F E S T

 

U N D

 

T R E U

 

 

 

Die Gemeinde Jesu Christi in der Endzeit

 

 

Predigten über das Buch Daniel

 

 

 

Von

 

 

 

Roland Sckerl

 

 

 

2002

 

 

 

 

 


 

I n h a l t s v e r z e i c h n i s

 

 

Daniel 1: 3

Getrost fromm sein! 3

Daniel 2: 8

Die Reiche dieser Welt vergehn, Christi Reich allein bleibt stehn! 8

Daniel 3: 16

Der Zusammenprall von Weltmacht und Christusgemeinde. 16

Daniel 3,31-4,34: 26

Gott widerstehet den Hoffaertigen, aber den Demuetigen gibt er Gnade! 26

Daniel 5: 32

Gottes Gericht ueber die Gottlosen kommt! 32

Daniel 6: 40

Fest und treu im Glauben an Gott,den Erloeser und Nothelfer 40

Daniel 7: 47

Wenn auch die Weltreiche im Antichristen gipfeln – Gott ist der HERR der Geschichte  47

Daniel 7: 55

Das Volk Gottes und Christi ewiges Reich. 55

Daniel 8: 60

Der Antichrist – Gottes Gerichtsmacht an seinem untreuen Volk. 60

Daniel 9,1-19: 69

Nicht auf unsere Gerechtigkeit – sondern auf deine große Barmherzigkeit! 69

Daniel 9,20-27: 76

Unter der ewigen Gerechtigkeit 76

Daniel 10,1-11,2: 83

Gestellt in Gottes Welt- und Heilsgeschichte. 83

Daniel 11,2-39: 89

Die Gemeinde Jesu Christi in der Zeit der Greuel der Verwuestung an heiliger Stätte  89

Daniel 11,40-12,4: 99

Der Antichrist und der Juengste Tag. 99

Anhang 1: 107

Geschichtlicher Hintergrund zu den siebzig Jahrwochen in Daniel 9. 107

Anhang 2: 108

Geschichtlicher Hintergrund von Daniel 11. 108. 110

 

 

 

 


 

Daniel 1:

Getrost fromm sein!

(Predigt zum ersten Sonntag nach Ostern, Quasimodo Geniti)

 

Daniel 1: Im dritten Jahr des Reiches Jojakims, des Königs in Juda, kam Nebukadnezar, der König zu Babel, vor Jerusalem und belagerte es.  Und der HERR übergab ihm Jojakim, den König Juda's, und etliche Gefäße aus dem Hause Gottes; die ließ er führen ins Land Sinear in seines Gottes Haus und tat die Gefäße in seines Gottes Schatzkammer.  Und der König sprach zu Aspenas, seinem obersten Kämmerer, er sollte aus den Kindern Israel vom königlichen Stamm und Herrenkinder wählen  Knaben, die nicht gebrechlich wären, sondern schöne, vernünftige, weise, kluge und verständige, die da geschickt wären, zu dienen an des Königs Hofe und zu lernen chaldäische Schrift und Sprache.  Solchen bestimmte der König, was man ihnen täglich geben sollte von seiner Speise und vom Wein, den er selbst trank, dass sie also drei Jahre auferzogen würden und darnach dem König dienen sollten.  Unter diesen war Daniel, Hananja, Misael und Asarja von den Kindern Juda.  Und der oberste Kämmerer gab ihnen Namen und nannte Daniel Beltsazar und Hananja Sadrach und Misael Mesach und Asarja Abed-Nego.  Aber Daniel setzte sich vor in seinem Herzen, dass er sich mit des Königs Speise und mit dem Wein, den er selbst trank, nicht verunreinigen wollte, und bat den obersten Kämmerer, dass er sich nicht müsste verunreinigen.  Und Gott gab Daniel, dass ihm der oberste Kämmerer günstig und gnädig ward.  Derselbe sprach zu ihm: Ich fürchte mich vor meinem Herrn, dem König, der euch eure Speise und Trank bestimmt hat; wo er würde sehen, dass eure Angesichter jämmerlicher wären denn der andern Knaben eures Alters, so brächtet ihr mich bei dem König um mein Leben.  Da sprach Daniel zu dem Aufseher, welchem der oberste Kämmerer Daniel, Hananja, Misael und Asarja befohlen hatte:  Versuche es doch mit deinen Knechten zehn Tage und lass uns geben Gemüse zu essen und Wasser zu trinken.  Und lass dann vor dir unsre Gestalt und der Knaben, so von des Königs Speise essen, besehen; und darnach du sehen wirst, darnach schaffe mit deinen Knechten.  Und er gehorchte ihnen darin und versuchte es mit ihnen zehn Tage.  Und nach den zehn Tagen waren sie schöner und besser bei Leibe denn alle Knaben, so von des Königs Speise aßen.  Da tat der Aufseher ihre verordnete Speise und Trank weg und gab ihnen Gemüse.  Aber diesen vier Knaben gab Gott Kunst und Verstand in allerlei Schrift und Weisheit; Daniel aber gab er Verstand in allen Gesichten und Träumen.  Und da die Zeit um war, die der König bestimmt hatte, dass sie sollten hineingebracht werden, brachte sie der oberste Kämmerer hinein vor Nebukadnezar.  Und der König redete mit ihnen, und ward unter allen niemand gefunden, der Daniel, Hananja, Misael und Asarja gleich wäre; und sie wurden des Königs Diener.  Und der König fand sie in allen Sachen, die er sie fragte zehnmal klüger und verständiger denn alle Sternseher und Weisen in seinem ganzen Reich.  Und Daniel erlebte das erste Jahr des Königs Kyros.

 

    Der heutige Sonntag trägt den schwierigen lateinischen Namen ‚Quasimodo Geniti’, was soviel heißt ‚Wie die neugeborenen Kindlein’, er wird aber auch oft als der ‚Weiße Sonntag’ bezeichnet. Beide Begriffe hängen miteinander zusammen und haben ihre Berechtigung aus der Geschichte der frühen Gemeinde. Weißer Sonntag hieß er schon damals, weil damals einmal im Jahr, am Osterfest, diejenigen aus der Heiden- oder Judenschaft, die im Glauben sich taufen lassen und der Gemeinde Jesu Christi beitreten wollten, nach dem erfolgten Unterricht getauft wurden. Dazu trugen sie, damit sie herausgehoben waren als diejenigen, die sich jetzt zum Heiland bekannten, weiße Kleider. Diese Taufkleider hatten sie auch die gesamte Osterwoche an, bis einschließlich zu diesem ersten Sonntag nach Ostern. Deshalb hieß auch die gesamte Woche die ‚weiße Woche’. Sie waren also solche, die durch das Evangelium von unserem Heiland Jesus Christus wiedergeboren waren durch Gottes Barmherzigkeit zu der lebendigen Hoffnung durch die Auferstehung Jesu Christi, wie es im Wochenspruch heißt, also von Gott von neuem geboren wurden durch das Evangelium zu Kindern Gottes, nachdem sie zuvor durch das Gesetz erkannt hatten, dass sie Sünder sind, erkannt hatten, wo es fehlt, wo sie mit Gottes Ordnungen nicht übereinstimmen. Ja, noch mehr, sie hatten dann mehr und mehr auch die Ursache für diesen Graben zwischen sich selbst und Gott erkannt – die Erbsünde, das sündige, verdorbene Herz, und dass darum Gott ganz Recht hat mit seinem Zorn und der angedrohten Strafe. Da hatten sie lebendig erfasst, dass sie verloren sind und einen Heiland brauchen – und den hat das Evangelium ihnen dann lebhaft vor die Augen gemalt: Jesus Christus, für sie wie für uns, für dich Mensch geworden, um dann auch für dich zu leiden, zu sterben – und dann vom Vater am dritten Tag auferweckt zu werden. Diese Auferweckung, das ist der große Trost, ist ja Gottes Siegel, dass er den Tod seines Sohnes als Opfer für unsere, auch für deine Sünden, angenommen hat, dass in Christus unsere Schuld bezahlt ist, dass wir in Christus Vergebung der Sünden, den Freispruch im Jüngsten Gericht haben. All das hatten sie im Glauben ergriffen. Und damit fragt dieser Sonntag auch dich: Wie steht es da mit dir? Hast auch du dies im Glauben ergriffen? Hast du noch, was du in deiner Taufe empfangen hast? Stehst du noch in täglicher Buße und Glauben? Diese jungen Christen haben, schon durch ihre Kleidung, sogleich auch ein Zeugnis für ihren HERRN abgelegt, was damals oft auch nicht ungefährlich war. So, wie auch damals zur Zeit Daniels, von dem unser heutiger Abschnitt spricht – und wie es auch für uns sein kann.

 

Lasst uns nun anhand dieses Abschnittes uns ermutigen:

Getrost fromm sein!

Und dabei bedenken:

1. Getrost fromm sein – in schwieriger Zeit

2. Getrost fromm sein – im Vertrauen auf Gott

3. Getrost fromm sein – unter Gottes Segen

 

    1. Was war das für eine Zeit, in der Daniel und seine drei Freunde lebten? Im dritten Jahr des Reiches Jojakims, des Königs in Juda, kam Nebukadnezar, der König zu Babel, vor Jerusalem und belagerte es.  Und der HERR übergab ihm Jojakim, den König Juda's, und etliche Gefäße aus dem Hause Gottes; die ließ er führen ins Land Sinear in seines Gottes Haus und tat die Gefäße in seines Gottes Schatzkammer.  Und der König sprach zu Aspenas, seinem obersten Kämmerer, er sollte aus den Kindern Israel vom königlichen Stamm und Herrenkinder wählen  Knaben, die nicht gebrechlich wären, sondern schöne, vernünftige, weise, kluge und verständige, die da geschickt wären, zu dienen an des Königs Hofe und zu lernen chaldäische Schrift und Sprache.  Solchen bestimmte der König, was man ihnen täglich geben sollte von seiner Speise und vom Wein, den er selbst trank, daß sie also drei Jahre auferzogen würden und darnach dem König dienen sollten. Nebukadnezar war gerade mit großem Heer nach Juda gezogen und hatte die Belagerung Jerusalems begonnen. Jojakim war klug genug gewesen zu erkennen, dass jeglicher Widerstand zwecklos war und nur Juda und Jerusalem völlig ruiniert und zerstört hätte. So hatte er die Tore der Stadt geöffnet, war selbst zu dem babylonischen Kronprinzen hinausgegangen und hatte sich ergeben. Nebukadnezar war der Sieger. Für viele Juden muss dies ein ungeheurer Schock gewesen sein. Dieser Heide hatte das Volk Gottes besiegt. Warum? Wie war das möglich? Und dann forderte er Geißeln, Jünglinge von vielleicht 14 oder 16 Jahren, aus dem königlichen Geschlecht und sonst von dem jüdischen Hochadel. Sie sollten in Chaldäa aufgezogen werden, dort auch königliche Beamte werden. Vielleicht hoffte er so, Juda einfach einzuschmelzen in das Babylonische Reich. Unter diesen jungen Männern waren auch Daniel, Hananja, Misael und Asarja. Herausgerissen waren sie aus ihrer unbeschwerten Jugend, getrennt von ihren Familien, losgelöst von ihrem Volk, ohne Kontakt zur Gemeinde des HERRN, allein dort im fremden, im feindlichen Land, ausgeliefert einem unberechenbaren Herrscher. Wie mochte es weitergehen? Wie sollten sie sich zu ihm stellen?

    Kennen wir nicht auch solche Situationen? Wir sind in eine neue Gegend gekommen, fremd, unbekannt mit den Menschen, der Mentalität, der Kultur, dem Dialekt. Unbekannt ist auch die Firma, fremd sind die neuen Arbeitskollegen. Aber das alles ist noch nicht so schlimm. Viel schwieriger, bedrohlicher ist es doch, wenn wir als Gläubige allein stehen – allein vielleicht in der Familie; allein etwa in einer Nachbarschaft, zu der man sonst gute Kontakte hat; allein am Arbeitsplatz, wo alle anderen nicht fragen nach dem Willen Gottes. Wie ist uns da zumute? Kommt da nicht schnell der Gedanke: Ich kann doch Christ bleiben, für mich, privat, ohne dass ich auffalle. Ich kann doch so leben, dass ich nicht jeder sogleich merkt, dass ich Christ bin. Ich muss es doch nicht ständig sagen. Da ist die Angst, ausgegrenzt zu werden, isoliert zu sein, Schwierigkeiten zu bekommen, vielleicht den Arbeitsplatz zu verlieren.

    Wie haben Daniel und seine Freunde reagiert? Mussten sie sich nicht auch sagen: Wir sind Gefangene, wir gehören zu den Verlierern. Wir können eigentlich froh sein über die Aussichten, die wir haben, hier am Hof aufsteigen zu können. Hätte das nicht für sie gehießen: Nur nicht unangenehm auffallen, nur nicht sich gegen die Anordnungen des Königs stellen, das Judesein nicht so sehr herausstellen? Konnte nicht das ersten Aufmucken alles zunichte machen, konnte nicht der König sie sofort spüren lassen, dass sie doch eigentlich in seiner Hand waren? Wie haben sie reagiert?

    2. In einem einzigen Vers wird die Reaktion gedrängt zusammengefasst: Aber Daniel setzte sich vor in seinem Herzen, dass er sich mit des Königs Speise und mit dem Wein, den er selbst trank, nicht verunreinigen wollte, und bat den obersten Kämmerer, dass er sich nicht müsste verunreinigen. Trotz dieser schwierigen, ja vielleicht sogar bedrohlichen Lage, trotz der Ungewissheit, was dabei herauskommen konnte, entschlossen sich Daniel und seine Freunde, nicht vom Gesetz Gottes abzuweichen. Im Alten Bund gehörten zu den Zeremonial- und Sozialgesetzen auch genaue Vorschriften über erlaubte und verbotene Speisen, Vorschriften, die mit Jesu Tod am Kreuz und dem Ende des alten Bundes auch ihr Ziel erreicht haben. Wir sind heute daher nicht mehr an sie gebunden. Damals aber waren die bibeltreuen gläubigen Juden sehr wohl daran gebunden. Darum nahmen Daniel und seine drei Freunde sich vor, nicht von dieser Speise zu essen, die der König für die Jünglinge bestimmt hatte. Das war nicht ungefährlich. Es war ja gerade die Speise, wie sie sonst auch der König bekam. Konnte man das nicht als Verachtung des Königs auffassen? Und wie, wenn sie mit ihrer sehr einfachen Speise tatsächlich nicht so gut ernährt wären wie nötig? Und: Musste man über solch eine für viele nebensächliche Vorschrift wirklich alles aufs Spiel setzen. Wie viele gibt es doch heute, die meinen: Es geht doch um die Einheit der Christen, man darf nicht immer so das Trennende betonen. Warum so sehr auf der Säuglingstaufe bestehen? Warum daran festhalten, dass im Abendmahl wir mit Brot und Wein auch Christi Leib und Blut empfangen? Warum nicht auch das andere stehen lassen? Warum sich streiten um Evangelisationsmethoden? Warum nicht auch mit den Pfingstlern Gemeinschaft pflegen? Schnell ist man dabei, ein Stück nach dem anderen der biblischen Wahrheit zu opfern. So, als komme es nur auf ein paar wenige Fundamentallehren an und könne alles andere zur Disposition gestellt werden. Es wird vergessen, dass die Wahrheit eine ist und in Jesus Christus erschienen. Sie lässt sich darstellen, wie es Luther betont hat, wie ein Ring. Bricht man ein Stück heraus, so ist der ganze Ring kaputt. Daniel war daher keineswegs der Ansicht, dass es doch eine nebensächliche Sache sei, um die es da gehe, die man doch ruhig anders beurteilen könne, über die er sich nicht den Kopf zerbrechen sollte. Nein, er wusste: Gott hat es angeordnet, darum hatte er sich daran zu halten.

    Ob er nicht auch Angst gehabt hat? Er wird gewiss das Risiko gekannt haben. Er wird gewusst haben, was ihn und seine Freunde erwarten konnte. Aber – er kannte auch die Geschichte Gottes mit seinem Volk. Er wusste etwa um Joseph, der von seinen Brüdern an die Ismaeliten und von da nach Ägypten verkauft worden war, der in der Fremde dennoch treu an Gott sich hielt und dafür jahrelang ungerechtfertigt im Gefängnis leiden musste. Und er wusste, dass Gott diesem jungen Mann durchgeholfen, ihn schließlich wunderbarerweise sogar zum Vizekönig über Ägypten machte. Und er wusste auch: Dieser Gott ist immer noch der gleiche Gott. So, wie er damals geholfen hat, so konnte er auch heute noch helfen. Darauf wird er vertraut haben. Und: Er und seine Freunde werden, wie wir auch aus dem späteren Leben Daniels wissen, alles, was sie bewegt hat, Gott im Gebet gesagt haben. Liegt es nicht vielleicht auch daran, dass wir oftmals zu viel Sorgen haben um unsere Lage, dass wir oft zu ängstlich sind: Weil wir die Dinge zu wenig im Gebet vor dem Herrn bewegen, weil wir zu wenig zu ihm schreien, weil wir zu wenig bewusst und im Vertrauen auf ihn den Weg treu gehen wollen? Lasst uns da lernen von Daniel und seinen Freunden: auch in schwieriger Lage, in notvoller Zeit im Vertrauen auf den Herrn Gott treu sein, getrost fromm sein!

    3. Und Gott segnet diese Haltung über alle Maßen. Denn was geschieht? Und Gott gab Daniel, dass ihm der oberste Kämmerer günstig und gnädig ward.  Derselbe sprach zu ihm: Ich fürchte mich vor meinem Herrn, dem König, der euch eure Speise und Trank bestimmt hat; wo er würde sehen, dass eure Angesichter jämmerlicher wären denn der andern Knaben eures Alters, so brächtet ihr mich bei dem König um mein Leben.  Da sprach Daniel zu dem Aufseher, welchem der oberste Kämmerer Daniel, Hananja, Misael und Asarja befohlen hatte:  Versuche es doch mit deinen Knechten zehn Tage und laß uns geben Gemüse zu essen und Wasser zu trinken.  Und laß dann vor dir unsre Gestalt und der Knaben, so von des Königs Speise essen, besehen; und darnach du sehen wirst, darnach schaffe mit deinen Knechten.  Und er gehorchte ihnen darin und versuchte es mit ihnen zehn Tage.  Und nach den zehn Tagen waren sie schöner und besser bei Leibe denn alle Knaben, so von des Königs Speise aßen.  Da tat der Aufseher ihre verordnete Speise und Trank weg und gab ihnen Gemüse.  Aber diesen vier Knaben gab Gott Kunst und Verstand in allerlei Schrift und Weisheit; Daniel aber gab er Verstand in allen Gesichten und Träumen.  Und da die Zeit um war, die der König bestimmt hatte, dass sie sollten hineingebracht werden, brachte sie der oberste Kämmerer hinein vor Nebukadnezar.  Und der König redete mit ihnen, und ward unter allen niemand gefunden, der Daniel, Hananja, Misael und Asarja gleich wäre; und sie wurden des Königs Diener.  Und der König fand sie in allen Sachen, die er sie fragte zehnmal klüger und verständiger denn alle Sternseher und Weisen in seinem ganzen Reich. Der Kämmerer, der verantwortlich war für diese Jünglinge, das war ja die erste Hürde. Hätte er nicht schon sagen können: ‚Was fällt euch ein? Ihr seid Gefangene, ihr habt zu machen, was euch aufgetragen wird.’ Aber wie reagiert er? Er zeigt großes Verständnis, er beschreibt offen seine schwierige Lage, in welche Gefahr er sich begibt, da Nebukadnezar nicht lange gefackelt hat, auch Menschen hinrichten zu lassen. Aber Daniel bittet nun, dass es doch einfach probiert werde. Zehn Tage lang – dann könne man ja sehen, wie es ist, da war noch nicht viel kaputt gemacht. Und er geht darauf ein. Gott gab es, wie es hier heißt, dass der Kämmerer günstig und gnädig war. So handelt Gott, so antwortet er auf Gebet. Und nach zehn Tagen, wie sah es da aus? Unsere vier waren besser und schöner am Leibe als die anderen. Solch eine Gnade gibt Gott. Da hat dann der königliche Beamte ganz von sich aus die vorgeschriebene Speise endgültig abgesetzt und die sehr einfache, aber mit Gottes Anordnungen übereinstimmende, gegeben.

    Und der HERR gab noch mehr: Sie sollten ja ausgebildet werden, um kluge Hofbeamte zu sein. Wahrscheinlich wurden sie in Staatswissenschaft, Verwaltungslehre, Wirtschaftslehre und solchen Dingen unterwiesen, vor allem wohl auch Sternenkunde und chaldäischen Spezialwissenschaften. Und auch hier gab der HERR besondere Gnade. Mehr als alle anderen ragten sie hervor, bestanden als beste die Prüfungen vor dem König – und wurden seine Diener. Ja, sie wurden als zehnmal klüger erfunden als die chaldäischen heidnischen Sterndeuter.

    Nun, wir haben keine Verheißung, dass Gott in gleicher Weise uns segnet, wenn wir treu sind im Bekenntnis. Ja, wenn wir ins Neue Testament sehen und uns Stephanus oder Paulus ansehen, so finden wir da einen ganz anderen Lebenslauf. Hat Gott da versagt? Ist er doch nicht mehr der gleiche Gott? Doch, er ist immer noch der Gott, der er auch bei Daniel war. Aber: Er hat uns nicht verheißen, dass wir den Segen in dieser Weise empfangen wie Daniel und seine Freunde. Ist nicht auch Stephanus gesegnet gewesen? Hat er nicht den Himmel offen gesehen, den Heiland zur Rechten des Vaters? Ist nicht Paulus gesegnet gewesen trotz Ketten, trotz der späteren Hinrichtung? Hat er nicht die Gemeinden stärken können? Viele seiner Briefe sind ja Gefangenschaftsbriefe! Wie viel wird seine Standhaftigkeit auch für die römische Gemeinde bewirkt haben. Oder denken wir an die Bekenner in Russland. Wie haben sie zu leiden gehabt. Wie viele haben ihr Bekenntnis mit dem Tode bezahlt. Hat Gott sie nicht gesegnet? Gewiss haben sie persönlich trotz aller Leiden einen großen Segen, ein geistliches Reifen erfahren. Aber auch die Gemeinden sind gestärkt worden, sind gewachsen im Glauben – und das Evangelium ist in Gegenden gekommen, wo es so schnell nie hingekommen wäre. Das sind Gottes Wege.

    Auch für uns hat er seinen Segen bereit. Nehmen wir ihn doch in Anspruch. Gehen wir doch seinen Weg, seien wir doch getrost fromm, wie immer die Lage auch sein mag – im Vertrauen auf ihn! Amen.

 

 

Daniel 2:

Die Reiche dieser Welt vergehn, Christi Reich allein bleibt stehn!

(Predigt zum 2. Sonntag nach Ostern, Misericordias Domini)

 

Daniel 2: Im zweiten Jahr des Reiches Nebukadnezars hatte Nebukadnezar einen Traum, davon er erschrak, dass er aufwachte.  Und er hieß alle Seher und Weisen und Zauberer und Chaldäer zusammenfordern, dass sie dem König seinen Traum sagen sollten. Und sie kamen und traten vor den König.  Und der König sprach zu ihnen: Ich habe einen Traum gehabt, der hat mich erschreckt; und ich wollte gern wissen, was es für ein Traum gewesen sei.  Da sprachen die Chaldäer zum König auf chaldäisch: Der König lebe ewiglich! Sage deinen Knechten den Traum, so wollen wir ihn deuten.  Der König antwortete und sprach zu den Chaldäern: Es ist mir entfallen. Werdet ihr mir den Traum nicht anzeigen und ihn deuten, so sollt ihr in Stücke zerhauen und eure Häuser schändlich zerstört werden.  Werdet ihr mir aber den Traum anzeigen und deuten, so sollt ihr Geschenke, Gaben und große Ehre von mir haben. Darum so sagt mir den Traum und seine Deutung.  Sie antworteten wiederum und sprachen: Der König sage seinen Knechten den Traum, so wollen wir ihn deuten.  Der König antwortete und sprach: Wahrlich, ich merke es, dass ihr Frist sucht, weil ihr seht, dass mir's entfallen ist.  Aber werdet ihr mir nicht den Traum sagen, so geht das Recht über euch, als die ihr Lügen und Gedichte vor mir zu reden euch vorgenommen habt, bis die Zeit vorübergehe. Darum so sagt mir den Traum, so kann ich merken, dass ihr auch die Deutung trefft.  Da antworteten die Chaldäer vor dem König und sprachen zu ihm: Es ist kein Mensch auf Erden, der sagen könne, was der König fordert. So ist auch kein König, wie groß oder mächtig er sei, der solches von irgendeinem Sternseher, Weisen oder Chaldäer fordere.  Denn was der König fordert, ist zu hoch, und ist auch sonst niemand, der es vor dem König sagen könne, ausgenommen die Götter, die bei den Menschen nicht wohnen.  Da ward der König sehr zornig und befahl, alle Weisen zu Babel umzubringen.  Und das Urteil ging aus, dass man die Weisen töten sollte; und Daniel samt seinen Gesellen ward auch gesucht, dass man sie tötete.  Da erwiderte Daniel klug und verständig dem Arioch, dem obersten Richter des Königs, welcher auszog, zu töten die Weisen zu Babel.  Und er fing an und sprach zu des Königs Vogt, Arioch: Warum ist ein so strenges Urteil vom König ausgegangen? Und Arioch zeigte es dem Daniel an.  Da ging Daniel hinein und bat den König, dass er ihm Frist gäbe, damit er die Deutung dem König sagen möchte.  Und Daniel ging heim und zeigte solches an seinen Gesellen, Hananja, Misael und Asarja,  dass sie den Gott des Himmels um Gnade bäten solches verborgenen Dinges halben, damit Daniel und seine Gesellen nicht samt den andern Weisen zu Babel umkämen.  Da ward Daniel solch verborgenes Ding durch ein Gesicht des Nachts offenbart.  Darüber lobte Daniel den Gott des Himmels, fing an und sprach: Gelobt sei der Name Gottes von Ewigkeit zu Ewigkeit! denn sein ist beides, Weisheit und Stärke.  Er ändert Zeit und Stunde; er setzt Könige ab und setzt Könige ein; er gibt den Weisen ihre Weisheit und den Verständigen ihren Verstand;  er offenbart, was tief und verborgen ist; er weiß, was in der Finsternis liegt, denn bei ihm ist eitel Licht.  Ich danke dir und lobe dich, Gott meiner Väter, der du mir Weisheit und Stärke verleihst und jetzt offenbart hast, darum wir dich gebeten haben; denn du hast uns des Königs Sache offenbart.  Da ging Daniel hinein zu Arioch, der vom König Befehl hatte, die Weisen zu Babel umzubringen, und sprach zu ihm also: Du sollst die Weisen zu Babel nicht umbringen, sondern führe mich hinein zum König, ich will dem König die Deutung sagen.  Arioch brachte Daniel eilends hinein vor den König und sprach zu ihm also: Es ist einer gefunden unter den Gefangenen aus Juda, der dem König die Deutung sagen kann.  Der König antwortete und sprach zu Daniel, den sie Beltsazar hießen: Bist du, der mir den Traum, den ich gesehen habe, und seine Deutung anzeigen kann?  Daniel fing an vor dem König und sprach: Das verborgene Ding, das der König fordert von den Weisen, Gelehrten, Sterndeutern und Wahrsagern, steht in ihrem Vermögen nicht, dem König zu sagen.  Aber es ist ein Gott im Himmel, der kann verborgene Dinge offenbaren; der hat dem König Nebukadnezar angezeigt, was in künftigen Zeiten geschehen soll.  Mit deinem Traum und deinem Gesichten, da du schliefest, verhielt sich's also: Du, König, dachtest auf deinem Bette, wie es doch hernach zugehen würde; und der, so verborgene Dinge offenbart, hat dir angezeigt, wie es gehen werde.  So ist mir solch verborgenes Ding offenbart, nicht durch meine Weisheit, als wäre sie größer denn aller, die da leben; sondern darum, dass dem König die Deutung angezeigt würde und du deines Herzens Gedanken erführest.  Du, König, sahst, und siehe, ein großes und hohes und sehr glänzendes Bild stand vor dir, das war schrecklich anzusehen.  Des Bildes Haupt war von feinem Golde, seine Brust und Arme waren von Silber, sein Bauch und seine Lenden waren von Erz,  seine Schenkel waren Eisen, seine Füße waren eines Teils Eisen und eines Teils Ton.  Solches sahst du, bis dass ein Stein herabgerissen ward ohne Hände; der schlug das Bild an seine Füße, die Eisen und Ton waren, und zermalmte sie.  Da wurden miteinander zermalmt das Eisen, Ton, Erz, Silber und Gold und wurden wie eine Spreu auf der Sommertenne, und der Wind verwehte sie, dass man sie nirgends mehr finden konnte. Der Stein aber, der das Bild zerschlug, ward ein großer Berg, dass er die ganze Welt füllte.  Das ist der Traum. Nun wollen wir die Deutung vor dem König sagen.  Du, König, bist ein König aller Könige, dem der Gott des Himmels Königreich, Macht, Stärke und Ehre gegeben hat  und alles, da Leute wohnen, dazu die Tiere auf dem Felde und die Vögel unter dem Himmel in deine Hände gegeben und dir über alles Gewalt verliehen hat. Du bist das goldene Haupt.  Nach dir wird ein anderes Königreich aufkommen, geringer denn deins. Darnach das dritte Königreich, das ehern ist, welches wird über alle Lande herrschen.  Und das vierte wird hart sein wie Eisen; denn gleichwie Eisen alles zermalmt und zerschlägt, ja, wie Eisen alles zerbricht, also wird es auch diese alle zermalmen und zerbrechen.  Dass du aber gesehen hast die Füße und Zehen eines Teils Ton und eines Teils Eisen: das wird ein zerteiltes Königreich sein; doch wird von des Eisens Art darin bleiben, wie du es denn gesehen hast Eisen mit Ton vermengt.  Und dass die Zehen an seinen Füßen eines Teils Eisen und eines Teils Ton sind: wird's zum Teil ein starkes und zum Teil ein schwaches Reich sein.  Und dass du gesehen hast Eisen und Ton vermengt: werden sie sich wohl nach Menschengeblüt untereinander mengen, aber sie werden doch nicht aneinander halten, gleichwie sich Eisen und Ton nicht mengen lässt.  Aber zur Zeit solcher Königreiche wird der Gott des Himmels ein Königreich aufrichten, das nimmermehr zerstört wird; und sein Königreich wird auf kein ander Volk kommen. Es wird alle diese Königreiche zermalmen und verstören; aber es selbst wird ewiglich bleiben;  wie du denn gesehen hast einen Stein, ohne Hände vom Berge herabgerissen, der das Eisen, Erz, Ton, Silber und Gold zermalmte. Also hat der große Gott dem König gezeigt, wie es hernach gehen werde; und der Traum ist gewiss, und die Deutung ist recht.  Da fiel der König Nebukadnezar auf sein Angesicht und betete an vor dem Daniel und befahl, man sollt ihm Speisopfer und Räuchopfer tun.  Und der König antwortete Daniel und sprach: Es ist kein Zweifel, euer Gott ist ein Gott über alle Götter und ein HERR über alle Könige, der da kann verborgene Dinge offenbaren, weil du dies verborgene Ding hast können offenbaren.  Und der König erhöhte Daniel und gab ihm große und viele Geschenke und machte ihn zum Fürsten über die ganze Landschaft Babel und setzte ihn zum Obersten über alle Weisen zu Babel.  Und Daniel bat vom König, dass er über die Ämter der Landschaft Babel setzen möchte Sadrach, Mesach und Abed-Nego; und er, Daniel blieb bei dem König am Hofe.

 

    Eine Frage bewegt die Menschen immer wieder, ob hoch oder niedrig, arm oder reich: Was bringt die Zukunft, privat wie im Großen. Auch den König Nebukadnezar, der ein so gewaltiger Herrscher war, hat diese Frage umgetrieben: Du, König, dachtest auf deinem Bette, wie es doch hernach zugehen würde. Die Parole bei Hof war ja: „Der König lebe ewiglich!“ – Aber das wusste der Großkönig allerdings, dass er das nicht werde. Aber so hoffte er doch wenigstens, dass sein Reich Bestand haben würde, war es doch ein so mächtiges, gewaltiges, von niemand gefährdetes. Gott antwortete ihm durch einen Traum auf seine Frage. Redet Gott also auch in Träumen? Wir finden es des Öfteren in der Bibel, aber wir müssen bedenken, dass dies zu einer Zeit war, als es die Bibel noch nicht vollständig gab. Wir als Christen haben nun Gottes Offenbarung vollständig vorliegen und haben daher nichts mehr zu erwarten an zusätzlicher Offenbarung. Die Heidenschaft, die Gottes Wort noch nicht kennt, zu denen auch Missionare noch nicht gekommen sind, die mag unter Umständen noch solche Wege Gottes erfahren – aber verlassen dürfen wir uns darauf nicht. Gott also antwortete dem Babylonierkönig, zeigte ihm auf, was die Zukunft mit sich bringen werde:

 

Die Reiche dieser Welt vergehn; Christi Reich allein bleibt stehn!

1. Die Ohnmacht des Heidentums

2. Der Untergang der Weltreiche

 

    1. Im zweiten Jahr des Reiches Nebukadnezars hatte Nebukadnezar einen Traum, davon er erschrak, dass er aufwachte.  Und er hieß alle Seher und Weisen und Zauberer und Chaldäer zusammenfordern, dass sie dem König seinen Traum sagen sollten. Und sie kamen und traten vor den König.  Und der König sprach zu ihnen: Ich habe einen Traum gehabt, der hat mich erschreckt; und ich wollte gern wissen, was es für ein Traum gewesen sei. Nebukadnezar hatte einen Traum, einen, der sich genau mit der Frage beschäftigte, die ihn bewegte. Aber er konnte ihn nicht verstehen, und deshalb erschrak er darüber, deshalb war er in Angst und wollte Klarheit, eindeutige Klarheit haben. Wenn wir die Zukunft nicht in der Hand des gnädigen, lebendigen Gottes wissen, so wird sie uns immer dunkel und gespenstisch sein, ängstigend, erschreckend. Dazu kam noch, dass Nebukadnezar der Traum in seinen Einzelheiten entfallen war. Das machte die Auslegung besonders schwierig. Denn nun trat er mit schier maßlosem Ansinnen an seine Astrologen heran: Es ist mir entfallen. Werdet ihr mir den Traum nicht anzeigen und ihn deuten, so sollt ihr in Stücke zerhauen und eure Häuser schändlich zerstört werden.  Werdet ihr mir aber den Traum anzeigen und deuten, so sollt ihr Geschenke, Gaben und große Ehre von mir haben. Darum so sagt mir den Traum und seine Deutung. Nicht nur sollten sie ihm den Traum deuten, sie sollten ihm denselben, den sie nie gehört hatten, auch noch vorher erzählen, gerade auch, damit er prüfen konnte, ob sie wohl auch dann mit der Deutung recht liegen würden – denn es schreckte ihn alles zu sehr, zu genau wollte er wissen, was es war, keine Zweifel wollte er haben. Wir sehen ihn hier, den gewaltigen Großkönig, wie er von Zukunftsangst geplagt ist, voll Ungewissheit. Und wir sehen ihn auch, den heidnischen Herrscher, in seiner Tyrannei, uneingeschränkt durch göttliche Ordnungen und Gebote. Und seine Sterndeuter? Es ist kein Mensch auf Erden, der sagen könne, was der König fordert. So ist auch kein König, wie groß oder mächtig er sei, der solches von irgendeinem Sternseher, Weisen oder Chaldäer fordere.  Denn was der König fordert, ist zu hoch, und ist auch sonst niemand, der es vor dem König sagen könne, ausgenommen die Götter, die bei den Menschen nicht wohnen. Nachdem sie zunächst versucht hatten, doch den Traum durch den König zu hören, müssen sie kapitulieren. Nein, müssen sie zugeben, das können sie nicht, das ist übermenschlich. Wie sollen sie einen Traum wissen, den ihnen niemand erzählt hat? Ja, sie nehmen wohl an, dass doch die Götter es wissen müssten. Aber sie wissen auch: Diese wohnen nicht bei den Menschen, das heißt: Von ihnen können wir es nicht erfahren. Sehen wir hier die Ohnmacht des Heidentums? Müssen sie nicht letztlich zugeben: Das sind Götzen: Sie haben Augen und sehen nicht; Ohren und hören nicht; Hände und können nicht helfen. Es ist alles völlig nichtig mit den Götzen. Aber diese Konsequenz wollen sie nicht ziehen. Und doch haben sie in ihrem Götzendienst nun keinen Ausweg. Ohne den lebendigen Gott geht das Leben in eine Sackgasse, aus der es schließlich keinen Ausweg mehr gibt. Ohne den lebendigen Gott sind wir Menschen auf dem Holzweg, der ins ewige Verderben führt. Auch diesen Weisen des Königs bleibt so nichts anderes als die Vollstreckung des Todesurteils abzuwarten. Da ward der König sehr zornig und befahl, alle Weisen zu Babel umzubringen.

    Daniel erhielt diese Nachricht auch, betraf sie doch auch ihn und seine drei Freunde, obwohl man sie bis dahin nicht zu der Besprechung geholt hatte. Wie reagierte er nun auf diese Nachricht? Da erwiderte Daniel klug und verständig dem Arioch, dem obersten Richter des Königs, welcher auszog, zu töten die Weisen zu Babel.  Und er fing an und sprach zu des Königs Vogt, Arioch: Warum ist ein so strenges Urteil vom König ausgegangen? Und Arioch zeigte es dem Daniel an.  Da ging Daniel hinein und bat den König, dass er ihm Frist gäbe, damit er die Deutung dem König sagen möchte.  Und Daniel ging heim und zeigte solches an seinen Gesellen, Hananja, Misael und Asarja,  dass sie den Gott des Himmels um Gnade bäten solches verborgenen Dinges halben, damit Daniel und seine Gesellen nicht samt den andern Weisen zu Babel umkämen. Die heidnischen Chaldäer waren konsterniert gewesen, ohne Hoffnung, ohne Lebensgrund. Daniel aber verzweifelt nicht. Er ist gewiss, dass der wahre, der lebendige Gott ihm das offenbaren wird, dass er sich erweisen wird als der, der er ist, der heilige, allwissende Gott. Und darum ruft er auch seine Freunde herzu, dass sie allesamt den HERRN anrufen, dass er doch diesen Traum und seine Deutung offenbaren wolle. Und Gott antwortet auf das Gebet: Da ward Daniel solch verborgenes Ding durch ein Gesicht des Nachts offenbart. Gott verlässt die Seinen nicht. Wir haben einen Gott, der da hilft, und den HERRN HERRN, der vom Tode errettet! Das wusste auch Daniel damals schon. Darauf hatte er vertraut. Und darauf dürfen und sollen auch wir heute vertrauen. Die Kräfte und Mächte und Menschen dieser Welt, sie setzen auf ihre Möglichkeiten, die doch alle an die Grenzen kommen und dann nicht weiter helfen können. Wir aber, die wir oft verlacht, verspottet, für nichts geachtet werden, wir sollen wissen: Unser Gott ist der lebendige, der allmächtige Gott, der tatsächlich alles in Händen hält. Ihm können und sollen wir vertrauen. Von ihm sollen und dürfen wir alles erwarten. Ihm allein gebührt auch alle Ehre. Darum betet ihn Daniel auch an, obwohl doch die Zeit so zu drängen scheint, obwohl doch sie alle unter dem Todesdruck stehen – nein, Daniel lässt sich davon nicht beirren, er gibt Gott die Ehre: Darüber lobte Daniel den Gott des Himmels, fing an und sprach: Gelobt sei der Name Gottes von Ewigkeit zu Ewigkeit! denn sein ist beides, Weisheit und Stärke.  Er ändert Zeit und Stunde; er setzt Könige ab und setzt Könige ein; er gibt den Weisen ihre Weisheit und den Verständigen ihren Verstand;  er offenbart, was tief und verborgen ist; er weiß, was in der Finsternis liegt, denn bei ihm ist eitel Licht.  Ich danke dir und lobe dich, Gott meiner Väter, der du mir Weisheit und Stärke verleihst und jetzt offenbart hast, darum wir dich gebeten haben; denn du hast uns des Königs Sache offenbart. Ja, wer ist doch dieser lebendige Gott! Er ist der, der alle Weisheit und Stärke hat. Er ist es, der Zeit und Stunde wirklich ändern kann, der auch die Zeit in seiner Hand hat. Er ist der, dem tatsächlich auch die Mächte dieser Welt dienen müssen, der sie ein- und wieder absetzt. Alle, die sich doch so mächtig dünken, sie sind tatsächlich letztlich doch nur seine Handlanger. Durch ihn hat Daniel auch offenbart bekommen, was der König geträumt hat, und auch die Deutung. Denn der wahre Gott ist auch der allwissende Gott. Das ist unser Gott.

    Gehörst du auch ihm an? Dienst du auch ihm? Worauf setzt du dein Vertrauen? Auf die eigenen Möglichkeiten, Stärken, Fähigkeiten, auf die Dinge dieser Welt, die Forschung, die Regierung oder sonst andere Menschen? Sie müssen alle vergehen, müssen alle zuschanden werden, wie es auch bei den Chaldäern mit ihren Götzen war. Erkenne, dass dieses Leben, in dem du dich nur um dich selbst und diese Welt mit ihren Möglichkeiten drehst, ohne Ziel, ohne Zukunft ist. Wirf dein Vertrauen auf den HERRN, der allein dir helfen kann, der dir deinen Irrweg, deine Schuld, deine Gottesferne vergibt – und dir zum ewigen Leben hilft. Halte dich an ihn, der dich hindurch trägt durch diese Welt, durch alle Anfechtungen dieser Zeit.

    2. Was ist es nun, was Nebukadnezar geträumt hatte? Daniel kann ihm den Traum wiederholen. Und er nutzt diese Gelegenheit, um Zeugnis abzulegen für den, der allein diesen Traum offenbaren konnte, den lebendigen Gott. Das verborgene Ding, das der König fordert von den Weisen, Gelehrten, Sterndeutern und Wahrsagern, steht in ihrem Vermögen nicht, dem König zu sagen.  Aber es ist ein Gott im Himmel, der kann verborgene Dinge offenbaren; der hat dem König Nebukadnezar angezeigt, was in künftigen Zeiten geschehen soll. Bedenken wir: Daniel ist Gefangener am babylonischen Hof, ist Angehöriger eines unterworfenen Volkes. Er steht vor dem mächtigen König, der sich auch als Herr über Leben und Tod ansieht. Aber auch vor ihm schweigt er nicht, sondern bekennt den allmächtigen, wahren Gott. Auch die Deutung, bekennt der Prophet, hat er nicht aus sich selbst, sondern durch Gottes Gnade bekommen. Was also hatte dem König geträumt? Du, König, sahst, und siehe, ein großes und hohes und sehr glänzendes Bild stand vor dir, das war schrecklich anzusehen.  Des Bildes Haupt war von feinem Golde, seine Brust und Arme waren von Silber, sein Bauch und seine Lenden waren von Erz,  seine Schenkel waren Eisen, seine Füße waren eines Teils Eisen und eines Teils Ton.  Solches sahst du, bis dass ein Stein herabgerissen ward ohne Hände; der schlug das Bild an seine Füße, die Eisen und Ton waren, und zermalmte sie.  Da wurden miteinander zermalmt das Eisen, Ton, Erz, Silber und Gold und wurden wie eine Spreu auf der Sommertenne, und der Wind verwehte sie, dass man sie nirgends mehr finden konnte. Der Stein aber, der das Bild zerschlug, ward ein großer Berg, dass er die ganze Welt füllte.  Das ist der Traum. Es ist ein Standbild gewesen, das der König gesehen hat, das aber sehr eigenartig aufgebaut war, nämlich aus verschiedenen Metallen. Und auf dieses Standbild rollte plötzlich ein Stein zu, der von keinem Menschen angestoßen war – und dieser Stein zerstörte, zermalmte dieses Standbild – und erfüllte dann selbst wie ein Berg die gesamte Welt. Was wollte Gott damit dem babylonischen Großkönig zeigen? Nun wollen wir die Deutung vor dem König sagen.  Du, König, bist ein König aller Könige, dem der Gott des Himmels Königreich, Macht, Stärke und Ehre gegeben hat  und alles, da Leute wohnen, dazu die Tiere auf dem Felde und die Vögel unter dem Himmel in deine Hände gegeben und dir über alles Gewalt verliehen hat. Du bist das goldene Haupt.  Nach dir wird ein anderes Königreich aufkommen, geringer denn deins. Darnach das dritte Königreich, das ehern ist, welches wird über alle Lande herrschen.  Und das vierte wird hart sein wie Eisen; denn gleichwie Eisen alles zermalmt und zerschlägt, ja, wie Eisen alles zerbricht, also wird es auch diese alle zermalmen und zerbrechen.  Dass du aber gesehen hast die Füße und Zehen eines Teils Ton und eines Teils Eisen: das wird ein zerteiltes Königreich sein; doch wird von des Eisens Art darin bleiben, wie du es denn gesehen hast Eisen mit Ton vermengt.  Und daß die Zehen an seinen Füßen eines Teils Eisen und eines Teils Ton sind: wird's zum Teil ein starkes und zum Teil ein schwaches Reich sein.  Und dass du gesehen hast Eisen und Ton vermengt: werden sie sich wohl nach Menschengeblüt untereinander mengen, aber sie werden doch nicht aneinander halten, gleichwie sich Eisen und Ton nicht mengen lässt.  Aber zur Zeit solcher Königreiche wird der Gott des Himmels ein Königreich aufrichten, das nimmermehr zerstört wird; und sein Königreich wird auf kein ander Volk kommen. Es wird alle diese Königreiche zermalmen und verstören; aber es selbst wird ewiglich bleiben;  wie du denn gesehen hast einen Stein, ohne Hände vom Berge herabgerissen, der das Eisen, Erz, Ton, Silber und Gold zermalmte. Also hat der große Gott dem König gezeigt, wie es hernach gehen werde; und der Traum ist gewiss, und die Deutung ist recht.

    Was also besagte dieser Traum? Er lässt uns einen Blick tun in den Lauf der Weltgeschichte, noch mehr: Er macht uns kund, wie vergänglich diese Welt mit all ihren Mächten ist, die zuweilen so großartig, so gewaltig, so unnahbar dastehen. Das goldene Haupt, das war Nebukadnezar selbst. Er war der große König, allgewaltig auf Erden, aber auch er, das bekannte Daniel, hatte seine Macht tatsächlich nur von Gott. Nebukadnezar widersprach nicht, obwohl er doch sonst so sehr auf seinen Götzen Marduk pochte. Hier aber musste er schweigen. Was aber musste er erfahren? Dieses so mächtige babylonische Reich wird untergehen. Es wird ein anderes Reich nach diesem kommen. Das wird durch das Silber beschrieben. Von diesem Reich heißt es, dass es geringer war als das babylonische, also nicht so gewaltig. Darum wurde es auch „nur“ durch Silber dargestellt. Es war also dennoch auch noch ein edles Reich. Welches war es? Das neubabylonische Reich wurde abgelöst, erobert, überrannt durch die Meder und Perser. Es handelt sich also um das medo-persische Reich, das danach folgte, das auch ein mächtiges und edles war, bedeutend gerade dadurch, dass Kyros die Juden wieder nach Israel zurückkehren und den Tempel wieder aufbauen ließ. Aber – es war in seiner Macht doch auch eingeschränkt, denn es vermochte sich nicht gegen die griechischen Stadtstaaten durchzusetzen. Zweimal scheiterte es jämmerlich an diesem kleinen Volk. Und schließlich wurde es von einem Reich überrannt, das als ehern, als Kupfer oder Bronze dargestellt wird. Diese Metalle waren damals im Orient bekannt, man bezog sie aus dem griechischen Raum. Und damit ist auch angedeutet, um welches Reich es sich handelt, welches wird über alle Lande herrschen. Es war dieses Reich das hellenistische Großreich Alexanders, die Nachfolgestaaten eingeschlossen. Wie aber das medisch-persische untergegangen ist, so sollte auch dieses Großreich Alexanders verschwinden. Ein anderes kam auf, hier durch Eisen geprägt. Eisen wurde noch weiter westlich, aus dem italisch-spanischen Raum bezogen. Von daher zog auch das Reich auf: das römische Reich, das mit seiner Militärmacht alles zermalmte und zertrat, was ihm in den Weg trat. Es war das umfassende Reich der damaligen Welt.

