Beständig in der Apostel Lehre und in der Gemeinschaft und im Brotbrechen und im Gebet! Apg. 2,42

DER BEKENNTNIS-

LUTHERANER

 

Lutherisches Blatt für Bibelchristentum.

Mit Zustimmung der Lutherischen Kirchen der Reformation (Lutheran Churches of the Reformation, LCR) herausgegeben von Roland Sckerl,  Leopoldstr. 1, D-76448 Durmersheim; Tel.:07245/83062;

E-mail: Sckerl@web.de; Internet: www.lutherische-bekenntnisgemeinde.de

 

22. Jahrgang 2014  Heft 2/2014

 

 

INHALTSVERZEICHNIS

 

 

Inhalt

UNTER BIBEL UND BEKENNTNIS. 1

Kurze Übersicht über die Grundlinie der Bibel 1

Anmerkungen zum Dienst oder Amt von Wort und Sakrament im Neuen Testament 2

BLUTZEUGEN DES CHRISTLICHEN GLAUBENS. 3

Die 27 Märtyrer in Prag. 3

Kaspar Tauber 4

THEOLOGISCHE ANMERKUNGEN.. 4

Kontextualisierung: 4

ZEICHEN DER ZEIT. 4

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

UNTER BIBEL UND BEKENNTNIS

 

 

Kurze Übersicht über die Grundlinie der Bibel

 

Roland Sckerl

 

    Die Bibel oder die Heilige Schrift ist nicht eine zusammenhanglose Aneinanderreihung von Geschichten, sondern allerdings ein zusammenhängendes Ganzes, von einem Autor, dem Heiligen Geist, konzipiert und den heiligen Schreibern, Propheten, Aposteln, Evangelisten und Apostelschülern, eingehaucht oder eingegeben, so dass daraus die Bibel entstand, das absolut wahre, absolut richtige, absolut irrtumslose Gotteswort, dem wir in seinen Aussagen, so, wie sie lauten, wahrhaft vertrauen können.

 

Schöpfung und Urstand

    Der Ausgangspunkt ist Gottes Schöpfung, wie sie uns in 1. Mose 1 global dargestellt wird, um dann in Kapitel 2 nochmals, aber nun mit dem Schwerpunkt auf den Menschen, seiner Erschaffung, seiner Beauftragung mitsamt der Einsetzung der Ehe, wiederholt zu werden. Wie waren die ersten Menschen, Adam und Eva? Sie waren gemäß 1. Mose 1,26 f. zum Ebenbild Gottes geschaffen. In einem weiteren Sinne hängt damit auch all das zusammen, was zum Personsein des Menschen gehört.1 Im eigentlichen Sinne aber meint Gottebenbildlichkeit, wie aus Eph. 4,24 und Kol. 3,10 zu entnehmen ist, die vollkommene Gerechtigkeit und Heiligkeit, verbunden mit völliger Naturerkenntnis. (Aus diesem Grund konnte z.B. Adam die Tiere auch alle mit Namen versehen, 1. Mose 2,19-20.) Damals, am Anfang, war noch alles „sehr gut“, 1. Mose 1,31: Es gab noch keine Sünde, daher auch keinen Tod, keine Krankheit, kein Leid, keine Zerstörung, nichts von all dem, was heute unser Leben immer wieder schwer, notvoll macht.

    Vor allem: Unsere Ureltern Adam und Eva standen noch in unmittelbarer Verbindung mit Gott und hatten auch in geistlichen Dingen tatsächlich einen uneingeschränkten freien Willen. Für sie war die Frage: Gibt es einen lebendigen Gott? nicht relevant, denn sie wussten allerdings, dass es Gott gibt, sie hatten ja täglich mit ihm direkten Umgang. Gott hatte Adam, und durch ihn auch Eva, ein Gebot gegeben, das einzige, was unsere Ureltern im Paradies hatten, an dem sie ihre Gottesfurcht, ihre Liebe, ihr Vertrauen zu Gott, ihren Gehorsam beweisen sollten: Sie durften von allen Bäumen im Garten Eden, der damaligen Wohnstätte Adams und Evas, essen, ausgenommen von dem Baum der Erkenntnis von Gut und Böse. Mit diesem Gebot war auch eine Warnung verbunden: An welchem Tag du davon isst, musst du des Todes sterben. (1. Mose 2,17)

 

Der Sündenfall und seine Folgen

    Dann aber geschah etwas, wovon unsere Ureltern zunächst nichts mitbekamen: Im Himmel rebellierte Luzifer, ein bedeutender der noch vor den Menschen erschaffenen Engel, mit vielen anderen Engeln, weil er Gott gleich sein wollte – und wurde aus dem Himmel gestürzt, die Engel wurden gebunden, Judas 6, das heißt, ihre Betätigungsmöglichkeiten wurden von Gott eingeschränkt. Nun aber war und ist Luzifer, den wir auch Satan, Teufel nennen, getrieben davon, Gottes Schöpfung zu schädigen, zu stören und zu zerstören, wo immer er nur kann, besonders aber die Krone der Schöpfung, den Menschen, anzugreifen, denn er ist ein Mörder und Lügner von Anfang, nicht bestanden in der Wahrheit (Joh. 8,44).

    Und er trat nun, unter der Gestalt einer Schlange (siehe 1. Mose 3), an Eva heran, um in ihrem Herzen Zweifel an der Glaubwürdigkeit von Gott und seinem Wort, an der Güte, der Liebe Gottes zu wecken: Sollte Gott gesagt haben? Zunächst hat Eva noch Gottes Gebot verteidigt. Aber sie hat nicht ihren Mann zu Hilfe gerufen, der als ihr Haupt, dem sie zur Seite gestellt war als Gehilfin, sie hätte beschützen sollen. Und dann wurde Satan dreister: Er widersprach einfach Gottes Wort. Ihr werdet keineswegs des Todes sterben. Und dann griff er Gottes Treue, Gottes Wahrhaftigkeit, Gottes Liebe direkt an und weckte Verlangen in Eva nach Dingen, die ihr angeblich von Gott vorenthalten wurden: Sondern Gott weiß, dass, an welchem Tag ihr davon esst, so werden eure Augen aufgetan, und ihr werdet sein wie Gott und wissen, was gut und böse ist. Sein wollen wie Gott, so klug, so autonom, so sich selbst genügend, um sich selbst sich drehend, sich selbst Gesetze gebend, kurz: Gott gleichgestellt zu sein – das ist die Ursünde, das ist der Ausgangspunkt und Kern aller Sünde.

    Eva war nun in eine Entscheidung gestellt: Gott zu vertrauen, seinem Wort zu glauben, auch gegen all die Verlockungen und Anwürfe Satans – oder sich gegen Gottes Wort zu stellen, Satan mehr zu glauben. Eva ist auf Satans Worte eingegangen, hat damit gezeigt, dass sie ihm nun mehr glaubte, vertraute als Gott und hat auch ihrem Mann Adam davon gegeben, der, anstatt nachzufragen, einfach nahm und aß. So wurden beide in Ungehorsam gestürzt und haben beide aus freien Stücken den Ungehorsam begangen und so alles verloren, die gesamte Gottebenbildlichkeit (im eigentlichen Sinne). Man mag meinen: Aber sie sind ja nicht sogleich gestorben. Das ist ein Irrtum. Der Begriff des Todes wird eingeschränkt, wenn wir nur den leiblichen Tod damit meinen. Er ist umfassender: Die Bibel kennt den geistlichen Tod, nämlich die Trennung des Menschen von Gott. Sie spricht weiter vom leiblichen Tod, nämlich der Trennung von Seele und Leib. Und sie spricht schließlich vom ewigen Tod oder der ewigen Verdammnis, der ewigen Trennung von Gott, verbunden mit nicht endender Qual, Pein, die dann eintritt, wenn vor dem leiblichen Tod der geistliche Tod nicht durch das, was die Bibel auch Wiedergeburt, Bekehrung nennt, überwunden wurde, nämlich den rettenden Glauben an den von Gott gesandten Erlöser Jesus Christus. Und der geistliche Tod, die Trennung von Gott, war sogleich eingetreten.

    Die Folgen des Verlusts der Gottebenbildlichkeit, die Folgen dessen, nun ganz und gar von der Sünde durchzogen zu sein, die nun den Menschen ganz verdorben hat (wir sprechen daher ja von der Erbsünde als der Ursünde im Menschen, die er seit seiner Zeugung an sich hat, die ihn durchzieht, die auch sein Erbverderben mit sich bringt, ein abgrundtiefes Verderben, seinen geistlichen Tod, dass er also aus seinen natürlichen Kräften unfähig ist, Gott zu lieben, an ihn zu glauben, ihm zu dienen, sein Wort zu verstehen (Eph. 2,1-3; 1. Kor. 2,14)), wurden sofort deutlich: Adam und Eva waren auch zuvor nackt gewesen, aber sie benötigten noch nicht die Scham, um gegen die bösen Lüste und Begierden des Fleisches vorzugehen, denn die gab es zuvor nicht. Aber mit dem Sündenfall „entdeckten“ sie, dass sie nackt waren, das heißt, sie spürten sogleich, wie verletzlich sie jetzt waren, welche Begierden aufkamen, und versuchten, ihre Nacktheit zu bedecken (1. Mose 3,7). Gott der HERR machte ihnen später Kleider (1. Mose 3,21): Und wir können hinter diese Grenze nicht mehr zurück. Alles andere ist heute schamlos. Wir können in diesem Leben, in dieser Zeit nicht mehr zurück in den Zustand vor dem Sündenfall.

    Als Gott der HERR zu seinen Menschen kam, da versteckten sie sich vor ihm. Das ungetrübte Verhältnis zu Gott war zerbrochen. Und als Gott Adam ansprach, um ihn zur Rechenschaft zu ziehen, zur Umkehr, zum Sündenbekenntnis zu rufen, da versuchte dieser, auszuweichen, noch mehr: Er beschuldigte seine Frau, weil sie ihm die Frucht gegeben hatte. Auch die ungetrübte Beziehung der Menschen zueinander war zerbrochen. Und noch mehr: Adam beschuldigte Gott: die Frau, die du mir gegeben hast. Hättest du sie mir nicht gegeben, so wäre das nicht passiert. Und als Gott die Frau ansprach, da schob sie die Schuld auf die Schlange. Auch die Beziehung zur Natur war zerbrochen.

 

Die erste Verheißung des Retters und der erste stellvertretende Tod

    Wie hat Gott reagiert? Das ist nun das Gewaltige, das Unerwartete, das Wunderbare: Gott hat seine Geschöpfe nicht sogleich getötet, liquidiert. Das hätte er ja tun können. Das wäre die gerechte Strafe gewesen. Aber er hat es nicht getan. Im Gegenteil. Er hat sich an die Schlange gewandt. Und im Urteil an sie lag zugleich auch die Verheißung der zukünftigen Rettung für die so tief gefallenen ersten Menschen und ihre Nachkommen: Ich will Feindschaft setzen zwischen dir und dem Weibe und zwischen deinem Samen und ihrem Samen. Derselbe soll dir den Kopf zertreten, und du wirst ihn in die Ferse stechen. (1. Mose 3,15) Das ist das erste oder „Prot-Evangelium“. Hier wird der angekündigt, der aus der Nachkommenschaft der Frau kommen wird, der Same der Frau. Schon das ist interessant, dass es hier um den Samen oder Nachkommen der Frau geht. Eine Frau hat normalerweise keinen Samen. Hier wird schon die Jungfrauengeburt angedeutet, die später, durch den Propheten Jesaja, klar ausgesprochen wird (Jes. 7,14). Und war wird von diesem Nachkommen auch gesagt: Er wird Satan den Kopf zertreten, wird ihn völlig überwinden, besiegen – muss dafür aber selbst schrecklich leiden, so, wie es sich ja in Jesus Christus erfüllt hat, der den Teufel besiegt, seine Werke zerstört hat (1. Joh. 3,8), aber doch dazu leiden und am Kreuz sterben musste (aber nicht im Tod blieb, sondern ihn überwunden hat, auferstanden ist zu unserer Rechtfertigung (Röm. 4,25)).

    Gott hat dann auch über Eva und Adam, über Frau und Mann sein Urteil gefällt, für deren weiteres Leben. All das, was bisher schön, einfach, problemlos war, das sollte nun mit Not verbunden sein. Das Hauptsein des Mannes wurde wieder hergestellt. Die Hauptaufgabe der Frau aber, Mutter zu sein, sollte mit Schmerzen und Gefahren verbunden sein (1. Mose 3,16). Die Hauptaufgabe des Mannes aber, Ernährer zu sein, zu arbeiten, sollte viel Mühe, mit viel Frust, viel Qual und Anstrengung verbunden sein (1. Mose 3,17-19) – und für beide, Mann wie Frau, steht am Ende der leibliche Tod (1. Mose 3,19).

    Und doch waltet weiter Gottes Güte über uns Menschen. Damit Adam und Eva nicht vom Baum des Lebens essen und dadurch leibliche Unsterblichkeit erlangen, womit aber die völlige Erlösung aus dem Elend dieses gefallenen Lebens unmöglich geworden wäre, hat Gott sie aus dem Paradies vertrieben (1. Mose 3,22). Zuvor aber ist noch etwas anderes geschehen: Um der Sünde der Menschen willen floss das erste Blut, musste erstmals ein Tier sterben, denn Gott der HERR machte Adam und Eva Röcke aus Fellen. Hier haben wir nun ein Grundprinzip, das die ganze Bibel durchzieht: Um der Sünde willen muss Blut fließen, die Sünde muss mit dem Tod gesühnt werden; und diese Sühnung ist eine stellvertretende. Und doch: Letztlich kann der Ochsen und Böcke Blut nicht für die Sünde des Menschen genug tun. Das kann nur der Mensch selbst (Hebr. 10,4-14), weshalb der Messias, der Retter, der Erlösung auch wahrer Mensch sein musste.

    Adam und Eva haben der Verheißung von Herzen geglaubt, sind die ersten messiasgläubigen Menschen überhaupt gewesen, auch wenn sie die ganze Tiefe der Verheißung noch nicht verstanden. Eva wurde schwanger und gebar ihren ersten Sohn und meinte nun schon, dies sei der Retter: Ich habe den Mann, den HERRN. Sie nannte ihn Kain. Dann wurde ein Bruder geboren, Abel. Das waren nicht die einzigen Kinder, aber die ersten, von denen die Bibel uns berichtet.

 

Kain und Abel – oder die beiden Grundlinien der Menschheit zeichnen sich ab

    Sie haben, als sie aufwuchsen, auch geistliche Unterweisung bekommen von ihren Eltern. Sie haben gewiss die Berichte über die Zeit im Paradies gehört, über das schreckliche Ereignis, das alles so grundlegend zum Schlechten verändert hat, Sündenfall, aber gewiss auch die großartige, kostbare Verheißung von dem Retter, der kommen soll, um uns zu erlösen, aber auch selbst dabei zu sterben. Und sie haben das Reden mit Gott gelernt, das Gebet. Und noch etwas: Dass sie sich dem wahren, dem heiligen und gerechten Gott, eben weil sie Sünder sind, Menschen, die nicht mehr so sind, wie Gott sie haben will, dass sie sich also Gott nur mit einem Opfer nähern dürfen.

