Beständig in der Apostel Lehre und in der Gemeinschaft und im Brotbrechen und im Gebet! Apg. 2,42

DER BEKENNTNIS-

LUTHERANER

Lutherisches Blatt für Bibelchristentum.

Mit Zustimmung der Lutherischen Kirchen der Reformation (Lutheran Churches of the Reformation, LCR) herausgegeben von Roland Sckerl,  Leopoldstr. 1, D-76448 Durmersheim

E-mail: Sckerl@web.de; Internet: www.lutherische-bekenntnisgemeinde.de

 

27. Jahrgang 2019  Heft 1/2019

 

 

 

 

 

 

 

Inhaltsverzeichnis

 

 

 

UNTER BIBEL UND BEKENNTNIS. 3

Gospel Reductionism.. 3

Die Grundvoraussetzungen der historisch-grammatischen Methode. 9

THEOLOGISCHE ANMERKUNGEN.. 17

Gibt es einen religionslosen Staat?. 17

ZEICHEN DER ZEIT. 22

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

UNTER BIBEL UND BEKENNTNIS

 

Gospel Reductionism

Roland Sckerl

    Der Begriff „Gospel Reductionism“ kam in den 1960er Jahren auf, als in der Missouri-Synode das Ringen um die Lehre von der Schrift und die rechte Auslegung der Schrift immer heftiger wurde. Bei der Auseinandersetzung, die sich um die Erscheinung des „Gospel Reductionism“ drehte, handelte es sich um die Frage der rechten Auslegung der Heiligen Schrift, der rechten Hermeneutik.1 Juul Madson bemerkt dabei völlig korrekt, dass dieser Kampf nicht losgelöst werden kann von dem gleichzeitigen Ringen um die Lehre von der Schrift überhaupt, also um die Verbalinspiration und absolute Irrtumslosigkeit der Heiligen Schrift.2 Das Phänomen, das mit Gospel Reductionism, von einigen auch als Law/Gospel Reductionism bezeichnet wurde, stellt dabei einen besonders gefährlichen Angriff gegen die Autorität der gesamten Heiligen Schrift dar, weil dieser Angriff unter dem Deckmantel des Evangeliums erfolgt.3 Nicht zuletzt die Concordia University in Valparaiso, USA, stand für diese Verkehrung des Schriftverständnisses. Dabei hat einer seiner Unterstützer, Dr. Robert C. Schultz, ganz richtig auf die Bedeutung dieses Kampfes hingewiesen: „Keine Auseinandersetzung ist so entscheidend und so einschneidend gewesen seit der Altenburger Debatte über das Wesen der Kirche.“4 Wenn auch der Begriff selbst erst in den 1960er Jahren aufkam, so trat die Irrlehre selbst bereits in den späten 1940er Jahren auf und verbreitete sich in den 50er Jahren weiter, nicht zuletzt auch durch F.E. Mayer unterstützt, dessen Darstellung zur lutherischen Kirche in „The Religious Bodies of Amercia“ ganz stark vom Gospel Reductionism geprägt ist.5

    Worum ging und geht es dabei? (Denn wenn auch in der Missouri-Synode die Debatte eher abgeklungen ist, so ist sie damit keineswegs beendet. In der Christenheit selbst hat sie in den letzten Jahrzehnten unter verschiedenen Gesichtern ihr Haupt erhoben, wie noch beschrieben werden wird.) John Warwick Montgomery, der vehement und mit großer Entschiedenheit diese Irrlehre bekämpft hat, beschreibt den Gospel Reductionism als ein hermeneutisches Verfahren, das fordert, die biblischen Texte mit dem Evangelium auszulegen oder mit der Unterscheidung zwischen Gesetz und Evangelium, und zwar als einer grundlegenden Auslegungsnorm.6 Damit kommt es auch zu einer Verwirrung um die Unterscheidung und Verbindung von Formal- und Materialprinzip in der lutherischen Theologie, allerdings in einer anderen Weise als Edward Schroeder, wie R.C. Schultz von der Universität in Valparaiso, später in St. Louis, dies gemeint hat, der diese Verwirrung nämlich den Kritikern des Gospel Reductionism vorwarf.7

    Dabei behaupteten die Protagonisten des Gospel Reductionism (Valparaiso Theology), dass ihre Ansichten völlig mit den lutherischen Bekenntnissen, mit der Theologie Luthers und C.F.W. Walthers übereinstimmten, ja, dass sie die eigentlicher Verfechter rechten konfessionellen evangelischen Luthertums wären.8 Stimmt das aber wirklich? Worin liegt der Unterschied? Jacob Aal Ottesen Preus, der damalige Präses der Missouri-Synode legte 1971 einen Bericht der Kontrollkommission für die Seminare vor, der unter anderen darlegte, dass der Gospel Reductionism nicht nur lehrt, dass das Evangelium das Zentrum des christlichen Glaubens ist, was völlig richtig ist, sondern vielmehr das Kriterium für die Auslegung der Bibel – und damit tatsächlich die buchstäbliche Aussage des biblischen Textes und damit auch die grammatisch-historisch-dogmatische Auslegung in Frage stellt. Das hat zur Folge, dass für die Gospel Reductionists jegliche Auslegung des biblischen Textes, jede Behauptung, die aufgestellt wird, so lange als akzeptabel gilt, so lange sie nicht das Evangelium angreife9 (damit also auch, wenn die Verbalinspiration und Irrtumslosigkeit der Schrift verworfen wird, das Sechstagewerk der Schöpfung, die Notwendigkeit, sich von falschgläubigen Kirchen und Lehrern zu trennen; ebenso die Frauenordination akzeptiert wird, wie auch Homosexualität und andere sexuelle Verirrungen, bzw. sie verharmlost werden, wie dies ja etwa in der jüngeren Zeit in den Debatten im evangelikalen und pietistischen Bereich in der BRD sich zeigte). Auch eine Auslegung, die eben nicht vom Buchstaben der Schrift ausgehe, die nicht grammatisch-historisch sei, sei daher akzeptabel. Das schließt ein, dass die Gospel Reductionists auch mit solchen leben können, für die Adam und Eva keine historischen Lebewesen waren, so wenig wie die weltweite Flut ein historisches Ereignis10, sondern nur (fiktive) „Erzählungen“, „Bilder“.

    Dagegen ist die biblisch-reformatorische lutherische Lehre, wie sie auch von den bibeltreuen Kreisen um J.A.O. Preus damals in der Missouri-Synode geteilt wurde, die: Die Bibel allein (und zwar die ganze Schrift, nicht in irgendeiner Weise eingeschränkt, verkürzt) ist die alleinige Quelle und Norm der Lehre der Kirche (Formalprinzip). Das Evangelium von Jesus Christus ist die Hauptlehre der Bibel und das Herz des christlichen Glaubens (Materialprinzip). Das Evangelium ist dabei eine Grundvoraussetzung für die Auslegung der Heiligen Schrift, und zwar in dem Sinn, das man sich der Schrift nähert mit der Erwartung, die Frohe Botschaft von Jesus Christus zu hören – aber nicht in dem Sinne, dass es die Bedeutung eines biblischen Textes bestimmt (und hier liegt ein entscheidender Unterschied). Vielmehr ist das, was der Text tatsächlich sagt, seine buchstäbliche Aussage, die wirkliche Aussage des Textes und ist so zu akzeptieren, weil es sich um Gottes Wort handelt. Die Grammatik, der Grundtext und die literarische Form des Textes bestimmen, ob der Text buchstäblich oder bildhaft zu verstehen ist.11 So, und nur so, kann der Sünde recht von seiner Sünde und seiner abgrundtiefen Verdorbenheit überzeugt (Werk des Gesetzes) und zu einer lebendigen Erkenntnis Jesu Christi als seines persönlichen Erlösers von den Sünden geführt werden (Werk des Evangeliums). Die GR-Theologie dagegen behauptet ja, dass die Schrift durchaus unklar sein kann, unterschiedliche Auslegungen möglich seien, und das Evangelium daher angebe, wie die Schrift zu verstehen sei.12

    Bibel- und bekenntnistreue lutherische Theologie hat dabei immer gelehrt, dass allerdings das vornehmste Ziel der Bibel es ist, Jesus Christus zu verkündigen, damit Menschen zur Erkenntnis der Erlösung durch den Glauben an Jesus Christus kommen und deshalb die Lehre von der Rechtfertigung allein aus Gnaden, allein um Christi Verdienst willen, allein durch den Glauben die Zentrallehre der Heiligen Schrift Alten und Neuen Testaments ist. Gerade in diesem Zusammenhang ist eine rechte Unterscheidung von Gesetz und Evangelium nötig. Gerade weil aber Jesus Christus sein Erlösungswerk dadurch vollbracht hat, dass er persönlich in unsere Geschichte eintrat und ein Leben in dieser Geschichte führte, in unserer Geschichte starb und auferstand, darf der soteriologische Grundzweck der Schrift in keiner Weise die historischen und sonstigen Tatsachen, die in der Schrift berichtet werden, in Frage stellen oder leugnen.13 Sie hat deshalb und muss deshalb stets auch eine Lehre verwerfen, die nicht mehr die Bibel, sondern nur noch das Evangelium zum Richter über alle Lehre und Lehrer macht (was ja auch durch eine falsche Interpretation von Art. VII des Augsburger Bekenntnisses immer wieder versucht wird, indem dort der Begriff „Evangelium“ im engsten Sinne genommen wird, losgelöst sowohl von dem mit ihm zusammenwirkenden Gesetz wie überhaupt der Schrift, für die es hier steht, wie die Darlegungen zu diesem Artikel in der Apologie zeigen) und auch es für akzeptabel hält, wenn die historische Faktizität von Ereignissen wie dem Sechstagewerk der Schöpfung, der historischen Existenz von Adam und Eva, des Sündenfalls, der weltweiten Flut in Frage gestellt wird, so lange nur das Evangelium dadurch nicht berührt würde; oder dass gar Christen das nicht als verbindlich glauben und lehren müssten, was nicht Teil des Evangeliums sei.14 Gerade das ist ganz wichtig. Denn genau das sind ja die Ansatzpunkte der Gospel Reductionists etwa auch im deutschsprachigen Raum, wo sie etwa die Verbalinspiration und Irrtumslosigkeit der Schrift leugnen (auch innerhalb der SELK), wo das Sechstagewerk der Schöpfung geleugnet und seine Lehre als nicht so wichtig angesehen wird (innerhalb der SELK genauso wie im evangelikalen Raum), wo man versucht, „Bibeltreue“ gegen „Jesustreue“ (Ulrich Eggers, P. Hempelmann, Jürgen Mette) auszuspielen und sich dabei dann eben gegen die Verbalinspiration und absolute Irrtumslosigkeit der Schrift wendet, gegen die grammatisch-historisch-dogmatische Auslegung; wo man überhaupt meint, die Aussagen zu historischen oder naturwissenschaftlichen oder sonst nicht das Heil betreffenden Dingen seien zweitrangig, unwesentlich, Einheit darin nicht notwendig; wo dann auch behauptet wird, solche Aussagen, wie etwa gerade auch im Blick auf Schöpfung, Sündenfall und Sintflut, seien nur „heilsmäßig“ auszulegen, also welche Bedeutung sie für Gottes Treue, Liebe, Rettungshandeln hätten, nicht aber ihre historische und naturwissenschaftliche Relevanz zu bedenken (so auch in „konservativerer“ lutherischer Theologie in den Landeskirchen, in der SELK, im Bereich der Bekenntnisbewegung).

