Beständig in der Apostel Lehre und in der Gemeinschaft und im Brotbrechen und im Gebet! Apg. 2,42

DER BEKENNTNIS-

LUTHERANER _________________________________________________________

 

Lutherisches Blatt für Bibelchristentum.

Mit Zustimmung der Lutherischen Kirchen der Reformation (Lutheran Churches of the Reformation, LCR) herausgegeben von Roland Sckerl,  Leopoldstr. 1, D-76448 Durmersheim; Tel.:07245/83062;

E-mail: Sckerl@web.de; Internet: www.lutherische-bekenntnisgemeinde.de

 

20. Jahrgang 2012  Heft 2/2012

 

INHALTSVERZEICHNIS

 

 

Inhalt

UNTER BIBEL UND BEKENNTNIS. 1

Selbstliebe und Selbstannahme – eine Auseinandersetzung mit dem humanistischen Menschenbild  1

BLUTZEUGEN DES CHRISTLICHEN GLAUBENS. 3

HIERONYMUS VON PRAG.. 3

THEOLOGISCHE ANMERKUNGEN.. 3

ZEICHEN DER ZEIT. 4

Literaturverzeichnis. 6

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

UNTER BIBEL UND BEKENNTNIS

 

 

Selbstliebe und Selbstannahme – eine Auseinandersetzung mit dem humanistischen Menschenbild

 

Roland Sckerl

 

1. Erich Fromm und die humanistische Ideologie der Selbstliebe

 

    „Selbstliebe“ und „Selbstannahme“ sind Wörter, die in den letzten Jahrzehnten immer mehr im Denken, im Sprachgebrauch etabliert wurden, oft in Verbindung mit Selbstverwirklichung, Selbstwert und ähnlichem. Auch im christlichen Bereich sind sie immer mehr eingedrungen, wenn es auch unter vielen konservativeren Christen immer noch Widerstand dagegen gibt. Die Entwicklung lässt sich gut an Sendungen im ERF (Evangeliumsrundfunk) verdeutlichen. In einer Sendung vom 01.04.2001 hat der baptistische Pastor Jörg Swoboda unter dem Titel „Wer liebt mich“ sehr klar und biblisch gegen die Ideologie der Selbstliebe Stellung bezogen. In einer Sendung vom 07.09.2009 hat dann aber der gleiche Sender von der Aktion einer niederländischen Künstlerin berichtet, die „sich selbst geheiratet“ habe, um damit ihre Selbstliebe, Selbstannahme zu demonstrieren. Nach dem offiziellen Kommentar fand man das gar nicht so schlecht, sondern meinte sogar, dass dies geradezu christlich sei. Glücklicherweise haben viele Hörer (bzw. Leser im Internet) sehr kritische Kommentare dazu abgegeben. In der Sendung „Was bin ich wert“ vom 15.01.2011 wurde wieder das Thema Selbstliebe und Selbstannahme bearbeitet und versucht, es  biblisch zu untermauern. Wohin es aber geht, wurde deutlich, wenn etwa hinsichtlich Luther es hieß, er habe aufgrund seiner Erziehung lange Jahre das Problem der Selbstannahme gehabt. Das ist völlig verkehrt. Sein „Problem“ war, dass er die Liebe und Gnade Gottes nicht kannte (was dann später allerdings angeführt wird, aber das eine hat mit dem anderen nichts zu tun). Hier wird deutlich, wie immer mehr im christlichen Bereich humanistische Begriffe, humanistisches Gedankengut einströmen. Man merkt teilweise noch, dass sie eigentlich nicht recht zur biblischen Lehre passen, versucht dann aber, anstatt sie ganz abzulehnen und ihnen das biblische Welt- und Menschenbild entgegen zu setzen, sie zu „christianisieren“, mit dem Effekt, dass die biblische Botschaft tatsächlich verfälscht und dem antibiblischen Humanismus der Weg bereitet wird.1

 

    Wo kommen diese Begriffe, diese Denkweisen her? Schon im Pietismus taucht die Behauptung auf, und zwar im Zusammenhang mit dem Gebot der Nächstenliebe, dass man sich selbst lieben solle, nämlich bei Spener in seiner Katechismuserklärung (Fr. 39), was dann auch Pontoppidan in sein entsprechendes Werk (Fr. 40) übernommen hat. Dadurch ist es dann leider sehr weit, bis in die USA, verbreitet worden, wo es vor etlichen Jahren zu einer heftigen Auseinandersetzung innerhalb der Church of the Lutheran Confession kam, weil etliche dort die Lehre von der Selbstliebe einführen wollten. Dennoch aber kann man nicht sagen, dass diese Irrlehre zunächst irgendwie nachhaltiger außerhalb der einschlägigen Kreise sich ausgewirkt hätte; selbst im deutschsprachigen Pietismus ist sie dann bis ins späte 20. Jahrhundert hinein nicht weiter anzutreffen gewesen.

    Ihre heutige Stellung und ihre Prägung hat sie vielmehr von anderer, außerchristlicher, humanistischer Seite erfahren, von wo aus sie auch in die Psychologie eingedrungen ist und diese, auch vielfach sogenannte „christliche Psychologie“, beherrscht.2 Als ihr Begründer gilt Erich Fromm, der sich wiederum in seiner Weltanschauung beruft auf Sigmund Freud und Karl Marx und eine Synthese von beiden erstellen wollte, und sich dann außerdem am Buddhismus orientiert hat.3

    Wie schon seine geistigen Väter andeuten, ist seine Weltanschauung geprägt von der Ablehnung des lebendigen Gottes, von der Ablehnung damit auch der Offenbarung Gottes und dagegen von einem radikalen Humanismus und der Evolutionstheorie. Es ist nicht verwunderlich, dass er den biblischen Sündenbegriff, die Tatsache des Sündenfalls und auch, folgerichtig, das stellvertretende Sühnopfer Christi geleugnet hat.4 Wenn er daher Begriffe wie Gott, Liebe, Ehrfurcht, Selbsterkenntnis, Freiheit verwendet, so haben sie bei ihm einen völlig anderen Sinn als wir ihn von der Bibel her kennen.

    Das Grundkonzept Fromms kann dabei kurz mit Selbst- oder Menschenvergottung bezeichnet werden. So hat er seinem Buch „Psychoanalyse und Ethik“ ein Wort Buddhas vorangestellt, in dem es heißt: „Seid euer eigenes Licht,/ Seid eure eigene Zuversicht./ Haltet euch an die Wahrheit in euch selbst/ als das einzige Licht.“5 Das ist allerdings pure Rebellion gegen Gott und mit dem biblischen Menschenbild unvereinbar. Denn gemäß der Bibel sind wir Menschen seit dem Sündenfall unserer Ureltern geistlich in völliger Finsternis (Eph. 5,8), dazu abgrundtief verdorben, unfähig zu allem Guten, Gott Wohlgefälligem (Eph. 2,1-3), nur sehr begrenzt noch fähig zu bürgerlich Ordentlichem und bedürfen der Erlösung, die durch Jesus Christus mittels seines blutigen Opfers auf Golgatha vollbracht wurde (1. Petr. 1,18 f.), und die er uns durch sein Wort schenkt, durch das der Heilige Geist in uns Sündenerkenntnis, Reue, Leid über die Sünde, Bekehrung, Glauben und Rechtfertigung und als Frucht daraus ein neues Leben im Gehorsam gegen Gottes Wort wirkt (Joh. 16,1-8). Christus ist das Licht der Welt (Joh. 8,12), und nur als von ihm als Wiedergeborene Erleuchtete können wir auch Licht der Welt sein (Matth. 5,13-16); Jesus Christus ist die Wahrheit (Joh. 14,6), nur in seinem Wort finden wir daher die Wahrheit (Joh. 8,31.32).