    Und so brachten beide, Kain und Abel, Gott Opfer dar. Kain war ein Ackermann, ein Bauer, und opferte entsprechend von den Früchten seines Feldes. Abel war ein Hirte und brachte Gott ein Opfer von den Erstlingen der Herde, von dem Besten, was er hatte (1. Mose 4,3-4). Und dann lesen wir, dass Gott Abels Opfer annahm aber Kains Opfer nicht. Und die beiden Opfernden bemerkten das. Woran? Die Bibel sagt es uns nicht. Aber sie haben es bemerkt. Warum nahm Gott Abels Opfer an und Kains Opfer nicht? Manche meinten, es liege an der Art der Opfer: Abel habe ein Lamm gebracht, also ein blutiges Opfer, Kain aber nur Früchte. Aber das ist nicht korrekt. Denn darüber sagt die Bibel uns auch nichts. Wir wissen auch nicht genau, welche Art von Opfer es war. Aber wenn es ein Dankopfer war, so können wir später bei den Gesetzen, die Gott durch Mose gab, sowohl von Tieropfern, aus der Herde, als auch von Opfern von Früchten vom Felde lesen. Also, am Opfer lag es nicht. Aber in 1. Joh. 3,12 und Hebr. 11,4 werden uns Hinweise gegeben: Gott geht es auch bei den Opfern nicht um die äußere Handlung an sich, nein, ihm geht es um die Herzenshaltung, ihm geht es darum, aus welcher Haltung, welcher Motivation heraus gehandelt wird, hier: das Opfer gebracht wird. Und da heißt es nun von Kain, dass seine Werke böse waren. Er wusste, dass Gott Opfer zu bringen sind. Und das machte er. Aber nicht mit einem Gott liebenden und sich ihm hingebenden Herzen, sondern aus Pflicht, aus einer gesetzlichen Grundhaltung heraus. Er war also ein äußerlich religiöser Mensch, der gewisse Riten, Rituale wahrte, aber sonst eigentlich in seinem Leben für Gott keinen Platz hatte. Ganz anders kein. Von ihm heißt es, dass seine Werke gerecht waren. Er opferte Gott, weil er Gott liebte um seiner Verheißungen willen, weil er an ihn glaubte und ihm von Herzen dankte. Darum nahm Gott auch sein Opfer an. Wie wir sehen werden, haben sich aus diesen zwei verschiedenen Menschen, Kain und Abel, zwei unterschiedliche Grundrichtungen bei den Menschen entwickelt, die bis heute, ja, bis zum Jüngsten Tag, weiterzuverfolgen sind.

    Was war zunächst die Folge? Kain wurde wütend auf seinen Bruder – und letztlich auf Gott. Es rumorte in ihm, dass seine Heuchelei, dass seine bloß äußere Religiosität nicht ankam, während der wahrhaft Fromme, Abel, den er wahrscheinlich immer etwas verachtet, belächelt hatte, von Gott angenommen wurde. Und so erschlug er seinen Bruder. Es war der erste Mord der Menschheitsgeschichte. Der erste Tote der Menschheitsgeschichte, von dem uns berichtet wird. Gott hatte Kain gewarnt. Aber Kain hatte nicht gehört.

    Und nach dem Mord? Wieder rief Gott Kain. Und wieder versuchte Kain, auszuweichen. Soll ich meines Bruders Hüter sein? (1. Mose 4,9) Und dann kommen die Gerichtsworte Gottes über ihn – und er verzweifelt. Hier wird deutlich, wie wenig er begriffen hatte von der messianischen Weissagung, wie sehr seine Religion eben nur Ritual gewesen war. Er kannte keine Gnade, keine Vergebung. Meine Sünde ist größer als dass sie mir vergeben werden könnte. (1. Mose 4,13) Auch für Kain wäre Vergebung da gewesen: Aber er hatte nie Acht darauf gehabt. Und nun suchte er sie nicht. Nur noch die Angst um seine Existenz bestimmte ihn.

    Und schließlich heißt es dann, dass er wegging von dem Angesicht Gottes. Mit Kain beginnt also diejenige Linie der Menschheit, die ohne den wahren Gott lebt. Das kann sehr unterschiedlich aussehen. So jemand kann, wie wir das auch an Kain sahen, religiös sein, vielleicht sogar sehr religiös (so sind dann, durch Verführung durch Satan, die verschiedenen Religionen außerhalb des christlichen Glaubens entstanden), aber eben in der Meinung, dabei sich die Rettung zu verdienen, Gott gnädig zu stimmen. Er will durch eigenes Verdienst, eine Tüchtigkeit etwas bei Gott erreichen. Oder aber es sind Menschen, die nicht direkt areligiös sind, aber kaum etwas mit Religion am Hut haben, sie vielleicht irgendwo noch für die Moral für wichtig halten. Oder aber es sind Menschen, die letztlich Atheisten sind, also die letzte Konsequenz aus ihrer Gottesferne gezogen haben. Es sind also vielerlei Wege, die Menschen gehen, um sich Gott gefällig zu machen oder einfach, um ohne Gott zu leben. Es wäre völlig verkehrt, wenn wir meinten, diese Menschen seien alle nur böse und würden nichts leisten. Im Gegenteil. Es werden uns die Nachkommen Kains geschildert (1. Mose 4,17-24). Sie waren solche, die Kultur und Zivilisation voran gebracht haben. Wir lesen von Städtebau durch Kain, von Viehzucht, von Musik, wir lesen bei ihnen auch von Erz- und Eisenbau. Aber wir lesen bei ihnen ebenso auch von Gewalttätigkeit, von Ehr- und Ruhmsucht, von Selbstüberhebung. So finden wir in der Geschichte gewaltige Hochkulturen, denken wir an die Sumerer, Ägypter, Babylonier, Assyrer, Griechen, Perser, Römer, auch an die Chinesen, an die Azteken, die Mayas, die Inkas – und doch sind sie alle Heiden gewesen, solche, die fern von dem wahren Gott lebten. Wir dürfen ihre Kunst, ihre Wissenschaft bewundern – aber blenden dürfen wir uns durch sie nicht lassen. Sie lebten ohne den wahren Gott.

    Und die andere Linie? Auch von ihr lesen wir. Sie war schon in Abel vorgezeichnet. Es heißt dann, dass Adam seine Frau Eva wieder erkannte und sie erneut einen Sohn gebar, Seth. Und dieser bekam dann auch einen Sohn, Enosch. Und dann heißt es, dass man zu derselben Zeit anfing, von den Namen des HERRN zu predigen. Wir lesen von dieser Linie hier nichts von gewaltigen Aufbauleistungen in kultureller oder zivilisatorischer Hinsicht. Das war da auch nicht das primär Wichtige. Aber wir lesen von etwas ganz anderem: Sie waren treu beim HERRN, blieben treu an seinem Wort und breiteten es aus, verkündigten Gottes Wort. Wir haben hier messianische Gemeinde mit ihrer missionarischen Aktivität. Das ist die andere Linie, die Menschen, die im rechten Glauben an Gott und den verheißenen Messias festhalten und nach seinem Wort leben, auch wenn sie durch Ablehnung, Not, Elend, Einsamkeit gehen müssen, wenn sie in der Welt nicht so geachtet sind wie die, deren Leistungen so augenfällig sind.

 

Das stellvertretende blutige Opfer im Alten Bund – eine Vorschattung auf Jesus Christus, das Lamm Gottes

    Im gesamten weiteren Alten Testament steht dann das eine immer wieder im Zentrum der Glaubenspraxis: Das Opfer, das stellvertretende blutige Opfer des Lammes. Gott der HERR hatte Adam und Eva die Verheißung des zukünftigen Messias gegeben. Aus ihren Nachkommen sollte er kommen. Die weitere Entwicklung zeigte: Er würde aus den Nachkommen von Seth und Enosch kommen. Dann kam es, dass die Nachkommen von Enosch (Gotteskinder oder Gottessöhne) sich mit den Nachkommen der Kainiten (Töchter der Menschen) auch verwandtschaftlich verbanden (1. Mose 6,1-4) und es so auch zu religiöser Vermischung und einem verstärkten Abfall von Gott kam, so dass schließlich nur Noah mit seiner Familie Gott treu blieb. Mit der weltweiten Sintflut als dem ersten großen, umfassenden Weltgericht griff Gott ein. Aus den Nachkommen Noahs wurde nun die weitere Menschheit gebaut, die aber auch bald wieder auseinanderdriftete, so, wie zuvor auch. Ja, es drohte so weit zu kommen, dass gar niemand mehr am rechten Glauben an den dreieinigen Gott, an den verheißenen Messias festhielt. So rief Gott aus den Nachkommen Sems den Abram heraus, dass er ihn absonderte von seiner Vaterstadt, der damaligen Welt- und Kulturstadt Ur in Chaldäa, und von seiner Verwandtschaft um mit ihm und seinen Nachkommen die Heilslinie, die Linie der Gemeinde der Messiasgläubigen, fortzusetzen. Und von seinen Söhnen war Isaak der Sohn der Verheißung, mit dem die Heilslinie fortging, dann mit Jakob und seinen Kindern, wobei die Verheißung auf den Messias bei dem Stamm Juda lag. Aber aus Jakobs zwölf Kindern schuf der HERR sich sein besonderes Volk, in dem dann der Messias geboren werden sollte: das Zwölfstämmevolk Israel. Und was stand im Zentrum seines Gottesdienstes? Da war zum einen das Passahfest. Nachdem Israel um der Hungersnot nach Ägypten gezogen war und dort zunächst frei wohnen konnte, wurde es späterhin, als eine andere Dynastie aufkam, auf das Furchtbarste unterdrückt und versklavt. Als Gottes Zeit gekommen war, dass er sein Volk befreite und herausführte und das Gericht über den halsstarrigen Pharao ausgeführt werden sollte, indem die Erstgeburt bei Menschen und Vieh getötet werden sollte, da sollte Israel verschont werden. Aber damit dies möglich war, mussten sie, die doch genauso sündig waren, stellvertretend ein einjähriges, fehlerfreies Lamm opfern und mit seinem Blut die Pfosten und den Sturz der Eingangstür bestreichen. Wenn dann Gott richtend durch Ägypten ging, wollte er all die Familien verschonen, bei deren Türpfosten er sah, dass sie im Gehorsam des Glaubens bestrichen waren. (2. Mose 12) Nicht also, weil die Menschen besser waren, sondern weil stellvertretend für sie ein Lamm im Glauben an Gottes Wort geopfert worden war. Auch hier also wieder das Grundprinzip: Stellvertretung, vollzogen durch ein blutiges Opfer, ergriffen im Glauben.

    Und die andere zentrale gottesdienstliche Handlung geschah am Yom Kippur, am großen Versöhnungstag: Da opferte der Hohepriester zunächst für sich, dann aber wurde ein Bock genommen, der als Sündopfer für das Volk stellvertretend geschlachtet wurde – und ein anderer Bock, auf den die Schuld des Volkes stellvertretend gelegt und der dann in die Wüste getrieben wurde. Auch hier wieder das Prinzip der Stellvertretung, auch hier wieder das blutige Opfer für die Sünde. (3. Mose 16).

   

    Und doch wusste es ja eigentlich jeder: Es ist unmöglich, durch Ochsen- und Bocksblut Sünden wegzunehmen. (Hebr. 10,4) Ebenso aber auch: Ohne Blutvergießen geschieht keine Vergebung. (Hebr. 9,22b) Durch die Opfer, besonders aber das Passahlamm, aber auch das Versöhnungsopfer, wurde so durch das ganze Alte Testament hingewiesen auf das Lamm Gottes, den Messias, der noch kommen sollte, um dann für uns Menschen die Sünden auf sich zu nehmen, zu leiden und zu sterben. Und wer im Alten Bund gläubig war, der war gläubig an den schon verheißenen, auch immer klarer bezeugten, aber damals noch zu kommenden Messias. Alle Gläubigen des Alten Bundes, ob Adam oder Eva, Seth oder Enosch, Noah oder Abraham, Isaak, Jakob, Mose, Josua, David, sie alle waren gläubig an den damals noch zu kommenden Messias. Und die Tieropfer hatten Gültigkeit, Kraft nur um dieses damals noch ausstehenden Opfers des Messias, auf das sie ja nur eine Vorschattung, ein Schattenbild waren.

    Besonders hat Gott der HERR durch Jesaja dieses Opfer des Messias und Retters der Welt verkündigt: Fürwahr, er trug unsere Krankheit und lud auf sich unsere Schmerzen. Wir aber hielten ihn für den, der von Gott geschlagen und gemartert wäre. Aber er ist um unserer Missetat willen verwundet und um unserer Sünden willen zerschlagen. Die Strafe liegt auf ihm, damit wir Frieden hätten, und durch seine Wunden sind wir geheilt. Wir gingen alle in die Irre wie Schafe, ein jeglicher sah auf seinen Weg; aber der HERR warf unser aller Sünde auf ihn. Da er gestraft und gemartert ward, tat er seinen Mund nicht auf, wie ein Lamm, das zur Schlachtbank geführt wird, und wie ein Schaf, das verstummt vor seinem Scherer und seinen Mund nicht auftut. … Er hat vieler Sünde getragen und für die Übeltäter gebeten. (53,4-7.12).

 

Jesus Christus, das Lamm Gottes, die Erfüllung der Verheißungen des Alten Bundes

    Und als dann die Zeit erfüllt war, als Gott seinen Sohn Mensch geboren werden ließ von der Jungfrau Maria, wo geschah dies? In einem Stall! So, wie es für ein Lamm angemessen ist (Luk. 2,7). Als dann Jesus Christus in sein Amt in der Öffentlichkeit eintrat, da wies sein Vorläufer, Wegbereiter, Johannes der Täufer, auf ihn hin mit den Worten: Siehe, das ist Gottes Lamm, welches der Welt Sünde trägt. (Joh. 1,29). Jesus Christus verkündet es immer wieder, dass in ihm die Verheißungen des Alten Bundes erfüllt werden. Wenn ihr Mose glaubtet, dann glaubtet ihr auch mir; denn er hat von mir geschrieben. (Joh. 5,46; s.a. Luk. 24,27.46) Und als die Jünger Johannes des Täufers zweifelten, konnte er auch wieder auf das Alte Testament hinwiesen, das in ihm, Jesus Christus von Nazareth, erfüllt wurde: Die Blinden sehen und die Lahmen gehen; die Aussätzigen werden rein, und die Tauben hören; die Toten stehen auf, und den Armen wird das Evangelium gepredigt; und selig ist, der sich nicht an mir ärgert. (Matth. 11,5-6). So auch in seiner Predigt in seiner Heimatstadt Nazareth: Der Geist des HERRN ist bei mir, derhalben er mich gesalbt hat und gesandt, zu verkündigen das Evangelium den Armen, zu heilen die zerstoßenen Herzen, zu predigen den Gefangenen, dass sie los sein sollen, und den Blinden das Gesicht und den Zerschlagenen, dass sie frei und ledig sein sollen, und zu predigen das angenehme Jahr des HERRN. … Heute ist diese Schrift erfüllt vor euren Ohren. (Luk. 4,18-19.21)

    Für die Menschen der damaligen Zeit aber hieß es, wie für die Menschen in der Zeit des Alten Bundes: Nehmen sie das Wort im Glauben an oder nicht? Sind sie bereit, die Erfüllung der Verheißungen anhand der Schriften des Alten Bundes (Altes Testament) zu prüfen oder verwerfen sie ihn? So wie im Alten Bund, so ist auch im Neuen Bund das wahre geistliche Volk Gottes die Gemeinde der an den Messias Gläubigen. Ohne den Glauben an den Retter Jesus Christus kann auch jetzt und konnte auch zu Jesu Erdenleben niemand gerettet werden: Ich bin der Weg und die Wahrheit und das Leben; niemand kommt zum Vater als durch mich. (Joh. 14,6) Wer an den Sohn glaubt, der hat das ewige Leben; wer dem Sohn nicht glaubt, der wird das Leben nicht sehen, sondern der Zorn Gottes bleibt über ihm. (Joh. 3,36)