    Es geht also, das sei nochmals wiederholt, bei der Auseinandersetzung um die Stellung der Schrift und des Evangeliums im Blick auf die Auslegung der Schrift. Die Gospel Reductionists meinen, alles auf das Evangelium zurückführen, alles durch das Evangelium richten zu müssen. Sie verwerfen daher letztlich auch die Unterscheidung zwischen Formal- und Materialprinzip. Sie gehen dabei so weit, dass sie sagen, es müsse erst der Glaube an Christus kommen (wodurch?), dann daraus das Verständnis der Schrift, erst das Evangelium, dann das Gesetz (womit sie nahe bei Barth sind).15 Dagegen haben bereits die lutherischen Bekenntnisse gerade in der Konkordienformel deutlich gemacht, dass die Schrift die einzige Quelle, Regel, Richtschnur und Richter aller Lehre und Lehrer der Kirche ist, nicht nur das Evangelium, das allerdings Zentrum der biblischen Lehre, des christlichen Glaubens ist.16 Dabei bekennen sie auch, dass Gesetz und Evangelium die grundlegende Botschaft der Bibel sind und die Rechtfertigung allein aus Gnaden um Christi willen Kern und Stern der Heiligen Schrift, denn der göttliche Endzweck der Schrift ist ja, dass wir glauben an Jesus Christus, den Sohn Gottes, und durch ihn das ewige Leben haben (Joh. 20,31).17

    Aber, und das ist nun das Entscheidende, was auch gegen die Gospel Reductionists festgehalten werden muss, das christologische bzw. soteriologische Prinzip tut der Aussage irgendeiner Schriftstelle keine Gewalt an, denn diese Prinzipien sind nicht hermeneutische Grundsätze zur Auslegung der Schrift. Die soll vielmehr grammatisch und historisch geschehen, ja, auch der Hauptartikel der Schrift wird ja aus der grammatisch-historisch-dogmatischen Auslegung gewonnen. Die Unterscheidung von Gesetz und Evangelium ist ein theologischer, kein hermeneutischer Grundsatz, das ist ganz wichtig.18 Das Materialprinzip wird nur gewonnen und kann nur entfaltet werden, wenn es seine Gültigkeit und Autorität durch die Heilige Schrift hat, dem von Gott eingehauchten irrtumslosen Wort, das seinerseits wieder als Endziel hat, dass Menschen gerettet werden durch den Glauben an Jesus Christus. Evangelium und Bibel gehören also zusammen, Formal- und Materialprinzip stehen in unlösbarer Verbindung miteinander. Die Schrift, und zwar die ganze Schrift, ist das Erkenntnisprinzip in der Theologie, uns von Gott gegeben, um uns Christus zu verkündigen.19

    Der Gospel Reductionism hat dabei verkannt, dass die Unterscheidung von Gesetz und Evangelium, wie schon gesagt, nicht ein, noch viel weniger das hermeneutische Prinzip ist, sondern ein theologischer Grundsatz, der dazu dient, dass das Evangelium wirklich „Evangelium“ bleibt. Die Auseinandersetzung, die dafür die Luther und Melanchthon mit Rom führten, führten sie auf der Grundlage grammatisch-historischer Auslegung der Schrift.20 Die Anwendung des Evangeliums, auch in der Praxis der Kirche, folgt aus der Auslegung der Schrift, nicht dadurch, dass das Evangelium der Schrift als hermeneutischer Grundsatz übergestülpt wird.21 Die Gospel Reductionists, wie etwa Robert Schultz, dagegen wollten das Gesetz-und-Evangelium-Schema auch der Auslegung der Schrift und der Dogmatik überstülpen.22 Das, was Schultz als zu einseitig bei Walther ansah, nämlich dass es bei der Unterscheidung von Gesetz und Evangelium um die praktische Anwendung, nämlich wie sie auf den Sünder und den Christen anzuwenden sind, nicht dagegen ein hermeneutisches oder systematisches Prinzip, das ist vielmehr die korrekte Anwendung der Unterscheidung von Gesetz und Evangelium.23

    Die Anwendung der Unterscheidung von Gesetz und Evangelium als hermeneutischer Grundsatz führt dagegen, wie auch schon oben dargelegt, zu weitgehender Verkürzung der biblischen Lehre in unzähligen Bereichen, ja, öffnet der Bibelkritik weiteste Türen.24 Nicht zuletzt führt dies auch dazu, dass der dritte Gebrauch des Gesetzes, also seine Anwendung als „Regel“ für den Christen, umgestoßen wird. Es wird dann behauptet, dass das Gesetz nur anklagen, richten könne, mehr nicht (so übrigens auch F.E. Mayer). Einen ethischen Gebrauch des Gesetzes gibt es dann nicht mehr. So führt der Gospel Reductionism zum Antinomismus.25 Das ist gerade durch die Theologen der Valparaiso University, die auch führend waren im Gospel Reductionism, so ausgeführt worden. Stephen Schmidt etwa leugnete, dass die zehn Gebote überhaupt etwas zu unserem ethischen, moralischen Leben zu sagen hätten.26 Robert Hoyer ging so weit, dass er jegliche ethische Aussage der zehn Gebote leugnete und behauptete, sie dienten allein der Verdammnis des Sünders.27 Wodurch aber sollte dann die Ethik gewonnen werden? Das Evangelium wurde tatsächlich zum Gesetz, zur moralischen Norm für das christliche Leben.28

 

 

Die Grundvoraussetzungen der historisch-grammatischen Methode

(in Anlehnung an: Raymond F. Surburg: The Presuppositions of the Historical-Grammatical Method as Employed by Historic Lutheranism; in: The Springfielder. Vol. XXXVIII, No. 4. March 1975, S. 278 ff.)

Roland Sckerl

 

    Die Auslegung der Heiligen Schrift hat nicht erst mit der lutherischen Reformation begonnen. Auch zuvor wurde die Bibel in der Kirche ausgelegt, allerdings war schon sehr bald in der frühen Kirche der sogenannte „vierfache Schriftsinn“ und vor allem die allegorische Methode eingerissen, nicht zuletzt durch Origenes und die alexandrinische Schule, wenn auch in Kontroverse mit der antiochenischen Schule, die mehr am tatsächlichen Schriftsinn festhalten wollte (später haben auch die victorinische Schule in Paris und Nikolaus von Lyra gegen die allegorische Auslegung gestanden). Daher haben die Theologen, die dann die historisch-grammatische Methode entwickelt haben, was erst in der Reformation geschah durch Männer wie Luther, Calvin, Zwingli, John Knox und andere Reformatoren, einige Voraussetzungen für die Schriftauslegung von den alten Theologen übernehmen können. Viele aber haben sie neu erarbeiten müssen, auch um dadurch aufzuzeigen, warum es wichtig, richtig und notwendig war, den vorigen, irrigen Weg der Schriftauslegung zu verlassen.

    Diese historisch-grammatische Methode war dann die Weise der Schriftauslegung vom 16. bis zum 18. Jahrhundert, und wieder in der erneuerten lutherischen Kirche seit dem 19. Jahrhundert.

 

    1. Grundlegende Voraussetzung der Schriftauslegung, wie sie auch die alte lateinische Kirche des Westens und die griechische des Ostens festgehalten hatte, ist, dass die gesamte Heilige Schrift Alten und Neuen Testaments, vom ersten bis zum letzten Buchstaben, das geistgehauchte und daher auch absolut irrtumslose, absolut richtige, absolut wahre, widerspruchslose Wort Gottes ist.

    Die Bibel enthält also nicht nur Gottes Wort, etwa in einem Ineinander von Gottes- und Menschenwort, sie ist auch nicht das Produkt menschlicher Überlegungen, menschlicher Theologie (etwa der „Gemeindetheologie“), menschlicher Zusammenstellung, sondern sie ist völlig und ganz und gar des Heiligen Geistes Buch, ganz und gar von ersten bis zum letzten Wort in den Urschriften den heiligen Schreibern vom Heiligen Geist eingehaucht (2. Tim. 3,16; 2. Petr. 1,21). Es wäre auch zu wenig zu sagen, so, wie die Bibel jetzt vorliegt, ist sie von Gott gewollt (konservative Richtung der „kanonischen Auslegung“), während man über die Entstehung nichts aussagt oder menschliche Zusammenstellung (Pentateuchkritik, Quellenhypothese usw.) durchaus akzeptieren kann. Auch das widerspricht eindeutig der Lehre der Bibel von ihr selbst.

    Weil die Heilige Schrift Gottes Wort ist, darum hat sie auch Gottes Eigenschaften: Gott lügt nicht (Tit. 1,2), er ist daher auch alles Falschen abhold. Darum kann die Bibel auch gar keine Irrtümer enthalten, auch keine Anpassungen an den Zeitgeist, an Zeitgeistdenken, an menschliche religiöse Auffassungen, Ideologien, Philosophien, Mythologien. Sie kann nicht gebrochen werden (Joh. 10,35). Gott ändert sich nicht (Mal. 3,6), darum ändert sich auch sein Wort nicht, auch nicht in seiner Bedeutung, sondern bleibt ewig (Ps. 119,89-91), ist unwandelbar, nicht anzupassen an den Zeitgeist, an staatliche oder sonstige Ideologien, Philosophien, Wissenschaft der Menschen. Gott ist allmächtig (1. Mose 17,1; Matth. 28,18), darum ist auch sein Wort wirkkräftig, denn Gott wirkt durch sein Wort, was er will (Ps. 33,6.9; Röm. 1,16; 10,14-17; Jes. 55,10.11).

    Darum kann und darf die Heilige Schrift auch nicht menschlicher Kritik, menschlichem Richten, menschlicher Vernunft, Wissenschaft, Philosophie, Ideologie usw. unterworfen werden, sondern vielmehr ist alle Vernunft gefangen zu nehmen unter den Gehorsam Christi (2. Kor. 10,5).

    Ebenso darf deshalb auch der Wortlaut der Schrift bei Übersetzungen nicht geändert werden, weil der Sprachgebrauch sich etwa unter kulturell-ideologischen Maßstäben geändert habe, sondern des Heiligen Geistes Wort ist unverändert wiederzugeben (gegen den Versuch z.B., „Brüder“ mit „Brüder und Schwestern“ zu übersetzen, was unter dem Einfluss der feministischen Ideologie und des Gender Mainstreaming geschieht, die auch versuchen, entsprechend die Sprache zu verändern).

    2. Der Kanon der Heiligen Schrift ist nicht von Menschen festgelegt, sondern die Kirche Jesu Christi hat nur festgestellt, welche Schriften Gott der Heilige Geist durch seine Propheten und Apostel (und deren direkte Schüler) mittels Inspiration gegeben hat. Daher kann sie die apokryphen Schriften des Alten Testaments nicht als Teil der Heiligen Schrift Gottes anerkennen, wie sie auch die jüdische Synagoge nie als Teil des Tenach angenommen hat, sie auch nicht im Neuen Testament wiedergegeben werden, vielmehr Christi Aussage in Matth. 23,35 den genauen Umfang der hebräischen Bibel wiedergibt.

    Der Kanon der Heiligen Schrift ist auch nicht weiter offen, sondern abgeschlossen, denn die Kirche Jesu Christi ist gegründet auf den Grund der Apostel und Propheten, da Jesus Christus der Eckstein ist (Eph. 2,19); denn Gott hat vorzeiten geredet zu den Vätern durch die Propheten, am letzten aber in diesen Tagen zu uns durch den Sohn (Hebr. 1,1-2). Die Kirche Jesu Christi hat daher stets darauf geachtet, wenn die Frage des Umfangs des Kanons an sie herantrat, dass sie nur diejenigen Schriften als kanonisch feststellte, die von den Propheten und Aposteln Gottes (bzw. direkten Apostelschülern (Markus, Lukas) geschrieben wurden. Aus diesem Grund ist die Schreiberschaft der Schriften Alten und Neuen Testaments keine nebensächliche, sondern eine eminent wichtige Frage und sind alle Hypothesen über unterschiedliche „Quellen“, „Logien“, „Traditionen“, „Redaktoren“ von vornherein ausgeschlossen.

    Die Unterscheidung bei den Schriften des Neuen Testaments zwischen Homologumena und Antilegomena zeigt nur an, welche Schriften in der Alten Kirche von allen stets anerkannt werden und bei welchen Schriften das Zeugnis nicht immer einheitlich war, z.T. wohl auch, weil einfach nicht alle Schriften bekannt waren, bzw. nicht  überall gelesen wurden. Das heißt, es liegt hier nur ein Unterschied vor in der Anzahl der Zeugen; der Umfang des neutestamentlichen Kanons ist aber nicht in Frage gestellt.

    3. Entscheidend für die Lehre der Kirche und die Auslegung der Schrift ist allein der Text in seiner ursprünglichen Fassung in den Originalsprachen (Urschriftinspiration).

    Alle Übersetzungen haben also nur eine mittelbare Autorität; in Streitfragen entscheidet allein der Grundtext, nicht etwa die Vulgata oder sonst eine Übersetzung.

    Da die Originalmanuskripte sowohl für das Alte als auch für das Neue Testament nicht mehr vorliegen, ist die textkritische Arbeit, also die Arbeit, den ursprünglichen Text anhand der vorhandenen Handschriften, Lektionare, Übersetzungen, Zitate usw. wieder herstellen von besonderer Bedeutung.

    Daher ist es auch für den Exegeten unerlässlich, dass er mit den Originalsprachen (Hebräisch, Aramäisch, Koine) bekannt ist. Die philologische Methode ist ein charakteristischer Bestandteil der historisch-grammatischen Auslegung.

    4. Die Heilige Schrift Gottes ist die einzige Autorität in der Kirche, die alleinige Regel und Richtschnur, der alleinige Probierstein, nach dem alle Lehre und Lehrer in der Kirche zu beurteilen sind. Diese Autorität kann und darf von keiner anderen Autorität in Frage gestellt oder gar unterdrückt werden.

    Autorität in der Kirche Jesu Christi für Lehre und Leben ist allein die Heilige Schrift Gottes als Gottes irrtumsloses Wort, nicht auch noch die „Tradition“ oder die Lehraussagen von Päpsten, Bischöfen, Konzilen, Synoden, auch nicht die Vernunft, die Wissenschaft, der Zeitgeist, irgendeine Ideologie, Philosophie, auch nicht die Politik, die Lebensumstände oder was sonst gegen die Aussage der Schrift in Stellung gebracht wird.

    Die Kirche Jesu Christi steht nicht über der Schrift, gibt auch nicht der Schrift erst ihre Autorität, sondern sie steht unter der Schrift, wird durch die Schrift kritisiert und korrigiert.

    Auch die Bekenntnisschriften sind keine Autorität neben der Schrift, sondern haben Autorität in der Kirche nur, weil sie (quia) die Lehre der Schrift wiedergeben, sind also nur durch die Heilige Schrift als normierender Norm autorisierte, normierte, Norm.

