Beständig in der Apostel Lehre und in der Gemeinschaft und im Brotbrechen und im Gebet! Apg. 2,42

DER BEKENNTNIS-

LUTHERANER

 

Lutherisches Blatt für Bibelchristentum.

Mit Zustimmung der Lutherischen Kirchen der Reformation (Lutheran Churches of the Reformation, LCR) herausgegeben von Roland Sckerl,  Leopoldstr. 1, D-76448 Durmersheim; Tel.:07245/83062;

E-mail: Sckerl@web.de; Internet: www.lutherische-bekenntnisgemeinde.de

 

20. Jahrgang 2012  Heft 1/2012

 

 

Inhaltsverzeichnis

 

UNTER BIBEL UND BEKENNTNIS. 3

Thesen Walthers für die freie Konferenz englisch- und deutschsprachiger Lutheraner in Missouri, 1872  3

Die allgemeine Rechtfertigung bei Carl Ferdinand Wilhelm Walther 11

Was lehren die evangelisch-lutherischen Bekenntnisschriften über die allgemeine Rechtfertigung?  16

BLUTZEUGEN DES CHRISTLICHEN GLAUBENS. 22

RAIMUNDUS LULLUS. 22

THEOLOGISCHE ANMERKUNEN.. 24

Matthaeus 18,20 und die Frage, wo Kirche zu finden ist: 24

Dominionismus: 26

ZEICHEN DER ZEIT. 28

Literaturverzeichnis. 39

 

 

 

 

 

 

UNTER BIBEL UND BEKENNTNIS

 

 

Thesen Walthers für die freie Konferenz englisch- und deutschsprachiger Lutheraner in Missouri, 1872

(entnommen aus: Der Lutheraner, 28. Jg., S. 180-182; die Bekenntnisstellen nach der Ausgabe von Müller)

 

These 1

    a. Gottes geschriebenes Wort ist die einzige Regel und Richtschnur des Glaubens und Lebens.

    „Wir glauben, lehren und bekennen, dass die einige Regel und Richtschnur, nach welcher zugleich alle Lehren und Lehrer gerichtet und geurteilt werden sollen, seien allein die prophetischen und apostolischen Schriften altes und neues Testaments.“ (Konkordienformel, I, 1 Einleitung. S. 517)

    b. Gottes geschriebenes Wort ist das einzige christliche Erkenntnisprinzip.

    „Gottes Wort soll Artikel des Glaubens stellen und sonst niemand, auch kein Engel.“ (Schmalkaldische Artikel, II, Art. 2, 15, S. 303)

    c. Gottes Wort ist immer buchstäblich zu nehmen und nicht ohne zwingende Gründe uneigentlich zu verstehen.

    „So sind wir ja schuldig, diese des ewigen, wahrhaftigen und allmächtigen Sohns Gottes, unsers HERRN, Schöpfers und Erlösers Jesu Christi Wort nicht als verblümte, figürliche, fremde Reden anders zu deuten und auszulegen, wie es unserer Vernunft gemäß scheinet, sondern die Worte, wie sie lauten, in ihrem eigentlichen, klaren Verstand mit einfältigem Glauben und schuldigem Gehorsam anzunehmen und uns durch keine Einrede oder menschlich Widersprechen, aus menschlicher Vernunft gesponnen, wie lieblich sie auch der Vernunft scheinen, davon abwenden zu lassen.“ (Konkordienformel, II, Art. 7, 45, S. 656)

    d. Gottes Wort ist aus sich selbst, nicht aus der Vernunft, Tradition oder neuen Offenbarungen, auszulegen.

    „Nun ist ja kein so treuer und gewisser Ausleger der Worte Jesu Christ, als eben der HERR Christus selbst.“ (ebenda, Par. 50, S. 657)

 

These 2

    Der Mensch hat von Natur keinen freien Willen in geistlichen Dingen und kann daher nichts zu seiner Bekehrung mitwirken.

    „Wider diese beide Teile haben die reinen Lehrer Augsburgischer Konfession gelehrt und gestritten, dass der Mensch durch den Fall unserer ersten Eltern also verderbt, dass er in göttlichen Sachen, unsere Bekehrung und Seelen Seligkeit belangend, von Natur blind, wann Gottes Wort gepredigt wird, dasselbe nicht verstehe noch verstehen könne, sondern für eine Torheit halte, auch aus sich selbst sich nicht zu Gott nähere, sondern ein Feind Gottes sei und bleibe, bis er mit der Kraft des Heiligen Geistes durch das gepredigte und gehörte Wort aus lauter Gnade ohne alles sein Zutun bekehrt, gläubig, wiedergeboren und erneuert werde.“ (Konkordienformel, II, Art. 2, 5, S. 588 f.)

    „Darum sind das eitel Irrtum und Blindheit wider diesen Artikel, das die Schultheologen gelehrt haben, nämlich, … dass der Mensch habe einen freien Willen, Gutes zu tun und Böses zu lassen, und wiederum Gutes zu lassen und Böses zu tun.“ (Schmalkaldische Artikel, III, Art. 1, 3.5, S. 310 f.)

 

These 3

    Christus sind nach seiner menschlichen Natur durch die persönliche Vereinigung mit der Gottheit göttliche Eigenschaften realiter mitgeteilt.

    „Daher glauben, lehren und bekennen wir auch, dass nicht ein pur lauterer Mensch für uns gelitten, gestorben, begraben, gen Hölle gefahren, von den Toten erstanden, gen Himmel gefahren und gesetzt zur Majestät und allmächtigen Kraft Gottes, sondern ein solcher Mensch, des menschliche Natur mit dem Sohn Gottes so eine tiefe, unaussprechliche Vereinigung und Gemeinschaft hat, dass sie mit ihm eine Person ist. … Daher glauben, lehren und bekennen wir, dass des Menschen Sohn zur Rechten der allmächtigen Majestät und Kraft Gottes realiter, das ist, mit der Tat und Wahrheit nach der menschlichen Natur erhöht, weil er in Gott aufgenommen, als er von dem Heiligen Geist in Mutterleib empfangen, und seine menschliche Natur mit dem Sohn des Allerhöchsten persönlich vereinigt. Welche Majestät er nach der persönlichen Vereinigung allewegen gehabt, und sich derselben in dem Stande seiner Erniedrigung geäußert, und der Ursach wahrhaftig an aller Weisheit und Gnade bei Gott und den Menschen zugenommen; darum er solche Majestät nicht allezeit, sondern, wann es ihm gefallen, erzeigt, bis er die Knechtsgestalt, und nicht die Natur, nach seiner Auferstehung ganz und gar hingelegt, und in den völligen Gebrauch, Offenbarung und Erweisung der göttlichen Majestät gesetzt und also in seine Herrlichkeit eingegangen, dass er jetzt nicht allein als Gott, sondern auch als Mensch alles weiß, alles vermag, allen Kreaturen gegenwärtig ist und alles, was im Himmel, auf Erden und unter der Erde ist, unter seinen Fußen und in seinen Händen hat.“ (Konkordienformel, I, Art. 8, 13-16, S. 546 f.)

 

These 4

    Christus hat die ganze Welt schon vollkommen mit Gott versöhnt.

    „Dass Gott in seinem Vorsatz und Rat verordnet habe: 1. dass wahrhaftig das menschliche Geschlecht erlöst und mit Gott versöhnt worden sei durch Christus, der uns mit seinem unschuldigen Gehorsam, Leiden und Sterben Gerechtigkeit, die vor Gott gilt, und das ewige Leben … verdient habe. … Derhalben, wann wir unsere ewige Wahl zur Seligkeit nützlich betrachten wollen, müssen wir in alle Wege steif und fest darüber halten, dass, wie die Predigt der Buße, also auch die Verheißung des Evangeliums universalis, das ist, über alle Menschen gehe. Luk. 24.“ (Konkordienformel, II, Art. 11, 15.28, S. 707. 709)

 

These 5

    a. Christi Verdienst und Wohltaten werden den Menschen durch die Gnadenmittel, Wort und Sakramente, allein und wahrhaftig mitgeteilt.

    „Dass Gott in seinem Vorsatz und Rat verordnet habe: … 2. dass solch Verdienst und Wohltaten Christi durch sein Wort und Sakrament uns sollen vorgetragen, dargereicht und ausgeteilt werden.“ (ebenda. Par. 16, S. 708)

    „In diesen Stücken, so das mündliche, äußerliche Wort betreffen, ist fest darauf zu bleiben, dass Gott niemand seinen Geist oder Gnade gibt, ohne durch oder mit dem vorhergehenden äußerlichen Wort. … Darum sollen und müssen wir darauf beharren, dass Gott nicht will mit uns Menschen handeln als durch sein äußerlich Wort und Sakrament. Alles aber, was ohne solch Wort und Sakrament vom Geist gerühmt wird, das ist der Teufel.“ (Schmalkaldische Artikel, III, Art. 8, 3.10, S. 321.322)

    b. Das Evangelium ist nicht eine bloße Verkündigung, sondern zugleich eine Anbietung und Mitteilung der Gnade Christi.

    „Wiederum ist das Evangelium eine solche Predigt, die nichts anders als Gottes Gnade und Vergebung in Christus zeigt und gibt.“ (Konkordienformel, Art. 5, 12, S. 635)

    c. Die Privatabsolution ist das an einzelne Personen gerichtete Evangelium und Anbietung und Schenkung der Vergebung der Sünden von Seiten Gottes.

    „Dabei wird das Volk fleißig unterrichtet, wie tröstlich das Wort der Absolution sei, wie hoch und teuer die Absolution zu achten; denn es sei nicht des gegenwärtigen Menschen Stimme oder Wort, sondern Gottes Wort, der da die Sünde vergibt. Denn sie wird an Gottes Statt und aus Gottes Befehl gesprochen. Von diesem Befehl und Gewalt der Schlüssel, wie tröstlich, wie nötig sie sei den erschrockenen Gewissen, wird mit großem Fleiß gelehrt; darzu, wie Gott fordert, dieser Absolution zu glauben, nicht weniger als so Gottes Stimme vom Himmel erschölle, und uns deren fröhlich trösten und wissen, dass wir durch solchen Glauben Vergebung der Sünden erlangen.“ (Augsburgische Konfession, Art. 25, 2-4, S. 53 f.)

    „Es können die Widersacher nicht leugnen, dass die Unseren von der Absolution, von den Schlüsseln, also christlich, richtig, rein gepredigt, geschrieben und gelehrt haben, dass viel betrübte, angefochtene Gewissen daraus großen Trost empfangen, nachdem sie dieses nötigen Stücks klar unterrichtet sein, nämlich dass es Gottes Gebot ist, dass es der rechte Gebrauch des Evangeliums ist, dass wir der Absolution glauben und gewiss bei uns dafür halten, dass ohne unser Verdienst uns Sünde vergeben werden durch Christus, dass wir auch so wahrhaftig, wenn wir dem Wort der Absolution glauben, Gott werden versöhnt, als hörten wir eine Stimme vom Himmel.“ (Apologie, Art. 11, 59, S. 165)

    „Die Gewalt nun der Schlüssel, die verkündigt uns durch die Absolution das Evangelium. Denn das Wort der Absolution verkündigt mir Friede und ist das Evangelium selbst.“ (Apol. Art. 12, 39, S. 172)

    d. Die Absolution fordert Glauben und der Glaube allein empfängt, was sie anbietet und gibt; weder sie noch irgendein Gnadenmittel wirkt ex opere operato.

    „Dass man das Wort der Absolution nicht empfangen kann als allein durch den Glauben, ist zu beweisen aus Paulus Röm. 4, da er sagt, dass die Verheißung Gottes niemand fassen kann als allein durch den Glauben. Die Absolution ist aber nichts anders als das Evangelium, eine göttliche Zusage der Gnaden und Huld Gottes usw. Darum kann man sie nicht haben noch erlangen als allein durch den Glauben. Denn wie kann denjenigen das Wort der Absolution nütz werden, die sie nicht glauben? Die Absolution aber nicht glauben, was ist das anders als Gott Lügen strafen? Dieweil das Herz wankt, zweifelt, hälts für ungewiss, das Gott da zusagt. Darum steht 1. Joh. 5,10 geschrieben: ‚Wer Gott nicht glaubt, der straft ihn Lügen, denn er glaubt nicht dem Zeugnis, das Gott von seinem Sohn zeugt.“ (Apol., Art. 12, 61-62, S. 177)

    „Da müssen wir frei verdammen den ganzen Haufen der scholasticorum, und ihren Irrtum strafen, dass sie lehren, dass diejenigen, so die Sakramente schlecht gebrauchen, wenn sie nicht obicem setzen, ex opere operato Gottes Gnade erlangen, wenn schon das Herz alsdenn keinen guten Gedanken hat. Das ist aber stracks ein jüdischer Irrtum. … Darum sagen wir auch, dass zum rechten Gebrauch der Sakramente der Glaube gehöre. … Und wir reden hier vom Glauben, da ich selbst gewiss für mich glaube, dass mir die Sünden vergeben sind, nicht allein vom fide generali, da ich glaube, dass ein Gott sei … Augustinus sagt stracks dawider (wider die Lehre der Scholastiker), dass der Glaube im Gebrauch des Sakraments, nicht das Sakrament vor Gott uns fromm macht.“ (Apol., Art. 14, 18-23, S. 204.205)

 

These 6

    a. Der Glaube macht allein gerecht und selig, dies ist der Hauptartikel der ganzen christlichen Religion.

    „Im vierten, fünften und sechsten und hernach im zwanzigsten Artikel verdammen die Widersacher unser Bekenntnis, dass wir lehren, dass die Gläubigen Vergebung der Sünden durch Christus ohne alle Verdienst allein durch den Glauben erlangen, und verwerfen gar trotzig beides: Erstlich, dass wir nein dazu sagen, dass den Menschen durch ihren Verdienst sollten die Sünden vergeben werden; zum andern, dass wir halten, lehren und bekennen, dass niemand Gott versühnt wird, niemand Vergebung der Sünden erlangt als allein durch den Glauben an Christus. Dieweil aber solcher Zank ist über dem höchsten, vornehmsten Artikel der ganzen christlichen Lehre, also dass an diesem Artikel ganz viel gelegen ist, welcher auch zu klarem richtigem Verstand der ganzen heiligen Schrift vornehmlich dient, und zu dem unaussprechlichen Schatz und der rechten Erkenntnis Christi allein den Weg weist, auch in die ganze Bibel allein die Tür auftut, ohne welchen Artikel auch kein armes Gewissen einen rechten beständigen gewissen Trost haben oder die Reichtümer  der Gnaden Christi erkennen mag: So bitten wir, kaiserliche Majestät wollen von dieser großen, tapfern, hochwichtigen Sache nach Notdurft und gnädiglich uns hören.“ (Apol., Art. 4, 1-2, S. 86 f.)

    b. Ist der Glaube rechter Art, so wird der Mensch dadurch ein neuer Mensch von Herz, Mut, Sinn und allen Kräften, er reinigt das Herz und ist tätig durch die Liebe und gute Werke.

    „Wie D. Luther schreibt in der Vorrede über die Epistel St. Pauli an die Römer: ‚So ist der Glaube ein göttlich Werk in uns, das uns verwandelt und neu gebiert aus Gott und tötet den alten Adam, macht uns ganz andere Menschen von Herzen, Mut, Sinn und allen Kräften und bringt den Heiligen Geist mit sich. O! es ist ein lebendig, geschäftig, tätig, mächtig Ding um den Glauben, das unmöglich, dass er nicht ohne Unterlass sollte Gutes wirken. Er fragt auch nicht, ob gute Werte zu tun sind, sondern ehe man fragt, hat er sie getan und ist immer im Tun. Wer aber nicht solche Werke tut, der ist ein glaubloser Mensch, tappt und steht um sich nach dem Glauben und guten Werken und weiß weder was Glaube oder gute Werke seien, wäscht und schwatzt doch viel Worte vom Glauben und guten Werken. Glaube ist eine lebendige, verwegene Zuversicht auf Gottes Gnade, so gewiss, das er tausendmal darüber stürbe. Und solche Zuversicht und Erkenntnis göttlicher Gnade macht fröhlich, trotzig und lustig gegen Gott und alle Kreaturen; welches der Heilige Geist tut im Glauben, daher der Mensch ohne Zwang willig und lustig wird, jedermann Gutes zu tun, jedermann zu dienen, allerlei zu leiden, Gott zu Liebe und Lob, der ihm solche Gnade erzeigt hat, also das unmöglich ist, Werke vom Glauben scheiden, ja, so unmöglich, als brennen und leuchten vom Feuer mag geschieden werden.“ (Konkordienformel II, Art. 4, 10-12, S. 626 f.)

 

These 7

    Gute Werke sind allein die von Gott gebotenen, so sie im Glauben geschehen.

    „Fasten dient dazu, den alten Adam zu zähmen; da fällt bald die Vernunft drauf und macht ein Werk daraus, das Gott versöhne; wie Thomas schreibt, "Fasten sei ein Werk, das da tauge, Schuld gegen Gott auszulöschen und ferner zu verhüten". Das sind die klaren Worte Thomä. Also dieselben Gottesdienste, welche sehr gleißen, haben einen großen Schein und ein groß Ansehen der Heiligkeit vor den Leuten.  … Und wenn nun die Leute also durch so großen und prächtigen Schein der Heiligkeit betrogen werden, so folgt dann unzählige Fahr [Gefahr] und Unrat daraus, nämlich dass Christi Erkenntnis und das Evangelium vergessen wird, und dass man alles Vertrauen auf solche Werke setzt. Darüber so werden durch solche heuchlerische Werke die rechten guten Werke, die Gott in [den] zehn Geboten fordert, ganz unterdrückt (welches schrecklich ist zu hören). Denn die Werke müssen allein geistlich, heilig, vollkommen Leben heißen und werden dann weit vorgezogen den rechten, heiligen guten Werken, da ein jeder nach Gottes Gebot in seinem Beruf zu wandeln, die Obrigkeit fleißig, treulich zu regieren, die Hausväter, die ehelichen Leute, Weib und Kind, Gesinde in christlicher Zucht zu halten schuldig sind; ebenso, da eine Magd, ein Knecht seinem Herrn treulich zu dienen pflichtig ist. Dieselben Werke hält man nicht für göttlich, sondern für weltlich Wesen, also dass viele Leute darüber ihnen [sich] ein schwer Gewissen gemacht. Denn man weiß je, dass etliche ihren Fürstenstand verlassen, etliche den Ehestand, und sind in Klöster gegangen, heilig und geistlich zu werden.“ (Apol., Art. 15, 24-26, S. 210)

 

These 8

    a. Die Taufe wirkt die Wiedergeburt und gibt die ewige Seligkeit denen, die sie im Glauben empfangen.