    Jesus Christus hat sich am Kreuz stellvertretend für uns geopfert. Das Eine Opfer, das durch die vielen Opfer des Alten Bundes vorgeschattet war, ist auf Golgatha geschehen und ist gültig für alle Zeiten. So läuft die Heilslinie Gottes von der Verheißung an unsere Ureltern Adam und Eva, 1. Mose 3,15, über die stellvertretenden Opfer als Vorschattung direkt hin auf das Kreuz auf Golgatha. Er ist um unserer Sünde willen dahingegeben, und um unserer Rechtfertigung willen auferweckt. (Röm. 4,25) Wie nun durch eines Sünde die Verdammnis über alle Menschen gekommen ist, also ist auch durch eines Gerechtigkeit die Rechtfertigung des Lebens über alle Menschen gekommen. (Röm. 5,18) In welchem Willen wir sind geheiligt, einmal geschehen durch das Opfer des Leibes Jesu Christi. … Dieser aber, da er hat ein Opfer für die Sünden geopfert, das ewiglich gilt, sitzt er nun zur Rechten Gottes … Denn mit einem Opfer hat er in Ewigkeit vollendet, die geheiligt werden. … Wo aber derselben Vergebung ist, da ist nicht mehr Opfer für die Sünde. (Hebr. 10,10.12.14.18)

    Übrigens: Jesus Christus, das Lamm, das erwürgt war, das ist dann auch würdig, die Siegel aufzutun des Buches, das über die Zukunft, die Geschichte der neutestamentlichen Gemeinde Auskunft gibt (Offenb. 5,6). Und wer wird einst richten? Es ist der Zorn des Lammes, der über die Ungläubigen am Jüngsten Tag kommen wird (Offenb. 6,16 f.) Die aber, die für immer bei ihm in der Herrlichkeit sein werden, die sehen den Strom des Lebens, an dessen beiden Seiten Holz des Lebens steht und der ausgeht von dem Stuhl Gottes und des Lammes (Offenb. 22,1.2). Es gibt Gemeinschaft mit dem wahren, lebendigen Gott nur um des Lammes, um des stellvertretend für uns geopferten Lammes willen, so war es schon im Alten Bund seit Adam und Eva, und so ist es auch im Neuen Bund. Durch das Lamm Gottes, Jesus Christus, ist Gott mit uns versöhnt, haben wir in ihm Frieden und eine gewisse Zukunft.

 

 

Anmerkungen zum Dienst oder Amt von Wort und Sakrament im Neuen Testament

 

Roland Sckerl

 

    Ist das Pfarramt das einzige von Jesus Christus eingesetzte Amt im Neuen Bund, im Unterschied zu allen anderen Diensten, oder hat Jesus Christus nur geordnet, dass die Christen Diener an Wort und Sakrament berufen sollen, ohne dass ein bestimmter Dienst hervorgehoben sei, wenn auch der Dienst in der Ortsgemeinde der umfassendste ist, sondern alle Dienste auf einer Ebene liegen? Das sind die Grundpositionen, die gerade im Luthertum seit über 100 Jahren miteinander ringen. Was sagt uns der HERR in seinem Wort dazu? Es soll im Folgenden versucht werden, skizzenhaft aufgrund von Aussagen in der Apostelgeschichte und den Briefen die biblischen Grundlinien für eine bibeltreue Lehre vom Dienst an Wort und Sakrament darzulegen.

    Was bei der Betrachtung des Neuen Testaments zu diesem Thema sofort auffällt, ist die Tatsache, dass wir im Neuen Testament eine Vielzahl von Begriffen für Dienste haben, die mit der Verkündigung zu tun haben, ohne dass sie alle eindeutig gegeneinander abgegrenzt werden könnten. Ja, wir finden für die meisten überhaupt keine weitergehende, tiefergehende Beschreibung. Hier sollen nun die Hauptbegriffe dargestellt werden.

    Älteste und Bischöfe, das sind zwei Termini, die öfter vorkommen und im Blick auf die auch am meisten ausgesagt werden kann. Aus den Stellen in Apg. 20,17 sowie 20,28 und Tit. 1,5 sowie 1,7 lässt sich deutlich schließen, dass diese beiden Begriffe, soweit es sich um den Dienst der Verkündigung handelt, wohl den gleichen Dienst, das gleiche Amt beschreiben, also austauschbar sind. Allerdings mit einer Einschränkung: Es ließe sich aus diesen Stellen wohl folgern, dass jeder Bischof auch als Ältester bezeichnet werden kann, aber nicht unbedingt umgekehrt, da nach 1. Tim. 5,17 es auch solche Älteste gab, die nicht am Wort dienten, also in anderer Weise an der Leitung der Gemeinde teilhatten, vielleicht als die „Regierer“ oder „Vorsteher“ gemäß Röm. 12,4.

    Älteste oder Bischöfe beschreiben einen Dienst, ein Amt, das als eine evangelische Ordnung in der Gemeinde sein soll, wird doch Titus Tit. 1,5 befohlen, in den Städten hin und her Älteste einzusetzen. Und so haben es auch, Apg. 14,23, Paulus und Barnabas in den kleinasiatischen Gemeinden gemacht, in denen sie mittels stimmwählen Älteste beriefen. Von den Ältesten oder Bischöfen in Ephesus heißt es, dass sie vom Heiligen Geist eingesetzt wurden, Apg. 20,28. Sie sollen die Herde Christi weiden, 1. Petr. 5,2, sollen Acht haben auf die Herde, Apg. 20,28, also Hirtendienst tun, aber dabei eben nicht herrschen, 1. Petr. 5,3. Sie sollen solche sein, die „ob dem Wort halten“, die damit lehren, ermahnen, strafen, Tit. 1,9. Daraus lässt sich schließen, dass mit Älteste oder Bischöfe ein Dienst am Wort, ein Weidedienst beschrieben wird, ein Dienst, der geistlich der Gemeinde Gottes vorstehen, sie geistlich versorgen soll. Sie stehen in seelsorgerlicher Verantwortung, Jak. 5,14, vor allem aber auch in Verantwortung für die Lehre der Gemeinde Christi, Apg. 15,2.22.23.

    Interessant dabei auch: Wir finden diese Termini nur in Verbindung mit den unmittelbaren oder direkten Christenversammlungen, also den Ortsgemeinden. Und: Normalerweise standen in einer Gemeinde mehrere in diesem Dienst, wie wir aus Ephesus, Apg. 20,17.28, oder Philippi, Phil. 1,1, erfahren.

    Weitergehend aber wird nicht beschrieben, was mit Älteste oder Bischöfe gemeint ist. Wir finden keine Aufgabenbeschreibung, vergleichbar mit denjenigen für die Ämter des Alten Testamentes. Und was wir erfahren, erfahren wir sozusagen nur aus Nebensätzen, eben aus den Eignungsbeschreibungen oder den Aufforderungen an die Inhaber. Interessanterweise tauchen die beiden Termini nicht in den Dienstelisten in 1. Kor. 12,28 ff. und Eph. 4,11 auf. Das hat zu Überlegungen geführt, etwa bei Martin Chemnitz, oder nicht diese beiden Termini einen Globalbegriff bilden, während etwa die Dienste in den Dienstelisten dann species oder gradus dieses Einen Dienstes oder Einen Amtes wären. Das ist zumindest nicht auszuschließen, weil wir immerhin Aufgaben bei den Ältesten oder Bischöfen finden, die teilweise auch zu denen eines Hirten oder eines Lehrers passen würden. Genaueres aber wissen wir nicht. Und das sollte uns auch zu denken geben, dass wir keine so konkreten und bis ins Einzelne gehenden Amtsbeschreibungen im Neuen Testament haben, im Unterschied zum Alten Testament. In der Zusammenfassung soll darauf noch eingegangen werden.

    Der Begriff des Hirten taucht nur Eph. 4,11 als Dienstbezeichnung auf, sonst treffen wir auf Aufgaben, die zu diesem Begriff passen. So kommt im Zusammenhang mit den Ältesten bzw. Bischöfen das Weiden als eine ihrer Funktionen vor, Apg. 20,28; 1. Petr. 5,2, ohne dass man deshalb sagen könnte, Hirtenamt und Ältesten- oder Bischofsamt seien eins gewesen. In welcher Beziehung diese Dienste standen, geht aus dem Neuen Testament nicht hervor.

    Der Lehrer taucht in beiden Dienstelisten auf, ohne dass aber seine Aufgaben näher erläutert würden. Paulus selbst bezeichnete sich als ein „Lehrer der Heiden im Glauben“, 1. Tim. 2,7. In Antiochien finden wir Propheten (Ausleger) und Lehrer als Diener in der Gemeinde, Apg. 13,1, während wir von Ältesten in dieser Gemeinde nichts lesen. Das heißt nicht, dass es vielleicht keine dort gab. Wir wissen es einfach nicht. Auch nicht, wie dann die Ausleger und Lehrer zu den Ältesten standen. Paulus und Barnabas wurden als „Lehrer unter den Brüdern“ bezeichnet, Apg. 15,22.

    Dass es sich um einen wichtigen Dienst gehandelt haben muss, machen auch die Stellen Hebr. 13,7 und 17 deutlich, bei denen die Lehrer als solche beschrieben werden, die uns das Wort Gottes sagen, die über die Seelen wachen, für sie vor Gott Verantwortung tragen, Rechenschaft für sie geben müssen und daher auch Gehorsam einfordern dürfen, wenn sie Gottes Wort bringen.

    Der Prophet redet 1. Kor. 14,3 zur Besserung, Ermahnung, Tröstung, unterweist die Gemeinde, 1. Kor. 14,19. Nach Apg. 13,1; 1. Kor. 12,28 und Eph. 4,11 ist er einer der Dienste am Wort, ohne eine genaue Abgrenzung gegenüber anderen Diensten. Der Begriff der „Weissagung“ meint dabei nicht nur Vorhersage zukünftiger Dinge, sondern, gerade wenn wir 1. Kor. 14 betrachten, auch Schriftauslegung. Der Prophet war also jemand, der eine kraftvolle, vollmächtige Predigt halten konnte.

    Auch der Evangelist wird Eph. 4,11 zwar erwähnt, aber nicht näher beschrieben. Nach Apg. 21,8, wird der Diakon Philippus auch als Evangelist bezeichnet. Seinen Dienst finden wir in Apg. 8 beschrieben, nämlich dass er missionarisch tätig war. So dürfte wohl mit „Evangelist“ der glaubensweckende Dienst beschrieben werden, der eher nicht an eine bestimmte Gemeinde gebunden ist. In 2. Tim. 4,5 wird er in einem sehr weiten Sinne für die Wortverkündigung überhaupt verwendet.

    Nach Phil. 1,1 nahm der Diener ein wichtiges Amt in der Gemeinde ein, denn die Diener werden dort neben den Bischöfen genannt. Aber auch dieser Dienst wird nicht näher beschrieben. Die Anforderungen in 1. Tim. 3 sind in vielem denen an die Bischöfe sehr ähnlich. In Apg. 6, wo erstmals von Dienern oder Diakonen die Rede ist, wird dabei ein Dienst beschrieben, der aus dem Apostelamt ausgegliedert worden war und der Handreichung an die Armen, besonders die Witwen, dienen sollte. Ob darüber hinaus dieser Dienst auch mit der Wortverkündigung zu tun hatte, wissen wir nicht. Zumindest von zwei Diakonen lesen wir, dass sie auch das Wort ausgeteilt haben, Stephanus und Philippus. Aber auch hier gilt: Der Dienst wird nicht konkreter umrissen.

    Die Apostel sind zunächst und vor allem die Zwölf, die Matth. 10,1 von unserem HERRN Jesus Christus berufen wurden, damit sie als fundamentlegende Apostel dem grundlegenden Bau der neutestamentlichen Gemeinde als Ohren- und Augenzeugen dienen sollten, Apg. 1,21.22, denn die Gemeinde Jesu Christi ist gebaut auf den Grund der Apostel und Propheten, da Jesus Christus der Eckstein ist, Eph. 2,18-21. Der Dienst der Apostel war umfassend, denn er war sowohl gemeindlicher Natur, wie wir es sowohl in Jerusalem sehen als auch bei dem Wirken des Paulus, wie auch übergemeindlicher, missionarischer Natur, wie sowohl bei Petrus, Apg. 9; 10, als auch bei Paulus, Apg. 13 ff., zu sehen ist. Im Kern war ihr Dienst Dienst am Wort, Apg. 6,3. Darum konnte sich Petrus auch als „Mitältester“ zu den Ältesten bezeichnen, 1. Petr. 5,1.

    An anderen Stellen, wir Röm. 16,7, kann der Begriff auch in einem weiteren Sinne verwendet werden und beschreibt dann einfach Sendboten Christi.

 

    Was lässt sich nun aus dieser Darlegung des Neuen Testaments zu den Diensten in der Gemeinde ableiten? Gemäß dem Zeugnis des Neuen Testaments haben wir das Eine Amt, wie es ursprünglich bei den Aposteln vorhanden war, in zwei Hauptsträngen, die bei den Aposteln noch zusammenfielen: einen missionarisch-evangelistischen und einen gemeindlichen. Beide sind gleichermaßen bedeutend und wichtig für den Bau der Gemeinde Jesu Christi, ja, ein Großteil der Apostelgeschichte ist Missionsgeschichte, während die Briefe dann stärker die gemeindliche Seite hervorheben.

    Im Blick auf die Christenversammlungen, und das geht ja im Neuen Testament vor allem um die direkten, unmittelbaren Versammlungen der Christen um Wort und Sakrament zur gemeinsamen Verwaltung der Gnadenmittel nach innen und außen, im Blick also auf diese Christenversammlungen lesen wir, dass es Gottes evangelischer Wille und Ordnung ist, dass diese Christenversammlungen Diener an Wort und Sakrament berufen, die häufig, aber nicht ausschließlich, als Älteste oder Bischöfe bezeichnet werden, die als vorstehende, weidende, lehrende, wachende Diener beschrieben werden, ohne dass dieser Dienst aber sonst weiter konkretisiert, auch gegen andere abgegrenzt worden wäre, eben die Propheten, Evangelisten, Hirten, Lehrer. Auch diese anderen Dienste werden zumeist nicht näher beschrieben.

    Das zeigt also, dass es neben dem missionarischen Dienst a) in den direkten, unmittelbaren Christenversammlungen Diener an Wort und Sakrament geben soll. Das ist Gottes evangelische Ordnung. b) Wie dabei nun dieser Dienst oder dieses Amt konkret gestaltet wird, das ist frei. Das machen die verschiedenen Dienste deutlich, die wir bereits in der Zeit des Neuen Testaments finden. Ob dabei der Begriff der Ältesten oder Bischöfe als Generalbegriff gelten kann, der die anderen Dienste mit einschließt, wie Martin Chemnitz vermutete, kann nicht mit letzter Bestimmtheit gesagt werden, ist aber durchaus möglich. Auf jeden Fall ist aufgrund des Zeugnisses des Neuen Testaments der Dienst in der Ortsgemeinde ein bedeutsamer, herausragender, für den Bau des Reiches Gottes unverzichtbarer Dienst.

