D I E    H E I L S -

 

O D E R

 

G N A D E N O R D N U N G

 

 

 

 

Eine Darlegung des Weges Gottes

mit uns Menschen

zu unserer ewigen Errettung

 

 

 

 

Von

 

Roland Sckerl

 

 

 

Inhaltsverzeichnis

 

 

I. BERUFUNG   1

II. ERLEUCHTUNG   3

III. BEKEHRUNG UND WIEDERGEBURT   5

Zeugnis der Bekenntnisse:  7

Kurze Darlegung der Lehrstellung aus dem Jahr 1932:  7

IV. RECHTFERTIGUNG UND HEILSGEWISSHEIT   8

Zeugnis aus den Bekenntnissen:  10

Augsburgisches Bekenntnis:  10

Schmalkaldische Artikel:  10

Kurze Darlegung der Lehrstellung aus dem Jahr 1932:  10

V. EINWOHNUNG GOTTES  11

VI. BEWAHRUNG   11

VII: HEILIGUNG: ERNEUERUNG UND NACHFOLGE CHRISTI. VOLLBEREITUNG   12

I. Heiligung und Erneuerung   12

II. Nachfolge Christi 14

III. Vollbereitung   16

  16

ANHANG   16

DER CHRIST – EIN FREMDLING IN DER WELT   16

DAS KREUZ IM CHRISTENLEBEN   17

  18

 

 

 

 

I. BERUFUNG

 

Bibelstellen:

2. Timotheusbrief 1,9: Der uns hat selig gemacht und berufen mit einem heiligen Ruf, nicht nach unsern Werken, sondern nach seinem Vorsatz und Gnade, die uns gegeben ist in Christo Jesu vor der Zeit der Welt.

Epheserbrief 5,14: Darum spricht er: Wache auf, der du schläfst, und stehe auf von den Toten, so wird dich Christus erleuchten.

Lukasevangelium 24,46.47: Also ist’s geschrieben, und also musste Christus leiden und auferstehen von den Toten am dritten Tage und predigen lassen in seinem Namen Buße und Vergebung der Sünden unter allen Völkern und anheben zu Jerusalem.

Johannesevangelium 6,37.44.65: Alles, was mir mein Vater gibt, das kommt zu mir; und wer zu mir kommt, den weerde ich nicht hinausstoßen.

Römerbrief 7,14: Denn wir wissen, dass das Gesetz geistlich ist; ich aber bin fleischlich, unter die Sünde verkauft.

Galaterbrief 3,23-25: Ehe denn aber der Glaube kam, wurden wir unter dem Gesetz verwahrt und verschlossen auf den Glauben, der da sollte offenbart werden.  Also ist das Gesetz unser Zuchtmeister gewesen auf Christum, daß wir durch den Glauben gerecht würden.  Nun aber der Glaube gekommen ist, sind wir nicht mehr unter dem Zuchtmeister.

Lukasevangelium 14,16-24: Er aber sprach zu ihm: Es war ein Mensch, der machte ein großes Abendmahl und lud viele dazu.  Und sandte seinen Knecht aus zur Stunde des Abendmahls, zu sagen den Geladenen: Kommt, denn es ist alles bereit!  Und sie fingen an, alle nacheinander, sich zu entschuldigen. Der erste sprach zu ihm: Ich habe einen Acker gekauft und muß hinausgehen und ihn besehen; ich bitte dich, entschuldige mich.  Und der andere sprach: Ich habe fünf Joch Ochsen gekauft, und ich gehe jetzt hin, sie zu besehen; ich bitte dich, entschuldige mich.  Und der dritte sprach: Ich habe ein Weib genommen, darum kann ich nicht kommen.  Und der Knecht kam und sagte das seinem Herrn wieder. Da ward der Hausherr zornig und sprach zu seinem Knechte: Gehe aus schnell auf die Straßen und Gassen der Stadt und führe die Armen und Krüppel und Lahmen und Blinden herein.  Und der Knecht sprach: Herr, es ist geschehen, was du befohlen hast; es ist aber noch Raum da.  Und der Herr sprach zu dem Knechte: Gehe aus auf die Landstraßen und an die Zäune und nötige sie hereinzukommen, auf das mein Haus voll werde.  Ich sage euch aber, daß der Männer keiner, die geladen waren mein Abendmahl schmecken wird.

Matthäusevangelium 22,1-14: Und Jesus antwortete und redete abermals durch Gleichnisse zu ihnen und sprach:  Das Himmelreich ist gleich einem Könige, der seinem Sohn Hochzeit machte.  Und sandte seine Knechte aus, daß sie die Gäste zur Hochzeit riefen; und sie wollten nicht kommen.  Abermals sandte er andere Knechte aus und sprach: Sagt den Gästen: Siehe, meine Mahlzeit habe ich bereitet, meine Ochsen und mein Mastvieh ist geschlachtet und alles ist bereit; kommt zur Hochzeit!  Aber sie verachteten das und gingen hin, einer auf seinen Acker, der andere zu seiner Hantierung;  etliche griffen seine Knechte, höhnten sie und töteten sie.  Da das der König hörte, ward er zornig und schickte seine Heere aus und brachte diese Mörder um und zündete ihre Stadt an.  Da sprach er zu seinen Knechten: Die Hochzeit ist zwar bereit, aber die Gäste waren's nicht wert.  Darum gehet hin auf die Straßen und ladet zur Hochzeit, wen ihr findet.  Und die Knechte gingen aus auf die Straßen und brachten zusammen, wen sie fanden, Böse und Gute; und die Tische wurden alle voll.  Da ging der König hinein, die Gäste zu besehen, und sah allda einen Menschen, der hatte kein hochzeitlich Kleid an;  und er sprach zu ihm: Freund, wie bist du hereingekommen und hast doch kein hochzeitlich Kleid an? Er aber verstummte.  Da sprach der König zu seinen Dienern: Bindet ihm Hände und Füße und werfet ihn in die Finsternis hinaus! da wird sein Heulen und Zähneklappen.  Denn viele sind berufen, aber wenige sind auserwählt.

Psalm 51: Ein Psalm Davids, vorzusingen; (51-2) da der Prophet Nathan zu ihm kam, als er war zu Bath-Seba eingegangen. (51-3) Gott, sei mir gnädig nach deiner Güte und tilge meine Sünden nach deiner großen Barmherzigkeit.  (51-4) Wasche mich wohl von meiner Missetat und reinige mich von meiner Sünde.  (51-5) Denn ich erkenne meine Missetat, und meine Sünde ist immer vor mir.  (51-6) An dir allein habe ich gesündigt und übel vor dir getan, auf daß du recht behaltest in deinen Worten und rein bleibest, wenn du gerichtet wirst.  (51-7) Siehe, ich bin in sündlichem Wesen geboren, und meine Mutter hat mich in Sünden empfangen.  (51-8) Siehe, du hast Lust zur Wahrheit, die im Verborgenen liegt; du lässest mich wissen die heimliche Weisheit.  (51-9) Entsündige mich mit Isop, daß ich rein werde; wasche mich, daß ich schneeweiß werde.  (51-10) Laß mich hören Freude und Wonne, daß die Gebeine fröhlich werden, die du zerschlagen hast.  (51-11) Verbirg dein Antlitz von meinen Sünden und tilge alle meine Missetaten.  (51-12) Schaffe in mir, Gott, ein reines Herz und gib mir einen neuen, gewissen Geist.  (51-13) Verwirf mich nicht von deinem Angesicht und nimm deinen heiligen Geist nicht von mir.  (51-14) Tröste mich wieder mit deiner Hilfe, und mit einem freudigen Geist rüste mich aus.  (51-15) Ich will die Übertreter deine Wege lehren, daß sich die Sünder zu dir bekehren.  (51-16) Errette mich von den Blutschulden, Gott, der du mein Gott und Heiland bist, daß meine Zunge deine Gerechtigkeit rühme.  (51-17) Herr, tue meine Lippen auf, daß mein Mund deinen Ruhm verkündige.  (51-18) Denn du hast nicht Lust zum Opfer, ich wollte dir's sonst wohl geben, und Brandopfer gefallen dir nicht.  (51-19) Die Opfer, die Gott gefallen, sind ein geängsteter Geist; ein geängstet und zerschlagen Herz wirst du, Gott, nicht verachten.  (51-20) Tue wohl an Zion nach deiner Gnade; baue die Mauern zu Jerusalem.  (51-21) Dann werden dir gefallen die Opfer der Gerechtigkeit, die Brandopfer und ganzen Opfer; dann wird man Farren auf deinem Altar opfern.

Lukasevangelium 5,1-11: Es begab sich aber, da sich das Volk zu ihm drängte, zu hören das Wort Gottes, daß er stand am See Genezareth  und sah zwei Schiffe am See stehen, die Fischer aber waren ausgetreten und wuschen ihre Netze.  Da trat er in der Schiffe eines, welches Simons war, und bat ihn, daß er's ein wenig vom Lande führte. Und er setzte sich und lehrte das Volk aus dem Schiff.  Und als er hatte aufgehört zu reden, sprach er zu Simon: Fahre auf die Höhe und werfet eure Netze aus, daß ihr einen Zug tut.  Und Simon antwortete und sprach zu ihm: Meister, wir haben die ganze Nacht gearbeitet und nichts gefangen, aber auf dein Wort will ich das Netz auswerfen.  Und da sie das taten, beschlossen sie eine große Menge Fische, und ihr Netz zerriß.  Und sie winkten ihren Gesellen, die im andern Schiff waren, daß sie kämen und hülfen ihnen ziehen. Und sie kamen und füllten beide Schiffe voll, also daß sie sanken.  Da das Simon Petrus sah, fiel er Jesu zu den Knieen und sprach: HERR, gehe von mir hinaus! ich bin ein sündiger Mensch.  Denn es war ihn ein Schrecken angekommen, ihn und alle, die mit ihm waren, über diesen Fischzug, den sie miteinander getan hatten;  desgleichen auch Jakobus und Johannes, die Söhne des Zebedäus, Simons Gesellen. Und Jesus sprach zu Simon: Fürchte dich nicht; denn von nun an wirst du Menschen fangen.  Und sie führten die Schiffe zu Lande und verließen alles und folgten ihm nach

Lukasevangelium 15,11-32: Und er sprach: Ein Mensch hatte zwei Söhne.  Und der jüngste unter ihnen sprach zu dem Vater: Gib mir, Vater, das Teil der Güter, das mir gehört. Und er teilte ihnen das Gut.  Und nicht lange darnach sammelte der jüngste Sohn alles zusammen und zog ferne über Land; und daselbst brachte er sein Gut um mit Prassen.  Da er nun all das Seine verzehrt hatte, ward eine große Teuerung durch dasselbe ganze Land, und er fing an zu darben.  Und ging hin und hängte sich an einen Bürger des Landes; der schickte ihn auf seinen Acker, die Säue zu hüten.  Und er begehrte seinen Bauch zu füllen mit Trebern, die die Säue aßen; und niemand gab sie ihm.  Da schlug er in sich und sprach: Wie viel Tagelöhner hat mein Vater, die Brot die Fülle haben, und ich verderbe im Hunger!  Ich will mich aufmachen und zu meinem Vater gehen und zu ihm sagen: Vater, ich habe gesündigt gegen den Himmel und vor dir  und bin hinfort nicht mehr wert, daß ich dein Sohn heiße; mache mich zu einem deiner Tagelöhner!  Und er machte sich auf und kam zu seinem Vater. Da er aber noch ferne von dannen war, sah ihn sein Vater, und es jammerte ihn, lief und fiel ihm um seinen Hals und küßte ihn.  Der Sohn aber sprach zu ihm: Vater, ich habe gesündigt gegen den Himmel und vor dir; ich bin hinfort nicht mehr wert, daß ich dein Sohn heiße.  Aber der Vater sprach zu seinen Knechten: Bringet das beste Kleid hervor und tut es ihm an, und gebet ihm einen Fingerreif an seine Hand und Schuhe an seine Füße,  und bringet ein gemästet Kalb her und schlachtet's; lasset uns essen und fröhlich sein!  denn dieser mein Sohn war tot und ist wieder lebendig geworden; er war verloren und ist gefunden worden. Und sie fingen an fröhlich zu sein.  Aber der älteste Sohn war auf dem Felde. Und als er nahe zum Hause kam, hörte er das Gesänge und den Reigen;  und er rief zu sich der Knechte einen und fragte, was das wäre.  Der aber sagte ihm: Dein Bruder ist gekommen, und dein Vater hat ein gemästet Kalb geschlachtet, daß er ihn gesund wieder hat.  Da ward er zornig und wollte nicht hineingehen. Da ging sein Vater heraus und bat ihn.  Er aber antwortete und sprach zum Vater: Siehe, so viel Jahre diene ich dir und habe dein Gebot noch nie übertreten; und du hast mir nie einen Bock gegeben, daß ich mit meinen Freunden fröhlich wäre.  Nun aber dieser dein Sohn gekommen ist, der sein Gut mit Huren verschlungen hat, hast du ihm ein gemästet Kalb geschlachtet.  Er aber sprach zu ihm: Mein Sohn, du bist allezeit bei mir, und alles, was mein ist, das ist dein.  Du solltest aber fröhlich und gutes Muts sein; denn dieser dein Bruder war tot und ist wieder lebendig geworden; er war verloren und ist wieder gefunden.

Apostelgeschichte 16,16-40: Es geschah aber, da wir zu dem Gebet gingen, daß eine Magd uns begegnete, die hatte einen Wahrsagergeist und trug ihren Herren viel Gewinnst zu mit Wahrsagen.  Die folgte allenthalben Paulus und uns nach, schrie und sprach: Diese Menschen sind die Knechte Gottes des Allerhöchsten, die euch den Weg der Seligkeit verkündigen.  Solches tat sie manchen Tag. Paulus aber tat das wehe, und er wandte sich um und sprach zu dem Geiste: Ich gebiete dir in dem Namen Jesu Christi, daß du von ihr ausfahrest. Und er fuhr aus zu derselben Stunde.  Da aber die Herren sahen, daß die Hoffnung ihres Gewinnstes war ausgefahren, nahmen sie Paulus und Silas, zogen sie auf den Markt vor die Obersten  und führten sie zu den Hauptleuten und sprachen: Diese Menschen machen unsere Stadt irre; sie sind Juden  und verkündigen eine Weise, welche uns nicht ziemt anzunehmen noch zu tun, weil wir Römer sind.  Und das Volk ward erregt wider sie; und die Hauptleute ließen ihnen die Kleider abreißen und hießen sie stäupen.  Und da sie sie wohl gestäupt hatten, warfen sie sie ins Gefängnis und geboten dem Kerkermeister, daß er sie wohl verwahrte.  Der, da er solches Gebot empfangen hatte, warf sie in das innerste Gefängnis und legte ihre Füße in den Stock.  Um Mitternacht aber beteten Paulus und Silas und lobten Gott. Und es hörten sie die Gefangenen.  Schnell aber ward ein großes Erdbeben, also daß sich bewegten die Grundfesten des Gefängnisses. Und von Stund an wurden alle Türen aufgetan und aller Bande los.  Als aber der Kerkermeister aus dem Schlafe fuhr und sah die Türen des Gefängnisses aufgetan, zog er das Schwert aus und wollte sich selbst erwürgen; denn er meinte die Gefangenen wären entflohen.  Paulus rief aber laut und sprach: Tu dir nichts Übles; denn wir sind alle hier!  Er forderte aber ein Licht und sprang hinein und ward zitternd und fiel Paulus und Silas zu den Füßen  und führte sie heraus und sprach: Liebe Herren, was soll ich tun, daß ich selig werde?  Sie sprachen: Glaube an den HERRN Jesus Christus, so wirst du und dein Haus selig!  Und sie sagten ihm das Wort des HERRN und allen, die in seinem Hause waren.  Und er nahm sie zu sich in derselben Stunde der Nacht und wusch ihnen die Striemen ab; und er ließ sich taufen und alle die Seinen alsobald.  Und führte sie in sein Haus und setzte ihnen einen Tisch und freute sich mit seinem ganzen Hause, daß er an Gott gläubig geworden war.  Und da es Tag ward, sandten die Hauptleute Stadtdiener und sprachen: Laß die Menschen gehen!  Und der Kerkermeister verkündigte diese Rede Paulus: Die Hauptleute haben hergesandt, daß ihr los sein sollt. Nun ziehet aus und gehet hin mit Frieden!  Paulus aber sprach zu ihnen: Sie haben uns ohne Recht und Urteil öffentlich gestäupt, die wir doch Römer sind, und uns ins Gefängnis geworfen, und sollten uns nun heimlich ausstoßen? Nicht also; sondern lasset sie selbst kommen und uns hinausführen!  Die Stadtdiener verkündigten diese Worte den Hauptleuten. Und sie fürchteten sich, da sie hörten, daß sie Römer wären,  und kamen und redeten ihnen zu, führten sie heraus und baten sie, daß sie auszögen aus der Stadt.  Da gingen sie aus dem Gefängnis und gingen zu der Lydia. Und da sie die Brüder gesehen hatten und getröstet, zogen sie aus.

 

Was ist das Amt des Heiligen Geistes? Er soll uns heiligen, das ist, er soll uns zum lebendigen, rettenden Glauben an unseren Heiland Jesus Christus bringen.

Wodurch macht das der Heilige Geist? Der Heilige Geist gebraucht dazu die Gnadenmittel, das Evangelium in Wort, Taufe und Abendmahl, die er in vielfältiger Weise, durch das Wort, zum Einsatz bringt.

Wie nennen wir all das, was der Heilige Geist an einem Menschen ausrichtet, um ihn zum rettenden Glauben zu bringen und darinnen zu erhalten? Die verschiedenen Verrichtungen werden unter dem Begriff „Heilsordnung“ zusammengefasst. Diese Heilsordnung ist dabei nicht als ein zeitlicher Ablauf gedacht, sondern mehr als eine logische Abfolge, die zeitlich durchaus zusammenfallen kann, deren einzelne Abschnitte aber auch unterschiedlich lang sein können.

Welche Abschnitte werden unter die Heilsordnung gerechnet? Die Einteilungen variieren etwas. Hier soll sie so dargeboten werden: Berufung mit Erweckung und Buße; Erleuchtung; Bekehrung oder Wiedergeburt; Rechtfertigung mit Heilsgewissheit; Einwohnung der Dreieinigkeit; Bewahrung oder Erhaltung im Glauben; Heiligung mit Erneuerung und Vollbereitung.

 

Was wird unter der Berufung (im engeren Sinne) verstanden? Die Berufung im engeren Sinne meint den heiligen Ruf Gottes, der uns selig macht, gegründet nicht auf irgendetwas in, an, bei uns, sondern allein auf seinen Vorsatz und Gnade, uns gegeben in Christus Jesus schon vor der Zeit der Welt, 2. Timotheusbrief 1,9.

Was ist also der Ausgangspunkt oder die Voraussetzung der Berufung? Die Grundlage der Berufung ist die Gnade Gottes in Jesus Christus und das damit verbundene geschehene Erlösungswerk in Jesus Christus, 2. Korintherbrief 5,16-21.

Wem gilt dieser Ruf? Dieser Ruf gilt allen Menschen, Unbekehrten und Bekehrten. Er gilt den Unbekehrten, damit sie durch diesen Ruf zum lebendigen Glauben kommen; er gilt aber auch den Bekehrten, um des alten Menschen willen, damit sie immer wieder von der Sünde zur Vergebung umkehren und so im Glauben beharren, Römerbrief 1,16.17; Matthäusevangelium 24,13.

Wie wird uns dieser Ruf Gottes entgegengebracht? Dieser Ruf Gottes kommt zu uns durch das bloße Wort und das Wort verbundenen mit den von Christus eingesetzten Zeichen, also Taufe und Abendmahl.

In wiefern ist die Taufe ein Berufungsmittel? In der Taufe bietet Gott uns an und reicht uns dar das Sterben des alten Menschen, die Vergebung der Sünden, das neue und ewige Leben. Sie ist zugleich Ruf, in diesem neuen Leben aus der Kraft Christi durch seinen Geist zu wandeln. Wer aus der Taufgnade gefallen ist, den erreicht der Ruf als Ruf zur Rückkehr zur Taufgnade. Wer im Glauben steht, den erreicht der Ruf als Stärkung zum Beharren im Glauben und in der Nachfolge, Römerbrief 6,3-23; 1. Korintherbrief 6,11.

In wiefern ist das Wort ein Berufungsmittel? Das Wort gibt nicht nur an, was Gott von uns will oder was er uns verheißt, sondern es wirkt auch den rettenden Glauben in uns und erhält uns darinnen, Römerbrief 1,16.17; 1. Petrusbrief 1,23; Römerbrief 10,14-17.

In wiefern ist das Abendmahl ein Berufungsmittel? Das heilige Abendmahl ist eingesetzt für die Gemeinde Christi, also diejenigen, die an ihn glauben. Es soll sie stärken in der Gewissheit der Vergebung der Sünden und sie so im lebendigen Glauben erhalten und immer neu anreizen für die Nachfolge Jesu Christi, 1. Korintherbrief 10,16.17; 11,23-32.

Worum geht es also in der Berufung im engeren Sinne? Die Berufung im engeren oder eigentlichen Sinne (durch das Evangelium) spricht das Gewissen und darüber den Willen und die Vernunft an, um sie zu bekehren, Matthäusevangelium 22,3.14; 23,37.

 

Was wird unter der Berufung im weiteren Sinne verstanden? Die Berufung im weiteren Sinne meint nicht nur den Ruf zum Glauben durch das Evangelium, sondern umfasst auch das vorausgehende Werk des Heiligen Geistes durch das Gesetz, das Erweckung und Buße hervorbringen soll, Lukasevangelium 24,46.47.

