DIE  HEILIGE  TAUFE

 

 

Aufsätze zur christlichen Taufe,

 

mit besonderer Berücksichtigung der

 

Kindertaufe

 

 

 

 

 

Herausgegeben

 

von

 

Roland Sckerl

 

 

 

 

Inhaltsverzeichnis

 

GESPRÄCH ÜBER DIE KINDERTAUFE  1

WARUM  WIR  SÄUGLINGE  TAUFEN ! 3

  3

DIE TAUFE - EIN GNADENMITTEL DES HEILS GOTTES   7

VON DER TAUFE  9

Was ist die Taufe?  9

Von der Kindertaufe  10

„Was gibt oder nützt die Taufe?“  11

„Wie kann Wasser solche große Dinge tun?“  12

„Was bedeutet denn solch Wassertaufen?“  14

VON DER HEILIGEN TAUFE  15

DIE TAUFE IST REINES EVANGELIUM    17

VOM KINDERGLAUBEN   19

KINDER GLAUBEN   22

MYTHOS UND WIRKLICHKEIT DER TAUFWIEDERGEBURT   23

DIE VERANTWORTUNG AUS DER TAUFE  24

TAUFE - BEKEHRUNG - TÄGLICHE BUSSE  26

 

 

 

 

 

 

GESPRÄCH ÜBER DIE KINDERTAUFE

     

    (Dieses Heft soll sich besonders mit dem Thema der Taufe, insbesondere der Kindertaufe, beschäftigen, die in der heutigen Zeit von vielen Seiten, auch im konservativen oder evangelikalen Bereich, in Frage gestellt wird. Nachfolgendes 'Gespräch' zwischen einem Baptisten (B.) und einem Lutheraner (L.) ist der Versuch, in dialogischer Form einige Grundlinien der unterschiedlichen Lehrauffassungen und der biblischen Grundlagen für die Kindertaufe herauszustellen und so das Verständnis für diese fragen zu vertiefen.) 

 

    B.: Es wundert mich doch sehr, daß ihr als Bekenntnislutheraner Kinder tauft, denn ihr besteht doch sonst so sehr auf der absoluten Irrtumslosigkeit und Verbindlichkeit der Bibel. In der Bibel aber finde ich nicht, daß Jesus Christus als Kind getauft wurde.

    L.: Das ist richtig; unser Herr Jesus Christus wurde nicht als Kind getauft. Aber: zu dieser Zeit war die Taufe selbst als göttliche Ordnung noch gar nicht eingesetzt. Vielmehr hat sie Jesus Christus ja erst kurz vor seiner Himmelfahrt, im Zusammenhang mit dem Missions- oder Reichsbefehl Matth. 28 geordnet. Dagegen aber ist Jesus, wie alle jüdischen Knäblein, am achten Tage beschnitten  und damit in das Volk Gottes aufgenommen worden, wie 1 Mose 17 aussagt - obwohl er doch selbst gar nichts dazu tun konnte, Glied des Gottesvolkes zu sein. Wenn wir dazu noch bedenken, daß die Beschneidung das Siegel der Gerechtigkeit ist, Röm. 4, so hat ein jüdisches Knäblein dieses Siegel bekommen, lange bevor es rational denken konnte, einen überlegenden, nachdenkenden Glauben ausüben konnte.

    B.: Gut, das war im Alten Testament so. Aber im Neuen Testament haben wir die Beschneidung nicht mehr und von einer Taufe von Kindern finde ich da wirklich nichts.

    L.: Sie sagen, daß die Beschneidung im Neuen Testament aufgehört hat. Das ist ganz richtig. Aber warum ist das so? Wenn wir in den Kolosserbrief ins zweite Kapitel sehen, finden wir da nicht einen ganz bedeutsamen Hinweis, der uns auch im Blick auf die Taufe weiterhelfen könnte? Da heißt es doch: In welchem [nämlich Christus] ihr auch beschnitten seid mit der Beschneidung ohne Hände, durch die Ablegung des sündlichen Leibes im Fleisch, nämlich mit der Beschneidung Christi, in dem, daß ihr mit ihm begraben seid durch die Taufe. Werden hier nicht Beschneidung und Taufe parallel gesetzt, ja, könnten wir damit nicht die Taufe als die neutestamentliche Fortsetzung dieses Bundeszeichens, der Beschneidung, erkennen? Wenn aber die Beschneidung an achttägigen Knäblein vollzogen wurde, was sollte uns dann hindern, Säuglinge zu taufen?

    Sie haben gesagt, Sie fänden keine Taufen von Kindern in der Bibel, deshalb seien sie auch nicht recht. Nun, es ist richtig, daß nirgends ausdrücklich gesagt wird, daß auch Kinder getauft werden sollten. War es aber gerade im Blick auf die Beschneidung nicht schier selbstverständlich, daß die Taufe auch an Kindern christlicher Eltern vollzogen wurde, so daß diese Frage in der frühen christlichen Zeit gar nicht im Raume stand? Und: haben wir nicht mehrere Hinweise, nämlich bei Hauptmann Cornelius, bei Lydia und bei dem Gefängniswärter in Philippi (Apg. 10 und 16), bei denen es heißt, daß sie getauft wurden mit ihren Häusern? Schließt aber nicht der Begriff 'Haus' gerade auch die Kinder ein? Bedenken wir doch, was dieser Begriff in der Heiligen Schrift Gottes, die doch für uns verbindlich sein soll, gebraucht wird. Nehmen wir nur einmal 1 Mose 17, die Einsetzung der Beschneidung. Wem war sie denn zugesagt als ein Siegel des Glaubens? Als Siegel des Glaubens war sie doch gezielt auf Abraham - und doch soll sie nicht nur an ihm vollzogen werden, sondern an allen, die seinem Hause als männliche Glieder angehören. Und so geht die Verheißung auch ausdrücklich über seine Nachkommen. Übrigens: diese Verheißung wird Apg. 2 durch Petrus nach seiner Bußpredigt gerade auch im Blick auf die Taufe erneuert. Auf dem Landtag zu Sichem kann Josua, Jos. 23, ohne Beratung mit seiner Familie klar aussprechen: Ich und mein Haus wollen dem Herrn dienen. Josua konnte hier ganz klar für sein Haus sprechen. Und so finden wir es immer wieder: Im Hausvater spricht Gott das ganze Haus an. Besonders deutlich tritt dies doch hervor bei dem Gefängniswärter in Philippi. Nur von ihm heißt es ausdrücklich, daß er gläubig wurde - und doch ließ er sein ganzes Haus taufen, ja, wir haben dort diesen ganz da hineinpassenden Ruf des Paulus: Glaube an den Herrn Jesus Christus, so wirst du und dein Haus selig. Auch hier wird das Haus hineingenommen, das nun unter der Verkündigung des Hausvaters stehen sollte, um zum Glauben zu kommen. Wir haben also durchaus die biblische Ordnung auch für die Kindertaufe. Und vorallem: Gehören die Säuglinge nicht mit zu den Völkern, die zu Jünger gemacht werden sollen durch Taufen und Lehren, Matth. 28?

    B.: Aber es hat ja schon in der frühen Kirche eindeutige Gegner der Kindertaufe gegeben!

    L.: Sie denken sicher an Tertullian? Ja, er war ein Gegner der Kindertaufe. Aber wenn Sie seine Argumente betrachten, so sind sie kaum aus der Bibel genommen - und vorallem, eines hat er nicht gesagt, weil es einfach nicht möglich war, nämlich daß die Apostel keine Kinder getauft hätten und die Kindertaufe später aufgekommen sei. Nein, das konnte er nicht sagen. Aber wäre dem so gewesen, so hätte er doch gerade das gesagt, denn welch stärkeres Argument hätte er sonst noch haben können? Wir hören nirgends etwas von einer Taufdiskussion im 1. oder 2. Jahrhundert, weil es zu einer Änderung der Taufpraxis gekommen wäre. Aber wäre nicht mit Sicherheit eine solche aufgekommen, wenn hier solch eine dann doch tiefgreifende Änderung in der Taufpraxis und damit auch Taufauffassung eingetreten wäre?

    B.: Gut, aber ich sehe doch von der Bibel her, daß erst der Glaube da sein muß und dann soll die Taufe folgen, als eine Antwort, ein öffentliches Bekenntnis dessen, der zum Glauben an Jesus Christus gekommen ist. So haben wir doch in Mark. 16 die Reihenfolge: erst Glaube, dann Taufe. Ist es nicht so?

    L.: Gewiß haben wir in Mark. 16 diese Reihenfolge, aber in Matth. 28 ist sie genau umgekehrt. Diese Reihenfolge beweist doch daher nichts, nicht wahr?

    B.: Aber der Glaube muß doch da sein, das sagen Sie als Lutheraner doch auch, nicht wahr? Ohne den Glauben kann doch niemand errettet werden! Aber so ein Säugling, der kann doch gar nicht glauben. Also darf man ihn auch nicht taufen. Und außerdem kann er ja auch gar nicht Buße tun, die doch dem Glauben vorangeht.

    L.: Ohne den Glauben an Jesus Christus kann niemand errettet werden. Das ist ganz richtig, da stimmen wir überein. Aber wenn Sie sagen, daß ein Säugling nicht glauben kann, so muß ich Ihnen entschieden widersprechen. Kann es nicht sein, daß wir da ein völlig verschiedenes Glaubensverständnis vielleicht haben? Wenn ich Sie so recht verstehe, so gehört bei Ihnen zum Glauben das Verstehen, das Nachdenken, die Reflexion mit dazu, spielt also der Verstand eine große Rolle. Und weil ein Säugling so etwas noch nicht kann, seinen Glauben auch noch nicht für uns vernehmbar ausdrücken kann, so meinen Sie: er kann gar nicht glauben. Aber ist der rettende Glaube ein Produkt unseres Verstandes? Ist die Bekehrung, die Wiedergeburt denn ein Akt, der aus unserem Verstand kommt, eine Entscheidung, die wir bewußt, überlegt treffen? Ist nicht vielmehr der Glaube ein Geschenk Gottes durch sein Evangelium, Joh. 6; Eph. 2? Und ist nicht der Glaube in seinem eigentlichen Kern Herzenssache, Röm. 10, also Vertrauen? Und vertrauen, das kann auch ein Säugling, wie wir in seinem Verhältnis vorallem zur Mutter sehen. Sicher, er überlegt nicht, stellt keine Untersuchungen an, die dann zu dem Ergebnis führen: das ist meine Mutter, in ihrem Leib bin ich gewesen, sie hat mich geboren, darum darf ich ihr vertrauen. Nein, all das ist nicht da. Ein Kinder, auch ein Säugling, vertraut direkt. Und: ist das nicht gerade das Schöne, ja, Vorbildhafte bei den Kindern?

    B.: Das ist ja sehr interessant, was Sie sagen, aber beweisen aus der Bibel können Sie es nicht!

    L.: O doch! Gottes Wort schweigt nicht darüber! Denken wir nur an die oft zitierte Stelle mit der Segnung der Kinder durch den Herrn Jesus Christus, etwa Mark. 10. Hier sind dem Heiland ganz kleine Kinder gebracht worden, nach dem Lukasevangelium so kleine, daß sie auf dem Arm getragen werden mußten. Haben sie denken können? Konnten sie über ihren Glauben reflektieren? Die Jünger haben wohl zunächst ganz ähnlich gedacht wie auch heute viele: Was wollen die bei Jesus? Die können seine Predigt doch gar nicht aufnehmen! Aber Jesus hat anders darüber gedacht. Er hat sie gesegnet - denn die Taufe war damals noch gar nicht eingesetzt - und hat dann noch diesen bedeutsamen Zusatz gemacht: Solcher ist das Himmelreich. Damit hat er eindeutig gesagt: sie haben das Himmelreich. Nun sagt es die Heilige Schrift ganz klar, Joh. 3, und wir beide bekennen es ja auch: ohne den Glauben kann niemand ins Reich Gottes kommen. Damit aber spricht der Herr Jesus ihnen eindeutig den Glauben zu. Und er bekräftigt dies noch, wenn er sagt, daß nur der, der das Reich Gottes wie ein Kindlein empfängt, auch hineinkommt. Damit bezeugt er: Ein Kindlein kann das Reich Gottes empfangen, kann hineinkommen; damit aber auch: es kann glauben. An anderer Stelle spricht er von kleinen Kindern, die er zu sich stellte, daß sie glauben können und warnt davor, ihren Glauben zu Fall zu bringen. Ja, er betont, daß Gott nicht will, daß eines dieser Kleinen verloren gehe, Matth. 19. Insofern ist die Säuglingstaufe sehr wohl eine Glaubenstaufe, weil wir bitten und auch aufgrund des Wortes Gottes glauben, daß der dreieinige Gott dem Säugling im Zusammenhang mit der Taufe durch sein Wort auch den Glauben weckt, nicht durch eine magische Wirkung der Taufe, nein, sondern durch sein Wort.

    Übrigens, Sie sagten vorhin noch, die Taufe sei ein öffentliches Bekenntnis, das wir bringen, und das ein Säugling ja noch nicht bringen könne. Aber wo finden Sie das in der Bibel? Wenn wir die Aussagen zur Taufe betrachten, Joh. 3, auch Röm. 6, Apg. 22, Eph. 5, Tit. 3, so lesen wir doch dort ganz deutlich, daß die Taufe ein Handeln Gottes an uns ist, daß Gott uns Menschen da beschenkt: er reicht uns die Wiedergeburt, die neue Geburt; der alte Mensch wird in der Taufe gekreuzigt, und ein neuer Mensch steht auf aus der Taufe; in der Taufe werden die Sünden abgewaschen. Zur Taufe gehört aber das Wort Gottes unbedingt dazu, ja, es ist sogar das wichtigste Element in der Taufe. Dieses Wort ruft zum Glauben, weckt den Glauben. Denn da stimmen wir beide sicher überein: all das, was Gott darreicht, auch in der Taufe, haben wir nur durch den Glauben. Sehen Sie, das sagen wir auch: wer nicht wirklich von Herzen an Jesus Christus als an seinen Heiland glaubt, der hat auch all das nicht, was Gott im ihn der Taufe dargereicht hat, der ist wieder unter Gottes Zorn und bedarf der Bekehrung, sonst nutzt ihm die Taufe nichts, gar nichts.

    B.: Sehen Sie! Das betonen wir auch. Und wenn wir recht hinsehen, so müssen wir doch sagen: Die Kindertaufe nutzt doch nichts, was ist denn geworden aus den vielen, die als Säuglinge getauft wurden? Sie wird doch nur als ein Ruhekissen mißbraucht!

    L.: Sie haben völlig Recht, wenn Sie sagen, daß, leider, an vielen nichts mehr von der Taufgnade zu bemerken ist. Aber besteht die Gefahr nicht auch, wenn der Mensch älter ist? Stehen wir nicht täglich in der Gefahr, uns durch Sünde wieder von Gott zu entfernen? Es ist auch völlig falsch, wenn die Betonung weg von der Taufe auf die Bekehrung, das Datum der Bekehrung, gelegt wird, und man meint: nun ist alles in Butter, jetzt komme ich gewiß in den Himmel. Das ist geradeso falsch wie die Meinung: Ich bin getauft, darum komme ich auf jeden Fall in den Himmel. Nein, so einfach ist es nun wirklich nicht. Ruft uns nicht gerade im Zusammenhang mit der Taufe Röm. 6 zu täglicher Buße, Vergebung und Glauben auf? Wir bedürfen also täglich neu der Sündenerkenntnis, täglich neu der Vergebung, die wir im Glauben ergreifen sollen, und daraus täglich neu der Hingabe an Jesus Christus, unseren Herrn.

    Und so steht es nun doch beim Säugling auch. Nach der leiblichen Geburt ist er da - aber wir stellen ihn doch nicht gleich an die Werkbank oder schicken ihn auf die Universität, sondern er muß nun erst einmal heranwachsen und viel lernen. Und mit jemandem, der die geistliche neue Geburt empfangen hat, da geht es doch nicht anders. Auch hier ist viel Unterweisung, Erziehung, Hilfe nötig, daß er gefestigt wird. Und das ist es, woran es so vielfältig fehlt. Hier ist die Frage der Taufzucht aufgeworfen - und da haben Sie völlig recht, wenn Sie dann meinen, daß vielfach nicht getauft werden sollte. O ja, wo die Erziehung im Glauben nicht gewährleistet ist, und sei es nur durch ein Familienglied, da kann nach Matth. 28 die Taufe auch nicht gewährt werden. Hier liegt tatsächlich eine sehr große Not.

    Übrigens, die Buße, die Sie vorhin ansprachen, soll allerdings beim bewußten Menschen dem Glauben vorausgehen, aber nicht in der Weise, daß sie eine Vorbedingung für die Errettung ist. Denn auch sie ist ja nicht unser Werk, das wir Gott bringen, sondern doch vielmehr ein vorbereitendes Werk Gottes durch das Gesetz in uns, wie wir etwa Röm. 7 und Gal. 3 sehen.

    B.: Es ist richtig, daß auch nach der Taufe der Mensch in Buße und Glauben leben muß. Da stimme ich Ihnen zu. Aber das andere kann ich doch noch nicht so annehmen, so interessant und vielfach auch neu es mir ist.

    L.: Nun, ich denke, es war gut, daß wir uns überhaupt schon einmal darüber austauschen konnten und aus Gottes Wort bedenken, was es über die Taufe sagt.                

        

 

 

WARUM  WIR  SÄUGLINGE  TAUFEN !

 

Von

 

Pastor Jeffrey C. Kinery +

 

    Menschen, die als Erwachsene zum christlichen Glauben bekehrt wurden, haben Jesus Christus als ihren persönlichen Retter von Sünden kennengelernt durch die Predigt vom Glauben (Gal. 3,2), durch das Wort Gottes (Röm. 10,17). Sie bekennen ihren Glauben, bevor sie getauft werden (Apg. 8,13.37), und danach stärkt die Taufe ihren Glauben so, wie es das Heilige Abendmahl macht. Erwachsene werden also erst unterwiesen und dann getauft (Apg. 2,41; 8,35-38; 10,47-48; 16,14-15. 30-34; 18,8).

 

    Wenn es sich aber um Kinder handelt, so ist das eine andere Sache. Kleine Kinder kommen durch die Taufe in die christliche Kirche. Alle rechtgläubigen (orthodoxen) Kirchen praktizieren die Säuglings- oder Kindertaufe. Einzig die Sekten, die aus den häretischen Wiedertäufern (Anabaptisten) des 16. Jahrhunderts erwachsen sind, verweigern den Kindern dieses Gnadenmittel. Die Augsburgische Konfession der Evangelisch-Lutherischen Kirche lehrt, "daß man auch die Kinder taufen soll, welche durch solche Taufe Gott überantwortet und gefällig [lat. Text: in Gottes Gnade aufgenommen] werden. Derhalben werden die Wiedertäufer verworfen, welche lehren, daß die Kindertaufe nicht recht sei." (CA IX, 2.3) Ebenso sagt die Apologie der Augsburgischen Konfession: "Zum andern ists am Tage, daß Gott der Herr sich gefallen läßt die Taufe der jungen Kinder; derhalben lehren die Wiedertäufer unrecht, so dieselbige Taufe verdammen." (Apol. IX, 53) Die Evangelisch-Lutherische Kirche praktiziert, auf festem biblischen und historischen Grund stehend, die Kindertaufe aus folgenden Gründen:

 

    1. Kleine Kinder, Säuglinge, BENÖTIGEN die Taufe, weil sie, wie die Erwachsenen, durch die Erbsünde von Natur abgrundtief verdorben sind. Schon Babies sind ja bekannt dafür, daß sie aus reiner eifersüchtiger Selbstsucht schreien - ein Zug, den sie nicht gelernt haben, der ihnen nicht gelehrt wurde, sondern den sie in ihrer Natur haben. Von Natur aus sind Babies böse! Auch sie sind Nachkommen - und von gleicher Natur - dieses diebischen Gärtners (Adam) und ebenso dieses betrunkenen Seekapitäns (Noah). Die lutherischen Bekenntnisse verdammen die folgenden falschen Lehren: "Daß Kinder, die nicht getauft sind, vor Gott nicht Sünder, sondern gerecht und unschuldig seien, welche in ihrer Unschuld, weil sie noch nicht zu ihrem Verstand kommen, ohne die Taufe (derer, ihrem Vorgeben nach, sie nicht bedürfen) selig werden. Verwerfen also damit die ganze Lehre von der Erbsünde und was derselben anhanget." Ebenso sind diejenigen verdammt, die lehren, "daß Kinder nicht sollen getauft werden, bis sie zu ihrem Verstand kommen und ihren Glauben selbst bekennen können". Des weiteren ist der Gedanke verworfen "daß der Christen Kinder darum, weil sie von christlichen und gläubigen Eltern geboren, auch ohne und vor der Taufe heilig und Gottes Kinder seien; auch der Ursache der Kinder halben Taufe weder hoch halten noch fördern gegen die ausdrücklichen Worte der Verheißung Gottes, die sich allein auf die erstrecken, welche seinen Bund halten und denselben nicht verachten, 1 Mose 17,7 ff." (Konkordienformel, Epit. XII, Par. 6-8; s.a. Konkordienformel, Ausf. Darl. XII, Par. 11-13) Es kommt auch vor, daß Säuglinge sterben. Die Bibel lehrt, daß der Tod ein Lohn der Sünde ist (Röm. 6,23) - Babies sind also Sünder!

    1 Mose 5,3; 8,21; Psalm 25,7; 51,7; 58,4; Spr. 20,9.11; Hiob 14,1-4; 15,14; 25,4; 13,26; Pred. 7,20; Joh. 3,6; 9,34 a; Röm. 3,10-12. 19 b. 22 b. 23; 5,12. 15. 18-19. 22-23; Eph. 2,1-3; 1 Kor. 15,22; 2,14.     

 

    2. Kleine Kinder sind ganz gewiß in den BEFEHL eingeschlossen, "alle Völker" zu taufen. Kinder wurden in die Volkszählungen der alten Nationen eingeschlossen. Wenn einige argumentieren, daß auf Kleinkinder nicht ausdrücklich Bezug genommen wird in Jesu Einsetzung der christlichen Taufe, dann könnten wir auch hervorheben, daß ebensowenig erwachsene Männer oder Frauen bei den Worten "alle Völker" ausgewählt sind.

    Matth. 28,18-20. (Es ist typisch für die Baptisten, daß sie in diesen großen Auftrag Christi ein zeitliches Element und eine Abfolge hineinbringen, was grammatisch nicht annehmbar ist. "Machet zu Jüngern alle Völker" ist eine völlig richtige Übersetzung von 'mathateusate'. Auf dieses Wort folgen dann die Partizipien 'baptizontes' [taufend] und 'didaskontes' [lehrend]. Bei dieser Konstruktion wird also die Bedeutung weitergegeben: "machet Jünger durch taufen und lehren". Zwei Handschriften (B und D) haben sogar 'baptizantes', das ist 'getauft habend'. Die Baptisten nun erklären den Text als seien dies die Worte: 'mathateusantes' (Partizip) ... 'baptizate' ... 'didaskete', nämlich, "nachdem ihr sie zu Jüngern gemacht habt, tauft und lehrt sie", eine falsche Auslegung, die, neben dem, daß sie wenig Sinn macht, tatsächlich besagt, daß Jünger Christi gemacht werden könnten, bevor sie getauft und gelehrt würden. Wie soll das geschehen? Welch möglichen Mittel und Methoden könnten verwendet werden, um das zu erreichen? Leider wird keine vernünftige Antwort gegeben und ist, wie wir meinen, auch nicht möglich. (aus: "Baptism - Who and Why?" von S. Twenge, in: The Faithful Word, Vol. 13, Nr. 4, Nov. 1976, S. 6.))

 

    3. Die VERHEISSUNG der Erlösung durch die Taufe ist den Kindern gegeben: "Peter sprach zu ihnen: Tut Buße und lasse sich ein jeglicher taufen auf den Namen Jesu Christi zur Vergebung der Sünden, so werdet ihr empfangen die Gabe des Heiligen Geistes. Denn euer und eurer Kinder ist diese Verheißung und aller, die ferne sind, welche Gott, unser Herr, herzurufen wird." Apg. 2,38.39. Das griechische Wort für "Kinder" ist hier "teknois". Das ist ein Begriff, der Nachkommen und Kinder jeglichen Alters, einschließlich kleiner Säuglinge, einschließt. (vgl. Luk. 1,17; 3,8; Apg. 17,28.29)

 

    4. Das Sakrament der Taufe wird von St. Paulus MIT DER BESCHNEIDUNG VERGLICHEN. Die Beschneidung war im Alten Testament das Sakrament, durch das kleine Kinder, acht Tage alte männliche Säuglinge, in den Bund Israels, die Kirche, gebracht wurden. Gal. 3,6-8 informiert uns, daß der Bund, den Gott mit Abraham machte, eine Evangeliumsbeziehung war. Nach 1 Mose 17,9-14 sollte das sakramentliche Zeichen dieses Gnadenbundes die Beschneidung sein. Es sollte von Abraham und seinem Samen "bei seinen Nachkommen" gehalten werden. Es ist klar, daß, wenn auch das Zeichen der Beschneidung verschwunden ist, kleine Kinder immer noch in den Gnadenbund eingeschlossen sind (Gal. 3,15-17). Wie männliche Kinder zu Teilhabern des Bundes im Alten Testament durch die Beschneidung gemacht wurden, so sollen im Neuen Testament alle Kinder durch die Taufe zu Empfängern der göttlichen Gnade gemacht werden. St. Paulus nennt die Taufe die "Beschneidung ohne Hände, durch Ablegung des sündlichen Leibes im Fleisch, nämlich mit der Beschneidung Christi, in dem, daß ihr mit ihm begraben seid durch die Taufe; in welchem ihr auch seid auferstanden durch den Glauben, den Gott wirket, welcher ihn auferwecket hat von den Toten". (Kol. 2,11.12) In Röm. 2,28.29 spricht Paulus von der "Beschneidung des Herzens".

    Die Beschneidung war im Alten Testament befohlen (3 Mose 12,3), und es war eine schwere Sünde, wenn sie von einem Israeliten unterlassen wurde (2 Mose 4,23-26). Wurden die männlichen Säuglinge nicht beschnitten, so war dies eine Schande für das Volk (Jos. 5,2-9). Aber selbst das Alte Testament sprach von der "Beschneidung des Herzens" und, darüber hinaus, gebot den Juden, "das Herz deines Samens" zu beschneiden. Im Neuen Testament erfüllt die Taufe genau dies alles. (vgl. 5 Mose 10,16; 30,6 mit Kol. 2,11.12)

 

    5. In Epheser 5,25-26 lesen wir von der HEILIGUNG DER GESAMTEN KIRCHE. Paulus schreibt: "... gleichwie Christus auch geliebet hat die Gemeinde und hat sich selbst für sie gegeben, auf daß er sie heiligte, und hat sie gereiniget durch das Wasserbad im Wort." Da auch Kinder Teil der Kirche sein sollen, so müssen auch sie geheiligt und gereinigt sein durch das Wasserbad im Wort - durch die Taufe.

 

    6. Jüdische Rabbiner und Kommentatoren sprechen von verschiedenen JÜDISCHEN TAUFEN im Alten Testament. Maimonides sagt: "Auf dreierlei Weise trat Israel in den Bund ein: durch Beschneidung und Taufe und Opfer. Die Beschneidung war es in Ägypten, wie geschrieben steht: "Kein Unbeschnittener soll davon essen." [2 Mose 12,48] Die Taufe war es in der Wüste vor der Gesetzgebung, wie geschrieben steht: "Heilige sie heute und morgen, daß sie ihre Kleider waschen." [2 Mose 19,10] (Waschen der Kleider meinte das Waschen des gesamten Körpers.) Und vom Opfer gilt, was 2 Mose 24,5 geschrieben wird." Im Neuen Testament lesen wir von der 'Lehre von den Taufen' (nämlich der christlichen Taufe in Beziehung zu den jüdischen Waschungen) (Hebr. 6,2) und 'mancherlei Taufen' (Hebr. 9,10). Einige dieser Waschungen oder Taufen beinhalteten das Abwaschen, Begießen und Besprengen mit Wasser oder Blut (2 Mose 29,4.21; 3 Mose 14,7-9; 16,14-19; 4 Mose 19,7.13-21). Wichtig ist hier, daß Kinder in all diese Taufen eingeschlossen waren. Edward W. A. Koehler schreibt: "Es ist für unseren jetzigen Zweck ohne Bedeutung zu zeigen, ob diese Taufe (die oben von Maimonides erwähnte) eine göttliche Einsetzung war oder nicht; es genügt zu sagen, daß die Juden glaubten, daß in der Wüste das gesamte Volk, einschließlich der Kinder, getauft wurde. Sie hielten weiter dafür, daß diese Taufe für alle ihre Nachkommen gültig sei; filius baptizati habetur pro baptizato (die Kinder haben die Taufe um zu taufen)." Es wird anerkannt, daß diese alttestamentlichen Taufen keine christliche Taufe waren. Wenn jedoch das Volk gewohnt war, Kinder ebenso wie Erwachsene zu taufen, hätte dann nicht Jesus, als er Seine Taufe einsetzte, die Kinder ausdrücklich ausschließen müssen, wenn sie nicht mit eingeschlossen sein sollten? Koehler stellt wiederum fest: "Immer dann, wenn ein Brauch fortgeführt wird, muß nichts weiter dazu gesagt werden; wenn aber eine tiefgreifende Änderung eingeführt wird, so muß das denen, die unter dem alten Brauch aufgewachsen sind, gesagt werden." Taufen war nicht neu für die Juden. Jesus gab einem alten Brauch, der auch Kinder betraf, eine neue Bedeutung und Kraft. Christus hat die Kleinkinder nicht von Seiner Taufe ausgeschlossen; so dürfen wir es auch nicht tun.         

 

    7. Ähnlich zu dem vorangegangenen Argument ist die Sache der PROSELYTENTAUFE. Die jüdischen Autoritäten berichten uns, daß, wenn ein heidnischer Proselyt zum Judentum in diesen Glauben im Alten Testament eintrete, so würde er mit seinen Kindern getauft. Die Gemara Babylon stellt fest: "Wenn mit einem Proselyten seine Söhne und seine Töchter zu Proselyten gemacht werden, so gereicht das, was durch ihren Vater geschieht, auch ihnen zum Guten." "Sie sind gewohnt, einen solchen Proselyten in seiner Kindheit zu taufen auf das Bekenntnis des Hohen Rates." Die Mishna sowohl des babylonischen als auch des Jerusalemer Talmuds spricht von Proselyten, die in einem Alter unter drei Jahren getauft wurden. Maimonides schreibt: "Der Heide, der zu einem Proselyten gemacht wird, und der Sklave, der freigemacht wird, beide sind sie wie ein neugebornes Kind." Diese durch eine Taufe vollbrachte neue Geburt geht für Maimonides weiter: "Wenn ein Israelit ein kleines Heidenkind nimmt oder findet ein heidnisches Kind und tauft es zum Proselyten, so ist es ein Proselyt." Wiederum ist also dies der Punkt, daß dieser allgemein übliche Brauch Erwachsene und Kleinkinder gleichermaßen betraf. Die neue Bedeutung und Kraft, die mit dem alten Brauch verbunden wurde, schloß im Neuen Testament die Kinder nicht aus.  

 

    8. Alle Juden - Männer, Frauen und Kinder - wurden unter Mose getauft mit der Wolke und mit dem Meer [1 Kor. 10,2]. Von diesem alttestamentlichen Bild lesen wir: "Also zogen aus die Kinder Israel von Ramses gen Suchoth, sechshunderttausend Mann zu Fuß ohne die Kinder." (2 Mose 12,37) 2 Mose 14 berichtet uns von der Durchquerung des Roten Meeres durch alle Kinder Israel. Im Neuen Testament lesen wir: "Ich will euch aber, liebe Brüder, nicht verhalten, daß unsere Väter sind alle unter der Wolke gewesen und sind alle durchs Meer gegangen und sind alle unter Mose getauft mit der Wolke und mit dem Meer." (1 Kor. 10,1.2) Es ist selbstverständlich, daß die Kinder daran teilhatten und nicht zurückgelassen wurden, um durch die Hände der Ägypter dahingeschlachtet zu werden. Darüber hinaus sagt uns St. Paulus: "Das ist aber uns zum Vorbilde geschehen." (1 Kor. 10,6)

   

    9. Wie schon oben erwähnt, GIBT ES KEINE BESONDERE STELLE IN DER SCHRIFT, DIE BABIES VON DER TAUFE AUSSCHLIESST. Wir würden dies erwarten, wenn wir bedenken, wie weit verbreitet der Brauch war, Kleinkinder von Juden und Proselyten zum Judentum zu taufen. Auf der anderen Seite setzt die Schlußfolgerung der eindeutigen Bibelstellen klar die Praxis der Kleinkindertaufe voraus. Die Lehre ist klar, auch wenn wir zugegebenermaßen kein direktes Wort der Art haben "Tauft Babies." Die Praxis der Kindertaufe ist gegründet auf einer notwendigen, logischen Schlußfolgerung aus den Worten der Bibel, die lehren, daß jedermann, die kleinen Kinder eingeschlossen, voll Sünde ist, einen Erlöser braucht und daß die Taufe das Mittel ist, wodurch jegliche Person den rettenden Glauben an Jesus Christus sich aneignen kann. (So findet sich z.B. auch das Wort "Dreieinigkeit" nicht in der Bibel, aber die Lehre davon ist dennoch schriftgemäß, denn sie folgt aus den eindeutigen Bibelstellen, die uns lehren, daß es nur einen wahren Gott gibt, der sich selbst in drei voneinander verschiedenen Personen - Vater, Sohn und Heiliger Geist - offenbart hat, daher Dreieinigkeit, drei individuelle Personen in einem göttlichen Sein oder Wesen.)

 

    10. Christus HAT NIE DIE KINDERSEGNUNG EINGESETZT. Einige Kirchen versuchen den Leerraum, der dadurch entstanden ist, daß sie die Kindertaufe verwerfen, damit zu füllen, daß sie die Babies vor die Gemeinde oder zum Altar bringen lassen, um sie zu segnen und zu weihen. Dies mag ein lieblicher Brauch sein, aber er ist ohne göttliches Mandat. Jesus hat weder die Erwachsenen-, noch die Kindertaufe eingesetzt, sondern einfach nur die Taufe - die Taufe für alle. Sie ist des Erlösers gnädige Einrichtung, die bestimmt ist für alle Einwohner der Erde, die menschliche Seelen sind. Irgendwelche Ersatzmittel können das nicht geben, was die Taufe gibt.