    Was heißt das nun für die zu Beginn aufgeworfene Frage, Diskussion? a) Eine Einsetzung, vergleichbar mit de der Taufe oder des heiligen Abendmahls, für eine bestimmte äußere Gestalt des Amtes liegt nicht vor. b) Es ist Gottes erklärter Wille, Tit. 1,5, dass in den lokalen Gemeinden Diener an Wort und Sakrament berufen werden, ohne dass damit die Gestalt des Dienstes in der Gemeinde, ob ein Diener oder mehrere, wie verschiedene Diener zueinander stehen, vorgegeben wäre. c) Die Organisation oder Ausgestaltung des Einen Amtes steht damit in christlicher Freiheit. Das Eine Amt kann in unterschiedliche species, gradus aufgeteilt werden. Selbst Paulus gliederte z.B. bedeutende Teile aus, wie die Sakramentsverwaltung, die andere übernahmen, 1. Kor. 1,16. d) Eine feste Amtsstruktur ist damit von Christus nicht vorgegeben. e) In sofern als der Dienst in der Ortsgemeinde oder direkten, unmittelbaren Christenversammlung Gottes evangelischer Wille und Ordnung ist, kann in diesem Sinne von einer „Einsetzung“ des Dienstes an Wort und Sakrament in der Gemeinde gesprochen werden, wenn dies nicht in einem gesetzlichen Sinne gemeint ist, so, als gäbe es ein Gebot, einen Befehl Gottes, ein bestimmtes Amt aufzurichten. Da heute das Pfarramt oder Pastorenamt der Dienst in der Gemeinde ist, könnte in dieser Hinsicht, mit diesem Hintergrund, davon gesprochen werden, dass das Pastorenamt oder Pfarramt „von Christus eingesetzt“ sei, aber nur in dem Sinne, dass hier Pastoren- oder Pfarramt als Synonym für den Dienst in der Ortsgemeinde verwendet werden und damit keine bestimmte äußere Gestalt und Struktur verbunden ist. Die anderen Dienste können dann als „helfende“ Dienste bezeichnet werden, da sie ja entweder einzelne Aufgaben, Funktionen des einen Amtes wahrnehmen und damit die Diener am Wort in diesen Bereichen unterstützen, oder Aufgaben haben wie die Heranbildung weiterer Diener am Wort. Diese Dienste nehmen zwar göttliche Aufgaben wahr, die mit dem Einen Amt verbunden ist, ohne dass es aber ein dem Zeugnis für den Dienst in der Gemeinde vergleichbares Zeugnis im Neuen Testament gäbe, dass diese konkreten Dienste genauso sein müssten. Sie kommen vielmehr aus christlicher Freiheit, in menschlicher Übereinkunft.

    Da die Christenversammlung um Wort und Sakrament die Freiheit hat, je nach Bedürfnis das Eine Amt aufzugliedern, erscheint dann der Dienst in der Gemeinde als einer neben vielen. Dennoch aber bleibt, gemäß dem Zeugnis des Neuen Testaments, dieser Dienst in der Gemeinde – gleichgültig, wie er dabei strukturiert, vielleicht auch aufgegliedert wird – als die Hauptfunktion des Einen Amtes, das ja nicht von ungefähr gemäß 2. Kor. 5,18 von Luther als „Amt, das die Versöhnung predigt“, also als Verkündigungsdienst beschrieben wird, unverzichtbar, absolut erforderlich, während alle anderen Dienste zwar göttliche Aufgaben ausführen, ohne dass diese Aufgaben unbedingt durch den einen oder anderen besonderen konkreten Dienst ausgeführt werden müsste. Sie können also durchaus unter Umständen wegfallen.

    Gerade weil wir im Neuen Testament keine konkrete, genaue Ämter- oder Dienstbeschreibung haben, macht damit der Heilige Geist deutlich, dass Eine Amt, in seiner doppelten Grundstruktur nach innen und außen, in vielfältiger Gestalt auftreten, in mancherlei species oder gradus aufgegliedert werden kann, in christlicher Freiheit, nach menschlicher Übereinkunft, aufbauend auf den beiden Hauptfunktionen: Mission und Gemeindedienst. Wir sollten uns hüten, weiter gehen zu wollen und so etwas wie konkrete neutestamentliche Ämter bilden zu wollen, wie es in der römisch-katholischen Kirche, der Ostkirche, bei den Reformierten und vielen Evangelikalen („neutestamentliche Gemeinde“) der Fall ist. Es gibt keine von Gott vorgegebene neutestamentliche Gemeinde- oder Ämterordnung, von einigen Eckpunkten abgesehen. Wir haben kein neues Zeremonialgesetz im Neuen Testament.

 

 

 

BLUTZEUGEN DES CHRISTLICHEN GLAUBENS

 

Die 27 Märtyrer in Prag

(+ 21.06.1621)

 

    Nach der Schlacht am Weißen Berge war Böhmen in die Hände des streng katholischen Ferdinand geraten. Gegen ihn hatten sich, um den Protestantismus zu retten, die Häupter der utraquistischen [hussitischen, Anm. d. Hrsg.] und protestantischen Partei erhoben. Neben ihrer religiösen Standhaftigkeit war Ursache an ihrer Widersetzlichkeit gegen Ferdinand zugleich ein Streben nach Fortdauer ihrer aristokratischen Freiheiten und nach böhmischer Selbständigkeit, so dass wir sie nicht als rein religiöse Märtyrer und als ganz schuldlos betrachten können. Namentlich verdient einer, der aber nicht als Märtyrer mit zu sterben bereit war, mehr den Namen eines politischen Agitators, das war der unruhige Graf von Thurn.

    Die Böhmen retten wollten vor Ferdinand und vor der Glaubensverfolgung und Finsternis wurden zum Tode verurteilt, 27 der angesehensten Männer Böhmens, für welche alle Fürbitten vergeblich gewesen sind.

    Am Vorabend bereiteten sie in den Kerkern sich zum Tod vor. Man hörte in allen Gefängnissen nur Gebet und Gesang uns ah Geistliche ab- und zugehen, Jesuiten, Kapuziner und Lutheraner, welche ihnen zum Troste doch zugelassen waren. Nachrichten über jedes Einzelnen Verhalten in der letzten Nacht haben wir aus der Feder der evangelischen Pfarrer, welche, nach standhafter Abweisung der Jesuiten, den Verurteilten im Kerker beistanden, mit ihnen beteten und sangen und Kommunion hielten, ja auch mit aufs Schafott gehen durften.

    Im Hinblick auf jene blutigen, unvergesslichen Stunden haben wir vor allem zu bedenken: Jene 27 waren nicht etwa vermessene junge politische Schwärmer; nein, es waren meist bejahrte, hoch gebildete, erfahrene bisher wegen ihrer Verdienste, wegen ihrer hohen Ämter und wegen ihrer Güter hoch angesehene Männer, die auch alle mit der Überzeugung die Blutbühne betraten, dass sie nicht ungesetzlich gehandelt, als die wärmsten Vaterlandsfreunde und treue Anhänger der evangelischen Kirche ein viel anderes Los verdient hätten und als Opfer für die gute Sache ihres Glaubens fallen müssten.

    Die Blutbühne war neben dem Altstädter Rathaus zu Prag. Wie man in jenen Zeiten seine Gefühle mit Singen auszudrücken suchte, so war es auch jetzt. Es waren bekanntlich die böhmischen Protestanten mit der Bibel ganz vertraut, hohe und geringe Personen. Jetzt hörte man sie anstimmen Psalm 44,14 bis 27 und Psalm 86. Die ganze Nacht vom 20. zum 21. Juni war voll Gebet und Gesang, voll Tränen und Klagen, aber auch voll Trost und Hoffnung. Der Trag brach an, die Stunde der Hinrichtung schlug. Reiterei umzingelte das Blutgerüst. Der Richter, Karl von Lichtenstein, saß unter seinem Baldachin. Was die Unglücklichen sprachen, waren Worte der Heiligen Schrift.

    Das erste Schlachtopfer war Graf Joachim Andreas von Schlick. Er wurde von vier evangelischen Pfarrern geführt, aber auch von den Jesuiten mit großer Zudringlichkeit behelligt. Er versicherte, weiter nichts gewollt zu haben, als den reinen Glauben zu beschützen und für Böhmen zu retten, er werde standhaft sterben und erwarte bei Gott ein ganz anderes Urteil; er gedachte an die Trostworte der Pfarrer Offenb. 14,13. Es wurde ihm nun Haupt und Hand abgehauen.

    Das zweite Schlachtopfer war Wenzel v Budowa, genannt „der letzte Böhme“, ein ausgezeichneter Mann, tief religiös und Mitglied der Brüdergemeine. Er benahm sich standhaft, wurde von Kapuzinern und Jesuiten (denen er treffend mit Bibelstellen antwortete) begleitet. Vor dem Ende betete er fürs Vaterland, für das Heil der Kirche und für seine Freunde. Sein Kopf wurde neben mehreren anderen am Brückenturm angeschlagen.

    Der dritte, Christoph Harant, ein alter Krieger, klagte bitter über des Urteils Strenge, befahl aber in seinen letzten Seufzern vertrauensvoll seine Seele Jesus Christus.

    Der Ritter Kaspar Kaplirz sprach die Überzeugung aus, dass er und die anderen böhmischen Stände zu Rettung der evangelischen Kirche hätten so handeln müssen. Er wollte seine Standhaftigkeit mit seinem Blut besiegeln, musste von den Pfarrern gehalten werden; er tröstete sich mit Psalm 73,26 und mit des Stephanus Worten. Auch sein Kopf kam an den Brückenturm.

    Procop Dworschezky tröstete sich mit Matth. 10,28. Friedrich von Bile starb gottergeben und geduldig. Otto Heinrich von Loß mit 2. Kor. 12,4.

    Dionys Czernin war insofern merkwürdig, als er katholisch war. Die Strafe bekam er dafür, dass er einst die Stände bewaffnet aufs Schloss gelassen habe. Die Richter legten Wert darauf, auch einen Katholiken verurteilt zu haben, damit man sehen solle, dass die Verurteilungen nicht zunächst um der Religion willen geschehen seien. Er war im Gefängnis ein tränenvoller Zuschauer der Darreichung des Kelchs an die evangelischen Mitgefangenen, berücksichtigte wenig die ihm zusprechenden Jesuiten und tröstete sich mit den Worten Jesu, Matth. 10,28.

    Der nächste war der schon siebzigjährige Wilhelm Koneczchlumsky, der seine Seele nur Christus befahl. Bohuslaw von Michalowicz betrug sich religiös standhaft und zum Tode freudig, hielt sich an Joh. 12,26. Valentin Kochan erbaute sich an den Bibelstellen Phil. 3,30; Psalm 16,11; Luk. 2,29. Tobias Steffek an Offenb. 21,4. Johann Jessenius, ein höchst ausgezeichneter Mann und Arzt, widerstand furchtlos den Jesuiten, musste sich lebend die Zunge ausschneiden lassen und wusste, dass nach der Enthauptung sein Leib gevierteilt werden würde. Christoph Kober tröstete sich mit den Sprüchen Apg. 14,22; matth. 5,11; 2. Tim. 1,12; 4,7; Psalm 118,17; 31,6. Dann folgten Johannes Schulz, Maximilian Hostialek, der heilig versicherte, nur für Vaterland und Religion gehandelt zu haben, und zuletzt noch Luk. 2,29 und 23,46 betete. Hierauf kamen Johannes Kutnaur, Simeon Sissizky, Nathan Wodniansky, Wenzel Gisbitsky, Heinrich Kozel, Andreas Kozaur, Georg Rzetschitz, Michael Wittmann, Simon Wokacz. Da traf es ein, was Jesus spricht, Joh. 16,10.

(Nach: Piper IV, 321 ff.; in: Otto Michaelis: Protestantisches Märtyrerbuch. 2., erw. Aufl. Stuttgart 1927. S. 20-205)

 

Kaspar Tauber

(+ 17.09.1524)

 

    Als über Luther und seine Genossen die Reichsacht verhängt worden war, wurden in Wien mehrere der Reformation zugetane Personen in den Kärntner Turm gesetzt, unter denen Kaspar Tauber die meiste Aufmerksamkeit verdient, ein Laie, der fest blieb, während Geistliche ihre zu St. Stephan, St. Michael und in der Burgkapelle gepredigten „Ketzereien“ fahren ließen und sich „lobenswert“ unterwarfen. Jener angesehene Bürger hatte mündlich und in einer auf der Liste der verbotenen Bücher gesetzten und uns leider nicht mehr erhalten gebliebenen Schrift gegen Ohrenbeichte, Wandlung in der Messe, Fegfeuer, Heiligenfürbitte, Schlüsselgewalt der Kirche und für das allgemeine Priestertum aller Gläubigen gezeugt. Er wurde verurteilt, vor St. Stephans Haupttor an drei Sonntagen barhäuptig und barfuß, in zerlumpten Kleidern, einen Strick um den Hals, eine brennende Kerze in der Hand, zu widerrufen, ferner ein Jahr im Gefängnis zu sitzen, eine Geldstrafe zu zahlen und endlich lebenslang ein schwarzes Kreuz an seinen Kleidern zu tragen.

    Am ersten Verleugnungstage erklärte er auf dem vor dem Dom errichteten Schaugerüst, nicht überwiesen zu sein und nicht widerrufen zu können. Infolgedessen wurde er als hartnäckiger Ketzer zum Tode verurteilt. Der Stadtrichter legte ihn in Ketten. Tauber: „Unüberwunden, ja auch ungehört muss ich verurteilt sein. Wenn ihrer 80.000 Doctores wären, könnten sie mir nichts abgewinnen, weil das Wort Gottes auf meiner Seite steht. Im Dunkeln haben mit mir gespielt. Sie schämen sich ihrer Handlung, darum hassen sie das Licht; über dem Wort will ich verharren, sterben und genesen.“ Er wurde ins Schergenhaus geführt. Abermals ruft er: „Ihr lieben Brüder und Kaufleute! Schreibt’s in alle Lande, dass man mit mir so unchristlich handelt und so gar eine unredliche Tat begeht. Darum gesegne euch Gott.“

    Vergebliche erneute Versuche, ihn zum Widerruf zu bewegen, folgten. Am 17. September 1524 in der Frühe wurde er zur Richtstätte am Erdberg gefahren. Vor ihm saß ein Priester, der ihm ein Täfelchen vorhielt, auf dem ein Kruzifix und, wie zum besonderen Hohn, ein Marienbild gemalt war; hinter ihm der Henker; neben dem Wagen liefen acht Stadtknechte und vier Schergen.

    Nachdem er „fröhlich“ abgestiegen, bat er die kaum hundert Zuschauer, die trotz der frühen Stunde sich eingefunden, nach Jesu Vorbild gegen die an seinem Tode Schuldigen nicht gehässig zu sein, denn so hätte Gott gefallen. Der Geistliche fragte, ob er nicht beichten wolle? Schroff antwortete der Gefesselte: „Stehet nicht müßig! Schafft Eure Sach! Ich habe Gott meinem himmlischen Vater gebeichtet.“ Auf neuerliche Mahnung, doch seine Seele zu versorgen: „Meine Seele habe ich schon versorgt, und wenn ich noch 80.000 Seelen hätte, so wären sie heut all durch diesen meinen Glauben zu Gott versorget.“ Darauf sprach er, zum Himmel gerichtet: „O Herr Jesu Christe, der Du um unsertwillen und für uns gestorben bist, ich sage Dir Dank, dass Du mich Unwürdigen erwählet und würdig erachtet hast, um Deines göttlichen Wortes willen zu sterben.“ Er machte mit dem rechten Fuß, weil seine Hände gefesselt waren, vor sich auf die Erde ein Kreuz, kniete „fröhlich“ darauf nieder, hob nochmals seine Augen zum Himmel und sprach dreimal, wieder nach Jesu Vorbild: „In deine Hände befehle ich meinen Geist.“ Als ihm der Henker seinen roten Schlapphut vom Haupt nimmt, spricht er, vielleicht wieder in Bezug auf die Gewandverteilung auf Golgatha: „Lieber Meister, nehmt sie hin und tragt sie von meinetwegen!“

    Danach wurde ihm das Haupt abgeschlagen und der Leichnam auf dem in der Nähe geschichteten Scheiterhaufen verbrannt. Zu spät sollen Tausende herbeigeeilt sein, um ihn wenigstens der Lohe zu entreißen.