    Da siehst du abermals, wie teuer und wert die Taufe zu halten sei, weil wir solchen unausprechlichen Schatz darin erlangen, welches auch wohl anzeigt, dass [sie] nicht kann ein schlecht lauter Wasser sein. Denn lauter Wasser könnte solches nicht tun; aber das Wort tut’s, und dass (wie oben gesagt) Gottes Name darin ist. Wo aber Gottes Name ist, da muss auch Leben und Seligkeit sein, daß es wohl ein göttlich, selig, fruchtbarlich und gnadenreich Wasser heißt; denn durchs Wort kriegt sie die Kraft, dass sie ein Bad der Wiedergeburt ist, wie sie auch St. Paulus nennt an Titus 3.

    Dass aber unsere Klüglinge, die neuen Geister, vorgeben: der Glaube macht allein selig, die Werke aber und äußerliche Dinge tun nichts dazu, antworten wir, dass [es] freilich nichts in uns tut denn der Glaube, wie wir noch weiter hören werden. Das wollen aber die blinden Leiter nicht sehen, dass der Glaube etwas haben muss, das er glaube, das ist, daran er sich halte und darauf er stehe und fuße. Also hängt nun der Glaube am Wasser und glaubt, dass [es] die Taufe sei, darin eitel Seligkeit und Leben ist, nicht durchs Wasser (wie genug gesagt), sondern dadurch, dass [es] mit Gottes Wort und Ordnung verleibt [verbunden] ist und sein Name darin klebt. Wenn ich nun solches glaube, was glaube ich anders denn an Gott, als an den, der sein Wort darein gegeben und gepflanzt hat und uns dies äußerlich Ding vorschlägt [vorlegt], darin wir solchen Schatz ergreifen könnten?

    Nun sind sie so toll, dass sie voneinander scheiden den Glauben und das Ding, daran der Glaube haftet und gebunden ist, ob es gleich äußerlich ist. Ja, es soll und muss äußerlich sein, dass man’s mit Sinnen fassen und begreifen [betasten] und dadurch ins Herz bringen könne, wie denn das ganze Evangelium eine äußerliche mündliche Predigt ist. Summa, was Gott in uns tut und wirkt, will er durch solche äußerliche Ordnung wirken. Wo er nun redet, ja wohin oder wodurch er redet, da soll der Glaube hinsehen und sich daran halten. Nun haben wir hier die Worte: ‚Wer da glaubt und getauft wird, der wird selig.’ Worauf sind sie geredet anders denn auf die Taufe, das ist, das Wasser, in Gottes Ordnung gefasst? Darum folgt, dass, wer die Taufe verwirft, der verwirft Gottes Wort, den Glauben und Christum, der uns dahin weist und an die Taufe bindet.“ (Großer Katechismus, IV,  26-31, S. 489 f.)

    b. Durch Sünden wider das Gewissen wird die Gnade der Taufe verloren.

    „Da aber die Getauften wider das Gewissen gehandelt, die Sünde in ihnen herrschen lasen und also den Heiligen Geist in ihnen selbst betrübt und verloren: dürfen sie zwar nicht wieder getauft, sondern müssen wiederum bekehrt werden.“ (Konkordienformel, II, Art. 2, 69, S. 605)

    c. Die Taufe bleibt fest stehen von Gottes Seiten, auch wenn der Mensch fällt; durch die Buße kann und soll er daher zu derselben wieder zurückkehren.

    „St. Hieronymus hat geschrieben: ‚Die Buße sei die andere Tafel [tabula, Brett], damit wir müssen [her]ausschwimmen und [hin]überkommen, nachdem das Schiff gebrochen ist, darein wir treten und [hin]überfahren, wenn wir in die Christenheit kommen.’ Damit ist nun der [Ge]Brauch der Taufe weggenommen, dass sie uns nicht mehr nützen kann. Darum ist’s nicht recht geredet oder je nicht recht verstanden; denn das Schiff zerbricht nicht, weil es [wie gesagt] Gottes Ordnung und nicht unser Ding ist; aber das geschieht wohl, daß wir gleiten und herausfallen; fällt aber jemand heraus, der sehe, dass er wieder hinzuschwimme und sich daran halte, bis er wieder hineinkomme und darin gehe, wie vorhin angefangen.“ (Großer Katechismus, IV, 81-82, S. 497)

 

These 9

    Im heiligen Abendmahl ist der wahre Leib und Blut Christi wahrhaftig gegenwärtig, wird unter dem Brot und Wein gereicht und von Würdigen und Unwürdigen mit dem Munde genossen, von jenen zur Vergebung der Sünden, von diesen zum Gericht.

    „Es hat auch D. Luther, welcher ja die rechte eigentliche Meinung der Augsburgischen Konfession vor andern verstanden und beständiglich bis an sein Ende dabei geblieben und [sie] verteidigt, unlängst vor seinem Tode in seinem letzten Bekenntnis seinen Glauben von diesem Artikel mit großem Eifer in nachfolgenden Worten wiederholt, da er also schreibt: ‚Ich rechne sie alle in einen Kuchen, das ist, für Sakramentierer und Schwärmer, wie sie auch sind, die nicht glauben wollen, dass des Hern Brot im Abendmahl sei sein rechter, natürlicher Leib, welchen der Gottlose oder Judas ebensowohl mündlich empfängt als St. Petrus und alle Heiligen; wer das, sage ich, nicht glauben will, der lasse mich nur zufrieden und hoffe bei mir nur keiner Gemeinschaft; da wird nichts anders aus.’ Tom. 2. Wit. Ger., fol. 252.

    Aus diesen Erklärungen kann ein jeder Verständiger, so die Wahrheit und Frieden liebhat, besonders aber aus D. Luthers, als des vornehmsten Lehrers der Augsburgischen Konfession, Erklärung, was der Augsburgischen Konfession eigentliche Meinung und Verstand in diesem Artikel allezeit gewesen sei, ungezweifelt vernehmen.“ (Konkordienformel, II, Art. VII, 33-34, S. 653)

 

These 10

    a. Zur christlichen Freiheit gehört die Freiheit von dem jüdischen Zeremonial- und Polizeigesetz.

    b. Vermöge seiner christlichen Freiheit ist ein Gläubiger im Neuen Testament an keinen Sabbathtag mehr gebunden.

    „Man muss in der Christenheit die Lehre von der christlichen Freiheit behalten, als nämlich, dass die Knechtschaft des Gesetzes nicht nötig ist zur Rechtfertigung, wie denn St. Paulus zu den Galatern schreibt im 5. Kapitel: "So bestehet nun in der Freiheit, damit uns Christus befreiet hat, und lasst euch nicht wiederum in das knechtische Joch verknüpfen." Denn es muss je der vornehmste Artikel des Evangeliums uns erhalten werden, dass wir die Gnade Gottes durch den Glauben an Christus ohne unser Verdienst erlangen und nicht durch Dienst, von Menschen eingesetzt, verdienen.

    Was soll man denn halten vom Sonntag und dergleichen andern Kirchenordnungen und Zeremonien? Dazu geben die Unsern diese Antwort, dass die Bischöfe oder Pfarrer mögen Ordnungen machen, damit es ordentlich in der Kirche zugehe, nicht damit Gottes Gnade zu erlangen, auch nicht, damit für die Sünden genugzutun oder die Gewissen damit zu verbinden, solches für nötigen Gottesdienst zu halten und es dafür zu achten, dass sie Sünde täten, wenn sie ohne Ärgernis dieselben brechen. Also hat St. Paulus zu den Korinthern verordnet, dass die Frauen in der Versammlung ihr Haupt sollen decken; ebenso, dass die Prediger in der Versammlung nicht zugleich alle reden, sondern ordentlich, einer nach dem andern.

    Solche Ordnung gebührt der christlichen Versammlung um der Liebe und Friedens willen zu halten und den Bischöfen und Pfarrern in diesen Fällen gehorsam zu sein und dieselben sofern zu halten, dass einer den andern nicht ärgere, damit in der Kirche keine Unordnung oder wüstes Wesen sei; doch also, dass die Gewissen nicht beschwert werden, dass man's für solche Dinge halte, die not sein sollten zur Seligkeit, und es dafür achte, dass sie Sünde täten, wenn sie dieselben ohne der andern Ärgernis brechen; wie denn niemand sagt, dass die Frau Sünde tue, die mit bloßem Haupt ohne Ärgernis der Leute ausgeht.

    Also ist die Ordnung vom Sonntage, von der Osterfeier, von den Pfingsten und dergleichen Feier und Weise. Denn die es dafür achten, dass die Ordnung vom Sonntag für den Sabbath als nötig aufgerichtet sei, die irren sehr. Denn die Heilige Schrift hat den Sabbath abgetan und lehrt, dass alle Zeremonien des alten Gesetzes nach Eröffnung des Evangeliums mögen nachgelassen werden. Und dennoch, weil vonnöten gewesen ist, einen gewissen Tag zu verordnen, auf dass das Volk wüsste, wann es zusammenkommen sollte, hat die christliche Kirche den Sonntag dazu verordnet und zu dieser Veränderung desto mehr Gefallen und Willen gehabt, damit die Leute ein Exempel hätten der christlichen Freiheit, dass man wüsste, dass weder die Haltung des Sabbaths noch eines andern Tages vonnöten sei.“ (Augsburgische Konfession, Art. 28, 51-60, S. 67 f.)

These 11

    a. Die Kirche im eigentlichen Sinn ist die unsichtbare Gesamtheit aller an Christus wahrhaft Glaubenden.

    „Dass wir gewiss sein mögen, nicht zweifeln, sondern fest und gänzlich glauben, dass eigentlich eine christliche Kirche bis an das Ende der Welt auf Erden sein und bleiben werde; dass wir auch gar nicht zweifeln, dass eine christliche Kirche auf Erden lebe und sei, welche Christi Braut sei, obwohl der gottlose Haufe mehr und größer ist; dass auch der Herr Christus hier auf Erden in dem Haufen, welcher Kirche heißt, täglich wirke, Sünden vergebe, täglich das Gebet erhöre, täglich in Anfechtungen mit reichem, starkem Trost die Seinen erquicke und immer wieder aufrichte; so ist der tröstliche Artikel im Glauben gesetzt: "Ich glaube eine katholische christliche Kirche", damit niemand denken möchte, die Kirche sei, wie eine andere äußerliche Polizei, an dieses oder jenes Land, Königreich oder Stand gebunden, wie der Papst von Rom sagen will, sondern dass [es] gewiss wahr bleibt, dass der Haufe und die Menschen die rechte Kirche seien, welche hin und wieder in der Welt, vom Aufgang der Sonne bis zum Niedergang, an Christum wahrlich glauben, welche denn ein Evangelium, einen Christum, einerlei Taufe und Sakramente haben, durch einen Heiligen Geist regiert werden, ob sie wohl ungleiche Zeremonien haben.“ (Apologie, Art. 7, 9-10, S. 153 f.)

    b. Die Kennzeichen dieser Kirche sind die reine Lehre und unverfälschtes Sakrament.

    „Es wird auch gelehrt, dass alle Zeit müsse Eine heilige christliche Kirche sein und bleiben, welche ist die Versammlung aller Gläubigen, bei welchen das Evangelium rein gepredigt und die heiligen Sakramente laut des Evangeliums gereicht werden.“ (Augsb. Konf., Art. 7, 1, S. 40)

    c. Kirchliche Gemeinschaft ist nur mit denen zu pflegen, die in allen Glaubensartikeln übereinstimmen.

    „Solchergestalt werden die Kirchen von wegen Ungleichheit der Zeremonien, da in christlicher Freiheit eine weniger oder mehr derselben hat, einander nicht verdammen, wenn sie sonst in der Lehre und allen derselben Artikeln, auch rechtem Gebrauch der heiligen Sakramente miteinander einig.“ (Konkordienformel, II, Art. 10, 31, S. 703)

 

These 12

    a. Die Kirche hat die Pflicht, die Kirchenzucht zu handhaben und daher halsstarrige Irrgeister oder Sünder in den Bann zu tun.

    „Der kleine, das ist der rechte christliche Bann ist, dass man offenbarliche, halsstarrige Sünder nicht soll lassen zum Sakrament oder anderer Gemeinschaft der Kirchen kommen, bis sie sich bessern und die Sünde meiden.“ (Schmalk. Art., III, Art. 9, S. 323)

    b. Die Abendmahlsgäste müssen erst verhört werden.

    „Die Beichte ist durch die Prediger dies Teils nicht abgetan. Denn diese Gewohnheit wird bei uns gehalten, das Sakrament nicht zu reichen denen, so nicht zuvor verhört und absolviert sind.“ (Augsb. Konf., Art. 25, 1, S. 54)

    c. Unwissende sind nicht zum heiligen Abendmahl zuzulassen.

    „Diese Predigt (des Katechismus) ist dazu geordnet und angefangen, dass es sei ein Unterricht für die Kinder und Einfältigen, darum sie auch von Alters her auf griechisch heißt Katechismus, das ist, eine Kinderlehre, so ein jeglicher Christ zur Not wissen soll, also, dass, wer solches nicht weiß, nicht könnte unter die Christen gezählt und zu keinem Sakrament zugelassen werden.“ (Großer Kat., 2, Vorr. 1, S. 380)

 

These 13

    Die Gewalt der Schlüssel ist kein Privileg der ordinierten Prediger, sondern eine Gewalt der ganzen gläubigen Kirche, die dieselbe ursprünglich und unmittelbar hat.

    „Über das muss man je bekennen, dass die Schlüssel nicht einem Menschen allein, sondern der ganzen Kirche gehören und gegeben sind, wie denn solches mit hellen und gewissen Ursachen genugsam kann erwiesen werden. Denn gleichwie die Verheißung des Evangeliums gewiss und ohne Mittel der ganzen Kirche zugehört, also gehören die Schlüssel ohne Mittel der ganzen Kirche, dieweil die Schlüssel nichts anderes sind denn das Amt, dadurch solche Verheißung jedermann, wer es begehrt, wird mitgeteilt; wie es denn im Werk vor Augen ist, dass die Kirche Macht hat, Kirchendiener zu ordinieren. Und Christus spricht bei diesen Worten: ‚Was ihr binden werdet’ usw., und deutet, wem er die Schlüssel gegeben, nämlich der Kirche: ‚Wo zwei oder drei versammelt sind in meinem Namen’ usw. Ebenso Christus gibt das höchste und letzte Gericht der Kirche, da er spricht: ‚Sag’s der Kirche!’“ (Schmalk. Art., Anhang I, 24, S. 333)

 

These 14

    a. Die Prediger bilden keinen besonderen heiligen Priesterstand den Laien gegenüber.

    „Gabriel unter andern Ursachen, warum den Laien nicht beide Gestalt gereicht werde, setzt auch diese: Es habe müssen ein Unterschied sein, sagt er, unter Priester und Laien. Und ich halt wohl, es sei die größte und vornehmste Ursache, warum sie heutiges Tages so fest halten, damit der Pfaffenstand heilige scheine gegen den Laienstand; das ist nun ein Menschengedanke; worauf der gehe, ist wohl anzunehmen.“ (Apol., Art. 22, 9, S. 233)

    b. Das pastorale Amt ist nichts als ein von Gott eingesetztes Amt des Dienstes an der Kirche.

    „So heißt liturgia griechisch eigentlich ein Amt, darinnen man der Gemeinde dient; das schickt sich wohl auf unsere Lehre, dass der Priester da als ein gemeiner Diener denjenigen, so kommunizieren wollen, dient und das heilige Sakrament reicht.“ (Apol., Art. 24, 267)

    c. Die Berufung der Prediger ist ein Recht der Gemeinde, welcher sie dienen sollen; die Ordination nur eine Bestätigung dieses Berufes und nur eine apostolisch-kirchliche Stiftung.

    „‚Ihr seid das königliche Priestertum.’ Diese Worte betreffen eigentlich die rechte Kirche, welche, weil sie allein das Priestertum hat, muss sie auch die Macht haben, Kirchendiener zu wählen und [zu] ordinieren.

    Solches zeugt auch der gemeine Brauch der Kirche. Denn vorzeiten wählte das Volk Pfarrherren und Bischöfe; dazu kam der Bischof, am selben Ort oder in der Nähe gesessen, und bestätigte den gewählten Bischof durch Auflegen der Hände, und ist dazumal die ordinatio nichts anderes gewesen denn solche Bestätigung.“ (Schmalk. Art., Anhang I, 69-70, S. 341 f.)

 

These 15

    Die Lehre von einer noch zu erwartenden Verherrlichung der Kirche in einem sogenannten tausendjährigen Reich streitet gegen mehrere Artikel des christlichen Glaubens und ist daher zu verwerfen.

    „Hier werden verworfen etliche jüdische Lehren, die sich auch jetzt zeigen, dass vor der Auferstehung der Toten eitel Heilige, Fromme ein weltlich Reich haben und alle Gottlose vertilgen werden.“ (Augsb. Konf., Art. 17, S. 43)

    „Des Reich kein Ende haben wird.“ (Nicän. Bek., S. 30)

 

These 16

    Der römische Papst ist der in der Schrift geweissagte Antichrist.

    „Dies Stück zeigt gewaltiglich, dass er (der Papst) der rechte Antichrist oder Widerchrist ist, der sich über und wider Christus gesetzt und erhöht hat, weil er will die Christen nicht lassen selig sein ohne seine Gewalt, welche doch nichts ist, von Gott nicht geordnet noch geboten. Das heißt eigentlich über Gott und gegen Gott sich setzen, wie St. Paulus sagt 2. Thess. 2,4.“ (Schmalk. Art., II, Art. 1, 10, S. 308)

 

 

Die allgemeine Rechtfertigung bei Carl Ferdinand Wilhelm Walther

 

Roland Sckerl

 

    Die Lehre von der allgemeinen Rechtfertigung und die Unterscheidung zwischen allgemeiner und persönlicher Rechtfertigung, wie auch der Zusammenhang zwischen allgemeiner und persönlicher Rechtfertigung sind für den rechtfertigenden Glauben wie auch die Heilsgewissheit von allergrößter Bedeutung. Denn sobald die Lehre von der allgemeinen Rechtfertigung fällt – und sie hängt zusammen mit anderen Lehren, die das Heil allein aus Gnaden, allein um Christi Verdienst willen, allein durch den Glauben, wie auch der Lehre vom unfreien Willen in geistlichen Dingen und von der Gnadenwahl – gibt es keine objektive Grundlage mehr für die Heilsgewissheit, weil es dann keinen objektiven Heilsgrund mehr gibt. Es ist nicht von ungefähr, dass die meisten Gegner der Lehre von der allgemeinen Rechtfertigung in den USA zugleich auch im Gnadenwahlstreit des 19. Jahrhunderts die synergistische (Mithilfe des Menschen bei seiner Errettung) Position der Ohio-Synode gegen die monergistische (Alleinwirken Gottes zur Errettung des Menschen) Position der Missouri-Synode vertreten haben. (Auch bei den neuesten Auseinandersetzungen, die P. Gregory Jackson durch Äußerungen in seinem Buch „Thy Mighty Word“ ausgelöst hat, unterstreichen dies, denn er bestreitet nicht nur vehement die Lehre von der allgemeinen Rechtfertigung, sondern greift auch die Position der alten Missouri-Synode im Gnadenwahlstreit an.)1 Diese Lehre ist übrigens keine Sonderlehre Walthers und der Missouri-Synode, wie es etliche behauptet haben, sondern biblische Lehre, wie sie auch in den Bekenntnisschriften dargelegt ist, wie der nächste Artikel bezeugt. Sie ist auch von anderen Theologen immer wieder deutlich verkündigt worden, etwa dem schwedischen Erweckungstheologen Anders Nohrborg oder auch David Hollaz, dem Sohn des letzten großen Dogmatikers der lutherischen Orthodoxie, in seiner „Evangelischen Gnadenordnung“.2

 

    Carl Ferdinand Wilhelm Walther, der geistliche Vater der alten Missouri-Synode hat auch diese so wichtige Lehre klar vertreten, vor allem in seinen Osterpredigten. Die folgenden Darlegungen stützen sich daher auf die zweite Predigt zum zweiten heiligen Ostertag in der „Amerikanisch-Lutherischen Epistel-Postille“. St. Louis 1882, sowie eine Predigt am ersten heiligen Ostertag in „Festklänge“. St. Louis 1892.

