Beständig in der Apostel Lehre und in der Gemeinschaft und im Brotbrechen und im Gebet! Apg. 2,42

DER BEKENNTNIS-

LUTHERANER

 

Lutherisches Blatt für Bibelchristentum.

 

 herausgegeben von Roland Sckerl, Leopoldstr. 1, D-76448 Durmersheim; Tel.:07245/83062;

E-mail: Sckerl@web.de; Internet: www.lutherische-bekenntnisgemeinde.de

28. Jahrgang 2020  Heft 2/2020

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Inhaltsverzeichnis

 

UNTER BIBEL UND BEKENNTNIS. 1

Die Heiligung bei Martin Luther 1

Das Luthertum in Auseinandersetzung mit dem Pietismus und den Evangelikalen  1

                    Die Auseinandersetzung mit dem Pietismus. 1

               1. Allgemeines. 1

               2. Philipp Jakob Spener (1635-1705) 1

               3. August Hermann Francke (1663-1725) 1

                   Die Auseinandersetzung mit den Evangelikalen. 1

THEOLOGISCHE ANMERKUNGEN.. 1

Die Bedeutung des „Volkes“ nach der Bibel 1

ZEICHEN DER ZEIT. 1

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

UNTER BIBEL UND BEKENNTNIS

 

Die Heiligung bei Martin Luther

 

Roland Sckerl

 

    Von nicht wenigen, wie etwa Erasmus, John Wesley aber auch anderen, etwa Spener und den Pietisten, ist behauptet worden, dass Luther zwar sehr klar lehre im Blick auf die Rechtfertigung des Sünders, dass er aber die Heiligung eher stiefmütterlich behandelt habe, sie bei ihm kaum zu finden sei.[1] Das ist allerdings eine völlige Fehlinterpretation, wohl auch ein völliges Missverstehen dessen, was Heiligung meint, ein Missverstehen, das wohl seinen Grund darin hat, dass diejenigen, die solches behaupten, einen anthropozentrischen Heiligungsansatz vertreten, während Luther und das biblisch-reformatorische Luthertum einen theo- oder christozentrischen Ansatz in der Heiligung verfolgen.

    Das Thema ist aber auch von Bedeutung, weil unter durch den Einfluss von Werner Elert auf das konservativere Luthertum, nicht zuletzt in Missouri (durch die Bad-Boll-Konferenzen), es zu massiven lehrmäßigen Verwerfungen kam („Gospel Reductionism“), die nie wirklich aufgearbeitet wurden. Das hat zur Folge, dass heute etwa in Missouri Pastoren, die eigentlich konservativ sind, die auch ein klares Zeugnis gegenüber dem Pietismus und den Evangelikalen abgeben, in der Frage der Heiligung ein gebrochenes Verständnis haben und etwa den dritten Gebrauch des Gesetzes mehr oder weniger ablehnen, den Christus in uns auch in der Heiligung in den Hintergrund schieben und von praktischen ethischen Wegweisungen wenig wissen wollen. Sie anerkennen zwar noch die tägliche Buße, den täglichen Kampf gegen die Sünde, die Beichte, aber es entsteht der Eindruck, dass die Heiligung liturgistisch-sakramentalistisch reduziert, verbogen wird.[2] In den USA hat sich die Situation durch Gerhard Forde und seine verqueren Ansichten zur Versöhnungslehre und zum dritten Gebrauch des Gesetzes noch verschlimmert, weil er im Umfeld der liberalen Evangelical Lutheran Church of America (ELCA) als nicht ganz so liberal galt und so sein Einfluss weitere Kreise zog.[3] Auch im deutschsprachigen Raum gab (vielleicht gibt) es Kreise im Umfeld des Homiletisch-Liturgischen Korrespondenzblattes, die wohl von Elert beeinflusst waren (sind).[4]

    Schon ein Blick in den Kleinen Katechismus und noch mehr in den Großen Katechismus zeigt, dass die „Heiligung“ für Luther ein wichtiges Thema ist, etwas, das macht er deutlich, das der Heilige Geist am Einzelnen wie der Kirche insgesamt ausführt, eng verbunden mit der Rechtfertigung, der Kirche und den Sakramenten.[5]

    Dabei ist zu bedenken, dass Luther den Begriff „Heiligung“ in einem engeren und einem weiteren Sinn verwendet. In einem engeren Sinn meint er damit das Wirken des Heiligen Geistes im Sünder, durch das er ihn zu einem gerechtfertigten Sünder macht, also den rechtfertigenden oder rettenden Glauben entzündet und damit die grundlegende christliche Heiligkeit schenkt, die der Sünder nur im Glauben empfangen  kann.[6] „Heilig“ heißt für Luther, ganz biblisch: „abgesondert und Gott geweiht“.[7] Diese Heiligkeit, die ja Gott hat, zeigt sich besonders in Christus, und zwar hier gerade auch darin, dass sie dennoch den Sündern zugewandt ist.[8] Christus bietet uns diese Heiligkeit an, reicht sie uns dar, eignet sie uns zu durch seinen Geist mittels des Evangeliums in Wort, Taufe und Abendmahl – aber nur der Glaube hat sie wirklich.[9] Die grundlegende christliche Heiligkeit wird uns also geschenkt allein von Christus durch den Heiligen Geist mittels der Gnadenmittel, indem er den rettenden Glauben in uns wirkt (Apg. 15,9) und dabei, als Folge, unser Herz, Seele, neu macht und, als Frucht, das Gesetz uns ins Herz schreibt (2.Kor.3,3) und eine neue Lebensweise, neue Werke herbeiführt, kurz, dem Sünder einen neuen Sinn gibt, der ganz auf Christus und sein Opfer für uns ausgerichtet ist und so der Heilige Geist den Gläubigen zu einer neuen Kreatur macht.[10] Entscheidend: Nicht die Werke, sondern der Glaube allein macht die Person neu.[11] Die Gerechtigkeit, die vor Gott gilt, die uns rettet, ist eine fremde, Christi Gerechtigkeit, kommt nicht aus den Werken, sondern wird empfangen durch den Glauben an Jesus Christus, der dadurch dann im Herzen wohnt.[12]

 

    Das Grundkonzept von Rechtfertigung und Heiligung zeigt sich schon gleich zum Beginn der Reformation bei Luther sehr klar, und zwar in der Predigt von der zweifachen Gerechtigkeit am Palmsonntag 1518.[13] Schon das Thema zeigt sowohl die notwendige klare Unterscheidung zwischen der fremden, rechtfertigenden Gerechtigkeit und der eigenen, wirkenden Gerechtigkeit als auch die Verbindung von Rechtfertigung und Heiligung.[14] Luther betont dabei die erste oder fremde Gerechtigkeit als Christi Gerechtigkeit, die der Glaube empfängt, ergreift, die Gerechtigkeit, wie uns bereits in der Taufe zugeeignet wird, ebenso auch in der Absolution. „Die erste Gerechtigkeit ist eine fremde und von außen eingegossen, das ist die, durch welche der HERR Christus gerecht ist und durch den Glauben rechtfertigt; wie St. Paulus in der ersten Epistel an die Korinther im 1. Kapitel, V. 30, spricht: ‚Der uns gemacht ist von Gott zur Weisheit und zur Gerechtigkeit und zur Heiligung und zur Erlösung.“[15] Derhalben wird dieselbe Gerechtigkeit den Menschen in der Taufe gegeben und zu aller Zeit in der wahren Buße, also dass sich der Mensch mit Vertrauen mag in dem HERRN Christus rühmen und freuen und sprechen: Das ist mein, das der HERR Christus gelebt, gehandelt, getan, geredet und gelitten hat und folgend gestorben ist, nicht anders, als wenn ich dasselbe Leben, Handeln, Wesen, Reden, Leiden und Sterben geführt und erlitten hätte, eben wie der Bräutigam all das hat, das der Braut ist; und die Braut alles das hat, das des Bräutigams ist.“[16] Damit sind uns, wie Luther richtig hervorhebt, in Christus von Gott die allergrößten Schätze gegeben. Das alles aber haben wir allein durch den Glauben, durch den Christi Gerechtigkeit unsere Gerechtigkeit wird. Durch diese Gerechtigkeit aber werden die Sünden weggenommen, d.h. sie werden vergeben (denn die Anlage zur Sünde bleibt). Derhalben wird durch den Glauben an Christus die Gerechtigkeit Christi unsere Gerechtigkeit, und alles, das sein ist; ja, er wird selbst der Unsere. Demnach nennt sie St. Paulus in der Epistel an die Römer im ersten [Kapitel], V. 17, ‚die Gerechtigkeit Gottes‘. Die Gerechtigkeit wird offenbart und entdeckt im Evangelium, wie geschrieben steht: ‚Der Gerechte lebt seines Glaubens‘; Hab. 2,4. Hebr. 10,38. So wird auch ein solcher Glaube genannt die Gerechtigkeit Gottes, wie St. Paulus meldet in der berührten Epistel an die Römer im 3. [Kapitel], V. 28: ‚So halten wir es nun, dass der Mensch gerecht werde allein durch den Glauben.‘ Dieses ist die unendliche Gerechtigkeit, die alle Sünden im Augenblick verzehrt; denn es ist unmöglich, dass eine Sünde an Christus hafte und hange. Aber wer an Christus glaubt, der haftet an ihm und ist ein einiges Ding mit Christus; hat auch eine einige Gerechtigkeit mit ihm. Darum ist es unmöglich, dass in ihm die Sünde bleibe.“[17] Es ist ganz wichtig, dies klar festzuhalten: Allein durch diese fremde, eben Christi, Gerechtigkeit sind wir vor Gott gerechtfertigt, ohne irgendwelche Werke, ohne irgendein menschliches Mittun. Es ist dies ein juristisches Urteil (forensische Rechtfertigung), das allein auf der zugeeigneten und im Glauben empfangenen Gerechtigkeit Christi beruht, auf nichts in, an, beim Sünder. „So wird verstanden dieser Spruch in dem 31.Psalm, V. 2: ‚HERR, auf dich traue ich, lass mich nimmermehr zuschanden werden; errette mich durch deine Gerechtigkeit.‘ Er spricht nicht ‚in meiner‘, sondern ‚in deiner‘, das ist, in der Gerechtigkeit Christi, meines Gottes, die durch den Glauben, durch die Gnade, durch die Barmherzigkeit Gottes unser geworden ist.“[18] „Darum ist das eine fremde Gerechtigkeit und ohne unsere Werke, allein durch die Gnade uns eingegossen, so uns inwendig der himmlische Vater zu dem Sohn Christus zieht.“[19]

    Diese fremde, rettende, damit für uns grundlegende Gerechtigkeit oder Rechtfertigung ist aber auch die Grundlage, die Ursache und der Ursprung aller eigenen Gerechtigkeit. Das heißt: Die Heiligung und die eigene, wirkende (Lebens-)Gerechtigkeit kommt her aus der fremden, rettenden Gerechtigkeit, ist allein durch sie möglich, da allein der gerechtfertigte Sünder sie ausüben kann. Und: Der rettende Glaube kann gar nicht anders als eben die Werke dieser Gerechtigkeit zu tun. „Und dies ist die erste Gerechtigkeit, der Grund, Ursache und Ursprung aller eigenen, oder aber wirklichen Gerechtigkeit.“[20] Die zweite oder unsere eigene Gerechtigkeit hängt aber eben auch dahingehend engstens mit der ersten, der rettenden Gerechtigkeit zusammen, weil sie ja eben nun nicht unser Werk wäre in dem Sinn, dass uns nun eine Kraft eingegossen wäre, aus der wir selbständig zu wirken hätten, sondern vielmehr dahingehend, dass nun Christus und sein Geist, die jetzt in uns wohnen durch die erste Gerechtigkeit, in uns die Werke wirken, die ja Gott zuvor bereitet hat. „Die andere Gerechtigkeit ist unser und eigen; nicht darum, dass wir sie allein wirken; sondern dass wir zusammen mit der ersten und fremden wirken; das ist die gute Übung in den guten Werken, erstlich in der Tötung und Verzehrung des Fleisches und der Kreuzigung der Begierden gegen ihn selbst; wie St. Paulus zu den Galatern (5,24) schreibt: ‚Welche aber Christus angehören, die kreuzigen ihr Fleisch samt den Lüsten und Begierden‘; zum andern in der Liebe gegen den Nächsten; zum dritten in der Demut und Frucht gegen Gott. … Diese Gerechtigkeit ist ein Werk, Frucht und Folge der ersten Gerechtigkeit, wie St. Paulus an die Galater (5,22) schreibt.“[21] Hier nennt er sogleich auch die drei Grunddimensionen der Heiligung und macht dabei deutlich, wie der Mensch selbst mit hineingenommen ist in das Wirken der Heiligung: Abtötung des Fleisches (mortificatio), Liebe gegen den Nächsten, Demut und Gottesfurcht gegenüber Gott. Es gilt dabei auch, Christus immer ähnlicher zu werden, nicht zuletzt im Gehorsam gegenüber Gott. Diese zweite Gerechtigkeit ist so etwas wie die Antwort des Glaubens aus Liebe zu Gott auf die empfangene erste Gerechtigkeit. Derhalben entsteht durch die erste Gerechtigkeit die Stimme des Bräutigams, der da spricht zu der Seele: Ich der Deine; aber durch die andere Gerechtigkeit die Stimme der Braut, die sagt: Ich die Deine.“[22] Sehr klar hat Saarnivaara den Unterschied und die Verbindung von Rechtfertigung und Heiligung dargestellt: „Gemäß ihnen [gemeint sind Paulus und die neutestamentlichen Schreiber] wird der Mensch gerechtfertigt mittels des Glauben, durch die Erlösung, die in Christus Jesus ist. Der Mensch, dessen Sünden vergeben sind und dem Gott Sünde nicht zurechnet, ist in Seiner Sicht gerecht aufgrund des Blutes und des versöhnenden Opfers Christi, worauf er im Glauben sein Vertrauen setzt (Röm. 3,23-25; 5,3-6; Hebr. 10,14). Der rechtfertigende Glaube ist ein lebendiger Glaube, durch den der Mensch in Gemeinschaft mit Gott lebt und gute Früchte bringt in Liebe und Gehorsam. Christus wohnt durch den Glauben in des Gläubigen Herz und dieser, genötigt durch die Liebe Christi, lebt nicht länger für sich, sondern für Ihn, der ihn geliebt und sich selbst für ihn gegen hat. Er ist eine neue Schöpfung, geschaffen in Christus Jesus zu guten Werken. Aber diese guten Werke sind nur die Frucht, nicht die Grundlage der Rechtfertigung (2. Kor. 5,15; Eph. 2,8-10; Gal. 2,20; 5,6 usw.).“[23]

    Allein an diesen Ausführungen wird übrigens auch schon deutlich, wie unsinnig die Leugnung des dritten Gebrauchs des Gesetzes bei Luther ist, wie sie in der neueren Zeit etwa durch Werner Elert aufgebracht und durch die unseligen Bad-Boll-Gespräche auch in die Missouri-Synode hinüber getragen wurde („Gospel Reductionism“) und bis heute dort umhergeistert, da diese Verirrung auch durch Seminex nicht behoben oder bearbeitet wurde.[24] Ähnlich machen Luthers Schriften wie: Sermon von den guten Werken; Kleiner Katechismus (Teil über die Gebote); Großer Katechismus (Teil über die Gebote) sehr deutlich, wie wichtig Luther die guten Werke waren und dass er sie allerdings an den Geboten Gottes orientiert hat.

 

    So bringt schon der rechtfertigende oder rettende Glaube bei Luther eben nicht nur eine intellektuelle Erkenntnis, sondern, als Folge, eine durch den Heiligen Geist das Herz, die Grundhaltung verändernde Macht, etwas wirklich Neues ins Herzen, das auch die Gerechtigkeit hat, aber nicht aufgrund der Liebe, die aus dem Glauben kommt, sondern weil er Christus ergreift (s. Anm. 10): „Auch nehmen wir eine Beschaffenheit und wesentliche Gerechtigkeit im Herzen an, aber nicht, wie die Sophisten tun, die Liebe, sondern den Glauben, doch in solcher Weise, dass das Herz nichts anderes im Auge habe und ergreife als den Heiland Christus.“[25]Daher ist ein Christ nicht an sich gerecht, er ist nicht gerecht nach seinem Wesen oder seiner Beschaffenheit (diese Ausdrücke gebrauche ich des Lehrens halber), sondern er ist gerecht nach der Kategorie der Beziehung auf etwas, das außer uns liegt, nämlich nur in Hinsicht auf die göttliche Gnade und auf die Vergebung der Sünden aus Gnaden umsonst.[26] Daher setzt Luther den rettenden Glauben auch mit der Wiedergeburt (im eigentlichen oder engeren Sinn) gleich: „Wenn man fragt: Wie geht die neue Geburt zu, dass der Geist durchs Wasser und Wort den Menschen zu Gottes Kind macht? So, wie Christus hier sagt, wenn du wider den Schrecken von wegen deiner Sünde den Trost fasst und fest glaubst, dass Christus, Gottes Sohn, von deinetwegen vom Himmel herabgekommen und für dich das Kreuz erhöht worden ist, auf dass du nicht verloren würdest, sondern das ewige Leben habest. Dieser Glaube ist der Kasten und Schrein, der solchen Schatz, Vergebung der Sünde und Erbschaft des ewigen Lebens fasst, und dadurch wird der Mensch selig; wie Christus spricht: Dein Glaube hat dir geholfen.[27]

    Das heißt: Der Glaube ist es, der rechtfertigt, der eine neue Person macht (aber, und das ist nun ganz wichtig, eine, die nicht personmäßig, qualitativ, gerecht ist, neu ist, sondern eine solche, die neu ist, weil sie, der Sünder, auf Christus ausgerichtet ist und seine Gerechtigkeit im Glauben ergriffen hat). Und erst diese neue Person ist dann auch in der Lage, gute Werke zu tun. Das Neue ist also das herzliche Vertrauen auf Christus, das Fliehen zu Gott, gewirkt durch das Evangelium im Wort und in der Taufe und als Folge der Tod des alten Menschen. In den Schmalkaldischen Artikeln formuliert Luther es so: „dass wir ‚durch den Glauben‘ (wie S. Petrus sagt) ein anderes, neues, reines Herz kriegen und Gott um Christi willen, unseres Mittlers, uns für ganz gerecht und heilig halten will und hält.[28] Die Reinigkeit des Herzens, von der hier die Rede ist, ist also eine zugerechnete, keine effektive. Der Sünder hat ein gutes Gewissen, nicht, weil er nun effektiv, qualitativ gerecht wäre, sondern weil er im Glauben seinen Retter Christus ergriffen hat, der für ihn das Gesetz erfüllt hat.[29]

    Weil er also dergestalt, als Folge der Rechtfertigung, ein neues Herz hat, in dem Christus wohnt, er eine neue Person ist, muss er sich nicht mehr um sich selbst drehen, nicht mehr versuchen, seine eigene Gerechtigkeit aufzurichten, lebt er nicht mehr sich selbst, sondern ist frei für Gott und in ihm für den Nächsten, ihm zu dienen, denn der Glaube kann nun nicht anders als die Werke des Glaubens zu tun[30].