    Insbesondere kann und darf die Aussage der Heiligen Schrift nicht eingeschränkt oder umgebogen werden durch weltanschauliche Voraussetzungen, die der Bibel bzw. der Auslegung der Bibel übergestülpt werden, z.B. dass die Welt nach außen hin abgeschlossen sei und Gott nicht in sie hinein wirke; dass es keine Prophetie, keine Wunder gäbe; dass nur das, was immer wiederholbar sei, was eine Entsprechung in der natürlichen Welt habe als wirklich anerkannt werden könnte; oder dass die Schreiber der biblischen Bücher Anleihen bei den heidnischen Religionen übernommen hätten; oder dass die Aussagen der Schrift Bilder aus dem religiösen Denken der Menschen seien („Mythen“, „Mythologien“), die in die jeweilige Zeit zu übersetzen wären; oder dass überhaupt der Sinn der Aussage jeweils abhängige vom Leser und seiner Situation, seinem Umfeld, seiner Zeit.

    5. Der tatsächliche Sinn der Schrift ist der buchstäbliche oder Literalsinn als der ursprüngliche, eigentliche Sinn der biblischen Aussagen.

    Auch für diejenigen Aussagen, die bildhaft, gleichnishaft sind, gibt es nicht verschiedene „Sinne“, sondern nur einen, eben in diesem Bild, Gleichnis intendierten Sinn.

    Die Weise der frühen Kirche und der Scholastik, neben oder hinter dem Literalsinn noch einen allegorischen, anagogischen und tropologischen zu finden, ist schriftwidrig. Vielmehr muss jedes Wort in seiner natürlichen Bedeutung stehen, außer die Schrift selbst durch den engeren oder weiteren Kontext oder die klaren Schriftstellen (Analogie des Glaubens) zwingt dazu.

    Die Klarheit der Heiligen Schrift bedeutet auch, dass alle Lehrartikel an zumindest einer Stelle hell, klar dargelegt sind, so dass die biblische Lehre ohne weitere Auslegung durch Gebildete wie Ungebildete gleichermaßen erkannt und erfasst werden kann. Diese an den hellen, klaren Stellen der Bibel vorliegende göttliche Lehre wird auch als die „Analogie des Glaubens“ oder die „Glaubensregel“ bezeichnet, weil nach ihr die dunklen Stellen der Schrift zu den jeweiligen Artikeln auszulegen sind, da die Schrift eine Einheit ist und sich nicht widersprechen kann. Die Behauptung, auch der Sinn der hellen, klaren Stellen der Schrift müsste erst durch Auslegung im Vergleich mit anderen Stellen gewonnen werden, führt tatsächlich dazu, dass die Schrift dunkel, unklar und ungewiss wird.

    Da, wo die hellen, klaren Stellen der Schrift einander zu widersprechen scheinen, ist der jeweilige klare Sinn festzuhalten und nicht zu versuchen zu harmonisieren, sondern beide Aussagen festzuhalten und ihre Beziehung zueinander anhand der Schrift festzustellen. Paradoxa und Spannungen in den Aussagen der Schrift sind auszuhalten; und manche Dunkelheiten und scheinbaren Widersprüche können auch herrühren, dass wir Sprache, Grammatik nicht gut genug kennen.

    6. Die biblischen Bücher sind auch als literarische Dokumente vom Exegeten zu betrachten und entsprechend in seiner Auslegung zu berücksichtigen.

    Nachdem durch die textkritische Arbeit der Exeget den Originaltext soweit wie möglich wieder hergestellt hat, studiert er den Text unter den Aspekten von Schreiberschaft, Zeit des Schreibens, Ort des Schreibens, Zweck und Ziel des Schreibens, Empfängerschaft, historischer Hintergrund (Isagogik). Teilweise lassen sich diese Angaben aus der Bibel selbst erheben und haben dann für die Auslegung ihre Bedeutung. Teilweise können sie aber nur von außen erhoben werden. Alle Angaben aber, die durch von außen hinzu kommen, dürfen für die Auslegung des Textes keine relevante Bedeutung bekommen, da allein Schrift Schrift auslegt.

    Die isagogischen Fragen, vor allem im Blick auf die Schreiberschaft der Bücher (z.B. Pentateuch, Jesaja) haben für die Auslegung der Bibel durchaus große Bedeutung, da es z.B. einen Unterschied macht, ob Mose als vom Heiligen Geist inspirierter Schreiber der fünf Bücher anerkannt wird oder nicht, ob Jesaja als Schreiber des entsprechenden Prophetenbuches anerkannt wird oder nicht.

    Historische Auslegung heißt aber nicht, dass man meint, die Aussagen der Schrift seien zeitgebunden (es sei denn, die Schrift selbst gibt dies an) oder gäben nur eine Auffassung einer bestimmten Zeit wieder oder hätten Relevanz nur für eine bestimmte Zeit. Wir müssen anhand der klaren Aussagen der Schrift unterscheiden, wo sie berichtet über das Leben z.B. in der frühen Kirche, und wo sie mit solchen Berichten auch gleichzeitig für alle Zeiten gültige Lehre weitergibt und dürfen letztere nicht mit Hinweis auf die Geschichte abschwächen oder versuchen, dahinter noch eine andere Wahrheit zu finden (z.B. Wauwatosa-Theologie mit „Wesen“ und „Form“ im Blick auf Gottes evangelische Ordnungen zu Kirche und Amt).

    7. Weil Gott der Heilige Geist der eigentliche Autor, Verfasser der Heiligen Schrift ist, darum stellt die Heilige Schrift, wiewohl sie über 1.600 Jahre von verschiedenen Schreibern verschiedenster Herkunft, verschiedenster Bildung, verschiedensten Stils unter unterschiedlichsten Umständen niedergeschrieben wurde, dennoch eine Einheit dar. Altes und Neues Testament stellen die vollständige Offenbarung Gottes dar und sind nicht zu trennen, weder das Alte Testament auszulegen, als gäbe es kein Neues, noch das Neue so, als gäbe es kein Altes Testament. Vielmehr gilt: Das Neue Testament ist im Alten verborgen, das Alte Testament ist im Neuen offenbart, entfaltet.

    Oftmals wird die Aussage einer Schriftstelle des Alten Testaments erst durch seine Erfüllung im Neuen Testament deutlich, z.B. Ps. 110.

    8. Weil die Heilige Schrift nur einen Autor hat, den Heiligen Geist, weil sie daher auch eine Einheit darstellt, sie daher auch absolut irrtumslos, absolut widerspruchslos ist, weil sie klar ist, darum kann die Schrift auch dazu verwendet werden, die Schrift auszulegen, besonders die helleren Stellen, um die dunkleren zu erklären.

    So wird der Sinn einer Aussage des Alten Testament oft erhellt durch die gottgegebene Auslegung im Neuen Testament.

    Daher ist es auch wichtig, Parallelstellen, Paralleltexte herauszufinden und miteinander zum tieferen Verständnis zu vergleichen.

    Jede Stelle ist auch in ihrem Zusammenhang zu verstehen (engerer und weiterer Kontext). Die Aussagen eines Lehrartikels sind aber nicht durch die Aussagen eines anderen Lehrartikels abzuschwächen oder umzubiegen, sondern jede klar in der Schrift vorliegende Aussage ist als solche auch stehen zu lassen, auch wenn verschiedene Aussagen miteinander in Spannung stehen mögen, die zwar erklärt, aber nicht unbedingt aufgelöst werden kann. Es gibt insbesondere kein „Schriftganzes“, das die klare Aussage einer Stelle beeinflussen, verändern, umbiegen dürfte.

    Der Grundsatz, die Schriften eines Autors durch andere Schriften desselben Autors auszulegen, ist auch ein Grundsatz in der allgemeinen Literaturwissenschaft.

    9. Zentraler oder Hauptartikel der Heiligen Schrift ist die Rechtfertigung des Sünders allein aus Gnaden, allein um Christi willen, allein durch den Glauben (Luk. 24,26-27; 1. Kor. 2,2). Keine Auslegung der Bibel darf daher diesem Artikel widersprechen, ihn angreifen, einschränken. (Hauptartikelgrundsatz)

    „Dieweil aber solcher Zank ist über dem höchsten, vornehmsten Artikel der ganzen christlichen Lehre, so dass an diesem Artikel ganz viel gelegen ist, welcher auch zu klarem richtigen Verstand der ganzen Heiligen Schrift vornehmlich dient und zu dem unaussprechlichen Schatz und der rechten Erkenntnis Christi allein den Weg weist, auch in die ganze Bibel allein die Tür auftut, ohne welchen Artikel auch kein armes Gewissen einen rechten beständigen gewissen Trost haben oder die Reichtümer der Gnaden Christi erkennen mag …“ (Apol. IV (II), 2.) (s.a. Schmalk. Art. Teil 2, 1. Artikel)

    10. Eng verbunden mit dem Hauptartikel der Heiligen Schrift ist die Christozentrizität der gesamten Bibel, Alten und Neuen Testaments (Luk. 24,26-27; Joh. 5,39).

     Christus durchdringt auch das Alte Testament und ist daher auch im Alten Testament zu suchen und zu finden. Alle Verheißungen des Alten Testaments finden in Christus und seiner Gemeinde ihre Erfüllung. Der malah Jahweh, der Engel des HERRN im Alten Bund, war Christus. Die Gläubigen des Alten Bundes wurden gerettet durch den Glauben an den damals schon verheißenen, aber da noch zu kommenden Messias (s. 1. Mose 3,15; 12,1-3; 22,18 f.). Die Kirche des Alten Bundes ist daher auch Kirche Jesu Christi, wenn auch vieles noch unter Bildern verborgen war.

    Gerade hier gilt es auch, das Alte Testament im Licht des Neuen Testaments zu lesen. Daher wird eine „israelistische“ Auslegung des Alten Testaments, besonders der Propheten, wie sie vor allem von chiliastischen Kreisen gepflegt wird, dem Alten Testament nicht gerecht, sondern verdunkelt seine Aussage und biegt sie um.

    11. Gott spricht zu uns in seinem Wort durch Gesetz und durch Evangelium, ein Wort der Verdammnis und ein Wort der Vergebung.

    Es ist eine Grundvoraussetzung, dass diese beiden Lehren nicht vermengt, sondern ihre Botschaften strikt auseinander gehalten werden. Ohne die saubere Unterscheidung von Gesetz und Evangelium kann die zentrale Botschaft der Bibel von der Rechtfertigung des Sünders allein aus Gnaden, allein um Christi Gehorsam, Leiden und Sterben willen, allein durch den Glauben, nicht aufrecht erhalten und vergewissert werden.

    „Nachdem [weil] der Unterschied zwischen Gesetz und Evangelium ein besonders herrliches Licht ist, welches dazu dient, dass Gottes Wort recht geteilt und der heiligen Propheten und Apostel Schrift eigentlich erklärt und verstanden werden: ist mit besonderem Fleiß über demselben zu halten, damit diese zwei Lehren nicht miteinander vermischt oder aus dem Evangelium ein Gesetz gemacht, dadurch der Verdienst Christi verdunkelt und die betrübten Gewissen ihres Trostes beraubt, den sie sonst in dem heiligen Evangelium haben, wenn dasselbe lauter und rein gepredigt, und sich in ihren höchsten Anfechtungen wider den Schrecken des Gesetzes aufhalten können. … Diese zwei Predigten sind von Anfang der Welt her in der Kirche Gottes nebeneinander je und allewege in gebührendem Unterschied getrieben worden.“ (Konk.Formel, Ausf. Darl., V, 1. 23.)

    Wiewohl also die Unterscheidung von Gesetz und Evangelium eine wichtige Grundvoraussetzung zum rechten Verständnis der Bibel ist, darf dieser Artikel, so wenig wie der Hauptartikel von der Rechtfertigung, den anderen Artikeln der Bibel übergestülpt werden, etwa in dem Sinne, dass es in der Bibel nur auf eine „heilsmäßige“, eine auf die Rettung des Sünders ausgerichtete, Botschaft ankäme, alles andere aber zweitrangig oder nebensächlich sei, darin etwa auch falsche Lehre zugelassen werden könnte (Law-Gospel Reductionism). Jede Lehre der Schrift ist vielmehr aus den klaren Stellen (sedes doctrinae) unverkürzt zu entnehmen.

    12. Der Heilige Geist ist der wahre Ausleger der Heiligen Schrift. Weil der Heilige Geist der eigentliche Autor und Verfasser der Bibel ist und die heiligen Schreiber durch seine Inspiration, unter seiner Leitung geschrieben haben, benötigt jeder rechte Ausleger die Erleuchtung durch den Heiligen Geist. Daher kann nur der wiedergeborene Ausleger die Schrift in ihrer Fülle und Tiefe recht, eben unter Leitung und Erleuchtung des Heiligen Geistes, auslegen (theologia regeneritorum).

    „Meinen sie, dass der Heilige Geist sein Wort nicht gewiss und bedächtig setze oder nicht wisse, was er rede?“ (Apol. IV (II), 107-108.)

    „Der natürliche Mensch aber vernimmt nichts vom Geist Gottes; es ist ihm eine Torheit und kann es nicht erkennen; denn es muss geistlich gerichtet sein.“ (1. Kor. 2,14.) Der natürlich Mensch ist Gottes Feind, denn „fleischlich gesinnt sein ist eine Feindschaft gegen Gott“ (Röm. 8,7) – und keinerlei Erziehung und Bildung kann diese Grundsituation des unwiedergeborenen Menschen ändern. Ohne die Wiedergeburt wird die Bibel auch dem gelehrtesten Theologen letztlich ein verschlossenes Buch bleiben. „Merke, was ich dir sage! Der HERR aber wird dir in allen Dingen Verstand geben.“ (2. Tim. 2,6 b.7.)