    Luther zählte Kaspar Tauber zu den vornehmsten Blutzeugen und hat in gebundener und ungebundener Rede sein Lob gesungen.

(G. Loesche: Geschichte des Protestantismus in Österreich. Ders.: Kaspar Tauber. Berlin 1924. Aus: Otto Michaelis: Protestantisches Märtyrerbuch. 2., erw. Aufl. Stuttgart: Verlag von J.F. Steinkopf. 1927. S. 20-22.)

 

 

THEOLOGISCHE ANMERKUNGEN

 

Kontextualisierung:

Mit dem Begriff der Kontextualisierung wird ein Phänomen beschrieben, das in den liberalen protestantischen Kreisen schon in den 1920er Jahren auftrat1, dann vom Ökumenischen Rat der Kirchen (ÖRK) seit 1972 propagiert wird2 und seither immer mehr auch in den evangelikalen Bereich eingedrungen ist und inzwischen auch, wegen fehlender Absonderung, konservative evangelikale Gemeinden infiltriert3. Dabei ist die Idee selbst keineswegs so neu, sondern in der römisch-katholischen Kirche unter dem Begriff der „Inkulturation“ oder „Indigenisierung“ schon seit dem 16. Und 17. Jahrhundert bekannt4. Ja, wir finden sie schon im frühen Mittelalter, etwa wenn wir an den „Heliand“ denken, ein altsächsisches Literaturdenkmal, in dem die neutestamentliche Botschaft in germanisches Gefolgschaftsdenken gekleidet wurde, wobei aber einige für Germanen besonders schwierige Dinge wie das, auch die andere Wange hinzuhalten, herausgelassen wurde, während andererseits das germanische Schicksalsdenken stark durchdringt5.

    Worum geht es bei der Kontextualisierung? Es geht dabei nicht mehr darum, dass Menschen durch die frohe Botschaft bekehrt werden aus dem Heidentum zu Jesus Christus, ihrem Retter und HERRN, sondern es geht um „Massenbekehrungen“, um „Volksbewegungen“, also letztlich um Christianisierung, um Einfluss auf die Massen. Kurz zusammengefasst heißt Kontextualisierung: Anpassung der Botschaft der Bibel an das religiös-gesellschaftlich-kulturelle Umfeld (eben: Kontext). Wir wollen hier nun schwerpunktmäßig die Kontextualisierung der Botschaft betrachten, die übrigens auch eine Kontextualisierung der Gemeinde und ihres Lebens zur Folge hat6. Es geht dabei, und das ist ganz wichtig, nicht um eine Anpassung der Vermittlung der einen Botschaft, der einen biblischen Wahrheit an den jeweiligen Verständnishorizont der Hörer, das ist ja allerdings wichtig und richtig; auch nicht darum, dass die Gemeinde verwurzelt sein sollte in ihrem Volk, in dessen Kultur, Sitten, soweit dies ohne Einschränkung der biblischen Lehre, ohne Vermischung mit dem Heidentum möglich ist. Kontextualisierung meint vielmehr die Veränderung der einen biblischen Wahrheit, der Lehre Gottes, und zwar nach dem jeweiligen religiösen, kulturellen und sozialen Umfeld. Es kommt dann zu kulturell geprägten „Gemeinschaften von Jesus-Jüngern“7, die tatsächlich noch mehr oder weniger stark auch im religiösen Umfeld verwurzelt sind, bis dahin, dass sie z.B. noch zur Moscheegemeinde gehören, zur Moschee gehen und auch eine islamisch verbogene Jesus-Lehre vertreten.

    Die meisten Begründer dieser modernen Kontextualisierung, wie Lesslie Newbigin, David Bosch, kommen zwar aus dem bibelkritischen Hintergrund und nehmen von daher die Bibel sowieso nicht als Gottes irrtumsloses, ewig gleiches Wort, aber im evangelikalen Bereich gibt es durchaus Vertreter, die formal zwar die Verbalinspiration noch bekennen, zugleich dann aber behaupten, dass wir in der Bibel eine Botschaft im hebräischen bzw. griechischen Umfeld hätten, die nun z.B. an das islamische, hinduistische, animistische oder eben westliche Umfeld anzupassen sei.8 Das hat dann verständlicherweise sehr unterschiedliche „Theologien“ zur Folge, je nach dem Umfeld, in dem sie entstanden ist.9

    Tatsächlich heißt dies, dass die Eine biblische Wahrheit geleugnet wird, dass behauptet wird, die Botschaft der Bibel sei historisch, kulturell bedingt und verändere sich damit mit ihrem Umfeld10. Hier klingt übrigens auch sehr stark die sogenannte kanonische Auslegung der Schrift an, wie auch die Literaturphilosophie, wie sie von Hans-Georg Gadamer und Umberto Eco geprägt ist. Ebenso spielt die humanistische Anthropologie hinein, die behauptet, alle Kulturen seien gleichwertig, deshalb müsse man einen „neutralen“ Zugang finden11.

    In diesem ist dann auch der Begriff der „dynamisch-äquivalenten Kirchlichkeit“ entstanden12. Dies führt uns zu einem weiteren bedeutenden Umbruch, der durch die Irrlehre der Kontextualisierung geschah, nämlich im Bereich der Bibelübersetzung. Durch den Missionar, Anthropologen und Linguisten Eugene P. Nida wurde die „dynamisch-äquivalente“ Bibelübersetzung entwickelt, bei der behauptet wird, der Text müsse von seinem ursprünglichen Wortlaut „befreit“ werden. Der erschlossene Sinn müsse in anderen, der jeweiligen Zielkultur angemessenen Begriffen, ausgedrückt werden. Dies führt zu einer massiven Veränderung der Bibeltextes und seiner Anpassung an die jeweilige Umwelt. Bedeutende evangelikale Einrichtungen, wie die Wiclif-Bibelübersetzer oder auch das Summer Language Institute (SLI) verwenden inzwischen diese Methode13. Viele der heute auf dem Markt befindlichen neueren Bibelübersetzungen beruhen auf der dynamisch-äquivalenten oder kommunikativen Methode, etwa Today’s English Version, Living Bible, im Deutschen Gute Nachricht Bibel, Hoffnung für alle, Neue Genfer Übersetzung, Neues-Leben-Bibel, Neue evangelistische Übertragung14. Es ist daher sehr wichtig, dass wir prüfen, welche Bibelübersetzungen wir im Gottesdienst, im Unterricht verwenden und für unsere Gemeinden empfehlen.

 

 

 

ZEICHEN DER ZEIT

 

 

Aus der lutherischen Kirche:

Badische Lutheraner weiter auf Abwegen: Der Steinener Pastor Thierbach brachte im Kirchenblatt „Aktuell“ der Evangelisch-Lutherischen Kirche in Baden, 1/2014, S. 3 f. eine ausführliche Abhandlung zur Barmer Erklärung von 1934. Obwohl er einer sich lutherisch nennenden Gemeinde als Pastor dient, ist in diesem Artikel keinerlei kritische Betrachtung zu dieser in vielen ihrer Aussagen zweideutigen bzw. undeutlichen Erklärung zu finden, die damals von den lutherischen Landeskirchen nicht angenommen wurde. Keine Erwähnung fand auch das Betheler Bekenntnis von 1933, das ja immerhin eine Alternative gewesen wäre und auf lutherischem Boden gestanden hätte. P. Thierbach war ja erst in den letzten Jahren dadurch aufgefallen, dass er, und etliche mit ihm, durchsetzen wollte, dass die ELKiB die Leuenberger Konkordie annimmt, was aber formal schließlich von der Synode abgelehnt wurde. Praktisch handelt er aber mit seiner Gemeinde so, als seien Leuenberg und Barmen für sie relevant.

„Leben in einer ökumenischen Welt“: Die Europäische Lutherische Konferenz (ELK), eine Regionalkonferenz des Internationalen Lutherischen Rates (ILR), der Gemeinschaft der mit der Missouri-Synode weltweit verbundenen Kirchen, hat am 24.05.2014 ein Papier angenommen, das überschrieben ist: „Ein Wort an unsere Gemeinden zum Leben in einer ökumenischen Welt“. Unter „ökumenischer Welt“ versteht dieses Papier die Tatsache, dass „Gott seine Kirche an allen Orten gestiftet und sein Volk in diese Welt hineingestellt hat“ (S. 1). In diesem Sinne ist der Begriff akzeptabel und eine gute Situationsbeschreibung der Gemeinde Jesu Christi. Dann kommt dieses Papier in der Präambel auch auf die Ökumenische Bewegung zu sprechen, „die versucht hat, die Brüche und Spaltungen innerhalb der einen Kirche zu verkleinern“ (S. 1). Hier tritt nun etwas auf, was immer wieder auftaucht in dem Papier: Ein unsauberer Gebrauch des Begriffs „Kirche“, keine klare Unterscheidung, ob von der Einen Kirche Jesu Christi (Una Sancta Ecclesia) die Rede ist, also der verborgenen Gemeinschaft aller an Jesus Christus als ihren Retter Glaubenden, oder ob die äußere Versammlung um Wort und Sakrament gemeint ist. Das angeführte Zitat zeigt eine eindeutige Vermischung dieser Begriffe. Denn die Eine Kirche, und von der ist ja wohl die Rede, ist keineswegs getrennt. Aber diese Einheit ist eine geistliche, keine äußere, sichtbare. Und das darf nicht vergessen werden, wird aber in diesem Papier nicht immer deutlich genug gesagt, wenn es dann auch unter Punkt 1 heißt, „es gibt in der Welt eine heiligem, christliche und apostolische Kirche. Die christliche Kirche ist ein Glaubensartikel, eine Schöpfung des Heiligen Geistes …“ (S. 1). Gespalten ist die Kirche im Blick auf die äußere Versammlung um Wort und Sakrament. Richtig wird dann unter Punkt 1 auf die sichtbaren Kennzeichen der Kirche (notae ecclesiae) verwiesen, um festzustellen, wo die Kirche ist, und im Anschluss an Artikel 7 des Augsburger Bekenntnisses dann auch von Wort (Evangelium) und Sakrament als den Kennzeichen gesprochen. So weit ist es gut und richtig. Dann aber geht man weiter auf die von Luther in „Von den Conciliis und Kirchen“ genannten sieben Kennzeichen, ohne dabei die grundlegenden Unterschiede innerhalb dieser „Kennzeichen“ herauszuarbeiten, nämlich dass auch für Luther tatsächlich nur Wort und Sakrament die Kennzeichen der Kirche sind, während die anderen fünf tatsächlich von ihnen abhängen und nur in Verbindung mit ihnen betrachtet werden können. Daher ist es nicht korrekt, im direkten Anschluss an die Darlegung der Kennzeichen in „Conciliis und Kirchen“ zu sagen, „Wo diese Kennzeichen zu finden sind, können Menschen sicher sein, die Kirche gefunden zu haben“ (S. 1). Das stimmt so eben nicht. Die ersten beiden genügen. All die anderen sind keine eindeutigen Kennzeichen, ja, Leiden, Kreuz (S. 2) kann auch unter Absehung des Glaubens Menschen in der Welt treffen. Auch ideologisch antichristlich ausgerichtete Menschen leiden für ihre Ideologie, wenn es sein muss.

    Auch unter Punkt 2, der nach der Überschrift eindeutig von der äußeren Versammlung oder den „verfassten Kirchen“ sprechen sollte, findet wieder eine Vermengung der Begrifflichkeiten statt, wenn es einerseits heißt, dass „die christliche Kirche heute offenkundig gespalten“ ist, was ja im Blick auf die äußere Versammlung stimmt, dann aber gleich im nächsten Satz „Trotzdem besteht ihre Einheit immer noch“ (‚S. 2), was eben für die äußere Versammlung nicht zutrifft, sondern die verborgene Gemeinschaft der Glaubenden meint, und dann auf die Einheit im Bekenntnis übergegangen wird, die ja allerdings die äußeren Versammlungen angeht – und doch wird von „dieser Einheit“ gesprochen, was eindeutig falsch ist, weil die sich auf die verborgene Gemeinschaft bezog.

    Dass man traurig ist über solche Spaltung, ist ja in Ordnung, aber es wird nicht eindeutig genug herausgearbeitet, dass es wirkliche Einheit nur in der Wahrheit geben kann, und dass die Trennungen Folgen davon sind, dass Personen und Gemeinden von der vorgegebenen biblischen Wahrheit abgerückt sind und sie somit von der Wahrheit Gottes getrennt haben. Immerhin wird bezeugt, dass es um des klaren Christusbekenntnisses „nötig sein kann, einen einsamen Weg in Treue zu gehen“ (S. 2). Allerdings wird auch festgestellt, leider ohne es zu kritisieren, dass einige der ELK angehörende Kirchen an ökumenischen Gruppen in ihren Ländern beteiligt sind (das betrifft vor allem die SELK in der BRD und die ELCE in Großbritannien, wobei die SELK mit ihrer Mitgliedschaft in der ACK ein Vorreiter ist).

    Richtig ist die Feststellung, dass wir in einer zunehmend ablehnenden und feindlichen Welt leben, in der „die Kirche jede bevorzugte oder privilegierte Position in der Gesellschaft verliert“ (S. 2). Allerdings wird nicht bedacht, dass diese besondere Stellung eigentlich nur die Kirchen in der sogenannten „westlichen Welt“ betraf, sonst nicht, vor allem nie in Asien und Afrika, und dass es eine Sondersituation war. Die Situation, die jetzt mehr und mehr wieder kommt, ist die „Normalsituation“ für die Gemeinde Jesu Christi gemäß der Bibel (s. Joh. 15; Apg. 14,23; 2. Tim. 3,12).

    Punkt 3, der die Situation der Ortsgemeinden aufgreift, ist problematisch in sofern, als er Union, Allianz, Konfessions- und Religionsvermischung die Tür öffnet, wird doch behauptet, „Pastoren, Gemeinden und Kirchen haben immer wieder festgestellt, dass die Ausübung von Seelsorge nicht im Durchsetzen von Regeln und Vorschriften besteht, sondern in der persönlichen Anwendung von Gesetz und Evangelium“ (S. 2). Hier geht es ja, unausgesprochen, um die vermehrt gepflegte, aber unbiblische „gastweise“ Zulassung zum Abendmahl und andere Weisen der Konfessionsmengerei. (s.a. S. 3) Was gut im Blick auf die Situation in den Gemeinden dargestellt wurde, ist die Bedeutung, die der Unterweisung der erwachsenen Gemeindeglieder anhand des Katechismus gegeben werden muss (vgl. S. 3).

    Realistisch und gut auch die Darlegung der Situation von uns Christen in dieser Welt, einer Welt, die Toleranz sehr groß schreibt – aber nicht gegen über denen, die die Wahrheit bezeugen. Gegen sie wird persönliche Autonomie und Beseitigung von Schuld und Scham gefordert und menschliche Erfahrung zum Maßstab ethischer Entscheidungen gemacht (vgl. S. 3).