    Das aber ist auch nicht des (neuen) Menschen eigenes Werk, sondern es ist vielmehr das Werk des Heiligen Geistes in ihm, der ihn, den neuen Menschen, dann aber mit hineinnimmt in das Tun und nun anfängt, ihn auch effektiv zu verändern – eine Frucht, Folge der Rechtfertigung, nicht Teil der Rechtfertigung.[31] Luther schreibt dazu: „Wer da glaubt an Christus, dass er für uns geboren, gestorben und begraben, auch von den Toten wieder auferstanden sei, der ist wieder geboren oder neu geboren. Da ist einer ein neuer Mensch, denn du hast solche Gedanken, die sonst kein Papist oder Türke hat, nämlich dass Christus für dich gestorben und von den Toten auferstanden sei, und jetzt zur rechten Hand Gottes sitze. Bleibst du nun in diesem Glauben, so ist der Heilige Geist da und tauft dich, stärkt und mehrt dir den Glauben und Affekt, auf dass du anfängst, Gott zu lieben, und ablässt von allen gottlosen Händeln, und tust von Herzen, was Gott haben will, liebst den Nächsten, meidest den Zorn, Hass und Neid. … Es liegt nichts dran, wie du dich kleidest, wie denn auch nichts dran liegt, ob du eine Frau oder Mann seist. Denn das macht dich nicht neu geboren, sondern dass ich glaube an Christus, der für mich gestorben ist.[32] Denn bedenke: Damit, dass Christus durch den Heiligen Geist mittels des Evangeliums den rettenden Glauben im Herzen wirkt, zieht der dreieinige Gott, ziehen vor allem Christus und sein Geist in das Herz des Menschen ein und machen dort tatsächlich, substantiell, effektiv Wohnung und wirken dann in ihm – ein ganz wichtiger und zentraler Aspekt im Blick auf die Heiligung.[33]

    Towns beschreibt daher Luthers Heiligungsverständnis so: „Die Heiligung ist ein fortlaufender Prozess Gottes, gegründet auf der Abgeschlossenheit der Rechtfertigung, in dem der Heilige Geist als eine Folge des täglichen Glaubens im Leben des Gläubigen wirksam ist, wodurch er den Gläubigen reinigt und frei macht für gute Werke, wobei er, der Heilige Geist, in der Gemeinschaft der Gläubigen wirkt – der Kirche, wo Wort und Sakramente gegenwärtig sind.“[34]

    Mit dem Wohnen des Heiligen Geistes im Gläubigen kommt dann auch die Reinigung, die Christus durch den Heiligen Geist im Herzen effektiv beginnt. „Zuerst reinigt er zurechnungsweise, darnach gibt er den heiligen Geist, durch den wir in unserem Wesen gereinigt werden. Der Glaube reinigt durch die Vergebung der Sünden, der heilige Geist durch Wirksamkeit. Das ist die göttliche Säuberung und Reinigung, die vom Himmel herabkommt, aber durch den Glauben und den heiligen Geist.[35] Der Heilige Geist kommt durch das Wort ins Herz und macht uns zu einem neuen Menschen mit einem neuen Sinn und neuen Regungen. Das ist der Anfang der Erneuerung als Folge der Rechtfertigung oder Wiedergeburt. Danach wirkt der Heilige Geist effektiv im Herzen, fegt die Sünde aus, schenkt die Liebe, gibt Festigkeit in der Anfechtung. Er gibt uns aber nicht nur besondere Gaben oder Früchte, sondern wohnt und wirkt selbst in uns. Das alles aber wirkt er nicht unmittelbar, sondern durch das Wort.[36] Wichtig: Nicht der Mensch heiligt sich, sondern der Heilige Geist wirkt es durch das Wort in ihm und wirkt durch ihn die Werke, die Gott zuvor für ihn bereitet hat (Eph. 2,10). Nur durch den Glauben eignet sich der Sünder Gottes Kraft zur Heiligung an.[37]

    Im Vertrauen auf Gottes Barmherzigkeit lebt dann der Gläubige auch das neue Leben, lobt und preist Gott, leidet, tut, was Gott will. Der Glaube bringt also, als Frucht, Folge, mit sich die Liebe und andere Gaben.[38] Es besteht also ein unauflöslicher Zusammenhang zwischen dem Glauben und den guten Werken.[39] Das heißt auch: Die guten Werke können nicht unabhängig vom Glauben sein, denn unabhängig vom Glauben sind sie nicht gut, sondern Sünde; und der Glaube kann nicht ohne Werke sein, denn sonst wäre er tot, also gar nicht vorhanden oder zumindest sehr ungesund. Die Werke retten nicht, sondern dienen dem Nächsten. Allein der Glaube (ohne Blick auf die Werke) rettet, weil er Christus ergreift. Die guten Werke, die der Glaube wirkt, kommen aber nicht aus Zwang, Druck, sondern von Herzen, denn der Glaube hat nun, auch das gehört zu der veränderten Grundhaltung, eine neue Liebe zum Gesetz, das er nun gerne, von Herzen, tun will, weil es der Ausdruck des Willens Gottes ist. So fängt der Glaube also an, das Gesetz zu erfüllen. Der rechte Glaube kann gar nicht müßig sein, sondern muss eifrig, geschäftig sich verhalten. Wo keine guten Werke sind, ist das eine ernste Anfrage an den Heilsstand der Person. Aber umgekehrt sind die guten Werke keine Grundlage für die Heilsgewissheit, sondern die ist allein bei Christus.[40]Darum rechtfertigt der Glaube immerdar und macht lebendig, und doch bleibt er nicht allein, das heißt, müßig; nicht dass er nicht allein auf seiner Ebene und in seinem Amte bleiben sollte, weil er immerdar allein rechtfertigt, sondern er nimmt Fleisch an und wird Mensch, das heißt, er ist und bleibt nicht müßig oder ohne die Liebe. … Es kommen also der Glaube und die Werke in einer Vereinigung zusammen, und dennoch hat und behält jedes von beiden seine Natur und sein eigentliches Amt.[41]

    So bezieht sich also die heiligende Arbeit des Heiligen Geistes zum einen auf die grundlegende Heiligung oder Rechtfertigung des Sünders, indem er durch das Evangelium den rettenden Glauben im Herzen wirkt, rechte Gotteserkenntnis gibt. Diese grundlegende Heiligkeit ist eine vollkommene. Daraus folgt dann die effektive heiligende Arbeit im Herzen, wodurch die Werke der zweiten Tafel der zehn Gebote gewirkt werden. Diese Heiligkeit ist in diesem Leben unvollkommen.[42] Rechtfertigung und Heiligung sind also miteinander verbunden wie Ursache und Wirkung.[43]

    Weil aber auch der gerechtfertigte Sünder weiter auch Sünder bleibt, da der alte Mensch immer noch da ist, ist der Grundzustand des Christen, dass er Gerechter und Sünder zugleich ist (simul iustus et peccator) und ist daher auch im neuen Leben jeden Augenblick angewiesen auf Christi Gerechtigkeit. Denn bei allen guten Werken, die der Glaube hervorbringt und aller Gesetzeserfüllung ist und bleibt Christus allein unsere Gerechtigkeit.[44] Denn der Glaube, seiner Qualität nach, ist und bleibt auch unvollkommen und ist wechselhaft, nicht nur von Person zu Person, sondern auch in derselben Person, mal stark, mal schwach. Daher ist auch alles, was aus dem Glauben gewirkt wird, unvollkommen, wechselhaft, gerade auch wegen des alten Adam in uns.[45]

    Das heißt aber für den Christen, eben weil er Gerechter und Sünder zugleich ist, nun durch den Heiligen Geist der Sünde widerstreben, das Fleisch kreuzigen, den alten Menschen töten (mortificatio), nach dem Fall in rechter Sündenerkenntnis umkehren, Christus die Sünde bekennen und seine Vergebung neu ergreifen (Buße).[46]  Es geht also ganz praktisch darum, das Fleisch, den alten Menschen mit seinen Lüsten, Begierden, Wünschen, Interessen, Zielen täglich immer wieder in Zucht zu nehmen, zu unterdrücken, zu töten, dem Bösen, das von dem Teufel, der Welt und unserem Fleisch kommt, täglich in der Kraft des Heiligen Geistes zu widerstehen.[47] Es ist nicht so, dass wir keine fleischlichen Lüste haben werden; sie sind nicht zu verhindern. Aber wir dürfen ihnen nicht Raum geben; oder, wenn wir es getan haben, dann gilt, in rechter Sündenerkenntnis sie Christus zu bekennen und seine Vergebung und Reinigung neu zu ergreifen.[48] Wer aber sein Fleisch nicht kreuzigt, nicht wirklich gegen die Sünde kämpft, sondern sie wieder zur Herrschaft kommen lässt, der wird den Heiligen Geist und damit auch den Glauben verlieren bis er umkehrt.[49] Wer aber in der Sünde beharrt, der ist aus der Gnade gefallen und ist kein Christ.[50]

    Diese Heiligkeit des Lebens oder der Werke ist, wie schon gesagt, in diesem Leben unvollkommen, aber Gott arbeitet an uns, damit wir wachsen in der Lebens-Heiligkeit. Dazu verwendet er Leid, Kreuz, Verfolgung und vieles andere.[51] So will er uns Demut, Geduld, Freundlichkeit, Dankbarkeit lehren.[52] Dabei geht es immer wieder um das Abtöten des alten Menschen, das Kreuzigen des Fleisches, ein zentrales Thema bei Luther in der Heiligung. So fegt der Heilige Geist die Sünde aus und wirkt tägliche Erneuerung.[53] Das christliche Leben, das ist wichtig, ist in diesem Leben nie fertig, vollkommen, sondern immer im Werden, ist deshalb gekennzeichnet nicht von (eigener) Gerechtigkeit, sondern von Rechtfertigung, nicht von (eigener) Reinigkeit, sondern von Reinigung, unterwegs zur Erfüllung von allem im ewigen Leben, ein Weg, der mit der Taufe begonnen hat.[54] Darum ist die tägliche Buße, die tägliche Sündenerkenntnis, Umkehr, Rechtfertigung so grundlegend wichtig. Auch dabei ist der Heilige Geist am Werk, der täglich sein Amt an uns durch das Wort ausübt und täglich uns zur Sündenerkenntnis leitet und mit Vergebung beschenkt.[55] Darum ist es so wichtig, täglich intensiv mit Gottes Wort sich zu beschäftigen, denn das Fleisch, der alte Adam, kann nur überwunden werden durch eifrige Wortbetrachtung und herzliches Anrufen Jesu Christi.[56]

    Die guten Werke, um die es geht, unterscheiden sich oft kaum von den Werken der Nichtchristen, denn das, was Gott von uns will, ist ja normalerweise nicht das Außergewöhnliche, sondern die Treue im Alltag gemäß der Zehn Gebote und ihrer Auslegung in der Bergpredigt. Der Unterschied liegt oft mehr in der Motivation, in der Haltung, aus der heraus die Werke getan werden, nämlich herzlicher Liebe, gewirkt vom Heiligen Geist.[57]

 

 

Das Luthertum in Auseinandersetzung mit dem Pietismus und den Evangelikalen

 

Roland Sckerl

 

Die Auseinandersetzung mit dem Pietismus

 

1. Allgemeines

    Die Auseinandersetzung mit dem Pietismus ist von großer Bedeutung, denn seine Kinder sind der Revivalismus und die Evangelikalen, oder, anders ausgedrückt, er bildet zusammen mit Revivalismus, Mystizismus und dem Enthusiasmus das, was die heutigen Evangelikalen (und Pfingstler, Charismatiker) ausmacht.[58] Der Pietismus trat an – und auch seine Nachfolger behaupten das bis heute – dass sie zu Luther stünden, aber eine notwendige Ergänzung zu ihm und seiner Reformation darstellten („zweite Reformation“, wovon auch P.J. Spener bereits sprach). Sie werfen Luther und dem orthodoxen Luthertum vor, zu einseitig die Rechtfertigung zu betonen und so die Heiligung zu vernachlässigen; die Sakramente zu stark zu betonen, wogegen die Pietisten den Glaubensgehorsam hochhalten; das Evangelium zu stark in den Vordergrund geschoben zu haben, auf Kosten des Gesetzes.[59]

    Die Reformation selbst, so wurde behauptet, sei in der lutherischen Orthodoxie festgefahren, deshalb bedürfe es einer neuen, in der dann das Leben anstatt der Lehre betont werde, der Geist in seinem Wirken an Stelle des Amtes, Kraft an Stelle äußerer Erscheinung trete. In der Orthodoxie fehle der Geist. Der Glaube solle „lebendig“ sein, das heißt, seine „Früchte“ wurden betont. Die guten Werke, das Tun des Menschen wurde von entscheidender Bedeutung. Ein gewisser Hang zum Perfektionismus wird deutlich (ganz stark dann ausgeprägt im wesleyanischen Methodismus, auch einem Kind des Pietismus). An die Stelle der objektiv von Gott gewirkten Rechtfertigung tritt die Wiedergeburt, bei der oft auch die Erneuerung, das neue Leben mit einbezogen und gerade Letzteres betont wird, denn man meint, die „Lücke“ zwischen Glauben und Heiligung füllen zu müssen, es komme weniger auf die Lehre an als auf das „geistliche Wachstum“ des Einzelnen.[60]

    Ein weiteres Schwergewicht des Pietismus sind die „kleinen Kreise“, die der Unterweisung, der Seelsorge, der Gemeinschaft dienen sollen und die dann letztlich wichtiger sind als die Gottesdienste der Gemeinde. Sie sollen eine „Sammlung der entschiedenen Christen“ darstellen, was einerseits den Hochmut der „Frommen“ fördert, andererseits zur Spaltung der Gemeinde führt. Diese Kreise fördern beides: auf der einen Seite einen frommen Individualismus, auf der anderen Seite einen frommen Kollektivismus. Sie werden zur Stätte religiöser Erfahrung; die Mitgliedschaft in ihr ist sozusagen das Siegel darauf, ein frommer, entschiedener Christ zu sein[61]

    Der Pietismus weiß um die Sünde, glaubt aber, sie durch Buße, tief empfundene Bekehrung und die Stufenleiter persönlicher Heiligung überwinden zu können.

