakramente, der sich aber, wie wir aus den verschiedenen Diensten in Eph. 4,11 erkennen können, grundsätzlich in zwei Hauptzweige aufgliedert, nämlich den Dienst in der Ortsgemeinde und den missionarischen oder evangelistischen Dienst. Es steht in der Freiheit der Gemeinde, wie sie diesen Dienst gestaltet, ob und in welcher Weise sie ihn aufgliedert und welche Beziehungen die verschiedenen Dienste zueinander haben.]

 

1. Ist es auch erlaubt, nach dem heiligen Predigtamt zu streben?

    Es ist kein Hindernis vorhanden, dass man nach dem heiligen Amt strebe und seine Dienste der Kirche anbiete. Denn „so jemand ein Bischofsamt begehrt, der begehrt ein köstliches Werk“, 1. Tim. 3,1. Aber dass einer selbst laufe, ist nicht erlaubt; und dies geschieht, wenn jemand sich selbst eindringt und mit mancherlei Künsten, List und Bestechungen die Berufung erzwingt. Über solche klagt der HERR selbst beim Propheten: „Ich sandte sie nicht, doch liefen sie; ich redete nicht zu ihnen, doch weissagten sie.“ Jer. 23,21.

 

2. Zu welchem Zweck ist das Predigtamt eingesetzt?

    „Den Glauben zu erlangen, hat Gott das Predigtamt eingesetzt, Evangelium und Sakrament gegeben, dadurch er, als durch Mittel, den heiligen Geist gibt, welcher den Glauben, wo und wann er will, in denen, so das Evangelium hören, wirkt.“ Augsb. Bek. V.

 

+3. Kann denn der Heilige Geist nicht ohne Wort den Menschen zuteil werden?

    Nein. Denn diesen Irrtum hat die Kirche schon längst an den Wiedertäufern verdammt, welche lehren, dass wir ohne das leibliche Wort des Evangeliums den Heiligen Geist durch eigene Bereitung, Gedanken und Werke erlangen. Ebend.

 

+4. Wie vielfach ist das Wort, mit welchem es das Predigtamt zu tun hat?

    Die ganze Heilige Schrift muss in diese zwei Hauptteile geteilt werden: in das Gesetz und das Evangelium. Das Evangelium gibt die Verheißung von der Gnade, von der Vergebung der Sünden, der Rechtfertigung und dem ewigen Leben um Christi willen, wenn er im Glauben ergriffen wird. Das Gesetz aber begreift in sich vornehmlich die zehn Gebote und verlangt unsere Werke und Vollkommenheit.

Apol. II (IV),5:

    Die ganze Schrift beide Alten und Neuen Testaments wird in die zwei Stücke geteilt und lehrt diese zwei Stücke, nämlich Gesetz und göttliche Verheißungen. Denn an etlichen Orten hält sie uns vor das Gesetz, an etlichen bietet sei Gnade an durch die herrlichen Verheißungen von Christo; als, wenn im Alten Testament die Schrift verheißt den zukünftigen Christum und bietet ewigen Segen, Benedeiung, ewiges Heil, Gerechtigkeit und ewiges Leben durch ihn an, oder im Neuen Testament, wenn Christus, seitdem er gekommen ist auf Erden, im Evangelium verheißt Vergebung der Sünden, ewige Gerechtigkeit und ewiges Leben.

 

5. Von wem ist das Predigtamt eingesetzt?

    Gewiss nicht von Menschen, sondern von Gott selbst; nach dem Zeugnis Christi, Joh. 20,21: „Gleichwie mich der Vater gesandt hat, so sende ich euch!“

    Matth. 28,19 und 20 sende Christus selbst seine Jünger und spricht: Gehet hin in alle Welt und machet zu Jüngern alle Völker, indem ihr sie taufet im Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes und sie lehret halten alles, was ich euch befohlen habe.

    Mark. 16,15: Gehet hin in alle Welt und predigt das Evangelium aller Kreatur.

 

+6. Darf man sich des Predigtamts bedienen, das von bösen und unfrommen Dienern verwaltet wird?

    Wenn du unter bösen Dienern solche verstehst, deren Wandel zwar unrein und deren Leben durch Laster oder Schande befleckt ist, deren Lehre aber rein und richtig ist, dann glaube ich ganz gewiss, dass man sich ihres Dienstes bedienen dürfe und dass ihr Amt wirksam sei. Ich verwerfe deshalb den Irrtum der Donatisten, welche leugneten, dass man sich des Amtes böser Diener in der Kirche bedienen dürfe, und dass das Amt derselben unnütz und unwirksam sei.

Augsb. Bek., VIII:

    Ebenso, wiewohl die christliche Kirche eigentlich nichts anderes ist als die Versammlung aller Gläubigen und Heiligen, jedoch dieweil in diesem Leben viel falscher Christen und Heuchler sind, auch öffentliche Sünder unter den Frommen bleiben, so sind die Sakramente gleichwohl kräftig, obschon die Priester, dadurch sie gereicht werden, nicht fromm sind; wie denn Christus selbst anzeigt Matth. 23,2: "Auf dem Stuhl Moses sitzen die Pharisäer" usw.

    Derhalben werden die Donatisten und alle anderen verdammt, so anders halten.

 

+7. Was ist aber von solchen Predigern zu halten, die falsche Lehre führen?

    Deren Amt, behaupte ich, muss man fliehen. Matth. 7,15: „Sehet euch vor vor den falschen Propheten.“

    Joh. 10,5: Einem Fremden folgen die Schafe Christi nicht, sondern fliehen von ihm.

    Gal. 1,9: So jemand euch Evangelium predigt anders, als das ihr empfangen habt, der sei verflucht.

 

+8. Wer darf das Evangelium predigen und die Sakramente verwalten?

    „Niemand soll in der Kirche öffentlich lehren oder predigen oder Sakrament reichen ohne ordentlichen Beruf.“ Augsb. Bek., XIV

 

[8.a Wie verhält sich das heilige Predigtamt zum allgemeinen Priestertum aller Gläubigen?

    Das heilige Predigtamt oder Pfarramt ist ein von dem Priestertum, welches alle Gläubigen haben, verschiedenes Amt. (Walther, Kirche und Amt, Zweiter Teil, These I)

    1. Kor. 12,29: Sind sie alle Apostel? Sind sie alle Propheten? Sind sie alle Lehrer?

    Röm. 10,15: Wie sollen sie aber predigen, wo sie nicht gesandt sind?

    Jak. 3,1: Liebe Brüder, unterwinde sich nicht jedermann, Lehrer zu sein, und wisse, dass wir desto mehr Urteil empfangen werden.

 

8.b Wie verhält sich das heilige Predigtamt zur Gemeinde?

    Dem Predigtamt gebührt Ehrfurcht und unbedingter Gehorsam, wenn der Prediger Gottes Wort führt, doch hat der Prediger keine Herrschaft in der Kirche; er hat daher kein Recht, neue Gesetze zu machen, die Mitteldinge und Zeremonien in der Kirche willkürlich einzurichten und den Bann allein ohne vorhergehende Erkenntnis der ganzen Gemeinde zu verhängen und auszuüben. (Walther, Kirche und Amt, Zweiter Teil, These IX) Das heilige Predigtamt steht also in der Gemeinde, nicht über der Gemeinde; die Gemeinde ist Versammlung um Wort und Sakrament, nicht um den Pastor oder Prediger.

    Luk. 10,16: Wer euch hört, der hört mich; und wer euch verachtet, der verachtet mich; wer aber mich verachtet, der verachtet den, der mich gesandt hat.

    1. Thess. 5,12-13: Wir bitten euch aber, liebe Brüder, dass ihr erkennt, die an euch arbeiten und euch vorstehen in dem HERRN und euch ermahnen. Habt sie desto lieber um ihres Werkes willen und seid friedsam mit ihnen.

    Hebr. 13,17:  Gehorcht euren Lehrern und folgt ihnen, denn sie wachen über eure Seelen, als die da Rechenschaft dafür geben sollen; auf dass sie das mit Freuden tun und nicht mit Seufzen, denn das ist euch nicht gut.

    1. Tim. 5,17: Die Ältesten, die wohl vorstehen, die halte man zweifacher Ehre wert, besonders die da arbeiten im Wort und in der Lehre.

    Matth. 23,8: Einer ist euer Meister, Christus, ihr aber seid alle Brüder.

    1. Petr. 5,2.3: Weidet die Herde Christi … nicht als die über das Volk herrschen, sondern werdet Vorbilder der Herde.

    Matth. 18,15-18: Sündigt aber dein Bruder an dir, so gehe hin und strafe ihn zwischen dir und ihm allein. Hört er dich, so hast du einen Bruder gewonnen. Hört er dich nicht, so nimm noch einen oder zwei zu dir, auf dass alle Sache bestehe auch zweier oder dreier Zeugen Mund. Hört er die nicht, so sage es der Gemeinde. Hört er die Gemeinde nicht, so halte ihn als einen Heiden und Zöllner. Wahrlich, ich sage euch: Was ihr auf Erden binden werdet, soll auch im Himmel gebunden sein; und was ihr auf Erden lösen werdet, soll auch im Himmel los sein.

      Schmalk. Art., Tract. 24:

    Derhalben ist das bischöfliche Amt nach göttlichen Rechten das Evangelium predigen, Sünde vergeben, Lehre urteilen und die Lehre, so dem Evangelium entgegen, verwerfen und die Gottlosen, deren gottloses Wesen offenbar ist, aus christlicher Gemeinde ausschließen, ohne menschliche Gewalt, sondern allein durch Gottes Wort. Und diesfalls sind die Pfarrleute und Kirchen schuldig, den Bischöfen gehorsam zu sein, laut dieses Spruchs Christi, Lukas 10: „Wer euch hört, der hört mich.“ (Augsb. Bek., Art. 28, 20-22)

    1. Kor. 3 macht Paulus alle Kirchendiener gleich und lehrt, dass die Kirche mehr sei als die Diener. Darum kann man mit keiner Wahrheit sagen, dass Petrus einige Obrigkeit oder Gewalt vor andern Aposteln über die Kirchen und alle andern Kirchendiener gehabt habe. Denn so spricht er: „Es ist alles euer, es sei Paulus oder Apollos oder Kephas“, d.h. es darf weder Peter noch andere Diener des Worts sich zumessen irgendeine Gewalt oder Obrigkeit über die Kirche. Niemand soll die Kirche beschweren mit eignen Satzungen, sondern hier soll es heißen, dass keines Gewalt noch Ansehen mehr gelte als das Wort Gottes. (Schmalk. Art., Tract. 11)

    Und Christus spricht bei diesen Worten: „Was ihr binden werdet“ usw. und deutet, wem er die Schlüssel gegeben, nämlich der Kirche: „Wo zwei oder drei versammelt sind in meinem Namen“ usw. Ebenso, Christus gibt das höchste und letzte Gericht der Kirche, da er spricht: „Sags der Gemeinde.“]

 

9. Wie vielfach ist die Berufung zum Predigtamt?

    Sie ist eine zweifache: Einmal eine unmittelbare, wie die Berufung der Propheten und Apostel war, welche von Gott selbst ohne Mittel geschehen ist, und mit den Propheten und Aposteln aufgehört hat. Dann ist sie eine mittelbare, wie sie jetzt geschieht durch die Kirche, welche besteht aus den Kirchendienern und den Zuhörern, welche gewöhnlich das Volk oder die Laien genannt werden.2

+10. Also gehört die Berufung der Prediger der ganzen Kirche an?

    Ja, und zwar nach der apostolischen Praxis. Denn da dem Verräter Judas ein Nachfolger gewählt werden sollte, so geschah dies nicht von den Aposteln allein, sondern von der versammelten Menge der Gläubigen, Apg. 1,21. Ebenso wurden die sieben Diakone von dem Volk gewählt und vor die Apostel zur Bestätigung gestellt, Apg. 6,5 [, denn Christus hat die Schlüsselgewalt nicht nur Einzelnen oder einem Stand, sondern allen Gläubigen gegeben, Matth. 18,15-18; Joh. 20,21-23; 1. Petr. 2,9].

 

[10.a Vom wem also empfangen die Diener an Wort und Sakrament die Vollmacht zum Dienst?

    Das Predigtamt wird von Gott durch die Gemeinde, als Inhaberin aller Kirchengwalt oder der Schlüssel, und durch deren von Gott vorgeschriebenen Beruf übertragen. (Walther, Kirche und Amt, Zweiter Teil, These VI a)

    Joh. 20,21-23: Da sprach Jesus abermals zu ihnen: Friede sei mit euch. Gleichwie mich der Vater gesandt hat, so sende ich euch. Nehmet hin den Heiligen Geist. Welchen ihr die Sünden erlasset, denen sind sie erlassen, und welchen ihr sie behaltet, denen sind sie behalten.

    Apg. 14,23: Und sie ordneten [Griech: durch stimmwählen] hin und her Älteste in den Gemeinden, beteten und fasteten und befahlen sie dem HERRN, an den sie gläubig geworden waren.

      Schmalk. Art., Tract.,  67:

    Denn gleichwie die Verheißung des Evangeliums gewiss und ohne Mittel der ganzen Kirche zugehört, also gehören die Schlüssel ohne Mittel der ganzen Kirche, dieweil die Schlüssel nichts anders sind, als das Amt, dadurch solche Verheißung jedermann, wer es begehrt, wird mitgeteilt; wie es denn im Werk vor Augen ist, dass die Kirche Macht hat, Kirchendiener zu ordinieren. (Schmalk. Art., Tract., 24)

    Denn wo die Kirche ist, da ist ja der Befehl, das Evangelium zu predigen; darum müssen die Kirchen die Gewalt behalten, dass sie Kirchendiener fordern, wählen und ordinieren; und solche Gewalt ist ein Geschenk, welches der Kirche eigentlich von Gott gegeben und von keiner menschlichen Gewalt der Kirche kann genommen werden, wie St. Paulus zeugt Eph. 4, da er sagt: „Er ist in die Höhe gefahren und hat Gaben gegeben den Menschen.“ Und unter solchen Gaben, die der Kirche eigen sind, zählt er die Pfarrherrn und Lehrer, und hängt daran, dass solche gegeben werden zur Erbauung des Leibes Christi. Darum folgt, wo eine rechte Kirche ist, dass da auch die Macht sei, Kirchendiener zu wählen und ordinieren; wie denn in der Not auch ein schlichter Laie einen andern absolvieren und sein Pfarrherr werden kann.]

 

+11. Was ist daher ein Prediger?

    Er ist eine auf göttlichen Befehl durch die Kirche ordentlich berufene Person, welche das Wort Gottes rein lehren und die Sakramente nach der Einsetzung Christi verwalten soll.

 

[11.a Was ist also das heilige Predigtamt?

    Das heilige Predigtamt ist die von Gott durch die Gemeinde als Inhaberin des Priestertums und aller Kirchengewalt übertragene Gewalt, die Rechte des geistlichen Priestertums in öffentlichem Amt von Gemeinschafts wegen auszuüben. (Walther, Kirche und Amt, Zweiter Teil, These VII)

      Schmalk. Art., Tract., 69:

    Zum letzten wird solches auch durch den Spruch Petri bekräftigt, da er spricht: „Ihr seid das königliche Priestertum.“ Diese Worte betreffen eigentlich die rechte Kirche, welche, weil sie allein das Priestertum hat, muss sie auch die Macht haben, Kirchendiener zu wählen und ordinieren.]

 

[12. Was ist die Ordination?

    Die Ordination der Berufenen mit Handauflegung ist nicht göttlicher Einrichtung, sondern eine apostolische kirchliche Ordnung, und nur eine öffentliche feierliche Bestätigung jenes Berufs. (Walther, Kirche und Amt, Zweiter Teil, These VI b)

    Obgleich die Ordination die Vokation nicht macht, jedoch, wenn jemand rechtmäßig berufen worden ist, so ist jener Brauch eine Erklärung und öffentliche Bestätigung, dass jene Berufung, welche vorhergegangen ist, eine rechtmäßige sei. (Chemnitz, Loci theologici, de ecclesia, f. 126)

    Das Amt des Wortes und der Sakramente hat göttliche Verheißungen, und darauf gründet sich das Gebet bei der Ordination: Aber diese Verheißungen sind nicht an den Gebrauch der Handauflegung zu binden, für welchen es weder einen Befehl Christi noch eine solche Verheißung gibt, wie für die Zeremonie der Taufe und des Abendmahls des HERRN. (Chemnitz, Ex. Trid. II. loc. XIII de sacramento ordinis)

      Schmalk. Art., Tract., 69-70

    Diese Worte betreffen eigentlich die rechte Kirche, welche, weil sie allein das Priestertum hat, muss sie auch Macht haben, Kirchendiener zu wählen und ordinieren. Solches zeugt auch der allgemeine Brauch der Kirche; denn vorzeiten wählt das Volk Pfarrherrn und Bischöfe; dazu kam der Bischof am selben Ort, oder in der Nähe gesessen, bestätigt den gewählten Bischof durch Auflegen der Hände, und ist dazumal die Ordination nichts anders gewesen als solche Bestätigung.

    (Zu Apologie 13 sagt Johann Gerhard: Ein jeder sieht ein, dass die Apologie nicht sowohl von der Zeremonie der Ordination, sondern von dem Amt des Worts und der Sakramente selbst handle. Conf. cath. fol. 1328.)

 

13. Können auch Frauen ins heilige Predigtamt berufen werden?

    Christus hat durch seinen Heiligen Geist in seinem Wort deutlich geordnet, dass nur Männer ins heilige Predigtamt berufen werden dürfen, denn die Frau schweige in der Gemeinde; der Frau ist es nicht gestattet, in der Gemeinde zu lehren oder Herr des Mannes zu sein. Sie kann dagegen Aufgaben wahrnehmen in der Unterrichtung von Kindern und Jugendlichen, im Unterricht anderer Frauen und in der Diakonie.

    1. Kor. 14,34-35: Eure Frauen lasst schweigen unter der Gemeinde; denn es soll ihnen nicht zugelassen werden, dass sie reden, sondern untertan sein, wie auch das Gesetz sagt. Wollen sie aber etwas lernen, so lasst sie daheim ihre Männer fragen. Es steht den Frauen übel an, unter der Gemeinde zu reden.

    1. Tim. 2,12: Einer Frau aber gestatte ich nicht, dass sie lehre, auch nicht, dass sie des Mannes Herr sei, sondern stille sei.]

 

 

Abschnitt 17: Von der Kirche Gottes

 

*1. Gibt es eine Kirche auf dieser Erde?

    Ja. Denn ich halte es weder mit den epikurischen, gottlosen Weltkindern, welche träumen, dass sich Gott nicht um die menschlichen Angelegenheiten bekümmere, noch mit andern Klüglingen und Spöttern, welche sagen, die ganze Welt sei die Kirche Gottes, und auf gottlose Weise faseln, dass ein jeder in seinem Glauben und seiner Religion selig könne werden. Auch träume ich mir keinen platonischen Staat, sondern behaupte, dass eine Kirche wahrhaftig sei und bleibe, nämlich einige wahrhaft Gläubige und Gerechte, welche durch die ganze Erde zerstreut sind.

Apol., IV (VII), 20:

    Und wir reden nicht von einer erdichteten Kirche, die nirgend zu finden sei, sondern wir sagen und wissen fürwahr, dass diese Kirche, darin Heilige leben, wahrhaftig auf Erden ist und bleibt, nämlich dass etliche Gotteskinder sind hin und wieder in aller Welt, in allerlei Königreichen, Inseln, Ländern, Städten, vom Aufgang der Sonne bis zum Niedergang, die Christum und das Evangelium recht erkannt haben.

 

*2. Hast du einen gewissen Grund dieser deiner Versicherung?

    Ich habe ihn, nämlich die unerschütterlichen Verheißungen #Gottes, wie Jes. 55,10: „Gleichwie der Regen und Schnee vom Himmel fällt und nicht wieder dahin kommt, sondern feuchtet die Erde und macht sie fruchtbar und wachsend; also soll das Wort, so aus meinem Munde geht, auch sein. Es soll nicht wieder zu mir leer kommen, sondern tun, das mir gefällt, und soll ihm gelingen, dazu ich es sende.“ Kap. 59,21: „Ich mache solchen Bund mit ihnen, spricht der HERR: Mein Geist, der bei dir ist, und meine Worte, die ich in deinen Mund gelegt habe, sollen von deinem Mund nicht weichen noch von dem Munde deines Samens und Kindeskindes, spricht der HERR, von nun an bis in Ewigkeit.“

 

3. Was bezeichnet das Wort Kirche?

    Eigentlich heißt es nichts anderes als eine Versammlung. In unserem apostolischen Bekenntnis aber wird es erklärt durch „Gemeinschaft der Heiligen“, das ist eine solche Gemeinde, in welcher sich Heilige befinden, eine Gemeinde der Heiligen, oder noch bezeichnender, eine heilige Gemeinde, nicht aber eine Gemeinschaft der Heiligen. Gr. Kat. 3. Artikel.

 

[3.a Was ist die christliche Kirche?

    Die christliche Kirche ist die Gemeinschaft der Heiligen oder an Christus Gläubigen oder der Christen, also der Menschen, die an ihrer eigenen Gerechtigkeit vor Gott verzagt sind und glauben, dass Gott ihnen um Christi willen die Sünde vergibt. Die christliche Kirche im eigentlichen Sinne besteht also nur aus Gläubigen, Apg. 5,14; 26,18, und keinem Menschen, der durch die Wirkung des Heiligen Geistes das Evangelium, oder, was dasselbe ist, die christliche Lehre von der Rechtfertigung glaubt, ist die Gliedschaft in der christlichen Kirche abzusprechen; und keinem Menschen, in dessen Herzen dieser Glaube nicht wohnt, ist die Gliedschaft in der christlichen Kirche zuzusprechen. Kurze Darl. 24

    Eph. 1,22-23: Und (Gott) hat alle Dinge unter seine Füße getan, und hat ihn (Chrsitus) gesetzt zum Haupt der Gemeinde über alles, welche da ist sein Leib, nämlich die Fülle des, der alles in allem erfüllt.

    Apg. 5,14: Es wurden aber je mehr zugetan, die da glaubten an den HERRN.

Röm. 8,9: Ihr aber seid nicht fleischlich, sondern geistlich, so anders Gottes Geist in euch wohnt. Wer aber Christi Geist nicht hat, der ist nicht sein.

    1. Kor. 1,2: Der Gemeinde Gottes zu Korinth, den Geheiligten in Christus Jesus, den berufenen Heiligen samt allen denen, die anrufen den Namen unsers HERRN Jesus Christus an allen ihren und unsern Orten.

      Schmalk. Art., Teil III, Art. XII, 2-3:

    „Denn es weiß, Gott Lob, ein Kind von sieben Jahren, was die Kirche sei, nämlich die heiligen Gläubigen und die Schäflein, die ihres Hirten Stimme hören. Denn also beten die Kinder: ‚Ich glaube eine heilige christliche Kirche.’ Diese Heiligkeit steht nicht in Chorhemden, Platten, langen Röcken und andern ihrer Zeremonien, durch sie hinausgehend über die Heilige Schrift erdichtet, sondern im Wort Gottes und rechtem Glauben.“

 

Apol., VII/VIII, 10.11:

    „Dagegen, dass wir gewiss sein mögen, nicht zweifeln, sondern fest und gänzlich glauben, dass eigentlich eine christliche Kirche bis an das Ende der Welt auf Erden lebe und sei, welche Christi Braut sei, obwohl der gottlose Haufe mehr und größer ist; dass auch der HERR Christus hier auf Erden in dem Haufen, welcher Kirche heißt, täglich wirke, Sünden vergebe, täglich das Gebet erhöre, täglich in Anfechtungen mit reichem, starkem Trost die Seinen erquicke und immer wieder aufrichte: So ist der tröstliche Artikel im Glauben gesetzt: ‚Ich glaube eine allgemeine christliche Kirche’, damit niemand denken möchte, die Kirche sei, wie eine andere äußerliche Polizei, an dieses oder jenes Land, Königreich oder Stand gebunden, wie der Papst von Rom sagen will, sondern dass [es] gewiss wahr bleibt, dass der Haufe und die Menschen die rechte Kirche seien, welche hin und wieder in der Welt, vom Aufgang der Sonne bis zum Niedergang, an Christus wahrlich glauben, welche denn  e i n  Evangelium,  e i n e n  Christus, einerlei Taufe und Sakramente haben, durch  e i n e n  Heiligen Geist regiert werden, ob wie wohl ungleiche Zeremonien haben.“

Apol. VII/VIII, 12-13:

    „Denn man muss je recht eigentlich wissen, wodurch wir Christi Gliedmaß werden und was uns macht zu lebendigen Gliedmaßen der Kirche. Denn so wir würden sagen, dass die Kirche allein eine äußerliche Polizei wäre, wie andere Regimente, darin Böse und Gute wären usw., so würde niemand daraus lernen noch verstehen, dass Christi Reich geistlich ist, wie es doch ist, darin Christus inwendig die Herzen regiert, stärkt, tröstet, den Heiligen Geist und mancherlei geistliche Gaben austeilt, sondern man wird gedenken, es sei eine äußerliche Weise, gewisse Ordnung etlicher Zeremonien und Gottesdiensts.“ 

 

3.b So macht also allein der rettende Glaube zu einem Glied der Kirche?

    So ist es. Der rechtfertigende oder rettende Glaube ist daher das konstituierende Element der Kirche im eigentlichen Sinne. Weil aber dieser Glaube dem menschlichen Auge verborgen ist und allein Gott bekannt, 1. Kge 8,39; Apg. 1,24; 2. Tim. 2,19, darum ist auch die wahre oder eigentliche christliche Kirche hier auf Erden verborgen, Luk. 17,20, und bleibt dem menschlichen Auge verborgen bis zum Jüngsten Tag, Kol. 3,3.4, denn die Kirche im eigentlichen Sinne besteht nur aus gläubigen Menschen, Eph. 2,19.20; Apg. 5,14. Kurze Darl. 25

    Luk. 17,21 b: Das Reich Gottes ist inwendig in euch.

    2. Tim. 2,19: Aber der feste Grund Gottes besteht und hat dieses Siegel: Der HERR kennt die Seinen, und: Es trete ab von der Ungerechtigkeit, wer den Namen Christi nennt.