    So, wie der Heilige Geist einen Menschen bekehren muss, so muss er ihm auch das Herz öffnen, dass er das Wort Gottes annimmt, ihm glaubt und es versteht.

    „Die Vernunft und freier Wille vermag etlichermaßen äußerlich ehrbar zu leben; aber neu geboren werden, inwendig ein anderes Herz, Sinn und Mut bekommen, das wirkt allein der Heilige Geist. Der öffnet den Verstand und das Herz, die Schrift zu verstehen und auf das Wort Acht zu geben, wie Luk. 24,27 geschrieben: ‚Er öffnete ihnen das Verständnis, dass sie die Schrift verstanden.‘ Ebenso Apg. 16,14: ‚Lydia hörte zu, welcher tat der HERR das Herz auf, dass sie darauf Acht hatte, was von Paulus geredet wurde.‘“ (Konk.Formel, Ausf. Darl., II, 26.)

    Die Leitung durch den Heiligen Geist heißt nicht, dass der Ausleger vom Literalsinn der Bibel abgehen dürfe, oder dass der Heilige Geist ihm etwas anderes eingeben würde als das, was in den Worten der Schrift enthalten ist, oder dass der Ausleger nicht den Grundregeln der historisch-grammatischen Auslegung zu folgen bräuchte, sondern die Leitung durch den Heiligen Geist hilft dem Ausleger, dass er den von Gott intendierten Sinn des Textes erfasst. Alles, was über diesen Sinn hinausgeht oder etwas, was nicht in der Schrift zu finden ist, als des Heiligen Geistes Werk bezeichnet, ist Schwärmerei, Enthusiasmus.

    Der Heilige Geist, der eigentliche Autor der Bücher des Alten und Neuen Testaments, arbeitet durch Gesetz und Evangelium an allen, die das geschriebene Wort Gottes hören und lesen.

    13. „Alle Schrift, von Gott eingegeben, ist nütze zur Lehre, zur Strafe, zur Besserung, zur Züchtigung in der Gerechtigkeit, dass ein Mensch Gottes sei vollkommen, zu allem guten Werk geschickt.“ (2. Tim. 3,16-17.)

    Hier erkennen wir das Ziel Gottes mit seinem Wort, das, was Robert Preus den „eschatologischen Grundsatz“ nannte(„How is The Lutheran Church to Interpret und Use the Old and New Testaments?“ in: The Lutheran Synod Quarterly. 14. Fall 1973. S. 35; in: Surburg, a.a.O. S. 287.) Denn: „Was aber zuvor geschrieben ist, das ist uns zur Lehre geschrieben, auf dass wir durch Geduld und Trost der Schrift Hoffnung haben.“ (Röm. 15,4.) Was daher diesen Trost und Hoffnung schwächt, das ist gewiss gegen des Heiligen Geistes Willen und Meinung verstanden und ausgelegt (Konk.Formel, Ausf. Darl., XI, 92).

 

 

 

THEOLOGISCHE ANMERKUNGEN

 

Gibt es einen religionslosen Staat?

 

Roland Sckerl

 

    Der religionslose Staat war die Forderung der Liberalen etwa in Kurhessen 1848, wo sie ihn kurzzeitig proklamierten, mit der Maßgabe, dass niemand mehr Glied einer Religionsgemeinschaft sein müsse1. Der religionslose Staat schwebte auch gläubigen Christen vor als Ergebnis der Befreiung der Menschen von der Knute Roms durch die Reformation, nämlich „die äußeren Verhältnisse so zu gestalten, dass die Kirche von den politischen und sozialen Einflüssen befreit würde“.2 Schon diese beiden Ansätze zeigen zwei grundsätzlich unterschiedliche Vorstellungen über diesen „religionslosen Staat“. Nach der Auffassung der Liberalen sollte er dazu dienen, die Religion allgemein in ihrem öffentlichen Einfluss zurückzudrängen, etwas, woran ja bereits die Renaissance gearbeitet hatte und dann vor allem die sogenannte „Aufklärung“, und was ja seit der französischen Revolution immer mehr an Fahrt gewann, besonders seit den Umstürzen am Ende des ersten Weltkriegs. Die Auffassung der Gläubigen dagegen war, die Kirche aus der Umklammerung des letztlich gottlosen Staates zu befreien, dass sie sich frei entfalten könne. (Denn ein christlicher Herrscher ist nach Luther ja ein „seltener Vogel“.)

    Was aber wird mit „religionslosem Staat“ gemeint? Ist es ein Staat, wie er sich etwa in den USA bis in die 1930er Jahre zeigte, in welchem die staatlichen Einrichtungen keine Staatskirche errichten und die Religion frei gewähren lassen? Oder ist es die strikte Trennung von Kirche und Staat, bei der die Religion immer mehr aus dem öffentlichen Leben verdrängt wird, was dann auf den „laizistischen Staat“ hinausläuft, wie er in Frankreich in Reaktion auf den römisch-katholischen Ultramontanismus und Antisemitismus Anfang des 20. Jahrhunderts proklamiert wurde, in dem Religiöses im öffentlichen Raum keinen Platz mehr hat?3

    Die Frage ist ja: Was wird unter einem religionslosen Staat verstanden? Formal mögen manche meinen, das sei ein „weltanschaulich neutraler Staat“, wie das zuweilen von Vertretern westlicher Staaten behauptet wird. Aber gibt es so ein Gebilde überhaupt?

    Tatsache ist, dass alle Staaten der Menschheitsgeschichte bis ins 18. Jahrhundert hinein, und vielfach noch länger, in der islamischen Welt bis heute, eine religiöse Grundlage haben bzw. in ihren Handlungen von einer Religion bestimmt werden. Vielfach hat dies zur Folge, dass es in diesen Ländern keine Religionsfreiheit gibt, zumindest nicht in dem Sinn, wie wir sie im Westen verstehen, nämlich dass ein Religionswechsel möglich ist ohne dass die Nachteile oder gar Gefahren für den Konvertiten mit sich bringt. (Das ist ein Kriterium, was faktisch kein islamischer Staat erfüllt, auch nicht die in die EU drängende Türkei.) Tatsächlich ist in der Geschichte Religionsfreiheit in diesem Sinn nur im Umfeld des Christentums entstanden, und zwar keineswegs als Auswirkung der sogenannten „Aufklärung“, auch wenn sie dieses Gedankengut gefördert hat, sondern durchaus als Konsequenz bibeltreuen Christentums, wie es schon bei Luther etwa in seiner Schrift „Von weltlicher Obrigkeit“ 1523 entwickelt wurde, dann von den Wiedertäufern und 1614 von dem Baptisten Leonhard Busher gefordert wurde. Übrigens hat sich auch John Locke, der von vielen zur Aufklärung gezählt wird, zum Christentum bekannt (wenn auch, leider, zu einem der Vernunft unterworfenen).4

    Und wie steht es nun mit denjenigen Staaten, die man als „religionslos“ oder „laizistisch“ oder „weltanschaulich neutral“ ansieht? Ich behaupte, dass keiner von ihnen tatsächlich ohne eine Weltanschauung, also eine Religion bzw. weltliche oder zivile „Ersatzreligion“ („Zivilreligion“) auskommt. Die USA sind zwar von freimaurerischen Deisten gegründet worden5, aber die für die öffentliche Ordnung und öffentlich gültigen Maßstäbe gültigen Grundlagen waren bis in die 1930er Jahre das biblische Christentum.6 Danach ist das Gedankengut der Aufklärung, das auch vorher schon virulent war, auch in den christlichen Kirchen in den USA immer stärker durchgedrungen und hat schließlich im den politischen Raum mehr und mehr besetzt, vor allem seit den 1970er Jahren faktisch beherrschend. Es wäre völlig falsch, die USA als einen „weltanschaulich neutralen“ Staat zu bezeichnen. Vielmehr sind die Vorkommnisse der letzten Jahre Legion, in denen im öffentlichen Bereich gegen das Christentum vorgegangen wird, immer unter Verweis auf das First Amendmend, allerdings fast durchgängig, indem es falsch ausgelegt wurde, nämlich man an die Stelle des Verbots der staatlichen Förderung einer Religion nun ein Verbot der öffentlichen Äußerung von Religion in staatlichen Einrichtungen gemacht hat, sei es in der Schule, in Universitäten, in Gerichten oder anderen öffentlichen Gebäuden. Gerade in den angelsächsischen Staaten, aber auch vermehrt in anderen westlichen Ländern haben wir es da mit einem Phänomen zu tun, das ich als „liberalen Totalitarismus“ bezeichnen möchte, oder, mit einem Begriff der 68er als „repressive Toleranz“, was ziemlich das Gleiche ist: Die liberale, individualistische, auf angeblicher „Gleichheit“ gegründete und daher Gleichmacherei anstrebende Weltanschauung kennt weder volkliche Eigenarten, noch nationale eigene Entwicklung und Gesetzgebung, noch unterschiedliche Behandlung unterschiedlicher Geschlechter, Branchen, Volksgruppen je nach ihrer Art, Tradition, Rechtsauffassung usw. Während er einerseits Freiheit behauptet, neigt er andererseits zur Uniformierung, Unterdrückung volklicher, ständischer und anderer Eigenarten und zum Durchsetzen eines Machtstaates.7

    Wie steht es in dem „laizistischen Frankreich“? Ist dies ein „weltanschaulich neutraler“ Staat? In keiner Weise. Vielmehr sieht sich dieses Frankreich ganz eindeutig in der Tradition der unseligen französischen Revolution (die Schlagworte derselben sind auf jedem Schreiben einer französischen Institution zu lesen) und der aufklärerischen Ideologie verpflichtet.

    Das sollte auch niemand verwundern. Jeder Staat muss auf irgendeine Grundlage, irgendwelche Maßstäbe zurückgreifen, aufgrund deren er seine Gesetze erlässt. Schon die Frage, was die Ehe ist, die der Staat doch schützen will – wenn er das überhaupt will – verlangt eine entsprechende weltanschauliche Grundlage. Ebenso die Frage, ob es besondere Schutzrechte für bestimmte Bevölkerungsgruppen (Frauen, Kinder) im Blick auf bestimmte Arbeiten geben soll oder nicht; die Frage, ob die religiösen Anschauungen Einzelner bzw. einzelner Konfessionen z.B. in der Schule berücksichtigt werden sollen oder nicht, verlangt eine weltanschauliche Grundlage zu ihrer Beantwortung. Ebenso die Frage, welche Stellung die Frau im Volk, in der Gesellschaft, im Beruf, in der Familie, im Staat hat oder haben soll. Auch die Frage, ab wann ein Mensch ein Mensch ist und daher aufgrund seiner Würde geschützt ist bzw. zu schützen ist, verlangt solch eine Grundlage, nicht anders die Frage nach der Euthanasie. Dies sind nur einige, in unserer Zeit durchaus bedeutsame, Punkte, an denen deutlich wird, dass ein „religionsloser“ oder „weltanschaulich neutraler“ Staat eine Illusion ist. Es gibt ihn nicht und wird ihn nie geben, da jeder Staat bzw. jede Regierung eines Staates aus einer bestimmten Anschauung der Dinge heraus behandelt, Gesetze erlässt. Die Frage ist ja dann nur: Woher hat der Staat, woher haben die Regierenden ihre Weltanschauung, ihre Maßstäbe, ihre Leitlinien?

 

    Wie wenig gerade die modernen westlichen Staaten religionslose Staaten sind, auch keineswegs weltanschaulich neutral, wie sie immer behaupten, hat die erschreckende Entwicklung der letzten Jahrzehnte gezeigt. Immer mehr hat sich, nicht zuletzt unter dem Einfluss der neomarxistischen 68er Bewegung, unter Assistenz einer von Schrift und Bekenntnis abgefallenen, völlig der Aufklärung verfallenen „Kirche“ eine linke „Zivilreligion“ gebildet, die mit quasi-totalitärer Manier mehr und mehr die öffentliche bzw. veröffentlichte Meinung beherrscht. Der Begriff „Zivilreligion“ selbst stammt ja, bezeichnenderweise, von Jean-Jacques Rousseau und postuliert, dass nicht mehr der Wille Gottes, sondern ein von Menschen konstruierter „Gesellschaftsvertrag“ höchsten Gehorsam verlange.8 Schon das zeigt, dass es sich bei der Zivilreligion um eine dezidiert antichristliche Religion handelt, bei der alles auf den Kopf gestellt ist: Nicht mehr Gott, sondern der Mensch steht im Zentrum; an die Stelle der Gottesliebe tritt die universelle Menschenliebe. Es geht nicht mehr um Christus und sein Erlösungswerk, sondern Sozialarbeit. Die Schuldverfallenheit der Menschen wird negiert; da, wo die Sünde, wie bei historischen Massenmorden, einfach nicht ausgeblendet werden kann, wird sie einigen Sündenböcken in die Schuhe zugewiesen, während man selbst sich rein wäscht.9

    Diese Zivilreligion ist nicht grundsätzlich antireligiös, aber sie beansprucht, die Religionen in ihren Dienst zu nehmen, sie synkretistisch zu vereinnahmen (ganz wie einst in Rom es mit dem Kaiserkult der Fall war, bei dem die heidnischen Religionen der verschiedenen Völker durchaus weiter bestehen konnten). Religionsvermischung wird unter den Schlagworten von „Toleranz“ und „Frieden“ sogar gefördert. Toleranz heißt dann aber nicht mehr, den anderen mit seinen Ansichten stehen zu lassen, sondern es wird gefordert, diese Ansichten zu akzeptieren. Das, was nicht mehr anerkannt wird, das, was entschieden bekämpft wird, ist Jesus Christus, der der Weg und die Wahrheit und das Leben ist (Joh. 14,6), der einzige, in dessen Namen Rettung ist (Apg. 4,12). Das ist für die neue Zivilreligion und ihren Anspruch unannehmbar. Darum muss sie antichristlich sein. Die angeblich so „tolerante“ Zivilreligion zeigt ihre Intoleranz immer da, wo ihre von Aufklärung, Naturalismus10 und Neomarxismus geprägten Vorstellungen kritisiert, in Frage gestellt werden, also etwa wenn andere zum Schutz des Lebens gegenüber Abtreibung, Euthanasie aufrufen, für die natürliche Ordnung der Ehe zwischen einem Mann und einer Frau, gegen die „Ehe für alle“, für die natürliche Zwei-Geschlechter-Ordnung und gegen ein drittes oder wer weiß wievieltes Geschlecht; oder wenn es um wissenschaftliche Argumente für die Schöpfung und gegen die Evolution geht; oder um wissenschaftliche Infragestellung des sogenannten „Klimawandels“.