 

    Fromm, der ja von der Psychoanalyse herkam, behauptete, dass die Psychoanalyse nicht zu trennen sei von der Philosophie und von der Ethik und dass sie gültige, objektive Normen für die Lebensführung aufstellen solle. Das ist allerdings nur konsequent, denn in dem Moment, in dem Gott geleugnet wird als die absolute Autorität, ist der Mensch auf sich selbst geworfen und muss ja nun seinerseits eigene Normen aufstellen – oder er lässt es ganz sein, bzw. ändert sie „im Diskurs“, wie es ihm gerade ratsam, praktisch, „zeitgemäß“ erscheint.

    Es kann nicht verwundern, dass Erich Fromm sich ganz und gar auf die Seiten der sogenannten „Aufklärung“ stellt und meint, der Mensch solle seiner Vernunft trauen, mit ihrer Hilfe ethische Normen aufstellen, dazu bedürfe es keiner biblischen Offenbarung.6 „Gültige ethische Normen können von der menschlichen Vernunft, und zwar von ihr allein, aufgestellt werden. Der Mensch hat die Fähigkeit, zu unterscheiden und Werturteile zu bilden. … Die große Tradition des humanistischen Denkens hat die Grundlage für die Wertsysteme geschaffen, die auf der menschlichen Autonomie und Vernunft beruhen. … Diese [die humanistische Ethik] … vertrat die Auffassung, dass es die Bestimmung des Menschen sei, er selbst zu werden. Die Voraussetzung dafür ist, dass der Mensch Selbstzweck sein kann.“7 Es sind dies, wenn man es so liest, die Grundlagen, auf denen die moderne westliche Welt seit der Renaissance und Aufklärung, vor allem seit dem ersten Weltkrieg aufbaut – und an denen sie zugrunde geht.

    In dieser Vergottung des Menschen geht Fromm so weit, dass er behauptet, die Normen lägen in der menschlichen Natur begründet, behauptet er doch, „dass unsere Kenntnis vom Wesen des Menschen nicht zu ethischen Relativismus führt, sondern ganz im Gegenteil zu der Überzeugung, dass die Normen einer sittlichen Lebensführung in der menschlichen Natur selbst begründet sind. Ethische Normen beruhen auf Eigenschaften, die dem Menschen inhärent (innewohend) sind … Ferner werde ich zu zeigen versuchen, dass die charakterliche Struktur der zu sich selbst gelangten Persönlichkeit, der produktive Charakter also, Ursprung und Grundlage der Tugend ist. Im Gegensatz dazu ist Laster nichts anderes als Gleichgültigkeit gegenüber dem eigenen Ich, also Selbstverstümmelung. Die höchsten Werte der humanistischen Ethik sind weder Preisgabe des eigenen Ich noch Selbstsucht, sondern Bejahung des eigentlich Menschlichen. Soll der Mensch Vertrauen in Werte haben, dann muss er sich selbst und seine guten und kreativen Eigenschaften kennen.“8

    Hier klingt schon an, was für Fromm sehr wesentlich ist: das sogenannte „eigentlich Menschliche“. Da er sich gegen Gott stellt, ist der Mensch für ihn faktisch Gott, und er meint, dass der Mensch, so wie er sei, gut sei, Fähigkeiten, Tugenden besitze, und sich daher nun selbst lieben und annehmen müsse, so würde alles gut. Die biblische, auf Gottes Wort gegründet, Ethik verleumdet Fromm dagegen als eine „autoritäre Ethik“, die „hilflos, abhängig und ängstlich“ mache.

    Dass eine solche humanistische Ethik anthropozentrisch ist, kann gar nicht anders sein. Der Mensch ist damit das Maß aller Dinge. Einen radikaleren Gegensatz zur biblischen Lehre und damit auch biblischen Ethik kann es eigentlich nicht geben.9

 

    Das Menschenbild, das damit zusammenhängt, und das besonders seit der 68er Kulturrevolution faktisch in den „westlichen“ Ländern bestimmend wurde, ist das des Menschen, der sich selbst bestimmen will, der autonom sein will, nicht an Gott, auch nicht an vorgegebene Werte, Maßstäbe, Traditionen gebunden sein will, weil er meint, wie Fromm das ausdrückt, nur so „er selbst sein“ zu können.10 Dies ist tatsächlich aber nichts anderes als die alte Ursünde, die grundsätzliche Rebellion gegen Gott, dieses Sein-Wollen-wie-Gott.

    Ist es da verwunderlich, dass Fromm sich dann auch gegen die Grundlinie christlicher Ethik wendet, nämlich dass Selbstsucht ein Grundübel ist? Denn er merkt sehr wohl, was dies alles einschließt: den eigenen Willen zugunsten einer Autorität (Gott) aufzugeben, nicht in Selbstliebe zu verfallen, sondern sich dem zu unterwerfen, der wichtiger ist als ich selbst, der mir auch Pflichten gibt. Und genau dagegen rebelliert er – und mit ihm der moderne Mensch.11

    Fromm weiß dabei, warum er so dezidiert gegen Gott und sein Wort rebelliert, besonders den Sündenfall, sagt er doch selbst: „Dieser Standpunkt der humanistischen Ethik würde unhaltbar, wenn das Dogma von der angeborenen natürlichen Schlechtigkeit des Menschen richtig wäre.“12

    Denn was schreibt Fromm und mit ihm der Humanismus dem Menschen zu? Der Mensch habe alle Fähigkeiten in sich, auch zu Guten und zum Erkennen dessen, was gut und was böse ist. Vor allem aber habe der Mensch in sich selbst die Fähigkeit zu lieben. Die Liebe sei „eine ihm eigene Kraft“.13 Ziel und Sinn des Lebens läge daher im Menschen selbst. Das heißt letztlich: Der Mensch wird zum Selbstzweck.14 Böse sei der Mensch nur dann, wenn ihm die für sein Wachstum nötigen Bedingungen fehlen würden.15 Auch das ist ein folgerichtiger Ansatz: Sobald der Mensch für gut erklärt wird, kann das Böse, das ja tatsächlich vorhanden ist, nicht mehr in ihm liegen, sondern muss von außen zu ihm kommen, das heißt, die Umgebung, die Mitmenschen, die Umwelt ist schuld, wie es der Wahn des Behaviorismus ist. Zugleich wird damit die persönliche Verantwortung für das, was der Mensch tut oder unterlässt, aufgehoben. Denn er erkennt ja keine Autorität mehr über sich an, ist nur noch „sich selbst verantwortlich“.