 

    In seiner Vormittagspredigt über Römer 4,25 hatte Walther ausführlich dargelegt, dass der Hauptgrund für die leibliche Auferweckung unseres HERRN und Heilandes Jesus Christus und ihre Hauptfrucht die Rechtfertigung des Sünders ist (Epistel-Postille, S. 206).

    Die Nachmittagspredigt ging dann über Römer 8,31-34, in der er bereits in der Einleitung unterstreicht, dass Christus zu unserer Rechtfertigung, zu unserer Seligkeit auferstanden ist: „Zu unserer Seligkeit, zu Rechtfertigung ist Christus von den Toten erstanden; um unserer Sünde willen kam Christus in der Nacht auf die Welt, trat in der Nacht sein Leiden an und verschied von nächtlicher Finsternis umgeben am Kreuze; mit dem Aufgang der Sonne aber kam er aus seinem Grabe hervor, denn er hatte nun die Dunkelheit der Sünden und des Zornes Gottes zerstreut und brachte das Licht der Gnade allen, die in Finsternis und Schatten des Todes sitzen.“ (Epistel-Postille, S. 210) Schon diese Sätze machen deutlich, dass Christus für alle Menschen durch seinen Gehorsam, Leiden und Sterben das Heil erworben hat, denn er „brachte das Licht der Gnade allen, die in Finsternis und Schatten des Todes sitzen“, und das sind ja tatsächlich alle Menschen ohne Ausnahme.

    Das aber hat zur Folge: Wer wahrhaft an die leibliche Auferstehung Jesu Christi als des Heilandes für Sünder glaubt, der darf gewiss sein, dass er vor Gott gerecht ist, gerechtfertigt. Denn für unsere Sünden, um unserer Sünden willen ist Christus gestorben, an ihm wurden unsere Sünden gestraft, er nahm die Strafe, die eigentlich uns galt, auf sich, um durch seinen Tod, durch sein Blutvergießen uns Heil und Gerechtigkeit vor Gott zu verdienen. „Wollen wir daher den eigentlichen Zweck der Auferstehung Christi verstehen, so müssen wir zuerst die Ursache seines Todes ins Auge fassen. Gestorben ist aber Christus, um unsere Sünde zu büßen; denn der Tod ist der Sünden Sold. Für sich brauchte Christus nicht zu sterben, denn er war heilig, ja, der Herr des Lebens selbst. Da er in sein Todesleiden ging, trug er unsere Sünde; als unser Bürge und Stellvertreter stand er während seines Leidens vor Gottes Gericht; an unserer Statt hing er am Kreuze; an unserer Statt ließ er sein teures Leben. … Der erste Trost unserer Seele ist daher freilich Christi Tod und Blutvergießen; dieses und nicht die Auferstehung Christi ist es, wodurch uns unser Heil und unsere Gerechtigkeit vor Gott verdient worden ist.“ (Epistel-Postille, S. 211)

    Auch das ist wichtig, um die Bedeutung von Karfreitag und Ostern im rechten Verhältnis zu haben: Alles, was Christus uns erworben hat, hat er uns durch seinen Gehorsam, sein Leiden und Sterben, sein unschuldiges Blutvergießen erworben. Seine leibliche Auferweckung dagegen ist die öffentliche Bestätigung dafür, dass Gott der HERR dieses Opfer angenommen hat und dass Jesus von Nazareth wahrhaft sein Sohn ist und eben daher uns dies alles, weshalb er gestorben ist, auch erworben hat.

    Das wertet Ostern in keiner Weise ab, gibt ihm nur die rechte Bedeutung, die ebenfalls ungeheuer hoch ist. Denn, wie Walther weiter ausführt (vgl. Epistel-Postille, S. 212), wäre Christus nicht leiblich auferstanden, dann wäre er zwar um unserer Sünden willen gestorben, wir aber wären immer noch in der Schuldgefangenschaft, da wir keine Bestätigung bekommen hätten, dass unsere Sünden tatsächlich bezahlt, unsere Schuld tatsächlich abgetan ist, wir tatsächlich erlöst sind. Christi Auferstehung ist der Sieg der Gerechtigkeit über unsere Sünde. „Aus diesen wichtigen, herrlichen Worten sehen wir: Wollen wir die Auferstehung Christi recht erkennen, so müssen wir sie in ihrer Verbindung mit seinem Kreuzestode betrachten; und dann finden wir, dass sie der Sieg der Gerechtigkeit ist über unsere Sünde.“ (Festklänge, S. 225)

    Da aber Jesus Christus wahrhaft leiblich auferstanden ist, so hat er unsere Schuld vor aller Welt abgewälzt und ins Grab versenkt und Gottes Zorn somit vollkommen gestillt: „Christus ging in den Tod, weil er belastet war mit unseren Sünden; dass er auferstanden ist, zeigt nun, dass er diese Last nicht mehr bei sich habe, dass er sie vor aller Welt abgewälzt und in sein Grab versenkt und vergraben habe. Christus wurde um unserer Sünde willen von Gott gestraft; dass er nun auferstanden ist, zeigt, dass er alle Strafen ausgestanden habe und nun keine mehr zu ertragen ist. Christus hat sich am Kreuze geopfert, Gott zu versöhnen; dass er nun auferstanden ist, zeigt, dass Gottes Zorn vollkommen versöhnt und er unser gnädiger, befriedigter Vater im Himmel geworden sei.“ (Epistel-Postille, S. 212)

    Nun aber hat Christus, wie bereits immer wieder betont, ja nicht um seinetwillen leiden müssen, denn er war, für sich selbst gesehen, völlig ohne Sünde, der einzig Reine, Sündlose, der jemals über diese Erde ging und gehen wird. Er hat vielmehr um unseretwillen das alles leiden müssen, hat er doch als das Lamm Gottes unsere Sünden auf sich genommen. Stellvertretend also hat er alles erlitten, stellvertretend für uns nahm er die Strafe auf sich, stellvertretend für uns vergoss er sein Blut und starb er am Kreuz. Daher war auch seine Auferweckung nicht um seinetwillen vonnöten, war er doch wahrer Gott, den der Tod sowieso nicht halten konnte, sondern der Vater hat ihn um unseretwillen auferweckt, wie auch Röm. 4,25 zeigt. Seine Lossprechung, seine Rechtfertigung gilt also tatsächlich uns, stellvertretend für uns hat er sie empfangen.

    „So gewiss aber Christus nicht für sich, sondern für uns, an unserer Statt, als unser Bürge und Stellvertreter gelitten hat und gestorben ist, so gewiss ist auch Christus nicht um seinetwillen auferstanden; uns, uns Sündern gilt seine Lossprechung; in ihm sind wir erhöht, wir verherrlicht, wir gerechtfertigt. In dem Gekreuzigten waren wir gestraft, in dem Erstandenen sind daher auch wir erlöst, aller Strafe frei und aller Schuld quitt und ewig los. … Christi Sieg ist unser Sieg, Christi Rechtfertigung ist unsere Rechtfertigung.“ (Epistel-Postille, ebd.) Um unserer Rechtfertigung willen ist Jesus Christus auferstanden. „Christus trug unsere Sünden; aber wo sind sie? – Sie sind hinweg; ohne Sünde kam er heute aus dem Grabe. Christus lag für uns in des Todes Banden; aber wo sind sie? Sie sind zersprengt; er ist frei. Christus war für uns verurteilt; aber wo ist die Schuld? Sie ist verschwunden; er ist losgesprochen. Um unserer Sünde willen hat der himmlische Vater seinen lieben Sohn dahingegeben in den Tod, aber als er nun für unsere Sünde sich geopfert und vollgültig dafür bezahlt und genuggetan hatte, so hat ihn nun Gott auch um unserer Gerechtigkeit willen auferwecket. Um unseretwillen hat ihn Gott verurteilt, geschlagen und getötet, aber nun hat er ihn auch um unsertwillen, da er alles vollbracht hatte, freigesprochen, lebendig gemacht und mit Preis und Ehre gekrönt immer und ewiglich.“ (Festklänge, ebd.)

    Was aber heißt das nun? Wem gilt diese Rechtfertigung Christi? So, wie Christus für alle Menschen ohne Ausnahme am Kreuz gestorben ist, die Sünden aller Menschen ohne Ausnahme auf sich genommen hat, so gilt auch die Rechtfertigung, die Gerechtsprechung allen Menschen ohne Ausnahme, wie auch 2. Kor. 5,19 aussagt, dass Gott in Christus war und versöhnte die Welt mit ihm selber. Die „Welt“ aber kann hier nichts anderes meinen als alle Sünder, keinen ausgenommen. Das heißt aber: Die Auferstehung Jesu Christi ist die Proklamation, die öffentliche Bestätigung der grundsätzlich bei Gott, in Christus, bereits geschehenen Rechtfertigung aller Menschen, jedes Sünders (das, was wir als allgemeine Rechtfertigung bezeichnen). „Denn was ist, wie ihr gehört habt, die Auferstehung Christi? Sie ist die bereits geschehene Rechtfertigung aller Menschen. Wie eigentlich alle Welt am Kreuze hing und ihre Sünden abbüßte, da Christus am Kreuze hing, so ist eigentlich die Welt, jeder Sünder, gerechtfertigt auferstanden, da Christus auferstand. Deutlich sagt dies Paulus Röm. 5,, wo er spricht: ‚Wie durch   e i n e s   Sünde die Verdammnis über alle Menschen gekommen ist; also ist auch durch   e i n e s   Gerechtigkeit die Rechtfertigung des Lebens über alle Menschen gekommen.’ Wie wir alle Sünder geworden sind vor Gott, da der einzige Adam, unser Haupt, fiel, so sind wir schon alle gerechtfertigt vor Gott, da der einige Christus, unser neues Haupt, auferstand.“ (Epistel-Postille, S. 213) „So groß und so herrlich auch der Sieg ist, den Jesus Christus durch seine Auferstehung davongetragen hat, so gibt es doch keinen Menschen in der Welt, für welchen er nicht bereitet wäre. Wegen der Sünden aller Menschen ist Christus in den Tod dahingegeben worden, wegen der Gerechtigkeit aller ist er auch auferweckt.“ (Festklänge, S. 228)

    Wenn aber jeder Sünder, in Christus, grundsätzlich schon vor Gott gerechtfertigt ist, wie hat er diesen Schatz, den der Heiland ihm durch seinen Gehorsam, Leiden und Sterben erworben hat, der durch seine Auferweckung öffentlich proklamiert wurde, wie hat ein Sünder den nun? Nicht anders als allein durch den Glauben, der sich das, was Christus ihm und jedem Menschen  erworben hat,   auch persönlich   aneignet. „G l a u b e t   an die köstliche Frucht der Auferstehung Christi, eignet sie euch von ganzem Herzen zu, so ist sie euer, so genießt ihr sie und werdet sie, wenn ihr in diesem Glauben bleibet, einst in vollkommener Freude und Seligkeit ewig zu genießen haben. … Was haben wir nun hiernach von unserer Seite noch zu tun? Durchaus nichts weiter, als den für uns teuer errungenen Sieg Christi nicht zu verschmähen, sondern mit gläubigem Herzen anzunehmen.“ (Epistel-Postille, ebd.) (Das ist dann die „persönliche Rechtfertigung“.) Damit macht Walther auch deutlich, dass ohne diese persönliche Rechtfertigung, ohne dies, dass ein armer Sünder, dem seine Sünden leid sind und der sie gerne los wäre, dass also ohne dies, dass er dies für sich persönlich im Glauben empfängt und ergreift, sich aneignet, dass Christus für seine Sünden gestorben ist, sie bezahlt hat und ihm seine Sünden schon vergeben sind, dass also ohne dies, dass er das für sich persönlich im Glauben aneignet, er dies trotz der grundsätzlich doch in Christus geschehenen allgemeinen Rechtfertigung nicht hätte. Es wäre also völlig verkehrt, aus der allgemeinen Rechtfertigung eine Allversöhnung zu folgern. Überhaupt nicht. Ebenso wäre es falsch, wenn man nun die Verkündigung des Evangeliums darauf reduzieren würde, dass die Sünder darüber nur noch zu informieren sind, dass sie schon gerechtfertigt sind. Nein, die Verkündigung des Evangeliums ist keine Information, sondern ist tatsächlich Ruf zur Umkehr, Ruf zum Glauben. Denn nimmt der Sünder dies nicht im Glauben als für ihn persönlich relevant an, so hat er es nicht. Wenn jemand informiert wird, dass an einem Ort X für ihn ein Scheck über eine hohe Summe bereit liegt, und er geht nicht dorthin, holt den Scheck und löst ihn ein, so nutzt ihm weder der Scheck noch diese Information etwas. (Solche Reduktion des Evangeliums ist leider in den Auseinandersetzungen der letzten Jahrzehnte innerhalb der Missouri- und Wisconsin-Synode vorgekommen, vor allem bei der sogenannten „Kokomo-Gruppe“.) Eine Zerstörung dieses frohmachenden, rettenden Evangeliums aber wird da vorgenommen, wo man das, was an Ostern geschehen ist, was auch 2. Kor. 5,19 heroldet, als eine „Versöhnung der Welt“ bezeichnet und es nicht auf die einzelnen Sünder beziehen will (so Gregory Jackson). Tatsächlich würde damit aber die gesamte Aussage in 2. Kor. 5,19 wie auch Röm. 4,25 wertlos. Was soll denn „die Welt“ anderes sein als die Zusammenfassung aller Sünder, also jeden einzelnen Sünder einschließen? Die gleichzeitig gemachte Behauptung, dass durch die allgemeine Rechtfertigung die persönliche Rechtfertigung bedeutungslos würde, ist ebenso haltlos, wie oben gezeigt.

    Wem also gilt diese Auferstehung mit der in Christus geschehenen Rechtfertigung, Vergebung der Sünden? Jedem Sünder – und jeder Sünder soll sie daher auch im persönlichen Glauben empfangen, ergreifen.

    Das heißt aber auch, um dies nochmals deutlich zu sagen: Wer diesen Schatz nicht im persönlichen Glauben empfängt, wer ihn sich nicht im persönlichen Glauben aneignet, der hat ihn nicht. „Das ist es aber allein, wodurch dieses herrliche Werke an uns verloren geht, wenn wir es uns nicht zueignen. Der Unglaube, der Zweifel ist nichts anderes, als die Verschüttung des uns allen schon gegebenen Schatzes. Darum hat Gott geboten, dass die Auferstehung seines Sohnes nicht verschwiegen, sondern aller Welt gepredigt werde, auf dass alle Welt daran glaube, dass nun ein jeder sich freue und jubiliere, dass er mit Christus schon auferstanden sei.“ (Epistel-Postille, ebd.) Wer nicht allein aus Gnaden, nicht allein um Christi Verdienst willen, allein durch den Glauben vor Gott gerecht werden will, der verwirft tatsächlich auch Christi Auferstehung (vgl. Epistel-Postille, ebd.). Wer die Bibel nicht als Gottes Wort annimmt und damit Gott die ihm gebührende Ehre gibt, wer sich noch selbst rechtfertigen will vor Gott, wer seinen Trost, seinen Frieden, seine Ruhe nicht allein bei Christus sucht oder wer noch heimlich Sünden festhält, der hat diesen Schatz nicht, der schließt sich selbst aus von diesem ihm doch schon zugeeigneten Schatz (vgl. Festklänge, S. 227). Darum ist gerade die Verkündigung der allgemeinen Rechtfertigung ein ernster und dringlicher Ruf zum persönlichen Glauben an den Heiland der Sünder Jesus Christus. „Auf darum alle, die ihr heute die Verkündigung eurer schon geschehenen herrlichen Rechtfertigung gehört habt; hängt euch mit ganzer Seele an diese allersüßeste Botschaft; darin beruhiget euch. Ach, tut doch Christus die Ehre an; denn das ist die einzige, die ihr ihm erweisen könnt: Verlasst euch auf ihn, dass er eure Sache bei Gott ausgeführt, dass er eure Sünden vollkommen abgebüßt, Gott vollkommen versöhnt, euch vollkommene Gerechtigkeit erworben, mit einem Worte, euch vollkommen erlöst habe.“ (Epistel-Postille, ebd.)

 

 

Was lehren die evangelisch-lutherischen Bekenntnisschriften über die allgemeine Rechtfertigung?

 

Roland Sckerl

 

    Gott bietet den Sündern Vergebung an: „Diese Gerechtigkeit, die vor Gott gilt, ist ohne Gesetz offenbart“, das ist, umsonst wird Vergebung der Sünden angeboten. (Apol. IV,42; Trigl. 132) – Wenn sie aber angeboten wird, dann muß sie auch vorhanden sein, das ist: Christus hat für alle Menschen die Vergebung der Sünden, und das ist gleichbedeutend mit dem Freispruch im Jüngsten Gericht, erworben. Aber der einzelne Mensch hat dies damit noch nicht. Gott sieht ihn – IN CHRISTUS – in Gnaden an: Aber wenn er nicht an Christus glaubt, also gar nicht in Christus ist, so bleibt der Zorn Gottes über diesem Menschen, Joh. 3,36. Darum heißt es richtig weiter: ... welche Zusage niemand mit Werken fassen kann, sondern allein durch den Glauben an Christus. (Apol. IV, 44; Trigl. 132) Nur der Glaube faßt also die Verheißung und Zusage in Christus, nämlich dass Christus für ihn die Vergebung der Sünden erlangt hat (die also schon da ist), die uns Menschen nun durch Wort, Taufe und Abendmahl dargereicht wird. Aber die göttliche Zusage, die bietet uns an, als denjenigen, die von der Sünde und Tod überwältigt sind, Hilfe, Gnade und Versöhnung um Christi willen, welche Gnade niemand mit Werken fassen kann, sondern allein durch den Glauben an Christus. Derselbe Glaube bringt noch schenkt Gott dem Herrn kein Werk, kein eigen Verdienst, sondern baut bloß auf lauter Gnade und weiß sich nichts zu trösten noch zu verlassen als allein auf Barmherzigkeit, die verheißen ist in Christus. (Apol. IV, 44.45; Trigl. 132) (Diese Aussage über den rettenden Glauben ist sehr wichtig, da die Gegner der allgemeinen Rechtfertigung zwar eine allgemeine Versöhnung lehren, aber in dem Sinne, als gebe diese Gott nur die Möglichkeit, den Menschen die Sünden zu vergeben (d.i. auf Golgatha hätte nicht schon die Vergebung stattgefunden), aber der Glaube (der damit praktisch zur sittlichen Tat des Menschen wird) sei die vom Menschen zu leistende Vorbedingung dafür. Das aber ist nur eine andere Form des Synergismus, der Selbsterlösung.) Diese Vergebung der Sünden also erlangt der Glaube allein aus Gnaden.