 

    11. Die Praxis, ganze Haushaltungen im Neuen Testament zu taufen, schloß mit größter Gewißheit die Kleinkinder ein. Nicht nur die Kinder, sondern auch die Sklaven mit ihren Kindern waren nach dem jüdischen, griechischen und römischen Verständnis von Familie und/oder Haushalt eingeschlossen. In Apg. 10,24 lernen wir, daß Cornelius "seine Verwandten und Freunde" zusammengerufen hatte. Bei Petri Predigt "fiel der Heilige Geist auf alle, die dem Wort zuhöreten". (V. 44) Petrus "befahl, sie zu taufen in dem Namen des HErrn". (V. 48) Und Petrus verkündigte über Cornelius, daß dadurch "du selig werdest und dein ganzes Haus". (Apg. 11,14) Gleicherweise wurde Lydia "und ihr Haus getauft" (Apg. 16,15); der Gefängniswärter in Philippi "ließ sich taufen und alle die Seinen alsobald" (Apg. 16,33); "Crispus aber, der Oberste der Schule, glaubte an den HErrn mit seinem ganzen Hause; ... und ließen sich taufen" (Apg. 18,8); und Paulus schreibt "Ich habe aber getauft des Stephanas Hausgesinde [griech.: Haushalt]." (1 Kor. 1,16). 

 

    12. Die BEISPIELE CHRISTI UND PAULI werden zuweilen dazu mißbraucht, die Notwendigkeit der Taufe überhaupt, nicht nur für Kleinkinder, zu leugnen. Es wird gesagt, daß Christus nie getauft habe, da Joh. 4,1-2 berichtet: "Da nun der Herr inneward, daß vor die Pharisäer kommen war, wie Jesus mehr Jünger machte und taufte denn Johannes (wiewohl Jesus selber nicht taufte, sondern seine Jünger), verließ er das Land Judäa und zog wieder nach Galiläa." Aber die Taufe durch Jesu Jünger war nichtsdestotrotz  eine gültige Taufe in seinem Namen. Joh. 3,22 sagt: "Danach kam Jesus und seine Jünger in das jüdische Land und hatte daselbst sein Wesen mit ihnen und taufete." Weiter: "Und [des Johannes Jünger] kamen zu Johannes und sprachen zu ihm: Meister, der bei dir war jenseit des Jordans, von dem du zeugetest, siehe, der taufet, und jedermann kommt zu ihm." (Joh. 3,26) Jesu Taufe, von seinen Jüngern an allen vollzogen, die zu ihm kamen, war allerdings seine von ihm autorisierte Taufe. Wenn auch Jesus selbst niemals andere taufte, so hat er uns allen doch ein Beispiel gegeben, indem er sich von Johannes taufen ließ (Matth. 3,13-17) und für Diener sorgte, die sie an uns vollziehen sollen. Des weiteren, wenn auch St. Paulus schreibt "Denn Christus hat mich nicht gesandt zu taufen, sondern das Evangelium zu predigen", so ist es doch eine Tatsache, daß Paulus "Crispus und Gaius" und viele andere getauft hat (1 Kor. 1,14-17). Paulus selbst wurde getauft (Apg. 9,18). Paulus machte seinen Einwurf zu den Korinthern im Hinblick darauf, "daß nicht jemand sagen möge, ich hätte auf meinen Namen getauft". (V. 15) So sind also die Beispiele Christi und St. Pauli vielmehr eine Mahnung an alle, Kinder eingeschlossen, getauft zu werden.

 

    13. Das ZEUGNIS DER FRÜHEN KIRCHE zeigt, daß die Kleinkindertaufe praktiziert wurde. Die apostolischen und Kirchenväter bezeugen ihren Gebrauch und ihre Akzeptanz. Polycarp, Clemens von Rom, Justin Martyr, Irenäus, Tertullian (durch seine Opposition), Origenes, Cyprian, Pelagius und Augustinus bezeugen alle ihren Gebrauch von Anfang an. Hören wir einige ihrer Zeugnisse:

 

    Augustinus, 354-430, tröstet einige, die beunruhigt waren, "daß einige ihre Kinder nicht zur Taufe bringen, mit dem Glauben, daß sie durch geistliche Gnade zum ewigen Leben wiedergeboren werden könnten".

    Pelagius, geboren 330, schreibt: "Ich habe selbst von keinem ungläubigen Häretiker gehört, der behauptet hätte, das Kinder nicht zu taufen seien."

    Auf dem Konzil von Karthago, 254, sagten die sechsundsechzig Bischöfe: "Wir dürfen niemanden am Getaufwerden und der Gnade Gottes hindern, denn er ist gnädig und freundlich zu uns allen. Und diese Regel, da sie für alle gilt, sollte unserer Meinung nach besonders im Hinblick auf die Kinder, auch die neugeborenen, beachtet werden." 

    Origenes, 184-254, hält fest: "Gemäß der Praxis der Kirche, wird die Taufe auch Kindern gegeben, denn, wenn in den Kindern nichts wäre, was Vergebung und Gnade benötigte, so würde die Gnade der Taufe auch nicht notwendig erscheinen." Weiter schreibt er: "Das ist auch der Grund, weshalb die Kirche von den Aposteln her es überliefert bekommen hat, auch den Kindern die Taufe zu geben. Denn die, denen die göttlichen Geheimnisse anvertraut waren, wußten, daß in allen Personen eine natürliche Verunreinigung durch die Sünde ist, welche durch Wasser und Geist hinweggetan werden muß, weshalb ja auch der Leib selbst ein Leib der Sünde genannt wird." Weiter: "Kleinkinder sind um der Vergebung der Sünden willen zu taufen."

 

    Die Evangelisch-Lutherische Synode von Missouri zitiert in ihrer Serie zum hundertjährigen Jubiläum, The Abiding Word, Bd 2, S. 399-400, zusätzliche historische Zeugnisse:

 

Zusätzliche Zeugnisse für die Kindertaufe: Augustinus (+ 430): "Die Pelagianer haben es nie gewagt, die Kindertaufe zu leugnen, da sie wußten, daß, wenn sie sie geleugnet hätten, sie dann gewiß mit der ganzen Kirche hätten kämpfen müssen" (s. Lib. I:26). Wieder sagt er im Hinblick auf die Kindertaufe, daß "die gesamte Kirche sie gebraucht" und daß der Brauch, Kleinkinder zu taufen, "von den heiligen Aposteln herkommt". In seiner Zehnten Predigt ermahnt er seine Hörer: "Laßt euch von niemandem durch falsche Lehre verführen. Die Taufe von Kindern ist von der Kirche zu allen Zeiten praktiziert worden. ... und hat sie bis auf diesen Tag fortwährend bewahrt." (zitiert in Rambachs Erläuterungen, S. 681; für das gesamte Zitat s. Syn.Ber. d. Canada-Distr., 1888, S. 45) Derselbe Bericht zitiert auch ein Dekret des Konzils von Karthago (418): "Wer immer leugnet, daß neugeborene Kinder getauft werden sollen, der sei verflucht" (ebd. S. 46). Der Bericht zitiert darüber hinaus Tertullians Argument gegen die Kindertaufe (Tertullian, + ca. 220): "Von der Natur und Anlage jedoch und auch dem Alter jeder Person, ist es viel nützlicher, die Taufe hinauszuzögern; und das betrifft besonders kleine Kinder ... Laßt sie kommen, wenn sie heranwachsen; laßt sie kommen, wenn sie lernen (das ist), wenn sie gelehrt sind, wozu sie kommen. Warum soll das unschuldige Alter zur Vergebung der Sünden eilen? In irdischen Dingen gehen die Leute gewiß weitaus vorsichtiger vor; sie vertrauen denen göttliche Dinge an, denen sie nicht irdische Güter anvertrauen. Laßt die Kinder erst lernen, nach der Erlösung zu fragen, damit es klar ist, daß wir sie denen geben, die danach fragen. Aus dem gleichen starken Grund soll sie [die Taufe] auch bei den Unverheirateten herausgezögert werden. Wenn jemand die Bedeutung der Taufe betrachtet, so wird er ängstlicher sein, wenn er sie erhält, als wenn er sie hinauszögert." (ebd. S. 48) Der Bericht zitiert Luther mit den Worten, daß "Tertullian unter den Kirchenvätern ein richtiger Karlstadt war" (S. 47). [Abgesehen von der damals zwar weit verbreiteten Haltung der Taufverzögerung, ist schon allein die Begründung dafür völlig unbiblisch, zeigt, wie wenig Tertullian die Tiefe der Erbsünde und damit die Verdorbenheit des Säuglings erkannt hatte, ebenso, wie sehr er im Gesetz verhaftet war und die Heiligung ins Zentrum rückte und nicht das Evangelium als Zentrum des christlichen Glaubens erfaßte und wie nötig jeder Mensch die Vergebung der Sünden hat, die ihm in der Taufe zugeeignet wird und sie daher gar nicht zu früh bekommen kann. Ein Argument aber führt Tertullian für seine Haltung nicht an, was aber doch so bestechend, so durchschlagend gewesen wäre, wenn er es hätte bringen können: nämlich, daß die Kindertaufe erst später aufgekommen sei, etwa im zweiten Jahrhundert. Nein, das brachte er nicht, weil er es nicht konnte, denn es hätte nicht der historischen Wahrheit entsprochen (ebenso kennt die alte Kirche kein Taufdiskussion derart, daß eine Änderung des Taufmodus stattgefunden hätte im Blick auf das Alter des Täuflings. Die Diskussion, die in Tertullians Zeit aufkam, die auch als einzige bekannt ist, ging ja genau in die entgegengesetzte Richtung, nämlich die Kinder von der Taufe auszuschließen.) Anm. d. Übers.] - Cyprian, Bischof von Karthago (+ A.D. 258) war ein Freund aber kein Gefolgsmann Tertullians. Dieser Cyprian wies einen Presbyter in Numidien mit Namen Fidus zurecht, da er lehrte, die kleinen Kinder sollten nicht vor dem achten Tag getauft werden, da im Alten Testament die männlichen Kinder am achten Tag beschnitten wurden. Er [Cyprian] schreibt: "Und dies war nun, liebster Bruder, das abschließende Urteil auf unserem Konzil (in Karthago), daß niemand ausgeschlossen sein sollte von der Taufe und der Gnade Gottes, der doch so gnädig und gut und treu zu allen ist. Da nun dieser (gütige, göttliche) Vorsatz beachtet und erhalten werden soll im Blick auf alle, so halten wir dafür, daß dieser Vorsatz umso mehr die jungen Kinder, also auch die neugebornen, einschließt." (Ep. LIX. Ad Fidum. ebd. S. 49). Irenäus, ein Schüler Polycarps, der seinerseits ein Schüler des Apostels Johannes war, war Bischof in Gallien (Frankreich) seit A.D. 177. In seinem wohlbekannten Schreiben "Gegen die Häretiker" sagt er (II,22): Christus ist gekommen, daß er alle durch sich errette, ich sage: alle, die durch Ihn zu Gott wiedergeboren werden, die Kleinkinder und die Kindlein nicht weniger als solche, die Knaben oder junge Männer oder alte Männer sind." Irenäus erwähnt hier die Taufe nicht ausdrücklich, aber, wie der Bericht zeigt, schreibt er immer von der Wiedergeburt und Erlösung kleiner Kinder in einer solchen Weise, daß die Kindertaufe vorausgesetzt werden muß (ebd. S. 49). Weiter zeigt der Bericht, daß Justin Martyr (* A.D. 89; + A.D. 166) in seinem Dialog mit Tryphos, dem Juden darlegt, daß die Taufe die Beschneidung des Neuen Testamentes ist, und daß er in seiner Apologie, an Antonius Pius gerichtet (A.D. 81-166) schreibt: "Sehr viele Personen im Alter von sechzig oder siebzig Jahren, beides, Männer und Frauen, die als ein Kind zu Jüngern Christi (er verwendet hier dasselbe Verb matheteuein, das Christus in Matth. 28,19 verwendet) gemacht wurden, bleiben unbefleckt und unverheiratet." Ganz deutlich bezieht sich Justin Martyr hier auf die Heilige Taufe. Aber das bedeutet, daß die Kindertaufe nicht nur während seines Lebens (ca. A.D. 100) praktiziert wurde, sondern schon, während einige der Apostel (z.B. St. Johannes) noch lebten (ebd. S. 50).

     

    Es ist einfach eine Tatsache, daß diese Männer zeitlich weit näher an den Aposteln waren, als wir es sind. Ihre überwältigende Stimme gibt ein klares Zeugnis davon, daß die Säuglingstaufe praktiziert wurde. Sollen die Praktiken der modernen Leugner der Säuglingstaufe (gegründet auf den extremen Spekulationen der Wiedertäufer des 16. Jahrhunderts) uns als Führer dienen, oder sind die konkreten Zeugnisse vieler gottesfürchtiger Männer (die mit der Schriftwahrheit übereinstimmen) unser Vorbild?

 

    14. Das BEISPIEL JOHANNES' DES TÄUFERS sollte uns veranlassen, Babies zu taufen, denn es steht geschrieben, es "ging zu ihm hinaus die Stadt Jerusalem und das ganze jüdische Land und alle Länder an dem Jordan und ließen sich taufen von ihm im Jordan und bekannten ihre Sünden" [Matth. 3,5.6]. Gewiß sind in diese großen Mengen auch Kinder eingeschlossen.

 

    15. Eines der Hauptargumente derer, die gegen die Säuglingstaufe sind, ist ihre Behauptung, daß Babies nicht glauben könnten. Die Bibel lehrt jedoch, daß kleine Kinder glauben können - SÄUGLINGE, KLEINKINDER KÖNNEN GLAUBEN! Natürlich ist der Glaube der Kleinkinder kein reflektierender Glaube (fides reflexa), also kein bewußter und überlegender Glaube. Dennoch aber haben sie einen tatsächlichen Glauben (fides actualis), der sich wirklich an sein Gegenüber - Jesus Christus - hält. Dieser direkte Glaube (fides directa), der sich direkt Christus aneignet, ist nicht bloß ein möglicher oder als zukünftig möglicher Glaube, sondern ein wirklicher und rettender. Jesus sagt: "Wahrlich, ich sage euch, es sei denn, daß ihr euch umkehret und werdet wie die Kinder (paidia [d.i.: der Knabe, kleines Kind]), so werdet ihr nicht ins Himmelreich kommen. Wer nun sich selbst erniedri-get wie dies [kleine] Kind (paidione), der ist der Größte im Himmelreich. Und wer ein solches [kleines] Kind (paidione) aufnimmt in meinem Namen, der nimmt mich auf. Wer aber ärgert dieser Geringsten (nikrone - mikroskopisch, winzig, die ganz Kleinen) einen, die an mich glauben dem wäre besser, daß ein Mühlstein an seinen Hals gehänget und er ersäuft würde im Meer, da es am tiefsten ist. ... Sehet zu, daß ihr nicht jemand von diesen Kleinen verachtet! Denn ich sage euch: Ihre Engel im Himmel sehen allezeit das Angesicht meines Vaters im Himmel." (Matth. 18,3-6.10) Weiter sagt der Heiland: "Also auch ist's vor eurem Vater im Himmel nicht der Wille, daß jemand von diesen Kleinen (nikrone) verloren werde." (V. 14) In Matth. 19,14 spricht Jesus von "Kindlein" (paidia) und sagt: "solcher ist das Himmelreich". Das heißt also, daß wir im Glauben werden sollten wie sie, um Gottes Reich zu ererben. Sie sind das höchste Beispiel des Glaubens und haben das Vertrauen, das wir nachahmen sollen. Jesus sagt: "Wahrlich, ich sage euch, wer nicht das Reich Gottes nimmt wie ein Kind (paidione), der wird nicht hineinkommen." (Luk. 18,17) In Luk. 10,21 (Matth. 11,25) lesen wir: "Zu der Stunde freuete sich Jesus im Geist und sprach: Ich preise dich, Vater und Herr Himmels und der Erde, daß du solches verborgen hast den Weisen und Klugen und hast es offenbart den Unmündigen (napiois)." Matth. 21,15-16 erwähnt, daß "die Kinder (paidias) im Tempel schreien und sagen: Hosianna dem Sohn Davids!" was den Hohenpriestern und Schriftgelehrten mißfiel, und Jesus sie deshalb zurechtwies, indem er das Alte Testament (Ps. 8,3) zitiert, so es heißt: "Habt ihr nie gelesen: Aus dem Munde der Unmündigen und Säuglinge (napione kai thelazontone) hast du Lob zugerichtet?" Luk. 18,15 erwähnt, daß "sie brachten auch junge Kindlein (brephee) zu ihm, daß er sie sollte anrühren". Als die Jünger sie zurückwiesen, sagte Jesus: "Lasset die Kindlein (paidia) zu mir kommen und wehret ihnen nicht; denn solcher ist das Reich Gottes." (V. 16) Diese "jetzt gebornen Kindlein" (artigeneeta brephee) sind "gierig nach der vernünftigen lautern Milch" des Wortes (1 Petr. 2,2 [hier wird zwar nur vergleichsweise von den neugebornen Kindern gesprochen, nämlich daß wir so begierig nach Gottes Wort sein sollen, wie dies kleine Kinder nach der Muttermilch sind; aber es zeigt dies Wort, daß der auch an anderen Stellen verwendete Begriff 'brephee' eben gerade auch Säuglinge umschließt, Anm. d. Übers.]) Bedenken wir insbesondere, daß "Kindlein" (brephee) auch den Fötus im Mutterleib einschließt (Luk. 1,41.44; 2,12.16; 18,15; Apg. 7,19; 2 Tim. 3,15). St. Johannes spricht Gläubige immer wieder als "Kindlein" (teknia und paidia) in seinen drei Briefen an (1 Joh. 2,1.13.18.28; 3,7.10; 4,4; 5,21; 2 Joh. 1,13; 3 Joh. 4). Es ist offensichtlich, daß die griechischen Worte für "Kinder" (teknois), "Kindlein" (paidia), Babies (napione), "die Kleinen" (mikrone), "kleine Kinder" (brephee) und "Säuglinge" (thelazontone) wechselweise in der Schrift verwendet werden, und es wird von diesen ausgesagt, daß sie "glauben", "ihrer das Himmelreich ist", sie "Gott preisen" und daß wir wie sie werden sollen. Wenn darauf bestanden wird, daß rettender Glaube ein bewußtes vernünftiges Verstehen erfordert, dann fragen wir, ob eine Person Glauben hat, während sie schläft, bewußtlos, verwirrt ist, im Koma liegt oder geistig ernstlich behindert ist? Babies können glauben und die Taufe wirkt in ihnen diesen Glauben.              

  

    16. Den Christen ist es befohlen, DIE BABIES ZU JESUS CHRISTUS ZU BRINGEN. In Mark. 10,13-16 (Matth. 19,13-15; Luk. 13,15-17) wird uns gesagt, daß wir es nicht hindern sollen, sondern erlauben, daß kleine Kinder zu Jesus gebracht werden. Zuvor hat Jesus gesagt: "Wer ein solches Kindlein in meinem Namen aufnimmt, der nimmt mich auf." (Mark. 9,37) Bringen etwa christliche Eltern ihre Babies nicht gerade dann zu Christus, wenn diese kleinen Kinder in der Taufe "Christus anziehen" (Gal. 3,27)?

 

    17. DIE TAUFE IST NOTWENDIG, um in Gottes Reich einzutreten. In Joh. 3,3-6 lesen wir: "Jesus antwortete und sprach zu ihm: Wahrlich, wahrlich, ich sage dir: Es sei denn, daß jemand von neuem geboren werde, kann er das Reich Gottes nicht sehen. Nikodemus spricht zu ihm: Wie kann ein Menschen geboren werden, wenn er alt ist? Kann er auch wiederum in seiner Mutter Leib gehen und geboren werden? Jesus antwortete: Wahrlich, wahrlich, ich sage dir: Es sei denn, daß jemand geboren werde aus dem Wasser und Geist, so kann er nicht in das Reich Gottes kommen. Was vom Fleisch geboren wird, das ist Fleisch, und was vom Geist geboren wird, das ist Geist." In Mark. 16,16 hebt der Herr hervor: "Wer da glaubet und getauft wird, der wird selig werden; wer aber nicht glaubet, der wird verdammt werden." Eltern, die sich weigern, ihre Kinder zu taufen, sind wie die "Pharisäer und Schriftgelehrten", die sich weigerten, "sich taufen zu lassen mit der Taufe des Johannes" und so "verachteten Gottes Rat wider sich selbst und ließen sich nicht von ihm taufen". (Luk. 7,29.30) Denen, die die Taufe verweigern und verwerfen, können wir keinen Trost anbieten. Wir wagen es niemals, ihnen den Eindruck zu geben, daß sie die Erlösung empfangen, wenn sie Gottes Sakrament verachten. Wenn sie das Beispiel des Schächers am Kreuz aufwerfen, dem Christus das Paradies verhieß, müssen wir fragen: 1) Woher wissen wir, daß er nicht während seines Lebens mit der Taufe des Johannes getauft wurde (Seine Taufe wird nicht erwähnt, ebensowenig aber auch abgewiesen)? 2) Kann eine Ausnahme, die Christus von seiner Regel in Joh 3,5 zuließ und einem Einzelnen in Luk. 23,43 gewährte, auf alle bezogen werden? (Wir sind an die Gnadenmittel gebunden, Christus nicht.) [Wir müssen auch sehen, daß dieser Schächer, selbst wenn er nicht getauft worden ist, die Taufe ja nicht deshalb nicht empfing, weil er sie verachtete, sondern weil er nicht mehr die Gelegenheit dazu hatte, sie zu empfangen. Der Glaube ist absolut, unbedingt notwendig zur Erlösung, die Taufe ist notwendig als das Mittel, neben dem Evangelium im Wort, die Erlösung zu empfangen; es sei denn, sie kann aus besonderen Umständen heraus nicht erlangt werden und so Gott allein durch das Evangelium im Wort errettet. Anm. d. Übers.] 3) Christus hatte seine Taufe noch nicht eingesetzt; dies machte er erst unmittelbar vor seiner Himmelfahrt (Matth. 28,18-20).

 

    18. Wir müssen stets bedenken, daß die Heilige Taufe das WUNDER DER BEKEHRUNG wirkt, hervorgebracht vom Heiligen Geist durch Gottes Wort, im Herzen eines Kindes oder eines Erwachsenen. Diejenigen, die gegen die Kindertaufe sind, kommen alle von einer synergistischen Sicht der Bekehrung her ('Synergismus' kommt vom Lateinischen 'syn' = 'mit', 'argo' = 'arbeiten', meint also Mitarbeiten und behauptet, daß der Mensch in seiner Bekehrung mit Gott zusammenarbeiten könne. Es wird gesagt, daß eine Person erst so alt werden müsse, daß sie Rechenschaft ablegen könne, die Verantwortung tragen, um sich Jesus zu übergeben, für Jesus zu entscheiden, Jesus in ihr Leben einzuladen, zu wählen zu glauben oder Jesus als ihren persönlichen Heiland suchen zu können. Die Bibel sagt uns jedoch, daß die Errettung das Ergebnis von Gottes Entscheidung über uns ist und niemals von uns im Blick auf Ihn. Sonst wäre ja unsere "Entscheidung" ein gutes Werk von unserer Seite, das dem Glauben voranginge und bedeuten würde, daß wir unsere Errettung verdienen würden oder doch an ihr teilnähmen. Wir können aber die Erlösung nicht durch Werke, Mittun bekommen (Röm. 3,24.28; 5,15.18; 11,6; Tit. 3,5; Eph. 2,8.9; Gal. 2,11); wir können sie nur als ein Geschenk durch den Glauben empfangen. Die Erlösung ist einzig und allein und völlig Gottes Werk (Monergismus) durch sein Wort (Joh. 6,44.65; 15,5.6; Röm. 9,16; Eph. 1,19.20; 2,13; 1 Kor. 12,3; Kol. 2,12). Die Taufe ist das Wasser mit Gottes Wort verbunden. Sie erlöst wahrhaftig! Beachte die folgenden Segnungen, die die Taufe gibt:

 

Apg. 2,38: "... und lasse sich ein jeglicher taufen auf den Namen Jesu Christi zur Vergebung der Sünden, so werdet ihr empfangen die Gabe des Heiligen Geistes."

Apg. 22,16: "Stehe auf und laß dich taufen und abwaschen deine Sünden und rufe an den Namen des Herrn."

Röm. 6,3-14: "Wisset ihr nicht, daß alle, die wir in Jesum Christum getauft sind, die sind in seinen Tod getauft? So sind wir je mit ihm begraben durch die Taufe in den Tod, auf daß, gleichwie Christus ist auferweckt von den Toten durch die Herrlichkeit des Vaters, also sollen auch wir in einem neuen Leben wandeln. ... dieweil wir wissen, daß unser alter Mensch samt ihm gekreuziget ist, auf daß der sündliche Leib aufhöre, daß wir hinfort der Sünde nicht dienen. Denn wer gestorben ist, der ist gerechtfertiget von der Sünde. ... Denn die Sünde wird nicht herrschen können über euch, sintemal ihr nicht unter dem Gesetze seid, sondern unter der Gnade."

1 Kor. 6,11: "Aber ihr seid abgewaschen, ihr seid geheiliget, ihr seid gerecht worden durch den Namen des Herrn Jesu und durch den Geist unsers Gottes."

1 Kor. 12,13: "Denn wir sind durch einen Geist alle zu einem Leibe getauft, wir seien Juden oder Griechen, Knechte oder Freie, und sind alle zu einem Geist getränket."

Gal. 3,26.27: "Denn ihr seid alle Gottes Kinder durch den Glauben an Christum Jesum. Denn wieviel euer getauft sind, die haben Christum angezogen."

Eph. 4,3-6: "Seid fleißig, zu halten die Einigkeit im Geist durch das Band des Friedens. Ein Leib und ein Geist, wie ihr auch berufen seid auf einerlei Hoffnung eurer Berufung. Ein Herr, ein Glauben, eine Taufe, ein Gott und Vater (unser) aller, der da ist über euch alle und durch euch alle und in euch allen."

Eph. 5,25-27: "Ihr Männer, liebet eure Frauen, gleichwie Christus auch geliebet hat die Gemeinde und hat sich selbst für sie gegeben, auf daß er sie heiligte und hat sie gereiniget durch das Wasserbad im Wort, auf daß er sie sich selbst darstellete als eine Gemeinde, die herrlich sei, die nicht habe einen Flecken oder Runzel oder des etwas, sondern daß sie heilig sei und unsträflich."

Tit. 3,5-7: "Nicht um der Werke willen der Gerechtigkeit, die wir getan hatten, sondern nach seiner Barmherzigkeit machte er uns selig durch das Bad der Wiedergeburt und Erneueurng des Heiligen Geistes, welchen er ausgegossen hat über uns reichlich durch Jesum Christum, unsern Heiland, auf daß wir durch desselbigen Gnade gerecht und Erben seien des ewigen Lebens nach der Hoffnung."

1 Petr. 3,20.21: "... zu den Zeiten Noahs, da man die Arche zurüstete, in welcher wenig, das ist, acht Seelen behalten wurden durchs Wasser, welches nun auch uns selig macht in der Taufe, die durch jenes bedeutet ist, nicht das Abtun des Unflats am Fleisch, sondern der Bund eines guten Gewissens mit Gott duch die Auferstehung Jesu Christi."

 

    Ist es denn so schwer zu glauben, daß der Gott, der die Herzen erwachsener Menschen überwindet und sie durch sein Wort zum Glauben bringt, durch die Verbindung seines Wortes im Gebrauch des Wassers im Herzen eines kleinen Kindes, eines Säuglinges, eine Bekehrung wirken und seinen Heiligen Geist ihm senden kann? Derselbe Geist ruft durch den Mund der Kindlein: "Abba, lieber Vater". (Röm. 8,15-16)

 

    Ist die Taufe absolut notwendig? Was ist mit denjenigen Kindern christlicher Eltern, die sterben, bevor sie getauft werden konnten? Wenn es sich bei den Eltern dieser Kinder um gläubige (nicht ungläubige) Personen handelt, die beabsichtigten, ihr Kind zu taufen und die Taufe nicht verwerfen, so "befehlen wir dieses Kind der Barmherzigkeit des Herrn an", wie die lutherische Liturgie sagt. Dafür haben wir gute Gründe:

 

    1. Die Zusammenhänge solcher Abschnitte, die scheinbar die absolute Notwendigkeit der Taufe lehren, zeigen an, daß diese Worte Aussagen des Gesetzes sind, nicht des Evangeliums. Joh. 3,5 und Luk. 7,29.39 wurden zu Ungläubigen gesprochen, zu Pharisäern, die die Taufe verwarfen. In Mark. 16,16 fehlt die verwerfende Formel "und derjenige, der nicht getauft wird, soll verdammt werden". Nur der Unglaube verdammt. Luther sagt im Großen Katechismus, daß es die Verachtung der Taufe ist, die verdammt, nicht ihr Mangel. Luther sagt: "Der ungetaufte Gläubige wird nicht verdammt. Der ist verdammt, der nicht glaubt." (St. Louis ed., XII, 1706)

    2. Wir sind wohl an die Gnadenmittel (Wort und Sakramente) gebunden, aber bedenke, daß Gott nicht gebunden ist. Er kann, wenn er es so wählt, den Glauben in einem Säugling auch außerhalb der Taufe schaffen, geradeso, wie er Kinder Abrahams sich aus Steinen erwecken kann (Matth. 3,9). Es gibt verschiedene Hinweise, daß Gott nicht nur Glauben ohne Mittel schaffen könnte, sondern es auch tat: a) Johannes der Täufer, Luk. 1,15.41.44; b) kleine Mädchen im Alten Testament; c) ein kleiner Junge im Alten Testament, der vor der Beschneidung starb und dennoch in den Himmel ging, 2 Sam. 12,18.23; d) Babies und Säuglinge, Matth. 21,15.16 (Ps. 8,2); e) die Babies der Heiligen, bevor der Bund der Beschneidung gegeben wurde. Diese Beispiele dürfen allerdings niemals dazu gebraucht werden, die Vernachlässigung oder Verwerfung der Taufe zu rechtfertigen.

    3. Christliche Eltern bringen ungeborene und neugeborene Kinder Gott im Gebet; nicht, daß er Glaube der Eltern auf das Kind übergeht, sondern das Gebet ist kraftvoll (Jak. 5,16).

 

    Diese erwähnten Punkte sind als reiner Trost des Evangeliums christlichen Eltern gegeben, deren Kinder nicht die Möglichkeit hatten, getauft zu werden und starben. Wir lassen die letzte Sorge für ihre Seele in der Hand eines barmherzigen Gottes. Das ist das Vertrauen, wozu uns das erste Gebot aufruft.

 

    Ist die lutherische Praxis, bei der Taufe "Paten" zu haben, biblisch? Gemäß dem Kleinen Katechismus sollen Paten a) bezeugen, daß die Kinder richtig getauft wurden; b) beistehen in der Sorge für die christliche Erziehung und Unterweisung ihrer Patenkinder, besonders dann, wenn diese ihre Eltern verlieren sollen; und c) sollen sie für sie beten. Da ein Pate verspricht, das Kind im gleichen Glauben aufzuziehen und zu unterweisen, in welchem es getauft wurde, ist es richtig, wenn die Kirche darauf besteht, daß die Paten aus der gleichen Kirchengemeinschaft kommen, damit nicht das Gewissen einer Person belastet wird und auch um sicher zu gehen, daß das Versprechen erfüllt wird. Die Praxis, Zeugen zu haben,  die angeben, daß ein Akt wahrhaftig und tatsächlich stattgefunden hat, ist allerdings biblisch. (5 Mose 19,15; Matth. 18,16; Joh. 8,17; 2 Kor. 13,1) [Das Patenamt selbst ist dabei nicht eine göttliche biblische Ordnung, aber es hat Vorbilder und ist eine feine kirchliche Einrichtung. Anm. d. Übers.]

 

    Möge Gott allen, die diese Schrift lesen, schenken, daß sie das Bekehrungswerk des Heiligen Geistes hochschätzen, der durch das Mittel der Heiligen Taufe kleine Kinder zu Jesus, ihrem Heiland, bringt. Amen.

 

 

 

DIE TAUFE - EIN GNADENMITTEL DES HEILS GOTTES

 

(entnommen aus: Predigten über die Sonn- und Festtagsepisteln des Kirchenjahres.

Die Epistel am zweiten Christtage.

Von Wilhelm Sihler)

 

    Tit. 3,4-7: Da aber erschien die Freundlichkeit und Leutseligkeit Gottes, unsers Heilandes, nicht um der Werke willen der Gerechtigkeit, die wir getan hatten, sondern nach seiner Barmherzigkeit machte er uns selig durch das Bad der Wiedergeburt und Erneuerung des Heiligen Geistes, welchen er ausgegossen hat über uns reichlich durch Jesus Christus, unsern Heiland, auf daß wir durch desselbigen Gnade gerecht und Erben seien des ewigen Lebens nach der Hoffnung.

 

 

III.

 

    Welches ist das eine Gnadenmittel, dadurch solches Heil uns zugeeignet wird? Darauf antwortet unser Abschnitt: "Gott macht uns selig durch das Bad der Wiedergeburt und Erneuerung des heiligen Geistes." Die Taufschwärmer geben sich zwar viel Mühe, dies Bad nicht als die Taufe anzusehen; denn sie stieren mit ihren ungläubigen Vernunftaugen auf das Wasser allein hin und fragen danach: "Wie kann Wasser solche großen Dinge tun?", nämlich, dass die Taufe Vergebung der Sünde wirke, vom Tode und Teufel erlöse und die ewige Seligkeit denen gebe, die da glauben, wie die Worte und Verheißungen Gottes lauten: "Wer da glaubt und getauft wird, der wird selig." Diese Frage also hat Luther aus dem Munde der Schwärmer und der natürlichen fleischlichen Vernunft aufgenommen und antwortet bekanntlich so darauf: "Wasser tut's freilich nicht, sondern das Wort Gottes, so mit und bei dem Wasser ist, und der Glaube, der solchem Worte Gottes im Wasser trauet; denn ohne Gottes Wort ist das Wasser nur Wasser und keine Taufe; aber mit dem Worte Gottes ist es eine Taufe, das ist ein gnadenreich Wasser des Lebens und ein Bad der neuen Geburt im heiligen Geist." Die Schwärmer nämlich hassen von Grund des Herzens die heilige Taufe, weil sie alle ihre menschlichen Werkereien und selbsterwählten Gottesdienste und Geisttreiberei, um dadurch Gnade von Gott und Vergebung der Sünde zu erlangen, als ohnmächtigen Menschentand zunichte macht und mit der Majestät des göttlichen Wortes all ihre gesetztreiberischen Bekehranstalten in Schreigebeten, Bußbank usw. [damals, im 19. Jahrhundert, vielfach die Art wie durch methodistische Prediger missioniert wurde, Anm. d. Hrsg.] kräftig zu Boden schlägt. Denn mögen die Schwärmer nach dem Hochmutsteufel, der sie regiert, das äußerliche, geschriebene Wort Gottes in seiner einfältigen, schlichten Gestalt, verglichen mit ihrem vorgeblichen inneren Wort und vermeintlichen geistlichen Erleuchtungen und Offenbarungen, darin sich der Satan verstellt in einen Engel des Lichts, noch so verächtlich anschauen und gering schätzen - es ist und bleibt doch immer das lebendige und kräftige Wort des allmächtigen majestätischen Gottes, welches allezeit das ausrichtet, was der Herr durch dasselbe ausrichten will.