    Kol. 3,3-4: Denn ihr seid gestorben und euer Leben ist verborgen mit Christus in Gott. Wenn aber Christus, euer Leben, sich offenbaren wird, dann werdet ihr auch offenbar werden mit ihm in der Herrlichkeit.

      Apol. VII/VIII, 28:

    „Darum sagen und schließen wir nach der Heiligen Schrift, dass die rechte christliche Kirche sei der Haufe hin und wieder in der Welt derjenigen, die da wahrlich glauben dem Evangelium Christi und den Heiligen Geist haben.“

Apol. VII/VIII, 16:

    „Derhalben sind die allein nach dem Evangelium Gottes Volk, welche die geistlichen Güter, den Heiligen Geist empfangen, und dieselbe Kirche ist das Reich Christi, unterschieden von dem Reich des Teufels. Denn es ist gewiss, dass alle Gottlosen in der Gewalt des Teufels sind und Gliedmaßen seines Reichs, wie Paulus zu den Ephesern sagt, dass ‚der Teufel kräftig regiere in den Kindern des Unglaubens’. … Darum, die rechte Kirche ist das Reich Christi, das ist, die Versammlung aller Heiligen; denn die Gottlosen werden nicht regiert durch den Geist Christi.“

 

3.c Wo ist denn nun diese Kirche im eigentlichen Sinne?

    Diese Kirche im eigentlichen Sinne, die Gemeinschaft der an Christus Gläubigen, ist nicht an eine bestimmte äußere Kirchengemeinschaft gebunden, ist auch nicht nur dort zu finden, wo Gottes Wort in allen Stücken rein gelehrt wird, sondern auch dort, wo neben Irrtümern noch so viel von Gottes Wort vorhanden ist, dass Menschen zur Erkenntnis ihrer Sünden und zum Glauben an die Vergebung der Sünden, die Christus für uns erworben hat, kommen können, Mark. 16,16; Luk. 17,16; Joh. 4,25. Kurze Darl. 26

    1. Petr. 1,23: Als die da wiederum geboren sind, nicht aus vergänglichem, sondern aus unvergänglichem Samen, nämlich aus dem lebendigen Wort Gottes, das da ewiglich bleibt.

    Jak. 1,18: Er hat uns gezeugt nach seinem Willen durch das Wort der Wahrheit, auf dass wir wären Erstlinge seiner Kreaturen.

    Joh. 3,5: Jesus antwortete: Wahrlich, wahrlich, ich sage dir: Wenn jemand  nicht geboren wird aus Wasser und Geist, so kann er nicht in das Reich Gottes kommen.

    Tit. 3,5 c: Er machte uns selig durch das Bad der Wiedergeburt und Erneuerung des Heiligen Geistes.

 

3.d Wo kann denn die christliche Kirche gefunden werden, wenn sie verborgen ist?

    Die christliche Kirche im eigentlichen Sinne als die Gemeinschaft der an Christus Gläubigen ist zwar dem menschlichen Auge verborgen, aber ihr Vorhandensein kann durch die Kennzeichen der Kirche, nämlich die Gnadenmittel, das Evangelium in Wort und Sakrament, erkannt werden. Die christliche Kirche ist also dort, und nur dort, zu finden, wo Gottes Wort im Gebrauch ist. Kurze Darl. 25

    Denke dir das so: Wenn Christen an einem Ort leben, so sind sie bestrebt, herauszufinden, ob noch weitere Christen an diesem Ort leben, um dann miteinander Gemeinschaft im Glauben zu haben und die Schätze der Kirche, die Gott der HERR einem jeden Christen, jedem, der den Heiligen Geist hat, gegeben hat, Joh. 20,21-23, öffentlich zur eigenen Erbauung und zur Errettung noch Unbekehrter zu verwalten. Das heißt: Die Christen, die einander finden und feststellen, dass sie eins sind in der biblischen Lehre, finden sich zu einer äußeren unmittelbaren Christenversammlung zusammen, in der Gottes Wort gepredigt und die Sakramente verwaltet werden. Zu diesem Zweck berufen sie auch Diener ins öffentliche Amt des Dienstes an Wort und Sakrament. Solche äußeren unmittelbaren Christenversammlungen nennen wir auch ecclesia simplex oder Ortsgemeinde oder Ortskirche. Im eigentlichen Sinne sind nur diejenigen Glieder dieser Ortskirche, die an Christus als ihren Heiland gläubig sind. Im uneigentlichen Sinne gehören aber auch solche zu dieser äußeren Versammlung, die, obwohl sie nicht von Herzen an Jesus Christus als ihren Heiland glauben, sich äußerlich zu dem Bekenntnis dieser Versammlung halten. Wir sprechen deshalb von diesen äußeren Versammlungen auch von Kirchen im weiteren oder uneigentlichen Sinne. Kurze Darl. 27

      Apol. VII/VIII, 5:

    „Es wird auch gelehrt, dass allezeit müsse eine heilige christliche Kirche sein und bleiben, welche ist die Versammlung aller Gläubigen, bei welchen das Evangelium rein gepredigt und die heiligen Sakramente laut des Evangeliums gereicht werden.“ (Augsb. Bek., VII, 1)

    „Und dieselbe Kirche hat doch auch äußerliche Zeichen, dabei man sie kennt, nämlich, wo Gottes Wort rein geht, wo die Sakramente demselben gemäß gereicht werden, da ist gewiss die Kirche, da sind Christen, und dieselbe Kirche wird allein genannt in der Schrift Christi Leib.“

Augsb. Bek., VIII, 1-3:

    „Ebenso, wiewohl die christliche Kirche eigentlich nichts anderes ist als die Versammlung aller Gläubigen und Heiligen, jedoch dieweil in diesem Leben viel falsche Christen und Heuchler sind, auch öffentliche Sünder unter den Frommen bleiben, so sind die Sakramente gleichwohl kräftig, obschon die Priester, dadurch sie gereicht werden, nicht fromm sind; wie denn Christus selbst anzeigt Matth. 23,2: ‚Auf dem Stuhl Moses sitzen die Pharisäer.’ usw. Derhalben werden die Donatisten und alle andern verdammt, die anders halten.“]

 

4. Gibt es nur eine Kirche oder mehrere Kirchen?

    Es gibt nur eine, denn so sagt Paulus: „Ein Leib und ein Geist, einerlei Hoffnung des Berufs, ein HERR, ein Glaube, eine Taufe, ein Gott und Vater aller.“ Eph. 4,4-6. Augs. Bek., VII.

 

+5. Also kann die Kirche nicht in Gattungen unterschieden werden?

    Dem Wesen nach ist die wahre Kirche immer nur Eine und kann nicht in Gattungen unterschieden werden. Aber weil in diesem Leben vieles zur wahren Kirche hinzukommt, so lässt sie, rücksichtlich des Zufälligen und der Umstände, ja auch der äußeren Gestalt, eine Unterscheidung zu, aber nur, was das Zufällige betrifft.

 

+6. Wolltest du nicht diese Unterscheidungen selbst darlegen?

    Weil der Heilige Geist vorhergesagt hat, dass falsche Propheten kommen werden, Matth. 24, deshalb wird die Kirche unterschieden in die wahre und falsche oder die Kirche der Bösen. Ps. 26,5: „Ich hasse die Versammlung der Boshaften und sitze nicht bei den Gottlosen.“ Apol. VIII,1.2.

*7. Sind denn die Gottlosen Glieder der wahren Kirche?

    Sie sind zwar Glieder der Kirche nach der äußeren Gemeinschaft der Zeichen der Kirche, das ist, des Wortes, des Bekenntnisses und der Sakramente, besonders wenn sie nicht exkommuniziert sind. Weil aber die wahre Kirche nicht allein steht in Gesellschaft äußerer Zeichen, wie  Staatsverfassungen, sondern weil sie vornehmlich steht in Gemeinschaft des Glaubens und Heiligen Geistes, in Rücksicht welcher Gemeinschaft diese Kirche allein der Leib Christi genannt wird: So sind diejenigen, in welchen Christus nicht wirkt, auch keine Glieder Christi und also auch nicht Glieder der wahren Kirche. Apol. IV (VII),3-5.

 

*8. Hast du noch einen anderen Grund zur Hand?

    Ja. Denn weil die wahre Kirche das Reich Christi ist, unterschieden vom Reich des Teufels, es aber gewiss ist, dass die Gottlosen in der Gewalt des Teufels und Glieder seines Reiches sind, wie Paulus lehrt, wenn er Eph. 2,2 sagt, dass der Teufel kräftig regiere in den Kindern des Unglaubens, so folgt hieraus mit Gewissheit, dass die Gottlosen, weil sie dem Reich des Teufels angehören, keine Glieder der wahren Kirche sind. Apol. IV (VII),16.

 

+9. Gibt es noch eine andere Unterscheidung der wahren Kirche?

    Ja, wenn man die wahre Kirche betrachtet dem Ort und zustand nach: Denn in dieser Rücksicht wird sie unterschieden in die triumphierende, welche die Auserwählten Gottes, die schon im ewigen Leben sind, in sich begreift, und in die streitende Kirche, welche die Auserwählten umfasst, die noch auf dieser Erde unter der Fahne Christi gegen den Teufel, die Welt und das Fleisch streiten. Dr. Hunnius.

 

*10. Von der triumphierenden erwähne ich nichts; aber im Bezug auf die streitende Kirche frage ich: Ob sie noch eine andere Unterscheidung zulasse?

    Ja. Und dies geht ja schon aus dem Obigen hervor. Denn in Betrachtung der äußeren Gemeinschaft der Zeichen und Gebräuche der Kirche, wird die streitende Kirche sichtbar genannt und umfasst alle die, welche sich in der Gemeinde der Berufenen befinden, seien sie fromm oder gottlos, erwählt oder verworfen. Aber wenn man die Kirche betrachtet, soweit sie die Gemeinschaft des Glaubens und des Heiligen Geistes ist, welcher in den Herzen der Gläubigen wohnt, sofern wird sie verborgen [Hutter: unsichtbar] genannt und die eigentliche Kirche der Auserwählten. Apol. IV (VII),4.

 

+11. Kann denn vielleicht die sichtbare Kirche wieder in Unterabteilungen gebracht werden?

    Ja, sie kann eingeteilt werden in Partikular- oder Ortskirchen und in allgemeine oder katholische Kirche. Eine Partikularkirche ist die, welche sich nur an einem gewissen Ort befindet; allgemeine oder katholische Kirche diejenige, welche durch den ganzen Erdkreis zerstreut ist und alle die Menschen in sich befasst, welche durch das Wort und die Sakramente zu dem Reich Christi berufen werden. Apol. IV (VII),10.

 

[11.a Sind denn die Kirche als die Gemeinschaft aller Gläubigen und die Ortskirche zwei verschiedene Arten von Kirche?

    Keineswegs. Der Heilige Geist verwendet im Neuen Testament den gleichen Begriff „ecclesia“ sowohl für die universale Kirche aller an Christus Gläubigen (Universalkirche) wie auch für die lokale Gemeinschaft der an Christus Gläubigen und ihre äußere unmittelbare Christenversammlung. Sie (Universal- und Lokalkirche) sind also wesensmäßig völlig identisch; ja, du findest die Eine Kirche Jesu Christi nicht anders als in den äußeren Christenversammlungen. Allerdings sind die äußeren Christenversammlungen gemischte Versammlungen, denen neben den wahrhaft Gläubigen auch Heuchler und Scheingläubige beigemischt sind.

    1. Kor. 1,2: Der Gemeinde Gottes zu Korinth, den Geheiligten in Christus Jesus, den berufenen Heiligen samt allen denen, die anrufen den Namen unsers HERRN Jesus Christus an allen ihren und unsern Orten.

      Kurze Darlegung der Lehrstellung, 11,27:

    27. Die Ortskirchen oder Ortsgemeinden. Die Heilige Schrift redet aber nicht nur von der einen Kirche, die die Gläubigen an allen Orten umfasst, wie Matth. 16,18; Job. 10, 16, sondern auch von Kirchen in der Mehrzahl, nämlich von Ortskirchen, wie 1 Kor. 16, 19; 1, 2; Apost. 8, 1: von den Kirchen in Asien, der Kirche Gottes in Korinth, der Kirche in Jerusalem. Das ergibt aber nicht zwei Arten von Kirchen, weil auch die Ortskirchen, sofern sie Kirchen sind, nur aus gläubigen bestehen, wie aus den Briefadressen der Ortskirchen klar hervorgeht, z. B.: "Der Gemeinde Gottes zu Korinth, den Geheiligten in Christo Jesu, den berufenen Heiligen", 1 Kor. 1, 2; Röm. 1, 7 usw. Der gemischte äußere Haufe wird im uneigentlichen Sinne Kirche genannt, Matth. 13, 47-50. 24-30. 38-43.

 

11.b Ist es denn der Wille Gottes, dass es solche äußeren Christenversammlungen gibt?

    Gewiss. Denn die Gnadenmittel können nur verwaltet werden, wenn die Christen zusammenkommen, besonders das Heilige Abendmahl. Außerdem heißt es, dass der HERR täglich „hinzutat, die da selig wurden, zu der Gemeinde“, Apg. 2,41.47. Beim Abschied von den Ältesten oder Bischöfen der Gemeinde in Ephesus spricht Paulus davon, dass der Heilige Geist sie zu Bischöfen in dieser Gemeinde gesetzt hat, das heißt, Gott hat dieser äußeren unmittelbaren Christenversammlung diese Bischöfe als Gaben gegeben, Apg. 20,28. Und dem Titus auf Kreta befiehlt Gott der HERR durch Paulus, dass er städteweise Älteste einsetzen soll, Tit. 1,5. So wird auch der Begriff „ecclesia“ außer für die Universalkirche als Gemeinschaft aller an Christus Gläubigen in der Bibel nur noch für die Ortskirche der an einem Ort an Christus Gläubigen verwendet und für die lokale äußere Christenversammlung. Dies ist aber kein Gebot oder Gesetz, sondern eine evangelische Ordnung.

Apg. 2,47: Der HERR aber tat hinzu täglich, die da selig wurden, zu der Gemeinde.

    Tit. 1,5: Derhalben ließ ich dich in Kreta, dass du solltest vollends anrichten, da ich’s gelassen habe, und besetzten die Städte hin und her mit Ältesten, wie ich dir befohlen habe.

 

11.c Welche weiteren Ordnungen hat Gott denn für die äußeren Christenversammlungen gegeben?

    Das alttestamentliche Zeremonialgesetz mit seinen genauen Bestimmungen für den Gottesdienst und das Priestertum sind mit dem Alten Bund beendet. Im Neuen Testament hat Christus kein neues Zeremonialgesetz aufgerichtet. In sofern ist auch die Bildung äußerer Christenversammlungen kein Gesetz Gottes, um dadurch selig zu werden, sondern Gottes Wille und Ordnung, um Wort und Sakrament nach innen und außen zu verwalten, Matth. 28,18-20; Mark. 16,15.16; Luk. 24,47; Joh. 20,21-23. Über die weitere Ordnung dieser Christenversammlungen hat Gott nur vorgegeben, dass es in ihnen ehrbar und ordentlich zugehen soll, 1. Kor. 14,40, und dass das öffentliche Predigtamt aufrichten sollen, also Diener an Wort und Sakrament berufen, Tit. 1,5, und dass die Frau schweigen soll in der Gemeinde und nicht des Mannes Haupt sein, 1. Kor. 14,34 f.; 1. Tim. 2,8 ff. und die Jünger den Lehrern und Predigern gehorchen sollen, soweit sie Gottes Wort austeilen, Hebr. 13,13. Wir können also nur sagen, dass es der Wille Gottes ist, dass die Christen in unmittelbaren, direkten regelmäßigen Christenversammlungen zur Gnadenmittelverwaltung zusammenkommen; wir können dies aber nicht in gleicher Weise sagen im Blick auf die äußere Gestalt solcher Christenversammlungen, die von Ort zu Ort, Zeit zu Zeit sehr variieren kann.

    Über die Bildung weiterer Versammlungen, sei es innerhalb der lokalen Christenversammlungen, sei es durch die Verbindung lokaler Christenversammlungen zu größeren Gemeinschaften (z.B. Synodalverbänden) sagt die Bibel dagegen nichts. Sie stehen in der Freiheit der Christen und kommen sowohl was ihre Gründung als auch was ihre äußere Gestaltung angeht aus menschlicher Übereinkunft, unter Beachtung der Ordnung Gottes für die Versammlung der Christen. Wir können daher nicht sagen, dass solche weiteren christlichen Versammlungen in gleichem Maße Gottes Zeugnis haben wie die lokalen unmittelbaren Christenversammlungen. Sie sind aber, wenn in ihrer Mitte die Gnadenmittelverwaltung stattfindet, auch Kirche.]

 

*12. So wird also in dieser einen Rücksicht die Kirche eine katholische genannt?

    Nein; sondern sie wird auch katholisch genannt in Rücksicht der Einheit in dem Glauben und der Religion; aber so, dass diejenigen „katholische Kirche“ genannt werden, welche, ob sie gleich durch die ganze Erde hin und her zerstreut leben, doch in der Lehre des Evangeliums übereinstimmen, denselben Christus, denselben Heiligen Geist, dieselben Sakramente, denselben Glauben und dieselbe reine und unverfälschte Religion haben, mögen nun die Zeremonien verschieden sein oder nicht. Apol. IV (VII),10.

 

*13. Soviel ich einsehe, behauptest du, dass die Kirche Eine sei und genannt werde vorzüglich in Rücksicht des Glaubens?

    Du schließt ganz recht: Denn zur wahren Einheit der Kirche ist die Übereinstimmung in der Lehre des Evangeliums und in der Verwaltung der Sakramente hinreichend, doch so, dass alle, welche durch das Band des Glaubens und Heiligen Geistes verbunden sind, in dieser Einheit begriffen werden. Apol. IV (VII),31.

 

*14. Ist aber die Einheit der Kirche nicht auch zu beurteilen nach der Ähnlichkeit oder Gleichheit der Gebräuche und Zeremonien?

    Nein. „Denn wie die Einigkeit der Kirchen dadurch nicht getrennt wird, ob in einem Lande, an einem Orte, die Tage natürlich länger oder kürzer sind als am andern, also wird die Einigkeit der Kirchen auch dadurch nicht getrennt, ob solche Menschensatzungen an einem Ort diese, am andern jene Ordnung haben.“ „Auch wird keine Kirche die andere deshalb verdammen, dass eine weniger oder mehr äußerlicher, von Gott nicht gebotener, Zeremonien als die andere hat, wenn sonst in der Lehre und allen derselben Artikeln, wie auch im rechten Gebrauch der heiligen Sakramente, mit einander Einigkeit gehalten, nach dem wohl bekannten Spruch: Ungleichheit des Fastens soll die Einigkeit im Glauben nicht trennen.“ Apol. IV (VII), 33. Konk. Formel, Kurze Darl., X,7; Ausf. Darl. X,31.

 

*15. Wir bekennen im Glauben, dass wir eine heilige Kirche glauben: Worin nun besteht die Heiligkeit der Kirche?

    Gewiss besteht sie nicht „in Chorhemden, Platten, langen Röcken und anderen Zeremonien, welche die Katholischen ohne die Heilige Schrift erdichtet haben“; sondern sie besteht teils in der durch den Glauben empfangenen Heiligkeit und Gerechtigkeit Christi, teils in der Erneuerung und Heiligung der Herzen durch den Heiligen Geist. Von beiderlei Heiligkeit spricht der Apostel Eph. 5,25: „Christus hat geliebt die Gemeinde und hat sich selbst für sie gegeben, auf dass er sie heiligte, und hat sie gereinigt durch das Wasserbad im Wort, auf dass er sie ihm selbst darstellte eine Gemeinde, die herrlich sei, die nicht habe einen Flecken oder Runzel oder des etwas, sondern dass sie heilig sei und unsträflich.“ Schmalk. Art., T. 3, XII,3; Apol. IV (VII),7.8.

 

*16. Wenn die Kirche auf die eben beschriebene Weise heilig ist, so muss, was du oben zugestanden hast, falsch sein, dass nämlich viele Gottlose und Heuchler in der Kirche seien?

    Dass viele Böse, Gottlose und Heuchler beständig in der Kirche sind, lehrt Christus deutlich genug in jenem Gleichnis, wo er die Kirche mit einem Netz vergleicht, in welchem Fische aller Art gefangen werden, und deren Sonderung erst auf dem Ufer, das ist, am Ende der Welt, geschehen wird. Matth. 13,47. Aber ob diese gleich, nach den äußerlichen Gebräuchen, Genossen der wahren Kirche sind, so sind sie doch nicht Glieder dieser Kirche, wie oben dargetan ist. Augs. Bek., VIII; Apol. IV (VII),3.19.

 

*17. Es sei. Aber aus der Heiligkeit der Kirche wird doch dies Andere hervorgehen, nämlich dass sie nicht irren kann?

    Solchen Schluss machen die Katholischen und beziehen das mit Unrecht auf ihre Kirche, was der wahren Kirche Eigentum ist, dass sie nämlich eine Stütze der Wahrheit und untrüglich ist. Apol. IV (VII),27.

 

*18. Die Kirche kann also irren?

    Ja. „Denn obwohl klare Verheißungen Gottes in der Schrift stehen, dass die Kirche allzeit soll den Heiligen Geist haben, also stehen auch ernste Drohungen in der Schrift, dass falsche Lehrer und Wölfe werden einschleichen“, welche, wenn es möglich wäre, auch die Auserwählten in Irrtum verführen würden. Apol. IV (VII), 22.

 

*19. Wolltest du dies nicht deutlicher erklären?

    Man muss allerdings behaupten, dass die Kirche, nämlich die ganze und allgemeine oder katholische, nicht irren könne. Denn diese hat die untrügliche Verheißung von dem Heiligen Geist, der sie einführen werde in alle Wahrheit, Joh. 16,13. Ferner ist ihr verheißen, dass die Pforten der Hölle sie nicht überwältigen werden, Matth. 16,18; und dass sie eine Säule und Stütze der Wahrheit sein werde, 1. Tim. 3,15. Aber was diese oder jene Partikularkirche, ja, was den größten Teil derselben betrifft, so kann sie irren und hat sehr oft auf erstaunliche Weise geirrt, wie dies das Beispiel der Kirche zur Zeit der Sintflut, zur Zeit des Propheten Elia, der Geburt Christi und zur Zeit des Arianismus lehrt, welcher die ganze Kirche im Morgenland durchdrang.

 

*20. Warum behauptest du, dass die ganze katholische, allgemeine Kirche nicht könne zugleich irren?

    Weil, wenn die ganze allgemeine Kirche irrte, sie dann auch untergehen und so von den Pforten der Hölle überwältigt werden würde. Aber dies würde mit der Verheißung Christi, Matth. 16,18, streiten, wo er sagt: „Du bist Petrus, und auf diesen Fels will ich bauen meine Gemeinde, und die Pforten der Hölle sollen sie nicht überwältigen.“

 

*21. Also behauptest du, dass die Kirche bis an das Ende der Welt dauern werde?

    Ja, das behaupte ich. Denn ob in der Kirche gleich die Menge der Gottlosen, welche sie zu unterdrücken begehren, unendlich ist, so muss man doch fest behaupten, dass die Kirche beständig bleiben werde, und dass Christus der Kirche, was er versprochen hat, auch halten, Sünden vergeben, Gebete erhören und den Heiligen Geist schenken werde, wie er verheißen hat Matth. 16,18: „Die Pforten der Hölle sollen die Gemeinde nicht überwältigen.“ Und Kapitel 28,20: „Siehe, ich bin bei euch alle Tage, bis an der Welt Ende.“ Ja, wenn die Kirche der Leib ist, dessen Haupt Christus ist, so würde Christus das Haupt seiner Kirche auf dieser zu sein aufhören, wenn sie ganz untergehen könnte. Apol. IV (VII), 9.

 

22. Welches sind die Merkmale, an denen die wahre Kirche erkannt werde?

    Zwei setze ich fest: nämlich das reine Wort Gottes und den rechten Gebrauch der heiligen Sakramente. Apol. IV (VII),5

 

23. Gib für beide Merkmale den Beweis aus der Heiligen Schrift!

    Von dem ersten sagt Christus Joh. 10,16: „Meine Schafe hören meine Stimme“, und Joh. 8,31: „So ihr bleiben werdet an meiner Rede, so seid ihr meine rechten Jünger.“ Joh. 15,3: „Ihr seid jetzt rein um des Worts willen, das ich zu euch geredet habe.“ Das letztere nennt der Apostel, indem er die Sakramente als Siegel der Gerechtigkeit des Glaubens bezeichnet, Röm. 4,11.

 

24. Was ist daher die wahre Kirche?

    „Die rechte Kirche ist die Versammlung aller Gläubigen, bei welchen das Evangelium rein gepredigt und die heiligen Sakramente laut des Evangeliums gereicht werden.“ Augsb. Bek. VII.

    +Oder: Die sichtbare Kirche in diesem Leben ist die sichtbare Versammlung derjenigen, welche dem reinen Wort des Evangeliums zugetan sind und die Sakramente recht gebrauchen; in welcher Versammlung der Sohn Gottes wirksam ist und durch das Wort des Evangeliums und den heiligen Geist viele wiedergebärt zum ewigen Leben. Doch sind in dieser Versammlung viele andere, die nicht heilig sind, aber dennoch in der Lehre und dem äußerlichen Bekenntnis übereinstimmen. Melanchthon im Exam.

 

[24.a Ist es denn gleichgültig, welcher äußeren Kirchengemeinschaft ein Christ angehört?

    Obgleich Gott sich da, wo Gottes Wort nicht ganz rein gepredigt wird und die heiligen Sakramente nicht völlig der Einsetzung Jesu Christi gemäß verwaltet werden, eine heilige Kirche der Auserwählten sammelt, wenn da Gottes Wort und die Sakramente nicht gar verleugnet wird, sondern beides wesentlich bleibt; so ist doch ein jeder bei seiner Seligkeit verbunden, alle falschen Lehrer zu fliehen und alle irrgläubigen Gemeinschaften oder Sekten zu meiden und sich hingegen zu den rechtgläubigen Gemeinden und ihren rechtgläubigen Predigern zu bekennen und resp. Zu halten, wo er solche findet. (Walther, Kirche und Amt, Erster Teil, These VIII)

    Matth. 7,15: Seht euch vor vor den falschen Propheten, die in Schafskleidern zu euch kommen, inwendig aber sind sie reißende Wölfe.