 

    Schon dieser Abschnitt macht deutlich: Nicht der Glaube wirkt oder verdient etwas (denn das wäre die Konsequenz daraus, wenn man sagt, Vergebung der Sünden, Freispruch im Jüngsten Gericht in Christus (denn nichts anderes wird auch in der allgemeinen Absolution Röm. 4,25 oder der objektiven Rechtfertigung ausgedrückt) sei noch nicht vorhanden, sondern käme erst durch den Glauben), sondern er ergreift oder empfängt etwas, eben das Heil in Christus. Das ist allerdings etwas völlig anderes als ein bloß äußerliches darüber informiert sein oder bloß äußerliches Wissen, es ist vielmehr ein die ganze Person umgreifendes Erkennen: Ich elender, verlorener Sünder habe in dem lebendigen Gott Jesus Christus Heil und Erlösung – und darauf traut der Glaube. (Es ist also unabdingbar, dass dem rettenden Glauben durch das Evangelium die Arbeit des Gesetzes voran geht, die zur Erweckung, Sündenerkenntnis, Reue, Buße, Zerknirschung, also einem geängsteten und zerschlagenen Herzen, Ps. 51, führt; ohne das gibt es für den im Bewusstsein stehenden Menschen keinen rettenden Glauben.)

 

    Dass dem Glauben, der geweckt und dann gestärkt werden soll, das Heil dargereicht wird (und nicht der Glaube es erst bewirkt: es geht also gerade auch darum, was der Glaube in der Rechtfertigung ist: ist er rein instrumental, Nehmehand, oder ist er wirkende Ursache), bezeugt auch Par. 53: Derhalben, sooft wir reden von dem Glauben, der gerecht macht, oder fide iustificante, so sind allezeit diese drei Stücke oder obiecta beieinander: erstlich, die göttliche Verheißung, zum andern, dass dieselbe umsonst, ohne Verdienst, Gnade anbietet, für das dritte, dass Christi Blut und Verdienst der Schatz ist, durch welchen die Sünde bezahlt ist. Die Verheißung wird durch den Glauben empfangen; dass sie aber ohne Verdienst Gnade anbietet, da geht alle unsere Würdigkeit und Verdienst unter und zu Boden und wird gepriesen die Gnade und große Barmherzigkeit. (Apol. IV, 53; Trigl. 134.136) Es gehören also zusammen: die göttliche Verheißung, die die Gnade uns anbietet, und Christi Blut als der Schatz, durch den für die Sünde bezahlt IST. Und diese Tatsache, dass auf Golgatha ein volles Lösegeld ein für allemal bezahlt wurde, diese Tatsache ergreift der Sünder als ihm zugehörig – und das ist der rettende Glaube. Allgemeine Rechtfertigung meint ja nichts anderes als dies, dass auf Golgatha für alle Sünder aller Zeiten die Sünden bezahlt, die Genugtuung geleistet wurde durch Christus und Gott in der Auferweckung Christi das versiegelt, bekräftigt, bestätigt hat, eben dass Christus für alle Sünder die Absolution, Vergebung der Sünden, den Freispruch im Jüngsten Gericht erworben hat – und das reicht Gott uns dar, eignet er zu durch die Gnadenmittel.

 

    Darum heißt es: Das Evangelium auch straft alle Menschen, dass sie in Sünden geboren seien, und dass sie alle schuldig des ewigen Zorns und Todes seien, und bietet ihnen an Vergebung der Sünden und Gerechtigkeit durch Christus. Und dieselbe Vergebung, Versöhnung und Gerechtigkeit wird durch den Glauben empfangen. (Apol. IV, 62; Trigl. 138) Das Evangelium also bietet Vergebung der Sünden, Gerechtigkeit durch Christus an: damit aber ist das alles ja bereits schon vorhanden, und der Glaube empfängt es (denn der Glaube muss ja allerdings einen Inhalt haben, etwas, woran er sich hält). Vor Gott gerecht sein heißt: Wir halten, die Widersacher müssen bekennen, dass vor allen Dingen zu der Rechtfertigung vonnöten sei Vergebung der Sünden. Darum so schließen wir nun also: Vergebung der Sünden erlangen und haben, dasselbe heißt vor Gott gerecht und fromm werden, wie der 32. Psalm sagt: „Wohl dem, dem die Übertretung vergeben ist.“ Allein aber durch den Glauben an Christus, nicht durch die Liebe, nicht um der Liebe oder Werke willen, erlangen wir Vergebung der Sünden, wiewohl die Liebe folgt, wo der Glaube ist. (Apol. IV, 75.76; Trigl. 142) Diese beiden Dinge gehören also zusammen, um gerettet zu sein: Vergebung der Sünden haben – und diese Vergebung erlangt allein der Glaube. So falsch es also ist (Kokomo), aus der objektiven Rechtfertigung oder den durch Christus auf Golgatha geschaffenen Tatsachen zu schließen, alle Menschen seien längst automatisch Heilige, bräuchten das Gericht nicht mehr zu fürchten und so die persönliche Aneignung des Heils im Glauben mit voraufgehender Buße und Bekehrung zu leugnen, so falsch ist es andererseits auch, aus der Tatsache, dass allein der Glaube das auch erlangt, was Christus ihm, dem Sünder erworben hat, zu schließen, das, was der Glaube erlangt sei vorher, vor dem Glauben, gar nicht vorhanden. Objektive und subjektive Rechtfertigung, Christi Erlösungswerk und der persönliche Glaube gehören zusammen, wenn es um das Heil des Menschen geht. Denn: wir haben das, was Christus uns erworben hat, nur in Christus. Ohne das, ohne den Glauben, bleibt der Zorn Gottes über uns, Joh. 3,36.

 

    Im Par. 82 heißt es daher: Zum andern ist’s gewiss, dass die Sünden vergeben werden um des Versöhners Christus willen, Röm. 3,25: „Welchen Gott dargestellet hat zu einem Gnadenstuhl“ oder zu einem Versöhner, und setzt klar dazu: „durch den Glauben“. So wird uns der Versöhner nun also nütz, wenn wir durch den Glauben fassen das Wort, dadurch verheißen wird Barmherzigkeit, und dieselbe halten gegen Gottes Zorn und Urteil. (Apol. IV, 82; Trigl. 144) Der Glaube faßt also das Wort, das die – damit schon vorhandene – Barmherzigkeit verheißt; die Vergebung der Sünden wird um Christi willen verheißen – eben darum kann dann der Glaube sie fassen. Christus hat sie ja bereits erworben. Zum vierten, Vergebung der Sünden ist verheißen um Christi willen. Darum kann sie niemand erlangen als allein durch den Glauben. (Apol. IV, 84; Trigl. 144)

 

    Die Bekenntnisschriften betonen zu recht immer wieder die enge Verknüpfung von objektiver und subjektiver Rechtfertigung – und es ist ein Zeichen des Niedergangs, wenn eine allversöhnerisch angekränkelte „Theologie“ diese Verknüpfung auflöst und zu so einer verheerenden Irrlehre wie Kokomo kommt (denn da stimmt nicht nur die Rechtfertigungslehre nicht mehr, sondern auch die Unterscheidung und rechte Anwendung von Gesetz und Evangelium fehlt). Darum heißt es: Das Gesetz kann niemand gerecht machen. Darum wird uns durch Christus Gerechtigkeit zugerechnet, wenn wir glauben, dass uns Gott durch ihn gnädig ist. (Apol. IV, 97; Trigl. 148) Das aber heißt auch: Die Gerechtigkeit für uns ist durch Christus schon vorhanden, sie entsteht nicht erst durch den Glauben. Das hebt auch Par. 103 hervor: ...; aber der Herr Christus ist gekommen und hat uns die Sünde, welche niemand konnte meiden, geschenkt und hat die Handschrift durch Vergießen seines Bluts ausgelöscht. (Apol. IV, 103; Trigl. 150) Das ist auf Golgatha geschehen. Und das wird dem Sünder angeboten, dargereicht, damit der Glaube geweckt wird.     

 

    Die Konkordienformel bekräftigt deshalb, dass Christus uns die Vergebung der Sünden und ewiges Leben verdient hat (und das ist ja nichts anderes, als was doch Worte wie Absolution in Christus, Freispruch in Christus, gerechtfertigt in Christus ausdrücken) – und das ergreift dann der Glaube. Wir glauben, lehren und bekennen, dass allein der Glaube das Mittel und das Werkzeug sei, damit wir Christus und also in Christus solche Gerechtigkeit, die vor Gott gilt, ergreifen, um welches willen uns solcher Glaube zur Gerechtigkeit zu-gerechnet wird, Röm. 4. (FC, Epit., III,3; Trigl. 792) Das heißt: Nur der Sünder hat das, was ihm dargereicht wird, wirklich, der es im Glauben ergreift. Darum heißt es weiter: Gott rechnet uns Christi Gehorsam und Gerechtigkeit zu; oder: Allein der Glaube ist das Mittel, diese Gerechtigkeit zu ergreifen. (FC, Epit., III, 4,5; Trigl. 792) Das ist also damit gemeint, wenn es heißt, dass uns der Glaube gerechnet wird zur Gerechtigkeit.

 

    Alles andere wäre eine Entleerung des Evangeliums, das uns FC, Epit., V, 5 so beschrieben wird: Christus hat für alle Sünden gebüßt und bezahlt, hat ohne unser Verdienst erlangt und erworben Vergebung der Sünden, Gerechtigkeit, ewiges Leben (und nichts anderes wird beschrieben mit dem Begriff „objektive Rechtfertigung“). Das Evangelium aber sei eigentlich eine solche Lehre, die da lehrt, was der Mensch glauben soll, der das Gesetz nicht gehalten hat und durch dasselbe verdammt wird, nämlich dass Christus alle Sünden gebüßt und bezahlt und ihm ohne all sein Verdienst erlangt und erworben habe Vergebung der Sünden, Gerechtigkeit, die vor Gott gilt, und das ewige Leben. (FC, Epit., V, 4; Trigl. 800.801) Alle diese Gaben sind also da, Christus hat sie längst auf Golgatha erworben – aber der Glaube muss sie ergreifen, damit der Sünder all das auch tatsächlich hat. Darum heißt es in der Ausführlichen Darlegung, dass Christi (geschehener) Gehorsam dem Glauben zugerechnet wird, bzw. dass der Glaube die ihm in der Verheißung vorgetragenen (also vorhandenen) Güter ergreift. ... dass also die Gerechtigkeit des Glaubens sei Vergebung der Sünden, Versöhnung mit Gott, und dass wir zu Kindern Gottes angenommen werden um des einigen Gehorsams Christi willen, welcher allein durch den Glauben, aus lauter Gnade, allen wahrhaft Gläubigen zur Gerechtigkeit zugerechnet wird, und sie um desselben willen von all ihrer Ungerechtigkeit absolviert werden.... Welche Güter uns in der Verheißung des heiligen Evangeliums durch den Heiligen Geist vorgetragen werden, und ist allein der Glaube das einige Mittel, dadurch wir sie ergreifen, annehmen und uns applizieren und zueignen; welcher ist eine Gabe Gottes, dadurch wir Christus, unsern Erlöser, im Wort des Evangeliums recht erkennen und auch ihn vertrauen, dass wir allein um seines Gehorsams willen, aus Gnaden, Vergebung der Sünden haben, für fromm und gerecht von Gott dem Vater gehalten und ewig selig werden. (FC, SD, III, 4,10; Trigl. 916.918) Im Par. 13 heißt es daher: Der Glaube macht gerecht, weil er das Verdienst Christi ergreift. Die Gerechtigkeit, die zugerechnet wird (und daher ja schon vorhanden ist), ist Christi Gehorsam, Leiden, Sterben, Auferstehung – nicht unser Glaube! (Dies muß unbedingt festgehalten werden. Der Begriff der ‚objektiven Rechtfertigung’ dient gerade auch dazu herauszuheben, dass die Gerechtigkeit, die den Gläubigen zugerechnet wird, eine fremde ist, die außerhalb von uns vorhanden ist, nicht eine durch den Glauben erst bewirkte. Das droht aber bei der Richtung, die P. Jackson propagiert, zumindest verdunkelt zu werden, da er letztlich den Glauben zu bewirkenden Ursache der Gerechtigkeit macht.) In Par. 16 heißt es daher, dass diese Gerechtigkeit uns im Evangelium und den Sakramenten vorgetragen und durch den Glauben zugeeignet wird. Wodurch wir Vergebung der Sünden haben. Solche Gerechtigkeit wird durchs Evangelium und in den Sakramenten von dem Heiligen Geist uns vorgetragen und durch den Glauben appliziert, zugeeignet und angenommen, daher die Gläubigen haben Versöhnung mit Gott, Vergebung der Sünden, Gottes Gnade, die Kindschaft und Erbschaft des ewigen Lebens. (FC, SD, III,16; Trigl. 920) In Par. 30 wird es so dargestellt: Die Gerechtigkeit des Glaubens vor Gott besteht in gnädiger Versöhnung und Vergebung der Sünden, um Christi willen geschehen, im Evangelium verheißen, im Glauben empfangen. Auch hiernach muß diese Gerechtigkeit also schon vorhanden sein, weil Christus sie ja erworben hat, sonst könnte sie nicht im Evangelium verheißen werden. Der Glaube, so wird es dargestellt, verlässt sich auf Christi vollkommenen Gehorsam, der uns zur Gerechtigkeit zugerechnet wird. Also auch verlässt sich der Glaube in der Rechtfertigung vor Gott weder auf die Reue noch auf die Liebe oder andere Tugenden, sondern allein auf Christus und in demselben auf seinen vollkommenen Gehorsam, damit er für uns das Gesetz erfüllt hat, welcher den Gläubigen zur Gerechtigkeit gerechnet wird. (FC, SD, III, 30; Trigl. 924)

 

    Im fünften Artikel der Konkordienformel wird der Inhalt des Evangeliums so beschrieben: Christus hat den Fluch auf sich genommen, hat alle unsere Sünden bezahlt und gebüßt; durch ihn allein kommen wir bei Gott zu Gnaden und erlangen die Vergebung der Sünden durch den Glauben. (Das Evangelium beschreibt also genau das, was Christus uns erworben hat und anbietet – und das nennen wir objektive Rechtfertigung – damit wir es durch den Glauben erlangen; das Evangelium reicht es dar – und der Glaube ergreift und hat es.) s. FC, SD, V, 20; Trigl. 956.958.

 

    Im Blick auf die Gnadenwahl heißt es im elften Artikel im Bezug auf Röm. 8; Eph. 1; Matth. 22: Das ganze menschliche Geschlecht ist erlöst und versöhnt mit Gott durch Christus, der also allen Gerechtigkeit, ewiges Leben verdient hat. (Und genau das ist es ja, was der Begriff ‚objektive Rechtfertigung’ umschreibt, eben das, was Christus für jeden erworben hat, was aber der Einzelne allein durch den Glauben hat. 1. Dass wahrhaftig das menschliche Geschlecht erlöst und mit Gott versöhnt sei durch Christus, der uns mit seinem unschuldigen Gehorsam, Leiden und Sterben Gerechtigkeit, die vor Gott gilt, und das ewige Leben verdient habe. 2. Dass solch Verdienst und Wohltaten Christi durch sein Wort und Sakrament uns sollen vorgetragen, dargereicht und ausgeteilt werden. (FC, SD, XI, 15,16; Trigl. 1068) Und das, was Christus uns erworben hat, was also da ist, dieses Verdienst bieten und Wort und Sakrament an. Persönlich gerecht erklärt (subjektive Rechtfertigung) wird aber nur der, zur Kindschaft Gottes und Erbe angenommen wird nur der, der in wahrer Buße durch rechten Glauben Christus annimmt, Par. 18. Beides gehört unbedingt zusammen: die von Christus erworbenen Heilstatsachen und der rettende Glauben, der sie ergreift. Die Verheißung des Evangeliums ist universal, Luk. 24; Joh. 3;1;6; 1 Joh. 1; Röm. 11 – aber nur der hat sie, der sie in Buße durch den Glauben ergreift. Derhaben, wenn wir unsere ewige Wahl zur Seligkeit nützlich betrachten wollen, müssen wir in allen Wegen steif und fest darüber halten, dass, wie die Predigt der Buße, also auch die Verheißung des Evangeliums universalis sei, das ist, über alle Menschen gehe, Luk. 24. Darum Christus befohlen hat zu predigen in seinem Namen Buße und Vergebung der Sünden unter allen Völkern. Denn Gott hat die Welt geliebet und derselben seinen Sohn gegeben, Joh. 3. Christus hat der Welt Sünde getragen, Joh. 1; sein Fleisch gegeben für der Welt Leben, Joh. 6; sein Blut ist die Versöhnung für der ganzen Welt Sünde, 1 Joh. 2. (FC, SD, XI, 28; Trigl. 1070)

 

 

 

 

 

 

 

 

BLUTZEUGEN DES CHRISTLICHEN GLAUBENS

 

RAIMUNDUS LULLUS

(1236-30.06.1315)

    Raimundus Lullus, geboren 1236 auf Mallorca, führte bis zu seinem 30. Lebensjahr als Seneschall des Königs der Balearen ein weltliches Leben, in dem er nicht einmal eheliche Treue bewahrte. Doch das Bild des Gekreuzigten, das ihm einst zur Nachtzeit beim Abfassen eines Liebesgedichtes vor die Seele trat, ließ ihn nicht los, und alle Zweifel an seiner Würdigkeit durch den Gedanken an Christi Barmherzigkeit niederkämpfend beschloss er, sich dem Dienste Christi zu weihen.