    Dieses Reich ist nun ganz eigenartig hier dargestellt: Einerseits zunächst ist es einheitlich. Das ist das alte römische Reich. Dann aber, im unteren Teil des Standbildes, heißt es, dass es zerteilt ist, teils Eisen und teils Ton. So wissen wir, dass das Römische Reich schließlich in zwei große Gebilde geteilt wurde, West- und Ostrom, aus denen sich wieder andere Staaten, die Zehen, entwickelten, die aber, das Eisen ist noch darinnen, auf dem Römischen Reich, seiner Kultur, seinem Recht, seiner Philosophie aufbauten. Das sind die westlichen und die östlichen Staaten, die atlantisch-westeuropäische Hemisphäre und die östlich-russische Hemisphäre, mal verbündet, mal gegeneinander. Aber was wird aus dieser Welt, in der wir jetzt leben werden? .  Aber zur Zeit solcher Königreiche wird der Gott des Himmels ein Königreich aufrichten, das nimmermehr zerstört wird; und sein Königreich wird auf kein ander Volk kommen. Es wird alle diese Königreiche zermalmen und verstören; aber es selbst wird ewiglich bleiben;  wie du denn gesehen hast einen Stein, ohne Hände vom Berge herabgerissen, der das Eisen, Erz, Ton, Silber und Gold zermalmte. Auch diese unsere Welt wird untergehen. Sie ist die letzte weltgeschichtliche Epoche. Die Menschen meinen, diese Welt müsse ewig bestehen oder, wenn sie pessimistisch sind, so denken sie, dass wir Menschen sie, etwa durch Umweltzerstörung, zugrunde richten. Andere meinen, es seien einzelne historische Zyklen, die abliefen, aber so ginge es immer weiter. Viele meinen, es müsse doch immer besser werden. Sie reden auch einer historischen Evolution als Fortschritt, Höherentwicklung das Wort. Die Bibel sieht das ganz anders. Es wird nicht besser. Wenn wir die Abfolge der Metalle bedenken, so erkennen wir: eine Abwärtsbewegung. Es wird immer schlechter und schlimmer. Es geht dem Ende entgegen – einem Ende, das Gott setzt. Denn was ist der Abschluss des Traumes? Ein Stein wird ohne Menschenhände losgerissen, rollt den Berg herab und zermalmt das Standbild. Das geschieht also nicht durch Menschenhände, nicht durch menschliches Wirken – Gott richtet vielmehr ein Reich auf, er setzt diesen Stein in Bewegung. Der Berg steht ja hier für den „Berg Gottes“, für Gott selbst. Und der Stein, wer ist der Stein? Im Lukasevangelium bekennt Jesus Christus: Was ist denn das, das geschrieben stehet: Der Stein, den die Bauleute verworfen haben, ist zum Eckstein geworden? Welcher auf diesen Stein fällt, der wird zerschellen; auf welchen aber er fällt, den wird er zermalmen. Hier gibt uns also der Heilige Geist selbst die Antwort. Jesus Christus ist dieser Stein, er ist der HERR, der am Ende der Zeit wiederkommen wird, um Gericht zu halten. Das, was hier ausgesagt wird, dass er sein Königreich vom Himmel aufrichten wird, das unzerstörbar ist, das hat bereits begonnen mit der Gemeinde des HERRN, die auch die Pforten der Hölle nicht zu überwinden vermögen. Noch ist dieses Reich in seiner Macht und Herrlichkeit verborgen. Noch ist es verachtet vor der Welt, noch ist es unscheinbar, unterliegt Spott, auch Verfolgung. Aber wenn Jesus Christus wiederkommt am Jüngsten Tag, dem Tag, mit dem diese Welt zu ihrem Ende kommt, mit dem jetzigen Himmel im Feuer zergehen wird, wenn Jesus also an diesem Tag wiederkommt, dann ist es endgültig aus mit den Mächten dieser Welt – seine Gemeinde aber wird mit ihm triumphieren und in die ewige Herrlichkeit eingehen, um für immer bei ihm zu sein.

    Die Reiche dieser Welt vergehen – Christi Reich aber bleibt alleine bestehen. Darum ist es so wichtig: Gehörst du zu Christi Reich? Lebst du in seinem Reich? Es gibt nur die Möglichkeit, entweder mit dem Herzen dieser Welt anzugehören – und mit der Welt zu vergehen, in die ewige Verdammnis zu gehen, weil die Welt mit ihrer Lust vergeht, denn sie ist in Feindschaft zu Gott, in Gottesferne -, oder aber, mit dem Herzen ganz bei Christus zu sein, durch Wort und Taufe neu geboren, ganz ihm angehörig, ganz unter seiner gnädigen Leitung, ganz im Vertrauen auf seine Gnade und Barmherzigkeit – und dann auch in der Ewigkeit in der seligen Gottesgemeinschaft. Der lebendige Gott, der schon jetzt alles in seiner Hand hält, der am Ende der Tage als der Richter kommen wird – das ist niemand anders als der barmherzige Gott, der in Jesus Christus zu uns gekommen ist, um unsere Schuld und Sünde auf sich zu nehmen, die Strafe dafür durch seinen Tod am Kreuz zu tragen – und in der Auferstehung dieses Opfer zu besiegeln und zu bestätigen. Er hat dir die Versöhnung mit Gott erworben, hat dich erlöst, hat dir den Freispruch erworben in ihm und reicht ihn dir dar im Evangelium in Wort und Sakrament. Ergreife ihn im Glauben, lass dich anreizen, dann in dem neuen Leben, das er schenkt, auch zu wandeln, ihm nach – in die Herrlichkeit, die ewige Heimat. Amen.

 

 

 

Daniel 3:

Der Zusammenprall von Weltmacht und Christusgemeinde

(Predigt zum 3. Sonntag nach Ostern, Jubilate)

 

Daniel 3: Der König Nebukadnezar ließ ein goldenes Bild machen, sechzig Ellen hoch und sechs Ellen breit, und ließ es setzen ins Tal Dura in der Landschaft Babel.  Und der König Nebukadnezar sandte nach den Fürsten, Herren, Landpflegern, Richtern, Vögten, Räten, Amtleuten und allen Gewaltigen im Lande, dass sie zusammenkommen sollten, das Bild zu weihen, dass der König Nebukadnezar hatte setzen lassen.  Da kamen zusammen die Fürsten, Herren, Landpfleger, Richter, Vögte, Räte, Amtleute und alle Gewaltigen im lande, das Bild zu weihen, das der König Nebukadnezar hatte setzen lassen. Und sie mussten dem Bilde gegenübertreten, das Nebukadnezar hatte setzen lassen.  Und der Herold rief überlaut: Das lasst euch gesagt sein, ihr Völker, Leute und Zungen!  Wenn ihr hören werdet den Schall der Posaunen, Trompeten, Harfen, Geigen, Psalter, Lauten und allerlei Saitenspiel, so sollt ihr niederfallen und das goldene Bild anbeten, das der König Nebukadnezar hat setzen lassen.  Wer aber alsdann nicht niederfällt und anbetet, der soll von Stund an in den glühenden Ofen geworfen werden.  Da sie nun hörten den Schall der Posaunen, Trompeten, Harfen, Geigen, Psalter und allerlei Saitenspiel, fielen nieder alle Völker, Leute und Zungen und beteten an das goldene Bild, das der König Nebukadnezar hatte setzen lassen.  Von Stund an traten hinzu etliche chaldäische Männer und verklagten die Juden,  fingen an und sprachen zum König Nebukadnezar: Der König lebe ewiglich!  Du hast ein Gebot lassen ausgehen, dass alle Menschen, wenn sie hören würden den Schall der Posaunen, Trompeten, Harfen, Geigen, Psalter, Lauten und allerlei Saitenspiel, sollten sie niederfallen und das goldene Bild anbeten;  wer aber nicht niederfiele und anbetete, sollte in den glühenden Ofen geworfen werden.  Nun sind da jüdische Männer, welche du über die Ämter der Landschaft Babel gesetzt hast: Sadrach, Mesach und Abed-Nego; die verachten dein Gebot und ehren deine Götter nicht und beten nicht an das goldene Bild, das du hast setzen lassen.  Da befahl Nebukadnezar mit Grimm und Zorn, dass man vor ihn stellte Sadrach, Mesach und Abed-Nego. Und die Männer wurden vor den König gestellt.  Da fing Nebukadnezar an und sprach zu ihnen: Wie? wollt ihr Sadrach, Mesach, Abed-Nego, meinen Gott nicht ehren und das goldenen Bild nicht anbeten, das ich habe setzen lassen?  Wohlan schickt euch! Sobald ihr hören werdet den Schall der Posaunen, Trompeten, Harfen, Geigen, Psalter, Lauten und allerlei Saitenspiel, so fallt nieder und betet das Bild an, das ich habe machen lassen! Werdet ihr's nicht anbeten, so sollt ihr von Stund an in den glühenden Ofen geworfen werden. Lasst sehen, wer der Gott sei, der euch aus meiner Hand erretten werde!  Da fingen an Sadrach, Mesach, Abed-Nego und sprachen zum König Nebukadnezar: Es ist nicht Not, dass wir darauf antworten.  Siehe, unser Gott, den wir ehren, kann uns wohl erretten aus dem glühenden Ofen, dazu auch von deiner Hand erretten.  Und wo er's nicht tun will, so sollst du dennoch wissen, dass wir deine Götter nicht ehren noch das goldene Bild, das du hast setzen lassen, anbeten wollen.  Da ward Nebukadnezar voll Grimms, und sein Angesicht verstellte sich wider Sadrach, Mesach und Abed-Nego, und er befahl man sollte den Ofen siebenmal heißer machen, denn man sonst zu tun pflegte.  Und er befahl den besten Kriegsleuten, die in seinem Heer waren, dass sie Sadrach, Mesach und Abed-Nego bänden und in den glühenden Ofen würfen.  Also wurden diese Männer in ihren Mänteln, Schuhen, Hüten und andern Kleidern gebunden und in den glühenden Ofen geworfen;  denn des Königs Gebot musste man eilends tun. Und man schürte das Feuer im Ofen so sehr, dass die Männer, so den Sadrach, Mesach und Abed-Nego hinaufbrachten, verdarben von des Feuers Flammen.  Aber die drei Männer, Sadrach, Mesach und Abed-Nego fielen hinab in den glühenden Ofen, wie sie gebunden waren.  Da entsetzte sich der König Nebukadnezar und fuhr auf und sprach zu seinen Räten: Haben wir nicht drei Männer gebunden in das Feuer lassen werfen? Sie antworteten und sprachen zum König: Ja, Herr König.  Er antwortete und sprach: Sehe ich doch vier Männer frei im Feuer gehen, und sie sind unversehrt; und der vierte ist gleich, als wäre er ein Sohn der Götter.  Und Nebukadnezar trat hinzu vor das Loch des glühenden Ofens und sprach: Sadrach, Mesach, Abed-Nego, ihr Knechte Gottes des Höchsten, geht heraus und kommt her! Da gingen Sadrach, Mesach und Abed-Nego heraus aus dem Feuer.  Und die Fürsten, Herren, Vögte und Räte kamen zusammen und sahen, dass das Feuer keine Macht am Leibe dieser Männer bewiesen hatte und ihr Haupthaar nicht versengt und ihre Mäntel nicht versehrt waren; ja man konnte keinen Brand an ihnen riechen.  Da fing Nebukadnezar an und sprach: Gelobt sei der Gott Sadrachs, Mesachs und Abed-Negos, der seinen Engel gesandt und seine Knechte errettet hat, die ihm vertraut und des Königs Gebot nicht gehalten, sondern ihren Leib dargegeben haben, daß sie keinen Gott ehren noch anbeten wollten als allein ihren Gott!  So sei nun dies mein Gebot: Welcher unter allen Völkern, Leuten und Zungen den Gott Sadrachs, Mesachs und Abed-Negos lästert, der soll in Stücke zerhauen und sein Haus schändlich verstört werden. Denn es ist kein andrer Gott, der also erretten kann, als dieser.  Und der König gab Sadrach, Mesach und Abed-Nego große Gewalt in der Landschaft Babel.

   

    Die Geschichte unseres Landes ist zumeist geprägt von einem Zusammenspiel von Kirche und Staat, ja, von einer Verquickung beider, gab es doch bis 1918 sogar Staatskirchen und bis heute bevorrechtigte Landeskirchen. Und doch hat es selbst in unseren Breiten nicht immer dieses enge Verhältnis gegeben, denken wir nur daran, wie sehr die reformatorischen Kirchen ringen mussten um ihren Bestand, wie lutherische Christen vertrieben wurden aus dem Salzburger Land, aus dem Zillertal, wie sie verfolgt wurden in Österreich, in Preußen, in Sachsen und daher auswanderten etwa in die Vereinigten Staaten oder nach Australien. Vor allem aber die Geschichte des 20. Jahrhunderts hat dann, zuerst im Nationalsozialismus, dann unter dem Kommunismus, zu einem Zusammenprall von Staatsmacht und Christusgemeinde geführt, zur umfassenden Verfolgung der christlichen Kirche. Und wenn wir in die Geschichte der Kirche hineinsehen, so erfahren wir, wie oft dies der Fall schon gewesen ist – und auch heutzutage noch der Fall ist. Und wenn wir dann noch aufmerksam die Bibel lesen, so stellen wir fest, dass uns dies eigentlich eher als der Normalfall für die Gemeinde des HERRN dargestellt wird, vor allem aber als die Situation für die letzte Zeit vor der Wiederkunft unseres Heilandes.

    In sofern ist das, was wir heute im dritten Kapitel beim Propheten Daniel lesen, nicht nur ein historischer Bericht über die Ereignisse damals bei Nebukadnezar, es ist zugleich eine prophetische Darlegung antichristlicher Zustände, wie auch starke Parallelen zwischen diesem Kapitel und dem 13. Kapitel der Offenbarung bestehen. Lasst uns daher unter diesem Aspekt auch diese Ereignisse betrachten:

 

Der Zusammenprall von Weltmacht und Christusgemeinde

1. Der Anspruch der Weltmacht

2. Die Antwort der Christusgemeinde

 

    1. Der König Nebukadnezar ließ ein goldenes Bild machen, sechzig Ellen hoch und sechs Ellen breit, und ließ es setzen ins Tal Dura in der Landschaft Babel.  Und der König Nebukadnezar sandte nach den Fürsten, Herren, Landpflegern, Richtern, Vögten, Räten, Amtleuten und allen Gewaltigen im Lande, dass sie zusammenkommen sollten, das Bild zu weihen, dass der König Nebukadnezar hatte setzen lassen. Der König Nebukadnezar hat also ein riesengroßes Bild aufstellen lassen. Die sechzig Ellen entsprechen etwa 30 Meter, also ungefähr einem Haus mit zwölf Stockwerken, aber nur drei Meter breit. Dieses Bild wird also die Form eines Obelisken gehabt und der Götzenverehrung gedient haben, wie auch der König später den jüdischen Verwaltern vorwirft, dass sie seinen Gott nicht ehren. Solche großen Bilder waren im Orient keine Seltenheit. Hier nun aber hatte es seinen besonderen Zweck damit. Der König hatte es mit Bedacht aufstellen lassen. Er ließ nämlich die Großen, die Gewaltigen seines Landes rufen. Die Aufzählung in Vers 2 liest sich wie ein Auszug aus einem babylonischen Archiv, woraus sie wohl auch genommen ist, mit genauer Rangfolge der Eingeladenen. Es waren alle höheren Beamten des Riesenreiches. Und sie waren geladen zugleich stellvertretend für die Völker ihrer Staaten, denn im Blick auf die Feier heißt es dann: ... fielen nieder alle Völker, Leute und Zungen beteten an das goldene Bild, das der König Nebukadnezar hatte setzen lassen.

    Da erahnen wir auch schon etwas von dem Zweck dieser Veranstaltung. Das babylonische Reich, die damalige Weltmacht oder, in heutigen Dimensionen, Supermacht, war ein Vielvölkerstaat, eine sogenannte multikulturelle Gesellschaft. Ein großes Gewirr an Völkern, Sprachen, Kulturen, Religionen herrschte in diesem Riesenreich. Nebukadnezar wusste um die Sprengkraft, die solch ein Gebilde immer wieder in sich barg. Er hätte darum gerne dieses Reich zusammengeschmiedet. Er wollte nicht, wozu die Assyrer stärker geneigt haben, den Völkern ihre Eigenheiten nehmen. Nein, sie sollten ruhig bleiben wie sie waren. Aber als Überbau über die vorhandenen Religionen, Kulturen dachte er sich eine Art babylonische Ökumene, eine babylonische Welteinheitsreligion, ein verbindendes Element – eben diesen allgemeinen Staatsgott, den die Völker neben ihren Götzen auch noch verehren sollten. Für einen Heiden wie den Babylonierkönig war das keine Zumutung. Er hatte auch, wie wir im zweiten Kapitel finden, den jüdischen Gott angebetet – aber er war ihm nur ein Volks- oder Stammesgott gewesen. Er kannte ja den lebendigen, wahren Gott nicht, er wusste nichts von dem Anspruch des einzigen lebendigen Gottes an uns Menschen. Darum war es für ihn nichts besonderes, seinen Völkern zu ihren Stammesgötzen noch einen Reichsgötzen hinzuzutun.

    Machen wir uns nichts vor. Diese Gefahr ist immer wieder in der Geschichte aufgetaucht und ist gerade auch die Gefahr des letzten antichristlichen Zeitalters im besonderen. Auch die Römer, unter deren Herrschaft sich die ersten Christengemeinden bildeten, waren in ihren eigenen Augen tolerant. Jeder konnte seine Götzen haben. Darüber gab es, als gemeinsamen Überbau, nur noch den Kaiserkult. Auch die Christen hätten ruhig ihren Glauben leben können, wenn sie nur dies eine getan hätten – eben die paar Krümel ins Feuer werfen zur Verehrung des Königs. Mit dem Zeitalter des Rationalismus kam der Gedanke auf, Religion als staatliche Erziehungswaffe zu gebrauchen. Darum sollte die Kirche sich dem Staat unter- und einordnen. Sie sollte vaterländisch sein. Wehe, sie wagte es, Kirche sein zu wollen und nicht staatliches Instrument, bekenntnistreu und daher nicht sich dem staatlichen Einheitsdenken zu unterwerfen, das die Union forderte. Dann hieß es, man rebelliere gegen die Obrigkeit, den König – und es wurde mit Gefängnis geantwortet. Und ist die Tendenz nicht heute wieder so? Unser Zeitalter will nicht unbedingt antireligiös sein. Nein, sogar so ein atheistisches Gebilde wie der französische Staat will den Religionsunterricht wieder einführen. Aber wer bestimmt den Inhalt – und was wird überhaupt der Inhalt sein? Schon in Deutschland darf er ja nicht mehr Kirche und Mission in der Schule sein, sondern er soll politischen Zielen dienen – nämlich der multikulturellen Gesellschaft, dem Zusammenleben der Völker, Kulturen, Religionen. Und da ist es dann störend, wenn jemand auftritt und proklamiert: Es ist in keinem andern Heil, ist auch kein anderer Name unter dem Himmel den Menschen gegeben, darinnen sie sollen selig werden, als allein Jesus Christus. Machen wir uns also nichts vor: Die multikulturelle Gesellschaft lehnt die Wahrheitsfrage ab, ja, sie wird der Knackpunkt überhaupt, an ihr kommt es zum Zusammenprall. Ihre Religion heißt Toleranz, Frieden, Fortschritt. Wer das nicht akzeptiert, wer noch Mission treibt, wer bekennt, dass alle Religionen außerhalb des christlichen Glaubens Rebellion gegen den lebendigen Gott sind, der ist da ein Störenfried, ein Unruhefaktor, ein Aufrührer und kann auf die Dauer nicht geduldet werden. Wenn wir uns, wie wir um des Wortes Gottes es tun müssen, stellen gegen Abtreibung, gegen die Forschung an pränatalen Stammzellen, gegen die Präimplantationsdiagnostik, gegen Euthanasie und passive wie aktive Sterbehilfe – dann werden wir zu einem Unruhefaktor in diesem Staat, den er sich auf die Dauer nicht mehr leisten kann.

    Die Tendenzen gehen doch in eine eindeutige Richtung. Auf dem zweiten Vatikanischen Konzil sind mit den Entscheidungen über die Beziehung Roms zu den Religionen deutliche Aussagen getroffen worden: Die Anerkennung des Islam, von dem behauptet wird, er habe den gleichen Gott, wie auch die Behauptung, dass auch bei den Heiden es vor Gott gute Werke gebe deuten auf den Synkretismus, die Religionsvermischung, ebenso hin wie die Gebetsgemeinschaften des Papstes mit Hindus, Buddhisten, Moslems und anderen. Hier wird die Richtung auf eine Welteinheitsreligion unter Leitung des Papsttumes klar. Auch die engen Verbindungen von Papsttum und Vereinten Nationen gehen in genau diese Richtung. Die Feindschaft Roms gilt dem biblischen Evangelium, dem allein die Schrift, allein aus Gnaden, allein um Christi willen, allein durch den Glauben.

    Was also sollte damals dann geschehen? Der König hatte diese Statue aufstellen lassen. Nun waren die Großen als Repräsentanten der verschiedenen Provinzen des Reiches gerufen. Eine große Massenveranstaltung war geplant, wie wir sie aus totalitären Staaten kennen. Alle waren fein nach ihren Rängen aufgestellt. Das Staatsorchester sollte aufspielen. In dem Moment, in dem es einsetzte mit der Musik, da sollten sie alle niederfallen und anbeten. Massenpsychose kann man so etwas nur nennen. Wir sehen das auch bei den Freitagsgebeten in den Moscheen, wo wie auf Kommando alle in einem Moment sich niederwerfen. Der König fragte nicht danach, was die Beamten von all dem hielten, ob sie im Innersten sich darüber lustig machten, es absurd fanden oder überhaupt dachten, dass dies eine überflüssige Veranstaltung war oder ob sie mit vollem Herzen dabei waren. Nein, danach fragte er zunächst nicht. Wichtig war nur: Sie sollten gehorchen. Wer aber nicht gehorchte – der sollte sogleich in den glühenden Ofen geworfen werden.

    Wer sich also nicht unterwirft, wer es wagt, eigene Gedanken zu haben, wer es wagt, einen eigenen Weg zu gehen – der wird getötet. Das ist genau auch der Weg des Antichristen. Er wird die Einheit von Staat und Staatsreligion herstellen. Er wird auch den Bilderdienst für das Tier einführen. Und: Er wird dann das Malzeichen einführen, den Namen oder die Zahl des Tieres als Kennzeichen für alle, die sich unterwerfen – und dann noch kaufen und verkaufen können. Alle anderen aber sind ausgeschlossen. Das wird kommen. Wie soll die Gemeinde reagieren, wie soll sie bei solchem Anspruch antworten?

    2. Wie haben damals Daniel und seine Freude geantwortet? Von Daniel lesen wir nichts in diesem Kapitel. Das mag verwundern. Aber wenn wir genau hinsehen, so waren zu dieser Veranstaltung nur die Provinzbeamten gerufen, die außerhalb der Hauptstadt im Dienst waren. Daniel aber war Hofbeamter, er war nicht betroffen. Deshalb trat er hier gar nicht hervor. Und seine drei Freunde? Sie waren allerdings betroffen. Was machten sie nun? Sie machten zunächst gar nichts. Sie erschienen nicht bei dem Spektakel im Tal Dura. Gott verlangt von uns nicht unbedingt, dass wir unseren Glauben demonstrieren, dass wir sogleich öffentlich auftreten. Auch dafür gibt es Situationen, wo dies nötig ist. Es war richtig, dass die Gemeinde des HERRN ihre Stimme erhob gegen die Abtreibung und auch jetzt gegen die Angriffe gegen den Lebensschutz, auch wenn sie nicht gefragt wird. Das muss sie tun, sie ist der Anwalt derer, die nicht sich wehren können. Sie hätte es noch viel deutlicher in der Hitlerzeit und unter dem Kommunismus tun müssen. Hier aber ging es zunächst um das persönliche Bekenntnis. Und da war es richtig, nicht sogleich eine öffentliche Demonstration der Art zu veranstalten, dass man hinging und einfach stehen blieb. Nein, sie blieben dieser Veranstaltung fern. Das ist die Weisheit, die wir auch im Bekenntnis haben sollen. Sie haben auch nicht zum Umsturz aufgerufen oder eine Verschwörung geplant. Auch das ist nicht unsere Aufgabe. Wir sollen der Obrigkeit gehorchen, so weit dies mit guten Gewissen möglich ist. Wo sie aber gegen Gottes Wort handelt und fordert, da sollen wir Gott mehr gehorchen als den Menschen!

    Es kam dann aber, wie es so oft in totalitären Systemen kommt: Von Stund an traten hinzu etliche chaldäische Männer und verklagten die Juden,  fingen an und sprachen zum König Nebukadnezar: Der König lebe ewiglich!  Du hast ein Gebot lassen ausgehen, dass alle Menschen, wenn sie hören würden den Schall der Posaunen, Trompeten, Harfen, Geigen, Psalter, Lauten und allerlei Saitenspiel, sollten sie niederfallen und das goldene Bild anbeten;  wer aber nicht niederfiele und anbetete, sollte in den glühenden Ofen geworfen werden.  Nun sind da jüdische Männer, welche du über die Ämter der Landschaft Babel gesetzt hast: Sadrach, Mesach und Abed-Nego; die verachten dein Gebot und ehren deine Götter nicht und beten nicht an das goldene Bild, das du hast setzen lassen. Etliche chaldäische Männer traten als Denunzianten auf. Dass hier von chaldäischen Männern die Rede ist lässt vermuten, dass sie aus Südbabylonien kamen, aus dem Kernland des Reiches, wo auch der König selbst herkam. Vielleicht waren ihnen diese jüdischen Statthalter überhaupt ein Dorn im Auge, die man über diese wichtigen Gebiete gesetzt hatte. Nun konnten sie ihnen eins auswischen. Und die Tendenz wird auch deutlich. Sie verklagen „die Juden“ schreibt hier der Heilige Geist. Wir haben es mit antijüdischen Anklagen zu tun. Sie wollten damit eine Richtung angeben: Diese Männer handeln als jüdische Männer. Es gibt doch noch mehr Juden im Reich. Sie werden sich ähnlich verhalten. Man sollte auf sie acht haben und mit ihnen auch so umgehen. Und der König? Da befahl Nebukadnezar mit Grimm und Zorn, dass man vor ihn stellte Sadrach, Mesach und Abed-Nego. Und die Männer wurden vor den König gestellt.  Da fing Nebukadnezar an und sprach zu ihnen: Wie? wollt ihr Sadrach, Mesach, Abed-Nego, meinen Gott nicht ehren und das goldenen Bild nicht anbeten, das ich habe setzen lassen?  Wohlan schickt euch! Sobald ihr hören werdet den Schall der Posaunen, Trompeten, Harfen, Geigen, Psalter, Lauten und allerlei Saitenspiel, so fallt nieder und betet das Bild an, das ich habe machen lassen! Werdet ihr's nicht anbeten, so sollt ihr von Stund an in den glühenden Ofen geworfen werden. Lasst sehen, wer der Gott sei, der euch aus meiner Hand erretten werde! Jetzt wird es dramatisch! Nebukadnezar lässt die drei vorladen. Obwohl er innerlich bebt, vor Enttäuschung, dass diese drei, die er so seinem eigenen Volk vorgezogen hat, so gehandelt haben, aber auch vor Grimm, dass jemand seinen Befehlen zu widersprechen wagt, dennoch versucht er groß, gerecht zu sein. Er spricht sie mit Namen an, ehrt sie immer noch. Er hat wohl auch festgestellt, was er für gute Beamte eigentlich an ihnen hat. Er versucht, ihnen goldene Brücken zu bauen, väterlich auf sie einzureden. „Wie, habe ich recht gehört, dass ihr, Sadrach, Mesach und Abed-Nego, meinen Gott nicht ehren, das goldene Bild nicht anbeten wollt, das ich habe setzen lassen? Nun, ich gebe euch noch eine Chance. Für euch lasse ich diese ganze Zeremonie noch einmal ablaufen. Überlegt es euch doch. Ihr braucht doch nur niederzufallen und anzubeten. Bedenkt doch: Wer will euch aus meiner Hand erretten?“ Verführung, Versuchung kommt hier auf. Sie spüren die Liebe des Königs. Sie spüren sein Wohlwollen. Welch einen Aufwand für drei fremdvölkische Männer! Und sie hören auch die Drohung – ihr habt doch gar keine Chance. Wie werden sie reagieren?

    Da fingen an Sadrach, Mesach, Abed-Nego und sprachen zum König Nebukadnezar: Es ist nicht Not, dass wir darauf antworten.  Siehe, unser Gott, den wir ehren, kann uns wohl erretten aus dem glühenden Ofen, dazu auch von deiner Hand erretten.  Und wo er's nicht tun will, so sollst du dennoch wissen, dass wir deine Götter nicht ehren noch das goldene Bild, das du hast setzen lassen, anbeten wollen. Die Antwort ist kurz, knapp, ohne theatralische Ausfälle. Sie ist ein schlichtes, glaubensstarkes Bekenntnis. „All das ist nicht nötig. Und warum? Unser Gott, den wir ehren, der kann uns auch aus dem glühenden Ofen erretten.“ Ja, sie wussten, was sie sagten. Sie wussten, dass der lebendige Gott sich schon erwiesen hatte als der Erretter. Er hatte ihr Volk aus Ägyptenland herausgeführt, er hatte es aus der Hand der mächtigen Midianiter errettet. Er ist der wahre Gott. Er kann sie auch aus dem glühenden Ofen erretten. Aber – und das ist ganz wichtig: Wenn er es will. Hier haben wir den Höhepunkt des Glaubens. Sie erwarten nicht, dass Gott sie vor dem Martyrium bewahrt. Gott hat nicht zugesagt, uns vor Leid und Trübsal zu schützen. Gott hat uns nicht verheißen, dass wir der Trübsal entgehen. Nein, er hat uns nur zugesagt, in allen Lagen uns hindurchzuretten. Sie sind bereit, auch den Märtyrertod zu sterben, wenn Gott es verlangt. Sie schreiben Gott nicht vor, was er tun soll. Das ist es, die dritte Bitte des Vaterunsern auszuleben: „Dein Wille geschehe, wie im Himmel, also auch auf Erden.“

    Hier haben wir eine deutliche Wegweisung auch für uns. Die drei standen an einem entscheidenden Punkt. Hier gab es keine Umkehr mehr. Und sie dachten nicht: Was nützt es, wenn wir uns opfern. Da hat doch niemand etwas davon. Wenn wir leben bleiben, können wir den Menschen in unserer Provinz noch nützen. Es ist doch nur ein äußeres Schauspiel. Wir glauben doch sowieso nicht daran. Innerlich halten wir uns doch an den lebendigen Gott. Nein. Sie lebten, was Jesus Christus uns später sagte: Wer mich bekennet vor den Menschen, den will ich auch bekennen vor meinem himmlischen Vater. Wer mich aber verleugnet vor den Menschen, den will ich auch verleugnen vor meinem himmlischen Vater. Und im Römerbrief heißt es: So man von Herzen glaubt, so wird man gerecht; und so man mit dem Munde bekennet, so wird man selig. Glauben und bekennen gehört zusammen. Im Herzen so und nach außen anders handeln – das ist Heuchelei, das ist Verleugnen der Wahrheit, das ist ein Leben in der Lüge. Beides gehört zusammen. Wer nach außen nicht auch, wo es verlangt wird, den lebendigen Gott bekennt, der verleugnet ihn und bricht das erste Gebot.

    Mögen die anderen Statthalter vielleicht auch die Zeremonie für unsinnig gehalten haben, aber ihre Karriere nicht aufs Spiel setzen wollen, diese drei fragen nicht danach. Wo wir durch Wort und Taufe bekehrt sind und von neuem geboren durch Gott, wo wir herausgerissen sind aus der Lust der Welt und ihren Vergnügungen, dass wir Lust an Gott und der Seligkeit haben, da ist auch eine Trennung geschehen, dass wir nicht mehr nach den Werten und Maßstäben der Welt leben, sondern einzig nach den Maßstäben Gottes. So ermahne ich auch nun durch die Barmherzigkeit Gottes, dass ihr eure Leiber begebet zu einem Opfer, das da lebendig, heilig und Gott wohlgefällig sei, welches sei euer vernünftiger Gottesdienst. Und stellet euch nicht dieser Welt gleich, sondern verändert euch durch Erneuerung eures Sinnes und prüfet was da sei der gute, wohlgefällige und vollkommene Gotteswille. Es ist ein Irrweg, wenn die Gemeinde sich immer mehr an die Welt anpasst und meint, doch auch wie die Welt leben zu können. Es ist ein Irrweg, wenn die Gemeinde meint, fragen zu können, warum sie nicht auch dieses und jenes dürfe, warum sie nicht die Musik der Welt haben dürfe, noch etwas fromm angestrichen, warum sie nicht die Methoden der Welt anwenden dürfe, nur für fromme Zwecke, warum sie nicht der Mode nachjagen dürfe, kurz – warum sie ihr Herz nicht so füllen dürfe, wie die Welt. Dann hat sie nicht mehr genug an Gott und der Gottseligkeit. Dann genügt ihr nicht mehr Jesus allein. Und dann ist sie auf einem abschüssigen Weg.

    Und so gehen diese drei den Weg. Da ward Nebukadnezar voll Grimms, und sein Angesicht verstellte sich wider Sadrach, Mesach und Abed-Nego, und er befahl man sollte den Ofen siebenmal heißer machen, denn man sonst zu tun pflegte.  Und er befahl den besten Kriegsleuten, die in seinem Heer waren, dass sie Sadrach, Mesach und Abed-Nego bänden und in den glühenden Ofen würfen.  Also wurden diese Männer in ihren Mänteln, Schuhen, Hüten und andern Kleidern gebunden und in den glühenden Ofen geworfen;  denn des Königs Gebot musste man eilends tun. Und man schürte das Feuer im Ofen so sehr, dass die Männer, so den Sadrach, Mesach und Abed-Nego hinaufbrachten, verdarben von des Feuers Flammen.  Aber die drei Männer, Sadrach, Mesach und Abed-Nego fielen hinab in den glühenden Ofen, wie sie gebunden waren. Das hatte der König ja nicht erwartet. Hier stand eine Macht, das spürte er, die sich seiner Macht entgegenzustellen wagte. Das durfte es in seinem Reich nicht geben. Hass, blinder Hass brach da auf, so sehr, dass er befahl, den Ofen noch heißer als sonst zu schüren. Es ist wahrscheinlich einer jener großen Ziegelöfen gewesen zum Brennen, die über eine Rampe erreichbar waren und Öffnungen hatten, um das Feuer zu kontrollieren. Und da man übereifrig den Willen des aufgebrachten Herrschers befolgen wollte, so achtete man nicht auf die Sicherheitsvorkehrungen, so dass das Feuer den Elitesoldaten entgegenschlug, die Sadrach, Mesach und Abed-Nego in den Ofen werfen sollten und diese Soldaten tötete – nicht aber die drei Juden. Sie fielen in den Ofen – und standen auf.

    Und dann geschah etwas, was den König in helles Entsetzen ausbrechen ließ. Da entsetzte sich der König Nebukadnezar und fuhr auf und sprach zu seinen Räten: Haben wir nicht drei Männer gebunden in das Feuer lassen werfen? Sie antworteten und sprachen zum König: Ja, Herr König.  Er antwortete und sprach: Sehe ich doch vier Männer frei im Feuer gehen, und sie sind unversehrt; und der vierte ist gleich, als wäre er ein Sohn der Götter.  Und Nebukadnezar trat hinzu vor das Loch des glühenden Ofens und sprach: Sadrach, Mesach, Abed-Nego, ihr Knechte Gottes des Höchsten, geht heraus und kommt her! Da gingen Sadrach, Mesach und Abed-Nego heraus aus dem Feuer.  Und die Fürsten, Herren, Vögte und Räte kamen zusammen und sahen, dass das Feuer keine Macht am Leibe dieser Männer bewiesen hatte und ihr Haupthaar nicht versengt und ihre Mäntel nicht versehrt waren; ja man konnte keinen Brand an ihnen riechen.  Wahrscheinlich hatte Nebukadnezar seinen Thronsessel in sicherer Entfernung aufstellen lassen, um mit seinen Obersten der Hinrichtung beizuwohnen. Immerhin waren es oberste Staatsbeamte, die hier exekutiert werden sollten, darum auch in vollem Hofstaat, als warnendes Exempel. Und was sieht Nebukadnezar durch das Loch im Ofen? Sie verbrennen nicht. Sie stehen da. Und wie viel? Ein, zwei, drei – vier! Wie viel? Er fragt nach: Wie viel hatten sie hineingeworfen? Drei. Aber wie viel waren dort? Vier! Und der vierte wie „ein Sohn der Götter“. Wer war dieser vierte? Als Saulus über sechshundert Jahre später von Jerusalem nach Damaskus unterwegs war, da trat er ihm entgegen: Saul, Saul, was verfolgst du mich? Jesus Christus rief es ihm zu. Ihn kannte der Pharisäer Saulus nicht. Er verfolgte Menschen, die in Jerusalem und Damaskus ihn anbeteten. Hier aber spricht Christus: Was verfolgst du mich? Christus stellt sich zu den Seinen! Auch im Leiden sind wir nicht allein. Sei es, dass er uns hindurch hilft, wie es hier mit den drei Freunden Daniels geschah, sei es, dass er uns hindurch trägt im Leid, wie es bei Stephanus der Fall war, der den Himmel offen sah und Christus zur Rechten des Vaters. Er ist bei uns. Er verlässt die Seinen nicht! Das ist die Erfahrung gerade auch der Märtyrer immer wieder gewesen, eines Polycarp, eines Justin, einer Blandina, aber auch der Märtyrer unserer Zeit, eines Paul Schneider etwa.

    Hier nun hat Gott sich verherrlicht vor diesem Herrscher und seinem Reich durch gewaltige Wunder. Dadurch hat er hier auch bezeugt, wer bei dem Zusammenprall zwischen Weltmacht und Christusgemeinde letztlich doch der Sieger ist: Der HERR und die Seinen! Dann, wenn zum letzten Mal die antichristlichen Mächte sich versammeln werden gegen die Christenschar, um ihr endgültig den Garaus zu machen, dann wir er im Nu erscheinen – und diese Weltgeschichte ist für immer zu Ende, diese Erde und dieser Himmel werden vergehen im Feuer und wir werden bei ihm sein im neuen Himmel und der neuen Erde.

    Staunen nur konnten der König und seine Großen: Als die drei aus dem Ofen wie durch ein Wunder herauskamen und man sie ansah, die Nasen an die Kleidung hielt, da musste man feststellen: Nichts, gar nichts war da zu merken von Feuer, Rauch, Qualm. Es war, als sei nie ein Feuer in ihrer Nähe gewesen. So kann Gott hindurch tragen. So kann er helfen. Das musste auch der König in seinem neuen Edikt anerkennen, wenn er auch noch immer den lebendigen Gott nicht als den alleinigen erkannte.

    Bekennermut! Das ist es, was uns hier entgegentritt. Wie können wir dazu zugerüstet werden? Seid stark in dem HERRN und in der Macht seiner Stärke! Das rechte Christusbekenntnis kommt nur aus dem rechten Christusglauben. Wenn wir durch Taufe und Wort herausgenommen sind aus dieser Welt, mit Christus gekreuzigt und in ein neues Leben versetzt, dann gilt es auch, in klarer Erkenntnis der eigenen Verdorbenheit und Verlorenheit und inniger Erkenntnis Christi als meines Heilandes zu stehen in täglicher Buße und Glauben und in diesem Bekenntnis auch zu leben. Dann bereitet der HERR uns zu, dass wir den Weg ihm nach gehen lernen. Ohne diese klare Trennung von der Sünde, ohne diese immer neue Hingabe im Glauben an den Heiland aber können wir den Weg nicht gehen. Es ist aber ein Leben aus dem Evangelium, ein Leben als Erlöste, Errettete, ein Leben von Karfreitag und Ostern, von Kreuz und Auferstehung her. Lernen wir es also, als Sünder, die wir sind, auf unseren Heiland zu blicken, dass wir mit Freuden ihm dienen und nachfolgen. Dann gibt er in den Stunden, wo es nötig ist, auch die Kraft und den Mut, den wir benötigen. Amen.

 

 

Daniel 3,31-4,34:

Gott widerstehet den Hoffaertigen, aber den Demuetigen gibt er Gnade!

(Predigt zum Sonntag Kantate)

 

Daniel 3,31-4,34: König Nebukadnezar allen Völkern, Leuten und Zungen auf der ganzen Erde: Viel Friede zuvor! Ich sehe es für gut an, dass ich verkündige die Zeichen und Wunder, so Gott der Höchste an mir getan hat.  Denn seine Zeichen sind groß, und seine Wunder mächtig, und sein Reich ist ein ewiges Reich, und seine Herrschaft währt für und für.  Ich, Nebukadnezar, da ich gute Ruhe hatte in meinem Hause und es wohl stand auf meiner Burg,  sah einen Traum und erschrak, und die Gedanken, die ich auf meinem Bett hatte, und das Gesicht, so ich gesehen hatte, betrübten mich.  Und ich befahl, dass alle Weisen zu Babel vor mich hereingebracht würden, dass sie mir sagten, was der Traum bedeutet.  Da brachte man herein die Sternseher, Weisen, Chaldäer und Wahrsager, und ich erzählte den Traum vor ihnen; aber sie konnten mir nicht sagen, was er bedeutete,   bis zuletzt Daniel vor mich kam, welcher Beltsazar heißt nach dem Namen meines Gottes, der den Geist der heiligen Götter hat. Und ich erzählte vor ihm meinen Traum:  Beltsazar, du Oberster unter den Sternsehern, von dem ich weiß, dass du den Geist der heiligen Götter hast und dir nichts verborgen ist, sage, was das Gesicht meines Traumes, das ich gesehen habe, bedeutet. Dies aber ist das Gesicht, das ich gesehen habe auf meinem Bette: Siehe, es stand ein Baum mitten im Lande, der war sehr hoch. Und er wurde groß und mächtig, und seine Höhe reichte bis an den Himmel, und er breitete sich aus bis ans Ende der ganzen Erde. Seine Äste waren schön und trugen viel Früchte, davon alles zu essen hatte; alle Tiere auf dem Felde fanden Schatten unter ihm, und die Vögel unter dem Himmel saßen auf seinen Ästen, und alles Fleisch nährte sich von ihm. Und ich sah ein Gesicht auf meinem Bette, und siehe, ein heiliger Wächter fuhr vom Himmel herab; der rief überlaut und sprach also: Haut den Baum um und behaut ihm die Äste und streift ihm das Laub ab und zerstreut seine Früchte, dass die Tiere, so unter ihm liegen, weglaufen und die Vögel von seinen Zweigen fliehen. Doch lasst den Stock mit seinen Wurzeln in der Erde bleiben; er aber soll in eisernen und ehernen Ketten auf dem Felde im Grase und unter dem Tau des Himmels liegen und nass werden und soll sich weiden mit den Tieren von den Kräutern der Erde.  Und das menschliche Herz soll von ihm genommen und ein viehisches Herz ihm gegeben werden, bis dass sieben Zeiten über ihn um sind. Solches ist im Rat der Wächter beschlossen und im Gespräch der Heiligen beratschlagt, auf dass die Lebendigen erkennen, dass der Höchste Gewalt hat über der Menschen Königreiche und gibt sie, wem er will, und erhöht die Niedrigen zu denselben. Solchen Traum habe ich, König Nebukadnezar, gesehen; du aber Beltsazar, sage mir was er bedeutet. Denn alle Weisen in meinem Königreiche können mir nicht anzeigen, was er bedeute; du aber kannst es wohl, denn der Geist der heiligen Götter ist bei dir. Da entsetzte sich Daniel, der sonst Beltsazar heißt, bei einer Stunde lang und seine Gedanken betrübten ihn. Aber der König sprach: Beltsazar, lass dich den Traum und seine Deutung nicht betrüben. Beltsazar fing an und sprach: Ach mein Herr, dass der Traum deinen Feinden und seine Deutung deinen Widersachern gälte!  Der Baum, den du gesehen hast, dass er groß und mächtig ward und seine Höhe an den Himmel reichte und dass er sich über die Erde breitete  und seine Äste schön waren und seiner Früchte viel, davon alles zu essen hatte, und die Tiere auf dem Felde unter ihm wohnten und die Vögel des Himmels auf seinen Ästen saßen: Das bist du, König, der du so groß und mächtig geworden; denn deine Macht ist groß und reicht an den Himmel, und deine Gewalt langt bis an der Welt Ende. Dass aber der König einen heiligen Wächter gesehen hat vom Himmel herab fahren und sagen: Haut den Baum um und verderbt ihn; doch den Stock mit seinen Wurzeln lasst in der Erde bleiben; er aber soll in eisernen und ehernen Ketten auf dem Felde im Grase gehen und unter dem Tau des Himmels liegen und nass werden und sich mit den Tieren auf dem Felde weiden, bis über ihn sieben Zeiten um sind,  das ist die Deutung, Herr König, und solcher Rat des Höchsten geht über meinen Herrn König: Man wird dich von den Leuten stoßen, und du musst bei den Tieren auf dem Felde bleiben, und man wird dich Gras essen lassen wie die Ochsen, und wirst unter dem Tau des Himmels liegen und nass werden, bis über dir sieben Zeiten um sind, auf dass du erkennst, dass der Höchste Gewalt hat über der Menschen Königreiche und gibt sie, wem er will.  Dass aber gesagt ist, man solle dennoch den Stock des Baumes mit seinen Wurzeln bleiben lassen: dein Königreich soll dir bleiben, wenn du erkannt hast die Gewalt im Himmel. Darum, Herr König, lass dir meinen Rat gefallen und mache dich los von deinen Sünden durch Gerechtigkeit und ledig von deiner Missetat durch Wohltat an den Armen, so wird dein Glück lange währen.  Dies alles widerfuhr dem König Nebukadnezar. Denn nach zwölf Monaten, da der König auf der königlichen Burg zu Babel ging, hob er an und sprach: Das ist die große Babel, die ich erbaut habe zum königlichen Hause durch meine große Macht, zu Ehren meiner Herrlichkeit. Ehe der König diese Worte ausgeredet hatte, fiel eine Stimme von Himmel: Dir, König Nebukadnezar, wird gesagt: dein Königreich soll dir genommen werden; und man wird dich von den Leuten verstoßen, und sollst bei den Tieren, so auf dem Felde gehen, bleiben; Gras wird man dich essen lassen wie Ochsen, bis über dir sieben Zeiten um sind, auf dass du erkennst, dass der Höchste Gewalt hat über der Menschen Königreiche und gibt sie, wem er will. Von Stund an ward das Wort vollbracht über Nebukadnezar, und er ward verstoßen von den Leuten hinweg, und er aß Gras wie Ochsen, und sein Leib lag unter dem Tau des Himmels, und er ward nass, bis sein Haar wuchs so groß wie Adlersfedern und seine Nägel wie Vogelsklauen wurden.  Nach dieser Zeit hob ich, Nebukadnezar, meine Augen auf gen Himmel und kam wieder zur Vernunft und lobte den Höchsten. Ich pries und ehrte den, der ewiglich lebt, des Gewalt ewig ist und des Reich für und für währt, gegen welchen alle, so auf Erden wohnen, als nichts zu rechnen sind. Er macht's, wie er will, mit den Kräften im Himmel und mit denen, so auf Erden wohnen; und niemand kann seiner Hand wehren noch zu ihm sagen: Was machst du?  Zur selben Zeit kam ich wieder zur Vernunft, auch zu meinen königlichen Ehren, zu meiner Herrlichkeit und zu meiner Gestalt. Und meine Räte und Gewaltigen suchten mich, und ich ward wieder in mein Königreich gesetzt; und ich überkam noch größere Herrlichkeit. Darum lobe ich, Nebukadnezar, und ehre und preise den König des Himmels; denn all sein Tun ist Wahrheit, und seine Wege sind recht, und wer stolz ist, den kann er demütigen.

 

    Er hat die Einladung tatsächlich angenommen. Das hatte sie überrascht. Und nun saß er da und beobachtete, wie die Gäste kamen und sich setzten. Ja, das war ein Gerangel. Jeder wollte doch einen der besseren Plätze haben, jeder wollte doch oben sitzen. Zeigte das nicht das Herz, wurde da nicht etwas deutlich, was in uns darinnen ist? Und so konnte er nicht anders, er musste ihnen diesen Spiegel vor die Augen halten: Wenn ihr als Gäste kommt, so sucht ihr obenan zu sitzen. Aber was hat das für Auswirkungen? Wenn nun einer kommt, der noch höher ist, so wird der Gastgeber euch ansprechen, dass ihr an einen unteren Platz euch begebt. Ist das dann nicht eine öffentliche Blamage? Darum, setzt euch doch gerne, von Herzen, unten hin. Dann wird es eher so sein, dass der Gastgeber euch bittet, doch aufzurücken. Dann habt ihr, wenn es nicht mit Berechnung geschehen ist, wirklich Ehre. Denn wer sich selbst erhöht, der wird erniedrigt werden – wer sich aber selbst erniedrigt, der wird erhöht werden.

    Hat unser Heiland Jesus Christus da bei dem Gastmahl mit den Pharisäern nicht eine Wahrheit ausgedrückt, die auch uns immer wieder angeht? Sieht es nicht oft auch bei uns so aus? Die Suche nach Anerkennung, ja, die Meinung, nur durch solche Anerkennung von Menschen überhaupt als Persönlichkeit existieren zu können? Und tritt uns diese Sehnsucht nach Ehre, dieses Trachten nach Größe nicht auch bei Nebukadnezar entgegen? Hören wir doch anhand unseres heutigen Abschnittes, was Gott uns selbst auf diesem Hintergrund sagen will:

 

Gott widerstehet den Hoffärtigen, aber den Demütigen gibt er Gnade

1. Gott widerstehet den Hoffärtigen – Was ist Hoffart?

2. Den Demütigen gibt er Gnade – Was ist Demut?

 

    1. Da steht der babylonische König auf seiner Königsburg und sieht über die Dächer von Babylon. Wie schwillt da seine Brust an, wie genießt er diesen Anblick – und da kommen ihm Gedanken und Worte: Das ist die große Babel, die ich erbaut habe zum königlichen Hause durch meine große Macht, zu Ehren meiner Herrlichkeit. Hier überrollt uns fast schon diese Selbstüberhebung: Ich habe Babel erbaut, es ist durch meine große Macht geschehen, es ist zu Ehren meiner Herrlichkeit ausgeführt worden. Aber meinen wir nicht, wie egoistisch doch dieser König gewesen sein muss. Hier haben wir vielmehr das Grundmuster des Sündenfalls, der Sündenverdorbenheit: nämlich die Lösung von dem lebendigen Gott, das Sein-Wollen-wie-Gott, diese Überhebung über alles, was da Gott und Gottesdienst heißt. Hier ist Nebukadnezar so recht ein Abbild von uns Menschen, besonders aber von dem Antichristen, wie er auch in der letzten Zeit noch einmal auftreten wird. Da, wo Gott nicht im Zentrum des Lebens steht, wo der lebendige Gott in Jesus Christus nicht mein Leben ausfüllt, da ist es das Ich, auch wenn es noch so sozial verbrämt ist. Da dreht sich alles um mich selbst, um mein eigenes Tun, um meine Fähigkeiten, mein Können, meine Möglichkeiten – da genüge ich mir selbst, da brauche ich niemand anders. Und wenn ich jemanden brauche, so nur, damit meine Vorstellungen und Wünsche umgesetzt werden. Das ist der natürliche, der gottferne, der damit aber auch seiner eigentlichen, ihm von Gott in der Schöpfung gegebenen Bestimmung entfremdete Mensch.

