Beständig in der Apostel Lehre und in der Gemeinschaft und im Brotbrechen und im Gebet! Apg. 2,42

DER BEKENNTNIS-

LUTHERANER

 

Lutherisches Blatt für Bibelchristentum.

Mit Zustimmung der Lutherischen Kirchen der Reformation (Lutheran Churches of the Reformation, LCR) herausgegeben von Roland Sckerl,  Leopoldstr. 1, D-76448 Durmersheim; Tel.:07245/83062;

E-mail: Sckerl@web.de; Internet: www.lutherische-bekenntnisgemeinde.de

 

                                                    25. Jahrgang 2017  Heft 3/2017                

 

 

 

 

 

Inhaltsverzeichnis

 

 

UNTER LUTHERS KANZEL UND KATHEDER.. 3

Die Rechtfertigung allein aus Gnaden durch den Glauben in Luthers ausführlicher Galaterbrieferklärung  3

THEOLOGISCHE ANMERKUNGEN.. 30

ZEICHEN DER ZEIT. 32

Literaturhinweis. 37

 

 

 

 

 

 

UNTER LUTHERS KANZEL UND KATHEDER

 

Die Rechtfertigung allein aus Gnaden durch den Glauben in Luthers ausführlicher Galaterbrieferklärung

 

Roland Sckerl

 

    Luther hat zwei Auslegungen des Galaterbriefes, dem nach dem Römerbrief für das Zentrum der biblischen Lehre, der Rechtfertigung allein aus Gnaden, allein um Christi Verdienst für uns willen, empfangen allein mittels des Glaubens, wichtigsten biblischen Brief, herausgegeben. Die erste, kürzere, bezieht sich auf seine Vorlesungen der Jahre 1516-17 und stellt noch die Zeit des Übergangs dar, also vor dem reformatorischen Durchbruch. Luther selbst hat über diese Auslegung später sich eher etwas entsetzt geäußert, weil ihr doch noch manches fehlt. Dagegen ist die „große“ Galaterbriefvorlesung der Jahre 1531-32, die dann 1535 veröffentlicht wurde, neben der Schrift „Vom unfreien Willen“ einer der bedeutendsten reformatorischen Werke Luthers überhaupt, in der er sehr breit den Zentralartikel des biblischen Christentums, die Rechtfertigung des Sünders allein aus Gottes Gnade, allein um Christi Verdienst für uns willen, empfangen allein mittels des Glaubens, breit entfaltet und gegen die römischen und schwärmerischen Irrlehrer abgegrenzt und verteidigt hat. Darum bietet sich gerade diese Vorlesung besonders an, Luthers Rechtfertigungslehre in ihren Grundzügen darzustellen. Dabei habe ich mich besonders auf die Erklärung zu den ersten beiden Kapiteln gestützt und vom dritten Kapitel auf die Darlegungen zu den Versen 3 und 13 sowie seine Predigt zu den Versen 23 und 24.

 

1. Die Gerechtigkeit, die vor Gott gilt: eine fremde oder leidende, allein empfangene Gerechtigkeit

    Wie bedeutsam dieser Artikel ist, hebt Luther bereits in der Vorrede hervor: „Denn in meinem Herzen herrscht allein dieser Artikel, nämlich der Glaube an Christus, aus welchem, durch welchen und zu welchem bei Tag und bei Nacht alle meine theologischen Gedanken fließen und zurückfließen. … Doch es zwingt mich, diese Scham abzulegen und ohne Scham kühn zu sein, die endlose und schreckliche Entheiligung und den Greuel, welcher in der Kirche Gottes allezeit gewütet hat und auch heutzutage nicht aufhört zu wüten wider diesen einigen und festen Fels, den wir die Lehre (locum) von der Rechtfertigung nennen, das heißt, wie wir nicht durch uns selbst (ohne Zweifel auch nicht durch unsere Werke, welche geringer sind als wir selbst), sondern durch fremde Hilfe, durch den eingebornen Sohn Gottes, Jesus Christus, von Sünde, Tod und Teufel erlöst und mit dem ewigen Leben beschenkt sind.“1

    Dass gerade dieser Brief des Paulus in besonderer Weise diesen Artikel behandelt, hebt er in seiner Einführung in den Galaterbrief hervor, in der er unterstreicht, was das Thema dieses Briefes ist: „Vor allen Dingen muss gesagt werden, um was es sich handelt, das heißt, womit Paulus in dieser Epistel zu schaffen habe. Es handelt sich aber darum: Paulus will die Lehre vom Glauben, von der Gnade, von der Vergebung der Sünden oder der christlichen Gerechtigkeit befestigen, dass wir die völlige Erkenntnis und den gewissen Unterschied zwischen der christlichen Gerechtigkeit und allen anderen Gerechtigkeiten haben.“2 Und diese Gerechtigkeit, durch die allein wir bestehen können im Jüngsten Gericht, ist nicht unser Werk, kommt auch nicht aus unseren Werken, sondern ist völlig losgetrennt von uns und unseren Werken. „Diese aber, nämlich des Glaubens Gerechtigkeit, ist die allerköstlichste, welche Gott uns um Christi willen ohne unsere Werke zurechnet, ist auch nicht eine weltliche, noch eine zeremoniale, noch eine Gerechtigkeit aus dem göttlichen Gesetze, hat auch nicht mit unseren Werken zu schaffen, sondern ist völlig verschieden, das heißt, nur eine leidende Gerechtigkeit (gleichwie jene zuvor genannten tätige Gerechtigkeiten sind). Denn dabei wirken wir nichts, haben auch nichts, das wir Gott gäben, sondern empfangen nur, und leiden, dass ein anderer, nämlich Gott, in uns wirke. Deshalb kann man diese Gerechtigkeit des Glaubens oder die christliche Gerechtigkeit wohl eine leidende Gerechtigkeit nennen.“3 Eben weil diese Gerechtigkeit allein Gottes Werk ist, auf nichts in, an, bei uns beruht, durch den herzlichen Glauben oder Vertrauen auf Jesus Christus nur empfangen wird, darum haben wir durch sie, und allein durch sie, den rechten Trost im Blick auf die Ewigkeit wie auch in allen Anfechtungen aufgrund unserer Sünden und Verdorbenheit. „Deshalb hat ein betrübtes Gewissen keine Hilfe wider die Verzweiflung und den ewigen Tod, wenn es nicht die Verheißung der in Christus dargebotenen Gnade ergreift, das heißt, diese leidende oder christliche Gerechtigkeit des Glaubens; wenn es diese ergriffen hat, so kann es sich zufrieden geben und zuversichtlich sprechen: Ich suche nicht die tätige Gerechtigkeit, die ich zwar habe und tun sollte; aber wenn ich sie gleich hätte und täte, so kann ich doch darauf nicht mein Vertrauen setzen, sie auch dem Gericht Gottes nicht entgegenstellen. Deshalb entschlage ich mich aller tätigen und eigenen Gerechtigkeit und der Gerechtigkeit des göttlichen Gesetzes, und ergreife allein die leidende Gerechtigkeit, die da ist die Gerechtigkeit der Gnade, der Barmherzigkeit, der Vergebung der Sünden, kurz, Christi und des Heiligen Geistes, welche wir nicht tun, sondern leiden, nicht haben, sondern empfangen, indem Gott der Vater sie uns gibt durch Jesus Christus.

    Gleichwie die Erde selbst den Regen nicht hervorbringt, ihn auch nicht hervorbringt, ihn auch nicht durch irgendein eigenes Werk, Arbeit oder Kräfte erlangen kann, sondern ihn nur durch eine himmlische Gabe von oben empfängt [Hebr. 6,7], so wird uns, ohne unser Werk und Verdienst, von Gott diese himmlische Gerechtigkeit geschenkt. So viel daher die dürre Erde von sich selbst etwas dazu wirken kann, dass ihr ein reichlicher und recht erwünschter Regen zuteil werde, so viel können auch wir Menschen aus unseren Kräften und Werken zuwege bringen, dass uns jene göttliche himmlische und ewige Gerechtigkeit zuteil werde, es sei denn, dass wir sie umsonst durch Zurechnung und durch die unaussprechliche Gabe Gottes erlangen.“4

 

2. Die rechte Unterscheidung von Gesetz und Evangelium, eine Grundvoraussetzung zum Verständnis der Bibel und zum rechten Erfassen der Rechtfertigungslehre

    Immer wieder in dieser Erklärung kommt Luther auf die so wichtige und bedeutsame Unterscheidung von Gesetz und Evangelium zu sprechen, darauf, wem das Gesetz und wem das Evangelium zu predigen ist, weil sonst die Bibel insgesamt falsch verstanden wird, vor allem aber die Lehre von der Rechtfertigung nicht begriffen wird. „Wiederum muss in der Welt so auf das Gesetz und die Werke gedrungen werden, als ob durchaus keine Verheißung oder Gnade da wäre, und zwar um der halsstarringen, stolzen und verhärteten Leute willen, denen man nichts anderes vor Augen stellen muss als das Gesetz, damit sie erschreckt und gedemütigt werden. Denn dazu ist das Gesetz gegeben, dass es solche Leute gewaltig schrecke und töte und den alten Menschen wohl plage. Beides, das Wort der Gnade und des Zorns, muss recht geteilt werden, wie der Apostel lehrt 2. Tim. 2,15. … Wiederum, wer das Gesetz und die Werke dem alten Menschen, die Verheißung aber und die Gnade dem neuen Menschen vorlegt, der teilt recht.“5 Damit hängen auch die beiden Gerechtigkeiten zusammen, die deutlich zu unterscheiden sind: die tätige, durch das Gesetz gewirkte, und die leidende, allein aus Gnaden mittels des Glaubens empfangene. „Dies ist unsere Theologie, nach welcher wir lehren, diese beiden Gerechtigkeiten, die tätige und die leidende, deutlich zu unterscheiden, damit nicht Leben und Glaube, Werke und Gnade, Weltregiment und Gottesdienst miteinander vermengt werden. Es ist aber beiderlei Gerechtigkeit notwendig, doch muss man eine jegliche in ihren Schranken lassen. Die christliche Gerechtigkeit gehört für den neuen Menschen, aber die Gerechtigkeit des Gesetzes für den alten Menschen, der aus Fleisch und Blut geboren ist.“6

    In seinen Ausführungen zu 1,7 macht er deutlich, dass es bei diesem Ringen des Paulus um die Galater um das wahre Evangelium geht, dem die Werke in keiner Weise beigemischt werden dürfen, das wir allein aus Gnaden haben. „Darnach schien es ihnen noch unleidlicher zu sein, dass die Heiden, die gottlosen Götzendiener, ohne Beschneidung, ohne Werke des Gesetzes, allein aus Gnaden und durch den Glauben an Christus zu dieser Herrlichkeit und Würde kommen sollten, dass sie Gottes Volk wären.“7 Darum aber konnte es bei den Judaisten, die in Galatien die Verwirrung angerichtet hatten, zu dieser Anschauung kommen? Doch deshalb, weil sie eben Gesetz und Evangelium nicht recht unterschieden, wie es später auch im Papsttum und im Pietismus und in vielen Kreisen immer wieder geschah und noch geschieht. „Aber weil sie das Gesetz mit dem Evangelium vermengen, so müssen sie Zerstörer des Evangeliums sein. Denn entweder Christus wird bleiben und das Gesetz fallen, oder das Gesetz wird bleiben und Christus fallen. Denn Christus und das Gesetz können auf keine Weise miteinander stimmen und nicht zugleich im Gewissen herrschen. Wo die Gerechtigkeit des Gesetzes herrscht, da kann die Gerechtigkeit der Gnade nicht herrschen, und wiederum, wo die Gerechtigkeit der Gnade herrscht, da kann die Gerechtigkeit des Gesetzes nicht herrschen. Eines muss dem anderen weichen.“8 Und zu 2,13, wo er wiederum auf diese Unterscheidung eingeht, da nun in der Auseinandersetzung des Paulus mit Petrus und Barnabas: „Dies sage ich um deswillen, damit wir den Artikel von der Rechtfertigung mit dem höchsten Fleiß lernen und aufs reinste das Evangelium vom Gesetze unterscheiden und in dieser Sache durchaus nichts in heuchlerischer Weise tun, niemandem auch nur ein Haarbreit weichen, wenn wir anders die Wahrheit des Evangeliums und den Glauben rein und unverletzt behalten wollen, welche, wie ich gesagt habe, sehr leicht verletzt werden. Deshalb bleibe hier die Vernunft, die Feindin des Glaubens, weit davon, welche in den Anfechtungen der Sünde und des Todes sich nicht stützt auf die Gerechtigkeit des Glaubens, weil sie dieselbe ganz und gar nicht kennt, sondern auf eigene Gerechtigkeit oder höchstens auf die Gerechtigkeit des Gesetzes. Sobald aber das Gesetz und die Vernunft sich miteinander verbinden, ist die Jungfräulichkeit des Glaubens sofort dahin. Dem Glauben steht nichts stärker und feindlicher entgegen als das Gesetz und die Vernunft, und diese beiden können nicht ohne große Mühe und Anstrengung überwunden werden, und müssen doch überwunden werden, wenn man anders selig werden will.

    Darum, wenn dein Gewissen durch das Gesetz erschreckt wird und mit dem Gerichte Gottes ringt, so ziehe weder die Vernunft noch das Gesetz zu Rate, sondern gründe dich allein auf die Gnade und das Wort des Trostes. Da halte dich ganz und gar nicht anders, als ob du vom Gesetze Gottes niemals irgendetwas gehört hättest, sondern mache dich hinzu ins Dunkel [2. Mose 20,21], wo weder das Gesetz noch die Vernunft leuchtet, sondern allein das dunkle Wort des Glaubens, welcher [Glaube] sich gewisslich darauf verlässt, dass er selig werde außer und über das Gesetz, in Christus.“9 Es geht also bei der rechten Unterscheidung von Gesetz und Evangelium wirklich um Sein oder Nichtsein des rechten christlichen, evangelischen Glaubens, ja, des ganzen biblischen Christentums. Dies wird ganz evident in dem Moment der Anfechtung des Gewissens wegen der Sünden. Wenn es da auf das Gesetz anstatt auf das Evangelium sieht, ist es verloren. Vielmehr muss es da das Gesetz ganz ausschalten. „Wer daher das Evangelium vom Gesetz wohl zu unterscheiden versteht, der danke Gott und wisse, dass er ein Theologe sei. Ich verstehe dies freilich noch nicht in der Anfechtung, wie ich sollte. Beides ist aber so zu unterscheiden, dass du das Evangelium in den Himmel setzest, das Gesetz auf die Erde, dass du die Gerechtigkeit des Evangeliums eine himmlische und göttliche nennst, die Gerechtigkeit des Gesetzes eine irdische und menschliche, und dass du die Gerechtigkeit des Evangeliums von der Gerechtigkeit des Gesetzes sorgfältig unterscheidest, wie Gott den Himmel von der Erde, das Licht von der Finsternis, den Tag von der Nacht mit aller Sorgfalt unterschieden hat. Die eine soll Licht und Tag sein, die andere Finsternis und Nacht, und wollte Gott, wir könnten sie noch weiter voneinander scheiden.