Was wird unter „Erweckung“ verstanden? Der natürliche Mensch ist tot in Übertretungen und Sünden, Epheserbrief 2,1, liegt ganz tief im Sündenschlaf und vernimmt nichts vom Wort Gottes, 1. Korintherbrief 2,11 ff. Der Ruf des Gesetzes soll ihn aus diesem Sündenschlaf aufwecken, dass er merkt, dass es um ihn nicht recht steht, dass er vor Gott nicht bestehen kann, dass er ein Sünder ist und verloren und daher einen Heiland braucht. Es kann in einem solchen Zustand auch dazu kommen, dass sich solch ein Erweckter entscheidet, intensiver in der Bibel zu lesen, zum Gottesdienst zu gehen, auf Gottes Gebote zu achten, ja, er will sogar Jesus nachfolgen. Wenn es aber nicht zu wirklicher Sünden- und Verlorenheitserkenntnis und Erkenntnis Christi als des Heilandes gekommen ist, so sind all diese Entschlüsse nicht Früchte der Buße und des Glaubens, sondern sie sind noch eigene Werke, mit denen er vor Gott gerecht werden will. So fein sie im Einzelnen auch sind, so ist doch in sol-chem Zustand der Mensch noch nicht bekehrt, sondern noch verloren.

Wozu soll dieses Erwachen führen? Wie uns die Geschichte vom Gefängniswärter in Philippi zeigt, soll dieses Erwachen aus dem Sündenschlaf schließlich dazu führen, dass du aus Sünden- und Verlorenheitserkenntnis rufst: „Was muss ich tun, damit ich selig werde?“ (Apostelgeschichte 16,31)

Was soll also das Gesetz in dem Erweckten bewirken? Das Gesetz soll in dem Erweckten Buße bewirken.

Was ist mit „Buße“ gemeint? Buße meint zunächst, a) dass ich anerkenne, dass ich ein Sünder bin, also dass ich Sünden in meinem Leben erkenne; b) dann aber auch, dass ich die Ursache dafür begreife, nämlich meine sündliche Natur; c) dass ich erkenne, dass die Sünde nicht nur ein Vergehen gegenüber meinem Mitmenschen ist, sondern gerade auch gegenüber Gott, der mir sein Gesetz gegeben hat; d) dass ich daher auch erkenne, dass der Zorn Gottes über mir steht und dass dieser Zorn und die damit angedrohte Strafe völlig berechtigt ist; e) dies alles soll in mir ein tiefes Leid über die Sünde, über mein sündiges Wesen hervorrufen, eine Abscheu vor der Sünde und den Willen, die Sünde zu lassen, ungeschehen machen zu wollen (Reue); f) vor allem aber soll aus all dem ein geängstetes und zerschlagenes Herz und Gemüt folgen, nämlich die klare Erkenntnis, dass ich zu meiner Errettung gar nichts tun, beitragen kann, sondern gänzlich angewiesen bin auf meinen Heiland – alle Selbstgerechtigkeit soll damit zerschlagen, der alte Mensch tatsächlich getötet werden. Siehe Psalm 51; Lukasevangelium 23,39-43; vergleiche Judas, Matthäusevangelium 27,3-8, mit Petrus, Lukasevangelium 22,61.62, sowie Saul, 1. Samuel 15,13-31, mit David, 2. Samuel 12,1-14; Psalm 6; 32; 51.

Was verstehen wir unter der „täglichen Buße“? Die tägliche Buße meint die Wirkung, die das berufende Handeln Gottes am Gläubigen durch Gesetz und Evangelium bewirken soll: nämlich tägliche Erkenntnis der Sünden und Vertiefung der Erkenntnis der Verdorbenheit und Verlorenheit ohne Christus, und so tägliche Erneuerung in der Vergebung der Sünden, im Glauben an Jesus Christus und daraus in der dankbaren Hingabe an den Heiland zu konsequenter Nachfolge, Johannesevangelium 13,8-10; 15,1-9; Epheserbrief 4,22-32; Kolosserbrief 3,12-17.

Kann die Erweckung auch unecht sein? Ja, es gibt auch eine Erweckung, die nicht durchdringt oder von vornherein unecht ist, nämlich nicht zu völliger Sündenerkenntnis und Erkenntnis der Verlorenheit führt, so dass der betreffende Mensch zwar religiös sein mag, aber nie wirklich ein geängstetes und zerschlagenes Herz hatte, sondern vielmehr mehr oder weniger an seiner eigenen Gerechtigkeit festhält, sich nicht allein an das Wort hält, sondern sich auf Schmerz- oder Glücksgefühle gründet und sie für Buße oder Glauben hält und seine „Heilgewissheit“ an solche Gefühle, Erfahrungen, Erlebnisse bindet. Hier liegt zumeist keine Bekehrung vor.

Führt die Berufung immer zum Ziel? Nein, wie die Gleichnisse vom großen Abendmahl, Lukasevangelium 14,16-24, und von der königlichen Hochzeit, Matthäusevangelium 22,1-14, zeigen sowie Jesu Tränen über Jerusalem, Matthäusevangelium 23,34-39, kann dem Ruf Gottes, verborgen unter den Gnadenmitteln, widerstanden werden oder, wie bei Felix, Apostelgeschichte 24,25, der getroffene Mensch merkt, worauf es hinaus will und schiebt die Sache vor sich her, weil er ihr ausweichen will – und dann kommt es eventuell nie zu Buße und Bekehrung, ähnlich bei König Agrippa, Apostelgeschichte 26,28.

Welche Gefahr ist mit solchem Widerstreben oder Aufschieben verbunden? Es ist damit die Gefahr verbunden, dass vielleicht Gott solch eine Gelegenheit nicht wieder gibt oder dass das menschliche Herz sich mehr und mehr gegen das Wirken des Heiligen Geistes verhärtet, in extremen Fällen, wie bei Pharao und den Juden, es zur Verstockung führen kann.

 

 

II. ERLEUCHTUNG

 

Bibelstellen:

2. Korintherbrief 4,6: Denn Gott, der da hieß das Licht aus der Finsternis hervorleuchten, der hat einen hellen Schein in unsere Herzen gegeben, dass durch uns entstünde die Erleuchtung von der Erkenntnis der Klarheit Gottes in dem Angesichte Jesu Christi.

Epheserbrief 4,18: Welcher Verstand verfinstert ist, und sind entfremdet dem Leben, das aus Gott ist, durch die Unwissenheit, so in ihnen ist, durch die Blindheit ihres Herzens.

Epheserbrief 5,8.9: Denn ihr waret einst Finsternis; nun aber seid ihr ein Licht in dem Herrn. Wandelt wie die Kinder des Lichts! Die Frucht des Geistes ist allerlei Gütigkeit und Gerechtigkeit und Wahrheit.

2. Petrusbrief 1,19: Wir haben ein festes prophetisches Wort, und ihr tut wohl, dass ihr darauf achtet als auf ein Licht, das da scheinet in einem dunklen Ort, bis der Tag anbreche, und der Morgenstern aufgehe in euren Herzen.

Psalm 119,105: Dein Wort ist meines Fußes Leuchte und ein Licht auf meinem Wege.

Apostelgeschichte 26,18: Aufzutun ihre Augen,dass sie sich bekehren von der Finsternis zu dem Licht und von der Gewalt des Satans zu Gott, zu empfangen Vergebung der Sünden und das Erbe samt denen, die geheiliget werden durch den Glauben an mich.

Johannesevangelium 17,3: Das ist aber das ewige Leben, dass sie dich, dass du allein wahrer Gott bist, und den du gesandt hast, Jesus Christus, erkennen.

Epheserbrief 3,9.10: Und zu erleuchten jedermann, welche da sei die Gemeinschaft des Geheimnisses, das von der Welt her in Gott verborgen gewesen ist, der alle Dinge geschaffen hat durch Jesum Christum,  auf daß jetzt kund würde den Fürstentümern und Herrschaften in dem Himmel an der Gemeinde die mannigfaltige Weisheit Gottes.

Jakobusbrief 1,17: Alle gute Gabe und alle vollkommene Gabe kommt von oben herab, von dem Vater des Lichts, bei welchem ist keine Veränderung noch Wechsel des Lichts und der Finsternis.

Johannesevangelium 16,8-14: Und wenn derselbe kommt, wird er die Welt strafen um die Sünde und um die Gerechtigkeit und um das Gericht:  um die Sünde, daß sie nicht glauben an mich;  um die Gerechtigkeit aber, daß ich zum Vater gehe und ihr mich hinfort nicht sehet;  um das Gericht, daß der Fürst dieser Welt gerichtet ist.  Ich habe euch noch viel zu sagen; aber ihr könnt es jetzt nicht tragen.  Wenn aber jener, der Geist der Wahrheit, kommen wird, der wird euch in alle Wahrheit leiten. Denn er wird nicht von sich selber reden; sondern was er hören wird, das wird er reden, und was zukünftig ist, wird er euch verkünden.  Derselbe wird mich verklären; denn von dem Meinen wird er's nehmen und euch verkündigen.

 

Was ist mit dem Begriff „Erleuchtung“ verbunden? Der Begriff „Erleuchtung“ ist verbunden mit Licht, leuchten, erleuchten, hell werden, wo es zunächst finster war.

Welches Werk also beschreibt der Begriff Erleuchtung? Der Begriff „Erleuchtung“ beschreibt dasjenige Werk der Dreieinigkeit in uns Sündern, durch das wir a) zur lebendigen Erkenntnis unserer Sünde, Sünderwesens und Verlorenheit kommen und b) zum lebendigen Glauben an unseren Heiland Jesus Christus, mit dem Ziel, c) dass wir Boten Christi bei anderen sind. 2. Korintherbrief 4,6; Epheserbrief 4,18; 5,8.9.

 

Was ist der natürliche Zustand von uns Menschen? Seit dem Sündenfall ist unsere Vernunft verfinstert, unser Herz verblendet, so dass wir Gott und seiner Bestimmung für uns entfremdet sind, ihn aus eigener Kraft nicht lieben, an ihn nicht glauben, ihm nicht gehorchen können, sondern tot sind in Übertretungen und Sünden, Epheserbrief 4,18; 2,1.2; Römerbrief 3,10-20. Daher vernehmen wir als natürliche Menschen ohne den Heiligen Geist auch nichts vom Wort Gottes, verstehen es nicht, können es nicht erkennen, sondern das Wort vom Kreuz ist uns eine Torheit, ein Ärgernis, 1. Korintherbrief 2,11.14; 1,18.23. Als natürliche Menschen stehen wir also unter der Obrigkeit der Finsternis, Kolosserbrief 1,13.

Wodurch kann diese geistliche Finsternis, der geistliche Tod nicht überwunden werden? Durch psychologische, soziologische, philosophische oder andere menschliche Methoden kann zwar der natürliche Mensch in seinem natürlichen Leben angeregt werden, aber er bleibt im natürlichen Leben; die geistliche Finsternis kann dadurch in keiner Weise überwunden werden; vielmehr kommt es zu einer scheinbaren, falschen Erleuchtung, die dann in falscher Lehre und falscher Frömmigkeit ohne Bekehrung verharrt.

Was ist vielmehr notwendig? Notwendig ist, dass der Geist Gottes uns erleuchtet, damit wir den Ruf Gottes in der Berufung recht vernehmen und im Glauben ergreifen.

 

In wiefern ist die Erleuchtung ein Werk des Dreieinigkeit? A) Der Vater ist der Quell der Erleuchtung, 2. Korintherbrief 4,6; Jakobusbrief 1,17; 1. Timotheusbrief 6,16. B) Der Sohn vermittelt die Erleuchtung, denn er ist das Licht der Welt, Johannesevangelium 1,4.5.9; 8,12; 9,5; 12,44. C) Der Heilige Geist eignet die Erleuchtung zu, Epheserbrief 1,17.18; 1. Korintherbrief 2,10.14; Johannesevangelium 14,17; 15,26; 16,8-14.

Wodurch erleuchtet uns der Heilige Geist? Das Mittel, womit der Heilige Geist die Erleuchtung im Sünderherzen bewirkt, ist allein das Wort Gottes, das kraftvoll ist, Prophet Jesaja 55,10.11; Geist und Leben ist, Johannesevangelium 6,63; ein Wort ist, das an einem dunklen Ort scheint und bewirkt, dass der Morgenstern Jesus Christus, Offenbarung 22,16, in unseren Herzen aufgeht, Psalm 119,105; 2. Petrusbrief 1,19; Epheserbrief 3,9.10; 2. Korintherbrief 3,9; Lukasevangelium 10,16. Träume oder Lebensführungen nutzen an sich nichts, wenn sie nicht durch das Wort Gottes Licht bekommen, erläutert werden, ihre Bedeutung erhalten.

 

Mit welchen Gaben erleuchtet uns der Heilige Geist oder was ist es, was die Erleuchtung in uns bewirkt? Der Heilige Geist erleuchtet zu a) mit lebendiger Sündenerkenntnis (Erleuchtung durch das Gesetz) und b) zu lebendigem Glauben an Jesus Christus (Erleuchtung durch das Evangelium).

Wie bewirkt der Heilige Geist die lebendige Sündenerkenntnis? Durch das Gesetz klärt uns der Heilige Geist auf über unsere Sünden, die wir tun und haben und dann vor allem über unseren wahren Zustand, damit wir unsere abgrundtiefe Verdorbenheit der sündlichen Natur erkennen, den Zorn Gottes und die angedrohte Strafe, also unsere Verlorenheit, und wirkt so Buße, Reue, Zerbruch der Selbstgerechtigkeit, des alten Menschen mit seinem Begehren, Wünschen, Wollen, Sehnen, Ideen, Vorstellungen, Zielen.

Wie bewirkt der Heilige Geist den lebendigen Glauben an Jesus Christus? Durch das Evangelium zeigt er uns Gottes Liebe, die sich in seiner Gnade und Barmherzigkeit in Jesus Christus erwiesen hat und zeigt uns sein Rettungswerk, sein Heil, das Christus uns erworben hat, 2. Korintherbrief 4,4; Kolosserbrief 1,6.

Was also ist das Ziel der Erleuchtung? Durch die Erleuchtung will der Heilige Geist eine gründliche Bekehrung von Herz und Willen bewirken, Kolosserbrief 1,10; Philipperbrief 1,9.10; Titusbrief 2,11-14, um uns so aus Kindern des Zorns und der Finsternis zu Kindern des Lichtes, Kindern Gottes zu machen, Apostelgeschichte 26,18; Epheserbrief 5,8.9; 1, Johannesbrief 1,7; 2,9, die als solche einen neuen Willen, eine neue Denkweise und damit eine neue Lebensrichtung und durch die lebendige Erkenntnis Jesu Christi als ihres Retters, Johannesevangelium 17,3, Gewissheit ihres Heils haben.

Wie wird dieses Werk der Erleuchtung in der Bibel auch noch beschrieben? Es wird auch beschrieben oder bezeichnet als die „Salbung durch den Heiligen Geist“, 1. Johannesbrief 2,27.

Was ist als falsche Erleuchtung von dieser wahren Erleuchtung unbedingt zu unterscheiden? Es geht in der wahren Erleuchtung nicht nur darum, wissensmäßige Kenntnisse zu bekommen, sondern eine lebendige Heilserkenntnis Jesu Christi als meines persönlichen Heilandes, Retters, Apostelgeschichte 26,18; Epheserbrief 5,8.9.14. Wer diesem Wirken des Heiligen Geistes widerstrebt, droht auf Dauer verblendet zu werden, 2. Korintherbrief 4,3. Falsche Erleuchtung ist also viel Wissen ohne den Besitz der Gnade, ohne durchgreifende Bekehrung. Bei der falschen Erleuchtung bleibt es im Gefühl und menschlichen Willen stecken, also letztlich bei einem Kopfchristentum und Selbstgerechtigkeit. Matthäusevangelium 7,21-27; Lukasevangelium 12,47.48.

 

In wiefern betrifft die Erleuchtung nicht nur den erweckten, aber noch unbekehrten Menschen, sondern auch den Christen? Auch der Christ bedarf immer wieder der Erleuchtung über seinen alten Menschen (sündige Natur), damit er nicht in den Wahn verfällt, er sei schon vollkommen oder mit der Sünde sei es nicht mehr so schlimm; ebenso bedarf er immer wieder der Erleuchtung, wer Jesus Christus für ihn ist, damit er so in täglicher Buße und Glauben leben und immer wieder angeregt werden kann zu konsequenter Nachfolge.

Es geht in der Erleuchtung um ein Wachsen in lebendiger Erkenntnis, beginnend mit der Taufe, fortgeführt auch durch die Lebensführungen Gottes, zu denen gerade auch das Kreuz im Christenleben gehört, damit so die alte sündige Natur immer wieder und immer mehr stirbt. 2. Korintherbrief 3,18.

 

Beispiele aus der Kirchengeschichte: Die Bekehrung von Louis Harms (Lebensbeschreibung S. 39.40; Hannoversche Missionsgeschichte Bd 2, S. 6 oben – 9 oben); das Turmerlebnis Martin Luthers (s. Hörspielheft ‚Martin Luther – Allein aus Glauben’ S. 15-21.); die Bekehrung von Carl Manthey-Zorn (Großvaters Jugenderinnerungen. Teil 2. S. 5-13)

 

 

III. BEKEHRUNG UND WIEDERGEBURT

 

Bibelstellen:

Johannesevangelium 3,1-21: Es war aber ein Mensch unter den Pharisäern mit Namen Nikodemus, ein Oberster unter den Juden.  Der kam zu Jesu bei der Nacht und sprach zu ihm: Meister, wir wissen, daß du bist ein Lehrer von Gott gekommen; denn niemand kann die Zeichen tun, die du tust, es sei denn Gott mit ihm.  Jesus antwortete und sprach zu ihm: Wahrlich, wahrlich, ich sage dir: Es sei denn, daß jemand von neuem geboren werde, so kann er das Reich Gottes nicht sehen.  Nikodemus spricht zu ihm: Wie kann ein Mensch geboren werden wenn er alt ist? Kann er auch wiederum in seiner Mutter Leib gehen und geboren werden?  Jesus antwortete: Wahrlich, wahrlich ich sage dir: Es sei denn daß jemand geboren werde aus Wasser und Geist, so kann er nicht in das Reich Gottes kommen.  Was vom Fleisch geboren wird, das ist Fleisch; und was vom Geist geboren wird, das ist Geist.  Laß dich's nicht wundern, daß ich dir gesagt habe: Ihr müsset von neuem geboren werden.  Der Wind bläst, wo er will, und du hörst sein Sausen wohl; aber du weißt nicht, woher er kommt und wohin er fährt. Also ist ein jeglicher, der aus dem Geist geboren ist.  Nikodemus antwortete und sprach zu ihm: Wie mag solches zugehen?  Jesus antwortete und sprach zu ihm: Bist du ein Meister in Israel und weißt das nicht?  Wahrlich, wahrlich ich sage dir: Wir reden, was wir wissen, und zeugen, was wir gesehen haben; und ihr nehmt unser Zeugnis nicht an.  Glaubet ihr nicht, wenn ich euch von irdischen Dingen sage, wie würdet ihr glauben, wenn ich euch von himmlischen Dingen sagen würde?  Und niemand fährt gen Himmel, denn der vom Himmel herniedergekommen ist, nämlich des Menschen Sohn, der im Himmel ist.  Und wie Mose in der Wüste eine Schlange erhöht hat, also muß des Menschen Sohn erhöht werden,  auf das alle, die an ihn glauben, nicht verloren werden, sondern das ewige Leben haben.  Also hat Gott die Welt geliebt, daß er seinen eingeborenen Sohn gab, auf daß alle, die an ihn glauben, nicht verloren werden, sondern das ewige Leben haben.  Denn Gott hat seinen Sohn nicht gesandt in die Welt, daß er die Welt richte, sondern daß die Welt durch ihn selig werde.  Wer an ihn glaubt, der wird nicht gerichtet; wer aber nicht glaubt, der ist schon gerichtet, denn er glaubt nicht an den Namen des eingeborenen Sohnes Gottes.  Das ist aber das Gericht, daß das Licht in die Welt gekommen ist, und die Menschen liebten die Finsternis mehr als das Licht; denn ihre Werke waren böse.  Wer arges tut, der haßt das Licht und kommt nicht an das Licht, auf daß seine Werke nicht gestraft werden.  Wer aber die Wahrheit tut, der kommt an das Licht, daß seine Werke offenbar werden; denn sie sind in Gott getan.

1. Thessalonicherbrief 1,9: Denn sie selbst verkündigen von euch, was für einen Eingang wir zu euch gehabt haben, und wie ihr bekehret seid zu Gott von den Abgöttern, zu dienen dem lebendigen und wahren Gott.

Titusbrief 3,5-7: Nicht um der Werke willen der Gerechtigkeit, die wir getan hatten, sondern nach seiner Barmherzigkeit machte er uns selig durch das Bad der Wiedergeburt und Erneuerung des heiligen Geistes,  welchen er ausgegossen hat über uns reichlich durch Jesum Christum, unsern Heiland,  auf daß wir durch desselben Gnade gerecht und Erben seien des ewigen Lebens nach der Hoffnung.

1. Petrusbrief 1,23: Als die da wiedergeboren sind, nicht aus vergänglichem, sondern aus unvergänglichem Samen, nämlich aus dem lebendigen Wort Gottes, das da ewiglich bleibet.

1. Johannesbrief 3,9: Wer aus Gott geboren ist, der tut nicht Sünde; denn sein Same bleibet bei ihm und kann nicht sündigen; denn er ist von Gott geboren.

1. Johannesbrief 4,7:Ihr Lieben, lasset uns untereinander liebhaben; denn die Liebe ist von Gott; und wer liebhat, der ist von Gott geboren und kennet Gott.

1. Johannesbrief 5,1.4: Wer da glaubet, dass Jesus sei der Christus, der ist von Gott geboren. Und wer da liebet den, der ihn geboren hat, der liebet auch den, der von ihm geboren ist.... Denn alles, was von Gott geboren ist, überwindet die Welt; und unser Glaube ist der Sieg, der die Welt überwunden hat.

Johannesevangelium 1,12.13: Wie viele ihn aber aufnahmen, denen gab er Macht, Gottes Kinder zu werden, denen, die an seinen Namen glauben. Welche nicht von dem Geblüt, noch von dem Willen des Fleiches, noch von dem Willen eines Mannes, sondern von Gott geboren sind.

Psalm 51,12: Schaffe in mir, Gott, ein reines Herz und gib mir einen neuen, gewissen Geist.

Prophet Hesekiel 36,26.27: Und ich will euch ein neues Herz und einen neuen Geist in euch geben; und will das steinerne Herz aus eurem Fleisch wegnehmen und euch ein fleischern Herz geben. Ich will meinen Geist in euch geben und will solche Leute aus euch machen, die in meinen Geboten wandeln und meine Rechte halten und danach tun.