    Die heutige Zivilreligion, geprägt von der Aufklärung und vom Neomarxismus, propagiert vor allem Individualrechte und zerstört die von Gott vorgegebenen Ordnungen von Ehe, Familie, Volk, damit auch den Nationalstaat, und setzt dagegen andere, antigöttliche, selbst wissenschaftswidrige, Einheiten, wie eine „Ehe für alle“ oder die Genderideologie, die Teil dieser neuen Zivilreligion ist.11 Fremdheit, ein völlig natürlicher Vorgang, wie auch Schutz der eigenen Identität darf es da nicht mehr geben, denn es geht ja in dieser global angelegten Zivilreligion um die Zerstörung aller bisherigen Identität (übrigens ganz klar im Marxismus so angelegt).

    Ein Vorfall hat den von vielen gar nicht bemerkten Kampf oder vielleicht auch Umbruch oder schleichende Veränderung der Kultur, der Gesellschaft, des Staates sozusagen schlaglichtartig beleuchtet: Die BRD-Kanzlerin Merkel hatte, nachdem die Exkommunikation von Mitgliedern der Pius-Bruderschaft durch den römischen Bischof Josef Ratzinger („Papst Benedikt XVI.“) erfolgte, darunter des Holocaust-Leugners Williamson, diese Entscheidung des Bischofs scharf kritisiert, obwohl Ratzinger bereits eine Woche zuvor, nicht zuletzt auch im Hinblick auf die unsäglichen Äußerungen Williamsons, klar gegen die Leugnung des Holocaust Stellung bezogen hatte. Außerdem wurde völlig übersehen, dass es bei der Entscheidung nur um die Aufhebung der Exkommunikation, nicht um eine Rehabilitierung ging. Was machte die weit links angesiedelte „Süddeutsche Zeitung“ daraus? Sie bejubelte die Kritik Frau Merkels und hob hervor, „der Papst hat gegen die Religion verstoßen, nämlich gegen die Zivilreligion, die in diesem Land gilt“. Sie bezog sich dabei ausdrücklich auf Rousseau und behauptete, die „Zivilreligion“ sei ein „konsensuales Glaubensbekenntnis der Bürger zu ihrem Staat“ und soll „die Herrschaft der Gesetze sichern“.12 Damit ist deutlich gemacht worden, was diese linken Kreise mit der Zivilreligion meinen: Sie soll eine allen anderen Anschauungen, auch Religionen, übergeordnete zivile „Ober-Religion“ sein (wie eben in Rom der Kaiserkult), der sich alle, auch die Kirchen mit ihrer Lehre und Praxis, unterzuordnen hätten. Damit ist deutlich hervorgehoben, dass bei solch einer Zivilreligion eben nicht mehr der dreieinige Gott, nicht mehr Jesus Christus der oberste HERR ist, sondern der Staat mit seiner Ideologie (sprich: Zivilreligion). Rousseau selbst hatte dies klar erkannt und daher den Staat als mehr als nur einen Sicherer äußerer Ordnung und Frieden gesehen, nämlich als etwas, dem die Menschen sich hingeben sollten. Die „Glaubenssätze“ bestimme das Staatsoberhaupt. Wer sie nicht akzeptiere „verdiene die Todesstrafe“.13

    Es gibt dann unter Umständen in solch einer Zivilreligion etwas, was „Gott“ genannt wird, aber nichts mehr mit dem Gott der Bibel zu tun hat. Vor allem aber ist diese Zivilreligion moralistisch aufgeladen, wie es gerade bei der neomarxistisch-humanistisch geprägten Zivilreligion der Moderne deutlich wird – mit allen entsprechenden Folgen, nämlich eines immer totalitärer werdenden Systems, einer immer stärkeren Einschränkung der Meinungs- und Religionsfreiheit, eine Änderung der Sprache, eine Regelung so ziemlich aller Beziehungen, auch im privaten Bereich (z.B. Antidiskriminierungsgesetz). Wozu das dann in einer weiteren Phase führt, kann im Rot-China Xi Jin-Pings beobachtet werden: Große Kreuze sind zu entfernen; in den Kirchen müssen Mao-Bilder und Bilder von Xi Jin-Ping aufgehängt werden; das erste Gebot darf nicht mehr auf Gebotstafeln erscheinen; die chinesische Fahne soll im Gottesdienstraum erscheinen; zu Beginn des Gottesdienstes soll die Nationalhymne gesungen werden. Überhaupt sollen auch alle religiösen Gruppen sich eindeutig zum chinesischen Kommunismus bekennen. (Das wird noch nicht im gesamten Rot-China durchgeführt, das läuft provinzweise unterschiedlich ab. Aber die Grundlinie ist damit deutlich.)

    Die Asylanten- oder Migrationspolitik ist nicht zuletzt auch auf diesem Hintergrund zu betrachten: Denn damit soll wohl auch eine Situation herbeigeführt werden, die, weil es keinen kulturellen Konsens mehr gilt, auch keinen religiösen Konsens, sozusagen eine „Zivilreligion“ geradezu dann als „Notwendigkeit“ angesehen wird, um die divergierenden Religions- und Weltanschauungen zusammenzuhalten. Es ist klar, dass dies ein faktisch totalitäres System bedeutet, mit einer aller Religion vorgeschalteten staatlichen „Zivilreligion“ oder Weltanschauung. (Eine andere Variante, wie sie in Israel in Anlehnung an die osmanische Zeit praktiziert wird, ist die, den einzelnen Religionen mehr oder weniger kulturelle Autonomie zuzugestehen, wobei nur gewisse Grundstandards einzuhalten sind (z.B. dass ein Religionswechsel nicht mit dem Tod des Konvertiten beantwortet werden darf).)

 

    Es kann nicht darum gehen, dass bibeltreue Christen ein Zurück zur Auffassung eines „christlichen Staates“ proklamieren, wie er von Teilen der Konservativen, vor allem der sogenannten „Hochkonservativen“ oder „Altkonservativen“ (z.B. Ernst Ludwig von Gerlach, Friedrich Julius Stahl, Hans von Kleist-Retzow, Heinrich Leo) propagiert wurde, denn ein solcher Staat kannte keine wirkliche Trennung von Kirche und Staat (die ja, interessanterweise, gerade der von den Altkonservativen unterstützte König Friedrich Wilhelm IV. von Preußen eigentlich als Endziel hatte14). Vielmehr sollten bibeltreue Christen den auf dem Naturrecht fußenden sozialen, föderalen und korporativen Rechtsstaat anstreben, mit strikter Trennung von Kirche und Staat, wobei die Auffassung des Naturrechts allerdings von der biblisch-christlichen Ethik geprägt wäre, da wir als Christen durch Gottes Gnade und Offenbarung die klarste Auffassung vom natürlichen Recht haben. (Christlich geprägte) Moral, Recht und Politik bilden in solch einer Auffassung allerdings eine unauflösliche Einheit. In solch einer Ordnung können sich natürlich auch andere Religionen entfalten, so lange sie nicht von ihrer Weltanschauung her die freiheitlich-demokratische Grundordnung, einschließlich der Religionsfreiheit, in Frage stellen (d.h. eine Weltanschauung, die als Ziel einen islamischen Staat hat, ist damit unvereinbar).

 

 

ZEICHEN DER ZEIT

 

Aus anderen Kirchen:

Evangelikale auf Rom-Trip: Evangelikale Blätter wie „pro – Christliches Medienmagazin“ zeigen einen Trend, der sich vielfältig bei den Evangelikalen beobachten lässt: Eine große Offenheit gegenüber der römisch-katholischen Kirche. Bei pro, wie übrigens auch bei idea, werden römische Katholiken einfach als Christen dargestellt. Besonders wenn sie dann noch, wie der im jüngsten pro-Heft vorgestellte Andreas Adenauer, einen Hang zu pfingstlerischen Kreisen haben, werden sie dargestellt, als seien sie evangelikal. Ein Artikel über die Geschichte der Mission im gleichen Heft (1/2019, S. 8 ff.) feiert die Jesuiten, ein Orden, der entschieden gegen die Reformation eingestellt ist und dessen Exerzitien durchaus als esoterisch oder okkult zu bezeichnen sind, als „mit … erfolgreichste und menschlichste Missionare der Christentums-geschichte“. Wie wenig etwa in Indien und China biblische Lehre von ihnen weitergegeben wurde, wird völlig ausgeblendet, wie weit die Anpassung an die heidnische Kultur ging ebenso. Dafür schafft es dieser Artikel in einem doch offiziell „evangelikalen“ Blatt, die Lausanner Konferenz für Weltmission mit keinem Wort zu erwähnen, dafür aber einer Ökumene in der Mission das Wort zu reden.

Wohin steuern die Evangelikalen? Diese Frage muss man sich stellen, wenn Einrichtungen wie proKompakt verstärkt für die SPD Werbung machen oder das Buch von Bruxy Cavey: Jesus.Punkt. positiv rezensiert wird (beides in: proKompakt 16/2019), ein Buch, das zum einen eindeutig antidogmatisch ist, zum anderen einer innerweltlichen Reich-Gottes-Auffassung anzuhängen scheint, was ja durch die Emerging Church allerdings im evangelikalen Raum sich immer stärker verbreitet. Konservative Evangelikale werden vermehrt in ein schiefes Licht gerückt (so in proKompakt bei der Besprechung des zu Recht umstrittenen, feministischen Films „Maria Magdalena“ oder in dem Interview mit Kees de Kort im Heft pro 2/2019). In „evangelikalen“ Verlagen wird seit etlichen Jahren vermehrt Literatur verbreitet, die einen mystischen Hintergrund hat bzw. Mystisches verbreitet

Politische Gesinnung als Prüfkriterium für Ältestenrat: Die weit links stehende „Evangelische Kirche“ Berlin-Brandenburg und schlesische Oberlausitz (EKBO) hat den Gemeinden einen Katalog mit Prüfkriterien für Älteste in den Gemeinden herausgegeben. Darin geht es nicht um geistliche, sondern um politische Kriterien, die angelegt werden sollen, nämlich wenn es um Mitglieder von Organisationen geht, die „menschenfeindliche“ Ziele verfolgen. Es ist nicht verwunderlich, dass dabei nur rechtsextreme Gruppen genannt werden, dagegen keine linksextremen. (Nach: https://www.freiewelt.net/nachricht/evangelische-kirche-fordert-in-gemeinden-politischen-gesinnungscheck-10077301/) Kirche bewegt sich allerdings nicht im luftleeren Raum, insofern ist es nicht verkehrt, wenn bestimmte politische Haltungen als mit dem christlichen Glauben unvereinbar erkannt werden. Was auffällt, ist nur die Einseitigkeit der Ausrichtung und dass keinerlei Versuch gefordert wird, mit den Betreffenden geistlich-seelsorgerlich zu handeln, bevor man sie ausschließt. Dies zeigt, wie wenig dieser Religionsverein „Kirche“ ist.

Norwegische Staats„kirche“ entschuldigt sich für Abtreibungsgegnerschaft: Die sogenannte norwegische Staats„kirche“ hat sich dafür entschuldigt, dass sie, als in den 1970er Jahren in Norwegen die Abtreibung, also der Mord an Kindern im Mutterleib, legalisiert wurde, sie sich vehement dagegen gestellt hatte. Heute sähe sie es anders; ein Land mit legalisiertem Kindesmord (die Religionsleute sprechen von Abtreibung) sei ein besseres Land als eines ohne. Die Kirche habe verstanden, dass es um „Frauenrechte“ und die „Befreiung der Frau“ gehe. (nach:  https://jungefreiheit.de/politik/ausland/2019/norwegen-kirche-entschuldigt-sich-fuer-kampf-gegen-abtreibungen/) Damit hat dieser Religionsverein einmal mehr deutlich gemacht, dass es sich bei ihm nicht um eine christliche Kirche, sondern um eine antichristliche Sekte handelt, von der sich fern zu halten jeder Christ um des ewigen Heils seiner Seele aufgefordert ist. Durch Gottes Gnade gibt es ja in Norwegen inzwischen auch freie lutherische Bekenntniskirchen (die mit der KELK verbundene Lutherische Bekenntniskirche und die mit der dänischen lutherischen Freikirche verbundene Evang.-Luth. Bekenntniskirche, außerdem die mit der Missouri-Synode liierte Lutherische Kirche Norwegens sowie die Missionsprovinz und die schon ältere, als der Erweckung kommende, Evangelisch-Lutherische Kirchengemeinschaft; sowie die Kreise der von der Staatskirche getrennten Norwegischen Lutherischen Mission (NLM)).