    Deshalb, wenn man vom Glauben oder vom Gewissen handelt, so soll das Gesetz gänzlich ausgeschlossen werden und auf der Erde bleiben; handelt man aber von Werken, so zünde man die Leuchte der Werke oder der Gerechtigkeit des Gesetzes bei der Nacht an. … Denn das Gewissen hat nichts zu schaffen mit dem Gesetz, mit Werken und mit irdischer Gerechtigkeit.“10

    Das Verständnis der Bibel, der ganzen christlichen Lehre hängt an dieser rechten Unterscheidung von Gesetz und Evangelium, die daher unbedingt notwendig ist. „Dieses Lehrstück vom Unterschied des Gesetzes und des Evangeliums muss man notwendigerweise wissen, weil es die Summa der ganzen christlichen Lehre enthält. Deshalb bestrebe sich ein jeder, der sich der Gottseligkeit befleißigt, mit der größten Sorgfalt, dass er dies unterscheiden lerne, nicht allein mit Worten, sondern auch in Wahrheit (affectu) und in der Erfahrung, das heißt, im Herzen und Gewissen. Sonst, was die Worte anbetrifft, so ist diese Unterscheidung leicht. Aber in der Anfechtung wirst du inne werden, dass das Evangelium ein seltener Gast im Gewissen ist, dagegen das Gesetz ein täglicher Hausgenosse. Denn die Vernunft hat von Natur die Erkenntnis des Gesetzes.

    Darum, wenn das Gewissen erschrickt vor der Sünde, die durch das Gesetz angezeigt und groß gemacht wird, so sollst du sprechen: Sterben hat seine Zeit, leben hat seine Zeit, das Gesetz hören hat seine Zeit, das Evangelium hören hat seine Zeit, das Evangelium nicht wissen hat seine Zeit. Jetzt trolle sich das Gesetz, und das Evangelium komme her, denn nun ist nicht die Zeit, das Gesetz zu hören, sondern das Evangelium. Aber du hast nichts Gutes getan, vielmehr schwer gesündigt. Das gebe ich zu, aber ich habe Vergebung der Sünden durch Christus, um dessentwillen mir alle meine Sünden erlassen sind.“11

    Nur in Jesus Christus ist für den Sünder Trost. „Wiewohl ich ein Sünder am Gesetze bin und es mir mangelt an der Gerechtigkeit des Gesetzes, so verzweifle ich darum doch nicht, darum muss ich nicht sterben, denn Christus lebt, welcher meine Gerechtigkeit und mein ewiges und himmlisches Leben ist. In dieser Gerechtigkeit und in diesem Leben habe ich keine Sünde, kein [böses] Gewissen, keinen Tod. Ich bin zwar ein Sünder, was das gegenwärtige Leben und seine Gerechtigkeit anbetrifft, als ein Kind Adams, wo mich das Gesetz anklagt, der Tod herrscht und mich endlich verschlingen wird; aber über dieses Leben habe ich eine andere Gerechtigkeit, ein anderes Leben, welches ist Christus, der Sohn Gottes, der von Sünde und Tod nichts weiß, sondern die Gerechtigkeit und das ewige Leben ist, um dessentwillen auch dieser mein Leib, nachdem er gestorben und zu Asche geworden ist, wieder auferweckt und von der Knechtschaft des Gesetzes und der Sünde befreit und zugleich mit dem Geiste geheiligt werden wird.“12 Darum hängt alles an dem Artikel von der Rechtfertigung, nämlich deine gesamte ewige Zukunft, ja, schon dein Leben in dieser Welt, ob du unter der Knechtschaft Satans und des Gesetzes bleibst oder Eigentum deines Retters durch den Glauben wirst, und die christliche Kirche überhaupt. Denn ohne den Artikel von der Rechtfertigung ist die Gnade dahin, damit sind die Menschen wieder auf ihre Werke verwiesen und damit wieder auf dem Boden des Heidentums. „Denn wenn dieser Artikel von der Rechtfertigung verloren ist, dann ist auch zugleich die ganze christliche Lehre verloren. Und alle Leute in der Welt, welche sie [die Rechtfertigung] nicht festhalten, sind entweder Juden oder Türken oder Papisten oder Ketzer, weil zwischen diesen beiden Gerechtigkeiten, der tätigen des Gesetzes und der leidenden Christi, kein Mittel ist. Wer also von der christlichen Gerechtigkeit abirrt, der muss in die tätige Gerechtigkeit zurückfallen, das heißt, er muss, weil er Christus verloren hat, dahin fallen, dass er sein Vertrauen auf seine eigenen Werke setze.“13 Darum ist an der Unterscheidung von Gesetz und Evangelium so viel, ja, alles, gelegen: „Wenn wir daher Prediger und Lehrer anderer sein wollen, so müssen wir auf diese Dinge mit der allergrößten Sorgfalt Acht haben und diesen Unterschied der Gerechtigkeit des Gesetzes und der Gerechtigkeit Christi wohl festhalten.“14

    Hat das Gesetz dann am Christen überhaupt noch eine Aufgabe? Ja, was sein Fleisch angeht, das zu dämpfen, zu töten, unten zu halten im täglichen Kampf gegen die Sünde, damit es täglich ersäuft werde. „Wir haben aber oben gesagt, dass das Gesetz in einem Christen seine Schranken nicht überschreiten, sondern seine Herrschaft nur über das Fleisch haben dürfe, welches ihm unterworfen sein und unter ihm bleiben soll. Wo dies geschieht, da bleibt das Gesetz in seinen Grenzen.“15

    Wenn es aber um die Frage deiner Stellung vor Gott, wenn es um dein Gewissen, wenn es um dein ewiges Heil, deine ewige Rettung geht, da gilt allein das Evangelium, das in diesem Zusammenhang alle irdische Gerechtigkeit verdammt, wie Luther zu 1,1 schreibt: „Hier haben wir nur beiläufig anzeigen wollen, dass das Evangelium eine solche Lehre ist, welche alle Gerechtigkeit verdammt und nur die Gerechtigkeit Christi predigt, und denen, welche sie ergreifen, Frieden des Gewissens und alle Güter bringt.“16

 

3. Gottes Geschenk: Gnade und Frieden des Gewissens

    Was aber ist das biblische Evangelium? Es ist nichts anderes als Gnade und Frieden des Gewissens, von Gott frei, umsonst, um Christi willen uns geschenkt, dem Glauben, der sich allein an Christus hält, zugerechnet. „Und diese beiden Wörter ‚Gnade‘ und ‚Friede‘ begreifen das ganze Christentum in sich. Die Gnade vergibt die Sünde, der Friede macht das Gewissen ruhig. … Ferner kann man niemals Frieden im Gewissen haben, wenn nicht die Sünde vergeben ist. Sie wird aber nicht vergeben um der Erfüllung des Gesetzes willen, weil niemand dem Gesetze ein Genüge tut, sondern das Gesetz zeigt vielmehr die Sünde an, verklagt und erschreckt das Gewissen, verkündigt den Zorn Gottes und treibt zur Verzweiflung. Viel weniger wird die Sünde weggenommen durch Werke und Bemühungen, die von Menschen erdacht sind, als da sind gottlose [Heiligen-]Verehrung, geistliche Stände (religiones), Gelübde, Wallfahrten: Kurz, sie wird durch keine Werke weggenommen, sondern vielmehr durch dieselben vermehrt. Denn je mehr die Werkheiligen sich bemühen und es sich sauer werden lassen, die Sünde wegzunehmen, desto ärger wird es mit ihnen. Sie wird aber allein durch die Gnade weggenommen, und durchaus auf keine andere Weise. Deshalb stellt Paulus jedes Mal im Gruß in allen seinen Episteln der Sünde und dem bösen Gewissen die Gnade und den Frieden usw. entgegen.“17

    Gerade dann, wenn du deine Sünde und Verdorbenheit recht erkannt hast, wenn du durch das Gesetz den Zorn Gottes vor Augen hast, gerade dann gilt es, allein dich an Christus als deinen Erlöser zu halten, denn dazu ist er uns von Gott gegeben. „So viel ihrer auch sind, die den Artikel von der Rechtfertigung nicht kennen, die nehmen Christus, den Versöhner, aus dem Mittel, wollen Gott in seiner Majestät durch die Urteilskraft der menschlichen Vernunft ergreifen und ihn durch Werke begütigen.

     Aber die christliche und wahre Theologie hält uns Gott nicht vor in seiner Majestät, wie Mose und andere Lehren tun, befiehlt nicht, das Wesen Gotts zu erforschen, sondern dass wir seinen Willen, den er uns in Christus vorgelegt hat, erkennen sollen. Gott hat gewollt, dass Christus die menschliche Natur (carnem) annähme, geboren würde und stürbe um unserer Sünde willen, und dass dieses gepredigt werde unter allen Völkern. … Wenn du daher mit der Lehre von der Rechtfertigung zu tun hast und darüber disputierst, wie man Gott finden könne, der da rechtfertigt oder die Sünder annimmt, wo und wie er gesucht werden müsse, dann sollst du durchaus von keinem andern Gott wissen, außer diesem Menschen Jesus Christus. Den ergreife und hange an ihm von ganzem Herzen und lass das Ergrübeln der Majestät anstehen. Denn wer die Majestät erforschen will, der wird von ihrer Herrlichkeit erdrückt. … Daher wirst du außer diesem Weg, Christus, schlechthin keinen anderen Weg zum Vater finden, sondern Irrtum; nicht die Wahrheit, sondern Heuchelei und Lüge; nicht das Leben, sondern den ewigen Tod. Darum sei dessen wohl eingedenk, dass man in der Sache der Rechtfertigung, wo wir alle mit dem Gesetz, der Sünde, dem Tod, dem Teufel und der Überwindung alles Übels zu tun haben, keinen anderen Gott kennen soll als den menschgewordenen und menschlichen Gott.“18

    Dass dies überhaupt möglich ist, dass wir Gnade erlangen können,  hat seinen Grund darin, dass Christus, wahrer Gott und wahrer Mensch in einer Person, sich für uns dahingegeben hat. „Hier erhebt sich die Frage, wie wir die Vergebung der Sünden erlangen können, sowohl der Sünden, welche andere Leuchte, als auch derer, die wir selbst auf uns haben? Paulus antwortet[1,4], der Mann, welcher Jesus Christus heißt, Gottes Sohn, habe sich selbst für dieselben gegeben. Dies sind herrliche und tröstliche Worte, die auch im alten Bunde verheißen sind, dass unsere Sünden auf keine andere Weise weggenommen werden als durch den Sohn Gottes, der in den Tod dahingegeben ist.“19 Daran hängt ja alles, darum ist das auch das höchste Wissen: Christus hat sich für uns dahingegeben. „Dies ist daher das höchste Wissen (scientia) und die rechte christliche Weisheit, dass man diese Worte Pauli für ernstliche und ganz wahre halte, nämlich dass Christus in den Tod gegeben sei, nicht um unserer Gerechtigkeit und Heiligkeit willen, sondern um unserer Sünden willen, welche rechte, große, viele, ja, unendliche und unüberwindliche Sünden sind.“20

    Gerade in Anfechtungen um der Sünde willen gilt es diese Tatsache festzuhalten und sich daran zu klammern im herzlichen Vertrauen auf unseren Retter Jesus Christus. „Christus, Gottes Sohn, ist nicht für die Heiligen und Gerechten gegeben, sondern für die Ungerechten und Sünder. Wenn ich gerecht wäre und keine Sünde hätte, so bedürfte ich des Versöhners, Christi, nicht. … Da nun meine Sünden so ernstlich, wahrhaftig, groß, unendlich, schrecklich und unüberwindlich sind, und meine Gerechtigkeit mir vor Gott nicht nützt, sondern vielmehr schadet, so ist deshalb Christus, Gottes Sohn, für dieselben in den Tod dahingegeben, damit er sie austilgte und mich und alle, die dies glauben, selig machte. … Deshalb, wenn du ein Sünder bist, wie wir sicherlich alle immer sind, so bilde dir Christus nicht vor als einen Richter, der auf dem Regenbogen sitzt, sonst wirst du erschrecken und verzweifeln; sondern ergreife seine rechte Beschreibung, nämlich diese: dass Christus, Gottes und der Jungfrau Sohn, eine solche Person sei, welche nicht schreckt, nicht plagt, uns Sünder nicht verdammt, nicht Rechenschaft von uns fordert wegen unseres schändlich verbrachten Lebens, sondern die sich selbst für unsere Sünden gegeben und durch ein einziges Opfer die Sünden der ganzen Welt abgetan, gekreuzigt und in sich selbst vertilgt hat.

    Diese Beschreibung lerne mit Fleiß und besonders dies Fürwort ‚unsere‘ mache dir so zu eigen[, dass du wissest], dass diese drei Silben ‚unsere‘, im Glauben ergriffen, auch deine Sünde ganz und gar wegnehmen und austilgen, das heißt, dass du aufs allergewisseste wissest, dass Christus nicht allein die Sünden einiger Menschen, sondern auch deine und die Sünden der ganzen Welt hinweggenommen habe.“21

 

4. Gerecht allein aus Gnaden, allein mittels des Glaubens, nicht durch Werke

    Die Welt, in der wir leben, von der wir ein Teil sind, liegt gemäß der Bibel im Argen, ist also voll Sünde – darum ist es ganz unmöglich, durch Werke vor Gott gerecht werden zu wollen. „Denn in derselben ist nichts anderes als Unwissenheit in Bezug auf Gott, Verachtung Gottes, Lästerung und Hass gegen Gott, desgleichen Ungehorsam gegen alle Worte und Werke Gottes. In diesem Reiche und unter seiner Herrschaft sind wir.

    Hier siehst du wiederum, dass niemand durch seine Werke oder eigene Kräfte die Sünden tilgen kann, weil diese gegenwärtige Welt arg ist, und, wie Johannes [1. Ep. 5,19] sagt, ‚im Argen liegt‘. So viele ihrer also in der Welt sind, die sind des Teufels gefangene Glieder, die ihm dienen und alles nach seinem Willen tun müssen.“22 Gerade deshalb können wir allein durch Christus errettet werden, nur durch ihn gerecht vor Gott dastehen. „Mit diesen Worten nun: ‚Dass er uns errettete‘ usw. zeigt Paulus, wovon dieser ganze Brief handele, dass nämlich die Gnade und Christus vonnöten sei, und dass keine Kreatur, weder Mensch noch Engel, den Menschen aus dieser argen Welt erretten könne. Denn das sind Werke allein der göttlichen Majestät, die nicht in der Gewalt eines Menschen oder eines Engels stehen, dass Christus die Sünde getilgt und uns aus der Tyrannei und Herrschaft des Teufels errettet hat, das heißt, aus der argen Welt, welche ein gehorsamer Sklave und williger Nachahmer ihres Gottes, des Teufels, ist.“23 Darum können wir mit unseren Werken nichts ausrichten. „Und zugleich wollen wir mit Paulus bekennen, dass alle unsere Werke und Gerechtigkeit nur Schade und Dreck seien, mit denen allen wir dem Teufel auch nicht ein Haar krümmen konnten.

    Auch alle Kraft des freien Willens, alle pharisäische Weisheit und Gerechtigkeit, alle Orden, Messen, geistliche Stände, Heiligendienst, Gelübde, Fasten, härene Hemden usw. treten wir mit Füßen und speien sie an als das abscheulichste unflätige Kleid und das verderblichste Gift des Teufels. Dagegen wollen wir die Ehre Christi klar ans Licht stellen und verherrlichen, der uns durch seinen Tod nicht bloß von der Welt, sondern von der argen Weg errettet hat.“24

    Der Glaube aber, der die Rechtfertigung, die Gerechtsprechung empfängt, ist nicht aus uns, ist nicht unser Werk, nicht eine Tugend, Qualität, die wir vorbringen, sondern ist vielmehr Gottes Gabe durch das Wort des Evangeliums. „Darum schärfen wir beständig ein, dass die Erkenntnis Christi und der Glaube nicht ein menschlich Ding oder Werk sei, sondern schlechthin eine Gabe Gottes, der den Glauben in uns sowohl schafft als auch erhält.