    Das dem HERRN wohlgefälligste Werk schien ihm die Hingabe seines Lebens an die Verkündigung des Evangeliums unter den Ungläubigen, besonders den Sarazenen, zu sein. Als er diesen Gedanken ins Werk zu setzen säumte, feuerte ihn eine am Gedächtnistag des Franz von Assisi gehörte Predigt über die Weltentsagung desselben von neuem dazu an. Er verkaufte seine Güter bis auf das, was zum Lebensunterhalt der Seinen notwendig war, bemühte sich mit eisernem Fleiß um Ausarbeitung einer Kunst, durch die es möglich sei, den Ungläubigen die Glaubenswahrheiten zu beweisen, seiner ars generalis, deren Idee ihm auf einem Berge, auf dem er acht Tage lang in Gebet und Andachtsübungen zugebracht hatte, geworden war. Er lernte auch das Arabische von einem sarazenischen Sklaven, um dadurch wirken zu können, reiste nach Paris und Montpellier, daselbst seine neugefundene Kunst zu lehren, und suchte den Papst und christliche Fürsten zur Errichtung von Anstalten zum Erlernen des Arabischen und Hebräischen zu bestimmen. Jakob, der König der Balearen, ging darauf ein und gründete 1275 ein Franziskanerkloster, in dem jedes Mal 13 Mönche im Arabischen unterwiesen und zum Missionsdienst unter den Sarazenen vorgebildet werden sollten. Raimunds Bemühungen, auch in anderen Ländern ähnliche Anstalten ins Leben zu rufen, weshalb er wiederholt in Rom bei verschiedenen Päpsten anklopfte, wurden erst 1311 mit Erfolg gekrönt, als der Papst auf dem Konzil zu Vienne eine Verordnung zur Stiftung orientalischer Sprachkollegien an den Universitäten Paris, Oxford und Salamanca und in den Städten, wo der päpstliche Hof sich aufhielt, erließ. Inzwischen war Raimundus Lullus selbst zweimal in Afrika gewesen, 1292 in Tunis und 1307 in Bugia, damals auch Sitz eines moslemischen Reiches. Beide Male disputierte er mit moslemischen Gelehrten, um ihnen die Wahrheit des Christentums besonders der Dreieinigkeitslehre, mittels seiner ars generalis zu beweisen, in dem er sich selbst zum Übertritt erbot, falls man ihn von der Wahrheit des Islam überzeuge. Beide Male wurde er nach Misshandlungen und harter Gefangenschaft des Landes verwiesen. Das erste Mal konnte er es nicht unterlassen, heimlich auf dem Schiff, auf dem man ihn fortgeschafft hatte, zurückzukehren, und, im Hafen von Tunis eine Zeitlang sich verborgen haltend, verfasste er sein Tabula generalis ad omnes scientias applicabilis (allgemeine Tafel aller anwendbaren Wissenschaften). Das Schiff, auf dem er von Bugia zurückgebracht wurde, scheiterte in der Nähe von Pisa und nur er selbst wurde mit seinen Gefährten gerettet. In Pisa ehrenvoll aufgenommen, gab er Anregung zur Gründung eines geistlichen Ritterordens zur Bekämpfung der Ungläubigen, mit dem er jedoch beim Papst ebenso wenig durchrang wie bis dahin mit seinen anderen Plänen. Zwischendurch war der unermüdlich tätige Mann in seiner Heimat, dort auf Juden und Sarazenen wirkend, in Zypern und Armenien, die dortigen Kirchen zur Wiedervereinigung mit Rom zu bewegen, in Neapel, um Vorlesungen über sein System zu halten, in Paris, um den Averroes (arabischer, an Aristoteles orientierter, Gelehrter) zu widerlegen, und auf verschiedenen anderen Universitäten. Auch verfasste er eine unglaubliche Zahl von Schriften. Eine derselben, De contemplatione, wollte er erst noch zu Ende bringen. 

    Dann trieb es ihn, 1314, wieder nach Bugia. Zuerst wirkte er im Stillen an den von ihm früher Bekehrten, trat dann aber öffentlich mit der Forderung, sich zu Christus zu bekehren, vor die Menge. Nach grausamen Misshandlungen wurde er auf Befehl des Königs gesteinigt. Nach einigen bleib er tot auf dem Platz, und nur sein Leichnam wurde von Kaufleuten aus Mallorca nach der Heimat geschafft. Nach anderen zogen ihn dieselben noch lebend unter dem Steinhaufen hervor, und er starb auf dem Schiff im Angesicht seines Vaterlandes. Als Tag seines Märtyrertodes gilt der 30.06.1315.

    Raimundus, dieser von verzehrendem Eifer für das Reich Gottes getriebene Herold der Mission, erscheint auch in manchem anderen Betracht als Prophet einer neuen Zeit. Er setzt den Kreuzzügen die Predigt des Evangeliums unter den Ungläubigen als die rechte Eroberung des heiligen Landes entgegen. Er eifert gegen die Überschätzung des Einsiedlerlebens, der Wallfahrten wie aller religiösen Äußerlichkeiten. Höher als die Askese stellt er die tätige Liebe zu Gott und den Brüdern. Den Wallfahrenden sagt er, dass sie überall Christus fänden, wo sie Gelegenheit hätten, christliche Tugenden zu üben. Das Bild des Gekreuzigten findet man mehr im Herzen der Menschen, die in ihrem Lebenswandel ihm nachfolgen, als auf hölzernen Kruzifixen. Von Interesse ist, dass er für den Missionar Kenntnis von Geographie und Ethnographie fordert. Der seiner ars generalis zugrunde liegende Gedanke der Übereinstimmung von Glauben und Wissen hat auch insofern etwas Protestantisches, als er sich gegen die Verdienstlichkeit eines blinden Autoritätsglaubens erklärt. Übrigens hindert ihn alle Überschätzung seiner Methode, das Christentum zu beweisen, nicht an dem Zugeständnis, dass eine absolute Erkenntnis Gottes nicht möglich sei. Nur das behauptet er hinsichtlich der Übereinstimmung von fides und ratio, das etwas Falsches, in dessen Hinsicht die ratio nachzuweisen vermöchte, dass es den Begriffen von der göttlichen Vollkommenheit widerstreite, nicht Gegenstand des Glaubens sein könne, dass andererseits die ratio wegen des in der Leiblichkeit auf Erden ihr anhaftenden Mangels nicht immer wirksam sein könne und daher hier durch den Glauben ersetzt werden müsse, Gedanken, die bekanntlich nachher in Leibniz’ Theodizee wieder anklingen. Außer er Dreieinigkeit, die Raimundus besonders den Moslems gegenüber damit beweist, dass man ohne ihre Annahme zu einer Ewigkeit der Schöpfung oder zu einer Beeinträchtigung der Vollkommenheit Gottes gedrängt würde, weil Gottes Vollkommenheit sonst bis zur Schöpfung wirkungslos bliebe, beschäftigt sein Interesse besonders die Prädestination, wo es ihm aber nicht recht gelingen will, die von ihm behauptete menschliche Freiheit zu retten, da dieselbe bei seiner Lehre mehr nur in der Einbildung des beschränkten Menschen besteht.

(Kirchliches Handlexikon. Begr. von Carl Meusel. Fortgeführt von Ernst Haack und B. Lehmann. Bd. 4. Leipzig 1894. S. 353-354)

 

 

THEOLOGISCHE ANMERKUNEN

 

Matthaeus 18,20 und die Frage, wo Kirche zu finden ist: In Matthäus 18,20 sagt unser Heiland Jesus Christus: Denn wo zwei oder drei versammelt sind in meinem Namen, da bin ich mitten unter ihnen. Was sagt uns dieser Vers darüber, wo Kirche, ekkleesia, zu finden ist? Sagt er uns überhaupt etwas dazu? Es gibt eine Richtung im Luthertum (die Wisconsin-Synode seit dem frühen 20. Jahrhundert und solche, die theologisch mit ihr verwandt sind), die hat diesen Vers sozusagen zu ihrem Kernvers gemacht, wenn es darum geht, wo Kirche Jesu Christi zu finden ist: überall da, wo Christen im Namen Jesu zusammen sind. Das heißt dann in der Konsequenz: jede Theologische Kommission, jede Missions- oder christliche Schulkommission, jede christliche Einrichtung für Öffentlichkeitsarbeit wird als „Kirche“ bezeichnet (obwohl es da inzwischen durchaus auch andere Stimmen gibt, die sagen, das der Jugend- oder Frauenkreis der Gemeinde nicht Kirche sei). Ist das aber aus diesem Vers überhaupt abzuleiten?

    Das, was ein Vers aussagt, lässt sich richtig nur feststellen, wenn man ihn in seinem Zusammenhang liest, damit man weiß, wozu er überhaupt etwas sagt. Der Zusammenhang nun ist Christi Ordnung für den Umgang mit einem Sünder, Verse 15-18, und das gemeinsame Gebet, V. 19. Gerade mit letzterem ist der Vers 20 besonders verbunden, beginnt er doch mit „denn“ und schließt damit direkt an den vorangehenden Satz an, in dem unser Heiland betont, dass da, wo zwei eins werden auf Erden, worum sie bitten wollen, das soll ihnen von seinem Vater im Himmel geschehen – eben weil er ja mitten unter ihnen ist (das ist dann die Weiterführung in V. 20). Hat also Jesus Christus hier eine Definition davon geben wollen, was Kirche ist, wo wir die Kirche finden? Das ist gewiss nicht seine Absicht. Wenn aus diesem Vers die Grundlage genommen wird für die Lehre von der „sichtbaren“ Kirche oder äußeren Versammlung der Christen, so wird dieser Vers einfach überfrachtet.

    Ein Blick in den Kontext erhellt weiter: Nicht jede Zusammenkunft von Christen in Christi Namen ist gemäß der Heiligen Schrift ekkleesia, wie die Bibel sie als äußere Versammlung beschreibt. Denn in Vers 16 lesen wir ja, dass, wenn der erste Versuch, den Sünder zur Sündenerkenntnis zu bringen, durch den einzelnen Bruder gescheitert ist, so soll er noch einen oder zwei hinzunehmen, um dann zusammen mit ihnen den gefallenen Bruder zu ermahnen. Und misslingt das auch, dann soll die Sache, Vers 17, der ekkleesia gesagt werden. Das heißt doch: Christus selbst macht einen Unterschied zwischen der Zusammenkunft er etlichen, die den Bruder ermahnt haben, mit der Versammlung in Vers 17, die ausdrücklich als ekkleesia bezeichnet wird. Das muss also eine bestimmte Versammlung sein. Was das für eine Versammlung ist, darüber gibt uns der Heilige Geist in seinem Wort Auskunft, wenn wir betrachten, wie im Neuen Testament dieser Begriff verwendet wird. Und da finden wir dann, neben der weltlichen Bedeutung, aus der dieses Wort ja genommen ist, als Versammlung des Stadtvolkes (Apg. 19,32), diesen Begriff für die Universalkirche oder die Schar aller, die an Jesus Christus als ihren Heiland glauben, die wir auch als die verborgene Versammlung der Gläubigen bezeichnen, so z.B. Matth. 16,18. Und dann haben wir diesen Begriff ebenso für die Schar der Gläubigen eines bestimmten Ortes, auch mit seinem Einzugsgebiet, und hier zumeist in Verbindung mit der äußeren Versammlung dieser Schar als ecclesia simplex oder dem, was mit einem terminus technicus – ohne damit irgendeine äußere Form oder Struktur festzulegen – als „Ortsgemeinde“ bezeichnet, etwa 1. Kor. 1,2; 2. Kor. 1,1. Der Begriff wird auch für ziemlich gemischte äußere Versammlungen verwendet, etwa Gal. 1,2, oder in den Sendschreiben, z.B. Offenb. 3,14.

    Wo also ist gemäß der Heiligen Schrift die ekkleesia zu finden? Da, wo Menschen sich in Jesu Namen, zu Christus hin, um die von ihm eingesetzten Gnadenmittel, Wort und Sakrament, versammeln, um diese nach innen (Gemeinde) und außen (Evangelisation, Mission) zu verwalten.

    Wie aber kommt es dann, dass diese so ganz anders geartete Definition im Raum der Wisconsin-Synode aufgekommen ist? Meines Erachtens liegt dort eine Vermischung der Kirche als der verborgenen Gemeinschaft des Glaubens und der Kirche als der äußeren Versammlung um Wort und Sakrament dergestalt vor, dass ja ekkleesia, im eigentlichen Sinne, definiert wird als die (verborgene) Versammlung der Gläubigen. Aus dieser Definition hat man dann, und das ist falsch, den Umkehrschluss gemacht, dass jede Versammlung von Gläubigen dementsprechend ecclesia ist, also äußere Versammlung der Christen mit allen Vollmachten der Gnadenmittelverwaltung. Diese Definition blendet aber aus, dass der Glaube ja im Herzen verborgen ist und daher niemand sagen kann, ob diejenigen, die sich da gerade versammeln, wirklich wiedergeboren sind. Daher taugt diese Grundlage für die Definition, wo wir die ekkleesia zu finden haben, nicht. Die ekkleesia im Blick auf die äußere Versammlung ist daher, schriftgemäß definiert durch den doppelten Bezug auf die Gnadenmittel. (Sehr schön hat Luther dies dargelegt in seiner Auslegung zu 1. Mose 28,16 f in Walch 2, Bd. 2, Sp. 429,160: „ … auf dass wir lernen, dass da die Kirche und Gemeinde Gottes sei, wo das Wort gelehrt und gehört wird, es sei gleich mitten in der Türkei oder im Papsttum oder auch in der Hölle. Denn Gottes Wort ist es, das die Kirche macht; das ist der Herr über alle Orte: An welchem Ort nur dasselbe gehört wird, wo die Taufe, das Sakrament des Altars und die Absolution gereicht wird, da sollst du es gewiss dafür halten, schließen und sagen: Hier ist gewisslich Gottes Haus, hier steht der Himmel offen. Wie aber das Wort an keinen Ort gebunden ist, also ist die Kirche auch nicht gebunden an irgendeinen Ort. Man soll nicht sagen: Der Papst ist zu Rom, darum ist daselbst auch die Kirche; sondern wo Gott redet, wo die Leiter Jakobs ist, wo die Engel auf- und niedersteigen, da ist die Kirche, da wird das Himmelreich aufgetan.“)

    Alle weiteren Versammlungen, wie etwa eine Missionskommission, sind dann nicht „ekkleesia“ wie die ecclesia simplex, sondern sie eine Repräsentativversammlung dieser ecclesia (oder einer ecclesia composita) mit einer ganz bestimmten Aufgabe. Wenn also die Missionskommission etwas beschließt, beruft, ausführt, dann ist es tatsächlich die ekkleesia, die da handelt, beschließt, beruft, ausführt, nämlich durch die dazu Beauftragten. Es widerspricht auch dem Leibbegriff der Bibel, wenn der ekkleesia-Begriff, wie wir ihn in der Schrift finden, weiter aufgelöst wird in nebeneinander stehende ecclesien, wie Ortsgemeinde, Missionskommission, Theologische Kommission, Jugendkreis usw., die dann etwa jeweils auch definiert werden von ihren Mitgliedern her, die doch die volle Kirchengewalt hätten – und sie deshalb „ekkleesia“ wären. Das ist ein der Bibel völlig fremdes individualistisches Denken, das da hineinfließt.

    Die wisconsinische Theorie erscheint zwar in sich logisch, hat aber wichtige Zwischenschritte bei der Definition von ecclesia (als sichtbarer Versammlung) ausgelassen und dann unzulässigerweise Bibelstellen für ihre Theorie herangezogen, in die tatsächlich mehr hineingelegt wird, als sie in Wirklichkeit aussagen.

 

Dominionismus: Was meint dieses, aus dem Amerikanischen „dominionism“ übernommene Wort? In diesem Wort steckt der lateinische Begriff dominium darinnen, der so viel wie „Herrschaft“ bedeutet. Der Begriff „Dominionismus“ beschreibt also eine Lehre, nach der die Kirche oder die Christen berufen seien, die Herrschaft in der Welt auszuüben bzw. in der Welt ein Königreich Christi zu errichten oder das Reich Gottes auf Erden zu verwirklichen, indem sie Einfluss auf Kultur, Wissenschaft, Politik, Wirtschaft gewinnen. (nach: Rudolf Ebertshäuser: Aufbruch in ein neues Christsein? Steffisburg, Meinzerhagen 2008, S. 247).

    Diese Irrlehre kam erstmals sehr deutlich durch Augustinus auf und bestimmt seit dieser Zeit vor allem die Auffassung der römisch-katholischen Kirche mitsamt ihrem Papsttum. Bis heute beansprucht Rom ja gemäß dem Cirpus iuris canonicum die Vorherrschaft über alle Regierungen auf Erden und meint ja, das Reich Gottes auf Erden darzustellen. Immer wieder sind im Laufe der Kirchengeschichte ähnlich geartete Bewegungen aufgetreten, die, zum Teil mit Gewalt, solch ein Reich Gottes auf Erden herstellen wollten, denken wir nur an die Wiedertäuferkreise der Reformationszeit (z.B. mit den Schleitheimer Artikeln, den Bauernkriegern um Thomas Münzer, den Rotten in Münster). Aber auch in der reformierten Lehre ist genau dieser Ansatz vorhanden, und zwar sowohl bei Jean Calvin als auch bei Karl Barth und dessem Konzept von „Christengemeinde“ und „Bürgergemeinde“. Der Staat soll der Kirche dienstbar sein. Das Ergebnis? Ein totalitäres System, wie das Genf Calvins.

    Die Bibel kennt ein innerweltliches Reich Gottes nicht. Unser Heiland und HERR Jesus Christus sagt in Joh. 18,36 eindeutig: „Mein Reich ist nicht von dieser Welt.“ und macht damit deutlich, dass das Reich Gottes keine politische oder gesellschaftliche Institution ist, sondern eine geistliche Größe, die daher auch nicht mit äußeren, politischen, wirtschaftlichen, kulturellen Mitteln zu errichten ist, sondern allein geistlich, eben durch Wort und Sakrament. Dieses Reich ist zwar in dieser Welt, teilweise, weil die Christen, soweit sie noch leben, in dieser Welt leben, aber es ist nicht von dieser Welt, nicht nach dem Geist dieser Welt gestaltet, sondern allein nach Gottes Wort.

    Luther hat dem Dominionismus seine Zwei-Reiche-Lehre entgegen gesetzt, die klar aufzeigt, dass Gott der HERR zwei unterschiedliche Herrschaftsweisen hat: über sein geistliches Reich diejenige mit Wort und Sakrament, über seine Schöpfung diejenige mit Gewissen und Vernunft, gebunden an die natürliche Ordnung. Gott ist der HERR in beiden – aber er wirkt unterschiedlich in beiden Sphären, und sie haben beide auch völlig unterschiedliche Aufgaben, die nicht vermengt werden dürfen. Gemäß Matth. 22,21 sind Staat und Kirche, Weltreich und Gottesreich streng zu trennen.