    Matth. 24,23.24: So alsdann jemand zu euch wird sagen: Siehe, hier ist Christus oder da, so sollt ihr nicht glauben. Denn es werden falsche Christusse und falsche Propheten aufstehen und große Zeichen und Wunder tun, dass verführt werden in den Irrtum, wo es möglich wäre, auch die Auserwählten.

    Joh. 10,5: Einem fremden aber folgen sie nicht nach, sondern fliehen von ihm; denn sie kennen der Fremden Stimme nicht.

    Röm. 16,17-18: Ich ermahne aber euch, liebe Brüder, dass ihr aufseht auf die, die da Zertrennung und Ärgernis anrichten, neben der Lehre, die ihr gelernt habt, und weicht von denselben. Denn solche dienen nicht dem HERRN Jesus Christus, sondern ihrem Bauch, und durch süße Worte und prächtige Rede verführen sie die unschuldigen Herzen.

    2. Kor. 6,14-18: Zieht nicht am fremden Joch mit den Ungläubigen! Denn was hat die  Gerechtigkeit für Genieß mit der Ungerechtigkeit? Was hat das Licht für  Gemeinschaft mit der Finsternis? Wie stimmt Christus mit Belial? Oder was für ein Teil hat der Gläubige  mit dem Ungläubigen? Was hat der Tempel Gottes für Gleichheit mit den Götzen? Ihr aber seid  der Tempel des lebendigen Gottes, wie denn Gott spricht: Ich will in  ihnen wohnen und in ihnen wandeln und will ihr Gott sein, und sie sollen  mein Volk sein. Darum gehet aus von ihnen und sondert euch ab, spricht der HERR, und  rühret kein Unreines an, so will ich euch annehmen. und euer Vater sein, und ihr sollet meine Söhne und Töchter sein, spricht  der allmächtige HERR.

    Gal.5,9: Ein wenig Sauerteig versäuert den ganzen Teig.

      Schmalk. Art. Tract., 41-42:

    „Doch soll man falsche Lehrer nicht annehmen oder hören, denn dieselben sind nicht mehr an Christi Statt, sondern sind Widerchristi. Und Christus hat klar befohlen: „Hütet euch vor den falschen Propheten.“ Und Paulus zu den Galatern: „Wer euch ein anderes Evangelium predigt, der sei verflucht.“ (Apol. VII und VIII, 48)

    Weil nun dem also ist, sollen alle Christen aufs fleißigste sich hüten, dass sie solcher gottlosen Lehre, Gotteslästerung und unbilliger Wüterei sich nicht teilhaftig machen, sondern sollen vom Papst und seinen Gliedern oder Anhang, als von des Antichrists Reich, weichen und es verfluchten, wie Christus befohlen hat: „Hütet euch vor den falschen Propheten.“ Und Paulus gebietet, dass man falsche Prediger meiden und als ein Greuel verfluchen soll. Und 2. Kor. 6, spricht er: „Zieht nicht am fremden Joch mit den Ungläubigen, denn was hat das Licht für Gemeinschaft mit der Finsternis usw.“ Schwer ist es, dass man von so viel Landen und Leuten sich trennen und eine besondere Lehre führen will. Aber hier steht Gottes Befehl, dass jedermann sich soll hüten und nicht mit denen einhellig sein, so unrechte Lehre führen oder mit Wüterei zu erhalten gedenken.“

Kurze Darlegung der Lehrstellung, 11,28-29:

    „28. Weil es göttliche Ordnung ist, dass in der christlichen Kirche nur Gottes Wort, ohne Beimischung von Menschenlehren, gelehrt und geglaubt wird, 1 Petr. 4, 11; Joh. 8, 31. 32; 1 Tim. 6, 3. 4, so haben alle Christen Gottes Befehl, zwischen rechtgläubigen und irrgläubigen Kirchengemeinschaften zu unterscheiden, Matth. 7, 15, kirchliche Gemeinschaft nur mit rechtgläubigen Gemeinschaften zu haben und, wenn sie sich bereits in irrgläubige Gemeinschaften verirrt haben, diese zu verlassen, Röm. 16,17. Den Unionismus, das ist, die kirchliche Gemeinschaft mit falscher Lehre, verwerfen wir als Ungehorsam gegen Gottes Ordnung, als ein Trennung anrichten in der Kirche, Röm. 16, 17; 2 Joh. 9, 10, und als eine stete Gefahr, Gottes Wort ganz zu verlieren, 2 Ilm. 2, 17 21.

    29. über die rechtgläubige Beschaffenheit (Orthodoxie) einer Kirche entscheidet nicht der äußere Name, auch nicht die äußere Verpflichtung auf ein rechtgläubiges Bekenntnis, sondern die Lehre, die tatsächlich von der Kanzel, in theologischen Schulen und in Schriften gelehrt wird. Dagegen verliert eine Kirche nicht ihre rechtgläubige Beschaffenheit durch Irrlehre, die gelegentlich in ihr auftritt, aber bekämpft und durch Lehrzucht beseitigt wird, Apost. 20, 30; 1 Tim. 1, 3.“

 

24.b Was folgt denn daraus für das Verhältnis der Kirchengemeinschaften zueinander?

    Kirchengemeinschaft kann nur zwischen solchen Kirchenkörpern festgestellt werden, die wahrhaft eins sind in allen Artikeln der göttlichen Lehre und daraus folgenden Praxis. Bricht in einem zuvor rechtgläubigen Kirchenkörper falsche Lehre ein und wird diese nicht bekämpft und beseitigt, und wird sie auch nach erfolgter Ermahnung nicht bekämpft und beseitigt, so ist die Kirchengemeinschaft mit solch einem Kirchenkörper als gemäß Gottes Wort aufgrund dessen Abweichens von Gottes Wort als nicht mehr gegeben aufzuheben. (Schrift- und Bekenntnisstellen siehe oben.)

 

25. Wer ist denn der eigentliche und ursprüngliche Inhaber aller geistlichen Gaben und Rechte, die Christus seiner Kirche erworben hat?

    Die wahre Kirche der Gläubigen und Heiligen ist es, welcher Christus die Schlüssel des Himmelreichs gegeben hat, und sie ist daher die eigentliche und alleinige Inhaberin und Trägerin der geistlichen, göttlichen und himmlischen Güter, Rechte, Gewalten, Ämter usw., welche Christus erworben hat, und die es in seiner Kirche gibt. (Walther, Kirche und Amt, Erster Teil, These IV)

    Matth. 18,15-18: Sündigt aber dein Bruder an dir, so gehe hin und strafe ihn zwischen  dir und ihm allein. Höret er dich, so hast du deinen Bruder gewonnen. Höret er dich nicht, so nimm noch einen oder zwei zu dir, auf dass alle  Sache bestehe auf zweier oder dreier Zeugen Mund. Höret er die nicht, so sage es der Gemeinde. Höret er die Gemeinde nicht,  so halt ihn als einen Heiden und Zöllner. Wahrlich, ich sage euch: Was ihr auf Erden binden werdet, soll auch im  Himmel gebunden sein, und was ihr auf Erden lösen werdet, soll auch im  Himmel los sein.

    Matth. 23,8 b: Einer ist euer Meister, Christus, ihr aber seid alle Brüder.

    Joh. 20,21-23: Da sprach Jesus abermals zu ihnen: Friede sei mit euch! Gleichwie mich  der Vater gesandt hat, so sende ich euch. Und da er das sagte, blies er sie an und spricht zu ihnen: Nehmet hin  den Heiligen Geist! Welchen ihr die Sünden erlasset, denen sind sie erlassen, und welchen  ihr sie behaltet, denen sind sie behalten.

    1. Petr. 2,9: Ihr aber seid das auserwählte Geschlecht, das königliche Priestertum, das heilige Volk, das Volk des Eigentums, dass ihr verkündigen sollt die Tugenden des, der euch berufen hat von der Finsternis zu seinem wunderbaren Licht.

      Schmalk. Art., Teil III, Art. VII:

    „Die Schlüssel sind ein Amt und Gewalt, der Kirche von Christus gegeben.“

Schmalk. Art., Tract. 11:

    „1. Kor. 3 macht Paulus alle Kirchendiener gleich und lehrt, dass die Kirche mehr sei als die Diener. … Denn so spricht er: „Es ist alles euer, es sei Paulus oder Apollos oder Kephas“, das ist: Es dürfen weder Peter noch andere Diener des Wortes sich zumessen einige Gewalt oder Obrigkeit über die Kirchen.“

 

Schmalk. Art., Tract., 67-69:

    „Wo die Kirche ist, da ist je Befehl, das Evangelium zu predigen, darum müssen die Kirchen die Gewalt behalten, dass sie Kirchendiener fordern, wählen und ordinieren, und solche Gewalt ist ein Geschenk, welches der Kirche eigentlich von Gott gegeben und von keiner menschlichen Gewalt der Kirche kann genommen werden, wie St. Paulus zeugt Eph. 4, da er sagt: Er ist in die Höhe gefahren und hat Gaben gegeben den Menschen. Und unter solche Gaben, die der Kirche eigen sind, zählt er die Pfarrherren und Lehrer, und hängt daran, dass solche gegeben werden zur Erbauung des Leibes. … Hierher gehören die Sprüche Christi, welche zeugen, dass die Schlüssel der ganzen Kirche und nicht etlichen besonderen Personen gegeben sind, wie der Text sagt: „Wo zwei oder drei in meinem Namen versammelt sind, bin ich mitten unter ihnen“ usw. Zum letzten wird solches auch durch den Spruch Petri bekräftigt, da er spricht: „Ihr seid das königliche Priestertum.“ Diese Worte betreffen eigentlich die rechte Kirche, welche weil sie allein das Priestertum hat, muss sie auch die Macht haben, Kirchendiener zu wählen und zu ordinieren.“

 

26. Wie übt denn die Gemeinde Christi diese ihre Vollmacht aus?

    Auf verschiedenerlei Weise:

    1. Indem sie Diener an Wort und Sakrament beruft gemäß der evangelischen Ordnung Christi in das von Christus eingesetzte heilige Predigtamt. Apg. 14,23; Tit. 1,5.

    2. Indem sie alle Lehre und Lehrer auf das genaueste prüft und nötigenfalls falsche Lehre rügt und solche, die sich nicht korrigieren lassen, absetzt, sich von ihnen trennt. Joh. 10,5; Röm. 16,17-18; 2. Kor. 6,14-18.

    3. Indem sie dafür sorgt, dass die frohmachende Botschaft hinausläuft in alle Welt in Evangelisation und Mission, a) durch persönliche Evangelisation; b) durch Evangelisation und Mission der Ortsgemeinde; c) indem sie, gegebenenfalls zusammen mit anderen Gemeinden, Missionare aussendet. 1. Petr. 2,9; Matth. 28,18-20; Mark. 16,15-16; Luk. 24,47.

    4. Indem sie die offenbaren Sünder ermahnt und nötigenfalls, wenn sie in ihrer Sünde beharren, sie aus der Gemeinde und damit dem Reich Gottes ausschließt, wenn sie Buße tun sie aber auch wieder absolviert und aufnimmt. Matth. 18,15-18; 1. Kor. 5,1-5; 2. Kor. 2,1-11.]

 

 

Abschnitt 18: Von der christlichen Freiheit und von den Kirchengebräuchen oder Mitteldingen

 

1. Was ist die christliche Freiheit?

    Sie ist das Recht, nach welchem die wahrhaft Gläubigen von der Knechtschaft der Sünde, der Tyrannei des Teufels, vom Fluch des Gesetzes und dem ewigen Tod, ja auch von dem Joch der levitischen Zeremonien und Menschensatzungen durch Christus befreit sind.

 

+2. Wie viele Grade der christlichen Freiheit gibt es?

    Vier: Der erste ist die Befreiung von dem Gesetz und der ewigen Verdammnis. Der zweite ist die Gabe der Gnade Gottes, das ist, die Wirksamkeit Christi in den Gläubigen, welche geschieht durch das Evangelium und den Heiligen Geist, durch welche der neue Gehorsam angefangen wird, und die gottgefälligen Werke geschehen aus einem freien und willigen Geist. Der dritte Grad ist die Freiheit von den mosaischen Zeremonien und Menschensatzungen in der Kirche, nämlich in der Art, dass solche Satzungen keinen Grund der Gottesverehrung, des Verdienstes oder der unumgänglichen Notwendigkeit abgeben, sondern ohne Sünde versäumt und unterlassen werden können, wenn dadurch nur kein Ärgernis gegeben wird.

+3. Was sind die kirchlichen Satzungen?

    Es sind menschliche Anordnungen von Zeremonien und äußerlichen Gebräuchen, welche zur Erhaltung der gehörigen Ordnung und frommen Zucht in der Kirche getroffen worden sind.

 

+4. Wolltest du nicht einige solcher Satzungen nennen?

    Die Gebräuche, welche im Betreff des Unterschiedes der Zeiten, der Feste, der Kleider; ferner die, welche hinsichtlich der Lieder, der sonntäglichen Episteln und Gebete beobachtet werden, und einige andere fromme Übungen der Art, sind solche kirchliche Satzungen.

 

+5. Hältst du nicht dafür, dass dergleichen Gebräuche oder kirchliche Satzungen in der Kirche müssen beibehalten werden?

    Gewiss ist dies meine Meinung, dass man diejenigen Anordnungen halten muss, so ohne Sünde können gehalten werden und zum Frieden und guter Ordnung in der Kirche dienen, wie gewisse Feiern, Feste und desgleichen. Doch dürfen durch diese Kirchenordnungen die Gewissen nicht beschwert werden, als wenn ein solcher Gottesdienst zur Seligkeit notwendig wäre. Augs. Bek. XV, 1.

 

*6. Welche Gefahr wäre denn dabei, wenn man meinte, dass die kirchlichen Satzungen oder Gebräuche gottesdienstlich, verdienstlich und notwendig seien?

    In der Tat: Eine sehr große Gefahr wäre hierbei. Denn dadurch wird erstens die Lehre von der Gnade und der Gerechtigkeit aus dem Glauben verdunkelt, welche doch der vornehmste Teil des Evangeliums ist und in der Kirche am meisten getrieben werden muss, damit der Glaube weit über alle Werke gestellt und den Werken nicht das zugeschrieben werde, das dem Glauben allein gehört.

    Dann werden dadurch die Gebote Gottes verdunkelt, ja umgestürzt. Denn wenn man die Meinung hat, dass Menschensatzungen Gottesdienst seien, dann werden sie den Geboten Gottes vorgezogen. Und dies ist es, was der HERR Christus an den Pharisäern tadelt, wenn er spricht: „Wohl fein habt ihr Gottes Gebot aufgehobene, auf dass ihr eure Aufsätze haltet.“ Mark. 7,9; Matth. 15,6.

    Endlich entsteht daraus Gefahr für die Gewissen. Denn es ist unmöglich, alle Satzungen zu halten. Wenn daher festgesetzt würde, dass dieselben zu beobachten notwendig wären, so würde in der Tat ein Strick über die Gewissen geworfen, sobald einige solche Satzungen nicht gehalten werden. Und hieraus muss endlich Verzweiflung entstehen.

Augsb. Bek. XV,3.4:

    Darüber wird gelehrt, dass alle Satzungen und Traditionen, von Menschen dazu gemacht, dass man dadurch Gott versöhne und Gnade verdiene, dem Evangelium und der Lehre vom Glauben an Christus entgegen seien; derhalben seien Klostergelübde und andere Traditionen von Unterschied der Speise, Tage usw., dadurch man vermeint, Gnade zu verdienen und für Sünden genug zu tun, untüchtig und wider das Evangelium.

Augsb. Bek. XXVI8-16:

    Daraus sind viel schädlicher Irrtümer in der Kirche gefolgt.

    Erstens ist dadurch die Gnade Christi und die Lehre vom Glauben verdunkelt, welche uns das Evangelium mit großem Ernst vorhält, und treibet hart darauf, dass man das Verdienst Christi hoch und teuer achte und wisse, dass glauben an Christum hoch und weit über alle Werke zu setzen sei. Derhalben hat St. Paulus heftig wider das Gesetz Moses und menschliche Traditionen gefochten, dass wir lernen sollen, dass wir vor Gott nicht fromm werden aus unsern Werken, sondern allein durch den Glauben an Christus, dass wir um Christus willen Gnade erlangen. Solche Lehre ist schier ganz verloschen dadurch, dass man gelehrt, Gnade zu verdienen mit gesetzten Fasten, Unterschied der Speisen, Kleidern usw.

    Zum andern haben auch solche Traditionen Gottes Gebot verdunkelt; denn man setzte diese Traditionen weit über Gottes Gebot. Dies hielt man allein für christliches Leben: wer die Feier also hielt, also betete, also fastete, also gekleidet war, das nannte man geistliches, christliches Leben. Daneben hielt man andere, nötige, gute Werke für ein weltliches, ungeistliches Wesen, nämlich diese, so jeder nach seinem Beruf zu tun schuldig ist, wie: dass der Hausvater arbeitet, Frau und Kind zu ernähren und zur Gottesfurcht aufzuziehen, die Hausmutter Kinder gebiert und wartet ihrer, ein Fürst und Obrigkeit Land und Leute regiert usw. Solche Werke, von Gott geboten, mussten ein weltliches und unvollkommenes Wesen sein; aber die Traditionen mussten den prächtigen Namen haben, daß sie allein heilige, vollkommene Werke hießen. Derhalben war kein Maß noch Ende, solche Traditionen zu machen.

    Zum dritten: Solche Traditionen sind zu hoher Beschwerung der Gewissen geraden. Denn es war nicht möglich, alle Traditionen zu halten und waren doch die Leute in der Meinung, als wäre solches ein nötiger Gottesdienst, und schreibt Gerson, dass viele hiermit in Verzweiflung gefallen, etliche haben sich auch selbst umgebracht, derhalben, dass sie keinen Trost von der Gnade Christi gehört haben.

 

+7. Nimmt denn aber auch die Heilige Schrift den Menschensatzungen allen Schein der Gottesverehrung, des Verdienstes und der Notwendigkeit?

    Ja. Matth. 15,9: Vergeblich dienen sie mir, dieweil sie lehren solche Lehren, die nichts als Menschengebote sind.

    Und V. 11: Was zum Munde eingeht, das verunreinigt den Menschen nicht.

    Röm. 14,17: Das Reich Gottes ist nicht Essen und Trinken.

    Kol. 2,16: So lasst nun niemand euch Gewissen machen über Speise oder über Trank oder über bestimmte Feiertage oder Neumonden oder Sabbathe.

    Und V. 20: So ihr aber abgestorben seid mit Christus den Satzungen der Welt (d.i. wenn ihr durch Christus befreit seid von der Beobachtung der mosaischen Zeremonialgesetze); was lasst ihr euch denn fangen mit Satzungen, als lebtet ihr noch in der Welt (d.i. in den Zeiten des Alten Bundes), die da sagen: Du sollst das nicht angreifen, du sollst dies nicht kosten, du sollst das nicht anrühren.

    Und 1. Tim. 4,3 nennt der Apostel das Verbieten der Speisen Teufelslehre.

 

*8. Wenn jegliche Meinung, dass die Menschensatzungen Gottesdienst und notwendig seien, vernichtet wird, so scheint es, dass damit zugleich alle Zucht und Tötung des Fleisches genommen wird?

    Nicht im Geringsten. Denn die Tötung des Fleisches wird in unseren Kirchen sehr wohl beibehalten, zwar nicht jene geheuchelte, der Katholischen, sondern die wahrhaftige. Und diese besteht im Kreuz, dass nämlich die Christen Drangsale geduldig ertragen, die Arbeiten, welche ein jeglicher Beruf mit sich bringt, verrichten, sich einer beständigen Nüchternheit und Enthaltsamkeit befleißigen und auch nach Umständen und Erfordernissen fasten müssen. Doch muss dies alles so geschehen, dass man nicht meint, als sei es verdienstlich, und keinen Unterschied macht zwischen Speisen und Tagen, als wäre derselbe ein notwendiger Gottesdienst.

Augs. Bek., XXVI,30-39:

    Dass man aber den Unsern hier schuld gibt, als verbieten sie Kasteiung und Zucht, wie Jovinianus, wird sich viel anders aus ihren Schriften befinden. Denn sie haben allezeit gelehrt vom heiligen Kreuz, dass Christen zu leiden schuldig sind; und dieses ist rechte, ernstliche und nicht erdichtete Kasteiung.

    Daneben wird auch gelehrt, dass ein jeglicher schuldig ist, sich mit leiblicher Übung, wie Fasten und anderer Arbeit, so zu halten, dass er nicht Ursache zur Sünde gebe, nicht, dass er mit solchen Werken Gnade verdiene. Diese leibliche Übung soll nicht allein etliche bestimmte Tage, sondern stetig getrieben werden. Davon redet Christus Luk. 21,34: "Hütet euch, dass eure Herzen nicht beschweret werden mit Völlerei", ebenso Mark. 9,29: "Die Teufel werden nicht ausgeworfen denn durch Fasten und Gebet." Und Paulus spricht 1 Kor. 9,27, er kasteie seinen Leib und bringe ihn zum Gehorsam, damit er anzeigt, daß Kasteiung dienen soll, nicht damit Gnade zu verdienen, sondern den Leib geschickt zu halten, dass er nicht verhindere, was einem jeglichen nach seinem Beruf zu schaffen befohlen ist. Und wird so nicht das Fasten verworfen, sondern dass man einen nötigen Dienst daraus auf bestimmte Tage und Speisen zur Verwirrung der Gewissen gemacht hat.

Apol. VIII (XV),45-47:

    Und die Kasteiung des Fleisches oder alten Adams lehren wir also, wie unsere Konfession meldet, dass die rechte Kasteiung dann geschieht, wenn uns Gott den Willen bricht, Kreuz und Trübsal zuschickt, dass wir lernen seinem Willen gehorsam sein, wie Paulus zu den Römern am 12. sagt: "Begebet eure eigenen Leiber zu einem heiligen Opfer." Und das sind rechte heilige Kasteiungen, also in Anfechtungen lernen Gott kennen, ihn fürchten, lieben usw.  Über dieselben Trübsale, welche nicht in unserm Willen stehen, sind auch noch die leiblichen Übungen, da Christus von sagt: "Hütet euch, dass eure Leiber nicht beschweret werden mit Fressen und Saufen!" und Paulus zu den Korinthern: "Ich zähme meinen Leib" usw. Die Übungen sollen darum geschehen, nicht dass es nötige Gottesdienste seien, dadurch man vor Gott fromm werde, sondern dass wir unser Fleisch im Zaum halten, damit wir durch Völlerei und Beschwerung des Leibes nicht sicher und müßig werden, des Teufels Reizungen und des Fleisches Lüsten folgen. Dasselbe Fasten und Kasteien sollte nicht allein auf gewisse Zeit, sondern allezeit geschehen. Denn Gott will, dass wir allezeit mäßig und nüchtern leben.

 

*9. Was aber antwortest du hinsichtlich der Zucht?

    Was zu rechter Zucht und guter Ordnung, auch zu Wohlstand in der Kirche dient, ist unserer Kirche gar nicht zuwider; denn sie beobachtet die meisten Satzungen, wenn sie nur erträglich und nützlich sind und zur Ordnung und Wohlanständigkeit dienen.

*10. Wolltest du wohl, damit ich über die Natur der Satzungen oder Kirchengebräuche zu größerer Gewissheit gelange, deutlicher auseinander setzen, wie dieselben beschaffen sein müssen?

    Erstens dürfen sie nicht gottlos sein, sondern der Art, dass sie ohne Sünde können behalten werden. Wenn also einige Gebräuche mit dem Wort Gottes nicht übereinkommen, sondern dagegen streiten, so sind sie, als gottlos, zu verwerfen. Augsb. Bek., XXVI; Konk. Formel, Ausf. Darl., X.

    Zweitens müssen sie nützlich sein, das ist, zur Ruhe und guten Ordnung in der Kirche beitragen, nach dem Befehl des Apostels 1. Kor. 14,40: Lasst alles ehrlich und ordentlich zugehen. Ebd.

    Drittens dürfen sie die Gewissen nicht beschweren durch ihre zu große Menge oder durch die falsche Meinung, als wären sie verdienstlich, ein Gottesdienst, oder notwendig.

 

*11. Ich sehe ein, dass du solche Gebräuche ganz zu freien Mitteldingen machst. Daher wird es einem jeden freigestellt sein, sie zu unterlassen oder zu beobachten?

    Durchaus nicht. Denn obwohl solche Gebräuche ihrer Natur nach freigestellt sind, sofern sie nämlich Gott weder befohlen noch verboten hat, werden sie doch, ein jeder in seiner Art, notwendig, nicht als wenn er zur Seligkeit nötig wäre, sondern um die Ordnung zu erhalten. Konk. Formel, Ausf. Darl. X,8-9.

 

*12. Erkläre dies deutlicher!

    Das lehrt die Vernunft selbst. Denn wenn die Kirche auf rechtmäßige Weise in den gottesdienstlichen Gebräuchen etwas anordnet oder auch verbietet, was seiner Natur nach zwar freigelassen und gleichgültig ist, so muss es doch in diesem Fall durchaus beobachtet oder unterlassen werden, damit auf solche Weise alles ordentlich und anständig in den Kirchen geschehe und auch das Volk in einer feinen Zucht gehalten werde. Apol. VIII (XV),20-21.

 

*13. Aber was ist im Fall der Verfolgung und des Bekenntnisses zu tun? Ist es da erlaubt, zugunsten der Gegner neue Mitteldinge anzunehmen oder alte abzuschaffen?

    Keines von beiden ist erlaubt. Denn solche Gebräuche sind nicht mehr unter die Mitteldinge zu zählen, welche irgendwie den Schein eines Abfalls zu den Widersachern geben oder durch welche (um der Verfolgung zu entfliehen) äußerlich wenigstens vorgegeben wird, als wenn unsere Religion von der Lehre der Widersacher nicht viel unterschieden sei.