   Gleichwie aber Gott den Glauben zuerst durch das Wort schenkt, so übt, mehrt, befestigt und vollendet er ihn darnach auch durch das Wort. Deshalb ist das der höchste Gottesdienst und der allerheiligste Sabbath, dass man sich in der Gerechtigkeit übe, mit dem Worte umgehe und es höre. Dagegen ist nichts Gefährlicheres als Überdruss am Worte Gottes.“25

    Christus aber, der für uns gelitten hat, der unsere Sünden auf sich nahm, ist nicht ein neuer Gesetzgeber, sondern ist vielmehr das Opfer für uns. „Aber das Evangelium lehrt, dass Christus nicht gekommen sei, um ein neues Gesetz zu geben und Gebote zu lehren, wie man recht wandeln solle (de moribus), sondern es sagt, er sei darum gekommen, dass er das Opfer würde für die Sünden der ganzen Welt, und dass uns die Sünden vergeben werden sollen, und uns um seinetwillen das ewige Leben geschenkt werden soll, nicht um der Werke des Gesetzes oder unserer Gerechtigkeit willen. Von diesem überschwänglichen Schatze, der uns umsonst geschenkt ist, predigt recht eigentlich das Evangelium. … Christus aber ist recht eigentlich nicht ein Gesetzgeber, sondern ein Versöhner und Heiland. Dies ergreift der Glaube und glaubt ohne Zweifel, dass er die Werke und Verdienste nach Willigkeit und nach Würden mehr als überflüssig zuwege gebracht habe, denn er hätte mit einem einzigen Tröpflein seines Blutes für die Sünden der Welt genugtun können. Nun aber hat er reichlich für uns genuggetan. Hebr. 9,12: ‚Durch sein eigenes Blut ist er einmal in das Heilige eingegangen’ usw., und Röm.3,24 f.: ‚Wir werden ohne Verdienst gerecht aus seiner Gnade, durch die Erlösung, so durch Christus Jesus geschehen ist, welchen Gott hat vorgestellt zu einem Gnadenstuhl, durch den Glauben in seinem Blut‘ usw. Darum ist es etwas Großes, dass man Christus im Glauben ergreife, der da trägt die Sünde der Welt, und allein dieser Glaube wird zur Gerechtigkeit gerechnet, Röm. 3,28; 4,5.“26

    Darum ist es auch ganz falsch zu behaupten, dass die Gerechtigkeit Christi allein nicht ausreiche, sondern zusätzlich auch noch das Halten des Gesetzes nötig sei, womit alles auf den Kopf gestellt wird. „Mit diesen Worten [Gal. 2,17] klagt er die falschen Apostel und alle Werkheiligen auf das schwerste an, dass sie alles verkehren, weil sie aus dem Gesetz die Gnade, aus der Gnade das Gesetz, aus Mose Christus, aus Christus einen Mose machen. Denn sie lehren, dass nach Christus und nach aller Gerechtigkeit Christi noch die Beobachtung des Gesetzes notwendig sei, wenn man gerecht werden wolle. So wird durch eine unerträgliche Verkehrung das Gesetz zu Christus, weil dem Gesetz das beigelegt wird, was recht eigentlich Christus zukommt. Sie sagen: Wenn du die Werke des Gesetzes tust, so wirst du gerecht. Wenn du sie nicht tust, so wirst du nicht gerechtfertigt, magst du auch noch so sehr an Christus glauben.“27

    Übrigens ist damit auch alle Vorbereitung unsererseits auf die Gnade, auf die Bekehrung ausgeschlossen, weil der geistlich tote Mensch sich ja gar nicht darauf vorbereiten kann. „Denn hier sind wir ganz in Sünden ersoffen. Alles, was in unserm Willen ist, ist böse, alles, was in unserem Verstand ist, ist Irrtum. Darum hat ein Mensch in göttlichen Dingen nichts als Finsternis, Irrtum, Bosheit und Verkehrtheit im Willen und Verstand. Wie sollte er also Gutes wirken können, Gott lieben usw.?“28

 

5. Gerecht mittels des Evangeliums, nicht des Gesetzes

    Unsere Gerechtigkeit, das kann nicht zu oft betont werden, kommt allein mittels des Glaubens, ohne die Werke des Gesetzes. „Es ist aber die Wahrheit des Evangeliums, dass unsere Gerechtigkeit allein aus dem Glauben kommt, ohne die Werke des Gesetzes. Die Unwahrheit (falsitas) oder die Verfälschung des Evangeliums ist, dass wir durch den Glauben gerecht werden, aber nicht ohne die Werke des Gesetzes. Mit dieser angehängten Bedingung predigten die falschen Apostel das Evangelium.“27 Es ist eine falsche Lehre, wenn behauptet wird, die Rechtfertigung erhalte der, der den Glauben und die Werke aufweisen könne. „Eben dasselbe [nämlich die Einmengung des Gesetzes ins Evangelium, Anm. d. Hrsg.] haben auch die Schultheologen (sophistae = Scholastiker) und unsere Papisten getan, nämlich, man müsse an Christus glauben, und der Glaube sei der Grund der Seligkeit, aber er rechtfertige nicht, wenn er nicht durch die Liebe eine Gestalt gewonnen habe (fides formata caritate). Dies ist nicht die Wahrheit, sondern ein Schein und erdichtetes Vorgeben des Evangeliums. Das wahre Evangelium aber ist, dass die Werke oder die Liebe nicht der Schmuck oder die Vollendung des Glaubens seien, sondern dass der Glaube, an sich, die Gabe Gottes und das Werk Gottes im Herzen sei, welches darum gerecht macht, weil es den Heiland Christus selbst ergreift.“28

    Der rechtfertigende Glaube hält sich allein an das, was Christus, und zwar für uns, getan hat, nicht an das, was Menschen, wir selbst oder andere, tun bzw. getan haben. „Die menschliche Vernunft hat es mit dem Gesetz zu tun (objectum habet legem): Dies habe ich getan, das habe ich nicht getan. Der Glaube aber, wenn er in seinem eigentlichen Amte ist, hat es durchaus mit nichts Anderem zu tun als mit Jesus Christus, dem Sohne Gottes, der für die Sünden der ganzen Welt dahingegeben ist. Er hat nicht auf die Liebe sein Augenmerk gerichtet, er sagt nicht: Was habe ich getan? Was habe ich gesündigt? Was habe ich verdient? Sondern: Was hat Christus getan? Was hat er verdient? Da spricht die Wahrheit des Evangeliums: Er hat dich von der Sünde, vom Teufel, vom ewigen Tode erlöst. Darum erkennt der Glaube, dass er in dieser Person, Jesus Christus, Vergebung der Sünden und ewiges Leben habe. Wer aus diesem Kreise (objecto = Gegenstande, mit welchem der Glaube zu tun hat) heraustritt, der hat nicht den wahren Glauben, sondern einen leeren Schein und Wahn und wendet die Augen von der Verheißung auf das Gesetz, welches Schrecken erregt und zur Verzweiflung treibt … Denn der Glaube, welcher Christus, den Sohn Gottes, ergreift und durch ihn geschmückt wird, rechtfertigt; nicht der Glaube, welcher die Liebe mit einschließt. Denn wenn der Glaube gewiss und fest sein soll, so darf er nichts ergreifen als Christus allein und kann sich im Kampf und Schrecken des Gewissens auf nichts anderes stützen als auf diese Perle. Deshalb kann derjenige, welcher Christus im Glauben ergreift, wie sehr  ihn auch das Gesetz schrecken mag, wie sehr ihn auch die Last der Sünden beschwert, sich dennoch rühmen, dass er gerecht sei. Wie oder wodurch? Durch den Edelstein Christus, den er im Glauben besitzt.“29

    Gerade angesichts der Last der Sünden, der damit verbundenen Anfechtungen und Anklagen des Gesetzes gilt es, sich ganz und völlig an das Evangelium zu halten. „Hier soll ich das Evangelium zu Rate ziehen und hören, welches lehrt, nicht, was ich tun solle, denn das ist das eigentliche Amt des Gesetzes, sondern, was Jesus Christus, der Sohn Gottes, für mich getan habe, nämlich, dass er für mich gelitten hat und gestorben ist, um mich von Sünde und Tod frei zu machen. Dies anzunehmen und zu glauben befiehlt mir das Evangelium, und dies ist und heißt die Wahrheit des Evangeliums. Und dies ist der Hauptartikel der ganzen christlichen Lehre, in welchem die Erkenntnis der ganzen Gottseligkeit besteht.30

    Denn: Wo man das Gesetz einmengt in der Frage der Rechtfertigung, wo also das Halten des Gesetzes als notwendig für die Gerechtigkeit, die vor Gott gilt, betrachtet wird, da ist der Glaube zerstört. „Denn wenn dieser Zwang aufrecht erhalten wird, oder gelehrt, dass die Beobachtung des Gesetzes notwendig sei, so muss der Glaube notwendigerweise abgetan werden; wenn aber dieser abgetan und zerstört ist, so sind alle Verheißungen Gottes vergeblich, alle Gaben des Heiligen Geistes sind unter die Füße getreten, und alle Menschen müssen schlechtweg verloren gehen und verdammt werden.“31 Denn das Gesetz macht nicht gerecht. „Und so waren Petrus und Paulus und die andern Apostel zwar Kinder Gottes, gerecht nach dem Gesetz, ja, Apostel Christi, darum waren sie aber dennoch nicht gerecht vor Gott. Wenngleich du daher wie ein Bündel dies alles zusammenfassen würdest, das Gesetz, die Werke und die Gerechtigkeit des Gesetzes, die Beschneidung, die Kindschaft, die Testamente, die Verheißungen, das Apostelamt usw., so überkommt man dadurch dennoch nicht die christliche Gerechtigkeit, weil dies alles nicht der Glaube an Christus ist, welcher, wie im Text folgt [nach 2,15.16, Anm. d. Hrsg.]allein rechtfertigt, nicht das Gesetz.“ 32 Die Gerechtigkeit, die vor Gott gilt, die Gerechtigkeit, durch die wir bestehen können am Jüngsten Tag im Gericht, die wird dem Glauben zugerechnet von Gott, ohne Verdienst. „Die Gerechtigkeit des Glaubens aber rechnet Gott uns zu, ohne Verdienst, aus Barmherzigkeit, um Christi willen. Darum hat er nachdrucksvoll und mit einer gewissen Heftigkeit gesagt: ‚Durch des Gesetzes Werke.‘ [2,15-16.] Denn es ist kein Zweifel, weil das Gesetz heilig, gerecht und gut ist, so sind folglich auch die Werke des Gesetzes heilig, gerecht und gut, und dennoch wird der Mensch durch dieselben vor Gott nicht gerechtfertigt. … Nach der Rechtfertigung tun Petrus, Paulus und alle Christen Werke des Gesetzes, aber sie werden durch dieselben nicht gerechtfertigt. Paulus sagt [1. Kor. 4,4]: ‚Ich bin mir nichts bewusst, aber darinnen bin ich nicht gerechtfertigt.‘ Es ist also offenbar, dass er vom ganzen Gesetz und von den Werken des Gesetzes rede, nicht von den Sünden wider das Gesetz.“33

    Die Aufgabe des Gesetzes ist es, von Sünde zu überführen. „Es ist also das eigentliche Amt des Gesetzes, dass es uns aus unserem Lager führe, das heißt, aus dem Frieden und Vertrauen auf uns selbst, und uns vor das Angesicht Gottes stelle und uns seinen Zorn offenbare. Da wird dann das Gewissen inne, dass es dem Gesetz nicht genuggetan habe noch genugtun könne, auch den Zorn Gottes nicht zu ertragen vermöge, den das Gesetz offenbart; wenn es uns so vor Gottes Angesicht stellt, das heißt, wenn es schreckt, anklagt und die Sünde aufdeckt, da ist es unmöglich, dass wir dann bestehen können. Darum fliehen wir erschrocken und schreien mit Israel: Wir müssen sterben, wir müssen sterben! Der Herr rede nicht mit uns, rede du mit uns usw.“34 Das Evangelium dagegen schenkt uns die Gnade, die Christus uns durch seinen Gehorsam, Leiden und Sterben erworben hat. „Dagegen ist die rechte christliche Weise zu lehren diese: Dass der Mensch zuerst durch das Gesetz erkennen soll, dass er ein Sünder sei, dem es unmöglich ist, irgendein gutes Werk zu tun. Denn das Gesetz spricht: Du bist ein böser Baum, deshalb streitet alles wider Gott, was du denkst, redest und tust. Daher kannst du mit deinen Werken die Gnade nicht verdienen. Wenn du dies dennoch unternimmst, so machst du aus Übel Ärgeres, denn, weil du ein böser Baum bist, so kannst du nichts als böse Früchte bringen, das heißt, Sünden, denn ‚was nicht aus dem Glauben geht, das ist Sünde‘ [Röm.14,23]. Deshalb, wer durch vorhergehende Werke Gnade verdienen will, der will Gott durch Sünden versöhnen, das ist nichts anderes, als Sünden auf Sünden häufen, Gott verlachen und seinen Zorn herausfordern.

    Wenn der Mensch durch das Gesetz so unterrichtet, geschreckt und gedemütigt wird, und in Wahrheit die Größe seiner Sünde sieht, und nicht die geringste Spur von Liebe gegen Gott bei sich findet, so gibt er Gott recht in seinem Wort und bekennt, dass er des ewigen Todes und der Verdammnis schuldig sei. … Wenn der Mensch aber durch das Gesetz gedemütigt und dazu gebracht worden ist, dass er sich selbst erkenne, dann ist er wahrhaft bußfertig geworden (denn die wahre Buße fängt an der Furcht und dem Gericht Gottes an), und sieht, dass er ein so großer Sünder ist, dass er durch seine Kräfte, Bemühungen und Werke von den Sünden nicht befreit werden könne. Erst dann versteht er recht, was Paulus meine, da er sagt: Der Mensch sei ein Knecht und Gefangener der Sünde; desgleichen: Gott habe alles unter die Sünde beschlossen, die ganze Welt sei schuldig vor Gott usw. [Röm. 7,23; 6,20; Gal. 3,22]. … Hier erhebt sich nun ein solches Seufzen: Wer kann hier helfen? Denn so verzweifelt der Mensch, welcher durch das Gesetz erschreckt ist, ganz und gar an seinen Kräften, sieht umher und seufzt um Hilfe nach einem Mittler und Heiland. [Einschübe aus Sp.180.] … Der erste Teil der christlichen Lehre ist also die Predigt von der Buße und von der rechten Selbsterkenntnis.