Prophet Jeremia 17,14: Heile du mich, Herr, so werde ich heil; hilf du mir, so ist mir geholfen; denn du bist mein Ruhm.

Prophet Jeremia 31,18: Bekehre du mich, so werde ich bekehret; denn du Herr, bist mein Gott!

Philipperbrief 2,13: Denn Gott ist’s, der in euch wirket beides, das Wollen und das Vollbringen, nach seinem Wohlgefallen.

Prophet Hosea 13,9: Israel, dass du verdirbest, die Schuld ist dein; dass dir aber geholfen wird, das ist lauter meine Gnade.

Matthäusevangelium 23,37: Jerusalem, Jerusalem, die du tötest die Propheten und steinigest, die zu dir gesandt sind, wie oft habe ich deine Kinder versammeln wollen, wie eine Henne versammelt ihre Küchlein unter ihre Flügel; und ihr habt nicht gewollt!

Römerbrief 6,3-23: Wisset ihr nicht, daß alle, die wir in Jesus Christus getauft sind, die sind in seinen Tod getauft?  So sind wir ja mit ihm begraben durch die Taufe in den Tod, auf daß, gleichwie Christus ist auferweckt von den Toten durch die Herrlichkeit des Vaters, also sollen auch wir in einem neuen Leben wandeln.  So wir aber samt ihm gepflanzt werden zu gleichem Tode, so werden wir auch seiner Auferstehung gleich sein,  dieweil wir wissen, daß unser alter Mensch samt ihm gekreuzigt ist, auf daß der sündliche Leib aufhöre, daß wir hinfort der Sünde nicht mehr dienen.  Denn wer gestorben ist, der ist gerechtfertigt von der Sünde.  Sind wir aber mit Christo gestorben, so glauben wir, daß wir auch mit ihm leben werden,  und wissen, daß Christus, von den Toten auferweckt, hinfort nicht stirbt; der Tod wird hinfort nicht mehr über ihn herrschen.  Denn was er gestorben ist, das ist er der Sünde gestorben zu einem Mal; was er aber lebt, das lebt er Gott.  Also auch ihr, haltet euch dafür, daß ihr der Sünde gestorben seid und lebt Gott in Christo Jesus, unserm HERRN.  So lasset nun die Sünde nicht herrschen in eurem sterblichen Leibe, ihr Gehorsam zu leisten in seinen Lüsten.  Auch begebet nicht der Sünde eure Glieder zu Waffen der Ungerechtigkeit, sondern begebet euch selbst Gott, als die da aus den Toten lebendig sind, und eure Glieder Gott zu Waffen der Gerechtigkeit.  Denn die Sünde wird nicht herrschen können über euch, sintemal ihr nicht unter dem Gesetz seid, sondern unter der Gnade.  Wie nun? Sollen wir sündigen, dieweil wir nicht unter dem Gesetz, sondern unter der Gnade sind? Das sei ferne!  Wisset ihr nicht: welchem ihr euch begebet zu Knechten in Gehorsam, des Knechte seid ihr, dem ihr gehorsam seid, es sei der Sünde zum Tode oder dem Gehorsam zur Gerechtigkeit?  Gott sei aber gedankt, daß ihr Knechte der Sünde gewesen seid, aber nun gehorsam geworden von Herzen dem Vorbilde der Lehre, welchem ihr ergeben seid.  Denn nun ihr frei geworden seid von der Sünde, seid ihr Knechte der Gerechtigkeit geworden.  Ich muß menschlich davon reden um der Schwachheit willen eures Fleisches. Gleichwie ihr eure Glieder begeben habet zum Dienst der Unreinigkeit und von einer Ungerechtigkeit zur andern, also begebet auch nun eure Glieder zum Dienst der Gerechtigkeit, daß sie heilig werden.  Denn da ihr der Sünde Knechte wart, da wart ihr frei von der Gerechtigkeit.  Was hattet ihr nun zu der Zeit für Frucht? Welcher ihr euch jetzt schämet; denn ihr Ende ist der Tod.  Nun ihr aber seid von der Sünde frei und Gottes Knechte geworden, habt ihr eure Frucht, daß ihr heilig werdet, das Ende aber ist das ewige Leben.  Denn der Tod ist der Sünde Sold; aber die Gabe Gottes ist das ewige Leben in Christo Jesu, unserm HERRN.

Galaterbrief 2,20: Ich lebe, doch nun nicht ich, sondern Christus lebet in mir. Denn was ich jetzt lebe im Fleisch, das lebe ich in dem Glauben des Sohnes Gottes, der mich geliebet hat und sich selbst für mich dargegeben.

Kolosserbrief 2,12-15: Indem ihr mit ihm begraben seid durch die Taufe; in welchem ihr auch seid auferstanden durch den Glauben, den Gott wirkt, welcher ihn auferweckt hat von den Toten.  Und er hat euch auch mit ihm lebendig gemacht, da ihr tot waret in den Sünden und in eurem unbeschnittenen Fleisch; und hat uns geschenkt alle Sünden  und ausgetilgt die Handschrift, so wider uns war, welche durch Satzungen entstand und uns entgegen war, und hat sie aus dem Mittel getan und an das Kreuz geheftet;  und hat ausgezogen die Fürstentümer und die Gewaltigen und sie schaugetragen öffentlich und einen Triumph aus ihnen gemacht durch sich selbst.

Römerbrief 14,8.9: Leben wir, so leben wir dem Herrn; sterben wir, so sterben wir dem Herrn. Darum: Wir leben oder wir sterben, so sind wir des Herrn. Denn dazu ist Christus auch gestorben und auferstanden und wieder lebendig geworden, dass er über Tote und Lebendige Herr sei.

Epheserbrief 2,8-10: Denn aus Gnade seid ihr selig geworden durch den Glauben, und das nicht aus euch: Gottes Gabe ist es,  nicht aus den Werken, auf daß sich nicht jemand rühme.  Denn wir sind sein Werk, geschaffen in Christo Jesu zu guten Werken, zu welchen Gott uns zuvor bereitet hat, daß wir darin wandeln sollen.

Römerbrief 3,28: So halten wir es nun, dass der Mensch gerecht werde ohne des Gesetzes Werke, allein durch den Glauben.

 

Wem gilt die Berufung? Gottes Ruf gilt allen Menschen und ergeht an sie durch die Taufe und das Wort allein; er gilt den Getauften im Wort und den Ungetauften durchs Wort und vom Wort zur Taufe; den Unbekehrten zum Heil durch Wort und Taufe und den Bekehrten, dass sie in Buße und Glauben bei Christus bleiben. 1. Timotheusbrief 2,4.

Was ist die Bekehrung? Die Bekehrung ist Gottes Tat, wodurch er a) den durch das Gesetz erweckten Sünder zu rechter Sündenerkenntnis, Erkenntnis der Verlorenheit und somit zu Buße und Reue und schließlich zum Bruch mit der Sünde führt (s. Gleichnis vom verlorenen Sohn; 1. Thessalonicherbrief 1,9) und b) durch das Evangelium den rettenden Glauben als das alleinige Vertrauen in die Gnade in Christus Jesus weckt und so den Sünder zurückführt in die Gottesgemeinschaft, Psalm 51,12; Prophet Jeremia 31,8.

Was bringt solch eine Bekehrung als Frucht mit sich? Gott wirkt mit der Bekehrung eine tiefgreifende Sinnesänderung, die aus dem Evangelium kommt, eine Abkehr von der Sünde, Hinwendung zu Christus und seiner Gnade und seinem Willen, Markusevangelium 1,15; Apostelgeschichte 20,21.

Was ist die Wiedergeburt? Unter dem Begriff der Wiedergeburt wird das Werk des Heiligen Geistes beschrieben, durch das der geistlich tote Mensch durch das Evangelium in Wort und Taufe geistlich lebendig gemacht wird, Titusbrief 3,5-7; Johannesevangelium 3,3-6, indem er den rettenden Glauben an Jesus Christus weckt, 1. Petrusbrief 1,23; 1. Johannesbrief 3,9; 4,7; 5,1.4; Johannesevangelium 1,13; 3,6. Sie stellt keine Umschöpfung der alten Natur dar, sondern sie ist eine tatsächliche Neuschöpfung aus dem Nichts, Psalm 51,12 und gibt ein neues Herz, einen neuen Sinn, 2. Korintherbrief 5,14-21; Römerbrief 6,3-23.

Wessen Werk sind also Bekehrung und Wiedergeburt? Bekehrung und Wiedergeburt sind allein und vollständig Gottes Werk am verlorenen Menschen, das eben dieser Mensch allein aus Gnaden, allein um Christi Verdienst willen an sich erfährt zum Heil, Johannesevangelium 1,13; 3,3; Psalm 100,3.

 

Wie ist denn der Zustand des natürlichen, unbekehrten Menschen? Der natürliche Mensch lebt sich selbst, hat sein Lebenszentrum in sich selbst anstatt in Gott, ist damit grundsätzlich getrennt von Gott (Sündenzustand). In der Tiefe des Herzens aber ist ein Hunger nach Gott vorhanden, denn als Gottes Geschöpfe sind wir angelegt auf die Gemeinschaft mit dem lebendigen Gott.

    Der unbekehrte Mensch, vor allem, wenn er noch nicht durch Gottes Geist durch das Gesetz erweckt ist, sorgt sich noch nicht wegen seiner Sünde. Er mag zwar allgemein zustimmen, dass er ein Sünder ist, wie alle anderen Menschen auch, vielleicht fallen ihm sogar einzelne, spezielle Sünden bei sich ein – aber er sorgt sich nicht wegen seiner Sünden und damit seiner Stellung vor dem lebendigen Gott, meint vielmehr, Gott nehme es mit der Sünde auch nicht so genau, er sei doch gütig.

Wie reagiert der natürliche, unbekehrte Mensch auf diesen Hunger? Der natürliche Mensch sucht diesen Hunger in der Welt zu stillen, sei es durch Arbeit, Familie, Leistung, Erfolg, sei es durch Sensationen, Vergnügen u.ä. Ist er religiöser orientiert und „sucht Gott“, so sucht er dabei doch auch nur sich selbst, denn er vernimmt nichts von Gott und kann Gott nicht in sich finden, sondern er benötigt eine neue Geburt, Johannesevangelium 3,3-6. Die aber kann allein durch Gott geschehen (von Gott geboren, von oben geboren) aus Gnaden.

Worum geht es in dieser neuen Geburt oder Bekehrung? Es geht also in dieser neuen Geburt oder Bekehrung darum, alles Eigene, alle Selbstverwirklichung und Selbstgerechtigkeit zu lassen und sich einzig und allein auf Jesus Christus als den Heiland zu verlassen, der dann mein Leben ist, Johannesevangelum 16,8-11; Philipperbrief 1,21, kurz: Es geht um den Tod des alten, sündigen Menschen.

 

Wie geschieht die Bekehrung? Die Bekehrung selbst als die Umkehr des sündigen Menschen zu dem lebendigen Gott, als die Versetzung vom Reich der Finsternis in das Reich des Lichts, als die Entzündung des rettenden Glaubens an Jesus Christus ist ein Akt des Momentes, des Augenblicks. Aber es ist gut möglich, dass dem ein kürzerer oder längerer Wirkungsprozess des Heiligen Geistes durch das Wort voran geht, der diesen Moment vorbereitet. Das hängt auch davon ab, ob jemand in einem christlichen Elternhaus aufgewachsen ist und so vom unbewußten Kinderglauben zum bewußten Glauben kommt, was oft ein längerer Weg ist, oder ob jemand tief in die Sünde gefallen war und durch Gottes Wirken plötzlich umgekehrt wird. Letzterer kann auch eher den Moment als solchen (zeitmäßig) angeben, Ersterer weiß den Moment nicht so ohne weiteres, aber auch er kann die Tatsache angeben.

Welche Vorgänge führen zur Bekehrung? Wir unterscheiden zwischen dem voraufgehenden Akt, dem Bußkampf, mit Durchbruch der Buße und der Bekehrung selbst selbst, dem Durchbruch des Glaubens.

Wie kommt des zum Durchbruch der Buße? Das erweckende Wirken des Geistes durch das Wort führt zur Erkenntnis von Sünden, die Erleuchtung weiter zur Erkenntnis der Heiligkeit Gottes, der Ursachen der Sünde, nämlich der eigenen Sündenverdorbenheit, zur Erkenntnis, dass der Zorn Gottes und die Strafe berechtigt ist und damit zu tiefer Reue über das, was geschehen ist und wie man selbst ist und dann, in der Bekehrung, zum tiefen Bruch mit der Sünde selbst, zu einem Hass gegen die Sünde, eine Ablehnung der Sünde.

    Da der Kern der Sünde die Selbstgerechtigkeit ist und das Kreisen um sich selbst, so ist der Bruch mit der Sünde vor allem auch eine Abkehr vom Vertrauen auf sich selbst und muss führen zum alleinigen Vertrauen auf Christus. Dieser Bruch mit der Sünde ist keine Umschöpfung der Natur des Menschen, denn der alte Mensch bleibt bestehen (Römerbrief 7), bedeutet auch nicht, dass die Sünde nicht immer wieder lebendig werden könnte und anfechten, wohl aber, dass sie gefürchtet und bekämpft wird. Dieser Bruch mit der Sünde ist absolut notwendig; ohne ihn gibt es keine wirkliche Buße und damit keine wirkliche Bekehrung, Wiedergeburt. (Das steht im Hintergrund des Kampfes Jesu gegen die Pharisäer und ihre Art, die Selbstgerechtigkeit war.)

Was ist also im Blick auf den Durchbruch der Buße zu beachten? Der Durchbruch der Buße liegt da noch nicht vor, wo man zwar die eine oder andere Sünde erkannt hat und sich von ihr auch abwenden will, aber wo die abgrundtiefe Verdorbenheit und Verlorenheit vor Gott nicht erkannt wurde.

Ist der Bußkampf immer mit starken äußeren Begleiterscheinungen verbunden? Es ist keineswegs notwendig, dass der Bußkampf immer äußere Erschütterungen mit sich bringt. Das ist eher da der Fall, wo der Betreffende zuvor ein starker Sünder war. Immer aber ist der Bußkampf, auch bei dem, der vom unbewussten Kinderglauben zum bewussten Glauben kommt, mit inneren Schmerzen verbunden, denn es geht um das Sterben des alten Menschen.

Wie kommt es zum Durchbruch des Glaubens? Der Heilige Geist stellt durch das Evangelium uns Jesus Christus als den wahren Gott und wahren Menschen vor Augen, der für uns in diese Welt gekommen ist, für uns gelitten hat und für uns am Kreuz starb und am dritten Tage wieder auferstand. Dies zu erkennen und für wahr zu halten gehört noch in den ersten Bereich von Erweckung und Erleuchtung. Die Erkenntnis wird dann tiefgehend und führt zum Glauben und damit zur Bekehrung, wo mit dem Bruch mit der Sünde und damit dem Vertrauen auf sich selbst wir nun das Vertrauen einzig und allein auf die Gnade in Jesus Christus setzen, Epheserbrief 2,8-10; Römerbrief 3,28, und uns somit einzig und allein auf diese fremde Gerechtigkeit außerhalb von uns verlasssen, eben diejenige, die Jesus Christus uns erworben hat. Damit ist Christus nun mein Leben, während in mir ja nur Tod ist; Christus ist meine Gerechtigkeit, Weisheit, Erlösung, Heiligung, Philipperbrief 1,21; 1. Korintherbrief 1,30. So allein kann ich Heilsgewissheit haben, wenn ich mein Heil einzig auf den Christus für mich, wie er mir durch Wort und Taufe geschenkt wird, gründe.

 

Was sind Bekehrung und Wiedergeburt also nicht? Bekehrung und Wiedergeburt stellen keine Veränderung der menschlichen Natur dar; sie sind ebensowenig eine Gerechtmachung oder Eingießung von göttlichen Kräften oder die Befähigung, nun dem Gebot Gottes zu gehorchen und dadurch das Heil zu erwerben. Es ist vielmehr so, wie wir es in der Rechtfertigung beschreiben, dass dem Sünder die Gerechtigkeit, die Christus uns erworben hat, zugerechnet wird. Der Glaube macht also nicht die Rechtfertigung, sondern er ergreift nur das, was Christus uns längst erworben hat – und das wird ihm gerechnet zur Gerechtigkeit; Römerbrief 3; 4.

Wie ist also die Stellung des rettenden Glaubens im Blick auf Bekehrung, Wiedergeburt, Rechtfertigung zu sehen? Der rettende Glaube ist keine verdienstliche Ursache, Bedingung oder Voraussetzung, die wir zu bringen hätten, sondern er ist die von Gott gewirkte Nehmehand, Epheserbrief 2,8-10. Der Glaube rechtfertigt also nicht als Werk, Tugend, Eigenschaft, nicht als sittliche Tat, auch nicht als „keimender Anfang der Erneuerung“, sondern nur instrumental und ist allem eigenen Werk entgegengesetzt, Römerbrief 3,28.

 

Wie haben wir die Wiedergeburt im Blick auf das gesamte Christenleben zu verstehen? Die Wiedergeburt ist der durch den dreieinigen Gott gewirkte Anfang eines neuen Lebens, das nun weiterer Pflege bedarf und entwickelt, entfaltet werden muss, s.a. Römerbrief 6; Epheserbrief 4; Kolosserbrief 3.

 

Welches sind die Mittel, durch die der Heilige Geist Bekehrung und Wiedergeburt bewirkt? Die Mittel sind die Gnadenmittel, nämlich das Wort Gottes allein, 1. Petrusbrief 1,23; oder das Wort Gottes verbunden mit dem Wasser, also die Taufe, Johannesevangelium 3,5; Epheserbrief 5,26; Titusbrief 3,5.

Warum gehen viele als Säuglinge Getaufte dennoch verloren? Dem wiedergebärenden Handeln des Heiligen Geistes kann von allen, an denen er wirkt, auch Erwachsenen, weniger Kindern, eigentlich nicht bei Säuglingen, widerstanden werden. Ebenso aber ist es möglich, dass wir die Sünde wieder lieb gewinnen und so aus der Taufgnade fallen, die Wiedergeburt verlieren; der Mensch kann sich auch einer Erneuerung der Wiedergeburt widersetzen.

Muss also auch der als Säugling schon getaufte Mensch noch bekehrt werden? Nicht jeder, der als Säugling getauft wurde, fällt von der Gnade wieder ab. Deshalb ist nicht in jedem Fall die Wiedergeburt zu erneuern. Aber jeder, auch der als Säugling Getaufte, muss zum klaren Durchbruch der Sündenerkenntnis und damit Buße kommen und zum Durchbruch der Gnadenerkenntnis Christi, also dem bewussten Glauben an Christus, zum persönlichen bewussten Aneignen dessen, was ihm im Evangelium durch Taufe und Wort geschenkt wurde.

Sind also Bekehrung und Wiedergeburt notwendig? Ja, Bekehrung und Wiedergeburt sind absolut notwendig. Ohne sie kann niemand in das Reich Gottes kommen. Es ist aber nicht nur notwendig, einmal Bekehrung und Wiedergeburt in seinem Leben gehabt zu haben, sondern auch durch tägliche Buße und Glauben darin zu verharren. Das heißt: Es ist notwendig, dass wir außer der Haupt- oder Grundbekehrung nun in täglicher Bekehrung oder Buße stehen, also täglich unsere Sünden erkennen, auch täglich die Erkenntnis unserer Verlorenheit bestärkt und vertieft wird, und wir täglich neu die Vergebung Christi ergreifen und uns ihm neu hingeben. Wir stehen damit als solche, die mit Christus in der Taufe grundsätzlich gestorben sind, in einem täglichen Sterben, in dem wir das täglich leben, was wir haben.

Was muss also jeder Mensch wissen? Jeder Mensch muss für sich Gewissheit haben, ob er bekehrt und wiedergeboren ist oder nicht.

Wozu führen echte Bekehrung, Wiedergeburt? Echte Bekehrung und Wiedergeburt führen zur Heiligung, das ist, zur völligen Willensübergabe an Jesus Christus. HERR IST CHRISTUS ist das Grundbekenntnis schon der frühen Kirche gewesen und muss es in jedem Christenleben sein. Es ist das der immer wieder zu vollziehende Bruch mit aller Eigengerechtigkeit, aller Zuversicht auf das eigene Ich, allem Eigenwillen und Eigenleben, ist eine immer neue Zuversicht auf Christus allein und Hingabe an seine Führung. Dies führt zu einer neuen Richtung des Willens, nämlich nichts anderes zu wollen als das, was Christus will. Das ist aber in diesem Leben alles nur bruchstückhaft vorhanden, weshalb wir auch darüber ständiger Buße und Vergebung bedürfen. S. Römerbrief 6; Epheserbrief 4; Kolosserbrief 3; Hebräerbrief 13,9.

    Dass es dazu führt, das hat seine Ursache darin, dass, wenn ein Mensch durch Gottes Gnade ein Christ wird, er nicht nur seine Sünde ab- und die Tugend anlegt, sondern er ein ganz anderer, ein neuer Mensch wird (2. Korintherbrief 5,16). Er bekommt ein anderes Herz, einen anderen Mut und Sinn und andere Kräfte. Das Christentum ist etwas Ganzes. Es besteht nicht darin, dass man eine Anzahl guter Werke tut. Es besteht nicht allein in einem ehrbaren Wandel, sondern in einer neuen göttlichen Gesinnung. Es ist eine Veränderung des ganzen Menschen in seinen Gedanken, Begierden, Worten und Werken.

 

Wann hat eine echte Bekehrung gar nicht stattgefunden, sondern die Menschen machen sich etwas vor mit ungenügender Bekehrung? Eine Scheinbekehrung liegt da vor, wo das Innerste des Sinnes nicht geändert wurde, wo der Bruch mit der Selbstgenugsamkeit und damit der Anschluss an die Gnadengerechtigkeit, an Christus, nicht entschieden eingetreten ist.