    Und war es nicht auch das, was Gott Nebukadnezar schon zuvor im Traum gezeigt hatte? Denn was sah er da:  Siehe, es stand ein Baum mitten im Lande, der war sehr hoch. Und er wurde groß und mächtig, und seine Höhe reichte bis an den Himmel, und er breitete sich aus bis ans Ende der ganzen Erde.  Seine Äste waren schön und trugen viel Früchte, davon alles zu essen hatte; alle Tiere auf dem Felde fanden Schatten unter ihm, und die Vögel unter dem Himmel saßen auf seinen Ästen, und alles Fleisch nährte sich von ihm. Nebukadnezar sah einen riesigen Baum, so groß, dass er die ganze Erde erfüllte und sich über sie ausbreitete, eine Höhe, die bis an den Himmel reicht. War das nicht, was Nebukadnezar von sich selbst vorschwebte? Ein solcher Weltherrscher zu sein? Und Daniel deutet ihm ja den Traum durch den Heiligen Geist auch so: Der Baum bist du. Hier sehen wir, wie der König nach Macht strebte, wie er wirklich sein wollte wie Gott, wie er eine Macht haben wollte, aufbauen wollte, die bis an den Himmel reicht. Da werden wir auch erinnert an den Turm, der zu Babel gebaut werden sollte, eben bis an den Himmel, weil die Menschen sich einen Namen machen wollten, weil sie Angst hatten, zerstreut zu werden, weil sie sich selbst Bestand, Ewigkeit sichern wollten. Das ist der Mensch, der sein will wie Gott, der Mensch in seiner Friedlosigkeit, der letztlich merkt, dass er es ja eben nicht ist, sondern der durch die Gottesferne unruhig ist – und nicht merkt, dass er nur durch die Umkehr zu dem lebendigen Gott wieder Ruhe, Frieden findet.

    Nebukadnezar ist dabei kein übler Tyrann gewesen. Das Bild, das er geträumt, besagt ja auch, dass seine Äste viel Früchte trugen, dass alle, auch die Tiere, unter seinem Schatten Raum und Speise fanden. Seine Herrschaft ist also durchaus eine gütige gewesen für die Menschen. Aber – sie ist eine gewesen, die sich an die Stelle Gottes, des wahren Gottes, setzen wollte. Und das ist genau das Antichristliche. Auch das heraufziehende letzte antichristliche Weltreich, dieses Zusammenspiel von antichristlicher Weltmacht und antichristlicher religiöser Macht, dieses Zusammenspiel von Staaten und religionsvermengendem Papsttum wird ja antreten unter den Schlagwörtern des Friedens, des Kampfes gegen den Terror, der Gerechtigkeit, des Ausgleiches des internationalen wirtschaftlichen und sozialen Ungleichgewichtes, wird antreten im Namen der Toleranz, die aber keine absolute Wahrheit, kein Heil allein in Jesus Christus mehr duldet. Es wird der letzte, weltumspannende Versuch sein, ein Friedens- und Gerechtigkeitsreich aufzubauen ohne Christus, ein Reich, das praktisch sich an die Stelle des ewigen Friedensreiches Christi setzt. Das ist das Überheben, der Hochmut von uns Menschen, dass wir meinen, wir könnten ohne Gott es schaffen und nicht warten wollen, dass Gott es schafft.

    Denn gegen diesen Baum, der sich reckt zum Himmel und die Erde erfüllen will, da setzt ja der HERR seinen wahren Baum, der klein, unscheinbar anfängt, um dann wirklich für ewig die Welt zu erfüllen: Ich will auch von dem Wipfel des hohen Zedernbaums nehmen und oben von seinen Zweigen ein zartes Reis brechen und will’s auf einen hohen gehäuften Berg pflanzen, nämlich auf den hohen Berg Israel will ich’s pflanzen, dass es Zweige gewinne und Früchte bringe und ein herrlicher Zedernbaum werde, also dass allerlei Vögel unter ihm wohnen und allerlei Fliegendes unter dem Schatten seiner Zweige bleiben mögen. Und sollen alle Feldbäume erfahren, dass ich, der Herr, den hohen Baum geniedrigt und und den niedrigen Baum erhöhet habe und den grünen Baum ausgedorrt und den dürren Baum grünend gemacht habe. Ich, der Herr, rede es und tue es auch. (Hes. 17,22-24). Das ist der wahre Baum, der die Welt erfüllen wird, Christus und sein Reich. Das bauen nicht wir Menschen, das baut der Herr – für uns!

    Lässt Gott uns in dem Wahn unseres Hochmutes, unserer Selbstüberhebung? So lange er noch das Heil für uns bereit hat, so lange er noch ringt um uns nicht. Darum hat ja Gott auch Nebukadnezar diesen Traum gesandt, damit er durch Daniel ihn in der Deutung warnen möge, rufen zur Umkehr: Darum, Herr König, lass dir meinen Rat gefallen und mache dich los von deinen Sünden durch Gerechtigkeit und ledig von deiner Missetat durch Wohltat an den Armen, so wird dein Glück lange währen. Das ist ja das Werk, das der Heilige Geist ausführen soll an uns, wie der HERR Jesus sagt: Er wird die Welt strafen um die Gerechtigkeit, dass ich zum Vater gehe, und ihr mich hinfort nicht sehet. Dieses Strafen des Heiligen Geistes durch das Gericht meint ja, dass er durch das Gesetz uns aufzeigt, wie gottlos wir sind, wie verloren, wie ganz unmöglich wir den Willen Gottes erfüllen können – und so eine fremde Gerechtigkeit brauchen, die allein vor Gott gilt, weil unsere eigene Gerechtigkeit vor Gott keinen Bestand hat. Denn nicht wahr, wir Menschen denken ja, dass wir unser Heil selbst schaffen könnten ohne Christus, zumindest aber daran mitarbeiten.

    Denn die Hoffart, der Hochmut, die Selbstüberhebung, die will nicht unter Gott sein, die sucht vielmehr die eigene Ehre. Das war ja, was die Pharisäer hinderte, selbst wo sie erkannt hatten, dass Jesus recht hat, ihm nachzufolgen: Sie suchten die Ehre bei den Menschen und nicht die Ehre, die von Gott ist. Wo aber diese Haltung ist, da kann auch nicht die Demut sein, die bereit ist, Menschen untertan zu sein, denn da will man einander nicht untertan sein, sondern sich selbst leben.

    Was aber ist das Resultat? Gott hatte es Nebukadnezar angedroht und er führte es auch aus: Ehe der König diese Worte ausgeredet hatte, fiel eine Stimme von Himmel: Dir, König Nebukadnezar, wird gesagt: dein Königreich soll dir genommen werden;  und man wird dich von den Leuten verstoßen, und sollst bei den Tieren, so auf dem Felde gehen, bleiben; Gras wird man dich essen lassen wie Ochsen, bis über dir sieben Zeiten um sind, auf dass du erkennst, dass der Höchste Gewalt hat über der Menschen Königreiche und gibt sie, wem er will. Von Stund an ward das Wort vollbracht über Nebukadnezar, und er ward verstoßen von den Leuten hinweg, und er aß Gras wie Ochsen, und sein Leib lag unter dem Tau des Himmels, und er ward nass, bis sein Haar wuchs so groß wie Adlersfedern und seine Nägel wie Vogelsklauen wurden. Der König hatte seine hochmütigen Worte noch nicht geendet, als schon der Urteilsspruch über ihn durch eine Stimme vom Himmel kam. Gott selbst, wie es Daniel ihm zuvor gesagt, hatte ihn beschlossen und durch Engel ausgeführt – nun geschah es. So hoch, wie der Babylonier zuvor war, so tief fiel er jetzt. Wie ein Tier gebärdete er sich in seinem Wahnsinn, wie ein Tier lebte er. Hier musste er erfahren, dass es jemanden gibt, der wahrhaft über allen Reichen dieser Welt sitzt, der sie wahrhaft alle regiert, der die Herrschenden ein- und auch absetzt. Gott ist der HERR, auch der HERR der Geschichte.

    Wir Menschen sehen das ja oft nicht. Die Geschichte scheint irgendwie ohne Gott abzulaufen. Gott scheint ferne zu sein, seine Gemeinde wird immer kleiner, immer geringer. Die Feinde werden immer größer und bedrängen die Gemeinde von allen Seiten. Es scheint alles aus zu sein. Und doch: Gott kommt zu seinem Ziel. Dann, wenn es so scheint, als brauche es nur noch einen letzten Stoß – dann wird Christus wiederkommen, um die Seinen zu retten und den Antichristen für immer in den feurigen Pfuhl zu stoßen.

 

    2. Gott hatte Nebukadnezar gewarnt, er hatte ihm ein Jahr Zeit zur Umkehr gelassen. Nun musste der König im Wahnsinn dahinleben, bis die von Gott bestimmte Zeit um war. Dann aber gab ihm Gott noch einmal Gnade, er bekam seine Vernunft wieder – und das erste, was er machte war, dass er den Höchsten, den lebendigen Gott, lobte. Gott, der HERR, muss uns zuweilen in tiefe Tiefen hinabführen, damit wir ihn kennen lernen; seine Pädagogik kann aber auch dann herb sein, wenn wir ihn schon kennen, damit wir ihn noch besser kennen lernen, noch inniger mit ihm verbunden werden. Nebukadnezar aber musste erst die Tücken, die Abgründe seines Herzens erfahren, um zu sehen: Der lebendige Gott ist ewig, im Gegensatz zu allen Weltreichen; wir Menschen auf Erden sind nichts gegen ihn, können gegen ihn gar nichts ausrichten. Gott aber ist der Allmächtige, der alles regiert. Das hat der König anerkannt, das hat er auch öffentlich bekannt. Da hat Gott ihn wieder einsetzen lassen in all seine Ehre und sein Reich – und Nebukadnezar hat dann auch öffentlich ein Bekenntnis abgelegt.

    Gottes Ziel aber ist noch ein weitergehenderes. Er will nicht nur, sozusagen, dass wir ihn in seiner Größe und Allmacht nach dem ersten Glaubensartikel erkennen, wie es der König von Babel tat, nein, wir erfassen ihn in seiner ganzen Größe, Herrlichkeit und Majestät ja nur, wenn wir ihn erkennen, wie er sich über uns Sünder erbarmt in seinem Sohn Jesus Christus, wenn wir also  ihn erkennen, und den er gesandt hat, Jesus Christus. Denn nur der demütigt sich wirklich, umfassend, unter seine Hand, der ihn als den einzigen Heiland begreift, der allein den Sünder errettet.

    Darum muss er unsere Selbstgerechtigkeit, unsere Ichkonzentriertheit brechen, indem er durch das Gesetz ja ein geängstetes und zerschlagenes Herz und Gemüt in uns wirkt, dass wir den Abgrund unseres Herzens, die Tiefe unserer Verdorbenheit, Gottesferne, unsere Verlorenheit erkennen und dass wir dagegen gar nichts tun können – und dann zu dem fliehen, der uns trotz unserer Sünden liebt und diese unergründliche Liebe uns offenbart hat in seinem Sohn. Dann sind die Festungen der Selbstgerechtigkeit gefallen, dann gibt es kein Mithelfen mehr am Heil, dann flehen wir vielmehr mit dem Zollbeamten: Gott, sei mir Sünder gnädig!

    Und da begreifen wir dann Gottes Liebe in Christus, begreifen, was seine Gnade ist: Dass er um der Welt, um deinet- und meinetwillen seinen Sohn Jesus Christus dahingegeben hat, weil du und ich nicht anders errettet werden können als eben dadurch, dass Jesus Christus das Lamm Gottes geworden ist, das der Welt Sünde trägt, das stellvertretend für dich und für mich am Kreuz gehangen hat und da für deine und meine und aller Welt Sünden gebüßt hat – und so alles, wirklich alles bezahlt hat, eine vollkommene Genugtuung erbracht hat, zu der nichts mehr hinzuzutun ist.

    Dieses Opfer hat Gott der Vater angenommen, das hat er in der Auferweckung seines Sohnes am dritten Tage bestätigt, besiegelt. Da hat er damit proklamiert, dass Christus für gerecht erkannt wurde und in ihm die ganze Welt gerecht gesprochen ist, in ihm Gott der Vater mit der ganzen Welt versöhnt ist, Christus wahrhaft allen Menschen Vergebung der Sünden, Freispruch im Jüngsten Gericht erworben hat. Und dies alles, das teilt er nun aus durch das Evangelium im Wort, in der Taufe, im Abendmahl, auch in der Absolution und im Segen. Da reicht er das dar, bietet er das an, eignet er das zu, was Christus aus dem Grab siegreich mitgebracht hat für uns – damit so der Glaube gewirkt werde und es ergreife.

    Dann, aber nur dann, wenn du so erkannt hast, in deinem Herzen es begriffen hast, dass du ja allein aus der Gnade Christi leben kannst, erst dann bist du recht frei – frei von dir selbst, frei für Gott und den Nächsten. Frei nämlich, dich unter die gewaltige Hand Gottes zu demütigen, der für dich sorgt. Frei aber damit auch, dass wir einander untertan sein können, dass du nicht mehr auf das Deine sehen musst, es ängstlich zu verteidigen, sondern aus der Liebe Gottes in Christus frei bist, dem anderen in eben dieser Liebe dienen zu können, nicht die Ehre bei den Menschen zu suchen, sondern den anderen sogar höher achten kannst als dich selbst (Phil. 2,1-4). So lebst du ganz aus der Gnade Gottes!

 

    Darum: Wer sich selbst erhöhet – oder es versucht, also sich selbst leben will -, der wird erniedrigt werden. Wer aber sich selbst erniedrigt – nämlich unter dem Gesetz und Kreuz erkennt, dass er nichts ist vor Gott und ihm nichts bringen kann – aber auch gar nicht braucht -, sondern allein aus der Gnade leben darf: der wird erhöht werden, vielleicht schon in dieser Welt, gewiss aber zur Herrlichkeit bei ihm, dem Heiland, für alle Ewigkeit. Das schenke Gott uns allen. Amen.

 

 

Daniel 5:

Gottes Gericht ueber die Gottlosen kommt!

(Predigt zum Sonntag Rogate)

 

Daniel 5: König Belsazer machte ein herrliches Mahl seinen tausend Gewaltigen und soff sich voll mit ihnen.  Und da er trunken war, hieß er die goldenen und silbernen Gefäße herbringen, die sein Vater Nebukadnezar aus dem Tempel zu Jerusalem weggenommen hatte, dass der König mit seinen Gewaltigen, mit seinen Weibern und mit seinen Kebsweibern daraus tränken.  Also wurden hergebracht die goldenen Gefäße, die aus dem Tempel, aus dem Hause Gottes zu Jerusalem, genommen waren; und der König, seine Gewaltigen, seine Weiber und Kebsweiber tranken daraus.  Und da sie so soffen, lobten sie die goldenen, silbernen, ehernen, eisernen, hölzernen und steinernen Götter.  Eben zu derselben Stunde gingen hervor Finger wie einer Menschenhand, die schrieben, gegenüber dem Leuchter, auf die getünchte Wand in dem königlichen Saal; und der König ward gewahr der Hand, die da schrieb.  Da entfärbte sich der König, und seine Gedanken erschreckten ihn, dass ihm die Lenden schütterten und die Beine zitterten.  Und der König rief überlaut, dass man die Weisen, Chaldäer und Wahrsager hereinbringen sollte. Und er ließ den Weisen zu Babel sagen: Welcher Mensch diese Schrift liest und sagen kann, was sie bedeute, der soll in Purpur gekleidet werden und eine goldene Kette am Halse tragen und der dritte Herr sein in meinem Königreiche.  Da wurden alle Weisen des Königs hereingebracht; aber sie konnten weder die Schrift lesen noch die Deutung dem König anzeigen.  Darüber erschrak der König Belsazer noch härter und verlor ganz seine Farbe; und seinen Gewaltigen ward bange.  Da ging die Königin um solcher Sache des Königs und seiner Gewaltigen willen hinein in den Saal und sprach: Der König lebe ewiglich! Lass dich deine Gedanken nicht so erschrecken und entfärbe dich nicht also!  Es ist ein Mann in deinem Königreich, der den Geist der heiligen Götter hat. Denn zu deines Vaters Zeit ward bei ihm Erleuchtung gefunden, Klugheit und Weisheit, wie der Götter Weisheit ist; und dein Vater, König Nebukadnezar, setzte ihn über die Sternseher, Weisen, Chaldäer und Wahrsager,  darum dass ein hoher Geist bei ihm gefunden ward, dazu Verstand und Klugheit, Träume zu deuten, dunkle Sprüche zu erraten und verborgene Sachen zu offenbaren: nämlich Daniel, den der König ließ Beltsazar nennen. So rufe man nun Daniel; der wird sagen, was es bedeutet.  Da ward Daniel hinein vor den König gebracht. Und der König sprach zu Daniel: Bist du der Daniel, der Gefangenen einer aus Juda, die der König, mein Vater aus Juda hergebracht hat?  Ich habe von dir hören sagen, dass du den Geist der Götter hast und Erleuchtung, Verstand und hohe Weisheit bei dir gefunden sei.  Nun habe ich vor mich fordern lassen die Klugen und Weisen, dass sie mir diese Schrift lesen und anzeigen sollen, was sie bedeutet: und sie können mir nicht sagen, was solches bedeutet.  Von dir aber höre ich, dass du könnest Deutungen geben und das Verborgene offenbaren. Kannst du nun die Schrift lesen und mir anzeigen, was sie bedeutet, so sollst du mit Purpur gekleidet werden und eine golden Kette an deinem Halse tragen und der dritte Herr sein in meinem Königreiche.  Da fing Daniel an und redete vor dem König: Behalte deine Gaben selbst und gib dein Geschenk einem andern; ich will dennoch die Schrift dem König lesen und anzeigen, was sie bedeutet.  Herr König, Gott der Höchste hat deinem Vater, Nebukadnezar, Königreich, Macht, Ehre und Herrlichkeit gegeben.  Und vor solcher Macht, die ihm gegeben war, fürchteten sich vor ihm alle Völker, Leute und Zungen. Er tötete wen er wollte; er ließ leben, wen er wollte; er erhöhte, wen er wollte; er demütigt, wen er wollte.  Da sich aber sein Herz erhob und er stolz und hochmütig ward, ward er vom königlichen Stuhl gestoßen und verlor seine Ehre  und ward verstoßen von den Leuten hinweg, und sein Herz ward gleich den Tieren, und er musste bei dem Wild laufen und fraß Gras wie Ochsen, und sein Leib lag unterm Tau des Himmels, und er ward nass, bis dass er lernte, dass Gott der Höchste Gewalt hat über der Menschen Königreiche und gibt sie, wem er will.  Und du, Belsazer, sein Sohn, hast dein Herz nicht gedemütigt, ob du wohl solches alles weißt,  sondern hast dich wider den HERRN des Himmels erhoben, und die Gefäße seines Hauses hat man vor dich bringen müssen, und du, deine Gewaltigen, deine Weiber und deine Kebsweiber habt daraus getrunken, dazu die silbernen, goldenen, ehernen, eisernen, hölzernen und steinernen Götter gelobt, die weder sehen noch hören noch fühlen; den Gott aber, der deinen Odem und alle deine Wege in seiner Hand hat, hast du nicht geehrt.  Darum ist von ihm gesandt diese Hand und diese Schrift, die da verzeichnet steht.  Das aber ist die Schrift, allda verzeichnet: Mene, mene, Tekel, U-pharsin.  Und sie bedeutet dies: Mene, das ist Gott hat dein Königreich gezählt und vollendet.  Tekel, das ist: man hat dich in einer Waage gewogen und zu leicht gefunden.  Peres, das ist: dein Königreich ist zerteilt und den Medern und Persern gegeben.  Da befahl Belsazer, dass man Daniel mit Purpur kleiden sollte und ihm eine goldene Kette an den Hals geben, und ließ ihm verkündigen, daß er der dritte Herr sei im Königreich.  Aber in derselben Nacht ward der Chaldäer König Belsazer getötet. Und Darius aus Medien nahm das Reich ein, da er zweiundsechzig Jahre alt war.

 

    Wenn wir die Ereignisse dieser Welt bedenken, etwa die Bluttat von Erfurt, die Kriege und Aufruhre, das Elend, das dadurch hervorgerufen wird, die soziale Ungerechtigkeit, die herrscht, so sind wir oft geneigt zu fragen: Wie kann Gott das zulassen? Wie kann er all das Unrecht zulassen? So viele Unschuldige müssen leiden. Was die Unschuld angeht, so sollten wir vorsichtig sein, denn vor Gott sieht das alles ganz anders aus. Aber es ist richtig, dass auch die Gläubigen, die Christen, all das Unrecht mit ertragen müssen. Das ist Gottes Erziehungsarbeit an uns. Gottes Zeitvorstellungen sind oft andere als bei uns. Und Gottes Wege sind höhere als unsere. Ein deutsches Sprichwort drückt es so aus: Gottes Mühlen mahlen langsam, aber trefflich gut. Gottes Wort erfüllt sich, auch das Wort des Gerichtes. Das sehen wir auch an unserem Text, der uns das Ende des babyloni-schen Reiches schildert. Darüber hatte der Heilige Geist schon durch Jeremia geweissagt: Die Helden zu Babel werden nicht zu Felde ziehen dürfen, sondern müssen in der Festung bleiben. Ihre Stärke ist aus und sie sind Weiber geworden; ihre Wohnungen sind angesteckt und ihre Riegel zerbrochen. Genau das finden wir in unserem Text, wo Babel untergeht, ohne dass es noch einmal zu einer entscheidenden Schlacht kommt. Von den Nachfolgern Nebukadnezars heißt es: Und sollen alle Völker dienen ihm und seinem Sohn und seines Sohnes Sohn, bis dass die Zeit seines Landes auch komme; denn es sollen ihm viele Völker und große Könige dienen. Hier wird vorhergesagt, dass ein Enkel Nebukadnezars der letzte Herrscher sein soll; da Belsazers Mutter wohl eine Tochter des großen Babylonierkönigs war, so ist auch dies klar hier erfüllt. Gott erfüllt sein Wort. Die biblische Prophetie kommt zum Ziel. Darum lasst uns auch warnen und ermahnen von dem, was der HERR uns hier anhand von König Belsazer sagt:

 

Gottes Gericht über die Gottlosen kommt!

Wir betrachten dabei:

1. Die Gottlosigkeit Belsazers

2. Gottes Gericht über Belsazer

 

    1. Was war denn die Gottlosigkeit des letzten babylonischen Königs, die Gott hier so schnell und deutlich gerichtet hat? Wir lesen: König Belsazer machte ein herrliches Mahl seinen tausend Gewaltigen und soff sich voll mit ihnen.  Und da er trunken war, hieß er die goldenen und silbernen Gefäße herbringen, die sein Vater Nebukadnezar aus dem Tempel zu Jerusalem weggenommen hatte, dass der König mit seinen Gewaltigen, mit seinen Weibern und mit seinen Kebsweibern daraus tränken.  Also wurden hergebracht die goldenen Gefäße, die aus dem Tempel, aus dem Hause Gottes zu Jerusalem, genommen waren; und der König, seine Gewaltigen, seine Weiber und Kebsweiber tranken daraus.  Und da sie so soffen, lobten sie die goldenen, silbernen, ehernen, eisernen, hölzernen und steinernen Götter. Und Daniel sagt dazu: Herr König, Gott der Höchste hat deinem Vater, Nebukadnezar, Königreich, Macht, Ehre und Herrlichkeit gegeben.  Und vor solcher Macht, die ihm gegeben war, fürchteten sich vor ihm alle Völker, Leute und Zungen. Er tötete wen er wollte; er ließ leben, wen er wollte; er erhöhte, wen er wollte; er demütigt, wen er wollte.  Da sich aber sein Herz erhob und er stolz und hochmütig ward, ward er vom königlichen Stuhl gestoßen und verlor seine Ehre  und ward verstoßen von den Leuten hinweg, und sein Herz ward gleich den Tieren, und er musste bei dem Wild laufen und fraß Gras wie Ochsen, und sein Leib lag unterm Tau des Himmels, und er ward nass, bis dass er lernte, dass Gott der Höchste Gewalt hat über der Menschen Königreiche und gibt sie, wem er will.  Und du, Belsazer, sein Sohn, hast dein Herz nicht gedemütigt, ob du wohl solches alles weißt,  sondern hast dich wider den HERRN des Himmels erhoben, und die Gefäße seines Hauses hat man vor dich bringen müssen, und du, deine Gewaltigen, deine Weiber und deine Kebsweiber habt daraus getrunken, dazu die silbernen, goldenen, ehernen, eisernen, hölzernen und steinernen Götter gelobt, die weder sehen noch hören noch fühlen; den Gott aber, der deinen Odem und alle deine Wege in seiner Hand hat, hast du nicht geehrt.  Darum ist von ihm gesandt diese Hand und diese Schrift, die da verzeichnet steht. Dies ist ein gewaltiges Wort, das Daniel hier dem König gesagt hat, wenn wir vor allem bedenken, dass er ein Untergebener war, dazu noch aus einem fremden, vom König verachteten Volk. Aber es war ein Wort, das man jetzt zumindest anhörte, in dieser krisenhaft zugespitzten Situation. Was also war es, was Gott Belsazer vorwarf? Es war nicht das gewaltige Festmahl an sich, bei dem allerdings wohl mehr Wein gereicht wurde als es gut war. Dass der König ein Fest feierte, das war ja nicht an sich böse, wenn leider aber auch hier das Maß wieder überschritten wurde. Allerdings erscheint es seltsam, dass dies geschah angesichts der Bedrohung der Stadt Babel, denn die Meder und Perser belagerten ja schon das befestigte Stadtschloss. Der König und seine Großen scheinen den Bezug zur Realität allerdings verloren zu haben, wenn sie noch auf Rettung hofften, vielleicht auch auf Entsatz von außen. Wie aber aus dem Verlauf des Festes deutlich wird, hatte es neben dem politischen Aspekt, die letzten Getreuen bei guter Laune zu halten, wohl auch einen religiösen, nämlich die alten Götzen Babylons zu preisen, so, als wollte man sich erinnern, wie zur alten Zeit Babylon groß geworden sei.

    Und hier beginnt nun die Gottlosigkeit durchzubrechen, zu einem Zeitpunkt zudem, als wohl auch der König schon angetrunken gewesen sein muss, weil er das Maß nicht einhielt. In einer solchen Lage werden dann die Riemen gesprengt, die sonst die Bosheit zurückhalten, da tritt das Boshafte des Herzens voll heraus, da ist die Gewalt über die Sünde nicht mehr zu halten. Und was macht König Belsazer? Er lässt die gut verwahrten Gefäße aus dem Jerusalemer Tempel bringen – und trinkt daraus mit seinen Gewaltigen und Frauen und lobt dabei die heidnischen Götzen, die doch tatsächlich nichts sind. Und was sagt ihm der Prophet? Er hätte es wissen müssen, was er da tut. Er hätte es von Nebukadnezar her wissen müssen, wessen Gefäße das sind, dass sie dem allmächtigen Gott gehören, vor dem sich schließlich auch Nebukadnezar gebeugt hat. Aber hierinnen liegt die Torheit von uns Menschen, wie es der Heilige Geist auch im Römerbrief schreibt: Obwohl sie wussten, dass ein Gott ist, haben sie ihn nicht gepriesen als einen Gott noch ihm gedankt, sondern sind in ihrem Dichten eitel geworden, und ihr unverständiges Herz ist verfinstert. Da sie sich für weise hielten, sind sie zu Narren geworden und haben verwandelt die Herrlichkeit des unvergänglichen Gottes in ein Bild gleich dem vergänglichen Menschen und der Vögel und der vierfüßigen und kriechenden Tiere. Das ist ja die Grundsünde: dass wir Gott nicht die Ehre geben, die ihm gebührt, dass wir ihn nicht als den ehren, der er wahrhaft ist: den lebendigen, allmächtigen, einzigen Gott, der uns erschaffen hat, der darum ein unaufgebbares Anrecht an uns hat – und der uns in Christus Jesus erlöst und uns so sich nochmals erworben hat. Wie aber können wir Gott ehren? Wir ehren ihn dann recht, wenn wir auf sein Wort hören, wenn wir von seinem Wort uns richten lassen in unseren Sünden, wenn wir uns beugen darüber, dass wir diese Welt, uns selbst, unsere Wünsche, Ziele, Gedanken, Vorstellungen mehr lieben als ihn und seine Wege; dass wir uns darunter beugen, dass wir ihm nicht in allen Dingen vertrauen, dass wir ihn nicht über alles lieben; dass wir an alten Sünden festhalten oder sie wieder lieb gewinnen, anstatt konsequent uns von ihnen zu trennen, gegen sie zu kämpfen; dass wir nicht sein Wort regelmäßig lesen und auf uns anwenden; dass wir unseren Nächsten nicht so lieben, wie wir uns selbst lieben; dass wir unsere Ehre, unseren Ruhm, unsere Anerkennung suchen anstatt Gottes Ehre und des Nächsten Gutes. Got will, dass wir uns unter unsere Sünde beugen, dass wir sie anerkennen, bekennen vor ihm, dass wir uns schuldig geben. Aber nicht nur das. Nein, er will vor allem, dass wir erkennen, dass wir uns aus unserer elenden Lage nicht selbst herausretten können, dass wir dazu gar nichts tun können, sondern Gott alles selbst dazu für uns tun muss – und in Jesus Christus am Kreuz und an Ostern längst getan hat und mit der Auferweckung seines Sohnes proklamiert hat, dass alle Welt gerechtfertigt ist in Christus, dass er mit aller Welt in Christus versöhnt ist, dass er in Christus allen Menschen die Schuld nicht zurechnet – und das teilt er uns jetzt aus im Wort, in der Taufe, im Abendmahl. Das sollen wir allein im Glauben ergreifen, daran sollen wir uns von Herzen halten. So ehren wir ihn, den lebendigen Gott, dass wir ihn als den einzigen Heiland ehren, den wir haben. Und wir ehren ihn, dass wir dann ihn wirklich HERR sein lassen in unserem Leben, dass wir wirklich in der innigen Gemeinschaft und Verbindung mit ihm leben und darinnen wachsen in herzlicher Liebe zu unserem Heiland, in täglicher Buße, Abkehr von der Sünde und Reinigung durch das Blut Christi in der Vergebung der Sünden. So ehren wir den lebendigen Gott. Tust du es?

    Belsazer wusste auch um den lebendigen Gott – aber er interessierte ihn nicht. Er hat sich nicht weiter darum gekümmert. Er ließ die alten Götzen hochleben, die doch nichts sind, wie Daniel ihm noch einmal deutlich sagt. Dies ist eine offene Provokation gegen den lebendigen Gott. Hier haben wir die direkte Konfrontation des Heidentums mit dem lebendigen Gott und seiner Christusgemeinde. Gott lässt sich nicht spotten. Was der Mensch säet, das wird er auch ernten. Wer auf sein Fleisch säet, der wird vom Fleisch das Verderben ernten. Das sollen wir bedenken, umso mehr, je mehr wir auch wissen um die Bibel und den christlichen Glauben. Es soll ja nicht bloßes Wissen bleiben, es geht ja darum, dass es ins Herz geht, das es zu einer klaren Abkehr von der Sünde und Hinwendung zum lebendigen Gott kommt, was zwar allein Gott durch seinen Geist im Evangelium bewirkt – und doch wir uns dagegen sperren können. Darum, wenn Gott dich mahnt über einer Sünde, über deinen Weg, wenn er darum vielleicht sogar Not schickt in dein Haus oder dein Leben: Weise ihn nicht zurück, lass nicht den Ruf untergehen unter deinen selbstgerechten oder stolzen Gedanken; beschönige nicht die Sünde, sondern kehre um von deinem bösen Weg, vom Verderben.

    Belsazer hat sich erhoben über den lebendigen Gott. Er hat in tiefer Blindheit für die geistlichen Realitäten und auch in tiefer Blindheit über die tatsächliche Lage seines Reiches sich in Hochmut gefallen – und ist gestürzt worden. Darum hält ihm Daniel auch vor, wie es seinem Großvater Nebukadnezar ergangen ist, der auch hochmütig geworden ist und dann gebeugt wurde von dem lebendigen Gott – und sich gebeugt hat unter dieses Gericht und so wieder in sein Amt gesetzt wurde.

    Daniel hat ohne Umschweife den König direkt angesprochen. Er hat es aber nicht in Überhebung getan, sondern in geistlichem Eifer, um auch ihn zur Umkehr zu rufen, ihm zu zeigen: So ist es deinem Großvater gegangen, so hat er gehandelt, so ist ihm geschehen – und so hat er sich gebeugt und ist von Gott wieder erhöht worden. Beuge auch du dich. Kehre um, diene nicht länger den Götzen, die doch nichts sind, die nicht sehen, hören, fühlen können. Kehre um zu dem Gott, der deinen Atem und alle deine Wege in seiner Hand hat. Dieser Ruf ist an Belsazer ergangen – und er ergeht gleichermaßen auch an uns. Diesen Gott, den lebendigen Gott, zu ehren. Hätte Belsazer dadurch sein Königreich gerettet? Das wohl nicht, denn Gott hatte schon die Tage gezählt für das Babylonierreich. Der erste Wechsel aus Nebukadnezars Traum, von dem goldenen Haupt zu der silbernen Brust, der sollte stattfinden. Aber er hätte sein persönliches Leben dadurch retten können, zumindest für die Ewigkeit, vielleicht auch noch für diese Zeit.

    Aber wie reagiert der König? Er steht zu seinem Wort in sofern, als er Daniel all die Ehrungen gibt, die er ihm versprochen hat, obwohl Daniel sie gar nicht haben will. Aber wir hören weiter nichts von ihm. Kein Wort der Buße, der Umkehr, des Lobpreises für den lebendigen Gott. So verstockt war sein Herz schon durch den Sünden- und Götzendienst, dass er nicht mehr zur Umkehr fand. Es heißt dann nur lapidar: Aber des Nachts ward der Chaldäer König Belsazer getötet.

    2. Damit sind wir bereits mitten in dem zweiten, was wir betrachten wollen: Gottes Gericht. In diesem Kapitel haben wir einen Höhepunkt der Gottfeindlichkeit der Weltmacht, die sich in direkter Gotteslästerung äußert. Und hier tritt Gott dem König sofort entgegen. Gerade als sie aus den heiligen Gefäßen des Tempels tranken und dabei die Götzen lobten, geschah es: Eben zu derselben Stunde gingen hervor Finger wie einer Menschenhand, die schrieben, gegenüber dem Leuchter, auf die getünchte Wand in dem königlichen Saal; und der König ward gewahr der Hand, die da schrieb. Ein Finger einer Menschenhand schrieb etwas auf den Stuck im königlichen Saal. Gottes Gerichtsurteil kam auf den Fuß. Wenn die antichristliche Welt- und Kirchenmacht auf ihrem Höhepunkt ist und den letzten Ansturm gegen die Gemeinde in die Wege leitet – dann ist das Ende allerdings da, aber nicht das Ende der Gemeinde, wie sie es so planen, sondern das Ende aller irdischen Geschichte und aller irdischen Reiche, dann kommt Christus, und im Nu ist alles dahin und werden der Antichrist und seine Helfer geworfen in den feurigen Pfuhl. Wenn Gott den Endpunkt gesetzt hat, dann wird alle scheinbare weltliche Macht wie nichts dahinfallen. König Belsazer merkt, dass hier eine höhere Macht eingreift: Da entfärbte sich der König, und seine Gedanken erschreckten ihn, dass ihm die Lenden schütterten und die Beine zitterten.  Und der König rief überlaut, dass man die Weisen, Chaldäer und Wahrsager hereinbringen sollte. Und er ließ den Weisen zu Babel sagen: Welcher Mensch diese Schrift liest und sagen kann, was sie bedeute, der soll in Purpur gekleidet werden und eine goldene Kette am Halse tragen und der dritte Herr sein in meinem Königreiche.  Da wurden alle Weisen des Königs hereingebracht; aber sie konnten weder die Schrift lesen noch die Deutung dem König anzeigen.  Darüber erschrak der König Belsazer noch härter und verlor ganz seine Farbe; und seinen Gewaltigen ward bange. Es ist ein ungeheurer Schrecken, der ausgeht von diesem Gerichtsurteil Gottes, das sie noch gar nicht in seiner Tiefe begriffen haben, weil sie die Schrift nicht lesen können. In der Tiefe seines Gewissens sollte er getroffen sein, damit er zur Umkehr gerufen wird. Der Schrecken wurde noch dadurch verstärkt, dass keiner der heidnischen Weisen die Schrift entziffern konnte. Hier machte Gott die heidnische Macht zuschanden, auch das ist ein Teil des Gerichtshandelns Gottes.

    Was aber sagte Gott dem König durch die Schrift? Die Tage des Reiches sind von Gott gezählt und vollendet. Das ist ganz wichtig. Gott ist der wahre HERR der Geschichte. Die Herren dieser Welt vergehen – aber unser HERRr, der lebendige Gott, kommt und bleibt. Gott, der lebendige Gott, den Belsazer gelästert hatte, den er nicht ehren wollte, der gibt den Reichen dieser Welt ihre Grenze, auch ihre Zeit. Der setzt die Könige ein und ab. Und Babylons Zeit wie die des Belsazer, die war nun abgelaufen. Da half auch kein Aufbäumen mehr. Die Kräfte und Gewalten dieser Welt haben wohl Macht, so viel Macht, dass sie uns Angst machen kann, weshalb auch der Herr Jesus sagt: In der Welt habt ihr Angst. Aber – das ist nicht das Letzte, er fügt nämlich hinzu: Siehe, ich habe die Welt überwunden. Sie haben nicht das letzte Wort, sie sitzen nicht wirklich im Regiment. Das steht allein Gott zu. Darum auch sollen wir ihm vertrauen, ihm allein, und von ihm alles erwarten.

    Die Botschaft ging aber weiter. Nämlich: Du bist gewogen und für zu leicht befunden. Das betrifft nun den König selbst. Die Gerichtswaage hat ihn gewogen – und er hat nicht im Gericht Gottes bestehen können. Das ist das Schlimme für den König selbst. Er ist auf dem Weg des Verderbens. Aber: Wenn er jetzt noch lebt, wenn er jetzt noch den Ruf Gottes hört, dann ist noch Zeit zur Umkehr, zur Buße, zur Rettung. Wenn dich Gottes Ruf erreicht, wie immer deine Lage auch ist, wann immer es auch ist, und sei es in deiner letzten Stunde: Weise ihn nicht von dir, es ist ein Ruf zur Rettung; noch vor der Tür der Hölle will der HERR Jesus dich wie einen schon brennenden Scheit aus dem Feuer reißen. Wie wird Gottes Urteil über dich im Gericht lauten? Wird er freundlich zu dir sprechen: Ererbe das Reiche, das dir bereitet ist von Anbeginn der Welt von meinem Vater – oder wird er dich scharf hinwegweisen: Gehe hin in das höllische Feuer, das bereitet ist dem Teufel und seinen Engeln? Was wird dein Weg sein? Stehst du im rettenden und lebendigen Glauben an Jesus Christus, der sich dann auch erweist in der Liebe zu den Glaubensgeschwistern und dem Nächsten überhaupt – oder ist diese Liebe nicht da, weil auch der Glauben an Christus gar nicht da ist und du damit verloren bist? Eile, eile, lass dich retten!

    Den Abschluss des Urteils bildet wieder der politische Teil, der noch einmal bestätigt, dass das Reich zerteilt, zerstört wird – und dann auch anzeigt, wer der Nachfolger ist: das medisch-persische Reich. Denen ist es gegeben. Von wem? Von niemand anders als dem lebendigen Gott, der die Reiche einsetzt und verteilt, der schon hier und heute in der Geschichte handelt – und der alle Geschichte in der Hand hat.

    Dieser Untergang Babels ist zugleich auch ein Hinweis auf das letzte Gericht, das kommen wird über diese Welt, die Geschichte dieser Welt und ihrer Reiche. Sie werden nicht letztlich untergehen an einer Umweltkatastrophe, auch nicht an einem Atomkrieg – wiewohl Gott alle diese Mittel verwenden kann, sondern sie werden untergehen am Willen Gottes, dem sie widerstanden haben. Und: Gottes Gemeinde bleibt. Daniel, der jahrzehntelang im fremden, heidnischen Land dem HERRN doch treu gedient hat, er hat den Untergang des Babylonierreiches überlebt, im Gegensatz zu Belsazer. Die Gemeinde des HERRN wird herrlicher denn je aus dem Endgericht hervorgehen, um in Ewigkeit bei dem lebendigen Gott zu sein, mit ihm in innigster Gemeinschaft vereinigt.

    Darum: Lasst uns diesen wahren, lebendigen, einzigen Gott ehren, den dreieinigen Gott, indem wir immer wieder uns beugen vor ihm mit unseren Sünden, indem wir von ihm all unser Heil erbitten, indem wir zu ihm in all unserer Not und mit all unserer Freude kommen – und lasst uns so von ihm alles erbitten, von ihm alles erwarten –aber auch ihm dienen als dem Herrn – in der Gewissheit, einst auch bei ihm in der Herrlichkeit zu sein, wenn die Mächte dieser Welt schon alle längst zu Asche geworden sind. Amen.

 

 

Daniel 6:

Fest und treu im Glauben an Gott,den Erloeser und Nothelfer

(Predigt zum Sonntag Exaudi)

 

Daniel 6: Und Darius sah es für gut an, dass er über das ganze Königreich setzte hundertzwanzig Landvögte. Über diese setzte er drei Fürsten, deren einer Daniel war, welchen die Landvögte sollten Rechnung tun, dass der König der Mühe überhoben wäre.  Daniel aber übertraf die Fürsten und Landvögte alle, denn es war ein hoher Geist in ihm; darum gedachte der König, ihn über das ganze Königreich zu setzen. Derhalben trachteten die Fürsten und Landvögte darnach, wie sie eine Sache an Daniel fänden, die wider das Königreich wäre. Aber sie konnten keine Sache noch Übeltat finden; denn er war treu, dass man ihm keine Schuld noch Übeltat an ihm finden mochte.  Da sprachen die Männer: Wir werden keine Sache an Daniel finden außer seinem Gottesdienst. Da kamen die Fürsten und Landvögte zuhauf vor den König und sprachen zu ihm also: Der König Darius lebe ewiglich!  Es haben die Fürsten des Königreichs, die Herren, die Landvögte, die Räte und Hauptleute alle Gedacht, dass man einen königlichen Befehl soll ausgehen lassen und ein strenges Gebot stellen, dass, wer in dreißig Tagen etwas bitten wird von irgend einem Gott oder Menschen außer dir, König, allein, solle zu den Löwen in den Graben geworfen werden.  Darum, lieber König, sollst du solch Gebot bestätigen und dich unterschreiben, auf dass es nicht geändert werde, nach dem Rechte der Meder und Perser, welches niemand aufheben darf.   Also unterschrieb sich der König Darius.  Als nun Daniel erfuhr, dass solch Gebot unterschrieben wäre, ging er hinein in sein Haus (er hatte aber an seinem Söller offene Fenster gegen Jerusalem); und er fiel des Tages dreimal auf seine Kniee, betete, lobte und dankte seinem Gott, wie er denn bisher zu tun pflegte. Da kamen diese Männer zuhauf und fanden Daniel beten und flehen vor seinem Gott. Und traten hinzu und redeten mit dem König von dem königlichen Gebot: Herr König, hast du nicht ein Gebot unterschrieben, dass, wer in dreißig Tagen etwas bitten würde von irgendeinem Gott oder Menschen außer dir, König, allein, solle zu den Löwen in den Graben geworfen werden? Der König antwortete und sprach: Es ist wahr, und das Recht der Meder und Perser soll niemand aufheben. Sie antworteten und sprachen vor dem König: Daniel, der Gefangenen aus Juda einer, der achtet weder dich noch dein Gebot, das du verzeichnet hast; denn er betet des Tages dreimal. Da der König solches hörte, ward er sehr betrübt und tat großen Fleiß, dass er Daniel erlöste, und mühte sich bis die Sonne unterging, dass er ihn errettete.   Aber die Männer kamen zuhauf zu dem König und sprachen zu ihm: Du weißt, Herr König, dass der Meder und Perser Recht ist, dass alle Gebote und Befehle, so der König beschlossen hat, sollen unverändert bleiben. Da befahl der König, dass man Daniel herbrächte; und sie warfen ihn zu den Löwen in den Graben. Der König aber sprach zu Daniel: Dein Gott, dem du ohne Unterlass dienst, der helfe dir! Und sie brachten einen Stein, den legten sie vor die Tür am Graben; den versiegelte der König mit seinem eigenen Ring und mit dem Ring der Gewaltigen, auf dass nichts anderes mit Daniel geschähe.Und der König ging weg in seine Burg und blieb ungegessen und ließ auch kein Essen vor sich bringen, konnte auch nicht schlafen. Des Morgens früh, da der Tag anbrach, stand der König auf und ging eilend zum Graben, da die Löwen waren. Und als er zum Graben kam rief er Daniel mit kläglicher Stimme. Und der König sprach zu Daniel: Daniel, du Knecht des lebendigen Gottes, hat dich auch dein Gott, dem du ohne Unterlass dienst, können vor den Löwen erlösen? Daniel aber redete mit dem König: Der König lebe ewiglich! Mein Gott hat seinen Engel gesandt, der den Löwen den Rachen zugehalten hat, dass sie mir kein Leid getan haben; denn vor ihm bin ich unschuldig erfunden; so habe ich auch wider dich, Herr König, nichts getan. Da ward der König sehr froh und hieß Daniel aus dem Graben ziehen. Und sie zogen Daniel aus dem Graben, und man spürte keinen Schaden an ihm; denn er hatte seinem Gott vertraut. Da hieß er die Männer, so Daniel verklagt hatten, herbringen und zu den Löwen in den Graben werfen samt ihren Weibern und Kindern. Und ehe sie auf den Boden hinab kamen, ergriffen sie die Löwen und zermalmten alle ihre Gebeine. Da ließ der König Darius schreiben allen Völkern, Leuten und Zungen auf der ganzen Erde: "Viel Friede zuvor!  Das ist mein Befehl, dass man in der ganzen Herrschaft meines Königreiches den Gott Daniels fürchten und scheuen soll. Denn er ist der lebendige Gott, der ewiglich bleibt, und sein Königreich ist unvergänglich, und seine Herrschaft hat kein Ende. Er ist ein Erlöser und Nothelfer, und er tut Zeichen und Wunder im Himmel und auf Erden. Der hat Daniel von den Löwen erlöst." Und Daniel ward gewaltig im Königreich des Darius und auch im Königreich des Kores, des Persers.

 

    Welch ein gewaltiges Zeugnis wird hier, von einem Heiden, wohlgemerkt, abgelegt über den wahren, den lebendigen Gott: Denn er ist der lebendige Gott, der ewiglich bleibt, und sein Königreich ist unvergänglich, und seine Herrschaft hat kein Ende.  Er ist ein Erlöser und Nothelfer, und er tut Zeichen und Wunder im Himmel und auf Erden. Der hat Daniel von den Löwen erlöst. Der Gott Daniels, der Gott der Juden, wie ihn Darius kennengelernt hat, ist der lebendige Gott; er hat sich erwiesen als dieser lebendige Gott, als der, der nicht außerhalb unserer Geschichte, unseres Lebens steht, der nicht von ferne zuschaut, was hier abläuft, sondern der hier und heute handelt in der Geschichte, der der HERR der Geschichte ist. Als solcher ist er zu loben und zu preisen. Und in diesem Handeln, da hat er sich, wie die Erlösung Daniels von den Löwen zeigt, als der Erlöser und Nothelfer erwiesen, als der, der uns wahrhaft retten und befreien kann. Hier haben wir etwas von dem Kern der biblischen Gotteserkenntnis. Dazu kommen weitere wichtige Aspekte, die Darius hier bekennt: Er bleibt ewiglich, sein Königreich ist unvergänglich, seine Herrschaft hat kein Ende. Darius hatte selbst den Untergang des Babylonischen Großreiches miterlebt und als persischer Heerführer auch mit herbeigeführt. Er weiß, dass alle irdischen Reiche nur ihre begrenzte Zeit haben. Hier aber muss er bekennen: Mit dem Reich dieses lebendigen Gottes ist es anders. Das Gottesreich ist ein ewiges Reich, ein Reich, das nicht untergeht. Auch das sollte uns ermutigen in dieser so schnelllebigen, so von Oberflächlichem und Vorbeigehendem geprägten Welt: Gottes Reich bleibt!