    Der zweite Teil [dieser Lehre] ist: Wenn du selig werden willst, so kannst du die Seligkeit nicht durch Werke überkommen, sondern ‚Gott hat seinen eingebornen Sohn in die Welt gesandt, dass wir durch ihn leben sollen‘ [1. Joh. 4,9]. Der ist für dich gekreuzigt und gestorben und ‚hat deine Sünden an seinem Leib geopfert‘ [1. Petr. 2,24]. Da ist nichts, was Gott billigerweise ansehen müsste (nullla congruitas) oder irgendein Werk vor der Gnade, sondern nichts als Zorn, Sünde, Schrecken und Tod. Daher zeigt das Gesetz die Sünde nur an, erschreckt und demütigt und bereitet auf diese Weise zur Rechtfertigung und treibt zu Christus hin. Denn Gott hat durch sein Wort offenbart, dass er ein gnädiger Vater sein Werde, welcher uns, da wir nichts verdienen können, ohne unser Verdienst umsonst die Vergebung der Sünden, Gerechtigkeit und ewiges Leben schenken wolle. … Da kommt denn das heilsame Wort des Evangeliums zu gelegener Zeit und spricht: Sei getrost, mein Sohn, dir sind deine Sünden vergeben. Glaube an Jesus Christus, der für deine Sünden gekreuzigt ist usw. Wenn du deine Sünden fühlst, so siehe sie nicht an dir an, sondern gedenke, dass sie auf Christus gelegt sind, dessen Wunden dich geheilt haben usw. Jes. 53,5; 1. Petr. 2,24. Dies ist der Anfang der Seligkeit. Auf diese Weise werden wir von der Sünde befreit, wir werden gerechtfertigt, und das ewige Leben wird uns geschenkt, nicht um unserer Verdienste und Werke willen, sondern um des Glaubens willen, durch welchen wir Christus ergreifen. [Einschub aus Sp. 180 f.] … Denn er ist ein Gott, der allen umsonst seine Gaben schenkt, und das ist der Ruhm, dadurch seine Gottheit gepriesen wird. Aber diese seine Gottheit kann er gegen die Werkgerechten nicht verteidigen, denn sie wollen Gnade und ewiges Leben von ihm nicht umsonst annehmen, sondern mit ihren Werken verdienen; darum wollen sie ihm schlechterdings die Ehre der Gottheit rauben. Damit er diese nun behalten könnte, musste er das Gesetz vorher senden, um diese überaus harten Felsen zu schrecken und zu zerschmettern, wie durch einen Blitz und Donnerschlag vom Himmel. Dies ist in der Kürze unsere Theologie von der christlichen Gerechtigkeit.“35

    Die Vergebung der Sünden ist also reines Geschenk.

    Darum ist der, der den Glauben Abrahams nicht hat, unter dem Fluch (Gal. 3,10), auch dann, wenn er mit Eifer dem Buchstaben des Gesetzes folgt. „Hier siehst du, dass der Fluch eine Art Sündflut ist, welche alles dahinrafft, was außerhalb Abrahams ist, das heißt, außerhalb des Glaubens und der Verheißung des Segens, die dem Abraham gegeben ist. Wenn aber selbst das Gesetz, welches auf Gottes Befehl durch Mose gegeben ist, die dem Fluch unterwirft, die unter dem Gesetz sind, so werden die Gesetze oder Satzungen, welche durch die menschliche Vernunft erfunden sind, dies viel mehr tun. Wer daher dem Fluch entgehen will, der ergreife die Verheißung des Segens oder den Glauben Abrahams, oder er wird unter dem Fluch bleiben. Aus diesem Spruch: ‚In dir sollen gesegnet werden‘ usw. folgt, dass alle Völker vor, unter und nach Abraham verflucht seien und in Ewigkeit dem Fluch unterworfen bleiben, wenn sie nicht im Glauben Abrahams gesegnet werden, denn die Verheißung des Segens durch seinen Samen gegeben worden ist, die in der ganzen Welt ausgebreitet werden sollte.

    Es ist sehr nützlich, dieses zu wissen, denn es dient dazu, die Gewissen zu trösten, dann auch, dass wir lernen, die Gerechtigkeit des Glaubens aufs weiteste von der Gerechtigkeit des Fleisches oder der bürgerlichen Gerechtigkeit zu scheiden. … Bei der weltlichen Gerechtigkeit muss man auf Gesetze und Werke sehen, aber bei der geistlichen, göttlichen und himmlischen Gerechtigkeit müssen alle Gesetze und Werke aus dem Auge gesetzt werden, und man muss allein auf die Verheißung und den Segen Abrahams sehen, welche uns Christus, den Segenspender, den Geber der Gnade und den Heiland vorhält, so dass die göttliche Gerechtigkeit ohne Gesetz und Werke ganz allein (pure) die Gnade und den Segen ansehe, der uns durch Christus angeboten wird, wie er dem Abraham verheißen worden war und von ihm geglaubt wird.“36 Es geht, das ist ganz wichtig zu unterscheiden, um geistliche, nicht um weltliche Sachen. „Es sind also zweierlei Täter des Gesetzes: Die einen sind diejenigen welche mit den Werken des Gesetzes umgehen, wider welche Paulus in dieser ganzen Epistel handelt und kämpft; die anderen sind des Glaubens; von diesen wollen wir bald hernach reden. Aber des Gesetzes sein oder mit den Werken des Gesetzes umgehen, und des Glaubens sein, das sind einander völlig entgegengesetzte Dinge, wie Teufel und Gott, Sünde und Gerechtigkeit, Tod und Leben einander entgegengesetzt sind. Denn des Gesetztes sind die, welche durch das Gesetz gerecht werden wollen; des Glaubens sind die, welche sich darauf verlassen, dass sie allein aus Barmherzigkeit um Christi willen gerecht werden. Wer da sagt, dass die Gerechtigkeit aus dem Glauben sei, der verflucht und verdammt die Gerechtigkeit der Werke. Dagegen, wer da sagt, dass die Gerechtigkeit aus dem Gesetz sei, der verdammt und verflucht die Gerechtigkeit des Glaubens. Sie sind also stracks wieder einander.“37 Geistlich aber kann niemand das Gesetz wirklich vollkommen halten, aufgrund unserer Sünde. „Wer dies beachtet, der erkennt leicht, dass das Gesetz tun nicht bloß äußerlich sei, zum Schein, wie die Heuchler träumen, sondern im Geiste, das heißt, dass man in Wahrheit und vollkommen das leiste, was im Gesetz befohlen wird. Aber wo werden wir einen solchen Finden, der das Gesetz in solcher Weises tut?“38 Darum sind die Werkheiligen, also diejenigen, die dennoch meinen, das Gesetz halten und so die Gerechtigkeit, die vor Gott gilt, erwerben zu können, Leugner der wahren Gerechtigkeit, der des Glaubens. „Deshalb verleugnen die Werkheiligen, indem sie das Gesetz tun, gerade dadurch die Gerechtigkeit des Glaubens und sündigen gegen das erste, zweite und dritte Gebot und gegen das ganze Gesetz, weil Gott geboten hat, dass man ihm dienen soll im Glauben und in der Furcht gegen ihn. Dagegen machen sie, ohne Glauben und wider den Glauben, aus den Werken die Gerechtigkeit. Also gerade dadurch, dass sie das Gesetz tun, tun sie am meisten wider das Gesetz und sündigen am schwersten und schrecklichsten, denn sie verleugnen Gottes Gerechtigkeit, Barmherzigkeit und Verheißungen, verleugnen Christus mit allen seinen Wohltaten und richten in ihrem Herzen eine bloße Erdichtung und einen Götzen des Gesetzes auf, nicht aber die Gerechtigkeit des Gesetzes, welche sie nicht verstehen, viel weniger tun. Darum ist es notwendigerweise so, dass sie durch Tun des Gesetzes es nicht allein nicht tun, sondern auch sündigen und die göttliche Majestät in allen ihren Verheißungen verleugnen. Dazu ist das Gesetz sicherlich nicht gegeben.“39

    Wir können das Gesetz tatsächlich nicht erfüllen. Erst der Glaube, der die von Christus stellvertretend für uns geleistete Gesetzeserfüllung zugerechnet bekommt, erst der Glaube kann dann anfangen, das Gesetz wirklich zu tun, nicht um gerecht zu sein vor Gott, sondern weil er die Gerechtigkeit Gottes schon zugesprochen bekommen hat. „Deshalb, weil Gott wusste, dass wir das Gesetz nicht tun können, hat er dieses lange vor dem Gesetz zuvor ersehen und dem Abraham die Verheißung zugesagt, indem er sprach: ‚In dir sollen alle Völker gesegnet werden‘ usw., und hat so bezeugt, dass alle Völker nicht durch das Gesetz, sondern durch die dem Abraham gegebene Verheißung den Segen erlangen sollten. Daher sind diejenigen verflucht, welche die Verheißung verachten und das Gesetz um deswillen ergreifen, damit sie dadurch gerecht werden.

    Darum ist ‚das Gesetz   t u n ‘ vor allen Dingen (primum) glauben, und so durch den Glauben das Gesetz erfüllen. Wir müssen zuerst den Heiligen Geist empfangen, durch den erleuchtet und erneuert wir anfangen, das Gesetz zu tun, das heißt, Gott und den Nächsten zu lieben. Der Heilige Geist aber wird nicht durch das Gesetz empfangen (denn die unter dem Gesetz sind, sagt Paulus, die sind unter dem Fluch), sondern durch die Predigt vom Glauben, das heißt, durch die Verheißung. Wir müssen schlechterdings mit Abraham und durch seinen Glauben an die Verheißung gesegnet werden. Darum muss man vor allen Dingen zuerst die Verheißung hören, welche Christus vorhält, und ihn zu denen bringt, die da glauben; wenn der im Glauben ergriffen wird, so wird um seinetwillen der Heilige Geist geschenkt. Da wird dann Gott und der Nächste geliebt, es geschehen gute Werke, da nimmt man sein Kreuz auf sich. Das ist das Gesetz in Wahrheit tun; sonst bleibt das Gesetz in Ewigkeit unerfüllt.“40 Das heißt: Erst muss die Person, durch den Glauben, anders, neu werden, damit dann diese erneuerte Person auch das Gesetz, die von Gott gewollten Werke, tut. „So schafft (facit) der Glaube zuerst die Person, welche darnach Werke tut. Darum, wenn jemand ohne Glauben das Gesetz tun will, so heißt das, Früchte hervorbringen ohne einen Baum, aus Holz und Ton; das ist aber nicht Früchte, sondern bloße Trugbilder machen. Wenn aber der Baum gesetzt ist, das heißt die Person oder der Täter, welcher herkommt (fit) aus dem Glauben an Christus, dann folgen die Werke. Denn es muss der Täter vor den Taten da sein, nicht die Taten vor dem Täter.“41 Die Werke, die ohne den Glauben getan werden, mögen zwar äußerlich einen ganz ähnlichen, oft nicht zu unterscheidenden, Charakter, Aussehen haben, aber sie kommen, als Werke des Gesetzes, aus einer falschen Haltung. „Da es aber zweierlei Täter des Gesetzes gibt, wie ich gesagt habe, rechte und heuchlerische, so muss man die rechten von den heuchlerischen scheiden. Die rechten sind, die durch den Glauben ein guter Baum sind, ehe sie Frucht tragen, und Täter sind, ehe sie Werke tun. Von diesen redet auch Mose, und wenn sie nicht so beschaffen sind, so sind sie unter dem Fluch. Alle Heuchler sind aber nicht derartig, denn sie haben die Meinung, dass sie durch ihre Werke die Gerechtigkeit zuwege bringen wollen und durch dieselben die Person gerecht machen. Denn sie denken so: Wir Sünder und Ungerechte wollen gerecht werden. Wie? Aus den Werken. Darum tun sie ebenso wie ein törichter Baumeister, der aus dem Dach die Grundlage, aus den Früchten den Baum zu machen bestrebt ist. Denn da sie suchen durch Werke gerecht zu werden, so wollen sie aus den Werken einen Täter machen, was geradezu wider Mose ist, welcher einen solchen Täter dem Fluch in gleicher Weise unterwirft wie auch Paulus.42

    Die Werke zur Gerechtigkeit einführen, auf Werken zur Gerechtigkeit bestehen, das ist dagegen eine durch und durch antichristliche Haltung. „Daher konnte Paulus aus dem ersten Gebot leicht vorherverkündigen, dass Greuel sein würden, welche durch den Antichrist in die Kirche eingeführt werden würden. Denn diejenigen, welche lehren, dass außer dem Gottesdienst des ersten Gebotes, der da ist Furcht, Glaube und Liebe gegen Gott, noch ein anderer Gottesdienst zur Seligkeit notwendig sei, die sind Antichristi und setzen sich an Gottes Statt. … Darum unternehmen es alle Heuchler und Götzendiener, die Werke zu tun, welche eigentlich der Gottheit zugehören und einzig und allein Christus zustehen. Sie sagen zwar nicht mit dem Munde: Ich bin Gott; ich bin Christus; doch dabei maßen sie sich in der Tat die Gottheit und das Amt Christi an. … Deshalb kann niemand mit Worten aussprechen, etwas wie Schreckliches und Verfluchtes das sei, wenn man seine Gerechtigkeit außerhalb des Segens im Gesetz und den Werken suchen will. Denn es ist der Greuel, der da steht an heiliger Statt, der Gott verleugnet und die Kreatur an die Stelle des Schöfpers setzt.43

 

6. Der rechtfertigende Glaube

    Der rechtfertigende Glaube, also der Glaube, das herzliche Vertrauen, wodurch der Sünder die Vergebung der Sünden empfängt, ergreift, ist also ganz auf Christus gerichtet. „Darum ist der christliche Glaube nicht eine müßige Eigenschaft (qualitas) oder eine leere Hülse im Herzen, welche auch bei einer Todsünde vorhanden sein könnte, bis dass die Liebe hinzukomme und ihn lebendig mache, sondern wenn es der rechte Glaube ist, so ist er eine gewisse Zuversicht des Herzens und ein festes Vertrauen, durch welches Christus ergriffen wird, so dass Christus der Gegenstand ist, auf welchen sich der Glaube richtet, ja, nicht der Gegenstand, sondern, dass ich so sage, Christus ist im Glauben selbst gegenwärtig. … Es rechtfertigt also der Glaube, weil er diesen Schatz ergreift und besitzt, nämlich den gegenwärtigen Christus.“44 Der Glaube rechtfertigt also nicht als ein menschliches Werk (denn er ist ja Gottes Geschenk), auch nicht als eine Tugend, eine Qualität, sondern allein instrumentarisch, als die Nehmehand. „Dies ist die rechte, christliche Weise zu lehren, nämlich dass wir durch den Glauben an Christus gerecht werden, nicht durch die Werke des Gesetzes. … Darum soll man sie [diese Glosse, dass die Liebe hinzukommen müsse]meiden wie ein höllisches Gift und mit Paulus schließen, dass wir allein durch den Glauben gerecht werden, nicht durch   d e n   Glauben, der durch die Liebe eine Gestalt gewonnen hat (fide formata caritate). … Hier aber ist das die Frage, wodurch wir gerechtfertigt werden und das ewige Leben erlangen? Hier antworten wir mit Paulus, dass wir allein wegen des Glaubens an Christus für gerecht erklärt werden, nicht wegen der Werke des Gesetzes oder wegen der Liebe; nicht, dass wir die Werke oder die Liebe verwerfen, wie die Widersacher uns Schuld geben, sondern wir wollen uns von dem Hauptpunkt, um welchen der gegenwärtige Handel sich dreht, nicht ablenken lassen, was der Satan gerne wollte. Da wir es nun mit dem Lehrstück von der Rechtfertigung zu tun haben, so verwerfen und verdammen wir die Werke, denn dieser Artikel lässt es ganz und gar nicht zu, dass man von guten Werke handele.“45

    Der Glaube, Christus und das zurechnende Handeln Gottes gehören also zusammen. „Hier ist wohl zu merken, dass diese drei Dinge, der Glaube, Christus und [Gottes] Annehmen oder Zurechnen [der Gerechtigkeit Christi] zusammen gehören. Der Glaube ergreift Christus und hat ihn gegenwärtig und hält ihn eingeschlossen, wie ein Ring einen Edelstein umfasst, und ein jeglicher, der gefunden wird, dass er Christus mit dieser Zuversicht im Herzen ergriffen habe, den rechnet Gott für gerecht. Dies ist die Weise und das Verdienst, dadurch wir zur Vergebung der Sünden und zur Gerechtigkeit erlangen. Weil du an mich glaubst, sagt Gott, und dein Glaube Christus ergreift, den ich dir geschenkt habe, damit er dein Mittler und Hoherpriester wäre, darum sollst du gerecht sein.