    Theologisch ist der Pietismus sehr divergierend. Ein Schwerpunkt liegt, wie schon herausgehoben, in der Betonung des Lebens auf Kosten der Lehre, des Wortes Gottes. Der Glaube ist erfahrungsbetont.[62] Die Bedeutung der Bibel verschiebt sich: Da nicht mehr das Evangelium im Zentrum steht, sondern eher das Gesetz, gilt die Bibel mehr als ein Instruktionsbuch für christliches Handeln und Leben. Lutherisch ist dagegen die klare Unterscheidung von Gesetz und Evangelium mit dem Evangelium, den Verheißungen im Zentrum.[63]

    Luther wie auch der Pietismus betonen beide die Bedeutung des Glaubens für das christliche Leben – aber sie gehen auseinander in der Beziehung des Glaubens zu den Früchten des Glaubens. Für den Pietismus erweist sich die Echtheit des Glaubens am ethischen Verhalten (was folglich heißt, dass der Glaubende bei seinen Fragen, seinen Glaubenszweifeln nicht an Christus und sein Wort, sondern an sich selbst, sein inneres Leben, seine Werke, sein Verhalten, eben die „Früchte“ verwiesen wird; extreme Form: „Charakterbogen“). Die Wiedergeburt, so der Pietismus, müsse in einem erneuerten Leben deutlich werden. (Diese Aussage ist, für sich isoliert betrachtet, durchaus richtig. Es kommt aber auf den Kontext an, eben wie es zu diesem neuen Leben kommt, wie es korrigiert und erhalten wird.) Ziel des Evangeliums sind für den Pietismus die guten Werke. (Selbst diese Aussage wäre, isoliert betrachtet, noch möglich, korrekt zu verstehen, wenn sie nicht von Christus und seinem Erlösungswerk getrennt wird. Angebunden an Christus und sein Rettungswerk sagt ja auch Luther im Kleinen Katechismus in der Erklärung des zweiten Glaubensartikels im Blick darauf, wohin dies Erlösungswerk beim Gläubigen führen soll: „auf dass ich in seinem Reich unter ihm lebe und ihm diene in ewiger Gerechtigkeit, Unschuld und Seligkeit; gleich wie er ist auferstanden von den Toten, lebt und regiert und Ewigkeit.“) Es geht also im Pietismus nicht in erster Linie darum, was Gott für mich getan hat, sondern was ich für Gott mache. (Die Frage selbst: Das tat ich für dich – was tust du für mich? an den geretteten Sünder ist nicht einfach verkehrt, wie es manche darstellen. Denn das erneuerte Leben soll ja ein Leben für Gott, für Christus sein (Röm. 6,11; 2. Kor. 5,14-15). Nur all das ist eine Frucht des Evangeliums, des Wirkens des Heiligen Geistes durch das Evangelium in dir.) Das hat weitreichende Auswirkungen. Das Leben ist dann geprägt davon, einerseits von Sünde loszukommen, andererseits, ein Hauptanliegen des Pietismus, in guten Werken zu wachsen. Da der Pietismus anthropozentrisch ist, heißt das dann Buße und immer neue Vorsätze zu einem besseren Leben.[64] Das eigene Tun – und damit das Gesetz – steht im Zentrum, Christus und sein Evangelium treten eher zurück. In der weiteren Entwicklung, bei den modernen Evangelikalen, hat dies dann dazu geführt: Das Evangelium ist für den Ungläubigen, damit er sich bekehrt (durch persönliche „Entscheidung“, also auch anthropozentrisches Erlösungsverständnis); das Gesetz ist für den Bekehrten, damit er danach lebt. Anders ausgedrückt: Durch persönliche Entscheidung werde er Christ, durch persönliche Entschlüsse bleibe er Christ und wachse geistlich. Mose drängt dann Jesus in den Hintergrund, das Gesetz das Evangelium, Gehorsam dominiert anstatt Vergebung. Vielfach führt das dann zu Verzweiflung anstatt Trost (oder zu einem frommen Stolz). Das christliche Leben wird so geprägt von Gehorsam und guten Werken (ähnlich wie bei den Galatern)[65]

    Luther und die lutherische Kirche beschreiben das Evangelium dagegen als Gottes Kraft zur Erlösung. Mit der Vergebung der Sünden kommt auch der Tod des alten Menschen und die Erneuerung des Lebens im Alltag. Die Frucht aber bleibt oftmals verborgen unter dem Kreuz in dieser Welt. Während für den Pietismus die ethische Dimension sich im richtigen Verhalten, in den guten Werken zeigt, wird sie für das biblische Luthertum deutlich im täglichen Kampf zwischen neuem und altem Menschen, der Gerechter und Sünder zugleich ist. (siehe auch Gal. 5,16 ff.) So bleibt dann auch Christus mit seiner Rechtfertigung im Zentrum.[66] Der Pietismus hat den Schwerpunkt von dem Christus für uns auf den Christus in uns verschoben.[67]

    Der Pietismus identifiziert den Glauben mit der Wiedergeburt (die er wiederum mit der Erneuerung verbindet) und lässt so Christus in den Hintergrund treten, da der Glaube mit seinen Erfahrungen und Werken in den Vordergrund tritt. Während, wie schon gesagt, der Christ gemäß der biblischen Lehre im Luthertum „Gerechter und Sünder zugleich“ (simul iustus et peccator) ist, wird er im Pietismus hauptsächlich als Gerechter gesehen, der immer mehr Richtung Vollkommenheit fortschreitet. Luther hat das christliche Leben und die christliche Lehre dialektisch gefasst: Gesetz und Evangelium, Sünde und Gnade, Verdammnis und Glauben. Der Pietismus übernimmt das nicht und ist vielmehr fokussiert auf die Erfahrungen des Glaubens und seine Äußerungen in den guten Werken.  Er ist hier stärker an der mittelalterlichen Mystik orientiert.[68] Dieses Phänomen findet sich bereits bei Johann Arndt, wie nicht nur seine Zitate aus Mystikern und Theosophen zeigen, sondern auch seine Behauptung, nicht nur Wort und Sakrament seien die Kennzeichen der Kirche, sondern auch die Liebe.[69] Der Pietismus hat die starke Tendenz, das Leben als geistliche Erfolgsgeschichte, als geistliche Wachstumsgeschichte anzusehen, ein besserer Christ zu werden, mehr gute Werke zu tun. Das ist Herrlichkeits-, nicht Kreuzestheologie.[70]

    Der Pietismus kritisierte, die lutherische Reformation sei in den äußeren Ordnungen stecken geblieben; er wolle nun die Reformation des Einzelnen und die Rückkehr zur Urkirche.[71]

 

2. Philipp Jakob Spener (1635-1705)

    Spener ist in seiner Entwicklung stark beeinflusst worden von Johann Arndt sowie den Puritanern und der mittelalterlichen Mystik. Das alles verstärkte sich noch durch sein Studium in Basel und Genf, wo noch der Einfluss der Theologie Martin Butzers und Johannes Calvins dazu kam. Bald nach seinem Amtsantritt in Frankfurt am Main begann er mit den „collegia pietatis“, privaten Versammlungen, die unter anderem dazu dienen sollten, „heilige und enge Freundschaften“ zu fördern, das Feuer der Liebe zu entzünden und einander durch das gegenseitige Beispiel anzureizen.[72] Fünf Jahre später gab er seine Programmschrift, die „Pia desideria“ heraus, in der er unter anderem die Mystiker und Thomas von Kempen als Lektüre empfahl. Der Schwerpunkt wird in dieser Schrift verschoben vom Wort auf das „innere Leben“. Der Glaube allein reiche nicht aus, er allein rette nicht, sondern er müsse durch die Werke bezeugt werden. Das nannte Spener dann den „lebendigen Glauben“. Es komme auch nicht nur auf die Schrift an, sondern der Geist müsse noch hinzu kommen (hier bemerken wir schon, wie Spener Schrift und Geist trennt). Er hält eine Erneuerung der Urkirche in jedem Zeitalter für möglich. Sein Ansatz ist der Ausgangspunkt auch zu dem, was dann an Perfektionismus, Heiligungsbewegung, Pfingstler, Charismatiker und Evangelikale später auftreten sollte.[73] Diese „kleinen Kreise“ (ecclesiola in ecclesia) haben weitreichende Auswirkungen in ihrer Bedeutung: Sie sehen sich als Einrichtung zur „Förderung der Heiligung“ des Einzelnen und haben damit eine Tendenz zum geistlichen Hochmut, zur geistlichen Absonderung von der restlichen Gemeinde. Entscheidend sind ja nicht mehr die biblischen Kennzeichen der Kirche (Wort und Sakrament), sondern die gleichen Erfahrungen, die gleiche Gesinnung, die gegenseitige „Liebe“. Die Kirche als Gemeinschaft unter dem einen Haupt, Christus, der die Seinen durch Wort und Sakrament nährt, tritt zurück hinter einem veräußerlichten Kirchenbegriff, der an den äußeren Bedingungen des Lebens orientiert ist.[74]

    Da der Schwerpunkt von der Schrift Gottes auf den inneren Menschen verlagert wird, tritt auch die Bedeutung der Lehre zurück, ebenso auch die Kirche hinter dem Einzelnen. Der Fokus wird nun auf das Leben gelegt, auf Erfahrungen, den Lebensstil, wie wir dies heute etwa auch bei den Evangelikalen finden. Diese Tendenzen haben auch die Ökumene, konfessionelle Gleichgültigkeit und damit die Vermischung der Konfessionen, gefördert.[75]

    Der Pietismus ist damit nicht mehr christozentrisch, sondern, wie dann auch der Rationalismus, anthropozentrisch. Die menschliche Erfahrung und die „erleuchtete Vernunft“ stehen nun im Zentrum; das Schwergewicht ist vom Christus für uns auf den Christus in uns verlagert.[76]

    Das Resultat dieser Theologie Speners ist die Trennung von Geist und Wort, von Glaube und Leben, von innerem Menschen und den Gnadenmitteln. Es gehe nicht nur um das Hören des Wortes, sondern darum, dass im Herzen Empfindungen und Trostgefühl geweckt würden; es gehe nicht nur um die Taufe, sondern darum, dass von ihr durch das Leben Zeugnis abgelegt wird; nicht das Abendmahl an sich sei entscheidend, so wie der innere Mensch dadurch genährt werde. Es komme nicht auf den „äußeren Gottesdienst“ an, sondern auf den „inneren Menschen“.[77] Überhaupt meint der Pietismus, dass Wort und Sakrament als Merkmale der Kirche nicht ausreichten, es müsse vielmehr die Liebe hinzukommen, die dann im Pietismus immer mehr entscheidend wird.[78]

   Auf den ersten Blick erscheinen diese Aussagen gar nicht so radikal, viele hätte Luther ähnlich formulieren können. Und doch gibt es entscheidende Unterschiede. Luther betonte, dass es der Heilige Geist ist, der an dem inneren Menschen wirkt, und zwar durch die Gnadenmittel, also äußere Mittel; dass der innere Glaube aus dem Hören auf das „äußere Wort“ kommt, denn es ist das Wort (durch den Geist im Wort), das tötet und lebendig macht. Für Luther ist der Glaube per definitionem „lebendiger Glaube“, einen anderen gibt es gar nicht. Es ist der Glaube aus dem Wort, der rettet, die neue Geburt empfängt. Er ist, wenn er gesund ist, aktiv, lebendig, denn er hält sich an Christus und sein Wort.[79]

    Für den Pietismus ist somit die Rechtfertigung nur eine Stufe, zu der dann die Heiligung kommen muss, also menschliche Aktivität. So wird die Heiligung zum Zentrum des Glaubenslebens anstelle der Rechtfertigung.[80] Da ja allerdings Rechtfertigung und Heiligung miteinander verbunden sind, zog Spener daraus den verhängnisvollen Schluss, dass niemand gerechtfertigt werde, der nicht in der Heiligung lebe. Damit aber wird die Rechtfertigung von menschlichem (Mit-)Handeln abhängig gemacht.[81]

3. August Hermann Francke (1663-1725)

    Francke war nicht zuletzt geprägt durch die pietistischen Kreise (collegia philobiblica), in denen er in Leipzig verkehrte, und seinem „Bekehrungserlebnis“ in Lüneburg, wie er das Ereignis dort deutete und im Blick auf das er ja behauptete, dass er erst von da ab wirklich Christ gewesen sei.[82] Sein Ziel war, die Welt zu verändern, indem er die Personen veränderte; die Welt sollte durch Gottes Willen regiert werden. Hier wird sehr deutlich, dass der Pietismus nicht Kreuzes-, sondern Herrlichkeitstheologie vertritt. [83]

    Francke meinte, dass er zum Erreichen seines Ziels ein klares Programm und klare Methoden benötigte. Sein Programm zeigt ein deutliches anthropozentrisches Gepräge, also auf den Menschen und sein Handeln abgerichtet, und hat einen eindeutig gesetzlichen Zug, wie er sich z.B. in einem extremen Zeitmanagement zeigte. An die Stelle der christlichen Lehre ist das christliche Leben getreten. Die Bibel war für ihn in erster Linie Offenbarung des Gesetzes, konkreter ethischer Anweisungen. Als bedeutendes Kriterium für ihre Autorität galt die Erfahrung. Der Fokus war vom Wort Gottes umgeleitet worden auf das „glaubende Herz“. Während für Luther der Glaube seine Kraft und Gottes Wort und seinen Verheißungen in Christus bekam, wobei der subjektive Glaube selbst zu Zeiten schwach, zu Zeiten stark sein kann, unterscheidet Francke zwischen lebendigem Glauben und einem solchen, die nicht existiert. Zentral ist daher im Pietismus nicht der, an den geglaubt wird, sondern derjenige, der glaubt.[84]

    So untergräbt der Pietismus mehr und mehr die Fundamente der Reformation. Stand für die Reformation die Rechtfertigung im Mittelpunkt, so ist es für den Pietismus die Wiedergeburt, wobei diese vielfach nicht nur die Erlösung umfasst, sondern auch die Erneuerung, wobei auf letzterer der Schwerpunkt gelegt wird. So steht im Pietismus die Heiligung im Zentrum, nicht die Rechtfertigung, auch wenn Francke Glaube und Werke unterschied. Es geht dabei um ein Anwachsen der Heiligung, bis hin zu Vollkommenheit. Mit der Betonung der individuellen Moral ist das Heiligungsverständnis stark anthropozentrisch, das menschliche Handeln wird faktisch zur Basis des Glaubens. Im modernen Evangelikalismus geht es daher auch weniger um die Lehre, als vielmehr um persönliche Frömmigkeit und einen entsprechenden Lebensstil. Das hat weitreichende Folgen. Der moderne Evangelikalismus will die Welt verändern, heiligt dabei praktisch die Welt, indem er sie etwas christianisiert – und verweltlicht dabei selbst zusehens. Luther verstand die Heiligung theozentrisch, christozentrisch, vor allem im Blick auf den Christus in uns und dem Wirken des Heiligen Geistes an uns durch Wort und Sakrament.[85] Lutherische Theologie ist nicht auf menschliche Erfahrung, sondern auf die von Gott in Wort und Sakrament vorgegebenen objektiven Tatsachen gegründet.[86] „Der wahre Unterschied zwischen konfessionellem Luthertum und Pietismus ist religiöser Objektivismus gegen religiösen Subjektivsmus.“[87]

    Der Pietismus neigt dadurch auch dazu, dass Zweifel, wenn sie aufkommen, eher nicht durch das Wort, sondern mehr durch die Erfahrung überwunden werden. Für Luther dagegen war der Glaube als Glaube an Gottes Verheißungen in Christus entscheidend, ein Glaube, der mal schwach und mal stark sein kann; die „Qualität“ des Glaubens spielte für ihn keine Rolle, ganz im Unterschied zum Pietismus.[88]

    Der anthropozentrische Grundcharakter des Pietismus kommt auch darin zum Ausdruck, dass es für ihn nicht zentral ist, dass Gott zum Sünder kommt durch Wort und Sakrament, sondern dass der Sünder aufsteigt zu Gott (was ja auch das Konzept des „Lobpreises“ ist). Auch synergistische Tendenzen treten auf, wenn auch nicht so sehr bei Francke. Aber die Gefahr bestand und besteht, dass der Gehorsam des Glaubens als Teil der Erlösung verstanden wird. Der anthropozentrische Ansatz zeigt sich auch darin, die Heilsgewissheit durch den Blick auf sich selbst und die eigenen Erfahrungen festzumachen, nicht so sehr im Blick auf das, was Christus für uns getan hat. Die Werke würden Zeugnis ablegen vom Glauben und dem Stehen in der Gnade. Im Pietismus droht so die christliche Theologie zu einer christlichen Ethik reduziert zu werden. Neben Wort und Sakrament wurde die Liebe zu einem Kennzeichen der Kirche, was auch zu einer Umdeutung der Kirche führt. Denn während nach biblisch-lutherischer Lehre die Kirche im eigentlichen Sinn dem menschlichen Auge verborgen bleibt, würden ihre Glieder nach pietistischer Auffassung ja an der Liebe erkannt, an ihrem entschiedenen Christentum.[89]

 

 

Die Auseinandersetzung mit den Evangelikalen

 

    Die evangelikale Bewegung ist keine einheitliche Formation, sondern da fließen viele unterschiedliche Richtungen zusammen, die aber verschiedene Grundauffassungen zumindest im Ansatz teilen. In den einzelnen Ländern ist dabei das Gewicht dieser Strömungen unterschiedlich. So rechnen sich in der BRD wohl auch nicht wenige zu den Evangelikalen, die eigentlich aus einem mehr kirchlichen Gepräge kommen, aber theologisch konservativ sind und daher unter Umständen sich selbst als evangelikal ansehen oder von anderen so bezeichnet werden. Auch muss der Gebrauch dieses Begriffes kirchengeschichtlich differenziert werden. Im 18. und 19. Jahrhundert bezeichnete „evangelikal“ in Großbritannien – in anderen Ländern war er damals eher unbekannt, im deutschsprachigen Raum kam er erst nach dem zweiten Weltkrieg, wohl in den 1960er Jahren auf – konservative Anglikaner, die zumeist mehr oder weniger stark reformiert geprägt waren und in etwa auf dem Boden des Westminster-Bekenntnisses standen. Das ist zu bedenken, wenn man den Begriff in kirchengeschichtlichen oder biographischen Werken über diese Zeit findet. Denn heute ist der Begriff inhaltlich weithin anders geprägt[90], wenn auch unter Umständen im britischen Bereich diese Kreise auch noch zu den Evangelikalen zählen (wie etwa Martyn Lloyd-Jones), vielleicht dort sogar noch das Übergewicht haben. Völlig anders sieht es dagegen in den USA aus, wo sich zwar auch konservative konfessionelle Kreise aus reformiertem Hintergrund zuweilen als „evangelikal“ bezeichnen, oft dann aber mit dem Zusatz „confessing“, also „bekennende Evangelikale“, unter welcher Bezeichnung sie ja auch die Cambridge Declaration herausgegeben haben (auch Francis Schaeffer etwa wäre diesen Kreisen zuzurechnen). Um diese Richtung geht es hier nicht. Hier geht es um diejenigen, die in den USA im Umfeld der Fundamentalisten und der sich von ihnen getrennten „National Association of Evangelicals“ (NAE) bewegen und den ganz überwiegenden Teil der Evangelikalen dort prägen. Von diesen ist auch der Begriff in die BRD und überhaupt den deutschsprachigen Raum gekommen. Und die deutschsprachigen Evangelikalen haben eine durchaus ähnliche Prägung, während es bei denen, die außerhalb beider Länder der Weltweiten Evangelischen Allianz angehören, unterschiedlich sein mag.