Konk. Formel, Ausf. Darl., X,5-6:

    Nämlich, wenn solche Dinge unter dem Titel und Schein der äußerlichen Mitteldinge vorgegeben werden, welche (ob ihnen gleich eine andere Farbe angestrichen würde) dennoch im Grunde wider Gottes Wort sind, dass dieselben nicht als freie Mitteldinge gehalten, sondern als von Gott verbotene Dinge gemieden sollen werden; wie auch unter die rechten freien adiaphora oder Mitteldinge nicht sollen gerechnet werden solche Zeremonien, die den Schein haben oder, dadurch Verfolgung zu vermeiden, den Schein vorgeben wollten, als wäre unsere Religion mit der papistischen nicht weit voneinander, oder wäre uns dieselbe ja nicht hoch entgegen, oder wenn solche Zeremonien dahin gemeint, also erfordert oder aufgenommen [verstanden werden], als ob damit und dadurch beide widerwärtigen Religionen verglichen und ein Korpus geworden, oder wiederum ein Zutritt zum Papsttum und ein Abweichen von der reinen Lehre des Evangeliums und wahren Religion geschehen oder gemächlich daraus erfolgen sollte.

    Denn in diesem Fall soll und muss gelten, das Paulus schreibt 2 Kor.6: "Ziehet nicht am fremden Joch; Was hat das Licht für Gemeinschaft mit der Finsternis? Darum gehet aus von ihnen und sondert euch ab, spricht der Herr" usw.

 

*14. Also behauptest du, dass man zur Zeit der Verfolgung den Widersachern in den Mitteldingen nicht nachgeben dürfe?

    Gewiss. Wenn nämlich zur Zeit, wo das Bekenntnis der göttlichen Wahrheit erfordert wird, die ganze Kirche, und jeder einzelne Christi, vorzüglich aber die Diener des Worts, schuldig sind, die unverfälschte Lehre nach dem Wort Gottes und alles, was zur reinen Religion gehört, frei und öffentlich nicht nur mit Worten, sondern auch mit der Tat zu bekennen, so behaupte ich, dass man zu einer solchen Zeit auch in Dingen, die wahrhaftig und an sich Mitteldinge sind, den Widersachern nicht nachgeben dürfe.

Konk.Formel, Ausf. Darl., X,10:

    Wir glauben, lehren und bekennen auch, dass zur Zeit des Bekenntnisses, da die Feinde Gottes Worts die reine Lehre des heiligen Evangeliums begehren unterzudrücken [zu unterdrücken], die ganze Gemeinde Gottes, ja ein jeder Christenmensch, besonders aber die Diener des Worts als die Vorsteher der Gemeinde Gottes schuldig seien, vermöge Gottes Worts die Lehre und was zur ganzen Religion gehört, frei öffentlich nicht allein mit Worten, sondern auch im Werk und mit der Tat zu bekennen; und daß alsdann in diesem Fall auch in solchen Mitteldingen den Widersachern nicht zu weichen, noch leiden sollen, ihnen [sich] dieselben von den Feinden zur Schwächung des rechten Gottesdienstes und Pflanzung und Bestätigung der Abgötterei mit Gewalt oder hinterlistig aufdringen zu lassen.

 

*15. Wolltest du mir nicht feste Gründe für diese deine Überzeugung geben?

    So hat der Apostel gelehrt, Gal. 5,1: So besteht nun in der Freiheit, damit uns Christus befreit hat, und lasst euch nicht wiederum in das knechtische Joch fangen.

    Und Kap. 2,4: Da etliche falsche Brüder sich mit eingedrungen und neben eingeschlichen waren, zu auszukundschaften unsere Freiheit,, die wir haben in Christus Jesus, dass sie uns gefangen nähmen, wichen wir denselben nicht eine Stunde, untertan zu sein, auf dass die Wahrheit des Evangeliums bei euch bestünde. S. Konk. Formel, Ausf. Darl., X,11.

 

*16. Aber diese Sache scheint nicht so wichtig zu sein, da es sich doch nur um gleichgültige Mitteldinge handelt?

    Und doch ist es bei einem solchen Stand der Dinge nicht mehr um die äußerlichen Mitteldinge zu tun, welche ihrer Natur und Wesen nach für sich selbst frei sind und bleiben, sondern es ist zu tun um den hohen Artikel unseres christlichen Glaubens, wie der Apostel spricht: Auf dass die Wahrheit des Evangeliums bestehe. Denn die Wahrheit des Evangeliums wird verdunkelt und verkehret, sobald entweder neue Mitteldinge durch Befehl und Zwang den Gewissen zur Beobachtung aufgelegt oder ihnen alte abzuschaffen befohlen wird; besonders wenn es zu dem Ende geschieht, dass der Aberglaube, die falsche Lehre und der Götzendienst, bestätigt, die christliche Freiheit aber und die reine Lehre unterdrückt werde. Konk. Formel, Ausf. Darl., X,14.

 

[16.a Muss jemand, der getauft wurde, noch bekehrt werden?

    Wir glauben gemäß dem Zeugnis der Heiligen Schrift Gottes, Joh. 3,5; Eph. 5,26; Tit. 3,5; Röm. 6,3-4, dass in der Heiligen Taufe mittels der Worte der Heilige Geist den alten Menschen in den Tod gibt und ein neuer Mensch aus der Taufe hervorgehe. Das eignet der Heilige Geist in der Taufe dem Täufling zu – aber dieser hat den geistlichen Segen allein durch den Glauben. Bei den kleinen Kindern glauben wir, dass der Heilige Geist aufgrund der Gebete mittels des Wortes auch den, bei diesen Kindlein noch unbewussten, rechtfertigenden Glauben wirkt. Wenn aber die Kinder aufwachsen, müssen sie gemäß Christi Reichsbefehl Matth. 28,18-20 auch im christlichen Glauben unterwiesen werden, damit sie, wenn sie zu ihrem Bewusstsein kommen, wissen, dass sie getauft sind und warum sie getauft sind. Vor allem aber ist es wichtig, dass sie zu einer lebendigen Erkenntnis ihrer Sünden und ihrer Sündenverdorbenheit und Verlorenheit ohne Christus kommen und einer lebendigen Erkenntnis Jesu Christi als ihres Heilandes, der auch für ihre Sünden am Kreuz starb, Gott auch mit ihnen versöhnt, auch ihnen die Vergebung der Sünden und damit das ewige Leben erworben hat und im Evangelium anbietet, darreicht, schenkt, zueignet, im Wort wie in der Taufe und im Abendmahl und dies nun bewusst für sich im persönlichen Glauben empfangen, ergreifen, sich aneignen. Bei dem einen kann dies ein Herüberwachsen aus dem Kinderglauben ohne irgendeinen Bruch sein; bei dem anderen, der aus der Taufgnade gefallen war, ist dies eine erneute Bekehrung, erneute Wiedergeburt. Wichtig aber ist, dass ein jeder zu lebendiger persönlicher Sünden-, Verdorbenheits-, Verlorenheitserkenntnis und persönlicher rettender Christuserkenntnis kommt. (Dieser rettende Glaube kann mitunter zunächst noch unbewusst sein, gerade wenn jemand stark vom Gesetz geprägt oder bestimmt war; aber er sollte schließlich zu einem bewussten Glauben werden, wenn er wirklich gesund ist, zur Versiegelung oder Heilsgewissheit gekommen ist.)]

 

*17. So scheint auf diese Weise auch der Artikel von der christlichen Freiheit in Gefahr zu kommen?

    Gar sehr. „Denn alsbald Menschengebote mit Zwang der Kirche, als nötig, aufgedrungen werden, als wäre Unterlassung derselben Unrecht und Sünde, sobald ist die christliche Freiheit schon vernichtet, der Abgötterei der Weg bereitet; dadurch nachmals Menschengebote gehäuft und für einen Gottesdienst, nicht allein den Geboten Gottes gleich gehalten, sondern auch über diese gesetzt werden“. Konk. Formel, Ausf. Darl., X,15.

 

*18. Hast du vielleicht noch einige andere Gründe in Bereitschaft, mit welchen du dies bestätigst?

    Ja. „Denn durch solches unzeitige Nachgeben und Vergleichen in äußerlichen Dingen, da man zuvor in der Lehre nicht christlich vereinigt ist, werden die Abgöttischen in ihrer Abgötterei gestärkt, dagegen die Rechtgläubigen betrübt, geärgert und in ihrem Glauben geschwächt; welches beides ein jeder Christ, bei seiner Seelen Heil und Seligkeit, zu meiden schuldig ist, wie geschrieben steht: Wehe der Welt der Ärgernisse halben. Ebenso: Wer den Geringsten ärgert derer, die an mich glauben, dem wäre es besser, dass ihm ein Mühlstein an seinem Hals hinge und er ersäugt würde im Meer, da es am tiefsten ist.“ Matth. 18,6.7. – Konk. Formel, Ausf. Darl., X,16.

    Besonders aber ist zu bedenken, dass Christus sagt: Wer mich bekennt vor den Menschen, den will ich auch bekennen vor meinem himmlischenVater. Matth. 10,32. – Konk. Formel, Ausf. Darl., X,17.

 

 

Abschnitt 19: Von den heiligen Sakramenten im Allgemeinen

 

+1. Wer hat Macht und Gewalt, Sakramente zu stiften?

    Kein Mensch hat Macht und Gewalt, Gnade zu verheißen, sondern Gott allein. Da nun die Sakramente Siegel der Gnade sind, so müssen sie durchaus Gott allein zum Stifter und Urheber haben. Daher sind Sakramente, welche ohne Befehl Gottes eingesetzt sind, keine gewisse, feste Zeichen der Gnade, wiewohl das einfältige Volk etlicher Maßen durch dieselben könnte erinnert und unterwiesen werden. Apol. Art. VII (XIII), 3.

 

2. Was sind die Sakramente, im Allgemeinen betrachtet?

    Gewöhnlich werden die Sakramente erklärt, dass sie sind „äußerliche Zeichen und Zeremonien, die da haben Gottes Befehl und haben eine angeheftete göttliche Zusage der Gnaden“. Ebend.

 

+3. Kannst du nicht noch eine andere Erklärung geben?

    Richtiger wird Sakrament erklärt, dass es sei eine heilige Handlung, von Gott eingesetzt, welche aus einem Element oder äußerlichen Zeichen und aus einer himmlischen Sache besteht; durch welche Handlung Gott nicht allein die dem Evangelium eigentümliche Verheißung der Gnade, d.i. der gnädigen Vergebung der Sünden, versiegelt, sondern auch himmlische Güter, die er bei der Einsetzung der einzelnen Sakramente verheißen hat, durch die äußerlichen Zeichen einem jeden, der das Sakrament genießt, wahrhaftig mitteilt, den Gläubigen aber zur Seligkeit zueignet.

 

4. Wie viele Arten der Sakramente gibt es?

    Zwei. Die einen nämlich gehören dem Alten, die andern gehören dem Neuen Bund an. Jene hatten den Schatten der zukünftigen Güter, das ist, das Vorbild des Leibes und Blutes Christi, diese aber haben das Wesen oder den Leib selbst. Kol. 2,17; Hebr. 10,1.

 

+5. Was wird zur Vollständigkeit der Sakramente erfordert?

    Die Vollständigkeit der Sakramente besteht sowohl in ihrem Wesen als auch in ihrer Frucht und kräftigen Wirkung.

 

+6. Worin besteht das Wesen oder die Substanz der Sakramente?

    In zwei Dingen: Nämlich in einer irdischen und in einer himmlischen Sache. Die irdische Sache ist das sichtbare Element, welches bei der Beschneidung in dem Abschneiden der Vorhaut, beim Osterlamm in dem Genießen des Lammes bestand; bei der Taufe aber ist es das Wasser und bei dem Abendmahl das Brot und der Wein.

    Die geistliche oder himmlische Sache ist der Leib und das Blut Christi, welches bei den Sakramenten des Alten Bundes nur vorbildlich, in den Sakramenten des Neuen Bundes aber wesentlich gegenwärtig ist.

 

+7. Was beschreibt den Nutzen und die Wirkung der Sakramente?

    Das Wort, und zwar ein doppeltes: Nämlich 1) der Befehl, welcher sich auf die Form oder Handlung des Sakraments bezieht, wie: Esset, Trinket, Taufet usw. 2) Das Wort der Verheißung, welches Vergebung der Sünden, Gerechtigkeit und ewiges Leben jedem verspricht, welcher im wahren Glauben des Sakraments sich bedient, wie: Wer da glaubt und getauft wird, der wird selig. Ferner: Das ist mein Leib, der für euch gegeben wird; und: Dies ist der Kelch des Neuen Testaments in meinem Blut, das für viele vergossen wird zur Vergebung der Sünden.

 

8. Wie viele Sakramente gibt es im Neuen Bund?

    Nur zwei, wenn man das Wort „Sakrament“ im eigentlichen Sinne nimmt, nämlich die Taufe und das heilige Abendmahl.

Apol. VII (XIII),4:

So sind nun rechte Sakramente die Taufe und das Nachtmahl des Herrn, die Absolution. Denn diese haben Gottes Befehl, haben auch Verheißung der Gnade, welche denn eigentlich gehört zum Neuen Testament und ist das Neue Testament. Denn dazu sind die äußerlichen Zeichen eingesetzt, dass dadurch bewegt werden die Herzen, nämlich durchs Wort und äußerliche Zeichen zugleich, dass sie glauben, wenn wir getauft werden, wenn wir des Herrn Leib empfangen, dass Gott uns wahrlich gnädig sein will durch Christus.

*9. Ist denn die Absolution nicht auch ein Sakrament?

    Die Apologie stellt die Absolution zwar auch unter die Zahl der Sakramente, doch nur indem sie uneigentlich redet und sie nach der Ähnlichkeit betrachtet, welche sie mit den andern eigentlich so genannten Sakramenten hat.

 

*10. Welches ist diese Ähnlichkeit?

    Diese besteht darin, dass die Absolution, ebenso wie die eigentlich so genannten Sakramente, 1) von Gott befohlen ist, 2) die Verheißung der Gnade jedem Gläubigen zueignet und 3) weil an einigen Orten bei derselben die äußerliche Zeremonie der Handauflegung üblich und gebräuchlich ist.

 

*11. Was fehlt daher der Absolution, dass sie nicht unter die eigentlich so genannten Sakramente gesetzt wird?

    Weil die Absolution einer von Gott selbst geordneten Zeremonie, und zwar eines äußerlichen Elements, welches doch bei jedem Sakrament erforderlich wird, ermangelt, so erhellt, dass sie nur uneigentlich und im weiteren Sinne das Sakrament der Buße genannt wird. Dies erkennt auch die Apologie selbst an, indem sie sagt (Art. XIII,16.17): „So man die Dinge wollte mit so herrlichem Titel Sakrament nenne darum, dass sie Gottes Wort und Befehl haben, so sollte man billig das Gebet, die Almosen, das Kreuz, alle Stände der Menschen, von Gott geordnet und gesetzt, Sakrament nennen.“

 

*12. Können denn vielleicht die Konfirmation und die letzte Ölung eigentliche Sakramente genannt werden?

    Nein: Denn die Konfirmation und die letzte Ölung sind Zeremonien, welche nicht von Gott geordnet sind, sondern von den alten Vätern herkommen, welche auch die Kirche niemals für nötig zur Seligkeit geachtet hat. Dann haben sie auch nicht die Verheißung der Gnade, und daher passt die Erklärung, was ein Sakrament sei, gar nicht auf sie. Apol. VII (XIII),6.

 

*13. Behauptest du dies auch von dem Priesterstand, welchen die Katholischen ebenfalls unter die Sakramente zählen?

    Ganz dasselbe. Denn obgleich das Predigtamt von Gott eingesetzt ist und herrliche Verheißungen hat, so kann doch dieser Stand oder der Dienst des Worts nur uneigentlich und in der allgemeinen Bedeutung ein Sakrament genannt werden, weil die durch Handauflegung geschehende Zeremonie der Ordination weder den Befehl noch die Verheißung Gottes hat. Ebend.

 

*14. Aber was urteilst du von der Ehe?

    Auch diese halte ich nicht für ein eigentliches Sakrament des Neuen Bundes. Denn einmal ist der eheliche Stand nicht erst eingesetzt im Neuen Testament, sondern bald, als das menschliche Geschlecht geschaffen war. Dann ist er wohl von Gott befohlen, hat auch göttliche Zusagen, aber diese gehören nicht zu dem Neuen Testament oder zu unserer Seligkeit, sondern gehen mehr das leibliche Leben an. Apol. VII (XIII),14.15.

*15. Wie kann man sich der Sakramente mit Nutzen bedienen?

    Zum rechten Gebrauch der Sakramente gehört der Glaube, welcher den Verheißungen glaubt, die in den Sakramenten angeboten werden, das ist, welcher fest glaubt, dass die in den Sakramenten verheißenen Dinge mitgeteilt und empfangen werden. Augsb. Bek. Art. 13; Apol. VII (XIII),9.

 

*16. Also meinst du, dass die Sakramente nichts zu Seligkeit nützen als äußere Werke und Zeremonien (opus operatum)?

    Diese Meinung der Katholischen, welche behaupten, dass die Sakramente demjenigen, welcher nur keinen Riegel vorschiebt, wenn er auch sonst ohne gute Herzensbewegung hinzutritt, Gnade bringen, bloß wegen der äußerlichen Handlung und des Gebrauchs, diese Meinung verdamme ich geradezu. Apol. VII (XIII),18.

 

*17. Wolltest du wohl die Meinung der Katholischen deutlicher erklären?

    Sie haben festgesetzt: Es werde nicht verlangt, dass der Mensch zu dem heilsamen Gebrauch des Sakraments sich vorbereite; auch werde eine gute Bewegung in dem Herzen dessen, welcher das Sakrament empfängt, nicht erfordert, sondern schon dadurch, dass dieses Werk, nämlich das Sakrament, getan und angenommen wird, widerfahre denen, die es gebrauchen, Gnade, wenn nur kein Riegel vorgeschoben werde, das ist, wenn nur nicht die Schuld einer Todsünde oder der Vorsatz, eine solche zu begehen, da sei.

 

+18. Aus welchen Gründen verwirfst du die Meinung der Katholischen?

    1) „Ist es ein jüdischer Irrtum, so sie halten, dass wir sollen durch ein Werk und äußerliche Zeremonien gerecht und heilig werden, ohne Glauben, und wenn das Herz schon nicht dabei ist.“ Apol. VII (XIII),18.

    2) „Paulus schreit dagegen und sagt, dass Abraham sei vor Gott gerecht geworden nicht durch die Beschneidung, sondern die Beschneidung sei ein Zeichen gewesen, den Glauben zu üben und zu stärken.“ Ebend.

    3) „Die göttliche Zusage kann niemand fassen als allein durch den Glauben. Und die Sakramente sind äußerliche Zeichen und Siegel der Verheißung. Darum zum rechten Gebrauch derselben gehört Glaube.“ Ebend.

    4) Die hässliche, ungöttliche Lehre vom opere operato, da sie gelehrt, dass, wenn ich die Sakramente gebrauche, so macht das getane Werk mich vor Gott fromm und erlangt mir Gnade, obgleich das Herz keinen guten Gedanken dazu hat, hat unendlich viel Missbräuche in der Kirche erzeugt, besonders jene vielfachen Greuel der Messen. Ebend.

    5) „Und sie können keinen Titel noch Buchstaben aus der Heiligen Schrift und den alten Büchern anzeigen, dadurch der Katholischen Meinung bewiesen werde. Ja, Augustinus sagt stracks dagegen, dass der Glaube im Gebrauch des Sakraments, nicht das Sakrament, vor Gott uns fromm mache. Und Paulus: ‚Mit dem Herzen glaubt man zur Gerechtigkeit.‘ Röm. 10,10.“ Ebend.

 

 

Abschnitt 20: Von der heiligen Taufe

 

1. Was ist die Taufe?

    Die Taufe ist nicht allein schlicht Wasser, sondern sie ist das Wasser in Gottes Gebot gefasst und mit Gottes Wort verbunden. Kl. Kat., IV,1

 

2. Welches ist dies Wort Gottes?

    Matth. 28,19: „Gehet hin in alle Welt und machet zu Jüngern alle Völker, indem ihr sie taufet im Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes.“

    Und Mark. 16,16: „Wer da glaubt und getauft wird, der wird selig; wer aber nicht glaubt, der wird verdammt.“ Gr. Kat., IV

 

3. Ist denn die Taufe zur Seligkeit notwendig?

    Ja freilich; und zwar wegen des Gebotes Gottes. „Denn was Gott eingesetzt und gebietet, kann nicht vergeblich, sondern muss eitel köstlich Ding sein, wwenn es auch dem Ansehen nach geringer als ein Strohhalm wäre.“ Gr. Kat., IV,7.8; Augsb. Bek. IX [Sie ist allerdings, im Unterschied zum Wort, nicht absolut heilsnotwendig, das ist, wer durch das Wort zum rechtfertigenden Glauben kommt, aber nicht die Möglichkeit hat, getauft zu werden, ist daher dennoch gerettet; nur wer die Taufe verachtet, obwohl er sie bekommen könnte, und um Gottes Ordnung weiß, der geht ohne Taufe verloren.]

 

4. Was gibt oder nützt die Taufe?

    „Sie wirkt Vergebung der Sünden, erlöst vom Tod und Teufel und gibt die ewige Seligkeit allen, die es glauben, wie die Worte und Verheißung Gottes lauten.“ Kl. Kat.. IV,5.6.

Gr. Kat., IV,23-25:

Aufs andere, weil wir nun wissen, was die Taufe ist und wie sie zu halten sei, müssen wir auch lernen, warum und wozu sie eingesetzt sei, das ist, was sie nütze, gebe und schaffe. Solches kann man auch nicht besser denn aus den Worten Christi, oben angezogen, fassen, nämlich: "Wer da glaubet und getauft wird, der wird selig." Darum fasse es aufs allereinfältigste also, dass dies der Taufe Kraft, Werk, Nutz, Frucht und Ende ist, dass sie selig mache. Denn man tauft niemand darum, dass er ein Fürst werde, sondern, wie die Worte lauten, dass er selig werde. Selig werden aber weiß man wohl, dass es nichts anderes heiße, denn von Sünden, Tod, Teufel erlöst, in Christus’ Reich kommen und mit ihm ewig leben.

 

5. Lehrt die Heilige Schrift von dem Nutzen und der Wirkung der Taufe ebenso?

    Ja. Denn so spricht Paulus zu Tit., Kap. 3, V. 6: „Nach seiner Barmherzigkeit hat er uns selig gemacht, durch das Bad der Wiedergeburt und Erneuerung des Heiligen Geistes, welchen er ausgegossen hat über uns reichlich durch Jesus Christus, unsern Heiland; auf dass wir durch desselben Gnade gerecht und Erben seien des ewigen Lebens, nach der Hoffnung.“

    Und Christus selbst bestätigt dies, indem er Joh. 3,5 sagt: „Wahrlich, wahrlich, ich sage dir: Es sei denn, dass jemand geboren werde aus dem Wasser und Geist, so kann er nicht in das Reich Gottes kommen.“

    Und Petrus im 1. Brief, Kap. 3,21: „Die Taufe macht uns selig; nicht das Abtun des Unflats am Fleisch, sondern der Bund eines guten Gewissens mit Gott, durch die Auferstehung Jesu Christi.“

 

6. Wie kann Wasser solche große Dinge tun?

    „Wasser tut’s freilich nicht, sondern das Wort Gottes, so mit und bei dem Wasser ist, und der Glaube, so solchem Wort Gottes im Wasser traut. Denn ohne Gottes Wort ist das Wasser schlicht Wasser und keine Taufe; aber mit dem Wort Gottes ist’s eine Taufe, das ist, ein gnadenreiches Wasser des Lebens und ein Bad der neuen Geburt im Heiligen Geist, wie Paulus sagt zu Titus im 3. Kapitel.“ Kl. Kat., IV; Gr. Kat., IV,14

 

+7. Also darf das Wasser bei der Taufhandlung von dem Wort Gottes nicht getrennt werden?

    Das Wasser darf bei der Taufhandlung wohl von dem Wort Gottes unterschieden, aber nicht von demselben getrennt werden. Denn dieses Wasser ist durch Gottes Wort so geheiligt, dass es nichts anderes ist als göttliches Wasser; nicht als wenn dieses Wasser, in sich und an sich, trefflicher sei als jedes andere Waser, sondern weil das Wort und der Befehl Gottes zu ihm kommt. Wenn man daher das Wort von dem Wasser trennt, so ist es kein anderes Wasser als das, was man im gewöhnlichen Leben gebraucht; aber wenn dies Wort mit ihm verbunden wird,, dann ist es ein Sakrament und Christi Taufe.

Gr. Kat., IV,14-18:

    Aus diesem lerne nun einen richtigen Verstand fassen und antworten auf die Frage, was die Taufe sei, nämlich also, dass sie nicht ein bloß, schlecht Wasser ist, sondern ein Wasser in Gottes Wort und Gebot gefasst und dadurch geheiligt, dass sie nichts anderes ist denn ein Gotteswasser; nicht dass das Wasser an ihm selbst edler sei denn andere Wasser, sondern dass Gottes Wort und Gebot dazukommt.

    Darum ist’s ein lauter Bubenstück und des Teufels Gespött, dass jetzt unsere neuen Geister, die Taufe zu lästern, Gottes Wort und Ordnung davonlassen und nicht anders ansehen denn das Wasser, das man aus dem Brunnen schöpft, und danach daher geifern: Was sollte eine Hand voll Wassers der Seele helfen? Ja, Lieber, wer weiß das nicht, dass Wasser Wasser ist, wenn es Voneinandertrennens soll gelten? Wie darfst du aber so in Gottes Ordnung greifen und das beste Kleinod davon reißen, damit es Gott verbunden und eingefasst hat und nicht will getrennt haben? Denn das ist der Kern in dem Wasser, Gottes Wort oder Gebot und Gottes Name, welcher Schatz grösser und edler ist denn Himmel und Erde.

    Also fasse nun den Unterschied, dass viel ein ander Ding ist Taufe denn alle andern Wasser: nicht des natürlichen Wesens halben, sondern dass hier etwas Edleres dazukommt; denn Gott selbst seine Ehre hintansetzt, seine Kraft und Macht daran legt. Darum ist es nicht allein ein natürlich Wasser, sondern ein göttlich, himmlisch, heilig und selig Wasser, und wie man’s mehr loben kann, alles um des Worts willen, welches ist ein himmlisch, heilig Wort, das niemand genug preisen kann; denn es hat und vermag alles, was Gottes ist. Daher hat es auch sein Wesen, dass es ein Sakrament heißt, wie auch St. Augustinus gelehrt hat: Accedat verbum ad elementum et fit sacramentum; das ist, wenn das Wort zum Element oder natürlichen Wesen kommt, so wird ein Sakrament daraus, das ist, ein heilig göttlich Ding und Zeichen.