    Also Gott nimmt uns an oder rechnet uns für gerecht allein wegen des Glaubens an Christus usw., und dieses Annehmen oder Zurechnen ist sehr notwendig, erstens, weil wir noch nicht vollkommen gerecht sind, sondern uns in diesem Leben noch die Sünde im Fleisch anhängt. Diese Sünde, welche im Fleisch noch übrig ist, fegt Gott in uns aus. Zum andern werden wir bisweilen auch vom Heiligen Geist verlassen und fallen in Sünde, wie Petrus, David und andere Heilige. Doch haben wir immer wieder einen Zugang zu diesem Artikel, dass uns unsere Sünden bedeckt sind, und dass Gott sie uns nicht zurechnen wolle, Ps. 32,1.2; Röm. 4,7, nicht, dass keine Sünde mehr da sei (wie die Sophisten gelehrt haben, dass man so lange gute Werke tun müsse [bene operandum esse], bis wir uns keiner Sünde mehr bewusst wären), vielmehr, die Sünde ist wahrhaftig da, und die Gottseligen fühlen sie, aber sie ist verborgen und wird uns von Gott um Christi willen nicht zugerechnet; weil wir ihn im Glauben ergreifen, müssen alle Sünden nicht Sünden sein. Wo aber Christus und der Glaube nicht da ist, da ist keine Vergebung der Sünden, kein Bedecken derselben, sondern nur Zurechnung und Verdammnis der Sünde. So will Gott, dass der Sohn verherrlicht werde, und er selbst will in uns durch ihn verherrlicht werden.“46

    Was nun den Christen im Blick auf seinen Glauben angeht, so hat er, nach dem neuen Leben, nichts mehr mit dem Gesetz zu tun, sondern ist frei von ihm. „… desgleichen, dass ein Christ ganz und gar nichts mit dem Gesetz und mit der Sünde zu schaffen habe solle, besonders in Anfechtungen. Sofern er ein Christ ist, steht er über dem Gesetz und der Sünde. Denn er hat in seinem Herzen gegenwärtig und eingeschlossen Christus, den HERRN des Gesetzes, wie ein Ring einen Edelstein umfasst. Wenn ihn daher das Gesetz anklagt, die Sünde ihn erschreckt usw., so sieht er Christus an. Wenn er den im Glauben ergriffen hat, so hat er bei sich den Sieger über das Gesetz, über Sünde, Tod und Teufel, der über alle diese herrscht, dass sie ihm keinen Schaden tun können.

    Deshalb ist ein Christ, in der eigentlichen Bedeutung des Wortes (proprie definitus), frei von allen Gesetzen und durchaus niemandem weder innerlich noch äußerlich unterworfen. Doch sage ich mit ganz besonderem Nachdruck: sofern er ein Christ ist (nicht sofern er ein Mann oder eine Frau ist), das heißt, sofern er ein Gewissen hat, das angetan, geschmückt und reich gemacht ist durch diesen Glauben, durch diesen großen und unermesslichen Schatz, oder, wie Paulus sagt, diese unaussprechliche Gabe, welche nicht hoch genug erhoben und gelobt werden kann, weil sie Kinder und Erben Gottes macht.“47 Gerade das Gewissen darf nicht vom Gesetz beherrscht werden, sonst geht der Glaube zugrunde. „Ferner, es darf kein Gesetz im Gewissen herrschen, sondern nur der Geist des Lebens, durch den wir in Christus befreit sind von dem Gesetz des Buchstabens und des Todes, von seinen Werken und seinen Sünden; nicht, dass das Gesetz böse wäre, sondern weil es nicht rechtfertigen kann, da es die ganz entgegengesetzte Wirkung hat.“48

    Daher: Wer sich auf die Werke anstatt allein auf Christus verletzt, der ist verloren, verdammt, er mag sein, wer er will, römischer Katholik oder Moslem oder Jude. „Sie können aufs gewisseste urteilen, dass der Türke mit seinem Alkoran verdammt sei, weil er nicht auf der rechten Straße geht, das heißt, nicht erkennt, dass er ein elender und verdammter Sünder sei, Christus auch nicht im Glauben ergreift, dass er glaube, ihm seien um Christi willen seine Sünden vergeben. So spricht er auch zuversichtlich gegen den Papst das Urteil aus, dass er verdammt sei mit seinem ganzen Reich, weil er mit allen seinen Mönchen und Hochschulen darauf fußt, dass wir durch das Verdienst nach Billigkeit die Gnade erlangen, nachher aber durch das Verdienst nach Würden in den Himmel aufgenommen werden.“49 Das gleiche gilt auch im Bezug auf die, die zwar meinen, durch den Glauben gerecht zu werden, aber durch den Glauben, der die Liebe dabei hat, also mit der Liebe vermengt wird im Blick auf die Rechtfertigung. „Hier aber ist das die Frage, wodurch wir gerecht werden und das ewige Leben erlangen? Hier antworten wir mit Paulus, dass wir allein wegen des Glaubens an Christus für gerecht erklärt werden, nicht wegen der Werke des Gesetzes oder wegen der Liebe; nicht dass wir die Werke oder die Liebe verwerfen, wie die Widersacher uns Schuld geben, sondern wir wollen uns von dem Hauptpunkt, um welchen der gegenwärtige Handel sich dreht, nicht ablenken lassen, was der Satan gerne wollte. Da wir es nun mit dem Lehrstück von der Rechtfertigung zu tun haben, so verwerfen und verdammen wir die Werke, denn dieser Artikel lässt es ganz und gar nicht zu, dass man von guten Werke handele.“50 Kein Werk, was immer es auch sei, hilft irgendwie zu Gerechtigkeit. „Kurz, so weise und gerecht die Menschen auch sein mögen nach der Vernunft und dem göttlichen Gesetz, so werden sie doch durch alle ihre Werke, Verdienste, Messen, höchste Gerechtigkeit und Gottesdienste nicht gerechtfertigt.“51

    Wenn daher Tuomo Mannermaa im Blick auf Luthers Theosis- oder Vergottungslehre behauptet, dass die Einwohnung Christi im Glauben die Rechtfertigung ausmache und Rechtfertigung und Heiligung oder Erneuerung nicht zu trennen seien51a, so ist diese Lehre grundfalsch und eine Anpassung an die falsche Vergottungslehre der Ostkirche, die allerdings, ähnlich der römisch-katholischen Kirche, Rechtfertigung und Heiligung vermengt. Gerade die ausführliche Auslegung des Galaterbriefes, die Mannermaa ja hauptsächlich für seine Aussagen zu Luthers Vergottungslehre heranzieht, besagt das Gegenteil. Das ist nämlich der rechtfertigende Glaube, dass ist gewiss bin, dass meine Sünde und mein Tod mit Christi Tod, weil er dabei auch meine Sünden getragen hat, abgetan sind, allein der Glaube rechtfertigt (zu Gal. 2,19). „Aber wir müssen diese Wohltat Christi mit festem Glauben erfassen, denn wie weder das Gesetz noch irgendein Werk, sondern allein Christus uns angeboten wird, so wird von uns auch nichts anderes verlangt, als der Glaube, der ergreifen und glauben soll, dass meine Sünde und mein Tod verdammt und abgetan worden sei in der Sünde und dem Tod Christi. So haben wir immer ganz gewisse Beweisgründe, aus welchen mit Notwendigkeit geschlossen werden muss, dass allein der Glaube rechtfertige. Denn wie sollten das Gesetz und die Werke mitwirken zur Rechtfertigung, da Paulus wider das Gesetz und die Werke streitet (agat) und klar sagt, dass wir dem Gesetze gestorben sein müssen, wenn wir Gott leben wollen? … Du aber setze jetzt das Gesetz und die Liebe beiseite an einen anderen Ort und für eine andere Zeit, und richte deine Aufmerksamkeit auf die Sache, um welche es sich hier handelt. Das ist aber die Sache, dass Jesus Christus, Gottes Sohn, am Kreuze stirbt und meine Sünde trägt an seinem Liebe, das Gesetz, den Tod, den Teufel und die Hölle.“51b

    Das macht auch diese Aussage deutlich (zu Gal. 2,20): „Da zeigt er klar, wie er lebe, und lehrt, welches die christliche Gerechtigkeit sei, nämlich diejenige, durch welche Christus in uns lebt, nicht die, welche in unserer Person ist. Deshalb muss, wenn von der christlichen Gerechtigkeit zu handeln ist, die Person gänzlich beiseite gesetzt werden. Denn wenn ich an der Person hafte oder von ihr sage, so wird aus der Person ein Werkheiliger, welcher dem Gesetz unterworfen ist, ich mag wollen oder nicht. Aber hier muss aus Christus und meinem Gewissen Ein Leib werden, so dass ich nichts anderes vor Augen behalte als den gekreuzigten und auferstandenen Christus.“51c Da hebt Luther ganz deutlich hervor, dass auch der Christus, der in uns wohnt, unsere Gerechtigkeit nur in der Hinsicht ist, dass er es ist als der Christus für uns, der uns unabhängig von uns eine fremde Gerechtigkeit erworben hat, eben durch seinen Gehorsam, Leiden und Sterben am Kreuz und seine Auferstehung. Die bringt er mit sich, an die hängt sich der Glaube, und durch den Glauben wohnt er dann ja in mir und bin ich in ihm. In der Auslegung zu Gal. 5,16 betont der Reformator deshalb auch, dass die Rechtfertigung nicht der Liebe zugeschrieben werden darf, sondern allein dem Christus, der keine Sünde getan, in dessen Mund auch kein Betrug erfunden war, also dem für uns leidenden Christus und der Gerechtigkeit, die er so für uns erworben hat. „Denn es ist ein großer Irrtum, dass man die Rechtfertigung der Liebe zuschreibt, welche doch nichts ist, oder wenn sie etwas ist, so ist sie doch nicht so groß, dass sie Gott versöhne, weil auch die Heiligen, wie ich gesagt habe, in diesem Leben unvollkommen und nicht rein lieben. Es wird aber nichts Unreines ins Himmelreich eingehen. Doch unterdessen werden wir durch diese Zuversicht aufrecht gehalten, dass Christus, welcher allein keine Sünde getan hat, und in dessen Munde kein Betrug erfunden worden ist, uns mit seiner Gerechtigkeit überschattet.“51d

 

7. Christus, unser Erlöser

    Christus ist für uns, wie 3,13 sagt, zu einem Fluch geworden, und zwar deshalb, weil er unsere Sünden auf sich genommen hat. Dadurch aber trifft ihn nun das Gesetz mit voller Wucht. „Paulus hat seine Worte wohl befestigt und deutlich geredet. Hier muss man aber wiederum einen Unterschied machen, wie die Worte Pauli genugsam anzeigen. Denn er sagt nicht, dass Christus ein Fluch geworden sei für sich, sondern ‚für uns‘. Es liegt also der Nachdruck auf dem Wort ‚für uns‘. Denn Christus, was seine Person anbelangt, ist unschuldig, hätte also  nicht an das Holz gehängt werden sollen. Weil aber nach dem Gesetz jeder Mörder gehängt werden sollte, so musste auch Christus nach dem Gesetz Moses gehängt werden, weil er die Person eines Sünders und Mörders an sich genommen hatte, und zwar nicht eines einzelnen, sondern aller Sünder und Mörder. Denn wir sind Sünder und Mörder, und darum des Todes und der ewigen Verdammnis schuldig. Aber Christus hat alle unsere Sünden auf sich genommen und ist für dieselben am Kreuz gestorben. Darum musste er ein Übeltäter werden und, wie Jesaja, Kap. 53,12, sagt, ‚unter die Übeltäter gerechnet werden‘.52 Das, und nur das, ist der Weg, wie er uns erlöst hat. „Sicherlich sind das nicht leere Worte bei Paulus: ‚Christus ward ein Fluch für uns‘ [Gal. 3,13]. ‚Gott hat Christus, der von keiner Sünde wusste, für uns zur Sünde gemacht, auf dass wir würden in ihm die Gerechtigkeit, die vor Gott gilt.‘ 2. Kor. 5,21.

    Auf ebendieselbe Weise nennt ihn Johannes der Täufer [Joh. 1,29] ‚Gottes Lamm, welches der Welt Sünde trägt‘. Er ist zwar unschuldig, weil er das unbefleckte und tadellose (incontaminatus) Gotteslamm ist, aber weil er die Sünden der Welt trägt, wird seine Unschuld mit den Sünden und der Schuld der ganzen Welt belastet. Alle Sünden, die ich, du und wir alle getan haben und künftig noch tun werden, sind Christi eigene Sünden, so, als ob er sie selbst getan hätte. Kurz, unsere Sünde muss Christi eigene Sünde werden, oder wir müssen in Ewigkeit verloren sein. … Und dies ist der höchste Trost der Gottseligen, dass Christus meine, deine und der ganzen Welt Sünde anziehe und sich da hineinwickele, und dass wir sehen, dass er alle unsere Sünden trägt, da er ja, wenn er auf diese Weise angesehen wird, leicht die schwärmerischen Meinungen der Sophisten von der Rechtfertigung aus den Werken hinwegnimmt. Denn sie erträumen sich einen durch die Liebe gestalteten Glauben und behaupten, dass durch denselben die Sünden weggenommen und die Menschen gerecht werden, was nichts anderes ist, als Christus ganz und gar aus den Sünden herausziehen und herauswickeln und ihn unschuldig machen, dagegen uns selbst mit unseren eigenen Sünden beschweren und überschütten, und sie nicht an Christus sehen wollen, sondern an uns; das ist in Wahrheit Christus wegnehmen und unnütz machen.

    Denn wenn es wahr ist, dass wir mit Werken des Gesetzes und durch die Liebe die Sünden abtun, dann nimmt Christus sie nicht weg. Wenn aber er das Lamm Gottes ist, von Ewigkeit dazu vorherverordnet, dass er die Sünden der Welt wegnehmen sollte, sodann auch sich freiwillig so in unsere Sünden eingewickelt hat, dass er ein Fluch für uns wurde, so folgt mit Notwendigkeit, dass wir durch die Liebe nicht gerecht werden und die Sünden nicht abtun können. Denn Gott hat unsere Sünden nicht auf uns gelegt, sondern auf seinen Sohn Christus, damit wir, indem die Strafe auf ihm läge, Frieden hätten, und wir durch seine Wunden geheilt würden [Jes. 53,5]. Darum können sie nicht durch uns hinweggenommen werden, und das bezeugt die ganze Schrift, und wir bekennen und beten es auch im christlichen Glauben, da wir sprechen: Ich glaube an Jesus Christus, Gottes Sohn, der für uns gelitten hat, gekreuzigt und gestorben ist.“53

    In Jesus Christus zeigt uns Gott der HERR seine Barmherzigkeit, seine Liebe. Aus diesen Motiven hat uns Jesus Christus gereinigt von unseren Sünden. „Hieraus ist offenbar, dass die Lehre des Evangeliums, die allerlieblichste Lehre und die so überaus voll ist des reichsten Trostes, nicht predige von unseren oder des Gesetzes Werken, sondern von der unbegreiflichen und unaussprechlichen Barmherzigkeit und Liebe Gottes gegen uns unwürdige und verlorene Menschen, nämlich, dass der barmherzige Vater, da er sah, dass wir durch den Fluch des Gesetzes unterdrückt und so darunter gehalten würden, dass wir uns selbst mit unseren Kräften niemals daraus hätten befreien können, seinen eingebornen Sohn in die Welt gesandt und alle Sünden aller Menschen auf ihn gelegt habe und gesagt: Du sollst Petrus sein, der da verleugnet hat; Paulus, der da verfolgt, gelästert und Gewalt geübt hat; David, der die Ehe gebrochen hat; der Sünder, der den Apfel im Paradies gegessene hat; der Schächer am Kreuz: Kurz, du sollst die Person sein, die alle Sünden aller Menschen getan hat; gedenke also, dass du bezahlst und für genugtust.