    Lasst uns nun anhand unseres Textes bedenken:

 

 

Fest und treu im Glauben an Gott, den Erlöser und Nothelfer

Und dabei betrachten:

1. Daniel, den Bekenner

2. Gott den Erlöser und Nothelfer

 

    1. Im voraufgegangenen Kapitel war Daniel uns begegnet am Hofe des letzten Babyonierkönigs Belsazer. Er war zwar noch im Hofstaat des Herrschers, aber er hatte keine herausragende Position mehr wie unter Nebukadnezar, so er war eher, wie man so sagt, „auf das Abstellgleis geschoben“. Nur als man gar nicht mehr weiterwusste, da hatte man ihn wieder geholt, als dem König das Wasser schon bis zum Halse stand. Da hatte er Gottes Gerichtsurteil, das an der Wand stand, gelesen und ausgelegt – und den König zur Buße gerufen. Vergeblich, wie wir wissen, denn Belsazer kehrte nicht um zu dem lebendigen Gott und fiel noch in derselben Nacht durch Feindeshand.

    Jetzt finden wir Daniel wieder im medisch-persischen Großreich: Und Darius sah es für gut an, dass er über das ganze Königreich setzte hundertzwanzig Landvögte.  Über diese setzte er drei Fürsten, deren einer Daniel war, welchen die Landvögte sollten Rechnung tun, dass der König der Mühe überhoben wäre. Daniel, dieser alte Mann, der nun fast 80 Jahre alt war, er stand plötzlich wieder auf herausragendem Posten. Darius, der als ziemlich selbständiger Vizekönig für den Großkönig Kyros den Westteil des Reiches verwaltete, hatte sein Gebiet in 120 Bezirke oder Satrapien eingeteilt und über diese Landvögte oder Bezirkshauptleute oder Satrapen gesetzt. Zusammengefasst wurde diese Verwaltung in der Spitze im Amt der drei Chefminister, von denen einer Daniel war. Wie wir immer wieder aus den Berichten lesen, so hat Daniel sich nie gedrängt zu einem solchen Amt. Er war kein Karrieremensch. Er übte die Aufgabe aus, die ihm anvertraut war und suchte darinnen Gott zu dienen. Und Gott segnete ihn. Das stellten sogar die Heiden fest: Daniel aber übertraf die Fürsten und Landvögte alle, denn es war ein hoher Geist in ihm; darum gedachte der König, ihn über das ganze Königreich zu setzen. Es war ein hoher Geist in ihm. Wahrscheinlich hat Daniel, geleitet und getrieben von dem Heiligen Geist, hier aus einer Schrift im persischen Archiv Passagen übernommen. Die Heiden kennen den Heiligen Geist nicht. Aber sie merkten: Daniel ist so begabt, so befähigt, so gewaltig in seinem Dienst, das muss von Gott herkommen. So hatten wir es schon ganz am Anfang gesehen, wie Gott Daniel und seine drei Freunde ausgerüstet hatte mit besonderen Gaben um ihrer Treue zum lebendigen Gott willen. Und so auch hier. Darum will Darius ihn zum Großfürsten machen, zum dritten Mann im Reich, der noch über den Chefministern stehen sollte. Auch hier wieder: Daniel begehrte diesen Posten nicht. Er trachtete nicht danach. Kein Ellbogenverhalten, keine Intriguen kennzeichnen sein Verhalten. Kein Streben nach Macht und Ansehen. Er übernimmt die Ämter, zu denen er berufen wird. So sollte unsere Haltung sein. Zufrieden mit dem, was wir empfangen. Es ist aber ein großer Gewinn, wer gottselig ist und lässet sich genügen.

    Obwohl er also selbst keinerlei Ehrgeiz hat auf diesen hohen Posten, obwohl er selbst auch gar niemanden verdrängen will oder sich über jemanden setzen, so führt doch dieser Plan des Darius dazu, dass seine Kollegen im Ministeramt, wie auch die Bezirkshauptleute, zu seinen Feinden werden, denn sie neiden ihm diese Erhöhung, die bevorsteht, und haben wohl auch Sorge davor, dass er strenger sein könnte in der Kontrolle der Abläufe in Regierung und Verwaltung. Derhalben trachteten die Fürsten und Landvögte darnach, wie sie eine Sache an Daniel fänden, die wider das Königreich wäre. Aber, was stellen sie schließlich fest? Aber sie konnten keine Sache noch Übeltat finden; denn er war treu, dass man ihm keine Schuld noch Übeltat an ihm finden mochte. Da sprachen die Männer: Wir werden keine Sache an Daniel finden außer seinem Gottesdienst. Nichts ist da, was sie ausnützen könnten gegenüber Daniel. Kein Vergehen, keine Korruption, nichts. Welch ein Zeugnis müssen sie ihm ausstellen: Er war treu. Gewissenhaft, treu, genau, fleißig, so hat er seine Aufgaben erfüllt. Auch hierin ist er uns ein Vorbild. Er hat so gehandelt, wie es der Heilige Geist später durch Paulus an die Gemeinde in Kolossä schreibt: Alles, was ihr tut, das tut von Herzen, als dem HERRN und nicht den Menschen; nicht mit Dienst allein vor Augen, als den Menschen zu gefallen, sondern als die Knechte Christi, dass ihr solchen Willen Gottes tut von Herzen, mit gutem Willen. Das ist Gottes Ordnung für unseren Alltag, für die Arbeit unseres Alltages. Nicht nur dann ordentlich arbeiten, wenn ein Vorgesetzter dabei ist, sondern grundsätzlich, weil wir immer vor dem Angesicht Gottes stehen. Darum geht.

    Auf welche Idee kommen die Neider daher? Sie hoffen, über Daniels Gottesdienst etwas zu finden. Grundsätzlich sind sie wohl keine Antisemiten oder Judenfeinde gewesen. Aber nun, da sie sich zurückgesetzt sehen, da kommt ihnen dieses Argument recht. Wir erkennen hier aber: Daniel hat, auch in seinem Alter, mit sei-nem Glauben nicht hinter dem Berg gehalten. Jedermann wusste, wie die Haltung Daniels war, jedermann wusste, dass er ein eifriger Diener des HERRN war. So stellt auch der König ihm das Zeugnis aus, dass er Gott ohne Unterlass dient. Daniels Leben war geprägt von seiner Gemeinschaft mit dem lebendigen Gott, von der Nachfolge, in der er stand. Kompromisslos. Das war der Kern seines Lebens, alles andere, gerade auch sein treuer Dienst, erfolgten ja daraus.

    Und was überlegen sich die Feinde? Da kamen die Fürsten und Landvögte zuhauf vor den König und sprachen zu ihm also: Der König Darius lebe ewiglich!  Es haben die Fürsten des Königreichs, die Herren, die Landvögte, die Räte und Hauptleute alle Gedacht, dass man einen königlichen Befehl soll ausgehen lassen und ein strenges Gebot stellen, dass, wer in dreißig Tagen etwas bitten wird von irgend einem Gott oder Menschen außer dir, König, allein, solle zu den Löwen in den Graben geworfen werden. Darum, lieber König, sollst du solch Gebot bestätigen und dich unterschreiben, auf dass es nicht geändert werde, nach dem Rechte der Meder und Perser, welches niemand aufheben darf. Also unterschrieb sich der König Darius. Es ist das eine sehr infame Sache. Hier sehen wir zugleich eine Parallele aufkommen zwischen Daniel, der hier ein Vorbild auf den Heiland wird, und dem HERRN Jesus Christus und dem Prozess gegen ihn. Aus Neid hatten diese Hofleute und Beamten bei Darius intrigiert, aus Neid suchten auch die Hohenpriester und Schriftgelehrten den Heiland zum Tode zu bringen, wie Pilatus selbst merkte: Denn er wusste wohl, dass sie ihn aus Neid überantwortet hatten. Wie die Neider hier Darius bestürmten, so später die jüdische Kirchenleitung den römischen Statthalter. Lange scheint der Vizekönig sich nicht hergegeben zu haben für dieses unsinnige Gesetz, schließlich aber, als es ihm wohl zu viel wurde, hat er eingewilligt, gar nicht merkend, worauf sie hinaus wollen. Dreißig Tage sollte niemand jemanden außer dem König etwas bitten dürfen, auch Gott nicht. Merken wir, worauf das auch hinläuft? Hier haben wir einen ganz offenbaren Angriff auf den rechten Glauben. Hier bahnt sich der Konflikt mit dem ersten Gebot an. Hier wird der Gottesdienst selbst in Frage gestellt. Hier geht der Staat über seine ihm gegebenen Rechte und Aufgaben hinaus. Hier nimmt er endzeitliche, antichristliche Züge an.

    Und wie reagiert Daniel? Sagt er sich: Ich habe schon so viel und oft in meinem Leben gebetet, da werde ich wohl dreißig Tage einmal aussetzen können? Oder sagt er sich: Sie können nur das anzeigen, was öffentlich geschieht, was offenbar ist. Aber das andere, was verborgen ist, das können sie nicht anzeigen. Ich will heimlich, im Herzen, ohne dass es irgendjemand bemerken kann, so ganz für mich beten. Wäre das nicht klug gewesen, weise, eine Umgehung des Gebotes ohne den Gottesdienst zu verlassen? Was lesen wir? Als nun Daniel erfuhr, daß solch Gebot unterschrieben wäre, ging er hinein in sein Haus (er hatte aber an seinem Söller offene Fenster gegen Jerusalem); und er fiel des Tages dreimal auf seine Kniee, betete, lobte und dankte seinem Gott, wie er denn bisher zu tun pflegte. Daniel änderte seinen Lebensstil, seine Frömmigkeit nicht. Er meinte weder, dass jetzt erst recht eine religiöse Demonstration Not tue, noch meinte er, jetzt seine Frömmigkeit verstecken zu müssen. Er lebte vor Gott so weiter, wie er es getan hatte. Und was hatte er bisher getan? Sein Leben war auch im geistlichen Bereich fein geordnet gewesen. Er hatte seine regelmäßigen Gebetszeiten, dreimal am Tag, da betete er intensiv, nach Jerusalem hin gewandt, so, wie es die Juden seit jener Zeit machten, immer an den zerstörten Tempel denkend, aber auch die Verheißung der Rückkehr nach siebzig Jahren. Wir lernen hier, wie gut auch eine geistliche Gewohnheit ist, wenn sie immer wieder neu mit Leben erfüllt und nicht oberflächlich wird, zu einem Leerlauf in Routine. Solche Ordnung, solche lebendige Gewohnheit ist gut und wichtig für unser Glaubensleben, wie wir gerade hier sehen, und ist wichtig insbesondere auch für solche Zeiten der Bedrängnis, Verfolgung, aber auch wenn wir etwa in arbeitsmäßiger Überlastung sind. So sollen auch wir, wenn wir etwa in ein Lokal gehen, um zu essen, dort so beten, wie wir es auch zu Hause zu Tisch machen. Ist es dort im Sitzen, so auch im Lokal, sind wir es im Stehen gewohnt, sollen wir es auch im Restaurant so machen, wenn es möglich ist. Daniel ist unbeirrt von dem Gebot des Königs den Weg des Glaubens gegangen, wusste klar: Es gibt einen Bereich, in den der König nicht eingreifen darf: die Verkündigung, das Gebet, die Mission, die Diakonie. Er bleibt bei seiner Frömmigkeit, auch wenn dies jetzt etwas kostet, ja, das Leben kosten kann.

 

    2. Und die Feinde, sie haben nun genau das, was sie wollten: Da kamen diese Männer zuhauf und fanden Daniel beten und flehen vor seinem Gott. Und traten hinzu und redeten mit dem König von dem königlichen Gebot: Herr König, hast du nicht ein Gebot unterschrieben, dass, wer in dreißig Tagen etwas bitten würde von irgend einem Gott oder Menschen außer dir, König, allein, solle zu den Löwen in den Graben geworfen werden? Der König antwortete und sprach: Es ist wahr, und das Recht der Meder und Perser soll niemand aufheben.  Sie antworteten und sprachen vor dem König: Daniel, der Gefangenen aus Juda einer, der achtet weder dich noch dein Gebot, das du verzeichnet hast; denn er betet des Tages dreimal. Da der König solches hörte, ward er sehr betrübt und tat großen Fleiß, dass er Daniel erlöste, und mühte sich bis die Sonne unterging, dass er ihn errettete.  (6-16) Aber die Männer kamen zuhauf zu dem König und sprachen zu ihm: Du weißt, Herr König, dass der Meder und Perser Recht ist, dass alle Gebote und Befehle, so der König beschlossen hat, sollen unverändert bleiben. Erinnert uns das nicht auch wieder lebhaft an den Prozess gegen unseren HERRN und Heiland Jesus Christus? Haben sie dort nicht auch den Gerichtsherrn, Pilatus, so bedrängt? Musste nicht auch dort der Statthalter öffentlich zugeben, dass der Angeklagte doch unschuldig ist? Und kam es schließlich nicht auch dort so, dass, weil der letzte Mut zu einer durchgreifenden Handlung fehlte, das Urteil, das man anstrebte, auch gefällt wurde? So auch hier. Darius war gefangen in der medisch-persischen Justiz, deren Rechtsordnungen ja eigentlich das absolutistische System verhindern, auch den König an die erlassenen Gesetze binden sollten. Hier aber gereichte dies zum Schaden. Die Gefahr, dass sie ihn beim Großkönig verklagten, die Gefahr, dass vielleicht die Rechtssicherheit, der Rechtsfriede im Volk durch eine das Gesetz übergehende Handlungsweise gefährdet würde, all das schreckte Darius ab. Er willigte schließlich ein. Aber in seiner Haltung dem unschuldig Angeklagten gegenüber, da unterscheidet er sich tiefgreifend von Pilatus. Der Römer war geistlich völlig tot, zutiefst verstockt, taub für Jesu Worte. Anders hier der persische Statthalter. Er ist beeindruckt von Daniel, von dessen Glaubenstreue, von dessen Glaubensmut. Er ahnt: Hier muss ein anderer, ein gewaltiger Gott am Werke sein. Und er fragt sich: Kann der nicht vielleicht aus dieser so unmöglichen Lage helfen? Kein Mensch kann es! Und so sagt er dem Daniel, als dieser in die Grube hinabgelassen wird: Dein Gott, dem du ohne Unterlass dienest, der helfe dir! Nicht bei seinen heidnischen Götzen sucht der Herrscher jetzt Zuflucht, sondern bei dem Gott der Juden, dem wahren Gott. Dies hat das Lebenszeugnis, Lebensbekenntnis des Daniel bewirkt.

    Voll Unruhe, voll Anspannung, aber auch banger Hoffnung eilt der König nach der Nacht, es sind vielleicht acht Stunden vergangen, wieder zu dem Löwengraben. Was wird er vorfinden? Sollte das Wunder tatsächlich geschehen sein. Er erhofft es, ja, er erwartet es schier. Denn er ruft Daniel an: Daniel, du Knecht des lebendigen Gottes, hat dich auch dein Gott, dem du ohne Unterlass dienest, können von den Löwen erlösen? Welch ein Zeugnis stellt er auch hier wieder Daniel aus: Knecht des lebendigen Gottes! Das sollte unsere Haltung sein. Wie aber ist nun die Antwort, die Darius bekommt? Ist es nur das gierige Brüllen der Löwen? Oder kann da tatsächlich noch eine menschliche Stimme hervorkommen? Der König lebe ewiglich!  Mein Gott hat seinen Engel gesandt, der den Löwen den Rachen zugehalten hat, dass sie mir kein Leid getan haben; denn vor ihm bin ich unschuldig erfunden; so habe ich auch wider dich, Herr König, nichts getan. Ja, das Wunder ist geschehen! Der lebendige Gott hat gehandelt, er hat sich bezeugt an seinem Diener, an dem König. Er hat sich als der erwiesen, der erlösen und helfen kann. Er hat sich als der erwiesen, der das Leben und den Tod in seiner Hand hat und alles regiert. Als sie Daniel aus der Grube herausholen und untersuchen, so stellen sie fest: Er hat keinerlei Verletzungen. Nicht einmal eine Schramme durch eine Löwenkralle ist zu sehen. Nichts. Gott kann erretten!

    Jesus Christus hat aufgrund des Intriguenprozesses tatsächlich am Kreuz sterben müssen – aber nur, um dann auch siegreich aus der Grube hervorzugehen, denn du lässest nicht zu, dass dein Heiliger die Verwesung sehe. Jesu Auferstehung ist ja die öffentliche Proklamation des Sieges über Satan und Tod. Das ist hier auch schon vorgebildet in dem unversehrten und siegreichen Hervorkommen Daniels aus der Grube. Er ist es nicht, der nun Rache fordert. Es ist der König, der jetzt handelt, der die Verleumder hinrichten lässt, leider auch, was wohl persische Weise war, mit ihren Familien.

    Wir aber sehen hier: Der lebendige Gott ist ein Gott, der in der Geschichte handelt, der sich zu den Seinen stellt in allen Lagen. Nicht, dass immer die Seinen so unversehrt daraus hervorgehen, wie er sie aus Ägypten oder die Freunde Daniels aus dem Feuerofen herausgeführt hat. Nein, auch das Martyrium gehört mit dazu. Auch ein Stephanus oder Jakobus ist zu sehen. Gott sagt nicht zu, dass die Welt uns nichts äußerlich tun kann. Aber er sagt uns zu, dass, selbst wenn wir dem Leibe nach sterben müssten, wir doch der Seele nach errettet werden. Das ist das wichtige. Das ist die frohe Gewissheit, die auch Paulus immer wieder bekannte.

    Der lebendige Gott ist der Erlöser und Nothelfer! Dies wird in diesem Ereignis auch noch in einer anderen Weise vorgebildet. Daniel ist unschuldig verurteilt gewesen. Dennoch war seine äußere Lage völlig hoffnungslos. Wir werden einst nicht vor einem irdischen, sondern vor dem himmlischen Richter stehen. Die Anklage dort wird nicht durch Intriguen verfälscht. Wie steht es da mit unseren Aussichten? Wenn du ganz allein vor ihm erscheinen musst, nur auf dich gestellt, so ist die Lage so aussichtslos wie die Daniels, ja, noch aussichtsloser. Da hast du gar keinen Beistand. Da klagen dich der Teufel, dein Gewissen schon an – und Gottes Bücher erst recht. Alles kommt da zum Vorschein. Aller Stolz, aller Unglaube, aller Kleinglaube, alles Verleugnen, aller Hochmut, aller Neid, alle Bosheit, aller Hass, aller Grimm, alle Habgier, alles Hinterhältige, alle Selbstgerechtigkeit. Nichts bleibt verborgen. Da ist dann keine Rettung. Darum ist es so wichtig, dass dir deine Schuld schon jetzt, vor diesem Letzten Gericht, deutlich vor den Augen steht durch den Heiligen Geist, dass du schon jetzt durch deine aussichtslose Lage ein geängstetes und zerschlagenes Herz bekommst – und dann den wahren und einzigen Erlöser und Nothelfer für dich erkennst: Jesus Christus, das Lamm Gottes, das der Welt Sünde trägt. Dass du dann zu ihm eilst unter das Kreuz, all deine Schuld vor ihm ausbreitest, in seine ausgestreckten Arme fällst und ihn um Vergebung bittest und sie dankbar annimmst im Glauben.

    Wir brauchen diesen Erlöser und Nothelfer täglich. Nicht nur bei der grundsätzlichen Bekehrung, sondern auch wegen unserer täglichen Sünde in der täglichen Buße und Erneuerung des Glaubens. Wir brauchen ich aber auch in all den Schwierigkeiten und Notlagen des Alltages, die uns den Glauben schwer, beschwerlich, hart machen wollen. Wir brauchen ihn, dass wir durch ihn immer wieder ermutigt und gestärkt werden zu einem treuen, festen, eindeutigen Zeugnis. Das schenke er uns täglich. Amen.

 

 

Daniel 7:

Wenn auch die Weltreiche im Antichristen gipfeln – Gott ist der HERR der Geschichte

(Predigt zum 1. Sonntag nach Trinitatis)

 

Daniel 7: Im ersten Jahr Belsazers, des Königs zu Babel, hatte Daniel einen Traum und Gesichte auf seinem Bett; und er schrieb den Traum auf und verfasste ihn also:  Ich, Daniel, sah ein Gesicht in der Nacht, und siehe, die vier Winde unter dem Himmel stürmten widereinander auf dem großen Meer.  Und vier große Tiere stiegen heraus aus dem Meer, ein jedes anders denn das andere.  Das erste wie ein Löwe und hatte Flügel wie ein Adler. Ich sah zu, bis dass ihm die Flügel ausgerauft wurden; und es ward von der Erde aufgehoben, und es stand auf zwei Füßen wie ein Mensch, und ihm ward ein menschlich Herz gegeben.  Und siehe, das andere Tier hernach war gleich einem Bären und stand auf der einen Seite und hatte in seinem Maul unter seinen Zähnen drei große, lange Zähne. Und man sprach zu ihm: Stehe auf und friss viel Fleisch!  Nach diesem sah ich, und siehe, ein anderes Tier, gleich einem Parder, das hatte vier Flügel wie ein Vogel auf seinem Rücken, und das Tier hatte vier Köpfe; und ihm ward Gewalt gegeben.  Nach diesem sah ich in diesem Gesicht in der Nacht, und siehe, das vierte Tier war greulich und schrecklich und sehr stark und hatte große eiserne Zähne, fraß um sich und zermalmte, und das übrige zertrat's mit seinen Füßen; es war auch viel anders denn die vorigen und hatte zehn Hörner.  Da ich aber die Hörner schaute, siehe, da brach hervor zwischen ihnen ein anderes kleines Horn, vor welchen der vorigen Hörner drei ausgerissen wurden; und siehe, dasselbe Horn hatte Augen wie Menschenaugen und ein Maul, das redete große Dinge.  Solches sah ich, bis dass Stühle gesetzt wurden; und der Alte setzte sich. Des Kleid war schneeweiß, und das Haar auf seinem Haupt wie reine Wolle; sein Stuhl war eitel Feuerflammen, und dessen Räder brannten mit Feuer.  Und von ihm her ging ein langer feuriger Strahl. Tausend mal tausend dienten ihm, und zehntausend mal zehntausend standen vor ihm. Das Gericht ward gehalten, und die Bücher wurden aufgetan.  Ich sah zu um der großen Reden willen, so das Horn redete; ich sah zu bis das Tier getötet ward und sein Leib umkam und ins Feuer geworfen ward  und der anderen Tiere Gewalt auch aus war; denn es war ihnen Zeit und Stunde bestimmt, wie lange ein jegliches währen sollte.  Ich sah in diesem Gesicht des Nachts, und siehe, es kam einer in des Himmels Wolken wie eines Menschen Sohn bis zu dem Alten und ward vor ihn gebracht.  Der gab ihm Gewalt, Ehre und Reich, dass ihm alle Völker, Leute und Zungen dienen sollten. Seine Gewalt ist ewig, die nicht vergeht, und sein Königreich hat kein Ende.  Ich, Daniel, entsetzte mich davor, und solches Gesicht erschreckte mich.  Und ich ging zu der einem, die dastanden, und bat ihn, dass er mir von dem allem gewissen Bericht gäbe. Und er redete mit mir und zeigte mir, was es bedeutete.  Diese vier großen Tiere sind vier Reiche, so auf Erden kommen werden.  Aber die Heiligen des Höchsten werden das Reich einnehmen und werden's immer und ewiglich besitzen.  Darnach hätte ich gern gewusst gewissen Bericht von dem vierten Tier, welches gar anders war denn die anderen alle, sehr greulich, das eiserne Zähne und eherne Klauen hatte, das um sich fraß und zermalmte und das übrige mit seinen Füßen zertrat;  und von den zehn Hörnern auf seinem Haupt und von dem andern, das hervorbrach, vor welchem drei abfielen; und das Horn hatte Augen und ein Maul, das große Dinge redete, und war größer, denn die neben ihm waren.  Und ich sah das Horn streiten wider die Heiligen, und es behielt den Sieg wider sie,  bis der Alte kam und Gericht hielt für die Heiligen des Höchsten, und die Zeit kam, dass die Heiligen das Reich einnahmen.  Er sprach also: Das vierte Tier wird das vierte Reich auf Erden sein, welches wird gar anders sein denn alle Reiche; es wird alle Lande fressen, zertreten und zermalmen.  Die Zehn Hörner bedeuten zehn Könige, so aus dem Reich entstehen werden. Nach ihnen aber wird ein anderer aufkommen, der wird gar anders sein denn die vorigen und wird drei Könige demütigen.  Er wird den Höchsten Lästern und die Heiligen des Höchsten verstören und wird sich unterstehen, Zeit und Gesetz zu ändern. Sie werden aber in sein Hand gegeben werden eine Zeit und zwei Zeiten und eine halbe Zeit.  Darnach wird das Gericht gehalten werden; da wird dann seine Gewalt weggenommen werden, dass er zu Grund vertilgt und umgebracht werde.  Aber das Reich, Gewalt und Macht unter dem ganzen Himmel wird dem heiligen Volk des Höchsten gegeben werden, des Reich ewig ist, und alle Gewalt wird ihm dienen und gehorchen.  Das war der Rede Ende. Aber ich, Daniel, ward sehr betrübt in meinen Gedanken, und meine Gestalt verfiel; doch behielt ich die Rede in meinem Herzen.

 

    Die Zukunft – das ist die Frage, die uns Menschen doch immer wieder beschäftigt. Was wird in meinem Leben passieren, wie wird es weiter gehen, wie werde ich mein Alter verbringen, was wird so alles noch in meinem Leben passieren? Auch die Frage nach der großen Politik: Wie wird es wirtschaftlich weitergehen, wird es Frieden bleiben? Wir haben ja das mächtige Sowjetimperium zerbrechen sehen, andererseits den Islam in seiner radikalen Form, dem Islamismus, erstarken – was wird da die Zukunft bringen?

    Gottes Wort lässt uns nicht ohne Antwort auf diese unsere brennenden Fragen, vor allem auf die Frage nach der globalen Zukunft. Schon der erste Traum Nebukadnezars, den Daniel ihm auslegte, beschäftigte sich damit, und in diesem Kapitel gibt der HERR uns noch nähere Auskunft über diese Zukunft, gibt uns einen grundlegenden Überblick über den Gang der Weltgeschichte von der Zeit Daniels bis zur Wiederkunft Christi zum Jüngsten Gericht. Fünf große, miteinander zusammenhängende, Themenbereiche spricht der Heilige Geist in diesem Kapitel an, von denen wir die ersten drei heute, die anderen beiden am kommenden Sonntag betrachten wollen:

 

Wenn auch die Weltreiche im Antichristen gipfeln – Gott ist der HERR der Geschichte

1. Die Weltreiche und ihr Niedergang

2. Das antichristliche Reich

3. Gott ist der HERR der Geschichte

 

    1. Daniel hat dieses Gesicht im ersten Jahr Belsazers gehabt. König war damals eigentlich immer noch der Vater Belsazers, Narbonid, der aber mit einem großen Teil des Heeres nach Arabien aufgebrochen war, um diese Halbinsel Babylon zu unterwerfen. Sein Sohn führte, sozusagen als König in Vertretung, in der Heimat derweil die Amtsgeschäfte, geschmückt mit dem Königstitel. Babylon stand zu diesem Zeitpunkt immer noch im Glanze seiner Macht, kaum jemand ahnte, wie bald sie schon dahin sinken sollte. In diesem äußeren Umfeld nun empfing Daniel diese Schau der künftigen Geschichte:

    Ich, Daniel, sah ein Gesicht in der Nacht, und siehe, die vier Winde unter dem Himmel stürmten gegeneinander auf dem großen Meere. Das, was Daniel also zunächst erblickt, das ist das große Meer, und auf ihm stürmen die vier Winde. Was ist mit dem Meer gemeint? Aus diesem Meer, wie im nächsten Vers steht, steigen die Tiere empor, die, wie es später heißt, vier Reiche sind, so auf Erden kommen werden. Was also ist mit dem Meer gemeint? In der Offenbarung an Johannes greift der Heilige Geist dieses Bild wieder auf: Und ich trat an den Sand des Meeres und sah ein Tier aus dem Meer steigen, das hatte sieben Häupter und zehn Hörner und auf seinen Hörnern zehn Kronen und auf seinen Häuptern Namen der Lästerung. Im Psalm 46 ist von dem Trost und der Sicherheit der Gemeinde die Rede, wenngleich das Meer wütete und wallte und von seinem Ungestüm die Berge einfielen. Unter dem Bild des Meeres ist hier in der prophetischen Rede das Völkermeer gemeint, die große Menge der Völkerschaften, die die Menschheit ausmachen. Aus ihm steigen die Tiere empor, kommen also die Reiche. Nicht von ungefähr stürzen sie über die Menschen herein, sondern kommen vielmehr von den Menschen her.

    Und vier große Tiere stiegen herauf aus dem Meer, eins je anders als das andere. Warum stellt Gott wohl die Weltreiche dar unter dem Bild von Tieren? Denken wir zurück an den anderen Traum Nebukadnezars, der sich dann auch verwirklichte. Als der babylonische König sich in seinem Stolz und Hochmut überhob, da musste er in seiner Gottesferne herabsinken auf die Stufe des Tieres. Und zeigt nicht Gott dies auch hier an: Der Grundcharakter der Staaten dieser Erde ist nicht der christliche, sondern es ist der gottlose. Die Staaten in ihrem Grundzug sind fern von Gott und wollen sich seinen Ordnungen nicht beugen. Und hier gibt er eine Warnung dazu: Damit sinken sie herab auf die Stufe des Tieres. Das erscheint uns hart. Aber bedenken wir doch recht, wenn wir die Weltgeschichte betrachten, die eben nicht nur die Geschichte kultureller, technischer oder wissenschaftlicher Höchstleistungen ist, sondern gerade auch die Geschichte von Kriegen, vor allem aber auch von entsetzlichen Grausamkeiten, etwa in den totalitären Systemen seit Robespierre, Hitler, Stalin, aber auch in den Christenverfolgungen – da haben wir das wahre Gesicht des gottfernen Menschen.

    Ganz deutlich tritt uns das in dem ersten Tier vor Augen: Das erste wie ein Löwe und hatte Flügel wie ein Adler. Ich sah zu, bis dass ihm die Flügel ausgerauft wurden; und es ward von der Erde aufgehoben, und es stand auf zwei Füßen wie ein Mensch, und ihm ward ein menschlich Herz gegeben. Es hat das Aussehen eines Löwen. Er ist der König der Tiere, mächtig, gewaltig, herrschbegierig; und er hatte Flügel wie ein Adler, wollte also hoch hinaus, über alle anderen, wollte sein wie Gott. Wie bist du vom Himmel gefallen, du schöner Morgenstern! Wie bist du zur Erde gefällt, der du die Heiden schwächtest! Gedachtest du doch in deinem Herzen: Ich will in den Himmel steigen und meinen Stuhl über die Sterne Gottes erhöhen; ich will mich setzen auf den Berg des Stifts, an der Seite nach Norden; ich will über die hohen Wolken fahren und gleich sein dem Allerhöchsten. So weissagt schon Jesaja vom Untergang der Babylonier. Erkennen wir es? Hier haben wir das, was wirklich in unseren Herzen darinnen ist, hier haben wir die Ursünde seit dem Sündenfall unserer Eltern Adam und Eva: Diese Hybris, diese Selbstüberhebung, dieses Sein wollen wie Gott. Es ist die Autonomie, die Selbstregierung, die der Mensch anstrebt, sich selbst Gesetze geben zu wollen, sich selbst zum Maß aller Dinge zu machen – denken wir nur an den aus der Antike übernommen Spruch der Renaissance und des Humanismus: Der Mensch ist das Maß aller Dinge. Das heißt doch: Gottes Gebote lässt man sich nicht mehr gesagt sein; Gottes Ordnung wird aufgehoben, der Mensch mit seinem Reich, seiner Macht meint, alles sei machbar, dirigierbar, erzwingbar, seine Vernunft könne alles bewältigen. Machen wir uns nichts vor. Das ist ja nicht nur die Hybris von Staaten, und die sind ja auch nur durch Menschen gebaut, sondern das ist die Ursünde, die in uns darinnen steckt: Dass wir uns um uns selbst drehen, dass wir uns selbst leben, dass wir, mit einem modernen Wort genannt, uns selbst verwirklichen wollen; dass wir also unseren Wünschen, unseren Interessen, unseren Zielen nachstreben – und wehe dem, der uns dabei in die Quere kommt. Merken wir es nicht oft schon in den kleinen Dingen des Alltages, wenn wir unterwegs sind und durch Schranken oder Ampel im Eilen unterbrochen, aufgehalten werden; wenn wir unseren Plan für den Tag nicht ausführen können, weil Störungen kommen? Oder wenn uns Gottes Gebote entgegentreten: Ich bin der HERR, dein Gott: Du sollst keine anderen Götter haben neben mir. Stellen wir uns dem denn? Unterwerfen wir uns dem? Wollen wir das überhaupt, dass ein anderer über uns Macht hat? Meinen wir nicht vielmehr, dass wir das doch alles selbst bewältigen können? Was aber lesen wir nun hier? Was sagt Gott über dieses Reich, das so hoch hinaus wollte? Es stand dieses Tier schließlich da wie ein Mensch und hatte ein menschliches Herz. Dieses Reich, das sich wie Gott vorkam, war in Wirklichkeit auch nur ein Mensch – und musste untergehen wie alle Dinge dieser Erde. Da sie sich dünkten weise zu sein, sind sie zu Narren geworden. Das ist die Aussage Gottes über diese Überhebung von uns Menschen. Und wie das große Babylonierreich untergehen musste, so haben auch wir keine Zukunft, keine ewige Zukunft, wenn wir auf diesem Weg der Gottesferne bleiben und nicht durch Gottes Evangelium in Wort und Taufe von neuem geboren, bekehrt werden, das neue Leben empfangen durch den lebendigen Glauben an Jesus Christus, der einen radikalen Bruch mit der Welt und ihrem Denken zur Folge hat, einen radikalen Zerbruch der Herrschaft des Ich, eine ganze Hingabe an Jesus Christus, dem Heiland, als dem HERRN. Kehre um zu dem Erbarmer, dem Erlöser Jesus Christ, ist darum auch durch dieses Schicksal Babylons der Ruf Gottes an uns!

    Was wir hier vorfinden, ist ja die Abfolge von Reichen, ganz parallel zu dem, was schon im zweiten Kapitel über die Folge der Reiche gesagt war. Auf das Babylonierreich folgt das andere, das durch den um sich fressenden Bären dargestellt ist. Das ist das medo-persische Reich, das ja viel größer war als das babylonische, das von Indien bis zum Bosporus und Ägypten reichte. Aber auch dieses war nur eine Epoche in der Weltgeschichte. Auch dieses hatte keinen ewigen Bestand. Ein anderes folgte ihm nach: Nach diesem sah ich, und siehe, ein anderes Tier, gleich einem Parder, das hatte vier Flügel wie ein Vogel auf seinem Rücken, und das Tier hatte vier Köpfe; und ihm ward Gewalt gegeben. Es ist ein Tier – aber mit vier Flügeln und vier Köpfen. Einheit und doch auch wieder vier Kräfte. Das weist hin auf die hellenistischen Reiche, auf das Alexanderreich und die vier Nachfolgestaaten der Mazedonier, der Seleukiden in Syrien, der Ptolämaier in Ägypten und der Attaliden in Pergamon, wovon im achten Kapitel noch ausführlicher gesprochen wird. Wenn hier wieder von den Flügeln die Rede ist, so wird auch hier wieder angedeutet, die diese Staaten in die Höhe, zur Selbstvergottung strebten. Das Gottkönigtum, das dann im römischen Gottkaisertum gipfelte, zeigt sich da. Es ist die Vergottung auch des Staates, der religiöse Charakter, der dem Staat gegeben wird, übrigens auch vielfach in der Geschichte des Abendlandes, bis dahin, dass der Staat die christliche Kirche sich als Erziehungsinstrument unterwerfen wollte, sie zu missbrauchen suchte als eine Einrichtung, um die Einheit des Staates herzustellen.

    2. Diese Reiche aber alle gipfeln in einem, dem vierten Reich: Nach diesem sah ich in diesem Gesicht in der Nacht, und siehe, das vierte Tier war greulich und schrecklich und sehr stark und hatte große eiserne Zähne, fraß um sich und zermalmte, und das übrige zertrat's mit seinen Füßen; es war auch viel anders denn die vorigen und hatte zehn Hörner.  Da ich aber die Hörner schaute, siehe, da brach hervor zwischen ihnen ein anderes kleines Horn, vor welchen der vorigen Hörner drei ausgerissen wurden; und siehe, dasselbe Horn hatte Augen wie Menschenaugen und ein Maul, das redete große Dinge. Von dem lesen wir dann noch weiter: Das vierte Tier wird das vierte Reich auf Erden sein, welches wird gar anders sein denn alle Reiche; es wird alle Lande fressen, zertreten und zermalmen.  Die Zehn Hörner bedeuten zehn Könige, so aus dem Reich entstehen werden. Nach ihnen aber wird ein anderer aufkommen, der wird gar anders sein denn die vorigen und wird drei Könige demütigen.  Er wird den Höchsten Lästern und die Heiligen des Höchsten verstören und wird sich unterstehen, Zeit und Gesetz zu ändern. Sie werden aber in sein Hand gegeben werden eine Zeit und zwei Zeiten und eine halbe Zeit.  Darnach wird das Gericht gehalten werden; da wird dann seine Gewalt weggenommen werden, dass er zu Grund vertilgt und umgebracht werde. Was erfahren wir also hier von diesem Reich? Es steht einerseits in der Kontinuität der Reiche, die auch vorher schon da waren. Das ist auch natürlich, denn Gott hat auch die vorherigen schon in ihrem antichristlichen Grundcharakter, in ihrer religiösen Selbstüberhebung gezeigt. Aber es unterscheidet sich von all den anderen dadurch, dass die Bosheit, die zuvor auch schon da war, nun zur vollen Blüte kommt. Wir lernen es zunächst kennen als ein schreckliches, übermächtiges Tier, das alles sich unterwirft. So war es mit dem Römerreich in der Antike. Die ganze bekannte Welt der damaligen Zeit im Mittelmeerraum hat es sich unterworfen, Gallien, Spanien, Griechenland, Ägypten, Syrien, Kleinasien, den Balkan, die Donauländer. Nichts sollte daneben bestehen können. Und was war das Ziel: die „pax Romana“, eine Art römische Weltfriedensordnung, aufrecht erhalten durch die Zwangsgewalt des römischen Militärs. Von diesem Reich nun heißt es, das es zehn Hörner hatte. In dem Vers aus der Offenbarung, der schon zitiert wurde, wird das wieder aufgegriffen und an einer weiteren Stelle noch näher erläutert: Und die zehn Hörner, die du gesehen hast, das sind zehn Könige, die das Reich noch nicht empfangen haben; aber wie Könige werden sie eine Zeit Macht empfangen mit dem Tier. Diese haben eine Meinung und werden ihre Kraft und Macht geben dem Tier. Diese werden streiten mit dem Lamm, und das Lamm wird sie überwinden. Rom ist in seiner Spätzeit in zehn Diözesen oder Reichsbezirke aufgeteilt gewesen, die fast selbständig waren und ist ja dann zerfallen. Diese zehn Hörner stehen also für die Nachfolgestaaten Roms, wir können sagen, alle Mächte der Welt, denn sie leiten sich seither alle von Rom her, es sei Westrom oder das alte Heilige Römische Reich Deutscher Nation gewesen oder Ostrom oder auch Russland oder heute Amerika und Europa und die UNO. Sie alle sind antichristliche Mächte, so werden sie auch in der Offenbarung geschildert. Von diesen unterschieden wird aber das eine Horn, das besonders hervortritt, das die anderen demütigen und die Heiligen des Höchsten, die Gemeinde, verfolgen und auch eine Zeitlang Sieg haben wird, das alles ändert, Zeit und Gesetze, und ein Lästerer Gottes ist. Die Offenbarung spricht ja eindeutig von den antichristlichen Weltmächten und dem Antichristen als einer geistlichen Macht, wenn auch beide immer wieder zusammen spielen, wobei die Weltmächte sich auch immer wieder gegen die geistliche Macht wenden, aber auch nur, um selbst in ihrem antichristlichen Charakter immer weiter zu gehen. Wer ist diese zentrale antichristliche Macht? Im zweiten Thessalonicherbrief wird sie beschrieben als eine Macht, die im Tempel Gottes sitzt, also eine geistliche Macht ist, als der Mensch der Sünde, als eine Macht, die Gottes Ordnungen umstößt und eigene aufstellt, einen gewaltigen Abfall von der Kirche Christi verursacht. In der Offenbarung heißt es unter anderem über sie: Die sieben Häupter sind sieben Berge, auf welchen das Weib sitzt. Rom, wie wir wissen, ist die Stadt auf den sieben Bergen. Das Papsttum ist die Macht, die in der Kirche Christi sitzt, die Gesetze an die Stelle Gottes gesetzt hat, denken wir nur an den Zölibat, von Paulus als antichristliches Gesetz gebrandmarkt, denken wir an die Speisegesetze und die Lehren, die es aufstellt, die keinen Grund in der Bibel haben, wie die unbefleckte Empfängnis Marias und die Himmelfahrt Marias. Bedenken wir vor allem, welchen Abfall von Christus das Papsttum verursacht hat und verursacht dadurch, dass es das Zentrum der christlichen Lehre zerstört. Die Bibel lehrt uns: Du wirst errettet allein aus Gnaden, allein um Christi Verdienst für dich willen, empfangen allein durch den Glauben. Wer aber nicht mit Werken umgeht, glaubet aber an den, der die Gottlosen gerecht macht, dem wird sein Glaube gerechnet zur Gerechtigkeit. Was aber sagt Rom, wie formulierte es Kardinal Ratzinger, als es um die „Gemeinsame Erklärung“ ging? Gott könne nicht den Gottlosen gerecht sprechen, sondern nur den, der es verdient habe. Das widerspricht geradewegs dem Evangelium. Im Zentrum des Glaubens ist Rom auf heidnischen Boden zurückgekehrt. Im Papsttum haben wir diese antichristliche geistliche Macht, die auch immer wieder mit der Weltmacht zusammenarbeitet. Wir bemerken dies etwa im Zusammenspiel mit der UNO, mit der Europäischen Gemeinschaft, mit dem Einfluss, den es auch in den Vereinigten Staaten gewonnen hat. Wir erkennen ja auch, wie es, vorbereitet im zweiten Vatikanischen Konzil, die Welteinheitsreligion anstrebt, vielleicht zunächst so ein Gemenge der angeblichen „abrahamitischen“ Religionen, einem sehr reduzierten Christentum, Judentum und Islam, um das dann die anderen Religionen geschart werden, um so die Welteinheit vorzubereiten, die totale Globalisierung auf allen Gebieten. Und wie sehr hat gerade das Papsttum bisher die Christen verfolgt, im Mittelalter anhebend, besonders dann in der Reformationszeit. Und auch in der jüngeren Zeit hat der Papst in den „Fundamentalisten“ seine Hauptfeinde erkannt, nämlich in denen, die die Rechtfertigung allein aus Gnaden, allein um Christi Verdienst willen, allein durch den Glauben bekennen.

    Was sich heute anbahnt, das ist der wohl letzte Ansturm der antichristlichen Kräfte, in der kleinen Zeit, die der Satan nur noch hat, jetzt nun alle zusammengeballt, alle Finsternismächte, weltliche und geistliche, um die Gemeinde des HERRN endgültig und für immer zu zerstören. Aber, wie wir auch hier sehen: Es wird ihnen  nicht gelingen. Es kommt vielmehr etwas anderes, jemand anderes: Der HERR selbst, mit seinem Gericht.

    3. Denn: Wenn wir auch all das sehen, wenn wir auch bemerken müssen, wie es für uns Christen immer enger wird in dieser Welt zum Leben, wie der christliche Glaube immer mehr eingeengt wird – sollen wir uns darum ängstigen, verzagen, bestürzt sein? Nein! Denn wir lernen hier immer wieder: Gott ist der HERR der Geschichte; alles kommt zu seinem Ziel, das er gesetzt hat.

    So lesen wir ja von den vier Winden, die auf dem Völkermeer stürmen und durch die die Tiere aufsteigen. Wer sind diese Winde? Psalm 104 lesen wir: Du machst deine Engel zu Winden und deine Diener zu Feuerflammen. Und bei Sacharja: Es sind die vier Winde unter dem Himmel, die hervor kommen, dass sie treten vor den Herrscher aller Lande. Es sind also Engel, Boten Gottes. Das heißt dann aber auch: Was in der Geschichte dieser Welt geschieht, das steht unter Gottes Regiment; nicht in dem Sinne, dass Gott das Böse will, wohl aber in dem Sinn, dass er selbst dies noch einbaut in seinen Heilsplan, selbst das ihm noch dienen muss.

    Dass Gott im Regiment sitzt, auch über die Mächte dieser Welt, zeigen uns Ausdrücke wie „bis dass ihm die Flügel ausgerauft wurden; und es ward von der Erde genommen“; oder: „Und man sprach zu ihm: Stehe auf und friss viel Fleisch!“ Denn wer ist es, der so redet? Es sind die Boten Gottes, die Engel. Weiter lesen wir: „und ihm ward Gewalt gegeben“, nämlich von dem lebendigen Gott.

    Im Blick auf die Reiche lesen wir da vor allem: denn es war ihnen Zeit und Stunde bestimmt, wie lange ein jegliches währen sollte. Gott ist der HERR, er hat in seinem ewigen Plan schon bestimmt, wie lange ein Reich bestehen soll. Wir wissen aus der Schrift, dass er Assur und Babylon auch als Gerichtsvölker über Israel verwendet hat, dass er dann aber, weil sie so grausam waren, sie auch wieder zerstört hat. Vor Gottes Augen ist die Geschichte längst erfüllt, er hat schon alles geordnet. Ja, selbst im Blick auf die Verfolgung der Gemeinde heißt es: Sie werden aber in seine Hand gegeben werden eine Zeit und etliche Zeit und eine halbe Zeit. Gott steht auch da nicht abseits. Dies dürfen wir wissen, gerade im Blick auf die Drangsale der Verfolgung. Gott ist nicht ferne, nein, er sitzt im Regiment, er hat selbst über die Verfolgung bestimmt, dass ihr Grenzen gesetzt sind, wie wir immer wieder lesen, etwa auch in der Offenbarung von den dreieinhalb Zeiten, die gesetzt sind dem Antichristen, die er verfolgen darf – dann aber ist alles vorbei!

    Gott ist der HERR der Geschichte – was aber macht dies deutlicher als das Gericht, das er dann ansetzt über die gesamte Welt und Weltgeschichte? Solches sah ich, bis dass Stühle gesetzt wurden; und der Alte setzte sich. Des Kleid war schneeweiß, und das Haar auf seinem Haupt wie reine Wolle; sein Stuhl war eitel Feuerflammen, und dessen Räder brannten mit Feuer.  Und von ihm her ging ein langer feuriger Strahl. Tausend mal tausend dienten ihm, und zehntausend mal zehntausend standen vor ihm. Das Gericht ward gehalten, und die Bücher wurden aufgetan.  Ich sah zu um der großen Reden willen, so das Horn redete; ich sah zu bis das Tier getötet ward und sein Leib umkam und ins Feuer geworfen ward  und der anderen Tiere Gewalt auch aus war; denn es war ihnen Zeit und Stunde bestimmt, wie lange ein jegliches währen sollte. Wovon und von wem ist hier die Rede? In dieser prophetischen bildhaften Rede wird vom Jüngsten Gericht gesprochen, das Gott der HERR abhalten wird. Unter der Bezeichnung des „Alten“ wird vom HERRN in seiner Ehrwürdigkeit gesprochen, dann von seiner Klarheit, Reinheit und Herrlichkeit unter den Bildern des schneeweißen Kleides, der Haare wie reine Wolle. Seine Heiligkeit, seine Unnahbarkeit tritt uns entgegen, wenn wir lesen von seinem Stuhl, der wie eitel Feuerflammen war, desselben Räder brannten mit Feuer und dass von demselben ein feuriger Strahl ausging. Die Größe, die Gewalt seiner himmlischen Heerscharen fällt uns in die Augen, wenn wir von den tausendmal tausend lesen, die ihm dienen, den zehntausendmal zehntausend, die vor ihm stehen. Das ist der lebendige Gott in seiner Macht. Und was geschieht? Das Gericht ward gehalten, die Bücher wurden aufgetan. Die Geschichte läuft nicht unabhängig von Gott ab. Wir sind nicht autonom. Alles muss vor dem lebendigen Gott verantwortet werden. Denn es ist dem Menschen gesetzt, einmal zu sterben und danach das Gericht.... Wir müssen alle offenbar werden vor dem Richterstuhl Christi, damit ein jeglicher empfange, gemäß dem er gehandelt hat bei Leibesleben, es sei gut oder böse. Gott ist der HERR – er richtet. Alles, unser ganzes Leben, ist vor ihm aufgezeichnet. Es gibt kein Geheimnis, das er nicht kennt. Alles muss vor ihm verantwortet werden – es sei denn, es ist schon abgewaschen durch das Blut Christi, wir haben die Vergebung dafür schon empfangen und ergriffen im Glauben an den HERRN.

    Und was lesen wir von dem Antichristen und seiner so gewaltigen Macht? Er wurde getötet und sein Leib ins Feuer geworfen, in die ewige Pein.