Imam soll in „christlichem“ Kindergarten vom Islam erzählen: Die Diakonie Düsseldorf will ab Herbst einen Imam einladen, in einem ihrer Kindergärten einmal im Monat von seiner islamischen Weltanschauung zu erzählen. Der Kindergarten habe einen Anteil an muslimischen Kindern von 30 Prozent. (nach: https://www.idea.de/gesellschaft/detail/imam-soll-in-evangelischem-kindergarten-vom-islam-erzaehlen-108488.html) Dies macht einmal mehr deutlich, wie weit die sogenannte „Evangelische Kirche“ in Deutschland (EKD) von Christus und der biblischen Botschaft entfernt ist und zu einer hochgefährlichen antichristlichen Sekte verkommen ist, aus der jeder, der wahrhaft Christus nachfolgen will, schleunigst fliehen muss.

Evangelische Allianz sieht in römischen Katholiken „Brüder und Schwestern“: Wie der Vorsitzende der Evangelischen Allianz in der BRD, Ekkehart Vetter, anlässlich einer Romreise in einem Schreiben dem römischen Bischof Franziskus erklärte, sei „evangelisch“ nicht konfessionell gemeint, man sei vielmehr froh, dass „vermehrt katholische Schwestern und Brüder“ mitwirkten und man vor allem an der „wachsenden Einheit der Christen“ arbeite. Es gäbe auch „zahlreiche gemeinsame Ziele zwischen römisch-katholischer Kirche und der weltweiten evangelikalen Bewwegung“. (nach: Zeitruf1/2019, S. 3 f.) Das zeigt einmal mehr, wie weit die Evangelikalen von der biblischen Wahrheit abgerückt sind und einer Totalökumene das Wort reden. Die grundlegenden Unterschiede zur römischen Lehre werden überhaupt nicht gesehen und benannt, sonst könnte man nicht von „Brüdern und Schwestern“ sprechen.

 

Lebensrecht:

Hessische Regierung will „Bannmeile“ um Beratungsstellen prüfen: Die neue schwarz-grüne Landesregierung in Hessen hat in ihren Koalitionsvertrag einen Passus aufgenommen, in dem es heißt, dass geprüft werden soll, ob eine Bannmeile von 150 m um Beratungszentren für Schwangere eingeführt werden soll, in der Lebensschützer nicht demonstrieren dürfen. Angeblich soll dadurch „Diskriminierung“ von Frauen vermieden werden. In Frankfurt hatte die linke Mehrheit im Stadtrat bereits einen entsprechenden Beschluss gefasst, der aber, weil rechtlich fragwürdig, bisher nicht umgesetzt wird. (nach: https://www.idea.de/politik/detail/koalition-in-hessen-prueft-bannmeile-fuer-lebensschuetzer-107678.html) Lebensschutz ist in der BRD sicher nicht ein Bereich, in dem die Parteien sich mit Ruhm bekleckern. Im Gegenteil. Hier zeigt sich der herrschende Linksblock immer besonders, wie jetzt in Hessen. Dabei hat der entsprechende Dezernent in Frankfurt (der auch der CDU angehört) bestätigt, dass keinerlei Belästigung der Frauen bei den Demonstrationen vor den „Beratungsstellen“ der Pro-Abtreibungseinrichtung Pro Familia stattfindet. Aber um an die Macht zu kommen bzw. an ihr zu bleiben ist den Parteien letztlich alles recht.

Abtreibung im Staat New York erleichtert: Der Staat New York hat die Abtreibung erleichtert, die nun bis zur 24. Woche straffrei sein soll, wenn das Leben der Mutter gefährdet wäre oder das Kind behindert sein würde. Diese Regelung haben die linksstehenden „Demokraten“ in dem Staat durchgeboxt, die seit den letzten Wahlen dort die Mehrheit haben, nachdem die Republikaner jahrelang eine entsprechende Änderung verhindert hatten. Die Demokraten gerieren sich überhaupt in den USA als die Abtreibungspartei.

Werbung für Abreibung durch die Hintertür: So hat der Vorsitzende von „Ärzte für das Leben“, Dr. Paul Cullen, den Gesetzentwurf der Regierung zur Änderung des § 219a bezeichnet. Denn die „Information“, die Ärzte erbringen dürfen, sei ja nichts anderes als ein Angebot, diese Maßnahme durchzuführen. Und durch den Verweis auf weiterführende Seiten findet ja allerdings Werbung statt. (nach: https://www.idea.de/menschenrechte/detail/werbeverbot-fuer-abtreibungen-lebensrechtler-reagieren-zurueckhaltend-107990.html)

 

Religionsfreiheit, politisch-ideologische Tendenzen, Schulen:

Neuer brasilianischer Präsident setzt Zeichen: Der neue brasilianische Präsident Bolsonaro hat gleich an seinem ersten Tag im Amt einige Zeichen gesetzt, die aus christlicher Sicht erfreulich zu nennen sind: Er hat ein Sekretariat, das für die besondere Behandlung der LGBT-Gruppen zuständig war geschlossen. Er hat angekündigt, dass im Erziehungsministerium eine Einrichtung, die für „Diversität“, also „sexuelle Vielfalt“ im Unterricht sorgen sollte, geschlossen wird. Die Ministerin für Menschenrechte ist eine evangelikale Christin. Auch gibt er sich sehr israelfreundlich (im Unterschied zu dem extrem israelkritischen und mit Hamas und Hizbollah sympathisierenden ehemaligen Präsidenten Lula da Silva). Problematisch ist allerdings seine Haltung gegenüber denn indigenen Völkern und Nachkommen von Sklaven. Der Schutz der indigenen Völker und vor allem auch ihres Landes vor Ausbeutung durch die Agrarkapitalisten ist durch Bolsonaro leider beendet worden. Die zuständigen Einrichtungen wurden dem von einer Lobbyistin der Agrarkapitalisten geleiteten Landwirtschaftsministerium zugeschlagen, ein Vorgang, den es nicht einmal während der Militärdiktatur gab. (nach: https://www.timesofisrael.com/brazils-bolsonaro-targets-minorities-on-1st-day-in-office/?utm_source=The+Daily+Edition&utm_campaign=daily-edition-2019-01-03&utm_medium=email) Er mag zwar einige für Christen positiv zu bewertende Akzente im Bereich von Erziehung und Familie setzen, bleibt sonst aber doch sehr weit von Gottes Maßstäben entfernt. Gerade konservative Christen müssen immer wieder sehr Acht geben, nicht auf scheinbar christliche Hazardeure hereinzufallen.

Gender-Wahn in Hannover: Die linke Stadtregierung in Hannover will per Dekret ihre antichristliche, wissenschaftsfeindliche, unnatürliche Gender-Ideologie durchsetzen: Lehrer und Lehrerinnen soll es nicht mehr geben, nur noch „Lehrende“; die Anrede „Sehr geehrte Damen und Herren“ soll nur noch in Ausnahmefällen angewendet werden, sonst eher „Guten Tag“. In dem Stil geht es weiter. All das läuft unter dem Schlagwort einer „geschlechtergerechten Verwaltungssprache“, soll tatsächlich aber die beiden von Gott geschaffenen Geschlechter ausmerzen. (nach:  https://www.idea.de/politik/detail/christliche-initiative-gender-tyrannei-in-hannover-107927.html) Hier wird einmal mehr deutlich, wie stärker sich der Linkstotalitarismus in der BRD ausbreitet und seine Ideologie mit allen Mitteln durchzusetzen sucht.

Linke Tyrannei in den Niederlanden: Die von 150 konservativen evangelikalen Theologen in den USA aufgesetzte, und dort von 22.000 Christen unterzeichnete Nashville-Erklärung, die sich mit der Homosexualität und der Transgenderideologie auf biblischer Grundlage kritisch auseinandersetzt, ist ins Niederländische übersetzt und in den Niederlanden zur Unterschrift verbreitet worden. Unter anderem hat der Vorsitzende der Reformierten Politischen Partei (SGP), Kees von der Staaij, die Erklärung unterschrieben. Daraufhin ist er von Linken wegen angeblicher „Volksverhetzung“ angezeigt worden, die Polizei ermittelt. Die Städte Amsterdam und Arnheim meinten, sich nun demonstrativ zu den LGBTQ-Gruppen, deren sexuelles Verhalten eindeutig unbiblisch ist, stellen zu müssen. Und der Linksaußen der niederländischen Politik, der stellvertretende Präsident der EU-Kommission Frans Timmermanns, der auch als Spitzenkandidat der Sozialisten in den EU-Wahlkampf zieht, um eine linke Einheitsideologie gegen nationale Freiheit durchzusetzen, behauptete, Liebe sei doch das zentrale Thema des Christentums und dürfe deshalb nicht zwischen Gleichgeschlechtlichen verboten sein. Jesus hätte Menschen über Dogmen gestellt. (nach: https://www.idea.de/glaube/detail/niederlande-nashville-erklaerung-zur-homosexualitaet-stoesst-auf-kritik-107869.html) Er hätte wohl besser geschwiegen, so hat er nur seine abgrundtiefe Unkenntnis der Heiligen Schrift offenbart. Der Vorgang zeigt ab er auch, wie die linken Kräfte mit allen Mitteln versuchen, ihre Ideologie als einzig berechtigte Denkrichtung durchzusetzen und wie verkommen der Westen inzwischen ist.

Zwang zur Parität in Brandenburg: Der Brandenburger Landtag hat gegen die Stimmen von CDU und AfD beschlossen, dass ab der übernächsten Landtagswahl die Kandidatenlisten der Parteien gleichviel Männer und Frauen enthalten müssten. So solle die „Gleichstellung“ der Frauen in der Politik erreicht werden. (nach: Deutschlandradio, Kommentar nach den 19.00- Uhr-Nachrichten, 31.01.2019) Was das noch mit Demokratie zu tun haben soll, ist allerdings fraglich. Genauso gut könnte dann als nächstes vorgeschrieben werden, wie viele Kandidaten Arbeiter, Unternehmer, jüngere, ältere Bürger sein müssen. Dahinter steht ein extremer ideologischer Dirigismus, letztlich ein linker Totalitarismus, der die gesamte Gesellschaft nach seinen Vorstellungen umprägen will.

Situation in China verschärft sich: Wie Open Doors im Zusammenhang mit dem Weltverfol-gungsindex 2019 berichtet, hat sich die Lage in China seit dem neuen Religionsgesetz (01.02.218) massiv verschärft. In allen Bereichen betreibt die Partei eine Anpassung an die „chinesische Tradition“, verbunden mit kommunistischer Ideologie. Treue zu Jesus Christus soll durch kompromisslose Loyalität zur KP ersetzt werden. In einigen Kirchen mussten Bilder von Präsident Xi Jin-ping aufgehängt werden, in anderen die chinesische Fahne im Gottes-dienstraum hängen. Kindern und Jugendlichen ist offiziell der Zutritt zum Gottesdienst verboten. Tausende von Kirchen sollen seit Februar 2018 geschlossen worden sein. (nach: Open Doors 2019, S. 3) Damit ist die bibeltreue Kirche Christi in China wieder in den Untergrund abgedrängt worden, auch wenn das Gesetz in den einzelnen Provinzen unterschiedlich scharf durchgesetzt wird.

Verfolgung in Indien nimmt zu: Auch in Indien nimmt die Verfolgung durch die vom Westen hofierte hindufaschistische Regierung der BJP und ihrer Hilfsorganisationen zu. In acht von 29 Bundesstaaten gibt es bereits sogenannte „Antibekehrungsgesetze“; christlich geführte Schulen, Krankenhäuser, Waisenhäuser wurden geschlossen bzw. einfach vom Staat übernommen. Etwa 100 Kirchen und 12.500 Christen wurden 2018 angegriffen, eine Strafverfolgung der Täter erfolgte weithin nicht. (nach: Open Doors 2019, S. 3) So wurde auf Druck der RSS und anderer hindufaschistischer Organisationen z.B. auch das Visum für den Missionar der Church of the Lutheran Confession (CLC), der mit der Bharat Evangelical Lutheran Church (BELC) und der Church of the Lutheran Confession of India (CLCI) arbeitet, vor allem hinsichtlich Schulungen, widerrufen. 