    Insgesamt also stellt das Papier der ELK gute Situationsbeschreibungen dar, aber ist im theologischen Bereich nicht klar genug, nicht eindeutig genug, zeigt doch eine gewisse Unsicherheit in der Lehre von der Kirche. Die Begrifflichkeit „Heilige Kommunion“ (S. 3) ist eigentlich im lutherischen Bereich nicht beheimatet und zeigt leider romanisierende Tendenzen.

Evangelisch-Lutherische Kirche in Tansania wächst rasant: Auf Einladung der Kirchlichen Sammlung um Bibel und Bekenntnis in Bayern (KSBB) war der tansanische Bischof Jacob Mameo, der der Morogoro-Diözese vorsteht, in der BRD. Die evangelisch-lutherische Kirche in Tansania ist innerhalb von 50 Jahren von 500.000 auf 5,6 Millionen (6,34 Mio nach der Internetseite der ELCT) Glieder angewachsen. Bischof Mameo betonte, dass das „Selbstvertrauen“ der tansanischen Christen tatsächlich Vertrauen auf Jesus Christus ist und dass sie von der Kraft Gottes abhängig bleiben. Dazu sei es nötig, am Wort der Bibel zu bleiben und im Gebet, so komme es zu Veränderungen nach der Bekehrung. Bischof Mameo betonte, dass dies nur möglich sei, wenn die Bibel nicht als ein Buch wie alle anderen gelte, sondern wirklich als Gottes Wort, Gott darin zu uns spricht. Die biblische Botschaft dürfe nicht verschwiegen, auch nicht verbogen, verändert werden, sondern müsse unverfälscht zu den Menschen gelangen. Die Morogoro-Diözese hat 50.000 Glieder, 66 Pastoren, 100 hauptamtliche und 200 ehrenamtliche Evangelisten.

Bischof Mameo wies auch darauf hin, dass die Kirchen in der BRD schrumpfen, weil es ihnen an solider biblischer Lehre fehlt. Sie sollten von den Kirchen der Südhalbkugel lernen. (nach: http://www.idea.de/nachrichten/detail/frei-kirchen/detail/afrikanischer-bischof-deutschen-kirchen-fehlt-solide-biblische-lehre-87287.html) Jedes Wort ist nur zu bejahen und zu unterstreichen. Es ist sehr erfreulich, dass die Gemeinde Christi, und gerade auch die lutherische Kirche, in Afrika wächst. Und wenn sie in dem Maße auch theologisch immer klarer und fester fundiert wird, und auch das ist immer mehr im Werden, so ist es gut möglich, dass, wie einst der Nahe Osten das Zentrum des Christentums war, dann Europa, dann zeitweilig Amerika, es nun Afrika werden könnte. Zu bedenken ist allerdings, dass – gemäß der Internetseite der Evangelical Lutheran Church in Tanzania (ELCT) (http://www.elct.org) – die Kirche ein „holistisches“ Missionsverständnis hat, das heißt, dass sie nicht nur Gottes Wort zu den Menschen bringen will, sondern ihnen geistlich, wirtschaftlich, sozial und mit Umweltprogrammen dienen will. Dass die Nächstenliebe auch zu sozialen Diensten, auch wirtschaftlicher Unterstützung führt, ist durchaus biblisch richtig, problematisch wird es, wenn die verschiedenen Bereiche alle auf einer Ebene stehen und der eigentliche Auftrag der Kirche – die frohe Botschaft zu verkünden – nicht mehr dominiert. Hier liegt ein entscheidender Unterschied zu der mit der Lutheran Church – Missouri Synod in Gemeinschaft stehenden Evangelical Lutheran Church in Kenya (ELCK), die auf ihrer Internetseite (http://www.elckenya.com) eindeutig die biblische Mission propagiert, ohne aber den Dienst an der ganzen Person zu vernachlässigen. Aber die Gewichtung der verschiedenen Bereiche ist anders als in der ELCT.

 

Aus anderen Kirchen:

Käßmann auf dem „Christustag“: Auf dem von der Evangelischen Allianz am 19.06.2014 in Stuttgart veranstalteten „Christustag“ sprach unter anderem die ehemalige „Landesbischöfin“ von Hannover, Margot Käßmann. Sie fiel dabei vor allem durch die völlig inakzeptable Aussage auf, dass „Evangelischer Glaube sich nicht an Dogmen binde“ und man „die Bibel kritisch lesen dürfe“. „Das ist reformatorische Freiheit.“ (nach: Verführung im Großformat von Dr. Hans Penner, vom 20.06.2014). Tatsächlich ist das nichts weiter als Irrlehre. Denn allerdings ist jeder wahre Christ an Gottes heiliges Wort gebunden und damit an Gottes Lehre. Wo Frau Käßmann steht, ist ja auch durch andere Aussagen schon deutlich geworden: So behauptet sie ja, die Jungfrauengeburt sei eine „überholte Vorstellung“ und „Joseph sei der biologische Vater Jesu“ (Spiegel 30/2012, in: Käßmann nervt, Dr. Hans Penner, vom 26.06.2014). Damit macht sie deutlich, dass sie die wahre Gottheit Christi leugnet und somit tatsächlich außerhalb der christlichen Kirche steht. Es ist daher völlig unbegreiflich, warum sich als „evangelikal“ bezeichnende Christen sie überhaupt zu einer Veranstaltung einladen. Überhaupt ist Kritik an ihr im evangelikalen Raum kaum zu hören. Hängt dies auch damit zusammen, dass sich dort schon seit Längerem die Tendenz breit macht, sich Prominenten aller Couleur anzubiedern, weil man bei den Prominenten der Welt „ankommen“ will. Hat man denn vergessen, dass, wer der Welt Freund sein will, Gottes Feind ist? (Jak. 4,4)

Papst Franziskus bei Pfingstgemeinde zu Besuch: Der römische Bischof Franziskus hat eine Pfingstgemeinde in Caserta bei Neapel besucht und dabei auch um Vergebung gebeten für das, was die römisch-katholische Kirche Pfingstlern angetan habe. Der stark ökumenistisch ausgerichtete Mitarbeiter der Weltweiten Evangelischen Allianz (WEA) Thomas Schirrmacher meinte, dass dies keine „Eintagsfliege“ sei. Im September würden Gespräche zwischen dem Weltkirchenrat, Rom, der WEA und der Weltpfingstkonferenz beginnen, in denen es unter anderem um die Frage der Missionierung in anderen Kirchen geht. (nach: proKompakt, 30/2014, S. 12) Überhaupt nicht eingegangen wurde in dem Bericht auf die erheblichen Lehrunterschiede zwischen dem biblisch-reformatorischen Christentum einerseits und Rom wie auch den Pfingstlern andererseits. Ebenso wenig wurde erwähnt, dass auch die Evangelikalen in vielen Positionen liberal geworden sind und sich sehr stark dem Weltkirchenrat und Rom angenähert und dabei biblische Positionen (Schriftlehre, Kirchengemeinschaft, Schöpfungslehre, Missiologie, Abgrenzung zu Pfingstlern und Charismatikern) verlassen haben.

Eklat bei „interreligiösem Gebet“ im Vatikan: Für Pfingstsonntag hatte der römische Bischof Franziskus zu einem „interreligiösen Gebet“ in den Vatikan eingeladen, an dem unter anderem der israelische Staatspräsident, der Präsident der palästinensischen Autonomiebehörde sowie jüdische und islamische Religionsvertreter und christliche Pfarrer eingeladen waren. Nach Darstellung eines aus Ägypten stammenden Journalisten, Hamed Abdel-Samad, betete dabei ein Imam aus der zweiten Sure „Hilf uns gegen das Volk der Ungläubigen“. Der Vatikan bestreitet dies zwar, aber auch der arabische Fernsehsender Al Arabiya veröffentliche ein Video dazu mit der Überschrift „Imam zitiert den Koran zum ersten Mal im Vatikan“. (nach selk.info Nr. 400, Juli 2014, S. 22 f.) Immerhin hat zumindest dieser Moslem gewusst, worum es ihm geht. Der römische Bischof und andere Christen, die dabei waren, haben dagegen völlig vergessen, dass solche „interreligiösen Gebete“ Gott ein Greuel sind und er z.B. 1. Kor. 10 wie auch 2. Kor. 6 ausdrücklich vor Vermischung mit den Falschgläubigen warnt.

Messianische Juden weiter auf Kirchentag unerwünscht: Die Initiatoren des Evangelischen Kirchentages in Stuttgart 2015 haben bereits im Vorfeld erklärt, dass eine Mitwirkung messianischer-jüdischer Gruppen und ihrer christlichen Unterstützer ausgeschlossen sei. Man wolle aber eine „Informationsveranstaltung“ über diese Bewegung anbieten (wie wird die wohl gefärbt sein?) Laut Aussage des Kirchentagspräsidiums gefährde die Missionsarbeit der messianischen Juden den christlich-jüdischen Dialog. (nach: selk.info Nr. 400, S. 29 f.) Einmal mehr macht diese Einrichtung der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) deutlich, wie weit sie von Schrift und Bekenntnis entfernt ist, wie sehr antibiblisch und antichristlich sowohl EKD als auch Kirchentag sind, so sehr, dass sie nun den Juden die frohe Botschaft der Rettung allein aus Gnaden, allein um Christi Verdienst willen, allein durch den Glauben verweigern. Das ist allerdings ein Skandal.

Ist Papst Franziskus „evangelisch“? Diesen Eindruck, dass bei Papst Franziskus zumindest starke evangelische Elemente vorhanden wären, vermitteln immer wieder Evangelikale, nicht zuletzt Thomas Schirrmacher und andere leitende Personen der Weltweiten Evangelischen Allianz (WEA). So hat auch Rolf Hille, der Direktor der WEA für ökumenische Angelegenheiten, das erste „Apostolische Schreiben“ von Franziskus, Evangelii gaudium (Die Freude des Evangeliums) begrüßt und behauptet, es sei von „leidenschaftlicher Liebe zu Jesus und dem Willen zu kompromissloser Nachfolge“ bestimmt; die Forderungen des Papstes seien „tief im Evangelium verwurzelt“ (vgl. Holger Weiß: Brauchen wir die Fürsprache der Heiligen? in: Theologische Handreichungen und Informationen (THI). 32. Jg. 3/2014. Leipzig. 2014. S. 8) Rolf Hille meinte gar, diese Forderungen entsprächen weithin dem Ziel der „Lausanner Bewegung“. Ähnlich positiv äußerte sich ja auch die Wochenzeitschrift idea, behauptete gar, die Papstworte seien „evangelisch“. (vgl. idea spektrum 49/2013, S. 11; in: Weiß, ebd.) Dabei wurde dann völlig ausgeblendet, dass das letzte Kapitel dieses Schreibens Maria als „Mutter der Evangelisierung“ bezeichnet – was aber ist daran evangelisch? Wie wenig Franziskus „evangelisch“ ist, zeigt unter anderem die Tatsache, dass er zwei seiner Vorgänger, Johannes XXIII. und Johannes Paul II., „heilig“ gesprochen hat, ein völlig unbiblischer, auf der römisch-katholischen Werkgerechtigkeits- und Verdienstlehre beruhender Vorgang. In diesem Zusammenhang hob er auch hervor, beide stünden für die „Kraft der christlichen Urgemeinde“, in der „das Wesentliche des Evangeliums“ gelebt werde. Und was ist das für ihn? „Die Liebe und Barmherzigkeit in Einfachheit und Brüderlichkeit“. Das macht deutlich, wie weit auch dieser Papst vom biblischen Evangelium entfernt ist, wie auch er tatsächlich von Werkgerechtigkeit geprägt ist, den Kern des Evangeliums als die Rettung allein aus Gnaden, allein um Christi Verdienst willen, allein durch den Glauben gar nicht kennt (vgl. Weiß, ebd.)

    Allerdings, und das ist das Fatale dabei, sehen das viele Evangelikale gar nicht mehr, da sie seit Lausanne 1974, verstärkt durch die Manila-Erklärung, verfestigt durch Aktionen wie die „Micha-Initiative“, ganz auf den Kurs des sozialen Evangeliums eingeschwenkt sind und mehr und mehr unter den Schlagworten „Reich Gottes“ und „missionale Gemeinde“ ein irdisches Gottesreich bauen wollen, es mehr um Christianisierung der Welt als biblische Evangelisation, Bekehrung geht. (vgl.: Rudolf Ebertshäuser: Zerstörerisches Wachstum. Steffisburg: Edition Nehemia 2012.)

Der Papst und die Ökumene: Über die Brücke der Pfingstler und Charismatiker kommen sich Papst und Evangelikale näher. Es gibt faktisch eine Art Koalition von Pfingstlern, Charismatikern und dem Papst, die nun auch versucht, die Weltweite Evangelische Allianz (WEA) einzubeziehen. Ziel ist es, 2017 (also gerade im 500. Jahr der Reformation) eine gemeinsame Erklärung abzugeben. Der Papst hat in dem leider ja auch von Evangelikalen so gerühmten Schreiben „Evangelii gaudium“ unter anderem behauptet, dass auch Nichtchristen, die auf ihr „Gewissen“ hören würden, „durch Gottes Gnade gerechtfertigt seien“ – das ist Allversöhnung pur und ein massiver Angriff auf Christi Erlösungswerk. Weiter schreibt er ja darinnen, dass die Muslime sich zum Glauben Abrahams bekennen würden und mit den römischen Katholiken den gleichen Gott anbeten. Das zeigt, wie synkretistisch und antibiblisch dieser Papst ist und wie er allerdings an einer umfassenden Welteinheitsreligion, einer pseudo-christlichen Welteinheitskirche unter dem Papsttum arbeitet. Die wahren Feinde sind für ihn alle die, die einen festen Glaubensstandpunkt haben und ihn verteidigen, in erster Linie ja dann wohl die bibeltreuen Christen. (nach: Topic, 9/2014, S. 3 f.) Hier braut sich der letzte Ansturm des Antichristen gegen die Gemeinde Gottes zusammen, wie wir ihn in der Offenbarung Jesu Christi an Johannes, auch bei Daniel beschrieben finden – aber er wird mit der endgültigen und völligen Niederlage des Antichristen und seines Herrn, dem Teufel, enden, nämlich der Wiederkunft Christi und dem Jüngsten Tag.

 

Religionsfreiheit, politisch-ideologische Tendenzen, Schulen:

„Rollentausch“ in einer Schule in Esslingen: Die gottlose Gender-Mainstreamideologie treibt immer weitere Blüten. In einem Gymnasium in Esslingen kommen im Rahmen eines von einigen Schülern, unter Fürsprache der Lehrer, durchgeführten Projekts die Jungen als Mädchen (in Blumenröckchen) und die Mädchen als Jungen (mit Bart und Krawatte) in die Schule. Es wird von „Rollentausch“ gesprochen und behauptet, man wolle zeigen, dass so etwas nicht peinlich sei und man wolle ein Zeichen für „Toleranz“ setzen. Wer das nicht so sieht, wird als „intolerant“ angesehen. (nach: http://www.freiewelt.net/nachricht/wenn-schuler-geschlechter-tauschen-10033086/)

Die Proteste gegen den Bildungsplan in Baden-Württemberg haben substantiell nichts bewirkt. Die Linksregierung hält an ihrem Vorhaben fest, die antichristliche Sexualisierung des Unterrichts voranzutreiben (ansonsten bietet der Bildungsplan wenig Anhaltspunkte für Wissen, das vermittelt werden soll, nur einigen zu „Kompetenzen“, die erreicht werden sollen, typisch für linke „Bildungspolitik“). (nach: Topic, 6/2014, S. 1 f.