    Und was ist nun das Ziel eines solchen Menschen? Er ist „sich selbst treu“, indem er „sich selbst entfaltet“, „sich selbst verwirklicht“, das heißt, „zum Wachstum und zur vollkommenen Entfaltung und Verwirklichung seiner Persönlichkeit mit seinen dem menschlichen Wesen eigenen Möglichkeiten kommt“.16 Bei Fromm heißt das, dass der Mensch Liebe, Vernunft und „Produktivität“ (gefühlsmäßiges Handeln und Reagieren) entfalte. Dies sei aber nur möglich, wenn er (humanistische) Selbsterkenntnis, Selbstliebe, Selbstinteresse habe, also „Interesse an der Verwirklichung der eigenen Möglichkeiten“. Wir sehen hier, wie sehr der Mensch sich tatsächlich nur noch um sich selbst dreht. Ist es dazu verwundern, was Fromm über das Gewissen schreibt, nämlich dass es „ein Ausdruck der Interessiertheit des Menschen an sich selbst und an seiner Integrität“ sei. Um die Stimme des Gewissens zu hören, „müssen wir auf uns selbst hören“.17

    Seine Gegnerschaft gegen das biblische Christentum gipfelt daher unter anderem darin, dass er meinte, Selbstverachtung und Selbsthass seinen der Grund einer Lehre, dass der Mensch von Grund auf böse ist.18

 

    Was sieht nun Fromm als Hauptproblem des Menschen, zumindest seiner Generation an? Zusammen mit Viktor Frankl meinte er, die Grundprobleme seien „Selbstentfremdung“ und eine „Identitätskrise“, die er so beschreibt, dass er Mensch nicht mehr wisse, was er selbst in sich sei oder, dass er doch ein Teil der Natur sei, aber nun getrennt sei von der Natur und dem anderen. Dieses „Abgetrenntsein“ gelte es zu überwinden. Die Selbstliebe wird dabei für ihn zu einem Angelpunkt des Denkens, da diese in der Liebe enthaltene Bejahung „Inkarnation wesentlich menschlicher Eigenschaften“ sei. Und „die Liebe zu einem einzigen Menschen bedeutet Liebe zum Menschen an sich.“19 Nächstenliebe wird damit für ihn nur möglich durch Selbstliebe. Das heißt aber: Der Mensch kommt aus seiner Ichzentriertheit überhaupt nicht mehr heraus, muss sich ständig um seine eigenen Wünsche, Interessen, Ziele, Begierden drehen und sie zu verwirklichen suchen. Gerade daran wird ja aber die Gefallenheit des Menschen so deutlich, dass er nämlich zu wirklicher biblischer Liebe, Agape, die hingebende, sich verzehrende, aufopfernde Liebe ist, die von sich wegsieht, die den anderen sieht, von sich aus gar nicht fähig ist, sie ihm tatsächlich völlig widerstrebt (was letztlich Fromm durch seine humanistische Gegnerschaft genau gegen diese Haltung nur bestätigt), und er dazu erst der Wiedergeburt, des neuen Lebens aus Gott bedarf.

    Dieser Gegensatz kommt sehr deutlich zum Ausdruck, wenn Fromm über die westliche Kultur sagt, dass ihr Problem nicht der Individualismus sei, nicht dies, dass der Mensch sich zu sehr mit seinen eigenen Interessen beschäftige, nicht darin, dass er zu selbstsüchtig sei, sondern „dass sie sich selbst nicht genug lieben“.20 Fromm spricht in diesem Zusammenhang, sich an Nietzsche und Stirner anschließend von einem Recht des Einzelnen auf Glück, das er dem biblischen Grundsatz entgegenstellt, dass die Quelle und das Zentrum unseres Lebens außerhalb von uns, in Christus, liegen.21

 

    Es ist nur logisch und folgerichtig, wenn Fromm dann die „Lösung“ für dieses „Problem“ in „Selbsterkenntnis“ und „Selbstfindung“ sieht, die dann zu „Selbstrespekt“ und „Selbstliebe“ führen; der Sinn des Lebens läge in Selbstentfaltung und Selbstverwirklichung in autonomer Selbstbestimmung und Selbstverantwortung.22

    Der Mensch ist damit, nach Fromm, tatsächlich völlig auf sich selbst geworfen: „Der Mensch muss die Verantwortung für sich selbst übernehmen und sich damit abfinden, dass er seinen Leben nur durch die Entfaltung seiner eigenen Kräfte Sinn geben kann. … Nur wenn er die menschliche Situation, die seiner Existenz innewohnenden Widersprüche und seine Fähigkeit der Entfaltung erfasst, kann er seine Aufgabe lösen: Er selbst und um seiner selbst willen zu sein und glücklich zu werden durch die volle Verwirklichung der ihm eigenen Möglichkeiten – der Vernunft, der Liebe und der produktiven Arbeit.“23

    Es ist ja nur logisch, wenn er dann fordert, dass es dieses humanistische Selbst, das, was der Mensch „in sich selbst ist“ zu lieben gilt, eben in der Selbstliebe, die nach Fromms Meinung dann die Nächstenliebe beinhalte.24 In radikaler Verkehrung der biblischen Ordnung verkündet er dann, dass es eine Tugend sei, sich selbst zu lieben, eben da man ja selbst auch ein menschliches Wesen sei und man den Nächsten als ein menschliches Wesen lieben solle. Das ist allerdings nach der Bibel völlig absurd. Zum einen, weil die Agape, die die Bibel meint, wenn sie von Nächstenliebe spricht, ja eben gerade eine Liebe ist, die sich selbst verzehrt, hingibt, verleugnet, also der krasseste Gegensatz der Selbstliebe ist, zum anderen, weil diese Liebe nicht eine philosophisch-theoretische Sache einer Liebe zu irgendeinem Prinzip Mensch ist, sondern zu dem konkreten Nächsten, den Gott in mein Leben hineinstellt, dem ich Nächster sein soll.

    Nun kann allerdings auch Fromm nicht übersehen, dass es Selbstsucht gibt, die zu einem Problem wird, die böse ist. Aber was macht er daraus? Solch ein Selbstsüchtiger würde sich angeblich noch nicht genug lieben, sonst wäre er nicht selbstsüchtig. Dadurch sei er leer und unbefriedigt. Er würde sich nämlich angeblich selbst hassen.25 Wie abstrus dieses Denken ist, zeigt sich unter anderem daran, dass Fromm gegen jede wahre Selbstlosigkeit wettert, etwa die Selbstlosigkeit der Mutter im Blick auf ihr Kind, die er als „neurotisch“ bezeichnet, weil für ihr wahre Selbstlosigkeit, Selbstaufopferung, Pflicht, Gehorsam gleichzusetzen sei mit „Selbstverkrüppelung“ und „Selbstverstümmelung“.26

    Selbstsüchtig ist bei Fromm ein Mensch, der sich durch das definiert, was er hat oder haben will, nicht durch das was er denkt, wodurch er sich verwirklicht.27 Nun ist es ja gut und richtig, dass Fromm Habgier, Materialismus angreift, aber seine gesamte humanistische Ausrichtung und „Hilfe“ bleibt innerweltlich, diesseitig, ist keine Hilfe aus der wahren Not, nämlich der Sünde, der Verdammnis.