    Da sprach er z.B. das Wort leiblicher Verheißung über unsere ersten Eltern im Paradiese, 1 Mose 1,28, aus und wiederholte es nach der Sintflut gegenüber Noah: "Seid fruchtbar und mehret euch und erfüllet die Erde und machet sie euch untertan." Und kraft dieses ein für allemal wirksamen und gültigen Verheißungsworts, das zuvor auch die Tiere empfingen - kraft dessen geschah es und geschieht es und wird bis an den jüngsten Tag geschehen, dass Menschen gezeugt und geboren werden; denn der Akt der Zeugung, als Mittelursache, ist nur die Wirkung dieses Wortes. Ferner, wenn Christus, der allmächtige und wahrhaftige Sohn Gottes, das heilige Abendmahl in bestimmten Worten einsetzt, so ist es die Kraft dieser Worte, wo sie gefaßt und verstanden werden, wie sie lauten, durch welche überall und allezeit bis an den jüngsten Tag der Leib und das Blut Christi auf sakramentliche Weise mit dem Brot und Wein in Gemeinschaft gesetzt und vereinigt werden; und dadurch geschieht es, dass jeder Abendmahlsgenosse, er sei gläubig oder nicht, mit, in und unter dem Brot und Wein auch den Leib und das Blut Christi empfängt, wenn er gleich das Wie dieser Vereinigung nicht begreifen kann und soll. Denn könnte er dies Wie gleich wie ein Rechenbeispiel mit seinem Verstande begreifen, so wäre die Lehre vom Abendmahl kein im Wort geoffenbartes Glaubensgeheimnis, kein Artikel des Glaubens, gleichwie die persönliche Vereinigung der göttlichen und menschlichen Natur in Christus; und so wenig ich hier das Wie begreifen kann, so wenig vermag ich die sakramentliche Vereinigung des Leibes und Blutes Christi mit dem Brote und Wein im heiligen Abendmahl begreifen. Denn könnte ich das, so brauchte ich es nicht zu glauben. Und es wäre fürwahr kein unendlicher, allmächtiger, majestätischer Gott, der da überschwänglich tun kann über alles, das wir verstehen, sondern ein sehr armer und armseliger Gott, den der endliche Verstand des zudem gefallenen Menschen in seinem Wesen, Eigenschaften und Werken begreifen könnte. Und so töricht und närrisch es wäre, wenn ein Mensch sich daran machte, mit einem Löffel das Meer auszuschöpfen oder das uns rings umgebende Luftmeer in eine Blase aufzufangen und darin einzusperren: ebenso kindisch und albern ist es, wenn der endliche Verstand des hochmütigen Zwergleins und Gernegroß, genannt Mensch, sich unterfängt, den unendlichen, allumfassenden Gott zu fassen und zu begreifen.

    Wie aber bei dem Abendmahl, so verhält es sich in gleicher Weise bei der Taufe. Auch hier ist es das Wort des allmächtigen und wahrhaftigen Sohnes Gottes, das mit und bei dem Wasser ist und dadurch der dreieinige Gott mit dem Wasser sich sakramentlich vereinigt, also daß es kraft dieses Worts ein durchgottetes, durchchristetes, durchgeistetes Wasser ist. Möge es also vor den Augen der Vernunft ebenso dürftig und unscheinbar aussehen wie der Zimmermannssohn aus Nazareth, so ist doch dies unzweifelhaft wahr, daß, so gewiß in diesem, nach dem Zeugnis des heiligen Geistes durch Paulus Kol. 2, die Fülle der Gottheit leibhaftig wohnte, so gewiß ist mit dem Wasser der Taufe kraft des Wortes der Einsetzung sakramentlich verbunden und vereinigt die Gnade des Vaters, das Verdienst des Sohnes und die Kraft des heiligen Geistes. Es schließt also in der heiligen Taufe, wo sie nach Christi Stiftung verwaltet wird, der dreieinige Gott einen Gnadenbund mit den Menschen, sofern, dessen "Glaube solchem Worte Gottes im Wasser trauet". Und so geschieht es, daß der gläubige Täufling ein Kind des Vaters, ein Bruder oder Schwester des Sohnes, ein Tempel und Wohnung des heiligen Geistes wird. Das ist nun in der Tat eine viel andere und höhere Würde und Ehre, die dem Menschen in der Taufe widerfährt, als wenn der zerlumpteste und verkommenste Bettler von dem mächtigsten Fürsten der Erde an Kindes Statt angenommen, zu dem Bruder seines Erstgeborenen und Mitregenten gemacht und mit allerlei Gütern und Schätzen reichlich beschenkt würde; denn von Natur sind ja beide, der Fürst und der Bettler, vor Gott Sünder und Kinder des Unglaubens und deshalb auch Kinder des Zornes; sodann können deshalb alle jene Gaben und Güter dem Bettler keine Vergebung der Sünden und keine Kindschaft Gottes verleihen und endlich würden beide gleicherweise verdammt, wenn sie etwa beide die heilige Taufe verachten und im Unglauben gegen Christus dahinführen.

    Reich und mannigfaltig sind aber die Zeugnisse der heiligen Schrift von der mächtigen und gnadenreichen Wirkung der heiligen Taufe, eben um jenes Wortes Gottes willen, damit mit und bei dem Wasser ist. Denn Eph. 5,26 sagt der heilige Geist durch Paulus, daß Christus durch dies "Wasserbad im Wort seine Gemeinde gereinigt habe", indem er nämlich dasselbe sühnende und von der Schuld und Befleckung der Sünde reinigende Gottesblut, dadurch er am Kreuze seines Gemeinde sich erkaufte und erwarb, der Kraft und Wirkung nach, in dies Gnadenmittel der Taufe hineinlegte und dem gläubigen Täufling immerdar zueignet. Ähnlich lautet es Apg. 22,16, wo paulus meldet, dass Ananias so zu ihm geredet habe: "Stehe auf und lass dich taufen und abwaschen deine Sünden und rufe an den Namen des Herrn." Desgleichen sagt Apg. 2,38 Petrus zu denen, welchen sein Zeugnis von Christuss, dem Gekreuzigten und Auferstandenen, durch's Herz ging, auf die Frage: "Ihr Männer, liebe Brüder, was sollen wir tun?" "Tut Buße (das ist, bereuet eure Sünden und glaubet an Christus) und lasse sich ein jeglicher taufen auf den Namen Jesu Christi zur Vergebung der Sünde, so werdet ihr empfangen die Gabe des heiligen Geistes." Und besonders sind diese Schlußworte ein Donnerschlag gegen die Taufschwärmer; denn aus ihnen ist klar ersichtlich, dass nicht durch ihre werkerischen und stürmischen Schreigebete, sondern in Kraft der heiligen Taufe und mit der Vergebung der Sünde um Christi willen aus Gnaden den Gläubigen auch die Gabe des heiligen Geistes zu gnadenreicher Einwohnung verliehen und mitgeteilt werde. Zudem lautet es Gal. 3,27 so: "Denn wie viele euer getauft sind, die haben Christus angezogen", das ist, mittelst der Taufe ist ihnen durch den Glauben Christi Gerechtigkeit so zugerechnet, dass sie darin als in die Kleider des Heils und in den Rock der Gerechtigkeit völlig eingekleidet und vor Gott also damit bedeckt sind, dass er keine Schuld und nichts Verdammliches mehr an ihnen findet, ja, dass sie Christus als Gottes Kinder und seine Brüder auch in der Gemeinschaft seiner Güter eingesetzt hat.

    Ferner sagt unser lieber Herr Christus Joh. 3,5 zu Nikodemus: "Wahrlich, wahrlich, ich sage dir: Es sei denn, daß [Wenn] jemand [nicht] geboren werde aus dem Wasser und Geist, so kann er nicht in das Reich Gottes kommen." Mit einer zweifachen Beteuerung fängt der werte Heiland diesen Spruch an, darin er dem Nikodemus und seinem unruhigen Gewissen auf die Frage antwortet, die er bereits in seinen Herzen wahrnahm, ehe Nikodemus sie über die Lippen brachte, nämlich: "Was soll ich tun, dass ich selig werde?" Darauf erwidert ihm nun Christus in den obigen Worten, dass dazu kein menschliches Tun etwas helfe, sondern es gelte eine neue Geburt aus Gott, welche dieser aber durch die Taufe wirke, dadurch der Mensch, der Sünder ist durch seine natürliche Zeugung, sofern er glaubt, aus dem Reiche des Teufels in das Reich Gottes versetzt werde.

    Es bezeugt also Christus in diesen Worten dasselbe, was Paulus in unserer heutigen Epistel lehrt, dass Gott den Sünder selig mache durch das Bad der Wiedergeburt und Erneuerung des heiligen Geistes. In den unmündigen Kindern geschieht nun diese neue geistliche Geburt so, dass in der heiligen Taufe Gott den Glauben an Christus in ihnen anzündet und in der Zueignung des Verdienstes Christi die Schuld der Sünde hinwegnimmt und die neue Kreatur in ihnen wirkt und den heiligen Geist mitteilt. In den Erwachsenen aber, die aus dem unvergänglichen Samen, nämlich aus dem lebendigen Wort Gtotes, dem Evangelium, nach 1 Petr. 1,23 bereits gläubig und wiederum geistlich geboren sind - in diesen ist die Taufe, das Wasserbad im Wort, die jedem Einzelnen besonders zufließende Bekräftigung und Versiegelung ihrer Wiedergeburt. In beiden Fällen aber sind die Getauften und Gläubigen nach Gott geschaffenen in rechtschaffener Gerechtigkeit und Heiligkeit, also dass das göttliche Ebenbild, dem Anfang nach, wieder in ihnen vorhanden ist; denn es herrscht in ihnen nicht mehr der Unglaube, sondern der Glaube, nicht mehr der Ungehorsam gegen die Gebote Gottes, sondern der Gehorsam, nicht mehr die Selbstsucht, sondern die Liebe, nicht mehr der Hochmut, sondern die Demut, nicht mehr der Zorn, sondern die Sanftmut, nicht mehr die böse Lust nach des Nächsten Habe, Frau, Ehre usw., sondern die heilige Begierde, Gott und den Nächsten wahrhaft zu lieben, desgleichen die heilige Lust an Gottes Namen, Ehre, Werken und Reich und besonders an seinem Wort, darin dies alles befaßt ist. Aber leider findet sich in einem Christenmenschen, nach seiner natürlichen Beschaffenheit, immer noch hier auf dieser Erde der alte Mensch, das Fleisch, die erbsündliche verdorbene Natur vor, und deshalb bedarf er auch stetig der "Erneuerung des heiligen Geistes". Und diese besteht in dem Getauften und Gläubigen darin, daß der heilige Geist durch das Gesetz den alten Menschen in täglicher Reue und Buße immer mehr abschwächt und tötet mit all seinen Sünden und bösen Lüsten und durch das Evangelium den neuen Menschen immer mehr stärkt und belebt, daß er in Gerechtigkeit und Reinigkeit immer völliger vor Gott lebe.

    Wenn es nun heißt, dass Gott der Vater diesen "heiligen Geist ausgegossen hat über uns reichlich durch Jesus Christus, unsern Heiland", so ist das die Meinung, dass diese Ausgießung allein um Christi willen geschehen ist. Denn allein durch sein Blut und Tod, durch seine stellvertretende Genugtuung hat er sie uns erworben, und durch seine Auferstehung und Himmelfahrt hat er sie uns zuwege gebracht. Ja, wie er in den Tagen seines Fleisches, Joh. 15,26, seine betrübten und niedergeschlagenen Jünger damit tröstete, daß er ihnen einen anderen, den bleibenden Tröster, den heiligen Geist, den Geist der Wahrheit, senden wolle: also ist es denn an jenem Tage der ersten und zudem sicht- und hörbaren Ausgießung des heiligen Geistes wirklich geschehen; und wie in unserer Epistel dem Vater, so ist sie in Apg. 2,33 auch dem Sohne zugeschrieben, und zwar als dem erhöhten und verherrlichten Gottmenschen, denn diesr ist nach vollbrachtem Leiden nach seiner menschlichen Natur vom Vater zu dem völligen und unaufhörlichen Gebrauch der göttlichen Majestät und Herrlichkeit erhöht worden, die er schon im Augenblick der Empfängnis im Mutterleibe durch die An- und Aufnahme der menschlichen Natur in die Person des Sohnes Gottes zu persönlicher Vereinigung, nach dieser seiner angenommenen Menschheit, wirklich und wahrhaftig besaß, im Stnade der Erniedrigung aber dieses Gebrauchs sich zumeist entäußerte, um für uns leiden und sterben zu können. Denn so steht Apg. 2,33 geschrieben: "Nun er durch die Rechte Gottes erhöht ist und empfangen hat die Verheißung des heiligen Geistes (das ist der verheißene heilige Geist, Matth. 3,11) vom Vater, hat er ausgegossen dies, das ihr sehet und höret." ...

    Wir wollen umso fester an dem trostreichen Evangelium und der Gnade der Taufe hängen und haften; denn in ihr hat ja der treue und wahrhaftige Gott, dessen Geben und Berufung ihn nicht gereuen mögen, einen Gnadenbund mit uns gemacht, und um deswillen gibt er uns auch Gnade zu rechtschaffener Bekehrung durch die Buße zu Gott und den Glauben an unsern Herrn Jesus Christus, wenn wir zeitweilig durch Betrug des Teufels, der Welt und unseres Fleisches bundbrüchig geworden und unsere Glaubenshand aus seiner Gnadenhand gezogen haben.   

 

 

 

VON DER TAUFE

Von Georg Mezger

entnommen aus: Entwürfe zu Katechesen

über Luthers Kleinen Katechismus

 

 

Was ist die Taufe?

 

    Einleitung: Es gibt in der Kirche des Neuen Testamentes zur zwei Sakramente. Von dem ersten Sakrament der christlichen Kirche, von der heiligen Taufe, handelt das vierte Hauptstück. Und zwar legt unser Katechismus uns die Lehre der Heiligen Schrift von der Taufe in vier Fragen dar, deren Antwort er dann aus Gottes Wort erweist... Die erste Frage handelt vom Wesen der Taufe. Wir fragen: „Was ist die Taufe?“

     1. In der Antwort auf diese Frage sagt unser Katechismus uns zunächst, was die Taufe nicht ist. Er sagt: „Die Taufe ist nicht allein schlicht Wasser.“ (Das Wort „allein“ gehört nicht zu dem Worte „nicht“, als hätte Luther sagen wollen, was die Taufe nicht allein, nicht nur sei, dann könnte nicht nur „sondern“ folgen, dann müsste es „sondern auch“ heißen. „Allein“ gehört zu „schlicht Wasser“. Luther sagt uns zunächst, was die Taufe nicht ist, nämlich „allein schlicht Wasser“. Sie ist nicht gewöhnliches, natürliches Wasser. Daß dieses Luthers Meinung ist, geht klar aus dem Großen Katechismus hervor, wo es so heißt: „Aus diesem lerne nun einen richtigen Verstand fassen und antworten auf die Frage: was die Taufe sei? nämlich so: dass sie nicht ein bloßes schlichtes Wasser, sondern ein Wasser in Gottes Wort und Gebot gefasset“ usw. Demgemäß hat auch die lateinische Übersetzung: „Baptismus non simpliciter est aqua.“) „Allein schlicht Wasser“ heißt: gewöhnliches, natürliches Wasser. Das ist die Taufe nicht. Sie ist nicht einfach Wasser, wie andere Wasser auch. So scheint es allerdings zu sein nach unserer Vernunft. Wir sehen nichts anderes, als dass ein Kindlein begossen wird mit ein wenig Wasser und hören ein paar Worte dabei aussprechen. Das scheint eine ganz geringe Handlung zu sein. Die Ungläubigen, die Kinder dieser Welt, lachen und spotten daher über die heilige Taufe. Ja, es gibt auch manche falschgläubige Kirchen, manche Sekten, die die Taufe als ein geringes Ding ansehen, auf das nicht viel ankomme. (s. Luther, X, 2057 ff.) Aber so steht es mit der Taufe nicht. Sie ist nicht schlichtes, gewöhnliches Wasser, sondern etwas viel Höheres. „Sie ist das Wasser in Gottes Gebot gefasset und mit Gottes Wort verbunden.“ Es ist also zweierlei in der Taufe, wodurch das Wasser ein anderes wird: einmal Gottes Gebot und sodann Gottes Wort.

    2. Die Taufe ist das Wasser in Gottes Gebot gefasset. Die Taufe ist also Wasser, natürliches, irdisches Wasser. Das ist das äußerliche Mittel, das wir bei der Taufe gebrauchen sollen. Anstatt des Wassers können wir nichts anderes nehmen. Haben wir kein Wasser, so können wir nicht taufen. – Aber dieses Wasser ist in der Taufe in Gottes Gebot gefasset. Bei dem wasser ist Gottes Gebot. Gott hat uns geboten, mit Wasser zu taufen. Die Taufe ist eine göttliche Ordnung. Gott selbst hat sie eingesetzt. Und was Gott ordnet, das ist löblich und recht. Weil Gott die Taufe eingesetzt hat, so ist sie etwas Großes und Herrliches, herrlicher als alle Gottesdienste, von Menschen erdacht. (Gr. Kat. Par. 218.222). Den Befehl, den Gott uns gegeben hat, zu taufen, finden wir Matth. 28,18-20. Sehen wir uns diese Worte genauer an.

      a. Wir sehen aus diesen Worten, wer der Stifter der heiligen Taufe ist. Die Worte, die wir Matth. 28,18-20 lesen, hat der Herr Christus seinen Jüngern gesagt kurz vor seiner Himmelfahrt. Da gibt er seinen Jüngern den Befehl, alle Völker zu taufen. Die Taufe ist von Christus, unserm Heiland, eingesetzt. Und wer ist doch Christus? Er weist seine Jünger darauf hin, dass ihm gegeben ist alle Gewalt im Himmel und auf Erden. Er ist der allmächtige Gott. Er hat die Macht, den Menschen solche Befehle zu geben. Er kann das auch tun und ausrichten, was er hier verheißt und zusagt. Christus hat diesen Taufbefehl gegeben, so ist Gott selbst der Stifter der heiligen Taufe. Er hat sie eingesetzt. – Allerdings sind nicht erst nach der Himmelfahrt Christi Menschen getauft, sondern Johannes der Täufer hat zuerst getauft, Luk. 3,2.3. Aber auch Johannes hat nicht aus eigenem Antriebe getauft, sondern er bezeugt ausdrücklich, dass Gott ihn gesandt habe zu taufen. Joh. 1,33. Auch Johannes hat auf Gottes Befehl getauft. So ist die Taufe von Gott eingesetzt, sie ist Gottes Ordnung.

      b. Aus den Worten der Einsetzung lernen wir aber auch, wem Christus die Taufe befohlen hat. Zu seinen Jüngern hat Christus diese Worte gesagt, Matth. 28,18-20. Seinen Jüngern hat Christus befohlen zu taufen. Jünger Christi sind die gläubigen Christen, und zwar alle gläubigen Christen. Die Gläubigen Christen in ihrer Gesamtheit nennen wir, wie wir im dritten Artikel gelernt haben, die Kirche. Seiner Kirche hat Christus die Taufe befohlen. Alle gläubigen Christen haben Recht und Macht zu taufen. – Aber daraus folgt noch nicht, dass nun alle Christen ohne weiteres von diesem ihrem Recht Gebrauch machen und selbst taufen dürfen. Dadurch würde mancherlei Unordnung entstehen in der Kirche. Achten wir auf 1 Kor. 4,1. Der Apostel Paulus redet da von sich und seinen Mitaposteln. Das sind jetzt die Prediger des Evangeliums. Die sind Diener Christi  und Haushalter über Gottes Geheimnisse. Ein Haushalter ist ein Verwalter, ein Mann, der fremdes Gut verwaltet. So sind die Prediger Haushalter. Sie sollen Gottes Geheimnisse verwalten. Gottes Geheimnisse sind das Evangelium und die Sakramente. Die Prediger sind also nicht Herren über die Sakramente, die Taufe. Christus hat sie seiner Kirche gegeben. Aber die Diener Christi sollen sie im Namen Christi und der Kirche verwalten. Dazu beruft die Gemeinde ihre Prediger. Wenn also alles ordentlich zugeht, so sollen nur die taufen, die von der Gemeinde dazu berufen sind, die berufenen Diener Christi. – Doch es können auch Notfälle eintreten. Es kann geschehen, dass ein Kindlein schwer krank wird und in Todesgefahr steht und man einen rechten Diener Christi in der Eile nicht haben kann. Es kann ein Fall eintreten, dass ein Kindlein in Gefahr gerät zu sterben, ohne die heilige Taufe empfangen zu haben. In solchem Notfalle kann und soll jeder Christ die Taufe vollziehen. Eine solche Taufe nennt man auch wohl die Nottaufe. Solche Nottaufe ist eine rechte Taufe. Es hat eben jeder Christ Macht zu taufen. Eine Nottaufe darf daher nicht wiederholt werden, wenn das Kindlein am leben bleibt, aber sie sollte öffentlich in der Kirche bestätigt werden.

      c. Der Herr befiehlt seinen Jüngern zu taufen. Was heißt nun das Wort taufen? Wir lernen das aus Mark. 7,4. Das Wort „waschen“ , welches hier steht, ist dasselbe Wort, das in dem Taufbefehl taufen heißt. Taufen heißt also waschen, mit Wasser waschen. Daher heißt es auch: „Laß dich taufen und abwaschen deine Sünden.“ Apg. 22,16. Mit dem Worte taufen gibt uns also Christus das äußerliche Mittel an, das wir bei der Taufe verwenden sollen, nämlich Wasser. Das Wasser ist das von Gott geordnete Mittel bei der Taufe. – Wie soll nun aber das Wasser angewandt werden? Es gibt Sekten, z.b. die Baptisten, die lehren, daß nur das eine rechte Taufe sei, wenn der Täufling ganz ins Wasser hineingetaucht werde. Nun ist das eine rechte Taufe, wenn so getauft wird. Aber das Wort taufen bedeutet nicht nur, in Wasser hineintau-chen. Wir haben gesehen, es heißt einfach, mit Wasser waschen, wie Tische gewa-schen werden. Auch wenn ein Kindlein mit Wasser begossen wird, wie es in unserer Kirche geschieht, so ist das eine rechte Taufe. Johannes der Täufer weissagt einmal, daß der Herr seine Jünger mit dem Heiligen Geist und mit Feuer taufen werde. Matth. 3,11. Das hat sich erfüllt, als der Herr seinen Heiligen Geist am Pfingstfest über die Apostel ausgegossen hat. Da geschieht also das Taufen durch Ausgießung. So hat also Gott uns hierin keine besonderen Vorschriften gegeben. Taufen heißt, mit Wasser wa-schen, begießen, besprengen oder ins Wasser tauchen.

      d. Der Herr sagt uns aber auch in seinem Taufbefehl, wen wir taufen sollen. Der Herr hat uns den Befehl gegeben, wir sollen alle Völker, das heißt, alle Menschen, taufen. Damit soll allerdings nicht dieses gesagt werden, daß wir einfach Leute aus-senden sollen, die alle diejenigen, welche noch nicht getauft sind, im Namen Gottes mit Wasser begießen und also taufen sollen. Das wäre keine rechte Taufe. Der Herr Christus hat seiner Kirche den Befehl gegeben, das Evangelium von Christus zu pre-digen, und fügt dann hinzu: „Wer da glaubet und getauft wird, der wird selig wer-den.“ Mark. 16,15.16. Wir sollen zunächst den Heiden das Evangelium predigen, sollen sie also im christlichen Glauben unterrichten. Und alle, die da bekennen, daß sie an Christus glauben und die Taufe begehren, sollen getauft werden im Namen des Herrn. – Innerhalb der christlichen Kirche taufen wir allerdings nicht nur Erwach-sene, sondern auch alle Christenkinder, die von ihren Eltern zur Taufe gebracht wer-den. Daß wir Recht und Pflicht haben, solches zu tun, davon wollen wir später noch besonders handeln.

    3. Unser Katechismus sagt uns von der Taufe nicht nur, daß sie in Gottes Gebot gefasset, sondern auch, daß sie das Wasser ist, „mit Gottes Wort verbunden“. Auch dieses Wort Gottes, mit dem das Wasser in der Taufe verbunden ist, geben uns die Einsetzungsworte an. Es sind diese Worte, da der Herr sagt, daß wir taufen sollen „im Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes“. Das ist das Wort Gottes, das zum Wasser hinzukommen muß, damit es eine Taufe, ein Sakrament wer-de. Was sollen nun aber diese Worte sagen?

      a. Wenn jemand etwas im Namen eines andern tut, so tut er es auf dessen Befehl und Auftrag. Im Namen des dreieinigen Gottes taufen heißt also zunächst, auf Gottes Befehl, in Gottes Auftrag taufen. Als Petrus im Namen Christi jenen Lahmen vor der Tür des Tempels gesund gemacht hatte (Apg. 3,6), da hatte eigentlich nicht er, son-dern Christus durch ihn dieses Wunder vollbracht. Wenn wir im Namen Gottes tau-fen, so taufen nicht wir eigentlich, sondern Gott tauft durch uns. Nachdem darum der Herr seinen Jüngern den Taufbefehl gegeben hatte, setzte er noch hinzu, daß er bei den Seinen sein werde bis an der Welt Ende. Matth. 28,18-20. („In Gottes Namen getauft werden, ist nicht von Menschen, sondern von Gott selbst getauft werden; dar-um ob es gleich durch des Menschen Hand geschieht, so ist es doch wahrhaftig Got-tes eigenes Werk. Daraus ein jeglicher selbst wohl schließen kann, daß es viel höher ist als sonst ein Werk, von einem Menschen oder Heiligen getan.“ Gr. Kat. Par. 219.) Auch hier zeigt es sich wieder, welch ein hohes, herrliches Ding es ist um unse-re Taufe, ein Werk, das der dreieinige gott selbst an uns tut.

      b. Doch diese Worte haben einen tieferen Sinn. Im Namen Gottes getauft werden heißt eigentlich, in den Namen Gottes hineingetauft, hineingesenkt werden. („Denn auch ohne Zweifel in der deutschen Zunge das Wörtlien ‚Taufe’ herkommt von dem Worte ‚tief’, daß man tief ins Wasser senkt, was man tauft.“ Luther, X, 2113 f.) Der Name Gottes bedeutet, wie wir schon im zweiten Gebot gelernt haben, Gott selbst, wie er sich uns geoffenbart hat. In Gott werden wir hineingetauft, wir treten mit ihm in Gemeinschaft, durch die Taufe werden wir in die Gemeinschaft Gottes aufgenom-men. Das heißt: im Namen des Vaters, des Sohnes und des Heiligen Geistes taufen, nach Christi Befehl durch die Taufe in die Gemeinschaft des dreieinigen Gottes auf-nehmen. – In die Gemeinschaft des dreieinigen Gottes werden wir durch die Taufe aufgenommen. Gottes Name bedeutet Gott, wie er sich uns offenbart hat. Wir werden durch die Taufe nicht in das Wesen Gottes aufgenommen, werden nicht etwa Gott, sondern in die Gemeinschaft Gottes, wie er sich uns offenbart hat, werden wir aufge-nommen. Wir bekommen in der Taufe Anteil an allem, was der dreieinige Gott für uns getan hat. Wir bekommen Anteil an der Liebe Gottes des Vaters, der seinen Sohn für uns dahingegeben hat, an der Gnade Gottes des Sohnes und an all seinem Ver-dienst, an der Gemeinschaft des Heiligen Geistes, der uns heiligt mit seinen Gaben. So werden wir in der Taufe Gottes Eigentum.

    Schluß: Wir sehen also, daß die heilige Taufe wirklich ein Sakrament ist. Bei ihr finden wir die drei Stücke, die ein Sakrament ausmachen. Hier haben wir Gottes Be-fehl. Die Taufe ist eine heilige Handlung, von Gott geordnet. Hier haben wir ein von Gott geordnetes äußerliches Mittel, nämlich das Wasser. Dieses Mittel ist endlich mit einem bestimmten Wort Gottes verbunden. („Die Taufe teilen wir in drei unterschied-liche Stücke, welche sind: Wasser, Wort und Gottes Befehl oder Ordnung. Also, daß man nicht allein das Wasser ansehe, wie anderes Wasser, sondern auch das Wort, das da heißt Gottes Wort, bei oder mit dem Wasser, und zum dritten Gottes Willen und Gewalt oder seinen Befehl und Einsetzung. Das sind die Stücke, so zum vollkomme-nen Wesen und zur rechten Definiton der Taufe gehören. Und sollten bei- und mitein-ander angsehen und nicht voneinander getrennt noch geschieden werden, als die zu-gleich und miteinander eine rechte Taufe machen.“ Luther, X, 2059.)

 

 

Von der Kindertaufe

 

    Einleitung: Wir haben schon darauf hingewiesen, daß in unserer Kirche die Kind-lein getauft werden, wenn sie uns von ihren Eltern oder denen gebracht werden, die über sie Gewalt haben. Die sogenannten Baptisten und andere mit ihnen verwandte Sekten verwerfen die Kindertaufe. Sie sagen, es sei nicht recht, es sei gegen Gottes Wort, Kinder zu taufen. Getauft werden dürften nur Erwachsene, die zuvor in Gottes Wort unterrichtet wären und ihren Glauben an Christus bekannt hätten. Sie taufen da-her solche, die sich ihrer Gemeinschaft anschließen, auch wenn sie in ihrer Jugend ge-tauft waren, wieder. Auch ihr werdet wohl mit solchen Leuten zusammentreffen. Und da müßt ihr wissen, was ihr ihnen antworten sollt, daß sie euch eure Taufe nicht zwei-felhaft machen. Wir sollen daher besonders von der Kindertaufe reden und sehen, wie wohl sie in Gottes Wort gegründet ist.

    1. Wenn wir die Frage zu entscheiden haben, wer getauft werden darf und wer nicht, so sehen wir vor allen Dingen in die Worte der Einsetzung, in den Taufbefehl Christi, Matth. 28,18-20, hinein. Da befiehlt uns der Herr, daß wir alle Völker taufen sollen. Alle Völker sind alle Menschen, jung und alt. Wenn der Herr Christus be-fiehlt, daß wir alle Völker taufen sollen, so schließt er gewißlich damit die Kinder nicht aus, sondern ein. Auch die Kinder gehören zu „allen Völkern“. Zwar lesen wir in der Heiligen Schrift nicht mit ausdrücklichen Worten, daß die Apostel gerade Kin-der getauft haben, aber das wird uns gesagt, daß sie ganze Familien getauft haben, so z.B. die Lydia und ihr Haus, Apg. 16,33. In diesen Familien waren aber wahrschein-lich auch kleine Kinder.

    2. Den Hauptbeweis dafür, daß auch kleine Kinder getauft werden sollen, nehmen wir aus Mark. 10,13-15. Christus will, daß die Kindlein zu ihm kommen, daß wir sie ihm bringen. Er sagt, daß ihrer das Reich Gottes ist. So, wie unsere Kindlein von Na-tur sind, können sie aber nicht in das Reich Gottes eingehen. Unser Heiland sagt aus-drücklich, daß nur der in das Reich Gottes kommen kann, der wiedergeboren ist aus Wasser und Geist. Denn was vom Fleisch geboren wird, das ist Fleisch, und das Fleisch kann das Reich Gottes nicht ererben. Joh. 3,5.6. Unsere Kinder sind Fleisch vom Fleisch geboren. Sollen sie ins Reich Gottes eingehen, so müssen sie wiederge-boren werden. Und wiedergeboren, von Gott geboren werden unsere Kindlein aus Wasser und Geist, durch die heilige Taufe. Da zieht der Heilige Geist bei ihnen ein und macht sie zu Gottes Kindern. Die heilige Taufe ist also das Mittel, durch welches wir unsere Kindlein zu Jesus bringen, durch das sie aufgenommen werden in das Himmelreich, das der Herr ihnen zugesagt hat. So ist es ohne Zweifel Gottes Wille, daß unsere Kindlein getauft werden.

    3. Die Gegner der Kindertaufe wenden aber gewöhnlich dieses ein: Was soll und kann doch die Taufe dem Kinde nützen? Die Kinder wissen gar nicht, was mit ihnen geschieht. Kleine Kinder können doch auch nicht glauben, und ohne Glauben kann ih-nen die Taufe nichts helfen. Wohl ist nun freilich wahr, daß zur Taufe der Glaube kommen muß, wenn sie heilsam sein soll. Wir bekennen ja in unserm Katechismus, daß die Taufe große, herrliche Dinge gibt „allen, die es glauben“. Wenn unsere Kind-lein nicht glauben könnten, so könnte ihnen freilich die Taufe von keinem Nutzen sein. Aber unsere Kindlein können glauben und glauben wirklich. Das sagt uns Gott der Herr selbst Matth. 18,6. In der Taufe wirkt Gott der Heilige Geist den Glauben in ihnen, und so wird die Taufe ihnen heilsam, so erlangen sie den vollen Segen dersel-ben. So bleiben wir denn, was auch die Sekten dagegen sagen mögen, bei unserer Kindertaufe. Sie ist dem Worte Gottes gemäß, und Gott hat sich auch herrlich zu ihr bekannt und seine Christenheit dadurch erhalten. (Vgl. Gr. Kat. Par. 231-236.)