 

    Bryan Wolfmueller führt vier Hauptmerkmale oder Grundtendenzen für die Evangelikalen an: Revivalismus, Pietismus, Mystizismus und Enthusiasmus.[91]

    Revivalismus umschreibt die Grundlinie des evangelikalen Erweckungschristentums, wie es durch den arminianischen Methodismus und vor allem Charles Finney und allen, die ihm gefolgt sind (Dwight D. Moody, Billy Graham u.a.), geprägt wurde: Das christliche Leben beginnt nicht mit Christi Werk am Sünder, sondern mit der „Entscheidung“ des Sünders für Christus (Entscheidungstheologie), seiner „Übergabe an Christus“ (siehe auch die „Vier geistlichen Gesetze“ von Bill Bright, Campus für Christus). Die Bekehrung wird da, da man von der falschen Lehre eines „freien Willens“ beim unbekehrten Sünder ausgeht, als ein Akt des Willens angesehen, der entsprechend beeinflusst werden kann und soll (siehe im 19. Jahrhundert: new measures, Angstbank, Bußbank, wie sie ebenso im Methodismus und der Heilsarmee praktiziert wurden und Samuel S. Schmucker versuchte, auch in die lutherische Kirche im Osten der USA (General Synod) einzuführen). Heute entspricht dem dann der „Altarruf“ oder der Ruf, „nach vorne zu kommen“. Das führt zu einem völlig irrigen Evangeliumsverständnis, nämlich dem Evangelium als „Aufruf zur Umkehr“ als menschlichem Akt. Die Erlösung geschieht somit aus einem Zusammenwirken von Gott und Mensch, wobei die menschliche Entscheidung im Zentrum steht. Christus hat zwar die Erlösung möglich gemacht, aber es würde vom Willen des Menschen abhängen, ob sie für ihn Realität würde. Aus der Zueignung der Gnade an den Sünder durch das Evangelium wurde das Angebot der Gnade, über dessen Annahme der Sünder mit freiem Willen entscheidet. Das Evangelium ist nur noch historische Information über Christus und seine Rettungstat – mehr nicht. Alles weitere wird dann dem Hörer überlassen, der auf die Information reagieren muss durch einen Willensakt, so die Evangelikalen. Nimmt er das Angebot an, dann hat er auch den Nutzen. Erlösung erscheint dann weniger als Rettungstat denn als Reparatur, die im Do-it-yourself-Verfahren durchgeführt wird – man muss nur die richtige Wahl treffen. Weil Christus für dich starb, darum kann dir vergeben werden (die objektive oder allgemeine Rechtfertigung wird also geleugnet), aber eben nur, wenn du die richtige Wahl triffst und in der Folge, in deinem Christenleben, die richtigen moralischen Entscheidungen, die auf das Gesetz gegründet sind. Deine Rettung hängt damit entscheidend nicht mehr nur von Gott ab, sondern gerade auch von dir selbst, von dem, was du tust. Das führt dann auch dazu, dass viele in evangelikalen Kreisen meinen, man könnte feststellen – oder festlegen – wer „wiedergeboren“ sei und wer nicht und versuchen so, die (verborgene) eine heilige christliche Kirche sichtbar zu machen. (Das ist auch ein Erbe des Pietismus, denn schon bei Spener, noch mehr bei Francke, wurde ja der als ein wahrer, also wirklich gläubiger, Christ angesehen, der ein „lebendiges Christentum“ lebte. Francke hatte da faktisch eine Dreiklassengesellschaft.[92] Ähnliches ist im heutigen Evangelikalismus auch zu finden, wenn unterschieden wird zwischen toten, fleischlichen und geisterfüllten Christen (was vergleichbar ja auch bei Watchman Nee zu finden ist), was auch die Vermischung von Rechtfertigung und Heiligung zeigt. Dies wird ja auch deutlich, wenn, im Blick auf Bekehrung, aufgerufen wird dazu, „Jesus auf den Thron in deinem Herzen“ oder „deines Lebens“ zu setzen. Für die Heiligung ist das täglich unbedingt notwendig – aber mit der Rechtfertigung hat das nichts zu tun, da können wir gar nichts dazu tun.)

    Für das daraus folgende christliche Leben gilt dann, dass die Bibel vor allem als ein Instruktionsbuch angesehen wird, als ein Buch, das dem Christ Anweisung, Wegweisung gibt, wie er sein Leben zu führen hat. Das Gesetz bekommt einen zentralen Platz im christlichen Leben, denn es gibt die Lebensordnung vor und leitet dich an, die Sünde zu überwinden. Da vom „freien Willen“ ausgegangen wird und Evangelisation damit heißt, den menschlichen Willen zu beeinflussen (oder, krasser ausgedrückt, zu manipulieren), finden sich auch dementsprechende Gottesdienstweisen, die darauf abzielen, dem Menschen zu willen zu sein (Gottesdienst als Unterhaltung, emotionale Gottesdienste). Sünde wird in diesem Zusammenhang mehr als ein moralischer Defekt angesehen, der durch rechte Entscheidungen überwunden werden kann. Aufgrund der Vergebung, die der Sünder in der Bekehrung bekommen habe, sei er dazu nun in der Lage. Insgesamt ist der Revivalismus anthropozentrisch: Es beginnt mit dem Menschen und seinem Handeln und es geht fort mit dem Menschen und seinem Handeln. Das kann dann zu Problemen mit der Heilsgewissheit führen.[93] Der Evangelikalismus, wie auch der Pietismus, beide sind ja heute eng verwoben miteinander, neigen dadurch zur Gesetzlichkeit, d.h., der dritte Gebrauch des Gesetzes (als Regel) wird in erster Linie betont, nicht der zweite Gebrauch (als Spiegel zur Sündenerkenntnis) und greift dabei oft auch in den Bereich der Mitteldinge ein, legt für sie gesetzliche Regeln fest.[94]

    Für eine gesunde lutherische Theologie müssen wir aber auch beachten:

    Allerdings, und das ist nun ganz wichtig, wäre es falsch, so zu tun, als spiele der menschliche Wille überhaupt keine Rolle. Tatsächlich hat der unbekehrte Mensch geistlich keinen freien Willen. Im Blick auf seine Erlösung ist der natürliche Mensch daher völlig passiv, die Bekehrung, Wiedergeburt, geistliche Lebendigmachung ist einzig Gottes Werk. Aber mit der Wiedergeburt werden auch Wille und Vernunft regiert, so dass nun der bekehrte, gerechtfertigte Sünder, wenn auch nur untergeordnet, mit dem Heiligen Geist kooperiert. Die Aufrufe des Paulus etwa zu Hingabe, Röm. 12,1; 2. Kor. 5,14-15, verdeutlichen dies. Hier geht es, wie Petrus 2. Petr. 1,10 schreibt, darum, die Berufung festzumachen. Denn Gottes Ziel mit dem Menschen ist ja allerdings, dass er zum bewussten Glauben und so auch zu einer bewussten, entschiedenen Nachfolge kommt. Das muss ganz klar im Blick behalten werden.

    Das Ziel von Erweckung, nämlich dass Gott es schenkt, dass eine größere Anzahl von Menschen zum Glauben kommt, dass es zu einem größeren geistlichen Aufbruch, darf wegen der Irrwege des Revivalismus nicht aufgegeben werden. Zwar ist nicht immer oder ständig Erweckung nötig, wenn auf den vorgegebenen Wegen der Unterweisung, der Predigt, der gemeindlichen Arbeit Menschen zu rechter Sünden-, Verdorbenheits- und Verlorenheitserkenntnis einerseits und Christus- oder Heilserkenntnis andererseits kommen. Wenn aber über eine Zeit und in einer Gegend der Unglaube immer mehr zugenommen hat, dürfen und sollen wir allerdings um Erweckung beten.

    Die Heils- oder Gnadenordnung darf nicht deshalb, weil sie der Pietismus zumindest teilweise schematisch-gesetzlich gebraucht hat, so, als wäre das eine zeitliche Abfolge, anhand deren man feststellen könne, wo ein Mensch steht, außer Acht gelassen oder gar abgelehnt werden. Sie gibt nicht eine zeitliche, wohl aber eine logische Abfolge verschiedener Stadien des Heilswirkens Gottes durch seinen Geist mittels des Evangeliums am Sünder an, ein Wirken, das nicht mit der Wiedergeburt des Sünders abgeschlossen ist, sondern sein ganzes Leben bis zu seinem Tod weitergeht. Gerade in einer Zeit, in der Pietisten und Evangelikale immer mehr die Predigt von Sündenerkenntnis, Sündenverdorbenheit, Verlorenheit, Umkehr wie auch von Hingabe und Heiligung vernachlässigen, ist es umso wichtiger, dass wir an den biblischen Grundordnungen des Heils – Buße und Vergebung der Sünden (Luk. 24,47), Erleuchtung durch das Gesetz und Erleuchtung durch das Evangelium, festhalten und klar bezeugen.

    Auch im Blick auf das Gesetz darf das Kind nicht mit dem Bade ausgeschüttet werden. Ja, der Evangelikalismus ist stark gesetzlich geprägt, weil bei ihm das Gesetz im Zentrum des christlichen Lebens steht, nicht das Evangelium. Aber das darf nicht heißen, dass das Gesetz für den Christen im Blick auf sein Leben nichts mehr zu sagen hätte. Vielmehr hat es neben seiner Hauptfunktion als Spiegel (zur Sündenerkenntnis) noch eine weitere für den Christen, nämlich als Regel (dritter Gebrauch des Gesetzes), die uns den Willen Gottes kund tut. Für den Christen ist das Gesetz keine Zwangseinrichtung mehr. Da es ihm ins Herz geschrieben ist und er gerne den Willen Gottes ausführen will, fragt er es auch gerne, welches denn der Wille Gottes ist, damit er nicht menschengemachte Gesetze einführt. Aber das Gesetz ist nur Information, es kann keine Kraft geben, den Willen Gottes auch auszuführen. Die kommt allein aus dem Evangelium. Das Evangelium reizt und leitet den gerechtfertigten Sünder zur Hingabe; das Evangelium motiviert und treibt ihn, nach Gottes Willen zu fragen; das Evangelium gibt auch die Freude und die Kraft, ihn auszuführen. Und durch das Evangelium empfängt er auch täglich wieder die Vergebung für die vielerlei Sünden, die leider jeden Tag anfallen.

 

    Der Pietismus wurde im vorigen Kapitel näher betrachtet.

    Während der Pietismus versucht, die Frage der Heilsgewissheit durch den Verweis auf die guten Werke, die geistliche Erfolgsgeschichte zu klären, will der Mystizismus sie im inneren Leben finden, das ja auch im Pietismus bereits eine wichtige Rolle spielt. Dabei geht es um ein unmittelbares Fühlen Gottes in uns, oder, anders ausgedrückt, eine Erfahrung der Gegenwart Gottes ohne Mittel, also ohne Wort und Sakrament. Der Gottesdienst soll daher bei den Teilnehmern das Gefühl der direkten Gegenwart Gottes vermitteln (genau das ist eine der Aufgaben des Lobpreises, neben der, dem Teilnehmer den Weg zu Gott zu bahnen), sie in die unmittelbare Gegenwart Gottes führen. Er könne es dann selbst fühlen, erfahren, wann es geschieht, wann diese Gegenwart da wäre, es sei eine innere Erfahrung. Es geht um eine „Intimität mit Gott, Christus“ ohne Gnadenmittel. Die Frage, die dahinter steht, ist: Wie kann ich in Kontakt mit Gott kommen? Und die Antwort, die Evangelikale dann geben ist: Er ist in dir selbst. Es geht also, wie im Pietismus, um subjektive Erfahrung, sowohl in Verbindung mit der Bekehrung als auch mit dem Wachstum an guten Werken. Dadurch werde die Realität Gottes bewiesen – und zugleich gilt die Erfahrung als Beweis für den Glauben. Damit sind dann aber auch die Probleme verbunden, nämlich in dem Moment, wenn sich das „Gefühl“, die „Erfahrung“ nicht einstellt. Außerdem ist eine große Ungewissheit damit verbunden, da die eigene geistliche Lage sich ja ständig ändern kann und auch ändert und so zwischen den Extremen Stolz und Verzweiflung hin und her pendelt. Da es vor allem darum geht, dass „Erfahrungen“ erzeugt werden, führt das zu einem Konsumverhalten im Glauben, zu einem Marketingsystem in der Kirche. (Im liturgischen Gottesdienst der evangelisch-lutherischen Kirche geht es dagegen um äußere, um objektive Dinge, Tatsachen. Die Brücke zwischen Gott und uns Menschen ist nicht unser Gefühl, sondern Jesus Christus, wie er sich uns in Wort und Sakrament offenbar. Im Mystizismus geht es um innere, subjektive Erfahrungen.)[95]

    Enthusiasmus ist ein Globalbegriff, mit dem die Haltung umschrieben wird, dass geistlich nur das sei, was „in mir geschieht, nicht das, was äußerlich oder durch äußerliche Mittel (Gnadenmittel) geschieht, das seien „Werke“. So wird etwa behauptet, die Taufe geschehe ja außerhalb von mir, also sei sie ein Werk. Es geht, anders ausgedrückt, um das unmittelbare Wirken des Heiligen Geistes in Menschen. Gott redet zu mir in meinem Herzen; er gibt seine Gabe in mein Herz; in meinem Herzen werde ich für gute Werke motiviert; in meinem Herzen weiß ich, dass Gott mir nahe ist: das ist Enthusiasmus. Im Zusammenhang mit dem Revivalismus heißt das: Wenn du „fühlst“, dass Christus an dir arbeitet – dann „entscheide“ dich. Die Schrift reicht da also nicht aus, das „Gefühl“ muss dazu kommen. Man will Gott „hören“. (So wird dann auch das Gebet als Zwiegespräch bezeichnet.) Es ist dies das innere Wort, wie es schon bei Schwenckfeld und Münzer zu finden war. Die Bibel wird dann zwar gelesen, aber ihr Wort bekommt erst dann eine Relevanz, wenn es der Heilige Geist „im Herzen bestätigt“. Es komme auf das „innere Wirken“ des Heiligen Geistes an; das Reden Gottes in mir, das Richtung für das alltägliche Leben gibt; es ist das innere Gefühl, das die Gegenwart Gottes angibt. Der Enthusiasmus fasst sozusagen Revivalismus, Pietismus und Mystizismus zusammen. Das Problem ist nicht, dass Gott in uns wirkt, denn das macht er ja wirklich. Das Problem liegt darin, wenn geleugnet wird, dass dieses innere Wirken durch äußere Mittel, eben Wort und Sakrament, Bibel und Predigt, geschieht.[96] Darüber hinaus, auch das darf wegen des Irrweges nicht ausgeblendet werden, kann es allerdings sein, dass Gott durch sein Wort in einer bestimmten Situation in besonderer Weise spricht, ein Wort besonders wichtig, hilfreich, wegweisend macht. Ebenso kann es sei, dass er uns in unserem Sinn auf etwas aufmerksam macht, was gerade wichtig ist. Denn Er, der HERR hat alles, unser gesamtes Leben, in seiner Hand. Aber die Grundbeziehung zwischen Gott und dem Sünder läuft über Wort und Sakrament.