    In dieser Welt und Zeit mögen die antichristlichen Mächte triumphieren, groß sein, gewaltig auftreten – und wir, seine Schar, sein heiliges Volk, haben das Nachsehen, sind klein und nichtig, müssen viel Not, Bedrängnis, Angst leiden. Scheinbar ist es so, dass die gottlosen, gottfernen Kräfte triumphieren, siegen. Da wollen wir mutlos werden und verzagen. Gerade aber dieser Abschnitt zeigt uns, dass bei allem eben doch Gott im Regiment sitzt. Wir brauchen nicht verzagen. Wir sollen getrost sein, sollen uns an den Heiland Jesus Christus halten als an den einzigen Retter – was immer auch die Welt dagegen schreit. Darum: Siehe zu, dass du nicht mit dem Tier, dem Antichristen, und dem Teufel in den feurigen Pfuhl geworfen werden musst, sondern hier schon durch das Evangelium durch Buße und Bekehrung das neue Leben im Glauben empfängst – und darinnen konsequent in der Nachfolge ihm lebst.

    Und das lasst uns tun in dem getrosten Mut, wie es seit der Hitlerzeit die bekennende Christenschar singt:

 

Doch ob tausend Todesnächte

Liegen über Golgatha;

Ob der Hölle Lügenmächte

Triumphieren fern und nah:

Dennoch dringt als Überwinder

Christus durch des Sterbens Tor.

Und die sonst des Todes Kinder

Führt zum Lichte er empor!

Amen.

 

 

Daniel 7:

Das Volk Gottes und Christi ewiges Reich

(Predigt zum 2. Sonntag nach Trinitatis)

 

Daniel 7: Im ersten Jahr Belsazers, des Königs zu Babel, hatte Daniel einen Traum und Gesichte auf seinem Bett; und er schrieb den Traum auf und verfasste ihn also:  Ich, Daniel, sah ein Gesicht in der Nacht, und siehe, die vier Winde unter dem Himmel stürmten widereinander auf dem großen Meer.  Und vier große Tiere stiegen heraus aus dem Meer, ein jedes anders denn das andere.  Das erste wie ein Löwe und hatte Flügel wie ein Adler. Ich sah zu, bis dass ihm die Flügel ausgerauft wurden; und es ward von der Erde aufgehoben, und es stand auf zwei Füßen wie ein Mensch, und ihm ward ein menschlich Herz gegeben.  Und siehe, das andere Tier hernach war gleich einem Bären und stand auf der einen Seite und hatte in seinem Maul unter seinen Zähnen drei große, lange Zähne. Und man sprach zu ihm: Stehe auf und friss viel Fleisch!  Nach diesem sah ich, und siehe, ein anderes Tier, gleich einem Parder, das hatte vier Flügel wie ein Vogel auf seinem Rücken, und das Tier hatte vier Köpfe; und ihm ward Gewalt gegeben.  Nach diesem sah ich in diesem Gesicht in der Nacht, und siehe, das vierte Tier war greulich und schrecklich und sehr stark und hatte große eiserne Zähne, fraß um sich und zermalmte, und das übrige zertrat's mit seinen Füßen; es war auch viel anders denn die vorigen und hatte zehn Hörner.  Da ich aber die Hörner schaute, siehe, da brach hervor zwischen ihnen ein anderes kleines Horn, vor welchen der vorigen Hörner drei ausgerissen wurden; und siehe, dasselbe Horn hatte Augen wie Menschenaugen und ein Maul, das redete große Dinge.  Solches sah ich, bis dass Stühle gesetzt wurden; und der Alte setzte sich. Des Kleid war schneeweiß, und das Haar auf seinem Haupt wie reine Wolle; sein Stuhl war eitel Feuerflammen, und dessen Räder brannten mit Feuer.  Und von ihm her ging ein langer feuriger Strahl. Tausend mal tausend dienten ihm, und zehntausend mal zehntausend standen vor ihm. Das Gericht ward gehalten, und die Bücher wurden aufgetan.  Ich sah zu um der großen Reden willen, so das Horn redete; ich sah zu bis das Tier getötet ward und sein Leib umkam und ins Feuer geworfen ward  und der anderen Tiere Gewalt auch aus war; denn es war ihnen Zeit und Stunde bestimmt, wie lange ein jegliches währen sollte.  Ich sah in diesem Gesicht des Nachts, und siehe, es kam einer in des Himmels Wolken wie eines Menschen Sohn bis zu dem Alten und ward vor ihn gebracht.  Der gab ihm Gewalt, Ehre und Reich, dass ihm alle Völker, Leute und Zungen dienen sollten. Seine Gewalt ist ewig, die nicht vergeht, und sein Königreich hat kein Ende.  Ich, Daniel, entsetzte mich davor, und solches Gesicht erschreckte mich.  Und ich ging zu der einem, die dastanden, und bat ihn, dass er mir von dem allem gewissen Bericht gäbe. Und er redete mit mir und zeigte mir, was es bedeutete.  Diese vier großen Tiere sind vier Reiche, so auf Erden kommen werden.  Aber die Heiligen des Höchsten werden das Reich einnehmen und werden's immer und ewiglich besitzen.  Darnach hätte ich gern gewusst gewissen Bericht von dem vierten Tier, welches gar anders war denn die anderen alle, sehr greulich, das eiserne Zähne und eherne Klauen hatte, das um sich fraß und zermalmte und das übrige mit seinen Füßen zertrat;  und von den zehn Hörnern auf seinem Haupt und von dem andern, das hervorbrach, vor welchem drei abfielen; und das Horn hatte Augen und ein Maul, das große Dinge redete, und war größer, denn die neben ihm waren.  Und ich sah das Horn streiten wider die Heiligen, und es behielt den Sieg wider sie,  bis der Alte kam und Gericht hielt für die Heiligen des Höchsten, und die Zeit kam, dass die Heiligen das Reich einnahmen.  Er sprach also: Das vierte Tier wird das vierte Reich auf Erden sein, welches wird gar anders sein denn alle Reiche; es wird alle Lande fressen, zertreten und zermalmen.  Die Zehn Hörner bedeuten zehn Könige, so aus dem Reich entstehen werden. Nach ihnen aber wird ein anderer aufkommen, der wird gar anders sein denn die vorigen und wird drei Könige demütigen.  Er wird den Höchsten Lästern und die Heiligen des Höchsten verstören und wird sich unterstehen, Zeit und Gesetz zu ändern. Sie werden aber in sein Hand gegeben werden eine Zeit und zwei Zeiten und eine halbe Zeit.  Darnach wird das Gericht gehalten werden; da wird dann seine Gewalt weggenommen werden, dass er zu Grund vertilgt und umgebracht werde.  Aber das Reich, Gewalt und Macht unter dem ganzen Himmel wird dem heiligen Volk des Höchsten gegeben werden, des Reich ewig ist, und alle Gewalt wird ihm dienen und gehorchen.  Das war der Rede Ende. Aber ich, Daniel, ward sehr betrübt in meinen Gedanken, und meine Gestalt verfiel; doch behielt ich die Rede in meinem Herzen.

 

    Gott gibt uns einen Blick in die Zukunft in diesem siebenten Kapitel bei dem Propheten Daniel, schenkt uns in kurzen Zügen eine Gesamtschau der Welt- und Heilsgeschichte in ihren wichtigsten Etappen. Am vergangenen Sonntag hatten wir dabei die Weltreiche und ihren Niedergang betrachtet, das Reich des Antichristen als den End- oder Höhepunkt der Weltgeschichte – und Gott, als den wahren HERRN der Geschichte, der dennoch alles in Händen hält. Heute nun lasst uns blicken auf die Heiligen des Höchsten oder das Volk der Heiligen des Höchsten und auf den Menschensohn und sein ewiges Reich.

 

    1. Als die Weltreiche dahin sind, Gott ihnen und der Weltgeschichte insgesamt das Ende bereitet hat, heißt es: Aber die Heiligen des Höchsten werden das Reich einnehmen und werden es immer und ewiglich besitzen. Wer sind diese „Heiligen des Höchsten“? Der Name ‚Heilige’ drückt es aus, dass es solche sind, die Gott angehören, die ihm geheiligt, ausgesondert sind aus der Welt, herausgerufen aus der Welt – durch einen heiligen Ruf. Und das nicht deshalb, weil sie besonders gute, fromme, herausragende Menschen gewesen wären, sondern allein aus Gnaden. Diese Heiligen des Höchsten sind also Sünder, aber solche Sünder, an denen der Ruf Gottes sein Werk getan hat, die durch das Gesetz erweckt wurden, dass sie anfingen, ihre Sünde im Lichte des Wortes zu erkennen, noch mehr: die im Lichte des heiligen Gotteswortes und der Heiligkeit Gottes sich selbst als abgrundtief verdorbene Sünder begriffen, die darum immer sündigten, weil das Böse in ihnen selbst Wurzel hat – und die darum eigentlich verloren sind. Dann aber ist dieser Ruf Gottes, der Ruf des Evangeliums, tiefer hineingedrungen in ihr Herz und hat ihnen den Messias vor Augen gestellt, den von Gott verheißenen Heiland, der für uns Menschen, für uns Sünder, Gottesferne, den Kampf aufgenommen hat mit dem Satan – und an unserer Stelle, weil er unsere Schuld und Sünde auf sich nahm, am Kreuz starb und so für uns Sünder alles bezahlte und Gott versöhnte, allen Menschen die Vergebung der Sünden, den Freispruch im Jüngsten Gericht erworben hat. Und das eben reicht er uns allen dar durch das Evangelium im Wort, in der Taufe, dadurch den Glauben an ihn als den Heiland, das Vertrauen auf ihn als den Erlöser zu wecken und zu festigen. Die Heiligen des Höchsten, das sind also diejenigen, die durch eben diesen Heilsruf bekehrt, wiedergeboren wurden und auch durch das Evangelium im Glauben befestigt und erhalten wurden. Und von ihnen heißt es: Sie werden „das Reich einnehmen“. Der Engel, der hier Daniel das Gesicht auslegt, kommt ja her von den Weltreichen, von denen hat er gerade berichtet. Diese Weltreiche, die Welt mit ihren Staaten, Völkern, Gesellschaften, ist nun Vergangenheit. Diejenigen aber, die in dieser Welt zumeist am Rande stehen, an den Rand gedrückt werden, weil die Welt sie nicht haben will, die Gemeinde Jesu Christi, die an den Heiland Gläubigen, sie werden es plötzlich sein, die das Reich besitzen, ein Reich, das viel umfassender sein wird als jemals ein irdisches Reich war oder noch sein wird; ein Reich zudem, von dem es heißt, dass sie es immer und ewiglich besitzen werden. Das, wovon die Weltreiche und Mächtigen dieser Welt immer geträumt haben, dass ihr Werk dauerhaften Bestand hat, das wird mit dem Reich Gottes wirklich so sein. Und sie, die Heiligen des Höchsten, nehmen es nicht ein aus eigener Kraft oder Machtvollkommenheit, sondern, wie es Jesus Christus selbst in seiner Rede vom Weltgericht sagt, sie empfangen es als Erbe vom Vater im Himmel, ein Erbe, das ihnen bereitet ist von Anbeginn der Welt. Verborgen haben sie es schon jetzt, denn sie sind das Volk des Eigentums, das königliche Priestervolk, sind von Christus zu Königen und Priestern gemacht – aber das ist jetzt vor den Augen der Welt unter viel Kreuz, Schmach, Not verborgen

    Aber bevor es so weit sein wird, geht es noch einmal mit dem Volk des Herrn ganz tief hinunter: Und ich sah dasselbe Horn streiten gegen die Heiligen und behielt den Sieg gegen sie... Er wird den Höchsten lästern und die Heiligen des Höchsten verstören und wird sich unterstehen, Zeit und Gesetz zu ändern. Sie werden aber in seine Hand gegeben werden eine Zeit und etliche Zeit und eine halbe Zeit. Bevor der Triumph der Gemeinde des HERRN kommt, kommt noch einmal die ganz schlimme Zeit, die Trübsal, von der unser Heiland in seiner Endzeitrede sagt, dass niemand sie im Glauben überstehen könnte, wenn diese Zeit nicht verkürzt würde. Es ist die Zeit, in der die antichristliche Macht, weltliche wie religiöse, noch einmal alle Kräfte zusammenfassen wird gegen die Gemeinde Christi, um sie ganz auszurotten. Wir hören ja hier vom Antichristen, dass er den Höchsten lästert, dass er sich ganz gegen den lebendigen, dreieinigen Gott wendet. Wir lesen weiter, dass er Zeit und Gesetz ändern wird. Ja, wie wir im zweiten Thessalonicherbrief lesen, erhebt es sich ja über alles, was Gott und Gottesdienst heißt. Zeit und Gesetz steht hier für die Religion überhaupt. Die antichristliche Macht wird durchaus eine religiöse Macht sein – aber antichristlich. So, wie es sich heute abzeichnet, wird es schlimmer Synkretismus sein, Religionsvermischung. Ein völlig entstelltes Christentum, Judentum und Islam als angebliche „abrahamitische Religionen“ werden wohl, unter dem Papsttum, den Kern bilden, um den sich dann die anderen heidnischen Religionen gruppieren. Im Zentrum wird irdischer Friede und Toleranz stehen – weshalb das Heil allein um Christi Verdienst willen der größte Störenfried ist.

    Darum streitet auch die antichristliche Macht gegen die Heiligen, die Christusgemeinde. Und siegt! Nicht in dem Sinne allerdings, dass die Gemeinde des Herrn untergehen würde, das ist nach Christi Verheißung unmöglich, auch die Pforten der Hölle können sie nicht überwältigen. Aber viele werden auf die religiöse Propaganda hereinfallen, werden sich einfangen lassen und der neuen Religion huldigen als einer Ausprägung der Zeit. Viele werden es auch so machen, dass sie sagen: Wir können doch innerlich Christen bleiben, aber nach außen machen wir die neue Religion mit. Dabei können wir doch christlich bleiben – und bemerken gar nicht, dass sie damit gegen das erste Gebot verstoßen und tatsächlich Christus verleugnen. So wird die Gemeinde gewaltig dezimiert werden, viele werden abfallen, vielfach wird von den Abgefallenen auch Verrat geübt werden im Blick auf die, die Christus noch treu nachfolgen. Und die Welt wird sich freuen darüber, dass die Christen so unterdrückt werden, weil sie dann meinen, ihr Gewissen ruhig halten zu können, weil die Anklage dann weg ist. Es wird so weit kommen, dass solche Verfolgung als absolut notwendig für den inneren Frieden angesehen wird. Von dem Tier lesen wir ja auch in der Offenbarung, dass es Macht hat über alle Geschlechter und Sprachen und Heiden und dass es gegen die Heiligen streitet – und sie überwindet (Offenb. 13,7.12).

    Ja, wir lesen hier nun sogar, dass sie werden in seine Hand gegeben werden. Gott selbst gibt dem Antichristen Macht über die Gläubigen und die Gemeinde. Er selbst lässt es zu, dass es zu solchen Verfolgungen kommt, um noch einmal die Seinen zu prüfen, die Gemeinde zu läutern, auch viele Mitläufer auszuscheiden. Aber: Weil er, der HERR, es ist, der sie in die Hand des Tieres gibt, weil er, der HERR, auch HERR der Geschichte ist, so bestimmt er auch die Zeit, wie lange dies sein soll. Zunächst scheint sich die Zeit unendlich in die Länge zu strecken, vor allem für die Verfolgten. Aber dann geht es ganz schnell. Ganz plötzlich, wie es Jesus auch Johannes in der Offenbarung (14,8) sagt, wird das antichristliche Reich für immer fallen, kommt das Jüngste Gericht, ist die ewige Erlösung da. Wie aber soll die Gemeinde sich verhalten in dieser bösen Zeit? Wird ihr Verhalten gekennzeichnet sein von Aufruhr, von Verbitterung, Hass, militärisch-politischem Kampf? Nein! In Offenbarung 13,10 heißt es vielmehr: Hier ist Geduld und Glaube der Heiligen. Das ist der Weg der Gemeinde, auch wenn er ein Weg ist, gekennzeichnet von Verfolgung, Gefangenschaft, Ermordung, Martyrium. Und doch ist es der Weg zum Heil, zu Gottes ewigem Reich. Und wehe dem, der dieses Reich verfehlt, es hat keinerlei Hoffnung, sondern nur die ewige Pein, die ewige Gottesferne. Die Gemeinde des Herrn, die Heiligen des Höchsten aber trösten sich mit der Hoffnung, der gewissen Zuversicht auf dieses kommende ewige Reich.

    2. Die Schau, die Daniel erhielt, ging aber noch tiefer. Denn in Vers 13 und 14 heißt es: Ich sah in diesem Gesicht des Nachts, und siehe, es kam einer in des Himmels Wolken wie eines Menschen Sohn bis zu dem Alten und ward vor ihn gebracht.  Der gab ihm Gewalt, Ehre und Reich, dass ihm alle Völker, Leute und Zungen dienen sollten. Seine Gewalt ist ewig, die nicht vergeht, und sein Königreich hat kein Ende. Daniel sieht also einen Kommenden, der ist wie eines Menschen Sohn. Er ist also ganz wie ein Mensch, ja, in voller Reinheit sogar, denn wie hätte er sonst bis vor den lebendigen Gott gelangen können? Aber er ist nicht einfach nur Mensch, sonst hieße es nicht: „wie“ eines Menschen Sohn. Dazu, bedenken wir, wie er kommt: In den Wolken des Himmels. Gott kommt in den Wolken des Himmels. Der also da als der Kommende erscheint, der ist wahrer Gott und wahrer Mensch zugleich – es ist Jesus Christus, unser Heiland. Er bezeichnet sich immer wieder auch im Neuen Testament als der „Menschensohn“; von ihm sprechen die Evangelisten auch als von dem „Kommenden“, der nun da ist.

    Und dieser Menschensohn, Jesus Christus, der empfängt hier Gewalt, Ehre und Reich, dass ihm alle Völker, Leute und Zungen dienen sollten. Sagt er nicht auch Matth. 28 von sich: Mir ist gegeben alle Gewalt im Himmel und auf Erden. Und im Epheserbrief lesen wir: Gott hat ihn gesetzt über alle Fürstentümer, Gewalt, Macht, Herrschaft und alles, was genannt mag werden, nicht allein in dieser Welt, sondern auch in der zukünftigen. Und er hat alle Dinge unter seine Füße getan. Er ist also der HERR aller Herren, er ist der wahre Gott, der wahre König. Und seine Gewalt, im Gegensatz zu der Gewalt der weltlichen Herrscher, seine Gewalt vergeht nicht, sein Königreich hat kein Ende. Von welcher Zeit ist hier die Rede? Gewiss, Jesus Christus herrscht jetzt schon als König, wie es auch die Stelle im Epheserbrief klar ausspricht. Hier bei Daniel aber ist die Zeit gemeint, wenn dies alles offenbar werden wird, wenn diese Welt mit ihren Mächten zu Ende sein wird. Hier haben wir also den Jüngsten Tag. Von dem spricht Daniel hier. Und von der Zukunft, der Herrlichkeit danach, von dem Reich, das ohne Ende ist. Die Weltreiche, die Mächte dieser Welt vergehen. Christi Reich aber bleibt.

    Das Reich, die Gewalt und Macht unter dem ganzen Himmel wird ihm – und dem Volk der Heiligen des Höchsten, gegeben. Unter dem ganzen Himmel: So deutlich betont der Heilige Geist, dass Christi Reich wahrlich das Weltreich ist, dem keine Grenzen gesetzt sind. Und es wird ihm und dem heiligen Volk gegeben. Hier sehen wir auch, wie beide, Christus und die Seinen, zusammen gehören. Wie Braut und Bräutigam, ein Vergleich, den die Bibel in diesem Zusammenhang ja oft macht, haben sie alles gemeinsam, auch das Reich, das ewig ist.

    Jetzt ist Christi Reich noch verborgen, dann aber wird es offenbar sein. Jetzt widerstreben noch viele – dann aber müssen alle ihre Knie beugen und bekennen, dass Christus der HERR ist.

 

    Gott der HERR aber schenke, dass wir zu denen gehören, die jetzt schon in Buße und Glauben ihre Knie vor ihm beugen, ihm hier schon angehören und nachfolgen und so einst Glieder seines heiligen Volkes sind. Amen.

 

 

 

Daniel 8:

Der Antichrist – Gottes Gerichtsmacht an seinem untreuen Volk

(Predigt zum 4. Sonntag nach Trinitatis)

 

Daniel 8: Im dritten Jahr des Königreichs des Königs Belsazer erschien mir, Daniel, ein Gesicht nach dem, so mir zuerst erschienen war.  Ich war aber in solchem Gesicht zu Schloss Susan im Lande Elam, am Wasser Ulai.  Und ich hob meine Augen auf und sah, und siehe, ein Widder stand vor dem Wasser, der hatte zwei hohe Hörner, doch eins höher denn das andere, und das höchste wuchs am letzten.  Ich sah, dass der Widder mit den Hörnern stieß gegen Abend, gegen Mitternacht und gegen Mittag; und kein Tier konnte vor ihm bestehen noch von seiner Hand errettet werden, sondern er tat, was er wollte, und ward groß.  Und indem ich darauf merkte, siehe, da kommt ein Ziegenbock vom Abend her über die ganze Erde, dass er die Erde nicht berührte; und der Bock hatte ein ansehnliches Horn zwischen seinen Augen.  Und er kam bis zu dem Widder der zwei Hörner hatte, den ich stehen sah vor dem Wasser, und er lief in seinem Zorn gewaltig auf ihn zu.  Und ich sah ihm zu, dass er hart an den Widder kam, und er ergrimmte über ihn und stieß den Widder und zerbrach ihm seine zwei Hörner. Und der Widder hatte keine Kraft, dass er vor ihm hätte können bestehen; sondern er warf ihn zu Boden und zertrat ihn und niemand konnte den Widder von seiner Hand erretten.  Und der Ziegenbock ward sehr groß. Und da er am stärksten geworden war, zerbrach das große Horn, und wuchsen ihm an seiner Statt vier ansehnliche gegen die vier Winde des Himmels.  Und aus einem wuchs ein kleines Horn; das ward sehr groß gegen Mittag, gegen Morgen und gegen das werte Land.  Und es wuchs bis an des Himmels Heer und warf etliche davon und von den Sternen zur Erde und zertrat sie.  Ja es wuchs bis an den Fürsten des Heeres und nahm von ihm weg das tägliche Opfer und verwüstete die Wohnung seines Heiligtums.  Es ward ihm aber solche Macht gegeben wider das tägliche Opfer um der Sünde willen, dass es die Wahrheit zu Boden schlüge und, was es tat, ihm gelingen musste.  Ich hörte aber einen Heiligen reden; und ein Heiliger sprach zu dem, der da redete: Wie lange soll doch währen solch Gesicht vom täglichen Opfer und von der Sünde, um welcher willen diese Verwüstung geschieht, dass beide, das Heiligtum und das Heer zertreten werden?  Und er antwortete mir: Bis zweitausend dreihundert Abende und Morgen um sind; dann wird das Heiligtum wieder geweiht werden.  Und da ich, Daniel, solch Gesicht sah und hätte es gern verstanden, siehe, da stand's vor mir wie ein Mann.  Und ich hörte mitten vom Ulai her einen mit Menschenstimme rufen und sprechen: Gabriel, lege diesem das Gesicht aus, dass er's verstehe!  Und er trat nahe zu mir. Ich erschrak aber, da er kam, und fiel auf mein Angesicht. Er aber sprach zu mir: Merke auf, du Menschenkind! denn dies Gesicht gehört in die Zeit des Endes.  Und da er mit mir redete, sank ich in eine Ohnmacht zur Erde auf mein Angesicht. Er aber rührte mich an und richtete mich auf, dass ich stand.  Und er sprach: Siehe, ich will dir zeigen, wie es gehen wird zur Zeit des letzten Zorns; denn das Ende hat seine bestimmte Zeit.  Der Widder mit den zwei Hörnern, den du gesehen hast, sind die Könige in Medien und Persien.  Der Ziegenbock aber ist der König in Griechenland. Das Horn zwischen seinen Augen ist der erste König.  Dass aber vier an seiner Statt standen, da es zerbrochen war, bedeutet, dass vier Königreiche aus dem Volk entstehen werden, aber nicht so mächtig, wie er war.  In der letzten Zeit ihres Königreiches, wenn die Übertreter überhandnehmen, wird aufkommen ein frecher und tückischer König.  Der wird mächtig sein, doch nicht durch seine Kraft; er wird greulich verwüsten, und es wird ihm gelingen, dass er's ausrichte. Er wird die Starken samt dem heiligen Volk verstören.  Und durch seine Klugheit wird ihm der Betrug geraten, und er wird sich in seinem Herzen erheben, und mitten im Frieden wird er viele verderben und wird sich auflehnen wider den Fürsten allen Fürsten; aber er wird ohne Hand zerbrochen werden.  Dies Gesicht vom Abend und Morgen das dir gesagt ist, das ist wahr; aber du sollst das Gesicht heimlich halten, denn es ist noch eine lange Zeit dahin.  Und ich, Daniel, ward schwach und lag etliche Tage krank. Darnach stand ich auf und richtete aus des Königs Geschäft. Und verwunderte mich des Gesichts; und war niemand da, der mir's auslegte.

 

    Daniel zählen wir zu den vier großen Schriftpropheten des Alten Testaments. Warum? Zum einen geht es bei dem „groß“ um den Umfang seiner prophetischen Schriften, dann aber natürlich auch um ihre Bedeutung. Was macht denn einen Propheten aus? Ein Prophet ist ein heiliger Mann Gottes, dazu ein auserlesenes Werkzeug des Heiligen Geistes, durch den eben der Geist Gottes redet, wie wir es an vielen Stellen finden, ein Mann Gottes, der weissagt, getrieben durch den Heiligen Geist, 2. Petr. 1,21. Solche Männer des HERRN haben also geweissagt. „Weissagung“ nun heißt in der Schrift zweierlei. Einmal, wie wir es vor allem im ersten Korintherbrief finden, ist damit die tiefgehende Auslegung der Heiligen Schrift in die Zeit hinein gemeint. Das ist, was gerade auch die Propheten des HERRN im Alten Testament immer wieder gemacht haben, nehmen wir etwa Elia, Amos, Hosea, Jeremia. „Weissagung“ meint dann aber auch das, was wir unter Prophetie im Besonderen oder engeren Sinne verstehen, nämlich Vorhersage durch Eingeben des Heiligen Geistes von Ereignissen, die erst in der Zukunft stattfinden. Das ist es, worum es jetzt nun gerade bei Daniel geht. Gott hat ihn in besonderer Weise, wie wir schon in den vorangegangenen Kapiteln gemerkt haben, dazu verwendet, zukünftige Ereignisse vorherzusagen. Nun gibt es ja in der Welt nicht wenige, die für sich in Anspruch nehmen, etwas auf die Zukunft vorherzusagen. Gottes Wort mahnt uns da ja schon im Alten Testament, dass wir achten sollen, ob eine solche Person die Lehre Gottes, Christi wirklich genau, bibeltreu bringt; zum anderen, dass wir achten sollen, ob seine Vorhersage so eintrifft, wie er sie gesagt hat und dass wir prüfen sollen, was er eventuell mit dieser Weissagung gemeint hat, was er damit bekräftigen wollte. Nur wenn alles wirklich biblisch treu ist und die Vorhersage eintrifft, nur dann können wir den Propheten auch als biblisch annehmen.

    Ein besonderes Phänomen biblischer Prophetie finden wir besonders bei Daniel: Göttliche Prophetie kann sich mehrfach erfüllen. Das heißt: Es kann eine erste Erfüllung einer Prophetie geben in einer näheren Zukunft zu dem Propheten – und es kann danach noch einmal eine Erfüllung einer Prophetie in einer ferneren Zukunft geben. Das lässt sich aber bereits aus der Art und Weise der Prophetie erkennen, ob sie wohl eine Mehrfacherfüllung beinhaltet. Solch ein Phänomen haben wir in unserem heutigen Kapitel, das wir nun näher bedenken wollen unter dem Thema:

 

 

Der Antichrist – Gottes Gerichtsmacht an seinem untreuen Volk

1. Gott erfüllt sein Wort

2. Antiochus IV, ein Modell des Antichristen

3. Das Leiden des Volkes Gottes in der letzten Zeit

 

    1. Was hat nun Daniel durch den Heiligen Geist Gottes für ein Gesicht bekommen? Im dritten Jahr des Königreichs des Königs Belsazer erschien mir, Daniel, ein Gesicht nach dem, so mir zuerst erschienen war.  Ich war aber in solchem Gesicht zu Schloss Susan im Lande Elam, am Wasser Ulai.  Und ich hob meine Augen auf und sah, und siehe, ein Widder stand vor dem Wasser, der hatte zwei hohe Hörner, doch eins höher denn das andere, und das höchste wuchs am letzten.  Ich sah, dass der Widder mit den Hörnern stieß gegen Abend, gegen Mitternacht und gegen Mittag; und kein Tier konnte vor ihm bestehen noch von seiner Hand errettet werden, sondern er tat, was er wollte, und ward groß.  Und indem ich darauf merkte, siehe, da kommt ein Ziegenbock vom Abend her über die ganze Erde, dass er die Erde nicht berührte; und der Bock hatte ein ansehnliches Horn zwischen seinen Augen.  Und er kam bis zu dem Widder der zwei Hörner hatte, den ich stehen sah vor dem Wasser, und er lief in seinem Zorn gewaltig auf ihn zu.  Und ich sah ihm zu, dass er hart an den Widder kam, und er ergrimmte über ihn und stieß den Widder und zerbrach ihm seine zwei Hörner. Und der Widder hatte keine Kraft, dass er vor ihm hätte können bestehen; sondern er warf ihn zu Boden und zertrat ihn und niemand konnte den Widder von seiner Hand erretten.  Und der Ziegenbock ward sehr groß. Und da er am stärksten geworden war, zerbrach das große Horn, und wuchsen ihm an seiner Statt vier ansehnliche gegen die vier Winde des Himmels. Dies ist der erste Teil der Prophetie. Es ist das dritte Jahr, in dem Belsazer für seinen Vater Narbonid in Babylonien das Königsamt verwaltete, also etwa das Jahr 547 vor Christi Geburt. In diesem Jahr empfängt Daniel dieses Gesicht. Es schließt sich an an dasjenige des siebten Kapitels, das er zwei Jahre zuvor erhalten hatte, und konzentriert sich nun auf einen zeitlichen Ausschnitt aus dieser damaligen Gesamtschau, einem Zeitabschnitt, der dann aber zugleich Vorbild, Modell sein soll auch für die letzte Zeit. Was sieht er nun? Daniel steht am Kanal Ulai und sieht auf der anderen Seite einen Widder stehen mit zwei Hörnern, wobei das besondere ist, dass diese beiden Hörner unterschiedlich groß sind, das letzte Horn größer als das erste.  Und dieser Widder stößt nun in drei Himmelsrichtungen: Nach Westen (Abend), nach Norden (Mitternacht) und nach Süden (Mittag) – und niemand kann ihm widerstehen, er tat, was er wollte und wurde dabei sehr groß. Was ist damit gemeint? Der Engel Gabriel, Christi Bote, der mit der Stimme eines Menschen ihn schickte, erklärt es dem Propheten: Der Widder mit den zwei Hörnern, den du gesehen hast, sind die Könige in Medien und Persien. Der Widder ist das Symbol, das Zeichen für Persien im Altertum, und zugleich ein Bild für die Macht. Und Persien war ja allerdings eine Macht, die aus dem Osten des Babylonierreiches kam. Zu dem Zeitpunkt, als Daniel das Gesicht empfing, da hatte Kyros, der Perserkönig, schon seine Macht aufgerichtet, also das Mederreich schon eingenommen und mit Persien endgültig vereinigt, hatte auch schon Krösus von Lydien besiegt und so im Osten und Norden von Babylonien ein diesem alten Reich ebenbürtiges aufgebaut. Warum aber hatte der Widder zwei Hörner? Die Rede ist, wie Gabriel erläutert, hier von den Königen von Medien und Persien. Das kleine Horn steht für Medien, das große Horn für Persien, das Medien übernommen hat. Und das Perserreich hat sich ausgebreitet nach Westen, nämlich Richtung Griechenland und das Babylonierreich, nach Norden, nämlich Richtung Lydien, das heutige Kleinasien oder Türkei, und nach Süden, nämlich Israel und Ägypten. Das waren die Stoßrichtungen, die die Perserkönige hatten und so ein riesiges Reich schufen, größer als zuvor die Assyrer- und Babylonierreiche waren. Es gab eine Zeit, als keine Macht ihnen widerstehen konnte. Das alles sieht Daniel schon zu diesem Zeitpunkt.

    Dann aber nimmt er ja ein neues Phänomen wahr. Ein Ziegenbock, eigentlich viel schwächer als ein Widder, stürmt von Westen her heran, mit einem großen Horn, zerbricht die beiden Hörner des Widders, rennt dem Widder in die Weichseite und tritt ihn nieder – und der Widder kann sich nicht wehren, er ist machtlos und wird zertreten. Der Ziegenbock aber wird sehr groß. Dann aber wird das große Horn zerbrochen, wie es exakt aus dem hebräischen Text lautet, und an seiner Stelle treten vier Hörner auf, in alle vier Himmelsrichtungen. Auch dies erklärt Gabriel dem Daniel: Der Ziegenbock aber ist der König in Griechenland. Das Horn zwischen seinen Augen ist der erste König.  Daß aber vier an seiner Statt standen, da es zerbrochen war, bedeutet, daß vier Königreiche aus dem Volk entstehen werden, aber nicht so mächtig, wie er war. Der Ziegenbock steht also für die griechischen Mächte, die schließlich das Perserreich überwunden haben. Zu einem Zeitpunkt, als dieses Persische Reich noch im Aufstreben war, gibt der HERR seinem Propheten hier schon die Schau seines Unterganges. Auch dies hat sich ja genau erfüllt. Alexander von Mazedonien hat ja die griechischen Städte um Mazedonien vereinigt und mit ihnen das so mächtige Perserreich überrannt, vorentscheidend in der Schlacht von Issos im Jahr 333 vor Christi Geburt. Und danach ist er nicht in das Herz des Reiches, die Hauptstadt Persepolis, gezogen, sondern sozusagen in seine Weichseite, wie es Daniel vorhersagte, nach Süden, hat Tyros genommen, Judäa, dann Ägypten, um erst dann sich den medisch-persischen Kernländern zuzuwenden, ist dann noch bis in die Gegenden der heutigen Staaten Afghanistan und Pakistan gezogen und ins nördliche Indien, bis an den Indus, und hat so riesiges Reich geschaffen, noch mächtiger als zuvor die Perser waren. Und dann wurde dieses große Horn, der erste König, eben Alexander der Große, ganz plötzlich zerbrochen. Er starb 323 vor Christi Geburt, kaum 33 Jahre alt, an Malaria, bevor er den geplanten Feldzug nach Italien unternehmen konnte. Gott nahm ihn weg. Denn aus Italien sollte eine andere Macht aufkommen, ein anderes Werkzeug Gottes, um alles für die Mission der christlichen Gemeinde vorzubereiten: das Römerreich. Aus dem Alexanderreich, das sehr bald nach seinem Tod auseinanderbrach, entstanden die sogenannten Diadochen- oder Nachfolgestaaten, nämlich Mazedonien mit Griechenland; das Attalidenreich um Pergamon im westlichen Kleinasien, das Seleukidenreich mit Syrien und Irak als Kern und weiten Gebieten in der heutigen Türkei und Iran, und das Ptolemäerreich in Ägypten. Das Gebiet von Israel war immer zwischen den beiden letzten Mächten umstritten. Diese Reiche waren nicht mehr so mächtig wie das Alexanderreich.

 

    2. Und nun taucht ein weiteres Bild auf aus dieser Geschichtsfolge: Und aus einem wuchs ein kleines Horn; das ward sehr groß gegen Mittag, gegen Morgen und gegen das werte Land.  Und es wuchs bis an des Himmels Heer und warf etliche davon und von den Sternen zur Erde und zertrat sie.  Ja es wuchs bis an den Fürsten des Heeres und nahm von ihm weg das tägliche Opfer und verwüstete die Wohnung seines Heiligtums.  Es ward ihm aber solche Macht gegeben wider das tägliche Opfer um der Sünde willen, dass es die Wahrheit zu Boden schlüge und, was es tat, ihm gelingen musste.  Ich hörte aber einen Heiligen reden; und ein Heiliger sprach zu dem, der da redete: Wie lange soll doch währen solch Gesicht vom täglichen Opfer und von der Sünde, um welcher willen diese Verwüstung geschieht, dass beide, das Heiligtum und das Heer zertreten werden?  Und er antwortete mir: Bis zweitausend dreihundert Abende und Morgen um sind; dann wird das Heiligtum wieder geweiht werden. Aus einem dieser vier Hörner erwächst ein kleines Horn, sozusagen als Kind, Frucht eines dieser vier Reiche, das groß wird, sich in drei Richtungen: Osten, Süden und das werte Land, womit Israel gemeint ist, wendet. Der Begriff des kleinen Hornes ist uns schon begegnet im siebenten Kapitel. Wir werden nun hier Gemeinsamkeiten, aber auch Unterschiede bemerken. Die Unterschiede fallen sofort auf: Dort war das kleine Horn auch aus einem Reich entstanden, aber hatte zuvor drei andere Könige überwunden. Es war eindeutig Ausdruck des Weltendes überhaupt. Es hatte gewaltige Macht. Dieses kleine Horn hier aber erwächst ohne solchen Umsturz aus einem der Reiche, seine Macht aber ist begrenzt, nicht so gewaltig wie die Alexanders. Andererseits sehen wir Phänomene, verknüpft mit diesem kleinen Horn, die wieder an das kleine Horn des siebenten Kapitels erinnern: Es wendet sich gegen Gottes Volk, um es zu zerstören; es wendet Verführung, Betrug und Gewalt an; es wird bezeichnet als etwas, das zur Zeit des letzten Zorns geschieht. Diesem Phänomen in der Prophetie werden wir am besten dadurch gerecht, nehmen also beide Seiten ernst, wenn wir zwei Erfüllungen erkennen: eine frühe, nämlich in dem Seleukidenkönig Antiochus IV. Epiphanes, und eine spätere, nämlich in der letzten Konzentration der antichristlichen Macht in der kleinen Zeit. Was erfahren wir hier nun von diesem König? Gabriel gibt auch über ihn noch nähere Auskunft: In der letzten Zeit ihres Königreiches, wenn die Übertreter überhandnehmen, wird aufkommen ein frecher und tückischer König.  Der wird mächtig sein, doch nicht durch seine Kraft; er wird greulich verwüsten, und es wird ihm gelingen, dass er's ausrichte. Er wird die Starken samt dem heiligen Volk verstören.  Und durch seine Klugheit wird ihm der Betrug geraten, und er wird sich in seinem Herzen erheben, und mitten im Frieden wird er viele verderben und wird sich auflehnen wider den Fürsten allen Fürsten; aber er wird ohne Hand zerbrochen werden.

    Zunächst lesen wir, dass sich dieser König gegen Osten, Süden und das werte Land wendet. So ist es bei Antiochus IV. geschehen. Er kämpfte mit wechselndem Erfolg gegen das Partherreich im Iran, dann aber vor allem immer wieder mit Ägypten und wendete sich besonders gegen Israel und das Volk des Herrn. Es heißt hier: Und es wuchs bis an des Himmels Heer und warf etliche davon und von den Sternen zur Erde und zertrat sie. Mit dem „Heer des Himmels“ sind hier nicht die Engel gemeint, sondern, wie wir aus Vers 24 ersehen, die Starken samt dem heiligen Volk. So lesen wir auch in Kapitel 12 Vers 3, dass die Lehrer leuchten wie des Himmels Glanz und die, so viele zur Gerechtigkeit weisen, wie die Sterne immer und ewiglich. Was also sagt dieser Vers? Antiochus wendet sich gegen das Volk Gottes, besonders gegen seine Lehrer und Hohenpriester, und bringt etliche, gerade auch von den Führenden, um. Bis an den Fürsten des Heeres wächst er mit seiner Macht. Damit ist der Hohepriester gemeint, und nimmt weg das tägliche Opfer und verwüstet die Wohnung seines Heiligtums. Er tritt also gegen den Kern des alttestamentlich-jüdischen Gottesdienstes auf, das Opfer und den Tempel. Er tritt mit solcher Macht auf, gewinnt so stark, dass er die Wahrheit zu Boden schlüge und, was er tat, ihm gelingen musste. Aus den weiteren Versen ersehen wir, was ihn dazu befähigte: Er war ein frecher und tückischer oder verschlagener König. Er ist schlau, er hat Intelligenz – aber er setzt sie zum Bösen ein. Durch Betrug gelingt es ihm. Antiochus war kein Atheist, er war religiös – aber ganz gegen den lebendigen Gott und seine Ordnungen. Und was half ihm dabei? Es war ihm aber solche Macht gegeben ... um der Sünde willen. Er hätte sich nie so gegen die Gemeinde stellen können, wenn die Sünde dort nicht so angewachsen wäre. Viele im jüdischen Volk hatten sich inzwischen der griechischen Philosophie zugewandt, hatten das biblische Judentum mit dem Griechentum vertauscht oder zumindest vermischt (auch die apokryphen Schriften stellen ja eine solche Vermischung biblisch-jüdischen und griechischen Denkens dar und sind daher kein Teil der Bibel). Vor allem in den höheren Schichten, dem Kreis des Synhedrin und der Priester und Hohenpriester war das weit verbreitet (denken wir nur an die Sadduzäer zur Zeit Jesu, die solche griechisch-rationalistisch gesonnenen Menschen waren). Darum wagte es Antiochus dann auch, teilweise mit Unterstützung aus der Judenschaft, seine Anschläge auszuführen: Er stellte einen Zeusaltar in den Tempel des HERRN in Jerusalem; er verbot die Beschneidung und den Sabbath, die beiden Merkmale des alttestamentlichen Judentums; er verbot das alte Gesetz, die Thora. So wollte er, indem er das Gottesvolk im Kern traf, dieses Volk als Volk des Herrn zerstören.

    Und hier ist Antiochus, wie wir schon aus dem siebenten Kapitel sehen, aber auch aus dem zweiten Kapitel des zweiten Thessalonicherbriefes und den Kapiteln in der Offenbarung ganz eindeutig Vorbild, Modell der antichristlichen Macht, die sich am Ende der Zeit noch einmal aufschwingt zum letzten Sturm gegen die Gemeinde Jesu. Diese antichristliche Macht tritt uns auch hier auf aus einer Verbindung antichristlicher weltlicher Macht (Staaten) und antichristlicher geistlicher Macht (hier aus dem Judentum, vor allem den Hohenpriestern). Darum sitzt diese Macht auch im Tempel Gottes, also mitten in seinem Volk, gemeint jetzt als die äußere Versammlung um Wort, Taufe und Abendmahl (damals: Wort, Beschneidung und Passah). Und wie wir im Thessalonicherbrief lesen, gibt er vor, selbst Gott zu sein, so war es auch damals. Für diese Anmaßung steht auch der Ziegenbock, nämlich den Machtrausch und die Selbstvergottung, die ja gerade in der persisch-hellenistischen Zeit anfing, dann auch auf das Römerreich übergriff. Finden wir das nicht auch alles im Papsttum? Sitzt es nicht auch in der Gemeinde – denn Gläubige gibt es auch hier und da noch in der römisch-katholischen Kirche? Maßt es sich nicht Befugnisse, Rechte an, die nur Christus zukommen, bezieht sogar Christusstellen auf sich? Legt es den Menschen nicht, etwa mit dem Zölibat, den Fastenvorschriften und vielen Dingen mehr, auch den falschen Dogmen, Dinge auf das Gewissen, die Gott niemals geboten hat? Greift es nicht besonders den christlichen Glauben in seinem Zentrum, der Rechtfertigungslehre, an durch seine Werkgerechtigkeit, durch die Bindung der Fülle des Heils, der Auslegung der Schrift an die Hierarchie und Tradition? Hat es nicht dadurch schon bis heute viele vom christlichen Glauben hinweggeführt? Und was ist seine Tendenz? Noch einmal versucht es, seine Macht zu sammeln und viele zu verführen: Durch Dinge wie die „Gemeinsame Erklärung zur Rechtfertigung“ oder das Dokument „Communio sanctorum“ mit dem Lutherischen Weltbund versucht es, die Reformation rückgängig zu machen, die aus der Reformation hervorgegangenen Kirchen wieder einzufangen, wieder an sich zu binden. Dazu dient auch alles, was mit der Ökumene zu tun hat. Ebenso streckt es seine Fühler aus zu Judentum und Islam. Schon das zweite Vatikanische Konzil hat ja behauptet, Christen und Moslems würden den gleichen Gott anbeten, die Moslems wüssten es nur nicht. Auch heute, etwa mit den Gebetstreffen, wird das synkretistische, religionsvermischende Wirken voran getrieben. Läuft das nicht alles hinaus auf einen Bund der angeblichen „abrahamitischen Religionen“? Dabei wird dann aber das Zentrum, Jesus Christus, wahrer Gott und wahrer Mensch, für uns zu unserer Erlösung gekreuzigt und auferstanden, geleugnet, verkürzt, umgebogen werden. Und wie eng sind die Verflechtungen zwischen Rom und der UNO, die ja schon eine Kommission für ein „Weltethos“ eingerichtet hat. Und wie viele Kanäle laufen zwischen Rom und der Pfingst- und charismatischen Bewegung sowie dem Freimaurertum – und inzwischen auch den Evangelikalen, der Evangelischen Allianz – alles auf Ökumene, Welteinheit, „Weltfrieden“ ausgerichtet. Antiochus hat vor allem durch Verführung, noch mehr als durch Gewalt, die Gemeinde auszulöschen versucht. So wird es auch in der letzten Zeit immer mehr geschehen. Die Ökumene, mit ihren vielen verschiedenen Teilrichtungen, ist dabei ein ganz wichtiges Instrument, um das biblische Wort, das biblische Evangelium abzubauen und dagegen ein falsches, ein anderes Evangelium aufzurichten. Abgebaut wird die Kenntnis der Heiligkeit Gottes, der Gesetze Gottes, vor allem in den zehn Geboten; abgebaut wird damit auch die Erkenntnis der eigenen Schuld, der eigenen Sünde, der eigenen Verlorenheit vor dem heiligen, lebendigen, dreieinigen Gott. Abgebaut wird damit aber auch die Reue über die Sünde, der Zerbruch des eigenen Ich, der Selbstgerechtigkeit, wird damit die Buße. Abgebaut wird damit aber auch das biblische Evangelium von der Errettung allein durch den Kreuzestod Christi, der alles schon für uns erworben hat, dem wir nichts hinzuzufügen brauchen, der alles, was wir benötigen, die ganze Gnade als Gottes uns Sündern freundliche Gesinnung in der Vergebung uns anbietet und darreicht und zueignet im Evangelium in Wort, Taufe und Abendmahl, so dass wir es nur noch im Glauben ergreifen brauchen. Aufgebaut wird dagegen ein „leichtes Evangelium“, das von einem „lieben Gott“ redet, dessen Heiligkeit man abgebaut hat; von Selbstentscheidung für Jesus Christus, von Mitarbeit am Heil, an der Bewahrung. Es ist ein Evangelium, welches das alte Kreuz weggenommen und ein neues, leichtes, nett anzusehendes „Kreuz“ dazu getan hat. Es geht dann wohl noch um Moral – aber wenig um Christus und sein Wort.

    Wo aber diese Verführung nicht fruchtet, da wird es, wie zur Zeit Antiochus’, zu Verfolgung kommen.

 

    3. Die Gemeinde in der letzten Zeit, das Volk Gottes in der letzten Zeit, muss durch Leiden gehen – um der Sünde willen. Warum? Die Sünde sitzt in uns allen immer noch tief drinnen. Darum fängt, wie schon Petrus im ersten Brief schreibt, Gottes reinigendes Werk bei der Gemeinde an. Immer wieder finden wir in der Bibel dieses Bild vom Gold und Silber, das durch das Schmelzfeuer von der Schlacke gereinigt wird. So arbeitet Gott der Herr an uns – auch durch Leiden und Verfolgung. Das ist Gottes Pädagogik an seiner Gemeinde, wie wir es auch im Hebräerbrief im zwölften Kapitel finden. Dies ist aber auch Gottes Wirken, um eine Scheidung in der Gemeinde schon jetzt herbeizuführen. Denn diese Leiden, diese Verführung, diese Verfolgung wird dazu führen, dass solche, die es nicht ernst nehmen mit dem Wort Gottes, sich der Zeitgeistreligion, der ökumenischen Religion, zuwenden und bei ihr bleiben; die meisten aber von denen, die treu am Wort bleiben, werden heraus gehen aus dieser von der Schrift abgefallenen Kirche. Diese Trennungen haben immer wieder in der Kirchengeschichte stattgefunden.