    4. Doch wir müssen noch kurz von einer Einrichtung reden, die sich bei der Taufe unserer Kindlein findet. Ihr habt oft gesehen, wie unsere Kinder getauft werden. Da finden sich Leute, die für das Kind, anstatt desselben antworten. Sie leihen dem Kinde gleichsam ihren Mund, daß es, da es selbst noch nicht reden kann, durch sie dem Teufel absage und seinen Glauben an den dreieinigen Gott bekenne. Man nennt diese Leute Paten. Wozu haben wir nun bei der Taufe unsere Kinder solche Paten einge-führt? Gottes Wort sagt uns zwar nichts von Paten bei der Taufe, aber die christliche Kirche hat diesen Gebrauch geordnet aus mehreren wichtigen Ursachen. Einen Grund, warum wir beid er Taufe unserer Kinder Paten bestellen, haben wir eben schon gehört. Sie sollen anstatt der Kinder die Fragen beantworten, die der Pastor an das Kind richtet. – Ein anderer Grund ist dieser: Es ist die Taufe ja äußerst wichtig für einen Christen sein ganzes Leben hindruch. Er soll sich seiner Taufe trösten in der Not seiner Sünden bis an seinen Tod. Ein Christ muß daher auch ganz gewiß sein, daß er getauft, und zwar in rechter Weise getauft ist. Nun wissen aber unsere Kindlein von der Taufe noch nichts. Da sollen ihre Paten es ihnen später bezeugen, daß sie richtig nach Gottes Befehl und Einsetzung getauft sind. Das sagt ja auch Gottes Wort, daß alle Sache, besoners eine so wichtige Sache, bestehen soll auf zweier oder dreier Zeugen Mund. Matth. 18,16. – Doch noch mehr. Sind unsere Kindlein getauft, so sollen sie auch gelehrt werden, zu halten alles, was der Herr uns befohlen hat (Matth. 28,20). Und dazu sollen die Paten mithelfen, sie sollen, besonders wenn die Eltern früh sterben, für die christliche Erziehung der Kinder Sorge tragen. – Wenn wir un-sere Kinder taufen, so beten wir auch. Wir legen Fürbitte ein für unsere Kinder. Und auch dazu sind die Paten bestellt, daß sie für die Kinder beten sollen. So ist es denn auch nicht einerlei, wen wir zu Paten unserer Kinder bestellen. Wir sollen hierbei nicht sowohl sehen auf die leibliche Verwandtschaft, wie es so viele tun, sondern wir sollen vor allen Dingen darauf sehen, daß wir solche Leute bekommen, die auch ihre Patenpflichten recht ausrichten können und auch wirklich erfüllen. Wir sollen solche Leute zu Paten für unsere Kinder bestellen, die ernste, gläubige Christen und mit uns eines Glaubens sind.

 

 

„Was gibt oder nützt die Taufe?“

 

    Einleitung. Wir haben gelernt, was die heilige Taufe ist, nämlich nicht ein bloßes schlichtes Wasser, sondern das Wasser „in Gottes Gebot gefasset und mit Gottes Wort verbunden“, eine Handlung, die Gott selbst geordnet und eingesetzt und in der er dem Wasser sein Wort hinzugetan hat. Die Taufe ist daher etwas Großes und Herrliches, und sie wird daher auch einen großen Segen und Nutzen haben für den, der sie emp-fängt. Diesen Nutzen und Segen beschreibt uns unser Katechismus weiter, indem er uns Antwort gibt auf die Frage: „Was gibt oder nützt die Taufe?“ Diese Antwort sagt uns zweierlei, nämlich worin der Nutzen der Taufe besteht, und sodann, wer densel-ben erlangt, und weist dabei darauf hin, daß wir solches den Worten und Verheißun-gen Gottes gemäß lehren.

    Unser Katechismus sagt uns zunächst, worin der Nutzen der Taufe besteht.

    Einen dreifachen Nutzen der Taufe gibt uns der Katechismus an. Er sagt uns, daß sie Vergeung der Sünden wirke, daß sie vom Tod und Teufel erlöse und daß sie die ewige Seligkeit gebe. Und zwar gibt er diesen Nutzen an nach den Worten und Ver-heißungen Gottes: „wie die Worte und Verheißungen Gottes lauten“. Auf die weitere Frage: „Welches sind denn solche Worte und Verheißungen Gottes?“ führt der Kate-chismus den Spruch Mark. 16,16 an. Da gibt uns Gott selbst den Nutzen der Taufe an. Wer getauft ist, der soll selig werden. Der Nutzen der Taufe ist dieser, daß er uns die Seligkeit gibt. Aber wie? Sagt unser Katechismus nicht mehr? Er führt doch auch Vergebung der Sünden und Erlösung vom Tod und Teufel als Nutzen der Taufe auf. Geht da der Katechismus nicht über Gottes Wort oder doch wenigstens über diese Verheißung hinaus? Keineswegs. Wer selig werden will, der muß zuvor Vergebung der Sünden haben. Wer selig wird, deer ist auch vom Tod und von der Gewalt des Teufels erköst. Macht die Taufe uns selig, so wirkt sie eben damit auch Vergebung der Sünden und erlöst vom Tod und Teufel. („Aufs andere, weil wir nun wissen, was die Taufe ist und wie sie zu halten sei, müssen wir auch lernen, warum und wozu sie eingesetzt sei, das ist, ways sie nütze, gebe und schaffe. Solches kann man auch nicht besser denn aus den Worten Christi, oben angezogen, fassen, nämlich: ‚Wer da glaubt und getauft wird, der wird selig.’ Mark. 16,16. Darum fasse es aufs allerein-fältigste also, daß dies der Taufe Kraft, Werk, Nutz, Frucht und Ende ist, daß sie se-lig mache. Denn man taufet niemand darum, daß er ein Fürst werde, sondern, wie die Worte lauten, daß er selig werde. Selig werden aber weiß man wohl, daß es nichts an-deres heißt, denn von Sünden, Tod und Teufel erlöset, in Christi Reich kommen und mit ihm ewig leben.“ Gr. Kat., Par. 223.) – Die Taufe wirkt also Vergebung der Sünden, Erlösung vom Tod und Teufel und gibt uns die ewige Seligkeit. Im zweiten Artikel bekennen wir, daß Jesus Christus uns erlöst hat und erworben und gewonnen von allen Sünden, vom Tode und von der Gewalt des Teufels. Christus hat uns alle diese Güter erworben durch sein Leben, Leiden und Sterben. Aber diese großen Gü-ter, die Christus uns erworben hat, müssen nun auch unser Eigentum werden, wenn sie uns nützen sollen. Und dazu hat Christus alle seine großen Schätze und Güter, Vergebung der Sünden, Leben und Seligkeit, in die Taufe hineingelegt, wie man köst-liche Kleinodien und Edelsteine in ein Kästchen legt. Wenn wir getauft werden, dann erhalten wir diese Güter, die Christus uns erworben hat. Der Heilige Geist eignet sie uns an. Die Taufe ist die Hand Gottes, durch die uns Gott diese herrlichen Dinge dar-reicht und schenkt. So ist die Taufe das Mittel, durch das der Heilige Geist uns alle diese großen Dinge zu eigen macht. Die Taufe ist also ein Gnadenmittel, durch welches der Heilige Geist die Güter seiner Gnade uns mitteilt. 1 Kor. 6,11.

    Sehen wir uns nun den Nutzen der Taufe, wie unser Kleiner Katechismus ihn an-gibt, noch etwas genauer an.

    a. Es heißt zunächst, daß die Taufe Vergebung der Sünden wirkt. Daß sie dieses tut, folgt schon, wie wir gesehen haben, aus der allgemeinen Verheißung Mark. 16,16. Die Heilige Schrift sagt uns das aber auch ganz ausdrücklich. So fordert Apg. 2,38 der Apostel die Juden auf, daß sie sich taufen lassen sollen „zur Vergebung der Sünden“. Sollen wir uns taufen lassen zu dem Zweck, daß wir Vergebung der Sünden haben, so muß die Taufe das auch wirken. Auch der Spruch 1 Petr. 3,20.21 sagt uns dies. Da wird die Taufe „der Bund eines guten Gewissens mit Gott“ genannt. Durch die Taufe bekommen wir ein gutes Gewissen vor Gott. Ein gutes Gewissen können wir vor Gott aber nur dann haben, wenn wir von der Schuld der Sünde frei geworden sind, wenn wir Vergebung der Sünden haben. Gibt uns die Taufe ein gutes Gewissen, so gibt sie uns Vergebung der Sünden.

    Wie aber wirkt nun die Taufe Vergebung der Sünden? Das lernen wir aus dem Spruch Gal. 3,26.27. In der Taufe haben wir Christum angezogen, wie man etwa ein Kleid oder Gewand anzieht. Sind wir getauft, so ist Christus unser Eigentum gewor-den, und zwar mit alle dem, was er uns verdient und erworben hat. In der Taufe wird Christus mit seinem ganzen Verdienst uns geschenkt. Aber Christus hat uns vor allen Dingen auch Vergebung der Sünden erworben. So wirkt also die Taufe Vergebung der Sünden, indem sie uns Christi Verdienst zueignet und schenkt.

    b. Unser Katechismus sagt uns weiter, daß uns die Taufe vom Tod und Teufel er-löst. Sie erlöst uns vom Tode. Das kann ja nach dem Vorhergehenden nicht anders sein. Der Tod ist durch die Sünde in die Welt gekommen, ist der Sünde Sold. Wirkt die Taufe Vergebung der Sünden und nimmt so die Sünde hinweg, so nimmt sie auch die Strafe der Sünde hinweg und erlöst vom Tode. – Wir unterscheiden den ewigen und den zeitlichen Tod. Der ewige Tod ist die ewige Verdammnis. Hat ein Christ keine Sünden mehr, sind seine Sünden ihm durch die Taufe weggenommen, so hat er auch keine Verdammnis zu fürchten. Und so hat auch der leibliche Tod für ihn keine Schrecken mehr. Wohl müssen auch getaufte gläubige Christen noch sterben. Aber der Tod hat für sie seine Schrecken verloren. Der Stachel des Todes, das, was den Tod schrecklich und furchtbar macht, ist die Sünde. Wer noch keine Vergebung der Sünde hat, hat nach dem zeitlichen tod den ewigen zu fürchten, die schreckliche Ver-dammnis. Nun haben wir Christen durch die Taufe Vergebung der Sünden erhalten. So hat der Tod seinen Stachel verloren. Der zeitliche Tod ist den Christen ein Ein-gang ins ewige Leben. Sie können mit dem Apostel rühmen, daß der Tod verschlun-gen ist in den Sieg Christi. 1 Kor. 15,55.57.

    Wirkt die Taufe Vergebung der Sünden, so erlöst sie uns auch vom Teufel. Der Teufel hat die ersten Menschen zur Sünde verführt. Sie haben sich von ihm verführen lassen, haben gesündigt und haben sich so in die Macht und Gewalt Satans begeben. Durch die Sünde hat der Teufel Macht und Gewalt über die Menschen bekommen. Durch die Sünde sind wir in das Reich und unter die Obrigkeit des Fürsten der Fin-sternis geraten. Solange die Sünde auf uns liegt, bleiben wir in seinem Reich. Nun hat die Taufe unsere Sünden hinweggenommen, und damit sind wir frei aus der Gewalt des Teufels. Durch die Taufe hat Gott uns errettet von der Obrigkeit der Finsternis, das heißt, aus dem Reiche Satans, und hat uns versetzt in das Reich Jesu Christi. Kol. 1,12-14. In Christus haben wir Vergebung der Sünden. Diese von Christus uns ver-diente Vergebung wird uns in der Taufe zugeeignet, und so haben wir in der Taufe auch Erlösung vom Teufel. – Allerdings, der Teufel versucht auch nach der Taufe noch die Christen, es gelingt ihm auch zuweilen, sie zu Fall zu bringen. Aber er kann sie nicht mehr in seiner Macht halten, solange sie bei ihrer Taufe bleiben. Die Christen wehren sich in der Kraft der Taufe gegen den Teufel und seine Versuchun-gen und überwinden ihn mehr und mehr.

    c. Endlich sagt uns unser Katechismus noch, daß die Taufe auch die ewige Selig-keit gibt. Daß dieses der Fall ist, sagt der Herr ja klar und deutlich in seiner Verhei-ßung. Mark. 16,16. Auch Petrus sagt mit ausdrücklichen Worten, daß das Wasser uns selig macht in der Taufe, 1 Petr. 3,20.21. Es heißt in unserm Katechismus, daß die Taufe uns die Seligkeit gibt. Sie gibt sie uns jetzt schon, nicht erst im ewigen Leben. Hier haben wir durch die Taufe die Seligkeit allerdings erst in Hoffnung; dort werden wir sie dann vollkommen genießen mit allen ihren Gütern. Der Segen der Taufe reicht so bis in den Himmel hinein.

    Auch hier sehen wir wiederum, welch ein groß, herrlich Ding unsere Taufe ist, da sie solch köstliche Güter mit sich bringt, gegen die alle Güter dieser Erde wie nichts zu achten sind.

    2. Der Katechismus zeigt uns aber weiter, wer diesen Segen und Nutzen der Taufe empfängt.

    a. Wer die Personen sind, die den Nutzen der heiligen Taufe empfangen, sagt uns er Katechismus mit diesen Worten: „allen, die es glauben“, nämlich, die das glauben, was hier von der Taufe ausgesagt ist, daß sie Vergebung der Sünden, Erlösung vom Tode und Teufel wirkt und die ewige Seligkeit gibt. Und auch das lehrt uns unser Ka-techismus dem Worte Gottes gemäß. Das ist also, „wie die Worte und Verheißungen Gottes lauten“. Der Herr sagt Mark. 16,16 nicht etwa nur: Wer getauft wird, der wird selig, sondern er sagt: „Wer da glaubet und getauft wird, der wird selig werden.“ Der Glaube muß also zur Taufe hinzukommen, daß sie heilsam werde. Al-lerdings macht der Glaube nicht erst die Taufe zur Taufe. Die Taufe ist eine rechte Taufe, ein kräftiges Gnadenmittel, durch das Gott uns Vergebung der Sünden, Leben und Seligkeit anbietet, ob wir das glauben oder nicht glauben. Auch denen, die nicht glauben, wird in der Taufe gewißlich Vergebung der Sünden, Erlösung vom Tod und Teufel und die ewige Seligkeit angeboten und dargereicht. – Aber wir müssen nun auch diese Güter hinnehmen und ergreifen. Was hilft es einem armen Mann, wenn zwar ein Reicher ihm eine große Summe Geld schenkt, er sie aber nicht annimmt? Das Geld ist ihm zwar geschenkt, es gehört wirklich ihm, aber er hat keinen Nutzen und Vorteil davon. So ist es hier mit der Taufe. Die Taufe ist die Hand Gottes, durch die er uns seine herrlichen Gnadengüter darreicht; aber diese Gnadengüter müssen wir nun auch ergreifen mit dem Glauben. Der Glaube ist unsere Hand, mit der wir diese Gnadengüter uns aneignen. („Denn weil solches allhier in den Worten bei und mit dem Wasser vorgetragen und verheißen wird, kann es nicht anders empfangen werden, als daß wir solches von Herzen glauben; ohne Glauben ist es nichts nütze, ob es gleich an sich selbst ein göttlicher, überschwenglicher Schatz ist.“ Gr. Kat. Par. 226. – „Also siehst du klar, daß da kein Werk ist, von uns getan, sondern ein Schatz, den er uns gibt und der Glaube ergreifet; so wohl wie der Herr Christus am Kreuz nicht ein Werk ist, sondern ein Schatz, im Wort gefasset und uns vorgetragen und durch den Glauben empfangen.“)

    b. Doch der Herr fügt seinen Worten noch hinzu: „Wer aber nicht glaubet, der wird verdammt werden.“ Da fällt uns auf, daß der Herr nicht sagt: Wer aber nicht glaubet und nicht getauft ist, sondern nur sagt: „Wer nicht glaubet, der wird ver-dammt werden.“ Damit zeigt uns der Herr an, daß es der Unglaube ist, der eigentlich verdammt. Es kann geschehen, daß ein Mensch von Herzen gläubig ist und doch die Taufe nicht haben kann. Denken wir nur an den Schächer am Kreuz. Der war gläubig geworden, aber er konnte nicht mehr getauft werden. Und doch versichert ihn der Herr, daß er selig werde. Wenn also ein gläubiger Christ im Falle der Not die Taufe nicht haben kann, so wird er doch durch den Glauben selig. Gott hat zwar uns, aber nicht sich an seine Mittel der Gnade gebunden. – Anders steht es freilich, wenn ein Mensch die Taufe zwar haben kann, aber dieses Mittel nicht gebrauchen will. Solche Leute waren die Pharisäer und Schriftgelehrten, von denen wir Luk 7,30 lesen: Sie wollten sich von Johannes nicht taufen lassen. Und da heißt es von ihnen: Sie ver-achteten Gottes Rat wider sich selbst.“ Wer die Taufe haben kann und sie doch nicht haben will und nicht gebraucht, der verachtet damit Gottes Rat, die Mittel, die Gott ihm zur Seligkeit gegeben hat. Durch solche Verachtung zeigt er an, daß er nicht glaubt, was Gott in seinem Wort gesagt hat. Und durch seinen Unglauben wird er verdammt. Wohl bei einem Mangel der Taufe, aber nicht bei ihrer Verachtung, kann der seligmachende Glaube bestehen.

    c. Wir Christen sollen durch den Glauben die Güter ergreifen und sie uns aneignen, die Gott in der Taufe uns schenkt. Und zwar unseer ganzes Leben hindurch sollen wir das tun. Unsere Taufe hat Geltung und Nutzen für unser ganzes Leben. Die Taufe ist, wie wir gehört haben, ein Bund mit Gott. 1 Petr. 3,21. Gott hat in der Tau-fe einen Bund mit uns gemacht. Gott hat uns versprochen, er will um Christi willen unser Vater, und wir sollen seine lieben Kinder sein. Er will uns unsere Sünden ver-geben und uns selig machen. Und Gott ist treu, er hält seinen Bund (Jes. 54,10). Seine Gnade, die er in der Taufe zugesagt hat, bleibt bestehen. Auch dann, wenn wir untreu werden. Denn so steht es leider mit uns. Wir sündigen auch nach der Taufe gar mannigfach, sündigen aus Schwachheit unsers Fleisches oder auch mutwillig, gegen unser Gewissen. Wenn dann unsere Sünden uns quälen und drücken, so gehen wir wieder zurück zu unserer Taufe, nehmen im Glauben hin die Güter, die Gott in der Taufe uns zugesagt hat, Vergebung der Sünden, Leben und Seligkeit, und haben sie dann auch gewiß und wahrhaftig. So bekommen wir immer wieder ein gutes Gewissen vor Gott, und die Taufe ist der Bund eines guten Gewissens. So trösten wir uns unse-rer Taufe durch unser ganzes Leben. (Vgl. Gr. Kat. Par. 229.230)

 

 

„Wie kann Wasser solche große Dinge tun?“

 

    Einleitung. Große, herrliche Dinge haben wir von der Taufe ausgesagt: „Sie wirket Vergebung der Sünden, erlöset vom Tod und Teufel und gibt die ewige Seligkeit al-len, die es glauben.“ Da fragen wir billig: Woher kommt es doch, daß die Taufe sol-che große Wirkung hat? Was gibt der Taufe solche große Kraft? Diese Frage stellt auch unser Katechismus und gibt uns die rechte Antwort darauf und beweist sie uns aus Gottes Wort. Unser Katechismus fragt weiter: „Wie kann Wasser solche große Dinge tun?“

    1. Unser Katechismus zeigt uns zunächst, woher die Taufe solche Kraft und Wir-kung nicht hat, nämlich nicht vom Wasser.

    a. „Wie kann Wasser solche große Dinge tun?“ so fragt unser Katechismus. Er weist mit dieser Frage zurück auf das vorige Stück. Die großen Dinge, von welchen hier die Rede ist, sind eben die Dinge, von denen wir beim Nutzen der Taufe gehört haben: Vergebung der Sünden, Erlösung vom Tod und Teufel und die ewige Seligkeit. Das sind wahrlich große Dinge, die größten und herrlichsten Dinge, die es im Himmel und auf Erden gibt. Sie sind so groß und herrlich, daß wir ihre Größe und Herrlichkeit gar nicht ausdenken, geschweige denn aussprechen können. Es sind Din-ge, wie sie kein Mensch durch seine Kunst und Gelehrsamkeit zustande bringen, wie sie kein Mensch mit allen Reichtümern und Schätzen dieser Welt sich erkaufen kann. Die Taufe ist es, die solche Güter uns gibt.

    b. Da fragt unwillkürlich unsere menschliche Vernunft: „Wie kann Wasser solche große Dinge tun?“ Wie kann das möglich sein, daß ein wenig Wasser solches an uns wirkt? Die Sekten und Schwärmer, die ja nicht glauben, daß die Taufe solches aus-richtet, sondern sie als eine leere Zeremonie ansehen, werfen diese Frage immer wieder auf. Sie verlachen vielfach unsern Glauben und damit die Lehre der Schrift von dem Nutzen und Segen der Taufe. Sie sagen wohl: Was kann einem Kinde hel-fen, daß man ihm ein wenig Wasser auf den Kopf gießt oder es ins Wassert taucht? Wie kann das solches zuwege bringen, daß es Vergebung der Sünden hat, Gottes Kind wird und die ewige Seligkeit erlangt? Auf solche Fragen antwortet unser Katechismus zunächst: „Wasser tut’s freilich nicht.“ Das Wasser an sich selbst ist nicht so kräftig. Das Wasser an sich selbst kann solche Dinge nicht zustande bringen. Wasser kann wohl unsern Leib reinigen von äußerlichem Schmutz, aber es kann die Seele nicht rei-nigen von dem Schmutze der Sünden und also auch nicht vom Tode und Teufel er-lösen und selig machen. Wenn nichts anderes in der Taufe wäre als Wasser, dann könnte sie freilich solche große Dinge nicht tun.

    2. Unser Katechismus zeigt uns nun aber weiter, woher die Taufe solch große Wir-kung hat.

    a. „Wasser tut’s freilich nicht“, antwortet unser lieber Katechismus auf unsere Fra-ge und fährt dann fort: „sondern das Wort Gottes, so mit und bei dem Wasser ist“. Es ist Gottes Wort, das der Taufe ihre große Kraft gibt, aber – und das sollen wir uns wohl merken – das Wort Gottes, „so mit und bei dem Wasser ist“. Das Wasser muß also auch mit dabei sein. Das Wasser ist auch nötig zur Taufe und Seligkeit. So hat es Gott befohlen und angeordnet, Wasser zu nehmen und zu taufen. Wer ohne Wasser taufen wollte und sagen: Ich halte mich eben an Gottes Wort, darauf kommt es ja hauptsächlich an, der würde allerdings keinen Segen und Nutzen davon haben. Der würde Gottes Rat gegen sich selbst verachten. Die Taufe ist, wie der Apostel sagt Eph. 5,25.26, „das Wasserbad im Wort“. Wasser und Wort müssen allezeit beisam-men sein. Aber von diesen beiden ist es nicht das Wasser, sondern das Wort Gottes, welches der Taufe ihre große Kraft gibt. Das gibt der Taufe ihre Kraft, daß wir auf Gottes Befehl im Namen des Vaters, des Sohnes und des Heiligen Geistes getauft sind. In der Taufe werden wir in die Gemeinschaft des dreieinigen Gottes versetzt. („Da siehst du abermals, wie teuer und wert die Taufe zu halten sei, weil wir solchen un-aussprechlichen Schatz darin erlangen; welches auch wohl anzeigt, daß es nicht kann schlicht lauter Wasser sein, denn lauteres Wasser könnte solches nicht tun. Aber das Wort, tut’s, und daß, wie oben gesagt, Gottes Namen darin ist. Wo aber Gottes Name ist, da muß auch Leben und Seligkeit sein, daß es wohl ein göttlich, selig, fruchtbar und gnadenreich Wasser heißt; denn durchs Wort kriegt sie die Kraft, daß sie ein Bad der Wiedergeburt ist, wie sie Paulus nennt an Tit. 3,5.“ Gr. Kat., Par. 223) Und Gott hat dem Wasser ein Wort der Verheißung hinzugefügt, daß, wer glaubt und getauft ist, selig werden soll. Gott hat es verheißen, daß er durch sein Wort in die Taufe solch große Kraft und Wirkung legen will. Gott aber ist allmächtig. Er kann tun, was er will. Gott ist wahrhaftig. Was er zusagt, hält er gewiß. Das Wort Gottes, so mit und bei dem Wasser ist, bringt die großen Dinge in die Taufe hinein.

    b. Doch unser Katechismus setzt noch hinzu: „und der Glaube, so solchem Wort Gottes im Wasser trauet“. Zum Worte Gottes in der Taufe muß dann auch der Glaube kommen, damit die Taufe uns heilsam ist. Der Katechismus will damit nicht sagen, daß der Glaube diese großen Dinge in die Taufe hineinbringe und sie wirke. Das kommt allein her durch das Wort Gottes, so mit und bei dem Wasser ist, daß die Taufe Vergebung der Sünden, Erlösung vom Tod und Teufel und die ewige Seligkeit gibt. Durch Gottes Wort sind diese herrlichen Güter in die Taufe gelegt, und sie wer-den angeboten und dargereicht, auch wenn wir dem Worte Gottes nicht glauben. Wir dürfen unsere Taufe nicht auf unseren Glauben gründen. – Aber wir müssen diese großen Schätze, die Gott uns in der Taufe durch sein Wort gibt, hinnehmen. Und das tut, wie wir schon früher hörten, der Glaube. Der Glaube traut dem Worte Gottes. Der Glaube traut, das heißt, er setzt seine Zuversicht nicht sowohl auf das Wasser, sondern auf Gottes Wort, aber auf das Wort Gottes im Wasser. Der Glaube trennt nicht in der Taufe Wasser und Wort. Er baut und traut auf Gottes Wort und Verhei-ßung, und das äußerliche Element ist ihm ein Siegel und Unterpfand dieser Verhei-ßung. Und indem so der Glaube dem Worte Gottes im Wasser traut, nimmt er aus der Taufe alle Gnadengüter, die Gott hineingelegt hat, und hat also Vergebung der Sün-den, Leben und Seligkeit. So gründen wir nicht unsere Taufe auf unsern Glauben, sondern unsern Glauben auf unsere Taufe. („Das wollen aber die blinden Leiter nicht sehen, daß der Glaube etwas haben muß, das er glaube, das ist, daran er sich halte und darauf stehe und fuße. Also hanget nun der Glaube am Wasser und glaubt, daß es die Taufe sei, darin eitel Seligkeit und Leben ist, nicht durchs Wasser, wie genug ge-sagt, sondern dadurch, daß damit Gottes Wort und Ordnung einverleibt ist und sein Name darin klebet. Wenn ich nun solches glaube, was glaube ich anders als an Gott, als an den, der sein Wort darein gegeben und gepflanzet hat und uns dies äußerliche Ding vorschlägt, darin wir solchen Schatz ergreifen könnten?“ Gr. Kat. Par. 224) – Es ist wahr, wir haben es oft gelernt, daß wir allein durch dan Glauben an Christus Vergebung der Sünden, Leben und Seligkeit erlangen. Aber das steht nicht damit im Widerspruch, wenn wir sagen, daß der Glaube aus der Taufe Vergebung der Sünden, Leben und Seligkeit nimmt. Es sind eben die Güter, die Christus uns erworben hat, die Gott in die heilige Taufe hineingelegt hat. Wenn unser Glaube auf das Wort Gottes im Wasser traut, dann glauben wir eben an Christus, unsern Heiland, der diese Güter uns verdient hat.

    3. Unser Katechismus weist uns endlich nach, daß es gar nicht anders sein kann, als daß die Taufe durch Gottes Wort so große Kraft und Wirkung hat.

    a. „Denn ohne Gottes Wort ist das Wasser schlicht Wasser und keine Taufe“, so heißt es weiter. Unser Katechismus sagt nicht: ohne Gottes Wort und Glauben ist das Wasser schlicht Wasser, sondern nur: „ohne Gottes Wort“. Daraus sehen wir, daß es Gottes Wort allein ist und nicht auch der Glaube, durch welches die Taufe Kraft und Wirkung hat. – Das wäre wahr, wenn kein Wort Gottes in der Taufe wäre, dann wäre das Wasser schlicht, das heißt, nur gewöhnliches, irdisches Wasser. Dann wäre sie keine Taufe, kein Sakrament; dann könnte die Taufe nicht mehr wirken als sonst irdisches Wasser tut.

    b. „Mit dem Worte Gottes ist es eine Taufe, das ist, ein gnadenreich Wasser des Lebens“, so sagt unser Katechismus weiter. In der Taufe ist beim Wasser Gottes Wort, der Name des dreieinigen Gottes; und da ist es wirklich eine Taufe, ein Sakra-ment, das große Dinge in uns wirkt und tut. Nun ist die Taufe nicht mehr schlicht Wasser, sondern ein gnadenreich Wasser, das ist ein Wasser, das reich ist an Gnade. Wo Gottes Wort und Name ist, da muß ja eitel Gnade sein. Durch Gottes Wort liegen in der Taufe alle die reichen Güter der Gnade Gottes. Durch Gottes Wort ist die Tau-fe ein Wasser des Lebens, das heißt, ein Wasser, das neues, geistliches Leben in uns wirkt. Darum heißt auch die Taufe

    c. „ein Bad der neuen Geburt im Heiligen Geist“. Daß wir mit Recht die Taufe so nennen, beweist unser Katechismus aus der Heiligen Schrift. Paulus nennt in seinem Briefe an Titus im dritten Kapitel die Taufe „das Bad der Wiedergeburt und Erneue-rung des Heiligen Geistes“. Was soll damit gesagt werden, wenn die Taufe das Bad der Wiedergeburt genannt wird? Damit soll gesagt werden, daß die Taufe die Wieder-geburt in uns wirkt. Wir haben schon im dritten Artikel unsers Glaubens von der Wie-dergeburt gehört. Da haben wir gesehen, daß Wiedergeburt dasselbe ist wie Bekeh-rung. Die Bekehrung oder die Wiedergeburt geschieht durch den Glauben an Chri-stus. Wie wir durch unsere natürliche Geburt Kinder unserer natürlichen Eltern sind, so werden wir durch diese Wiedergeburt oder durch den Glauben an Christus Kinder Gottes. Diesen Glauben an Christus wirkt in uns die Taufe, und darum heißt sie das Bad der Wiedergeburt. – Die Taufe ist das Bad der Wiedergeburt. Unserer natürli-chen Geburt verdanken wir unser leibliches, irdisches Leben. Auch der Wiedergeburt verdanken wir ein leben, ein neues, geistliches Leben. Der Apostel sagt uns (Eph. 2,1), daß wir tot sind in Sünden und Übertretungen. So sind alle Menschen von Natur beschaffen. Durch den Glauben an Christus kommen aus dem Tode der Sünden her-aus, ein neues, geistliches Leben wird in uns angezündet. Im Glauben an Christus können wir nun anfangen, das Gute zu tun und nach Gottes Wort und Geboten zu wandeln. Daher heißt die Taufe auch das Bad der Erneuerung, weil sie zugleich mit dem Glauben ein neues, geistliches Leben in uns wirkt.

    Allerdings haben wir im dritten Artikel gelernt, daß der Heilige Geist es ist, der uns zum Glauben an Christus bringt und uns also wiedergebiert und erneuert. Aber wir haben auch gehört, daß der Heilige Geist dieses Werk nicht unmittelbar ausrich-tet, sondern durch bestimmte Mittel. Und eins dieser Mittel ist auch die heilige Taufe. Durch die Taufe wirkt der Heilige Geist in uns die Wiedergeburt, dadurch, daß er uns zum Glauben an Christus bringt, und zugleich auch die Erneuerung, indem er ein neu-es, geistliches Leben in uns anzündet. So ist die Taufe das Bad der Wiedergeburt und Erneuerung des Heiligen Geistes. Darum nennt die Heilige Schrift sie so, weil der Heilige Geist in der Taufe den Glauben und damit zugleich ein neues, geistliches Le-ben wirkt. – So ist die heilige Taufe wirklich ein Gnadenmittel, das heißt, ein Mittel, durch welches der Heilige Geist in uns wirkt. Gott hat in die Taufe die Gnadengüter gelegt, die Christus uns durch Leiden und Sterben erworben hat. In deer Taufe wer-den sie uns angeboten, dargereicht und zugeeignet. Aber durch die Taufe wirkt der Heilige Geist auch in uns den wahren Glauben, daß wir diese großen Gnadengüter an-nehmen, daß sie in Wahrheit unser Eigentum werden. So werden wir durch die Gnade unsern Herrn Jesus Christus gerecht und Erben des ewigen Lebens nach der Hoff-nung.