    Das ist der Fall, wo man sich letztlich auf seine eigene Gläubigkeit und Frömmigkeit verlässt (siehe Jakob in seiner Jugend); das ist auch da der Fall, wo der Mensch meint, durch eine „eingegossene Gnade“ befähigt zu sein, nun selbst die Gebote Gottes zu halten und so an seiner schließlichen Rettung mitwzuwirken (römisch-katholisch); die Gefahr ist aber auch überall da, wo die Sakramente und die Gnadenmittel überhaupt eigentlich geleugnet werden und man so zu einem unmittelbaren Wirken des Geistes kommt und dessen Vorhandensein dann festmachen will durch Gefühle, neue Lebensgerechtigkeit, Zeichen, Wunder. Ein Kennzeichen ist eine einseitige, falsche Betonung der Lebensgerechtigkeit, was zu Gesetzlichkeit führt.

    Der ist auch noch nicht wirklich bekehrt, der eine offenbare, mutwillige Sünde begeht und sie nicht eingestehen will oder sonst eine begangene Sünde leugnet; wer unversöhnlich ist; wer im Handel mit Wissen und Willen jemanden betrügt.

 

 

Zeugnis der Bekenntnisse:

Kurze Darlegung der Lehrstellung aus dem Jahr 1932:

 

7. Von der Bekehrung

10. Wir lehren, daß die Bekehrung darin besteht, daß der Mensch, nachdem er sich aus dem Gesetz Gottes als einen verdammungswürdigen Sünder erkannt hat, zum Glauben an das Evangelium kommt, das ihm um Christi stellvertretender Genugtuung willen Vergebung der Sünden und die Seligkeit zusagt, Apost. 11, 21; Luk. 24, 46. 47; Apost. 26,18.

11. Weil nach dem Sündenfall alle Menschen in Sünden tot, Eph. 2,1-3, und nur zum Bösen geneigt sind, 1 Mose 6, 5; 8, 21; Röm. 8, 7, und sonderlich das Evangelium von dem für die Sünden der Welt gekreuzigten Christus für eine Torheit halten, 1 Kor. 2,14, so ist der Glaube an das Evangelium oder die Bekehrung zu Gott weder ganz noch zum geringsten Teil ein Werk des Menschen, sondern ein Werk der göttlichen Gnade und Allmacht allein, Phil. 1, 29; Eph. 2,8; 1, 19;   Jer. 31, 18. Die Schrift nennt daher den Glauben des Menschen oder seine Bekehrung auch eine Erweckung von den Toten, Eph. 1, 20; Kol. 2,12, eine Geburt aus Gott, Joh. 1, 12.13, eine Neugeburt aus dem Evangelium, 1 Petr. 1, 23 25, eine Wirkung Gottes wie die Erschaffung des Lichts bei der Erschaffung der Welt, 2 Kor. 4, 6.

12. Auf Grund dieser klaren Aussagen der Heiligen Schrift verwerfen wir jeden Synergismus, nämlich die Lehre, daß die Bekehrung nicht allein durch Gottes Gnade und Macht, sondern auch zum Teil durch des Menschen Mitwirkung zustande komme, nämlich durch des Menschen rechtes Verhalten, seine rechte Selbstentscheidung oder Selbstbestimmung, seine geringere Schuld oder sein weniger übles Verhalten im Vergleich mit andern Menschen seine Unterlassung des mutwilligen Widerstrebens und anderes, wodurch des Menschen Bekehrung und Seligkeit aus Gottes Gnadenhand genommen und in des Menschen Tun oder Lassen gestellt wird. Denn auch das Unterlassen des mutwilligen oder irgendwelchen   Widerstrebens gegen die bekehrende Wirkung des Heiligen Geistes ist allein ein Werk der Gnade, die "aus Unwilligen Willige macht", Hesek. 36, 26; Phil. 2, 13. Wir verwerfen auch die Lehre, daß der Mensch sich vermittels "geschenkter Gnadenkräfte' für die Bekehrung entscheide, weil dieser Lehre die Meinung zugrunde liegt, daß der Mensch vor seiner Bekehrung noch gute Kräfte habe, vermöge deren er mitgeteilte Kräfte gut gebrauchen könne.

13. Andererseits verwerfen wir in der Lehre von der Bekehrung auch den Calvinismus, das ist, die Lehre, daß Gott nicht alle Hörer des Wortes, sondern nur einen Teil derselben bekehren und selig machen wolle. Denn daß viele Hörer des Wortes nicht bekehrt und selig werden, kommt nicht daher, daß Gott nicht auch sie ernstlich bekehren und selig machen wollte, sondern lediglich daher, daß sie der Gnadenwirksamkeit des Heiligen Geistes hartnäckig widerstreben, wie die Schrift klar lehrt Apost. 7,51; Matth. 23, 37; Apost. 13, 46.

14. Was die Frage betrifft, woher es komme, daß nicht alle Menschen bekehrt und selig werden, weil doch die Gnade Gottes allgemein ist und alle Menschen in dem gleichen gänzlichen Verderben liegen, so bekennen wir, daß wir diese Frage nicht beantworten können, sondern aus der Schrift nur so viel wissen: daß Menschen bekehrt und selig werden, haben sie nicht ihrer geringeren Schuld oder ihrem besseren Verhalten, sondern allein der Gnade Gottes zu verdanken; daß aber Menschen unbekehrt bleiben, ist ihre eigene Schuld, nämlich die Folge ihres hartnäckigen Widerstrebens gegen die bekehrende Wirkung des Heiligen Geistes, Hos. 13,9.

15. Unsere Weigerung, über diese zwei in der Schrift geoffenbarten Wahrheiten hinauszugehen, ist nicht "verdeckter Calvinismus" ("Cryptocalvinismus"), sondern genau die schriftgemäße Lehre der lutherischen Kirche, wie sie in der Konkordienformel ausführlich dargelegt wird, wenn sie sagt (Trigtotta, S. 1080, § 57 59. 60 b. 62. 63; Müller, S.716f.): "Einer wird verstockt, verblendet, in verkehrten Sinn gegeben, ein anderer, so wohl in gleicher Schuld, wird wiederum bekehrt usw.: in diesen und dergleichen Fragen setzt uns Paulus ein gewisses Ziel, wie fern wir gehen sollen, nämlich daß wir bei einem Teil erkennen sollen Gottes Gericht. Denn es sind wohlverdiente Strafen der Sünden, wenn Gott an einem Lande oder Volk die Verachtung seines Wortes also straft, daß es auch über die Nachkommen geht, wie an den Juden zu sehen; dadurch Gott den Seinen an etlichen Landen und Personen seinen Ernst zeigt, was wir alle wohl verdient hätten, würdig und wert wären, weil wir uns gegen Gottes Wort übel verhalten und den Heiligen Geist oft schwerlich betrüben, auf daß wir in Gottesfurcht leben und Gottes Güte ohne und wider unser Verdienst an und bei uns, denen er sein Wort gibt und läßt, die er nicht verstockt und verwirft, erkennen und preisen.... Und solch sein gerechtes und wohlverdientes Gericht läßt er schauen an etlichen Ländern, Völkern und Personen, auf daß wir, wenn wir gegen ihnen gehalten und mit ihnen verglichen (quam simillimi illis deprehensi, das heißt, ihnen völlig gleich erfunden), desto fleißiger Gottes lautere, unverdiente Gnade an den Gefäßen der Barmherzigkeit erkennen und preisen lernen. . . Wenn wir so fern in diesem Artikel geben, so bleiben wir auf der rechten Bahn, wie geschrieben steht Hos. 13: 'Israel, daß du verdirbest, die Schuld ist dein; daß dir aber geholfen wird, das ist lauter meine Gnade.' Was aber in dieser Disputation zu hoch und aus diesen Schranken laufen will, da sollen wir mit Paulo den Finger auf den Mund legen, gedenken und sagen: 'Wer bist du, Mensch, der du mit Gott rechten willst?"' Die Konkordienformel beschreibt das Geheimnis, das uns hier entgegentritt, nicht als ein Geheimnis im Herzen des Menschen ("psychologisches" Geheimnis), sondern lehrt, daß wir bei der Tatsache: "Einer wird verstockt, verblendet, in verkehrten Sinn gegeben, ein anderer, so wohl in gleicher Schuld, wird wiederum bekehrt" das Gebiet der unbegreiflichen Gerichte und unerforschlichen Wege Gottes betreten, die er uns in seinem Wort nicht geoffenbart hat, die wir aber im ewigen Leben erkennen werden, 1 Kor. 13, 12.

16. Die Calvinisten lösen dieses Geheimnis, das Gott in seinem Wort nicht geoffenbart hat, durch Leugnung der allgemeinen Gnade, die Synergisten durch Leugnung des "Allein aus Gnaden'. Beides sind ganz erschreckliche Lösungen, weil sie der Schrift widersprechen und jeder arme Sünder sowohl die uneingeschränkte allgemeine Gnade als auch die uneingeschränkte alleinige Gnade notwendig braucht, wenn er nicht in Verzweiflung umkommen soll.

 

 

IV. RECHTFERTIGUNG UND HEILSGEWISSHEIT

 

Bibelstellen:

Römerbrief 3,19-31: Wir wissen aber, daß, was das Gesetz sagt, das sagt es denen, die unter dem Gesetz sind, auf daß aller Mund verstopft werde und alle Welt Gott schuldig sei;  darum daß kein Fleisch durch des Gesetzes Werke vor ihm gerecht sein kann; denn durch das Gesetz kommt Erkenntnis der Sünde.  Nun aber ist ohne Zutun des Gesetzes die Gerechtigkeit, die vor Gott gilt, offenbart und bezeugt durch das Gesetz und die Propheten.  Ich sage aber von solcher Gerechtigkeit vor Gott, die da kommt durch den Glauben an Jesum Christum zu allen und auf alle, die da glauben.  Denn es ist hier kein Unterschied: sie sind allzumal Sünder und mangeln des Ruhmes, den sie bei Gott haben sollten,  und werden ohne Verdienst gerecht aus seiner Gnade durch die Erlösung, so durch Jesum Christum geschehen ist,  welchen Gott hat vorgestellt zu einem Gnadenstuhl durch den Glauben in seinem Blut, damit er die Gerechtigkeit, die vor ihm gilt, darbiete in dem, daß er Sünde vergibt, welche bisher geblieben war unter göttlicher Geduld;  auf daß er zu diesen Zeiten darböte die Gerechtigkeit, die vor ihm gilt; auf daß er allein gerecht sei und gerecht mache den, der da ist des Glaubens an Jesum.  Wo bleibt nun der Ruhm? Er ist ausgeschlossen. Durch das Gesetz? Durch der Werke Gesetz? Nicht also, sondern durch des Glaubens Gesetz.  So halten wir nun dafür, daß der Mensch gerecht werde ohne des Gesetzes Werke, allein durch den Glauben.  Oder ist Gott allein der Juden Gott? Ist er nicht auch der Heiden Gott? Ja freilich, auch der Heiden Gott.  Sintemal es ist ein einiger Gott, der da gerecht macht die Beschnittenen aus dem Glauben und die Unbeschnittenen durch den Glauben.  Wie? Heben wir denn das Gesetz auf durch den Glauben? Das sei ferne! sondern wir richten das Gesetz auf.

Römerbrief 4,1-17.23-25: Was sagen wir denn von unserm Vater Abraham, daß er gefunden habe nach dem Fleisch?  Das sagen wir: Ist Abraham durch die Werke gerecht, so hat er wohl Ruhm, aber nicht vor Gott.  Was sagt denn die Schrift? "Abraham hat Gott geglaubt, und das ist ihm zur Gerechtigkeit gerechnet."  Dem aber, der mit Werken umgeht, wird der Lohn nicht aus Gnade zugerechnet, sondern aus Pflicht.  Dem aber, der nicht mit Werken umgeht, glaubt aber an den, der die Gottlosen gerecht macht, dem wird sein Glaube gerechnet zur Gerechtigkeit.  Nach welcher Weise auch David sagt, daß die Seligkeit sei allein des Menschen, welchem Gott zurechnet die Gerechtigkeit ohne Zutun der Werke, da er spricht:  "Selig sind die, welchen ihre Ungerechtigkeiten vergeben sind und welchen ihre Sünden bedeckt sind!  Selig ist der Mann, welchem Gott die Sünde nicht zurechnet!"  Nun diese Seligkeit, geht sie über die Beschnittenen oder auch über die Unbeschnittenen? Wir müssen ja sagen, daß Abraham sei sein Glaube zur Gerechtigkeit gerechnet.  Wie ist er ihm denn zugerechnet? Als er beschnitten oder als er unbeschnitten war? Nicht, als er beschnitten, sondern als er unbeschnitten war.  Das Zeichen der Beschneidung empfing er zum Siegel der Gerechtigkeit des Glaubens, welchen er hatte, als er noch nicht beschnitten war, auf daß er würde ein Vater aller, die da glauben und nicht beschnitten sind, daß ihnen solches auch gerechnet werde zur Gerechtigkeit;  und würde auch ein Vater der Beschneidung, derer, die nicht allein beschnitten sind, sondern auch wandeln in den Fußtapfen des Glaubens, welcher war in unserm Vater Abraham, als er noch unbeschnitten war.  Denn die Verheißung, daß er sollte sein der Welt Erbe, ist nicht geschehen Abraham oder seinem Samen durchs Gesetz, sondern durch die Gerechtigkeit des Glaubens.  Denn wo die vom Gesetz Erben sind, so ist der Glaube nichts, und die Verheißung ist abgetan.  Sintemal das Gesetz nur Zorn anrichtet; denn wo das Gesetz nicht ist, da ist auch keine Übertretung.  Derhalben muß die Gerechtigkeit durch den Glauben kommen, auf daß sie sei aus Gnaden und die Verheißung fest bleibe allem Samen, nicht dem allein, der unter dem Gesetz ist, sondern auch dem, der des Glaubens Abrahams ist, welcher ist unser aller Vater  (wie geschrieben steht: "Ich habe dich gesetzt zum Vater vieler Völker") vor Gott, dem er geglaubt hat, der da lebendig macht die Toten und ruft dem, was nicht ist, daß es sei. ... Das ist aber nicht geschrieben allein um seinetwillen, daß es ihm zugerechnet ist,  sondern auch um unsertwillen, welchen es zugerechnet werden soll, so wir glauben an den, der unsern HERRN Jesus auferweckt hat von den Toten,  welcher ist um unsrer Sünden willen dahingegeben und um unsrer Gerechtigkeit willen auferweckt.

2. Korintherbrief 5,17-21: Darum, ist jemand in Christo, so ist er eine neue Kreatur; das Alte ist vergangen, siehe, es ist alles neu geworden!  Aber das alles von Gott, der uns mit ihm selber versöhnt hat durch Jesum Christum und das Amt gegeben, das die Versöhnung predigt.  Denn Gott war in Christo und versöhnte die Welt mit ihm selber und rechnete ihnen ihre Sünden nicht zu und hat unter uns aufgerichtet das Wort von der Versöhnung.  So sind wir nun Botschafter an Christi Statt, denn Gott vermahnt durch uns; so bitten wir nun an Christi Statt: Lasset euch versöhnen mit Gott.  Denn er hat den, der von keiner Sünde wußte, für uns zur Sünde gemacht, auf daß wir würden in ihm die Gerechtigkeit, die vor Gott gilt.

Philipperbrief 3,1-11: Weiter, liebe Brüder, freuet euch in dem HERRN! Daß ich euch immer einerlei schreibe, verdrießt mich nicht und macht euch desto gewisser.  Sehet auf die Hunde, sehet auf die bösen Arbeiter, sehet auf die Zerschneidung!  Denn wir sind die Beschneidung, die wir Gott im Geiste dienen und rühmen uns von Christo Jesu und verlassen uns nicht auf Fleisch,  wiewohl ich auch habe, daß ich mich Fleisches rühmen könnte. So ein anderer sich dünken läßt, er könnte sich Fleisches rühmen, ich könnte es viel mehr:  der ich am achten Tag beschnitten bin, einer aus dem Volk von Israel, des Geschlechts Benjamin, ein Hebräer von Hebräern und nach dem Gesetz ein Pharisäer,  nach dem Eifer ein Verfolger der Gemeinde, nach der Gerechtigkeit im Gesetz gewesen unsträflich.  Aber was mir Gewinn war, das habe ich um Christi willen für Schaden geachtet.  Ja, ich achte es noch alles für Schaden gegen die überschwengliche Erkenntnis Christi Jesu, meines HERRN, um welches willen ich alles habe für Schaden gerechnet, und achte es für Kot, auf daß ich Christum gewinne  und in ihm erfunden werde, daß ich nicht habe meine Gerechtigkeit, die aus dem Gesetz, sondern die durch den Glauben an Christum kommt, nämlich die Gerechtigkeit, die von Gott dem Glauben zugerechnet wird,  zu erkennen ihn und die Kraft seiner Auferstehung und die Gemeinschaft seiner Leiden, daß ich seinem Tode ähnlich werde,  damit ich gelange zur Auferstehung der Toten.

Römerbrief 5,1-11.12-21: Nun wir denn sind gerecht geworden durch den Glauben, so haben wir Frieden mit Gott durch unsern HERRN Jesus Christus,  durch welchen wir auch den Zugang haben im Glauben zu dieser Gnade, darin wir stehen, und rühmen uns der Hoffnung der zukünftigen Herrlichkeit, die Gott geben soll.  Nicht allein aber das, sondern wir rühmen uns auch der Trübsale, dieweil wir wissen, daß Trübsal Geduld bringt;  Geduld aber bringt Erfahrung; Erfahrung aber bringt Hoffnung;  Hoffnung aber läßt nicht zu Schanden werden. Denn die Liebe Gottes ist ausgegossen in unser Herz durch den heiligen Geist, welcher uns gegeben ist.  Denn auch Christus, da wir noch schwach waren nach der Zeit, ist für uns Gottlose gestorben.  Nun stirbt kaum jemand um eines Gerechten willen; um des Guten willen dürfte vielleicht jemand sterben.  Darum preiset Gott seine Liebe gegen uns, daß Christus für uns gestorben ist, da wir noch Sünder waren.  So werden wir ja viel mehr durch ihn bewahrt werden vor dem Zorn, nachdem wir durch sein Blut gerecht geworden sind.  Denn so wir Gott versöhnt sind durch den Tod seines Sohnes, da wir noch Feinde waren, viel mehr werden wir selig werden durch sein Leben, so wir nun versöhnt sind.  Nicht allein aber das, sondern wir rühmen uns auch Gottes durch unsern HERRN Jesus Christus, durch welchen wir nun die Versöhnung empfangen haben.  Derhalben, wie durch einen Menschen die Sünde ist gekommen in die Welt und der Tod durch die Sünde, und ist also der Tod zu allen Menschen durchgedrungen, dieweil sie alle gesündigt haben;  denn die Sünde war wohl in der Welt bis auf das Gesetz; aber wo kein Gesetz ist, da achtet man der Sünde nicht.  Doch herrschte der Tod von Adam an bis auf Moses auch über die, die nicht gesündigt haben mit gleicher Übertretung wie Adam, welcher ist ein Bild des, der zukünftig war.  Aber nicht verhält sich's mit der Gabe wie mit der Sünde. Denn so an eines Sünde viele gestorben sind, so ist viel mehr Gottes Gnade und Gabe vielen reichlich widerfahren durch die Gnade des einen Menschen Jesus Christus.  Und nicht ist die Gabe allein über eine Sünde, wie durch des einen Sünders eine Sünde alles Verderben. Denn das Urteil ist gekommen aus einer Sünde zur Verdammnis; die Gabe aber hilft auch aus vielen Sünden zur Gerechtigkeit.  Denn so um des einen Sünde willen der Tod geherrscht hat durch den einen, viel mehr werden die, so da empfangen die Fülle der Gnade und der Gabe zur Gerechtigkeit, herrschen im Leben durch einen, Jesum Christum.  Wie nun durch eines Sünde die Verdammnis über alle Menschen gekommen ist, so ist auch durch eines Gerechtigkeit die Rechtfertigung des Lebens über alle Menschen gekommen.  Denn gleichwie durch eines Menschen Ungehorsam viele Sünder geworden sind, also auch durch eines Gehorsam werden viele Gerechte.  Das Gesetz aber ist neben eingekommen, auf daß die Sünde mächtiger würde. Wo aber die Sünde mächtig geworden ist, da ist doch die Gnade viel mächtiger geworden,  auf daß, gleichwie die Sünde geherrscht hat zum Tode, also auch herrsche die Gnade durch die Gerechtigkeit zum ewigen Leben durch Jesum Christum, unsern HERRN.

1. Johannesbrief 5,12: Wer den Sohn Gottes hat, der hat das Leben; wer den Sohn Gottes nicht hat, der hat das Leben nicht.

Römerbrief 8,31-39: Was wollen wir nun hierzu sagen? Ist Gott für uns, wer mag wider uns sein?  welcher auch seines eigenen Sohnes nicht hat verschont, sondern hat ihn für uns alle dahingegeben; wie sollte er uns mit ihm nicht alles schenken?  Wer will die Auserwählten Gottes beschuldigen? Gott ist hier, der da gerecht macht.  Wer will verdammen? Christus ist hier, der gestorben ist, ja vielmehr, der auch auferweckt ist, welcher ist zur Rechten Gottes und vertritt uns.  Wer will uns scheiden von der Liebe Gottes? Trübsal oder Angst oder Verfolgung oder Hunger oder Blöße oder Fährlichkeit oder Schwert?  wie geschrieben steht: "Um deinetwillen werden wir getötet den ganzen Tag; wir sind geachtet wie Schlachtschafe."  Aber in dem allem überwinden wir weit um deswillen, der uns geliebt hat.  Denn ich bin gewiß, daß weder Tod noch Leben, weder Engel noch Fürstentümer noch Gewalten, weder Gegenwärtiges noch Zukünftiges,  weder Hohes noch Tiefes noch keine andere Kreatur mag uns scheiden von der Liebe Gottes, die in Christo Jesu ist, unserm HERRN.

 

Was ist „Rechtfertigung“? Rechtfertigung beschreibt den richterlichen Akt Gottes, durch den er allein aus freier Gnade, allein um Christi Verdienst willen, ohne irgendein Verdienst oder Voraussetzung des Menschen, der ja tatsächlich Sünder, schuldig ist und der ewigen Strafe verfallen, eben diesen Menschen freispricht, für gerecht erklärt, dem Glauben die durch Christi Gehorsam, Leiden und Sterben erworbene Gerechtigkeit zurechnet. Psalm 32; Römerbrief 4.