 

*8. Wer soll getauft werden?

    Die Kinder, welche jüngst geboren sind. S. Augsb. Bek., IX,2; Apol. IV (IX),1; Gr. Kat., IV,47-50.

 

*9. Beweise mit starken Gründen, dass man die kleinen Kinder taufen soll!

    1) Christus hat alle Völker zu taufen befohlen, also auch die Kinder.

    2) Das Reich Christi ist nur da, wo das Wort und die Sakramente sind: Es sei denn, dass jemand geboren werde aus dem Wasser und Geist, so kann er nicht in das Reich Gottes kommen. Joh. 3,5. Wenn also die Kinder dem Reich Christi einverleibt werden sollen, so kann dies nicht anders geschehen als durch Vermittlung der Taufe.

    3) Die Verheißung der Seligkeit gehört auch den Kindern, nach jenem Wort Matthäus 19,14; Mark, 10,14: Lasst die Kindlein zu mir kommen, denn solcher ist das Himmerlreich. Und Matth. 18,14: Also auch ist es vor eurem Vater im Himmel nicht der Wille, dass jemand von diesen Kleinen verloren werde. Daher gehören für dieselben Kleinen auch die Mittel, durch welche die Verheißung der Seligkeit zugeeignet und versiegelt wird.

    4) Gott hat selbst bezeugt, dass ihm die Taufe der Kinder angenehm sei, indem er durch so viele Jahrhunderte hindurch aus dem menschlichen Geschlecht eine Gemeinde gesammelt hat, während dieses Sakrament auf die Kinder angewendet wurde, indem er den so Getauften den Heiligen Geist gab und endlich die meisten selig machte.

    5) Die Taufe ist an die Stelle der Beschneidung getreten, Kol. 2,12. Wie nun die Beschneidung bei den Kindern als Bundeszeichen angewendet wurde, ebenso muss es mit der Taufe geschehen. S. Apol. Art. IV (IX),2; Gr. Kat., IV,50

 

+10. Also behauptest du, dass alle getauften Kinder wahrhaft widergeboren und in die Gnade Gottes aufgenommen werden?

    Ja, das behaupte ich, denn so sagt der Apostel: „Alle, die wir in Christus getauft sind, die sind in seinen Tod getauft.“ Röm. 6,4.

    Und: „Wie viele euer getauft sind, die haben Christus angezogen.“ Gal. 3,27.

    Ja Christus selbst spricht: „Wer da glaubt und getauft wird, der wird selig.“ Mark. 16,16. Augsb. Bek., IX.

 

*11. Auf diese Weise scheinst du zu behaupten, dass die getauften Kinder wahrhaft an Christus glauben?

    Ganz recht; denn dass die Kinder durch die Taufe, in Kraft des Heiligen Geistes, mit dem wahren Glauben beschenkt werden, erhellt schon daraus, dass sie wiedergeboren werden. Die Wiedergeburt aber kann nicht ohne Glauben geschehen. Und Christus versichert auch selbst deutlich, dass die Kinder an ihn glauben, Matth. 18,6.

 

*12. Dürfen denn auch Erwachsene getauft werden?

    Ja, so viele ihrer zu unserer Kirche [ohne bisher getauft zu sein] hinzukommen und ein Bekenntnis des rechten Glaubens ablegen können.

 

+13. Behauptest du aber, dass auch alle getauften Erwachsenen ebenso wiedergeboren werden wie die Kinder?

    Hier ist ein Unterschied zu machen: Wenn nämlich die Erwachsenen im Herzen wahrhaftigen Glauben haben, wie sie mit dem Mund das Glaubensbekenntnis ablegen, so empfangen sie eine wahrhaft heilsame Taufe; wenn sie aber List oder Heuchelei hegen, dann empfangen sie zwar die Taufe, dem Wesen nach, vollständig, aber nicht auf heilbringende Weise. Denn ohne Glauben nützt die Taufe nichts; und nur der Glaube macht den Menschen würdig, dieses heilsame und göttliche Wasser nützlich zu empfangen.

Gr. Kat., IV,32-34:

    Aufs dritte, weil wir den großen Nutzen und Kraft der Taufe haben, so lass nun weiter sehen, wer die Person sei, die solches empfange, was die Taufe gibt und nützt. Das ist abermals aufs feinste und klarste ausgedrückt eben mit den Worten: "Wer da glaubet und getauft wird, der wird selig." Das ist, der Glaube macht die Person allein würdig, das heilsame, göttliche Wasser nützlich zu empfangen. Denn weil solches allhier in den Worten bei und mit dem Wasser vorgetragen und verheißen wird, kann es nicht anders empfangen werden, denn dass wir solches von Herzen glauben. Ohne Glauben ist es nichts nütz, ob es gleich an ihm selbst ein göttlicher, überschwänglicher Schatz ist. Darum vermag das einige Wort ("wer da glaubet") so viel, dass es ausschließt und zurücktreibt alle Werke, die wir tun können der Meinung, als dadurch Seligkeit zu erlangen und verdienen. Denn es ist beschlossen, was nicht Glaube ist, das tut nichts dazu, empfängt auch nichts.

 

*14. Kann denn die Taufe wiederholt werden?

    Nein. Denn die Taufe ist und bleibt immerdar wahr und ihr Wesen unverändert. Denn was Gott einmal geordnet hat, das kann durch den Unglauben der Menschen nicht umgestoßen und aufgehoben werden.

Gr. Kat., IV,60:

    Darum sei beschlossen, dass die Taufe allezeit recht und in vollem Wesen bleibt, wenngleich nur ein Mensch getauft würde und dazu nicht rechtschaffen glaubte. Denn Gottes Ordnung und Wort lässt sich nicht von Menschen wandelbar machen noch ändern.

 

*15. Aber wenn der Getaufte aus der Gnade Gottes fällt, muss dann nicht die Taufe wiederholt werden?

    Nein. Denn ob jemand gleich die heilsame Frucht der Taufe durch Sünden verliert, so kann er doch alsbald zu derselben zurückkehren, wenn er nämlich den alten Menschen durch Buße tötet und ersäuft. Dass er aber wieder mit Wasser begossen werde, ist nicht notwendig. Gr. Kat., IV, 77.

 

*16. Warum?

    Weil, wenn ein solcher auch hundertmal in das Wasser getaucht würde, er doch nur eine Taufe empfängt, jene nämlich, welche ist der Bund eines guten Gewissens mit Gott. Denn dieser Bund bleibt von Seiten Gottes stets unverändert. Wenn daher einer, nach empfangener Taufe, wieder aus Gottes Gnade fällt, aber durch wahre Reue und Buße zurückkehrt, so fängt die Taufe, die er einmal empfangen hat, sogleich wie an, ihm heilsam zu sein.

 

17. Was bedeutet bei der Taufhandlung das Untertauchen in das Wasser und das Herausziehen aus demselben?

    „Es bedeutet, dass der alte Adam in uns durch tägliche Reue und Buße soll ersäuft werden und sterben mit allen Sünden und bösen Lüsten, und wieder täglich herauskommen und auferstehen ein neuer Mensch, der in Gerechtigkeit und Reinigkeit vor Gott ewig lebe. Denn Paulus spricht zu den Römern im 6. Kapitel: Wir sind samt Christus durch die Taufe begraben in den Tod, dass, gleich wie Christus ist von den Toten auferweckt durch die Herrlichkeit des Vaters, so sollen wir auch in einem neuen Leben wandeln. Kl. Kat., IV,11-14; Gr. Kat., IV,65.

 

 

Abschnitt 21: Von dem heiligen Abendmahl

 

1. Was ist das heilige Abendmahl?

    Es ist ein Sakrament des neuen Testaments, von Christus selbst eingesetzt, in welchem der wahre Leib und das wahre Blut unsers HERRN Jesus Christus in und unter dem Brot und Wein allen, die solches essen und trinken, wahrhaft mitgeteilt und die Verheißung der Gnade jedem Gläubigen durch dasselbe zugeeignet und versiegelt wird. Kl. Kat., VI,1; Gr. Kat. V,8

 

2. Auf welchen Grund stützt sich diese Erklärung?

    Das sagen uns die Worte der Einsetzung: Matth. 26,27.28; Mark. 14,22-24; Luk. 22,19.20 und des Paulus Worte 1. Kor. 10,16 und Kap. 11,23-25.

    Unser HERR Jesus Christus in der Nacht, da er verraten ward, nahm er das Brot, dankte und brach’s und gab’s seinen Jüngern und sprach: Nehmet, esset, das ist  mein Leib, der für euch gegeben wird. Das tut zu meinem Gedächtnis.

    Desselbengleichen nahm er auch den Kelch nach dem Abendmahl, dankte und gab ihnen den und sprach: Trinket alle daraus, dieser Kelch ist das neue Testament in meinem Blut, das für euch vergossen wird zur Vergebung der Sünden. Solches tut, so oft ihr’s trinket, zu meinem Gedächtnis.

 

+3. Müssen diese Worte im eigentlichen und buchstäblichen oder im bildlichen und uneigentlichen Sinn verstanden werden?

    „Wir glauben, lehren und bekennen, dass die Worte des Testaments Christi nicht anders zu verstehen sind, als wie sie nach dem Buchstaben lauten, also, dass nicht das Brot den abwesenden Leib, und der Wein das abwesende Blut Christi bedeute, sondern dass es wahrhaftig, um sakramentlicher Einigkeit willen, der Leib und Blut Christi ist.“ Konk. Formel, Kurze Darl., VII,7.

 

*4. Verstehen denn  nicht auch die Calvinisten die Einsetzungsworte in demselben Sinn?

   Nein. „Denn sie die Worte des Abendmahls: "Esset, das ist mein Leib", nicht eigentlich, wie sie lauten, nach dem Buchstaben, sondern als verblümte Reden (figurate) verstehen, also dass essen den Leib Christi nichts anderes heiße als glauben und Leib so viel wie Symbolum, das ist, ein Zeichen oder Figur des Leibes Christi, welcher nicht im Abendmahl auf Erden, sondern allein im Himmel sei; das Wort ist sacramentaliter seu modo significativo deuten, ne quls rem cum signis ita putet copulari, ut Christi quoque caro nunc in terris adsit modo quodam invisibili et incomprehensibili; das ist, der Leib Christi sei mit dem Brot sakramentlich oder bedeutlich vereinigt, also dass die gläubigen, frommen Christen, so gewiss wie sie das Brot mit dem Munde essen, so gewiss auch den Leib Christi, so droben im Himmel ist, mit dem Glauben geistlich genießen, und leugnen geradezu, dass die Sache so mit den Zeichen verbunden werde, dass der Leib Christi auch jetzt auf der Erde wesentlich, wiewohl unsichtbar und unbegreiflich, gegenwärtig sei.“ Konk. Formel, Ausf. Darl., VII,7.

 

*5. Aber woher beweist du, dass die Einsetzungsworte im eigentlichen, buchstäblichen Sinn verstanden werden müssen?

    Dies beweise ich ersten daher, „dass unser Her und Heiland Jesus Christus, von welchem, als unserm einigen Lehrmeister, dieser ernste Befehl vom Himmel herab allen Menschen gegeben wird, Luk. 9: Hunc audite, "Den sollt ihr hören", welcher nicht ein bloßer Mensch oder Engel, auch nicht allein wahrhaftig, weise und mächtig, sondern die ewige Wahrheit und Weisheit selbst und allmächtiger Gott ist, der gar wohl weiß, was und wie er reden soll, und kann auch alles dasjenige, was er redet und verheißt, kräftiglich ausrichten und ins Werk setzen, wie er spricht Luk. 21,33: "Himmel und Erde müssen vergehen, aber meine Worte müssen nicht vergehen.““ Konk. Formel, Ausf. Darl., VII,43.

 

*6. Kannst du noch einen anderen Beweis geben?

    Ja: „Dieweil nun dieser wahrhaftige, allmächtige HERR, unser Schöpfer und Erlöser Jesus Christus, nach dem letzten Abendmahl, da er jetzt sein bitter Leiden und Sterben für unsere Sünden anfängt, zu der traurigen letzten Zeit, mit großem Bedacht und Ernst in Einsetzung dieses hochwürdigen Sakraments, welches bis ans Ende der Welt mit großer Reverenz und Gehorsam gebraucht werden und ein stetes Gedächtnis seines bitteren Leidens und Sterbens und aller seiner Guttaten, eine Versiegelung des neuen Testaments, ein Trost aller betrübten Herzen und stetes Band und Vereinigung der Christen mit ihrem Haupt Christo und unter sich selbst sein sollte, diese Worte in Stiftung und Einsetzung des heiligen Abendmahls von dem gesegneten und dargereichten Brot gesprochen hat: "Nehmet hin und esset; das ist mein Leib, der für euch gegeben wird", und von dem Kelch oder Wein: "Das ist mein Blut des neuen Testaments, welches für euch vergossen wird zur Vergebung der Sünden":

    So sind wir ja schuldig, diese des ewigen, wahrhaftigen und allmächtigen Sohnes Gottes, unsers HERRN, Schöpfers und Erlösers Jesus Christus, Worte nicht als verblümte, figürliche, fremde Reden anders zu deuten und auszulegen, wie es unserer Vernunft gemäß scheint, sondern die Worte, wie sie lauten, in ihrem eigentlichen, klaren Verstand mit einfältigem Glauben und schuldigem Gehorsam anzunehmen und uns durch keine Einrede oder menschlich Widersprechen, aus menschlicher Vernunft gesponnen, wie lieblich sie auch der Vernunft scheinen, davon abwenden zu lassen.“ Konk. Formel, Ausf. Darl., VII,44-45.

 

*7. Hast du noch einen dritten Beweisgrund?

    Ja, und diesen geben alle Umstände der Einsetzung des heiligen Abendmahls ab. „Denn dieweil Christus diesen Befehl von dem Essen seines Leibes und dem Trinken seines Bluts über Tisch und bei dem Nachtmahl tut, ist ja kein Zweifel, dass er vom rechten natürlichen Brot und vom rechten natürlichen Wein, auch von mündlichem Essen und Trinken redet.“ Konk. Formal, Ausf. Darl., VII, 48

    So verwahrt es auch Christus selbst, dass keine Metonymia, das ist, gleicher Gestalt auch keine Veränderung des Verstandes im Wort "Leib" sei, und dass er nicht von einem Zeichen seines Leibes oder von einem bedeuteten oder figürlichen Leib oder von der Kraft seines Leibes und Wohltaten, die er mit Ausopferung seines Leibes erworben hat, redet, sondern von seinem wahren, wesentlichen Leib, den er für uns in den Tod gegeben, und von seinem wahren, wesentlichen Blut, das er für uns am Stamm des Kreuzes zur Vergebung der Sünden vergossen hat.“ Konk. Formel, Ausf. Darl., VII,49.

 

*8. Gib noch einen vierten Beweisgrund!

    „Derhalben auch alle drei Evangelisten, Matth. 26; Mark 14; Luk. 22, und Paulus, der nach der Himmelfahrt Christi dasselbe empfangen, 1. Kor. 11, einhellig und mit einerlei Worten und Silben viele helle, klare, feste und wahrhaftige Worte Christi: "Das ist mein Leib" ganz aus einerlei Weise von dem gesegneten und dargereichten Brot ohne alle Deutung und Änderung wiederholen.“ Konk. Formel, Ausf. Darl., VII,52.

 

*9. Ich erkenne die Deutlichkeit dieser Gründe an: Du aber fahre fort und zeige, worin das Wesen dieses Sakraments besteht!

    Wir bekennen, laut den Worten des Irenäus, dass in diesem Sakrament zwei Dinge sind, ein irdisches, nämlich Brot und Wein, und ein himmlisches, nämlich der Leib und das Blut Christi.

 

*10. Also behauptest du, dass der Leib und das Blut Christi mit dem Brot und Wein wahrhaftig gegenwärtig sind?

    Allerdings. Denn nicht die Elemente allein, sondern die Elemente mit der himmlischen Sache sakramentlich vereinigt und wesentlich gegenwärtig, machen das Sakrament des Abendmahls auf dieser Erde aus. S. Augs. Bek., X; Konk., Formel, Ausf. Darl., VII,9.

 

*11. Lehrt denn das Augsburger Bekenntnis ebenso?

    Ja, denn es sagt im 10. Artikel: Vom Abendmahl des HERRN wird so gelehrt, dass wahrer Leib und Blut Christi wahrhaftig unter der Gestalt des Brots und Weins im Abendmahl gegenwärtig sei und da ausgeteilt und genommen wird. Derhalben wird auch die Gegenlehre verworfen.“ Und deutlicher die Apologie derselben, Art. IV (X),1: „Wir bekennen, dass unsers Herrn Christi Leib und Blut wahrhaftig im Nachtmahl Christi zugegen und mit den sichtbaren Dingen, Brot und Wein, dargereicht und genommen wird.“ Vgl. Konk. Formel, Ausf. Darl., VII,9.

 

*12. Nun möchte ich, dass du mit deutlichen Gründen beweist, dass der Leib und das Blut Christi in diesem Sakrament mit dem Brot und dem Wein wahrhaftig auf Erden gegenwärtig sind!

    Den ersten und hauptsächlichen Grund geben die Einsetzungsworte selbst. Denn Christus sagt ausdrücklich: Nehmet, esset, das ist mein Leib. Trinket alle daraus, denn dies ist der Kelch des Neuen Testaments in meinem Blut. An diesen Worten halten wir standhaft fest und behaupten, dass Christus nicht anders tut, wie er gesprochen hat. Gr. Kat., V,13; Konk. Formel, Ausf. Darl., VII,22.

 

*13. Willst du noch die übrigen Gründe nennen?

    Der zweite Grund ist, dass, wenn Paulus sagt, das Brot sei die Gemeinschaft des Leibes und der Wein die Gemeinschaft des Blutes Christi, folgen würde, dass das Brot nicht die Gemeinschaft des Leibes und der Wein nicht die Gemeinschaft des Blutes sei, sondern nur des Geistes Christi, wenn der Leib und das Blut des HERRN nicht wahrhaftig zugegen wären. Konk. Formel, Ausf. Darl., VII,9-11

Konk. Formel, Ausf. Darl., VII, 54-56:

    So ist auch diese Wiederholung, Bestätigung und Erklärung der Worte Christi, die St. Paulus 1 Kor. 10 tut, als ein besonders helles Zeugnis der wahren, wesentlichen Gegenwärtigkeit und Austeilung des Leibes und Blutes Christi im Abendmahl mit allem Fleiß und Ernst zu betrachten, da er also schreibt: "Der gesegnete Kelch, welchen wir segnen, ist der nicht die Gemeinschaft des Blutes Christi? Das Brot, das wir brechen, ist das nicht die Gemeinschaft des Leibes Christi?" Daraus wir klärlich lernen, dass nicht allein der Kelch, den Christus im ersten Abendmahl gesegnet, und nicht allein das Brot, welches Christus gebrochen und ausgeteilt hat, sondern auch, das wir brechen und segnen, sei die Gemeinschaft des Leibes und Blutes Christi, also dass alle die, so dies Brot essen und aus dem Kelch trinken, wahrhaftig empfangen und teilhaftig werden des wahren Leibes und Blutes Christi. Denn wo der Leib Christi nicht wahrhaftig und wesentlich, sondern allein nach seiner Kraft und Wirkung gegenwärtig wäre und genossen würde, so würde  das Brot nicht eine Gemeinschaft des Leibes, sondern des Geistes, Kraft und Guttaten Christi müssen genannt werden, wie die Apologie [Artikel X. 54] argumentiert und schließt. 56] Und so Paulus allein von der geistlichen Gemeinschaft des Leibes Christi durch den Glauben redete, wie die Sakramentierer diesen Spruch verkehren, so würde er nicht sagen, das Brot, sondern der Geist oder Glaube wäre die Gemeinschaft des Leibes Christi. Nun sagt er, das Brot sei die Gemeinschaft des Leibes Christi, dass alle, die des gesegneten Brotes genießen, auch des Leibes Christi teilhaftig werden: So muss er ja nicht von geistlicher, sondern von sakramentlicher oder mündlicher Nießung des Leibes Christi, die den wahren und falschen Christen gemein ist, reden.

 

    Und drittens gehören hierher die vier Gründe, mit welchen der selige Luther die Gegenwart des Leibes und Blutes  Christi im Abendmahl aufs deutlichste dartut und beweist.

 

*14. Willst du diese nennen?

    „Der erste ist der Artikel unsers Glaubens: Jesus Christus ist wesentlicher, natürlicher, wahrhaftiger, völliger Gott und Mensch in einer Person, unzertrennt und ungeteilt.“

    „Der zweite, dass Gottes rechte Hand allenthalben ist.“

    „Der dritte, dass Gottes Wort nicht falsch ist oder Lügen.“

    „Der vierte, dass Gott mancherlei Weise hat und weiß etwa an einem Ort zu sein und nicht allein die eine, da die Schwärmer von gaukeln, welche die Philosophen die räumliche nennen.“ Konk. Formel, Ausf. Darl., VII,94-98.

 

+15. Wenn der Leib und das Blut Christi im Sakrament wahrhaft gegenwärtig sind, auf welche Weise werden sie dann mit dem Brot und dem Wein ausgeteilt und empfangen?

    Dies geschieht gewiss nicht durch eine Verwandlung, welche die Katholischen behaupten, „da gelehrt wird, dass das konsekrierte oder gesegnete Brot und Wein im heiligen Abendmahl seine Substanz und Wesen ganz und gar verlieren und in die Substanz des Leibes und Blutes Christi verwandelt werden, so dass allein die bloße Gestalt des Brots und Weins oder das Außerwesentliche ohne das Wesen übrig bleiben.“ Konk. Formel, Ausf. Darl., VII,108.

    Auch geschieht es nicht durch eine räumliche Einschließung des Leibes und Blutes Christi im Brot und Wein; noch durch eine Vereinigung, welche auch nach vollendeter Feier des Sakraments fortdauerte. Sondern es geschieht durch die sakramentliche Vereinigung, welche durch die Kraft der Verheißung Christi bewirkt, dass, wenn das Brot dargereicht wird, auch der Leib Christi zugleich wahrhaftig da ist und ausgeteilt wird, und dass, wenn der Wein dargereicht wird, auch das Blut Christi zugleich wahrhaftig da ist und ausgeteilt wird. Konk. Formel, Ausf. Darl., VII,14.

 

*16. Was ist denn die sakramentliche Vereinigung?

    Sie ist eine Wirkung der göttlichen Kraft, durch welche zwei verschiedene Dinge, nämlich ein irdisches, das Brot und der Wein, und ein himmlisches, der Leib und das Blut Christi, bei dem rechten, im Essen und Trinken bestehenden, Genuss des Abendmahls auf sakramentliche, das ist, übernatürliche und unaussprechliche Weise miteinander verbunden sind, und nach der Einsetzung Christi zugleich ausgeteilt und empfangen werden.

 

*17. Warum aber und in welchem Sinne gebraucht unsere Kirche die Wörter in, mit und unter dem Brot und dem Wein?

    Erstens, dass dadurch die papistische Verwandlungslehre verworfen werde. Dann, um damit die sakramentliche Vereinigung des Zeichens mit dem Bezeichneten, das ist, der irdischen mit der himmlischen Sache, anzuzeigen. Endlich zum Zeugnis, dass die Worte Christi: das ist mein Leib, einfach und wie die Worte lauten, genommen und verstanden werden müssen. Konk. Formel, Ausf. Darl., VII,35.38.

 

*18. Kann denn hieraus erkannt werden, was die sakramentlichen Formeln für eine Natur und Eigenschaft haben?

    Ja. Denn die sakramentlichen Formeln sind nicht von der Art, dass durch sie dem irdischen Element nur vermöge einer gewissen Ähnlichkeit oder Figur der Name der sinnlichen Sache gegeben wird, so dass das eine Wort nur für das andere steht, wie die Calvinisten träumen; sondern sie sind von der Art, dass, wenn durch die sakramentliche Vereinigung des irdischen Elements mit dem himmlischen das, was mit dem Brot genossen wird, der Leib Christi, und das, was mit dem Wein getrunken wird, das Blut Christi genannt wird, dies mit der wahrsten und wesentlichsten Benennung geschieht. Solche sakramentlichen Formeln sind: Dies ist mein Leib, dies ist mein Blut; ferner: das Brot ist die Gemeinschaft des Leibes Christi, der Wein ist die Gemeinschaft des Blutes Christi. Konk. Formel, Ausf. Darl., VII,35-38.108 ff.

 

19. Behauptest du, dass der Leib und das Blut Christi im Sakrament mit dem leiblichen Mund empfangen werden?

    Ich glaube und behaupte fest, „dass der Leib und Blut Christi nicht allein geistlich durch den Glauben, sondern auch mündlich, doch nicht auf kapernaitische, sondern übernatürliche himmlische Weise, um der sakramentlichen Vereinigung willen, mit dem Brot und Wein empfangen werde“. Konk. Formel, Kurze Darl., VII,15.

 

+20. Also gestehst du, soweit ich einsehe, eine doppelte Genießung des Leibes Christi zu?

    Ja. „Denn die eine Genießung des Leibes Christi ist geistlich, davon Christus Joh. 6 vornehmlich handelt, welche nicht anders als mit dem Geist und Glauben, in der Predigt und Betrachtung des Evangeliums, ebenso wohl als im Abendmahl geschieht, und für sich selbst nützlich und heilsam und allen Christen zu allen Zeiten zur Seligkeit nötig ist. Denn solches geistliche Essen ist nichts anderes als der Glaube an Christus.“ Konk. Formel, Ausf. Darl., VII,61-62

 

*21. Welches ist die andere Genießung des Leibes Christi?

    „Das andere Essen des Leibes  Christi ist mündlich oder sakramentlich, da im heiligen Abendmahl der wahre, wesentliche Leib und Blut Christi von allen, die das gesegnete Brot und Wein im Abendmahl essen und trinken, mündlich empfangen und genossen wird.“ Ebend.

 

*22. Kann denn diese sakramentliche Genießung auch ein geistliches Essen genannt werden?