 

    Wie schon oben mehrfach angedeutet, unterscheidet sich die humanistische Definition von „Liebe“ grundlegend von derjenigen der Bibel. Während Gottes Wort, gerade im Blick auf die Agape, sie eindeutig als eine Gabe Gottes an den Menschen beschreibt, die der natürliche Mensch seit dem Sündenfall nicht mehr hat, zu der er von sich aus gar nicht fähig ist, behauptet ja Fromm, die Liebe sei eine Kunst, genauso wie Musik, Malerei, Medizin, sei eine dem Menschen innewohnende „Fähigkeit, die voll entwickelt werden muss“, was er zugleich als Entwicklung der Persönlichkeit bezeichnet.28 Während gemäß der Bibel die Liebe den anderen im Blick hat, dem anderen dient, ist die Liebe bei Fromm und seinen Humanisten immer zuerst Selbstliebe und dient der Selbstverwirklichung  und Selbstentfaltung und führt zuerst und vor allem zu einer eigenen stolzen Freude über den eigenen Reichtum, den man ja meint, nicht empfangen zu müssen. Diese „Liebe“ ist dem diametral entgegengesetzt, was uns der HERR in 1. Kor. 13 über die Agape schreibt.29 Dabei dürfen wir auch nie vergessen, dass die Agape immer verbunden ist mit Jesus Christus, unserem Heiland und Erlöser. Nie haben wir die Agape losgelöst von ihm, sondern einzig in der Gemeinschaft mit ihm; nie geht es um bloße Aktion, sondern immer geht es darum, als von ihm Gerechtfertigte nun in der Gemeinschaft mit ihm zu leben, in seiner Nachfolge, als seine Kinder die Agape zu leben.

    Da ja für Fromm die „Liebe“, und damit vor allem die Selbstliebe, der Weg ist, das „Problem“ des Menschen zu lösen, nämlich zu sich selbst und zur Natur zurückzufinden, so ist sein Humanismus tatsächlich eine Selbsterlösungsreligion. „Der Mensch kann sich selbst finden und sich durch seine eigene Anstrengung, und ohne Akt der Gnade von Gott, erlösen.“30 Und das führt tatsächlich dann zur Selbstvergottung, zur Vergötzung des Menschen, übrigens genau dem, was wir im Politischen unter anderem durch den Neomarxismus und die von ihm geprägte 68er Bewegung (Frankfurter Schule) haben, einem Menschen, der keine Autorität über sich duldet, keine absoluten Werte, keine absoluten Maßstäbe, keine absolute Macht (Gott), die ihm sagt, was gut und was böse, was richtig und was falsch ist. „Nach dieser Auffassung besitzt das Leben keinen Sinn, außer dem, den der Mensch ihm gibt; die Menschen sind völlig allein und können ihre Einsamkeit nur überwinden, indem sie einander helfen.“ „Gott wird Wahrheit, Liebe und Gerechtigkeit. Gott, das bin ich, insofern ich menschlich bin.“31

 

 

2. Walter Trobisch und der Versuch, die humanistische Ideologie der Selbstliebe zu christianisieren

 

    Die Ideologie der Selbstliebe hat vor der Gemeinde Jesu Christi, wie schon ganz am Anfang angezeigt, nicht Halt gemacht. Vor allem durch Cecil G. Osborne. Ray Ashford, Bryan Jay Cannon und Walter Trobisch und seit ihnen wird versucht, diese antibiblische humanistische Lehre christlich anzustreichen und sie so in die christliche Gemeinde hineinzubringen. Insbesondere im Bereich der Psychologen, soweit sie Christen sein wollen, ist diese Irrlehre – leider – auf fruchtbaren Boden gefallen. Walter Trobisch hat seine Auffassungen in seinem Buch „Liebe dich selbst“ dargelegt.32

    Wie Fromm behauptet auch Trobisch, der übrigens sein Buch mit einem Zitat des ungläubigen Hermann Hesse beginnt, die Selbstliebe sei die Bedingung, um den anderen lieben zu können. Sie sei allerdings, und hier stellt er sich in offenen Gegensatz zur Bibel, nicht angeboren. Trobisch hat seine Auffassungen nicht aus der Bibel, denn die kennt diese Lehre nicht, sondern von dem Psychoanalytiker Guido Groeger, dem römisch-katholischen Humanisten und Philosophen Romano Guardini und von Josef Piper und versucht nun, Humanismus und Christentum zu vermischen.33 Mit der Selbstliebe ist bei ihm ganz eng die Selbstannahme verbunden, die er im Anschluss an Guardini als die „Grundlage alles Existierens“ bezeichnet. Bei dem Psychiater Dr. Ernst Scharrer gilt die Selbstliebe als „Selbstversöhnung“. Wo aber spricht die Schrift von Selbstversöhnung? Vielmehr spricht sie davon, dass unser alter Mensch in Feindschaft mit Gott lebt und dass daher Gott aus seiner Gnade sich mit uns durch Christi blutiges Leiden und Sterben auf Golgatha versöhnt hat (2. Kor. 5,17-21).

    Trobisch gibt dabei selbst zu, dass er seine Theorie nicht aus der Schrift selbst entnommen hat, sondern dass er die Auffassungen von Groeger und Guardini in die Schrift hineingetragen hat: „Von hier aus fällt nun ein ganz neues Licht auf das Gebot Jesu, Du sollst einen Nächsten lieben wie dich selbst.“34 Dabei erwähnt Trobisch nur diejenigen drei Bibelstellen in den neutestamentlichen Briefen, die das Gebot der Nächstenliebe aus dem Alten Testament zitieren: Gal. 5,124; Jak. 2,8; Röm.1 3,9, wobei er den Kontext bezeichnenderweise weglässt, der eindeutig aussagt, dass die Liebe, von der jeweils die Rede ist, auf den Nächsten und nicht auf das Ich bezogen ist. Dass es aber außerdem viele weitere Stellen über die Liebe gibt, die nicht den Zusatz haben „wie dich selbst“, den Trobisch als „schwerwiegend“ bezeichnet, verschweigt er auch und blendet diese Stellen aus. Vor allem verschweigt er die so wichtige Stelle in Joh. 13,34, wo es heißt, dass wir einander lieben sollen, gleichwie Christus uns geliebt hat. Das „gleichwie“ ist hier im Griechischen (kathoos) mit einem sehr starken Wort bezeichnet, das in den Texten, die „wie dich selbst“ haben, nicht verwendet wird. Es ist sehr deutlich, dass die Bibel die Selbstliebe nicht kennt, schon gar kein „Gebot der Selbstliebe“, sondern nur das Doppelgebot der Liebe, das die Liebe zu Gott und zum Nächsten meint und die Liebe so beschreibt (Agape), dass sie gar nicht auf sich selbst bezogen sein kann. Wenn also Trobisch behauptet, es sei aus dem alttestamentlichen Gebot zu folgern, es gäbe keine Nächstenliebe ohne Selbstliebe, so ist das einfach falsche Lehre.35