Warum brauchen wir die Rechtfertigung? Wir brauchen die Rechtfertigung, weil wir alle abgrundtief verdorbene und damit verlorene Sünder sind, Römerbrief 3,10-20, und unsere Schuld bei Gott niemals bezahlen könnten, Matthäusevangelium 18,23 ff., wir Gott gar nichts bringen können. Würde Gott uns unsere Sünde zurechnen, so könnten wir vor ihm nicht bestehen, Psalm 130,3. Weil wir Gottes Gebote übertreten haben, damit gegen ihn gesündigt, an ihm schuldig geworden sind, so kann uns nur Gott unsere Sünde vergeben und die Schuld erlassen.

Was ist also die Quelle unserer Rechtfertigung? Die Quelle unserer Rechtfertigung ist Gottes Gnade und Liebe, die sich in Jesus Christus uns offenbart, Johannesevangelium 3,16; 1. Johannesbrief 4,9.10; Epheserbrief 1,7.

Was ist der Grund, der unsere Rechtfertigung bewirkt? Der Grund liegt allein in Christi stellvertretendem Gehorsam, Leiden und Sterben für uns, Prophet Jesaja 53,4-6; Römerbrief 5,6.8.10.18-19. Dadurch hat Christus die Sünde und Schuld aller Menschen aller Zeiten und Gegenden auf sich genommen und die Strafe getragen und so Gott mit der Welt versöhnt, Johannesevanglium 1,29; 2. Korintherbrief 5,17-21.

Wodurch wird uns die Rechtfertigung zugeeignet? Die Rechtfertigung wird uns angeboten, dargereicht, zugeeignet allein durch die Gnadenmittel, nämlich das Evangelium in Wort, Taufe und Abendmahl, durch die der Heilige Geist auch das Empfangselement, den rettenden Glauben, wirkt. Johannesevangelium 3,3.5; Titusbrief 3,5; Epheserbrief 5,25.26; 1. Petrusbrief 1,23; Epheserbrief 2,8-9.

Wodurch empfangen wir die Rechtfertigung? Wir empfangen und haben die Rechtfertigung nicht durch die Erfüllung irgendwelcher Voraussetzungen, Bedingungen, durch das Erbringen irgendeines Verdienstes, sondern allein durch den Glauben an Jesus Christus als dem Heiland der Welt; Römerbrief 3,21-28; Galaterbrief 2,16; Epheserbrief 2,8-9.

In wiefern also rechtfertigt der Glaube? Der Glaube rechtfertigt nicht als ein Werk, nicht als eine Tugend, nicht als eine Kraft, nicht als etwas, das dann gute Werke hervorbringt, also nicht als eine Qualität, sondern allein als Empfangsinstrument (Nehmehand), welches das Heil ergreift, Römerbrief 3,28; Galaterbrief 2,16; Epheserbrief 2,8-9.

Um was für eine Gerechtigkeit handelt es sich also in der Rechtfertigung? Es ist die ‚Gerechtigkeit Gottes’ oder die ‚Gerechtigkeit, die vor Gott gilt’ nicht etwas in uns, auch nicht etwas, das wir erarbeiten oder an dem wir irgendwie mitwirken, nicht etwas, das wir von uns Gott vorzeigen können, sondern diese Gerechtigkeit ist eine fremde Gerechtigkeit, die außerhalb von uns liegt, nämlich die Gerechtigkeit Christi, die er uns durch seinen Gehorsam, Leiden und Sterben erworben hat, die also unabhängig von unserem Glauben schon existiert, seit Ostern öffentlich proklamiert ist und bereit, Gottes Amnestie-Erklärung für eine Welt von Sündern aufgrund des Gehorsams Christi, den Gott als Versöhnung der Welt mit ihm angenommen hat (allgemeine Rechtfertigung) und die der Glaube ergreift (persönliche Rechtfertigung). Der Glaube macht also nicht die Rechtfertigung, er ergreift sie nur.

Was haben wir also unter „Rechtfertigung“ zu verstehen? Rechtfertigung ist die Vergebung der Sünden und Erlass aller Strafen allein aus Gnaden, allein um Christi willen, Römerbrief 4,7; 3,25; 2. Korintherbrief 5,19, ist die Zurechnung der fremden Gerechtigkeit, nämlich der Gerechtigkeit Christi, Römerbrief 4,5; 5,9.18; 2. Korintherbrief 5,21; Galaterbrief 3,6; Philipperbrief 3,9, womit Gott den Gottlosen für gerecht erklärt, Römerbrief 4,5.

Welche Sünden vergibt Gott in der Rechtfertigung? Gott vergibt nicht nur etliche Sünden, sondern alle, Psalm 103,2.3, sie seien groß oder klein, in Gedanken, Worten oder Werken begangen, in der Tat oder in der Unterlassung.

Was ist die Wirkung oder Folge der Rechtfertigung? Die Wirkung der Rechtfertigung (und nicht ihre Voraussetzung, wie die Reformierten unter Betonung des Subjektiven behaupten) ist der Eintritt in den Gnadenstand, die wiederhergestellte Gemeinschaft mit Gott, der Friede mit Gott, Römerbrief 5,1, das gute Gewissen, Apostelgeschichte 15,9; Hebräerbrief 9,14, die Freude an Gott und nicht mehr an der Welt und ihrer Lust, Psalm 18,2; 37,4; 84,3, das neue Leben, Römerbrief 5,5; Jakobusbrief 2,17.

Was beschreibt die „allgemeine Rechtfertigung“? In Christi Leiden und Sterben sind alle Sünden aller Menschen gestraft worden – mit Christi Auferweckung sind damit alle Sünder von Gott in und mit Christus absolviert, Römerbrief 4,25. In der Auferweckung Christi erklärt Gott, dass er in Christus wieder unser Vater ist, dass er mit der sündigen Welt versöhnt ist und die Sünde nicht zurechnet, 2. Korintherbrief 5,17-21. In Christus ist also die Rechtfertigung für alle Menschen da (aber sie sind damit noch nicht persönlich gerechtfertigt).

Was beschreibt die „persönliche Rechtfertigung“? Durch das Evangelium in Wort, Taufe, Abendmahl, Absolution, Segen wird wiederholt und dem Einzelnen angeboten, dargereicht, ausgeteilt und zugeeignet, was Gott in der Auferweckung Christi proklamiert hat. Die Gnadenmittel geben also die Ostergabe, die allen Menschen erworben wurde (allgemeine Rechtfertigung), dem Einzelnen, der dann in Buße im Glauben ergreift, dass Christus auch um seiner Sünden willen gestorben ist und auch ihm die Sünden nun vergeben sind (persönliche Rechtfertigung).

Wie ist also Rechtfertigung nicht zu verstehen? Rechtfertigung ist nicht Gerechtmachung, nicht Eingießung einer Gnade, um nun in Gottes Wegen zu gehen und so in den Himmel zu kommen; Rechtfertigung ist nicht die Entfaltung eines vorhandenen oder eingegossenen ‚geistlichen Potentials’; Rechtfertigung ist auch nicht die Folge einer Vereinigung mit Christus; Rechtfertigung ist auch nicht ein Prozess, in dessen Verlauf es zu einem Mehren der Rechtfertigung kommen müsse; der Glaube in der Rechtfertigung meint nicht einen Gehorsamsakt gegenüber Gottes Wort; es wäre auch falsch zu behaupten, es würden nicht alle Strafen weggenommen. Rechtfertigung darf nicht gleichgesetzt werden mit der Erneuerung; Rechtfertigung ist auch nicht der Zuspruch an jemanden, der es verdient hat.

 

Kann ein Christ seines Heils gewiss sein? Ja, denn sein Heil ist nicht in ihm selbst gegründet, sondern allein in Jesus Christus und seinem Verdienst für uns. Wer sich also im Glauben an Jesus Christus hält, der hat die Vergebung der Sünden und darf gewiss sein, dass er nicht mehr verdammt werden kann, Römerbrief 8,31-39, denn so sagt es uns Gott in seinem Wort zu, daran dürfen und sollen wir uns halten, Psalm 33,4.

Was dürfen wir dabei auch wissen? Gott hat uns zugesagt, dass er das gute Werk, das er angefangen hat, auch vollenden wird, er bewahrt uns also im Glauben zur ewigen Seligkeit, Philipperbrief 1,6; 1. Petrusbrief 1,5.

 

 

Zeugnis aus den Bekenntnissen:

Augsburgisches Bekenntnis:

 

Artikel 4.

Von der Rechtfertigung

 

    Weiter wird gelehrt, daß wir Vergebung der Sünden und Gerechtigkeit vor Gott nicht erlangen mögen durch unser Verdienst, Werk und Genugtun, sondern daß wir Vergebung der Sünden bekommen und vor Gott gerecht werden aus Gnaden um Christus willen durch den Glauben, so wir glauben, daß Christus für uns gelitten hat, und daß uns um seinetwillen die Sünden vergeben, Gerechtigkeit und ewiges Leben geschenkt wird. Denn diesen Glauben will Gott für Gerechtigkeit vor ihm halten und zurechnen, wie St. Paulus sagt zu den Römern im 3. und 4. Kapitel.

 

 

Schmalkaldische Artikel:

 

II. Teil

1. Artikel

 

    Dass Jesus Christus, user Gott und Herr, sei um unserer Sünden willen gestorben und um unserer Gerechtigkeit willen auferstanden. Röm. 4.

    Und er allein das Lamm Gottes ist, das der Welt Sünde trägt, Joh. 1. Und Gott unser aller Sünde auf ihn gelegt hat. Jes. 53.

    Ebenso: Sie sind allzumal Sünder und werden ohne Verdienst gerecht aus seiner Gnade durch die Erlösung Jesu Christi in seinem Blut usw. Röm. 3.

    Dieweil nun solches muss geglaubt werden und sonst mit keinem Werk, Gesetz noch Verdienst kann erlangt oder gefasst werden, so ist es klar und gewiss, dass allein solcher Glaube uns gerecht mache; wie Röm. 3 St. Paulus spricht: Wir halten, dass der Mensch gerecht werde ohne Werke des Gesetzes durch den Glauben; ebenso: auf dass er allein gerecht sei und gerecht mache den, der da ist des Glaubens an Jesus.

    Von diesem Artikel kann man nichts weichen oder nachgeben, es falle Himmel und Erde oder was nicht bleiben will. Denn es ist kein anderer Name den Menschen gegeben, dadurch wir können selig werden, spricht Petrus Apg. 4; und durch sseine Wunden sind wir geheilt, Jes. 53. Und auf diesem Artikel stehet alles, das wir gegen den Papst, Teufel und Welt lehren und leben. Darum müssen wir des gar gewiss sein und nicht zweifeln, sonst ist es alles verloren und behält Papst und Teufel und alles gegen uns den Sieg und Recht.

 

 

 

 

III. Teil

13. Artikel. Wie man vor Gott gerecht wird, und von guten Werken

 

    Was ich davon bisher und stetig gelehrt habe, das weiß ich gar nicht zu ändern, nämlich dass wir durch den Glauben (wie St. Petrus sagt) ein anderes, neues, reines Herz kriegen, und Gott um Christus willen, unsers Mittlers, uns für ganz gerecht und heilig halten will und hält; ob wohl die Sünde im Fleisch noch nicht gar weg oder tot ist, so will er sie doch nicht rechnen noch wissen.

    Und auf solchen Glauben, Erneuerung und Vergebung der Sünden folgen dann gute Werke. Und was an demselben auch noch sündlich oder Mangel ist, soll nicht für Sünde oder Mangel gerechnet werden, eben um desselben Christus willen; sondern der Mensch soll ganz, beide nach der Person und seinen Werken, gerecht und heilig heißen und sein, aus lauter Gnade und Barmherzigkeit in Christus, über uns ausgeschüttet und ausgebreitet. Darum können wir nicht rühmen viel Verdienst unserer Werke, wo sie ohne Gnade und Barmherzigkeit angesehen werden, sondern wie geschrieben stehet 1. Kor. 1.: Wer sich rühmet, der rühme sich des Herrn, das ist, dass er einen gnädigen Gott hat; so ist’s alles gut. Sagen auch weiter, dass, wo gute Werke nicht folgen, so ist der Glaube falsch und nicht recht.

 

 

Kurze Darlegung der Lehrstellung aus dem Jahr 1932:

8. Von der Rechtfertigung

17. Was die Heilige Schrift von der Liebe Gottes zur Sünderwelt, von der Erlösung, die durch Christum geschehen ist, und von dein Glauben an Christum als der einzigen Weise, die Seligkeit zu erlangen, lehrt, das faßt, sie, wie in einer Summa, in der Lehre von der Rechtfertigung zusammen. Die Schrift lehrt nämlich, daß Gott die ganze Welt in Christo bereits für gerecht erklärt hat, Röm. 5, 19; 2 Kor. 5, 18 21; Röm. 4, 25, und daß er daher nicht auf Grund ihrer Werke, sondern ohne des Gesetzes Werke, allein aus Gnaden, um Christi willen, alle diejenigen rechtfertigt, das ist, für gerecht achtet, welche an Christum glauben, das ist glauben, annehmen und darin beruhen, daß ihnen um Christi willen ihre Sünden vergeben werden. So bezeugt der Heilige Geist durch St. Paulus: "Es ist hie kein Unterschied; sie sind allzumal Sünder und mangeln des Ruhms, den sie an Gott haben sollten, und werden ohne Verdienst gerecht aus seiner Gnade, durch die Erlösung, so durch Christum Jesum geschehen ist", Röm. 3, 23. 24. Und abermal: "So halten wir es nun, daß der Mensch gerecht werde ohne des Gesetzes Werke, allein durch den Glauben", Röm. 3, 28.

18. Allein durch diese Lehre wird Christo seine Ehre gegeben, daß er durch sein heiliges Leben und durch sein unschuldiges Leiden und Sterben unser Heiland ist, und allein durch diese Lehre haben arme Sünder beständigen Trost, nämlich daß Gott ihnen gewißlich gnädig ist. Alle Lehren, durch welche des Menschen eigene Werke und eigene Würdigkeit in die Rechtfertigung vor Gott gemengt werden, verwerfen wir als Abfall von der christlichen Religion. Denn die christliche Religion ist der Glaube, daß wir Vergebung der Sünden und die Seligkeit durch den Glauben an Christum haben, Apost. 10,43.

19. Als Abfall von der christlichen Religion verwerfen wir nicht nur die Lehre der Unitarier, die dem Menschen auf Grund seiner Tugendbestrebungen Gottes Gnade in Aussicht stellen, auch nicht nur die grobe Werklehre der Papisten, die ausdrücklich zur Erlangung der Rechtfertigung auch des Menschen eigene Werke fordern, sondern auch die Lehre aller Synergisten, die zwar mit der christlichen Kirche reden und sagen, daß der Mensch "durch den Glauben", "allein durch den Glauben", gerecht werde, aber dadurch wieder Menschenwerk in den Artikel von der Rechtfertigung mengen, daß sie dem Menschen eine Mitwirkung zur Entstehung des Glaubens zuschreiben und so auf papistisches Gebiet sich verirren.

 

 

V. EINWOHNUNG GOTTES

 

Bibelstellen:

Johannesevangelium 14,23: Jesus antwortete und sprach zu ihm: Wer mich liebet, der wird mein Wort halten; und mein Vater wird ihn lieben, und wir werden kommen und Wohnung bei ihm machen.

1, Korintherbrief 3,16: Wisset ihr nicht, dass ihr Gottes Tempel seid, und der Geist Gottes in euch wohnet?

2. Korintherbrief 6,16: Was hat der Tempel Gottes für Gleichheit mit den Götzen? Ihr aber seid der Tempel des lebendigen Gottes, wie denn Gott spricht: Ich will in ihnen wohnen und in ihnen wandeln und will ihr Gott sein, und sie sollen mein Volk sein.

2. Petrusbrief 1,3-5: Nachdem allerlei seiner göttlichen Kraft, was zum Leben und göttlichen Wandel dient, uns geschenkt ist durch die Erkenntnis des, der uns berufen hat durch seine Herrlichkeit und Tugend,  durch welche uns die teuren und allergrößten Verheißungen geschenkt sind, nämlich, daß ihr dadurch teilhaftig werdet der göttlichen Natur, so ihr fliehet die vergängliche Lust der Welt;  so wendet allen euren Fleiß daran und reichet dar in eurem Glauben Tugend und in der Tugend Erkenntnis.

Epheserbrief 5,32: Das Geheimnis ist groß; ich sage aber von Christus und der Gemeinde.

 

Was ist mit der „Einwohnung Gottes“ gemeint? Der Begriff der „Einwohung Gottes“ im Menschen beschreibt die Tatsache, dass der dreieinige Gott im Gläubigen Wohnung macht, dass unser Leib ein Tempel Gottes ist. Dieser Begriff umschreibt damit die innigst mögliche Gemeinschaft zwischen Menschen und dem dreieinigen Gott im irdischen Leben.

Wodurch kommt es zu der Einwohnung Gottes? Der lebendige Gott kommt zu uns durch das Evangelium in Wort, Taufe und Abendmahl – aber allein da, wo der rechtfertigende Glaube an Jesus Christus ist, kann er auch in uns wohnen, Epheserbrief 3,17.

Wo wohnt Gott denn dann? Gott wohnt geistlich grundsätzlich durch den Glauben in unserem Herzen; die Einwohnung Gottes aber meint mehr, nämlich dass auch der Leib ein Tempel des dreieinigen Gottes ist, 1. Korintherbrief 3,16; 6,19, Gott also auf geheimnisvolle Weise auch substantiell zu uns kommt, ohne dass es eine Vermischung oder Vereinigung der Substanzen gibt, die vielmehr auch weiterhin getrennt sind. Durch diese Einwohnung, als Frucht der Rechtfertigung, lebt Christus tatsächlich im Gläubigen, Galaterbrief 2,20, und will in ihm Gestalt gewinnen, Galaterbrief 4,19.

Wozu dient diese Einwohung Gottes im Gläubigen? Durch die Einwohnung Gottes werden die Gläubigen nicht nur selig erfreut und mit Trost und Frieden erfüllt, sondern auch in der Gnade beständig gewisser gemacht, in der Heiligung gestärkt und zum ewigen Leben bewahrt.

Wie wird diese Einwohnung in der Bibel weiter beschrieben? Sie wird auch beschrieben als das Einwohnen Christi in den Herzen, Epheserbrief 3,17; als die Verlobung der Gläubigen mit Christus, Prophet Hosea 2,19.20; als geistlich-mystische Ehe, Epheserbrief 5,32; Einpflanzung der Zweige in den Weinstock, Johannesevangelium 15,4 ff; Verbindung von Haupt und Gliedern, Epheserbrief 1,22.23.

Was ist also das Wesen dieser Einwohnung Gottes im Gläubigen? Die Einwohnung Gottes im Gläubigen oder Einigung der Gerechtfertigten mit Gott ist mehr als eine bloße Einheit des menschlichen Willens mit dem göttlichen; mehr als eine bloße Operation Gottes in uns; sie ist vielmehr die reale Gegenwart des dreieinigen Gottes in den Gläubigen, denn Christus vergleicht das Sein des Vaters in ihm und sein Sein im Vater mit seinem und des Vaters Sein in den Gläubigen, Johannesevangelium 17,21. Gott ist also seiner Substanz nach dem Gläubigen in dessen Substanz in wunderbarer Weise nahe, Johannesevangelium 17,21-23, durchdringt ihn, wirkt in ihm, erfüllt ihn mit Erkenntnis und allerlei Gottesfülle, Epheserbrief 3,17-19. Die menschliche Substanz wird zwar von der göttlichen durchdrungen, hat aber keinen Anteil an der Substanz Gottes.

Welche Wirkung hat die Einwohnung Gottes? Die Einwohnung Gottes begreift in sich die Teilnahme der Gläubigen am Leben Gottes, Römerbrief 6,8; Galaterbrief 2,20 und dass sich Christus zueignet, was den Gläubigen begegnet, Prophet Sacharja 2,8; Matthäusevangelium 10,40; 25,35 f.

 

 

VI. BEWAHRUNG

 

Bibelstellen:

Prophet Jesaja 54,10: Denn es sollen wohl Berge weichen und Hügel hinfallen; aber meine Gnade soll nicht von dir weichen, und der Bund meines Friedens soll nicht hinfallen, spricht der Herr, dein Erbarmer.

Matthäusevangelium 24,24: Denn es werden falsche Christi und falsche Propheten aufstehen und große Zeichen und Wunder tun, dass verführet werden in den Irrtum (wo es möglich wäre) auch die Auserwählten.

1. Korintherbrief 9,26.27: Ich laufe aber also, nicht als aufs Ungewisse; ich fechte also, nicht als der in die Luft streichet, sondern ich betäube meinen Leib und zähme ihn, dass ich nicht den andern predige und selbst verwerflich werde.

Psalm 51,13: Verwirf mich nicht von deinem Angesicht und nimm deinen Heiligen Geist nicht von mir.

Philipperbrief 1,6: Und ich bin desselben in guter Zuversicht, dass, der in euch angefangen hat das gute Werk, der wird’s auch vollführen bis an den Tag Jesu Christi.

Philipperbrief 2,12.13: Schaffet, dass ihr selig werdt, mit Furcht und Zittern! Denn Gott ist’s, der in euch wirket beides, das Wollen und das Vollbringen, nach seinem Wohlgefallen.

Lukasevangelium 8,13: Die aber auf dem Fels sind die: Wenn sie es hören, nehmen sie das Wort mit Freuden an. Und die haben nicht Wurzel: Eine Zeitlang glauben sie und zu der Zeit der Anfechtung fallen sie ab.

Epheserbrief 6,10: Zuletzt, meine Brüder, seid stark in dem Herrn und in der Macht seiner Stärke.

Hebräerbrief 12,2: Lasset uns aufsehen auf Jesus, den Anfänger und Vollender des Glaubens, welcher, da er wohl hätte mögen Freude haben, erduldete er das Kreuz und achtete die Schande nicht und ist gesessen zur Rechten auf dem Stuhl Gottes.