    Schluß. Es ist äußerst wichtig, daß wir gegen alle Sekten, wwelche die heilige Tau-fe herab setzen und verkleinern und zu einer bloßen Zeremonie machen wollen, dieses festhalten, daß die Taufe wirklich ein Gnadenmittel ist, durch welches der Heilige Geist in unsern Kindlein den Glauben wirkt und sie so zu Gottes Kindern macht und zu Erben der ewigen Seligkeit. So wird die Taufe unser Trost für unser ganzes Leben.alte

 

„Was bedeutet denn solch Wassertaufen?“

 

    Einleitung. Wir haben gar mancherlei von der Taufe gehört. Wir haben ihr Wesen, ihre Frucht und ihre Kraft kennengelernt. Doch unser Katechismus enthält noch eine vierte Frage. Er fragt endlich: „Was bedeutet denn solch Wassertaufen?“ Der Kate-chismus sagt nicht: Was bedeutet die Taufe? sondern er sagt: „solch Wassertaufen“. Er weist uns damit hin auf die äußerliche Handlung in der Taufe, die mit Wasser voll-zogen wird. („Aufs letzte ist auch zu wissen, was die Taufe bedeutet und warum Gott eben solch äußerlich Zeichen und Gebärde ordnet zu dem Sakrament, dadurch wir erstlich in die Christenheit aufgenommen werden.“ Gr. Kat., Par. 237) Daß Gott es so geordnet hat, daß wir mit wasser begossen und gleichsam damit abgewaschen oder ins Wasser hineingetaucht werden, das hat eine gar schöne geistliche Bedeutung. – Wollen wir aber die Worte unsers Katechismus recht verstehen, so müssen wir wis-sen und uns daran erinnern, wie in alter Zeit vielfach getauft wurde. Der Täufling wurde in das Wasser hineingetaucht und wieder herausgezogen. Diese Handlung, daß man einen Menschen ins Wasser hineintaucht und wieder herauszieht, hat eine geist-liche Bedeutung, und zwar eine doppelte. Sie bedeutet und bildet uns ab das Töten des alten Menschen und das Zunehmen und Wachsen des neuen Menschen. („Das Werk aber oder Gebärde ist das, daß man uns ins Wasser senket, das über uns hergehet, und danach wieder herauszieht. Diese zwei Stücke: unter das Wasser sinken und wieder herauskommen, bedeutet die Kraft und Werk der Taufe, welches nichts anderes ist als die Tötung des alten Adams, danach die Auferstehung des neuen Menschen, welche beide unser Lebenlang in uns gehen sollen, also, daß ein christlich Leben nichts anders ist als eine tägliche Taufe, einmal angefangen und immer darin gegangen.“ Gr. Kat., Par. 237)

    1. Solch Wassertaufen bedeutet zunächst, daß der alte Adam in uns soll ersäuft werden.

    a. „Es bedeutet“, so sagt Luther, „daß der alte Adam in uns durch tägliche Reue und Buße soll ersäuft werden und sterben mit allen Sünden und bösen Lüsten.“ Das ist die erste Bedeutung, welche solch Wassertaufen hat und haben soll. Der alte Adam soll in uns ersäuft werden. Wer ist der alte Adam? Ihr wißt alle, wer Adam war, näm-lich der erste Mensch. Gott hatte ihn geschaffen nach seinem Ebenbild, in Heiligkeit und Gerechtigkeit. Aber Adam ist in Sünde gefallen und hat dadurch Gottes Ebenbild verloren. Durch die Sünde ist seine ganze Natur verdorben. Er ist von Gott abgefallen und Gottes Feind geworden. – Und Adam zeugte nun Söhne und Töchter nach seinem Bilde (1 Mose 5,3). Alle Menschen sind nun Adam ähnlich. Sie sind auch in Sünden verdorben. Von Adam her ist dieses sündliche Verderben auf alle Menschen vererbt, so ist es auch zu uns gekommen. Wir werden alle in Sünden empfangen und geboren. Daher sagt auch der Katechismus, daß der alte Adam in uns sterben soll „mit allen Sünden und bösen Lüsten“. Wir haben Sünden und böse Lüste an uns. Wir sind zu allem Bösen geneigt. So sind wir Menschen beschaffen. Und dieses sündliche Ver-derben unserer Natur, das von Adam her auf uns gekommen und uns angeboren ist, nennen wir den alten Adam, oder auch: den alten Menschen, Eph. 4,22 („Was ist denn der alte Mensch? Das ist er, so uns angeboren ist von Adam, zornig, gehässig, neidisch, unkeusch, geizig, faul, hoffärtig, ja ungläubig, mit allen Lastern besetzt, und von Art kein Gutes an sich hat.“ Gr. Kat., Par. 237)

    b. Dieser alte Adam soll in uns ersäuft werden, er soll sterben. Darauf deutet das Wassertaufen hin. Wenn ein Mensch ins Wasser hineingetaucht und eine längere Zeit unter Wasser gehalten wird, so muß er ertrinken und sterben. Daß bei der Taufe der Mensch gleichsam ins Wasser getaucht wird, das deutet darauf hin, daß auch bei und in uns geistlicherweise etwas ersäuft und sterben soll, nämlich der alte Adam. – Der alte Adam soll ersäuft werden und sterben. Daraus folgt, daß der alte Adam auch nach der Taufe in uns lebt. Wohl sind wir in der Taufe neue Menschen geworden. Es ist ein neues, geistliches Leben in uns gewirkt. Aber der alte Adam, der alte Mensch, oder unser Fleisch ist immer noch da. Das wird in der Taufe nicht vollends getötet. Auch nach der Taufe ist der alte Adam, unser Fleisch, böse. Sünden und böse Lüste hat der alte Adam. Allerlei böse Lüste, Lust zu allem Bösen steigt in uns auf, und die-se böse Lust will uns in Sünden allerlei Art stürzen. Dieser alte Adam in uns muß im-mer mehr ersäuft werden, daß er sterbe mit allen seinen Sünden und bösen Lüsten. – Was das heißt, den alten Adam ersäufen, erklärt uns der Apostel Eph. 4,22. Wir müs-sen den alten Menschen ablegen. Böse Lüste und Begierden steigen in dem alten Men-schen auf. Dadurch legen wir ihn ab und töten ihn, wenn wir diesen Lüsten und Begierden nicht nachgeben, sondern sie immer mehr unterdrücken und alle Sünden fliehen und meiden. Das fordert auch der Apostel Paulus Gal. 5,24. „Die Christus an-gehören“, sagt er. Wir gehören Christus an durch die Taufe. Als getaufte Christen sollen wir unser Fleisch kreuzigen samt seinen Lüsten und Begierden. Unser Fleisch ist eben unser alter Adam, der durch Lüste in Irrtum sich verdirbt. Unser Fleisch sol-len wir kreuzigen. Der Apostel gebraucht hier ein anderes Bild. Wir sollen den alten Adam ans Kreuz schlagen und ihn so töten. Der Kreuzestod war eine sehr schmerzli-che Todesart. Es geht ohne Schmerzen nicht ab, wenn unser alter Adam in uns ster-ben soll. Wir müssen unserm Fleische oft bitter weh tun, wenn es seine bösen Begier-den fahren lassen soll. So wird der alte Adam in uns ersäuft, daß wir den bösen Be-gierden desselben widerstehen und sie unterdrücken.

    Unser Katechismus sagt uns auch, wie das geschieht: „durch tägliche Reue und Buße“. Durch Reue und Buße wird der alte Adam in uns getötet. Reue ist dieses, daß wir unsere Sünden erkennen und es uns von Herzen leid sein lassen, daß wir immer wiedeer Gott mit unsern Sünden beleidigen und erzürnen. Wir müssen von Herzen traurig und sein über unsere Sünden und Gottes Zorn. Buße besteht darin, daß wir uns immer wieder von unsern Sünden abwenden und uns zu Gott hinwenden durch den Glauben an Christus. So wird der alte Adam in uns getötet, daß wir Gott bitten um Vergebung unserer Sünden im Vertrauen auf Christi Verdienst, daß wir ihn um Kraft bitten, den bösen Begierden des Fleisches zu widerstehen und sie zu unterdrücken und also immer mehr die Sünde zu fliehen und zu meiden. Und es soll eine tägliche Reue und Buße sein. Täglich müssen wir unsere Sünden erkennen und uns von unsern Sün-den ab- und zu Gottes Gnade wenden. Unser ganzes Leben soll eine stete Buße, ein steter Kampf gegen die Sünde sein. („Denn was heißt Buße anders, als den alten Men-schen mit Ernst angreifen und in ein neues Leben treten?“ Gr. Kat. Par. 239) Täglich müssen wir in der Buße zu unserer Taufgnade zurückkehren, so daß, wie Luther so schön sagt, „ein christlich Leben nichts anders ist als eine tägliche Taufe, einmal an-gefangen und immer darin gegangen“.

    2. Doch die Taufe hat noch eine andere Bedeutung. Nachdem der Mensch in der Taufe unter das Wasser getaucht war, daß das Wasser über ihm zusammenschlug, so stieg er dann aus dem Wasser heraus. Darum wird dadurch bedeutet und abgebildet, daß „wiederum täglich herauskomme und auferstehe ein neuer Mensch, der in Ge-rechtigkeit und Reinigkeit vor Gott ewiglich lebe“.

    a. Der neue Mensch soll herauskommen und auferstehen. Da erhebt sich zuerst die Frage: Was ist der neue Mensch? Wir haben gehört, daß die Taufe das Bad der Wie-dergeburt ist. Durch die Taufe werden wir wiedergeboren, und zwar dadurch, daß sie uns zum Glauben an Christus bringt. Ist aber jemand in Christus, so sagt 2 Kor. 5,17, das heißt, steht jemand im Glauben an Christus, so ist er eine neue Kreatur. Durch die Taufe sind wir wiedergeboren zu einer neuen Kreatur, da ist etwas Neues in uns geschaffen, ein neues, und zwar geistliches Leben und Wesen. In der Taufe haben wir neue Gnadenkräfte empfangen, daß wir das Gute tun können. Dieses neue, geistliche Leben und Wesen nennen wir den neuen Menschen. Das ist also der neue Mensch, das neue, geistliche Wesen und Leben, welches durch das Bad der Wiedergeburt in uns geschaffen ist.

    b. Dieser neue Mensch soll nun herauskommen und auferstehen. Er soll herauskommen und auferstehen. Er ist also schon da. Er ist in der Taufe wirklich ge-schaffen. Unser Katechismus beschreibt uns auch weiter diesen neuen Menschen, zeigt uns, wie er beschaffen ist. Er lebt in Gerechtigkeit und Reinigkeit vor Gott. Er lebt in Gerechtigkeit vor Gott, das heißt, in einer Gerechtigkeit, die vor Gott gilt. Vor Gott gilt nur die Gerechtigkeit, die Christus uns erworben hat und die uns in der Tau-fe zugeeignet wird. Diese Gerechtigkeit ergreifen wir durch den wahren Glauben an Christus. In Gerechtigkeit leben heißt so viel wie: in wahrem Glauben leben. Und er lebt in Reinigkeit. Er flieht und meidet die Sünde, er dient nicht mehr, wie der alte Mensch, den bösen Lüsten, er dient vielmehr Gott in einem reinen, heiligen Leben, in guten Werken. So ist der neue Mensch beschaffen, der in der Taufe geboren wird.

    Dieser neue Mensch muß herauskommen und auferstehen. Er ist eben noch schwach. Wenn ein Kindlein geboren ist, so ist es ein wahres Menschenkindlein, aber es ist noch klein und schwach, es muß wachsen und zunehmen und stark werden. So geht es mit dem neuen Menschen. Er ist im Anfang noch klein und schwach und muß daher wachsen, zunehmen und stärker werden. Er soll wachsen und zunehmen in Ge-rechtigkeit und Reinigkeit. Wie das geschieht, sehen wir aus Eph. 4,24. Wie man ein Kleid anzieht und sich darin einhüllt, daß man ganz davon bedeckt wird, so sollen wwir Christen uns immer mehr einhüllen in Gerechtigkeit und Reinigkeit, sollen darin wandeln, wandeln im wahren Glauben und in guten Werken vor Gott, daß man immer mehr nur Glauben und gute Werke bei uns sieht. Und zwar täglich, jeden Tag aufs neue, soll das geschehen. So kommt der neue Mensch immer mehr bei uns heraus und nimmt zu, bis er endlich in jenem Leben ganz vollkommen ewiglich lebt in Gerechtig-keit und Reinigkeit vor Gott. So soll der neue Mensch bei uns herauskommen und auferstehen, daß wir alle Tage in wahrem Glauben und guten Werken vor Gott wan-deln und wachsen.

    3. Dieses alles bedeutet solch Wassertaufen.

    a. Wenn der Katechismus sagt, daß solch Wassertaufen das tägliche Ersäufen des alten und Herauskommen des neuen Menschen bedeute, so will er damit nicht etwa nur dieses sagen, daß die Taufe nur ein schwaches Sinnbild von alle diesem sei, es uns nur abbilde. Wie dieses zu verstehen ist, zeigt uns Luther dadurch, daß er noch einen Spruch hinzufügt, Röm. 6,4. Unmittelbar vor diesen Worten hatte der Apostel gesagt, daß wir in Christi Tod getauft sind. Wir sind in der Taufe in Christus und sei-nen Tod hineingesenkt, wir haben teil an Christus und an all seinem Verdienst. Und dann fährt der Apostel fort: „Wir sind samt Christus durch die Taufe begraben in den Tod.“ Nach seinem Tode ist Christus begraben und hat unsere Sünden gleichsam be-graben. Wir sind mit ihm begraben in der Taufe. So sollen auch wir unsere Sünde begraben, sie täglich fliehen und meiden. Christus ist nach seinem Tode aber auch wieder auferstanden. Er ist auferweckt durch die Herrlichkeit des Vaters, er lebt nun vor Gott. Durch die Taufe haben wir Teil an seiner Auferstehung und sollen in einem neuen Leben vor Gott täglich wandeln. Das heißt zunächst, die Taufe bedeutet dieses alles: die Taufe verpflichtet uns dazu, daß wir täglich die Sünde fliehen und in einem neuen Leben wandeln.

    b. Aber die Taufe verpflichtet uns nicht nur dazu, sondern sie gibt uns auch Kraft dazu. Durch die Taufe haben wir Teil an Christus. Wie Christus durch seinen Tod die Sünde begraben und hinweggetan hat, so können wir, die wir in seinen Tod getauft sind, in der Kraft Christi unsere Sünde begraben, sie fliehen und meiden. Wie er auf-erstanden ist und lebt, so können wir, die wir durch die Taufe teilhaben an seiner Auferstehung, täglich von den Sünden auferstehen und in einem neuen Leben wan-deln. Die heilige Taufe gibt uns also auch Kraft, daß wir täglich die Sünde begraben und meiden und in einem neuen Leben wandeln können. („Darum, wenn du in der Buße lebest, so gehest du in der Taufe, welche solch neues Leben nicht allein bedeu-tet, sondern auch wirkt, anhebt und treibt. Denn darin wird gegeben Gnade, Geist und Kraft, den alten Menschen zu unterdrücken, daß der neue hervorkomme und stark werde.“ Gr. Kat., Par. 239)

    c. Da es nun so steht, daß die heilige Taufe uns verpflichtet und uns Kraft gibt zum Kampf gegen die Sünde und zu einem neuen Leben, so haben wir in der Taufe durch unsere Paten Gott ein Gelübde abgelegt. Worin dieses Taufgelübde besteht, das habt ihr bei der Taufe anderer Kinder oft gehört. Wir entsagen darin dem Taufel und allen seinen Werken und allem seinem Wesen, wir versprechen, dem dreieinigen Gott al-lein zu dienen. Dieses Taufgelübde soll uns besonders zu heiligem Leben und Wandel antreiben. An dieses Taufgelübde sollen wir uns täglich erinnern, täglich dem Teufel und der Sünde aufs neue entsagen, täglich Gott aufs neue dienen in Heiligkeit und Ge-rechtigkeit.  Fallen wir dann in Sünden aus Schwachheit unsers Fleisches, so trösten wir uns wieder der Taufe mit ihren Verheißungen und nehmen aus ihr immer wieder Kraft zu neuem Leben. „Das heißt“, wie Luther einmal sagt, „recht in die Taufe ge-krochen und täglich wieder herausgekommen.“ (Vgl. auch Gr. Kat. Par. 241.)

 

 

 

VON DER HEILIGEN TAUFE

 

(entnommen aus:

Wir glauben, lehren und bekennen.

Das evangelisch-lutherische Bekenntnis

des christlichen Glaubens.

Von Roland Sckerl)

 

    1. Wir glauben, lehren und bekennen, daß die Taufe nicht einfach nur Wasser ist, sondern vielmehr Wasser in Gottes Gebot gefaßt und mit Gottes Wort verbunden, , Matth. 28,19.20; Mark. 16,15.16, eben das 'Wasserbad im Wort', Eph. 5,26, eine von Christus eingesetzte, bis zum Jüngsten Tag gültige Ordnung, ein Gnadenmittel, das Bad der Wiedergeburt und die Erneuerung durch den Heiligen Geist, Tit. 3,5, durch das der Heilige Geist uns die Vergebung der Sünden und damit Leben und Seligkeit darreicht und zueignet, Apg. 2,38; 22,16, was alle die wahrhaft haben, die an Jesus Christus als ihren Heiland glauben, Mark. 16,15.16. Wo daher entweder nicht mit Wasser oder nicht im Namen Gottes des Vaters, des Sohnes und des Heiligen Geistes (mit dem rechten Bekenntnis der biblischen Dreieinigkeit) 'getauft' wird, da wird tatsächlich gar nicht getauft.

    2. Wir glauben, lehren und bekennen aufgrund der Lehre Gottes in der Heiligen Schrift, daß die Taufe nicht in erster Linie ein menschlicher Bekenntnisakt vor Gott und den Menschen ist, auch nicht bloß ein leeres Zeichen für etwas, das unabhängig von der Taufe geschieht, sondern daß Gott selbst der eigentlich Handelnde in der Taufe ist durch den Täufer ('in seinem Namen'), in der Taufe die Sünden abgewaschen, der alte Mensch in Christi Tod hineingetauft wird, damit ein neuer Mensch aus der Taufe hervorgehe, der Christus angezogen hat, nämlich bekleidet ist mit Christi Kleid der Gerechtigkeit, Christi Eigentum ist, weil Christus ihn durch sein heiliges teures Blut und sein unschuldiges Leiden und Sterben erworben hat und der Mensch nun hineingetauft wurde in den Namen Gottes des Vaters, des Sohnes und des Heiligen Geistes, den Heiligen Geist empfangen hat, und somit hineingestellt in die Lebensgemeinschaft mit dem dreieinigen Gott, Glied des Leibes Christi. Das Wasser an sich hat diese Kraft nicht, sondern das Taufwasser ist 'Wasser in Gottes Gebot gefaßt und mit Gottes Wort verbunden', was heißt, daß Gottes Wort und Verheißung diese großen Dinge, Sündenvergebung, Leben und Seligkeit, in die Taufe hineinbringen, denn ohne Gottes Wort ist es keine Taufe, Mark. 16,15.16; Eph. 5,26; Tit. 3,5-8.

    3. Wir glauben, lehren und bekennen, daß die Taufe ist die Übereignung des Täuflings an den gekreuzigten und auferstandenen Heiland und Herrn Jesus Christus, denn sie ist Taufe in Jesu Namen (das ist der Täufer handelt im Auftrage Jesu, also Jesus durch ihn, Apg. 10,48); sie ist Taufe in den Namen oder auf den Namen Jesu (Apg. 2,38; 8,16; 19,5; 1 Kor. 6,11; Röm. 6,3) und versiegelt so den Täufling als Christi Eigentum. Wird der Täufling aber Christi Eigentum, so erhält er zugleich all das, was Christus zugehört, nämlich das ganze Heil, das er uns erworben hat. Der Täufling übereignet nicht sich selbst, sondern wird übereignet, durch den lebendigen Gott aus der Herrschaft der Sünde genommen, der Herrschaft Jesu Christi unterstellt und somit gerettet vor dem künftigen Zorn, Kol. 1,13; Röm. 5,10.

    4. Wird der Täufling Christi Eigentum, so heißt dies: er soll nun, als Frucht, auch im Glauben, aus dem Glauben seinem neuen Herrn leben und ihm dienen in ewiger Gerechtigkeit, Unschuld und Seligkeit und in der Kraft des Heiligen Geistes gegen die Sünde kämpfen, Gal. 5,16 ff., und täglich neu sich seinem Heiland hingeben, ihm zu dienen, in täglicher Buße, Umkehr und Vergebung den alten Menschen ausziehen und den neuen Menschen anziehen, Eph. 4,22-24.

    5. Wir glauben, lehren und bekennen weiter, daß der Täufling in der Taufe in Christi Tod und Auferstehung hineingegeben wird, Röm. 6,3 ff. Übereignung an Christus ist also gerade und zuerst Hineingenommenwerden in seinen Kreuzestod, nämlich daß der alte Mensch, der Mensch der Sünde, in den Tod gegeben wird, Röm. 6,6.8, er Anteil bekommt an dem Gericht, das Christus stellvertretend für uns auf Golgatha ertragen hat. Wird aber der alte Mensch mit Christus begraben, so geht aus der Taufe der neue Mensch hervor, auf daß er als Frucht aus dem Glauben Gott lebe und diene, Röm. 6,4 ff. und hat im Glauben das Angelt der zukünftigen leiblichen Auferstehung.

    6. Wir glauben, lehren und bekennen, daß die Taufe auf den Namen Jesu Christi Taufe dufch den Heiligen Geist ist, 1 Kor. 6,11; 12,13 a; Tit. 3,5, und damit alles menschliche Wirken im Blick auf seine Wiedergeburt ausgeschlossen ist. In der Taufe wirkt der Heilige Geist die Geburt von oben, Joh. 3,5, als die Geburt aus dem Geist. Der Geist Gottes schafft uns neu, nicht wir selbst, wie auch David betet, Ps. 51,12, und Gott es verheißen hat, Hes. 36,26. Da nur der Christus angehört, der Christi Geist hat, Röm. 8,4, so heißt 'in Christus sein' zugleich immer: 'im Geist sein', Röm. 8,4; 1 Kor. 1,7.

    7. Wir glauben, lehren und bekennen, daß durch die Taufe als dem Bad der Wiedergeburt der Heilige Geist den, der da glaubt an Jesus Christus, hinzutut zur Gemeinde Gottes als der verborgenen Gemeinschaft des Glaubens, die nicht ein menschlicher Zusammenschluß ist, nicht aus menschlichem Willen kommt, sondern Gottes Werk ist, Apg. 2,41.47; 1 Kor. 12,13. Somit wird der Täufling durch die Taufe Teil des Leibes Christi, des heiligen Gottesvolkes. Damit ist er aber auch hineingestellt mit der Gemeinde unter Gottes Reden und Handeln an der Gemeinde durch sein Wort und Sakrament, ist gerufen unter die Verkündigung, hineingestellt in den Pilgerpfad der Gläubigen unter dem Kreuz. Ebenso aber ist er auch mit der Gemeinde hineingestellt in den Dienst und mit ihr gesandt, im Gebet und Bekenntnis die frohe Botschaft, das Evangelium Jesu Christi zu bezeugen, Matth. 28,18-20; Luk. 24,47; Mark. 16,15.16; Apg. 1,8.   

    8. Wir glauben, lehren und bekennen aber auch, daß wir das, was Gott in der heiligen Taufe darreicht und zueignet allein durch den Glauben an Jesus Christus haben und nicht durch den bloßen Vollzug der Taufe, Mark. 16,15.16. Der Glaube macht die Taufe nicht erst zur Taufe, sie ist vielmehr gültig und darf nicht wiederholt werden, wenn der Täufling auch nicht geglaubt hat; aber der Täufling hat das, was ihm Gott in der Taufe schenken will, nur, wenn er es im Glauben ergreift und in täglicher Reue und Buße auch immer wieder in die Taufgnade zurückkriecht. Wer nicht an Jesus Christus als seinen Heiland glaubt, wenn er auch getauft ist, der ist aus der Taufgnade gefallen und steht unter dem Urteil der Verdammnis, wenn er nicht Buße tut.

    9. Wir glauben, lehren und bekennen, daß die Bedeutung der Taufe nicht nur den Tauftag selbst betrifft, auch nicht nur die Zeit bis zur Taufe, sondern das ganze Leben des Täuflings, nämlich daß wir uns täglich in der Taufe üben sollen, also täglich in Reue und Buße uns reinigen von unseren Sünden, den alten sündigen Menschen in uns in den Tod geben sollen und täglich neu die Vergebung in Christus Jesus in Anspruch nehmen, uns ihm als unserem Erlöser neu hingeben, daß er auch unser Herr und Regent sei, somit täglich der Heilige Geist die Kraft unserer Taufe an uns zur Geltung bringen kann (tägliche Buße oder Erneuerung des Taufbundes). So, wie mit der Geburt der Mensch nicht sogleich ausgewachsen und vollendet ist, sondern noch wachsen und lernen muß, so steht auch die Taufe als das Bad der Wiedergeburt am Anfang des neuen Lebens und enthält alle Kraft, dieses neue Leben nun auch zu bewahren und zu entfalten, Röm. 6,3-23, wenn es aus dem Glauben entfaltet wird. Die Wiedergeburt geschieht wohl ganz in der Taufe, aber sie ist zugleich nur der Anfang des neuen Lebens, das täglich angefochten und bekämpft wird von dem Widersacher, der versucht, die an Christus Gläubigen zu verschlingen, 1 Petr. 5,8. Außerdem hat auch der Getaufte und an Christus Gläubige die Erbsünde noch an sich und ist und bleibt Sünder und Gerechtfertigter zugleich, Röm. 7, und fällt oftmals noch in Sünde und bedarf darum täglich neu der Buße, der Bekehrung, Erkenntnis der abgrundtiefen Verdorbenheit und Verlorenheit ohne Christus, Erkenntnis der völligen Erlösung durch Christus, Abkehr von der Sünde, Ergreifen der Vergebung in Christus, erneute Hingabe an seinen Heiland, Röm. 6,3-23; 1 Tim. 6,11; Hebr. 12,10; Phil. 2,12; Eph. 4,22-24. Die Taufe ist dabei auch Mahnung und Aufruf, Christus im neuen Leben nachzufolgen. Sie wird uns zum Gericht, wenn wir sie und damit unseren Heiland Jesus Christus durch unseren Wandel verleugnen, also Abfallen von der Gnade und der Sünde wieder dienen.

    10. Wir glauben, lehren und bekennen auch gemäß der Schrift Gottes, Matth. 28,18-20, daß daher Taufe und Lehre zusammen gehören, nämlich die Lehre die Gabe der Taufe entfalten und auch immer wieder zur Taufe zurückführen muß. Es ist unabdingbar, daß der Täufling, er sei nun jung oder alt, ein Säugling oder ein Erwachsener, unterwiesen wird in der Heiligen Schrift Gottes, auf daß er immer besser erkenne, warum er getauft wurde und was er in der Taufe empfangen hat. Jeder, er sei als Säugling getauft worden oder später, muß durch die Unterweisung zur lebendigen Erkenntnis seiner Sündenverdorbenheit und seiner Verlorenheit ohne Christus geführt werden und zur lebendigen Erkenntnis der Vergebung der Sünden allein um Christi vollbrachter Erlösungstat willen, daß er im rechten, bewußten lebendigen Glauben immer wieder von neuem das Gnadengeschenk in Anspruch nimmt und aus Dankbarkeit dafür seinem Heiland und Herrn nachfolgt und bedarf dieser klaren Erkenntnis täglich neu, um täglich neu der Sünde zu sterben und aus der Vergebung im Glauben an Christus als neuer Mensch aufzustehen (tägliche Erneuerung des Taufbundes, tägliche Bekehrung). Wo die rechte biblische Unterweisung des Täuflings nicht sichergestellt ist (durch die Angehörigen oder die Gemeinde), kann die Gemeinde Jesu Christi daher die Taufe nicht gewähren.

    11. Wir glauben, lehren und bekennen, daß es gemäß der Schrift und Ordnung Jesu Christi ist, daß die Gemeinde Jesu Christi auch die im Haus der Gemeinde, also in zur Gemeinde gehörenden Familien (auch wenn eventuell nur ein Glied der Familie zur Gemeinde gehört) geborene Säuglinge tauft: 1) Auch die Säuglinge sind bereits Sünder, nämlich in Sünden gezeugt und geboren, Ps. 51,7, und bedürfen daher der Wiedergeburt. 2) Gott will, daß auch nicht eines dieser Kleinen verloren gehe, Matth, 18,14. 3) Die heilige Taufe gehört mit der Lehre zu den Mitteln, wie aus allen Völkern Menschen zu Jüngern gemacht werden sollen, Matth. 28,18.19. Der Begriff 'Völker' umschließt dabei nicht nur Männer und Frauen, sondern auch Menschen aller Altersgruppen ohne Einschränkungen. 4) Auch die kleinen Kinder und Säuglinge (der in Luk. 18,15 gebrauchte Begriff 'breephos' bezeichnet Kinder, die so klein waren, daß sie getragen werden mußten) können glauben, denn Jesus Christus spricht ihnen den Glauben zu. (Der Glaube ist in seinem Kern, als rettender Glaube, nicht ein reflektierend Ding, bedarf auch nicht der ihm vielmehr im Wege stehenden Vernunft dabei, sondern ist das unbedingte Vertrauen auf Christus als den Heiland. Solches Vertrauen allerdings kann auch ein Säugling haben, wenn auch für ihn selbst nicht bewußt, reflektierend. Daß ein Mensch glaubt, ist auch nicht das Ergebnis seiner Reflexion, seiner Vernunft, sondern bleibt immer ein durch den Heiligen Geist allein durch das Wort hervorgebrachtes Wunder, es sei beim Säugling oder bei einem Erwachsenen, Eph. 2,8.9.) Es ist gerade dieser kindliche Glaube, der ohne Zweifel und Fragen der Vernunft direkt und unmittelbar glaubt, der den Erwachsenen als Vorbild vor die Augen gestellt wird Matth. 18,3; 19,14; Mark. 10,15; Luk. 18,17. 5) Die Taufe ist das der Beschneidung des Alten Testamentes entsprechende Gnadenmittel im Neuen Testament, Kol. 2,11-14. 6) Die Apostel haben 'ganze Häuser' getauft, Apg. 16,15.33, wobei es eher wahrscheinlich ist, daß auch Kinder dabei waren. (Der biblische 'Haus' (oikos)-Begriff umfaßt dabei immer die Einheit des Hauses vom Hausvater her, der in Verantwortung vor Gott auch für die Seinen steht, die er zum Herrn bringt und ihm anbefiehlt.) 7) Die heilige Taufe ist das einzige Gnadenmittel, wodurch auch die Säuglinge, die, wie dargelegt, der Erlösung bedürftig sind, die Vergebung der Sünden, die Wiedergeburt erlangen können; und wir glauben, daß Gott der Herr seiner Verheißung gemäß, die 'euch und euren Kindern' gilt, Apg. 2,38, durch das Wort bei der Taufe auch den Glauben wirkt, der die Taufe empfängt.

    12. Wer zum Glauben durch das Wort kommt, ehe er getauft wird, der bedarf dennoch der Taufe, 1) da die gleiche Kraft des Evangeliums in der Taufe, die rettet, auch notwendig ist, den Glauben zu festigen und zu bewahren und die Taufe ihr Werk tun soll an ihm sein ganzes Leben lang, Röm. 6,3 ff; 1 Kor. 6,11; Eph. 1,19.20; 2) da sie Christi Ordnung ist, Matth. 28,18.19; Mark. 16,15.16.

    13. Wer wieder aus der Taufgnade gefallen ist, also nach der Taufe wieder vom Glauben an Christus fällt oder die Taufe nicht im Glauben empfangen hat, der bedarf, soll er tatsächlich der rettenden Gaben der Taufe teilhaftig werden, der Bekehrung, nämlich der Weckung der Herzensbuße durch rechte Sündenerkenntnis und dann der Anzündung des wahren Glaubens durch das Evangelium von der Vergebung in Jesus Christus.

    14. Wir glauben, lehren und bekennen, daß es einer von der heiligen Taufe getrennten Geistestaufe nicht bedarf, da die Taufe 'das Bad der Wiedergeburt und Erneuerung des Heiligen Geistes' ist, Tit. 3,5, und Gott uns seinen Heiligen Geist gibt durch das Evangelium im Wort, im bloßen Wort wie im Wort in der Taufe, Gal. 3,2.5.14. (Davon zu unterscheiden ist die Bitte um den Heiligen Geist, seine Bevollmächtigung, seine Zurüstung, was wir allerdings immer wieder brauchen, um in rechtem Glauben zu beharren, zu bekennen, gegen die Sünde zu kämpfen, Christus nachfolgen zu können, Luk. 11,13.) Wir bedürfen auch keiner besonderen 'Feuertaufe', denn der Heilige Geist kommt allerdings zu uns durch das Gesetz mit dem Feuer des Zornes Gottes und wird auch dieses Feuer, das ein verzehrendes Feuer ist, kommen lassen über die, die Christus verwerfen, Luk. 3,17; die anderen aber reinigen durch die Glut des Evangeliums, Jes. 6,6; Mark. 9,49; 1 Petr. 1,7.

    15. Wir glauben, lehren und bekennen, daß die äußere Form der Taufe, nämlich Begießen oder Untertauchen, von Christus nicht vorgeschrieben wurde, sondern frei ist, wie auch das griechische Wort 'baptizein' jegliche Art von Waschung beschreibt, sie geschehe durch Eintauchen ins Wasser, durch Besprengen mit Wasser oder Begießen.

Eph. 5,26: Christus hat sie [die Gemeinde] gereiniget durch das Wasserbad im Wort.

Matth. 28,18-20: Und JEsus trat zu ihnen, redete mit ihnen und sprach: Mir ist gegeben alle Gewalt im Himmel und auf Erden. Darum gehet hin und machet zu Jüngern alle Völker: Taufet sie im Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes und lehret sie halten alles, was ich euch befohlen habe! Und siehe, ich bin bei euch alle Tage bis an der Welt Ende.

Mark. 16,15.16: Und er sprach zu ihnen: Gehet hin in alle Welt und prediget das Evangelium aller Kreatur! Wer da glaubet und getauft wird, der wird selig werden; wer aber nicht glaubet, der wird verdammt werden.

Apg. 2,38.39: Petrus sprach zu ihnen: Tut Buße und lasse sich ein jeglicher taufen auf den Namen JEsu Christi zur Vergebung der Sünden, so werdet ihr empfangen die Gabe des Heiligen Geistes. Denn euer und eurer Kinder ist diese Verheißung und aller, die ferne sind, welche GOtt, unser HErr, herzurufen wird.

Apg. 22,16: Stehe auf und laß dich taufen und abwaschen deine Sünden und rufe an den Namen des HErrn.

Röm. 6,3-6: Wisset ihr nicht, daß alle, die wir in JEsus Christus getauft sind, die sind in seinen Tod getauft? So sind wir je mit ihm begraben durch die Taufe in den Tod, auf daß, gleichwie Christus ist auferweckt von den Toten durch die Herrlichkeit des Vaters, also sollen auch wir in einem neuen Leben wandeln. So wir aber samt ihm gepflanzet werden zu gleichem Tode, so werden wir auch der Auferstehung gleich sein, dieweil wir wissen, daß unser alter Mensch samt ihm gekreuziget ist, auf daß der sündliche Leib aufhöre, daß wir hinfort der Sünde nicht dienen.

1 Kor. 6,11: Ihr seid abgewaschen, ihr seid geheiliget, ihr seid gerecht geworden durch den Namen des HErrn JEsus und durch den Geist unsers GOttes.

Gal. 3,26.27: Ihr seid alle GOttes Kinder durch den Glauben an Christus JEsus. Denn wieviel euer getauft sind, die haben Christus angezogen.

Tit. 3,5: Nach seiner Barmherzigkeit machte er uns selig durch das Bad der Wiedergeburt und Erneuerung des Heiligen Geistes.

Ps. 51,7: Siehe, ich bin aus sündlichem Samen gezeuget und meine Mutter hat mich in Sünden empfangen.

Mark. 10,13-15: Und sie brachten Kindlein zu ihm, daß er sie anrührete. Die Jünger aber fuhren die an, die sie trugen. Da es aber JEsus sah, ward er unwillig und sprach zu ihnen: Laßt die Kindlein zu mir kommen und wehret ihnen nicht; denn solcher ist das Reich GOttes. Wahrlich, ich sage euch: Wer das Reich GOttes nicht empfänget wie ein Kindlein, der wird nicht hineinkommen.

Matth. 18,6: Wer aber ärgert dieser Geringsten einen, die an mich glauben, dem wäre besser, daß ein Mühlstein an seinen Hals gehänget und er ersäufet würde im Meer, da es am tiefsten ist.

Matth. 18,14: Also auch ist's vor eurem Vater im Himmel nicht der Wille, daß jemand von diesen Kleinen verloren werde.

Kol. 2,11-13: In welchem [Christus] ihr auch beschnitten seid mit der Beschneidung ohne Hände, durch Ablegung des sündlichen Leibes im Fleisch, nämlich mit der Beschneidung Christi, in dem, daß ihr mit ihm begraben seid durch die Taufe; in welchem ihr auch seid auferstanden durch den Glauben, den GOtt wirket, welcher ihn auferweckt hat von den Toten und hat euch auch mit ihm lebendig gemacht, da ihr tot waret in den Sünden und in der Vorhaut eures Fleisches und hat uns geschenket alle Sünden.

Apg. 16,15.33: Als sie aber und ihr Haus getauft ward, ermahnte sie uns... Und er nahm sie zu sich in derselbigen Stunde der Nacht und wusch ihnen die Striemen ab; und er ließ sich taufen und alle die Seinen alsobald.

Eph. 1,19.20: Welche da sei die überschwengliche Größe seiner Kraft an uns, die wir glauben nach der Wirkung seiner mächtigen Stärke, welche er gewirket hat in Christus, da er ihn von den Toten auferwecket hat und gesetzt zu seiner Rechten im Himmel.     