 

 

 

THEOLOGISCHE ANMERKUNGEN

 

Die Bedeutung des „Volkes“ nach der Bibel

 

Roland Sckerl

 

    In einer Zeit, in der durch linke, vor allem marxistische und neomarxistische Propaganda („offene Gesellschaft“) und dem auch bis in bürgerliche Kreise hinein geförderten Trend zu übernationalen Einrichtungen (EU, UNO), in einer Zeit, in der gerade in den westlichen Ländern im Allgemeinen und in der BRD im Besonderen der Begriff des Volkes oder der Nation negativ beladen wird, ist es wichtig, dass wir uns auf der Grundlage der Schrift über die Bedeutung des Volkes oder der Nation gemäß Gottes Willen und Ordnung klar werden. Diese Tendenz wurde schon sehr deutlich im Evangelischen Kirchenlexikon, das leugnet, dass Völker Teil der Stiftungen Gottes sind. Auch sieht es die Aufgabe nationaler Souveränität für übernationale Einrichtungen als völlig in Ordnung an und tut sich mit dem Phänomen „Volk“ oder „Nation“ sehr schwer.[97]

    Dagegen hat der israelische Bibellehrer, Philosoph und politische Theoretiker Yoram Hazony auf der Grundlage des Alten Testaments den Nationalismus oder das Festhalten an der Nation und dem souveränen Nationalstaat abgeleitet. Nationalismus dabei nicht als Überhebung der einen Nation über die andere, sondern vielmehr als das Recht aller Völker, gleichberechtigt in jeweils souveränen Staaten zu leben und nicht von anderen dominiert zu werden. Dem stellt er die universalistischen oder imperialen Mächte gegenüber, zu denen er unter anderem auch die EU zählt, in denen die Völker, Nationen von anderen Mächten, Kräften dominiert werden und daher nicht wirklich frei sind. Nationalismus ist für ihn daher auch gleichbedeutend mit Freiheit.[98]

    Daher ist es wichtig, dass wir nun selbst anhand der Bibel, vor allem des Alten Testaments, prüfen, welchen Stellenwert, welche Bedeutung das „Volk“, die „Nation“ dort hat. Ein Schlüsselkapitel dazu ist die Völkertafel in 1. Mose 10, die den Ursprung der Völker angibt, mit eingeschlossen der Bericht über den Turmbau zu Babel und die Sprachenverwirrung in 1. Mose 11,1-9 (auf die unter Umständen V. 25 bereits ein Hinweis ist, so etwa Westermann in seiner Genesis-Auslegung). Diese Völkertafel umfasst, nach verschiedenen Zählungen, 70 Völker. Sie erhebt dabei, wie die Verse 5a und 18b zeigen, keinen Anspruch auf Vollständigkeit, sondern gibt vielmehr an, dass aus diesen Völkern auch alle weiteren entstanden sind.[99] Sie gibt zunächst das völkische Umfeld der Berufung Abrahams und damit auch der späteren Volkwerdung Israels wieder., wobei 10,1 direkt anknüpft an 9,19, eine Aussage, die dann 10,32 wieder aufgenommen wird. Das erste Buch Mose ist dabei ja in 10 Tholedote eingeteilt – der nächste beginnt dann erst 11,10, das anzeigt, dass die Verse 11,1-9 noch in enger Verbindung zu den Aussagen in Kapitel 10 stehen.[100]

    Warum gerade 70 Völker? Die Zahlen haben in 1. Mose durchaus eine Bedeutung. In 70 ist zum einen 10 enthalten, eine Zahl, die ein abgerundetes Ganzes umschreibt (daher auch zehn Tholedote); 7 steht für die von Gott gewollte Totalität, wie sie etwa in der Schöpfungswoche ausgedrückt wird. Die Zahl 70 besagt also, dass die Vielzahl der Völker von Gott gewollt und geordnet ist. Die Völker existieren, weil Gott sie will.[101]

    Was bedeutet diese Verbindung zu Kapitel 9? Alle Völker kommen von Noah und seinen Söhnen her, das heißt, alle Völker sind letztlich miteinander verwandt und bilden eine große Völkerfamilie (s.a. Apg. 17,26). Wenn wir bedenken, dass 1. Mose 12,3 wiederum von allen Völkern die Rede ist, so wird auch deutlich: Alle Völker sollen durch den Samen Abrahams, Christus, gesegnet werden. Zudem heißt das auch: Es gibt keine Überbewertung oder Herabsetzung bestimmter Völker, alle sind gleichwertig vor Gott. (Auch Sem wird in dem Kapitel keine Sonderstellung eingeräumt.)[102] In den drei Söhnen und ihren Nachkommen, Kulturkreisen, werden auch Völkerschicksale und Völkercharaktere abgebildet: die heimat- und religionsverbundenen Semiten; die freien Japheten; die sinnlich-ausschweifenden Hamiten, die gerade auch aufgrund ihrer Sinnlichkeit und Verweichlichung zu Untertanen werden. Dies zeigte sich schon in seinem Verhalten seinem betrunkenen Vater gegenüber, das ganz im Gegensatz steht zu dem ehrfurchtsvollen, keuschen Handeln Sems und Japhets. Hier wird deutlich, was Völker stark und beständig macht: Ehrfurcht vor dem Alter, Keuschheit, Sittsamkeit, Achtung von Ehe und Familie, aber auch, was den Niedergang beschert: Unsittlichkeit, Schamlosigkeit, Sinnlichkeit[103] (das zeigte sich ja auch am Niedergang Athens und Roms).

    Die Verknüpfung mit Kapitel 11,1-9 macht aber auch deutlich: Alle Völker befinden sich natürlicherweise im Aufruhr gegen Gott. Gerade aus diesem Grund kam es auch zur Verwirrung der Sprachen, um so dem Ausmaß der Sünde, dem Ausmaß des Aufruhrs gegen Gott engere Grenzen zu setzen.[104] Das voneinander Getrenntsein der Völker, nicht zuletzt auch durch die Sprachen, ist also Teil der Erhaltungsordnung Gottes für diese Welt, für die Menschheit, nach dem Sündenfall. Alle Versuche, diese Ordnung ohne Gott überwinden, beseitigen zu wollen, ist damit wiederum Aufruhr gegen Gott.[105]

    Die Völkertafel als geschichtlicher Bericht beginnt interessanterweise mit den Völkern, die Israel am entferntesten wohnten und hören dann mit den Völkern auf, aus deren Umgebung Israel selbst hervorging. Jeder der Abschnitte endet mit einer ähnlichen Formel, V. 5b.20.31, und die Völkertafel selbst wird durch die Zusammenfassung in Vers 32 abgeschlossen. Es geht dabei um die Geschlechter, aus denen sich Völker bilden, die Geschlechter leben dann in Völkern. Das Volk oder die Nation ist also die grundlegende Ordnung des Zusammenlebens.[106] Es gibt also keine abstrakte „Menschheit“, sondern nur die in Stämme, Völker, Nationen gegliederte Menschheit, also als eine Völkerfamilie.[107] Geographisch umfasst die Völkertafel praktisch die gesamte damals im Umfeld Israels bekannte Welt.[108]

    Weil also gemäß Kap. 10 die Völker von Gott gewollt sind, weil das Volk, die Nation die grundlegende Ordnung des Zusammenlebens ist, so heißt dies auch: Es gibt kein Menschsein an sich, sondern die Menschen existieren in Geschlechtern und Völkern, wie es gerade die Kolophone anzeigen, mit denen die jeweiligen Abschnitte in 5b.20.31 und die Völkertafel insgesamt in V. 32 abgeschlossen werden. Zur Identität eines Menschen gehört also seine Volkszugehörigkeit. Zu einem Volk gehört dabei normalerweise ein Land, es hat eine Sprache, eine Kultur (damals vor allem geprägt durch die gemeinsame Gottesverehrung, also gleiche Religion), Rechtsordnung, dazu kommt dann mit der Zeit auch die gemeinsame Geschichte, Erfahrung, Tradition, Brauchtum, auch ein gewisser „Volkscharakter“.[109] Die Menschheit besteht also aus Völkern mit ihrer jeweils eigenen Identität (10,5). Wer versucht, diese Ordnung zu überwinden, diese verschiedenen Identitäten aufzuheben oder zu nivellieren, rebelliert damit gegen Gottes Ordnung. Auch das erkennen wir in 11,1-9, wo Menschen Gottes Grenzen und Gottes Willen nicht einhalten wollen, sondern in trotziger Selbstbehauptung, mit der Macht der Masse Ruhm erwerben und eine widergöttliche Einheit herstellen wollen. Sie setzen sich an Gottes Stelle, wollen selbst das Maß aller Dinge sein.[110] (Das erleben wir ja auch heute, so Menschen Gottes Ordnungen umstoßen, sich gegen Gottes Maßstäbe setzen, etwa mit Scheidung, Abtreibung, Euthanasie, der gesamten Genderideologie, dem Gleichheitswahn, Egalitarismus, aber ebenso auch der Globalisierung, die ja eindeutig auf der gleichen Linie liegt, wie der Turmbau zu Babel.) Es gibt also nach Gottes Willen keine „Einheitskultur“, sondern unterschiedliche, volksbezogene Kulturen. Dass Kapitel 10 bereits die Sprachen erwähnt, die doch erst Kap. 11 ausgebildet werden, sollte nicht verwundern. Beide Kapitel gehören zusammen und bringen die Völkerordnung unter verschiedenen Aspekten, nämlich Kap. 10 die Vielfalt der Völker mit ihrer jeweils eigenen Kultur; Kap. 11 die Völker in ihrem Widerspruch gegen Gott, weshalb die Übersetzung „Heiden“ bei Luther von daher seine Berechtigung hat. Eine sogenannte „Volksreligion“ ist also Rebellion gegen den lebendigen Gott, ist Abfall von Gott und Gotteslästerung.[111]

    Bei allem ist vor allem zu beachten: Dass es Völker gibt, ist Gottes Ordnung und Gottes Wille. Gott hat sie gesetzt, Gott hat auch die Zerteilung durch die Sprache herbeigeführt, Gott setzt ihnen ihre Grenzen nach Zeit und Raum (5. Mose 32,8), Gott aber tut ihnen auch Gutes durch den Wechsel von Saat und Ernte, Sommer und Winter, Frost und Hitze, damit sie doch aus aller heidnischen Verirrung zum Fragen nach ihm kommen (Apg. 14,17; 17,26 f.)

    Israel ist dann aus dieser Vielzahl der Völker herausgerufen worden, ohne dass es irgendwelche Vorzüge aufzuweisen hatte (5. Mose 7,7-8). Durch Israel wollte Gott die Völker mit seinem Segen erreichen, vor allem dem Segen, Jesus Christus, um die Sünde zu überwinden, denn er will die Rettung von Menschen aus allen Völkern (s.a. Matth. 28,18-20) und sammelt sich seine Gemeinde aus allen Völkern uns Sprachen (Offenb. 5,9). Dieses Thema durchzieht auch das Alte Testament, vor allem in den Psalmen und bei Jesaja und Jona.[112]

    Nimrod und Babel, die ja ausdrücklich in dieser Völkertafel besonders erwähnt werden, stehen dabei als Symbol für die Gott feindliche Weltmacht, was allein schon der Name „Nimrod“ (der sich Auflehnende) aussagt, der von einem Jäger zu einem Menschenjäger, einem Tyrannen wurde, der im Trotz gegen Jahwe steht, auch wenn er sich nach außen fromm gab.[113] Er ist der erste Gewaltherrscher, der erste, der ein Imperium errichtet und damit die Völkerordnung auszuhebeln sucht. Bei ihm zeigt sich also der Grundcharakter der Imperien, nämlich der Hang zur Macht, zum Ruhm, zur Gottesferne, zur Unterdrückung.[114] Die Imperien, die wir in der Bibel finden, Ägypten, Assyrien, Babylonien, Persien, später das Römerreich, gleichen alle mehr oder weniger klar diesem Grundcharakter, auch wenn Gott der HERR sie zugleich, wie alle Mächte, in der Geschichte verwendet hat, als Gerichtsvolk oder auch als Segensvolk (Kyrus von Persien) für Israel und die Gemeinde. Das hebt aber den Grundcharakter nicht auf, der sich mehr oder weniger stark aber auch in den einzelnen Völkern aus diesseitigen, Gott fernen Gebilden zeigt, vor allem dann in der Offenbarung, die aber auch wiederum vor allem vom antichristlichen (weltweiten) Imperium geprägt ist. 

    Alle staatliche Macht und Ordnung ist daher von vornherein zwiespältig, nämlich einerseits Gottes Ordnung, die für Frieden, Ruhe, Recht, Wohlstand sorgen soll; auf der anderen Seite aber die Macht, die der Gemeinde zumeist ablehnend bis feindlich gegenüber steht, sie bedrängt, verfolgt, unterdrückt. Darum tun Christen gut daran, zwar einerseits Gehorsam zu leisten, soweit dies ohne Kollision mit Gottes Wort und Willen möglich ist, zum anderen aber diesen Mächten distanziert gegenüber zu stehen und vor allem nichts von ihnen zu erwarten im Blick auf Christianisierung, Mission, Erweckung. 

 

    Die starke Stellung, die das Volk oder die Nation in der göttlichen Weltordnung hat, darf nicht zu einem übersteigerten völkischen Denken führen, nicht zur Erhebung eines Volkes über das andere oder zur Verachtung, Herabwürdigung eines Volkes. Gerade die Völkertafel macht ja deutlich, wie alle Völker doch zusammenhängen, untereinander verwandt sind. Die Bedeutung des Volkes in der Bibel darf auch nicht zu einer schieren Vergottung des Volkes, der Nation führen, überhaupt auch nicht dazu, dass Volk, Nation das Herz eines Menschen einnehmen. Das Volk, die Nation, das sind Ordnungsfaktoren, wichtige, bedeutende Ordnungsfaktoren der göttlichen Weltordnung – mehr nicht. Sie gehören, wie Bonhoeffer es ausgedrückt hat, zum „Vorletzten“, zu dem, was vergeht. Auch in der Bibel lesen wir von dem Kommen und Gehen von Völkern. Auch das gilt es zu beachten.

    Die Haltung, wie sie in Lieder wie: „Ich hab mich ergeben mit Herz und mit Hand dir Land voll Lieb und Leben, mein deutsches Vaterland“; oder „Deutschland, Deutschland über alles“; oder dem Flaggenlied der kaiserlichen Marine, in dem es im Refrain hieß: „Dir woll’n wir treu ergeben sein, getreu bis in den Tod, dir woll’n wir unser Leben weih‘n, ja dir Flagge schwarz-weiß-rot“ zum Ausdruck kommt, ist für einen bibeltreuen Christen unannehmbar. Sein Leben gehört Christus, keinem Volk, keiner Nation; ihm hat er sich ergeben, hingegeben, ihm hat er sein Leben geweiht; er steht über allem und jedem. Diese rechte Haltung hilft uns, nüchtern zu bleiben und gegen Rassismus und falschen, übersteigerten Nationalismus uns zu wappnen.

 

 

ZEICHEN DER ZEIT

 

Aus anderen Kirchen:

Neue Trauordnung in der westfälischen Landeskirche: In der sogenannten „Evangelischen Kirche von Westfalen“ gilt seit dem 1.Januar 2020 eine neue Trauordnung, die von der Landessynode 2019 fast einstimmig angenommen worden war. In der vorigen Ordnung hieß es: „Gott hat nach dem Zeugnis der Heiligen Schrift den Menschen als Mann und Frau geschaffen und beide in ihrer Verschiedenheit füreinander bestimmt.“ Jetzt heißt es, in treuem Gefolge des gottlosen Zeitgeistes: „Gott hat nach dem Zeugnis der Heiligen Schrift den Menschen zu seinem Ebenbild geschaffen und zur Gemeinschaft mit sich und untereinander bestimmt.“ Aus dem „Lebensbund zwischen einem Mann und einer Frau“ wurde nun ein „Lebensbund zwischen zwei Eheleuten“. (Nach: BWL – Regionale Informationen Nr. 206, März-April 2020, S. 39) Wieder einmal hat ein sich „Kirche“ nennender Religionsverein sich eindeutig gegen Gott und seine Ordnung gestellt. Dieser Abfall von Schrift und Bekenntnis ist für die EKD und ihre Glied“kirchen“ ja inzwischen leider symptomatisch. Das Schlimmste dabei aber ist: Es ist anscheinend kein Aufschrei darüber durch die Kirche gegangen, es ist nicht zur Bildung freier Bekenntnisgemeinden als Antwort auf diesen Abfall von Gott und seinem Wort gekommen. Das ist ein deutliches Zeichen für den furchtbaren geistlichen Niedergang in diesem Land. Als in der Hannoverschen Landeskirche nach der preußischen Besetzung des Landes und der reichsweiten Einführung der Zivilehe die Trauformel – ohne Druck des Staates – in Anpassung an die Zivilehe geändert wurde (die ja, das muss betont werden, nicht gegen die Bibel ist, denn die Ehe ist eine weltliche, keine kirchliche Einrichtung, gehört in die Schöpfungs-, nicht in die Heilsordnung, so dass die Art und Weise des Zustandekommens der Ehe als einer lebenslangen Verbindung zwischen einem Mann und einer Frau abhängig ist von der Kultur und ihrem Wandel in Zeit und Raum), da war für die bibel- und bekenntnistreuen Lutheraner der Tropfen gefallen, der endgültig das Fass zum Überlaufen brachte und sie bildeten um Theodor Harms die Hannoversche Evangelisch-Lutherische Freikirche. Nichts dergleichen ist heute zu hören, in einer Zeit, in der die Kirche sich schon seit langem von Bibel und Bekenntnis verabschiedet hat, die Bibelkritik herrschend ist in der Kirche, Sünde akzeptiert und inzwischen auch gesegnet wird, Gottes Ordnung in vielfältigster Weise mit Füßen getreten wird.

Man beruhigt dann sein Gewissen mit solchen Zusätzen wie dem, dass man ja die Trauung Homosexueller nicht durchführen müsse, sondern dies nur dem Superintendenten zu melden habe, der dann für die Durchführung der Trauung sorge. Das ist tatsächlich doch nichts anderes als Heuchelei. Man selbst macht sich die Finger nicht schmutzig, steht aber in Gemeinschaft mit solchen, die es tun. In Dänemark haben die konservativen Kreise immerhin 2013 erklärt, dass sie mit all denen, die Homosexuelle trauen oder selbst Homosexualität praktizieren, keine Kirchengemeinschaft praktizieren. Nicht einmal das hat man in der BRD von irgendjemand gehört. Hier kann nur gesagt werden: Flieht aus Babel!

Die weiteren Änderungen in Bezug auf die Ehe mit Andersgläubigen sind nicht grundsätzlich zu beanstanden (zumindest soweit sie im BWL-Blatt mitgeteilt wurden), wenn nur in der Kirche weiter darauf aufmerksam gemacht würde, dass solche Ehen möglichst nicht einzugehen sind.

Auswüchse der Corona-Zeit in der ELKiB: Nachdem die Landesregierungen Gottesdienste wieder zugelassen haben, mit der Auflage eines Infektionsschutzkonzepts jeder Gemeinde, hat die Freiburger Gemeinde der Evangelisch-Lutherischen Kirche in Baden (ELKiB, in Kirchengemeinschaft mit der SELK) darin unter anderem festgelegt, dass „gegebenenfalls Abendmahl stellvertretend durch die Pfarrerin am Altar stattfindet, ohne Austeilung an die Gemeinde“ (Gemeindebrief S. 6), die Gemeinde könne es „innerlich mitfeiern“ (S. 5). Das, was damit vermittelt wird, ist nichts anderes als römisch-katholische Irrlehre, ist die unbiblische Winkelmesse, auch wenn sie in aller Öffentlichkeit durchgeführt wird. Tatsächlich liegt gar keine sakramentale Vereinigung vor, Christi Leib und Blut sind nicht gegenwärtig unter Brot und Wein, weil die Elemente ja gar nicht ausgeteilt werden. Es findet gar kein Abendmahl statt. (Warum man kein Abendmahl in der Corona-Zeit richtig feiern will, ist unerfindlich, denn mit Einzelkelch ist es allerdings durchführbar.)