1. Thessalonicherbrief 5,23.24: Er aber, der Gott des Friedens, heilige euch durch und durch, und euer Geist ganz samt der Seele und Leib müsse behalten werden unsträflich auf die Zukunft unsers Herrn Jesus Christus. Getreu ist er, der euch rufet, welcher wird’s auch tun.

 

Was wird unter „Erhaltung“ oder „Bewahrung“ verstanden? Erhaltung oder Bewahrung im Glauben beschreibt das Werk des Heiligen Geistes, um den Gläubigen in der Gnade und im Glauben zu erhalten und ihn gegen die Gefahren des Rückfalls in herrschende Sünde und damit des Abfalls zu bewahren.

Können auch Wiedergeborene wieder abfallen? Ja, diese Gefahr besteht. Und wenn sie im Abfall, in der Gottesferne, beharren, so waren sie nicht auserwählt. s. König Saul.

Können denn auch Auserwählte wieder abfallen? Ja, auch die Auserwählten können wieder abfallen, wenn auch nur zeitweilig, das heißt, sie werden dann durch das Wirken des Heiligen Geistes in Gesetz und Evangelium wiederum bekehrt, Prophet Jesaja 54,10; Matthäusevangelium 24,24; Psalm 51,13. s. König David; Petrus.

Worauf können wir im Blick auf Gott vertrauen? Wenn wir auch untreu werden, so bleibt er doch treu und steht zu seinem Bund und seinen Verheißungen und will das Werk, das er angefangen hat, auch vollenden, 2. Timotheusbrief 2,13; Philipperbrief 1,6.

Was gilt aber im Blick auf uns selbst? Im Blick auf uns selbst müssen wir immer wieder damit rechnen, dass wir schwach werden und abfallen, Lukasevangelium 8,13.

Was ist darum notwendig? Es ist daher unerlässlich, dass wir stets fest am Wort und Sakrament bleiben, damit der Heilige Geist durch das Gesetz uns immer wieder von Sünde überführen und zur Buße leiten kann; durch das Evangelium aber uns im Glauben festigen und stärken. Der Glaube muss sich aber auch als lebendig erweisen, also sich im Leben auswirken, tätig sein, den Kampf des Glaubens gegen die Sünde und Versuchung täglich führen, sonst erschlafft er, die Kräfte nehmen ab und er stirbt. s. Epheserbrief 6,10-18; Jakobusbrief 2; Galaterbrief 5,16-24; Philipperbrief 2,12.13.

Welche besonderen Gefahren bestehen denn für den Gläubigen? Es besteht zum einen die Gefahr, dass Rechtfertigung und Erneuerung vermischt werden, was zur Selbstgerechtigkeit führt; oder aber, dass Rechtfertigung und Erneuerung völlig auseinandergerissen werden, so dass auf Gnade hin gesündigt wird.

Was ist dabei mit der „Selbstgerechtigkeit“ gemeint? Hier ist die Gefahr da, dass das Gesetz wieder zum Heilsweg gemacht wird, Galaterbrief 5,4, dass er das Vertrauen auf die eigenen Werke, die eigene Leistung, seine eigenen „guten Seiten“ und Fähigkeiten setzt (s. Petrus), meint, aus eigener Kraft bestehen zu können und so in geistlichen Hochmut verfällt. Damit verbunden ist oft auch die Sucht nach menschlicher Ehre und Anerkennung, anstatt allein auf den Herrn zu sehen und sich einzig seiner zu rühmen, 1. Korintherbrief 10,12; Prophet Jeremia 9,23.24.

Warum können wir aus eigener Kraft nicht bestehen? Unsere Feinde – der Teufel, die Welt und unser eigenes Fleisch – sind zu mächtig.

Woran ist also alles gelegen? Einzig an der Treue Gottes, der uns bei sich im Glauben erhält, 1. Petrusbrief 1,5; 1. Thessalonicherbrief 5,23.24.

Was meint das „Sündigen auf Gnade“? Hier liegt die Gefahr vor, den Ruf Gottes zur Heiligung, konsequenten Nachfolge zu überhören und sich allein auf die Rechtfertigung allein aus Gnaden, allein um Christi willen, allein durch den Glauben zu versteifen und zu meinen, damit sei ja alles schon gegeben, so sei alles schon in Ordnung, es könne einem nichts mehr geschehen. s. Jakobusbrief 2; Philipperbrief 2,12.13.

 

 

VII: HEILIGUNG: ERNEUERUNG UND NACHFOLGE CHRISTI. VOLLBEREITUNG

I. Heiligung und Erneuerung

 

Bibelstellen:

Bergpredigt Matthäusevangelium 5-7: siehe im Anhang

Markusevangelium 8,34-38: Und er rief zu sich das Volk samt seinen Jüngern und sprach zu ihnen: Wer mir will nachfolgen, der verleugne sich selbst und nehme sein Kreuz auf sich und folge mir nach.  Denn wer sein Leben will behalten, der wird's verlieren; und wer sein Leben verliert um meinet-und des Evangeliums willen, der wird's behalten.  Was hülfe es dem Menschen, wenn er die ganze Welt gewönne, und nähme an seiner Seele Schaden?  Oder was kann der Mensch geben, damit er seine Seele löse.  Wer sich aber mein und meiner Worte schämt unter diesem ehebrecherischen und sündigen Geschlecht, des wird sich auch des Menschen Sohn schämen, wenn er kommen wird in der Herrlichkeit seines Vaters mit den heiligen Engeln.

Lukasevangelium 14,25-35: Es ging aber viel Volks mit ihm; und er wandte sich und sprach zu ihnen:  So jemand zu mir kommt und haßt nicht seinen Vater, Mutter, Weib, Kinder, Brüder, Schwestern, auch dazu sein eigen Leben, der kann nicht mein Jünger sein.  Und wer nicht sein Kreuz trägt und mir nachfolgt, der kann nicht mein Jünger sein.  Wer ist aber unter euch, der einen Turm bauen will, und sitzt nicht zuvor und überschlägt die Kosten, ob er's habe, hinauszuführen?  auf daß nicht, wo er Grund gelegt hat und kann's nicht hinausführen, alle, die es sehen, fangen an, sein zu spotten,  und sagen: Dieser Mensch hob an zu bauen, und kann's nicht hinausführen.  Oder welcher König will sich begeben in einen Streit wider einen andern König und sitzt nicht zuvor und ratschlagt, ob er könne mit zehntausend begegnen dem, der über ihn kommt mit zwanzigtausend?  Wo nicht, so schickt er Botschaft, wenn jener noch ferne ist, und bittet um Frieden.  Also muß auch ein jeglicher unter euch, der nicht absagt allem, was er hat, kann nicht mein Jünger sein.  Das Salz ist ein gutes Ding; wo aber das Salz dumm wird, womit wird man's würzen?  Es ist weder auf das Land noch in den Mist nütze, sondern man wird's wegwerfen. Wer Ohren hat, zu hören, der höre!

Galaterbrief 5,13-6,18: Ihr aber, liebe Brüder, seid zur Freiheit berufen! Allein sehet zu, daß ihr durch die Freiheit dem Fleisch nicht Raum gebet; sondern durch die Liebe diene einer dem andern.  Denn alle Gesetze werden in einem Wort erfüllt, in dem: "Liebe deinen Nächsten wie dich selbst."  So ihr euch aber untereinander beißet und fresset, so seht zu, daß ihr nicht untereinander verzehrt werdet.  Ich sage aber: Wandelt im Geist, so werdet ihr die Lüste des Fleisches nicht vollbringen.  Denn das Fleisch gelüstet wider den Geist, und der Geist wider das Fleisch; dieselben sind widereinander, daß ihr nicht tut, was ihr wollt.  Regiert euch aber der Geist, so seid ihr nicht unter dem Gesetz.  Offenbar sind aber die Werke des Fleisches, als da sind: Ehebruch, Hurerei, Unreinigkeit, Unzucht,  Abgötterei, Zauberei, Feindschaft, Hader, Neid, Zorn, Zank, Zwietracht, Rotten, Haß, Mord,  Saufen, Fressen und dergleichen, von welchen ich euch zuvor gesagt und sage noch zuvor, daß, die solches tun, werden das Reich Gottes nicht erben.  Die Frucht aber des Geistes ist Liebe, Freude, Friede, Geduld, Freundlichkeit, Gütigkeit, Glaube, Sanftmut, Keuschheit.  Wider solche ist das Gesetz nicht.  Welche aber Christo angehören, die kreuzigen ihr Fleisch samt den Lüsten und Begierden.  So wir im Geist leben, so lasset uns auch im Geist wandeln.  Lasset uns nicht eitler Ehre geizig sein, einander zu entrüsten und zu hassen.  Liebe Brüder, so ein Mensch etwa von einem Fehler übereilt würde, so helfet ihm wieder zurecht mit sanftmütigem Geist ihr, die ihr geistlich seid; und sieh auf dich selbst, daß du nicht auch versucht werdest.  Einer trage des andern Last, so werdet ihr das Gesetz Christi erfüllen.  So aber jemand sich läßt dünken, er sei etwas, so er doch nichts ist, der betrügt sich selbst.  Ein jeglicher aber prüfe sein eigen Werk; und alsdann wird er an sich selber Ruhm haben und nicht an einem andern.  Denn ein jeglicher wird seine Last tragen.  Der aber unterrichtet wird mit dem Wort, der teile mit allerlei Gutes dem, der ihn unterrichtet.  Irrt euch nicht! Gott läßt sich nicht spotten. Denn was der Mensch sät, das wird er ernten.  Wer auf sein Fleisch sät, der wird von dem Fleisch das Verderben ernten; wer aber auf den Geist sät, der wird von dem Geist das ewige Leben ernten.  Lasset uns aber Gutes tun und nicht müde werden; denn zu seiner Zeit werden wir auch ernten ohne Aufhören.  Als wir denn nun Zeit haben, so lasset uns Gutes tun an jedermann, allermeist aber an des Glaubens Genossen.  Sehet, mit wie vielen Worten habe ich euch geschrieben mit eigener Hand!  Die sich wollen angenehm machen nach dem Fleisch, die zwingen euch zur Beschneidung, nur damit sie nicht mit dem Kreuz Christi verfolgt werden.  Denn auch sie selbst, die sich beschneiden lassen, halten das Gesetz nicht; sondern sie wollen, daß ihr euch beschneiden lasset, auf daß sie sich von eurem Fleisch rühmen mögen.  Es sei aber ferne von mir, mich zu rühmen, denn allein von dem Kreuz unsers HERRN Jesu Christi, durch welchen mir die Welt gekreuzigt ist und ich der Welt.  Denn in Christo Jesu gilt weder Beschneidung noch unbeschnitten sein etwas, sondern eine neue Kreatur.  Und wie viele nach dieser Regel einhergehen, über die sei Friede und Barmherzigkeit und über das Israel Gottes.  Hinfort mache mir niemand weiter Mühe; denn ich trage die Malzeichen des HERRN Jesu an meinem Leibe.  Die Gnade unsers HERRN Jesu Christi sei mit eurem Geist, liebe Brüder! Amen.

Römerbrief 6; 12-15: So lasset nun die Sünde nicht herrschen in eurem sterblichen Leibe, ihr Gehorsam zu leisten in seinen Lüsten.  Auch begebet nicht der Sünde eure Glieder zu Waffen der Ungerechtigkeit, sondern begebet euch selbst Gott, als die da aus den Toten lebendig sind, und eure Glieder Gott zu Waffen der Gerechtigkeit.  Denn die Sünde wird nicht herrschen können über euch, sintemal ihr nicht unter dem Gesetz seid, sondern unter der Gnade.  Wie nun? Sollen wir sündigen, dieweil wir nicht unter dem Gesetz, sondern unter der Gnade sind? Das sei ferne!

Kolosserbrief 3: Seid ihr nun mit Christo auferstanden, so suchet, was droben ist, da Christus ist, sitzend zu der Rechten Gottes.  Trachtet nach dem, was droben ist, nicht nach dem, was auf Erden ist.  Denn ihr seid gestorben, und euer Leben ist verborgen mit Christo in Gott.  Wenn aber Christus, euer Leben, sich offenbaren wird, dann werdet ihr auch offenbar werden mit ihm in der Herrlichkeit.  So tötet nun eure Glieder, die auf Erden sind, Hurerei, Unreinigkeit, schändliche Brunst, böse Lust und den Geiz, welcher ist Abgötterei,  um welcher willen kommt der Zorn Gottes über die Kinder des Unglaubens;  in welchem auch ihr weiland gewandelt habt, da ihr darin lebtet.  Nun aber leget alles ab von euch: den Zorn, Grimm, Bosheit, Lästerung, schandbare Worte aus eurem Munde.  Lüget nicht untereinander; zieht den alten Menschen mit seinen Werken aus  und ziehet den neuen an, der da erneuert wird zur Erkenntnis nach dem Ebenbilde des, der ihn geschaffen hat;  da nicht ist Grieche, Jude, Beschnittener, Unbeschnittener, Ungrieche, Scythe, Knecht, Freier, sondern alles und in allen Christus.  So ziehet nun an, als die Auserwählten Gottes, Heiligen und Geliebten, herzliches Erbarmen, Freundlichkeit, Demut, Sanftmut, Geduld;  und vertrage einer den andern und vergebet euch untereinander, so jemand Klage hat wider den andern; gleichwie Christus euch vergeben hat, also auch ihr.  Über alles aber ziehet an die Liebe, die da ist das Band der Vollkommenheit.  Und der Friede Gottes regiere in euren Herzen, zu welchem ihr auch berufen seid in einem Leibe; und seid dankbar!  Lasset das Wort Christi unter euch reichlich wohnen in aller Weisheit; lehret und vermahnet euch selbst mit Psalmen und Lobgesängen und geistlichen lieblichen Liedern und singt dem HERRN in eurem Herzen.  Und alles, was ihr tut mit Worten oder mit Werken, das tut alles in dem Namen des HERRN Jesu, und danket Gott und dem Vater durch ihn.  Ihr Weiber, seid untertan euren Männern in dem HERRN, wie sich's gebührt.  Ihr Männer, liebet eure Weiber und seid nicht bitter gegen sie.  Ihr Kinder, seid gehorsam euren Eltern in allen Dingen; denn das ist dem HERRN gefällig.  Ihr Väter, erbittert eure Kinder nicht, auf daß sie nicht scheu werden.  Ihr Knechte, seid gehorsam in allen Dingen euren leiblichen Herren, nicht mit Dienst vor Augen, als den Menschen zu gefallen, sondern mit Einfalt des Herzens und mit Gottesfurcht.  Alles, was ihr tut, das tut von Herzen als dem HERRN und nicht den Menschen,  und wisset, daß ihr von dem HERRN empfangen werdet die Vergeltung des Erbes; denn ihr dienet dem HERRN Christus.  Wer aber Unrecht tut, der wird empfangen, was er unrecht getan hat; und gilt kein Ansehen der Person.

1. Johannesbrief 2: Meine Kindlein, solches schreibe ich euch, auf daß ihr nicht sündiget. Und ob jemand sündigt, so haben wir einen Fürsprecher bei dem Vater, Jesum Christum, der gerecht ist.  Und derselbe ist die Versöhnung für unsre Sünden, nicht allein aber für die unseren sondern auch für die der ganzen Welt.  Und an dem merken wir, daß wir ihn kennen, so wir seine Gebote halten.  Wer da sagt: Ich kenne ihn, und hält seine Gebote nicht, der ist ein Lügner, und in solchem ist keine Wahrheit.  Wer aber sein Wort hält, in solchem ist wahrlich die Liebe Gottes vollkommen. Daran erkennen wir, daß wir in ihm sind.  Wer da sagt, daß er in ihm bleibt, der soll auch wandeln, gleichwie er gewandelt hat.  Brüder, ich schreibe euch nicht ein neues Gebot, sondern das alte Gebot, das ihr habt von Anfang gehabt. Das alte Gebot ist das Wort, das ihr von Anfang gehört habt.  Wiederum ein neues Gebot schreibe ich euch, das da wahrhaftig ist bei ihm und bei euch; denn die Finsternis vergeht, und das wahre Licht scheint jetzt.  Wer da sagt, er sei im Licht, und haßt seinen Bruder, der ist noch in der Finsternis.  Wer seinen Bruder liebt, der bleibt im Licht, und ist kein Ärgernis bei ihm.  Wer aber seinen Bruder haßt, der ist in der Finsternis und wandelt in der Finsternis und weiß nicht, wo er hin geht; denn die Finsternis hat seine Augen verblendet.  Liebe Kindlein, ich schreibe euch; denn die Sünden sind euch vergeben durch seinen Namen.  Ich schreibe euch Vätern; denn ihr kennt den, der von Anfang ist. Ich schreibe euch Jünglingen; denn ihr habt den Bösewicht überwunden.  Ich habe euch Kindern geschrieben; denn ihr kennet den Vater. Ich habe euch Vätern geschrieben; denn ihr kennt den, der von Anfang ist. Ich habe euch Jünglingen geschrieben; denn ihr seid stark, und das Wort Gottes bleibt bei euch, und ihr habt den Bösewicht überwunden.  Habt nicht lieb die Welt noch was in der Welt ist. So jemand die Welt liebhat, in dem ist nicht die Liebe des Vaters.  Denn alles, was in der Welt ist: des Fleisches Lust und der Augen Lust und hoffärtiges Leben, ist nicht vom Vater, sondern von der Welt.  Und die Welt vergeht mit ihrer Lust; wer aber den Willen Gottes tut, der bleibt in Ewigkeit.  Kinder, es ist die letzte Stunde! Und wie ihr gehört habt, daß der Widerchrist kommt, so sind nun viele Widerchristen geworden; daher erkennen wir, daß die letzte Stunde ist.  Sie sind von uns ausgegangen, aber sie waren nicht von uns. Denn wo sie von uns gewesen wären, so wären sie ja bei uns geblieben; aber es sollte offenbar werden, daß nicht alle von uns sind.  Und ihr habt die Salbung von dem, der heilig ist, und wisset alles.  Ich habe euch nicht geschrieben, als wüßtet ihr die Wahrheit nicht; sondern ihr wisset sie und wisset, daß keine Lüge aus der Wahrheit kommt.  Wer ist ein Lügner, wenn nicht, der da leugnet, daß Jesus der Christus sei? Das ist der Widerchrist, der den Vater und den Sohn leugnet.  Wer den Sohn leugnet, der hat auch den Vater nicht; wer den Sohn bekennt, der hat auch den Vater.  Was ihr nun gehört habt von Anfang, das bleibe bei euch. So bei euch bleibt, was ihr von Anfang gehört habt, so werdet ihr auch bei dem Sohn und dem Vater bleiben.  Und das ist die Verheißung, die er uns verheißen hat: das ewige Leben.  Solches habe ich euch geschrieben von denen, die euch verführen.  Und die Salbung, die ihr von ihm empfangen habt, bleibt bei euch, und ihr bedürfet nicht, daß euch jemand lehre; sondern wie euch die Salbung alles lehrt, so ist's wahr und ist keine Lüge, und wie sie euch gelehrt hat, so bleibet bei ihm.  Und nun, Kindlein, bleibet bei ihm, auf daß, wenn er offenbart wird, wir Freudigkeit haben und nicht zu Schanden werden vor ihm bei seiner Zukunft.  So ihr wisset, daß er gerecht ist, so erkennet ihr auch, daß, wer recht tut, der ist von ihm geboren.

Jakobusbrief: Lies denselben in der Bibel aufmerksam durch

Epheserbrief 4,22-32: So legt nun von euch ab nach dem vorigen Wandel den alten Menschen, der durch Lüste im Irrtum sich verderbt.  Erneuert euch aber im Geist eures Gemüts  und ziehet den neuen Menschen an, der nach Gott geschaffen ist in rechtschaffener Gerechtigkeit und Heiligkeit.  Darum leget die Lüge ab und redet die Wahrheit, ein jeglicher mit seinem Nächsten, sintemal wir untereinander Glieder sind.  Zürnet, und sündiget nicht; lasset die Sonne nicht über eurem Zorn untergehen.  Gebet auch nicht Raum dem Lästerer.  Wer gestohlen hat der stehle nicht mehr, sondern arbeite und schaffe mit den Händen etwas Gutes, auf daß er habe, zu geben dem Dürftigen.  Lasset kein faul Geschwätz aus eurem Munde gehen, sondern was nützlich zur Besserung ist, wo es not tut, daß es holdselig sei zu hören.  Und betrübet nicht den heiligen Geist Gottes, mit dem ihr versiegelt seid auf den Tag der Erlösung.  Alle Bitterkeit und Grimm und Zorn und Geschrei und Lästerung sei ferne von euch samt aller Bosheit.  Seid aber untereinander freundlich, herzlich und vergebet einer dem andern, gleichwie Gott euch auch vergeben hat in Christo.

2. Korintherbrief 5,14.15: Denn die Liebe Christi dringet uns also, denn wir halten, dass, wenn einer für alle gestorben ist, so sind sie alle gestorben. Und er ist darum für sie alle gestorben, damit die, so da leben, hinfort nicht sich selbst leben, sondern dem, der für sie gestorben und auferstanden ist.

Titusbrief 2,11-14: Denn es ist erschienen die heilsame Gnade Gottes allen Menschen  und züchtigt uns, daß wir sollen verleugnen das ungöttliche Wesen und die weltlichen Lüste, und züchtig, gerecht und gottselig leben in dieser Welt  und warten auf die selige Hoffnung und Erscheinung der Herrlichkeit des großen Gottes und unsers Heilandes, Jesu Christi,  der sich selbst für uns gegeben hat, auf daß er uns erlöste von aller Ungerechtigkeit und reinigte sich selbst ein Volk zum Eigentum, das fleißig wäre zu guten Werken.

Philipperbrief 2,12-14: Also, meine Liebsten, wie ihr allezeit seid gehorsam gewesen, nicht allein in meiner Gegenwart sondern auch nun viel mehr in meiner Abwesenheit, schaffet, daß ihr selig werdet, mit Furcht und Zittern.  Denn Gott ist's, der in euch wirkt beides, das Wollen und das Vollbringen, nach seinem Wohlgefallen.  Tut alles ohne Murren und ohne Zweifel.