    Was heißt das nun für die Gemeinde, für diejenigen, die treu unserem Heiland und Herrn Jesus Christus nachfolgen, an seinem Wort hängen wollen? Dies heißt, dass wir, wie es unser Heiland auch in seiner Endzeitrede Matthäus 24 vorhersagt, mit vielerlei Verführung in dieser letzten Zeit rechnen müssen. Zugleich aber dürfen wir auch wissen: All dieses Leid, all diese Not haben nur ihre begrenzte Zeit. In unserem Kapitel ist die Zeit von 2300 Abenden und Morgen angegeben, was  eine andere Weise ist, um Tage anzugeben. Diese etwas mehr als sechs Jahre waren damals gegeben von der Zeit an, da Antiochus anfing, den Tempel Gottes zu berauben, bis hin zu der neuen Einweihung durch Judas Makkabäus und dem Tode Antiochus’. So dürfen auch wir wissen, wie es immer wieder in Daniel und der Offenbarung zu finden ist: Diese Zeit der Leiden ist von Gott längst mit allen Grenzen festgelegt, so, dass wir sie überstehen können. Darum ist es wichtig, dass wir die Bibel kennen, dass wir sie eifrig lesen, dass wir auch gute Dogmatiken lesen, dass wir uns auch viele Bibelstellen einprägen. Es ist auch wichtig, dass wir kritisch verfolgen, was im Bereich der Christenheit und darüber hinaus vor sich geht, gerade auch im Blick auf Ökumene, Islam, Judentum, Pfingst- und charismatische Bewegung, Staatenvereinigungen. Und: Es ist wichtig, dass wir Gott darum bitten, dass er uns treu erhält bei seinem Wort, dass er uns im rechten Glauben erhält, dass er uns stark macht im Blick auf all die Verführungen und Versuchungen – vor allem aber auch hinsichtlich kommender Verfolgungen. Lasst uns da auch lernen aus dem Weg der Gemeinde in den früheren Verfolgungszeiten, im Römerreich, in der Gegenreformation, in Sowjetrussland und China, damit wir gefestigt sind, auch bereit, wenn es heißt, Untergrundgemeinden zu bilden. Lasst uns vom HERRN auch immer treuer im Glauben zubereitet werden, auch immer mehr gestärkt werden in der Nachfolge, damit wir in allem immer mehr von Herzen ihm nachfolgen, ihm dienen wollen, vor allem aber in täglicher Sündenerkenntnis, Reue und Buße und neuem Ergreifen der Vergebung im Glauben gefestigt werden im Glauben an und der Liebe zu Jesus Christus – und täglich neu uns ihm als unserem Heiland und HERRN hingeben. Amen.

 

 

Daniel 9,1-19:

Nicht auf unsere Gerechtigkeit – sondern auf deine grosse Barmherzigkeit!

(Predigt zum 5. Sonntag nach Trinitatis)

 

Daniel 9,1-19: Im ersten Jahr des Darius, des Sohnes Ahasveros, aus der Meder Stamm, der über das Königreich der Chaldäer König ward,  in diesem ersten Jahr seines Königreiches merkte ich, Daniel, in den Büchern auf die Zahl der Jahre, davon der HERR geredet hatte zum Propheten Jeremia, daß Jerusalem sollte siebzig Jahre wüst liegen.  Und ich kehrte mich zu Gott dem HERRN, zu beten und zu flehen mit Fasten im Sack und in der Asche.  Ich betete aber zu dem HERRN, meinem Gott, bekannte und sprach: Ach lieber HERR, du großer und schrecklicher Gott, der du Bund und Gnade hältst denen, die dich lieben und deine Gebote halten:  wir haben gesündigt, unrecht getan, sind gottlos gewesen und abtrünnig geworden; wir sind von deinen Geboten und Rechten gewichen.  Wir gehorchten nicht deinen Knechten, den Propheten, die in deinem Namen unsern Königen, Fürsten, Vätern und allem Volk im Lande predigten.  Du, HERR, bist gerecht, wir aber müssen uns schämen; wie es denn jetzt geht denen von Juda und denen von Jerusalem und dem ganzen Israel, denen, die nahe und fern sind in allen Landen, dahin du sie verstoßen hast um ihrer Missetat willen, die sie an dir begangen haben.  Ja, HERR, wir, unsre Könige, unsre Fürsten und unsre Väter müssen uns schämen, dass wir uns an dir versündigt haben.  Dein aber, HERR, unser Gott, ist die Barmherzigkeit und Vergebung. Denn wir sind abtrünnig geworden  und gehorchten nicht der Stimme des HERRN, unsers Gottes, dass wir gewandelt hätten in seinem Gesetz, welches er uns vorlegte durch seine Knechte, die Propheten;  sondern das ganze Israel übertrat dein Gesetz, und sie wichen ab, dass sie deiner Stimme nicht gehorchten. Darum trifft uns auch der Fluch und Schwur, der geschrieben steht im Gesetz Moses, des Knechtes Gottes, weil wir an ihm gesündigt haben.  Und er hat seine Worte gehalten, die er geredet hat wider uns und unsre Richter, die uns richten sollten, dass er so großes Unglück über uns hat gehen lassen, dass desgleichen unter dem ganzen Himmel nicht geschehen ist, wie über Jerusalem geschehen ist.  Gleichwie es geschrieben steht im Gesetz Mose's, so ist all dies große Unglück über uns gegangen. So beteten wir auch nicht vor dem HERRN, unserm Gott, dass wir uns von den Sünden bekehrten und auf deine Wahrheit achteten.  Darum ist der HERR auch wach gewesen mit diesem Unglück und hat's über uns gehen lassen. Denn der HERR, unser Gott, ist gerecht in allen seinen Werken, die er tut; denn wir gehorchten seiner Stimme nicht.  Und nun, HERR, unser Gott, der du dein Volk aus Ägyptenland geführt hast mit starker Hand und hast dir einen Namen gemacht, wie er jetzt ist: wir haben ja gesündigt und sind leider gottlos gewesen.  Ach HERR, um aller deiner Gerechtigkeit willen wende ab deinen Zorn und Grimm von deiner Stadt Jerusalem und deinem heiligen Berge. Denn um unsrer Sünden willen und um unsrer Väter Missetat willen trägt Jerusalem und dein Volk Schmach bei allen, die um uns her sind.  Und nun, unser Gott, höre das Gebet deines Knechtes und sein Flehen, und siehe gnädig an dein Heiligtum, das verstört ist, um des HERRN willen.  Neige dein Ohr, mein Gott, und höre, tue deine Augen auf und sieh, wie wir verstört sind und die ganze Stadt, die nach deinem Namen genannt ist. Denn wir liegen vor dir mit unserm Gebet, nicht auf unsre Gerechtigkeit, sondern auf deine große Barmherzigkeit.  Ach HERR, höre, ach HERR, sei gnädig, ach HERR, merke auf und tue es, und verzieh nicht um deiner selbst willen, mein Gott! denn deine Stadt und dein Volk ist nach deinem Namen genannt.

 

    Der Begriff „Buße“ ist uns heutzutage zumeist nur noch geläufig im Zusammenhang mit „Bußgeldbescheid“. Wenn also ein Autofahrer zu schnell gefahren ist, so bekommt er solch einen Bußgeldbescheid von der Polizeibehörde zugesandt, auf dem verzeichnet ist, dass er eine Ordnungswidrigkeit begangen hat, wieviel er zu schnell gefahren ist, wieviel er deshalb zu bezahlen hat und ob er sich dazu äußern will. Das, was er zu bezahlen hat, das ist dann das „Bußgeld“. Welcher Eindruck wird nun hier im Zusammenhang mit dem Begriff „Buße“ erweckt? Nicht wahr, hier erscheint er doch so: Buße tun, Buße üben, das ist, eine begangene Schuld wieder gut zu machen, eine Strafe abzuleisten, durch die Bußleistung wieder in Ordnung mit denjenigen zu kommen, denen gegenüber man schuldig geworden ist.

    Das ist übrigens auch genau der Bußbegriff, wie ihn die römisch-katholische Kirche und auch der Islam haben. Buße meint dort, Gott gegenüber etwas abzuleisten, Vorleistungen zu bringen – bei Rom sind das Reue, vollständiges Sündenbekenntnis, Genugtuung; im Islam: Glauben, den Schaden wieder gut machen – dann erst könne Gott vergeben. Hiermit wird zugleich der Eindruck erweckt: Wir Menschen sind gar nicht so böse, wir können noch Gutes tun, wie wir ja auch Böses tun können. Aber stimmt das? Was sagt die Bibel dazu? Schon im Alten Testament lesen wir, und der heilige Geist schreibt es durch Paulus auch im Brief an die Römer: „Das ist keiner, der gerecht sei, auch nicht einer; da ist keiner, der verständig sei; da ist keiner, der nach Gott frage. Sie sind alle abgewichen und allesamt untüchtig geworden; da ist keiner, der Gutes tue, auch nicht einer.“ Und wenig später: „ Es ist hier kein Unterschied; sie sind allzumal Sünder und mangeln des Ruhms, den sie an Gott haben sollen.“ Und im Zusammenhang mit der Sintflut stellte Gott fest: „Das Dichten und Trachten des Menschen ist böse von Jugend auf.“ Wie also sieht die Bibel uns? Sie sieht uns als abgrundtief verdorbene Sünder, als solche, die gar nichts Gutes von sich aus, aus ihrer Natur, erbringen können, als solche, die damit auch keine Leistung hervorbringen können, mit der sie vor Gott treten und sagen: „Lieber Gott, damit bezahle ich jetzt meine Sünden.“ Das ist einfach unmöglich. Vielmehr ist es so, dass wir, wie diese Verse eindeutig sagen, Gott gar nichts bringen können. Der Satz aus dem Römerbrief geht daher so weiter: „Und werden ohne Verdienst gerecht aus seiner Gnade durch die Erlösung, so durch Christus Jesus geschehen ist.“ Wir können Gott nichts bringen, sondern ohne jegliches Verdienst, ohne jegliche Vorleistung von unserer Seite werden wir gerecht, also gerecht gesprochen, allein aus Gnaden, allein um des Verdienstes Jesu Christi willen. Das ist ja das gewaltige Wunder, was auch in den Worten beschrieben wird: Wer aber nicht mit Werken umgehet, glaubet aber an den, der die Gottlosen gerecht macht, dem wird sein Glaube gerechnet zur Gerechtigkeit. Gott macht also gerade nicht den gerecht, der es verdient hat – denn da ist niemand, den er dann gerecht machen könnte – sondern er macht vielmehr den Gottlosen gerecht, spricht den, der doch eigentlich verdammt werden müsste, um Christi willen frei. Das ist Evangelium, das ist die frohe Botschaft der Rechtfertigung des Sünders. Was also meint dann unser Heiland Jesus Christus, wenn er ruft: Tut Buße und glaubet an das Evangelium? Er ruft uns damit nicht auf zu einer Bußleistung, er erwartet von uns nicht gute Taten. Der griechische Begriff metanoiete besagt vielmehr: Kehrt um, hört auf, euch und Gott etwas vorzumachen durch eigene Leistungen, drehen um euch selbst, eigene Gerechtigkeit, mit der ihr meint, etwas bei Gott zu erwerben. Gebt doch eure Schuld, eure Verlorenheit zu und vertraut der Rettung, die ich euch durch mein Kreuz anbiete. Das meint biblische Buße.

    Unser Abschnitt zeigt uns gerade das. Darum lasst uns betrachten:

 

Nicht auf unsere Gerechtigkeit – sondern auf deine große Barmherzigkeit

und dabei bedenken:

1. Worauf gründet sich Daniels Gebet?

2. Was ist der Inhalt von Daniels Gebet?

3. Was war Daniels Trost?

 

    1. Worauf also gründete sich Daniels Gebet? Wir lesen: Im ersten Jahr des Darius, des Sohnes Ahasveros, aus der Meder Stamm, der über das Königreich der Chaldäer König ward,  in diesem ersten Jahr seines Königreiches merkte ich, Daniel, in den Büchern auf die Zahl der Jahre, davon der HERR geredet hatte zum Propheten Jeremia, dass Jerusalem sollte siebzig Jahre wüst liegen. Den Darius haben wir schon kennengelernt. Er war der König, unter dem Daniel in die Löwengrube geworfen wurde, der ihm, Daniel, aber sehr wohlwollend gegenüber stand. Es war das erste Jahr dieses Königs. Das Babylonische Reich, das Israel unterworfen hatte, war gerade überwunden worden, Medien-Persien hatte gesiegt. Daniel war ein frommer Mann, wie wir immer wieder festgestellt haben. Auch hier lernen wir ihn recht als Mann Gottes kennen. Er war ein Mann, der aus dem Wort Gottes lebte, der begierig in Gottes Wort las. Und so führte ihn gerade in dieser Zeit der Heilige Geist dahin, dass er mit besonderer Aufmerksamkeit in den Schriften des Propheten Jeremia las, desjenigen Propheten, der gerade zur Zeit der Zerstörung Jerusalems in Juda gewirkt hatte. Und da las er: Und ich will herausnehmen allen fröhlichen Gesang, die Stimme des Bräutigams und der Braut, die Stimme der Mühlen und das Licht der Laterne, dass dies ganze land wüst und zerstöret liegen soll. Und sollen diese Völker dem Könige zu Babel dienen siebzig Jahre. Wenn aber die siebzig Jahre um sind, will ich den König zu Babel heimsuchen und all dies Volk, spricht der HERR, um ihre Missetat, dazu das Land der Chaldäer, und will es zur ewigen Wüste machen. Als Daniel diese Worte mit Bedacht las, da wird es ihm in den Sinn gekommen sein: Der HERR hat ja schon angefangen, diese Worte zu erfüllen. Babylon ist ja schon gefallen, das Reich ist ja schon zu Ende. Dann muss ja auch bald die Zeit kommen, in der Israel eigentlich wieder in sein Land zurück darf. Daniels Gebet ist also veranlasst gerade durch seine eifrige Lektüre der Bibel.

    Worauf gründet sich unser Gebet? Ist es nur Ausfluss eines momentanen Bedürfnisses, eines Gefühles, einer Emotion, um sich noch besser zu fühlen? Oder haben wir regelmäßigen Umgang mit Gott? Und auf welcher Grundlage? Wir sollten wissen, dass wir getrost beten sollen – und warum. Jesus Christus, unser HERR und Meister ruft uns ja zu in der Bergpredigt: Bittet, so wird euch gegeben; suchet, so werdet ihr finden; klopfet an, so wird euch aufgetan. Und er lädt uns ein: Was ihr bitten werdet in meinem Namen, das will ich tun, auf dass der Vater geehrt werde in dem Sohne. Und ermutigt uns später: Bittet, so werdet ihr nehmen, damit eure Freude vollkommen sei. So lädt unser Heiland uns ein, dass wir doch wirklich beten sollen, immer neu kommen sollen. Und noch mehr: Er gibt uns im Vaterunser ein Mustergebet an die Hand. Er leitet uns damit an, wie wir recht beten sollen und können. Hier haben wir vom Wort her also klare Grundlagen, warum und mit welcher Freudigkeit wir beten sollen. Denn es ist ja auch wichtig, dass wir ohne Zweifel beten und wissen: Mein Gebet wird erhört, Jesus Christus selbst hat es zugesagt.

    Wir sollen aber gerade in Notsituationen besonders zum Vater im Himmel kommen. Dazu fordert er uns auf: Rufe mich an in der Not, so will ich dich erretten; so sollst du mich preisen.

    Vor allem aber sollen wir mit unserer Schuld vor ihn kommen. Wir sollen ja nicht meinen, wie das etwa im Islam der Fall ist, dass Gott unsere Vergehen, unsere Sünde nicht interessiere, gar nicht betreffe, sondern nur ein zwischenmenschlicher Akt sei. Ist es nicht so: Wenn jemand stiehlt, so greift der Staat ein und klagt ihn an. Warum eigentlich? Hat er denn der Regierung etwas zu Leide getan? O nein. Aber die Regierung hat Gesetze erlassen, und gegen diese Gesetze hat der Dieb verstoßen, die hat er gebrochen. Und so achtet die Regierung darauf, dass ihre Gesetze eingehalten werden und bestraft diejenigen, die sie brechen. Auch Gott hat uns seine Ordnungen, seine Gesetze gegeben. Wenn wir sündigen gegen unseren Nächsten, so betrifft das also nicht nur diesen anderen Menschen, nein, dann greifen wir damit auch Gott selbst an, seine Majestät, denn wir haben sein Gesetz übertreten. Ja, diese Sünde ist die eigentliche, denn wir tun ja mit unserer Tat kund, dass wir seine Herrschaft und Ordnung nicht anerkennen. Darum ist es ganz wesentlich, dass wir mit Gott wieder ins Reine kommen. Und daher ermahnt er uns: Wer seine Missetat leugnet, dem wird’s nicht gelingen; wer sie aber bekennet und lässet, der wird Barmherzigkeit erlangen. Damit macht er deutlich: Wer seine Schuld einfach abstreitet, obwohl sie doch da ist; oder wer sie zwar erkennt, aber versucht, auf andere abzuwälzen: Die Umwelt ist daran schuld; die anderen haben mich animiert; ich konnte nicht anders; das war einfach so in mir drin. Wer also so handelt, der kann Gottes Gnade und Vergebung nicht erlangen, denn er sagt ja: Ich brauche keine Vergebung, denn ist bin nicht schuldig. So wird Gott ihn einst im Jüngsten Gericht zur Rechenschaft ziehen. Wir sollen vielmehr ungeschönt alles bekennen. Wenn wir aber unsere Sünden bekennen, so ist er treu und gerecht, dass er uns unsere Sünden vergibt und reiniget uns von aller Untugend. Das ist die große Verheißung, die wir haben. Darum ist es so wichtig, dass wir keinen Tag beenden, ohne zuvor all das, was an diesem Tag war, Gott hinzulegen. Es ist so wichtig, dass wir spätestens vor dem Zu-Bett-Gehen ihm unsere Schuld ungeschminkt bekennen und um Vergebung bitten und die Vergebung und Gnade in Jesus Christus ergreifen. Dazu ruft uns sein Wort auf. Das ist Gottes Ordnung. Und wenn wir an Menschen schuldig geworden sind und es besteht die Möglichkeit, sie um Vergebung zu bitten und die Dinge wieder gut zu machen, so sollen wir das auch tun. Auch das ist Gottes Ordnung. Alles andere aber, etwa die Beichte, ist allerdings eine gute kirchliche Einrichtung, um die bedrückten Gewissen zu erleichtern, wenn Gott durch den Mund des Gemeindehirten ihnen seine Vergebung zuspricht – aber es ist das kein Gesetz, kein Zwang.

 

    2. Daniel also hatte intensiv in der Bibel gelesen und dabei festgestellt: Die Zeit für die Rückkehr von uns Juden rückt näher. Und welche Konsequenzen zog er daraus? Sagte er sich: Endlich! Es hat schon so lange gedauert. Nun geht es bald heimwärts. War so seine Haltung? Nein! Etwas ganz anderes lesen wir hier: Ich kehrte mich zu Gott dem HERRN, zu beten und zu flehen, mit Fasten, im Sack und in der Asche. Kein Freudenfest veranstaltete er – sondern einen Bußtag. Er wusste: Es liegt kein Segen auf einem neuen Anfang, wenn er nicht durch Buße eingeleitet ist. Es war ja nicht ohne Grund gewesen, dass Israel aus dem Land musste, dass der Tempel und die Stadt Jerusalem zerstört waren. Darum war es notwendig, dass die alte Schuld erst in Ordnung kam, sonst war alles Neue auf Sand gebaut. Und so tritt er in aller Demut hin vor den lebendigen Gott: Ach lieber HERR, du großer und schrecklicher Gott, der du Bund und Gnade hältst denen, die dich lieben und deine Gebote halten. Er betet den HERRN zunächst an als den, der er ist. Ja, Daniel hat den lebendigen Gott vor Augen: als den heiligen und barmherzigen Gott. Das ist ganz wichtig, dass wir die rechte Gotteserkenntnis haben. O, der lebendige Gott ist ein heiliger Gott. Schrecklich ist es, in die Hände des lebendigen Gottes zu fallen. Das wird heute oft unterschlagen. Da wird so von dem „lieben Gott“ gesprochen, der doch niemandem etwas zu leide tun wird, der schon jedem in den Himmel helfen wird. Nein, unser Gott ist ein heiliger Gott, der die Sünde hasst und den Sünder strafen wird. Unser Gott ist ein heiliger Gott, ein schrecklicher Gott, der auf der Einhaltung seines Gesetzes besteht. Wo das nicht geschieht, da wird er Gericht halten. Das ist unbedingt wichtig, sonst kommen wir nie zu rechter Sündenerkenntnis. Aber dann dürfen wir auch das andere nicht vergessen: Er ist in Jesus Christus auch ein gnädiger und barmherziger Gott, der den geängsteten und zerschlagenen Sünder nicht liegen lässt, sondern ihn liebevoll aufhebt, pflegt und zur Heimat bringt. Beides hat Daniel vor Augen. Und so betet er:

    Wir haben gesündigt, unrecht getan, sind gottlos gewesen und abtrünnig geworden; wir sind von deinen Geboten und Rechten gewichen.  Wir gehorchten nicht deinen Knechten, den Propheten, die in deinem Namen unsern Königen, Fürsten, Vätern und allem Volk im Lande predigten. Er bekennt rückhaltlos die Sünde, die da ist: Wir haben gesündigt, unrecht getan. Und wird noch deutlicher: Wir sind gottlos gewesen, abtrünnig geworden. Und er macht vor allem namhaft, was geschehen ist: Sie sind abgewichen von Gottes Geboten und Rechten, haben den Knechten Gottes nicht gehorcht. Gerade Jeremia hatte das ja sehr hautnah erfahren müssen. Er hatte sehr deutlich das kommende Gericht verkündigt und zur Buße gerufen. Aber niemand fast hatte ihn gehört. Im Gegenteil. Er wurde deshalb immer wieder inhaftiert. Daniel beschönigt nichts. Nein, er bekennt alles ohne Umschweife. Er sagt nicht: Unsere Könige waren schuld, sie haben uns in die Irre geführt. Er sagt auch nicht: Die Priester haben uns nicht recht geleitet. Er versucht auch nicht abzuschwächen. Die Umstände waren damals so schlecht. Nein, ohne Einschränkung bekennt er, auch für sein Volk. Nicht, dass jemand außer unserem Heiland Jesus Christus fremde Sünde auf sich nehmen und sie büßen könnte, nein. Aber er tritt fürbittend damit auch für sein Volk vor dem HERRN ein, bittet um Gnade für das zum Teil noch so blinde Volk, auch darum, dass es doch zu Buße geführt wird. Das alles liegt da mit darin. Vor allem aber erbittet er damit Gnade für das Volk. Wie Daniel, so sollen auch wir unsere Sünde nicht beschönigen, nicht abschwächen, sondern sie rückhaltlos bekennen. Das ist schwer. Das tut oft weh. Denn der alte Mensch wehrt sich. Hier geht es nämlich an das Sterben der alten Natur. Und das will sie nicht. Der alte Mensch will doch zeigen, dass er von Natur so schlecht doch gar nicht ist. Das ist der Irrweg der Natur. Nur dann, wenn wir Gottes Seziermesser des Gesetzes tief einschneiden lassen, nur dann werden wir auch sein Heil erfahren können. Nur dann kommen wir zu dem Punkt, an dem wir erkennen müssen, dass wir Gott gar nichts zu bringen haben, dass wir als Sünder nur mit unserer Sünde vor ihm erscheinen können.

    Und Daniel bekennt noch mehr: Du, HERR, bist gerecht, wir aber müssen uns schämen, wie es denn jetzt gehet denen von Juda und denen von Jerusalem und dem ganzen Israel. Er bekennt offen, dass Gottes Handeln gerecht ist, dass Juda und Israel gar nichts dagegen sagen können. Sie sind ja abtrünnig geworden. Das ganze Israel übertrat dein Gesetz und wichen ab, dass sie deiner Stimme nicht gehorchten. Daher trifft uns auch der Fluch und Schwur, der geschrieben stehet im Gesetz Moses, des Knechtes Gottes, dass wir an ihm gesündigt haben. Daniel bestätigt hier, wie übrigens auch der Schächer am Kreuz, dass Gottes Gericht ganz gerecht ist. Gott hatte alles schon über achthundert Jahre zuvor angekündigt. Sie wussten, was sie mit der fortdauernden Sünde heraufbeschworen. Sie können sich nicht beklagen. Rechte Buße schließt das unbedingt mit ein: Nicht nur die eigene Sünde schonungslos erkennen, sondern auch die angedrohte Strafe, das angedrohte oder schon vollzogene Gericht anerkennen, sich unter die Hand Gottes beugen. Da erst wird unsere ganze Verlorenheit so recht deutlich. Da erst bemerken wir, dass es von Natur her gar keinen Ausweg für uns gibt. Das ist das geängstete und zerschlagene Herz, von dem David in Psalm 51 spricht. Und dann?

 

    3. Dann erinnert Daniel den HERRN an die großen und guten Taten, die er, der HERR, dem Volk getan hatte, wie er sie aus Ägypten geführt hat. Er erinnert also nicht daran, dass doch auch Israel einmal Gutes getan habe, da ist einfach nichts da, was wir Gott bringen könnten. Nein, Er erinnert Gott daran, wie das zu seines, Gottes, Ruhm gereicht hat. Und dann fleht er: Ach HERR, um aller deiner Gerechtigkeit willen wende ab deinen Zorn und Grimm von deiner Stadt Jerusalem und deinem heiligen Berge! Mit leeren Händen steht er mit seinem Volk und für sein Volk da. Nichts haben sie zu bringen. Er kann nur an Gottes Gnade appellieren. Um aller deiner Gerechtigkeit willen! Das ist es. Und hier erkennen wir, welch ein tiefes, evangelisches Verständnis der „Gerechtigkeit Gottes“ Daniel hatte. Hätte nicht Gottes Gerechtigkeit eigentlich verlangen müssen, dass er Israel straft, dass er es im Exil lässt? Aber Daniel blickt tiefer. Er hat klar die Verheißung vom Messias erfasst. Er hat deutlich die Worte Davids verstanden und begreift: Gottes Gerechtigkeit, das ist noch etwas ganz anderes. Gottes Gerechtigkeit – das ist diejenige Gerechtigkeit, die er uns im Messias schenkt! Denn wie heißt der doch? Er ist der Jahwe Zedakah, der Herr, der unsere Gerechtigkeit ist. Die Gerechtigkeit, die vor Gott gilt, ist also gar nicht unsere eigene, die wir Gott bringen, sondern vielmehr eine fremde, die Gott uns in Christus Jesus schenkt. Gottes Gerechtigkeit, das ist also diejenige Gerechtigkeit, die er uns, die wir Sünder sind, zuerkennt. Das ist Gnade! Der Sünder, der eigentlich den Schuldspruch verdient hat, wird um der stellvertretenden Gerechtigkeit eines Fremden, Jesu Christi, willen gerecht gesprochen. Wir haben nichts zu bringen, gar nicht. Wir liegen vor dir mit unserm Gebet, nicht auf unsere Gerechtigkeit. Da ist nämlich gar keine Gerechtigkeit, auf die wir uns berufen könnten, die wir von unserer Natur her bringen könnten. Dazu müssen wir immer wieder kommen, nicht nur einmal bei der Bekehrung, da auch, sondern das muss der Grundzug unseres Lebens sein. Nichts haben wir Gott zu bringen – er schenkt uns alles. Darum fleht Daniel: Siehe gnädiglich an dein Heiligtum, das zerstört ist, um des HERRN willen! Nur auf Gnade können wir zum Herrn kommen. Es geht nicht um uns – es geht um Gottes Herrlichkeit, die dadurch vergrößert wird. Wir haben nichts als Sünde zu bringen – und die sollen wir allerdings bringen. Und dann: Wir liegen vor dir ... auf deine große Barmherzigkeit. Darauf vertraut Daniel. Und darauf allein können auch wir vertrauen, wenn wir mit einem geängsteten und zerschlagenen Herz wie der Zollbeamte an unsere Brust schlagen und flehen: Gott, sei mir Sünder gnädig! Und wir dürfen vertrauen. Gott hat uns sein Herz weit aufgetan in seinem Sohn Jesus Christus. Also hat Gott die Welt geliebt, dass er seinen eingebornen Sohn gab, damit alle, die an ihn glauben, nicht verloren werden, sondern das ewige Leben haben. Gott hat uns seinen eingeborenen Sohn gegeben, damit dieser unsere, deine und meine, unser aller Sünden stellvertretend auf sich nähme. Und er, der Reine, hat es getan. Er hat unsere Sünden an seinem Leibe auf das Holz getragen. Er nahm unser aller Sünden auf sich, damit wir Frieden hätten – und durch seine Wunden sind wir geheilt. Der Vater hat das Opfer seines Sohnes angenommen. Ostern, die Auferweckung Jesu Christi, ist das Siegel des Vaters auf das Opfer des Sohnes. Da sagt Gott: In Jesus Christus bin ich mit allen Menschen versöhnt; in Jesus Christus rechne ich die Sünde nicht zu. In Jesus Christus habe ich vergeben. In Jesus Christus spreche ich den Gottlosen gerecht. Und das, was er dort in der allgemeinen Rechtfertigung dargelegt hat, das reicht er uns nun dar im Evangelium in der Taufe, im Wort und im Abendmahl, das schenkt er uns dort, eignet er uns zu, damit wir es persönlich im Glauben ergreifen und haben: die freie Vergebung der Sünden!

    Das geängstete und zerschlagene Herz, das nichts als Zorn erwartet hat, das seine Sünden bekannt und um Gnade gebettelt hat, das greift freudig zu im Vertrauen auf das Wort des HERRN, das hält sich an den Sohn, an Jesus Christus, den Heiland, den Retter der Welt. Und dann, aus Liebe, aus Dankbarkeit, gibt es sich ihm hin, um doch nun erneut ihm von Herzen nachzufolgen. Amen.

 

 

Daniel 9,20-27:

Unter der ewigen Gerechtigkeit

(Predigt zum 6. Sonntag nach Trinitatis)

 

Daniel 9,20-27: Als ich noch so redete und betete und meine und meines Volks Israel Sünde bekannte und lag mit meinem Gebet vor dem HERRN, meinem Gott, um den heiligen Berg meines Gottes,  eben da ich so redete in meinem Gebet, flog daher der Mann Gabriel, den ich zuvor gesehen hatte im Gesicht, und rührte mich an um die Zeit des Abendopfers.  Und er unterrichtete mich und redete mit mir und sprach: Daniel, jetzt bin ich ausgegangen, dich zu unterrichten.  Den da du anfingst zu beten, ging dieser Befehl aus, und ich komme darum, dass ich dir's anzeige; denn du bist lieb und wert. So merke nun darauf, daß du das Gesicht verstehest.  Siebzig Jahrwochen sind bestimmt über dein Volk und über die heilige Stadt, so wird dem Übertreten gewehrt und die Sünde abgetan und die Missetat versöhnt und die ewige Gerechtigkeit gebracht und die Gesichte und Weissagung versiegelt und das Allerheiligste gesalbt werden.  So wisse nun und merke: von der Zeit an, da ausgeht der Befehl, dass Jerusalem soll wieder gebaut werden, bis auf Christus, den Fürsten, sind sieben Wochen; und zweiundsechzig Wochen, so werden die Gassen und Mauern wieder gebaut werden, wiewohl in kümmerlicher Zeit.  Und nach den zweiundsechzig Wochen wird Christus ausgerottet werden und nichts mehr sein. Und das Volk eines Fürsten wird kommen und die Stadt und das Heiligtum verstören, dass es ein Ende nehmen wird wie durch eine Flut; und bis zum Ende des Streits wird's wüst bleiben.  Er wird aber vielen den Bund stärken eine Woche lang. Und mitten in der Woche wird das Opfer und Speisopfer aufhören. Und bei den Flügeln werden stehen Greuel der Verwüstung, bis das Verderben, welches beschlossen ist, sich über die Verwüstung ergießen wird.

 

    Lohnt es sich überhaupt zu beten? Erhört Gott denn Gebete? Viele Menschen machen eine gegenteilige Erfahrung und resignieren: Gott erhört doch nicht meine Gebete. Und warum? Sie meinen dann: Er kümmert sich doch nicht um uns. Es hängt letztlich doch alles von uns Menschen ab. Wir sollten aber in die Bibel sehen, da würden wir finden, warum es sein kann, dass ein Gebet nicht erhört wird. Da lesen wir etwa im Hebräerbrief: Wer zu Gott kommen will, der muss glauben, dass er sei und denen, die ihn suchen, ein Vergelter sein werde. Nur der kann also wirklich beten, im Gebet zu Gott kommen, der auch an ihn glaubt. Wie viele aber glauben gar nicht an ihn! Er wird für sie in bestimmten Lagen nur zu einer Art Notnagel. Da erwarte niemand, dass Gott ihn erhört, wenn er doch gar nicht an ihn glaubt. Glauben meint nicht, die Existenz irgendeines höheren Wesens anerkennen, sondern meint ja, konkret an den dreieinigen Gott, Vater, Sohn und Heiligen Geist, zu glauben, von Herzen an ihm zu hängen, ihm nachzufolgen. Wo das nicht der Fall ist, da ist auch kein echter Glaube da.

    Aber auch als Gläubige können wir die Erfahrung machen: Mein Gebet wurde nicht erhört. Woran kann das liegen? Gott weist uns darauf hin: Er bitte aber im Glauben und zweifle nicht; denn wer da zweifelt, der ist gleich wie die Meereswoge, die vom Winde getrieben und gewebt wird. Ein solcher Mensch denke nicht, dass er etwas von dem HERRN empfangen werde. Wenn du etwas von deinem Vater oder einem Freund erbittest, dann machst du das doch, weil du ganz berechtigte Hoffnung hast, dass du von ihnen gehört wirst und sie dir das auch geben werden. So sollen wir es bei Gott auch machen. Wenn wir zu ihm kommen, so soll das mit der im Wort, in der Verheißung begründeten Zuversicht sein: Er wird mich erhören und mir geben, was ich benötige. Bittet, so wird euch gegeben; suchet, so werdet ihr finden; klopfet an, so wird euch aufgetan. Das sind die Verheißungsworte Jesu. Wenn du also zu deinem Vater im Himmel rufst, aber mit der Einstellung: Er erhört mich ja doch nicht, es wird doch nichts helfen – dann kannst du es auch sein lassen, denn dann zweifelst du an seiner Liebe, an seiner Vollmacht und Allmacht. Wie willst du da etwas empfangen?

    Aber es kann da noch etwas anderes vorliegen: Siehe, des HERRN Hand ist nicht zu kurz, dass er nicht helfen könne; und seine Ohren sind nicht dick geworden, dass er nicht höre, sondern eure Untugenden scheiden euch und euren Gott voneinander, und eure Sünden verbergen sein Angesicht von euch, dass ihr nicht gehöret werdet. Hier wird ein ganz wichtiger Grund genannt, der ein erhörliches Gebet hindern kann: die Sünde. Sie bildet eine dicke, ganz stark schallgedämmte Mauer zwischen dir und Gott. Da kann dann kein Laut zu ihm dringen, deine Gebete prallen an dieser Mauer ab.

    Darum ist es so wichtig, wenn wir recht beten wollen, dass wir immer wieder bedenken, einmal, was für ein Vorrecht es ist, dass wir beten dürfen zu unserem Vater im Himmel; dann, dass wir bedenken, zu wem wir eigentlich reden, nämlich zu dem heiligen, allmächtigen Gott, der auch unser Heiland ist; dass wir dann auch die Verheißungen bedenken, die uns gegeben sind; vor allem aber auch, dass wir uns vor Augen halten, wer wir sind, die da rufen, nämlich Sünder, die der Vergebung bedürfen.

    Hier nun wird uns in unserem Abschnitt von einem erhörten Gebet berichtet, ja es wird uns von einer so schnellen Erhörung berichtet, dass wir nur staunen können, aber auch solches hat Gott verheißen: Und es soll geschehen, ehe sie rufen, will ich antworten; wenn sie noch reden, will ich hören. Ja, dieses Wunder ist hier geschehen. Was war denn das besondere an dem Gebet Daniels? Er betont es hier noch einmal: Als ich noch so redete und betete und meine und meines Volks Israel Sünde bekannte und lag mit meinem Gebet vor dem HERRN, meinem Gott, um den heiligen Berg meines Gottes. Er bekannte seine Sünden und er trat auch ein für sein Volk und damit Gottes Volk. Daniel lag mit einem geängsteten und zerschlagenen Herzen vor Gott. Das ist Gott wohlgefällig. Darum sagt der Engel Gabriel dann auch: Denn du bist lieb und wert. Wert heißt hier so viel wie ‚kostbar’. Daniel ist Gott kostbar, weil er hier als einer liegt, der seine Schuld bekennt und auch für sein Volk eintritt. Es wird Freude sein im Himmel bei den Engeln Gottes über einen Sünder der Buße tut, mehr als über 99 Gerechte, die der Buße nicht bedürfen. So groß ist die Freude bei Gott, dass er seiner Liebe, seiner Hochschätzung des Sünders Ausdruck verleiht. Welch eine Herablassung Gottes! Welch ein Gnadenakt!

    Und dann ruft Gabriel den Daniel auf, dass er aufmerken soll auf das Wort Gottes, dass er ihm bringt, damit er das Gesicht versteht. In Vers 22 heißt es vom Hebräischen her: „Er öffnete mir das Verständnis.“ Hier wird deutlich: Wir sollen aufmerken auf das Wort, sollen darinnen forschen, unbedingt – aber zugleich bitten, dass der Heilige Geist uns das rechte Verständnis gebe. Lasst uns nun auch aufmerken und durch Gottes Geist uns hineinführen lassen in das Wort, das der Engel Gabriel dem Daniel als Antwort auf sein Gebet brachte:

 

Unter der ewigen Gerechtigkeit

1. Gott führt die ewige Gerechtigkeit herbei in Jesus Christus

2. Gott bewahrt uns in seinem Bund bei Jesus Christus

 

1. Siebzig Jahrwochen sind bestimmt über dein Volk und über die heilige Stadt, so wird dem Übertreten gewehrt und die Sünde abgetan und die Missetat versöhnt und die ewige Gerechtigkeit gebracht und die Gesichte und Weissagung versiegelt und das Allerheiligstes gesalbt werden. Wovon ist hier die Rede? Gott der HERR gibt Daniel hier eine gewaltige Verheißung. Nämlich: dem Übertreten soll gewehrt; die Sünde soll abgetan; die Missetat soll versöhnt; die ewige Gerechtigkeit soll gebracht; Gesichte und Weissagung sollen versiegelt; das Allerheiligste soll gesalbt werden. Und er sagt auch, wann dies geschehen soll: Siebzig Jahrwochen sind besimmt über dein Volk und die heilige Stadt. Es sind also keine gewöhnlichen Wochen, sondern es sind Wochen, deren Tage für Jahre stehen. Von den siebzig Jahren bei Jeremia kam Daniel her – nun spricht Gott der Herr von anderen siebzig, nämlich siebzig Jahrwochen oder 490 Jahren, die Gewaltiges beinhalten. Dem Übertreten wird gewehrt. Was verheißt uns der HERR damit? Übertreten meint ja die Gesetzlosigkeit, das Sündigen, das ungehemmt dahingeht. Hier geht es also um das Ende dieser Übertretung. Wie soll das möglich sein? Gottes Wort sagt doch so deutlich: Das Dichten und Trachten des menschlichen Herzens ist böse von Jugend auf. Und an anderer Stelle: Sie sind allzumal Sünder und mangeln des Ruhmes, den sie bei Gott haben sollen. Aus menschlicher Kraft ist es unmöglich, denn vor Gott ist kein Lebendiger gerecht. Wenn aber dem Übertreten gewehrt werden soll, dann muss etwas völlig Neues gebracht werden. Wie kann das geschehen? Die weiteren Ausführungen zeigen es uns: Die Sünde wird abgetan. Die Sünde ist doch da, wie kann sie abgetan werden? Sie kann nur dann abgetan werden, wenn sie gesühnt wird, wenn jemand die Sündenschuld bezahlt, die Strafe für die Sünde trägt. Das weist uns hin auf den Einen, der einzig dies tun konnte: Jesus Christus, den Sündenträger, der unsere Sünden an seinem Leibe auf das Holz geopfert hat, damit er uns damit erlöste. Das ist der gewaltige Einschnitt in die Weltgeschichte, wovon hier die Rede ist. Er schafft etwas Neues, er begründet den neuen Bund, in dem Gott durch seinen heiligen Geist uns sein Gesetz ins Herz schreibt. Das Alte ist vergangen, siehe, es ist alles neu geworden. Das ist Jesu Werk. Weiter verkündigt der Engel: Die Missetat wird versöhnt. Niemand konnte sie versöhnen, denn wir sind alle Sünder, die unter dem Zorn Gottes stehen. Nur einer konnte es für uns tun: Jesus Christus. Gott war in Christus und versöhnte die Welt mit ihm selber. Auf Golgatha ist das geschehen. Gott ist versöhnt. In Jesus Christus rechnet Gott uns die Sünde nicht zu. In Jesus Christus haben wir die Vergebung, den Freispruch im Jüngsten Gericht. Es wird die ewige Gerechtigkeit gebracht. Dieser Ausdruck weist auch hin auf etwas völlig Neues, denn ewige Gerechtigkeit konnte im Alten Bund so nicht erlangt werden, die Opfer mussten ja immer wiederholt werden. Christus aber, das macht schon das Alte Testament deutlich, ist derjenige, der eine ewige Gerechtigkeit hat, weil er selbst der HERR, unsere Gerechtigkeit ist und uns damit auch zur Gerechtigkeit gemacht ist. Diese Aussage ist volles Evangelium. Denn diese Gerechtigkeit wird uns gebracht. Gott macht hier ganz deutlich: Die ewige Gerechtigkeit, die Gerechtigkeit, die vor Gott gilt, die haben wir nicht aus uns, die ist nicht etwas, das wir erarbeiten, verdienen können, nein, das ist eine fremde Gerechtigkeit, die Gerechtigkeit von jemand anders, eben: Christi Gerechtigkeit. Die ist uns durch Christi Gehorsam gegen Gottes Wort, sein stellvertretendes Leiden und Sterben erworben, gebracht worden – und wird uns nun ausgeteilt im Evangelium in Wort, Taufe und Abendmahl. Auch das gehört in dieses „bringen“ mit hinein. Die Gesichte und Weissagungen werden versiegelt. ‚Gesichte und Weissagungen’ steht für die Prophetie. Was Gott hier sagt ist nichts anderes als dies: Die Prophetie des Alten Testamentes wird bestätigt, wird bekräftigt in der Erfüllung. Und so heißt es dann: Alle Gottesverheißungen sind Ja in ihm und Amen in ihm Gott zu Lobe durch uns. Auch das ist in Jesus Christus geschehen. So zielt dieser ganze Vers auf das Heilswerk, das durch Jesus Christus geschehen soll. Und darum schließt dieser Vers ab mit: Das Allerheiligste wird gesalbt werden. Was ist damit nun gemeint? Gehört ‚das Allerheiligste’ nicht zum Tempel? O ja! Aber was darin? Der Gnadenstuhl! Und wer ist dieser Gnadenstuhl? Wofür steht er im Allerheiligsten, auf wen deutet er? Gott hat Jesus Christus vorgestellt zu einem Gnadenstuhl durch den Glauben in seinem Blut. So schreibt uns Paulus durch den Heiligen Geist im Römerbrief. So steht hier das Allerheiligste für den Allerheiligsten, Jesus, den Christus oder Messias, den Gesalbten, der gesalbt ist mit dem Heiligen Geist, wie es schon das Alte Testament vorhersagte, Ps. 45,8; Jes. 61,1.

    Da hier in diesem Zusammenhang von den siebzig Jahrwochen die Rede ist, so heißt dies auch, dass dies, was nun ausgeführt ist, die gesamte noch ausstehende Heilszeit umgreift, also über Christi Kreuzigung und Auferstehung hinaus, also auch die Gemeinde und ihren Weg unter dem Kreuz, unter der ewigen Gerechtigkeit, die Christus ihr erworben hat. Die Frage ist nun: Von wann ab sind diese siebzig Jahrwochen zu rechnen? Hier gibt es verschiedene Auslegungen, die nicht einfach zu verwerfen sind, sondern jeweils ihre Berechtigung haben. Vers 25 gibt ja Hinweise: So wisse nun und merke: von der Zeit an, da ausgeht der Befehl, dass Jerusalem soll wieder gebaut werden, bis auf den Gesalbten, den Fürsten, sind sieben Wochen; und zweiundsechzig Wochen, so werden die Gassen und Mauern wieder gebaut werden, wiewohl in kümmerlicher Zeit. Manche setzen die Zeit, da der Befehl ausgeht, dass Jerusalem wieder gebaut werden soll, mit der Verheißung Gottes an um das Jahr der Zerstörung Jerusalems und setzen da die ersten sieben Jahrwochen an, die um 539/38 enden, als Kyros, der Perserkönig dann die Erlaubnis zur Rückkehr der Juden gab. Sie beziehen dann ‚den Gesalbten, den Fürsten’ auf eben diesen Kyros, der ja auch von Jesaja einmal als der Gesalbte bezeichnet wird. Dann machen sie eine Lücke, da sie sagen, die Verse würden keine unmittelbare Weiterrechnung erzwingen, und setzen erst wieder mit der Ausführung des Bauens Jerusalems an, also um 440 vor Christi Geburt, um dann die 62 Jahrwochen zu zählen, die dann um 6 vor Christus enden würden, also in dem Jahr, in dem tatsächlich Christus ja geboren wurde. Mir erscheint diese Auslegung etwas zu gezwungen, denn im engen Kontext bezieht sich der Gesalbte eindeutig auf Christus. Die andere Auslegung geht deshalb aus von dem königlichen Befehl zum Bau Jerusalems, der von Artaxerxes schon vor der Erlaubnis an Nehemia gegeben wurde, um 460/59 vor Christi Geburt und rechnen dann die sieben Jahrwochen und die 62 Jahrwochen. Die sieben Jahrwochen führen bis auf das Jahr 410 und es folgen dann die 62 Jahrwochen. Diese Unterteilung hat durchaus ihren Sinn. Die ersten 49 Jahre oder sieben Jahrwochen beschrieben dann die Zeit der Erneuerung Jerusalems und des alttestamentlichen Gottesdienstes unter Esra und Nehemia, die 62 Jahrwochen die ganze weitere Zeit bis auf Christus. Diese 62 Jahrwochen gingen dann bis in das Jahr 24 nach Christi Geburt, als er also 30 Jahre alt war und sich taufen ließ und gesalbt wurde mit dem Heiligen Geist und sein Amt antrat. In dieser Zeit sind wohl die Gassen und Mauern Jerusalems gebaut worden, aber immer wieder unterbrochen, die Gemeinde des HERRN war kümmerlich, immer neuen Bedrückungen und Verfolgungen ausgesetzt. Es ist bezeichnend, dass wir immer wieder in der Schrift auf die ‚sieben’ stoßen, die Zahl der göttlichen Vollendung und Vollkommenheit, die auch in der Wochenordnung, als Sabbathzahl, auftaucht, auch in der Ordnung der Sabbathjahre. Auch hier, als siebzig Jahrwochen insgesamt, dann aber gerade auch für die Zeit der geistlichen Erneuerung Israels, tritt sie uns entgegen. Auch in der Offenbarung finden wir die sieben Siegel und die sieben Posaunen. Heils- und Weltgeschichte Gottes scheinen auf geheimnisvolle Weise nach der Siebenzahl strukturiert.

 

    2. Der nächste Vers führt uns hinein in die 70. Jahrwoche: Und nach den zweiundsechzig Wochen wird der Christus ausgerottet werden und nichts mehr sein. Und das Volk eines Fürsten wird kommen und die Stadt und das Heiligtum verstören, dass es ein Ende nehmen wird wie durch eine Flut; und bis zum Ende des Streits wird's wüst bleiben. Das erste Ereignis, das uns hier genannt wird, ist das zentrale Ereignis der Weltgeschichte, auf das schon der 24. Vers hinwies: Christi Kreuzigung. Er wird ausgerottet und nichts mehr sein. So völlig wollte man ihn weg haben. Wir aber wissen, dass dieses Handeln, das böse gemeint war, in Gottes Plan dem Heil der Welt dienen musste: In seinen Wunden sind wir geheilt. Das Hebräische Wort für „ausgerottet“ heißt zugleich auch: „einen Bund schließen“. Und das ist interessant. Beides liegt nämlich hier darinnen. Mit seinem Tod am Kreuz hat Christus ja den Neuen Bund aufgerichtet, der seinen Grund eben in seinem Opfertod hat. Dafür hat Jesus Christus den Tod erlitten, die Todesstrafe getragen – auch das liegt in dem hebräischen Wort darinnen.

    Dann aber wird ein Volk des Fürsten kommen und die Stadt und das Heiligtum zerstören, dass es ein Ende nehmen wird wie durch eine Flut; und bis zum Ende des Streits wird’s wüste bleiben. Jesus Christus selbst hat dies vorhergesagt in seiner Endzeitrede. Und wir wissen: im Jüdischen Krieg 66-73 nach Christi Geburt ist dies geschehen. Die Römer sind gekommen und haben Jerusalem zerstört, haben sich wie eine Flut über das jüdische Land und Jerusalem ergossen. Was in der Lutherübersetzung mit „und bis zum Ende des Streits wird’s wüst bleiben“ übersetzt ist, kann auch so gefasst werden: „Und bis zum Ende wird es Krieg geben; beschlossen sind Verwüstungen.“ Das weist uns hinaus über diese Vorkommnisse, zeigt uns eine Zeit, die mit viel Trübsal angefüllt ist. Die letzte Zeit überhaupt, die ganze Endzeit, ist also keine Friedenszeit, die kommt erst mit dem Jüngsten Tag in der Herrlichkeit, sondern eine Zeit des Krieges, der Verwüstungen – aber doch alles in der Hand des HERRN, der „beschlossen“ hat. Besonders aber kommt diese schlimme und wüste Zeit über Israel als dem Volk, das den Messias abgelehnt, verworfen, getötet hat. Wir wissen, wie sich das nicht nur im Jüdischen Krieg, sondern durch die ganze Geschichte bis heute erfüllt hat. Aber nicht nur an Israel, sondern an der Menschheit überhaupt.