    16. Wir verwerfen als falsche Lehre: daß die Taufe nicht Christi Befehl und Ordnung für die Gemeinde sei bis zum Jüngsten Tag; daß die Taufe kein Gnadenmittel sei, das die Vergebung der Sünden darbiete und zueigne; daß die Taufe nur ein äußeres Zeichen sei; daß die Taufe vorallem ein menschlicher Bekenntnisakt sei; daß der Täufling die Gnade habe aus dem bloßen Vollzug der Taufe, auch ohne den Glauben; daß die Taufe der Seele ein unauslöschliches Zeichen aufdrücke; daß eine nicht im Glauben empfangene Taufe ungültig sei und zu wiederholen (Wiedertaufe); daß die Taufe keine weitere Bedeutung habe für das Glaubensleben; daß die Taufe nur relevant sei für die Zeit vor der Taufe; daß die Säuglinge nicht getauft werden sollten; daß es in die Freiheit der Gemeinde gestellt werden sollte, ob Säuglinge getauft werden; daß die kleinen Kinder christlicher Eltern schon aufgrund ihrer Eltern heilig seien und der Erlösung von Sünden nicht bedürften; daß Säuglinge und kleine Kinder nicht glauben könnten; daß wir noch eine besondere Geistes- oder Feuertaufe bäruchten; daß nur die durch Untertauchen vollzogene Taufe gültig sei; daß die Taufe nur durch ordinierte Pastoren ausgeführt werden dürfte; daß die Taufe Vergebung nur wirke als ein vollzogener Gehorsamsakt.

 

    17. Wir glauben, lehren und bekennen, daß die Konfirmation nicht von Christus eingesetzt oder befohlen wurde, sondern eine gute kirchliche Ordnung ist, in der die in ihrer Kindheit Getauften nach dem Jugendunterricht vor der Gemeinde geprüft, an ihren Taufbund erinnert und der Gnade Gottes mit Gebet empfohlen werden.

    18. Wir verwerfen daher als falsche Lehre: die Firmung sei ein von Christus eingesetztes Sakrament, das den Heiligen Geist mitteile und der Seele ein unauslöschliches Zeichen aufdrücke.

 

 

 

DIE TAUFE IST REINES EVANGELIUM

 

von

Pastor Kenneth K. Miller

(gehalten am 9. Sonn. n. Trin. aus Anlaß der Taufe seines Enkels Triston Titus Miller in Christ Lutheran Church, Fort Wayne, IN)

(übers. vom Hrsg.)

 

    Tit. 3,5-7: Nicht um der Werke willen der Gerechtigkeit, die wir getan hatten, sondern nach seiner Barmherzigkeit machte er uns selig durch das Bad der Wiedergeburt und Erneuerung des Heiligen Geistes, welchen er ausgegossen hat über uns reichlich durch Jesus Christus, unsern Heiland, auf daß wir durch desselbigen Gnade gerecht und Erben seien des ewigen Lebens nach der Hoffnung.

 

    Die heilige christliche Kirche hat zwei Sakramente: die Taufe und das heilige Abendmahl. Einige andere Kirchen zählen mehr als zwei auf. Einige zählen die Fußwaschung zu den Sakramenten oder das Gebet oder die Eheschließung oder die sieben Sakramente der römischen Katholiken. Wie können wir sicher sein, daß wir das Richtige tun, wenn wir die anderen sogenannten Sakramente verwerfen? Können wir denn nicht das, was wir wollen, ein Sakrament nennen, da es doch kein biblisches Wort ist, sondern ein kirchliches? Es ist richtig, daß es nicht um das Wort selbst geht; aber eine der Gründe, warum wir Worte haben, ist der, daß wir damit alle wissen, wovon wir sprechen. Es kann nicht sein, daß jeder seine Worte auf seine Weise definiert, wenn ihn irgendjemand verstehen soll. Wenn Menschen das machen, dann führt das nur zu Verwirrung oder Irreleitung. Alle erkennen die Taufe und das Abendmahl als Sakramente an. Ihnen wird zuerkannt, daß sie in der Bibel gegründet sind. Wenn wir also andere Sakramente hinzufügen wollen, müssen wir erst in die Bibel gehen und die beiderseitigen Wesensmerkmale von Taufe und Abendmahl finden. Erst dann können wir feststellen, ob noch etwas anderes ein Sakrament sein kann, wenn wir sehen, ob es dieselben Wesensmerkmale hat. Wenn wir so handeln, so finden wir, daß es keine anderen gibt. Solche drei Wesensmerkmale sind: göttliche Einsetzung, Verbindung mit einem sichtbaren Element und Vergebung der Sünden. Einige der sogenannten Sakramente haben eines oder zwei dieser Wesensmerkmale, aber keines hat sie alle. Daher gibt es, biblisch gesprochen, nur zwei Sakramente.

    Alle beide Sakramente sind das reine Evangelium, nicht nur symbolische Handlungen, nicht nur Einführung in die Kirche, nicht ein menschliches Werk im Gehorsam gegenüber Gott, sondern ein Werk Gottes, in dem er seine Gnade den Menschen gibt. Die Sakramente sind Gnadenmittel.

    Die Lehre von den Gnadenmitteln ist eine biblische Hauptlehre. Es ist wichtig für jeden Christen, daß er sie versteht. Dennoch können viele Lutheraner dir nicht sagen, was ein Gnadenmittel ist, noch können sie dir sagen, welches die Gnadenmittel sind. Die Bibel lehrt uns, daß Gott sein gesamtes geistliches Werk in uns durch das Evangelium vollbringt; und das Evangelium kommt in der Form des Wortes Gottes, der Taufe und des Abendmahls. Sie werden 'Gnadenmittel' genannt, weil sie die Mittel sind, die Gott verwendet, seine rettende Gnade, die Vergebung der Sünden, mitzuteilen, von seinem Herzen zu unseren.

    Heute konzentrieren wir uns auf die Heilige Taufe, die, wie unser Katechismus sagt, "ist nicht bloß Wasser, sondern das Wasser in Gottes Gebot gefaßt und mit Gottes Wort verbunden" und daß dieses Wort ist "Gehet hin in alle Welt und machet zu Jüngern alle Völker: Taufet sie auf den Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes und lehret sie halten alles, was ich euch befohlen habe." Das Wort "taufen" meint einfach waschen oder Wasser verwenden. So wenden wir in der Taufe an Personen Wasser an und "waschen" so, wie es Paulus sagt, "die Sünden ab".

    Die Baptisten und andere sagen, wir würden es mit der Taufe völlig falsch machen. Man sollte meinen, daß eine Kirche, die sich "baptistisch" nennt, ganz glühend und eifrig sein müßte, die Taufe zu verwalten, aber tatsächlich behindern sie sie. Sie bestehen darauf, daß die Taufe durch untertauchen geschieht, was die Bibel nicht lehrt, und sie bestehen auch darauf, daß kleine Kinder nicht getauft werden dürften, sondern warten müßten, bis sie das Alter der Unterscheidung erreicht hätten und ihren eigenen Glauben bekennen können. Viele ihrer Kinder bleiben ungetauft, und viele von ihnen werden nie getauft, weil sie meinen, die Taufe sei nicht sehr wichtig. Sie sehen sie überhaupt nicht als ein Gnadenmittel an, sondern als ein Akt ihres eigenen Glaubensbekenntnisses odeer als einen Gehorsamsakt, ein Werk des Gesetzes. Da die Bibel saygt, daß du getauft werden mußt, um gerettet zu werden, so kommt daraus eine Lehre der Rettung durch Werke, obwohl doch die Bibel sagt: "Durch des Gesetzes Werke wird kein Fleisch gerecht." Sie leiten ihre Kinder fehl.

    Unser Text antwortet ihnen, indem er uns lehrt, daß die Taufe allerdings ein Gnademittel ist. Sie ist nicht ein Werk des Gesetzes, sondern das reine Evangelium, wie wir sehen werden.    

   

    1. Die Taufe ist Sündenvergebung. Das wird hier in unserem Text gelehrt, so es heißt: "sondern nach seiner Barmherzigkeit machte er uns selig durch das Bad der Wiedergeburt und Erneuerung des Heiligen Geistes,... auf daß wir durch desselbigen Gnade gerecht und Erben seien des ewigen Lebens nach der Hoffnung". Uns retten heißt, uns zu Erben des ewigen Lebens zu machen. Und wie rettete er uns? "Durch das Bad der Wiedergeburt." Das ist die Taufe und nichts anderes. Im Epheserbrief sagt Paulus, daß Jesus sich selbst hingab für die Gemeinde, auf daß er sie heiligte, und hat sie gereiniget durch das Wasserbad im Wort. Die Taufe heiligt und reinigt.

    Es heißt: "Er rettete uns durch das Bad der Wiedergeburt ..., auf daß wir durch desselbigen Gnade gerecht und Erben seien des ewigen Lebens nach der Hoffnung." Wo kommt dieses Rechtfertigen her? Es kommt durch das Bad der Wiedergeburt. Wenn du getauft wirst, wirst du gerechtfertigt. Die Taufe gibt dir die Vergebung der Sünden. Die Taufe ist die Vergebung der Sünden. Da sollst du nach ihr suchen. Sie erzählt dir nicht nur über die Vergebung oder symbolisiert sie, sondern die Taufe gibt sie wirklich.

    Wie macht sie das? Sie gibt sie dir persönlich. Die Taufe ist nicht eine allgemeine Ankündigung, sondern eine persönliche Zueignung dieses Bades der Wiedergeburt. Sie vergewissert dich dessen, daß Gott dir vergibt und dir die Verdienste Christi zueignet. Petrus sagt uns, daß die Taufe rettet und erklärt es: "Nicht das Abtun des Unflats am Fleisch, sondern der Bund eines guten Gewissens mit Gott." Mit anderen Worten: sie ist nicht ein bloß äußerliches Waschen, das dir den Schmutz an deiner Außenseite wegnimmt; sie ist ein geistliches Waschen, sie ist die Vergebung der Sünden, so daß dein Gewissen vor Gott gereinigt ist. Natürlich kannst du nicht durch Waschen oder irgendetwas anderes deine Sünden, die du begangen hast, ungeschehen machen, aber du kannst von deiner Schuld befreit werden. Gott vergibt deine Sünden in der Taufe; das heißt: Er rechnet dir deine Sünden nicht zu. Noch mehr: Er sieht dich gar nicht mehr als einen Sünder an, obwohl du doch einer bist, sondern sieht dich an durch die Augen Christi und seiner Genugtuung. In seinem Herzen vergibt er dir, daß du vorallem ein Sünder bist und daß du diese und jene Sünde getan hast.

    Die Taufe ist nicht ein Werk des Gesetzes, das du tust. Sie ist Gottes Werk, das er an dir vollbringt. Du kannst dich nicht selbst taufen, sondern mußt durch jemand anders getauft werden, und darum weißt du, daß es Gott ist, der deine Schuld abwäscht.

    Es kommt auch nicht darauf an, auf welche Art und Weise du getauft wirst, wenn es nur mit Wasser ist. Wenn du im Wasser untergetaucht wirst, so ist das fein; wenn du dreimal untergetaucht wirst, für den Vater, den Sohn und den Heiligen Geist, so ist das auch fein.Wenn das Wasser über dich gegossen wird, sei es nun über deinen ganzen Körper oder nur einen kleinen Teil deines Kopfes, so ist auch das eine gültige Taufe. Wenn du mit einigen Tropfen Wasser besprengt wirst, so wird immer noch Wasser verwendet, es ist eine gültige Taufe. Wenn du, wie einige Babies, mit einem Tropfenspender getauft wirst, so ist auch das eine wirkliche Taufe. Die Art und Weise der Taufe ist nicht das Entscheidende; was wichtig ist, ist die Kraft und der Nutzen der Taufe. Einige Kirchen legen sehr viel gewicht auf die Art und Weise der Taufe, aber sie leugnen, daß sie wirklich etwas bewirkt, wie die Bibel sagt: "Sie haben einen Schein der Gottseligkeit, aber ihre Kraft verleugnen sie: solche meide."

 

    2. Die Taufe gibt den Glauben und das ewige Leben. Es wird heute oft gelehrt, daß niemand getauft werden sollte, bevor er nicht gläubig sei. Dieser Grundsatz macht es nicht nur schwer für den Täufer, denn er kann nicht mit letzter Sicherheit wissen, ob da wahrer Glaube im Herzen ist, sondern dieser Grundsatz unterhöhlt auch die Taufe selbst. Es stimmt, daß wir Erwachsene erst taufen, wenn sie den christlichen Glauben bekannt haben, gewöhnlich in den Worten des Apostolischen Glaubensbekenntnisses, das schon bei Taufen in der Apostelzeit verwendet wurde, aber da ist von den Kindern abgesehen. Ohne die Taufe gibt es für sie keinen Weg, gerettet zu werden. Die Baptisten versuchen dies zu umgehen, indem sie behaupten, daß die Kinder noch nicht verantwortlich seien oder nicht Sünder seien, bevor sie das Alter der Unterscheidung erreicht haben oder wenigstens wenn sie das Evangelium verstehen können und vernünftig genug sind, ihre Sünden zu erkennen und zu bereuen. Von solch einer Lehre finden wir in der Bibel keine Spur; und diese Lehre widerspricht der Bibellehre von der Erbsünde. Und sie widerspricht auch Jesu Worten: "Wahrlich, wahrlich, ich sage dir: Wenn jemand nicht geboren wird aus dem Wasser und Geist, so kann er nicht in das Reich Gottes kommen." Er sagte auch: "Wer da glaubet und getauft wird, der soll selig werden; wer aber nicht glaubet, der soll verdammt werden." Wenn kleine Kinder nicht getauft werden könnten, weil sie noch nicht glauben könnten, so könnten sie auch nicht gerettet werden, denn "wer nicht glaubt, der soll verdammt werden." Für diese Ordnung ist keine Altersbegrenzung gegeben. Es ist wahr, daß Gott Erbarmen mit denen haben wird, die nicht getauft werden konnten, wie Davids und Bathsebas Sohn in den Himmel ging, nachdem er am siebenten Tag gestorben war, noch bevor er beschnitten wurde; aber es gibt keine solche Verheißung für diejenigen, deren Eltern sich weigern, sie zu taufen. Es ist die Pflicht der Eltern, ihre Kinder zur heiligen Taufe zu bringen, wie Jesus sagt: "Lasset die Kindlein zu mir kommen und wehret ihnen nicht; denn solcher ist das Reich Gottes."

    Können Babies glauben? Sie können, wenn Gott den Glauben in ihren Herzen wirkt. Er hat uns das Sakrament gegeben, um genau das zu vollbringen, denn es ist das "Bad der Wiedergeburt und Erneuerung des Heiligen Geistes". Das heißt: Es ist das Waschen, das wiedergebärt. Das gibt die neue Geburt. Ein ungläubiges Kind wird durch das Wort Gottes, das in und mit dem Wasser ist, zu einem Gläubigen gemacht. Es ist nicht das Wasser, das die neue Geburt hervorbringt, sondern das Wort Gottes. Unser Katechismus sagt: "Wasser tut's freilich nicht, sondern das Wort Gottes, das mit und bei dem Wasser ist, und der Glaube, der solchem Wort Gottes im Wasser trauet."

    Wir hören oft ein anderes Argument von den Baptisten, nämlich daß wir gerechtfertigt und errettet werden durch den Glauben, nicht durch die Taufe. Das ist eine falsche Alternative. Tatsächlich werden wir gerechtfertigt und errettet durch Taufe und Glauben. "Wer da glaubet und getauft wird, der soll selig werden." "Welches nun auch uns selig macht in der Taufe." Und hier in unserem Text: "Er machte uns selig durch das Bad der Wiedergeburt und Erneuerung des Heiligen Geistes, welchen er ausgegossen hat über uns reichlich durch Jesus Christus, unsern Heiland, auf daß wir durch desselbigen Gnade gerecht und Erben seien des ewigen Lebens nach der Hoffnung." Daher sind wir errettet durch den Glauben, und die Taufe gibt uns diesen Glauben, auch Kindern, denn Jesus sprach von "diesen Kleinen, die an mich glauben".

 

    3. Wir sollen Trost aus unserer Taufe schöpfen. Petrus schrieb "welches nun auch uns selig macht in der Taufe". Das "nun auch" ist wichtig und darf nicht übersehen werden. Deine Taufe ist nicht nur eine historische Sache, das irgendwann in deiner Kindheit geschah. Sie ist heute immer noch lebendig, wirkkräftig und kraftvoll. Gott versichert dich, daß Seine Vergebung dein gesamtes Leben gilt; alle deine Schuld ist abgewaschen. Du bist immer noch rein in seinen Augen. Du darfst dich allerdings nicht selbst beschmutzen, sondern du mußt täglich Buße tun und zu deiner Taufe zurückkehren. Gedenke, daß du von deinen alten Sünden gereiniget wurdest und daß du Gott gehörst. Daraus schöpfe Trost. Obwohl du ein Sünder bist, obwohl du Gott beleidigt und seinen Zorn und Mißgunst verdient hast, obwohl du verdienst, verdammt zu werden, hat er alle deine Sünden abgewaschen. Er will dich in alle Ewigkeit nicht verdammen, sondern er hat dich in der heiligen Taufe als sein Eigentum in Anspruch genommen. "Ich habe dich bei deinem Namen gerufen", sagt er, "du bist mein."

    Wir können aus unserer Taufe Kraft holen gegen Verzweiflung und Versuchung. Wenn Krankheit deinen Körper niederwirft, so denkst du an deine Sünden. Wenn Versuchung oder Prüfung auf dir lastet, dann liegt die Sünde vor der Tür, wie Ärger, Selbstmitleid oder Verzweiflung. Wenn du deine Sünden betrachtest, so kannst du nur verzweifeln. Aber die Taufe gibt uns Christus durch den Glauben. "Denn wie viele euer getauft sind, die haben Christus angezogen. ... Seid ihr aber Christi, so seid ihr Abrahams Samen und nach der Verheißung Erben." Er stärkt dein herz durch die heilige Taufe, jenem Tag, als die Sünden deines Lebens alle abgewaschen wurden. Gott legte dann seine Hand auf dich und vergab dir alles. Er vergibt dir noch immer alles.

    Gedenke deiner Taufe und schöpfe aus ihr Trost. Sie ist das Werk Gottes; noch mehr: Sie ist das ganze Herz Gottes, der seinen eingeborenen Sohn gab, dich zu erlösen, auf daß wir durch desselbigen Gnade gerecht und Erben seien des ewigen Lebens nach der Hoffnung". "So lasset uns hinzugehen mit wahrhaftigem Herzen, in völligem Glauben, besprenget in unsern Herzen und los von dem bösen Gewissen und gewaschen am Leibe mit reinem Wasser." Amen.  

 

 

 

VOM KINDERGLAUBEN

Martin Luther

(aus der Predigt zum Evangelium auf den dritten Sonntag nach Epiphanias, Matth. 8, 1 ff. aus dem Jahr 1525)

 

 

    „Herr, ich bin dein nicht wert.“

 

    Das ist der große Glaube dieses Heiden, dass er weiß, wie die Seligkeit nicht an der leiblichen Gegenwart Christi liegt. Denn dieselbe hilft nicht, sondern es liegt am Wort und Glauben. Das wussten aber die Apostel noch nicht, die Mutter auch nicht vielleicht. Sondern sie hielten fest an seiner leiblichen Gegenwart, ließen ihn auch nicht gerne von sich, Joh. 16,6, hielten so nicht bloß allein an seinem Wort. Aber dieser Heide lässt sich so reichlich am Wort begnügen, dass er seine Gegenwart nicht wünscht, noch sich wert dünkt, dazu mit einem Gleichnis solchen seinen mächtigen Glauben beweist und spricht: Ich bin Mensch und kann mit einem Wort schaffen bei den Meinen, was ich will. Sollst du denn nicht mit einem Wort schaffen, was du willst, weil ich gewiß weiß, und du auch beweisest, dass Gesundheit und Krankheit, Tod und Leben dir untertan sind, wie mir meine Knechte sind? Darum wird auch sein Knecht gesund von Stund an durch die Kraft dieses Glaubens.

    Und weil es hier die Zeit und das Evangelium gibt, müssen wir ein wenig von dem fremden Glauben und seiner Macht sagen, umso mehr als sich viel damit bekümmern allermeist um der jungen Kinder willen, die man in der Taufe hält nicht durch eigenen Glauben, sondern durch fremden Glauben zu selig werden, wie hier dieser Knecht nicht durch eigenen Glauben, sondern durch seines Herrn Glauben gesund geworden ist. Die Sache haben wir noch nie behandelt, darum müssen wir hier um künftiger Gefahr und Irrtum willen, so viel an uns ist, zuvorkommen und handeln.

    Auf das erste müssen wir den Grund lassen fest und gewiß sein, dass niemand selig wird durch anderer Glauben oder Gerechtigkeit, sondern durch seinen eigenen. Wiederum, niemand wird verdammt um eines andern Unglauben oder Sünden, sondern um seines eigenen Unglaubens willen, wie das Evangelium hell und klar sagt, Mark. 16,16: „Wer glaubt und getauft wird, der wird selig. Wer nicht glaubt, der wird verdammt.“ Und Röm. 1,17: „Der Gerechte wird seines Glaubens leben.“ Und Joh. 3,16 ff.: „Wer an ihn glaubt, wird nicht verloren werden, sondern hat das ewige Leben.“ Ebenso: „Wer an ihn glaubt, der wird nicht gerichtet, wer nicht an ihn glaubt, der ist schon gerichtet.“ Das sind helle, deutliche Worte, dass ein jeglicher muß für sich selbst glauben, und kann ihm keiner helfen durch fremden Glauben ohne eigenen Glauben. Von diesen Stellen darf man nicht weichen noch sie leugnen, es treffe, was es treffe. Und sollen eher lassen alle Welt verderben, ehe man diese göttliche Wahrheit ändere. Und ob etwas Scheinbares wurde dagegen aufgebracht, das du nicht könntest verantworten, so sollst du eher bekennen, dass du es nicht verstehest und Gott befiehlest, ehe du gegen diese klaren Sprüche etwas zulässt. Es bleiben Heiden, Juden, Türken, junge Kinder und alles, was da ist, wo es kann, diese Worte sollen und müssen recht haben und wahr sein.

    Nun ist die Frage, wo die jungen Kinder bleiben, so sie doch noch keine Vernunft haben und für sich selbst nicht können glauben, weil geschrieben stehet Röm. 10: „Der Glaube kommt durchs Hören. Das Hören aber kommt durchs Predigen des Wortes Gottes.“ (V. 17) Nun hören noch verstehen ja die jungen Kinder Gottes Wort nicht, so können sie auch keinen eigenen Glauben haben. Auf diese Frage haben die Sophisten in hohen Schulen und des Papstes Rotte eine solche Antwort erdichtet: Daß die jungen Kinder werden ohne eigenen Glauben getauft, nämlich auf den Glauben der Kirche, welchen die Paten bekennen bei der Taufe. Darnach in der Taufe werde dem Kindlein aus Kraft und Macht der Taufe die Sünde vergeben und eigener Glaube eingegossen mit Gnaden, dass ein neugeborenes Kind wird aus dem Wasser und Heiligen Geist.

    Wenn man sie aber fragt um den Grund solcher Antwort und wo das in der Schrift stehe, so findet man es im finsteren Rauchloch oder sie weisen auf ihr Barett und sagen: Wir sind die hochgelehrten Doktoren und sagen solches, darum ist es recht, da darfst du nicht weiter fragen. Wie denn fast alle ihre Lehre keinen anderen Grund hat als ihre eigenen Träume und Dünkel. Und wenn sie aufs höchste sich rüsten, so bringen sie etwa einen Spruch herzu mit den Haaren aus St. Augustinus oder sonst einem Heiligen Vater. Aber das ist uns nicht genug in den Sachen, die der Seelen Heil betreffen. Denn sie selbst und alle Heiligen Väter sind Leute und Menschen gewesen. Wer will mir Bürge und gut dafür sein, dass sie recht sagen? Wer will darauf sich verlassen und darauf sterben, weil sie es ohne Schrift und Gottes Wort sagen? Heilige hin, Heilige her, wenn mir’s die Seele gilt ewiglich zu verlieren oder zu erhalten, kann ich mich nicht auf alle Engel und Heiligen verlassen, geschweige denn auf einen Heiligen oder zwei, wenn sie mir nicht Gottes Wort zeigen.

    Aus diesen Lügen sind sie weitergefahren und so fern gekommen, dass sie haben gelehrt und auch noch halten: Die Sakramente haben solche Kraft, dass, ob du keinen Glauben hast und das Sakrament empfängst (sofern du nicht im Vorsatz bist zu sündigen), so kriegst du doch die Gnade und Vergebung der Sünden ohne allen Glauben. Das haben sie aus der vorigen Meinung eingeführt, mit der Begründung, dass die jungen Kinder so ohne Glauben, allein aus der Macht und Kraft der Taufe, Gnade empfangen, wie sie träumen. Darum messen sie es auch den Alten und allen Menschen so zu und reden solches aus ihrem eigenen Kopf, damit sie den christlichen Glauben gar meisterlich ausgerottet, zunichte und unnötig gemacht und allein unser Werk mit der Kraft der Sakramente aufgerichtet haben. Davon habe ich genugsam geschrieben über die Artikel der Bulle Leos.

    Die heiligen alten Väter haben doch ein wenig mehr davon. Wiewohl nicht klar genug, geredet, die nicht sagen von solcher erdichteter Kraft der Sakramente, sondern sagen so, dass die jungen Kinder getauft werden im Glauben der christlichen Kirche. Aber weil sie nicht dasselbe gründlich darlegen, wie derselbe christliche Glaube den Kindern zu Hilfe komme, ob sie dadurch eigenen glauben bekommen oder nur so auf den christlichen Glauben, sie selbst ohne Glauben, getauft werden, fahren die Sophisten herzu, deuten der heiligen Väter Wort dahin, dass die Kinder ohne eigenen Glauben getauft werden, allein in den Glauben der Kirche Gnade erlangen. Denn sie sind dem Glauben feind. Wo sie nur die Werke erheben können, muß sich der Glauben unterordnen. Denken nicht einmal, ob die heiligen Väter irreten oder sie selbst die heiligen Väter recht verstünden.

    Vor diesem Gift und Irrtum hüte dich, wenn es gleich aller Väter und Konzile ausdrückliche Meinung wäre, denn sie hat keinen Bestand, hat keinen Grund in der Schrift für sich, sondern ist bloß Menschendünkel und Träume. Dazu ist sie stracks und deutlich gegen die vorigen Hauptsprüche, da Christus spricht: „Wer glaubt und getauft wird“ usw., das kurzum beschlossen ist: Die Taufe hilft niemandem, ist auch niemandem zu geben, er glaube denn für sich selbst; und ohne eigenen Glauben ist niemand zu taufen, wie auch St. Augustinus selbst spricht: Nicht das Sakrament rechtfertigt, sondern der Glaube des Sakramentes [der Glaube, der die Verheißung im Sakrament ergreift, Anm. d. Hrsg.]

    Über diesen sind etliche andere, wie die Brüder der Waldenser genannt, die halten, dass ein jeglicher müsse für sich selbst glauben, und mit eigenem Glauben die Taufe oder Sakramente empfangen, wo nicht, so sei ihm die Taufe oder das Sakrament nichts nütze. Sofern reden und halten sie recht. Aber dass sie fortfahren und taufen gleichwohl die jungen Kinder, welche nach ihrer Meinung auch keinen Glauben haben, das ist ein Spott der heiligen Taufe und ein Sündigen gegen das andere Gebot, dass sie Gottes Namen und Wort unnütz und vergeblich führen mit Gewissen und Mutwillen. Es hilft ihnen auch nicht aus der Rede, dass sie sagen, die Kinder taufe man auf ihren zukünftigen Glauben, wenn sie zur Vernunft kommen. Denn der Glaube muß vor oder doch in der Taufe da sein, sonst wird das Kind nicht los vom Teufel und den Sünden.

    Darum, wenn ihre Meinung recht wäre, so müsste das alles eitel Lüge und Spötterei sein, dass mit dem Kind in der Taufe gehandelt wird. Denn da fragt der Täufer, ob das Kind glauben, und man antwortet „Ja“ an seiner Statt und ob es wolle getauft werden, da antwortet man auch „Ja“ an seiner Statt. Nun wird dennoch niemand an seiner Statt getauft, sondern es wird selbst getauft. Darum muß es auch selbst glauben, oder die Paten müssen lügen, wenn sie sagen an seiner Statt „Ich glaube“. Ebenso, wenn der Täufer rühmt, es ist neu geboren, die Sünden vergeben, vom Teufel los und zieht ihm zum Zeichen dafür ein weißes Hemd an und handelt aller Dinge mit ihm wie mit einem neuen heiligen Gotteskinde, welches müsste falsch sein, wenn nicht eigener Glaube da wäre, und wäre besser, nie ein Kind zu taufen, als so mit Gottes Wort und Sakrament narren und gaukeln, as wäre er ein Götze oder Narr.

    Es hilft auch nicht, dass sie das Gottesreich dreiteilen. Einmal sei es die christliche Kirche, das andere Mal das ewige Leben, zum dritten das Evangelium. Und darnach sagen sie, die Kinder werden zum Himmelreich getauft, auf die dritte und erste Weise, das ist, sie werden getauft, nicht dass sie dadurch selig seien und Vergebung der Sünden haben, sondern sie werden in die Christenheit aufgenommen und zum Evangelium gebracht. Das ist alles nichts geredet und aus eigenem Dünkel erdichtet. Denn das hilft nicht ins Himmelreich kommen, dass sie unter die Christen kommen und das Evangelium hören, welches auch die Heiden tun können und ohne Taufe geschieht. Solches heißt auch nicht ins Himmelreich kommen, wenn du auf die erste, andere oder dritte Weise vom Himmelreich redest, wie du willst. Sondern das heißt im Himmelreich sein, wenn ich ein lebendiges Glied der Christenheit bin und das Evangelium nicht allein höre, sondern auch glaube. Sonst wäre ein Mensch ebenso im Himmelreich, als wenn ich einen Klotz und Block unter die Christen würfe oder wie die Teufel unter ihnen sind. Darum taugt dies gar nichts.

    Auch folget daraus, dass die christliche Kirche zweierlei Taufe hätte und die Kinder nicht die gleiche Taufe hätten mit den Alten. So doch Paulus sagt Eph. 4,5: „Es ist nur eine Taufe, ein Herr, ein Glaube.“ Denn wo die Taufe nichts ausrichtet und gibt den Kindern, was sie den Alten tut und gibt, so ist es nicht dieselbe Taufe, ja, ist keine Taufe, sondern ein bloßes Spiel und Spott der Taufe, umso mehr keine Taufe mehr als diejenige, die da selig macht. Wo man weiß oder hält, dass sie nicht selig macht, da soll man sie nicht geben. Gibt man sie aber, so gibt man nicht die christliche Taufe, denn man glaubt nicht, dass sie wirke, was die Taufe wirken soll. Darum ist es eine andere und fremde Taufe. Daher wäre es schier nötig, dass sich die Waldenser selbst anders taufen ließen, wie sie die unsrigen anders taufen, weil sie nicht allein ohne Glauben die Taufe empfangen, sondern auch gegen den Glauben und Mit Gottes Missachtung und Unehre eine andere, fremde, unchristliche Taufe geben.

    Wo wir nun nicht besser könnten auf diese Frage antworten und beweisen, dass die jungen Kinder selbst glauben und eigenen Glauben haben, da ist mein treuer Rat und Urteil, dass man stracks abstehe, je eher, je besser, und taufe nie mehr ein Kind, auf dass wir nicht die hochgelobte Majestät Gottes mit solchen Possen und Gaukelwerk, da nichts dahinter ist, spotten und lästern.

    Darum sagen wir hierauf und schließen, dass die Kinder in der Taufe selbst glauben und eigenen Glauben haben. Denselben Glauben Gott in ihnen wirkt durch die Fürbitte und das Herzubringen der Paten im Glauben der christlichen Kirche. Und das heißen wir die Kraft des fremden Glaubens. Nicht, dass jemand durch denselben möge selig werden, sondern dass er dadurch als durch seine Fürbitte und Hilfe möge von Gott selbst einen eigenen Glauben erlangen, dadurch er selig werde.

    Gleich, wie es mit meinem natürlichen Leben und Sterben zugehet. Soll ich leben, so muß ich selbst geboren werden und kann niemand für mich geboren werden, dass ich dadurch lebe. Aber die Mutter und Hebamme kann durch ihr Leben mir wohl helfen zu meiner Geburt, dass ich auch dadurch lebe. Also muß ich selbst den Tod leiden, soll ich sterben, und kann niemandes Tod mir tun, dass ich daran sterbe. Aber er kann mir wohl helfen zum eigenen Tode, etwa wenn er mich erschreckt, auf mich fiele, mich ersticket oder ertränket oder erstänket. Ebenso kann niemand für mich in die Hölle fahren. Er kann mich aber verführen mit irriger Lehre und leben, dass ich selbst hineinfahre durch eigenen Irrtum, aufgrund jenes Irrtum, der in mich gebracht wurde. Ebenso kann niemand für mich in den Himmel fahren. Er kann mir aber dazu helfen, predigen, lehren, regieren, bitten und bei Gott erlangen zu glauben, dadurch ich möge gen Himmel fahren. Und dieser Hauptmann ist nicht gesund geworden von der Gicht seines Knechtes. Aber er hat es dennoch erworben, dass sein Knecht die Gesundheit erlangt hat.

    Also sagen wir auch hier, dass die Kinder nicht werden im Glauben der Paten oder der Kirche getauft. Sondern der Paten und der Christenheit Glaube bittet und erwirbt ihnen ihren eigenen Glauben, in welchem sie getauft werden und für sich selbst glauben. Dafür haben wir starke und feste Stellen. Matth. 19,13 ff.; Mark. 10,13 ff.; Luk. 18,15 ff. Da etliche dem Herrn Jesus Kindlein hinbrachten, dass er sie anrührte und die Jünger ihnen wehrten, strafte er die Jünger und herzet die Kinder und legt die Hände auf sie und segnet sie und sprach: Solcher ist das Reich Gottes usw. Diese Sprüche wird uns niemand nehmen noch sie mit gutem Grund widerlegen können. Denn hier steht es, dass Christus will es nicht verboten haben, die Kindlien zu ihm zu bringen. Ja, er heißt sie zu ihm bringen und segnet sie und gibt ihnen das Himmelreich, das lasst uns wohl merken.