    Sie kann so genannt werden, aber nicht in dem Sinne, in welchem es die Sakramentierer wollen, als wenn nämlich im Sakrament des Abendmahls nur der Geist, oder die Kraft des abwesenden Leibes Christi und dessen Verdienst gegenwärtig sei und von den Gläubigen empfangen werde; sondern durch das Wort „geistlich“ verstehen wir die übernatürliche, himmlische Weise, nach welcher Christus bei dem heiligen Abendmahl gegenwärtig ist. Und zwar verwerfen wir durch dieses Wort die kapernaitischen Gedanken von der groben fleischlichen Gegenwart. Konk. Formel, Ausf. Darl., VII,108.

Konk. Formel, Kurze Darl., VII,3-5:

    Zur Erklärung dieses Streits ist anfänglich zu merken, dass zweierlei Sakramentierer seien. Etliche sind grobe Sakramentierer, welche mit deutschen, klaren Worten vorgeben, wie sie im Herzen halten, dass im heiligen Abendmahl mehr nicht denn Brot und Wein gegenwärtig sei, ausgeteilt und mit dem Munde empfangen werde. Etliche aber sind verschlagene und die allerschädlichsten Sakramentierer, die zum Teil mit unsern Worten ganz scheinbar reden und vorgeben, sie glauben auch eine wahrhaftige Gegenwärtigkeit des wahrhaftigen, wesentlichen, lebendigen Leibes und Blutes Christi im heiligen Abendmahl, doch solches geschehe geistlich, durch den Glauben; welche doch unter diesen scheinbar wahren Worten eben die erste grobe Meinung behalten, dass nämlich nichts als Brot und Wein im heiligen Abendmahl gegenwärtig sei und mit dem Munde empfangen werde; denn geistlich heißt ihnen anders nichts als der Geist Christi oder die Kraft des abwesenden Leibes Christi und sein Verdienst, welches gegenwärtig sei; der Leib Christi aber sei aus keinerlei Weise noch Wege gegenwärtig, sondern allein droben im obersten Himmel, zu dem wir mit den Gedanken unsers Glaubens in [den] Himmel uns erheben und daselbst, aber gar nicht bei Brot und Wein des Abendmahls, solchen seinen Leib und Blut suchen sollen.

 

*23. Sind nicht beiderlei Essen in dem Gebrauch dieses Sakraments zusammen?

    Ja, bei den Frommen oder Gläubigen, nicht bei den Gottlosen oder Ungläubigen. Denn die Gläubigen empfangen das Sakrament nicht nur auf sakramentliche Weise und mit dem Mund, sondern auch geistlich, das ist, sie empfangen dessen heilsame Frucht durch den Glauben, zum gewissen Pfand und Siegel, dass ihnen die Sünden vergeben sind. Die Gottlosen aber ermangeln dieses geistlichen und heilsamen Essens wegen ihrer Ungläubigkeit und genießen nur sakramentlich, das ist, nur mit dem Mund denselben Leib und dasselbe Blut Christi, aber zum Gericht und zur Verdammnis. Konk. Formel, Ausf. Darl., VII,63.

 

+24. Beweise, dass der Leib und das Blut Christi mit dem leiblichen Mund empfangen werden!

    „Wie die Worte der Einsetzung Christi ausdrücklich lauten, da er über Tisch und ob dem Nachtmahl seinen Jüngern natürlich Brot und natürlichen Wein reicht, welche er seinen wahren Leib und sein wahres Blut nennt und dabei sagt: "Esset und trinket"; so kann ja solcher Befehl vermöge der Umstände nicht anders als von dem mündlichen Essen und Trinken, aber nicht aus grobe, fleischliche, kapernaitische, sondern aus übernatürliche, unbegreifliche Weise, verstanden werden.“ Konk. Formel, Ausf. Darl., VII,64; vgl. Konk. Formel, Kurze Darl., VII,15.

 

+25. Hast du nicht noch einen anderen Beweis?

    Ja. Denn Paulus 1. Kor. 10,16 sagt: „Der gesegnete Kelch, welchen wir segnen, ist der nicht die Gemeinschaft des Blutes Christi, das Brot, das wir brechen, ist das nicht die Gemeinschaft des Leibes Christi?“ wodurch er das mündliche Essen auf das deutlichste lehrt. „Denn wenn Paulus allein von der geistlichen Gemeinschaft des Leibes Christi durch den Glauben redete, wie die Sakramentierer diesen Spruch verkehren, so würde er nicht sagen: das Brot, sondern: der Geist oder Glaube wäre die Gemeinschaft des Leibes Christi. Nun sagt er: Das Brot ist die Gemeinschaft des Leibes Christi, dass alle, die das gesegnete Brot genießen, auch des Leibes Christi teilhaftig werden; so muss er ja nicht von geistlicher, sondern von sakramentlicher oder mündlicher Nießung des Leibes Christi, die den frommen und gottlosen Christen gemeinsam ist, reden.“ Konk. Formel, Ausf. Darl., VII,56.

 

26. Essen und trinken denn die Unwürdigen, Gottlosen und Ungläubigen ebenfalls mit dem Mund den heiligen Leib und das heilige Blut Christi?

    „Dass nicht allein die gottseligen, frommen und gläubigen Christen, sondern die unwürdigen gottlosen Heuchler auch den wahren Leib und Blut Christi mündlich im Sakrament empfangen und sich mit ihrem unwürdigen Essen und Trinken am Leib und Blut Christi schwer versündigen, lehrt Paulus ausdrücklich 1. Kor. 1,27. Konk. Formel, Ausf. Darl., VII,60.

 

+27. Ehe du dies beweist, so zeige, welche würdig und welche unwürdig sind!

    Unwürdige sind und heißen, „die ohne wahre Reue und Leib über ihre Sünden und ohne wahren Glauben und guten Vorsatz, ihr Leben zu bessern, zu diesem Sakrament gehen“. Würdige aber sind die Gläubigen an Christus, und diese nicht allein, sondern auch „die schwachgläubigen, einfältigen, betrübten Christen, die von wegen der Größe und Menge ihrer Sünden von Herzen erschrocken sind und denken, dass sie in dieser ihrer großen Unreinigkeit dieses edlen Schatzes und der Guttaten Christi nicht wert seien und ihre Schwachheit des Glaubens empfinden und beklagen und von Herzen begehren, dass sie mit stärkerem, freudigerem Geist und reinem Gehorsam Gott dienen möchten.“ Konk. Formel, Ausf. Darl., 68-69.

 

+28. Nun beweise, dass alle Unwürdigen in diesem Sakrament den Leib Christi mit dem Munde empfangen!

    Dies bestätigt der Apostel 1. Kor. 11,27 und 29, wenn er sagt: „Welcher unwürdig von diesem Brot isst oder von dem Kelch des HERRN trinkt, der ist schuldig an dem Leib und Blut des HERRN. Welcher aber unwürdig isst und trinkt, der isst und trinkt ihm selber das Gericht, damit, dass er nicht unterscheidet den Leib des HERRN.“

    Mit welchen Worten der Apostel deutlich bezeugt, dass die, welche von diesem Brot (welches ist die Gemeinschaft des Leibes Christi) unwürdig essen und von dem gesegneten Kelch (welcher ist die Gemeinschaft des Blutes Christi) unwürdig trinken, sich nicht allein am Brot und Wein, nicht allein an Zeichen oder Symbolen und Figur des Leibes und Blutes versündigen, sondern schuldig werden am Leib und Blut des HERRN Jesus Christus selbst, welchen sie allda gegenwärtig verunehren, missbrauchen und schänden. Konk. Formel, Ausf. Darl., VII,60.

 

*29. Was hältst du von den Einsetzungsworten? Haben sie die Kraft, das Sakrament zu machen?

    Was sodann die Konsekration belangt, glauben, lehren und bekennen wir, das solche Gegenwärtigkeit des Leibes und Blutes Christi im heiligen Abendmahl nicht schaffe einiges Menschenwerk oder sprechen des Dieners, sondern dass solche einig und allein der allmächtigen Kraft des HERRN Jesus Christus zugeschrieben werden soll.“ Konk. Formel, Kurze Darl., VII,8.

    Denn die wahrhaftigen und allmächtigen Werke Jesu Christi, welche er in der ersten Einsetzung gesprochen, sind nicht allein im ersten Abendmahl kräftig gewesen, sondern währen, gelten, wirken und sind noch kräftig, dass an allen Orten, da das Abendmahl nach Christi Einsetzung gehalten und seine Worte gebraucht werden, aus Kraft und Vermögen derselben Worte, die Christus im ersten Abendmahl gesprochen, der Leib und Blut Christi, wahrhaftig gegenwärtig, ausgeteilt und empfangen wird. Denn Christus selbst, wo man seine Einsetzung hält und seine Worte über dem Brot und Kelch [über das Brot und den Kelch] spricht und das gesegnete Brot und Kelch austeilt, durch die gesprochenen Worte, aus Kraft der ersten Einsetzung, heute noch durch sein Wort, welches er da will wiederholt haben, kräftig ist.“ Konk. Formel, Ausf. Darl., VII,75.

 

*30. Daher können die Einsetzungsworte beim Gebrauch dieses Sakraments ganz und gar weggelassen werden?

    Sie dürfen durchaus nicht weggelassen, sondern sie müssen öffentlich gesprochen werden, so, wie geschrieben steht: Der gesegnete Kelch, welchen wir segnen, ist der nicht die Gemeinschaft des Blutes Christi? Dieses Segnen aber geschieht durch die Wiederholung der Worte Christi.

    Dann muss man dem Befehl Christi nachkommen und Gehorsam leisten, welcher sagt: Das tut! Daher darf nicht unterlassen werden, was Christus selbst im heiligen Abendmahl getan hat.

    Drittens müssen die Worte Christi auch deshalb wiederholt werden, damit der Zuhörer Glaube, vom Wesen und Frucht dieses Sakraments, durch die Worte des Testaments Christi erweckt, gestärkt und vergewissert werde.

    Und endlich, dass die Elemente des Brotes und Weines zu diesem heiligen Gebrauch geheiligt oder gesegnet und von den anderen Elementen dieser Art ausgesondert werden. Konk. Formel, Ausf. Darl., VII,80.

 

[30.a So bewirkt Christus also mittels der Konsekration die sakramentale Vereinigung?

    „Demnach sage ich in Gottes Furcht, dass ich nicht anders weiß und verstehe, denn dass, wenn man in der Administration des Abendmahls ist und die Worte Christi gesprochen werden, diese Propositiones, Lehre und Worte recht, wahrhaftig und tröstlich sind, dass allda, wie die Worte Christi lauten, nicht allein Brot und Wein sei, sondern auch der wahre, wesentliche, gegenwärtige Leib Christi, doch unsichtbarer Weise. Dergleichen ist auch vom Kelch zu halten. Ebenso, dass im Nachtmahl des HERRN das gesegnete Brot sei der wahre Leib Christi in sakramentlicher Vereinigung (wie Lutherus redet) auch vor dem Essen, welches doch ordentlich und alsbald folgen soll, und dass der gesegnete Wein im Kelch sei das wahre Blut Christi, auch ehe des getrunken wird, welches Trinken dennoch ordentlich und alsbald allda geschehen soll. Es ist aber auch diese Erinnerung dabei nötig, dass nicht eine papistische Transsubstantiation noch eine lokalis oder durabilis inclusio zu träumen sei. Denn es viel ein anderes Ding ist, so man nicht austeilet dasjenige, was Christus laut seiner Worte gibt und mitteilet. Denn es hat Christus sein Testament nicht zu hinsetzen und um zu tragen verordnet, sondern dass man seinen Leib essen und sein Blut trinken soll.“ (Wigand über den Saliger’schen Streit in Rostock; in: Diestelmann, Actio Sacramentalis, S. 286)

    „Der Segen, wie ihn etliche nennen, oder die Erzählung der Worte der Einsetzung Christi, wo nicht die ganze Aktion des Abendmahls, wie sie von Christus geordnet, gehalten wird, als wenn man das gesegnete Brot nicht austeilet, empfängt und genießt, sondern einschließt, aufopfert oder umherträgt, macht allein nicht ein Sakrament, sondern es muss der Befehl Christi: ‚das tut’, welcher die ganze Aktion (oder Verrichtung) dieses Sakraments, dass man in einer christlichen Zusammenkunft Brot und Wein nehme, segne, austeile, empfange, esse, trinke und des HERRN Tod dabei verkündige, zusammenfasset unzertrennt und unverrückt gehalten werden, wie uns auch St. Paulus die ganze Aktion des Brotbrechens oder Austeilens und Empfangens vor Augen stellet, 1. Kor. 10.“ (Abschied der mecklenburgische Herzöge und Kirche über den Saliger’schen Streit; in: Diestelmann, Actio Sacramentalis, S. 291) Daher müssen alle irdischen Elemente, die im heiligen Abendmahl ausgeteilt werden, konsekriert werden, auch solche, die nachträglich hinzugetan werden (Nachkonsekration).

 

30.b Wie wird das heilige Abendmahl auch beschrieben?

    Das heilige Abendmahl ist „eine solche Handlung, darin Brot und Wein genommen, gesegnet, gereicht, empfangen, gegessen und getrunken werde. Und von dem, das also gesegnet, gereicht, empfangen, gegessen und getrunken wird, spricht Christus: Das ist mein Leib, das ist mein Blut. Wenn nun das Brot gesegnet, aber nicht ausgeteilt, nicht empfangen noch genossen, sondern eingesperrt, gezeigt, umhergetragen wird, so kommt das Wort der Einsetzung nicht ganz zum Element; denn es fehlt an dem: Er gab ihnen und sprach: nehmt und esst. Und wo es am Wort fehlt, das ist kein rechtes vollkommenes Sakrament, gleichwie keine Taufe ist, wo nicht die Worte übers Wasser gesprochen werden und niemand getauft wird.“ (Chemnitz, Enchiridion) Die heilige Handlung oder die actio sacramentalis oder der usus, Gebrauch des Sakraments umfasst also, dass Brot und Wein gesegnet, gereicht, empfangen und genossen werden, als eine unzertrennliche Handlung.

 

30.c Was ist mit dem, was beim heiligen Abendmahl übrig bleibt (reliquae sacramenti)?

    „Gott ist nicht mit ihnen [den irdischen Zeichen, Anm. d. Übers.] untrennbar verbunden, sondern aufgrund des Bundes und gemäß dem Wort sind sie kein Sakrament außerhalb ihres Gebrauchs. Wenn diese Sakramente vollendet sind, so gehen sie [die Zeichen, Anm. d. Übers.] hinweg, wie Augustinus sagt, oder werden von der sakramentalen Vereinigung getrennt.“ (Chemnitz, Die zwei Naturen Christi) Das heißt: Nach der actio sacramentalis, wenn die Feier beendet ist, ist auch kein Sakrament, damit auch keine sakramentale Vereinigung mehr vorhanden.

    „Ich halte aber, dass nicht recht gesagt werde, dass solch heiliges Brot, das ist, so zur heiligen Aktion und Handlung des Abendmahls geordnet, der Leib und der gesegnete Kelch so weggesetzt und verwahrt worden, das Blut Christi sei und bleibe. Denn diese Elemente sind gleich als außerhalb des Testaments aufgehoben, da keiner ist, der sie empfängt. Darum man Christus nicht daran binden soll. … Darnach, wo sich etwa ein Fall zutragen möchte, dass irgend aus unvermeidlicher Not etwas vom heiligen Abendmahle übrig bliebe, halte ich, dass in der neuen Aktion recht gesagt sei, dass man solch Brot, so nun zum Gebrauch oder Nießung verordnet halten sollte (gleichs Urteil ist auch vom Wein) und das in der nächsten oder zukünftigen Administration und Ausspendung des heiligen Abendmahls auch diese übriggebliebenen Teile, so nach Gottes Wort schon zur Aktion geordnet, hingereicht und ausgeteilt werden sollen, doch also, dass die Worte des Testaments wiederum wiederholt werden.“ (Aus: Gutachten Wigands für Danzig; in: Diestelmann, Actio sacramentalis, S. 227)

    Es darf also kein Gesetz daraus gemacht werden, dass alle Elemente zu verzehren sind, wiewohl dies ein löblicher Brauch ist, der lange Zeit auch in der lutherischen Kirche beachtet wurde. Es ist ebenso gut, sie für ein nächstes Abendmahl aufzubewahren, wobei sie dann wieder zu konsekrieren sind.]

 

*31. Was hältst du nun davon, dass die Römisch-Katholischen dies Sakrament nur unter einer Gestalt austeilen?

    Ich behaupte, dass ein großer und schrecklicher Raub begangen wird, „wenn den Laien nur eine Gestalt des Sakraments gegeben und gegen die offenbare Worte des Testamentes Christi der Kelch ihnen vorenthalten und sie seines Blutes beraubt werden“. Konk. Formel, Kurze Darl., VII,21.24; Augsb. Bek., XXII; Apol. XXIII,1-5; Schmalk. Art., T. III, VI.

 

*32. Gib die Gründe dieser deiner Behauptung!

    Erstens, „Christus hat beiderlei Gestalt eingesetzt, nicht allein für einen Teil der Kirche, sondern für die ganze Kirche. So nun Christus für die ganze Kirche das ganze Sakrament hat eingesetzt, warum nehmen sie denn der Kirche die eine Gestalt? Warum ändern sie die Ordnung Christi“? Apol., X (XXIII),1.

    Dann hat Christus deutlich befohlen, dass alle aus dem Kelch trinken sollen, Matth. 26,27. Und damit niemand diese Worte anfechten und glossieren könne, als gehöre es allein den Priestern zu, so zeigt Paulus 1. Kor. 11,24 ff. an, dass die ganze Versammlung der Korinther Kirche beide Gestalt verwendet hat. Augsb. Bek., XXII,21.

 

*33. Hegen denn die Katholischen noch andere Irrtümer von diesem Sakrament?

    Ja; denn 1) ein Irrtum ist ihre Phantasie von der Transsubstantiation oder die Lehre von der Verwandlung der Substanz des Brotes in die Substanz des Leibes und der Substanz des Weines in die Substanz des Blutes Christi.

    2) Ein Irrtum ist, dass sie dichten, der Leib Christi sei unter der Gestalt des Brotes wahrhaftig gegenwärtig auf sakramentliche Weise, auch außerhalb der Handlung des heiligen Abendmahls, da doch nichts ein Sakrament sein kann ohne Gottes Befehl und geordnetem Gebrauch [welcher besteht in Segnung, Austeilung und mündlichem Genuss].

    3) Ein Irrtum ist, wenn das Brot (von dem sie dichten, dass es in den Leib Christi verwandelt sei) in das Sakramentshäuschen eingeschlossen oder in feierlichem theatralischen Pomp, was sie eine Prozession nennen, zur Anbetung herumgetragen wird.

    4) Ein Irrtum endlich ist’s, dass sie das Sakrament des Altars verwandeln in ein eigentliches Opfer, und zwar in ein Sühnopfer für Lebende und Tote, was sie Messe nennen. Konk. Formel, Ausf. Darl., VII,108-110.

 

+34. Was ist für uns der Zweck und Nutzen der Einsetzung des heiligen Abendmahls?

    Es ist deshalb eingesetzt, dass der Glaube in denen, welche das Sakrament verwenden, erinnert werde, welche Wohltaten er durch Christus empfängt, und dass es die erschrockenen Gewissen aufrichte und tröste. Denn an Christus sich erinnern heißt: seiner Wohltaten gedenken und glauben, dass sie uns wahrhaftig mitgeteilt werden. Augs. Bek., XXIV,30-33; Apol. XXIV,370.372.

 

+35. Soll man das Sakrament oft empfangen?

    Ja. Denn erstens haben wir Christi Worte: Das tut zu meinem Gedächtnis, welche Worte ein Befehl sind. Kl. Kat., V,22; Gr. Kat., V,45.

    Dann, je öfter du zum heiligen Abendmahl gehst, desto mehr wird das Herz von der Liebe Gottes erwärmt und entzündet. Gr. Kat., V,54-55.

    Zum dritten ist über das Gebot auch eine Verheißung, die uns aufs allerstärkste zu dem häufigen Gebrauch dieses Sakraments reizen und treiben soll; denn da stehen die freundlichen und lieblichen Worte: Das ist mein Leib, für euch gegeben; das ist mein Blut, für euch vergossen zur Vergebung der Sünde. Gr. Kat., V, 64.72.

 

[36. Wem darf denn das Abendmahl gereicht bzw. nicht gereicht werden?

    „Was die Kommunikanten betrifft, so sind nur die zum heiligen Abendmahl zuzulassen: 1. Welche bereits getauft sind, 2. die sich selbst prüfen können, 3. denen man nicht beweisen kann, dass sie Unchristen oder Irrgläubige sind, und die daher das Sakrament unwürdig nehmen würden, und bei denen endlich 4. sich kein Grund findet, dass sie notwendig sich vorher zu versöhnen oder Wiedererstattung zu tun haben. … Da nach Gottes Wort ein jeder, welcher zum Tisch des HERRN gehen will, sich vorher prüfen und den Leib des HERRN unterscheiden soll (1. Kor. 11,28.29), so ist das heilige Abendmahl den Kindern, welche dessen noch nicht fähig sind, nicht zu reichen. … Zu denen, welche sich nicht prüfen können und daher zum heiligen Abendmahl nicht zugelassen sind, gehören ferner Schlafende, Bewusstlose, in den letzten Zügen ohne Besinnung liegende, Wahnsinnige u. dgl. …

    Wer den Glauben nicht bekennt, dass im heiligen Abendmahl der wahre Leib Jesu Christi wirklich und wahrhaftig gegenwärtig sei und daher von allen Kommunikanten, würdigen und unwürdigen, genossen werde, kann den Leib des HERRN nicht unterscheiden (1. Kor. 11,29), und ist daher unter keinen Umständen zum heiligen Abendmahl zuzulassen. Aber selbst der, welcher dies bekennt, kann ordentlicherweise nicht zugelassen werden, wenn er nicht ein Glied unserer rechtgläubigen Kirche, sondern ein Separatist, ein Römischer, Reformierter, ein s.g. Evangelischer oder Unierter, Methodist, Baptist, kurz, Glied einer irrgläubigen Gemeinschaft sein und bleiben will, da das Sakrament, wie es Siegel des Glaubens ist, so auch das Banner der Gemeinschaft ist, innerhalb welcher es verwaltet wird.“ (Walther, Pastorale, S. 190.191.193)

    „Glieder irrgläubiger Kirchen werden durch ihre Abweisung von der Feier des heiligen Abendmahls in Gemeinschaft mit der lutherischen Kirche nicht in den Bann getan, viel weniger verdammt, sondern nur suspendiert, bis sie sich  durch Abtun der falschen Gemeinschaft, in der sie stehen, mit der rechtgläubigen Kirche versöhnt haben.“ (Walther, Thesen zur Abendmahlsgemeinschaft, These 11)]

 

 

Abschnitt 22: Von den Opfern und der katholischen Messe

 

1. Was ist ein eigentliches Opfer?

    „Ein Opfer ist eine Zeremonie oder ein Werk, von Gott befohlen, das wir Gott geben, ihn damit zu ehren.“ Apol. XII (XXIV),18.

 

2. Wie unterscheidet sich das Opfer von dem Sakrament?

   „Das Sakrament ist eine Zeremonie oder ein Werk, dadurch uns Gott gibt dasjenige, so die göttliche Verheißung, welche dieser Zeremonie angeheftet ist, anbietet“, das Opfer aber ist, wie schon gesagt, ein Werk, wodurch wir Gott etwas darbringen. Apol. XII (XXIV),18.

 

3. Wie viele Arten von Opfern gibt es?

    Es gibt nur zwei Arten von Opfern: „Das eine ist ein Versöhnopfer, dadurch genug getan wird für Pein und Schuld, Gottes Zorn gestillt und versöhnt und Vergebung der Sünden für andere erlangt.“ Solches Opfer ist nur ein einziges in der Welt dargebracht worden, und zwar nur einmal, kann und soll auch nicht wiederholt werden, nämlich das Opfer des Todes Christi. Hebr. 7,27 und 10,12.

    Die andere Art ist „ein Dankopfer, dadurch nicht Vergebung der Sünde oder Versöhnung erlangt wird, sondern geschieht von denjenigen, welche schon versöhnt sind, dass sie für die erlangte Vergebung der Sünde und andere Gnaden und Gaben danksagen“. Der Art Opfer waren im Alten Bund das Schuldopfer, Speisopfer, das Dankopfer, die Erstlinge und der Zehnte. Apol. XII (XXIV),21.

 

+4. Waren denn einige levitische Opfer auch Sühnopfer?

    Ja. Aber sie wurden so genannt um der Bedeutung willen, nicht dass sie durch ihre Kraft oder an sich Vergebung der Sünden vor Gott verdienten, sondern teils deshalb, weil sie Vorbilder waren des verheißenen, reinen, einzigen und wahren Sühnopfers des Messias, teils deshalb, weil sie eine Sühnung der Sünden waren nach dem Gesetz. Denn diejenigen, für welche sie geschahen, wurden durch solche Opfer versöhnt, dass sie nicht aus der Gemeinde des Volkes Israel verstoßen würden. Und in dieser kirchlichen Rücksicht wurden sie Sühnopfer für Sünde und Vergehen und Brandopfer genannt. Ebend.

 

+5. Finden diese levitischen Sühnopfer noch jetzt in der Kirche Gottes statt?

    Nein. Denn weil das levitische Gesetz mit der Offenbarung des Evangeliums aufhören musste, so hörten auch diese Opfer auf. Oder sie waren vielmehr deshalb nicht wahre Sühnopfer, weil das Evangelium zu dem Zweck gegeben wurde, dass es die wahre Versöhnung bringe.

 

+6. Sind die Dankopfer nur von einerlei Art?

    Nein. Denn einige waren nur äußerliche Opfer, welche im 3. Buch Mose beschrieben und schon längst veraltet sind. Andere aber sind geistliche Dankopfer, und diese sind beiden Testamenten gemeinsam und werden bis zum Ende der Welt dauern, zu welcher Art die Lobopfer gehören, wie: die Predigt des Evangeliums; der Glaube, das Gebet, die Danksagung, das Bekenntnis und Kreuz der Heiligen, kurz: alle Werke der Heiligen.

Apol. XII (XXIV),31.25:

    Und von diesen Opfern redet Maleachi, da er sagt: "Vom Aufgang der Sonne bis zu ihrem Niedergang ist mein Name groß unter den Heiden, und an allen Orten soll meinem Namen geopfert werden ein rein Opfer."

    Wie Petrus der Apostel 1 Petr. 2 sagt: "Ihr seid ein heilig Priestertum, dass ihr opfert geistliche Opfer."