Martin Schulz gegen Religion im öffentlichen Raum: In einer Fernsehdebatte vor der Wahl zum EU-Parlament hat der Spitzenkandidat der Sozialisten, Martin Schulz, gefordert, dass religiöse Symbole aus dem öffentlichen Raum entfernt werden sollten. Er forderte, dass die öffentlichen Räume „neutral“ sein müssten. Letztlich läuft es darauf hinaus, die Religion ganz aus der Öffentlichkeit zu verbannen und nur noch zu etwas Privatem zu machen. (nach: proKompakt 20/2014, S. 10) Diese Forderung sollte eigentlich nicht überraschen, denn das ist schon immer die Haltung der linken Kreise gewesen, denen Religion ein Dorn im Auge ist. „Privat“ konnte man auch in der Sowjetunion Christ sein, nur außerhalb der eigenen vier Wände sollte man sich nicht äußern. Irgendwann wird der Herr Schulz dann auch Mission und Evangelisation verbieten. Nun ist es gewiss richtig, dass die frühen Gemeinden im Römerreich auch in einer völlig unchristlichen bis antichristlichen Umgebung lebten, die völlig anders (heidnisch) geprägt war – und wuchsen. Herr Schulz verkennt nur, dass die westlichen Staaten, gerade im europäischen Raum, über 2000 Jahre christlich geprägt sind und daher aus dieser Tradition her diese Symbole auch öffentlich zeigen. Was er tatsächlich will, ist die völlige Entchristianisierung des gesamten Lebens und Denkens. Selbst das wäre, wenn es den öffentlichen Bereich betrifft, noch zu tragen, wenn die westlichen Staaten, und zwar gerade auch unter den Ägide des Herrn Schulz als EU-Parlamentspräsident, nicht immer totalitärere Züge annähmen und so immer mehr Freiräume der Bürger verstaatlichten, vor allem im Bereich der Erziehung und Bildung, und auch die freie Meinungsäußerung immer weiter eingeschränkt wird.

Zigtausende Christen in Nordkorea in Arbeitslagern: Nach Schätzung von Open Doors sind etwa 50.000-70.000 Christen in Nordkorea in Arbeitslagern eingesperrt. Viele Menschen sterben dort an Unterernährung, Krankheit und Erschöpfung aufgrund der Zwangsarbeit (ähnlich wie in den KZs in der Hitlerzeit). Die Christin Hae Woo berichtete davon, wie Gott ihr geholfen hatte, in den Lagern in ihrem Glauben standhaft zu bleiben, die kargen Mahlzeiten mit anderen Gefangenen zu teilen und auch von Gottesdiensten, die heimlich gefeiert wurden.

War Bach „antijudaistisch“? Im „Evangelisches Frankfurt“ 38,2 wird auf S. 6 behauptet, die Texte von Bachs Passionsvertonungen seien „teilweise judenfeindlich“, weil er, ganz getreu gemäß der Evangelien, den Chor der Juden rufen lässt: „Weg, weg mit dem, kreuzige ihn.“ Dazu behauptet die von den landeskirchlichen Gemeinden in Frankfurt herausgegebene Zeitung, damit würde Bach „ein altes antijüdisches Klischee transportieren, nämlich den Vorwurf, ‚die Juden’ wären Schuld an Jesu Tod gewesen“. Da man ja nun allerdings in den von Linksideologie und linker political correctness bestimmten Landeskirchen inzwischen auch meint, die Bibel ideologisch verändern zu müssen, will man es einfach nicht wahrhaben, dass Pilatus, der Heide, allerdings auf Betreiben der Juden, sowohl des Hohen Rates als der von ihm aufgehetzten jüdischen Masse in Jerusalem die Kreuzigung befahl, so dass nun beide, Juden wie Heiden, für die Kreuzigung verantwortlich sind. Dass Pilatus dabei auch erwähnt wird und sein Kreuzigungsbefehl, das scheint allerdings im „Evangelischen Frankfurt“ niemand zu stören. Wie diskriminierend!

Der Wahn geht aber noch weiter. Das „Zentrum Verkündigung der Evangelischen Kirche in Hessen und Nassau“ hatte zu einer Tagung über Bachs angeblichen Antijudaismus eingeladen. Es wurden u.a. Vorschläge gemacht, etwa vom Rektor der Heidelberger Hochschule für Kirchenmusik, nicht die komplette Passion aufzuführen, was aber glücklicherweise nicht unwidersprochen blieb. Es zeigt sich immer wieder: Die Landeskirche will Gottes Wort nicht als absolute Wahrheit stehen lassen, sie meint, mit ihrem verfinsterten menschlichen Geist es kritisieren und korrigieren zu müssen und versinkt dabei nur immer mehr in geistlicher Nacht.

Homophobie-Wahn in der BRD und der EU: Wohin die immer mehr totalitär werdende Gängelung der öffentlichen Meinung und des Denkens sowohl in der Bundesrepublik Deutschland als auch insgesamt in den Staaten der sogenannten „Europäischen Union“ führt, zeigte „Maischbergers Runde“ zur Homosexualität (Sollen wir umerzogen werden?), als ein Familienvater seine Idealvorstellung einer Verbindung dargelegt hatte – Mann, Frau, Kinder – und dann von Frau Maischberger gefragt wurde, ob er nicht meine, dass seine Aussage Schwule kränken könne? In Spanien wurde ein Kardinal aufgrund eines Gesetzes der früheren Linksregierung angeklagt, da er ausführte, dass er homosexuelle „Liebe“ für defizitär halte, weil sie keine Nachkommen zeugen kann. Es wird in der offiziell erzwungenen Meinung heute völlig außer Acht gelassen, dass nach dem natürlichen Recht und der natürlichen Ordnung allerdings die ideale Liebesbeziehung die Polarität der Geschlechter voraussetzt, weil nur dadurch Nachkommen möglich werden. Es stehen eben nicht alle möglichen bzw. unmöglichen Beziehungen gleichwertig auf einer Ebene, wie es von politischer Seite durchgesetzt und schon den Schülern eingehämmert werden soll. Der Philosoph Robert Spaemann hat in einem Interview mit der „Welt“ dargelegt, dass das Natürliche allerdings auch der moralische Maßstab für die Bewertung von Defekten ist. Das Fehlen der sexuellen Anziehungskraft  des anderen Geschlechts, auf dem ja die Fortexistenz der Menschheit beruht, ist daher auch solch ein Defekt. Aristoteles hat in dem Zusammenhang von einem Fehler der Natur gesprochen. Spaemann führte weiter aus, dass ein Homosexueller einfach ein unvollständig ausgestattetes Wesen ist, weil er nicht über die Dinge verfügt, die zu einem normalen Überleben gehören. (nach: Die Welt, http://www.welt.de/1247921988 vom 13.02.2014) Es ist schon entsetzlich, in welch einer Finsternis die westlichen Staaten geistig-moralisch und geistlich inzwischen versunken sind, dass sie Widernatürliches nicht mehr als solches erkennen, ja, nicht einmal erkennen wollen, noch schlimmer, es für normal erklären wollen. Selbst die Heiden, auf welcher Stufe der Kultur sie auch gestanden haben mögen, wussten das noch besser.

CDU-Politiker nach kritischer Äußerung zu Homosexuellen unter massivem Beschuss: Weil er auf Facebook die Frage aufwarf, ob es wohl gut war, die Strafbarkeit von Homosexualität aufzuheben, ist der CDU-Politiker Sven Heiber aus dem Vorstand der Jungen Union Rheinland-Pfalz ausgeschlossen worden. Eine Welle der Empörung gegen ihn wurde inszeniert und er wurde aufgefordert, seine politischen Ämter abzugeben. Auch ein Parteiausschlussverfahren wird nicht ausgeschlossen. (nach: Zeit-online vom 13.06.0214) Die Reaktionen auf diese Äußerung zeigen einmal mehr, wie es um die Freiheit, vor allem die Rede- und Meinungsfreiheit in der BRD bestellt ist – nämlich ganz schlecht. Tatsächlich ist dieses Land schon ganz weit voran gekommen auf dem Weg in einen neuen Totalitarismus. Was die 68er als offiziell zugelassene Meinung vorgeben, das gilt; was anders gerichtet ist, ist böse, gefährlich, nicht zulässig. Ein freies Land sieht ganz anders aus.

Gericht in Kalifornien lässt Homo-Ehe wieder zu: Das oberste Gericht in Kalifornien hat die umstrittene Homo-„Ehe“ zunächst wieder zugelassen. Es bestehen allerdings Zweifel an der Rechtmäßigkeit des Urteils. Momentan ist solch eine Verbindung zwischen Homosexuellen in 13 der 50 US-Staaten erlaubt, in 30 verboten. Die Organisation „Protect Marriage“ äußerte zu dem Urteil: „Die Befürworter [der Homo-Ehe] sollten sich schämen!“ (nach: Kreuzwacht 4-13 S. 32)

Antisemitismus in der Ukraine: Während es seit der Unabhängigkeit in der Ukraine keine nennenswerten antisemitischen Vorfälle gab, haben sich nach dem von EU-nahen Kräften inszenierten Putsch mehrere Angriffe auf Juden in Kiew ereignet, so dass auf Bitten eines Rabbiners sich eine jüdische Bürgerwehr gebildet hat. Wer hinter den Vorfällen steht, ist nicht genau auszumachen. Auf jeden Fall waren sie gut geplant. Einige meinen, dass pro-russische Kräfte dahinter stehen, um ein Eingreifen Russlands zu provozieren, andere halten eher ukrainische Rechtsextremisten für die Verantwortlichen. (nach: http://deutsche-wirtschafts-nachrichten.de/2014/05/12/buergerwehr-schuetzt-juden-in-kiew/ ) Antisemitismus ist in den rechtsextremen Kreisen der Ukraine weit verbreitet. Der nicht nur von diesen, sondern auch von der Klitschko-Partei Udar und der Timoschenko-Partei Vaterland verehrte Stefan Bandera war Antisemit, und seine Organisation für vielfältige Morde an Juden und Polen während es zweiten Weltkrieges verantwortlich. Auch die Kämpfer für eine unabhängige Ukraine im ersten Weltkrieg, Hetman Skoropdskij und Hetman Petljura, waren Antisemiten.

Jean-Claude Juncker als EU-Kommissionspräsident? Wer ist der Mann, der von der sogenannten „Europäischen Volkspartei“, einer „Parteienfamilie“, zu der unter anderem auch CDU und CSU gehören, als Kandidat für den Posten eines EU-Kommissionspräsidenten nominiert wurde und den das EU-Parlament, einschließlich der linken sozialistischen Fraktion, unbedingt in diesem Amt haben will? Bereits 2004 hat er in Luxemburg die völlige Gleichstellung der von Gott als Greuel verworfenen homosexuellen Beziehungen mit der Ehe durchgesetzt, einschließlich eines Adoptionsrechtes, wofür er sich persönlich einsetzte. Im Jahr 2009 legalisierte Juncker die Euthanasie in Luxemburg und provozierte dadurch eine Verfassungskrise. 2012 setzte er in Luxemburg eines der liberalsten Abtreibungsgesetze in der EU durch, das unter anderem auch minderjährigen Jugendlichen die Abtreibung ohne Information, Wissen und Zustimmung der Eltern ermöglicht. Im Jahr 2013 schließlich musste er als Ministerpräsident zurücktreten, weil er mitverantwortlich war u.a. für das geheime Abhören von Oppositionspolitikern. (nach: citizengo.org vom 14.06.2014) All das macht deutlich, dass dieser Mann ganz und gar gegen die von Gott vorgegebenen Ordnungen und Werte steht und daher für einen Christen unannehmbar ist. (Das zeigt übrigens auch, dass die EVP, wie auch ihre Mitgliedsparteien CDU und CSU, letztlich ganz und gar von der 68er-Ideologie bestimmt wird.) Außerdem ist er ein Mann, der die Nationalstaaten weiter einschränken, noch mehr Rechte und Macht auf die EU verlagern will.

Welche „Werte“ vertritt die CDU? In einem Interview mit dem „Spiegel“ behauptete der Generalsekretär der CDU, Peter Tauber: „Wenn etwa Partner in einer gleichgeschlechtlichen Beziehung Verantwortung füreinander übernehmen und in einer eheähnlichen Gemeinschaft leben wollen, dann leben sie die Werte der CDU.“ (nach: proKompakt 25/2014, S. 2) Damit stellt sich allerdings die Frage, welche „Werte“ denn diese Partei überhaupt noch vertritt. Mit Sicherheit keine, für die sie das Prädikat „christlich“ verwenden darf. Sie sollte endlich aufhören, diesen Begriff in ihrem Namen zu führen, denn sie hat mit biblischem Christentum rein gar nichts zu tun. Diese Aussage macht einmal mehr deutlich, dass die bürgerlichen westlichen Gesellschaften vom Nihilismus geprägt sind, also keinerlei feste, an Gott und sein Wort, die Bibel, gebundene Werte mehr akzeptieren und damit in erklärter Rebellion gegen Gott leben. Das sollte uns allerdings nicht verwundern, denn wir wissen ja, dass die Welt im Argen liegt (1. Joh. 5,19) und gerade die staatlichen Mächte, siehe Offenbarung, eine antichristliche Kraft darstellen. Das Entsetzliche dieser Zeit ist nur, dass die Kirchen, vor allem die größeren, und auch viele Freikirchen auf den „Zug der Zeit“ aufgesprungen sind und Sünde gut nennen und das klare Bezeugen der biblischen Wahrheit verteufeln.

Dritter deutscher Schulrechtstag: Am 27.06.2014 fand in Berlin der 3. Deutsche Schulrechtstag statt, veranstaltet vom Institut für Bildungsforschung und Bildungsrecht (IfBB), das mit der Ruhr-Universität in Bochum verbunden ist, und dem Deutschen Institut für internationale pädagogische Forschung (DIPF). Das Thema dabei war die „Rechtsstellung der Eltern“. Prof. Dr. Guy Beaucamp zeigte in seinem Vortrag „Verfassungsrechtliche Probleme einer Kindergartenpflicht“, dass der Staat die betreffenden Probleme dadurch umgehen könne, dass er einfach die Schulpflicht schon auf Dreijährige ausdehne und so den Kindergarten in das Schulsystem eingliedere, um so alle Kinder zwischen drei und sechs Jahren unter die Staatserziehung zu bringen. Prof. Dr. Stefan Huster verteidigte die Entscheidung des Bundesverwaltungsgerichts im Fall „Krabat“, wodurch die Eltern gezwungen wurden, ihre Kinder an einer esoterischen Schulveranstaltung teilnehmen zu lassen. Begründet wurde dies damit, dass die Eltern nur noch im außerschulischen Bereich die Möglichkeit hätten, unmittelbar auf ihre Kinder einzuwirken, während für den schulischen Bereich dies dem Staat zukomme. Das ist eine eindeutige Aushöhlung des Elternrechts. Begründet wird das lapidar mit einem „allgemeinen Interesse“, das aber vom Staat definiert wird, der somit immer totalitärere Züge annimmt.

    Harald Achilles sprach zum Homeschooling und verteidigte die in der Welt geradezu einzigartige Position der Unfreiheit in der BRD, in der Homeschooling kriminalisiert wird, während es in fast allen anderen Staaten dieser Welt möglich ist. Begründet wird dies damit, dass angeblich Homeschooling das Kindeswohl verletze. Auf intensive Nachfrage musste er allerdings zugeben, dass es dazu keinerlei Untersuchungen gibt, dies also eine ganz und gar willkürliche Begründung eines willkürlich handelnden Staates ist.