    Es ist ohne Zweifel von den natürlichen Kindern geschrieben und geht nicht, dass man Christi Wort wollte deuten, als hätte er geistliche Kinder gemeint, die vor Demut klein sind. Denn es wahren leibliche kleine Kinder, die Lukas infantes nennet und sein Segen geht über dieselben und spricht von denselben, das Himmelreich ist ihrer. Was wollen wir hier sagen? Wollen wir sagen, sie seien ohne eigenen Glauben gewesen, so sind die vorigen Stellen falsch. Wer nicht glaubt, der ist verdammt usw. So würde Christus lügen und spiegelfechten, da er sagt, das Himmelreich ist ihrer und würde nicht mit Ernst vom rechten Himmelreich reden. Deute nun diese Worte Christi, wie du willst, so haben wir, dass die Kinder sind zu Christus zu bringen und man soll ihnen nicht wehren. Und wenn sie zu ihm gebracht sind, so zwingt er uns hier zu glauben, dass er sie segnet und ihnen das Himmelreich gibt, wie er diesen Kindlein tut. Und wir dürfen uns nicht anmaßen, einen anderen weg zu tun und zu glauben, solange das Wort steht: „Laßt die Kindlein zu mir kommen und wehret ihnen nicht.“ Nicht weniger will uns gebühren zu glauben, wenn sie zu ihm gebracht sind, dass er sie herze, seine Hand auf sie lege, sie segne und ihnen den Himmel gebe, solange der Text steht, dass er die Kindlein, die zu ihm gebracht wurden, segnete und ihnen den Himmel gab. Wer kann sich über diesen Text hinwegsetzen? Wer will dagegen so kühn sein, und die Kindlein nicht zur Taufe kommen lassen oder nicht glauben, dass er sie segnete, wenn sie dahinkommen?

    Nun ist er in der Taufe ja ebenso gegenwärtig wie er damals war, das wissen wir Christen gewiß, darum dürfen wir den Kindlein die Taufe nicht verwehren. So dürfen wir auch nicht zweifeln, dass er sie alle segne, die dahin kommen, wie er jenen tat. So bleibt nun hier nicht mehr als der fromme Wunsch und der Glaube derjenigen, die die Kindlein zu ihm brachten; dieselben machen und helfen durch ihr Bringen, dass die Kindlein gesegnet werden und das Himmelreich erlangen. Welches nicht sein kann, sie haben denn eigenen Glauben für sich selbst, wie gesagt ist. Also sagen wir auch hier, dass die Kinder zur Taufe gebracht werden wohl durch fremden Glauben und Werke. Aber wenn sie dahingekommen sind und der Priester oder Täufer mit ihnen handelt an Christi Statt, so segnet er sie und gibt ihnen den Glauben und das Himmelreich. Denn des Priesters Wort und Tat sind Christi eigene Worte und Tat.

    Hierzu stimmt auch St. Johannes in seiner ersten Epistel, wo er spricht: „Ich schreibe euch Vätern. Ich schreibe euch Jünglingen. Ich schreibe euch Kindern“ (1 Joh. 2,14), lässt sich nicht begnügen, dass er den Jünglingen schreibt, schreibt auch den Kindern. Und schreibt, sie haben den Vater erkannt. Daraus folget ja, dass die Apostel haben auch die Kinder getauft und dafür gehalten, sie glauben und kennen den Vater, gerade, als wenn sie zur Vernunft gekommen sind und könnten lesen. Wiewohl das Wort „Kinder“ jemand möchte deuten auf die Alten wie Christus seine Jünger etwa nennt, so ist es doch gewiß, dass er hier redet von denen, die jünger sind als die Jünglinge, dass es den Anschein hat, er redet von dem jungen Haufen, der unter 15 oder 18 Jahren ist und nimmt niemand aus von den Jahren bis aufs erste Jahr hinab. Denn das heißen alles Kinder.

    Aber wir wollen doch sehe ihre Ursache, warum sie die Kinder nicht für gläubig halten. Sie sprechen, weil sie noch nicht zur Vernunft gekommen sind, können sie Gottes Wort nicht hören. Wo aber Gottes Wort nicht gehört wird, da könne kein Glaube sein. Röm. 10,17: „Der Glaube kommt durch das Hören, das Hören aber kommt durch das Wort Gottes“ usw. Sage mir, ist das auch christlich geredet, so von Gottes Wort zu urteilen, nach unserem Dünken? Die Kinder sind nicht zur Vernunft gekommen, darum können sie nicht glauben? Wie, wenn du durch solche Vernunft wärest schon vom Glauben abgekommen und die Kinder durch ihre Unvernunft zum Glauben gekommen? Lieber, was tut denn die Vernunft Gutes zum Glauben und Gottes Wort? Ist es nicht sie, die dem Glauben und Gottes Wort aufs Höchste widersteht, dass niemand nach ihr zum Glauben kommen kann, nach Gottes Wort leiden will, sie werden denn geblendet und geschändet, dass der Mensch muß ihr absterben und gleich werden einem Narren und ja so unvernünftig wie ein junges Kind, soll er anders gläubig werden und Gottes Gnade empfangen, wie Christus spricht Matth. 18,3: „Wenn ihr nicht umkehren werdet und werdet wie die jungen Kinder, so werdet ihr nicht in das Himmelreich kommen.“ Wie oft hält uns Christus vor, dass wir zu Kindern und Narren werden müssen und verdammt die Vernunft?

    Ebenso sage mir, was hatten die Kindlein für eine Vernunft, die Christus herzte und segnete und ihnen den Himmel zuteilte? Wo haben sie solchen Glauben her, der sie zu Kindern des Himmelreichs macht? Ja, eben weil sie ohne Vernunft und närrisch sind, sind sie besser zum Glauben geschickt als die Alten und Vernünftigen, welchen die Vernunft immer im Wege liegt und will ihren großen Kopf nicht durch die enge Tür stoßen. Man darf hier nicht die Vernunft noch ihre Werke ansehen, wenn man vom Glauben und Gottes Werk redet. Hier wirkt Gott allein und die Vernunft ist tot, blind und gegen dieses Werk wie ein unvernünftiger Block, auf das besteht die Schrift und sagt: Wunderlich ist Gott in seinen Heiligen. Ebenso Jes. 55,9: „Wie der Himmel über die Erde erhaben ist, so sind meine Wege über eure Wege erhaben.“

    Aber weil sie so tief in der Vernunft stecken, müssen wir sie mit ihrer eigenen Klugheit angreifen. Sage mir, warum taufst du den Menschen, wenn er zur Vernunft gekommen ist? Antwortest du: Er hört Gottes Wort und glaubt, frage ich: wie weißt du das? So sprichst du: Er bekennt es mit dem Munde. Was soll ich sagen, wenn er nun lügt oder trügt? Du kannst ja sein Herz nicht sehen. Wohlan, so du denn hier taufest auf keinen anderen Grund, als dass der Mensch sich äußerlich beweiset und bist seines Glaubens ungewiß und musst denken, wo er nicht inwendig im Herzen mehr hat als du außen siehst, so hilft weder sein Hören noch Bekennen noch Glauben. Denn es mag ein lauter Wahn sein und nicht ein rechter Glaube. Wer bist du denn, dass du sagest, äußerlich hören und bekennen sei nötig zur Taufe, wo das nicht sei, solle man nicht taufen, wo es sei, solle man taufen und musst hier selbst bekennen, solches Hören und Bekennen ist ungewiß, dazu auch nicht genug, dass er die Taufe empfange. Worauf taufst du nun? Wie willst du bestehen, dass du die Taufe so wegschleuderst in den Zweifel?

    Ist es nicht so, du musst hierher kommen und sagen, dir gebühre nicht mehr zu tun noch zu wissen, als dass man dir den zubringe, den du taufen sollst und von dir die Taufe fordere, und musst glauben oder ja Gott anbefehlen, ob er inwendig recht glaube oder nicht, damit bist du entschuldigt und taufest recht. Warum willst du denn das hier den Kindern nicht tun, die Christus heißet zu ihm bringen und will sie segnen? Sondern willst vorher das äußerliche Hören und Bekennen haben, das du doch als ungewiß und dem Getauften nicht genug zur Taufe bekennest? Und lässt das Wort Christi fahren (da er selbst heißet die Kinder zu ihm bringen) um deines ungewissen äußerlichen Hörens willen.

    Dazu sage mir, wo bleibt die Vernunft des Christgläubigen, wenn er schläft, so doch sein Glaube und Gottes Gnade ihn nimmer lässt? Kann hier der Glaube ohne Zutun der Vernunft bleiben, dass sie es nicht gewahr wird, warum sollte er nicht auch anfangen in den Kindern, ehe die Vernunft davon etwas weiß? Ebenso möchte ich auch fragen von allen Stunden, darinnen ein Christ lebt und etwas arbeitet oder sonst zu schaffen hat, dass er des Glaubens und der Vernunft nicht gewahr wird und doch darum der Glaube nicht ablässt. Gottes Werke sind verhüllt und wunderlich, wo und wann er will. Wiederum auch deutlich genug, wo und wann er will, dass uns darüber zu urteilen zu hoch und zu tief ist.

    Weil er denn hier heißet nicht wehren die Kindlein, zu ihm zu kommen, dass er sie segne und von uns nicht gefordert wird, dass wir gewiß sein müssten, wie der Glaube inwendig steht, und das äußerliche Hören und Bekennen dem Getauften nicht genug ist, so sollen wir es dabei lassen bleiben, dass unserethalben, nämlich der Täufer, genug ist, des Getauften Bekenntnis zu hören, die von sich selber kommen. Und das darum, auf dass wir das Sakrament nicht geben gegen unser Gewissen, als denen, da keine Frucht zu hoffen ist. Wenn sie aber unser Gewissen versichern mit ihrem Suchen und Bekennen, dass wir es mögen geben als ein Sakrament, das Gnade gibt, so sind wir entschuldigt. Ist sein Glaube nicht recht, dass sei Gott befohlen. Wir haben es doch nicht gegeben als ein unnütz Ding, sondern mit solchem Gewissen, dass es nützlich sei.

    Das rede ich alles darum, dass man nicht so gedankenlos taufe, wie jene tun, die es auch mit mutwilligem Wissen so geben, dass es nichts tun noch nütze sein soll. Denn damit versündigen sich die Täufer, dass sie Gottes Sakrament und Wort wissentlich unnütz gebrauchen oder haben ja ein solches Gewissen, dass es nicht schaffen soll und kann, welches ist ein gar unwürdiges Handeln mit dem Sakrament und Gott versuchen und lästern. Denn das ist nicht Sakrament geben, sondern mit dem Sakrament Spott treiben. Wo aber der Getaufte leugnet und nicht glaubt, wohlan, so hast du doch recht getan und ein rechtes Sakrament gegeben mit gutem Gewissen, das da sollte Nutzen schaffen.

    Welche aber nicht von sich selbst herzu kommen, sondern herzugebracht werden, wie Christus heißt die Kindlein herzubringen, deren Glaube befiehl dem, der sie heißt herzubringen und taufe sie auf desselben Befehl und sprich: Herr, du bringest sie her und heißest sie taufen, so wirst du wohl für sie die Verantwortung übernehmen. Da verlasse ich mich darauf. Ich darf sie nicht wegtreiben noch ihnen wehren, haben sie das Wort nicht gehöret, dadurch der Glaube kommt, wie es die Alten hören, so hören sie es aber wie die jungen Kindlein. Die Alten fassen es mit den Ohren und Vernunft oft ohne Glauben. Sie aber hören es mit Ohren ohne Vernunft und mit Glauben. Und der Glaube ist so viel näher, so viel weniger Vernunft da ist und stärker der ist, der sie herzubringt. Denn der Wille ist von den Alten, die von sich selbst kommen.

    Es ficht solche Dichter das am meisten an, dass in den Alten Vernunft ist, die sich stellet, als glaube sie dem Wort, das sie höret, das heißen sie dann Glauben, wiederum sehen sie, dass in den Kindern noch nicht Vernunft ist, und es stellet sich, als glauben sie nicht.

    Aber darauf sehen sie nicht, dass Glauben an Gottes Wort gar viel ein anderes und tieferes Ding ist als das, was die Vernunft mit Gottes Wort tut, denn jenes ist allein Gottes Werk über alle Vernunft, welchem das Kind so nahe ist wie der Alte, ja viel näher und der Alte so ferne wie das Kind, ja viel ferner.

    Dies aber ist ein menschliches Werk, aus der Vernunft gemacht, dass mich dünkt, sollte eine Taufe gewiß sein, so ist die Kindertaufe die allergewisseste, eben um des Wortes Christi willen, da er sie heißet zu sich bringen, während die Alten von selbst kommen. Und dass in den Alten manche Trügerei ist der offenen Vernunft halben, in den Kindern keine Trügerei sein kann der verborgenen Vernunft halben, in welchen Christus einen Segen wirkt, da er sie hat heißen zu sich bringen. Es ist gar ein trefflich Wort und nicht so in den Wind zu schlagen, dass er die Kinder heißet zu ihm bringen und strafet, die es wehren.

    Damit wollen wir aber das Predigtamt nicht wollen geschwächt oder niedergelegt haben. Denn freilich auch Gott nicht lässt predigen um des vernünftigen Hörens willen, umso mehr da keine Frucht heraus kommt, sondern um des geistlichen Hörens willen, welches, wie gesagt, auch die Kinder haben und wohl besser als die Alten. So hören sie j auch das Wort. Denn was ist die Taufe denn anderes als das Evangelium, dazu sie gebracht werden? Wiewohl sie das einmal nur hören. Sie hören es aber desto kräftiger, weil Christus sie aufnimmt, der sie hat heißen bringen. Denn die Alten haben hier einen Vorteil, dass sie oft hören und wieder daran denken können. Doch geht es auch mit den Alten so zu ihm geistlichen Hören, dass es nicht durch viele Predigt eingehet, sondern es mag einmal treffen in einer Predigt, so hat er es genug ewiglich. Was er danach höret, das höret er entweder, das erste zu verbessern oder wieder zu verderben.

    Summa, der Kinder Taufe und Trost steht in dem Wort „Lasset die Kindlein zu mir kommen und wehret ihnen nicht, denn solcher ist das Reich Gottes“. Das hat er geredet und lügt nicht. So muß es recht und christlich sein, die Kindlein zu ihm zu bringen, das kann nicht anders geschehen als in der Taufe, so muß auch gewiß sein, dass er sie segne und ihnen das Himmelreich gebe, allen, die so zu ihm kommen, wie die Worte lauten: „Solcher ist das Reich Gottes.“ Das sei davon genug diesmal.

       

 

 

KINDER GLAUBEN

 

Von

Pastor Kenneth K. Miller

 

(Predigt, gehalten am 19. Sonntag nach Trinitatis, 10. Oktober 1999, in Christ Lutheran Church, Fort Wayne, IN)

(übers. vom Hrsg.)

 

    Matth. 18,1-6: Zu derselben Stunde traten die Jünger zu Jesus und sprachen: Wer ist doch der Größte im Himmelreich? Jesus rief ein Kind zu sich und stellete das mitten unter sie und sprach: Wahrlich, ich sage euch, wenn ihr nicht umkehret und werdet wie die Kinder, so werdet ihr nicht ins Himmelreich kommen. Wer nun sich selbst erniedriget wie dies Kind, der ist der Größte im Himmelreich. Und wer ein solches Kind aufnimmt in meinem Namen, der nimmt mich auf. Wer aber ärgert dieser Geringsten einen, die an mich glauben, dem wäre besser, daß ein Mühlstein an seinen Hals gehänget und er ersäuft würde im Meer, wo es am tiefsten ist.           

 

    Ein neugebornes Baby ist ein erstaunliches Ding; oder anders: so klein es auch sein mag, es ist eine Person. Es ist ein besonderes Wunder Gottes, eine Schöpfung, die bis ins Kleinste so sorgfältig geplant und geformt wurde, daß die moderne medizinische Wissenschaft noch gar nicht begonnen hat, die Kompliziertheiten des menschlichen Körpers zu erforschen, ganz zu schweigen von den Sinnen, vom Willen, den Gefühlen oder der Seele. Der Psalmist bekennt: Ich danke dir darüber, daß ich wunderbarlich gemacht bin; wunderbarlich sind deine Werke, und das erkennet meine Seele wohl. Es war die mein Gebein nicht verhohlen, da ich im Verborgenen gemacht ward, da ich gebildet ward unten in der Erde. Deine Augen sahen mich, da ich noch unbereitet war, und waren alle Tage auf dein Buch geschrieben, die noch werden sollten, und derselben keiner da war. Aber wie köstlich sind vor mir, Gott, deine Gedanken! Wie ist ihrer so eine große Summa! Sollt' ich sie zählen, so würde ihrer mehr sein als des Sandes. Wenn ich aufwache, bin ich noch bei dir. [Ps. 139,14-18]

    Viele Menschen denken heute, Kinder zu haben gehe automatisch. Wenn die Umstände dafür richtig sind, so werde ein Kind empfangen und dann wächst es irgendwie, bis es geboren wird. Andere denken, ein Kind sei etwas wie ein Zufall, der gerade "passierte", und zuweilen ein unglücklicher Zufall, den man auslöschen müsse. Oder daß man ein Kind haben oder nicht haben könne, wann und wie man es wolle. Aber jedes Kind, wie auch immer die Umstände sein mögen, ist von Gott einzigartig erschaffen. Jedes einzelne ist verschieden im Aussehen, in der Körpergestalt, dem Erbgut, den Fingerabdrücken, der Persönlichkeit und der Reaktion auf die Dinge dieses Lebens. Jeder hat seine starken Seiten und seine schwachen Seiten, Talente und Gaben, Fähigkeiten und Mängel, immer einzigartig. Kein Mann und keine Frau kann ein Kind haben, wenn es der Herr nicht gibt. Jakobs Frau Rahel gebar Jakob keine Kinder. Sie beneidete ihre Schwester und sagte Jakob: "Gib mir Kinder, oder ich sterbe!" Und Jakobs Ärger erhob sich gegen Rahel, und er sagte: "Bin ich doch nicht Gott, der dir deines Leibes Frucht nicht geben will." Gott gibt Kinder, wann und wie es ihm gefällt. Uns scheint es nicht recht zu sein, wenn feine christliche Ehepaare keine haben, während gottlose und selbstsüchtige Menschen ein Kind nach dem andern bekommen und dann nicht rechte Sorge um sie tragen, ja, sie zuweilen sogar mißbrauchen. Gott weiß, was er macht, auch wenn wir die Weisheit darinnen nicht sehen können. Zuweilen hält er etwas besseres für ein Ehepaar bereit; manchmal hat er andere Aufgaben für sie im Leben; manchmal will er, daß sie dieses Kreuz mit rechtem christlichem Frohsinn tragen und einfach Gottes Gnade und Liebe in Christus trauen; und manchmal wartet er nur darauf, ihre Gebete zu erhören.

    Die Jugend ist wunderbar. Den Jugendlichen scheint dies natürlich oft nicht so, da sie sich schnell langweilen oder ihnen viele Dinge verboten werden, die sie gerne tun wollen, während sie langweilige Sachen machen müssen wie Hausaufgaben, Hausarbeit; etwas essen müssen, das sie nicht wollen, oder zu Bett gehen müssen. Ihnen würde es gefallen, wenn das Leben eine große, aufregende, endlose Party wäre. Wenn sie älter werden, bemerken wie, daß das Leben ganz und gar nicht so ist. Die meisten Menschen werden ernster, wenn sie älter werden. Manchmal wollten die Eltern sie schon ernster machen, wenn sie noch klein sind, wollen kleine Erwachsene aus ihnen machen.

    Aber die Jugendzeit ist die Zeit zum Spielen. Salomo schreibt: "So freue dich, Jüngling, in deiner Jugend und laß dein Herz guter Dinge sein in deiner Jugend. Tue, was dein Herz lüstet und deinen Augen gefällt; und wisse, daß dich Gott um dieses alles wird vor Gericht führen. Laß die Traurigkeit aus deinem Herzen und tue das Übel von deinem Leibe; denn Kindheit und Jugend ist eitel."

    Nichtsdestoweniger, obwohl es heißt "Torheit steckt dem Knabem im Herzen", so gibt es auch eine ernste Seite ihres Lebens. Sie müssen von Gott und Christus lernen und sich dessen erinnern, daß Er immer bei ihnen ist, auf sie acht hat und sie behütet; und es darf nicht sein, daß sie aufwachsen, ohne auf Ihn zu achten. Wie Salomo auch sagt: "Gedenk an den Schöpfer in deiner Jugend, ehe denn die bösen Tage kommen und die Jahre herzutreten, da du wirst sagen: Sie gefallen mir nicht." Sie müssen so früh wie möglich Gott wohlgefällig werden. Sie müssen an Christus, ihren Retter glauben, je früher, desto besser. So laßt uns nun den Glauben der kleinen Kinder betrachten.

 

    1. Kinder können glauben. Das sagt Jesus in unserem Text, und er muß es wissen. Er ist der Schöpfer, und er kennt uns in- und auswendig. Ja, er ist einer von uns, wahrer Mensch wie auch wahrer Gott. Er war dort, wo jedes Kind war. Er glaubte von genau dem Moment an, als er im Leibe der Jungfrau Maria empfangen und Mensch wurde. Nun mag man natürlich entgegnen, daß das doch ein Unterschied war, weil er Gott war und als Gott selbstverständlich seinen himmlischen Vater kannte, da sie doch ein Wesen sind. Das ist alles richtig, aber er kannte seinen Vater auch als Mensch, als ein kleines Kind. Er war Gott, das ist wahr; aber er war doch von uns nicht so unterschieden, daß er nicht das innere Leben der Seele erfahren hätte. Er war auch ein wahrer Mensch, und er hatte nach allem auch eine wahre menschliche Seele. Er war in jeder Hinsicht gleich wie wir, ausgenommen die Sünde.

    Er sagt: "Wer aber ärgert dieser Geringsten einen, die an mich glauben, dem wäre besser, daß ein Mühlstein an seinen Hals gehänget, und er ersäufet würde im Meer, da es am tiefsten ist." Diese Kleinen glauben an mich. Sie glauben nicht nur, sondern sie glauben an Ihn, den verheißenen Messias und Erretter von Sünde, Tod und Verdammnis. Kleine Kinder glaubten an ihn. Einige mögen natürlich erwidern, daß Jesus doch von etwas älteren Kindern sprach, die vielleicht sieben oder zehn Jahre alt waren. Im Blick auf diesen Text können wir das sogar zugeben, aber Lukas berichtet uns, daß sie "Kleinstkinder" zu Jesus brachten, damit er sie anrühre, und Jesus sagte: "Lasset die Kindlein zu mir kommen und wehret ihnen nicht; denn solcher ist das Reich Gottes." Das Reich Gottes wird mit Menschen gebaut wie diesen kleinen Babies. Er hat nicht gesagt, daß es mit solchen gebaut werden würde, wenn sie größer, verständiger würden und im Denken und Verstehen sich entwickelten oder wenn sie das Alter der Verantwortung erreichen würden. Jene Babies vor ihm waren das wahre Vorbild des Glaubens. Sie mußten nicht erst wie die Erwachsenen werden, sondern vielmehr muß jeder Erwachsene, der gerettet werden will, wie sie werden. Sie müssen den Glauben jener Babies nachahmen.Sie müssen sich erniedrigen und emütigen, wie ein Baby demütig ist und müssen einfach Christus und seiner gerechtigkeit vertrauen, wie ein Baby seiner Mutter vertraut. Jesus fügt hinzu: "Sehet zu, daß ihr nicht jemand von diesen Kleinen verachtet! Denn ich sage euch: Ihre Engel im Himmel sehen allezeit das Angesicht meines Vaters im Himmel." Sie haben Schutzengel; nicht deshalb, weil Babies so nette und liebe kleine Dinger wären, nicht deshalb, weil Engel so lieblich wären und einfach mit den kleinen Babies gingen, sondern vielmehr deshalb, weil diese Kleinen Gottes Eigentum sind und in seiner Gunst.

    Kleine Kinder können glauben, nicht aus irgendeiner eigenen natürlichen Kraft, auch nicht deshalb, weil es für Babies natürlich ist, daß sie ohne Skeptik vertrauen, sondern aus der Kraft des Heiligen Geistes im Sakrament der heiligen Taufe. In diesem Sakrament eignet Gott ihnen die Verheißung der Erlösung zu, die Gaben und Gerechtigkeit Christi, und sie werden geistlich wiedergeboren und empfangen die große Gabe des Glaubens. Kann ein Kind dann gerettet werden, wenn es nicht getauft wird? Ja, Gott kann seine Wunder selbst in den Ungebornen und Totgebornen wirken, denn er hat sie nicht erschaffen, um sie zu verdammen, sondern daß sie unter ihm in seinem Reich wohnen, denn die Verheißung, gepredigt durch Petrus, gilt "euch und euren Kindern". Wenn dagegen Eltern sich weigern ihre Kinder taufen zu lassen oder darüber gleichgültig sind, dann sind solche Kinder in tötlicher Gefahr der ewigen Verdammnis, denn bevor sie glauben sind sie nicht gerettet, und es gibt kein anderes Mittel, sie zu retten. In diesem Fall, mag man sagne, ist Gott unfair, wenn er arme, liebe Babies nur deshalb verdammt, weil sie nicht getauft wurden. Aber sei nicht so schnell, Gott darüber zu kritisieren. Er hat befohlen, daß alle Eltern ihre Kinder zu ihm bringen sollen. "Lasset die Kindlein zu mir kommen und wehret ihnen nicht." Die Eltern sind verantwortlich, wenn ihre Kinder verloren gehen, so, wie sie auch verantwortlich sind, wenn sie ihnen die medizinische Versorgung verweigern, wenn sie krank sind, und sie deshalb sterben.

    Ja, Babies können glauben, aber nicht aus eigener Kraft. Sie sind alle Sünder von Geburt, geistlich blind, tot und Feinde Gottes. Bevor sie glauben, müssen sie erst von ihren Sünden reingewaschen werden.

 

2. Der Glaube ist die einfachste Sache der Welt. Diese kleinen Kinder glaubten an Jesus. Diese Wahrheit zeigt, daß der Glauben nicht eine Sache der überlegenden Vernunft oder der Logik ist, auch nicht eine tiefe Einsicht erfordert, sondern daß die einfältigsten, kindlichsten Menschen glauben können - wenn Gott ihnen den Glauben durch sein Wort und die Taufe gibt. Er hat sie mit der Fähigkeit erschaffen, ihre Milch zu saugen, zu sehen, zu hören, ihre Speisen zu verdauen und die Mutter zu kennen und sich zu ihr zu halten. Das ist, wenn man so will, das Vertrauen auf eine körperliche Weise, das jedes Kind hat. Wenn sie all das können, dann können sie gewiß auch glauben - wenn Gott ihnen den Glauben gibt. Geistig behinderte Menschen, die nicht für sich selbst sorgen oder eine Predigt verstehen können, die normalerweise so eingeschätzt werden, daß sie den Verstand eines Drei- oder Fünfjährigen haben, oder weniger, können dennoch an Jesus glauben, wenn Gott ihnen den Glauben gibt. Es ist doch eine Tatsache, daß du auch glaubst, wenn du schläfst oder im Koma liegst.Du sagst dein Gebet und legst dich selbst für die Nacht in Gottes Hand und schläfst ein und vertraust ihm. Dein Glaube hört nicht auf, wenn du einschläfst. DEr Glaube an Christus muß nicht aus logischen Schlüssen und theologischem Nachdenken kommen, ebensowenig mußt du das Athanasianische Glaubenbekenntnis oder die Fülle der Lehre eines Dogmatikbuches kennen. Du mußt nur wissen, daß du ein Sünder bist und daß Gott dir deine Sünden vergibt um Jesu willen. Das ist ein sehr einfacher und direkter Glaube, nicht zu vergleichen mit unserem Glauben, der angefochten ist und von verschiedenem Wind der Lehre getrieben wird, von Zweifeln und Angst oder Unglück im Leben. Ein Baby zweifelt nicht und fürchtet sich nicht; es ist gewiß, daß Gott es um Jesu willen liebt. Es ist in Gemeinschaft mit Gott. Das kleinste Kind kann Jesus kennen und ihm vertrauen - wenn Gott ihm den Glauben gibt. Und er gibt den Glauben durch die heilige Taufe. Er kann den Glauben auch auf andere Weise zueignen, aber das soll uns nicht beschäftigen, denn er hat uns nicht verheißen, es so zu machen. Er hat uns aber die heilige Taufe gegeben, wobei sehr einfache Worte und ein wenig Wasser verwendet werden, die gewöhnlichste Substanz auf Erden, und dadurch macht er uns zu seinen Kindern, zu Gläubigen an Christus. Das geht so einfach, daß wie es nicht verstehen können, wie es geschieht, aber es geschieht. Der Glaube ist nicht eine geistige Errungenschaft; er ist auch nicht ein Gefühl des Entzückens; er ist eine Aktivität der Seele, und nur Gott kennt die Seele des Menschen.

    Der Glaube ist die einfachste Sache der Welt; aber es ist überhaupt nicht einfach zu glauben, wenn Gott den Glauben nicht gibt. Dann kann niemand glauben. Du kannst nicht durch einen Akt deines Willens zu einem Gläubigen werden oder entscheiden, es zu werden. Gott eignet den Glauben zu, wann und wie er will durch das Evangelium und das Sakrament der Taufe. Wenn du dich diesen verweigerst, so kannst du nicht glauben. Es ist eigenartig, wie einige sehr unwissende und törichte Menschen an Christus glauben, während einige hochintelligente Menschen es nicht tun. Das kommt daher, daß sie denken, sie seien zu klug, als daß sie Gott oder Christus bräuchten, und weil sie meinen, sie könnten ohne Buße auskommen. Darum spricht die Bibel von der Torheit der Weisheit dieser Welt. Die Menschen wissen so viel, aber sie wissen die falschen Dinge und kennen nicht die Weisheit Gottes.

 

3. Ihr Glaube muß behütet werden. Jesus sagte: "Wer aber ärgert dieser Geringsten einen, die an mich glauben, dem wäre besser, daß ein Mühlstein an seinen Hals gehänget, und er ersäuft würde im Meer, da es am tiefsten ist." Es ist also besser, ertränkt zu werden als Gottes Zorn darüber zu erregen, daß man ein Kind von Jesus fernhält. Das Wort 'Ärgernis' meint, eine Person zu veranlassen zu sündigen oder nicht zu glauben. Wenn Eltern ihren Kindern sagen, daß es keinen Gott gebe, das ist ein Ärgernis; wenn sie ihm ein böses Beispiel vorsetzen, so ist das ein Ärgernis; wenn sie sie nicht zu Jesus bringen, so ist das ein Ärgernis: denn das lehrt die Kinder, daß Gottes Wort und die Kirche nicht wichtig wären. Schlechte Reden oder falsche Lehre sind auch ein Anstoß für die Kleinen und treiben sie weg von Christus.

    Wir sind alle daran schuldig, daß wir ihnen Ärgernis geben. Die Eltern schaffen es nicht, ihre Pflicht zu tun, sie begehen Fleischessünden, sie haben sündige Haltungen und Gewohnheiten. Freunde und Verwandte und Schulkameraden und Spielgefährten beeinflussen die Kleinen auch im schlechten Sinne. Es ist kein Wunder, daß viele Kinder vom Wege abkommen. Es wäre für uns alle besser, wenn wir ertränkt würden in der Tiefe des Meeres. Wenn nicht Gottes große Gnade und Vergebung da wäre, so gingen wir alle verloren.

    Laßt es uns alle zu einer besonderen Aufgabe in unserem Leben machen, den Kleinen kein ärgernis zu geben, sondern sie vorallem aufzuerbauen und ihnen bei Worten und taten zu lehren, gute Christen zu sein, auf Jesus zu vertrauen und auf das ewige Leben zu hoffen. Amen.

 

 

 

MYTHOS UND WIRKLICHKEIT DER TAUFWIEDERGEBURT

 

Von Roland Sckerl

 

    1. Wenn gesagt wird: Es ist falsch, daß durch den Ritus, den bloßen Vollzug der Taufe, jemand wiedergeboren wird – so ist dem nur zuzustimmen.

    2. Wenn gesagt wird: Es ist falsch, daß durch die Taufe ohne den Glauben das Kind wiedergeboren sei, so ist dem zuzustimmen.

    3. Wenn gesagt wird: Es ist falsch, daß jeder, der getauft ist, auch in den Himmel kommt, so ist dem zuzustimmen.

    4. Wenn aber gesagt wird: Die Taufe ist nur eine symbolische Handlung, so ist das falsch.

    5. Wenn aber gesagt wird: Die Taufe sei nur ein Scheck auf die Zukunft, so ist das falsch.

    6. Wenn aber gesagt wird: Die Taufe ist ein menschliches Bekenntnis, so ist das falsch.

    7. Wenn gesagt wird: Die Taufe wirke als Tatsache an sich, es komme nur darauf an, daß man sich ihr nicht völlig verschließe, aber es komme nicht darauf an, ob man sie im Glauben ergreife, so ist das falsch.

    8. Wenn gesagt wird, die Taufe hinge in ihrem Nutzen ab von der Absicht der Kir-che und des Spenders, so ist das falsch, denn die Gültigkeit ist allein abhängig von ih-rem stiftungsgemäßen Gebrauch, der Nutzen allein vom Glauben.

    Wir glauben lehren und bekennen:

    9. In der Taufe handelt der dreieinige Gott selbst an dem Täufling, denn er wird im Namen Gottes des Vaters, des Sohnes und des Heiligen Geistes getauft, Matth. 28.

    10. In der Taufe wird der Täufling Gott zum Eigentum übergeben, denn er wird hineingetauft in Christus, in den dreieinigen Gott, Matth. 28; Röm. 6.

    11. In der Taufe bekommt der Täufling angeboten, dargereicht und geschenkt alles, was Christus durch sein Leiden, Sterben und Auferstehen uns erworben hat, Röm. 6; Gal. 3; Eph. 5,26; Kol. 2; Apg. 2; 22; Tit. 3.

    12. Der Täufling hat all das, was Gott ihm anbietet und darreicht allein durch den Glauben, Mark. 16.

    13. Daher ist der Glaube absolut heilsnotwendig, die Taufe aber nur relativ not-wendig.

    14. Auch der Säugling, der getauft wird, hat das, was Gott ihm darreicht, allein durch den Glauben.

    15. Auch der Säugling kann glauben, denn Christus spricht den Armkindern, die zu ihm gebracht wurden, das Himmelreich zu, Mark. 10.

    16. Der rechtfertigende Glaube ist nicht absolut notwendig der reflektierende, be-wußte Glauben, sondern der Kern des Glaubens ist das Vertrauen des Herzens, Röm. 10.

    17. Der Glaube ist nicht die menschliche Antwort auf Gottes Handeln, also menschliches Werk, sondern immer ein Wunder und eine Gabe Gottes, gewirkt durch das Wort, Eph. 2; Kol. 2; 1 Petr. 1,23.

    18. Darum kann auch ein Säugling glauben, weil Gott dies in ihm wirken kann; umso mehr, als der Säugling nicht wie ein Erwachsener vernunftmäßig widerstrebt.

    19. Daß schon diese Kleinstkinder glauben können, bezeugt Christus damit, daß er uns diesen direkten, unreflektierenden Glauben zum Vorbild hinstellt, Mark. 10; Matth. 18.