    Im Gegensatz zu den Behauptungen Trobischs zeigt die Bibel sehr deutlich, dass die Selbstliebe sehr wohl angeboren ist, während dagegen die Bruder- und Nächstenliebe dies nicht ist, sondern vielmehr eine Gabe des Heiligen Geistes durch das Evangelium ist, die wir in der Wiedergeburt und Heiligung empfangen (Röm. 5,5; Gal. 5,22). Christus ruft uns nicht zur Selbstliebe auf, sondern zur Selbstverleugnung, zum Sterben des Ich, zum Ganzopfer, zur Hingabe (Mark. 8; Luk. 14; Röm. 12,1.2; 2. Kor. 5,14-15).36

    Trobisch fügt bei seinen „biblischen Belegen“ dem Text des Wortes Gottes Gewalt zu, wenn er etwa bei 1. Sam. 18,1 und Eph. 5,21-33 aus einem Vergleich eine Bedingung macht. So macht er aus „Jonathan liebte David wie seine eigene Seele“ die Aussage „Jonathan liebte David, weil er seine eigene Seele liebte“. Aber das steht überhaupt nicht im Text. „Wie“ ist ein anderes Wort als „weil“! Ähnlich geht er mit dem Text Eph. 2,22-33 um und behauptet, dort würde dreimal von Selbstliebe die Rede sein bzw. von Selbstannahme. Aber der Text sagt gar nichts davon. Auch der Satz „Wer seine Frau liebt, liebt sich selbst“ ist kein Gebot oder Befehl zur Selbstliebe, auch keine Bedingung für die Liebe zum Nächsten (sonst müsste der Satz lauten: Wer sich selbst liebt, liebt seine Frau). Es ist daher völlig falsch, wenn Trobisch aus diesem Abschnitt folgert: „Wer seine Frau liebt, erbringt damit den Erweis, dass er die Fähigkeit erlernt hat, sich selbst zu lieben.“37 Noch weniger wird hier die Frage gestellt, die Trobisch aufwirft, ob ich meinen Leib liebe.

    Dagegen hält dieser Text uns ja als Spiegel die Liebe Christi zu uns Sündern, zur Gemeinde vor. So soll der Mann seine Frau lieben. Und das macht deutlich, dass hier von einer Liebe die Rede ist, die gar nicht aus uns kommen kann, die eine Gabe des Heiligen Geistes durch das Evangelium sein muss.

   

    Da Trobisch nun allerdings aus der Bibel weiß, dass Christus klare Aussagen gegen die Selbstsucht gemacht hat, versucht er im Anschluss an Josef Piper zwischen „selbstloser“ und „selbstischer“ Selbstliebe zu unterscheiden – ohne zu merken, dass es „selbstlose Selbstliebe“ gar nicht geben kann, dass dies ein Widerspruch in sich ist. Von der „selbstlosen Selbstliebe“ sagt er, sie müsse erworben werden, während die „selbstische Selbstliebe“ angeboren sei. Er vergisst aber, dass die Selbstliebe immer auf sich selbst konzentriert ist. Darum muss unser Ich mit Christus gekreuzigt werden (Röm. 6,6) und müssen wir unser Fleisch täglich kreuzigen samt den Lüsten und Begierden (Gal. 5,24), und geht es darum, dass wir selbst, unser eigenes Ich, nicht mehr lebt, sondern Christus in uns (Gal. 2,20).

    Wie sehr im Gegensatz dazu steht doch die Behauptung Trobischs, es sei eine Not unserer Zeit, dass sie deshalb so selbstsüchtig sei, weil es so wenig Selbstliebe, Selbstfindung, Selbstannahme gäbe.38 Auch behauptet er, Selbstverleugnung würde Selbstannahme voraussetzen. Nirgends in der Bibel findet sich davon ein Wort. Vielmehr werden Selbstverleugnung und Kreuz durch unseren HERRN Jesus Christus verknüpft (Luk. 9,24.25; 14,26.27.33). Ebenso behauptet Trobisch, der Mensch brauche, um überhaupt leben zu können, Lob und Anerkennung wie das tägliche Brot. Das alles aber hofiert nur das Ich, den alten Menschen. Gemäß der Bibel aber sind nicht Selbstliebe und Selbstannahme der Startpunkt für die Veränderung eines Menschen, sondern die Bekehrung.39

    Trobisch hat letztlich den biblischen Begriff der Agape nicht begriffen. Denn diese sich selbst verleugnende, hingebende, verzehrende Liebe kann gar nicht auf sich selbst gerichtet sein, das ist ein Widerspruch in sich, sondern ist immer auf den anderen gerichtet und hat zu tun mit totalem Einsatz, Opfer, Demut in Selbstverleugnung.40

 

    Und wie steht es mit der Selbstannahme? Auch dies ist ein humanistischer Begriff. Nach humanistischem Blick sei damit die menschliche Würde gemeint, Autonomie, Freiheit, Fähigkeiten. Es geht dabei darum, ohne Gott das beste aus seinem Leben zu machen. Das heißt: Auch bei der „Selbstannahme“ geht es um den von Gott „mündigen“ Menschen, der um sich selbst kreist, sich selbst alles ist. Letztlich also geht es um Selbstvergottung. „Gott, das bin ich, insofern ich menschlich bin …“41 In dieses ja gerade in der Psychologie sehr verbreitete Konzept gehören dann auch damit verbundene Begriffe wie „Selbstentfaltung“, „Selbstverwirklichung“, „Selbstrespekt“.42

    Dies alles aber lässt sich nicht, wie Trobisch meinte, mit dem biblischen Menschenbild harmonisieren. Nun orientierte sich ja allerdings Walter Trobisch auch nicht, wie schon dargelegt, an der Bibel, sondern an Romano Guardini, der behauptete: „Die Selbstannahme ist die Grundlage alles Existierens.“43 Wer sich selbst nicht angenommen habe, der könne auch den anderen nicht annehmen, könne nicht sch selbst loslassen, könne nicht selbstlos sein. Wer selbst-süchtig sei, der habe noch nicht seine Identität gefunden.44

    Die Bibel sieht es dagegen völlig anders: Nur der kann wirklich sich selbst loslassen, kann sich selbst verleugnen, wer die Gnade Gottes in Jesus Christus angenommen hat, wer also bejaht, dass sein alter Mensch mit Christus gekreuzigt ist und damit nicht mehr er selbst lebt, sondern Christus in ihm (Gal. 2,20). Wer dagegen nicht von Gott bekehrt worden ist, der bleibt ja im alten Leben – und der alte Mensch ist selbstsüchtig, so lange er lebt, Eph. 4,17-18; 2,1-3.45

    Dr. Erwin Scharrer von der Klinik Hohe Mark hat es so ausgedrückt, dass jeder sich, weil Christus ihn angenommen habe, nun auch selbst annehmen könne und solle und dies mit Röm. 15,7 (Nehmet euch untereinander auf, gleichwie euch Christus hat aufgenommen zu Gottes Lob) begründet. Nun ist allerdings dieser Bibelvers in diesem Zusammenhang völlig falsch. Denn hier ist überhaupt nicht davon die Rede, sich selbst anzunehmen, sondern dass einer den anderen annehmen soll, weil Jesus Christus uns angenommen hat. „Untereinander“ hat nicht die gleiche Bedeutung wie „dich selbst“.46