    Der Dominionismus hat aber in den letzten Jahrzehnten wieder einen verstärkten Einfluss gewonnen, und zwar gerade im evangelikalen Bereich. Das ist an sich nicht verwunderlich, da die Evangelikalen ja zumeist aus mehr oder weniger stark reformiert geprägtem Hintergrund kommen. Schon der Methodismus, der auch für den evangelikalen Bereich mitprägend ist, ist sehr stark auf innerweltliches Mitwirken, soziales Engagement, ausgerichtet. Immer wieder hat es von diesem Hintergrund ja Richtungen gegeben, die die Kirche faktisch in der Welt aufgehen lassen wollten, sie politisierten, seien es nun die religiösen Sozialisten, Social Gospel oder die vom Marxismus beeinflusste Theologie der Befreiung. Aber auch die Evangelikalen sind schon längere Zeit davon sehr stark beeinflusst. In den USA ist dies ja einer der Gründe für die Trennung von Fundamentalisten und Evangelikalen in den 1940er Jahren gewesen: Die Evangelikalen, die dann die National Association of Evangelicals gründeten, wollten mit den liberalen Großkirchen einen Kompromiss finden, sie wollten mit der bibelkritischen „Wissenschaft“ in einen „Dialog“ kommen, sie wollten keine Absonderung mehr von der Welt, sondern in die Welt hinein wirken. Dies hat auch zu entsprechenden Deklarationen im Zusammenhang mit der Lausanner Konferenz für Evangelisation geführt, in der neben der Mission auch die Sozialarbeit sehr stark als von Christus der Gemeinde gegebene Aufgabe behauptet wurde, was zu eindeutiger Kritik von Seiten etwa von Drs. Hans Lutz Poetsch von lutherischer Seite führte, wie auch durch die nichtregistrierten Evangeliumschristen-Baptisten in Russland. Mit der Manila-Erklärung der Weltweiten Evangelischen Allianz (WEA) hat sich das noch verstärkt: Sozialarbeit ist auf eine Ebene mit der Mission gestellt worden, obwohl der Missions- oder Reichsbefehl Christi Matth. 28,18-20 ausdrücklich nur die Mission als Aufgabe der Kirche nennt. Die Diakonie oder das Wirken aus der Nächstenliebe ist eine Frucht des Glaubens, unbedingt, und hat seine Berechtigung. Aber sie gehören nicht zu den Aufgaben der Kirche, die ihr vom HERRN aufgegeben sind. Vor allem geht es nicht darum, in dieser Welt Einfluss zu gewinnen, diese Welt zu gestalten. Das mögen Christen tun, die in entsprechenden Positionen entsprechende Aufgaben haben, dagegen ist nichts zu sagen. Das Christentum hat die Welt ganz entscheidend verändert und geprägt. Aber es ist nicht die Aufgabe der Christen, diese Welt umzugestalten, ein innerweltliches Gottesreich zu errichten. Es geht auch nicht um eine „Verbesserung der Welt“ als eine christliche Aufgabe. Sie ist eine politische und soziale Aufgabe, an der Christen aus ihrer Verantwortung für den Nächsten sich beteiligen können und sollen. Aber sie ist keine Aufgabe, die uns als Christen besonders aufgegeben wurde.

    Aber genau in diese Richtung geht ein Großteil der evangelikalen Bewegung mehr und mehr. Besonders die WEA schreitet darin vorwärts und arbeitet ja inzwischen an völlig weltlichen Programmen der UNO im Sozialbereich mit. Verstärkt werden diese Tendenzen noch durch das Wirken von Rick Warren, der eindeutig ein innerweltliches Reich Gottes oder eine Verbesserung der Welt anstrebt (P.E.A.C.E.-Plan), sowie die Emerging Church, die ganz eindeutig darauf abzielt, in dieser Welt Einfluss zu gewinnen, sie zu prägen – aber nicht zu evangelisieren. Es geht hier eindeutig um ein innerweltliches Gottesreich. Gleichzeitig wird die Gemeinde Jesu Christi in diesen Kreisen immer mehr ökonomischen, kapitalistischen Gesichtspunkten unterworfen, soll managementmäßig geführt werden.  

    Auch in der Bundesrepublik Deutschland sind diese Tendenzen durchaus vorhanden: Zum einen durch den Einfluss, den diese US-amerikanischen Bewegungen an sich schon haben, zum anderen durch die Haltung, etwa bei den Kreisen um „idea“, sich besonders an die „Großen“ in der Gesellschaft anzulehnen, „Stars“ aus allen möglichen Bereichen herauszuheben, soweit sich nur irgendetwas „Christliches“ bei ihnen finden lässt. All diesen Kreisen ist dabei eines gemeinsam: Sie wollen keinen konsequent bibel- und bekenntnistreuen, fundamentalistischen biblischen Glauben. (siehe dazu auch: Topic 1/2012, S. 1-2; Martin Erdmann: Der Griff zur Macht – Dominionismus – Der evangelikale Weg zum globalen Einfluss. Oerlinghausen 2011.)

 

 

ZEICHEN DER ZEIT

 

 

Aktuelles: Was ist eigentlich die Moslembruderschaft?

    Nachdem bei den Wahlen in Tunesien und Ägypten die Islamisten als die stärksten politischen Kräfte auftreten, werden die Muslimbruderschaft (MB) und mit ihr verwandte Kreise plötzlich in den westlichen Medien als „gemäßigt“ dargestellt (bis dahin, dass die Enahhdi-Partei in Tunesien sich mit den Christdemokraten in Europa verglich), besonders im Unterschied zu den Salafisten. Daher ist es umso wichtiger zu wissen, was die Muslimbruderschaft wirklich will und was „politischer Islam“ ist, nicht zuletzt auch deshalb, weil die Muslimbruderschaft in 70 Ländern aktiv ist, was ihren weltweiten Herrschaftsanspruch unterstreicht.1

 

    Die Bewegung wurde in 1928 durch Hassan al-Banna in Ägypten gegründet, zunächst mit zwei Zielen: Kampf gegen die britische Hegemonie und Reislamisierung der Gesellschaft. Letzteres sollte zunächst geschehen durch religiöse Unterweisung und soziales Engagement, was zur Gründung eigener Schulen, Unternehmen, Krankenhäuser, Sportvereine, Berufsverbände führte und dazu, dass sie Führungspositionen in Armee und Gewerkschaften eroberten.2  Schon 1950 war die MB eine Massenbewegung in Ägypten mit etwa 500.000 Anhängern.

    Die MB ist dabei nicht die erste Bewegung in der islamischen Geschichte, die, wenn es sein muss mit Gewalt, eine „Reislamisierung“ herbeiführen will. Die Karijiten im 7. Jahrhundert erklärten, dass alle Regierungen und Herrscher, die nicht in Übereinstimmung mit dem Koran und Mohammed stehen, zu beseitigen seien. Eine Reihe von Morden war die Folge. Seit 1080, also noch vor den Kreuzzügen, breitete sich die Bewegung der Assassinen aus, vor allem im Iran und Irak, die für eine Unzahl von Selbstmordattentaten verantwortlich war.3

    Das Selbstverständnis der MB und wie sie, vom Koran aus durchaus korrekt, den Islam verstehen, zeigt ihr Motto: „Allah ist unser Ziel. Der Prophet ist unser Führer. Der Koran ist unsere Verfassung. Der Jihab ist unser Weg. Der Tod für Allah ist unser nobelster Wunsch.“ oder, kurzgefasst, ein anderer Slogan der MB: „Der Islam ist die Lösung.“4

    Der Islam wird also als die Lösung aller Probleme angesehen (darin stimmt die MB übrigens mit den Salafisten vollständig überein). Die Einführung der Scharia ist eine der Grundforderungen der Muslimbruderschaft, zur Kontrolle aller Angelegenheiten in Staat und Gesellschaft, es sei nun die Politik, Ökonomie, Wissenschaft, Kultur, Soziales, es sei im persönlichen oder gesellschaftlichen Leben. Angestrebt wird, nach einem Idealbild des frühen Islam des 7. Jahrhunderts, das man sich gezimmert hat, eine monolitische, monokulturelle islamischer Gesellschaft und ein ebensolcher Staat.5 Es ist nur verständlich, dass die MB dadurch immer politischer werden musste. Hassan al-Banna führte einen Treueid ein auf ihn als den Führer, der zu bedingungslosem Gehorsam verpflichtete. Mehr und mehr wurde die MB zu einem Staat im State; al-Banna predigte den Jihad und 1948 wurde der ägyptische Ministerpräsident al-Naqraschi durch Anhänger der MB ermordet. Im darauffolgenden Jahr wurde daraufhin Hassan al-Banna, wahrscheinlich durch Männer des ägyptischen Geheimdienstes, ermordet. Nasser hat dann nach dem Umsturz in Ägypten die MB verboten.

 

    In den 1950er Jahren wurde im Gefängnis Sayyid Qutb zum ideologischen Vordenker der MB. Viele seiner Vorstellungen hat er von dem Pakistani al-Maududi übernommen. Für ihn waren die islamischen Staaten, da sie nicht von der Scharia und dem Koran allein regiert wurden, heidnisch. Daher rief er auch zur Gewalt gegen die bestehenden Regierungen auf. 1966 wurde Qutb hingerichtet. Viele militante Abspaltungen der MB, die ein gewalttätiges Vorgehen befürworten, berufen sich auf ihn (so etwa auch der Anführer der Attentäter auf Anwar el-Sadat).6 So ist die MB tatsächlich auch zur ideologischen Brutstätte fast aller islamischen Terrororganisationen geworden.7

 

    Schon al-Banna war radikal antiwestlich eingestellt. Das hing einerseits zusammen mit dem Erscheinungsbild der britischen Kolonialmacht, der er zu Recht halbnackte Frauen, Branntwein, Tanzclubs, Amusierbetriebe, Theater vorwarf, aber natürlich auch, weil sie (nominell) Christen waren. Letztlich ging es ihm – und geht es der MB bis heute – um den Herrschaftsanspruch, in den islamischen Ländern und weltweit: „Es liegt in der Natur des Islam, zu herrschen und nicht beherrscht zu werden, seine Gesetze allen Nationen aufzuzwingen und seine Macht über den gesamten Planeten auszuweiten.“8 Die Muslimbruderschaft, das ist ganz wichtig, erstrebt also die weltweite Herrschaft des Islam an, ein weltweites Kalifat.

    Darum werden von Menschen gemachte Gesetze als gegen Scharia und Koran gerichtet verworfen. Frieden kann es nach islamischer Auffassung nur unter der Scharia geben. Qutb formulierte es dann so, dass der, der sich dem „Fortschritt des Islam“ entgegen stelle ein „Feind der Menschheit“ sei – und folgerichtig umgebracht werden dürfe, ja, müsse. Spätere MB-Führer haben sich von den militanten Äußerungen von Qutb distanziert, aber ihr Ziel bleibt weiter die ideologische Transformation der Gesellschaft, die politische Herrschaft des Islam, und zwar weltweit.9

 

    Die MB ist auch seit frühester Zeit antisemitisch. Schon in den späten 1930er Jahren rief sie zum Boykott jüdischer Geschäfte in Ägypten auf und verlangte, die Juden aus Ägypten zu vertreiben. Die Hamas, eine extremistische, terroristische Vereinigung, die das existenzrecht Israels ablehnt, ist aus der MB entstanden. Der jetzige ideologische Kopf der MB, Yusuf al-Qaradawi, ein islamischer Hassprediger, hat sich auf seiner ersten Rede nach dem Umsturz in Ägypten deutlich gegen Friedensverhandlungen mit Israel ausgesprochen und bejaht palästinensische Selbstmordattentate gegen Israelis und will auch selbst Juden umbringen. Es verwundert daher nicht, dass Hitler und sein Buch „Mein Kampf“, wie auch die hetzerische Lügenschrift der Ochrana (zaristischer Geheimdienst) „Protokolle der Weisen von Zion“ bei der MB und überhaupt in den islamischen Ländern hoch im Kurs stehen und die Schriften frei erhältlich sind.10

 

    Die Ziele der MB haben sich also keineswegs geändert. Das Ziel bleibt auch weiter der von der Scharia und dem Koran bestimmte islamische Staat – und zwar weltweit. Menschenrechte sind für den (politischen) Islam nur gültig im Rahmen der Scharia. Abfall vom Islam ist auch für die MB ein Staatsverrat, dem mit dem Tod bestraft werden muss. In solch einem islamischen Staat haben religiös Andersgläubige bestenfalls noch die Stellung von Dhimmis, also Bürger mit minderen Rechten. Es gibt da vor allem keine volle Religionsfreiheit, keine Möglichkeit, neue Kirchen und Synagogen zu bauen, keine Freiheit für die Mission.11 Nur die Strategie zur Erreichung dieser Ziele ändert sich von Zeit zu Zeit. Heute propagiert die MB eine schrittweise, friedliche Durchdringung der Gesellschaft, in den islamischen Staaten wie in der westlichen Welt, wo sie die demokratischen Freiheiten nutzen will, um die Themen in den Medien islamisch zu besetzen. Nach den Aussagen Qaradawis bleibt das Ziel die „Eroberung Europas und Amerikas“, soweit möglich durch Propaganda. So werden militante Aktionen zwar einerseits verurteilt (etwa auch der 11. September), aber andererseits werden sie sehr wohl wieder bejaht als „Konsequenz aus einem islamfeindlichen Umfeld“. Der politische Herrschaftsanspruch des Islam, und zwar weltweit, bleibt also bestehen und damit auch die Gefahr die die MB und ihr verwandte Gruppen für den freiheitlich-demokratischen Rechtsstaat darstellen. Wenn von „islamischer Demokratie“ die Rede ist, so darf das nicht mit westlicher Demokratieauffassung verwechselt werden. „Demokratie“ nach diesem islamischen Verständnis ist nur im Rahmen der Scharia möglich, das heißt, die Scharia gibt alles vor, und nur etliche praktische Fragen dabei können Thema „demokratischer“ Diskussion sein.12

    Der Einfluss der Moslembruderschaft ist keineswegs auf Ägypten beschränkt. Vielmehr ist die MB heute eine weltweit verzweigte internationale Verbindung, auch wenn dies äußerlich, organisatorisch nicht sogleich ins Gewicht fällt. Der jordanische Zweig ist sehr stark und einflussreich und stellt die stärkte Fraktion im Parlament; nur durch Tricks ist es bisher der Führung des Landes gelungen, zu erreichen, dass sie nicht überhaupt die absolute Mehrheit hat. Der syrische Zweig ist zwar seit 1982 im Untergrund gewesen, aber im Zusammenhang mit den 2011 ausgebrochenen Unruhen haben die USA und die Türkei die Oppositionsgruppen anerkannt, die faktisch unter der Leitung der MB stehen. Die Hamas ist der palästinensische Zweig und beherrscht den Gaza-Streifen. In Tunesien stellt sie mit der Enahhdi-Partei die stärkte Fraktion, in Libyen hat sie faktisch jetzt die Macht. In vielen anderen arabischen Staaten bestehen ebenfalls Zweige der MB.13

 

    Da Europa und Nordamerika auch „Eroberungsziele“ der MB sind, hat sie auch dort Organisationen gegründet, die in Europa etwa in der „Föderation islamischer Verbände“ mit Sitz in Leicester zusammengefasst sind. Auch der „Europäische Fatwa-Rat“ ist eine Gründung der MB. Ihr Haupt ist der schon erwähnte Hassprediger Qaradawi, der in seiner Auffassung fixiert ist auf seine Vorstellung des Frühislam im 7. Jahrhundert, die er wieder hergestellt haben will.14

    In der Bundesrepublik Deutschland sind die „Islamische Gemeinschaft Deutschland“ (IGD) und die Bilal-Moschee in Aachen Einrichtungen der vom Verfassungsschutz beobachteten MB. In einer Erklärung vom Januar 2011 hat die MB unter anderem ihre Forderungen veröffentlicht: Gleichstellung des Islam mit den christlichen und jüdischen Religionsgemeinschaften, Kriminalisierung der Islamfeindlichkeit ähnlich wie beim Antisemitismus, gleichberechtigter Einfluss in Schulen (Religionsunterricht), Medien, Scharia-Gerichte für Zivil- und Familienangelegenheiten. So soll der freiheitlich-demokratische Rechtsstaat mittelfristig ausgehebelt werden.15 Es ist von daher völlig absurd, dass die Mitglieder der Moslembruderschaft als „moderate Islamisten“ bezeichnet werden, wie das jetzt, etwa im Zusammenhang mit den Wahlen in Ägypten, immer wieder geschieht.

 

    Sind nun aber die Muslimbruderschaft und der Salafismus, der eins zu eins den frühzeitlichen Islam wieder einführen will, Sondererscheinungen des Islam? Nein! Der Integralismus oder die Einheit von Staat und Religion sind von Anfang an, seit der medinischen Zeit Mohammeds, Ausdrucksform des Islam. Schon Mohammed war religiöser und politischer Führer und zugleich Feldherr. Die Umma, die staatlich-religiöse Gemeinschaft, ist also islamische Grundordnung. Und jeder Moslem, der seinen Islam ernst nimmt, wird daher einen islamischen Staat haben wollen; ein anderer ist für ihn gar nicht vorstellbar. Die Schlussfolgerung daraus ist dann nicht weit: Wer als ein Feind gilt, ist nicht nur ein Feind der Umma, sondern ein Feind Allahs. So wird der Islam da, wo er authentisch auftritt, immer auf massive Konfrontation aus sein, nämlich die Unterwerfung fordern. Und wer sich nicht unterwirft, wird entweder ermordet oder Bürger minderen Rechts.16

 

Aus dem übrigen Protestantismus:

Pfarrer kritisiert Zusammensetzung der Bischofswahlkommission: Der Vorsitzende der „Evangelischen Vereinigung für Bibel und Bekenntnis“ in Baden, Pfarrer Hermann Traub, hat, zu Recht, kritisiert, dass die Sprecherin des lesbisch-schwulen Konvents kirchlicher Mitarbeiter (so etwas gibt es also in einer sich christlich, evangelisch nennenden Kirche! Schon das eine grauenvolle Verirrung, wenn man nur an Römer 1,18 ff. denkt) durch die Landessynode zum Mitglied der Bischofswahlkommission gewählt wurde. Pfarrer Traub wies in seiner Kritik darauf hin, dass diese Lebensweise dem Wort Gottes und den Bekenntnissen der Kirche widerspricht. In ihrer Antwort darauf in idea behauptet diese Pfarrerin (!) Claudia Baumann, dass Pfr. Traub die Bibel anders auslege, im Unterschied zu den Ordnungen der Kirche, der Synode und der Kirchenleitung und nennt seine Ausführungen „Diffamierungen“ und unterstellt ihm einen „totalitären Wahrheitsanspruch“. (nach: Aufblick und Ausblick, 1/2012, S. 14 f.) Es ist ja an sich schon so eine „Bischofswahlkommission“ ein Monstrum, das zeigt, wie wenig das Priestertum aller Gläubigen in den Landeskirchen geachtet wird. Warum keine Direktwahl oder zumindest Wahl durch die Landessynode? Noch schlimmer aber, dass es in einer Kirche Verbände von Homosexuellen geben kann, also solche, die bewusst und willentlich gegen Gott und sein Wort rebellieren und in erklärter Greuelsünde leben. Eine Kirche, die solches duldet, hat sich ganz offenbar von Schrift und Bekenntnis getrennt, und da ist es nach Röm. 16,17.18 und 2. Kor. 6,14-18 Pflicht eines jeden bibeltreuen Christen, sich von einer solchen falschen Kirche zu trennen. Wie weit diese „Landeskirche“ bereits abgeirrt ist, unterstreicht die Antwort von Frau Baumann, die unterstreicht, dass diese Kirche Gottes Wort und Gottes Ordnungen ganz offiziell umgestoßen hat. Wenn sie solchen, die Gottes Ordnungen wieder zum Maßstab erheben wollen, „totalitären Wahrheitsanspruch“ unterstellt, dann hat sie anscheinend noch nie sich über Gottes Wahrheit und Wahrheitsanspruch Gedanken gemacht. Gott kann gar nicht anders als unbedingten Gehorsam gegenüber seinem Wort zu fordern. Das mag für solche, die in Rebellion gegen Gott leben, „totalitär“ sein, aber er ist Gott; und was Pfr. Traub bezeugt hat, war nur den Anspruch der Ordnung Gottes.