 

*7. Verdienten die levitischen Opfer etwas, ex opere operato, d.i. bloß dadurch, dass sie geschahen, ohne Rücksicht auf den Opfernden?

    Nein. Denn die Propheten des Alten Testaments selbst verdammten die Meinung, dass die Opfer an sich genug täten, und verlangten die Gerechtigkeit und Opfer des Geistes.

Jer. 7,23-24: Denn ich habe euren Vätern des Tages, da ich sie aus Ägyptenland führte,  weder gesagt noch geboten von Brandopfern und andern Opfern, sondern dies Wort habe ich ihnen geboten: Hört meine Stimme, und ich will euer Gott sein.

 

 Ps. 50,13.15: Meinst du, dass ich Ochsenfleisch essen wolle, oder Bocksblut trinken? … Rufe mich an in der Not, so will ich dich erretten, so sollst du mich preisen.

Ps. 51,18: Du hast nicht Lust zum Opfer. … Die Opfer, die Gott gefallen, sind ein geängsteter Geist; ein geängstetes und zerschlagenes Herz wirst du, Gott, nicht verachten.

 

*8. Ist denn die katholische Messe ein eigentliches Opfer?

    Die Katholischen sagen zwar Ja dazu, indem sie behaupten, dass in der Messe, d.i. in der Feier des heiligen Abendmahls, der Leib und das Blut Christi von dem Priester Gott dem Vater dargebracht werde, für die Sünden der Lebenden und Toten. Aber diese Meinung verwerfe und verdamme ich als gottlos und lästerlich. S. Augsb. Bek., XXIV,22.

 

*9. Warum denn?

    Erstens, weil Christus, nach dem Zeugnis der Heiligen Schrift, nur einmal, in seinem Leiden am Kreuz, dargebracht werden musste und dargebracht worden ist, Hebr. 7,27; 9,12; 10,2 und 12. Daher kann es nicht geschehen, dass er in der Messe, und zwar unablässig, dargebracht werde. Ebend.

    Zweitens lehrt die Heilige Schrift, dass wir vor Gott gerechtfertigt werden durch den Glauben an Jesus Christus, wenn wir nämlich glauben, dass uns die Sünden um Christi willen vergeben werden. Wenn nun die katholische Messe, an und für sich, bloß als Werk, die Sünden der Lebenden und Toten tilgte, so käme wahrlich die Rechtfertigung nicht aus dem glauben, sondern aus dem Werk der Messe.

    Drittens wird in den Einsetzungsworten ein doppelter Gebrauch des heiligen Abendmahls ausgedrückt: 1) ein äußerlicher, welcher im Essen und Trinken besteht; 2) ein innerlich, dass es nämlich geschehe zum Gedächtnis des HERRN. Aber keiner dieses zweifachen Gebrauchs kann die Andeutung zu einer Opfer-Einsetzung sein, ja, der letztere wirft das ganze Messopfer von Grund aus um. Denn wenn hier das Gedächtnis eines Opfers begangen wird, so kann das heilige Abendmahl gewiss nicht dieses Opfer selbst sein.

    Viertens endlich hat diese katholische Messe, gleichwie ein Drachenschwanz, vielen Missbrauch und Götzendienst erzeugt, wie: die Lehre vom Fegfeuer, Geistererscheinungen, Wallfahrten, Brüderschaften, Heiligenreliquien, auch Ablass, der zugunsten der Lebenden und Toten für Geld verkauft wurde.

 

Abschnitt 23: Von dem Ärgernis

 

1. Was ist Ärgernis?

    Ärgernis ist eine Rede oder Handlung, wodurch jemand schlechter wird, entweder, weil er in einem Irrtum bestärkt wird, oder weil er ein böses Beispiel nachahmt, oder auch weil er mit größerem Hass gegen das Evangelium erfüllt wird. Melanchthon.

 

2. Wie viele Arten des Ärgernisses gibt es?

    Zwei: 1) Das pharisäische oder genommene: Dieses ist, wenn die Ungläubigen auf die wahre Lehre des Evangeliums oder auf ehrbare und notwendige Handlungen zornig sind, wenn sie nicht leiden wollen, dass die wahre Lehre getrieben, die Irrtümer gestraft oder Götzendienst abgeschafft werde. Ebend.

    2) Das gegebene Ärgernis. Dies ist entweder falsche Lehre oder böses Beispiel, welches anderen Schaden bringt, weil es in ihnen entweder die Frechheit bestärkt oder sie zur Nachahmung anreizt oder vom Evangelium abschreckt und Gelegenheit gibt, Christus und die Kirche Gottes zu schmähen, oder weil es der Same zu weiteren anderen Sünden ist.

 

+3. Welche Regeln müssen im Bezug auf das Ärgernis beobachtet werden?

    Vor allem zwei: 1) Im Blick auf das gegebene Ärgernis, dass es mit der größten Sorgfalt und Aufmerksamkeit von den Gläubigen muss vermieden werden, nach der Drohung Christi Matth. 18,7: „Wehe dem Menschen, durch welchen Ärgernis kommt.“

 

+4. Welche ist die zweite Regel?

    Diese bezieht sich auf das genommene Ärgernis. Dies nämlich sollen die Gläubigen nicht so hoch achten, dass sie deswegen unterlassen, was fromm, was ehrbar oder notwendig ist; sondern den Heuchlern und Feinden der Wahrheit sollen sie nicht einen Augenblick nachgeben, vielmehr tapfer und unerschrocken in der Freiheit bestehen, zu welcher sie durch Christus berufen sind, wie dies im 18. Abschnitt „Vom rechten Gebrauch der christlichen Freiheit“ ausführlich dargelegt ist.

 

+5. Kann denn das gegebene Ärgernis nicht verhütet werden?

    Wohl kann es verhütet werden, wenn nämlich 1) die Lehre des Evangeliums rein, klar und deutlich vorgetragen wird, so dass widerstreitende Irrtümer aus Grund der Heiligen Schrift tüchtig und richtig widerlegt werden.

    2) Wenn die in der Kirche eingeführten Gebräuche und alle die, welche ohne Sünde beibehalten werden können, nicht leichtsinnig geändert werden.

    3) Wenn ein jeder nach Reinheit des Lebens und Wandels strebt, besonders aber die Diener des Worts sich bemühen, tadellos und ein Vorbild der Gläubigen zu sein.

    4) Wenn jeder unzeitige Gebrauch der christlichen Freiheit vermieden wird.

    5) Wenn gute Zucht und Ehrbarkeit allgemein und bei einem jeden besonders erhalten werden.

 

 

Abschnitt 24: Vom Kreuz und dem Trost im Kreuz

 

1. Warum lässt Gott zu, dass die Gläubigen durch mancherlei Angst und Not geübt werden?

    Davon könnten sehr viele Ursachen angegeben werden; aber vorzüglich geschieht es aus folgenden Gründen:

    1) Weil in den Gläubigen auch noch Sünde übrig ist und ihnen größere Fleischesbegierden, die gegen den Geist streiten, ankleben. Deshalb reizt sie Gott durch mancherlei Kreuz zur Buße, zum Glauben, Gebet, zur Erneuerung des Lebens und anderen dergleichen gottseligen Übungen. Jes. 28,19: Die Anfechtung lehrt aufs Wort merken.

    2) Weil Gott will, dass die Gläubigen auch in diesem Leben gleich sein sollen dem Ebenbild seines Sohnes, Röm. 8,29.

    3) Weil Gott auf diese Weise seine Gegenwart, Liebe und Allmacht den Gläubigen herrlicher erweist, Jes. 37,20: „Nun aber, HERR, unser Gott, hilf uns von seiner Hand, auf dass alle Königreiche auf Erden erfahren, dass du HERR seist allein.“

    4) Weil er will, dass die Frommen Zeugnis ihres Glaubens und Bekenntnisses ablegen, dass sie keine Heuchler sind, sondern in Wahrheit so glauben und halten und nicht ihres Nutzens wegen eine erdichtete Lehre verbreiten. Ps. 116,10: „Ich glaube, darum rede ich. Ich werde aber sehr geplagt.“

 

2. Wie muss das Kreuz ertragen werden?

    Erstens in wahrer Demut, welche in ernster und inniger Erkenntnis der Sünden besteht.

    Zweitens in wahrem Glauben an Christus, so dass wir durch ihn allein Linderung des Kreuzes von Gott erbitten.

    Dann in wahrer Geduld, welche still sich in den Willen Gottes ergibt.

    Endlich in festem Trost, mit welchem wir uns selbst unter dem Kreuz aufrichten.

 

+3. Woher ist solcher Trost zu nehmen?

    Aus dem Wort Gottes, nach dem Spruch Davids Ps. 119,92: „Wo dein Gesetz nicht mein Trost gewesen wäre, so wäre ich vergangen in meinem Elend.“

 

*4. Gibt denn die Philosophie nicht auch gewissen Trost?

    Sie gewährt zwar Trost, aber sehr schwachen, welcher in schwereren Anfechtungen nicht bestehen kann. So tröstet sie 1) mit der Notwendigkeit; woher das bekannte [Wort stammt]: Was du nicht ändern kannst, das trage mit Geduld; 2) mit dem Wert der Tugend, dass wir nicht etwas Unrechtes tun, wegen des Schmerzes; 3) mit dem guten Gewissen; 4) mit dem Beispiel anderer; 5) mit der Hoffnung eines fröhlichen Ausgangs; 6) mit unsterblichem Ruhm, und mit noch einigem andern, was diesen ähnlich ist. Melanchthon.

*5. Gib festere Trostgründe aus der Heiligen Schrift!

    Die Heilige Schrift gewährt vor allem fünf Trostgründe. Der erste ist: der gute Gotteswille; denn  nicht von ungefähr oder aus Zufalle werden wir geplagt, sondern weil es Gott so ordnet. Matth. 10,29-30: „Kauft man nicht zwei Sperlinge um einen Pfennig? Dennoch fällt derselben keiner auf die Erde ohne den Willen eures Vaters. Nun aber sind eure Haare auf dem Haupte all gezählt.“

 

*6. Welches ist der zweite?

    Das gute Ende des Kreuzes, Röm. 8,28: „Wir wissen, dass denen, die Gott lieben, alle Dinge zum besten dienen.“

 

*7. Der dritte?

    Die Verheißung der göttlichen Hilfe und Gegenwart in allen Drangsalen; Ps. 91,15: „Ich bin bei ihm in der Not ich will herausreißen und zu Ehren machen.“

 

*8. Nenne den vierten!

    Dieser ist: ein gutes Gewissen, welches im Unglück ein großer Trost ist, 2. Kor. 1,12: Unser Ruhm ist der (in Drangsal), nämlich das Zeugnis unsers Gewissens.“

 

*9. Und den fünften?

    Der ist das feste Vertrauen auf die Vergebung der Sünden in Christus, welches macht, dass wir bei Gott in Gnaden sind, mögen wir geprüft werden, durch welche Drangsal es auch sei, Röm. 8,33: „Wer will die Auserwählten Gottes beschuldigen? Gott ist hier, der da gerecht macht. Wer will verdammen? Christus ist hier, der gestorben ist, ja vielmehr, der auch auferweckt ist, welcher ist zur Rechten Gottes und vertritt uns. Wer will uns scheiden von der Liebe Gottes? Trübsal oder Trost oder Verfolgung oder Hunger oder Blöße oder Gefahr oder Schwert? Aber in dem allen überwinden wir weit, um des willen, der uns geliebt hat. Denn ich bin gewiss, dass weder Tod noch Leben, weder Engel noch Fürstentum, noch Gewalt, weder Gegenwärtiges noch Zukünftiges, weder Hohes noch Tiefes noch keine andere Kreatur kann uns scheiden von der Liebe Gottes, die in Christus Jesus ist, unserm HERRN.“

 

 

 

 

 

Abschnitt 25: Vom Gebet

 

+1. Ist der Mensch zu beten schuldig oder steht es, wie ein anderes Mittelding, in seiner Willkür?

    Das Gebet ist durchaus notwendig, wegen des Gebotes Gottes. Denn so hören wir im zweiten Gebot: Du sollst den Namen Gottes nicht missbrauchen. Mit welchen Worten zugleich gefordert wird, dass wir den heiligen Namen Gottes loben und ihn in aller Not betend anrufen. Denn anrufen ist nichts anderes als beten. Gr. Kat. II,5.19.

    Ps. 50,15: Und rufe mich an in der Not, so will ich dich erretten, so sollst du mich  preisen.

    Matth. 7,7: Bittet, so wird euch gegeben; suchet, so werdet ihr finden; klopfet an,  so wird euch aufgetan.

    So muss uns auch das Bedürfnis und die Not von uns selbst und anderer zum Gebet zu Gott antreiben.

    Matth 26,41: Wachet und betet, dass ihr nicht in Anfechtung fallt. Der Geist ist  willig; aber das Fleisch ist schwach.

1. Tim. 2,1: So ermahne ich nun, dass man vor allen Dingen zuerst tue Bitte, Gebet,  Fürbitte und Danksagung für alle Menschen.

 

2. Was ist das Gebet oder die Anrufung Gottes?

    Das Gebet ist eine Bitte an Gott, dass er, um des im wahren Glauben ergriffenen Mittlers Christus willen, notwendige Güter geben wolle; welche Bitte aber nicht bloß mit dem Mund, sondern mit dem Herzen geschehen muss. Und zugleich muss mit ihr die schuldige Danksagung für die empfangenen Wohltaten verbunden sein.

 

+3. Was sind das Ziel und die Wirkung des Gebets?

    „Das sollen wir wissen, dass alle unser Schirm und Schutz allein in dem Gebet steht. Denn wir sind dem Teufel viel zu schwach, samt seiner Macht und Anhang, so sich gegen uns legen, dass sie uns wohl könnten mit Füßen zertreten.“ Weshalb wir allein durch die Stütze des Gebets stärker als der Teufel und sein Anhang sind. Gr. Kat. III,30.

    Ps. 145,18: Der HERR ist nahe allen, die ihn anrufen, allen, die ihn mit Ernst anrufen.

Spr. 18,10: Der Name des HERRN ist ein festes Schloss; der Gerechte läuft dahin und  wird beschirmt.

 

4. Was wird zum wahren Gebet gefordert?

    Vorzüglich diese drei Stücke: 1) dass Gott allein angerufen wird, Matth. 4,10: Du sollst anbeten Gott, deinen HERRN, und ihm allein dienen. Jes. 42,8: Ich will meine Ehre keinem andern geben.

    2) Dass Gott in dem Namen Jesu Christi, unseres Erlösers, angerufen wird, Joh. 14,14: Was ihr bitten werdet in meinem Namen, das will ich tun. Kap. 16,23: Wahrlich, wahrlich, ich sage euch: So ihr den Vater etwas bitten werdet in meinem Namen, so wird er es euch geben.

    3) Dass sich unser Gebet mit Zuversicht stütze auf die Verheißungen, welche uns im Wort gegeben sind.

 

5. Also ist es erlaubt, jede Art von Gütern von Gott zu bitten?

    Es ist dies zwar erlaubt, aber nicht auf eine und dieselbe Weise. Denn geistliche Güter, wie den heiligen Geist, Vergebung der Sünden, Beharrlichkeit im Glauben, Geduld und anderes dergleichen, was zum Glauben und zur Seligkeit gehört, sollen wir, auf die Verheißung Gottes gestützt, ohne Bedingung bitten und ohne Zweifel erwarten, wie aus dem 51. Psalm zu ersehen. Leibliche Güter aber sollen wir bedingt erbitten: Wenn es nämlich der gute Gotteswille sei. Matth. 8,2: HERR, so du willst, kannst du mich wohl reinigen. Kap. 26,39: Mein Vater, ist es möglich, so gehe dieser Kelch von mir, doch nicht wie ich will, sondern wie du willst.

 

6. Was muss mit dem wahren Gebet verbunden sein?

    Die Danksagung; Ps. 50,15: Rufe mich an in der Not, so will ich dich erretten, so sollst du mich preisen.

    Kol. 3,17: Alles, was ihr tut, mit Worten oder mit Werken, das tut alles in dem Namen des HERRN Jesus und dankt Gott und dem Vater durch ihn.

 

*7. Sind wir denn nicht auch den verstorbenen Heiligen diese Ehre der Anbetung schuldig?

    Wir können wohl der Heiligen gedenken, damit wir ihren Glauben nachahmen, Hebr. 13,7; dann, damit wir Gott Dank sagen, dass er der Kirche solche Lehrer gegeben hat; und endlich, dass ein jeder, nach seinem Beruf, ihre Tugenden nachahme, Jak. 5,10. Aber dass wir sie sollen anrufen oder irgendeine Hilfe von ihnen erbitten, das lehrt die Schrift nirgends. Augsb. Bek. XXI,2-4; Apol. XXI, 4-7.

 

+8. Wieso?

    „Weil allein ein einiger Versöhner und Mittler ist, gesetzt zwischen Gott und den Menschen, Jesus Christus, 1. Tim. 2,5, welcher ist der einige Heiland, der einige oberste Priester, Gnadenstuhl und Fürsprecher vor Gott, Röm. 3,25 und 8,24. Und der hat allein zugesagt, dass er unser Gebet erhören wolle, Hebr. 11,11. Das ist auch der höchste Gottesdienst nach der Schrift, dass man denselben Jesus Christus in allen Nöten und Anliegen von Herzen suche und anrufe, 1. Joh. 2,1: Und ob jemand sündigt, so haben wir einen Fürsprecher bei dem Vater, Jesus Christus, der gerecht ist. Und derselbe ist die Versöhnung für unsere Sünden; nicht allein aber für die unsere, sondern auch für der ganzen Welt.“ Augsb. Bek., XXI,2-4.

    Dann, „weil man weder Gebot noch Zusage noch Beispiel von der Heiligenanbetung aus der Schrift kann vorbringen, so folgt, dass kein Herz noch Gewissen darauf sich verlassen kann“. Apol. XXI,10.

    Endlich muss das Gebet aus dem Glauben gehen. Nun aber bestätigt die Heilige Schrift nirgends, weder dass Gott jene Anbetung billige, noch dass die Heiligen die Gebete der Einzelnen hören.

 

*9. So behauptest du, dass die Heiligen unsere Gebete nicht hören?

    Ob wir gleich den heiligen Himmelsbürgern zugestehen, dass sie, wie die Lebenden für die ganze Kirche im Allgemeinen beten, ebenso auch in dem Himmel für die Kirche im Allgemeinen beten, obwohl davon, dass die Verstorbenen beten, kein Beispiel in der Heiligen Schrift gefunden wird (außer jenem Traum 2. Makk. 15,12 ff.), so leugnet die Heilige Schrift doch geradezu, dass sie im Besonderen die Seufzer und Bitten der Betenden hören und verstehen, Jes. 63,16: Abraham weiß von uns nicht, und Israel kennt uns nicht. Du aber, HERR, bist unser Vater und unser Erlöser; von Alters her ist das dein Name. Apol. XXI,9.

 

+10. Können die Heiligen auch ihre Verdienste uns zueignen?

    „Die Katholischen zwar reden nicht allein von Anrufen der Heiligen, sondern sagen auch: Dass Gott der Heiligen Verdienst annehme für unsere Sünde, und machen also aus den Heiligen nicht allein Fürbitter, sondern Mittler und Versöhner. Das ist nun gar nicht zu leiden, denn da geben sie die Ehre, so Christus allein gebührt, den Heiligen, denn sie machen aus ihnen Mittler und Versöhner.“ Apol. XXI,14.

 

+11. Machen denn aber die Katholischen nicht den Unterschied, dass sie die Heiligen nicht zu Mittlern machen, die uns versöhnen, sondern nur zu Mittlern, die für uns bitten?

    So unterscheiden sie zwar; „aber aus ihren Schrift erhellt, dass sie die Heiligen auch zu Mittlern machen, die uns versöhnen. Und dass sie sagen, die Heiligen sind Mittler, für uns zu bitten, das sagen sie auch ohne alle Schrift. Denn durch solche Lehre wird doch Christus und seine Wohltat unterdrückt, und sie vertrauen auf die Heiligen, da sie auf Christus vertrauen sollten. Denn sie erdichten sich selbst einen Wahn, als sei Christus ein strenger Richter und die Heiligten gnädige, gütige Mittler, fliehen also zu den Heiligen, scheuen sich vor Christus, vertrauen mehr auf die Güte der Heiligen als auf die Güte Christi, laufen von Christus und suchen der Heiligen Hilfe. So machen sie im Grunde aus den Heiligen doch Mittler, die uns versöhnen.“ Apol. ebend.

 

 

Abschnitt 26: Von den Mönchsgelübden und sogenannten evangelischen Ratschlägen

 

*1. Weil die Untersuchung über die Mönchsgelübde die Frage über die Klöster in sich schließt: So sage mir doch, was für Nutzen gewährten ist die Klöster?

     Zur Zeit Augustins waren die Klöster freie Kollegien oder Schulen der Heiligen Schrift und anderer Künste, die der Kirche nützlich sind; auch wurden aus ihnen die Pastoren und Bischöfe genommen. Augsb. Bek. XXVII,2.15; Schmalk. Art. II,3,1.

 

*2. Was sind aber heutzutage die Mönchs- und Nonnenklöster?

    Jetzt bindet der Papst die Freiheit des Mönchslebens in die Banden der Gelübde und macht jene Kollegien zu reinen Gefängnissen, indem er vorgibt, dass man durch diese Lebensart Gnade und Gerechtigkeit verdienen könne. Ja, er predigt sogar, dass es ein Zustand der Vollkommenheit sei, der allen andern Lebensarten, die doch von Gott verordnet sind, vorgezogen werden müsse, so dass er auf unverschämte Weise versichert, die Mönchsgelübde seien der Taufe gleich, ja, noch besser als sie. Augsb. Bek. XXVII,16; Schmalk. Art., II,14.

 

*3. Welche sind denn diese Mönchsgelübde?

    Ob es gleich drei Gattungen der Mönchsgelübde gibt, nämlich Keuschheit, Armut und Gehorsam, so pflegen sie doch das erstere, nämlich die Keuschheit und Enthaltsamkeit, vorzüglich mit dem Namen des Gelübdes zu bezeichnen.

 

*4. Was also nennen die Katholischen ein Gelübde?

    Bei den Katholischen ist und wird das ein Gelübde genannt, wenn die Mönche, nachdem sie der Ehe für immer abgeschworen, sich durch ein Gelübde zum ehelosen Leben verpflichten, so dass sie, nachdem dies Gelübde einmal getan ist, bei Strafe der ewigen Verdammnis das ehelose Leben niemals mit einem ehelichen vertauschen können.

 

+5. Was hältst du von diesen Mönchsgelübden?

    Dass sie gottlos und nichtig sind. Denn erstens befiehlt Gottes Gesetz, dass sich die, welche die Gabe der Keuschheit nicht haben, in die Ehe begeben. 1. Kor. 7,2: Um der Hurerei willen habe ein jeglicher seine eigene Frau, und eine jegliche habe ihren eigenen Mann.

    Dann dringt und zwingt Gottes Geschöpf und Ordnung alle die zur Ehe, welche die Gabe der Enthaltsamkeit nicht besitzen, 1. Mose 2,18: Es ist nicht gut, dass der Mensch allein sei. Daher muss dies höhere und göttliche Gesetz mit Recht dem niederen oder menschlichen vorgezogen werden; und diejenigen sündigen nicht, welche dem Befehl und der Ordnung Gottes gehorchen. Und es kann auch kein Gelübde Gottes Befehl und Ordnung zunichte machen. Augsb. Bek. XXVII,19-21.

 

+6. Also können diese Gelübde, auch wenn sie schon getan sind, geändert und aufgelöst werden?

    Ja. „Denn die Doktoren sagen, dass die Gelübde auch gegen des Papsts Recht nicht binden; wieviel weniger sollen sie denn binden, Statt und Kraft haben gegen Gottes Gebot? Wo die Pflicht der Gelübde keine andere Ursache hätte, dass sie könnten aufgehoben werden, so hätten die Päpste auch nicht dagegen dispensiert oder erlaubt; denn es gehört keinem Menschen, die Pflicht, so aus göttlichen Rechten herwächst, zu zerreißen.“ Augs. Bek. XXVII,23-24.

 

+7. Gib noch einen andern Grund an, womit du bestätigst, dass solche Mönchsgelübde aufgehoben werden können!

    Bei jedem Gelübde, wenn es soll fest und unveränderlich sein, muss die Natur des Gelübdes beachtet werden, dass es nämlich in einer möglichen Sache willig und ungezwungen geschieht. Aber bei den Mönchsgelübden wird hiervon nichts beobachtet. Also sind sie nichtig. Dass aber bei den Mönchsgelübden hiervon nichts beobachtet wird, geht daraus hervor, 1) dass es in keines Menschen Gewalt steht, beständige Keuschheit zu geloben. 2) Dass nur sehr wenige mit freiem Willen und Entschluss das Gelübde ablegen. Denn die Jungfrauen und Jünglinge werden, ehe sie eignes Urteil haben, zu dem Gelübde beredet, bisweilen sogar gezwungen. Daher zerreißen etliche canones und päpstliche Rechte die Gelübde, die unter 15 Jahren geschehen sind; ja, ein anderer canon verbietet, das Klostergelübde unter 18 Jahren zu tun. Augsb. Bek. XXVII,27-33.

 

*8. Kannst du wohl noch einen dritten Grund nennen?

    „Aller Gottesdienst von den Menschen, ohne Gottes Gebot und Befehl eingesetzt und erwählt, Gerechtigkeit und Gottes Gnade zu erlangen, ist gegen Gott und dem Evangelium und Gottes Befehl entgegen. Wie denn Christus selbst sagt Matth. 15,9: Sie dienen mir vergebens mit Menschen-Geboten. So lehrt es auch Paulus überall, dass man Gerechtigkeit nicht soll suchen aus unsern Geboten und Gottesdiensten, so von Menschen erdichtet sind, sondern dass Gerechtigkeit und Frömmigkeit vor Gott kommt aus dem Glauben und Vertrauen, dass wir glauben, dass uns Gott um seines einigen Sohnes Christus willen zu Gnaden annimmt. Nun ist es ja am Tage, dass die Mönche gelehrt und gepredigt haben, dass die erdachte Geistlichkeit, und besonders die Mönchsgelübde, genug tun für die Sünde und Gottes Gnade und Gerechtigkeit erlange. Darum folgt, dass solche Gelübde unrechte, falsche Gottesdienste gewesen. Deshalb sind sie auch nicht bindend.“ Augsb. Bek. XXVII,36-40.