    20. Ebenso gilt die Gnadenverheißung Gottes „euch und euren Kindern“, Apg. 2.

    21. Weiter wird die Taufe der alttestamentlichen Beschneidung an achttägigen Säuglingen parallel gesetzt, Kol. 2.

    22. Wenn gesagt wird, daß mit der geschehenen Wiedergeburt oder Bekehrung der Himmel endgültig sicher sei, so ist das falsch.

    23. Wenn gesagt wid, daß mit der vollzogenen Taufe alles gesichert sei, so ist das falsch.

    24. Das Jüngermachen umfaßt nicht nur das Taufen, sondern auch das Lehren alles des, was Christus uns anbefohlen hat, Matth. 28.

    25. Darum darf die Gemeinde Christi nur dann taufen, wenn sie nach menschli-chem Ermessen erwarten kann, daß auch das Lehren folgt, ansonsten muß sie die Tau-fe verweigern.

    26. Weil auch Säuglinge schon glauben können, so bitten wir in der Taufe, daß Gott durch sein Wort – denn die Taufe ist Wasser in Gottes Gebot gefaßt und mit Gottes Wort verbunden; und das Wort ist die Hauptsache in der Taufe mit dem Wasser, wobei das Wort das Primäre ist – den Glauben wirkt und glauben, daß er dies tut.

    27. Das schöpferische Gotteswort kann für sich alleine stehen, die Sakraments-handlung ohne das Wort nicht, sondern bedarf unbedingt des Wortes.

    28. Die Wiedergeburt ist erst der Anfang des neuen Lebens, das dann, aus der Kraft der Taufe, entfaltet werden muß, Röm. 6. Darum muß der Taufe notwendig die Unterweisung folgen, damit der Glaube sich entfalten kann, Matth. 28; Röm. 6.

    29. Wenn der Mensch zum Bewußtsein gekommen ist, so ist es unabdingbar, damit er in der Taufgnade bleibt, daß er zur Erkenntnis seiner abgrundtiefen Sündenverdor-benheit und seiner Verlorenheit ohne Christus kommt und erkennt, daß er in Christus das ganze Heil hat, ihm in der Taufe schon dargereicht und geschenkt, und es so nun auch mit bewußtem Glauben ergreift, Röm. 6. Dies muß nicht nur einmal im Leben geschehen (das grundsätzlich auch), sondern gehört zur täglichen Sündenerkenntnis, Buße und Vergebung. Wo es nicht dazu kommt, wird dem Menschen die Taufe zu Fluch und Gericht werden. Wo es aber geschieht, da ist es allein Gottes Werk, Eph. 2; Kol. 2.

    30. Da, wo der Mensch aus der Taufgnade gefallen und vom Glauben abgekom-men ist, bedarf es der grundsätzlichen Bekehrung, in der er erneut diese ihm auch in der Taufe schon angebotene Gnade ergreift, damit er selig wird.

    31. Ohne tägliche Sündenerkenntnis, Reue, Buße und Ergreifen der Vergebung der Sünden (tägliche Bekehrung) kann niemand im Glauben bleiben und damit ewig erret-tet werden; Eph. 4; Kol. 3.

    32. Biblisches Christentum ist darum, wenn es richtig Christentum ist, immer Sa-kraments- und Bekehrungschristentum.

    33. Die Taufe als Gnadenmittel Gottes reicht uns nichts anderes und nicht mehr dar, als Gott im bloßen Wort uns darreicht. Beide Male muß es im Glauben ergriffen werden, sonst haben wir es nicht.

    34. Die Taufe ist nicht eine magische Handlung, in der uns ohne den Glauben etwas „eingegossen“ wird, sondern ein großartiges Ereignis der Gnade, Apg. 2; 22; Röm. 6; Eph. 5; Tit. 3.

 

 

 

 

DIE VERANTWORTUNG AUS DER TAUFE

 

Von

Pastor Kenneth K. Miller

 

(Predigt, gehalten am 10. Sonntag nach Trinitatis, 08. August 1999, in Christ Lutheran Church, Fort Wayne, IN, aus Anlaß der Taufe von Ashley Weaver)

(übers. vom Hrsg.)

                 

 

    Matth. 18,1-11: Zu derselben Stunde traten die Jünger zu Jesus und sprachen: Wer ist doch der Größte im Himmelreich? Jesus rief ein Kind zu sich und stellete das mitten unter sie und sprach: Wahrlich, ich sage euch, wenn ihr nicht umkehret und werdet wie die Kinder, so werdet ihr nicht ins Himmelreich kommen. Wer nun sich selbst erniedriget wie dies Kind, der ist der Größte im Himmelreich. Und wer ein solches Kind aufnimmt in meinem Namen, der nimmt mich auf. Wer aber ärgert dieser Geringsten einen, die an mich glauben, dem wäre besser, daß ein Mühlstein an seinen Hals gehänget und er ersäuft würde im Meer, wo es am tiefsten ist. Wehe der Welt der Ärgernisse halben! Es muß ja Ärgernis kommen; doch wehe dem Menschen, durch welchen Ärgernis kommt! So aber deine Hand oder dein Fuß dich ärgert, so haue ihn ab und wirf ihn von dir. Es ist dir besser, dass du zum Leben lhm oder als ein Krüppel eingehest, als dass du zwei Hände oder zwei Füße habest und werdest in das ewige Feuer geworfen. Und so dich dein Auge ärgert, reiß es aus und wirf's von dir. Es ist dir Besser, daß du einäugig zum Leben eingehest, als dass du zwei Augen habest und werdest in das höllische Feuer geworfen. Sehet zu, dass ihr nicht jemand von diesen Kleinen verachtet! Denn ich sage euch: Ihre Engel im Himmel sehen allezeit das Angesicht meines Vaters im Himmel. Denn des Menschen Sohn ist gekommen, selig zu machen, was verloren ist.

 

    Am vergangenen Sonntag haben wir uns damit beschäftigt, dass die Taufe ein Gnadenmittel ist, ein Weg oder Instrument Gottes, durch das er dir die Vergebung der Sünden gibt. Wir erwähnten, dass die Bibel sagt, daß die Taufe errettet. Sie gibt die ewige Seligkeit - oder nicht? Gewiss, sie errettet Sünder nicht automatisch. Sie ist nicht ein magischer Akt, wie die römische Kirche sie behandelt, oder viele Menschen meinen. Da sie ein Gnadenmittel und die Gnade Vergebung der Sünden ist, so arbeitet sie, indem sie dir die Vergebung der Sünden darreicht und dir den Heiligen Geist gibt, der im Evangelium zu dir kommt. Es ist das etwas, das an dir getan wird; damit es dir aber nützt, muss es im Glauben ergriffen werden. Luther sagt in seinem Katechismus, dass die Taufe "wirkt Vergebung der Sünden, erlöst vom Tod und Teufel und gibt die ewige Seligkeit allen, die es glauben, wie die Worte und Verheißungen Gottes lauten", und dies sind im letzten Kapitel bei Markus: "Wer da glaubet und getauft wird, der wird selig werden! wer aber nicht glaubet, der wird verdammt werden." Noch einmal erklärt unser Katechismus, daß das Wasser nicht der aktive Bestandteil in der Taufe ist, "sondern das Wort Gottes, das mit und bei dem Wasser ist, und der Glaube, der diesem Wort Gottes im Wasser traut".

    Es gibt viele Menschen, die meinen, dass die Taufe eine Art guter Zauber sei, der die Kinder bewahren werde; oder so lange ihre Kinder getauft seien, seien sie richtig vor Gott; oder wenn sie selbst getauft seien, so seien sie richtig vor Gott. Sie vergessen, wie wichtig der Glaube ist, dass wir nämlich gerettet sind aus Gnade durch den Glauben. Die Gnade Gottes schafft dir nichts Gutes, wenn sie nur an die Tore deiner Ohren gelangt und ihr nicht erlaubt wird, in dein Herz zu kommen; sie ist dann nicht mit dem Glauben bei dem verbunden, der sie hört. Der Glaube ist das Mittel, durch das wir Gottes Gnade und den Heiligen Geist empfangen. Darum erwiderte Philippus, als er von dem äthiopischen Eunuchen um die Taufe gebeten wurde: "Glaubest du von ganzem Herzen, so mag's wohl sein. Er antwortete und sprach: Ich glaube, daß Jesus Christus Gottes Sohn ist." Wenn der Glaube fehlt, wie bei einem Heuchler, so handelt es sich dennoch um eine wirkliche und gültige Taufe, aber der Segen wird nicht empfangen; die Vergebung der Sünden wird nicht empfangen, auch nicht der Heilige Geist, nicht leben, nicht Seligkeit. All das wird durch den Glauben erlangt. Die Taufe gibt, und der Glaube empfängt. (Hervorh. durch Hrsg.)

    Die meisten Menschen, deren Taufe im Neuen Testament berichtet wird, waren Erwachsene. Sie wurden zum Glauben an Christus bekehrt durch die Predigt des Wortes Gottes, des Gesetzes und des Evangeliums. "So kommt der Glaube aus der Predigt [griech: dem Hören], das Predigen [griech: das Hören] aber durch das Wort Gottes." Sie kamen zur Taufe mit dem Glauben in ihrem Herzen und empfingen so das Bad der Wiedergeburt und die Erneuerung der Heiligen Geistes, der reichlich über ihnen ausgegossen wurde. Aber Kinder wurden auch getauft; Und seit der Zeit des Neuen Testamentes wurden Millionen und selbst Milliarden von Kindern getauft. Kamen sie im Glauben? Niemand kann das beantworten. Die Bibel sagt es nicht. Es kann wohl sein, dass sie ihn hatten, da Johannes der Täufer schon im Bauche seiner Mutter glaubte. Die Babys wurden zum Taufbecken von ihren Eltern oder anderen gebracht.

    Jesus sprach von "dieser Geringsten einen, die an mich glauben" und sagte: "Sehet zu, daß ihr nicht jemand von diesen Kleinen verachtet! Denn ich sage euch: Ihre Engel im Himmel sehen allezeit das Angesicht meines Vaters im Himmel." Babys haben Schutzengel, bestimmt, über sie zu wachen. Wer waren diese Kleinen, die an ihn glaubten? Sie waren kleine jüdische Kinder und Babys. Sie waren am achten Tage beschnitten und waren so Erben des Bundes geworden. Aber man kann den Bund nur durch den Glauben ererben; so müssen wir daraus schließen, daß sie den Glauben durch dieses alttestamentliche Sakrament empfingen. Paulus erklärt, daß die Taufe die neue Weise der Beschneidung ist. Er sagt: "In Christus seid ihr auch beschnitten mit der Beschneidung ohne Hände, durch Ablegung des sündlichen Leibes im Fleisch, nämlich mit der Beschneidung Christi, in dem, dass ihr mit ihm begraben seid durch die Taufe; in welchem ihr auch seid auferstanden durch den Glauben, den Gott wirket, welcher ihn auferwecket hat von den Toten und hat euch auch lebendig gemacht, da ihr tot waret in den Sünden und in der Vorhaut eures Fleisches, und hat uns geschenket alle Sünden."

    So ist die Taufe nicht eine leere, wirkungslose Zeremonie; aber ebenso ist sie nichts Magisches, das wirkt, weil es vollzogen wurde. Sie wirkt durch den Glauben, den es auch in den Herzen kleiner Babys wirkt. Wie hätte Jesus sonst sprechen können von den Kleinen als solchen "die an mich glauben"? Wie hätten sie sonst den Glauben haben können? Sie sind zu jung, um die Worte zu verstehen, aber die Worte, die mit dem äußerlichen Zeichen verbunden sind, wirken den Glauben in ihren Herzen. Wie kann das sein, wenn sie doch nicht verstehen? Weil 1. es ein zweifaches Verstehen gibt: das Verstehen der Vernunft und das Verstehen des Herzens. Ein Baby kann nicht ein Regierungsprogramm verstehen, aber es kann die Liebe einer Mutter verstehen und bezieht sich auf diese Liebe. 2. Das Wort Gottes ist die Kraft Gottes zur Seligkeit, und es kann wirken, wo immer Gott will, selbst an den Toten. Jesus sagte: "Lazarus, komm heraus!" Und Lazarus, der schon vier Tage tot war und dessen Körper schon verweste, kam heraus. Es ist ein großes Wunder, wenn Gott durch die Taufe den rettenden Glauben in dem Herzen eines Babys schafft; aber es ist dies kein größeres Wunder, als wenn er durch das Evangelium den rettenden Glauben im Herzen irgendeines Menschen schafft, da wir von Natur blind, tot und Feinde Gottes sind. Nichtsdestoweniger ist es ein großes Wunder, über das wir uns freuen und das wir sehr kostbar halten sollten. Weil es so kostbar ist, sollten wir auch treu die Verantwortung ausüben, die sie uns auflegt, die Verantwortung des Kindes, der Eltern, der Paten und der gesamten Gemeinde. Laßt uns diese Pflichten betrachten.

 

    1. Die Verantwortung des Kindes: Wenn ein Kind getauft wird, so legt es vor dem Herrn ein feierliches Gelübde ab. Wenn auch das Kind dieses Gelübde noch nicht selbst sprechen kann, so legt es dieses nichtsdestoweniger dennoch ab. Dieses Kind ist wiedergeboren oder bekehrt in der Heiligen Taufe. Er oder sie ist ein an Christus Glaubender. Wo der Glaube ist, da ist auch die Liebe zu Gott. Kann ein Säugling Gott lieben? Ja, gerade so gewiß wie er seine Mutter lieben kann. Jesus sagt: "Liebet ihr mich, so haltet meine Gebote." Dieses getaufte Baby, wenn auch die Zunge diejenige der Paten oder Eltern ist, verspricht, Gott sein ganzes Leben lang treu zu sein, Gottes Wort zu gebrauchen, an seiner Taufe zu hängen und späterhin das Abendmahl in bußfertigem Glauben zu empfangen. Es entsagt auch dem Teufel und allen seinen Werken und allem seinem Wesen. Obwohl der Teufel mit "groß Macht und viel List" wirkt und obwohl seine Versuchungen zahlreich und sehr unterschiedlich und klug sind, so weist das Kind in seiner Taufe sie hier und jetzt doch zurück und erklärt sich als Feind Satans. Es verspricht, daß es mit des Herrn Hilfe den Versuchungen des Teufels widerstehen und sein Leben dem Herrn und seiner Ehre weihen will.

    Die Taufe verpflichtet das Kind, dieses Versprechen zu halten. Durch die Taufe wird dieses Kind von neuem geboren, "nicht von dem Geblüt, noch von dem Willen des Fleisches, noch von dem Willen eines Mannes, sondern von Gott". Es ist ein Kind Gottes. Es ist wiedergeboren und in Gottes eigener geistlicher und himmlischer Familie angenommen. Die Bibel sagt: "Ihr seid gekommen zu dem Berge Zion und zu der Stadt des lebendigen Gottes, zu dem himmlischen Jerusalem und zu der Menge vieler tausend Engel und zu der Gemeinde der Erstgebornen, die im Himmel angeschrieben sind, und zu Gott, dem Richter über alle, und zu den Geistern der vollkommenen Gerechten und zu dem Mittler des Neuen Testaments, Jesus, und zu dem Blut der Besprengung, das da besser redet als Abels." So ist der Wille dieses Kindes nicht mehr ihm eigen, daß es seinen Einfällen und Launen folgen darf, sondern es weiht ihn seinem Herrn und Heiland. "Ihr seid nicht euer selbst," sagt die Bibel, "denn ihr seid teuer erkauft." Und dieser Preis ist nicht Gold oder Silber, sondern das heilige teure Blut Christi und sein unschuldiges Leiden und Sterben. Das Kind ist ein Glied der heiligen christlichen Kirche. So, wie ein Ehemann oder eine Ehefrau kein Verfügungsrecht über ihren eigenen Körper haben, sondern er dem Gemahl gehört, so auch Jesu Braut, die Kirche und jeder in ihr, hat kein Verfügungsrecht an sich selbst, sondern gehört jetzt dem Herrn Jesus.

    Dieses Gelübde ist tatsächlich ein Gelübde zu Buße und Glauben. Es sagt tatsächlich: Ich sage nicht nur ab dem Teufel, sondern ich hasse und kämpfe gegen die Sünde in meinem Leib und seinen Gliedern. Und ich befehle meine Seele meinem Herrn Jesus und seiner vergebenden Gnade an. Ich glaube, daß er mich abhalten und befreien soll von jeder bösen Tat. Er gibt mir seinen Heiligen Geist, daß er in mir ein reines Herz schaffe und gebe mir einen neuen Geist. Das ist das Gelübde eines getauften Babys. Wir sind alle verpflichtet, all unsere Gelübde und Versprechen zu halten. Wenn du einmal getauft bist, kannst du den Herrn nicht ohne tiefgreifende Konsequenzen mißachten.

 

    2. Die Verantwortung der Eltern und Paten. Ein Pate zu sein, wird heute als eine soziale Ehrung oder Vorrecht angesehen oder sogar als ein Anrecht. Manche Personen sind geärgert oder beleidigt, wenn sie nicht dazu erwählt oder zugelassen werden, als Paten zu dienen. Ebenso erwählen viele Menschen Paten, als ob es eine familiäre oder soziale Verpflichtung wäre und sonst nichts. Aber es ist eine ernste Verantwortung, und sie hat Folgen in die Ewigkeit. Die erste Pflicht eines Paten ist einfach, Zeugnis dafür zu geben, daß das Kind richtig in schriftgemäßer Weise getauft wurde. Jeder kann zu dieser Pflicht berufen werden, sofern er nur weiß, was eine richtige Taufe ist.

    Die Hauptpflicht eines Paten ist aber, darauf zu achten, dass das Kind in Zucht und Ermahnung zum Herrn erzogen wird. Das ist natürlich zuerst die Pflicht der Eltern, wenn sie aber dieser Aufgabe nicht nachkommen, so müssen die Paten sie ermahnen, es zu tun, ihnen das Evangelium von Christus zu lehren, sie beten zu lehren und darauf zu achten, daß sie es treu tun, und darauf zu achten, daß sie zur Kirche und Sonntagsschule gehen, um in der Gerechtigkeit und dem Heilsweg unterwiesen zu werden. Die Taufe strahlt nicht durch die Jahre in sie Gottseligkeit aus, sondern die Eltern müssen eifrig sein, sie zu berichtigen und sie aauf dem Weg der Gerechtigkeit anzuleiten. Und die Paten müssen darauf achten, dass sie es tun. Die Paten müssen mit Gebet und viel Liebe acht haben auf die Eltern und Kinder, wie die Schrift sagt: "O Jerusalem, ich will Wächter auf deine Mauern bestellen, die den ganzen Tag und die ganze Nacht nimmer stille schweigen sollen und die des Herrn gedenken sollen, auf daß bei euch kein Schwweigen sei." Aus diesem Grund können wir nicht solche Paten akzeptieren, die eine andere Lehre haben als die Gottes Wort lehrt, denn wie könnten wir erwarten, daß solche Menschen darauf achten, daß die Kinder richtig gelehrt werden, wenn sie eine völlig andere Ansicht haben? Besonders wenn die Kinder ihre Eltern verlieren, und die Paten auf ihre religiöse Unterweisung achten sollen?

    Beide, Eltern und Paten, sollen dem Kind auch ein gutes Beispiel geben. Sie sollen treu zur Kirche gehen und durch ihre Gegenwart ihre Kinder ermutigen, gerne zum Haus Gottes zu kommen. Ihre Haltung sollte die des Psalmisten sein: "Herr, ich habe lieb die Stätte deines Hauses und den Ort, da deine Ehre wohnt." Dann werden die Kinder lernen, daß Gottes Wort und die Gemeinde das wichtigste im Leben sind. Wenn sie zu Hause gelassen werden, so werden sie lernen, daß solche Dinge nicht so wichtig sind.

    Kinder sind nicht euer Eigentum, auch wenn das Gesetz sie im allgemeinen so ansieht. Sie gehören dem Herrn, der sie gemacht und erkauft hat. Es ist eine ernste Verantwortung, sie treu zu Ihm zu bringen, wie Hanna schon den kleinen Samuel dem Herrn weihte und ihn zum Hause Gottes brachte.

 

    3. Die Verantwortung der Gemeinde. Auch die Gemeinde hat hier Verantwortung. Sie hat dafür Sorge zu tragen, dass getauft wird. Darum muss die Gemeinde ihren Gottesdienstplatz, das heilige Predigtamt und regelmäßiges Predigen und Lehren des Wortes Gottes unterhalten. Wenn möglich, soll sie auch eine Schule für die Kinder einrichten. Darum müssen die Glieder ihre Gemeinde mit ihren Gaben unterstützen. Sie müssen auch den Gottesdienst treu besuchen, sowohl für sich selbst als auch um ihrer Patenkinder willen, aber auch um der übrigen Gemeinde willen, als eine Ermutigung für sie. Wo die Kirche voll ist, da ist jeder ermutigt zu kommen; wo sie aber halb leer ist, da werden sie entmutigt zu kommen.

    Die Gemeinde ist nicht nur da für die gegenwärtigen Glieder, sondern auch für die Kinder, für die nächste Generation und für deren Kinder. Wir wollen, daß auch sie Gottes Wort in seiner Wahrheit und Klarheit haben, das einzige, was wie sicher durch dieses Tal der Tränen zum ewigen Leben bringen kann. Salomo sagt: "Der Gute wird vererben auf Kindeskind." Welch größeres Erbgut könntest du deinen Kindern hinterlassen als eine Gemeinde, wo sie klar den Heilsweg erfahren können und lernen, Ihm in bußfertigem Glauben zu dienen? Möge der Herr dich befähigen zu beidem, zu wollen und zu nach seinem Wohlgefallen! Amen.                             

 

 

 

TAUFE - BEKEHRUNG - TÄGLICHE BUSSE

 

    Der Nutzen der Taufe, besonders der Kindertaufe, wird vielfach bezweifelt, da so viele als Kinder (aber auch als Erwachsene) Getaufte später ein Leben ohne Gott, ohne Jesus Christus führen - und die Schuld dafür wird der Säuglingstaufe gegeben. Aber selbst da, wo die Kindertaufe noch akzeptiert wird, wird ihre wirkliche Bedeutung gering geschätzt, die der Bekehrung dagegen sehr hoch, so daß die Taufe praktisch ihr gegenüber bedeutungslos wird. Von etlichen wird die Kindertaufe sogar als ein Hindernis für Erweckung angesehen. Das ist allerdings schon rein kirchengeschichtlich völlig verkehrt, denn die großen Erweckungen haben fast alle im Bereich der säuglingstaufenden Kirchen stattgefunden und haben diese Taufe bejaht, sei es nun die lutherische Reformation, sei es das Great Awakening durch Jonathan Edwards (Presbyterianer) und George Whitefield (ebenfalls Presbyterianer) oder der pietistische und der methodistische Aufbruch oder die umfangreiche Erweckungsbewegung in Deutschland und Skandinavien im 19. Jahrhundert (Claus Harms, Johann Gottfried Scheibel, Friedrich Brunn, Martin Stephan, Carl Ferdinand Wilhelm Walther, Wilhelm Löhe, Johann Hinrich Volkening, Louis Harms, Carl Büchsel, Gustav Knak, Martin Görke, Ludwig Hofacker, Friedrich Wilhelm Horning, Theodor Schmalenbach, Christian Jensen, Emil Wacker, Gisle Johnson, Hans Nielsen Hauge, Henning Schartau, Carl Olof Rosenius, Paavo Ruotsalainen, August Huhn u.a.)

    In welchem Zusammenhang stehen denn nun Taufe, Bekehrung und tägliche Buße oder Bekehrung aufgrund der Lehre der Heiligen Schrift Gottes?

 

    Es fällt sofort das Zeugnis der Schrift ins Auge, daß die Taufe des öfteren in den Briefen erwähnt wird, gerade auch im Zusammenhang mit der Aufforderung, Ermahnung, in der Heiligung zu leben, gegen die Sünde zu kämpfen, Röm. 6; 1 Kor. 6; Eph. 5,; Kol. 2; Tit. 3; 1 Petr. 2. Daran allein wird schon deutlich: Bei der Taufe handelt es sich nicht nur um ein punktuelles Ereignis, das seine Bedeutung nur für den Tag der Taufe selbst hat, sondern vielmehr umspannt die Taufe unser ganzes Leben.

    Im sechsten Kapitel des Römerbriefes ist ja die Ausgangsfrage die, ob denn, weil die Gnade doch viel größer ist als die Sünde, nun der Mensch einfach weiter darauf lossündigen soll, ja, auf Gnade sündigen soll. Mit Entschiedenheit wehrt der Heilige Geist dies durch Paulus ab und unterstreicht, bekräftigt dieses Nein dann ab Vers 3 mit der Taufe: In der heiligen Taufe sind wir in Christus hineingetauft worden, also ihm übereignet worden, sind Christi Eigentum geworden - wie sollten wir da gegen Christus leben können? Wir wurden in seinen Tod hineingetauft, wurden, wie es in den weiteren Versen heißt, mit Christus gekreuzigt. In der Taufe haben wir also Anteil bekommen an Christi Tod am Kreuz und damit an allem, was er mit diesem seinem Kreuzestod uns erworben hat, Vergebung der Sünden, Leben und Seligkeit. Das heißt: In der taufe wurde unser alter Mensch, der Mensch der Sünde, mit Christi Tod am Kreuz verbunden, wurde mitgekreuzigt, in den Tod gegeben, wurde, wie es Vers 4 heißt, mit Christus begraben in den Tod. Und wozu? Damit der Getaufte in einem neuen Leben wandeln soll, in einem Leben, das nun ganz Gott gehört, ganz ihm geweiht ist, ihm zu Lob und Ehre dient. Damit aber ist eindeutig: Das Gewicht, die bedeutung der Taufe geht weiter über den Tauftag hinaus, umfasst vielmehr unser gesamtes Leben, denn sie ist sowohl Gottes Gnadenhandeln an uns zur Errettung, als auch sein Anspruch an unser gesamtes Leben, nämlich nun gegen die Sünde zu kämpfen. Dies aber ist ja nicht nur ein einmaliger Akt, sondern, wie wir auch an den Ermahnungen in den paulinischen Briefen immer wieder feststellen können, durchzieht unser ganzes Leben, ist ein täglicher Kampf zwischen Geist und Fleisch, Gal. 5, der aber seine Kraft gerade aus der Taufe und den Tatsachen der Taufgnade ziehen kann und soll, denn durch die Taufe ist der alte Mensch gekreuzigt, Röm. 6,6.

    Auch im Kolosserbrief wird dies betont, wo die Taufe mit der Beschneidung verglichen und als 'Beschneidung ohne Hände' bezeichnet wird, 2,10 ff.Auch hier ist vom 'Begraben mit Christus' die Rede, also sowohl dem Hineingeben des alten Menschen in den Tod als auch der Teilhabe an Christi Tod und dem dadurch erworbenen Heil. Mit der Taufe wird auch hier verbunden die 'Ablegung des sündlichen Fleisches', das Abwaschen der Sünden, Apg. 22. Damit weist auch hier die Taufe auf unser ganzes Leben hin als ein Kampfesleben gegen die Sünde und eine tägliche Erneuerung des Taufbundes als In-den-Tod-geben des alten Menschen und Auferstehen des neuen, aus Christus geborenen Menschen.

 

    Damit wird deutlich, dass die tägliche Buße oder tägliche Bekehrung unabdingbar mit der Taufe verbunden ist, ja, dass sie ihr, der Taufe, unbedingt folgen muss, wenn wir wirklich aus der Taufe leben und die Taufe ernst nehmen. Die evangelisch-lutherische Reformation hat dies stets betont, etwa im Kleinen Katechismus mit dem vierten Abschnitt im Hauptstück von der Taufe.

    Hier gehört auch der unaufgebbare Zusammenhang hin zwischen Taufen und Lehren, wie er gerade im Reichs- oder Missionsbefehl Jesu Matth. 28 zum Ausdruck kommt: "Gehet hin in alle Welt und machet zu Jüngern alle Völker: Taufet sie im Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes und lehret sie halten alles, was ich euch befohlen habe." Zum Jüngermachen gehört also beides: Taufen und Lehren. Darum muß die Taufe - bei Kindern wie bei Erwachsenen - die Unterweisung im Wort zur Folge haben, damit einerseits rechte Sündenerkenntnis erwächst, auch rechtes Erkennen der Gnade Gottes in Christus, dann aber wir auch immer wieder angereizt werden, Christus konsequent nachzufolgen - und auch angeleitet, was dies im Einzelnen heißt. Leben aus der Taufe heißt also immer: Wachsen in der Sündenerkenntnis, in der Erkenntnis der eigenen Verdorbenheit und Verlorenheit, Wachsen in der Erkenntnis Jesu Christi als meines Heilandes, in der Liebe zu ihm und daraus in der Hingabe an ihn, in der kosequenten Nachfolge, im konsequenten Kampf gegen die Sünde, der aber vorallem heißt: im Licht wandeln, 1 Joh. 1, nämlich die Schuld vor Gott bekennen, die Vergebung in Anspruch nehmen, also tägliche Buße oder Umkehr von der Sünden weg, hin zu Christus.

 

    Es ist also völlig verkehrt, wenn der Taufe die Schuld gegeben, daß Menschen wieder abfallen. Das alte Testament hat auch nicht der Beschneidung die Schuld daran gegeben, durch die die Knäblein am achten Tage in das Reich Gottes aufgenommen wurden, 1 Mose 17. Vielmehr ist es so, daß alle Getauften ständig bedroht sind von Satan und seinem verführerischen Wirken und alle Getauften darum täglich viel sündigen und daher auch tägliche Umkehr, Buße nötig haben. Wie oft aber sind sie gar nicht unterrichtet worden von ihrer Taufe und dem Wert, dem Grund und der Herausforderung ihrer Taufe?! Wie oft hat überhaupt die Verkündigung und Unterweisung gefehlt, die rechte Sündenerkenntnis, Erkenntnis der Verlorenheit ohne Christus, dann Erkenntnis Christi als des Sünderheilandes zum Ziel hat? Und wie oft meint nicht auch ein jugendlicher oder erwachsener Christ, mit der Bekehrung sei alles getan - und vergißt, daß er in täglicher Buße und Umkehr leben muß, in täglichem Sterben, damit Christus sein Leben immer mehr in ihm entfalten kann, Gal. 2,20. Der Mensch hört, wie Röm. 7 deutlich sagt, mit der Wiedergeburt nicht auf, ein Sünder zu sein.

 

    Und wie viele fallen von ihrer Taufe wieder ab (Kinder und Erwachsene), und auch von ihrer Bekehrung als Erwachsene? Das sehen wir schon im Alten Bund. Darum der immer wiederkehrende Bußruf im Alten wie im Neuen Testament: Denn wenn wir auch untreu werden, so bleibt ER doch treu, denn er kann sich selbst nicht verleugnen, er steht zu dem, was er in der Taufe dargereicht und zugeeignet hat (oder im Alten Bund in der Beschneidung), 2 Tim. 2, und geht uns darum nach, damit wir zurückkehren zum Vaterhaus. Das Gleichnis vom verlorenen Sohn, Luk. 15, hat gerade diese Dimension. Es fehlt leider so sehr in der Verkündigung dieses Moment, die verlorenen, aber doch einst getauften, Menschen zurückzurufen ins Vaterhaus, in das sie aufgrund ihrer Taufe eigentlich hineingehören, das sie aber mutwillig verlassen haben und dadurch, wie der verlorene Sohn, geistlich wieder gestorben sind; Gott aber will sie wieder lebendig machen, heimholen.

    Darum schon im Alten Testament diese Betonung der Beschneidung des Herzens, 5 Mose 10,16. Damit wurde die Beschneidung, wie sie am achten Tage vollzogen wurde, nicht herabgemindert in ihrer Bedeutung - aber es wurde davor gewarnt, sie ritualistisch, magisch zu verstehen, nämlich dass wir durch den bloßen Vollzug schon alles hätten, auch ohne wahrhaftigen Glauben. Immer geht es darum, von Herzen Gott nachzufolgen, ihn von ganzem Herzen zu lieben und uns von der Sünde abzukehren, 5 Mose 30,6.

    Darum ist die Aufforderung zur Herzensbeschneidung verknüpft mit dem Ruf zur Bekehrung, Jer. 4,1 ff., mit dem Ruf, ein Neues zu pflügen. Darum ist auch den Beschnittenen immer wieder Bekehrung gepredigt worden, wie wir an vielen Stellen des Alten Testamentes sehen: z.B. 5 Mose 4,30; 1 Sam. 7,3; 2 Chro. 24,19; Jes. 55,7; Jer. 3,7.14; 25,5; Hos. 12,7; 14,2.3; Joel 2,13.

 

    Gerade dann, wenn wir die Taufe in ihrer Kraft und der Herrlichkeit ihrer Gaben, aber auch der Herausforderung für das Glaubensleben, ernst nehmen - und ebenso auch die Tatsache ernst nehmen, daß auch der wiedergeborene Christ noch Sünder ist, immer wieder fällt, auch abfallen kann, gerade dann sehen wir, wie wichtig es ist, auch Bekehrung zu predigen, Buße zu predigen, sowohl die grundsätzliche Bekehrung als auch die tägliche. Das nimmt der Taufe nichts von ihrer Gültigkeit und ihrer Gabe. Sie ist die ganze Wiedergeburt - aber damit zugleich auch erst der Anfang des geistlichen neuen Lebens, in dem es durch viel Fallen und Aufstehen geht. Darum muß es auch immer um wahre Bekehrung gehen, auch wahre tägliche Buße, damit die Taufe recht in ihrer Kraft stehe. Die grundsätzliche Bekehrung ist in diesem Zusammenhang dann die Rückkehr zur Taufgnade, ist die erneute, persönliche Aneignung der Taufgnade.           

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

I N H A L T S V E R Z E I C H N I S

 

 

 Sckerl, Roland: Gespräch über die Kinder-

    taufe                                                                                             3

 

 Kinery, Jeffrey C.: Warum wir Kinder taufen!                                        7

 

 Sihler, Wilhelm: Die Taufe - ein Gnadenmit-

    tel des Heils Gottes                                                                     22

 

 Mezger, Georg: Von der Taufe                                                          27

 

 Sckerl, Roland: Von der heiligen Taufe                                              46

 

 Miller, Kenneth K.: Die Taufe ist reines

    Evangelium                                                                                  53

 

 Luther, Martin: Vom Kinderglauben                                                   58

 

 Miller, Kenneth K.: Kinder glauben                                                    67

 

 Sckerl, Roland: Mythos und Wirklichkeit der Tauf-

    Wiedergeburt                                                                               72

 

 Miller, Kenneth K.: Die Verantwortung aus

    der Taufe                                                                                     75

 

 Sckerl, Roland: Taufe - Bekehrung - täg-

    liche Buße                                                                                  80