EKD-Ratsvorsitzender ermutigt, an Trierer „Rockwallfahrt“ teilzunehmen: Der rheinische Präses und EKD-Ratsvorsitzende Nikolaus Schneider hat Anfang Januar 2012 Protestanten ermutigt, an der „Heilig-Rock-Wallfahrt“ ab Mitte April 2012 in Trier teilzunehmen. Bei diesem „Rock“ handelt es sich um eine Tunika, die in Trier aufbewahrt wird und von der die römisch-katholische Kirche behauptet, sie sei der nahtlos gewebte Rock, den Christus bei der Kreuzigung getragen habe. Rom hat, wie üblich, daraus eine Reliquie gemacht. Der Reliquienkult ist auch eine Sache, die aus dem Heidentum (Mysterienkulte) in die (römische) Kirche eingedrungen ist und auf dem Trienter Konzil geradezu verordnet wurde, heißt es dort doch, dass alle die verdammt werden, die den Reliquien der Heiligen keine Hochachtung und Ehre entgegen bringen. Rom hat dieser „Wallfahrt“ einen eindeutig ökumenischen Charakter verliehen, wie schon 1996. Auch aus dem sogenannten „evangelikalen“ Bereich nehmen Personen teil, so die Bischöfin (!) der Methodistenkirche und die Generalsekretärin des Bundes Evangelisch-Freikirchlicher Gemeinden (nach Topic, 2/2012, S. 3), auch der SELK-Bischof will daran teilnehmen.

Luther, zu dessen Lebzeiten das Unwesen mit dem Trierer Rock anfing, sagte u.a. dazu, dass Christus nicht dadurch geehrt wird, wenn man seinen Rock, Nägel, Dornenkrone zu einem Heiligtum erklärt, sondern dadurch, dass man auf sein Wort achtet und hört (Walch Bd 7, Sp. 1225). An anderer Stelle spricht er von Narrenwerk (13,2725) und Betrug (16,1661). Es ist ein Greuel der Verwüstung, wenn nun solche, die sich evangelisch nennen, an diesem Götzendienst Roms teilnehmen und sich dazu noch zu ökumenischen Zwecken missbrauchen lassen. Wer wahrhaft unserem Heiland und HERRN Jesus Christus treu nachfolgen will, der halte sich fern von diesem schrift- und bekenntniswidrigen Treiben.

Wohin driftet der Gnadauer Gemeinschaftsverband? Diese Frage muss man sich sehr ernsthaft stellen, wenn man das Interview liest, das der Vorsitzende dieses Verbandes, der landeskirchliche Pfarrer Michael Diener, in der Zeitschrift „Eins“ gegeben hat. Da betont er, dass es man seinen eigenen Standpunkt nicht absolut setzen sollte, dass man ihn beiseite setzen sollte, damit so „Einheit“ gelingen könne. (nach: proKompakt, 09/2012, S. 12) Das heißt doch aber nichts anderes, als dass damit die biblische Wahrheit abseits gesetzt werden soll – oder Herr Diener meint vielleicht, dass es gar keine absolute, biblische Wahrheit gibt? Er markiert hier eine Tendenz, wie sie sich ja seit längerem in großen Teilen der evangelikalen Bewegung breit macht, eine Gleichgültigkeit gegenüber der biblischen Wahrheit, ein Hang zur Ökumene, zur Anerkennung durch die Großkirchen und die gesellschaftlich relevanten Kräfte. Ziel ist dann weniger biblische Mission als eine „Christianisierung der Gesellschaft“.

EKD hat sich völlig von biblischem Ehebegriff verabschiedet: Verschiedene Stellungnahmen und Handlungsweisen landeskirchlicher Pastoren machen deutlich, wie weit die Evangelische Kirche in Deutschland (EKD) sich von der Heiligen Schrift entfernt hat, wie sehr sie bereits zu einer die Sünde verherrlichenden Sekte geworden ist. So wurde einem Christen, der in Norden aus der Landeskirche wegen deren Akzeptanz der Homosexualität mitgeteilt, die Stellung der Kirche zu diesem Thema entspreche „ihrer gegenwärtigen Einsicht in Gottes Wort und Willen“; es wird dabei vehement bestritten, dass Homosexualität Sünde ist. Die Kirche sei eine „Kirche der Freiheit“ – anscheinend der Freiheit, gegen Gott und sein Wort sich zu stellen. (nach: BWL – Regionale Informationen Nr. 158, März-April 2012, S. 38; siehe auch Topic 03/2012, S. 1 f) Das macht nur umso deutlicher, dass jeder, der mit Ernst gemäß der Bibel Christ sein will, aus den Landeskirchen austreten muss, da sie zu einem Hort des Widergöttlichen geworden sind und Irrlehre und Sünde verteidigen.

 

Lebensrecht:

Hirntote Frau bringt Kind zur Welt: Ärzte in Saudi-Arabien haben das Baby einer Mutter zur Welt gebracht, die seit mehr als vier Monaten hirntot ist. Das Kind ist nach Angaben des Direktors der Saad-Privatklinik in Al-Chobar nach der 28. Schwangerschaftswoche gesund geboren worden. Die 38-jährige Komapatientin wurde bereits seit der elften Schwangerschaftswoche künstlich ernährt. (nach: Aufblick und Ausblick 1/2012, S. 13) Dies macht deutlich, wie fragwürdig die sogenannte „Hirntod“-Definition ist, die ja erst aufkam, als man mit Organtransplantationen im größeren Stil anfing. Als Christen müssen wir ein klares Nein sagen zu diesem menschenverachtenden Umgang, in dem Menschen sich anmaßen, einen Menschen für tot zu erklären, der keineswegs wirklich tot ist.

DEA-Chef akzeptiert Tötungslizenzen: Der neue Vorsitzende der Deutschen Evangelischen Allianz (DEA), der landeskirchliche Pfarrer und Vorsitzende des Gnadauer Gemeinschaftsverbandes, Michael Diener, hat, im Gegensatz zur bisherigen Linie der Allianz, vor allem ihres Generalsekretärs Hartmut Steeb, es für gut befunden, dass die EKD nicht nur Schwangerenkonfliktberatung anbietet, sondern auch die Beratungsscheine ausstellt, die faktisch einen Freibrief zum Mord am Kind im Mutterleib darstellen. (nach: Topic 2/2012, S. 4)

Mord an Babys legalisieren? Zwei „Wissenschaftler“ haben im „Journal of Medical Ethics“ argumentiert, dass die Ermordung von Babys nichts anderes sei als Abtreibung und deshalb zugelassen werden sollte, aus ähnlichen Gründen wie eine Abtreibung. Die beiden Forscher behaupteten, dass ein Baby noch keine moralische Rechtsperson sei und daher auch nicht als solche zu schützen. (nach: proKompakt, 10/2012, S. 14) Hier wird deutlich, wie tief die westliche Gesellschaft gesunken ist, wie sehr sie durch den Abfall von Jesus Christus wieder in das mörderische Heidentum zurückgefallen ist und nicht anders handelt als die Heiden einst in der Zeit vor der Missionierung.

Abtreibungen 2011: Gemäß dem Statistischen Bundesamt wurden 2011 108.900 Kinder im Mutterleib ermordet. Wie das Familienministerium mitteilte, sei damit die Zahl der Abtreibungen um 1,4 % zurück gegangen. Sie werden aber nicht in Relation gesetzt zum Rückgang der Anzahl gebärfähiger Frauen. Es ist und bleibt aber ein Skandal, dass überhaupt Kinder im Mutterleib umgebracht werden und dies strafrechtlich nicht als Mord geahndet wird. Tatsächlich ist Abtreibung die weltweit häufigste Todesursache! (nach: ALfA-Newsletter 10/2012 vom 10.03.2012) Das zeigt, wie innerhalb der letzten 100 Jahre die Menschheit ethisch einen entsetzlich tiefen Fall gemacht hat und immer noch tiefer fällt. Das ist vor allem darauf zurückzuführen, dass seit der Aufklärung, und vor allem seit dem ersten Weltkrieg, die antichristlichen Kräfte in den sogenannten „abendländischen“ Ländern aber auch weltweit immer mehr die Oberhand gewonnen haben und so eine von christlicher Grundhaltung geprägte Kultur mehr und mehr zerstört wurde – und zwar weltweit. Dies sind eindeutig endzeitliche Entwicklungen!

 

Religionsfreiheit, politisch-ideologische Tendenzen, Schulen:

Einführungsunterricht in Moschee: Der Einführungs„gottesdienst“ für die Gemeinschaftsgrundschule Martinsschule in Gelsenkirchen fand – und zwar auch für die christlichen Kinder – in einer Moschee statt! Für die durchaus vorhandenen christlichen Kinder wurde entgegen § 26 des nordrhein-westfälischen Schulgesetzes kein christlicher Gottesdienst angeboten. Auf Anfrage des SPD-Stadtverordneten Albert Ude, warum so gehandelt wurde, gab die Stadtverwaltung als Begründung an, dass für einen christlichen Gottesdienst nicht genügend Kinder zusammengekommen wären. (Wo ist in der Bibel eine über zwei hinausgehende Mindestzahl für einen Gottesdienst angegeben?) Was die Angelegenheit weiter verschärft ist der Umstand, dass diese Moschee-Veranstaltung in Arabisch ablief, die Ansprache selbst auf Türkisch, die nur in Bruchstücken ins Deutsche übersetzt wurde. Die Fraktion von Pro NRW in der Gelsenkirchener Stadtverordnetenversammlung erwägt, gegen diesen Vorfall rechtliche Schritte einzuleiten. (nach: http://www.pro-nrw.net/?p=7375)

Dieser Vorgang zeigt, wie tief die Bundesrepublik Deutschland bereits gesunken ist, wie gerade die herrschenden Parteien von einer antichristlichen und antideutschen Grundlinie bestimmt sind. Es sollte jedem Christen klar sein, nicht erst aufgrund dieser Ereignisse, sondern schon von der Bibel her, dass eine Erneuerung des Landes nicht von der Politik, nicht von Parteien und deren Funktionären, sondern allein durch Jesus Christus, durch eine tiefgreifende Erweckung mit klarer Buße und Bekehrung möglich ist. Ob sie aber noch einmal geschenkt wird oder hier schon erste Zeichen des Gerichtes Gottes zu sehen sind, das weiß noch niemand.

SPD strebt volle Öffnung der Ehe für Homosexuelle an: Die SPD-Fraktion hat an die Bundesregierung einen Antrag gestellt, einen Gesetzentwurf vorzulegen, der die „Ehe auch für gleichgeschlechtliche Paare öffnet“, was unter anderem auch die Adoption fremder Kinder einschließen würde. Die derzeitige Regierung wird solch einen Entwurf nicht vorlegen. SPD und Grüne hoffen, nach der Bundestagswahl 2013 eine regierungsfähige Mehrheit zu erreichen und werden dann genau das durchsetzen. (nach: Topic, 1/2012, S. 8) Der Greuel der Verwüstung wird immer größer werden – und das wird Gottes Gericht nach sich ziehen, wie es auch zu seiner Zeit über die Kanaaniter kam.

In Großbritannien kann freien Schulen, die die Schöpfungslehre unterrichten, künftig die staatliche Unterstützung gestrichen werden: Nach einer Entscheidung des Bildungsministeriums, der eine heftige Kampagne des Humanistenverbandes vorangegangen war, kann künftig freien Schulen, die die Schöpfungslehre (Intelligent Design) unterrichten, die staatliche Unterstützung gestrichen werden, da keine „Erklärungsmodelle“ erwähnt werden dürften, die „etablierten wissenschaftlichen und/oder historischen Beweisen und Erklärungen zuwiderlaufen“. (nach: proKompakt 03/2012, S. 14) Dies ist ein weiterer Schritt, in Großbritannien ein umfassendes antichristliches totalitäres System zu errichten. Allerdings sollten christliche Schulen überhaupt bestrebt sein, ohne jegliche staatliche Förderung auszukommen, um damit vor jeglicher Einflussnahme des Staates sicher zu sein. Es ist aber gut möglich, dass mittelfristig die Gottlosenbewegung, die eng mit der Regierung zusammenarbeiten will, versuchen wird, solche Schulen überhaupt zu verbieten. Der geistig-geistliche Kampf, nicht nur in Großbritannien, sondern überhaupt in der Welt, wird sich noch weiter zuspitzen.

USA gewähren Entwicklungshilfe nur noch Staaten, die Homosexuelle rechtlich gleichstellen: Die Obama-Regierung hat entschieden, Entwicklungshilfe nur noch solchen Staaten zu gewähren, die Homosexuelle rechtlich gleichstellen. Daraufhin hat die römisch-katholische Bischofskonferenz von Sambia, einem Land, in dem 98 % der Bevölkerung Homosexualität als moralisch verwerflich verurteilen und praktizierte Homosexualität verboten ist, die Regierung des eigenen Landes aufgefordert, auf solche Hilfszahlungen zu verzichten, die „an die Förderung der Unmoralität geknüpft sind“. (nach: Kurier der Christlichen Mitte 02/2012, S. 1) Es ist sehr erfreulich, dass gerade in den afrikanischen Ländern sich zunehmend Widerstand regt gegen die Tyrannei der westlichen Unmoral. Das Vorgehen der USA ist ja typisch für den imperialistischen Charakter dieses Staates und die Rücksichtslosigkeit, mit der die Gender-Mainstream-Ideologie weltweit durchgesetzt werden soll.

Soll Kritik am Islam unterbunden werden? Seit Jahren versucht die „Organisation der islamischen Kooperation“ (OIC) weltweit durchzusetzen, dass Kritik am Islam und der Scharia gesetzlich verboten wird, und zwar nicht nur in mehrheitlich islamischen Staaten (was ebenfalls gegen die Menschenrechte verstoßen würde), sondern auch in nichtislamischen Ländern. Wie in Topic 2/2012, S. 3 f. gemeldet wird, fand im Juli 2011 in Istanbul ein Treffen der US-Außenministerin Clinton, der sogenannten „Hohen Vertreterin der EU für Außen und Sicherheitspolitik“ Ashton, und des Generalsekretärs der OIC statt. Was genau bei diesem Treffen herauskam, ist unbekannt, aber der sogenannte „Istanbul Prozess“, der diese totalitären Bestrebungen des Islam voranbringen soll, soll dadurch gefördert worden sein. 2011 wurden auch von der UN-Vollversammlung zwei Resolutionen verabschiedet, die in die gleiche Richtung gingen, aber bisher keinerlei Rechtswirksamkeit besitzen. Im Dezember 2011 fand eine Konferenz zum Istanbul Prozess in Washington, D.C., statt, auf der auch Frau Clinton eine Rede hielt, und im Juli ist ähnliches von der EU geplant. Es ist zu befürchten, dass die Antidiskriminierungsgesetze in dieser Hinsicht verschärft werden. (nach Topic 2/2012, S. 3 f)

Hier wird deutlich, wohin die Entchristlichung der westlichen Länder, ihre völlige geistige Dekadenz und ihr daraus resultierender Defaitismus geführt hat. Die Kulturen prallen zwar zusammen, wie es Samuel Huntingdon geschrieben hat, aber es kommt nicht zu einem wirklichen Kampf, weil der Westen schon gar nicht mehr weiß, wofür als für Profite, wirtschaftlichen Einfluss er noch kämpfen soll. Rettung kann nur durch eine umfassende geistlich-geistige Erneuerung kommen, die aus einer Erweckung ähnlich der Reformation erwächst. Aber ob der dreieinige Gott dies noch einmal schenkt oder den Westen dem Gericht durch den Islam dahingibt, das wissen wir nicht.

Scharia-Gerichte in der BRD? Der rheinland-pfälzische Justizminister Jochen Hartloff hat vorgeschlagen, Zivilsachen, in die Muslime verwickelt sind, zukünftig von Scharia-Gerichten bearbeiten zu lassen. Dagegen hat sich allerdings – glücklicherweise – eine parteiübergreifende Opposition aufgebaut, die Jochen Hartloff veranlasste, diesen Gedanken vorerst fallen zu lassen. Von den Kritikern wurde mit Recht darauf hingewiesen, dass die Scharia mit ihren Wertvorstellungen nicht den in der Bundesrepublik geltenden Werten entspreche. Außerdem sei für das Recht in der Bundesrepublik der deutsche Staat mit seinen Gerichten zuständig. Sondergerichte für eine bestimmte Bevölkerungsgruppe dürfe es nicht geben. Außerdem würde dadurch die Integration von Muslimen noch mehr erschwert bis unmöglich gemacht; und viele Muslime würden letztlich gegen ihren Willen unter solche Gerichte gezwungen, weil sie ohne Gesichtsverlust und starke Pressionen sich nicht wehren könnten, wenn die Gegenseite die Verhandlung vor einem Scharia-Gericht wünsche. (nach: proKompakt 6/2012, S. 7-9)

Dass überhaupt auch nur solch ein Vorschlag in den Raum gestellt werden kann, zeigt schon, wie tief gesunken diese Bundesrepublik Deutschland geistig und kulturell ist und wie wenig sie noch eine eigene Identität hat. Die Gefahr ist mittelfristig durchaus vorhanden, dass solch eine Parallelgesellschaft, ähnlich wie in Großbritannien, mit staatlicher Duldung oder Förderung aufgebaut wird.