 

Lebensrecht:

Linksregime liberalisiert Abtreibung in Neuseeland: Die linke Regierung von Jane Arden hat mit 68 gegen 51 Stimmen ein Abtreibungsgesetz durchgebracht, das Abtreibungen ohne nähere Gründe bis zur Geburt zulässt. Auch Abtreibungen wegen irgendwelcher Behinderungen, Krankheiten oder wegen des Geschlechts sind Tor und Tür geöffnet worden. Die „Beratung“ kann auch per Facebook stattfinden. Die Abtreibungen können überall durchgeführt werden, nicht nur von Ärzten. Das ist eines der extremsten Kindermordgesetze überhaupt. Ardens Koalitionspartner stimmte aufgrund des Drucks aus der Bevölkerung mehrheitlich gegen das Gesetz, wirkte aber nicht darauf, das Gesetz überhaupt fallen zu lassen. (nach: Email Caroline Farrow, citizengo.org vom 17.03.2020)

Trump beendet Zwang, eine Abtreibung vorzunehmen: US-Präsident Trump hat eine Verordnung Obamas im Zusammenhang mit Obamacare, nämlich dass Ärzte und medizinisches Personal wegen „Antidiskriminierung“ gezwungen werden konnten, eine Abtreibung gegen ihren Willen vorzunehmen, aufgehoben. (nach: https://www.lifenews.com/2020/06/12/president-trump-finalizes-rule-stopping-obamacare-provision-forcing-doctors-to-do-abortions/) Das ist wahre Freiheit, im Unterschied zu den linken Tyranneien in Europa, wie etwa Norwegen, wo etwa Krankenschwestern gezwungen werden, am Massenmord an Babys teilzunehmen oder widrigenfalls ihren Arbeitsplatz verlieren. Wenn es nach der EU und den linken Kräften wie Linken, Grünen und SPD ginge, würde diese Tyrannei ja europaweit herrschen.

UN will Einsatz für das Leben kriminalisieren: Die UNO hat durch ihren Sonderberichterstatter für Religions- und Glaubensfreiheit Ahmaad Shaheed den traditionellen, auf den Glauben gegründeten Werten, die das Leben auch der noch nicht Geborenen verteidigen und dem biologischen Geschlecht den Kampf angesagt. Solche Überzeugungen seien eine „Verletzung von Menschenrechten“. (nach Email von citizen.go vom 20.08.2020) Wenn diese Auffassung sich durchsetzen sollte, würde sich die UN endgültig als antichristliche, satanische Organisation outen. Damit würde die UNO sich zum Handlanger des Marxismus/Neomarxismus machen.

 

Religionsfreiheit, politisch-ideologische Tendenzen, Schulen:

SELK-Bischof kritisiert Begründung des Verwaltungsgerichts zum Gottesdienstverbot: Der Bischof der SELK, Hans-Jörg Voigt, hat die Begründung des Berliner Verwaltungsgerichts kritisiert,  mit der eine Klage gegen das Gottesdienstverbot im Rahmen der Anti-Corona-Maßnahmen abgewiesen wurde. In der Begründung war darauf verwiesen worden, dass der „Kern der Religionsfreiheit“ damit nicht verletzt sei, da es den einzelnen Personen unbenommen sei, auch weiterhin zu privaten Erbauung eine Kirche zu besuchen oder sich im Familienkreis zu erbauen oder auf elektronischem Weg einem Gottesdienst beizuwohnen. Bischof Voigt erklärte, dass seine Kirche die Maßnahmen der Regierung auch im Blick auf die Gottesdienste mittrage. Aber er betonte auch, dass der öffentliche Gottesdienst und die öffentliche Abendmahlsfeier sehr wohl zum „Kernbereich der Religionsfreiheit“ gehörten. Leider sei immer häufiger bei Gerichtsurteilen in der BRD anzutreffen, dass die Religion als etwas rein Privates, Innerliches betrachtet werde. Das sei gerade auch im Blick auf die Abschiebung von Christen in Christenverfolgerstaaten zu beobachten. (nach: selk-news vom 16.04.2020) Es ist erfreulich, dass Herr Voigt sich in seinem Schreiben an das Berliner Verwaltungsgericht so klar geäußert hat; von den staatshörigen Großkirchen war ja nichts dergleichen zu vernehmen. Die Beobachtung, die Herr Voigt machen musste, sollte allerdings niemand verwundern. Das ist ja genau die Linie, wie sie seit der gottlosen, antichristlichen Aufklärung von den liberalen Kreisen propagiert wird: Religion sei Privatsache. Man erinnere sich auch daran, dass der linke Kandidat für die EU-Wahl, Herr Schulz, die Religion aus dem öffentlichen Raum verbannen wollte. Das geschieht durch die linken Kräfte ja systematisch seit dem Dammbruch mit den Umstürzen 1917/18, wenn sie auch in der Weimarer Republik durch den Widerstand von Zentrum und Deutschnationalen noch nicht so weit kamen, wie sie kommen wollten. Aber das ist genau die Linie des neomarxistisch geprägten Westens und auch einer Frau Merkel, die mehr und mehr Zivilreligiöses durchsetzen will und Europa eben nicht als christlich ansieht, sondern neben Golgatha meint, auch die Athen und Rom setzen zu müssen, so, als ob das heidnische Athen irgendetwas mit unserer christlich-abendländischen Kultur zu tun habe, so wenig wie das heidnische, brutale, imperialistische Rom. Denn die Demokratie haben die europäischen Staaten nicht von den Griechen gelernt, sondern von den Germanen, sie hat für die neuere Zeit ihre Wiege in England und Island, nicht in Athen. Und den Rechtsstaat haben wir gewiss nicht von dem brutalen und willkürlichen Rom, sondern eher von den Germanen und vor allem aus christlichem Denken. Denn die römischen Herrenrechte, die sich leider seit dem 15. Jahrhundert durchgesetzt haben, sind nicht unbedingt vorbildlich und haben gerade im deutschen Bereich eine weitgehende Umbildung erfahren, von den Angelsachsen ganz abgesehen. Auch die gottlose Aufklärung kann keine Grundlage für Europa sein, sie ist vielmehr ein Ausgangspunkt seines geistlichen und geistigen Niedergangs.

Wirkungsmöglichkeit für religiöse Kreise an Hochschulen immer stärker eingeschränkt: Die Studentenmission in Deutschland (SMD) beklagt, dass die Betätigungsmöglichkeiten religiöser, vor allem christlicher, Kreise an den Hochschulen sowohl von Hochschulleitungen als auch von studentischen Einrichtungen und Studentenwerken immer mehr eingeschränkt werde. An 18 Orten habe man zwar Übereinkünfte erzielen können, an 13 aber nicht. Teilweise wird durch (linke) Studentenwerke die Religions- und Meinungsfreiheit sehr stark eingeschränkt, indem nur noch für bestimmte Themen und Gruppen Räume zur Verfügung gestellt werden. (nach: https://www.idea.de/gesellschaft/detail/christen-stossen-an-hochschulen-zunehmend-auf-gegenwind-112650.html) Es ist eindeutig, dass die BRD immer mehr auf dem Weg in einen antireligiösen Laizismus ist, der tatsächlich verfasste Religionen durch eine vom Staat geförderte Zivilreligion ersetzen will. Weltanschaulich „neutral“ ist kein Staat, kann er auch gar nicht sein, da seine gesamte Verfassung und Gesetzgebung auf einer bestimmten metapolitischen Grundlage fußt. Im Westen ist diese Grundlage in den letzten Jahrzehnten eindeutig neomarxistisch und antichristlich umgeprägt worden.

CDU wählt Linksextremistinnen in Landesverfassungsgerichte: Die Wahl der linksextremen Barbara Borchardt in Mecklenburg-Vorpommern zur Richterin im dortigen Landesverfassungsgericht, noch dazu mit den Stimmen der CDU, hat auf Bundesebene für einige Aufregung gesorgt. Inzwischen ist bekannt geworden, dass auch in Hamburg eine von den Grünen vorgeschlagene Asylanwältin, die enge Kontakte zu linksextremen Kreisen hat, nicht zuletzt auch der in der BRD verbotenen kommunistischen kurdischen PKK, aber auch anderen vom Verfassungsschutz beobachteten Organisationen, bereits zweimal, und zwar mit den Stimmen der CDU, zur Richterin ins dortige Landesverfassungsgericht gewählt wurde. (nach: https://www.welt.de/politik/deutschland/article208616783/Auch-in-Hamburg-Verfassungsrichterin-mit-extremistischen-Kontakten.html) Das macht deutlich, wie stark die CDU bereits vom neomarxistischen Denken der 68er geprägt ist.

Wer steht hinter der WHO? Die „Weltgesundheitsorganisation“ ist aufgrund der Corona-Pandemie in die Schlagzeilen gekommen, zum einen, weil sie zunächst die Pandemie und in Ausbreitung in Rot-China verharmlost hat, dann die Vorgehensweise Rot-Chinas über alles lobte, und schließlich, weil sie immer wieder auch ihre Meinung ändert. Wer steht aber hinter dieser UN-Organisation, denen die USA nun die Unterstützung entziehen? Sie wird keineswegs, wie das anfangs der Fall war, ausschließlich von Mitgliedsstaaten der UN finanziell getragen, sondern im Rahmen des neoliberalen Wahns wurde auch hier eine „Teilprivatisierung“ vorgenommen, indem nun auch private Einrichtungen wie Stiftungen und Wirtschaftskonzerne zum Etat beitragen. So beträgt allein der Anteil der Melinda-und-Bill-Gates-Stiftung 12 %, derjenige der mit ihr verbundenen Impforganisation 8 %; außerdem sind etliche Pharmakonzerne unter den Geldgebern. Und da soll es keine Interessenkonflikte, keine Beeinflussung geben? (nach: Ernst Wolff: Coronakrise, Finanzcrash, Profiteure: Die WHO und die Rolle von Bill Gates, auf youtube.) Außerdem ist zu bedenken, dass die WHO (ganz ähnlich wie die Gates-Stiftung) intensiv weltweit Abtreibung fördert und massiv Druck auf solche Staaten ausübt, die Abtreibung stark einschränken. Zudem treibt die Sexualisierung des Unterrichts schon in der Grundschule voran und setzt sich für die menschenverachtende und unwissenschaftliche Genderideologie ein. (nach: Email Eduard Pröls, CitizenGo, vom 24.05.2020)

Religionsfreiheit als Grundrecht wird immer mehr an den Rand gedrängt: In der BRD wird von den herrschenden Kräften das Grundrecht auf Religionsfreiheit immer mehr an den Rand gedrängt und versucht, es auszuhebeln. Wie der SELK-Pfarrer Dr. Gottfried Martens, Dreieinigkeitsgemeinde Berlin-Steglitz, schrieb, wird sowohl im Umgang mit christlichen Asylbewerbern als auch im Blick auf die freie Religionsausübung während der Corona-Krise immer wieder und immer stärker versucht, die Religion zu einer rein privaten Angelegenheit zu machen, sie aus dem öffentlichen Raum zu verdrängen, sie von einem Grundrecht zu einem „persönlichen Bedürfnis“ herabzuwürdigen, das dann auch gegenüber anderen Dingen zurückstehen kann bzw. in den eigenen vier Wänden ausgeübt werden kann, aber nicht außerhalb. Nicht zuletzt mit diesem Ansatz werden immer wieder christliche Asylbewerber, nicht zuletzt solche, die aus dem Islam zum christlichen Glauben gefunden haben, in ihre Herkunftsländer abgeschoben (während Salafisten und andere Islamisten bleiben dürfen), in den ihnen Verfolgung und Tod drohen. (nach: Informationsbrief der Bekenntnisbewegung „Kein anderes Evangelium“. Nr. 322. 06/2020. S. 17-19)

Linker Irrsinn in den USA: Nach dem gewaltsamen Tod des fünfmal vorbestraften Schwarzen George Floyd durch rücksichtsloses Vorgehen eines weißen Polizisten ist es in den USA nicht nur zu berechtigten Demonstrationen gegen die exzessive Polizeiwillkür in den USA gekommen (die 2019 370 Weißen, 235 Schwarzen und 235 Latinos das Leben kostete), sondern auch zu brutalen Übergriffen durch kommunistisch gesteuerte Gruppen wie „Antifa“, „Black Lives Matter“ „Widerstand gegen Faschismus“. Es hat schon 17 Tote dabei gegeben, mehrheitlich aktive oder ehemalige Polizisten. (nach:

https://www.epochtimes.de/politik/welt/17-menschen-bei-protesten-in-den-usa-getoetet-schwarze-aktivistin-ich-unterstuetze-george-floyd-nicht-a3259649.html?fb=1)

Dem Irrsinn wird nun noch die Krone aufgesetzt durch die Sprecherin des Kongresses, Nancy Pelosi, Angehörige der Linksaußen-Partei „Demokraten“, die u.a. dafür verantwortlich ist, dass bisher über 80 Mal im Kongress ein Gesetz verhindert wurde, das Kinder, die ihre Abtreibung überleben, geschützt werden. Sie will, dass die Statuen von Südstaaten-Generalen aus dem Kapitol entfernt und Kasernen umbenannt werden, die nach Südstaaten-Generalen benannt wurden. Selbst Statuen von Kolumbus sind nicht mehr sicher. (nach: https://www.welt.de/politik/ausland/article209364285/USA-nach-George-Floyd-Pelosi-will-Statuen-aus-Kapitol-entfernen-lassen.html) Das ist genau auf der (neo-)marxistischen Linie, die Geschichte umzuschreiben, da ja die gesamte bisherige Geschichte böse gewesen sei. Es wird völlig vergessen, dass es bei dem Kampf der Südstaaten nur vordergründig um die Sklaverei ging, das war nur der Auslöser. Tatsächlich ging es gegen den Zentralismus des Nordens, gegen die immer mehr um sich greifende Aushöhlung der Freiheit der Bundesstaaten. Die wenigsten der Soldaten, die für die Konföderation kämpften, hatten Sklaven. Auch im Süden wäre die Sklaverei mittelfristig gefallen. Es wird auch völlig ausgeblendet, dass es die Sklaverei und den Sklavenhandel ohne schwarze Mithilfe so gar nicht gegeben hätte. Denn immerhin waren es zumeist ja Schwarze, die die späteren Sklaven eingefangen und dann verkauft haben. Und man vergesse auch nicht die islamische Sklaverei, wesentlich umfangreicher als die von Weißen, und auch wesentlich langlebiger, bis in unsere Tage hinein.

Die USA haben gewiss ein Rassismus-Problem, und zwar von Beginn an, denn die Horden des Herrn Washington haben ja schon während des Krieges gegen Großbritannien auch Massaker an Indianern verübt. Der Völkermord an den Indianern – immerhin etwa zwei Drittel der indianischen Bevölkerung wurde im Laufe der Zeit ermordet, bis heute müssen viele in Reservate faktisch als Bürger zweiter oder dritte Klasse leben – ist bis heute nicht wirklich aufgearbeitet. Auch der Rassismus gegenüber den Schwarzen begleitet die USA von Beginn an. Und seine Beseitigung ist übrigens gerade an denen gescheitert, die sich heute als Anwälte der Schwarzen gerieren: der sogenannten „Demokratischen Partei“. Denn so lange die Republikaner im Süden die Macht hatten, hatten dann nach Lincoln auch die Schwarzen dort eine starke Stellung, während die „Demokraten“, die Partei der Sklavenbesitzer war. Erst als die Republikaner ihre schwarzen Verbündeten wegen Absprachen in einem Präsidentschaftswahlkampf verrieten, haben diese gemeint, sich mit ihren einstigen Herren arrangieren zu müssen. (Man vergesse nicht, dass George Wallace, der lange Zeit als Rassist Politik machte, zu den „Demokraten“ gehörte und rassistisch agierte, weil er dadurch Mehrheiten bekam.)

Österreich will Internet-Zensur einführen: Die eher linksgerichtete österreichische Regierung plant ein Zensurgesetz für das Internet, das sich an dem international hoch umstrittene BRD-Netzwerkdurchsetzungsgesetz orientieren soll. Damit würde das Recht auf freie Meinungsäußerung unter dem Schlagwort der „Hassrede“ massiv eingeschränkt. (Wer legt eigentlich fest, was „Hassrede“ ist?) Reporter ohne Grenzen hat das BRD-Gesetz als Angriff auf die Pressefreiheit bezeichnet. Der UN-Menschenrechtsbeauftragte David Kaye bezeichnete es als völkerrechtswidrig, da es gegen die Menschenrechte verstößt. Auch die anderen Kriterien, aufgrund deren sogenannte „soziale Medien“ vom Staat gezwungen werden, Inhalte zu löschen, sind sehr vage gehalten und öffnen damit der Zensur durch die Regierung jede Tür. Gerichtliche Anordnungen für solche Maßnahmen sind ja nicht vorgesehen. Auch in Österreich sollen, unter Androhung hoher Geldstrafen, die Medien gezwungen werden, auf bloßen Verdacht hin Inhalte zu löschen. Eine Beschwerde vor Gericht ist nicht möglich. Und die grüne österreichische Justizministerin will sogar so weit gehen, gleich den gesamten Account zu löschen. (nach: https://www.patriotpetition.org/2020/06/18/internet-zensur-verhindern-oesterreich-braucht-kein-netzwerkdurchsetzungsgesetz/) Auch in der BRD soll die Zensur weiter verschärft werden, bis dahingehend, dass nicht nur Inhalte gelöscht, sondern die IP-Adresse an die Kriminalpolizei weitergegeben werden soll. Der linke Gesinnungsterror nimmt immer krassere Formen an.