    Er aber wird vielen den Bund stärken eine Woche lang. Wer ist mit „er“ gemeint? Der, der auch die Verwüstungen beschlossen hat, das ist das letzte Subjekt vor dem „er“: Gott! Gott wird vielen den Bund stärken eine Woche lang. Gott stärkt uns den Bund, einmal in der Zeit, in der unser Heiland hier auf Erden war durchs eine Gegenwart und sein Wort; dann, nach Kreuzigung und Auferstehung, durch die Ausgießung des Heiligen Geistes und die Apostel, durch die er das Wort in die Welt brachte. Er stärkt den Bund. Das ist sehr wichtig. Wir sind schwach – und dürfen uns, wie Paulus schreibt, auch unserer Schwachheit rühmen, in einer Welt, in der nur Leistung, Stärke, Durchsetzungsvermögen gilt – Gott aber hilft uns Schwachen auf. Er stärkt uns den Bund, so, wie wir es schon in der Apostelgeschichte sehen. Und mitten in der Woche wir das Opfer und Speisopfer aufhören. Was ist damit gemeint? Nehmen wir diese Woche im direkten Anschluss an die 69 vorhergegangenen Wochen, so ist dies im engsten Zusammenhang mit dem Tode Jesu. Mit seinem Tod am Kreuz ist ja das Alte Testament zu seinem Ziel gekommen. Die Opfer, wie sie zuvor täglich und auch jährlich gebracht wurden, die sind nicht mehr nötig. Sie haben ihre Aufgabe erfüllt. Darum ist der Alte Bund tatsächlich schon beendet. Der vorhergegangene Vers weist aber über diese Zeit hinaus. Und so finden wir hier auch deutliche Hinweise auf eine Mehrfacherfüllung dieser Worte: nehmen wir nämlich die Woche in der Zeit des jüdischen Krieges, so finden wir auch dort, dass in der Mitte dieser Zeit, im Jahre 70, der Tempel zerstört wurde. Damit kam auch der äußerliche Opferdienst endgültig zu seinem Ende. Und gehen wir noch weiter, in die letzte Zeit, so wissen wir, dass beim letzten Aufbäumen der antichristlichen Macht sie auch wieder versuchen wird, wie das Vorbild auf sie, Antiochus IV., den Gottesdienst abzuschaffen, die Gemeinde zu unterdrücken, ja, auszurotten, Offenb. 12,6.14; 13,5. Aber das wird ja auch nur eine Zeit, zwei Zeiten und eine halbe Zeit währen, was sich gut mit den dreieinhalb Jahren, den 1290 Tagen und ähnlichen Zahlenangaben vereinbaren lässt. Auch dieses Anrennen des Antichristen wird nur eine bestimmte Zeit dauern. Aber auch für diese Zeit gilt: Er aber wird vielen den Bund stärken. Er wird auch da seine Gemeinde nicht im Stich lassen, sondern wird sie hindurchtragen, wenn auch durch viel Trübsal, Leid, Martyrium.

    Und bei den Flügeln werden stehen Greuel der Verwüstung. Unser Heiland greift dieses Wort auf im Blick auf die Zerstörung Jerusalems. Was ist damit gemeint? Viele haben darinnen, auch wegen der Flügel, die römischen Soldaten gesehen. Aber das kann nicht gemeint sein. Heidnische Soldaten sind auch schon zuvor im Tempel gewesen. Im Kapitel 11 lesen wir: Da wird er gegen den heiligen Bund ergrimmen und wird’s ausrichten; und wird sich umsehen und an sich ziehen, die den heiligen Bund verlassen. Und es werden seine Arme daselbst stehen; die werden das Heiligtum in der Feste entweihen und das tägliche Opfer abtun und einen Greuel der Verwüstung aufrichten. Und er wird heucheln und gute Worte geben den Gottlosen, so den Bund übertreten. Was also ist mit dem Greuel der Verwüstung gemeint? Der heilige Bund wird verlassen, falscher Gottesdienst wird dort aufgerichtet, wo eigentlich dem HERRN gedient werden soll, das Heiligtum wird entweiht, der wahre Gottesdienst abgeschafft. Das ist der Greuel der Verwüstung. Der ist im Judentum durch die Verwerfung Jesu aufgetreten, dass sie damit einen anderen Gottesdienst aufgerichtet haben, der nicht mehr den lebendigen Gott, der sich in Jesus Christus offenbart hat, zum Zentrum hatte; und darüber ist es zu tiefen Spaltungen und Grausamkeiten innerhalb der Judenschaft gekommen. Dieser Greuel der Verwüstung wird auch am Ende der Tage wieder da sein, wenn viele, wie Jesus uns sagt, sich ärgern werden und sich untereinander verraten und werden sich untereinander hassen. Durch falsche Lehre, falsche Christusse, falsche Propheten wird viel Verwüstung in der Gemeinde geschehen. Das letzte Anrennen der antichristlichen Macht wird, wie schon bisher, mit viel Verführung einhergehen, mit einer Verleugnung des Christus der Bibel, mit Religionsvermischung. Aber der HERR wird seiner Gemeinde beistehen, dass auch die Pforten der Hölle sie nicht zu überwinden vermögen. Und der Verwüstende wird zum Verwüsteten! Der HERR wird den Antichristen in den feurigen Pfuhl werfen!

    Die ewige Gerechtigkeit, die unser Heiland Jesus Christus uns durch seinen Gehorsam, Leiden und Sterben am Kreuz erworben hat, diese ewige Gerechtigkeit, die erhält uns der HERR durch sein Evangelium in Wort und Sakrament. Durch sie haben wir die Versöhnung für unsere Missetat, ist die Macht der Sünde und Übertretung gebrochen. Daran sollen wir festhalten, auch in allen Bedrängnissen dieser Zeit. Was immer auch kommen mag: Was Christus uns erworben hat, das kann uns auch der Teufel nicht mehr entreißen, wenn wir nur am Evangelium bleiben. Amen.

 

 

Daniel 10,1-11,2:

Gestellt in Gottes Welt- und Heilsgeschichte

(Predigt zum 7. Sonntag nach Trinitatis)

 

Daniel 10,1-11,2: Im dritten Jahr des Königs Kores aus Persien ward dem Daniel, der Beltsazar heißt, etwas offenbart, das gewiss ist und von großen Sachen; und er merkte darauf und verstand das Gesicht wohl.  Zur selben Zeit war ich, Daniel, traurig drei Wochen lang.  Ich aß keine leckere Speise, Fleisch und Wein kam nicht in meinen Mund, und salbte mich auch nie, bis die drei Wochen um waren.  Und am vierundzwanzigsten Tage des Monats war ich bei dem großen Wasser Hiddekkel  und hob meine Augen auf und sah, und siehe, da stand ein Mann in Leinwand und hatte einen goldenen Gürtel um seine Lenden.  Sein Leib war wie Türkis, sein Antlitz wie ein Blitz, seine Augen wie feurige Fackeln, seine Arme und Füße wie helles, glattes Erz, und seine Rede war wie ein großes Getön.  Ich, Daniel, aber sah solch Gesicht allein, und die Männer, so bei mir waren, sahen's nicht; doch fiel ein großer Schrecken über sie, dass sie flohen und sich verkrochen.  Und ich blieb allein und sah dies große Gesicht. Es blieb aber keine Kraft in mir, und ich ward sehr entstellt und hatte keine Kraft mehr.  Und ich hörte seine Rede; und in dem ich sie hörte, sank ich ohnmächtig auf mein Angesicht zur Erde.  Und siehe, eine Hand rührte mich an und half mir auf die Knie und auf die Hände,  und er sprach zu mir: Du, lieber Daniel, merke auf die Worte, die ich mit dir rede, und richte dich auf; denn ich bin jetzt zu dir gesandt. Und da er solches mit mir redete, richtete ich mich auf und zitterte.  Und er sprach zu mir: Fürchte dich nicht, Daniel; denn von dem ersten Tage an, da du von Herzen begehrtest zu verstehen und dich kasteitest vor deinem Gott, sind deine Worte erhört; und ich bin gekommen um deinetwillen.  Aber der Fürst des Königreiches im Perserland hat mir einundzwanzig Tage widerstanden; und siehe, Michael, der vornehmsten Fürsten einer, kam mir zu Hilfe; da behielt ich den Sieg bei den Königen in Persien.  Nun aber komme ich, dass ich dich unterrichte, wie es deinem Volk hernach gehen wird; denn das Gesicht wird erst nach etlicher Zeit geschehen.  Und als er solches mit mir redete, schlug ich mein Angesicht nieder zur Erde und schwieg still.  Und siehe, einer, gleich einem Menschen, rührte meine Lippen an. Da tat ich meinen Mund auf und redete und sprach zu dem, der vor mir stand: Mein HERR, meine Gelenke beben mir über dem Gesicht, und ich habe keine Kraft mehr;  und wie kann der Knecht meines HERRN mit meinem HERRN reden, weil nun keine Kraft mehr in mir ist und ich auch keinen Odem mehr habe?  Da rührte einer, gleich wie ein Mensch gestaltet, mich abermals an und stärkte mich  und sprach: Fürchte dich nicht, du lieber Mann! Friede sei mit dir! Und sei getrost, sei getrost! Und als er mit mir redete, ermannte ich mich und sprach: Mein HERR rede! denn du hast mich gestärkt.  Und er sprach: Weißt du auch, warum ich zu dir gekommen bin? Jetzt will ich wieder hin und mit dem Fürsten in Perserland streiten; aber wenn ich wegziehe, siehe, so wird der Fürst von Griechenland kommen.  Doch ich will dir anzeigen, was geschrieben ist, was gewiss geschehen wird. Und es ist keiner, der mir hilft wider jene, denn euer Fürst Michael,  Denn ich stand ihm bei im ersten Jahr des Darius, des Meders, dass ich ihm hülfe und ihn stärkte.  Und nun will ich dir anzeigen, was gewiss geschehen soll.

 

    Engel – was sind das eigentlich für Wesen? Wenn wir in die Bibel schauen, so erkennen wir, dass sie auch erschaffene Wesen sind, gehören sie doch mit zu dem allem im Himmel und auf Erden, dem Sichtbaren und Unsichtbaren, von dem es heißt, dass es durch Christus geschaffen wurde. Wir finden dann weiter, dass es gute und böse Engel gibt. Die bösen Engel gehören zu den Mächtigen und Gewaltigen, nämlich den Herren der Welt, die in dieser Finsternis herrschen, den bösen Geistern unter dem Himmel, mit denen wir als Christen zu kämpfen haben. Sie waren auch ein gute Engel, aber sie bewahrten nicht ihren himmlischen Herrschaftsbereich, sondern verließen ihre Behausung und werden nun festgehalten auf den großen Tag des Gerichts. Sie sind also die Diener des Teufels geworden. Die anderen Engel aber, die nicht mit ihnen abgefallen sind, sind die guten Engel, dienstbare Geister, ausgesandt zum Dienst um derer willen, die das Heil ererben sollen. Sie sind die heiligen Engel, die Gott loben und seine Befehle ausrichten, die einst auch mit Christus kommen werden in seiner Herrlichkeit. Die Bibel berichtet uns ja nicht ausführlich über die Engel, überhaupt über die unsichtbare Welt, aber ein wenig lässt sie uns Einblick tun, damit wir erkennen, dass unsere sichtbare Welt keineswegs die einzige ist, ja, dass die Ereignisse der sichtbaren Welt von sehr wichtigen Vorgängen in der unsichtbaren Welt nicht nur begleitet, sondern sogar bestimmt werden. Darauf weist uns auch unser Kapitel heute hin. Lasst uns dabei bedenken:

 

Gestellt in Gottes Welt- und Heilsgeschichte

1. Die Offenbarung – Gottes Wort an uns

2. In der Begegnung mit Christus

3. Die Kämpfe in der unsichtbaren Welt

4. Die Geschichte ist Gottes Geschichte

 

    1. Im dritten Jahr des Königs Kores aus Persien ward dem Daniel, der Beltsazar heißt, etwas offenbart, das gewiss ist und von großen Sachen; und er merkte darauf und verstand das Gesicht wohl. Wieder einmal, wie insgesamt siebenmal, finden wir bei Daniel eine genaue zeitliche Angabe, die sein Buch auch als ein rechtes prophetisches Buch ausweist, denn Gottes Weissagung geschieht in der Geschichte, in der seine Boten leben. Es ist das dritte Jahr des Königs Kyrus von Persien, vor zwei Jahren hatten die Juden angefangen, durch seine Erlaubnis nach Jerusalem zurückzukehren und auch den Tempel aufzubauen. Von Daniel nun lesen wir, dass ihm etwas offenbart wurde. Er empfing ein Gesicht, eine Vision, eine besondere Schau von Gott. Dadurch wollte Gott ihm zeigen, was geschehen sollte, mit seinem Volk Israel wie auch überhaupt mit der Gemeinde des HERRN. Und von dieser Offenbarung heißt es, dass sie gewiss ist, dass sie Wahrheit ist, dass sie fest steht, unverrückbar ist, dass Daniel darauf bauen kann. Und das ist das Kostbare, dass wir ja ebenso auf der Offenbarung Gottes fußen, die ja nun mit den Aposteln und ihren Schülern abgeschlossen ist. Diese Offenbarung ist Gottes Wort – und sein Wort ist die Wahrheit, kann nicht gebrochen werden. Es ist unbedingt war, absolut richtig, irrtumslos. Wir haben einen festen Grund unter den Füßen, wenn wir auf der heiligen Schrift Gottes, der Bibel, gegründet sind, in der Jesus Christus das Zentrum ist, er, der Heiland der Welt. Keinen anderen Grund sollen wir suchen, sondern darauf allein bauen. Ja, wenn wir recht Christen sind, sind wir, als Gottes Hausgenossen, ja erbaut auf dem Grund der Apostel und Propheten, da Jesus Christus der Eckstein ist. So allein können wir auch bestehen in den Wirren der letzten Zeit, wenn so viele falsche Propheten und Christusse kommen werden.

    Von Daniel lesen wir dann weiter, dass er merkte darauf, wir können auch übersetzen, dass er danach suchte, das Wort, die Offenbarung zu verstehen. Er rang darum auch im Gebet, wie der Engel später sagt: da du von Herzen begehrtest zu verstehen. Gott will, dass wir ringen um das Verständnis seines Wortes, dass es uns wichtig ist, dass wir verstehen, was wir lesen. Darum sollen wir betend lesen, sollen ihn bitten, es uns durch seinen Heiligen Geist aufzuschließen. Dann wird es uns gehen, wie es Daniel erging, nämlich dass es uns aufgeschlossen wird, dass wir es also verstehen werden.

    Dabei ist eines ganz wichtig, was wir bei Daniel schon im vorigen Kapitel feststellten: Er war ein Mann, der in Buße lebte, ein Mann, der immer wieder für sich und sein Volk vor den Thron Gottes kam, Sünden zu bekennen. Zur selben Zeit war ich, Daniel, traurig drei Wochen lang.  Ich aß keine leckere Speise, Fleisch und Wein kam nicht in meinen Mund, und salbte mich auch nie, bis die drei Wochen um waren. Wir finden ihn hier, wie er in Fasten und Beten ringt für sein Volk, wie er Leid trägt um die bedrohliche Situation, die inzwischen für sein Volk in Judäa und am persischen Hof angebrochen ist, dass er aber auch alle geistliche Not vorbringt. Daniel ist ein Mann des Gebets, ein Mann, der die Sünde nicht behält, sondern vor den lebendigen Gott hinlegt. Das ist auch Gottes Wille für uns. Tut Buße und glaubet an das Evangelium war schon der Ruf Jesu gewesen, mit dem er auftrat. So ermahne ich euch nun, dass man vor allen Dingen zuerst tue Bitte, Gebet, Fürbitte und Danksagung für alle Menschen. Das ruft uns der Heilige Geist durch Paulus zu. Das soll unser Weg gerade auch in der letzten Zeit sein, für uns und für die Menschen, die Gott uns anvertraut hat, die er uns auch aufs Herz legt.

 

    2. Und dann berichtet Daniel von dem Gesicht, das er sehen durfte: Und am vierundzwanzigsten Tage des Monats war ich bei dem großen Wasser Hiddekkel  und hob meine Augen auf und sah, und siehe, da stand ein Mann in Leinwand und hatte einen goldenen Gürtel um seine Lenden.  Sein Leib war wie Türkis, sein Antlitz wie ein Blitz, seine Augen wie feurige Fackeln, seine Arme und Füße wie helles, glattes Erz, und seine Rede war wie ein großes Getön. Es ist dies ein gewaltiges Gesicht, das Daniel mit seinen Gefährten erfuhr, wobei nur er selbst es wirklich sah und hörte, die anderen bemerkten nur, dass etwas geschah, vernahmen aber nichts Genaueres. Was ist es nun, das Daniel sah? Er sah einen Mann, der mit einer Leinwand, einem weiten hellen Leinenkleid bekleidet war. Das ist ein Kleid, das wir in der Prophetie als Zeichen der Reinheit finden. Dann hatte er einen goldenen Gürtel um, sein Leib leuchtete wie ein Türkis oder Tarschisch – und sein Antlitz war wie ein Blitz, seine Augen wie feurige Flammen – und seine Stimme ein großes Getön. Was bedeutet das nur? Sehen wir in die Offenbarung Jesu Christi an Johannes, so finden wir da eine fast gleiche Begegnung: Mitten unter den sieben Leuchtern war einer, der war eines Menschen Sohn gleich, der war angetan mit einem Kittel und begürtet um die Brust mit einem goldenen Gürtel. Sein Haupt aber und sein Haar war weiß wie weiße Wolle, wie der Schnee, und seine Augen wie eine Feuerflamme und seine Füße gleich wie Messing, das im Ofen glüht, und seine Stimme wie großes Wasserrauschen. Ist dies nicht fast identisch? Unbedingt! Und im siebten Kapitel berichtet ja Daniel über ein Gesicht, in dem er sah: Solches sah ich, bis dass Stühle gesetzt wurden; und der Alte setzte sich, des Kleid war schneeweiß und das Haar auf seinem Haupt wie reine Wolle; sein Stuhl war eitel Feuerflammen, und desselben Räder brannten mit Feuer. Und von demselben ging aus ein langer, feuriger Strahl. Auch hier wieder: sehr genaue Ähnlichkeit! Wer also ist wohl dieser Mann, den Daniel da schauen durfte? Es ist niemand anders als unser Heiland Jesus Christus! Denselben sah er in seiner Reinheit, sah ihn mit dem goldenen Gürtel der Wahrheit, leuchten in seiner Herrlichkeit, die durch den Türkis dargestellt wird. Und seine Heiligkeit wird deutlich an dem blitzenden Antlitz, seine feurigen Augen durchdringen alles, nichts bleibt vor ihm verborgen – und seine Stimme erschallt überall hin, niemand kann sich ihr entziehen.

    Gewaltig war die Wirkung dieser Begegnung: Ich, Daniel, aber sah solch Gesicht allein, und die Männer, so bei mir waren, sahen's nicht; doch fiel ein großer Schrecken über sie, daß sie flohen und sich verkrochen.  Und ich blieb allein und sah dies große Gesicht. Es blieb aber keine Kraft in mir, und ich ward sehr entstellt und hatte keine Kraft mehr.  Und ich hörte seine Rede; und in dem ich sie hörte, sank ich ohnmächtig auf mein Angesicht zur Erde. Seine Gefährten, die zwar nichts Genaues gesehen oder gehört hatten, waren doch so erschüttert, dass sie sogleich flohen. Aber auch Daniel konnte nur ohnmächtig niederfallen. Getroffen war er von der Heiligkeit Gottes! Wenn wir dem heiligen Gott in seinem Wort begegnen, wenn sein Wort uns mit aller Wucht trifft, wenn wir uns als Sünder mit ihm, dem König aller Könige, konfrontiert sehen, dann können wir gar nicht anders als bußfertig, reuig, demütig niederzufallen, ja, wir müssen schier vergehen vor ihm.

    Warum aber begegnet unser Heiland dem Daniel, warum gerade damals? Daniel lag ja vor dem HERRN in großer Not, im Ringen um die Zukunft seines Volkes. Und Gott der HERR hatte ihn ja erhört, wollte ihm auch die Augen öffnen über das, was kommen sollte. Aber das waren auch wieder schwere, sehr schwere Dinge. Über den Antichristen und sein schreckliches Wirken selbst sollte er erfahren. Musste ihn das nicht umso mehr bedrücken, musste ihn das nicht in große Sorge stürzen? Da begegnet ihm der Messias, der Heiland, der Retter: Er begegnet ihm als der Heilige – und doch auch als der Erbarmer, der ihn dann durch seinen Engel wieder aufrichten lässt, ihm durch denselben zuruft: Fürchte dich nicht, du lieber Mann! Friede sei mit dir; und sei getrost, sei getrost! Es sollte diese Begegnung Daniel zur Stärkung dienen, dass er ganz fest wusste: Auch wenn solch schwere Zeiten auf uns zukommen, der HERR ist bei uns, er ist uns nicht fern. Er ist mit seiner Heiligkeit und Allmacht an unserer Seite, er verlässt uns nicht. Wir aber können auch diese schwere Zeit nur bestehen, wenn wir als bußfertige Sünder unter seiner Gnade stehen und uns ganz an ihn und seine Vergebung halten.

    Das gilt auch für uns. Darum ruft Jesus Christus uns zu: In der Welt habt ihr Angst – aber siehe, ich habe die Welt überwunden. Und fordert uns auf: Wachet und betet, damit ihr nicht in Anfechtung fallet. Denn der Geist ist willig, aber das Fleisch ist schwach. Und ermahnt uns: Bleibet in mir und ich in euch – denn ohne mich könnt ihr nichts tun!  Das allein ist es, wie wir allezeit, auch in der letzten Zeit der antichristlichen Stürme, bestehen können. Bleibe an deinem Heiland, stehe in täglicher Reue und Buße und Vergebung deiner Sünden!

 

    3. Daniel wird aufgerichtet von einer Hand, es ist wohl die Hand des Engels, der dann auch mit Daniel spricht und ihm einen Einblick gibt in Vorgänge, die sich in der unsichtbaren Welt abspielen: Und er sprach zu mir: Fürchte dich nicht, Daniel; denn von dem ersten Tage an, da du von Herzen begehrtest zu verstehen und dich kasteitest vor deinem Gott, sind deine Worte erhört; und ich bin gekommen um deinetwillen.  Aber der Fürst des Königreiches im Perserland hat mir einundzwanzig Tage widerstanden; und siehe, Michael, der vornehmsten Fürsten einer, kam mir zu Hilfe; da behielt ich den Sieg bei den Königen in Persien.  Nun aber komme ich, dass ich dich unterrichte, wie es deinem Volk hernach gehen wird; denn das Gesicht wird erst nach etlicher Zeit geschehen.... Und er sprach: Weißt du auch, warum ich zu dir gekommen bin? Jetzt will ich wieder hin und mit dem Fürsten in Perserland streiten; aber wenn ich wegziehe, siehe, so wird der Fürst von Griechenland kommen.  Doch ich will dir anzeigen, was geschrieben ist, was gewiss geschehen wird. Und es ist keiner, der mir hilft wider jene, denn euer Fürst Michael,  Denn ich stand ihm bei im ersten Jahr des Darius, des Meders, dass ich ihm hülfe und ihn stärkte. Wir wissen wenig über das, was sich in der unsichtbaren Welt abspielt. Wir müssen daher mit großen Lehraussagen darüber zurückhaltend sein. Aber ein wenig erfahren wir doch darüber, gerade auch in diesem Abschnitt. Der Engel, der jetzt zu Daniel gekommen ist, war schon drei Wochen zuvor ausgesandt worden – aber ein Fürst über das Königreich Persien widerstand ihm. Das kann  nicht der irdische König Kyrus gewesen sein, der wäre beim Namen genannt worden. Es muss dies vielmehr ein Engelfürst für Persien gewesen sein. Später lesen wir auch etwas von dem Engelfürsten aus Griechenland. Daraus können wir schließen, dass zumindest wohl die bedeutenden Mächte auch in der Finsterniswelt ihre Engelfürsten haben, die versuchen, ihre böse Macht auch in irdische Wirkungen umzusetzen. Gott aber hat auch seine Engel, seine Heerscharen, die er einsetzt für sein Volk – und siegt. Es ist gerade die Zeit auch des Gebets Daniels gewesen, in der der Engel mit dem Finsternisengel gerungen hat – und siegte. So stehen unsere Gebetskämpfe, unser Gebetsringen in einem geheimnisvollen Zusammenhang auch mit Geschehnissen in der unsichtbaren Welt. Wir können nichts Genaueres aussagen, Nur das eben dürfen wir feststellen: Unser Gebet, unsere Gebetsworte, sind nicht bedeutungslos. Gott hört sie, er hört auf sie – und er handelt auch, wie es nötig ist. Wir sehen auch, dass sich in der Engelwelt schon Ereignisse andeuten, die erst viel später ihre Auswirkungen haben. Griechenland hat damals weltpolitisch noch keine Rolle gespielt. Erst zweihundert Jahre später sollte es das Perserreich überwinden. Aber schon damals fand ein Ringen in der Engelwelt statt.

    Was vor allem aber auch bedeutsam ist, das sind die Aussagen zu dem Fürsten des Volkes Gottes, dem vornehmsten aller Fürsten, zu Michael. Durch ihn hat der gute Engel den Finsternisengel besiegt. Er ist es, der den guten Engeln hilft gegen die Mächte der Finsternis, ja, der zusammen mit den himmlischen Heerscharen die Schlacht schlägt. Im zwölften Kapitel heißt, dass er für dein Volk stehet, dass er sich aufmacht, wenn die Zeit der Trübsal da ist, dass so Gottes Volk errettet wird. In der Offenbarung Jesu Christi an Johannes lesen wir: Und es erhob sich ein Streit im Himmel: Michael und seine Engel stritten mit dem Drachen. Und der Drache stritt und seine Engel und siegten nicht; auch ward ihre Stätte nicht mehr gefunden im Himmel. Hier wird er klar als derjenige beschrieben, der den Teufel besiegt. Wenn auch manches über ihn dunkel bleibt, so hat doch die Auffassung der alten Väter der lutherischen Kirche viel für sich, dass, wenn wir auf seine Macht, seine Wirkung, seinen Sieg sehen, darauf, dass er der Fürst des Volkes Gottes im Alten und Neuen Testament ist, dass wohl hier der Erzengel Michael steht, als der Engel des HERRN, für Jesus Christus. Denn er streitet ja für sein Volk – und hat gesiegt. Welch eine Zusage findet sich aber damit auch in diesen Versen: Der Heiland selbst streitet mit seinen Heerscharen in der unsichtbaren Welt für sein Volk, dass es nicht von den Mächten der Finsternis überwunden werden kann. Unser Heiland steht für uns ein. Wenn wir auch in der Welt oft allein scheinen, einsam sind, keine Hilfe mehr da zu sein scheint – dennoch sind wir nicht allein. Jesus Christus ist bei uns und vertritt uns, kämpft für uns und erringt für uns den Sieg.

    4. Und nun will ich dir anzeigen, was gewiss geschehen soll. Mit diesen Worten leitet der Engel über zu seiner Darlegung der zukünftigen Dinge. Diese Worte weisen uns auf eine sehr wichtige Tatsache hin, die es auch immer wieder zu beachten gilt: Die Welt- und Heilsgeschichte, die oft so autonom, so von Menschen gemacht, dirigiert dazustehen scheint, diese Welt- und Heilsgeschichte ist Gottes Geschichte, die er in seiner Hand hat, so dass sie gewiss geschieht. Er lenkt sie also auch, wie wir an den Vorgängen in der unsichtbaren Welt sehen, aber auch an den oft wiederkehrenden Aussagen zu geschichtlichen Abläufen in der Bibel, etwa wenn Assur oder Babylon als Gottes Werkzeug des Gerichtes an Israel bezeichnet werden, dann aber auch Gott sie wieder straft für ihre Untaten. Zugleich aber stehen wir Menschen in voller Verantwortung vor Gott für unser Tun. Das ist eine Spannung, die wir in dieser Zeit nicht aufheben können: Gottes Lenkung der Geschichte und unsere Verantwortung. Und: Gott kommt zu seinem Ziel. Wenn wir auch oft meinen, warum die Geschichte gerade so abläuft, wie sie abläuft, wenn wir bestürzt, enttäuscht, traurig oder entsetzt sind: Gott kommt trotz allem zu seinem Ziel. Auch hier gilt: Denen, die Gott lieben, müssen alle Dinge zum Besten dienen. Er lenkt die Herzen der Könige wie Wasserbäche. Amen.

 

 

Daniel 11,2-39:

Die Gemeinde Jesu Christi in der Zeit der Greuel der Verwuestung an heiliger Stätte

(Predigt zum 8. Sonntag nach Trinitatis)

 

Daniel 11,2-39: Und nun will ich dir anzeigen, was gewiss geschehen soll. Siehe, es werden drei Könige in Persien aufstehen; der vierte aber wird den größern Reichtum haben denn alle andern; und wenn er in seinem Reichtum am mächtigsten ist, wird er alles wider das Königreich in Griechenland erregen.  Darnach wird ein mächtiger König aufstehen und mit großer Macht herrschen, und was er will, wir er ausrichten.  Und wenn er aufs Höchste gekommen ist, wird sein Reich zerbrechen und sich in alle vier Winde des Himmels zerteilen, nicht auf seine Nachkommen, auch nicht mit solcher Macht, wie sie gewesen ist; denn sein Reich wird ausgerottet und Fremden zuteil werden.  Und der König gegen Mittag, welcher ist seiner Fürsten einer, wird mächtig werden; aber gegen ihn wird einer auch mächtig sein und herrschen, dessen Herrschaft wird groß sein.  Nach etlichen Jahren aber werden sie sich miteinander befreunden; die Tochter des Königs gegen Mittag wird kommen zum König gegen Mitternacht, Einigkeit zu machen. Aber ihr wird die Macht des Arms nicht bleiben, dazu wird er und sein Arm nicht bestehen bleiben; sondern sie wird übergeben werden samt denen, die sie gebracht haben, und dem, der sie erzeugt hat, und dem, der sie eine Weile mächtig gemacht hat.  Es wird aber der Zweige einer von ihrem Stamm aufkommen; der wird kommen mit Heereskraft und dem König gegen Mitternacht in seine Feste fallen und wird's ausrichten und siegen.  Auch wird er ihre Götter und Bilder samt den köstlichen Kleinoden, silbernen und goldenen, wegführen nach Ägypten und etliche Jahre vor dem König gegen Mitternacht wohl stehen bleiben.  Und dieser wird ziehen in das Reich des Königs gegen Mittag, aber wieder in sein Land umkehren.  Aber seine Söhne werden zornig werden und große Heere zusammenbringen; und der eine wird kommen und wie eine Flut daher fahren und wiederum Krieg führen bis vor seine Feste.  Da wird der König gegen Mittag ergrimmen und ausziehen und mit dem König gegen Mitternacht streiten und wird einen solchen großen Haufen zusammenbringen, dass ihm jener Haufe wird in seine Hand gegeben,  Und wird den Haufen wegführen. Des wird sich sein Herz überheben, dass er so viele Tausende darniedergelegt hat; aber damit wird er sein nicht mächtig werden.  Denn der König gegen Mitternacht wird wiederum einen größeren Haufen zusammenbringen, als der vorige war; und nach etlichen Jahren wird er daher ziehen mit großer Heereskraft und mit großem Gut.  Und zur selben Zeit werden sich viele wider den König gegen Mittag setzen; auch werden sich Abtrünnige aus deinem Volk erheben und die Weissagung erfüllen, und werden fallen.  Also wird der König gegen Mitternacht daher ziehen und einen Wall aufschütten und eine feste Stadt gewinnen; und die Mittagsheere werden's nicht können wehren, und sein bestes Volk wird nicht können widerstehen;  sondern der an ihn kommt, wird seinen Willen schaffen, und niemand wird ihm widerstehen können. Er wird auch in das werte Land kommen und wird's vollenden durch seine Hand.  Und wird sein Angesicht richten, dass er mit der Macht seines ganzen Königreichs komme. Aber er wird sich mit ihm vertragen und wird ihm seine Tochter zum Weibe geben, dass er ihn verderbe; aber es wird ihm nicht geraten und wird nichts daraus werden.  Darnach wird er sich kehren wider die Inseln und deren viele gewinnen. Aber ein Fürst wird ihn lehren aufhören mit Schmähen, dass er nicht mehr schmähe.  Also wird er sich wiederum kehren zu den Festen seines Landes und wird sich stoßen und fallen, dass ihn niemand finden wird.  Und an seiner Statt wird einer aufkommen, der wird einen Schergen sein herrliches Reich durchziehen lassen; aber nach wenigen Tagen wird er zerbrochen werden, doch weder durch Zorn noch durch Streit.  An des Statt wird aufkommen ein Ungeachteter, welchem die Ehre des Königreichs nicht zugedacht war; der wird mitten im Frieden kommen und das Königreich mit süßen Worten einnehmen.  Und die Heere, die wie eine Flut daher fahren, werden von ihm wie mit einer Flut überfallen und zerbrochen werden, dazu auch der Fürst, mit dem der Bund gemacht war.  Denn nachdem er mit ihm befreundet ist, wird er listig gegen ihn handeln und wird heraufziehen und mit geringem Volk ihn überwältigen,  und es wird ihm gelingen, dass er in die besten Städte des Landes kommen wird; und wird's also ausrichten, wie es weder seine Väter noch seine Voreltern tun konnten, mit Rauben, Plündern und Ausbeuten; und wird nach den allerfestesten Städten trachten, und das eine Zeitlang.  Und er wird seine Macht und sein Herz wider den König gegen Mittag erregen mit großer Heereskraft; Da wird der König gegen Mittag gereizt werden zum Streit mit einer großen, mächtigen Heereskraft; aber er wird nicht bestehen, denn es werden Verrätereien wider ihn gemacht.  Und eben die sein Brot essen, die werden ihn helfen verderben und sein Heer unterdrücken, dass gar viele erschlagen werden.  Und beider Könige Herz wird denken, wie sie einander Schaden tun, und werden an einem Tische fälschlich miteinander reden. Es wird ihnen aber nicht gelingen; denn das Ende ist noch auf eine andere Zeit bestimmt.  Darnach wird er wiederum heimziehen mit großem Gut und sein Herz richten wider den heiligen Bund; da wird er es ausrichten und also heim in sein Land ziehen.  Darnach wird er zu gelegener Zeit wieder gegen Mittag ziehen; aber es wird ihm zum andern Mal nicht geraten wie zum ersten Mal.  Denn es werden Schiffe aus Chittim wider ihn kommen, dass er verzagen wird und umkehren muss. Da wird er wider den heiligen Bund ergrimmen und wird's nicht ausrichten; und wird sich umsehen und an sich ziehen, die den heiligen Bund verlassen.  Und es werden seine Heere daselbst stehen; die werden das Heiligtum in der Feste entweihen und das tägliche Opfer abtun und einen Greuel der Verwüstung aufrichten.  Und er wird heucheln und gute Worte geben den Gottlosen, so den Bund übertreten. Aber die vom Volk, so ihren Gott kennen, werden sich ermannen und es ausrichten.  Und die Verständigen im Volk werden viele andere lehren; darüber werden sie fallen durch Schwert, Feuer, Gefängnis und Raub eine Zeitlang.  Und wenn sie so fallen, wird ihnen eine kleine Hilfe geschehen; aber viele werden sich zu ihnen tun betrüglich.  Und der Verständigen werden etliche fallen, auf dass sie bewährt, rein und lauter werden, bis dass es ein Ende habe; denn es ist noch eine andere Zeit vorhanden.  Und der König wird tun, was er will, und wird sich erheben und aufwerfen wider alles, was Gott ist; und wider den Gott aller Götter wird er greulich reden; und es wird ihm gelingen, bis der Zorn aus sei; denn es muss geschehen, was beschlossen ist.  Und die Götter seiner Väter wird er nicht achten; er wird weder Frauenliebe noch irgend eines Gottes achten; denn er wird sich wider alles aufwerfen.  Aber anstatt dessen wird er den Gott der Festungen ehren; denn er wird einen Gott, davon seine Väter nichts gewusst haben, ehren mit Gold, Silber, Edelsteinen und Kleinoden  und wird denen, so ihm helfen die Festungen stärken mit dem fremden Gott, den er erwählt hat, große Ehre tun und sie zu Herren machen über große Güter und ihnen das Land zum Lohn austeilen.

 

    Persönlichkeiten machen Geschichte! Das ist ein Spruch, der des öfteren auftaucht, es war etwa eine der Grundthesen des Historikers und Geschichtsphilosophen Thomas Carlyle im 19. Jahrhundert, der seine historische Arbeit vor allem auf die Darstellung großer Personen ausrichtete. Ein anderes Schlagwort lautet: Die Weltgeschichte ist das Weltgericht. Damit will man sagen, dass wir nicht auf ein künftiges Gericht Gottes warten müssten, es würde sich vielmehr schon hier in der Geschichte selbst vollziehen, mit dem Untergang etwa der Reiche oder tyrannischen Systeme. Nun ist es ja gewiss so, dass sich schon in der Geschichte, in der Zeit, immer ein Stück Gericht vollzieht – aber wir greifen zu kurz, wenn wir meinen, ein künftiges Jüngstes Gericht würde sich damit erübrigen oder sei gar nicht zu befürchten.

    Was wir, wenn wir in die Bibel, und da vor allem in das Buch Daniel, sehen, feststellen, ist: Nicht Menschen machen tatsächlich Geschichte, auch wenn es für unseren Augenschein so sein mag, auch wenn die handelnden Personen allerdings in einer gewissen Freiheit und voller Verantwortlichkeit vor Gott handeln. Aber dennoch ist die gesamte Weltgeschichte in seiner Hand, er lenkt sie, dass sie tatsächlich nie so aus dem Ruder laufen darf, dass seine Gemeinde unterginge – und er bringt sie auch schließlich zum Ziel. Und deshalb finden wir auch in der Bibel so genaue Vorhersagen über historische Ereignisse. Das elfte Kapitel etwa, das wir jetzt betrachten, bietet solche Vorhersagen, gerade die ersten zwanzig Verse sind ja eine Abfolge historischer Ereignisse, die sich in genauester Weise vollzogen haben. Xerxes war der vierte Perserkönig und der nach Kyrus bedeutendste; er hat sich mit großer Heeresmacht gegen Griechenland gewandt und verlor die entscheidende Seeschlacht von Salamis. Alexander von Mazedonien war der mächtige König, der gewaltig herrschte – aber dann, als er auf dem Höhepunkt seiner Macht stand, an Malaria starb, so dass sein Reich zerbrach und seine Generäle, also niemand aus seiner Familie, die Regierungsmacht an sich rissen und die vier Hauptstaaten Mazedonien, Pergamon-Kleinasien, Syrien und Ägypten sich herausbildeten, wobei Syrien sich von Ägypten trennte, weil ein ptolämaisch-ägyptischer General Seleukos sich dort unabhängig machte, was in Vers 5 angedeutet wird. Im sechsten und siebenten Vers wird dann berichtet von der Heirat der ägyptischen Prinzessin Berenike mit der Seleukidenkönig Antiochus II. Dieser aber starb sehr bald darauf, was zu einem Putsch seiner vorigen Gemahlin führte, die ihre Rivalin Berenike und deren Sohn umbringen ließ und ihren Sohn auf den Thron setzte. Zu gleicher Zeit starb auch der Vater Berenikes und ihre Brüder kamen, um Rache zu nehmen. All das finden wir in den Versen beschrieben – und es hat sich erfüllt. Immer wieder sagt Gott in seinem Wort: Solches sage ich euch zuvor, damit, wenn es geschieht, ihr wisset, dass ich es euch zuvor gesagt habe. Wenn wir solche Abschnitte lesen, so will Gott damit unser Vertrauen auf ihn und sein geistgehauchtes, irrtumsloses Wort stärken, gerade auch im Blick auf die großen Bedrängnisse, die seiner Gemeinde immer wieder und besonders in der letzten Zeit widerfahren. Denn in diese führen uns die folgenden Verse, auf die wir uns jetzt konzentrieren wollen und dabei bedenken:

 

Die Gemeinde Jesu Christi in der Zeit der Greuel der Verwüstung an heiliger Stätte

1. Die Bedrängnis der Gemeinde durch den Antichristen

2. Das Beharren der Gemeinde im Glauben

 

    1. In Vers 21 heißt es: An des Statt wird aufkommen ein Ungeachteter, welchem die Ehre des Königreichs nicht zugedacht war; der wird mitten im Frieden kommen und das Königreich mit süßen Worten einnehmen. Hier ist nun von einem die Rede, der eigentlich als König nicht vorgesehen war. Antiochus IV. war nicht der Sohn des ermordeten Seleukos IV., sondern aus seiner Verwandtschaft. Er riss aus Rom kommend den Thron an sich und festigte ihn, indem er vielen schmeichelte. Betrachten wir zunächst einmal die Wesenszüge, die uns von ihm dargestellt werden. Wir finden also, dass er mit süßen Worten sein Reich festigte. Er war jemand, der sich gut auf Propaganda, auf Werbung, wie man heute sagen würde, Öffentlichkeitsarbeit (public relations), verstand, der sich in Szene setzen konnte. Wie wir aus der Geschichte wissen, schwärmte er für das Griechentum, die griechische Kultur, die er auch zum Einigungsband seines Reiches machen wollte. Der Vielvölkerstaat Großsyrien sollte ein einheitliches Reich mit einem einheitlichen Volk unter einheitlicher Religion werden. Darum gerade auch seine Auseinandersetzung mit den Juden, deren er etliche, wie V. 30 zu lesen, an sich zieht. In Vers 32 lesen wir über seine Art: Und er wird heucheln und gute Worte geben den Gottlosen, so den Bund übertreten. Es sind also von vornherein Menschen da, die offen sind für ihn, für diese Einheitskultur, die genau darin die Lösung der Probleme sehen. Eine Tyrannei, das zeigt Gott hier auf, kommt ja auch deshalb auf, weil es Menschen gibt, die bereit sind für sie, die sie unterstützen. Und so wird es mit dem letzten Aufbäumen der antichristlichen Macht auch sein. Wie viele sind es doch heute wieder, die auf den starken Mann warten; wie viele sind es, die zwar irgendwo vielleicht religiös sein wollen, aber nicht zu stark, nicht verbindlich, vor allem nicht an Sünde und Vergebung gebunden – und die sich begeistern können für die Ökumene, den Zusammenschluss der Konfessionen, ja, die Religionsvermischung, den Sykretismus, eine Welteinheitsreligion, unter Leitung des Papsttumes. Und wenn das dann gar noch mit der weltlichen Macht zusammenkommt, die im Rahmen der UNO an einem Weltethos arbeitet, so sieht man dies als noch vorteilhafter an. Das ist der Hintergrund, auf dem der letzte gewaltige antichristliche Auftritt sich wohl vollziehen wird.

    Immer mehr wird sich dann aber das Wesen und Bild dieser Macht enthüllen: Der König wird tun, was er will, und wird sich erheben und aufwerfen gegen alles, das Gott ist; und gegen den Gott der Götter wird er greulich reden; und wird ihm gelingen, bis der Zorn aus sei; denn es ist beschlossen, wie lange es währen soll. Vers 36. Was fällt uns hier auf? Der Herrscher ist eigenwillig, hochmütig, stolz. Noch mehr: Er wird tun, was er will. Gott und seine Maßstäbe gelten ihm nichts mehr. Ja, er ist eindeutig gegen den lebendigen Gott, wird sich auch offen gegen ihn stellen. Antiochus IV. hat dies gemacht. Er hat, wie wir gleich noch sehen werden, das alttestamentliche Volk Gottes, die Juden, aufs Schärfste bekämpft. Aber wir finden hier, wie in so vielem bei ihm, der ja nun an sich kein so überragender Herrscher war wie etwa Alexander oder Cäsar, aber wichtig, weil er Vorbild, Vorschattung (Typos) auf den Antichristen ist, sehr viele antichristliche Züge vorgebildet. In Daniel 8 lesen wir: Dasselbe Horn hatte Augen wie Menschenaugen und ein Maul, das redete große Dinge... Er wird den Höchsten lästern und die Heiligen des Höchsten verstören. Das ist hier eindeutig über den Antichristen gesagt. Verführung ist eines seiner Hauptkunststücke, gepaart mit intensiver Gottlosigkeit. Solches finden wir ja auch in den totalitären Systemen, sei es der französischen Revolution, des Kommunismus, besonders auch des Nationalsozialismus, vorgebildet. Es tritt aber auch in unserer Zeit immer deutlicher hervor, nämlich in den Medien allgemein, die die öffentliche Meinung sehr stark beeinflussen, ja bilden und bestimmen. Sie sind zu einem erheblichen Teil antichristlich, gegen die biblischen Ordnungen und Werte. Ja, es kann heute ein Politiker einer sich christlich nennenden Partei diejenigen, die sich zu den biblischen Ordnungen und Werten bekennen, ungestraft als „geistliche Ayatollahs“ beschimpfen und so mit islamistischen Terroristen in einen Topf werfen. Im 2. Thessalonicherbrief, dem Sitz der Lehre vom Antichristen, lesen wir: Lasset euch von niemand verführen in irgendeiner Weise! Denn er kommt nicht, es sei denn, dass zuvor der Abfall komme, und offenbaret werde der Mensch der Sünde und das Kind des Verderbens, der da ist ein Widerwärtiger und sich überhebet über alles, was Gott oder Gottesdienst heißet, also, dass er sich setzt in den Tempel Gottes als ein Gott und vorgibt, er sei Gott. Was wird uns also hier als ein Grundzug des Antichristen gezeigt? Er ist ein Verführer, ein Kind der Sünde und des Verderbens, einer, der sich, wie wir in unserem Abschnitt in V. 36 lesen, gegen Gott erhebt – ja, der eine andere Religion einführt. Er ist, auch das ist dann wichtig, aber ein solcher, der innerhalb der Kirche sitzt, wie wir es beim Papsttum haben. Aber er ist, wie die alttestamentlichen Stellen zeigen, eng mit der weltlichen Macht verbunden. Auch das letzte Aufbäumen des Antichristlichen wird nicht atheistisch oder areligiös sein, nein, im Gegenteil, und das ist die besondere Gefahr, die von ihm ausgeht, es wird zutiefst religiös sein – aber es wird eine andere als die biblische Religion sein, ja, es ist dem biblischen Christentum extrem entgegengesetzt.  

    Wir sehen auch das bei Antiochus vorgebildet: Und die Götter seiner Väter wird er nicht achten; er wird weder Frauenliebe noch irgendeines Gottes achten; denn er wird sich wider alles aufwerfen.  Aber anstatt dessen wird er den Gott der Festungen ehren; denn er wird einen Gott, davon seine Väter nichts gewusst haben, ehren mit Gold, Silber, Edelsteinen und Kleinoden  und wird denen, so ihm helfen die Festungen stärken mit dem fremden Gott, den er erwählt hat, große Ehre tun und sie zu Herren machen über große Güter und ihnen das Land zum Lohn austeilen. Apollo war der Hauptgott der Griechen im Orient; er hat an seine Stelle den Zeus Olympios gesetzt. Das war eine Änderung noch im Rahmen seiner griechischen Herkunft. Vor allem aber wandte er sich gegen die jüdische Religion und suchte auch deren Vertreter zu sich zu ziehen. Der Vers 37 geht aber über ihn weit hinaus. Antiochus war verheiratet. Dieser Vers kann also nicht nur auf ihn weisen. Er weist vielmehr auf eine Macht hinaus, die der Ehe und dem, was damit verbunden ist, distanziert gegenüber steht. Wir wissen, dass das Papsttum, das sich heute so gerne als Hüter der Moral aufspielt, durch den Zölibat einen zentralen antichristlichen Angriff auf diesen Kern der menschlichen Gesellschaft ausführt. Außerdem ist die römische Ehetheologie über die Jahrhunderte sexualfeindlich eingestellt und hat die Ehe gegenüber dem Mönchtum nur als einen niedrigeren Stand dargestellt. Nun meinen aber viele, dass doch das Papsttum am Gott der Väter festhalte. Aber ist das wirklich so? Ist der Christus Roms der Christus der Bibel? Nein! Der Christus Roms ist nicht der alleinige Mittler und Erlöser, sondern ist in seiner Mittlerschaft und Erlöserschaft eingeschränkt durch Maria, durch die Heiligen und durch das Mitwirken der Gläubigen. Rom hat also einen anderen Christus. Und schon im zweiten Vaticanum ist es ja dazu übergegangen, Göttliches auch in den heidnischen Religionen zu sehen – und bei Rom und im allgemeinen Protestantismus geht die Tendenz sehr stark dahin, in allen Religionen Heilswege zu sehen. Damit aber wird der biblische Christus verworfen, damit wird die von den Großkirchen propagierte Religion zu einer dem biblischen Christentum entgegengesetzten. Denn wir können nur immer wieder betonen: Es ist in keinem andern Heil, ist auch kein anderer Name den Menschen unter dem Himmel gegeben, darinnen sie sollen selig werden.