    Wir müssen auch sehr darauf achten, was wir im Blick auf die Annahme des Sünders von Gott sagen, damit nicht auch die Sünde damit akzeptabel wird. Jesus nimmt die Sünder an – das ist völlig richtig. Denn nur dadurch, dass er mit Sündern Umgang hatte, konnte er sie zur Sündenerkenntnis, zur Verlorenheitserkenntnis, zur Reue, zur Umkehr und zum Glauben führen. Jesus nimmt die Sünder an heißt also nicht, dass er die Sünde an sich einfach akzeptiert, sondern dass er den Menschen annimmt, trotz seiner Sünden, um ihn aus der Sklaverei der Sünde herauszuholen. Jeder darf so zu Christus kommen, wie er ist, beladen mit all seinen Sünden. Aber nicht dazu, dass Christus ihn mitsamt den Sünden segnet, sondern darum, dass Christus ihn reinigt von seinen Sünden, ihm ein neues Herz und einen neuen Geist gibt und er so ein neuer Mensch wird. Dass Gottes Wille die Rettung aus den Sünden und dann, als Frucht, die Heiligung, der neue Gehorsam ist, darf nie verwischt werden. Von dieser Annahme durch Gott kann also gar nicht auf eine „Selbstannahme“, von der nirgends die Rede ist, geschlossen werden. Denn diese würde sonst doch nur dazu führen, die Sünde mit anzunehmen, gleichgültig zu werden im Kampf gegen die Sünde.47

    Es geht in der Bibel auch gar nicht darum, dass sich der Sünder selbst annimmt, sondern dass er sich, so, wie er ist, an Jesus Christus ausliefert, damit der aus ihm einen anderen Menschen macht (2. Kor. 5,21) und dagegen Jesus Christus aufnimmt, nämlich an ihn glaubt, Joh. 1,12.

    Im Christenleben geht es nicht um das Ja zu mir selbst, sondern um das Ja zu Christus, zu Gott, zu seinem Wort, zu seinem Willen, zu seinen Wegen. Es geht um Selbstverleugnung, nicht Selbstannahme oder Selbstverwirklichung, um das Sterben des alten Ich, nicht um sein hofieren und bestärken. Es geht gerade nicht um Selbstbehauptung, durchsetzen des eigenen Ich, sondern um das Aufgeben der eigenen Ziele, Ansichten, Wünsche, Träume, Vorstellungen, Sehnsüchte, damit ich offen und frei bin für Gottes Willen und Gottes Wege. Es geht darum, das Kreuz auf mich zu nehmen, zu dem auch Leiden gehört, das unter anderem auch in der Missachtung der eigenen Persönlichkeit durch andere, der (seelischen) Verletzung durch andere bestehen kann. Und da geht es nun darum, wie wir damit umgehen, mit Gottes Hilfe und auf seinen Wegen. Die Bibel kennt den Menschen nach Gottes Willen nicht als ein autonomes, für sich selbst existierendes Wesen. Das ist vielmehr der sündige, von Gott abgefallene, rebellische Mensch.

    Auch bei der Frage nach dem Ja oder Nein zur eigenen Herkunft, zum eigenen Elternhaus, zu seinem Geschlecht, seiner körperlichen Gestalt, seinen Talenten oder Grenzen, den eventuell vorhandenen körperlichen oder geistigen Behinderungen geht es letztlich nicht um „Selbstannahme“, sondern es geht um das Ja oder Nein zu Gott, der mich gerade so gemacht und gewollt hat. Es geht also auch dabei letztlich um das Ja zu dem lebendigen, souveränen Gott und seinem Willen – nötigenfalls mit Buße, Umkehr, Sündenbekenntnis, Annahme der Vergebung und neuer Ganzhingabe. Hier geht es oftmals nicht ohne Zerbruch (Ps. 51,17).48

 

    Das, was Männer wie Walter Trobisch oder Dr. Erwin Scharrer verkündigen, ist nicht die christozentrische Botschaft der Bibel, sondern eine anthropozentrische Verkehrung der biblischen Botschaft, die umso gefährlicher ist, als sie mit frommen Vokabeln kommt, als sie scheinbar so evangelisch auftritt, tatsächlich aber das biblische Evangelium umbiegt.

 

 

BLUTZEUGEN DES CHRISTLICHEN GLAUBENS

 

HIERONYMUS VON PRAG

(+ 30. Mai 1416)

 

    Hieronymus von Prag gehört zu den Vorläufern der Reformation und war ein Freund von Jan Hus. Er stammte aus dem Kleinadel Prags und wurde zwischen 1360 und 1370 geboren. Seine wissenschaftliche Ausbildung erhielt er an den Universitäten Heidelberg, Köln, Prag, Paris und Oxford. In Prag lernte er die Notwendigkeit der Reformation, in Oxford das Recht der Reformation erkennen; ersteres durch Hus, letzteres durch Wiclif, der nicht die Tradition, sondern die Heilige Schrift als oberste Autorität in seinem „Trialogus“ proklamierte, dessen Abschrift Hieronymus mit in seine Heimat nahm.

    Nur kurze Zeit gefiel des dem Magister der freien Künste und Baccalaureus der Theologie hier an dem Hof Wenzels: In zog die Lehrkanzel. Von dieser herab sprach er sich offen für Wiclif aus. In die Flammen, welche am 16. Juli 1410 in Prag für Wiclifs Schriften angezündet wurden, warf man auch von ihm verfasste. Noch in demselben Jahr berief ihn Wladislaw II. zur Einrichtung der Universität Krakau, bald nachher ist er Reiseprediger Sigismunds in Ungarn. Wegen drohender Verfolgungen floh er nach Wien, konnte indes auch hier der Gefangennahme nicht entgehen. Auf Dazwischentreten der Universität Prag entlassen, wandte er sich nach Mähren, gefolgt von dem Bann der herrschenden Kirche. Dennoch kehrte er schon nach kurzem Aufenthalt in seine Vaterstadt zurück, eiferte vom Katheder herab gegen die Bulle Johanns XXIII., welche den Teilnehmern an dem Kreuzzug gegen den König Ladislaus von Neapel Ablass versprach, erklärte sich in einer öffentlichen Disputation siegreich gegen den Ablass und die päpstliche Unfehlbarkeit und verbrannte kurz vor dem Zusammentritt des Konstanzer Konzils am Pranger der Prager Neustadt jene Kreuzbulle, nachdem er sie einer liederlichen Dirne hatte umhängen und durch die Stadt tragen lassen. Darauf ging er nach Krakau, kehrte aber nach Prag zurück, um seinem nach Konstanz geladenen Freund Hus bis nach Krakowitz Geleit zu geben und unter Ermunterungen zur Standhaftigkeit zu versprechen, dass er ihm in Gefahr zur Seite stehen wolle.