    Die Tagung machte einmal mehr deutlich, wie sehr der darauf aus ist, immer mehr sich zum alleinigen Träger der Erziehung zu machen, dem die Eltern nur noch nachgeordnet als Helfer zugeteilt sind. (nach: Schulunterricht zu Hause e.V., Deutscher Schulrechtstag)

Christenhass in der BRD: Immer wieder kommt es vor, dass christliche Flüchtlinge aus dem Orient in der Bundesrepublik in den Asylantenwohnheimen diskriminiert, angepöbelt, ja, geschlagen werden. Es ist schon so weit gekommen, dass Familien wieder in ihre Heimat, etwa Irak, zurückgekehrt sind, weil sie auch in der BRD nur in Angst leben konnten. Andererseits, und das ist die erfreuliche Seite, gibt es auch ein großes Fragen in den Asylantenheimen nach Christus und kommen auch immer wieder Muslime zum Glauben an den Retter der Welt, Jesus Christus. (nach: proKompakt 30/2014, S. 8)

Anfänge von Christenverfolgung in Europa: In Nordirland hat sich eine Bäckerei die Rüge der „Gleichstellungskommission“ eingehandelt, weil sie sich weigerte, eine Torte mit der Aufschrift „Unterstützt die Homo-Ehe“ herzustellen. Der Geschäftsführer hatte erklärt, dass dies im Widerspruch zu seinem Glauben stehe.

In London wurde eine Ergotherapeutin vom staatlichen Gesundheitsdienst für neun Monate vom Dienst suspendiert, weil sie mit einer muslimischen Kollegin auf deren Wunsch hin gebetet hatte.

Im Oktober 2013 hatte ein Mediziner im mittelenglischen Walsall seine Arbeitsstelle verloren, weil er Emails mit einem christlichen Gebet an Kollegen verschickt hatte. (nach: Stimme der Märtyrer. 08/2014, S. 4) Es ist nicht bekannt, dass in Großbritannien in gleicher Weise gegen Muslime vorgegangen wird.

Eine christliche Gemeinde in England wurde von der Polizei gezwungen, ein Plakat, das sie vor der Kirche am Straßenrand aufgestellt hatte mit der Aufschrift: „Der einzige Weg zu Gott ist Jesus Christus“, abzunehmen, weil es die „Ansicht der Muslime beleidige“. (nach: Eusebia-Gebetsbrief Nr. 49, August 2014, S. 4)

Druck auf Christen in Laos nimmt zu: Der Druck auf die Christen in Laos nimmt von Seiten der Behörden und heidnischer Kreise zu, nämlich ihren Glauben abzuschwören, der als ein „ausländischer Glaube, der Glaube der Amerikaner“ bezeichnet wird, und zum Buddhismus bzw. Animismus zurückzukehren. Christliche Familien werden z.T. zwangsweise umgesiedelt. (nach: Stimme der Märtyrer. 08/2014. S. 5)

Unterdrückung der christlichen Gemeinden in China nimmt zu: Entgegen den offiziellen Verlautbarungen gegenüber der internationalen Presse hat die Unterdrückung der christlichen Gemeinden in China zugenommen. So sind allein in der Provinz Zhejiang seit Januar 2014 mehr als 360 Kreuze von Kirchen entfernt oder auch Kirchgebäude komplett niedergerissen worden. Begründet wird dies mit einem „landesweiten Programm zur Bekämpfung illegal errichteter Bauwerke“ Der Abbruch großer Kirchen ist „ein Angriff von solcher Härte, wie ihn China seit Jahren nicht mehr gesehen hat“, so Chen Yilu, Leiter des protestantischen theologischen Seminars  Nanjing Union. Jedoch kann all dies nicht die Ausbreitung der Gemeinden im Land verhindern. Schon heute gehen sonntags in China mehr Menschen in den Gottesdienst als in Europa. Und bald wird damit gerechnet, dass es in China mehr Christen geben wird als in den USA. (nach: Stimme der Märtyrer. 08/2014. S. 8)

Freiheit und Rechte christlicher Kreise werden in den USA weiter eingeschränkt: Aufgrund der sogenannten „Antidiskriminierungsgesetze“, die es verbieten, von leitenden Mitarbeitern ein klares Bekenntnis zum christlichen Glauben zu verlangen, ist der größten christlichen Studentenmission, InterVarsity Christian Fellwoship, die Akkreditierung an der Californian State University entzogen worden. Damit wird sie zwar nicht von den 23 Standorten der CSU verbannt, aber sie darf sich unter anderem bei offiziellen Studentenversammlungen nicht mehr präsentieren. (nach: http://www.idea.de/nachrichten/detail/glaube/detail/usa-die-arbeit-von-studentenmissionen-wird-schwerer-87884.html )Haben die angelsächsischen Staaten sich früher gerühmt, sie seien der Hort der Freiheit und Demokratie, geht gerade von diesen Staaten heute eine weltweit, zumindest in der sogenannten „westlichen Welt“, sich ausbreitende Tendenz der Diskriminierung gerade christlicher Kreise aus, die einen klaren Standpunkt vertreten, mit massiver Einschränkung der Rechte christlicher Vereinigungen und Gemeinden, sowohl in den USA als etwa auch in Großbritannien. Auch das ist Teil der antichristlichen Strategie Satans, der ja nicht nur die religiöse, sondern auch die staatliche antichristliche Macht gegen die Gemeinde Christi mobilisiert, wie wir es auch der Offenbarung lernen.

 

Islam und islamische Welt:

Sudanesische Christin zum Tode verurteilt: Die (nord-)sudanesische Christin Meriam Ishaq wurde wegen „Glaubensabfalls“ und „außerehelichem Geschlechtsverkehr“ zu hundert Peitschenhieben und zum Tode verurteilt, weil sie ihren christlichen Glauben nicht aufgeben will. Tatsache ist, dass Meriam Ishaq nie Muslimin war. Ihr Vater ist Moslem und ihre Mutter Christin. Ihr Vater hat die Familie sehr früh verlassen, so dass Meriam Ishaq bei ihrer Mutter aufgewachsen ist und als Christin erzogen wurde. Aufgrund der Gesetze im (Nord-)Sudan, der unter einem islamischen Terrorregime steht, wäre sie aber, da der Vater Moslem ist, automatisch Muslimin, obwohl sie nie Muslimin war. Sie ist Ärztin und mit einem Christen verheiratet. Da aber die menschenverachtenden Gesetze des Sudan die Ehe zwischen einem Christen und einer Muslimin verbieten, erkennt der Staat die Ehe nicht an und betrachtet daher ihre Beziehung als außerehelich. Da Meriam Ishaq schwanger war, wurde das Todesurteil nicht sogleich vollstreckt. Inzwischen hat sie ihr zweites Kind geboren und darf es nun – im Gefängnis – zwei Jahre betreuen. Auch ihr erster Sohn muss mit ihr im Gefängnis leben. Ihr Mann darf, da er Christ ist, sie nicht besuchen. (nach: petitionen@citizengo.org) Dies macht einmal mehr deutlich, wie es um die Religionsfreiheit in der islamischen Welt bestellt ist. Koranischer Islam und Scharia einerseits sowie Demokratie mit Meinungs- und Religionsfreiheit andererseits sind nicht vereinbar.

Inzwischen ist Meriam Ishaq, nach weltweiten Protesten, freigelassen worden und konnte schließlich mit ihrer Familie den Sudan verlassen und ist in die USA ausgewandert.

Feindselige Haltung gegenüber Christen in Indonesien: Wie Pastor Michael beim Open-Doors-Tag in Kassel berichtete, sind die Behörden in Indonesien Christen gegenüber feindselig eingestellt. Die Genehmigung zum Bau einer Kirche zu bekommen, sei sehr schwierig. Es laste ein enormer gesellschaftlicher Druck auf den Christen. Sie würden regelmäßig bedroht und müssten mit Angriffen rechnen. Er selbst war im Jahr 2001 von zwei Männern mit Macheten angegriffen wurden und entging nur knapp dem Tod. Er hat diesen beiden Männern vergeben können – heute gehören sie zu seiner Gemeinde. (nach: proKompakt, 21/2014, S. 7)

Salafisten unterwandern Schulen: Immer mehr wird von Lehrern beobachtet, dass Salafisten „Gebetstreffen“ an Schulen organisieren und Mitschüler drangsalieren, die daran nicht teilnehmen wollen. Ebenso werden Mädchen bedrängt, die ihr Haar nicht mit einem Kopftuch bedecken. Dies wird aus verschiedenen europäischen Staaten gemeldet. (nach: Stimme der Märtyrer. 08/2014. S. 4) Die Blindheit gegenüber der islamischen Gefahr ist in den westlichen Staaten aufgrund der geistlichen Finsternis und des defaitistischen Denkens aufgrund der humanistischen Ideologie geradezu grenzenlos. Man will nicht wahrhaben, dass der Islam eine totalitäre Weltanschauung ist, der keine Freiheit nach christlich-westlichen Vorstellungen kennt, ebenso wenig wie die freie Persönlichkeit, das freie Individuum. Islam einerseits und christlich-jüdische freiheitlich-demokratische Kultur und Staatsordnung sind unvereinbar miteinander.

Vormarsch der ISIS im Irak bedroht besonders die christlichen Gemeinden: Der Vormarsch der sunnitischen Gruppen des „Islamischen Staates“ mit ihren Verbündeten bedroht gerade auch (eben gemäßigten Sunniten, Schiiten und Jesiden) die christlichen Gemeinden der Assyrer und Chaldäer, die seit bald 2000 Jahren in dieser Gegend bestanden haben. Zigtausende Christen sind deshalb in die von den Kurden gehaltenen weiter östlich gelegenen Gebiete geflohen. Die ISIS versucht, in den von ihnen beherrschten Gebieten rücksichtslos die Scharia durchzusetzen. Das heißt u.a., dass sie für ihre Terroreinheiten die unverheirateten Töchter zu „sexuellen Unterstützung des Dshihad“ fordern, wer sich weigere, missachte den „Willen Allahs“ und werde gemäß der Scharia bestraft. Wer sich nicht unterwirft, wird mit dem Tod bedroht. Die Christen in Mosul wurden vor die Wahl gestellt, entweder zum Islam überzutreten oder die Kopfsteuer zu entrichten oder die Stadt innerhalb von 48 Stunden zu verlassen. Nachdem auch die letzten christlichen Familien Mosul verlassen hatten, wurden ihre Immobilien sowie die Kirchen zu islamischem Eigentum erklärt. Es zeigt nur einmal mehr die erschreckende Blindheit im Westen, wenn man hier von „radikalen Islamisten“ spricht und völlig verkennt, dass diese Gruppen nichts anderes machen, als die Scharia konsequent umzusetzen, so, wie es muslimische Machthaber seit Jahrhunderten immer wieder gemacht haben, um ihre Länder, die ja bis auf Arabien einst allesamt mehrheitlich christlich waren (im Vorderen Orient und Nordafrika) zu islamisieren. Auch im Westen wird dies ja hier und da schon spürbar (siehe vorigen Artikel). Der Islam kennt gemäß der Scharia keine Religionsfreiheit, keine Toleranz gegenüber Andersgläubigen, keine echte politische und religiöse Freiheit. Nächstenliebe, Gleichachtung des Nächsten sind keine Werte, die im Islam vorkommen, ebenso wenig sind sie humanistisch, sondern ausschließlich biblisch-christlich. (nach: Eusebia-Gebetsbrief Nr. 49, August 2014, S. 3 f.)

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 



1 Unser Persönlichkeitsbegriff hat seinen Ursprung in dem Personbegriff der drei Personen in der heiligen Dreieinigkeit, ihrer innertrinitarischen Kommunikation und ihrer Liebe zueinander. Die Bibel berichtet uns von einem redenden (1. Mose 1,3 ff.), handelnden (1. Mose 2,8), mitfühlenden (1. Mose 2,18) und wollenden (1. Mose 3,16.17) Gott. Das hat etwas mit der Gottebenbildlichkeit zu tun, in der wir als Mensch ursprünglich geschaffen wurden (1. Mose 1,26.27), nämlich dass er zu einer Geist(-Seele)-Leib-Einheit geschaffen wurde, was seine Personhaftigkeit ausmacht. (vgl. dazu: Armin Mauerhofer: Seelsorge auf biblischer Grundlage. Nürnberg, Hamburg 2010. S. 40). (Wir können allerdings deshalb nicht von einer Körperlichkeit Gottes in unserem Verständnis sprechen, denn dann würden wir uns ein Bild von ihm machen, wohl aber von einer unteilbaren Gestalthaftigkeit, in der wir ihn einst sehen werden, wie er ist, 1. Joh. 3,2.) Weil Gott ein Gemeinschaftswesen ist (s. 1. Mose 1,26), darum auch der Mensch, im geistlichen wie im sozialen Bereich, also in der Beziehung zu Gott (s. 1. Mose 3,8) wie auch in der Beziehung zu anderen Menschen (s. z.B. die Gabe der Sprache wie auch die Gabe der Ehe, 1. Mose 2,20-25). Der lebendige, dreieinige Gott ist ein Gott, der nach Maßstäben handelt, der Maßstäbe setzt, schon in der Schöpfung, die er als „sehr gut“ beurteilte (1. Mose 1,31). Gott ist der absolut Gute und absolut Gerechte (1. Mose 3,22-24; 2. Mose 34,6.7): Darum hat er auch uns Menschen von Beginn an mit moralischer Verantwortung betraut (s. das erste Gebot im Garten Eden, 1. Mose 2,17). Damit ist angezeigt, dass wir Menschen moralische Verantwortung für unser Denken, Reden, Tun tragen, mit allen Konsequenzen – und zwar Verantwortung vor Gott. Das gehört aber auch zu der Freiheit, die darin liegt, dass wir verantwortliche Menschen sind und damit Entscheidungen zu treffen haben (vgl. Mauerhofer, a.a.O., S. 41 f.). Hier wird deutlich, wie sehr das biblische Gottesverständnis zusammenhängt mit dem Verständnis vom Menschen, eben weil der wahre, dreieinige Gott der Schöpfer des gesamten Universums ist, und auch von uns Menschen, und zwar allein durch sein Wort alles geschaffen hat, in bestimmter Reihenfolge, auch alle Pflanzen und Tiere, jeweils nach ihrer Art, und als Krone dann den Menschen, aufgrund eines Ratschlusses der heiligen Dreieinigkeit (1. Mose 1,26) – ohne Evolution, denn jegliche Evolution, auch die sogenannte ‚theistische Evolution’, widerspricht der Lehre der Bibel.

1 Vgl. Rudolf Ebertshäuser: Zerstörerisches Wachstum. Steffisburg: Edition Nehemia 2012. S. 132

2 vgl. ebd. S. 131

3 vgl. ebd. S. 132

4 vgl. ebd. S. 140

5 vgl. dazu: http://de.wikipedia.org/wiki/Heliand

6 vgl. Ebertshäuser, a.a.O., S. 132

7 vgl. ebd. S. 137. 133

8 vgl. ebd. S. 133. 134

9 vgl. David J. Bosch: Transforming Mission. Paradigm Shifts in Theology of Missions. Marknoll, NY 1991. S. 421; in: Ebertshäuser, a.a.O., S. 137

10 vgl. Ebertshäuser, ebd. S. 134

11 vgl. ebd. S. 137

12 vgl. Charles H. Kraft: Christianity in Culture. Marknoll NY 1979. S. 315; in: Ebertshäuser, a.a.O.

13 vgl. Ebertshäuser, a.a.O., S. 138

14 vgl.: Rudolf Ebertshäuser: Moderne Bibelübersetzungen unter der Lupe. S. 9 ff. über: http://www.das-wort-der-wahrheit.de/moderne-bibeln-wortgetreu-oder-kommunikativ