Epheserbrief 2,10: Denn wir sind sein Werk, geschaffen in Christus Jesus zu guten Werken, welche Gott zuvor bereitet hat, dass wir darinnen wandeln sollen.

Johannesevangelium 15: Ich bin der rechte Weinstock, und mein Vater der Weingärtner.  Eine jeglich Rebe an mir, die nicht Frucht bringt, wird er wegnehmen; und eine jegliche, die da Frucht bringt, wird er reinigen, daß sie mehr Frucht bringe.  Ihr seid schon rein um des Wortes willen, das ich zu euch geredet habe.  Bleibet in mir und ich in euch. Gleichwie die Rebe kann keine Frucht bringen von ihr selber, sie bleibe denn am Weinstock, also auch ihr nicht, ihr bleibet denn in mir.  Ich bin der Weinstock, ihr seid die Reben. Wer in mir bleibt und ich in ihm, der bringt viele Frucht, denn ohne mich könnt ihr nichts tun.  Wer nicht in mir bleibt, der wird weggeworfen wie eine Rebe und verdorrt, und man sammelt sie und wirft sie ins Feuer, und müssen brennen.  So ihr in mir bleibet und meine Worte in euch bleiben, so werdet ihr bitten, was ihr wollt, und es wird euch widerfahren.  Darin wird mein Vater geehrt, daß ihr viel Frucht bringet und werdet meine Jünger.  Gleichwie mich mein Vater liebt, also liebe ich euch auch. Bleibet in meiner Liebe!  So ihr meine Gebote haltet, so bleibet ihr in meiner Liebe, gleichwie ich meines Vaters Gebote halte und bleibe in seiner Liebe.  Solches rede ich zu euch, auf daß meine Freude in euch bleibe und eure Freude vollkommen werde.  Das ist mein Gebot, daß ihr euch untereinander liebet, gleichwie ich euch liebe.  Niemand hat größere Liebe denn die, daß er sein Leben läßt für seine Freunde.  Ihr seid meine Freunde, so ihr tut, was ich euch gebiete.  Ich sage hinfort nicht, daß ihr Knechte seid; denn ein Knecht weiß nicht, was sein Herr tut. Euch aber habe ich gesagt, daß ihr Freunde seid; denn alles, was ich habe von meinem Vater gehört, habe ich euch kundgetan.  Ihr habt mich nicht erwählt; sondern ich habe euch erwählt und gesetzt, daß ihr hingeht und Frucht bringt und eure Frucht bleibe, auf daß, so ihr den Vater bittet in meinem Namen, er's euch gebe.  Das gebiete ich euch, daß ihr euch untereinander liebet.  So euch die Welt haßt, so wisset, daß sie mich vor euch gehaßt hat.  Wäret ihr von der Welt, so hätte die Welt das Ihre lieb; weil ihr aber nicht von der Welt seid, sondern ich habe euch von der Welt erwählt, darum haßt euch die Welt.  Gedenket an mein Wort, das ich euch gesagt habe: "Der Knecht ist nicht größer denn sein Herr." Haben sie mich verfolgt, sie werden euch auch verfolgen; haben sie mein Wort gehalten, so werden sie eures auch halten.  Aber das alles werden sie euch tun um meines Namens willen; denn sie kennen den nicht, der mich gesandt hat.  Wenn ich nicht gekommen wäre und hätte es ihnen gesagt, so hätten sie keine Sünde; nun aber können sie nichts vorwenden, ihre Sünde zu entschuldigen.  Wer mich haßt, der haßt auch meinen Vater.  Hätte ich nicht die Werke getan unter ihnen, die kein anderer getan hat, so hätten sie keine Sünde; nun aber haben sie es gesehen und hassen doch beide, mich und den Vater.  Doch daß erfüllet werde der Spruch, in ihrem Gesetz geschrieben: "Sie hassen mich ohne Ursache."  Wenn aber der Tröster kommen wird, welchen ich euch senden werde vom Vater, der Geist der Wahrheit, der vom Vater ausgeht, der wird zeugen von mir.  Und ihr werdet auch zeugen; denn ihr seid von Anfang bei mir gewesen.

1. Timotheusbrief 4,7: Übe dich selbst aber an der Gottseligkeit.

Hebräerbrief 12,14: Jaget nach dem Frieden gegen jedermann und der Heiligung, ohne welche wird niemand den Herrn sehen.

 

Was verstehen wir unter „Heiligung“? Dieser Begriff meint im weiteren Sinne alles, was der Heilige Geist an uns wirkt, um uns zum lebendigen Glauben an Jesus Christus zu bringen, in diesem zu erhalten und zu stärken und uns aus dem Evangelium zu einem neuen Leben aus dem Glauben zu erneuern und zu fördern. Im engeren Sinne, wie wir ihn hier verwenden wollen, den letzten Teil, nämlich das neue Leben aus dem Glauben.

Was ist in Grundzügen mit der „Heiligung“ oder dem neuen Leben gemeint? Aus Dankbarkeit und Liebe zu unserem Heiland und Herrn Jesus Christus sollen wir täglich aus der Kreuzigung des alten Menschen leben, also den alten Menschen töten, aus der Vergebung leben, gegen die Sünde kämpfen und gute Werke tun, kurz: danach trachten, Christus immer ähnlicher zu werden, ihm zu gehorchen, bewusst ihm nachzufolgen, 2. Korintherbrief 5,14.15; Titusbrief 2,11-14; Römerbrief 12,1.2; Römerbrief 6,3; Galaterbrief 5,14-16.26; Epheserbrief 2,10.

Was gehört also vor allem zur Heiligung? Heiligung meint also vor allem die Erneuerung zur Nachfolge Christi, nämlich dass der Heilige Geist die neue Kreatur im wiedergeborenen Menschen zur Entfaltung bringt, 2. Korintherbrief 5,17, also der Geist sich Raum schafft durch das Evangelium.

Wie unterscheiden sich alte und neue Kreatur? Die alte oder fleischliche Kreatur ist gekennzeichnet davon, dass der alte Mensch sich selbst lebt, in sich selbst ruht, in Selbstgefälligkeit oder Selbstgerechtigkeit. Das alles kann auch sehr verfeinert sein. Der alte Mensch sorgt sich auch nicht wirklich um seine Sünden, auch wenn er vielleicht die eine oder andere gerne los wäre. Aber er fragt nicht wirklich, wie er vor Gott bestehen kann.

    Die neue Kreatur oder der neue Mensch, der aus dem Geist Gottes lebt, ruht nicht in sich, sondern in der Gnade Christi, Christus ist sein Leben, Galaterbrief 2,20; Philipperbrief 1,21; seine Weisheit, Gerechtigkeit und Heiligung, 1. Korintherbrief 1,30. Darum strebt er auch danach, nicht mehr für sich, sondern für Christus zu leben – das ist dann die Entfaltung der Erneuerung in der neuen Kreatur: Alles, das gesamte Leben mit Denken, Fühlen, Wollen, Handeln, muss neu gestaltet werden, Römerbrief 12,1.2; 14,7-9; 2. Korintherbrief 5,14-21.

    Der neue Mensch ist ein bußfertigter Mensch, der sich wegen seiner Sünde sorgt, Psalm 38,19. Er trägt darum Sorge, dass er seine Sünde auch recht erkennt und prüft daher alle Werke, Worte und Gedanken seines täglichen Lebens. Er prüft auch, wo er Gutes, das er hätte tun sollen, unterlassen hat. Kurz: Er geht in sein Herz. Es ist ihm damit ernst, er will aufrichtig sein und bittet daher den Herrn um Erleuchtung durch seinen Heiligen Geist. Vor allem besteht dann seine Sorge darinnen, täglich auch wieder für seine Sünden die Vergebung in Christus zu erlangen.

Wozu muss die Erneuerung führen? Wenn alles neu geworden ist, also der Mensch aus der Gottesferne in die Gemeinschaft mit Gott; aus der Sündenverdorbenheit und –verfallenheit in die Gnade und Vergebung, aus dem Selbstleben zu einem Leben aus Gnaden, aus dem Gesetz zum Evangelium gekommen ist, dann muss das zu einem neuen Leben führen, zu einem neuen Wandel. Johannesevangelium 17,17.19; Epheserbrief 2,10; 1. Thessalonicherbrief 4,3.7. Dieser neuer Wandel hat als Grundmerkmal die völlige Auslieferung unseres Lebens an Jesus Christus (Hingabe), Römerbrief 12,1.2.

    Dieses neue Leben hat seinen festen Grund in Gottes Wort, woraus es immer wieder die Gewissheit der Sündenvergebung schöpft.

Wie lange dauert die Heiligung an? Während die Rechtfertigung, wie die Geburt, der Akt eines Momentes ist, umfasst die Heiligung oder Erneuerung unser ganzes Leben, ist ein andauernder, lebendiger Prozess, in dem wir hier auf Erden nie fertig werden, in dem es auch immer wieder Niederlagen gibt, wir täglich der Reinigung bedürfen (s.a. Johannesevangelium 13,10), also der Buße, der Abkehr von der Sünde, der neuen Hinwendung zu Christus, Übergabe, Hingabe an Christus, Römerbrief 6,3-23.

Wodurch wird das Werk des Heiligung in uns bewirkt? Der Heilige Geist wirkt die Erneuerung, Heiligung in uns durch das Evangelium als der alleinigen Triebfeder der Heiligung, des neuen Lebens, Römerbrief 12,1; 2. Korintherbrief 5,14.15; Titusbrief 2,11-14, wobei er auch unseren Willen immer wieder eneuert, Philipperbrief 2,12.13, und so uns zu einem willigen Mittun hinnein nimmt, Epheserbrief 4; Kolosserbrief 3. Das Gesetz fordert zwar die Heiligung, kann aber keine Kraft zu ihrer Ausführung uns geben. Die Hilfe, die das Gesetz uns gibt, liegt darin, dass es uns zeigt, was der Wille Gottes ist (Regel) – mehr nicht (dritter Gebrauch des Gesetzes).

Was ist also die Grundlage der Erneuerung? Die Grundlage der Erneuerung ist nur die Rechtfertigung allein aus Gnaden, allein um Christi Verdienst willen, allein durch den Glauben – nicht um vorangegangener oder zukünftiger guter Werke oder Zustände willen. Die Erneuerung ist Frucht, nicht Bedingung des Gnadenstandes. Wo also die Erneuerung zu einer (Mit-) Bedingung für die Rechtfertigung gemacht wird, da ist Christus schon verloren, Galaterbrief 5,4, da kann es nicht zu einem neuen Wandel kommen, da der Mensch noch sich selbst, nicht Christus lebt. Nur wer gerechtfertigt ist ohne Werke, der ist frei von der Knechtschaft bei sich selbst und damit frei für Gott und den Nächsten.

Worin zeigt sich die Heiligung? Die Heiligung zeigt sich im Kampf gegen die Sünde und in den guten Werken, die wir aus Liebe und Dankbarkeit gegenüber Gott aus Liebe zum Nächsten aus Glauben tun, Römerbrief 14,23, sowie im Prüfen der Geister, 1. Johannesbrief 4,1-3. Es gibt keinen echten christlichen Glauben, kein Leben im Gnadenstand ohne Auswirkungen.

Können wir in diesem Leben vollkommen werden? Im Glauben haben wir zugerechneterweise Christi Vollkommenheit in der Rechtfertigung, Epheserbrief 4,13, aber die Vollkommenheit des Lebens erreichen wir hier nicht, 1. Johannesbrief 1,6-10. Wir sollen sie aber in Hingabe an Christus und Selbstverleugnung immer mehr anstreben, Philipperbrief 3,12-14; Markusevangelium 8,34-38.

 

 

II. Nachfolge Christi

 

Bibelstellen:

Römerbrief 12,1.2: Ich ermahne euch nun, liebe Brüder, durch die Barmherzigkeit Gottes, daß ihr eure Leiber begebet zum Opfer, das da lebendig, heilig und Gott wohlgefällig sei, welches sei euer vernünftiger Gottesdienst.  Und stellet euch nicht dieser Welt gleich, sondern verändert euch durch die Erneuerung eures Sinnes, auf daß ihr prüfen möget, welches da sei der gute, wohlgefällige und vollkommene Gotteswille.

Römerbrief 6,3-23: Wisset ihr nicht, daß alle, die wir in Jesus Christus getauft sind, die sind in seinen Tod getauft?  So sind wir ja mit ihm begraben durch die Taufe in den Tod, auf daß, gleichwie Christus ist auferweckt von den Toten durch die Herrlichkeit des Vaters, also sollen auch wir in einem neuen Leben wandeln.  So wir aber samt ihm gepflanzt werden zu gleichem Tode, so werden wir auch seiner Auferstehung gleich sein,  dieweil wir wissen, daß unser alter Mensch samt ihm gekreuzigt ist, auf daß der sündliche Leib aufhöre, daß wir hinfort der Sünde nicht mehr dienen.  Denn wer gestorben ist, der ist gerechtfertigt von der Sünde.  Sind wir aber mit Christo gestorben, so glauben wir, daß wir auch mit ihm leben werden,  und wissen, daß Christus, von den Toten auferweckt, hinfort nicht stirbt; der Tod wird hinfort nicht mehr über ihn herrschen.  Denn was er gestorben ist, das ist er der Sünde gestorben zu einem Mal; was er aber lebt, das lebt er Gott.  Also auch ihr, haltet euch dafür, daß ihr der Sünde gestorben seid und lebt Gott in Christo Jesus, unserm HERRN.  So lasset nun die Sünde nicht herrschen in eurem sterblichen Leibe, ihr Gehorsam zu leisten in seinen Lüsten.  Auch begebet nicht der Sünde eure Glieder zu Waffen der Ungerechtigkeit, sondern begebet euch selbst Gott, als die da aus den Toten lebendig sind, und eure Glieder Gott zu Waffen der Gerechtigkeit.  Denn die Sünde wird nicht herrschen können über euch, sintemal ihr nicht unter dem Gesetz seid, sondern unter der Gnade.  Wie nun? Sollen wir sündigen, dieweil wir nicht unter dem Gesetz, sondern unter der Gnade sind? Das sei ferne!  Wisset ihr nicht: welchem ihr euch begebet zu Knechten in Gehorsam, des Knechte seid ihr, dem ihr gehorsam seid, es sei der Sünde zum Tode oder dem Gehorsam zur Gerechtigkeit?  Gott sei aber gedankt, daß ihr Knechte der Sünde gewesen seid, aber nun gehorsam geworden von Herzen dem Vorbilde der Lehre, welchem ihr ergeben seid.  Denn nun ihr frei geworden seid von der Sünde, seid ihr Knechte der Gerechtigkeit geworden.  Ich muß menschlich davon reden um der Schwachheit willen eures Fleisches. Gleichwie ihr eure Glieder begeben habet zum Dienst der Unreinigkeit und von einer Ungerechtigkeit zur andern, also begebet auch nun eure Glieder zum Dienst der Gerechtigkeit, daß sie heilig werden.  Denn da ihr der Sünde Knechte wart, da wart ihr frei von der Gerechtigkeit.  Was hattet ihr nun zu der Zeit für Frucht? Welcher ihr euch jetzt schämet; denn ihr Ende ist der Tod.  Nun ihr aber seid von der Sünde frei und Gottes Knechte geworden, habt ihr eure Frucht, daß ihr heilig werdet, das Ende aber ist das ewige Leben.  Denn der Tod ist der Sünde Sold; aber die Gabe Gottes ist das ewige Leben in Christo Jesu, unserm HERRN.

Epheserbrief 4,22-24: So legt nun von euch ab nach dem vorigen Wandel den alten Menschen, der durch Lüste im Irrtum sich verderbt.  Erneuert euch aber im Geist eures Gemüts  und ziehet den neuen Menschen an, der nach Gott geschaffen ist in rechtschaffener Gerechtigkeit und Heiligkeit.

Jakobusbrief 1,13-15: Niemand sage, wenn er versucht wird, daß er von Gott versucht werde. Denn Gott kann nicht versucht werden zum Bösen, und er selbst versucht niemand.  Sondern ein jeglicher wird versucht, wenn er von seiner eigenen Lust gereizt und gelockt wird.  Darnach, wenn die Lust empfangen hat, gebiert sie die Sünde; die Sünde aber, wenn sie vollendet ist, gebiert sie den Tod.

Lukasevangelium 12,21: Also gehet es, wer sich Schätze sammelt und ist nicht reich in Gott.

Matthäusevangelium 6,17-18: Wenn du aber fastest, so salbe dein Haupt und wasche dein Angesicht, damit du nicht scheinest vor den Leuten mit deinem Fasten, sondern vor deinem Vater, welcher verborgen ist; und dein Vater, der in das Verborgene siehet, wird dir’s vergelten öffentlich.

Galaterbrief 5,18: Regieret euch aber der Geist, so seid ihr nicht unter dem Gesetz.

Römerbrief 8,14: Welche der Geist Gottes treibet, die sind Gottes Kinder.

2. Petrusbrief 1,5-7: So wendet allen euren Fleiß daran und reichet dar in eurem Glauben Tugend und in der Tugend Erkenntnis  und in der Erkenntnis Mäßigkeit und in der Mäßigkeit Geduld und in der Geduld Gottseligkeit  und in der Gottseligkeit brüderliche Liebe und in der brüderlichen Liebe allgemeine Liebe.

Hebräerbrief 12,14: Jaget nach dem Frieden gegen jedermann und der Heiligung, ohne welche wird niemand den Herrn sehen.

 

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Wie wird die geistliche Erneuerung offenbar? Die durch die Rechtfertigung geschenkte und dann vom Heiligen Geist entfaltete Erneuerung zeigt sich in einem neuen Wandel, in der Nachfolge Christi, in Wort und Tat, zuerst im persönlichen Leben, dann auch in der Beziehung zum Nächsten, Epheserbrief 4,22-32.

Welches Gebiet umfasst die Nachfolge? Die Nachfolge umfasst unser gesamtes Leben, alle Bereiche der Ethik.

Was ist dazu nötig, dass wir recht in der Nachfolge wandeln? Römerbrief 6,3-23: Die Nachfolge Christi, das neue Leben, wurzelt in der Gnadentat Gottes auf Golgatha, ist gegründet im Handeln Gottes an uns durch das Evangelium in Taufe und Wort, nämlich dass der alte Mensch durch die Taufe in den Tod gegeben ist und ein neuer Mensch aus der Taufe hervorkam, der nun in Heiligkeit und Hingabe in völligem Gehorsam Christus nachfolgen soll. Dies ist ein tägliches Werk, dass wir in täglicher Erneuerung des Taufbundes, der Hingabe an Christus leben.

Was meint denn „Hingabe“? Hingabe oder Übergabe an Christus meint die aus dem Glauben kommende Antwort des Erlösten, Gerechtfertigten aus Liebe und Dankbarkeit zu seinem Heiland, nämlich nun ganz für Christus leben zu wollen, ganz sein Eigentum zu sein, in völligem Gehorsam ihm sich zu ergeben, ein Leben ganz zu Christi Verfügung zu führen, Römerbrief 6,11.13.16-20.

Wie zeigt sich nun diese Erneuerung im Wandel des Christen? Die Erneuerung zeigt sich im täglichen Ablegen des alten und Anziehen des neuen Menschen.

Was ist unter dem Ablegen des alten Menschen zu verstehen? Hiermit ist gemeint a) jeder Selbstgerechtigkeit, Selbstrechtfertigung vor Gott zu entsagen; b) die Lebensäußerungen des alten Menschen täglich zu bekämpfen und abzulegen.

Was ist unter dem Anziehen des neuen Menschen zu verstehen? Hierhin gehören: a) das tägliche Erfassen der Taufgnade; b) der Lobpreis der Gnade; c) die tägliche Hingabe an Christus; d) die Nachfolge Christi im Gehorsam gegen sein Wort. Epheserbrief 4,22-24; Kolosserbrief 3.

Was ist die geistliche Grundlinie dieses neuen Lebens? Das neue Leben wird nicht durch Zwang, das Gesetz, bestimmt, sondern durch das Evangelium, es ist ein freies Leben aus der Liebe zu Christus. Um der alten Natur willen ist dies alles aber nur anfangsweise vorhanden, muss der alte Mensch immer wieder in Zucht gegeben werden. 2. Korintherbrief 5,14.15; Römerbrief 12,1.2.

Welche Zuchtmittel setzt Gott dabei ein? Gott verwendet dabei die kirchliche Gemeinschaft, die Gnadenmittel, natürliche Ordnungen des Lebens wie Todeserinnerung, Leiden, Abhängigkeiten von anderen Menschen, Mühen der Arbeit. s.a. Lukasevangelium 12,21.

Auf welche Gefahr müssen wir dabei achten? Wir müssen dabei darauf achten, dass die Mittel kirchlicher und persönlicher Zucht nicht gesetzlich werden, ebenso auch, dass nicht Rechtfertigung und Heiligung vermengt werden, so dass man schließlich meint, durch diese Zuchtmittel etwas zur Bewahrung in der Seligkeit oder zur Seligkeit beizutragen.

Wie bleiben wir recht in Gottes Zucht? Wir bleiben dann recht in Gottes Zucht, wenn wir in dem von Gott gegebenen Lebenslauf bleiben mit all den von ihm geordneten Trübsalen und guten Dingen.

In wiefern gehört Fasten in diesen Bereich der Lebenszucht? Fasten ist hier nicht nur in Bezug auf das Essen gemeint, sondern in einem umfassenderen, allgemeineren Sinn als Verzicht, Selbstverleugnung. Hier geht es gerade auch um solche Dinge, die Gott in seinem Wort weder geboten noch verboten hat und wie wir in ihnen und zu ihnen stehen. Als Christ werden wir dabei nicht danach trachten, woran wir wohl doch alles noch teilnehmen könnten, sondern in heiliger Einfalt uns an der Gottseligkeit genügen lassen und darum prüfen, was uns vielleicht zur Sünde verleiten, eine sündliche Lebenshaltung oder Gedankengänge verursachen könnte und all solches meiden, dagegen danach trachten, die Dinge zu suchen, in ihnen zu leben, die das christliche Leben erhalten, stärken, auferbauen. Recht handeln wir so aber nur dann, wer wir darum nicht sauer, griesgrämig sind, auch uns nicht darüber rühmen, sondern uns allein an die Gnade halten, Matthäusevangelium 6,17; Galaterbrief 5,18; Römerbrief 8,14.