    In der Tat brach er bei der Nachricht von der Gefangensetzung Hus’ von Prag auf und langte am 4. April 1415 in Kostanz an, begab sich aber auf dringendes Zureden des Ritters Chlum und anderer nach einigen Tagen nach dem benachbarten Überlingen und versuchte von hier aus freies Gehör und Geleit zu erlangen. Da ihm indes letzteres nur soweit in Aussicht gestellt wurde, „als es die Rechtgläubigkeit erfordere“, hielt er es für geraten, die Rückreise anzutreten. Allein in Hirschau, einer oberpfälzischen Stadt, wurde er erkannt und verhaftet, auf einem Karren in Fesseln nach Konstanz gebracht und gleich nach seiner Ankunft am 23. Mai einem Verhör unterworfen. Schon hier riefen einige: „Er muss verbrannt werden!“ „Wenn euch mein Tod gefällt, im Namen des HERRN“, entgegnete Hieronymus. Er wurde nun in ein grausames Gefängnis geworfen und das Verfahren gegen ihn ernst nach der Verbrennung von Jan Hus aufgenommen. – Diese Hinrichtung in Verbindung mit dem vorausgegangenen kaiserlichen Wortbruch hatte weite Kreise aufgeregt: Die böhmischen und mährischen Stände wandten sich Beschwerde führend und dabei auch für Hieronymus eintretend an das Konzil. So lag diesem doppelt daran, es in dem Fall Hieronymus nicht aufs äußerste kommen zu lassen, sondern denselben womöglich durch Widerruf des Ketzers zum Abschluss zu bringen. In der Tat gelang es auch, den durch ein qualvolles Gefängnis gebeugten und durch Hunger geschwächten Mann zu bewegen, am 23. September in öffentlicher Sitzung einen Widerruf  zu verlesen, in welchem er sich von Wiclifs, Hus’ und seinen eigenen Irrtümern lossagte und seinen Schritt mit einem demütigen, im Tempel des HERRN dargebrachten Hebopfer verglich, während die Weisheit und Tugend der versammelten Väter wie ein Opfer von Gold, Silber und Purpur erschiene. Auch seine Unterschrift gab er willig. Gleichwohl wurde er gefesselt in seinen Kerker zurück gebracht. Ein heftiger Streit entspann über der Frage seiner Freilassung. Peter d’Ailly und andere traten für ihn ein. Gerson bekämpfte sie in einer eigenen Schrift: Der Widerruf mache nicht von dem Verdacht der Ketzerei frei. Die bisherigen Untersuchungsrichter legten ihr Amt nieder. Kommisarien, die nach Hus’ Blut rochen, wurden an ihre Stelle gewählt.

    Inzwischen war Hieronymus über seine Verleugnung in große Unruhe geraten: Seine Peiniger mussten ihm durch die plumpe und rohe Zumutung, dass er seinen Widerruf in Briefen an Böhmens König und Königin, Universität und Volk ausdrücklich bestätige, selber dazu helfen. Vor die Kommissarien gerufen, erklärte er, dass er den Widerruf bereue. Nun wurde das Verfahren gegen ihn als einen Rückfälligen neu aufgenommen. 150 Anklagepunkte brachte man zusammen. Nach dem einen sollte er den Vater mit dem Wasser, den Sohn mit dem Schnee, den heiligen Geist mit dem Eis verglichen haben. Nach einem andern hätte er die „sakrilegische“ Behauptung getan, dass der Schleier der Jungfrau Maria nicht größere Verehrung verdiene als die Haut des Esels, auf welchem Jesus geritten. Auch die schamlose Behauptung befand sich darunter, dass der Angeklagte während der Gefangenschaft der Schwelgerei und dem Trunke ergeben gewesen sei, während es doch bekannt war, dass man ihn durch Entziehung von Speise und Trank dem Hungertod nahe gebracht hatte. In zwei öffentlichen Verhören, denen er eine schriftliche Verteidigung vorausgeschickt hatte, verantwortete er sich mündlich, in großer leiblicher Schwachheit zwar, aber in Beweisung des Geistes und der Kraft; auch den Mut vollen Eintretens für Wiclif und Hus, die Abendmahlslehre ausgenommen, worin er den Vätern beistimmte, hatte er wiedergefunden. So war die Verurteilung unausbleiblich. Sie erfolgte in der Sitzung vom 30. Mai. Mit den Worten: „Ich werde in euren Herzen einen Stachel zurücklassen und zitiere euch, vor dem höchsten Richter innerhalb hundert Jahren mir zu antworten“, schloss er der Tradition nach seine ihm hierauf verstattete Rede. Jedenfalls hatte dieselbe, wie Zeugen berichteten, auch auf die Widerwärtigen einen großen Eindruck gemacht. „Eine verdorrte Rebe, die weggeworfen werden müsse, nachdem er wie ein Hund durch seinen Widerruf zu dem Gespienen zurückgekehrt“ – hieß es in dem Todesurteil von dem treuen Zeugen Jesu. Auf dem Weg nach dem Scheiterhaufen, der ihm am 30. Mai 1416 an derselben Stelle angezündet wurde, wo Hus seinen Tod fand, sang er das Lied: „Der Tag, der ist so freudenreich!“ Ein Bauer brachte noch ein schweres Bund Reiser und legte es auf den Holzstoß. „O heilige Einfalt“, sagte Hieronymus mitleidig, „wer dich betrübt, hat des tausendfältige Sünde!“ Bekennend und betend verschied er in den Flammen.

    Hieronymus überragte Hus an Gaben, insbesondere an Beredsamkeit, er loderte auch rasch und hell für die Wahrheit, aber die ruhige Besonnenheit und Charakterstärke Hus’ gingen ihm ab, oder er hat doch letztere erst nach seinem schweren Fall gefunden.

(aus: Kirchliches Handlexikon. Begr. von Carl Meusel. Fortgef. Von Ernst Haack und B. Lehmann. Bd. 3. Leipzig 1891. S. 294 f.) 

 

 

 

THEOLOGISCHE ANMERKUNGEN

 

 

Titus 1,5 in seiner Bedeutung für die Lehre vom öffentlichen Predigtdienst und von der Kirche: Derhalben ließ ich dich in Kreta, dass du solltest vollends anrichten, da ich’s gelassen habe, und besetzen die Städte hin und her mit Ältesten, wie ich dir befohlen habe.