Antirassistischer Irrwahn im Westen: Die durch den gewaltsamen Tod des Schwarzen George Floyd ausgelöste Antirassismus-Welle nimmt im Westen immer bizarrere Gestalt an und zeigt die ganze innere Hohlheit, den geistigen und geistlichen Verfall des westlichen Systems. So will Uncle Ben’s Reis, eine Marke, die auf ihrer Umpackung unter anderem den Kopf eines schwarzen Mannes zeigt, das Bild ändern, denn es trage „rassistische Stereotype“, was immer das auch sein soll. Pepsi Cola will beider Frühstücksmarke Aunt Jamima, die eine fröhliche junge Schwarze auf dem Bild zeigt, nicht nur das Bild, sondern auch noch den Namen der Marke ändern, aus dem gleichen Grund. (nach: https://www.n-tv.de/panorama/Rassismus-Debatte-Uncle-Ben-s-aendert-Logo-article21853473.html?)

Weil das Wappen des Stuttgarter Ortsteils Möhringen unter anderem den Kopf einer Schwarzen zeigt, hat es jetzt eine Petitionskampagne gegeben, die die Entfernung dieses Kopfes verlange, der an die Kolonialzeit erinnere. (https://www.tag24.de/stuttgart/lokales/stuttgartmoehringen-rassismus-online-petition-stadt-wappen-kopf-mohr-black-lives-matter-1547866) Der Irrsinn wird immer irrationaler und zeigt, wie weit die linke Hetze und Geschichtsverfälschung schon gekommen ist.

In Großbritannien betreiben linksextremistische Kreise eine Kampagne, um in Manchester und Leicester die Statuen von Mahatma Gandhi zu entfernen. Sie werfen ihm Rassismus und Sexismus vor, weil er sich in Südafrika gegen die Vermischung der Inder mit den Negern ausgesprochen hatte sowie negativ über Frauen. Wer sich gegen die Vermischung der Rassen ausspricht ist also in den Augen der Linken ein „Rassist“. Dabei waren seine Äußerungen für die damalige Zeit völlig normal. Und insgesamt waren seine Ansichten wie auch sein Wirken in Südafrika für seine Zeit insgesamt sehr progressiv. (nach: https://www.freiewelt.net/nachricht/gandhi-statuen-sollen-abgerissen-werden-weil-er-angeblich-rassist-war-10081535/) Es ist gewiss richtig, dass Gandhi wesentlich differenzierter gesehen werden muss, als das gemeinhin gerade im Westen, ganz abgesehen von Indien, der Fall ist. Richtig ist auch, dass seine Einstellung zu den Schwarzen der damaligen Zeit nicht von denen der Weißen unterschied, was damals allerdings, wie schon gesagt, normal war. Wir können als Christen diese Ansichten nicht teilen, müssen Menschen aber auch in ihrer Zeit und mit ihrer Sünde und ihren Beschränkungen sehen, denn den vollkommenen Menschen gibt es nicht. Seine Einstellung zu Frauen war, nach unserem christlichen Standpunkt, tatsächlich untragbar, er sah sie als dumm an, als Wesen, die die sexuelle Begierde bei Männern hervorrufen würden und daher selbst an Vergewaltigungen schuld seien. Vergewaltigten Frauen sprach er das Recht ab, als Menschen angesehen zu werden. (nach:  https://www.focus.de/wissen/mensch/rassistische-zuege-und-frauenfeindlichkeit-heldenbild-broeckelt-gandhi-sah-vergewaltigte-frauen-nicht-mehr-als-menschen-an_id_7345145.html) Wenn bei Denkmälern entsprechende Vermerke gemacht werden, kann man sie sehr wohl stehen lassen, sonst muss man alle abreißen, weil es, wie gesagt, den vollkommenen Menschen nicht gibt.

In der BRD wendet sich der linke Gesinnungsterror hinsichtlich der Denkmäler momentan, unter anderem auch von der Parteizeitung der Linken, Neuen Deutschland, angeheizt, gegen Bismarck, eine durchaus zwielichtige, umstrittene Figur der preußischen und deutschen Geschichte. Sowohl in Hamburg (von den Grünen unterstützt) als auch in Bielefeld ist die Entfernung des entsprechenden Denkmals gefordert worden, unter anderem mit der Begründung, er sei durch die von ihm geleitete Berliner Konferenz 1884/85 maßgeblich an der kolonialen Aufteilung Afrikas beteiligt gewesen. (nach: https://www.nw.de/lokal/bielefeld/mitte/22805178_Antifa-Bielefelds-Bismarck-Statue-muss-weg.html)

Hier wird der Charakter der Linken sehr deutlich offenbar: Eine brutale Gesinnungstyrannei, das, was Marcuse ja mit „repressiver Toleranz“ bezeichnete, die nur noch die linke Gesinnung anerkennt und alles andere diffamiert, verleumdet, dagegen hetzt. Die gesamte Geschichte soll unter diesen linken Vorzeichen umgeschrieben werden. Denn auch die Kolonialgeschichte muss differenzierter gesehen werden, als das heute unter dem schwarz-rot-grünen linken Vorzeichen der Fall ist.

Zensur im Internet: Im Vorfeld des Wahlkampfes in den USA hat youtube an die 25.000 (!) Kanäle gelöst, sowohl solche, die angebliche „white supremacy“ propagieren, wie solche, die eher liberal-konservativ sind, aber für Trump. (nach: Meinungsfreiheit für Bürger vom 04.07.2020). Hier zeigt sich, wie weitreichend die Zensur bereits in den westlichen Ländern durchgesetzt wird, um alles, was dem linken Establishment nicht gefällt, zu beseitigen. Auch Twitter löscht immer wieder Tweets von Trump mit der Behauptung, sie würden Gewalt verherrlichen, während Tweets des iranischen Ober-Ayatollahs Khamenei, die zur Vernichtung Israels aufrufen, unbehelligt gelassen werden.

Grüner Gesinnungsterror nimmt zu: In Baden-Württemberg gibt es bei den Grünen, die dort in einer grün-schwarzen Linksregierung die Leitung haben, Überlegungen, Lehrer in den (staatlichen) Schulen zu zwingen, sich den Schülern gegenüber zu ihrer „sexuellen Orientierung“ zu äußern, ob sie es wollen oder nicht. (nach: Email Initiative Familien-Schutz vom 01.08.2020) Der grüne Gesinnungsterror nimmt immer groteskere Formen an und macht vor keiner Privatsphäre hat. Es ist an der Zeit, dass der schwarz-rot-grüne Neomarxismus endlich gestoppt wir, bevor der Marsch in den neuen Totalitarismus unumkehrbar wird.

Genderwahn in Stuttgart: Der linke grüne Oberbürgermeister Kuhn hat ein Dekret unterzeichnet, gemäß dem „Sehr geehrte Damen und Herren“ nicht mehr verwendet werden soll, sondern „Liebe Teilnehmende“ oder „Liebe Menschen“. Auch soll es keine Anreden „Herr“ oder „Frau“ mehr geben und ebenso keinen Mutter-Kind-Parkplatz. (nach: https://www.bild.de/regional/stuttgart/stuttgart-aktuell/geschlechtergerechte-sprache-stuttgart-schafft-damen-und-herren-ab-72183912.bild.html) Damit wird ein weiterer Schritt getan in der Zerstörung der von Gott in der Schöpfung vorgegebenen Geschlechterordnung und damit auch in der Zerstörung der geschlechtlich angelegten Identität der Menschen – ein weiterer Schritt damit auch, ein totalitäres linkes Regime zu installieren über Menschen, die über keine wirkliche Identität mehr verfügen.

Systematische Zerstörung der Ehe in Frankreich: Das Macron-Regime hat ein neues Bioethik-Gesetz verabschiedet, das Frauen unter 43 Jahren generell eine künstliche Befruchtung ermöglichen soll, auch wenn sie lesbisch oder alleinstehend sind. Heterosexuelle wie auch homosexuelle Paare dürfen Samen- oder Eizellspende in Anspruch nehmen, was die Tür zur Leihmutterschaft öffnet. Damit wird faktisch die natürliche Elternschaft zerstört. Der Mensch wird damit zum Rohstoffmaterial, die Identität des Menschen – und seine Abstammung gehört dazu – massiv angegriffen. Allerdings muss das Gesetz noch durch den Senat, der es noch stoppen könnte. Gegen das Gesetz hat es massive Proteste von „La Manif pour tous“ gegeben und auch von vielen römisch-katholischen Bischöfen. (nach: Email demo für alle vom 05.08.2020)

Vater bei Kindern in lesbischen „Paaren“ soll abgeschafft werden: Die SPD-Justizministerin Lamprecht hat einen Gesetzentwurf erarbeiten lassen, der darauf hinausläuft, dass die zweite Frau in einer lesbischen Beziehung auch „Mutter“ sein soll. (nach: https://www.familien-schutz.de/2020/08/20/kalkulierter-vaterverlust-justizministerin-will-sorgerecht-fuer-lesbische-paare-einfuehren/) Damit wird zum einen der Begriff der Mutter ausgehöhlt. Zum anderen wird der tatsächliche Vater völlig beiseite geschoben und entrechtet, denn das Sorgerecht soll automatisch auf beide Frauen gehen. Das ist der weitere Ausbau einer vaterlosen Gesellschaft, wie sie von den linken Kreisen schon lange betrieben wird, mit allen Konsequenzen.

Linker Totalitarismus will die Sprache verändern: Das Linksregime im Land Berlin aus Linken, Grünen und SPD will durch immer neue Sprachregelungen das Denken, die Einstellung der Menschen beeinflussen und so ihre linke Gender- und Gleichheitsideologie durchsetzen. So soll es nicht mehr „Fußgänger“ heißen, sondern „Zu-Fuß-Gehender“, nicht mehr „Verkehrsteilnehmer“, sondern „Verkehrsteilnehmende“, nicht mehr „Asylbewerber“, sondern „Asylsuchende“ oder „Schutzberechtigte“, Personen ohne Fahrschein in öffentlichen Verkehrsmitteln sollen nicht mehr als „Schwarzfahrer“ bezeichnet werden, der Begriff ja „rassistisch“. Das Regime hat ja ein „Diversity-Landes-Programm“ entworfen, durch das sogenannte „geschlechtsneutrale“ Begriffe durchgesetzt werden sollen. (nach: https://www.freiewelt.net/nachricht/neue-wort-tabus-schwarzfahrer-ist-jetzt-rassistisch-10082470/)

 

Islam und islamische Welt:

Türkei weist vermehrt Christen aus: In den vergangenen Jahren hat die Türkei etwa 200 ausländische Protestanten ausgewiesen. Jetzt traf es die Frau eines türkischen Staatsbürgers, der Pastor einer Gemeinde in Ankara ist und deren Aufenthaltsgenehmigung nicht verlängert wurde. Das Ehepaar hat drei Kinder, die alle die türkische Staatsbürgerschaft besitzen. Ebenso verweigert die Türkei vermehrt die Einreise oder Verlängerung des Aufenthalts für ausländische Pastoren, auf die die türkischen Gemeinden angewiesen sind (?), da es in der Türkei keine christlichen Seminare geben darf .(Aber warum sie dann nicht ohne Seminar direkt vor Ort bzw. übers Internet ausbilden?) (nach: https://www.pro-medienmagazin.de/index.php?id=95136) Das ist eigentlich bei dem Islamofaschisten Erdogan nicht zu verwundern. Letztlich will er wohl zurück zum Kalifat. Aber er handelt nicht anders als die Merkel-BRD und andere europäische Länder (etwa Norwegen), die systematisch christliche Asylbewerber abschieben.

Islamische Straßenschlachten in Dijon: Von den offiziellen Medien weithin totgeschwiegen, da es sich um Gewalt von Moslems handelte, ist es in Dijon, der Hauptstadt Burgunds, zu bürgerkriegsähnlichen Ausschreitungen zwischen tschetschenischen und nordafrikanischen Moslems gekommen, die mit Waffen und Fahrzeugen aufeinander losgingen. Beide Seiten gehören kriminellen Vereinigungen an. Es kam zu Brandstiftungen und Explosionen. Die gewalttätigen Ausschreitungen griffen so sehr um sich, dass der französische Präsident Macron das Militär nach Dijon schickte, um die Ordnung wiederherzustellen. (nach: https://www.wochenblick.at/bewaffnete-ausschreitungen-in-frankreich-militaer-marschiert-in-dijon-ein/)

Islamisierung Bosnien-Herzegowinas: In dem auf Druck der EU- und US-Imperialisten gebildeten und am Leben erhaltenen Kunststaat Bosnien-Herzegowina wird vor allem die römisch-katholische Minderheit immer mehr an den Rand gedrängt. Die Serben orientieren sich an Serbien und Russland und erhalten von da auch Unterstützung. Die Kroaten blicken eigentlich nach Kroatien und Slowenien, die aber, wohl auf Druck der EU, sich kaum noch um sie kümmern. Die Moslems haben während der Kämpfe radikale Moslems ins Land gerufen, die vor allem aus der Türkei und von der arabischen Halbinsel gekommen sind und ihren radikalen Islam mitgebracht haben und zunehmend in den Außengebieten der Ballungsräume leben. Viele Kroaten, die nach dem Krieg in ihre Heimatdörfer zurückkehren wollten, sind islamistischen Terroristen zum Opfer gefallen. Während die EU-Staaten jährlich ein Gedenken an die Opfer von Srebrenica zelebrieren, wird an die vielen Opfer, die die Kroaten zu beklagen haben – ganz Dörfer sind unbewohnt – überhaupt nicht gedacht. (nach: https://paz.de/artikel/exodus-der-christen-a1257.html) Es wäre das Beste, diesen Kunststaat aufzulösen, so dass die kroatische Herzegowina mit Kroatien und der serbische Teil Bosniens mit Serbien vereint würde (ebenso wie das nördliche Kosovo, einschließlich des Amselfeldes). Welchen Weg dann der muslimische Reststaat geht, stünde in dessen eigener Entscheidung. Aber das entspricht leider nicht dem Denken in Brüssel und Washington, wo das Selbstbestimmungsrecht der Völker regelmäßig mit Füßen getreten wird.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 



[1] Spener: Theologische Bedenken. 4 Bde. Halle, 1701, in: Carter Lindberg: The Third Reformation? Macon, GA: Mercer University Press. 1983. S. 139, in: Senkbeil, a.a.O., S. 18; Philipp S. Watson: Luther and Sanctification. in: Concordia Theological Monthly. St. Louis, Mo: Concordia Theological Seminary. April 1959. S. 243; Elmer L. Towns: Martin Luther On Sanctification. Liberty University. Articles. Paper 14. http://digitalcommons.liberty.edu/towns_articles/14, S. 115

[2] Ich denke da etwa an das Buch von Harold L. Senkbeil: Sanctification: Christ in Action. 4th print. Milwaukee, Wisconsin: Northwestern Publishing House.1992 oder Bryan Wolfmueller: Has American Christianity Failed? St. Louis: Concordia Publishing House. 2016; beides Bücher, die viele sehr gute Darlegungen haben, aber in diesem Punkt schwach sind, bzw. vieles fehlt, gerade bei Harold L. Senkbeil. Vgl. auch die Rezension zu: The Necessary Distinction. St. Louis: Concordia Publishing House. https://infanttheology.wordpress.com/2017/09/09/previews-of-cphs-new-book-on-the-so-called-third-use-of-the-law/.  Vgl. auch Anm. 23.

[3] vgl. Jack Kilcrease: Gerhard Forde’s Doctrine of the Law: A Confessional Lutheran Critique. Concordia Theological Quarterly. Vol. 75,1-2. January-April 2011. Fort Wayne, Indiana: Concordia Theological Seminary. 2011

[4] vgl. Thomas Berke: Gesetz und Evangelium in evangelischer Perspektive. Homiletisch-Liturgisches Korrespondenzblatt. Neue Folge. Nr. 62. 1998/99. 

[5] Dies wird besonders deutlich in Luthers Erklärungen zum dritten Glaubensartikel. Vgl. auch: Watson, a.a.O., S. 244

[6] vgl. WA XI, I 69,11 ff; 70,20 f.; XLV 616,14 ff.; XVII I 309,14 ff.; in: Watson, a.a.O.

[7] vgl. WA VII 575,28 f.; in: Watson, a.a.O., S. 245

[8] vgl. WA XXVIII 164,8 ff.; 173,1 ff.; XL I 137,19 ff.; 325,28 ff.; XXVII 2249,4 ff.; in: Watson, a.a.O.

[9] vgl. WA XX, 390,13 ff.; XXVIII 175,7; in: Watson, a.a.O., S. 245-247

[10] vgl. WA L 626,15 ff.; in: Watson, a.a.O., S. 247. Es ist dabei zu bedenken, dass Sündenerkenntnis, Traurigkeit über die Sünde, Verdorbenheits- und Verlorenheitserkenntnis Wirkungen des Heiligen Geistes durch das Gesetz schon vor der Bekehrung sind, während das Wirken des Glaubens durch das Evangelium zur Folge hat Abkehr von der Selbstgerechtigkeit, vom Drehen um sich selbst; kurz, die grundsätzliche Sinnesänderung, die Herz und Sinn im Glauben ganz auf Christus ausrichtet; auch die Bekehrung des Willens einschließt, denn der zuvor unwillige Wille wird in der Bekehrung willig gemacht.