Gesundheitsminister will Konversionstherapien verbieten: Der homosexuelle BRD-Gesundheitsminister Jens Spahn, der von etlichen als „konservativ“ bezeichnet wird, hat angekündigt, dass er Konversionstherapien für Homosexuelle verbieten will, da sie angeblich „völliger Humbug“ seien. Der Vorsitzende des Bibelbundes, Michael Kotsch, ist dem entschieden entgegen getreten. Damit wird jegliche Hilfe für Homosexuelle, die aus ihrer Ausrichtung heraus wollen, kriminalisiert, selbst das Gebet für die Veränderung von Homosexuellen könnte dann bereits mit einem Bußgeld belegt werden. Kotsch hob auch hervor, dass hiermit der jahrhundertealte sexualethische Konsens des Christentums kriminalisiert werde und der Staat sich massiv in die private Sphäre einmische und alle dem herrschenden Mainstream widersprechenden ethischen Ansichten verbieten wolle. (nach: https://www.idea.de/politik/detail/bibelbund-kritisiert-geplantes-verbot-von-konversionstherapien-108183.html) Es wird einmal mehr deutlich, wie sehr daran gearbeitet wird, in der BRD immer stärker ein linkstotalitäres System zu etablieren.

Österreich schafft Karfreitag als Feiertag ab: Der österreichische Nationalrat hat beschlossen, den Karfreitag als Feiertag zu streichen. (nach:  https://www.idea.de/spektrum/detail/ein-alarmzeichen-108463.html) Das mag zunächst verwundern, da die Regierung unter Sebastian Kurz ja vorgibt, konservativ zu sein, andererseits aber ist zu bedenken, dass Österreich ein überwiegend römisch-katholisches Land ist. In der römischen Kirche hat der Karfreitag keineswegs den Stellenwert wie in der von der biblischen Reformation geprägten evangelischen Kirche, wo er mit dem Auferstehungsfest als der höchste Feiertag gilt (bei den Römischen: Fronleichnam). Insofern ist es vor allem ein Affront gegen die evangelischen Christen in Österreich. Die ÖVP hat sich ja allerdings immer als der verlängerte Arm Roms angesehen, was in früheren Jahren auch zu starker Behinderung missionarischer Arbeit in Österreich führte. Wahrscheinlich aber kommt nicht nur die Romlastigkeit der ÖVP darin zum Ausdruck, sondern auch, wie weit die Säkularisierung, die Entchristlichung auch Österreich erfasst hat. Unter Umständen ist das sogar der Hauptgrund hinter der Entscheidung. Das sollte auch nicht verwundern, da ja sowohl römische wie sogenannte „evangelische“ Kirchenmänner in nicht geringer Zahl den Opfertod Christi leugnen, als für unsere Erlösung irrelevant bezeichnen und damit allerdings für sie Karfreitag sowieso keinerlei Bedeutung mehr hat. Die Gemeinde Jesu Christi aber, die treu zur Bibel steht, kann den Tag begehen, ob der Staat ihr dazu Freizeit gibt oder nicht, wie sie es etwa in den USA seit über 200 Jahren macht.

Angriffe auf Kirchen in Frankreich häufen sich: Wie die „Welt am Sonntag“ berichtete, häufen sich die Angriffe auf Kirchen in Frankreich immer mehr. Im vergangenen Jahr wurden über 1000 Kirchen geschändet, während nur etwa 100 Übergriffe auf Moscheen und Synagogen gezählt wurden. (nach: proKompakt 13/2019, S. 4) Während gerade bei Moscheen in der BRD sofort ein Aufschrei durchs Land ginge, wird über die massenhaften Angriffe auf Kirchen so gut wie gar nicht berichtet. Das zeigt, wie antichristlich die westliche Gesellschaft insgesamt eingestellt ist.

EU will UN-Migrationspakt verbindlich machen: Obwohl es immer hieß, der UN-Migrationspakt sei nicht verbindlich, will die EU genau das aber gegen den Widerstand gerade der osteuropäischen Mitglieder durchsetzen, denn sie behauptet, der UN-Migrationspakt entspräche der politischen Linie der EU. Österreich hat bereits dagegen protestiert. (nach: Freue Welt vom 05.04.2019)

Grüner Gesinnungsterror gegen das Kinderkriegen: Seit einigen Jahren breitet sich unter dem Deckmantel des „Umweltschutzes“ eine Ideologie aus, die das Kinderkriegen als für die Umwelt schädlich betrachtet. Es wurden bereits Forderungen nach einer weltweiten Ein-Kind-Politik laut, wie überhaupt einer weltweiten Regierung (wie sie ja auch von der BRD-Kanzlerin Merkel, etwa im Blick auf Wirtschaft, ins Gespräch gebracht wurde). Was sich hier abzeichnet, ist eine weitere Verschärfung des rot-grünen, neomarxistischen, antichristlichen Totalitarismus, der weitere Bereiche des menschlichen Lebens, Denken einschränken und bestimmen will. Der Hass gegen Kinder, überhaupt das menschliche Leben, wie er ja schon in der Forderung nach Freigabe der Abtreibung und der Werbung für sie sich zeigte, greift damit immer weiter. Tatsächlich haben all die Horrorszenarien, wie sie ja bereits von Robert Malthus Anfang des 19. Jahrhunderts aufgestellt wurden, später dann vom linken „Club of Rome“ keinerlei Erfüllung gefunden, da die tatsächliche Entwicklung einen völlig anderen Verlauf genommen hat. Vielmehr hat sich immer gezeigt, dass die Zukunft der Menschheit, überhaupt die Zukunft des Planeten, nicht von uns planbar ist. (nach: factum 3/2019, S. 30 f.) Was hier vorbereitet wird, ist die in der Offenbarung angekündigte antichristliche staatliche Welttyrannei, die sich auch einen geistlichen Nebenzweig schaffen bzw. mit einem solchen zusammenarbeiten wird (wahrscheinlich unter Leitung des Papsttums?). Die extreme Blindheit der Menschen, besonders in der BRD, für die Entwicklung, ihr geringes Interesse an wirklicher Informiertheit zeigt sich an dem Höhenflug der Grünen in den Umfragen.

Freimaurerischer Großtempel in Berlin: Unter anderem mit Steuergeldern wird in Berlin ein „House of One“ (Haus des Einen) gebaut, wobei fasst die Hälfte der Kosten vom Bund und dem hoch verschuldeten Land Berlin getragen werden. Es soll drei „Bethäuser“ haben, also eine Kirche, Synagoge und Moschee, die jeweils mit einem großen „Lehrhaus“ verbunden sein sollen zur „Begegnung“ der Religionen. Nicht zufällig wurde der Grundstein am Jahrestag der Uraufführung des unsäglichen Propagandastücks Lessings, „Nathan der Weise“, gelegt, der ja selbst Freimaurer war und diese Ideologie in jenem Stück ausbreitete. Auch die Charta dieses Hauses ist eindeutig freimaurerisch, alle Religionen hätten sich dem „Allmächtigen Baumeister aller Welten“ unterzuordnen. Es gebe zwar Unterschiede in den Religionen, auch sie gehörten eng zusammen und sollten auf gegenseitige Mission verzichten. (nach: Topic 4/2019, S. 5) Das ist eindeutig antichristlich, denn die eine biblische Wahrheit als die alleinige Wahrheit wird damit aufgehoben. Welche christliche Kirche sich daran beteiligt, hört damit tatsächlich auf, Kirche Jesu Christi zu sein und wird zu einer freimaurerischen Sekte.

Christin in Großbritannien verliert Arbeitsplatz, weil sie gegen Gender-Unterricht protestierte: Weil sie auf Facebook gegen zwei im Unterricht verwendete Kinderbücher protestierte, in denen für die Gleichstellung von Homosexuellen, Bisexuellen und Transgender geworben wird, wurde die Schulhelferin Kristie Higgs entlassen. Ihr wurde von der Disziplinarkommission der Schule „grobes Fehlverhalten“ vorgeworfen; ihre Zeilen auf Facebook könnten „als anstößig empfunden“ werden. Frau Higgs will gegen die Entlassung klagen. (nach:  https://www.idea.de/gesellschaft/detail/england-christin-wegen-protests-gegen-gender-unterricht-entlassen-108914.html) Das zeigt einmal mehr, wie weit der linke Totalitarismus in den westlichen Staaten um sich greift, wie durch die Neomarxisten die Meinungs- und Religionsfreiheit immer mehr eingeschränkt wird. Großbritannien hat als ein durch und durch antichristliches System schon früher negativ von sich reden gemacht. Daran ändert auch eine Monarchin nichts, die Oberhaupt der Anglikanischen Kirche ist, aber tatsächlich nichts zu sagen hat hinsichtlich der politischen Ausrichtung des Landes.

Bundesländer wollen Verbot für Konversionstherapien durchsetzen: Sieben Bundesländer, darunter drei, die CDU-Ministerpräsidenten haben, wollen ein Verbot sogenannter Konversionstherapien durchsetzen. Homosexualität sei keine Krankheit, deshalb nicht therapierbar. Daher dürften auch keine Therapien angeboten werden. (nach: https://www.idea.de/politik/detail/homosexualitaet-ist-keine-krankheit-und-nicht-behandlungsbeduerftig-108846.html) Das zeigt einmal mehr, wie sehr in der BRD bereits die Freiheit in jeglicher Hinsicht eingeschränkt ist und nach neomarxistischen Vorstellungen immer mehr eingeschränkt werden soll. Homosexualität ist gemäß der Bibel Sünde. Daher ist es für Christen berechtigt, dass sie Homosexuelle begleiten, unterstützen, die dies auch erkannt haben und daher davon frei werden wollen.

 

Islam und islamische Welt:

Asia Bibi noch nicht mit ihrer Familie in Kanada:  Wie der Anwalt der römisch-katholischen Christin mitteilte, hat Asia Bibi entgegen ersten Meldungen Pakistan noch nicht verlassen, um zu ihrer Familie nach Kanada zu reisen. Ihre beiden Töchter halten sich dort bereits seit dem 24.12.2018 auf. Asia Bibi war unter falschen Anschuldigungen nach dem „Blasphemiegesetz“ zum Tode verurteilt und jahrelang inhaftiert worden und war erst im Herbst 2018 in einem Revisionsverfahren freigesprochen worden, was in dem extrem islamistisch aufgeheizten Land zu Unruhen geführt hatte. Die Regierung hatte eine nochmalige Überprüfung des Freispruchs angeordnet, der aber Ende Januar 2019 vom Obersten Gerichtshof bestätigt worden war. (nach: https://www.idea.de/menschenrechte/detail/anwalt-asia-bibi-ist-nach-kanada-ausgereist-108019.html)

Konferenz für Religionsvermischung in Dubai: Unter dem Jubel der geistlich blinden westlichen Presse haben sich der römische „Papst“ Franziskus I. und der Großscheich der Al-Azhar-Universität in Kairo, Ahmad al Tayyeb in Dubai getroffen, zusammen mit Vertretern anderer Religionen. Tayyeb behauptete von sich, er und die „Internationale Gelehrten-Vereinigung“, der er vorsteht, stünden für einen „toleranten Islam“. Was das in Wirklichkeit heißt, hat er einmal in einem Fernsehinterview gesagt, als er gefragt wurde, wie es mit denen sei, die den Islam verlassen. Da erklärte er ganz klar – und hob hervor, dass er sich damit mit (fast) allen islamischen Rechtsgelehrten der Vergangenheit und Gegenwart einig sei –, dass dies ein Verbrechen ist, der Apostat aufgefordert werden muss Buße zu tun (also zum Islam zurückzukehren), widrigenfalls aber sei er zu töten. In dem Zusammenhang sagte er auch, dass das „Konzept der Menschenrechte“ „voller tickender Zeitbomben“ sei. In einer Fatwa der Al-Azhar-Universität von 1978 wird ebenfalls betont, dass, wenn jemand eine Christin heirate und dann vom Islam zum Christentum übertrete, er ein Apostat sei und, wenn er nicht zurückkommt, getötet werden müsse, und dass seine Kinder als Muslime zu betrachten seien und daher, wenn sie nicht im Islam lebten, zu töten seien. Das zeigt, was Herr Tayyeb und mit ihm der Islam wirklich unter „Toleranz“ verstehen. Dass er den Westen dabei getäuscht hat auf dieser Konferenz, ist nach islamischer Auffassung völlig in Ordnung, ist Takiya, Täuschung, die Nichtmoslems gegenüber erlaubt ist. (nach: Aufbruch, März 2019, S 8)

Dass auch noch Vertreter weiterer Religionen dabei waren und alle eine Erklärung zum Frieden unter den Religionen unterzeichneten, deutet an, dass es hier um Bemühungen wohl gerade auch des Papstes geht, so etwas wie eine „Welteinheitsreligion für den Frieden“ durch Verschmelzung verschiedenster Religionen zu bilden, unter Umständen als Seitenarm einer weltweiten Einheitsregierung. All diese Bestrebungen, die ja sehr an das erinnern, was Jesus Christus Johannes in der Offenbarung mitgeteilt hat, werden auf Kosten des biblischen christlichen Glaubens gehen. Denn mit der Schrift müssen wir klar bekennen, dass Jesus Christus allein der Weg, die Wahrheit und das Leben ist (Joh. 14,6), dass nur in ihm Heil, ewige Rettung ist, in keiner anderen Religion (Apg. 4,12), das heißt, dass alle, die nicht zum rettenden Glauben an Christus kommen, ewig verloren sind. Damit stehen wir allerdings im entschiedenen Gegensatz zur herrschenden Ideologie oder „Zivilreligion“ und auch den Aussagen der großen Kirchen, die samt und sonders von Schrift und Bekenntnis abgefallen sind.  