    Da kommt das Gesetz und spricht: Ich finde ihn als einen Sünder, und zwar einen solchen, der die Sünden aller Menschen auf sich genommen hat, und ich sehe außerdem keine Sünde als allein auf ihn, darum soll er am Kreuze sterben; und so greift es ihn an und tötet ihn.

    Da dies geschehen ist, ist die ganze Welt von allen Sünden gereinigt und gesühnt, also auch befreit vom Tode und von allem Übel.“54

    Christus allein konnte die Sünde nicht nur tragen, sondern auch überwinden, weil er wahrer Gott ist und daher seine Gerechtigkeit unüberwindlich. „Und hier siehst du, wie notwendig es sei, dass man den Artikel von der Gottheit Christi glaube und bekenne. Als Arius dies leugnete, musste er notwendigerweise auch den Artikel von der Erlösung leugnen. Denn die Sünde der Welt durch sich selbst überwinden, den Tod, den Fluch und den Zorn Gottes, das ist nicht das Werk irgendeiner Kreatur, sondern der göttlichen Macht. Darum muss der, welcher dieses durch sich selbst überwunden hat, wahrhaftig und von Natur Gott sein. Denn es muss dieser überaus großen Gewalt (der Sünde, dem Tod, dem Fluch), welche schlechterdings in der Welt und in aller Kreatur herrscht, eine andere, höhere Macht entgegengestellt werden, welche nirgends anders gefunden werden oder sein kann als bei Gott.

    Darum die Sünde abtun, den Tod zerstören, den Fluch wegnehmen durch sich selbst und Gerechtigkeit schenken, das Leben ans Licht bringen, den Segen geben, das heißt, jene Dinge zunichte machen und diese schaffen: Das sind allein Werke der göttlichen Macht. Weil aber die Schrift dies alles Christus zuschreibt, darum ist er selbst das Leben, die Gerechtigkeit und der Segen, der von Natur und wesentlich Gott ist. Deshalb verlieren diejenigen, welche die Gottheit Christi leugnen, schließlich das ganze Christentum, werden ganz und gar Heiden und Türken.“55 Das zeigt, wie wichtig es auch in der heutigen Zeit ist, die wahre Gottheit Christi unbedingt und auch gegen alle Angriffe festzuhalten, auch und gerade gegenüber all dem, was da vom Judentum und vom Islam an Angriffen kommt, die ja beide die Dreieinigkeit und damit auch die wahre Gottheit Christi leugnen und einen anderen als den wahren, den biblischen dreieinigen Gott haben.

    Jesus Christus hat also all das, was auf uns lag, auf sich genommen, er hat mit uns gewechselt, unsere sündliche Person an sich genommen und uns seine unschuldige, gerechte Person geschenkt. Nur so werden wir befreit von dem Fluch des Gesetzes. Weil er wahrer Gott ist, konnte der Tod ihn aber nicht halten, sondern er hat ihn siegreich für uns überwunden – und an dem Sieg gibt er uns Teil, wir haben ihn mittels des Glaubens an Jesus Christus als unserem alleinigen Erlöser. Darum haben wir die Gerechtigkeit, die vor Gott gilt, allein durch den Glauben, nicht durch die Liebe oder die Werke. „Aber weil er unsere Sünden, nicht gezwungen, sondern freiwillig auf sich genommen hatte, so musste er die Strafe und den Zorn Gottes tragen, nicht für seine Person, welche gerecht uns [für die Sünde] unüberwindlich war, darum konnte diese Person nicht schuldig werden, sondern für unsere Person.

    So hat er zu unserem Besten mit uns gewechselt und unsere sündliche Person an sich genommen und uns seine unschuldige und siegreiche Person geschenkt. Mit dieser angetan und bekleidet, werden wir von dem Fluch des Gesetzes befreit, weil Christus selbst willig für uns ein Fluch geworden ist. … Und da er nun in unserer Gestalt die Sünde der ganzen Welt trug, ist er ergriffen worden, hat gelitten, ist gekreuzigt, gestorben und für uns ein Fluch geworden. Weil er aber eine göttliche und ewige Person war, war es unmöglich, dass der Tod ihn hätte halten können. Darum stand er am dritten Tage wieder auf vom Tode und lebt jetzt in Ewigkeit, und an ihm wird keine Sünde, kein Tod, und unsere Gestalt nicht mehr gefunden, sondern nur Gerechtigkeit, Leben und ewiger Segen.

    Dies Bild müssen wir anschauen und in festem Glauben ergreifen. Wer das tut, der hat diese Unschuld und diesen Sieg Christi, wie ein großer Sünder er auch sein mag. Aber dies Bild kann nicht ergriffen werden durch die Liebe, welche in unserem Willen steht (voluntate delictionis), sondern nur durch die Vernunft, die durch den Glauben erleuchtet ist. Also werden wir allein durch den Glauben gerechtfertigt, weil allein der Glaube diesen Sieg Christi ergreift. Sofern du nun dieses glaubst, sofern hast du es. Wenn du glaubst, dass Sünde, Tod und Fluch abgetan sind, so sind sie abgetan, weil Christus diese in sich selbst besiegt und hinweggenommen hat und will, dass wir glauben, dass, gleichwie in seiner Person keine Gestalt des Sünders, keine Spur des Todes mehr vorhanden ist, so auch in unserer Person dessen nichts mehr sei, da er alles für uns ausgerichtet hat usw.“56

 

    Durch den Glauben wohnt Christus im Glauben in uns, nicht nur geistlich, sondern real: Er in uns und wir in ihm, dass wir geradezu eine Person mit ihm werden, vergottet werden. Das ist aber logisch (nicht zeitlich) eine Frucht der Rechtfertigung, nicht Voraussetzung der Rechtfertigung oder die Rechtfertigung selbst. Daraus können wir großen Trost ziehen, weil Christus seine Reinheit, seine Gnade, seinen Frieden mit sich bringt und unsere Sünde, unsere Not, unsere Gottlosigkeit auf sich nimmt. „Da aber Christus in mir lebt, so tut er das Gesetz ab, verdammt die Sünde, tötet den Tod, weil diese, wo er gegenwärtig ist, notwendigerweise verschwinden müssen. Denn Christus ist der ewige Friede, Trost, Gerechtigkeit und Leben; diesen aber muss der Schrecken des Gesetzes, Betrübnis der Seele, Sünde, Hölle und Tod weichen. So nimmt Christus, der in mir bleibt und lebt, alles Übel, was mich quält und plagt, hinweg und verschlingt es. Deshalb bewirkt dieses Innewohnen [Christi], dass ich von den Schrecken des Gesetzes und der Sünde befreit werde, aus meiner Haut herausgenommen und in Christus und in sein Reich versetzt werde, welches ein Reich ist der Gnade, der Gerechtigkeit, des Friedens, der Freude, des Lebens, der Seligkeit und der ewigen Herrlichkeit. Da ich aber in ihm lebe, kann mir kein Unglück schaden.“57 Damit habe ich Teil an allem, was Christus hat. „Aber weil er in mir lebt, darum gehört alles, was in mir ist an Gnade, Gerechtigkeit, Leben, Frieden, Seligkeit, Christus selbst zu, und dennoch ist es auch mein durch die enge Verbindung und das Innewohnen, welches durch den Glauben geschieht, wodurch Christus und ich gleichsam Ein Leib im Geiste werden. Weil daher Christus in mir lebt, so muss zugleich mit ihm Gnade, Gerechtigkeit, Leben und ewige Seligkeit da sein, und das Gesetz, die Sünde, der Tod weg sein, ja, das Gesetz muss vom Gesetz, die Sünde von der Sünde, der Tod vom Tode, der Teufel vom Teufel gekreuzigt, verschlungen und abgetan werden.“58 Aber diesen Christus in uns haben wir nicht in Herrlichkeit, sondern Gott offenbart sich uns weiter in Niedrigkeit und bedeckt seine Kirche mit Schwachheit, Sünden und anderen Weisen des Kreuzes.

    Auch in seiner Auslegung von Ps. 51 betont Luther diese reale Gegenwart Christi, überhaupt des dreieinigen Gottes, im Gläubigen. „Es wohnt also der wahre (verus) Geist in den Gläubigen nicht allein durch die Gaben, sondern nach seinem Wesen (substantiam). Denn er gibt seine Gaben nicht in solcher Weise, dass er selbst anderswo sei, oder schlafe, sondern er ist bei seinen Gaben und bei seiner Kreatur mit Erhalten, Regieren, Stärkegeben usw.“59

    Alles, was ich aufgrund der Rechtfertigung habe, habe ich allein im Blick auf Christus, nicht aus mir. Nicht ich steige empor zu Gott, sondern Gott kommt vielmehr in Christus zu mir herunter, nimmt meine Sünde, mein Elend, meinen Tod auf sich, hat das Gesetz für mich erfüllt und hilft mir nun, weil er in mir lebt (Gal. 2,20), in den Niedrigkeiten und Schwachheiten dieses Lebens zu stehen. „Denn sofern sie auf sich selbst sehen, haben sie das Gesetz und die Sünde, sofern sie aber auf Christus sehen, sind sie dem Gesetz abgest9rben, haben keine Sünde usw. Darum, wenn du in der Sache der Rechtfertigung einen Unterschied machst zwischen der Person Christi und deiner Person, so bist du unter dem Gesetz und bleibst darunter, und lebst in dir, nicht in Christus, was nichts anderes ist, als vom Gesetz verdammt werden und tot sein vor Gott, weil du einen solchen Glauben hast, wie die Sophisten in ihrer läppischen Weise davon reden, der durch die Liebe gestaltet worden ist (informatam caritate). … Deshalb muss der Glaube rein gelehrt werden, nämlich dass du durch denselben mit Christus so eng verbunden werdest, dass aus dir und ihm gleichsam Eine Person werde, welche von ihm nicht getrennt werden könne, sondern ihm beständig anhangen, so dass du zuversichtlich sagen könnest: Ich bin Christus, das heißt, Christi Gerechtigkeit, Sieg, Leben usw. ist mein; und Christus wiederum sage: Ich bin jener Sünder, das heißt, seine Sünden, Tod, usw. sind mein, weil er an mir hangt, und ich an ihm, denn wir sind durch den Glauben zu Einem Fleisch und Bein verbunden, Eph. 5,30: ‚Wir sind Glieder des Leibes Christi, von seinem Fleisch und von seinem Gebein‘, so dass dieser Glaube Christus und mich enger verbindet, als ein Ehemann mit seiner Ehefrau verbunden ist.“60

    Die Gerechtigkeit Gottes ist also in keiner Weise etwas, woran der Mensch in irgendeiner Weise beteiligt ist, sondern reines Geschenk um Christi willen. „Deshalb seid dessen eingedenk, dass die Gerechtigkeit Gottes die sei, durch welche wir gerecht gemacht werden, oder die Gabe der Vergebung der Sünden. Diese Gerechtigkeit Gottes ist eine angenehme, denn sie macht aus Gott nicht einen gerechten Richter, sondern einen verzeihenden Vater, der seiner Gerechtigkeit gebrauchen will, nicht um die Sünder zu richten, sondern um sie gerecht zu machen und loszusprechen. … David … scheidet von allen diesen Gottesdiensten [der Religionen] diesen Einen, der da geschieht durch den Glauben an Christus, durch welchen die Sünden vergeben werden, und die Gerechtigkeit mit dem ewigen Leben geschenkt wird, ohne Werke und ohne Verdienste, nur um deswillen, weil Gott barmherzig ist und durch Christus verzeiht.“61

THEOLOGISCHE ANMERKUNGEN

 