Was müssen wir dabei immer wieder beachten? Wir werden selig allein aus Gnaden, nicht deshalb, weil wir das Fleisch töten; vielmehr ist es so: weil wir errettet sind, darum töten wir das Fleisch.

Wie ist unser Zustand auch als Christen? Die alte sündliche Natur bleibt auch neben dem neuen Menschen noch da; alle Regungen dieser alten Natur, alle ihre Lust, ist Sünde, Jakobusbrief 1,15. Je mehr wir fortschreiten in der Heiligung, desto mehr blicken wir hinein in den Abgrund des Sündenverderbens in uns.

Wie zeigen sich die Früchte des Geistes nach außen? Die Früchte des Geistes zeigen sich in den guten Werken, die wir Gott zu Dank, Lob und Preis und aus Liebe zu ihm tun, nach den heiligen zehn Geobten, und aus Liebe zum Nächsten. Es ist dies aus dem Leben in der Hingabe an den Herrn, aus Liebe zu ihm. Alles Eigene daran ist noch Sünde.

Wie betätigt sich dabei der Glaube? 2. Petrusbrief 1,5-7: Der Glaube will fest werden; er sucht geistliche Erkenntnis aus der Schrift zu gewinnen und in seinem Lebensstand zu bleiben, in den ihn Gott berufen hat, um darinnen in Geduld und Demut Gott in brüderlicher Nächstenliebe zu dienen, Familie und Haus, Freundschaft und Bekanntschaft; Beruf und Gemeinde, Kirche und Staat. Auch die Gaben, die uns Gott gegeben hat, sollen wir für den Nächsten einsetzen; Römerbrief 12,1.2; 1. Korintherbrief 12; Epheserbrief 4,16; Galaterbrief 5,22.

Die Bibel spricht auch vom Lohn. Was ist damit gemeint? Wenn die Bibel vom Lohn spricht und dabei die ewige Seligkeit meint, so meint sie nicht, dass die ewige Seligkeit der Lohn für unsere Anstrengungen in diesem Leben wäre, sondern sie zeigt, dass der rechte Glaube lebendig ist; es geht dabei um das Bleiben in der schon geschenkten Gnade. Jeder selbstgerechte Gedanke an Lohn ist tötlich für den Glauben, denn es ist die Gnade, die uns zu Arbeitern Gottes macht; aber auch die Arbeit selbst ist Gnade Im Blick auf den Lohn für die guten Werke geht es dagegen nicht um die ewige Seligkeit, sondern um den Grad der Herrlichkeit. Dabei ist zu bedenken: Auch unseren besten Werken haftet immer noch die Sünde an, so dass wir eigentlich gar kein wirklich gutes Werk Gott bringen können. Wenn Gott sie dennoch annimmt und uns belohnt, so ist das allein Gnadenlohn, Prophet Jeremia 8,23. Wer nicht in guten Werken erfunden wird, der hat auch den lebendigen Glauben nicht, gehört Christus nicht und hat das Heil nicht, Hebräerbrief 12,14.

 

Bibeltexte dazu: Markusevangelium 4,25; Lukasevangelium 19,12 ff.; Matthäusevangelium 25,14 ff.; Lukasevangelium 16,1 ff.; 1. Korintherbrief 3,12-15; Lukasevangelium 6,35; Matthäusevangelium 19,21; Lukasevangelium 12,33; 18,30

 

 

III. Vollbereitung

Bibelstellen:

Epheserbrief 4,12-15: Daß die Heiligen zugerichtet werden zum Werk des Dienstes, dadurch der Leib Christi erbaut werde,  bis daß wir alle hinkommen zu einerlei Glauben und Erkenntnis des Sohnes Gottes und ein vollkommener Mann werden, der da sei im Maße des vollkommenen Alters Christi,  auf daß wir nicht mehr Kinder seien und uns bewegen und wiegen lassen von allerlei Wind der Lehre durch Schalkheit der Menschen und Täuscherei, womit sie uns erschleichen, uns zu verführen.  Lasset uns aber rechtschaffen sein in der Liebe und wachsen in allen Stücken an dem, der das Haupt ist, Christus.

Philipperbrief 3,12-15: Nicht, daß ich's schon ergriffen habe oder schon vollkommen sei; ich jage ihm aber nach, ob ich's auch ergreifen möchte, nachdem ich von Christo Jesu ergriffen bin.  Meine Brüder, ich schätze mich selbst noch nicht, daß ich's ergriffen habe. Eines aber sage ich: Ich vergesse, was dahinten ist, und strecke mich zu dem, was da vorne ist,  und jage nach dem vorgesteckten Ziel, nach dem Kleinod, welches vorhält die himmlische Berufung Gottes in Christo Jesu.  Wie viele nun unser vollkommen sind, die lasset uns also gesinnt sein. Und solltet ihr sonst etwas halten, das lasset euch Gott offenbaren.

1. Korintherbrief 2,6: Wovon wir aber reden, das ist dennoch Weisheit bei den Vollkommenen; nicht eine Weisheit dieser Welt, auch nicht der Obersten dieser Welt, welche vergehen.

Hebräerbrief 5,14: Den Vollkommenen aber gehört starke Speise, die durch Gewohnheit haben geübte Sinne zum Unterschied des Guten und des Bösen.

 

Kann ein Christ in diesem Leben Vollkommenheit erlangen? Um diese Frage zu beantworten, muss zunächst der Begriff der Volkommenheit geklärt werden, da er in der Bibel in zweifacher Weise verwendet wird.

Wie versteht die Bibel den Begriff „Vollkommenheit“? Paulus spricht in Philipperbrief 3,12-15 einmal von einer Vollkommenheit, die er noch nicht erlangt hat, dann aber von einer geistlichen Erkenntnis, die nur bei den Vollkommenen da sei. Hier haben wir die beiden Begriffe an „Vollkommenheit“ in der Bibel. Der erste meint die sittliche Vollkommenheit, also unser Leben. Hier gilt, dass wir unvollkommen sind und bleiben, auch als Christen, dass wir also Sünder sind und immer wieder auch sündigen werden, 1. Johannesbrief 1,6-10. Der Begriff der sittlichen Vollkommenheit gehört also in den Bereich des Gesetzes.

    Der andere biblische Begriff der Vollkommenheit, s.a. 1. Korintherbrief 2,16; Hebräerbrief 5,14, gehört dagegen in das Evangelium und spricht von einer Vollkommenheit, die wir als Gabe empfangen; sie gehört also mit zur Rechtfertigung, nämlich ist dies, dass der Glaube die Vollkommenheit Christi in der Rechtfertigung ergreift und im Glauben wächst.

Wenn wir die sittliche Vollkommenheit nicht erreichen, was nützen uns dann die Aufforderungen dazu? Der Maßstab der sittlichen Vollkommenheit ist der Maßstab des göttlichen Gesetzes. Diesen Maßstab dürfen wir niemals abschwächen, sondern dieser Forderung müssen wir uns immer wieder stellen. Nur so merken wir, wie groß der Unterschied dazu in unserem Leben noch ist, wie mächtig die Sünde noch ist, wie sehr wir uns immer wieder unter die Sünde beugen müssen und allein aus der Gnade leben können.

    Der Maßstab der sittlichen Vollkommenheit aber ist zugleich uns ja als Regel für unser christliches Leben gegeben. Da, wo ein Mensch wiedergeboren ist zum lebendigen Glauben an seinen Heiland Jesus Christus, da hat sein gesamtes Leben eine neue Richtung bekommen, Römerbrief 12,1.2: Da ist es ihm dann heiliger Ernst, der sittlichen Vollkommenheit nachzustreben, der Sünde abzusterben, gegen sie zu kämpfen; alles Denken, Wollen und Tun an Gottes Willen und Christi Vorbild auszurichten, 1. Petrusbrief 2,11; Römerbrief 8,29. Da wollen sich dann auch Früchte zeigen, wie: Gottesliebe, Bruderliebe, Feindesliebe, Liebe der Einigkeit, Gehorsam gegenüber Gottes Wort, Bekenntnistreue, Selbstverleugnung, Geduld, Selbstzucht, Beherrschung der Zunge. Dieses Streben zu fördern, das geistliche Leben zu stärken und zu leiten, das ist gerade auch die Aufgabe der Gemeinde und ihrer Hirten, Epheserbrief 4,12-15. Die Vollkommenheit in diesem Bereich werden wir aber erst in der Herrlichkeit erlangen, 1. Korintherbrief 13,9.

Haben wir denn die Vollkommenheit als Gabe in der Rechtfertigung sogleich vollständig? Der Glaube ergreift zwar sehr wohl Christi Vollkommenheit sofort und hat sie auch. Gott aber will, dass wir heranwachsen zu einem vollen Mannesalter im Glauben, Epheserbrief 4,12-15. Es gibt also eine Entwicklung im Christenleben, eine Vertiefung der Vollkommenheit im Christenleben.

Worin besteht denn dieses Wachsen zu einem vollen Mannesalter in Christus? Es geht darum, dass wir immer deutlicher und klarer Natur und Gnade unterscheiden, also das, was aus dem natürlichen Menschen und seiner Religiosität folgt – und uns nicht in die Herrlichkeit bringt; und das,was allein aus der Gnade wir empfangen, die uns auch in die ewige Herrlichkeit führen will. Es gilt also, immer mehr Wahres und Falsches, Gutes und Böses nach Gottes Maßstab unterscheiden zu lernen. Dieses Wachsen in der Erkenntnis des Unterschiedes von Natur und Gnade ist vor allem ein Wachsen in der Erkenntnis des Kreuzes Christi und seiner Bedeutung für unser Christenleben, 1. Korintherbrief 1,18 ff. Dieses Kreuz muss immer mehr im Zentrum unseres Lebens stehen und von daher alles geprägt werden. Es geht dabei darum, dass wir uns selbst immer mehr im Spiegel Gottes erkennen, Psalm 139,23, unsere Sündenverdorbenheit, so immer wieder und immer energischer den alten Menschen mit seinen Wünschen, Lüsten, Begierden, seinem Hochmut, seiner Selbstgerechtigkeit in den Tod zu geben und so auch zu wachsen in der Liebe zu Christus und so in der ersten Liebe zu bleiben oder sie immer wieder zu erneuern, Offenbarung an Johannes 2,4. Dies führt dann dazu, sich der eigenen Schwachheit rühmen zu können und der Tatsache, dass wir allein aus der Gnade leben können, 2. Korintherbrief 12,9 ff.

Wovon ist also ein solches Christenleben geprägt? Im Zentrum steht das Kreuz Christi. Darum gilt es, in der Buße zu bleiben und dadurch in der ersten Liebe zu Christus; damit auch in der Abkehr von der Welt und der entschiedenen Hinwendung zu Jesus Christus, dem Heiland und Herrn. Es ist solch ein Leben ein tägliches Sterben, 2. Korintherbrief 6,1-10; 4,7-17.

 

 

 

ANHANG

 

DER CHRIST – EIN FREMDLING IN DER WELT

 

Bibelstellen:

1. Petrusbrief 2,11a: Liebe Brüder, ich ermahne euch als die Fremdlinge und Pilgrime.

Hebräerbrief 11,13: Sondern sie von ferne gesehen und sich der vertröstet und wohl begnügen lassen und bekannt, dass sie Gäste und Fremdlinge auf Erden sind.

Johannesevangelium 17,11.16: Sie sind in der Welt. ... Sie sind nicht von der Welt, gleichwie auch ich nicht von der Welt bin.

Römerbrief 12,2: Und stellet euch nicht dieser Welt gleich, sondern verändert euch durch Erneuerung eures Sinnes, auf dass ihr prüfen möget, welches da sei der gute, der wohlgefällige, der vollkommene Gotteswille.

Psalm 39,13: Denn ich bin beides, dein Pilgrim und dein Bürger, wie alle meine Väter.

Philipperbrief 3,20: Unser Wandel aber ist im Himmel, von dannen wir auch warten des Heilandes Jesus Christus, des Herrn.

Hebräerbrief 13,14: Denn wir haben hier keine bleibende Stadt, sondern die zukünftige suchen wir.

1. Johannesbrief 5,19: Und die ganze Welt liegt im Argen.

1. Johannesbrief 2,15.16: Habt nicht lieb die Welt, noch was in der Welt ist. So jemand die Welt lieb hat, in dem ist nicht die Liebe des Vaters. Denn alles, was in der Welt ist (nämlich des Fleisches Lust und der Augen Lust und hoffärtiges Leben), ist nicht vom Vater, sondern von der Welt.

1. Johannesbrief 5,4: Denn alles, was von Gott ist, überwindet die Welt. Und unser Glaube ist der Sieg, der die Welt überwunden hat.

1. Thessalonicherbrief 5,6-8: So lasset uns nun nicht schlafen wie die andern, sondern lasset uns wachen und nüchtern sein.  Denn die da schlafen, die schlafen des Nachts, und die da trunken sind, die sind des Nachts trunken;  wir aber, die wir des Tages sind, sollen nüchtern sein, angetan mit dem Panzer des Glaubens und der Liebe und mit dem Helm der Hoffnung zur Seligkeit.

 

Was heißt dies denn, als Christ ein Fremdling in dieser Welt zu sein? Die Bibel bezeichnet uns Christen als Fremdlinge in dieser Welt, 1. Petrusbrief 4,1, nämlich als solche, die zwar in dieser Welt noch leben, aber doch in ihrer Haltung, in ihrem Denken, Wollen, Fühlen, ihren Zielen – und vor allem durch ihren Glauben – von der Haltung, dem Denken, Fühlen, Wollen der Menschen dieser Welt völlig unterschieden sind, Johannesevangelium 17,11.16; Römerbrief 12,2. Wir sollen uns daher auch als Christen nicht der Welt und ihrem Geist anpassen, sondern von ihrer Art abgesondert sein. Wir sind als Christen Fremdlinge in dieser Welt, weil unsere Heimat im Himmel ist, wir durch die neue Geburt Himmelsbürger sind, hier auf Erden dagegen nur Gäste, die auf der Wanderschaft, Pilgerschaft in die himmlische Stadt sind, Philipperbrief 3,20; Hebräerbrief 13,14.

Wie beschreibt Gott denn die „Welt“, von der wir uns getrennt halten müssen? Die „Welt“ meint hier natürlich nicht die Schöpfung, das Kreatürliche an sich, sondern das Reich Satans, denn Satan ist der Fürst dieser Welt – und darum liegt diese Welt im Argen, 1. Johannesbrief 5,19, regiert in ihr die Sünde, die Gottesferne, die Gottlosigkeit, die Rebellion gegen Gott. Zugleich versucht diese Welt, uns Christen zu sich hinüber zu ziehen, uns zu Augenlust (Geiz, Habgier, Missgunst, Neid), Fleischeslust (Wollust, Unzucht, Unkeuschheit, Schamlosigkeit, Hurerei, Ehebruch, Sexismus und was alles dazu anreizt und dies fördert) und Hoffart (Ehrsucht, Erfolgssucht, Karrieredenken, Ruhmsucht, Selbstsucht, Egoismus, Stolz, Prestigedenken, Arroganz, Hochmut, Gewalt) zu verführen, 1. Johannesbrief 2,15.16.

Wie können wir als Christen in dieser Welt bestehen? Wir müssen nüchtern, wachsam, vorsichtig, behutsam und aufmerksam sein, aus der Gnade Gottes, aus dem Evangelium Christi leben, im Blick auf die ewige Heimat, und zugleich in täglicher Buße und Umkehr, damit die Sünde nicht wieder Macht und Anrecht an uns bekommt, 1. Thessalonicherbrief 5,6-8..

    Darum müssen wir uns von dem Geist dieser Welt getrennt halten. Wir dürfen die Dinge dieser Welt zwar gebrauchen, aber sie dürfen uns nicht abhängig machen, 1. Korintherbrief 7,29-31. Insbesondere gilt es, eifrig und konsequent im Kampf gegen die Sünde und die Verführungen zur Sünde zu sein und auch all das zu lassen, was uns zur Sünde anreizen, verführen könnte (Tanz, Glücksspiel, moderne Musik, Theater, Schauspiel, schmutzige Literatur, schlechte Gesellschaft, unzüchtige, schamlose Kleidung, übermäßiges Aufputzen und Schminken). Alle Ehre und allen Reichtum dieser Welt sollen wir Christus, seinem Evangelium und der ewigen Heimat gegenüber für nichts achten, sie auch nicht suchen und begehren. Wo Gott sie uns aber dennoch gibt, da lasst uns darum bitten, dass wir sie demütig, treu und gewissenhaft gebrauchen, damit wir nicht verführt werden.

 

 

DAS KREUZ IM CHRISTENLEBEN

 

Bibelstellen:

Matthäusevangelium 10,34-37: Ihr sollt nicht wähnen, daß ich gekommen sei, Frieden zu senden auf die Erde. Ich bin nicht gekommen, Frieden zu senden, sondern das Schwert.  Denn ich bin gekommen, den Menschen zu erregen gegen seinen Vater und die Tochter gegen ihre Mutter und die Schwiegertochter gegen ihre Schwiegermutter.  Und des Menschen Feinde werden seine eigenen Hausgenossen sein.  Wer Vater oder Mutter mehr liebt denn mich, der ist mein nicht wert; und wer Sohn oder Tochter mehr liebt denn mich, der ist mein nicht wert.

Lukasevangelium 14,27: Und wer nicht sein Kreuz trägt und mir nachfolgt, der kann nicht mein Jünger sein.

1. Petrusbrief 4,1: Weil nun Christus im Fleisch für uns gelitten hat, so wappnet euch auch mit demselben Sinn: Denn wer am Fleisch leidet, der höret auf von Sünden.

Matthäusevangelium 16,24: Will mir jemand nachfolgen, der verleugne sich selbst und nehme sein Kreuz auf sich und folge mir.

Lukasevangelium 14,33: Also ein jeglicher unter euch, der nicht absaget allem, was er hat, kann nicht mein Jünger sein.

Galaterbrief 5,24: Welche aber Christus angehören, die kreuzigen ihr Fleisch samt den Lüsten und Begierden.

1. Petrusbrief 4,14: Selig seid ihr, wenn ihr geschmähet werdet über dem Namen Christi; denn der Geist, der ein Geist der Herrlichkeit und Gottes ist, ruhet auf euch. Bei ihnen ist er verlästert, aber bei euch ist er gepriesen.

Römerbrief 8,17: Sind wir denn Kinder, so sind wir auch Erben, nämlich Gottes Erben und Miterben Christi, so wir anders mit leiden, auf dass wir auch mit zur Herrlichkeit erhoben werden.

2. Korintherbrief 4,17.18: Denn unsre Trübsal, die zeitlich und leicht ist, schafft eine ewige und über alle Maßen wichtige Herrlichkeit  uns, die wir nicht sehen auf das Sichtbare, sondern auf das Unsichtbare. Denn was sichtbar ist, das ist zeitlich; was aber unsichtbar ist, das ist ewig.

 

Welche Grundaussage macht Gottes Wort über das Kreuz im Christenleben? Kreuz gehört zum Christenleben ganz natürlich mit dazu, wir können dem nicht entgehen: Wir stehen als Christen in dieser Welt in Niedrigkeit und nicht in majestätischer Erhabenheit da und sollen unser Kreuz, das Gott uns auflegt, tragen. Wer sein Kreuz nicht tragen will, der kann kein Christ sein oder bleiben. Wir sollen aber darum das Kreuz nicht suchen, nicht meinen, uns damit etwas zu verdienen, sondern Gott legt uns das Kreuz auf zu seiner Zeit.

Was gehört denn alles zu dem, was die Bibel da mit „Kreuz“ bezeichnet? Das Kreuz im Christenleben ist vielfältig: Selbstverleugnung im Kampf gegen die Sünde, Matthäusevangelium 16,24; Verzicht dabei auf alles, was uns in der Nachfolge behindert, Lukasevangelium 14,33; Verzicht auf menschliche Weisheit in geistlichen Dingen, Matthäusevangelium 5,2; 11,25; Verzicht auf äußeren Frieden und Ruhe, Matthäusevangelium 10,34; eventuell notwendiger Verzicht auf Freundschaft auch im engsten Verwandtenkreis, Matthäusevangelium 10,35-37; eventuell notwendiger Verzicht auf irdischen Besitz, 1. Korintherbrief 7,29; wo notwendig auch die Bereitschaft zum Martyrium, Lukasevangelium 9,24; die Kreuzigung aller Lüste und Begierden, Galaterbrief 5,24; leibliche Leiden und Krankheit, 2. Korintherbrief 12,7-9; täglicher Kampf mit der Sünde und Abtöten des sündlichen Fleisches, Römerbrief 7,14.15.23.

Wie sollen wir das Kreuz in unserem Christenleben verstehen? Das Kreuz im Christenleben ist kein Zeichen göttlichen Zorns über uns, sondern ein Mittel der göttlichen Pädagogik, Erziehung, Hebräerbrief 12,5-11. Leiden um Gottes willen sollen so auch zu einem Bekenntnis Gottes zu uns werden und zugleich aber auch die Sehnsucht nach dem Himmel verstärken, Römerbrief 8,17; 2. Korintherbrief 4,17.18. Weiterhin ist das Kreuz dasjenige Mittel, wodurch Gott uns demütig erhält, 2. Korintherbrief 12,7, und uns dazu führt, uns allein auf die Gnade zu verlassen, 2. Korintherbrief 12,8, und so den Glauben stärkt, 1. Petrusbrief 1,6.7. Leiden treibt ins Gebet, Prophet Jesaja 26,16, und zum Wort Gottes, Prophet Jesaja 28,19; und hilft uns, den Leib der Sünde abzutöten, 1. Petrusbrief 4,1.

Wie tragen wir das Kreuz recht? Wir tragen das Kreuz recht, wenn wir es tragen aus der Gewissheit, dass Christus auch für mich gestorben ist, Römerbrief 5,5; aus der Gewissheit der zukünftigen Herrlichkeit, Römerbrief 8,18; aus der Tatsache, dass unser Leben mit Christus verborgen ist, Kolosserbrief 3,3 und aus dem Wissen, dass wir im Himmel unseren Gnadenlohn empfangen, Matthäusevangelium 5,12.