    Diese seine Ziele hat Antiochus IV. intensiv und beharrlich verfolgt. Nachdem er die Heere und Kräfte, die ihm das Reich äußerlich streitig machen wollten, überwunden hat, tritt er in gleicher Weise gegen die Gemeinde des HERRN an: dazu auch den Fürsten des Bundes, V. 22. Wie er also die feindlichen Heere überfallen und zer-brochen hat, so fällt er her auch über den Fürsten des Bundes, der Daniel 8,11 auch als Fürst des Heeres bezeichnet wird, gegen den auch dort die antichristliche Macht steht: damals ist das der Hohepriester. Antiochus setzte Onias III. ab, der dann vier Jahre später ermordert („zerbrochen“) wurde und setzte dessen Bruder Jason dafür ein. Und was war es mit ihm? Nachdem er mit ihm befreundet ist, wird er listig gegen ihn handeln; und wird heraufziehen und mit geringem Volk ihn überwältigen. Jason, der sich mit 450 Silbertalenten das Hohepriesteramt erkauft hatte, wurde nach nur vier Jahren ebenfalls abgesetzt und durch einen Menelaus ersetzt. Damit endete die Reihe der legitimen Hohenpriester. Das Ende des Alten Bundes insgesamt wird damit eingeläutet. Was heißt das alles aber? Der Staat, die weltliche Macht, mischt sich massiv in die Sachen der Gemeinde des HERRN ein. Er setzt diejenigen ein, die das Sagen haben; er gibt vor, was zu predigen ist. Die Gemeinde wird entmündigt. Immer wieder haben wir das in der Geschichte der Kirche schon gehabt. Der Staat will die Kirche für seine Zwecke missbrauchen. Das war neben anderem der Irrweg der preußischen Union und des Kulturprotestantismus: Instrumente in der Hand des Staates zu sein, um eine bestimmte Ansicht zu verbreiten, die dem Staat nützt, nicht die biblische Wahrheit. Und viele Menschen werden das mitmachen, weil ja eine gewisse Mo-ral gefördert wird. Mehr will der natürliche Mensch ja nicht. Das entspricht seinen Ansichten. Es soll sauber und ordentlich zugehen. Das ist ihm recht. Da meint er, so sei alles gut, da müsse Gott doch mit einverstanden sein. Vom echten Sündenverderben ist dann nichts mehr zu merken. Man darf es ja nicht zu radikal treiben. Das sei dann übertrieben. So haben die totalitären Systeme immer wieder ihre Kirchenmänner gehabt, die die Kirche in ihrem Sinne gelenkt haben, denken wir an die „Deutschen Christen“, an diejenigen in Sowjetrussland, die sich mit dem Staat verbunden haben, an das Schlagwort „Kirche im Sozialismus“. Und ist es nicht auch heute so? Welch ein Druck wurde ausgeübt, als Joachim Heubach noch Landesbischof von Schaumburg-Lippe war. Er war ein Gegner der unbiblischen Frauenordination. Von den öffentlichen Stellen wurde ein solcher Druck ausgeübt, dass nur solche Nachfolgekandidaten aufgestellt wurden, die die Frauenordination befürworteten – und diese wurde auch sehr bald danach eingeführt. Wie sehr wird die Lebensrechtsbewegung diskriminiert, schikaniert, verleumdet, weil sie gegen die Abtreibung, gegen die Forschung an embryonalen Stammzellen, gegen die vorgeburtliche Implantationsdiagnostik sich wendet. Wie sehr ist die öffentliche Meinung umgepolt worden, dass die Ehe nur noch als eine Form des Zusammenlebens neben anderen gilt und Homosexualität nicht mehr als Greuelsünde, die auch von den Heiden zu verwerfen ist, angesehen wird, sondern als etwas Normales.

    Schon in dieser frühen Zeit des Wirkens des Antiochus fällt auf, dass er Anhänger im jüdischen Volk hat, die ihm bei seinen Aktionen helfen. Dabei steht im Hebräischen der Begriff „goj“ für Volk, womit der Heilige Geist zeigt, dass für Gott hier ein Abfall vom heiligen Bund ins Heidentum vollzogen wird. Auch die Namen der Hohenpriester sind ja bezeichnend – es sind griechische Namen. Immer mehr drang damals das hellenistische Denken in das Judentum ein und weichte es auf.

    Neben der Verführung und der Schmeichelei aber ist des Antiochus Herrschaft noch von etwas anderem gekennzeichnet, das auch für den Antichristen charakteristisch sein wird: die Grausamkeit. Es wird ihm gelingen, dass er in die besten Städte des Landes kommen wird; und wird’s so ausrichten, das seine Väter noch seine Voreltern nicht tun konnten mit Rauben, Plündern und Ausbeuten; und wird nach den allerfestesten Städten trachten; und das eine Zeitlang. Rücksichtslos geht er gegen alle vor, die gegen ihn sind. Schrecken ist auch ein Phänomen der antichristlichen Herrschaft.

    Im Zusammenhang mit seiner Heimkehr aus dem ersten ägyptischen Krieg, V. 28, lesen wir, dass er sich gegen den heiligen Bund richtet. Immer mehr in seiner Regierung wird Ziel seiner innenpolitischen Maßnahmen die Überwindung, Ausrottung des Volkes Gottes. Wenn aber der Heilige Geist hier das Wort „heiliger Bund“ setzt, so ist damit gesagt: Er richtet sein Herz gegen Gott und seinen Bund. Bei aller äußeren Religiosität ist er also vehement gegen den wahren, den dreieinigen Gott gerichtet. So ist es auch heute. So kann die sozialistische Regierung in Frankreich für die Wiedereinführung eines Religionsunterrichts plädieren – aber das hat nichts mit Kirche in der Schule, nichts mit Mission zu tun, sondern soll die äußere Moral stärken.

    Nach dem zweiten ägyptischen Krieg, der unglücklich für ihn verlief, verschärfte Antiochus noch die Maßnahmen: Da wird er wider den heiligen Bund ergrimmen und wird's ausrichten; und wird sich umsehen und an sich ziehen, die den heiligen Bund verlassen.  Und es werden seine Heere daselbst stehen; die werden das Heiligtum in der Feste entweihen und das tägliche Opfer abtun und einen Greuel der Verwüstung aufrichten.  Und er wird heucheln und gute Worte geben den Gottlosen, so den Bund übertreten. Seine Maßnahmen wenden sich besonders gegen das Volk Gottes. Einmal setzt er auf diejenigen, die den heiligen Bund verlassen, die also durch ihre ganze Haltung sowieso nicht fest zur Bibel stehen. Die zieht er ganz an sich. Das ist ja auch der Weg, der heute so deutlich wird. Der Abfall wird immer größer, sowohl hin zur Ökumene und Union und Allianz, als auch überhaupt zum Zeitgeist, zur Anpassung an die Meinung der Zeit, in geistlichen wie auch ethischen und moralischen Fragen. Buße und Glauben werden immer weniger gepredigt, dafür aber ein „lieber Gott“, eine Verflachung des Gesetzes, eine Verharmlosung der Heiligkeit Gottes, eine „Spaßreligion“ in einer „Spaßgesellschaft“. So wird der Boden bereitet, auch in sogenannten „konservativen“ christlichen Kreisen, für den letzten großen Abfall.

    Antiochus ist dann noch weiter gegangen in seinem Angriff gegen den biblischen Glauben, in seinem Ziel, die religiöse und kulturelle Einheit herzustellen: Das Heiligtum, der Tempel wurde entweiht, das tägliche Opfer abgetan, der Greuel der Verwüstung aufgerichtet. Was ist damit gemeint? Das waren die zentralen Angriffe auf die alttestamentliche Gemeinde. Der Tempel wurde geplündert, dazu wurde im Tempel auf den Brandopferaltar ein Altar des Zeus aufgerichtet, Schweinefleisch geopfert und der Kult des Baal Shamim eingeführt. Außerdem wurde der Sabbath verboten, die jüdischen Feste untersagt, die Beschneidung verboten, der Besitz der Bibel bei Todesstrafe untersagt. Hier ging es tatsächlich um die Vernichtung der Gemeinde des HERRN. Und viele haben, wie Vers 32a zu lesen, das mitgemacht. Sie haben auch das alles noch akzeptiert.

 

    2. Wie aber hat sich die Gemeinde verhalten? Und er wird heucheln und gute Worte geben den Gottlosen, so den Bund übertreten. Aber das Volk, das seinen Gott kennt, wird sich ermannen und es ausrichten. Und die Verständigen im Volk werden viele andere lehren; darüber werden sie fallen durch Schwert, Feuer, Gefängnis und Raub eine Zeitlang. Und wenn sie so fallen, wird ihnen dennoch eine kleine Hilfe geschehen. Aber viele werden sich zu ihnen tun betrüglich. Und der Verständigen werden etliche fallen, auf dass sie bewähret, rein und lauter werden, bis dass es ein Ende habe; denn es ist noch eine andere Zeit vorhanden.

    Das erste, was wir hier feststellen ist, dass die Scheidung, die schon zuvor vorhanden war, nun offenbar wird und sich eine klare Trennung vollzieht. Es gibt Gottlose, die den Bund übertreten, die den heiligen Bund verlassen. Das sind solche, die zuvor schon nicht am Wort gehangen haben. Jetzt treten sie offen auf die Seiten des Antichristen und des Zeitgeistes. Und da sind die anderen, die ihren Gott kennen. Sie kennen ihn, weil sie an der Bibel hängen, weil sie unterwiesen sind in der Heiligen Schrift, weil sie auch intensiv in der Bibel lesen. Seit dem Exil ist auch der Synagogengottesdienst in Israel stark geworden. Das war ein wichtiges Element. Auch die Unterweisung der Kinder hatte große Bedeutung. Hier haben wir eine ganz zentrale Sache. Die Gemeinde des HERRN kann nur bestehen, wenn sie an Gottes Wort hängt, wenn sie Gemeinde des Wortes, Gemeinde unter dem Wort ist. Das ist ihr Fundament, worauf sie gebaut ist, das ist der Lebenssaft, aus dem sie lebt, wodurch sie gestärkt wird. Wenn ihr an meiner Rede bleibt, dann seid ihr meine rechten Jünger und werdet die Wahrheit erkennen; und die Wahrheit wird euch frei machen. Das hat unser Heiland uns zugerufen. Denn: Bleibet in mir und ich in euch; denn ohne mich könnt ihr nichts tun. Und: Heilige sie in deiner Wahrheit, dein Wort ist die Wahrheit. Darum ist es so wichtig, dass wir täglich Gottes Wort lesen und bedenken; dass wir regelmäßig den Gottesdienst und die Bibelstunden besuchen, damit wir fest werden und wachsen im Wort des HERRN. Lasset das Wort Gottes reichlich wohnen unter euch! Dazu ruft uns der Heilige Geist durch Paulus auf. Und: Hütet euch vor den falschen Propheten, die in Schafskleidern zu euch kommen; inwendig aber sind sie reißende Wölfe. Das ist eine ernste Warnung Jesu, die wir aber nur dann recht berücksichtigen können, wenn wir die rechte Lehre, die göttliche Lehre, kennen und so bemerken, dass jemand falsche Lehre bringt. Und davor hüten meint dann auch: meidet sie; gehet aus von ihnen! Alles andere führt zu Kompromissen. Diese Trennung vollzog sich auch damals in der alttestamentlichen Gemeinde. Diese Trennung hat sich auch in der Reformation vollzogen, als die biblische, apostolische christliche Kirche wieder erneuert wurde. Diese Trennung hat sich auch vielfach im 19. Jahrhundert vollzogen, als die lutherischen Freikirchen sich bildeten; und diese Trennung setzt sich auch in unserer Zeit fort, wir sehen es an der Bildung Bekennender Gemeinden, an Spaltungen in den Gemeinschaften, an der Bildung unabhängiger lutherischer Gemeinden. Das ist notwendig.

    Weil sie aber so intensiv im Wort Gottes gegründet waren, darum wussten diese Gläubigen damals auch, und wir sollen es ebenso wissen: Alles steht in Gottes Hand. Wir lesen auch in unserem Abschnitt über das Wüten des Antichristen: und das eine Zeitlang..., denn es ist beschlossen, wie lange es währen soll. Vor unseren Augen ereignet sich Geschichte – und wir meinen, sie werde von den politischen Hauptakteuren bestimmt, und wir sind vielleicht ängstlich, besorgt über das, was noch kommen kann. Hier aber lesen wir, dass es Gott ist, der die Zeiten ihres Wirkens, die Zeiten der Reiche längst festgelegt hat, der allem seine Grenzen gesetzt hat und so alles lenkt und mit allem zum Ziel kommt. Das soll uns ein Trost sein. Wir wissen, dass er der HERR der Gemeinde ist und sie durch die Zeiten hindurch trägt zum Ziel; dass, trotz allem, was sich gegen sie erhebt, die Pforten der Hölle sie nicht überwältigen können.

    Wir lernen hier aber noch etwas anderes, was nicht immer leicht für uns ist: Die Gemeinde des HERRN steht in Verfolgung. Der Feind, auch der kirchlich-politische Feind, sieht nicht ruhig zu, wie sich Gemeinden sammeln, wie sie auch tätig sind – er versucht, sie auszurotten. Verfolgung setzt ein, Martyrium wird es geben. Davon spricht auch Christus sehr klar in seiner Endzeitrede. Von den falschen Propheten, den falschen Christussen – und der großen Trübsal, die über die Gemeinde kommt. Auch in der Offenbarung an Johannes wird schon beim ersten Überblick über die allgemeinen Trübsale, die die Gemeinde mit der Welt betreffen, dann beim fünften Siegel die Verfolgung der Gemeinde erwähnt, das Martyrium, das auch seine Zeit hat in der Kirche. All dies soll aber für uns Christen auch zur Läuterung dienen, zur Reinigung, zur Stärkung im Glauben. Denn wer am Fleisch leidet, der höret auf von Sünden, dass er hinfort, was noch hinterstelliger Zeit im Fleisch ist, nicht der Menschen Lüsten, sondern dem Willen Gottes lebe. Das soll immer mehr vollendet werden. Rechtes, lebendiges Christsein muss deshalb immer wieder ein Leben in täglicher Buße oder Bekehrung sein, dass wir also täglich auch den Herrn bitten, uns unsere Sünden, unsere Schuld zu zeigen, damit wir täglich sie auch vor ihn bringen, täglich seine Vergebung neu in Anspruch nehmen, täglich neu aus der Gnade leben. Ohne tiefes Sündenbewusstsein, ohne tiefe Sündenerkenntnis, ohne tiefe Erkenntnis der eigenen Verdorbenheit, ohne ein immer wieder vom HERRN geschenktes geängstetes und zerbrochenes Herz, das sich dann allein an seinen Heiland Jesus Christus hängt, gibt es kein lebendiges, biblisches Christentum. Lebendige Gemeinde unter dem Wort ist lebendige Gemeinde begnadigter Sünder unter dem Kreuz Jesu. Und: Die Anfechtung lehret aufs Wort merken. Jesaja 28. Sie führt uns vor allem auch ins Gebet: HERR, wenn Trübsal da ist, so suchet man dich; wenn du sie züchtigest, so rufen sie ängstlich. Jesaja 26. So soll alles Leid ja die Gemeinschaft mit dem HERRN intensivieren.

   Vor allem aber: Trotz aller Bedrängnis lässt die Gemeinde sich nicht abhalten, andere zu lehren. Die Verständigen im Volk werden viele lehren. Auch in der letzten Zeit wird es noch geistliche Aufbrüche geben, werden Menschen fest werden im Wort. Es sind dies keine sensationellen Ereignisse, es ist ein Wachsen echten Bibelchristentums. Das ist, was heute so weit fehlt, obwohl es unsere Zeit so nötig hätte. Das war etwas, was in der Zeit des Kirchenkampfes unter Hitler schon einmal neu erwacht war: Die Bekennenden Gemeinden waren lehrende, unterweisende Gemeinden, die ihre Glieder fest machen wollten im Wort und Bekenntnis. Darum wurden auch die alten lehrhaften und stärkenden Choräle damals wieder entdeckt. Die Waffe der Gemeinde in diesem großen Kampf ist also nicht die Politik, auch kein Hoffen auf einen bedeutenden Politiker; auch nicht etwa gar ein politischer Aufruhr, noch viel weniger irgendein Kompromiss – nein, die Waffe der Gemeinde ist allein Gottes Wort und das Gebet. Und ihre Leidenbereitschaft und Leidensfähigkeit, die der HERR schenkt. Hier ist Geduld und Glaube der Heiligen., rühmt der HERR über seine Gemeinde, Offenb. 13.

    Wohl mag ihr zuweilen, wie damals durch die Makkabäer, eine kleine Hilfe geschehen. Aber – es ist nur eine kleine, zeitlich auch begrenzte Hilfe, die keinen echten Nutzen auf die Dauer hat. Die wahre Hilfe, die liegt allein im HERRN, nicht in weltlich-politischen Kräften. An die kleine Hilfe, da hängen sich auch viele Mitläufer, aber wir sollen auf den HERRN vertrauen und bei ihm sein, nicht nur hier, sondern in Ewigkeit. Amen.

 

 

Daniel 11,40-12,4:

Der Antichrist und der Juengste Tag

(Predigt zum 9. Sonntag nach Trinitatis)

 

Daniel 11,40-12,4: Und am Ende wird sich der König gegen Mittag mit ihm messen; und der König gegen Mitternacht wird gegen ihn stürmen mit Wagen, Reitern und vielen Schiffen und wird in die Länder fallen und verderben und durchziehen  und wird in das werte Land fallen, und viele werden umkommen. Diese aber werden seiner Hand entrinnen: Edom, Moab und die Vornehmsten der Kinder Ammon.  Und er wird seine Hand ausstrecken nach den Ländern, und Ägypten wird ihm nicht entrinnen;  sondern er wird herrschen über die goldenen und silbernen Schätze und über alle Kleinode Ägyptens; Libyer und Mohren werden in seinem Zuge sein.  Es wird ihn aber ein Geschrei erschrecken von Morgen und Mitternacht; und er wird mit großem Grimm ausziehen, willens, viele zu vertilgen und zu verderben.  Und er wird den Palast seines Gezeltes aufschlagen zwischen zwei Meeren um den werten heiligen Berg, bis es mit ihm ein Ende werde; und niemand wird ihm helfen.  Zur selben Zeit wird der große Fürst Michael, der für die Kinder deines Volkes steht, sich aufmachen. Denn es wird eine solche trübselige Zeit sein, wie sie nicht gewesen ist, seitdem Leute gewesen sind bis auf diese Zeit. Zur selben Zeit wird dein Volk errettet werden, alle, die im Buch geschrieben stehen.  Und viele, so unter der Erde schlafen liegen, werden aufwachen: etliche zum ewigen Leben, etliche zu ewiger Schmach und Schande.  Die Lehrer aber werden leuchten wie des Himmels Glanz, und die, so viele zur Gerechtigkeit weisen, wie die Sterne immer und ewiglich.  Und du, Daniel, verbirg diese Worte und versiegle diese Schrift bis auf die Letzte Zeit; so werden viele darüber kommen und großen Verstand finden.

 

    Betrachten wir die Ereignisse unserer Tage, so fällt uns besonders auf, wie sehr die Werte verfallen, nicht irgendwelche Werte an sich, sondern die Werte, die Gott selbst in seinem Wort für uns gesetzt hat. Da sei gedacht an all das, was mit der Ehe und Familie zusammenhängt, also das vierte Gebot, dass die Kinder ihre Eltern ehren sollen, also auch für sie sorgen, sie achten als solche, die ihnen von Gott auch über sie gesetzt sind. Da sei gedacht an das fünfte Gebot, das den Mord, damit auch die Abtreibung und Geburtenbeschränkung, verbietet; an das sechste Gebot, das Ehebruch und Scheidung, auch Homosexualität und Knabenliebe verbietet. Es sei auch gedacht an das vierte Gebot im Zusammenhang mit der Obrigkeit, dass wir sie achten und ehren sollen und das ein Nein sagt zu Revolution und Aufruhr. Es sei auch hingewiesen auf das siebente Gebot, das einerseits das Eigentum schützt, andererseits aber auch die Sozialverpflichtung des Eigentums betont. Vor allem aber sei an das erste Gebot erinnert, das uns zu rechter Weisheit aufruft, die da kommt aus rechter Ehrfurcht gegenüber dem lebendigen, dreieinigen Gott. Wie sehr verfällt all dies, wie materialistisch, wie diesseitsbezogen wird immer mehr unsere Zeit.

    Und dazu kommen die Bedrohungen unseres Volkes und unserer Gesellschaft von Kräften, die sich eingenistet haben, vor allem dem Islam, der hofft, in zwei bis drei Jahrzehnten eine zahlenmäßige Mehrheit in Deutschland zu haben und dann seinen islamischen Staat mit Scharia einführen zu können. Daneben noch die Bedrohungen von innen, durch die Ökumene, die immer stärker um sich greifende Einebnung der Konfessionen. Muss es da der Gemeinde Jesu Christi nicht angst und bange werden? Wo wird sie bleiben? Ja, es ist nötig, dass wir vorbereitet sind, dass wir nicht blauäugig in die Zukunft sehen. Aber: Wir sollen dennoch getrost bleiben, weil der lebendige dreieinige Gott unser Gott ist, dem wir in allem vertrauen sollen. Unser heutiger Abschnitt will uns einen nochmaligen, abschließenden Überblick geben über die Zeit des Antichristen und die Wiederkunft Jesu Christi, den Jüngsten Tag:

 

Der Antichrist und der Jüngste Tag

Wir betrachten dabei:

1. Der Antichrist

2. Christi Wiederkunft – der Jüngste Tag

 

    1. Im vorausgehenden elften Kapitel hat der Heilige Geist Daniel durch den Engel zunächst einen recht genauen Überblick über wichtige geschichtliche Ereignisse gegeben, vom Perserreich über Alexander den Großen zu den Nachfolgereichen und den ständigen Auseinandersetzungen zwischen Ägypten und Syrien, von denen vor allem Israel als der Puffer zwischen beiden stark berührt war. Diese geschichtliche Darstellung ging dann über zu einer sehr detaillierten Schau über den einen König, Antiochus IV. Epiphanes von Syrien, bei dem wir aber immer deutlicher sahen, wie er zugleich auch ein Typos, ein Vorbild auf den damals noch zukünftigen Antichristen ist. Antiochus trat dabei schon in den letzten Versen des vorigen Abschnittes immer mehr zurück. Unser Abschnitt nun hat diese geschichtliche Auseinandersetzung zwischen dem nördlichen Reich, Syrien, und dem südlichen, Ägypten, nur noch als Hintergrund, als Schattierung. Was aber ausgesagt wird, hat tatsächlich mit den damaligen historischen Ereignissen des 3. und 2. vorchristlichen Jahrhunderts nichts zu tun. Hier geht es vielmehr um eine andere Zeit.

    Das wird auch deutlich durch den Anfang des 40. Verses: Und am Ende. Damit ist nicht das Ende des Antiochus gemeint, auf den die Ereignisse historisch gar nicht passen, sondern es ist, wie dann auch V. 1 im 12. Kapitel untermauert, die letzte Zeit dieser Welt, es ist die Endzeit gemeint. Das, worüber hier, unter dem Bild der zuvor besprochenen Auseinandersetzung zwischen Ägypten und Syrien, gesprochen wird, ist tatsächlich ein endzeitliches Ereignis, das Ringen der Gemeinde Jesu Christi mit der feindlichen, der antichristlichen Macht. Was wird uns darüber nun mitgeteilt? Und am Ende wird sich der König gegen Mittag mit ihm messen; und der König gegen Mitternacht wird gegen ihn stürmen mit Wagen, Reitern und vielen Schiffen und wird in die Länder fallen und verderben und durchziehen  und wird in das werte Land fallen, und viele werden umkommen. Diese aber werden seiner Hand entrinnen: Edom, Moab und die Vornehmsten der Kinder Ammon.  Und er wird seine Hand ausstrecken nach den Ländern, und Ägypten wird ihm nicht entrinnen;  sondern er wird herrschen über die goldenen und silbernen Schätze und über alle Kleinode Ägyptens; Libyer und Mohren werden in seinem Zuge sein.  Es wird ihn aber ein Geschrei erschrecken von Morgen und Mitternacht; und er wird mit großem Grimm ausziehen, willens, viele zu vertilgen und zu verderben.  Und er wird den Palast seines Gezeltes aufschlagen zwischen zwei Meeren um den werten heiligen Berg, bis es mit ihm ein Ende werde; und niemand wird ihm helfen. Vornehmlich wird hier unter dem Bild des Königs gegen Mitternacht oder Norden von einer Macht gesprochen, die der Gemeinde des HERRN ausgesprochen feindselig gegenüber steht. Es heißt nämlich von ihr, dass sie in das werte Land fällt. Mit dem werten Land ist, wie schon an anderen Stellen bei Daniel bemerkt, das Land Israel gemeint, also das Volk Gottes in der Gegenwart Gottes. Dem vor allem ist der König feindselig gesonnen und sucht, von ihnen viele umzubringen. Andere aber entrinnen ihm, Edom, Moab und Ammon. Warum gerade sie? Erinnern wir uns an die Zeit des Alten Bundes, so stellen wir fest, dass sie die traditionellen Feinde des Gottesvolkes sind. Sie werden sich daher mit der antichristlichen Macht schnell zusammentun und ihrem Ansturm allerdings entrinnen. Diese Macht aber wird versuchen in alle Länder auszugreifen, gerade in diejenigen, aus denen sie sich viel Beute erhofft.

    Wovon nun sprechen diese Verse also? Nehmen wir noch den letzten Vers dieses Teilabschnittes hinzu, so wird es ganz deutlich: Und er wird den Palast seines Gezeltes aufschlagen zwischen zwei Meeren um den werten heiligen Berg, bis es mit ihm ein Ende werde; und niemand wird ihm helfen. Wovon ist hier die Rede? Diese Macht heißt es, weiter unter den Bildern der vorigen Auseinandersetzung der beiden Reiche, wird sich festsetzen, um seinen Thronsessel zu setzen, zwischen zwei Meeren, um den werten heiligen Berg, also den Berg, auf dem der HERR mit dem Tempel gegenwärtig sein wollte. Was geschieht also? Jemand anders, eine Gegenmacht, will den Platz, die Stelle Gottes einnehmen. Wovon also ist die Rede? Von niemand anders als dem Antichristen. Denn „Antichrist“ meint ja nicht bloß jemanden, der sich gegen Christus stellt, vom Griechischen her ist es vielmehr so, dass es sich dabei um eine Macht handelt, die sich an die Stelle Christi setzt, die ihn also verdrängen und seinen Platz einnehmen will. Diese Macht ist also keine areligiöse, auch keine atheistische, sondern vielmehr eine zutiefst religiöse – aber es ist eine vom wahren Gott gelöste Religiosität. Halten wir uns vor Augen, was der Heilige Geist durch Paulus an die Gemeinde in Thessalonich über den Antichristen schreibt: Lasset euch niemand verführen in keinerlei Weise; denn er kommt nicht, es sei denn, dass zuvor der Abfall komme und offenbart werde der Mensch der Sünde, das Kind des Verderbens,  der da ist der Widersacher und sich überhebt über alles, was Gott oder Gottesdienst heißt, also dass er sich setzt in den Tempel Gottes als ein Gott und gibt sich aus, er sei Gott.  Gedenket ihr nicht daran, dass ich euch solches sagte, da ich noch bei euch war?  Und was es noch aufhält, wisset ihr, dass er offenbart werde zu seiner Zeit.  Denn es regt sich bereits das Geheimnis der Bosheit, nur dass, der es jetzt aufhält, muss hinweg getan werden;  und alsdann wird der Boshafte offenbart werden, welchen der HERR umbringen wird mit dem Geist seines Mundes und durch die Erscheinung seiner Zukunft ihm ein Ende machen,  ihm, dessen Zukunft geschieht nach der Wirkung des Satans mit allerlei lügenhaften Kräften und Zeichen und Wundern  und mit allerlei Verführung zur Ungerechtigkeit unter denen, die verloren werden, dafür dass sie die Liebe zur Wahrheit nicht haben angenommen, auf dass sie selig würden.  Darum wird ihnen Gott kräftige Irrtümer senden, dass sie glauben der Lüge,  auf dass gerichtet werden alle, die der Wahrheit nicht glauben, sondern haben Lust an der Ungerechtigkeit. Hier ist also ganz klar vom Antichristen als von einer Macht die Rede, die in der Kirche, im Tempel Gottes, sitzt, die aber voll Sünde, voll Verderben ist, trotz aller äußeren Religiosität. Weiter erfahren wir, dass sich die entsprechenden Kräfte schon zur Zeit der Apostel regten, wie auch Johannes in seinem ersten Brief beschreibt, aber noch aufgehalten werden. Dieser Boshaftige aber tritt auf, als sei er Gott, wird also wie es auch Daniel im 7. Kapitel beschreibt, Zeit und Gesetz ändern, was eine hebräische Umschreibung für Religion ist. Er hat also eine Religion – aber eine Christus entgegengesetzte. Er gibt neue Gesetze heraus, mit denen er die Gewissen bindet, es also zur Sünde macht, ihnen nicht zu folgen. Und: Er tut große Wunder und Zeichen, Auferweckungen, Krankenheilungen – und viele werden dadurch verführt, weil sie meinen, wenn er solches tut, so müsse er doch von Gott sein. Christus aber, wie wir aus Matthäus 24 wissen, warnt gerade im Blick auf die letzte Zeit vor den falschen Propheten, falschen Christussen, die mit falschen Zeichen und Wundern verführen.

    Unser Abschnitt spricht also eindeutig vom Antichristen, von derjenigen Macht, in der Kirche, die sich gegen Christus setzt. Und welches ist diese Macht? Durch die lutherische Reformation wurde diese Macht endgültig entlarvt, die ja keine einzelne Person ist, sondern eine durch die Geschichte der Kirche sich hindurchziehende Macht: das Papsttum. Es ist das Papsttum, das für sich in Anspruch nimmt, Stellvertreter Christi auf Erden zu sein, also ganz Christi Macht zu besitzen. Nirgends aber hat Christus solch eine Einrichtung eingesetzt. Es ist das Papsttum, das tatsächlich versucht, alle Mächte dieser Welt sich untertan zu machen und noch heute im kanonischen Recht behauptet, Oberhaupt über alle Regierungen der Welt zu sein. Es ist das Papsttum, das in seiner langen Geschichte ungeheure Mengen an Reichtümern aus den Ländern herausgezogen und bei sich gesammelt hat. Es ist das Papsttum, das eine andere, eine nichtbiblische Religion aufgerichtet hat, indem es die Errettung allein aus Gnaden, allein um Christi willen, allein durch den Glauben leugnet. Wenn Rom den Glauben akzeptiert, so versteht es ja ganz etwas anderes darunter. Wir sagen: Allein aus Glauben, das heißt: Als solcher, der ich durch das Gesetz meine tiefe Schuld, Sünde, Verdorbenheit, die Strafe Gottes, die mir droht, damit meine Verlorenheit erkannt habe, als solcher aber dann die Verheißung des Evangeliums auch als für mich gültig ergreife, nämlich dass Jesus Christus auch für mich am Kreuz gestorben, auch mir dort meine Sünden gesühnt, Gott auch mit mir dort versöhnt hat, als solcher in dieser Weise vertrauen – das ist biblischer Glaube. Rom aber hat ein völlig anderes Glaubensverständnis. Glaube ist für Rom ein Gehorsamsakt, in den unbedingt das Halten der Gebote, die guten Werke mit hineingehören, die doch tatsächlich eine Frucht, eine Folge des Glaubens sind. Außerdem sagt Rom auch im neuen „Weltkatechismus“, dass die Rechtfertigung ein Prozess sei, der Gläubige dabei mitarbeite, um schließlich in den Himmel zu kommen. Damit hat Rom das Evangelium völlig umgestoßen, das verheißt, dass Gott den Gottlosen gerecht macht und behauptet dagegen, dass nur derjenige gerecht gesprochen werde, der es auch verdient habe. Damit ist das Christentum im Kern getroffen. Dazu kommt, dass Rom mit seinen Speise- und Fastengesetzen, mit dem Zölibat, mit seiner Gehorsamsforderung gegenüber dem Papst, mit seiner Beichtordnung gewissensverbindliche Gesetze aufgerichtet hat, die die Bibel nicht kennt.

   Wenn wir das beachten, dann verstehen wir besser auch die Aussagen dieser Verse. Wie der König im Norden ist dann auch der König im Süden eine geistliche Macht. Es ist schwer, sie eindeutig zu identifizieren. Aber es könnte gut sein, dass es sich um die nordafrikanischen Bischöfe der frühen Zeit, wie Cyprianus und Augustinus handelt, die sich dem allerdings damals schon immer wieder einmal vorgebrachten Machtanspruch Roms entschieden widersetzt haben. Wir hören dann weiter, wie Rom immer mehr versucht hat, alle Länder unter seine Gewalt zu bringen. Es gab ja in der frühen Zeit viele von Rom unabhängige Kirchen, denken wir nur an die iro-schottische Mönchskirche, die gerade im Frankenreich und bei den Alemannen viel missioniert hat. Auch sie wurde Rom unterworfen. Ebenso stand es mit der spanischen Kirche, die selbständig war. Auch dem Osten gegenüber erhob Rom die Ansprüche.

    Dann aber lesen wir auch: Es wird ihn aber ein Geschrei erschrecken von Morgen und Mitternacht; und er wird mit großem Grimm ausziehen, willens, viele zu vertilgen und zu verderben.  Und er wird den Palast seines Gezeltes aufschlagen zwischen zwei Meeren um den werten heiligen Berg, bis es mit ihm ein Ende werde; und niemand wird ihm helfen. Zwei Widerständen sieht er sich gegenüber. Einmal vom Morgen oder Osten. Die Kirchen im Osten, ausgehend von der griechisch-orthodoxen Kirche, haben sich Rom nicht unterworfen, seit 1054 ist der Bruch vollkommen. Und keine fünfhundert Jahre später ist es so, dass durch die lutherische Reformation, die im Norden ihren Ausgangspunkt hatte, Wittenberg, der entscheidende Schlag gegen das Papsttum geführt wurde und seine Macht gebrochen. Jetzt ist das Evangelium wieder auf den Leuchter gestellt – und niemand wird es wieder herunter stoßen können. Gewiss, seitdem zieht das Papsttum mit großem Grimm aus, um noch viele zu verderben. Es hat sogar seine Position dogmatisch etwa mit dem Unfehlbarkeitsdogma noch ausgebaut, auch den antichristlichen Charakter mit dem Marien- und Heiligenkult noch verstärkt. In der Gegenreformation hat es blutig versucht, die Reformation rückgängig zu machen, wie es zuvor versucht hat, etwa im Rahmen der Kreuzzüge, auch die Ostkirche wieder gefügig zu machen. Beides ist gescheitert. Heute erleben wir aber, wie Rom einen neuen Anlauf unternimmt, unter dem Schlagwort der Ökumene, um die Kirchen unter seiner Führung um sich zu scharen. Und nicht nur die Kirchen. Im zweiten Vatikanischen Konzil hat Rom behauptet, dass in allen Religionen Wahrheitsmomente vorhanden seien, Heilsmomente, dass etwa der Moslem zum gleichen Gott bete wie wir. Als der Papst in Syrien war und auch eine Moschee besuchte, da hat er von Christus und dem Kreuz geschwiegen. Das Ziel ist die Welteinheitsreligion in einem Welteinheitsstaat – und der Papst an der Spitze dieser Welteinheitsreligion. Parallel dazu bauen ja die weltlichen antichristlichen Mächte ihre Organisationen in gleicher Richtung aus mit UNO und NATO, um eine einheitliche Weltordnung zu erreichen, mit einem Weltethos, das vor allem eines nicht kennen darf: Erlösung allein um Christi willen. Hier zieht die letzte Angriffswelle der antichristlichen Mächte herauf, bereit, der Gemeinde dann den völligen Garaus zu machen und ein völlig deformiertes, weltläufiges Christentum zu schaffen.

    2. Was wird aus der Gemeinde unter solchen Umständen? Zur selben Zeit wird der große Fürst Michael, der für die Kinder deines Volkes steht, sich aufmachen. Denn es wird eine solche trübselige Zeit sein, wie sie nicht gewesen ist, seitdem Leute gewesen sind bis auf diese Zeit. Zur selben Zeit wird dein Volk errettet werden, alle, die im Buch geschrieben stehen. Gerade zu der Zeit, wenn die Gefahr am Größten ist, wenn Satan mit den antichristlichen Mächten die Wagenburg um die Gemeinde aufschlägt, um sie gänzlich auszulöschen, gerade dann wird der große Fürst Michael, der für die Kinder deines Volkes steht, sich aufmachen. Aus den früheren Kapiteln wissen wir, wer mit dem Fürsten Michael gemeint ist – es ist niemand anders als Jesus Christus selbst, der für sein Volk einsteht, wie er verheißen hat, dass die Pforten der Hölle die Gemeinde nicht zu überwinden vermögen. Gerade dann, wenn die große Trübsal ihren Höhepunkt erreicht, dann wird er kommen. In Matthäus 24 hat er ja gesagt, dass niemand diese Trübsal überstehen könnte, im Glauben bleiben, wenn die Zeit nicht verkürzt würde, so schwer ist es. Dann aber wird er kommen mit seinen Heerscharen und den Posaunen seiner Engel – und wird die Seinen retten, alle, die im Buch des Lebens stehen. Das ist ein großer Trost. Alle von Ewigkeit her zur Rettung durch den Glauben an Jesus Christus Auserwählten werden auch tatsächlich hindurchgerettet werden, trotz aller Trübsal, trotz aller Bedrängnis. Jesus Christus trägt sie hindurch. Er rettet sein Volk. Er steht uns bei, wie er es auch den Aposteln zugesichert hat.

    Und es wird in diesem Zusammenhang noch mehr berichtet: Und viele, so unter der Erde schlafen liegen, werden aufwachen: etliche zum ewigen Leben, etliche zu ewiger Schmach und Schande.  Die Lehrer aber werden leuchten wie des Himmels Glanz, und die, so viele zur Gerechtigkeit weisen, wie die Sterne immer und ewiglich. Mit dem Kommen Christi ist die allgemeine Auferstehung verbunden. Alle, die in der Erde schlafen, werden auferstehen – die einen zum ewigen Leben, die anderen zu ewiger Schmach und Schande. Das ist auch genau das, was Christus dann bekräftigt: Verwundert euch des nicht; denn es kommt die Stunde, in welcher alle, die in den Gräbern sind, werden seine Stimme hören und werden hervorgehen, die da Gutes getan haben, zur Auferstehung des Lebens, die aber Übels getan haben, zur Auferstehung des Gerichts. Hier wird die Zukunft uns ganz deutlich beschrieben, die mit der Wiederkunft Christi zusammenhängt. Da wird es dann öffentlich gemacht, wo jeder die Ewigkeit zubringt, also für immer sein wird: im Himmel oder in der Hölle; in ewiger Freude oder in ewiger Pein; in ewiger Gemeinschaft mit Gott oder in ewiger Gottesferne. Wovon hängt das ab? Der HERR Jesus sagt, ob sie Gutes oder Böses getan haben. Nun wissen wir aus der Schrift, dass kein Mensch etwas tun kann, das an sich vor Gott gut ist, denn vor dir ist kein Lebendiger gerecht. Da ist keiner, der Gutes tue, auch nicht einer. Hier ist nichts anderes als das gemeint, was aus dem Glauben oder dem Unglauben folgt. Das Gute ist das, was aus dem Glauben kommt, als Frucht, und um des Glaubens willen von Gott angenommen wird. Wer an den Sohn glaubt, der hat das ewige Leben; wer aber dem Sohn nicht glaubt, über dem bleibt der Zorn Gottes. Alles entscheidet sich also daran, ob du glaubst an Jesus Christus oder nicht. Es ist daher so wichtig, dass du dir heute gewiss wirst, wo du deine ewige Zukunft zubringst, denn in dieser unserer Zeit entscheidet es sich, vor der Wie-derkunft Christi, vor deinem Tod. Weiche darum nicht aus, wenn der Heilige Geist dir Schuld, Sünde aufdeckt, wenn er dich deiner Sünde überführt, wenn er den alten Menschen, das Ich, töten will – weiche nicht aus, sondern beuge dich darunter, nimm es an, dass du nur als ein elender, verlorener Sünder mit leeren Händen vor Gott treten kannst und eines Anwalts, eines Fürsprechers, eines Mittlers bedarfst. Und er steht längst für dich bereit: Jesus Christus ist der einzige Mittler zwischen Gott und den Menschen. Einen anderen gibt es nicht. Er hat alles schon längst auch für dich getan, auch deine Sünden längst getragen und für sie bezahlt. Beuge vor ihm deine Knie und bekenne deine Schuld, bitte ihn um Vergebung und ergreife sie, die er in deinem Wort dir zusagt: Wenn wir aber unsere Sünden bekennen, so ist er treu und gerecht, dass er uns unsere Sünden vergibt und reiniget uns von aller Untugend. Und: Lass dies nicht nur einmal, grundsätzlich, in deinem Leben geschehen, lebe täglich in Sündenerkenntnis, Reue, Buße, täglich aus der Vergebung, täglich in der Erneuerung des Glaubens. In diesem Glauben darfst du gewiss sein: Auch ich werde zu denen gehören, die er zum ewigen Leben bei sich im Himmel auferwecken wird. Die anderen aber, die im Unglauben verharren, erwartet ewige Schmach und Schande, ewige Gottesferne, ewige Pein, wo ihr Wurm nicht stirbt und ihr Feuer nicht erlischt.

    Von den Lehrern, den Hirten und Lehrern der Gemeinde aber, die treu das Wort ausgeteilt haben, vor allem der Gemeinde in den Zeiten der Verfolgung nahe gewesen sind, von denen heißt es: Sie werden leuchten wie des Himmels Glanz. Sie werden besonders ausgezeichnet. Hieran ersehen wir, wie auch an anderen Stellen, dass es sowohl im Blick auf die Herrlichkeit als auch im Blick auf die Pein unterschiedliche Stufen gibt. Seligkeit und Verdammnis sind jeweils eins. Aber wie herrlich wir dann sind oder wie groß die Pein dann ist, das entscheidet sich daran, wie wir hier gelebt haben.

    Dieses Buch Daniels mit seinen Aussagen, die in den Schlussversen nochmals unterstrichen werden und die zu ihrem Ziel kommen, wenn auch die Zerstreuung des jüdischen Volkes zur Vollendung gekommen ist, dieses Buch ist Gott so wichtig, dass er es Daniel besonders aufbewahren heißt, damit noch viele Generationen dadurch unterwiesen, gewarnt, zugerüstet, gestärkt werden.

    Darum lasst auch uns in täglicher Buße und Glauben, in täglicher Bibellese, im Gebet um rechte Stärkung im Glaubens uns vorbereiten und zubereiten, damit wir fest und treu bei dem verbleiben, der uns erlöst hat: Jesus Christus! Amen.

 

 

 

 

 

Anhang 1:

 

Geschichtlicher Hintergrund zu den siebzig Jahrwochen in Daniel 9

 

V. 25                       „Von der Zeit an, dass der Befehl ausgeht, dass Jerusalem [nicht der Tempel] soll wiederum gebaut werden …“: 460/59 v. Chr.: Artaxerxes gibt Befehl zum Bau Jerusalems

 

                                die sieben Jahrwochen (49 Jahre, also bis 410 v. Chr.): Erneuerung Jerusalems und des Gottesdienstes durch Esra und Nehemia

 

                                62 Jahrwochen bis auf Christus, den Fürsten: (434 Jahre, also bis 24 n. Chr.): das wäre also bis zum 30. Lebensjahr Jesu Christi (er ist richtig geboren im Jahr 6 bevor wir mit der Zeitrechnung beginnen), also der Taufe Jesu und dem Beginn des öffentlichen Wirkens des Heilandes.

                                Während dieser 434 Jahre werden zwar Jerusalem und das Volk Gottes gebaut, aber „kümmerlich“, mit viel Schwachheit, Not, Kampf.

 

V. 26-27                  die 70. Jahrwoche:

                                a) V. 26: Christus wird „ausgerottet werden“: Das Wort beschreibt im Hebräischen sowohl den Tod des Heilandes (am Kreuz) als auch das Aufrichten eines Bundes, nämlich des Neuen Bundes.

                                b) V. 26: „Ein Volk des Fürsten wird kommen …, die Stadt und das Heiligtum zerstören“: Das ist im Jüdischen Krieg geschehen, 66-70 n. Chr., in dem Jerusalem und der Tempel zerstört wurden, 70 n. Chr..

                                c) V. 26: „bis zum Ende wird es wüst bleiben“: Die Endzeit ist nicht zuletzt Trübsalszeit.

                                d) V. 27: „Er wird aber vielen den Bund stärken“: nämlich Christus stärkt seine Gemeinde durch Wort und Sakrament und regiert sie durch die Gnadenmittel. „eine Woche lang“: die gesamte 70. Jahrwoche, also während seiner Zeit hier auf Erden und weiter bis zum Ende der Tage, dem Jüngsten Tag.

                                e) V. 27: „in der Mitte der Woche wird das Opfer und Speisopfer aufhören“:

                                               1) durch Christi Kreuzestod sind die alttestamentlichen Opfer zum Ziel und Ende gekommen;

                                               2) mit der Zerstörung des Tempels in Jerusalem hörte der Opferdienst auf

                                f) V. 27: es bleibt noch eine halbe Jahrwoche oder 3 ½ Jahre oder 42 Monate oder 1260 Tage (wenn jeder Monat mit 30 Tagen gerechnet wird): das ist die gesamte (restliche) neutestamentliche Zeit, die nicht zuletzt geprägt ist durch die Trübsal und das Wüten des Antichristen, dessen Zeit gerade mit diesen Zahlen auch beschrieben wird als einer von Gott begrenzten Zeit.

                                g) V. 27: „Greuel der Verwüstung“: der Abfall von Gottes Wort, die Rebellion gegen Christus, wodurch bereits das Judentum zur Zeit des jüdischen Krieges gekennzeichnet war, was aber auch ein Merkmal der antichristlichen Mächte ist (s. 2. Thess. 2).

 

 

 

 

Anhang 2:

 

Geschichtlicher Hintergrund von Daniel 11

 

 

Verse:

 

2 b                           Persische Könige:

                                558-530 Kyrus                  423-404 Darius II.

                                530-522 Kambyses           404-359 Artaxerxes II

                                522-486 Darius I.              359-338/337 Artaxerxes III.

                                486-465 Xerxes I.             338/7-336/5 Arses

                                465-423 Artaxerxes I.        336/5-330 Darius III.

                                480 : Seeschlacht von Salamis

 

3.4                                         336-323 Alexander der Große von Mazedonien

 

5-20                                    323-175 vor Christi Geburt

5                              323-283 Ptolemaios I. Legi von Ägypten

                                320 Einnahme von Judäa und Phönizien

                                312/01-198 Judäa ägyptisch

                                305/4-281 Seleukos I. von Syrien: Seleukidenreich

6-9                                        261-246 Antiochus II. von Syrien

285-246 Ptolemaios II Philodelphios von Ägypten

252 Antiochus verstößt seine Frau Laodike und heiratet Berenike von Ägypten, Tochter des Ptolemaios

246 Mordanschlag Laodikes gegen Antiochus

246-226 Seleukos II., Sohn der Laodike, König von Syrien

246 Ermordung der Berenike und ihres Sohnes auf Betreiben Laodikes

246-221 Ptolemaios III. Euergetes von Ägypten: Laodikischer Krieg zwischen Ägypten und Syrien

10-12                                  226-223 Seleukos III. Soter von Syrien, wurde ermordet

222-187 Antiochus III. der Große von Syrien

221; 219; 218 Krieg Antiochus’ III. gegen Ägypten

219 Eroberung von Tyrus und Akko

218/17 Eroberung von Judäa

221-204 Ptolemaios IV. Philopator von Ägypten

217 Schlacht von Raphia: Ptolemaios besiegt Antiochus

204 Unruhen in Ägypten, Ptolemaios V. Eiphanes (-181)

13-17                                  Ägypten verliert endgültig Judäa an Syrien

201 syrische Invasion in Ägypten

198 Schlacht von Bunyas, Syrien siegt gegen Ägypten, Eroberung Sidons

194/193 Kleopatra von Syrien heiratet Ptolemaios V. von Ägypten; eine andere Tochter des Antiochus heiratet den König von Kappadozien; Laodike von Syrien heiratet Antiochus von Syrien

18                              Rom tritt auf gegen Antiochus von Syrien

                        191 Schlacht bei den Thermopylen: Rom besiegt Antiochus

                        190 Schlacht von Magnesia: Lucius Scipio besiegt Antiochus

                        189 Friede von Apamea: Entmachtung Syriens

19                              187 Antiochus wird bei der Plünderung des Tempels von Elam getötet

20                              187-175 Seleukos IV. Philopator von Syrien; versucht, durch Heliodor Israel finanziel auszusaugen; Heliodor lässt schließlich Seleukos ermorden

 

21                              175-164 Antiochus IV. Epiphanes, Bruder von Seleukos IV., der noch zwei Söhne, Demetrius und Antiochus, hatte

 

22-24                     175-171:

                                175 Hoherpriester Onias III abgesetzt, Jason Hoherpriester

                                171 Onias III. ermordert; Jason abgesetzt, Menelaos Hoherpriester, Spaltung der Priesterschaft

 

25-28                       170-168 6. syrischer Krieg gegen Ägypten

25-26                       erster Feldzug: 169 Schlacht von Pelusium: Antiochus siegt, erobert Memphis, krönt sich zum König von Ägypten

                                Aufstand in Alexandria, Ptolemaios VI. Abgesetzt

                                171 Aufstand Jasons in Judäa, Blutbad des Antiochus in Jerusalem, Plünderung des Tempels

 

29-35                     zweiter Feldzug im syrisch-ägyptischen Krieg: 168: Antiochus erobert Memphis; vor Alexandria zwingt ihn Rom zur Umkehr

                                Antiochus lässt seine Wut an Israel aus und sucht, die griechenfreundliche Partei an sich zu binden

                                167 Appolonis plündert Jerusalem, tötet viele, legt Brände

                                Verbot des täglichen Opfers, des Sabbaths, der jüdischen Feste, der Beschneidung, der Bibel

                                Einführung des Bacchus-Festes

                                Zeus-Altar im Tempel