Hetze gegen Christen in der Türkei nimmt zu: Während zwar die tätlichen Angriffe auf Christen in der Türkei stark rückläufig sind, hat dagegen die Hetze gegen Christen in den öffentlichen, vom Regime kontrollierten Medien stark zugenommen. Immer wieder werden Christen pauschal mit Terrororganisationen in Verbindung gebracht, oder auch einzelne Gemeinden und deren Gemeindeleiter, die öffentlich genannt werden. Gerade um die Christfest- und Neujahrszeit haben die beleidigenden und hetzerische Kommentare auf den Nachrichten-Webseiten besonders zugenommen. Ausländische Gemeindeleiter und ihre Familien haben vermehrt das Land verlassen müssen, in den letzten Jahren 50 Familien, da ihre Aufenthaltsgenehmigung nicht verlängert wurde. Ein weiteres Problem gerade der evangelischen Gemeinden, die sich zumeist aus ehemaligen Muslimen zusammensetzen, ist, dass sie keine offiziellen Gottesdiensträume haben und es schwierig sei, sie legal zu errichten. Eine Ausbildungsstätte für Prediger, Pastoren gibt es auch nicht, weil der Staat sie nicht erlaubt. (nach: https://www.idea.de/menschenrechte/detail/tuerkei-verbale-hassattacken-auf-protestanten-nehmen-zu-108635.html) Dies zeigt sehr deutlich, dass die Türkei im Blick auf Religionsfreiheit noch Lichtjahre von westlichen Standards entfernt ist.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 



1 vgl. Juul B. Madson: Gospel Reductionism. ELS General Pastor’s Conference 1974. S. 1

2 vgl. ebd.

3 vgl. ebd.; David P. Scaer: The Law Gospel Debate in the Missouri Synod. In: The Springfielder. Vol. 36. No. 3. Springfield: Concordia Theological Seminary. 1972. S. 160. Ausgangspunkt scheinen die ominösen Bad-Boll-Konferenzen gewesen zu sein, die vor allem F.E. Mayer beeindruckten, etwa in der Hinsicht, dass die landeskirchlichen Theologen versuchten, sich als gute Lutheraner darzustellen, ohne dabei die Verbalinspiration und Irrtumslosigkeit der Schrift zu vertreten. Ohne die Lehre der Verbalinspiration direkt zu verwerfen, minimierte er ihre Bedeutung: „The doctrine oft he inspiration does not stand in the relationship of apriori, but of aposteriori to our theology. It ist not the broad basis upon which the pyramid of dogmatics is built up.“ Scaer, ebd. S. 161. Einen weitgehenden Einfluss scheint Werner Elert ausgeübt zu haben, der einen besonderen Eindruck auf die missourische Delegation bei den Bad-Boll-Konferenzen machte und durchaus aus der Tradition der Erlanger Schule („Ich-Theologie“) kam und eine Verkürzung biblischer Lehre sowohl im Blick auf die Verbalinspiration und Irrtumslosigkeit der Schrift als auch den dritten Gebrauch des Gesetzes praktizierte. Dr. Schultz, einer der Protagonisten der Valparaiso-Theologie, war ein Schüler von F.E. Mayer und studierte anschließend in Erlangen bei Elert und übersetzte auch Althaus‘ ‚Theologie Martin Luthers‘ und ‚Ethik Martin Luthers‘, während E. Schroeder Elerts ‚Gesetz und Evangelium‘ übersetzte und nach Amerika brachte. Elerts Konzept sprach von einem ‚christlichen Leben unter der Freiheit‘. Vgl. ebd. S. 162, bes. Anm. 17

4 Madson, a.a.O. (Übers. von mir)

5 vgl. ebd. S. 2; s.a. F.E. Mayer: The Religious Bodies of America. 4. Aufl. St. Louis, Missouri: Concordia Publishing House. 1961. S. 127-182. Mayer spricht dabei von einer „soteriologischen Annährung an die christliche Lehre“ (soteriological approach to the Christian doctrine), der er praktisch die gesamte Darstellung der lutherischen Lehre unterwirft. Vgl. auch Scaer, a.a.O., S. 156

6 vgl. Madson, a.a.O.

7 vgl. ebd.

8 vgl. ebd. S. 2. E. Schroeder etwa behauptete: „The distinction between Law and Gospel is the operating yardstick whereby the confessors practiced their Gospel reductionism. … The confessors of 1530 look very much like Gospel reductionists.“ (Law-Gospel Reductionism in History of  the Lutheran Church-Missouri Synod. CTM. Vol. XLIII,. 1972. S. 232. In: Madson, a.a.O.

9 vgl. ebd.; s.a. S. 5: „Because the Gospel is the center of the Scriptures, all of their parts must be understood in relationship to that center. The relative significance of each teaching of the Scriptures must be discerned by relating to that center. … The Gospel gives the Scriptures their normative character, not vice versa.“ (aus: Affirmations of Faith). Das zeigt, wie damit die tatsächlichen Schriftaussagen reduziert, vergewaltigt werden, wie das, was als „Evangelium“ bezeichnet wird, tatsächlich als Hebel benutzt wird, alle unliebsamen Schriftaussagen auszuhebeln. Fakt ist nun einmal, dass die Heilige Schrift für uns die einzige Quelle, Norm, Richtschnur und Richter ist, weil sie Gottes Wort absolut irrtumsloses Wort ist, das allerdings, wie schon betont, das Evangelium im Zentrum hat. Auch das Evangelium rettet nur, weckt nur den Glauben und erhält ihn, weil es Gottes Evangelium, Gottes Wort ist, der Heilige Geist wirkend gegenwärtig ist (Joh. 6,63).

10 vgl. ebd.; Scaer, a.a.O., S. 159 f. Alles wird dadurch zu einem Mittelding, soweit es nicht das Evangelium angreift.

11 vgl. Madson, a.a.O., ebenso: A Statement of Scriptural and Confessional Principles. Lutheran Church-Missouri-Synod. 1972. IV.C; in Madson, a.a.O. S. 3

12 vgl. Madson, a.a.O., S. 3; Scaer, a.a.O., S. 158

13 vgl. A Statement … IV.B; in: Madson, a.a.O.

14 vgl. A Statement … IV.C; in: Madson, a.a.O. S. 4

15 vgl. Madson, a.a.O., S. 5 f.; Scaer, a.a.O., S. 161. Tatsächlich ist Gottes Heilsordnung, wie auch im Kleinen Katechismus festgehalten, ganz anders. Er lässt erst das Gesetz predigen (s.a. Luk. 24,47), zur Sündenerkenntnis, und dann erst Christus und damit das Evangelium.

16 vgl. Madson, a.a.O., S. 6, 3 f., 7

17 vgl. ebd. S. 7

18 vgl. ebd. S. 8, vor allem Robert D. Preus in den Reformation Lectures von 1973.; vgl. auch: Scott R. Murray on Gospel Reductionism, 29.07.2014, S. 1, aus: Murray: Law, Life, and the Living God. St. Louis: Concordia Publishing House. 2001. S. 103 (http://www.patheos.com/blogs/justandsinner/rev-dr-scott-r-murray-on-gospel-reductionism/)

19 vgl. ebd. S. 9

20 vgl. Murray, a.a.O., S. 1 f.

21 vgl. ebd. S. 2

22 vgl. Robert Schultz: Gesetz und Evangelium. Berlin: Lutherisches Verlagshaus. 1958. S. 168; in: Scaer, a.a.O., S. 165: „Damit ist eine der wichtigsten Aufgaben der lutherischen Theologie in Amerika gegeben: Gesetz und Evangelium ebenso zum Grundprinzip ihrer exegetischen und systematischen Theologie zu machen, wie es durch Walther zum Grundprinzip der praktischen Theologie erhoben worden ist.“

23 vgl. Scaer, a.a.O., S. 167

24 vgl. ebd. S. 158. So behaupten die Gospel Reductionists, dass die Schrift für sich genommen zu unterschiedlichen, mit einander im Widerspruch stehenden, Aussagen kommen könnte, weshalb das Evangelium als Voraussetzung der Glaubens verwendet werden müsse, um sich der Schrift zu nähern. Beweise von Lehraussagen aus der Schrift standen die Valparaiso-Theologen sehr skeptisch bis ablehnend gegenüber. Nicht Übereinstimmung mit der Bibel, sondern „Übereinstimmung mit Christus“ lautete ihre Parole – ganz ähnlich wie das, was etwa 50 Jahre später von evangelikaler Seite zu hören ist (s. Hempelmann, Diener, Mette). Vgl. ebd. S. 165

25 vgl. Murray, a.a.O., S. 2 f.; Mayer, a.a.O., S. 170-172, der genau diese Verkürzung der Aufgabe des Gesetzes durchführt.

26 vgl. Scott R. Murray: Law and Gospel and the Doctrine of God. In: Concordia Theological Quarterly. Vol. 65,2. Fort Wayne: Concordia Theological Seminary. April 2001. S. 135 f. (der Gesamtartikel enthält auch die oben angeführte Darlegung Murrays zum Gospel Reductionism)

27 vgl. ebd. S. 136

28 vgl. Scaer, a.a.O., S. 166

1 vgl. Karl Wicke: Die hessische Renitenz, ihre Geschichte und ihr Sinn. Inauguraldissertation. Kassel: Bärenreiter-Verlag. 1930. S. 31

2 Johann Philipp Köhler: Lehrbuch der Kirchengeschichte. Milwaukee: Northwestern Publishing House. 1917. S. 578

3 Auch in der Türkei hatte Kemal Atatürk offiziell die laizistische Republik proklamiert, was aber mit der Realität nicht übereinstimmte, da die Staatsideologie von Anfang an ein islamischer Nationalismus war, auch wenn offiziell der Islam nicht Staatsreligion war. Nach 1938 setzte eine Reislamisierung der Türkei ein, nicht zuletzt mit westlicher Hilfe. Vgl.: Mission in der Welt des Islam. Heft 02/2018. Mitteilungsblatt der Evangelischen Karmelmission. 106. Jg. Schorndorf. 2018. S. 29 ff.

4 vgl.: Daniel von Wachter: Die Aufklärung existiert nicht. S. 9 f. http://www.professorenforum.de/bibliothek/artikel/detailansicht/die-aufklaerung-existiert-nicht/

5 George Washington und die Mehrzahl der Gouverneure der dreizehn Kolonien sowie der Offiziere der Rebellenarmee und derer, die die Unabhängigkeitserklärung ausgearbeitet haben, waren Freimaurer (rühmliche Ausnahme u.a.: Thomas Jefferson). Vgl u.a.: https://freimaurer-wiki.de/index.php/Vereinigte_Staaten_von_Amerika_(USA) ; http://www.guidograndt.de/2012/06/19/verschwoerung-oder-fakt-freimaurer-und-die-amerikanische-revolution/

6 vgl. Francis Schaeffer: Die große Anpassung. 2. Aufl. Bielefeld: CLV Christliche Literatur-Verbreitung. 1998. S. 40

7 Vgl.: Ewald von Kleist-Schmenzin: Grundsätze und Aufgaben konservativer Arbeit. In: Bodo Scheurig: Ewald von Kleist-Schmenzin. Oldenburg und Hamburg: Gerhard Stalling Verlag. 1968. S. 245-251. Es ist ja geschichtliche Tatsache, dass deutsches und polnisches Volkstum in der Provinz Posen sich ruhig nebeneinander entwickeln konnte, so lange dort konservative Oberpräsidenten die Leitung hatten, die die Eigenarten, auch Sprachen, beider achteten. Mit der Einsetzung liberaler Oberpräsidenten begann dagegen die Auseinandersetzung, weil sie die polnische Eigenart, das polnische Volkstum nicht mehr berücksichtigten. Auch der Kultur- oder Kirchenkampf unter Bismarck ist ja gerade in Verbindung mit den Nationalliberalen (von Virchow) geführt worden. Und es war der liberale Kultusminister Falk, der den unseligen Nationalitätenkampf anfing und versuchte, die litauische und masurische Sprache in Ostpreußen und die dänische in Nordschleswig zu unterdrücken, was gerade in letzterer Gegend verheerende langfristige Auswirkungen hatte. 

8 vgl. Dieter Müller: Moralapostolat – die zivilreligiöse Pervertierung evangelischer Kirchen. In: Bekenntnisbewegung Westfalen-Lippe, Regionale Informationen Nr. 200. S. 8

9 vgl. ebd.

10 „Naturalismus“ meint eine Weltsicht, in der es keine übernatürlichen Eingriffe im Blick auf Entstehung und Bestehen der Welt und Ablauf der Geschichte geben darf. Sie ist heute faktisch Grundsatz „wissenschaftlichen“ Arbeitens, der nicht hinterfragt werden darf (was schon den ideologischen Grundcharakter dieses Grundsatzes anzeigt). Vgl. dazu: Boris Schmidtgall: Die Intoleranz des Naturalismus. http://www.wort-und-wissen.de/disk/d18/2/d18-2.pdf.

11 vgl. ebd. S. 9

12 vgl. Karl Baral: Zivilreligion oder Nachfolge Jesu Christi? In: Bekenntnisbewegung Westfalen-Lippe, a.a.O., S. 13

13 vgl. ebd. S. 13 f.

14 vgl. Hans-Joachim Schoeps: Preußen – Geschichte eines Staates. Frankfurt/Main, Berlin, Wien: Verlag Ullstein. 1966. (Ullstein-Buch 3232.) S. 193