Viele Moslems wünschen keine Integration: Wie eine vom Bundesinnenministerium in der Bundesrepublik Deutschland beauftragte Studie unter jugendlichen Moslems ergab, lehnen etwa 25 % derjenigen Moslems zwischen 14 und 32 Jahren, die nicht die deutsche Staatsbürgerschaft haben, eine Integration in die BRD kategorisch ab. Bei denen mit deutscher Staatsbürgerschaft liegt der Anteil auch noch bei 15 %. Auch wurde festgestellt, dass es in diesen Kreisen mehr Vorurteile gegenüber dem Westen, eine größere Distanz zur Demokratie sowie eine stärkere Neigung zur Gewalt gebe als bei vergleichbaren deutschen Jugendlichen. (nach: proKompakt, 09/2012, S. 7)

Obama legalisiert weltweiten US-Terror gegen „Feinde“ der USA: Am 31.12.2011 hat der US-Präsident Obama mit dem National Defense Authorization Act (NDAA) ein Gesetz unterzeichnet, das nicht nur den Militärhaushalt betrifft, sondern vor allem das verbrecherische Treiben des US-Militärs im Ausland legalisiert. So heißt es darin, dass das US-Militär jeden Menschen, der als ein „gefährlicher Feind Amerikas“ angesehen wird, verhaften und ohne Gerichtsverfahren für unbestimmte Zeit, auch lebenslang, gefangen halten kann. Auch werden dem US-Militär Gefangenenlager im Ausland offiziell gestattet. (nach: Topic, 2/2012, S. 6)

Nun ist es durchaus berechtigt, wenn die USA tatsächliche Feinde, wie etwa Osama Bin Laden oder El Quaida-Terroristen oder Taliban, verfolgen, wo immer sie sich aufhalten, und sie auch töten. Aber die Exzesse etwa unter Eisenhower und McCarthy wie auch unter George W. Bush jun. haben gezeigt, wozu das tatsächlich führt. Die USA neigen zu einer Sicherheitshysterie, die in jedem, der ihnen kritisch gegenüber steht, einen „gefährlichen Feind“ sehen kann. Und wer kann ausschließen, dass nicht irgendwann darunter auch Staaten fallen, die sich wirtschaftlich dem Wirtschafts- und Dollar-Diktat der USA nicht beugen oder nicht mehr beugen wollen? Waren nicht auch das wichtige Gründe für den Angriff auf Afghanistan und den Überfall auf den Irak?

Heidentum in Südafrika nimmt wieder zu: Unter der Regierung des Afrikanischen National-Kongresses (ANC) in Südafrika hat das Heidentum, vor allem in Form von Hexerei, Ahnenkult, Tieropfern, Medizinmännern, wieder stark zugenommen. So tötete etwa der derzeitige Staatspräsident, Jacob Zuma, im Zusammenhang mit der 100-Jahr-Feier des ANC mit einem Speer einen Bullen und sagte: „Alles ist getan. Wir haben mit den Ahnen gesprochen.“ Südafrikanische Politiker werden von Medizinmännern beraten. Neben den verheerenden geistlichen Folgen hat dies auch wirtschaftliche, weil der Gedanke, dass Fortkommen und Wohlstand persönlichen Einsatz, harte Arbeit und Wissen benötigen, dem heidnischen Denken fremd sind, das Wohlstand und Erfolg im Wesentlichen auf Hexerei zurückführt. (nach: topic 2/2012, S. 8) 

Euthanasie in den Niederlanden wird ausgeweitet: Euthanasie oder Sterbehilfe (in diesem Fall aktive Sterbehilfe) ist in den Niederlanden bereits seit 2002 zulässig und soll nun noch ausgeweitet werden, indem die „Niederländische Vereinigung für ein freiwilliges Lebensende“ sechs mobile Teams aus Ärzten und Pflegemitarbeitern einsetzen will, die in dem Land umherreisen und Menschen „helfen“ sollen, ums Leben zu kommen. Der Präsident der Ärztekammer Nordrhein, also des bundesdeutschen Bezirks, der an die Niederlande grenzt, wies daraufhin, dass die bundesdeutsche Ärtzeschaft dies ablehne und dagegen auf die moderne Pallativmedizin setze, die eine humane Begleitung Kranker und Sterbender ermöglicht, um ihnen so zu helfen, ohne Euthanasie zu sterben. (nach: ALfA-Newsletter 06/2012 vom 11.02.2012)

„Entscheidungslösung“ zur Organspende: Gemäß einer Einigung der Fraktionen des Bundestages sollen die Bundesbürger immer wieder zu ihrer Stellung zur Organspende befragt werden. Letztlich soll so die Anzahl der Organspender erhöht werden. Tatsächlich, das hat auch Mechthild Loehr, die Bundesvorsitzende der „Christdemokraten für das Leben“, deutlich gemacht, bedeutet dies eine fortgesetzte Zwangsbefragung und eine massive Erhöhung des Drucks auf die Bevölkerung. Man könnte es auch drastischer Ausdrücken: Der totalitäre Gesinnungsterror hat ein neues Betätigungsfeld gefunden, um die Einstellung der Bundesbürger gleichzuschalten. Denn die Frage, die im Raum steht, betrifft ja nicht solche Organspenden, wie Herr Steinmeier sie für seine Ehefrau leistete, sondern diejenigen Organentnahmen, die im Zusammenhang mit dem „Hirntod“ der Patienten stattfinden. Denn die Definition des Todes als „Hirntod“ ist ja eine überhaupt nur im Zusammenhang mit Organentnahmen eingeführte Todesdefinition, die den Tod von Menschen behauptet, obwohl er überhaupt noch nicht eingetreten ist (denn sonst wären die Organe nutzlos). Es werden also Patienten einfach für tot erklärt, ohne es zu sein, weil man ihre Organe verwenden will. Die typischen Merkmale eines Toten, wie Atemstillstand, Leichenstarre, Totenflecken liegen bei einem „Hirntoten“ gerade nicht vor. (nach: ALfA-Newsletter 09/2012 vom 03.03.2012)

Antisemitismus in Ungarn auf dem Vormarsch: Der Antisemitismus nimmt in Ungarn immer mehr zu, was sich nicht zuletzt auch in den Wahlerfolgen der Rechtsextremisten zeigt, denen die FIDES trotz ihres betont nationalen Auftretens bisher nicht das Wasser abgraben konnte. Wie weit er bereits in der „Mitte der Gesellschaft“ angekommen ist, zeigt die Aussage eines Sprechers der ungarischen Polizeigewerkschaft: „Antisemitismus ist nicht nur unser Recht, sondern er ist die Pflicht eines jeden ungarischen Menschen, der sein Heimatland liebt.“ (nach: Juden für Jesus, März-April 2012, zitiert aus Haaretz vom 10.01.2010) Eine Auseinandersetzung mit der kurzen, aber äußerst blutigen Herrschaft der Pfeilkreuzler unter Szalassi als Hitlers Bundesgenossen scheint bisher wohl nicht stattgefunden zu haben.

 

Islam und islamische Welt:

Moslembruderschaft erkennt Israel nicht an: Die von den westlichen bürgerlich-kapitalistischen Staaten in vorauseilender Ergebenheit als „gemäßigt“ bezeichnete Moslembruderschaft hat in einem Interview ihres Führers Dr. Rashad Bayoumi mit der Tageszeitung al-Hayat bekräftigt, dass sie die Existenz Israels unter keinen Umständen anerkennt, auch keine Verhandlungen mit Israel führen werde und anstrebe, den Friedensvertrag mit Israel zu kündigen. Israel bezeichnete er als einen „Besatzer und kriminellen Feind“. (nach: Jerusalem Post vom 01.01.2012) Damit hat die Moslembruderschaft in einem wichtigen Punkt „die Katze aus dem Sack gelassen“ und ihre antisemitische Grundhaltung eindeutig öffentlich kundgetan. Wohin es mit Ägypten geht – die Moslembruderschaft hatte bie den bisherigen Runden der Parlamentswahl 36,3 % erhalten, die noch extremistischeren Salafisten 28,8 % - kann man sich dann denken; von einer Demokratie nach westlichem Vorbild, mit Meinungs- und Religionsfreiheit, kann gar keine Rede sein.

Moslembruderschaft redet mit zwei Zungen: Der Nahostexperte David Pollock vom „Washington Institute“ hat darauf hingewiesen, dass die in den westlichen Medien in jüngster Zeit als „gemäßigt“ dargestellte Moslembruderschaft sich auf ihrer arabischsprachigen Webseite völlig anders äußert als auf ihrer englischsprachigen, die auch westlichen Lesern zugänglich ist. So haben sich auf der englischsprachigen Seite zwei Artikel zum Thema Demokratie befunden (Warum die Islamisten die besseren Demokraten sind; und: Demokratie – ein Ziel der Scharia?), während es keinen solchen auf der arabischen Seite gab, dafür aber dort drei gegen die Pressefreiheit. Ähnlich war es auch, als 2011 der ägyptische Präsident Mubarak zurücktrat. Auf ihrer englischen Seite sprachen die MB dann von Demokratie und Toleranz, auf ihrer arabischen Seite, dass die Moslems ihrem Glauben treu sein müssten. Während auf der englischen Seite öfter etwas über Frauen stünde, ist dies auf der arabischen Seite fast nie der Fall. (nach: http://www.pro-medienmagazin.de/nachrichten.html?&news%5Baction%5D=detail&news%5Bid%5D=5003) Das ist ein für Moslems durchaus übliches Vorgehen, da Täuschung, Lüge (Takiye) zu einer im Koran erlaubten Taktik gehört, um dadurch mittel- bis langfristig die Macht zu gewinnen.

Erziehung zum Hass im Iran: Der amerikanische Literaturwissenschaftler Arnon Groiss hat in einer Studie iranische Schul- und Lehrerhandbücher analysiert und ist dabei zu der erschreckenden Erkenntnis gekommen, dass sie in einem sehr starken Maße Hass gegen den Westen, insbesondere die USA und Israel verbreiten, und einem extremen islamischen Überlegenheitsgefühl das Wort reden. Es wird in diesen Büchern behauptet, dass der Iran im „Kampf gegen das Böse“ immer den Sieg behalte und dieser Kampf so lange weiter gehe, bis die islamische Weltherrschaft errichtet sei. Um die Kinder auf den Kampf vorzubereiten und sterbenswillig zu machen, wird der Tod als Brücke „aus dem Elend und Leid dieser Welt in das ewige Leben und Glück des Jenseits“ dargestellt. Auch militärisch werden die Kinder bereits in der Schule unterwiesen, um die militärischen Grundkenntnisse zu erhalten. (nach: proKompakt 05/2012, S. 8)

Iran: Zahl der Hauskirchen wächst: Die Zahl der Christen, die im Iran geheimen Hauskirchen angehören, wächst. Vor allem evangelikale US-amerikanische Radiosender tragen zu dem Aufbruch bei. Was dabei vor allem wichtig ist: Viele der Christen sind in ihrem Glauben gegründet aufgrund der selbständigen Arbeit an der Heiligen Schrift. (nach: proKompakt, 09/2012, S. 6)

Iranische Führung fördert Hass auf Israel: Die iranische Führung hat ein Dokument publiziert, das zur Zerstörung Israels aufruft. Gefordert wird darin unter anderem, ein Massaker am jüdischen Volk anzurichten und die Zerstörung aller Vermögenswerte von Juden weltweit vorzubereiten. Erschienen ist dieses Dokument auf der islamischen Webseite Alef, die eng mit dem obersten „geistlichen“ Führer des Iran, Ayatollah Chamenei, verbunden ist. „Wir sollten nicht die Möglichkeit verstreichen lassen, die Juden zu beseitigen“, heißt es unter anderem darin. Der Text wurde auch auf die meisten Webseiten der iranischen Regierung übertragen und auch der von den Revolutionsgarden kontrollierten Nachrichtenagentur Fars. (nach: BWL – Regionale Informationen Nr. 158, März-April 2012, S 33) Das haben schon ganz andere Regime zuvor versucht, angefangen mit Pharao, und sind daran zugrunde gegangen. Das wird dieses Mal im Endeffekt nicht anders sein.

Islam-Parlament in der Schweiz? Zwei große muslimische Dachorganisationen in der Schweiz streben an, eine „Umma Schweiz“ als Parlament für die in der Schweiz lebenden Muslime zu gründen, das die Interessen der Muslime vertreten solle. (nach: Topic 03/2012, S. 3) Damit würden die Muslime zu einem Staat im Staate. Kein Staat, der wirklich auf seine Souveränität und Integrität wert legt, kann so etwas dulden, da es sich hier eindeutig um die Unterwanderung des Staates handelt, umso mehr, als der Islam eine totalitäre, gewaltgeneigte Weltanschauung ist.

 

 

 

Literaturverzeichnis

 

- Enchiridion. Handbüchlein der vornehmsten Hauptstücke der christlichen Lehre. Von Martin Chemnitz. Faksimile der Ausgabe von 1886. 223 S. Spiralbindung. € 14,35. Martin Chemnitz, auch der „zweite Martin“ in Anlehnung an Martin Luther genannt, war einer der führenden und bedeutendsten Theologen der Zeit nach Luther und mit Jakob Andreae maßgebend an der Verfassung und Annahme der Konkordienformel beteiligt. Sein „Examen Concilii Tridentinii“ (derzeit auf Englisch erhältlich) ist bis heute ein Standardwerk in der Auseinandersetzung mit dem Trienter Konzil. Das Enchiridion umfasst die grundlegenden Stücke der biblischen Lehre in Frage und ausführlichen Antworten. Es war ursprünglich für die Anleitung der Pastoren im Herzogtum Braunschweig-Lüneburg gedacht, ist aber auch für Jünger Jesu Christi, die nicht im Amt sind, gut zu lesen.

- Der Kleine Katechismus D. Martin Luthers einschließlich einer Darlegung der Heilsordnung. Hrsg. von Roland Sckerl. 91 S. Spiralbindung. € 8,25. Dieser Ausgabe enthält neben dem Text des Kleinen Katechismus eine kurze Zusammenfassung der Heilsordnung in neun Sätzen sowie eine ausführlichere Darlegung der wichtigsten Punkte der Heilsordnung in Frage und Antwort. Dazu findet sich das goldene ABC für Jünger Jesu und eine Anleitung, den Katechismus zu beten.

- Ernst Kochs: Paul Gerhardt. Sein Leben und seine Lieder. Faksimile der Festschrift der Allgemeinen Evang.-Luth. Konferenz 1907. 112 S. Spiralbindung. € 9,70. In dieser kurzen Lebens- und Werkbeschreibung wird uns der Werdegang des wohl größten lutherischen Liederdichters dar- und in seine Zeit hineingestellt. Kochs geht dann auf eine Vielzahl der Lieder Paul Gerhardts ein und zeigt auch ihre Wirkungsgeschichte auf.

- Moritz von Engelhardt: Valentin Ernst Löscher nach seinem Leben und Werk. Faksimile der Ausgabe von 1853. 287 S. Spiralbindung. € 17,30. Dies ist die einzige umfassende wissenschaftliche Biographie des bedeutendsten und edelsten Kämpfers der lutherischen Orthodoxie gegen den Pietismus und aufkommenden Rationalismus, neben den mehr volkstümlichen Darstellungen von Backmeister. Der baltische Kirchengeschichtler Engelhardt gibt nicht nur einen ausführlichen Überblick über den Lebenslauf Löschers, sondern geht auch auf seine theologische Arbeit, insbesondere die Auseinandersetzung mit dem Pietismus und dem – inzwischen übrigens auf Englisch wieder erhältlichen – Hauptwerk dieses Kampfes, Timotheus Verinus, ausführlich ein.

- Eduard Engelhardt: Leben des Paul Speratus. Faksimile der Ausgabe von 1860. 98 S. Spiralbindung. € 8,60. Paul Speratus war ein Mitstreiter Luthers, Verfasser des reformatorischen „Programmliedes“ „Es ist das Heil uns kommen her“ und wirkte zunächst für die Reformation in Österreich und den böhmischen Ländern, bis er, mehrfach verfolgt, von Herzog Albrecht von Preußen nach Ostpreußen berufen wurde und als Bischof von Pomesanien zum hauptsächlichen Reformator Ostpreußens wurde.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 



1 Dass P. Emil Wacker sich in seiner „Heilsordnung“ ebenfalls gegen die Lehre von der allgemeinen Rechtfertigung ausspricht, erscheint dagegen verwunderlich, da er in der Lehre von der Gnadenwahl faktisch die biblische Position der Missouri-Synode einnahm. Da er zugleich sehr stark die objektiven Heilstatsachen vertreten hat, scheint es mir, dass er den Begriff der allgemeinen oder „objektiven“ Rechtfertigung missverstanden bzw. allversöhnerisch verstanden hat und deshalb ablehnte. Denn die objektiven Heilstatsachen selbst hat er gelehrt.

2 „Am Karfreitag, als dem großen Versöhnungstag, wurde die ganze Sache der Sünder abgetan; es wurde alles ausgemacht; die ganze Sache kam mit einem Mal zustande; es hieß: Es ist vollbracht! Christus wurde in der Auferstehung absolviert, gerechtfertigt (1. Tim. 3,16), und mit ihm alle Millionen Sünder. Also kam durch eines Gerechtigkeit die Rechtfertigung des Lebens über alle Menschen, Röm. 5,18. Da wurde die Sünde des ganzen Erdbodens auf einen Tag weggenommen.“ (Ev. Gnadenordnung. Stuttgart 1855. S. 75)

Zu Nohrborg siehe Tom G.A. Hardt: Justification and Easter. A Study in Subjective and Objective Justification in Lutheran Theology; in: A Lively Legacy. Essays in Honor of Robert Preus. Fort Wayne, Indiana. 1985.

1 vgl. Israel-Report 2/2011, S. 10

2 vgl. ebd.

3 vgl. BWL – Regionale Informationen 153. Gelsenkirchen 2011, S. 16

4 ebd. (In Israel-Report steht anstatt „Allah“ „Gott“, was aber nicht korrekt ist, da Allah nicht der wahre Gott ist)

5 vgl. BWL, a.a.O., S. 17 f.

6 vgl. Israel-Report, a.a.O., S. 10 f.; BWL, a.a.O., S. 18

7 vgl. BWL, a.a.O., S. 16

8 Israel-Report, a.a.O., S. 11

9 vgl. ebd.

10 vgl. ebd.; BWL, a.a.O., S. 18

11 vgl. BWL, a.a.O., S. 19. Dass die MB und die Salafisten bei den Wahlen in Ägypten solche Erfolge haben, ist nicht verwunderlich, wenn man bedenkt, dass nach einer Umfrage des amerikanischen Meinungsforschungsinstituts PEW Research Center vom Dezember 2010 59 % der Ägypter einen streng islamischen Staat wollen und gar 85 % Todesstrafe beim Verlassen des Islam befürworten. Vgl. BWL, a.a.O., S. 24

12 vgl. Israel-Report, a.a.O., S. 11; BWL, a.a.O., S. 19

13 vgl. Barry Rubin: Islamism: 21st century Communism. In: Jerusalem Post vom 01.01.2012

14 vgl. BWL, a.a.O., S. 21 f.

15 vgl. BWL, a.a.O., S. 22

16 vgl. Benedikt Peters: Islamischer Fundamentalismus, in: Factum 3-4/1991. Berneck 1991. S. 9-11.