Hat Luther recht getan, dass er bei seiner Übersetzung von Römer 3,28 das Wort „allein“ eingefügt hat? (Der nachfolgende Text ist entnommen aus: Georg Stöckhardt: Commentar über den Brief Pauli an die Römer. St. Louis, Mo.: Concordia Publishing House. 1907. S. 164-167) Was das heißt, dass der Mensch durch den Glauben gerecht wird, [in]wiefern der Glaube rechtfertigt, was es um den rechtfertigenden Glauben ist, das macht der Apostel nun noch klarer und deutlicher, indem er hinzufügt chooris ergoon nomou. „Ohne des Gesetzes Werke“, abgesondert von des Gesetzes Werken wird der Mensch gerecht. Des Gesetzes Werke konkurrieren hierbei in keiner Weise, bestimmen Gott nicht im mindesten, auch nicht zum geringsten Teil, dem Sünder ein günstiges Urteil zu sprechen, kommen vor Gott, wenn er den Menschen rechtfertigt, gar nicht in Betracht. „Dass dadurch alle eigenen Werke, Verdienst, Würdigkeit, Ruhm und Vertrauen aller unserer Werke in dem Artikel von der Rechtfertigung ganz und gar ausgeschlossen werden, also dass unser Werk weder Ursach noch Verdienst der Rechtfertigung, darauf Gott in diesem Artikel und Handlung sehen, oder wir uns darauf verlassen möchten und sollten, noch zum Ganzen, noch zum Halben, noch zum wenigsten Teil gesetzt und gehalten sollen werden.“ Konkordienformel, Ausf. Darl., Art. 3. Müller S. 618. Diese Näherbestimmung chooris ergoon nomou schließt in sich, dass der Mensch allein durch den Glauben gerecht wird. Entweder wird der Mensch durch den Glauben oder durch die Werke gerecht. Tertium non datur. [Etwas Drittes gibt es nicht.] Nun sind die Werke gänzlich abgesondert und ausgeschlossen. Also bleibt nur der Glaube übrig. So ist das sola, sola fide, das „allein durch den Glauben“ in der Lutherischen Übersetzung nicht nur dem Kontext entsprechend, sondern vom Text selbst gegeben. „Wir glauben, lehren und bekennen, dass zur Erhaltung reiner Lehre von der Gerechtigkeit des Glaubens vor Gott über den particulis exclusivis [ausschließende Worte], das ist über nachfolgende Worte des heiligen Apostels Pauli, dadurch der Verdienst Christi von unsern Werken gänzlich abgesondert und Christus die Ehre allein gegeben, mit besonderm Fleiß zu halten sei, da der heilige Apostel Paulus schreibt: Aus Gnaden, ohne Verdienst, ohne Gesetz, ohne Werke, nicht aus den Werken, welche Worte alle zugleich so viel heißen wie: allein durch den Glauben an Christus werden wir gerecht und selig.“ Konkordienformel, Kurze Darl., Art. 3, Müller S. 529. So haben wir auch schon vor Luther die italienischen Übersetzungen zu Genua 1476 und Venedig 1538 per la sola fede, auch die katholische Nürnberger Bibelausgabe 1483 „nur durch den Glauben“ (auch Gal. 2,16, wo Luther das „allein“ nicht hat).  … Es möge hier noch die klassische Stelle aus Luthers Sendbrief vom Dolmetschen, in welcher derselbe seine Übersetzung von Röm. 3,28 rechtfertigt, einen Platz finden. „Ich habe eure Schrift empfangen mit den zwei Quästionen oder Fragen, darin ihr meines Berichts begehrt; erstlich, warum ich in Römer im 3. Kapitel die Worte St. Pauli Arbitramur, hominem justificari ex fide absque operibus so verdeutscht habe: Wir halten, dass der Mensch gerecht werde ohne des Gesetzes Werk, allein durch den Glauben. Und zeigen daneben an, wie die Papisten sich über die Maßen unnütze machen, weil im Text Pauli nicht steht das Wort sola, allein, und sei solcher Zusatz von mir nicht zu leiden in Gottes Worten usw. Ich habe hier Röm. 3 sehr wohl gewusst, dass im lateinischen und griechischen Text das Wort solum nicht steht, und hätten mich solches die Papisten nicht müssen lehren. Wahr ist’s, diese vier Buchstaben, sola, stehen nicht drinnen, welche Buchstaben die Eselsköpfe ansehen, wie die Kuh ein neues Tor. Sehen aber nicht, dass gleichwohl die Meinung des Textes in sich hat, und wo man’s will klar und gewaltig verdeutschen, so gehört es hinein. Denn ich habe deutsch, nicht lateinisch noch griechisch reden wollen, da ich deutsch zu reden im Dolmetschen vorgenommen hatte. Das ist aber die Art unserer deutschen Sprache, wenn sich eine Rede begibt von zwei Dingen, der man eins bekennt und das andere verneint, so braucht man das Wort solum, allein, neben dem Wort nicht oder kein. Als wenn man sagt: Der Bauer bringt allein Korn und kein Geld. Nein, ich habe wahrlich jetzt kein Geld, sondern allein Korn. Ich habe allein gegeben und noch nicht getrunken. Hast du allein geschrieben und nicht übergelesen? Und dergleichen unzählige Weise im täglichen Gebrauch. In diesen Reden allen, ob’s gleich die lateinische oder griechische Sprache nicht tut, so tut’s doch die deutsche, und ist ihre Art, dass sie das Wort allein hinzusetzt, auf dass das Wort nicht oder kein desto völliger und deutlicher sei. Denn wiewohl ich auch sage: Der Bauer bringt Korn und kein Geld, so lautet doch das Wort kein Geld nicht so völlig und deutlich, als wenn ich sage: Der Bauer bringt allein Korn und kein Geld; und hilft hier das Wort allein dem Wort kein so viel, dass es eine völlige deutsche klare Rede wird. Denn man muss nicht die Buchstaben in der lateinischen Sprache fragen, wie man soll deutsch reden, wie diese Esel tun, sondern man muss die Mutter im Hause, die Kinder auf der Gasse, den gemeinen Mann auf dem Markt darum fragen, und denselben auf das Maul sehen, wie sie reden, und darnach dolmetschen, so verstehen sie es dann und merken, dass man deutsch mit ihnen redet. … Aber nun habe ich nicht allein der Sprachen Art vertraut und gefolgt, dass ich Röm. 3,28 solum, allein, habe hinzugesetzt; sondern der Text und die Meinung St. Pauli fordern und erzwingen’s mit Gewalt. Denn er handelt ja daselbst das Hauptstück christlicher Lehre, nämlich dass wir durch den Glauben an Christus, ohne alle Werke des Gesetzes, gerecht werden, und schneidet alle Werke so rein ab, dass er auch spricht, des Gesetzes, das doch Gottes Gesetz und Wort ist, Werke nicht helfen zur Gerechtigkeit. … Wo man aber alle Werke so rein abschneidet, da muss ja die Meinung sein, dass allein der Glaube gerecht mache. Und wer deutlich und dürre von solchem Abschneiden der Werke reden will, der muss sagen: allein der Glaube, und nicht die Werke machen uns gerecht. Das zwingt die Sache selbst neben der Sprachen Art. Lieber, was soll man sagen, ist’s nicht viel ärgerlicher, dass St. Paulus selbst nicht sagt, allein der Glaube, sondern schüttet’s wohl gröber heraus und stößt dem Fass den Boden aus und spricht, ohne des Gesetzes Werke? Und Gal. 2,16: Nicht durch die Werke des Gesetzes, und des viel mehr an andern Orten. Denn das Wort, allein der Glaube, möchte noch eine Glosse finden, aber das Wort, ohne Werke des Gesetzes, ist so grob, ärgerlich, schändlich, dass man mit keiner Glosse helfen kann. Wie viel mehr möchten hieraus die Leute lernen, keine guten Werke zu tun, da sie hören mit so dürren, starken Worten von den Werken selbst predigen: keine Werke, ohne Werke, nicht durch Werke. Ist nun das nicht ärgerlich, dass man, ohne Werke, keine Werke, nicht durch Werke, predigt, was sollt’s denn ärgerlich sein, so man dies, allein der Glaube, predigt? … Sage mir doch, ob Christi Tod und Auferstehen unser Werk sei, das wir tun, oder nicht? Es ist ja nicht unser Werk, noch einiges Gesetzes Werk. Nun macht uns ja allein Christi Tod und Auferstehen frei von Sünden und fromm, wie St. Paulus sagt Röm. 4: Er ist gestorben um unserer Sünde willen und auferstanden um unserer Gerechtigkeit willen. Weiter sage mir, welches ist das Werk,  damit wir Christi Tod und Auferstehung fassen und halten? Es kann ja kein äußerlich Werk, sondern allein der einige Glaube im Herzen sein; derselbe allein, ja gar allein, und ohne alle Werke, fasst solchen Tod und Auferstehen, wo es gepredigt wird durchs Evangelium. Was ist’s denn nun, dass man so tobt und wütet, ketzert und brennt, so die Sache im Grunde selbst klar da liegt und beweist, dass allein der Glaube Christi Tod und Auferstehung fasse ohne alle Werke, und derselbe Tod und Auferstehen sei unser Leben und Gerechtigkeit? … Auch bin ich’s nicht allein, noch der erste, der da sagt, allein der Glaube macht gerecht; es hat es vor mir Ambrosius, Augustinus und viele andere gesagt. Und wer St. Paulus lesen und verstehen soll, der muss wohl so sagen, und kann nicht anders, seine Worte sind zu stark und leiden kein, ja gar kein Werk. Ist’s kein Werk, so muss es der Glaube allein sein.“

 

ZEICHEN DER ZEIT

 

Aus anderen Kirchen:

Evangelikale öffnen sich Yoga und damit dem Heidentum: In der Zeitschrift DRAN NEXT des linken Bundesverlages ist unter dem Titel „Mit Gott auf der Matte“ ein Artikel erschienen, der sogenannten „Holy Yoga“ propagiert, das heißt, die okkulten Praktiken des in Hinduismus und Buddhismus verwurzelten und beheimateten Yoga nun auch unter „evangelikalen“ Christen verbreiten will. Der Hintergrund des Yoga, die geistlichen, seelischen und medizinischen Gefahren, die damit verbunden sind, werden völlig ausgeblendet. (nach: Topic 08/2017, S. 4) Die Blindheit gerade im evangelikalen Bereich, nimmt immer mehr zu und geradezu erschreckende Ausmaße an. Das ist das Ergebnis, wenn die biblische Lehre, die unteilbare biblische Wahrheit nicht hochgehalten und geehrt wird, sondern wenn man letztlich immer eine unionistische, ökumenische Linie gefahren ist, die nun auch noch synkretistisch erweitert wird.

Reformierte und evangelikale Kreise veröffentlichen Erklärung zur Reformation: Mit dem „Reforming Catholic Confession“ haben reformierte und evangelikale Kreise versucht, eine „Einheit“ auf der Grundlage der Reformation darzustellen, die mehr Anspruch auf Katholizität vermitteln soll, als ihn Rom oder der Ostkirche zukommt. Nun ist es ja allerdings richtig, dass das Gros der christlichen Kirchen allerdings aus dem reformierten Umfeld kommen und diese oftmals nur in geringfügigeren Dingen sich unterscheiden. Allerdings bietet auch dieses Papier keine wirklich Grundlage für eine wahre „Einheit“ dieser Kreise dar, da etwa die Lehren der völligen Verdorbenheit des natürlichen Menschen, des unfreien Willens, der Bekehrung als alleinigem Werk Gottes – alles Punkte, in denen Reformierte sich von Evangelikalen unterscheiden – gar nicht angesprochen werden; ebenso wird die Lehre von der Taufe nur sehr oberflächlich behandelt, wie auch die Lehre von den letzten Dingen.

Von irgendeinem Zugehen auf das Luthertum – immerhin ist Martin Luther das Werkzeug Gottes für die Kirchenreformation gewesen und die lutherische Kirche und Theologie daher eines ihrer bedeutendsten Früchte – kann dagegen überhaupt nicht die Rede sein. Es scheint auch keinerlei Versuche einer Gesprächsaufnahme zu konservativen lutherischen Kirchen in den Staaten gegeben zu haben. Insofern ist die Erklärung eine Anmaßung, da hier – wieder einmal, in der Geschichte der Kirche leider nichts Neues, sondern sehr Geläufiges – reformierte Kreise für sich in Anspruch nehmen, die Reformation zu vertreten. Die Unterscheidungslehren zwischen Luthertum und Reformierten sind in dieser Erklärung verständlicherweise nicht angesprochen und noch weniger ausgeräumt. (Die Erklärung kann gefunden werden unter: http://reformingcatholicconfession.com/about/)

 

Lebensrecht:

Kinder eine Umweltbelastung? In einer Studie von „Forschern“ der Universität Lund in Schweden, Seth Wynes und Dr. Kimberly Nicholas, wird behauptet, Familien mit Kindern seien die „größte menschengemachte Umweltbelastung“. Die Studie empfiehlt deshalb den Verzicht auf Kinder. Angeblich läge die C02-Belastung durch ein Kind im Jahr bei 58 to, während sie durch einen Pkw nur auf 2,4 to käme (wobei natürlich verschwiegen wurde, dass CO2 zum „Klimawandel“ gar nichts mehr beiträgt, da schon seit gut drei Jahrzehnten die Atmosphäre im Blick auf CO2 gesättigt ist). Die „Forscher“ empfehlen daher, beim „Kampf gegen den Klimawandel“ vor allem die Familienplanung in den Blick zu nehmen und auch in den Lehrbüchern und Schulen zu verbreiten. Die traditionelle kinderreiche Familie sei als „klimafeindlicher Lebensstil“ zu brandmarken. (nach: https://www.patriotpetition.org/2017/08/07/kinderkriegen-ist-keine-umweltsuende/) Diese „Studie“ zeigt, wie zutiefst gottlos und antichristlich die EU, besonders Schweden, bereits ist, wie sehr die Menschenverachtung einerseits und die Vergötzung von Klima und Natur verbreitet ist, was ja beim Abfall von Gott kein Wunder ist. Dieser Westen ist wahrhaft gerichtsreif!

FDP will Leihmutterschaft ermöglichen: Die brutalkapitalistischen Freien Demokraten sprechen sich in ihrem Wahlprogramm dafür aus, unter Auflagen Leihmutterschaft zuzulassen. Bisher ist dies durch das Embryonenschutzgesetz, das der austragenden Mutter automatisch auch rechtlich die Mutterschaft sichert, verboten. Leihmutterschaft stellt eine rücksichtslose und menschenverachtende Ausbeutung von Frauen dar und zerstört die von Gott vorgegebene Mutter-Kind-Bindung, die nicht zuletzt durch die zehnmonatige Schwangerschaft in besonderer Weise wächst. (nach: https://www.civilpetition.de/kampagne/nein-zur-leihmutterschaft/startseite/aktion/181876Z14694/) Hier wird einmal mehr der zunehmend gottlose und dadurch menschenverachtende Charakter des westlichen Ungeistes deutlich, dem auch Mutterschaft nichts ist, dagegen Profit alles, und der aus allem ein Geschäft macht und auch skrupellos die Not von Menschen in der sogenannten Dritten Welt oder in Osteuropa ausbeutet.

Abtreibung ist Rassismus: Das sagte Alveda King, eine Nichte von Martin Luther King, und fügte hinzu, dass durch Abtreibung den Kindern im Mutterleib ihr Menschenrecht genommen wird. Sie äußerte dies im Zusammenhang mit den rassistischen Vorgängen in Charlottesville, die sie ebenso klar verurteilte, und dann hinzufügte, dass ebenso auch Abtreibung Rassismus ist. (nach:  http://www.lifenews.com/2017/08/14/martin-luther-king-jrs-niece-alveda-king-abortion-is-racism-and-takes-away-the-civil-rights-of-unborn-babies/)

Gesundheitsvorsorge als Vehikel für Abtreibung: Unter dem Schlagwort „Medicare for All“ haben linke US-Senatoren der Demokraten eine Gesetzesinitiative eingebracht, mit deren Hilfe sie Abtreibung für alle, bezahlt von Steuermitteln, durchsetzen und zugleich Einschränkungen des Abtreibungsrechts, wie etwa das Hyde Amendment, aushebeln wollen. Durch das Hyde Amendment wurde bisher in den meisten Fällen verhindert, dass es Abtreibung auf Kosten der Steuerzahler gibt, wodurch, nach Schätzungen der Lebensrechtsorganisationen, wohl an eine Million Kinder vor Ermordung geschützt wurden. Würde das Hyde Amendment gekippt, das jahrelang eine breite Unterstützung in der Bevölkerung und bei beiden Parteien hatte, so würden ca. 33.000 Kinder mehr jedes Jahr durch Abtreibung getötet. Der von Bernie Sanders ausgearbeitete Entwurf läuft darauf hinaus, das gesamte Gesundheitswesen faktisch staatlich zu lenken und mit Steuermitteln zu finanzieren und so die Zentralisierung weiterer Teile des Lebens voranzutreiben. Die Washington Post hatte zu diesem, schon während des Präsidentschaftswahlkampfes von Sanders vorgelegten, Plan geschrieben, dass er wohl innerhalb von 10 Jahren 32 Billionen US-Dollar kosten und zu gewaltigen Steuererhöhungen führen würde, laut CNN wären es 1,4 Billionen Dollar jährlich, eine Erhöhung der Einkommenssteuer um 2,2 % und weitere Steuererhöhungen. (nach: http://www.lifenews.com/2017/09/14/democrat-senator-lets-pass-medicare-for-all-and-force-americans-to-fund-abortions/)

US-Regierung will Leben von der Empfängnis bis zum natürlichen Tod schützen: Die Administration von US-Präsident Trump hat erklärt, dass sie das Leben von der Empfängnis bis zum natürlichen Tod schützen möchte. Das gibt die Linie vor, die im Bereich der Gesundheits- und Bevölkerungspolitik von der US-Regierung verfolgt wird und die vor allem Abtreibungsbefürwortern missfällt. (nach: http://www.lifenews.com/2017/10/13/trump-administration-changes-obama-policy-now-confirms-human-life-begins-at-conception/)

Angriff auf Embryonenschutzgesetz: 16 „Wissenschaftler“ in der BRD haben in der Reihe „Leopoldina Diskussion“ eine völlige Überarbeitung des Embryonenschutzgesetzes gefordert, die Öffnung für Leihmutterschaft und Eizellspende sowie künstliche Befruchtung für Homosexuelle und Single-Embryo-Transfer (bei dem nach der In-Vitro-Fertilisation einer der Embryonen besonders behandelt wird, der als „erfolgversprechend“ gilt, damit nur dieser dann eingepflanzt wird, weil Mehrlingsschwangerschaften als „Risiko“ gelten). (nach: ALfA-newsletter vom 22.10.2017) Das ist deutlicher Ausdruck einer gottlosen, am Profit orientierten unmoralischen bürgerlich-kapitalistischen Gesellschaft, wie sie im Westen im Allgemeinen und der BRD im Besonderen vorzufinden ist. Aber was der Mensch sät, das wird er ernten; denn Gottes Mühlen mahlen wohl langsam, aber trefflich gut.

Bio“ethiker“ will Ermordung von Babys im Mutterleib mit Down-Syndrom forcieren: Der niederländische Bio“ethiker“ Marcel Zuijderland hat gefordert, die Ermordung von Kindern im Mutterleib, die Hinweise auf Down-Syndrom haben, zu forcieren, denn das Rijksinstituut voor Volksgezondheid habe festgestellt, dass es sich bei Down-Syndrom um die teuerste Krankheit handele – und man müsse doch Verständnis haben, dass Eltern es „als moralische Pflicht ansähen“ dem Gesundheitssystem nicht solche Kosten zumuten zu wollen. (nach: ALfA-newsletter vom 22.10.2017) Allein schon diese Sprache ist widerlich und zeigt das völlig perverse, gottlose, materialistische Denken, das im Westen immer mehr um sich greift und entlarvt immer mehr den verbrecherischen Grundcharakter des von jeglichen ethisch-religiösen Bindungen gelösten Materialismus/Kapitalismus.