 

*9. Also behauptest du, dass kein Gelübde ein Gottesdienst sein könne?

    Im Alten Testament musste die Art und Weise der Gelübde nach gewissen Gesetzen eingerichtet werden, so dass nicht allen erlaubt war, zu geloben, was sie wollten. Und daher konnte das nicht ein Gottesdienst sein, was vermöge eines Gelübdes geschehen war. Im Neuen Bund aber, wo die ganze Art und Weise des Gottesdienstes in das Wort Gottes gefasst ist, können und sollen die Gelübde nicht für Gottesdienst gehalten werden. Denn was von Gott nicht befohlen ist, sondern aus menschlichem Willen geschieht, das kann kein Gottesdienst sein. Röm. 14,23: Was nicht aus Glauben geht, das ist Sünde. Apol. XIII (XXVII),23.

    Dann wird im Neuen Testament auch durchaus kein Beispiel gefunden, dass Gott die Gelübde als einen angenehmen Gottesdienst sich gefallen lasse. Ebend.

 

*10. Können denn aber heutzutage nicht auch Gelübde getan werden, wenn man nur die Meinung des Verdienstes, des Gottesdienstes und der Notwendigkeit nicht an sie bindet?

    Ja, wenn man sie tut, um Sünden sorgfältiger zu vermeiden oder rum die Berufsgeschäfte treuer zu vollbringen oder andere Zwecke, welche für Kirche und Staat nützlich und erlaubt sind, zu erreichen; wie wenn z.B. jemand gelobt, sich des Weins oder Spiels zu enthalten, weil er sieht, dass ihm und andern daraus viel Schaden erwächst usw.

 

*11. Kann das Mönchsleben auf die evangelischen Ratschläge bezogen werden?

    „Auch dies ist falsch und erlogen, dass das Mönchsleben, also Keuschheit, freiwillige Armut und Gehorsam, sollte sein eine Erfüllung der Ratschläge oder Räte im Evangelium. Denn das Evangelium hat nirgends geraten solchen Unterschied der Kleider, der Speise, oder durch solchen Bettelstab der Leute Güter auszusaugen. Denn das sind nichts als Menschensatzungen, von welchen Paulus sagt 1. Kor. 8,8: Die Speise macht uns nicht heiliger vor Gott usw. Darum sind es auch nicht Gottesdienste, die vor Gott fromm machen, sind auch nicht eine evangelische Vollkommenheit.“ Apol. XIII (XXVII),26.

 

*12. Aber was hältst du von dem Gehorsam, den doch Christus selbst Matth. 19,21 unter die evangelischen Ratschläge zu stellen scheint?

    Die Worte Christi lauten so: Willst du vollkommen sein, so gehe hin, verkaufe, was du hast, und gib es den Armen, so wirst du einen Schatz im Himmel haben; und komme und folge mir nach. Aber hiermit versteht er nicht einen Gehorsam, der auf menschlichen Rat und Willen übernommen ist, sondern den, welcher nach eines jeden Beruf geschieht. Apol. XII (XXVII),47-50.

 

*13. Wie ist das zu verstehen?

    Es muss so verstanden werden, dass, wie die Berufe ungleich sind, so auch dieser Beruf, von welchem Christus dort spricht, nicht für alle ist, sondern nur der Person angehört, mit welcher Christus daselbst zu tun hat; gleich wie wir den Beruf Davids, ein König zu sein, oder den Abrahams, seinen Sohn zu opfern, nicht nachahmen dürfen. Ebend.

 

*14. Wieso?

    Weil zwischen den Berufen und dem Gehorsam genau unterschieden werden muss. Denn die Berufe gehen die einzelnen Personen an, so, wie die Geschäfte selbst nach Zeiten und Personen verschieden sind. Aber das Beispiel des Gehorsams ist ein allgemeines, das alle Menschen angeht. Daher würde jenem Jüngling, mit welchem Christus spricht, die Vollkommenheit zuteil geworden sein, wenn er diesem Beruf geglaubt und gefolgt wäre. So gereicht es uns zur Vollkommenheit, wenn ein jeder seinem Beruf in wahrem Glauben Folge leistet.

 

 

Abschnitt 27: Von der Obrigkeit und bürgerlichen Dingen

 

1. Was ist die weltliche Obrigkeit?

    Sie ist ein von Gott geordneter Stand, welcher das Gesetz, [und zwar das natürliche Gesetz Gottes, das für alle Menschen aller Zeiten gilt,]3 in äußerlicher Zucht erhalten und den Frieden verteidigen soll.. Auch hat sie die Macht, mit leiblicher Gewalt zu bestrafen.

 

2. Welches sind die vorzüglichsten Pflichten der weltlichen Obrigkeit?

    Vier: Die erste, dass sie Sorge trage für [das natürliche Recht], soweit es die äußerliche Zucht angeht. Die zweite, über bürgerliche und häusliche Angelegenheiten Gesetze zu geben, welche mit dem göttlichen und natürlichen Recht übereinstimmen. Die dritte, dass sie sorgfältig darauf achte, dass die gegebenen Gesetze auch vollzogen werden. Die vierte, dass sie die Sünder, nach Maßgabe ihrer Verbrechen, bestrafe, den Gehorsamen aber begünstige und belohne.

 

3. Ist es erlaubt, ein obrigkeitliches und andere bürgerliche Ämter zu übernehmen?

    Von Polizei und weltlichem Regiment wird gelehrt, dass alle Obrigkeit in der Welt und geordnete Regimente und Gesetze gute Ordnung, von Gott geschaffen und eingesetzt sind; und dass Christen können in Obrigkeit, Fürsten- und Richteramt ohne Sünde sein, nach kaiserlichen und andern üblichen Rechten Urteil und Recht sprechen, Übeltäter mit dem Schwert strafen, gerechte Kriege führen, streiten, kaufen und verkaufen, aufgelegte Eide tun, Eigenes haben, ehelich sein usw.“ Augsb. Bek. XVI,1-3.

 

4. Also hebt das Evangelium die bürgerlichen Verfassungen nicht auf?

    Nein. Denn das Evangelium handelt vom Reich Christi, welches geistlich ist, d.i. welches „mehrt in uns den Glauben, Gottesfurcht, Liebe, Geduld inwendig im Herzen und fängt hier auf Erden in uns Gottes Reich und das ewige Leben an. So lange aber dieses währt, lässt es uns nichtsdestoweniger gebrauchen die Gesetze, die Ordnung und Stände, so in der Welt gehen, danach eines jeden Beruf ist, gleich wie es uns lässt gebrauchen die Arznei, ebenso bauen und pflanzen, die Luft, das Wasser.“

    „Und das Evangelium bringt nicht neue Gesetze im Weltregiment, sondern gebietet und will haben, dass wir den Gesetzen sollen gehorsam sein und der Obrigkeit, darunter wir wohnen, es seien Heiden oder Christen, und dass wir in solchem Gehorsam unsere Liebe erzeigen sollen.“ Apol., XVIII (XVI),54-55.

 

+5. Beweise aus der Heiligen Schrift, dass der Gebrauch bürgerlicher Dinge erlaubt ist!

    Den Stand der weltlichen Obrigkeit bestätigt erstens der Befehl Gottes 5. Mose 16,18: „Richter und Amtleute sollst du dir setzen in allen deinen Toren – dass sie das Volk richten mit rechtem Gericht.“

    Den Gehorsam aber, den wir der Obrigkeit schuldig sind, bestätigt Paulus Röm. 13,1 und 2: Jedermann sei untertan der Obrigkeit, die Gewalt über ihn hat. – Wer sich nun gegen die Obrigkeit setzt, der widerstrebt Gottes Ordnung. usw. Kl. Kat. Haustafel, 4.

 

*6. Ist es erlaubt, Gericht zu halten?

    Dass es erlaubt sei, Gericht zu halten, geht deutlicher hervor aus dem Beispiel des HERRN selbst, Joh. 18,23, und des Apostels Paulus, welcher sich im Gericht verteidigt, Apg. 23,5, und an das römische Recht, Apg. 22,25, ja, an den Kaiser selbst, appelliert, Apg. 25,11.

 

+7. Ist es Recht, die Sünde mit dem Tod zu bestrafen?

    Das Recht, über die Gottlosen die Todesstrafe zu verhängen, geht wiederum aus dem Wort des Apostels hervor, Röm. 13,5: Tust du Böses, so fürchte dich; denn sie trägt das Schwert nicht umsonst, sie ist Gottes Dienerin, eine Rächerin der Strafe über den, der Böses tut.

 

+8. Ist es erlaubt, Krieg zu führen?

    Ja. Denn Gott selbst hat durch Mose die Kriegsweise vorgeschrieben, 5. Mose 20,1. Auch kommen hier und da in der Heiligen Schrift Beispiele von Kriegern vor, von denen bekannt ist, dass sie Gott angenehm gewesen, wie Abraham, 1. Mose 14; Mose, David usw. Und sogar Johannes der Täufer bestätigt die Kriegsordnung, indem er den Soldaten gebietet, dass sie mit ihrem Sold zufrieden sein sollen, Luk. 3,13.

 

*9. Aber erlaubt die Heilige Schrift auch, bürgerlichen Handel und Wandel zu führen?

     Die Heilige Schrift billigt solchen Handel und Wandel, wenn sie auf rechtmäßige Weise geführt werden, 1. Thess. 4,6: Dass niemand zu weit greife noch übervorteile seinen Bruder im Handel; denn der HERR ist der Rächer über das alles. Apol. VIII (XVI),63.

 

*10. Darf ein Christ Eigentum besitzen?

    Den Besitz irdischer Güter hebt das Evangelium nicht auf, und der Apostel befiehlt denen, welche an solchem reich sind, nicht, das zu entäußern, sondern untersagt ihnen nur, ihr Vertrauen auf diese Schätze zu setzen, 1. Tim. 6,17. So sagt Salomo Spr. 5,15: Trink Wasser aus deiner Grube, und Bäche aus deinem Brunnen mögen aus deinen Quellen herausfließen auf die Gasse und Flüsse auf die Straßen. Habe du sie aber allein, und kein Fremder mit dir. Und dasselbe deutet auch das siebte Gebot an: Du sollst nicht stehlen. Apol. VIII (XVI),63.

 

+11. Darf der Christ schwören?

    Dass dem Christen erlaubt ist zu schwören, geht schon daraus hervor, dass Gott selbst vorhersagt, dies werde auch ein Kenn- und Merkzeichen der Bürger des Reiches Gottes sein, dass sie bei dem Namen des wahren Gottes schwören würden, Jes. 65,15. Jer. 4,2; 12,19. Ja, Gott selbst schwört: Du sollst den HERRN, deinen Gott, fürchten und ihm dienen und bei seinem Namen schwören. 5. Mose 6,13. Gr. Kat. I,65-38.

 

+12. Kannst du dasselbe auch von der Ehe darlegen?

    Ja, denn die Ehe ist in der Heiligen Schrift nicht nur als nützlich und löblich gepriesen, sondern sogar als notwendig befohlen.

    1. Mose 2,24: Darum wird ein Mann seinen Vater und seine Mutter verlassen und an seiner  Frau hängen, und sie werden Sein ein Fleisch.

    Matth. 19,4-5: Er antwortete aber und sprach zu ihnen: Habt ihr nicht gelesen, dass, der  im Anfang den Menschen gemacht hat, der machte, dass ein Mann und eine Frau sein sollten, und sprach: Darum wird ein Mensch Vater und Mutter verlassen und an seiner  Frau hängen, und werden die zwei ein Fleisch sein?

    Hebr. 13,4: Die Ehe soll ehrlich gehalten werden bei allen und das Ehebett unbefleckt;  die Hurer aber und Ehebrecher wird Gott richten. – Vgl. den ganzen 128. Psalm.

 

*13. Ist denn aber der Gebrauch solcher bürgerlicher Dinge nicht der christlichen Vollkommenheit entgegen?

    So lehren zwar die Wiedertäufer, welche den Christen solche bürgerlichen Dinge geradezu untersagen, weil sie mit der christlichen Vollkommenheit im Widerspruch seien. Aber dies ist eine klare Lüge und Betrug; „denn christliche Vollkommenheit besteht nicht darin, dass ich mich äußerlich fromm stelle und von den Weltkindern mich absondere; sondern der Glaube und die rechte Gottesfurcht im Herzen sind die Vollkommenheit. Denn Abraham, David, Daniel sind im königlichen Stand, in großen Fürstenräten und Ämtern gewesen, haben auch große Reichtümer gehabt, und sind doch heiliger, vollkommener gewesen als je ein Mensch oder Karthäuser ist auf Erden gekommen. Apol. VIII (XVI),61; Augsb. Bek. XVI,3.

 

+14. Muss man der Obrigkeit in allen Stücken gehorchen?

    „Die Christen sind schuldig, der Obrigkeit untertan und ihren Geboten gehorsam zu sein, in allem, so ohne Sünde geschehen kann. Denn so der Obrigkeit Gebot ohne Sünde nicht geschehen kann, soll man Gott mehr gehorsam sein als den Menschen, Apg. 4,9.“ Augsb. Bek. XVI,6-7; vgl. Gr. Kat. I,150.

 

+15. Wenn man immer mit dem Urteil der Obrigkeit zufrieden sein muss, so darf ja wohl die Privatrache nicht mehr stattfinden?

    Ganz recht; denn die Privatrache wird nicht durch einen Rat, sondern durch einen Befehl verboten, Matth. 5,44: Liebet eure Feinde; segnet, die euch fluchen; tut wohl denen, die euch hassen; bittet für die, so euch beleidigen und verfolgen.

    Röm. 12,17.19: Vergeltet niemand Böses mit Bösem; rächet euch selber nicht, sondern gebt Raum den Zorn; denn es steht geschrieben: Die Rache ist mein, ich will vergelten, spricht der HERR.

    Die öffentliche Rache aber, welche die Obrigkeit amtshalber vollzieht, wird nicht verboten, sondern geboten und ist ein Werk Gottes, Röm. 13,2. Dahin gehören: Gerichte, Todesurteile, Kriege, Wehrdienst usw.

 

 

Abschnitt 28: Von der Ehe und der Priesterehe

 

1. Was ist die Ehe?

    Die Ehe ist die gesetzmäßige und unauflösliche Verbindung eines Mannes und einer Frau, von Gott selbst eingesetzt zur Gemeinschaft des ganzen Lebens und Fortpflanzung des menschlichen Geschlechts.

 

2. Wer ist der Urheber der Ehe?

    Gott selbst, 1. Mose 2,18: Und Gott der HERR sprach: Es ist nicht gut, dass der Mensch allein sei, ich will ihm eine Gehilfin machen, die um ihn sei.

 

+3. Warum erklärst du die Ehe durch die Verbindung eines Mannes und einer  Frau?

    Damit dadurch ausgeschlossen werde, dass ein Mann zwei oder mehrere Frauen auf einmal haben könne, weil, der im Anfang den Mann und die Frau gemacht hat, sprach: Darum wird ein Mensch Vater und Mutter verlassen und an seiner Frau hängen, und werden die zwei ein Fleisch sein.

 

+4. Warum nennst du die Ehe eine gesetzmäßige Verbindung?

    Weil die Personen, welche sich durch die Ehe verbinden können, durch gewisse Grade unterschieden sind, so dass im verbotenen Grad nicht erlaubt ist, die Ehe zu schließen, wie man sehen kann 3. Mose 18 und 20.

 

+5. Darf man sich verheiraten?

    Erstens lehren sie bei uns von denen, die zur Ehe greifen, also, dass alle die, so zum ledigen Stand nicht geschickt sind, Macht, Fug und Recht haben, sich zu verehelichen. Denn die Gelübde vermögen nicht, Gottes Ordnung und Gebot aufzuheben. Nun lautet Gottes Gebot so 1 Kor. 7,2: Um der Hurerei willen habe ein jeglicher seine eigene Frau, und eine jegliche habe ihren eigenen Mann. Dazu dringt, zwingt und treibt nicht allein Gottes Gebot, sondern auch Gottes Geschöpf und Ordnung alle die zum Ehestand, die ohne besonderes Gotteswerk mit der Gabe der Jungfrauschaft nicht begnadet sind, laut dieses Spruchs Gottes selbst 1 Mose 2,18: Es ist nicht gut, dass der Mensch allein sei; wir wollen ihm eine Gehilfin machen, die um ihn sei.“ Augsb. Bek., XXVII,18-21.

 

+6. Ist denn die Ehe ihrer Natur nach nicht unrein?

    Gewiss nicht, denn sie ist Gottes Ordnung. Und ob sie gleich öfter unrein wird durch das Hinzutretende, nämlich durch die Unreinigkeit der gottlosen Menschen selbst, so ist sie doch bei den Gläubigen rein, weil sie durch das Wort Gottes geheiligt ist. Und Christus selbst nennt die Ehe eine göttliche Verbindung, wenn er spricht: Was Gott zusammengefügt hat, soll der Mensch nicht scheiden. Matth. 19,6. Und Paulus sagt von der Ehe, den Speisen und ähnlichen Dingen: Es wird geheiligt durch das Wort Gottes und Gebet. 1. Tim. 4,5. Und 1. Kor. 7,14: Der ungläubige Mann ist geheiligt durch die (gläubige) Frau. Und Tit. 1,15: Dem Reinen ist alles rein. Das ist denen, die an Christus glauben und durch den Glauben gerecht sind. Wie daher die Jungfrauschaft bei den Ungläubigen unrein ist, so ist bei den Gläubigen die Ehe rein, wegen des Wortes Gottes und des Glaubens.

 

*7. Sonach würde also auch den Priestern erlaubt sein, sich zu verheiraten?

    Ganz gewiss, denn auf sie eben so gut wie auf andere bezieht sich das Wort des Apostels 1. Kor. 7,2: Die Unzucht zu vermeiden, habe ein jeglicher seine eigene Ehefrau. Ebenso V. 9: Es ist besser, ehelich zu werden als zu brennen. Und nachdem Christus sagt: Sie fassen nicht alle das Wort (Matth. 19,11), da zeigt Christus an (welcher wohl gewusst hat, was am Menschen sei), dass wenig Leute die Gabe, keusch zu leben, haben, denn Gott hat den Menschen als Mann und Frau geschaffen. 1. Mose 1,28. Augsb. Bek., XXIII,5-9.

 

*8. Kannst du mit anderen Gründen deine Behauptung beweisen?

    Ja, denn das päpstliche Gesetz von der Ehelosigkeit der Priest er widerstreitet dem göttlichen und natürlichen Recht: Dem göttlichen deshalb, weil Mose im 1. Buch 1,28 lehrt, dass Mann und Frau so von Gott geschaffen sind, dass sie sollen fruchtbar sein, Kinder zeugen usw., die Frau geneigt ist zum Mann, der Mann zur Frau; dem natürlichen Recht aber, weil diese Ordnung und Erschaffung des Menschen natürlich Recht und Gesetz ist. Weshalb die Rechtsgelehrten richtig gesagt haben, dass das Beieinandersein und Zusammengehören von Mann und Frau ist natürlich Recht. So aber das natürliche Recht niemand verändern kann, so muss ja einem jeden die Ehe frei sein. Denn wo Gott die Natur nicht verändert, da muss auch die Art bleiben, die Gott der Natur eingepflanzt hat, und sie kann mit Menschengesetz nicht verändert werden. Apol., XI (XXIII),7.9.

 

*9. Hast du noch einen andern Beweisgrund?

    Den, welchen Paulus angibt: Zu vermeiden die Hurerei habe ein jeglicher seine eigene Ehefrau. 1. Kor. 7,2. Das ist ein allgemeiner Befehl und Gebot und geht alle diejenigen an, die nicht vermögen, ohne Ehe zu bleiben, und verpflichtet mithin alle, welche die Gabe der Enthaltsamkeit nicht haben. Apol. XI (XXIII),14.

 

*10. Aber könnten die Priester sich diese Gabe nicht vielleicht erwerben?

    Die Katholischen sagen zwar: Man soll Gott um Keuschheit bitten und anrufen, man soll den Leib mit Fasten und Arbeit kasteien. Aber sie meinen diese Sache nicht mit Ernst, sie spielen und scherzen ihres Gefallens. Wenn Jungfrauschaft einem jeden möglich wäre, so bedürfte es keiner solchen Gottesgabe. Nun sagt der HERR Christus Matth. 19,11, es sei eine besondere hohe Gottesgabe, und nicht jedermann fasse das Wort. Die andern nur will Gott, dass sie sollen den Ehestand gebrauchen, den Gott hat eingesetzt. Denn Gott will nicht, dass man sein Geschöpf und Ordnung verachten soll. – Und Gerson zeigt an, dass viele fromme, große Leute gewesen sind, die durch Leibeskasteien haben wollen Keuschheit halten, und haben dennoch nichts geschafft. Apol. XI (XXIII), 18.20.

 

*11. Lobt denn aber nicht Christus selbst die, welche sich wegen des Himmelreichs verschneiden?

    Er lobt sie zwar, fügt aber sogleich hinzu: Nicht alles fassen dieses Wort. Matth. 19,12. Das ist, nicht alle haben die Gabe der Ehelosigkeit. Und sogleich setzt er hinzu: Wer es fassen kann, der fasse es, womit er nicht undeutlich andeutet, dass ihm eine rechte Ehe mehr gefalle als eine unreine Ehelosigkeit, wie die der Priester im Papsttum meistens ist. Apol. XI (XXIII), 21.22.

 

*12. Hast du vielleicht noch andere Gründe, mit denen du das päpstliche Gesetz von der Ehelosigkeit der Priester umstoßen kannst?

    Folgende habe ich noch: 1) Dies Gesetz ist abergläubisch, indem es vorgibt, dass die Ehelosigkeit die Gerechtigkeit und Seligkeit mehr verdiene als die Ehe.

    2) Ist es mit Seelegefahr und öffentlichem Ärgernis verbunden, indem es unzählige Laster und schändliche Lüste gebiert.

    3) Ist es ganz heuchlerisch. Denn dieses Gesetz ist von den Katholischen gegeben, nicht der Religion, sondern der Herrschaft halber, welcher auf gottlose Weise die Religion zum Vorwand dienen muss. Apol. XI (XXIII),36.

 

 

Abschnitt 29: Vom Tod des Leibes und der Unsterblichkeit der Seele

 

1. Was ist der Tod des Leibes?

    Der leibliche Tod ist nichts anderes als die Auflösung der natürlichen Vereinigung, wodurch der Leib von der Seele getrennt wird. (Dieser Artikel ist aus den Schriften des D. Heerbrand und Hunnius entnommen.)

 

2. Was ist die Ursache des Todes?

    Die vornehmste Ursache ist die Sünde, 1. Mose 2,17: An welchem Tag du davon (vom Baum der Erkenntnis von Gutem und Bösem) isst, wirst du des Todes sterben.

    Röm. 6,23: Der Tod ist der Sünde Sold.

    Röm. 5,12: Durch einen Menschen ist die Sünde gekommen in die Welt und der Tod durch die Sünde.

 

3. Wer ist dem Tod unterworfen?

    Alle Menschen, welche auf natürliche Weise gezeugt und mit der Sünde befleckt sind.

    Röm. 5,12: Der Tod ist zu allen Menschen durchgedrungen, dieweil sie alle gesündigt haben.

    Hebr. 9,27: Und wie dem Menschen ist gesetzt, einmal zu sterben, danach aber das Gericht.

 

+4. Ist denn aber niemand von diesem Gesetz des Todes ausgenommen?

    Ja: Erstens sind Henoch und Elia davon ausgenommen, welche lebendig in den Himmel versetzt sind. 1. Mose 5,24; 2. Kge 2,11.

    Zweitens diejenigen, welche beim Eintritt des letzten Tages noch leben werden. Denn diese werden nicht sterben, sondern wie sie mitten durch die Flammen dieser brennenden Welt dem HERRN entgegen gerückt werden, werden sie verwandelt werden und etwas empfinden, das dem Tod ähnlich ist. 1. Kor. 15,51: Wir werden nicht alle entschlafen; wir werden aber alle verwandelt werden; und dasselbe plötzlich in einem Augenblick, zu der Zeit der letzten Posaune.

 

+5. Welchen Trost können die Gläubigen den Schrecken des Todes, welcher doch von allen Übeln das Schrecklichste ist, entgegen halten?

    Die Frommen, welche an Christus glauben, wissen, dass der Tod für sie nicht Tod ist, sondern eine Pforte und Durchgang zum Leben.

    Joh. 5,24: Wahrlich, wahrlich, ich sage euch: Wer mein Wort hört und glaubt dem, der mich gesandt hat, der hat das ewige Leben und kommt nicht in das Gericht, sondern er ist vom Tode zum Leben hindurchgedrungen.

 

*6. Sterben die Seelen zugleich mit den Leibern?

    Nein, sondern sie sind unsterbliche Geister, welche, nachdem sie aus diesem sterblichen Leib herausgegangen sind, in Wahrheit fortleben.

    Pred. 12,7: Der Staub muss wieder zu der Erde kommen, wie er gewesen ist, und der Geist wieder zu Gott, der ihn gegeben hat.

    Matth. 10,28: Fürchtet euch nicht vor denen, die den Leib töten und die Seele nicht können töten. Fürchtet euch aber vielmehr vor dem, der Leib und Seele verderben kann in der Hölle.

    Matth. 22,32: Ich bin der Gott Abrahams und der Gott Isaaks und der Gott Jakobs. Gott aber ist nicht ein Gott der Toten, sondern der Lebenden.

 

+7. In welchem Zustand aber befinden sich die Seelen, wenn sie von dem Leib durch den Tod getrennt sind?

    Die Seelen der Frommen, welche an Christus glauben, sind in der Hand Gottes und erwarten da die herrliche Auferstehung ihrer Leiber und den vollen Genuss der ewigen Seligkeit.

    Luk. 16,22 und 25: Die Seele des Lazarus wird in den Schoß Abrahams getragen und da getröstet.

    Die Seelen der Gottlosen oder Ungläubigen aber sind am Ort der Qual und erwarten da unter Schrecken und Angst die schmachvolle Auferstehung ihrer Leiber und das vollkommene Gefühl der ewigen Verdammnis.

    Luk. 16,22: Der Reiche starb und kam in die Hölle und ist in Qual u