[11] vgl. WA X I 228,6 ff.; in: Watson, a.a.O., S. 248

[12] vgl. Martin Luther: A Commentary on St. Paul’s Epistle to the Galatians. ed. Erasmus Middleton. S. 83; in: Towns, a.a.O., S. 116

[13] vgl. Dr. Martin Luthers Sämtliche Schriften. Hrsg. von Joh[ann] Georg Walch. Nachdr. der 2., überarb. Aufl. Bd. 10. Groß Oesingen: Verlag der Lutherischen Buchhandlung Heinrich Harms. 1987. Sp. 1262 ff. (Zitierweise: Walch10). Martin Brecht hat hervorgehoben, dass sich an dieser Predigt sozusagen zuerst die grundlegende reformatorische Entdeckung Luthers – nämlich „dass in Christus, wahrer Gott und wahrer Mensch, uns von Gott die Gerechtigkeit, Weisheit und Stärke umsonst geschenkt wird“ – feststellen lässt, die er wohl Palmsonntag, 28.03.1518, gehalten hat, während er noch im Februar desselben Jahres die Gerechtigkeit als Selbstanklage bezeichnete. Vgl. Martin Brecht: Martin Luther. Sein Weg zur Reformation. Berlin: Evangelische Verlagsanstalt. 1986. S. 222 f.   

[14] Pastor Jordan Cooper (American Association of Lutheran Churches, AALC) hat auf dieser Grundlage die lutherische Lehre zu Rechtfertigung und Heiligung dargelegt: Hands of Faith. Vgl. dazu die Rezension unter: https://infanttheology.wordpress.com/2017/04/21/why-i-now-embrace-the-two-kinds-of-righteousness-a-review-of-jordan-coopers-hands-of-faith/

[15] Walch10, Sp. 1264. Hier und da klingt noch die römisch-katholische Sprache an („eingegossen“), aber die Grundlinie ist bereits eindeutig.

[16] ebd.

[17] ebd. Sp. 1265 f.

[18] ebd. Sp. 1266

[19] ebd.

[20] ebd.

[21] ebd. Sp. 1266 f.

[22] ebd. Sp. 1268

[23] Uuras Saarnivaara: Luther Discovers the Gospel. Saint Louis: Concordia Publishing House. 1951. S. XIV

[24] Dies wird nicht zuletzt deutlich durch Begrifflichkeiten wie „so called Third Use of the Law“, wie sie selbst von angeblich konservativeren Theologen, wie John T. Pless, verwendet werden und auch in Veröffentlichungen des Concordia Publishing House’s vorkommen. Vgl. dazu: https://infanttheology.wordpress.com/2017/09/09/previews-of-cphs-new-book-on-the-so-called-third-use-of-the-law/ Auch außerhalb der Missouri-Synode ist diese Lehre ja verbreitet worden, nicht zuletzt durch Gerhard Forde. Vgl. zu dem Thema auch den Vortrag von Jordan Cooper über „The Order of Salvation“: https://www.youtube.com/watch?v=rYtN2rHpT0A

[25] Walch2, 9,181, in: Gottfried Hoffmann: Luther und die Rechtfertigung. Oberursel: Pharma-Druck Inge Hartmann und Sohn. o.J. (Oberurseler Hefte. H. 20.) S. 30: vgl. auch: WA XL II 34,10 ff.; XL I 225,15 ff.; in: Watson, a.a.O., S. 252

[26] Walch2, 5,508 f.; in: Hoffmann, a.a.O., S. 31

[27] Walch2, 11,1193 f.; in: Hoffmann, a.a.O., S. 29; vgl. auch: WA XXXIX I 48,14; in: Watson, a.a.O., S. 251

[28] BSLK, S. 460, III,13; in: Hoffmann a.a.O., S. 36 f.; vgl. auch: WA X I 325,14 ff.; in: Watson, a.a.O.

[29] vgl. Walch2, 9,910f.; in: Hoffmann, a.a.O., S. 37

[30] vgl. Hoffmann, a.a.O.; Towns, a.a.O., S. 118

[31] Hier liegt nämlich der falsche Ansatz der römisch-katholischen Kirche, die Rechtfertigung und Heiligung vermischt, wie auch von Teilen des Pietismus, für den der rettende Glaube der „in der Liebe tätige Glaube“ ist. Auch im Bereich sich lutherisch nennender Kirchen hat diese falsche Lehre, die bereits bei Osiander und Major im 16. Jahrhundert auftauchte, sich ausgebreitet, nicht zuletzt durch Karl Holl und die von ihm ausgelöste „Lutherrenaissance“ und durch Edmund Schlink und seine „Theologie der lutherischen Bekenntnisschriften“, in der er diese falsche Lehre vertrat (z.B. S. 140; 156 f.; vgl. dazu Hoffmann, a.a.O., S. 6 f. sowie Saarnivaara, a.a.O., S. XV)

[32] Walch2, 7,1826; in: Hoffmann, a.a.O., S. 35

[33] vgl. WA XL I 229,15; in: Watson, a.a.O., S. 252; und: Watson: Um Gottes Gottheit. Berlin: Lutherisches Verlagshaus. 1952. S. 191 f.; in: Watson, a.a.O.; vgl. auch: Towns, a.a.O., S. 116

[34] Towns, a.a.O. (Übers. v. Hrsg.). Towns hebt sehr klar den theozentrischen Ansatz hervor, der zeigt, dass auch die Heiligung ein Werk Gottes im Menschen ist (wenn auch der Gläubige nachgeordnet mitarbeitet). Ausgangspunkt ist dabei das, was in der Theologie als die unio mystica bezeichnet wird, die Einwohnung des dreieinigen Gottes im Herzen des Gläubigen (Joh. 15). C.F.W. Walther hat die Bedeutung der unio mystica für die Heiligung in seinen Predigten immer wieder hervorgehoben.

[35] WA 39 I, 99,15-29; in: Hoffmann, a.a.O., S. 38

[36] vgl. Walch2, 9,493; in: Hoffmann, a.a.O., S. 43, und Walch2, 11,1701, in: Hoffmann, a.a.O., S. 44; Martin Luther: Selected Works of Martin Luther. IV. S. 153; in: Towns, a.a.O., S. 116 f.; S. 118

[37] vgl. Galatians, a.a.O., S. 134; in: Towns, a.a.O., S. 117 f.

[38] vgl.  Walch2, 9,766; 1,948; in: Hoffmann, a.a.O., S. 39

[39] vgl. Hoffmann, a.a.O.; S. 40. 42; WA VII 231,9; XI I 427,11 ff; in: Watson, a.a.O.

[40] vgl. Hoffmann, a.a.O., S. 39-42

[41] Walch2, 9,363; in: Hoffmann, a.a.O., S. 40

[42] vgl. WA L 626,19-627,12; in: Watson, a.a.O.  Man bedenke, wie Luther ja bereits im Kleinen Katechismus in der Erklärung zum dritten Glaubensartikel hervorhebt, dass es der Heilige Geist, der uns heilig macht, und dabei beides hervorhebt: sowohl das rechtfertigende wie das erneuernde Wirken des Heiligen Geistes.

[43] vgl. Ewald M. Plass (ed.): What Luther Says. St. Louis: Concordia Publishing House. 1959. S. 723; in: Towns, a.a.O., S. 116

[44] vgl. WA 39 I, 94,20 ff.; in: Hoffmann, a.a.O., S. 44; WA XL II 96,7 ff.; X I 1509,1 f.; in: Watson, a.a.O.

[45] vgl. WA XXXIX I 297,22 ff.; I 559,27 ff.; in: Watson, a.a.O., S. 254

[46] vgl. WA XL II 104,10 ff.; in: Watson, a.a.O., S. 249

[47] vgl. Galatians, a.a.O., S. 500.502.522; in: Towns, a.a.O., S. 121

[48] vgl. Galatians, a.a.O., S. 507.511; in: Towns, a.a.O., S. 121 f.

[49] vgl. WA XL II 96,33 ff.; in: Watson, a.a.O.

[50] vgl. WA XL II 102,16 ff.; 96,38 ff.; in: Watson, a.a.O.

[51] vgl. WA XLV 654,21 ff.; in: Watson, a.a.O.

[52] vgl. WA L 642,1 ff., 28 ff.; in: Watson, a.a.O., S. 250

[53] Beachte vor allem den vierten Teil im Hauptstück von der Taufe. Vgl. WA L 624,30 ff.; 625,23 ff.; in: Watson, a.a.O.

[54] vgl. WA XXXIX I 146,12 f.; 289,29 f.; XL II 24,19; VII 59,30 f.; in: Watson, a.a.O., S. 256

[55] vgl. WA IV 350,15 f.; in: Watson, a.a.O., S. 257; Towns, a.a.O., S. 119

[56] vgl. Galatians, a.a.O., S. 523; in: Towns, a.a.O., S. 121

[57] vgl. WA L 643,29ff.; XL I 574,14 ff; XXXVI 474,10 f.; in: Watson, a.a.O., S. 253

[58] vgl. Senkbeil, a.a.O., S. 13; Video: Bryan Wolfmueller: Has American Christianity failed? https://www.youtube.com/watch?v=v56JYNfHOnk

[59] vgl. Senkbeil, a.a.O.; zu Spener s.a.: Spener: Theologische Bedenken. 4 Bde. Halle, 1701, in: Carter Lindberg: The Third Reformation? Macon, GA: Mercer University Press. 1983. S. 139, in: Senkbeil, a.a.O., S. 18

[60] vgl. ebd. S. 14 f.; Carter Lindberg: Pietism and the Church Growth Movement in a Confessional Lutheran Perspective. in: Concordia Theological Quarterly. Vol. 52.No 2-3. Fort Wayne: Concordia Theological Seminary Press. 1988. S. 132 (Zitierweise: Lindberg: Pietism)

[61] vgl. Senkbeil, a.a.O.

[62] vgl. ebd. S. 16

[63] vgl. Wolfmueller, Video, a.a.O.

[64] vgl. Bryan Wolfmueller: Has American Christianity Failed? St. Louis: Concordia Publishing House. 2016. S. 14

[65] vgl. ebd. S. 15 f.

[66] vgl. Senkbeil, a.a.O., S. 16 f.

[67] vgl. Curtis J. Holub: The Pietism of the New Evangelicals: A Confusion of Justification and Sanctification. 1992. S. 4 (WLS essay files)

[68] vgl. Senkbeil, a.a.O., S. 17

[69] vgl. Arndt, zitiert bei Lindberg, a.a.O., S. 144; in: Senkbeil, a.a.O., S. 18

[70] vgl. Wolfmueller, Video, a.a.O.

[71] vgl. Senkbeil, a.a.O., S. 17; Lindberg, Pietism, a.a.O., S. 135

[72] vgl. Spener, zitiert bei Lindberg, a.a.O., S. 145, in: Senkbeil, a.a.O., S.18 f.

[73] vgl. Senkbeil, a.a.O., S. 19 f.

[74] vgl. Lindberg, Pietism, a.a.O., S. 133 f.

[75] vgl. Senkbeil, a.a.O., S. 20; Lindberg, Pietism, a.a.O.

[76] vgl. ebd.

[77] vgl.  Spener, Pia desideria. Übers. Von Theo. Tappert. Philadelphia: Fortress Press.1964. S. 117; in: Senkbeil, a.a.O., S. 21

[78] vgl. Lindberg, Pietism, a.a.O., S. 130

[79] vgl. ebd. S. 21 f.

[80] vgl. ebd. S. 22

[81] vgl. Holub, a.a.O., S. 4

[82] vgl. Lindberg, a.a.O., S. 151; in: Senkbeil, a.a.O., S. 22

[83] vgl. Senkbeil, a.a.O., S. 23

[84] vgl. ebd. S. 23 f.

[85] vgl. ebd. S. 24 f.; Harold L.Senkbeil: Sanctification: Christ in Action. 4th. print. Milwaukee, Wisconsin: Northwestern Publishing House. 1992. S. 13 ff. (Zitierweise: Senkbeil, Sanctification)

[86] Senkbeil, Sanctification, a.a.O., S. 9

[87] Holub, a.a.O., S. 3

[88] vgl. Senkbeil, a.aO., S. 26

[89] vgl. ebd. S. 27

[90] vgl. ebd. S. 35

[91] vgl. Wolfmueller, American Christianity, a.a.O., S. 9

[92] vgl. dazu: Richard D. Balge: Pietism’s Teaching on Church and Ministry. Wisconsin Lutheran Quarterly. Vol. 82,2. 1985. S. 248; in: Holub, a.a.O., S. 6

[93] vgl. Wolfmueller, Video, a.a.O.; Wolfmueller, American Christianity, a.a.O., S. 11-14; Senklbeil, a.a.O., S. 35 f.; Holub, a.a.O., S. 4

[94] vgl. Holub, a.a.O.

[95] vgl. Wolfmueller, Video, a.a.O.; Wolfmueller, American Christianity, a.a.O., S. 17-20; Senkbeil,a.a.O., S. 37; Senkbeil, Sanctification, a.a.O., S 8. 12

[96] vgl. Wolfmueller, Video, a.a.O.; Wolfmueller, American Christianity, a.a.O., S. 20-22

[97] vgl. Evangelisches Kirchenlexikon. Hrsg. von Heinz Brunotte und Otto Weber. Bd. P-Z. Göttingen: Vandenhoeck & Ruprecht. 1959. Sp. 1672-1676

[98] vgl. dazu: https://en.wikipedia.org/wiki/Yoram_Hazony; sowie: https://www.nationalreview.com/magazine/2018/10/01/in-defense-of-nations-book-review/

[99] vgl. dazu: Das Große Bibellexikon. Hrsg. von Helmut Burkhardt, Fritz Grünzweig u.a. 2. Sonderausg. Witten: SCM R. Brockhaus; Gießen: Brunnen Verlag. 2009. Bd. 2. S. 1648; Karlheinz Rabast: Die Genesis. Berlin: Evangelische Verlagsanstalt. 1951. S. 175; Carl Friedrich Keil: Biblischer Commentar über die Bücher Moses. Bd. 1. 2., verb. Aufl. Leipzig: Dörffling und Franke. 1866. S. 113

[100] vgl. Bibellexikon, a.a.O.

[101] vgl. ebd. S. 1648 f.; Hansjörg Bräumer: Das erste Buch Mose. 1. Teil. 6. Aufl. Wuppertal: R. Brockhaus Verlag. 2009. (Wuppertaler Studienbibel. Reihe: Altes Testament.) S. 200 

[102] vgl. Bibellexikon, a.a.O.

[103] vgl. Hellmuth Frey: Das Buch der Anfänge. 8. Aufl. Stuttgart: Calwer Verlag. 1977. (Die Botschaft des Alten Testaments. Bd. 1.) S. 134 f.

[104] vgl. Bibellexikon, a.a.O.

[105] Dass am ersten Pfingstfest, Apg. 2, die Apostel und Jünger in den vielerlei Sprachen der anwesenden Juden aus vielen Völkerschaften predigten, zeigt an, dass in Christus einst diese Ordnung wieder überwunden werden kann, aufgehoben aber erst in der Herrlichkeit, in der diese Trennung nicht mehr notwendig ist, während die Christen in der Zeit noch innerhalb ihrer Völker leben, wenn sie auch Salz der Erde sein sollen.

Der große englische Rechtsgelehrte und konservative politische Vordenker John Selden hat daher völlig zu Recht die Bedeutung der voneinander abgegrenzten Gebiete und damit die Bedeutung der Grenzen als zu respektierende Trennungslinien aus der Völkertafel abgeleitet und hervorgehoben, die eine Grundlage für die Souveränität der Völker und ihrer Staaten darstellen und eine Garantie für Ordnung und Frieden in der Welt. Vgl. dazu: Abraham Berkowitz: John Selden and the Biblical origin oft he modern international political system. Jewish Political Studies Review. 6:1-2. Spring 1994. In: http://jcpa.org/wp-content/uploads/2012/11/john-selden.pdf

[106] vgl. Bibellexikon, a.a.O. S. 1648. Der hebräische Begriff „goj“ wird im Deutschen (revidierte Lutherbibel) mit Volk übersetzt, im Englischen und Französischen jeweils mit Nation. (vgl. King-James-Bibel oder Louis Segond; im Deutschen übrigens auch in der Elberfelder Bibel)

[107] vgl. Frey, a.a.O., S. 139

[108] vgl. Bibellexikon, a.a.O., S. 1649

[109] vgl. ebd. Damit ist auch angezeigt, dass, auf längere Sicht gesehen, es falsch wäre, den Volksbegriff allein auf die Abstammung („Blut“) zu gründen. Auch Israel hat immer wieder Personen aus anderen Völkern aufgenommen, die sich ihm angeschlossen haben, das heißt bei Israel vor allem auch: die mit ihm Jahwe, den einzig wahren Gott, verehrten. Sie wurden assimiliert, denken wir an die Verwandten Moses durch seine Heirat, an Rahab und Ruth. Noch mehr gilt dies natürlich für die Völker außerhalb des von Gott im Alten Bund besonders gesetzten Volkes Israel. Vgl. dazu auch Kirchenlexikon, a.a.O., Sp. 1672 f.

[110] vgl. Frey, a.a.O., S. 143 f.

[111] vgl. Bibellexikon, a.a.O.

[112] vgl. ebd. S. 1649 f.

[113] vgl. Keil, a.a.O., S. 117; Rabast, a.a.O., S. 181 f.

[114] vgl. Rabast, a.a.O., S. 181 f. 186