Mutter in Michigan inhaftiert, weil sie ihren Sohn nicht mit Impfstoff, der Zellen abgetriebener Babys enthält, impfen lassen wollte. In Michigan wurde kürzlich Rebecca Bredow für sieben Tage inhaftiert, weil sie sich weigerte, ihren Sohn mit einem Impfstoff impfen zu lassen, der Zellen abgetriebener gesunder Babys enthält. Das Problem in diesem Bereich ist, dass aufgrund der weitverbreiteten Gottlosigkeit die kapitalistischen Firmen zunehmend bei der Herstellung von Impfstoffen auf die Zellen im Mutterleib ermordeter Babys zurückgreifen, obwohl alle Impfstoffe auch durch Zellen aus anderen Zell-Linien hergestellt werden könnten. Für bestimmte Impfungen, wie gegen Windpocken, Hepatitis A, Mumps, Masern und Rubella, gibt es, zumindest in den USA, keine alternativen Impfstoffe. (nach: http://www.lifenews.com/2017/10/27/mom-jailed-for-not-vaccinating-her-son-with-vaccine-that-uses-cells-from-aborted-babies/)

 

Religionsfreiheit, politisch-ideologische Tendenzen, Schulen:

Multikulturelle Gesellschaft als Staatsdogma: Die UN, die EU, Weltbank und viele Nichtregierungsorganisationen (NGOs) haben die multikulturelle Gesellschaft zum Dogma erhoben und sehen in der nationalen Souveränität ein Feindbild und wollen sie daher mit allen Mitteln zerstören. Dahinter stehen nicht zuletzt auch die multinationalen Großkonzerne (nicht zuletzt Männer wie George Soros, der ja alles daran setzt, nationale Staaten und Einrichtungen zu zerstören, um sogenannte „offene Gesellschaften“ durchzusetzen), die nur in einer globalisierten Multikulti-Welt hoffen, das Ausbeutungspotential am besten ausschöpfen zu können. Darum wollen sie die volkliche und kulturelle Identität vernichten. Gerade der internationalen Finanzwelt geht es darum, Kredite und Staatsanleihen ins Unermessliche zu steigern. Und wenn alle nationalen und kulturellen Schranken gefallen sind, hoffen sie, das umso besser umsetzen zu können. Das ist der Hintergrund, warum gerade in den angeblich „freien“ Ländern des Westens konträre Meinungen massiv unterdrückt und diffamiert werden.

    Der derzeitige UN-Migrations-Sonderberichterstatter und ehemalige EU-Kommissar Peter Sutherland hat schon vor fünf Jahren behauptet, die EU solle die ethnische Homogenität der Völker in der EU auflösen. Solche Forderungen bilden auch den Hintergrund für die Migrationsströme aus dem Nahen Osten und dem nördlichen Afrika. Sie sollen gerade dazu dienen. Daher auch die faktische Gleichschaltung der Medien, vor allem in der BRD, die Sprachregelungen, die aus Asylanten plötzlich Flüchtlinge machte und es als unmenschlich bezeichnete, sie abzulehnen.

    Auch ein weiteres Phänomen hängt damit zusammen: Die immer stärker werdende und verbreitete Kritik am Christentum, während Kritik am Islam nach Möglichkeit unterdrückt, ja sogar verfolgt wird. So wurde etwa der Atheist Richard Dawkins von der US-Elite-Universität Berkeley dieses Jahr ausgeladen, weil er nicht nur am Christentum, sondern auch am Islam Kritik übte. (nach: http://www.freiewelt.net/reportage/un-eu-weltbank-und-ngos-haben-die-multikulti-gesellschaft-zum-dogma-gemacht-10071641/)

Staatstrojaner als Instrument der umfassenden Ausspähung: Als eine seiner letzten Amtshandlungen hat der Bundestag der BRD den Staatstrojaner zugelassen. Er ermöglicht die umfassende Ausspähung von Menschen. Wie etwa Mexiko oder die Vereinigten Arabischen Emirate zeigen, wird er schnell auch gegen dem Staat missliebige Personen eingesetzt, um sie auszuspähen und etwas gegen sie zu sammeln. Er ist ein weiterer Schritt zur totalen Überwachung in einem totalitären Zwangsstaat. (nach: Email Beatrix von Storch vom 12.08.2017)

Chip für jeden Menschen? Der Soziologe Noelle Chelsley von der University of Wisconsin in Milwaukee ist der Ansicht, dass, zwar nicht in kurzer, aber absehbarer Zeit, allen Menschen ein Chip eingepflanzt werde, vielleicht zunächst ohne GPS, auf dem alle seine Daten, einschließlich Kontodaten, enthalten seien, über den auch die Bezahlung laufe. (nach: http://www.freiewelt.net/nachricht/us-professor-es-sei-nur-eine-frage-der-zeit-bis-allen-ein-microchip-implantiert-ist-10071759/) Das wäre dann der totale Überwachungsstaat, der ja von vielen westlichen Politikern anscheinend angestrebt wird, ein totalitäres System, gegenüber dem Hitlers und Stalins Regime und auch Mielkes System in der DDR hinsichtlich Überwachung und Ausspähung geradezu Kinderkram waren, selbst George Orwell noch übertroffen würde.

Ukraine feiert Nazi-Größen: Seit dem vom Westen, vor allem den USA, inszenierten Umsturz in der Ukraine werden nicht zuletzt solche Gestalten der jüngeren ukrainischen Geschichte, die für Massenmorde an Polen, Juden und Russen verantwortlich sind, wie Stepan Bandera, Roman Shukhevych oder auch Dmytro Paliiv gefeiert, und zwar mit staatlicher Hilfe. So wurde jüngst eine Straße in Kalusch, in der Nähe Lembergs, nach Dmitro Paliiv benannt, der Kommandeur der 14. Grenadierdivision der Waffen-SS, auch 1. Galizische Division genannt, war und verantwortlich für unzählige Morde an Juden. Kritiker solcher Entscheidungen, wie der Veteran Mikhail Voroniak, werden massiv bedroht. (nach: https://www.timesofisrael.com/activist-threatened-for-opposing-ukraine-citys-honoring-of-nazi-ss-officer/?utm_source=The+Times+of+Israel+Daily+Edition&utm_campaign=c200ebf393-EMAIL_CAMPAIGN_2017_10_14&utm_medium=email&utm_term=0_adb46cec92-c200ebf393-54510473) Es ist schon sehr bezeichnend, auf welche Verbündete der Westen in seinem krankhaften Russenhass setzt.

Grüne geben sich mütterfeindlich: Die grüne Bezirksbürgermeisterin von Friedrichshain-Kreuzberg, Monika Herrmann, lässt in einer Broschüre, in der es um sexistische und frauenfeindliche Werbung geht, unter anderem als diskriminierend aufführen, wenn Frauen als fürsorglich oder als mit Freude im Haushalt wirkend dargestellt werden (S. 6). Ebenso sei es „diskriminierend“, wenn Jungen mit der Farbe blau und mit Technik spielend, Mädchen mit der Farbe rosa und mit Puppen spielend dargestellt würden (ebd.) Die Richtung wird weiter deutlich in der Sprache, wenn immer wieder vom „biologischen und sozial konstruierten Geschlecht“ die Rede ist. (nach: Broschüre „Sexism shouldn’t sell“; einsehbar über: https://www.berlin.de/ba-friedrichshain-kreuzberg/politik-und-verwaltung/beauftragte/gleichstellung/frauenfeindliche-werbung/) Damit wird im Rahmen der linken Genderideologie geleugnet, dass die Unterschiede von Mann und Frau, körperlich wie seelisch, und damit auch im Blick auf ihre verschiedenen Aufgaben in Familie, Volk und Staat vorgegeben und von Gott gewollt sind. Vielmehr sollen diese Unterschiede gewaltsam nivelliert und alle vorgegebenen Ordnungen sollen zerstört werden. Damit outen sich die Grünen einmal mehr als menschenfeindlich und linksextrem.

 

Islam und islamische Welt:

Antisemitismus bei Migranten in Österreich stark verbreitet: Laut einer Studie der Donau-Universität in Krems, die dazu 1.100 „Migranten“ aus Afghanistan, Irak, Syrien, Tschetschenien, Somalia und dem Iran befragte, ist der Antisemitismus bei denjenigen aus dem Nahen Osten, den Iran ausgenommen, weit verbreitet. Ein Viertel der Befragten meinte, dass die Scharia in Österreich berücksichtigt werden sollte. Dass sie Mehrzahl nur muslimische Ehepartner heiraten will, ist verständlich und sollte umgekehrt bei Christen genauso sein. Mehr als die Hälfte war allerdings auch der Meinung, dass Männer Frauen aus religiösen Gründen nicht die Hand geben sollte, was mit unserer Kultur völlig unvereinbar ist. (nach: http://www.freiewelt.net/nachricht/studie-in-oesterreich-antisemitismus-bei-migranten-stark-ausgepraegt-10071757/)

Erdogan-Regime raubt christliche Güter: Mindestens 100 historische Güter der aramäisch-sprachigen Kirchen in der Südost-Türkei sind in den vergangenen fünf Jahren durch das Erdogan-Regime geraubt worden, Kirchengebäude, Klöster, Friedhöfe, Ländereien, Monumente. Sie ging dabei jeweils so vor, diese Güter zunächst der Staatskasse einzuverleiben, um dann die Ländereien den Kommunen zu übertragen, die Kirchengebäude der staatlichen Religionsbehörde. Kirchengebäude, die 2017 geraubt wurden, wurden inzwischen aufgrund internationalen Protestes zurückgegeben, die Ländereien dagegen nicht. Außerdem wurden in Diyabakir nach dem Terror der Türkenarmee in der kurdischen Stadt die sechs christlichen Kirchen, die allesamt in der Altstadt sind, per Kabinettsbeschluss beschlagnahmt, unter dem Vorwand einer „Neuentwicklung“ der Altstadt. Die Enteignung der Kathedrale Surp Gigaros wurde zwar durch den Staatsrat im April 2017 aufgehoben, aber die Sperrung der Kirche nicht. Wie heimlich aufgenommene Bilder belegen, wurde sie inzwischen verwüstet und entweiht.

    Ähnlich versucht man in Istanbul (Konstantinopel) vorzugehen, wo im Rahmen von neuen Bebauungsplänen der Prinzeninseln Kirchen, Klöster und Synagogen Straßen und Wohnblöcken zum Opfer fallen sollen. Auch die 1971 vom Türkenregime geschlossene griechisch-orthodoxe Hochschule liegt auf den Prinzeninseln. (nach: pro 5/2017, S. 40-41)

 

Literaturhinweis

 

- Gott kennen ist Leben. Von Roland Sckerl. Evangelistisches Heft, das die Grundaussagen des christlichen Glaubens wiedergibt. 13 S. € 0,32

- Fragen und Antworten zur christlichen Lehre. Von Carl Johann Otto Hanser. Aus dem Amerik. übers. von Roland Sckerl. C.J.O. Hanser hatte das Heft mit 99 Fragen zu christlichen Lehre konzipiert, um gerade auch denen, die Schwierigkeiten haben, umfangreichere Dinge zu lernen, die Grundlagen des christlichen Glaubens beizubringen. Dies Heft ist um 32 Fragen ergänzt worden und enthält im ersten Teil Luthers Kleinen Katechismus als Grundlage des Unterrichts. 40 S. € 1,68

- Christliche Lehre zu Luthers Kleinem Katechismus. Von Roland Sckerl. Dies Heft soll zur Vertiefung der Lehraussagen des Kleinen Katechismus in der Unterweisung dienen. 61 S. € 2,48

- Der Große Katechismus Dr. Martin Luthers, zusammengestellt mit seinem Kleinen Katechismus. Herausgegeben von Roland Sckerl. In dieser Ausgabe ist der Text des Kleinen Katechismus jeweils den entsprechenden Aussagen des Großen Katechismus vorgeschaltet. Der Große Katechismus selbst ist durch Zwischenüberschriften gegliedert, um so das schrittweise Lesen zu erleichtern. Im Anhang ist Luthers Bekenntnis von 1529 mit abgedruckt. 142 S. € 5,68

 

 

 

 

 

 

 



1 Dr. Martin Luthers sämtliche Schriften. Hrsg. von Joh. Georg Walch. Nachdr. der 2., überarb. Aufl. Bd. 9. Groß Oesingen: Verlag der Lutherischen Buchhandlung Heinrich Harms. 1987. Sp. 8-9

2 ebd. Sp. 16

3 ebd. Sp. 18

4 ebd. Sp. 19-20

5 ebd. Sp. 20.21

6 ebd. Sp. 21

7 ebd. Sp. 81

8 ebd. Sp. 82

9 ebd. Sp. 157

10 ebd. Sp. 159 f.

11 ebd. Sp. 161 f.

12 ebd. Sp. 23 f.

13 ebd. Sp. 24

14 ebd. Sp. 25

15 ebd. Sp. 26

16 ebd. Sp. 30

17 ebd. Sp. 45 f.

18 ebd. Sp. 48.49.50

19 ebd. Sp. 54

20 ebd. Sp. 58

21 ebd. Sp. 58.59.61

22 ebd. Sp. 64

23 ebd. Sp. 65 f.

24 ebd. Sp. 66 f.

25 ebd. Sp. 95

26 ebd. Sp. 106.181

27 ebd. Sp. 194

28 ebd. Sp. 236

27 ebd. Sp. 124 f.

28 ebd. Sp. 125

29 ebd. Sp. 125 f.

30 ebd. Sp. 128 f.

31 ebd. Sp. 165

32 ebd. Sp. 167

33 ebd. Sp. 169.170

34 ebd. Sp. 204

35 ebd. Sp. 173 f.

36 ebd. Sp. 329.330

37 ebd. Sp. 334 f.

38 ebd. Sp. 335

39 ebd. Sp. 335 f.

40 ebd. Sp. 336 f.

41 ebd. Sp. 338

42 ebd. Sp. 340

43 ebd. Sp. 340 f. 342. 343

44 ebd. Sp. 177.178

45 ebd. Sp. 186.187

46 ebd. Sp. 181 f.

47 ebd. Sp. 183

48 ebd. Sp. 189

49 ebd. Sp. 184

50 ebd. Sp. 187

51 ebd. Sp. 191

51a vgl. Kurt E. Marquart: Luther and Theosis. In: Concordia Theological Quarterly. Vol. 64:3, 2000. S. 203

51b Luther, a.a.O., Sp. 217

51c ebd. Sp. 225

51d ebd. Sp. 676 f.

52 ebd. Sp. 368 f.

53 ebd. Sp. 370.371 f.

54 ebd. Sp. 372 f.

55 ebd. Sp. 376

56 ebd. Sp. 378 f.

57 ebd. Sp. 226

58 ebd. Sp. 227

59 Dr. Martin Luthers sämtliche Schriften. Hrsg. von Joh. Georg Walch. Nachdr. der 2., überarb. Aufl. Bd. 5. Groß Oesingen: Verlag der Lutherischen Buchhandlung Heinrich Harms. 1987. Sp. 574.

60 Luther, Bd. 9, a.a.O., Sp. 227 f.

61 Luther, Bd. 5, a.a.O., Sp. 594. 600 (zu Ps. 51,16 und 18)