    Worum geht es in diesem Vers? Wenn wir ihn im Zusammenhang des Titusbriefes und der missionarischen Tätigkeit des Paulus lesen, so liegt als Umfeld vor: Paulus ist mit Titus auf Kreta missionarisch tätig gewesen. Da wir davon in der Apostelgeschichte nichts lesen, muss dies nach der ersten Gefangenschaft, von der uns die letzten Kapitel der Apostelgeschichte berichten, geschehen sein. Ähnlich, wie wir Apg. 13 und 14 lesen, hat Paulus dort zunächst gepredigt und es sind Gemeinden entstanden, das heißt, es haben sich christliche Versammlungen um Wort und Sakrament gebildet, um diese Gnadenmittel nach innen (Gemeinde) und außen (Mission) zu verwalten. Ähnlich wie wir es eben von der ersten Missionsreise lesen, hat Paulus mit seinen Mitarbeitern aber nicht sogleich Älteste oder Prediger oder Gemeindehirten oder Bischöfe (Aufseher) dort eingesetzt. Es sollte sich vielmehr erst herausstellen, wer von Gott dazu begabt ist, diese sollten dann von der Gemeinde durch „stimmwählen“ (so der griechische Begriff in Apg. 14,23) bestimmt werden. Dass dies zu geschehen habe, das hatte der Apostel seinem Mitarbeiter Titus, der zurückgeblieben war, bereits gesagt1. Und nun bekräftigt er in seinem Brief, dass da noch ein „Übriges“ (ta leiponta) zu tun sei2. Dieses Übrige nun besagt nicht, dass diese Versammlungen noch nicht ekkleesia im biblischen Sinne gewesen wären. Nein, denn die ekkleesia im eigentlichen Sinne (ecclesia stricte dicta) ist nichts anderes als die Gemeinschaft oder Gemeinde der Heiligen oder Gläubigen, wie wir auch im dritten Artikel des Apostolischen Glaubensbekenntnisses bekennen und etwa Apg. 5,14 sie beschrieben wird, auch Apg. 2,47, da auch im Blick auf die räumlich begrenzte Versammlung, die ihrem Wesen nach auch nichts anderes ist als eine Gemeinde der Gläubigen, oder, noch genauer, die Eine heilige christliche Kirche an dem bestimmten Ort. Die ekkleesia im eigentlichen Sinne wird also allein durch den Glauben konstituiert, wie auch 1. Kor. 1,2 aussagt. Aber zum Wohlsein der Versammlung (bene esse), damit sie ihren Auftrag recht ausführen kann, dazu bedarf es noch dessen, worum es hier geht, nämlich dass sie Älteste oder Bischöfe (so der Begriff in V. 7; diese Begriffe werden also austauschbar verwendet und bezeichnen jeweils die Gemeindehirten) bekommt, die, wie 1. Tim. 3; Apg. 20,28; 1. Petr. 5; Hebr. 13 es ausdrücken, der Christenversammlung geistlich vorstehen, sie geistlich leiten, lehren, über sie geistlich wachen, in alle Wahrheit führen.

    Dass Paulus dabei im Schlussteil des Satzes mit egoo hervorhebt, dass er dies Titus schon angewiesen hat, unterstreicht die Bedeutung dieser Anweisung, die also mit seiner apostolischen Autorität gegeben wird. Auch der Begriff ‚dietaxameen’ (von diatassomai) unterstreicht dies, ein Wort, was so viel heißt sie beauftragen, aber im Sinne von befehlen, anordnen3. Was aber heißt das nun? Was ist daraus zu schließen? Nun, auch der Apostel kann nichts anordnen, befehlen als Anweisung mit außerordentlicher Autorität, wohinter nicht die Autorität Gottes selbst steht, denn die Autorität der fundamentlegenden Apostel war ja, dass sie als Gottes Mund redeten. Was Paulus also hier an Timotheus weitergibt, das ist eine Ordnung des HERRN selbst.

    Gibt es dann also im Neuen Testament doch neue Gesetze, Verordnungen Gottes für die Gemeinde? Wir müssen dies genau m neutestamentlichen Zusammenhang betrachten. Für die Gemeinde Jesu Christi gilt, was Römer 10,4 steht: Christus ist des Gesetzes Ende, wer an den glaubt, der ist gerecht. Und Galater 5,4 heißt es: Ihr habt Christus verloren, die ihr durch das Gesetz gerecht werden wollt, und seid von der Gnade gefallen. Und in Römer 6,14 heißt es über den Status der an Christus Gläubigen: Ihr seid nicht unter dem Gesetz, sondern unter der Gnade. In 2. Korinther 3,17 bezeugt er: Wo der Geist des HERRN ist, da ist Freiheit. Und der Kolosserbrief, besonders Kol. 2, macht deutlich, dass wir frei sind von dem alttestamentlichen Gesetz. Ebenso der gesamte Galaterbrief, nicht zuletzt auch Gal. 4,  ein Kapitel, das mit den Worten schließt: So sind wir nun, liebe Brüder, nicht der Magd Kinder, sondern der Freien. All das macht deutlich, dass die Gemeinde Jesu Christi nicht unter dem Gesetz ist, dass es also auch für die Gemeinde des HERRN im Neuen Bund kein neues Zeremonialgesetz gibt, keine von Gott vorgegebene Gemeinde- oder Kirchenverfassung. Aber was hat es dann mit diesen Ordnungen Gottes auf sich, von denen uns eine in Tit. 1,5 begegnet?

    Ich möchte hierzu aus Brunns „Lehre von der Kirche“ zitieren, der ausführlich auf diese Frage eingegangen ist: „Lerne vor allem, diese beiden Stücke, Gesetz und Ordnung wohl von einander zu unterscheiden. Christus ist des Gesetzes Ende, lehrt St. Paulus Röm. 10,4. Ein neues Gesetz ist im Neuen Testament nicht wieder gegeben, sondern das Gesetz ist durch Mose gegeben, durch Christus die Gnade und Wahrheit geworden, Joh. 1,17. In diesem Sinne kann und darf also in der neutestamentlichen Gnadenzeit in keinerlei Weise von einem „Gesetz“ die Rede sein, das man den Christen auflegen wollte, sonst wäre Christus verloren, Glaube und Gnade umgestürzt, Gal. 5,4. Aber etwas ganz anderes ist Ordnung; Ordnung ist nicht Gesetz, sondern unterscheide: Das göttliche Gesetz lehrt uns die Pflichten, die der Mensch seinem Gott und Schöpfer zu leisten schuldig ist, deren Unterlassung darum Sünde ist, Schuld und Strafe auf den Menschen häuft; könnte dagegen der Mensch das Gesetz erfüllen und die Pflichten Gott leisten, die er ihm schuldig ist, so wäre der Mensch hierdurch vor Gott gerecht und verdiente Lohn. Aber so ist es nicht mit der Ordnung. Unter Ordnung versteht man nicht gewisse Pflichten, die man jemand zu leisten schuldig ist, sondern „Ordnung“ heißt man nur gewisse Einrichtungen, die bei einer Sache oder bei einem Geschäft nötig sind, um den Zweck derselben zu erreichen. … Dieser Begriff der Ordnung streitet nun durchaus nicht gegen das Wesen des Neuen Testaments oder des Evangeliums, als der Offenbarung der göttlichen Gnade. Im Gegenteil, Ordnung muss sein, wie überall, so auch in dem Gnadenhaushalt Gottes im Neuen Testament. Da sollen ja allerlei Dinge von uns und bei uns geschehen: Gott will uns selig machen, Er will uns unsre Sünden vergeben, den heiligen Geist mitteilen, dazu soll Gottes Wort uns gepredigt, die heiligen Sakramente verwaltet werden usw. Das alles ist nicht Gesetz, d.h. es sind nicht Pflichten und Werke, die wir Gott zum Dienste zu vollbringen hätten, nein, es ist da nur die Rede von der göttlichen Gnadenarbeit, die Gott an uns tun will, um uns dadurch selig zu machen, aber diese göttliche Gnadenarbeit an uns kann auch nicht von Statten gehen ohne eine gewisse Ordnung, in welcher sie geschieht. … Diese kirchliche Form, Ordnung oder Einrichtung nun, wie das Wort Gottes gepredigt, die Sakramente verwaltet und demgemäß eine christliche Gemeinde oder Versammlung eingerichtet werden soll, damit der Zweck der Predigt und der heiligen Sakramente erreicht werde: Das ist die Kirchenordnung.

    Ist also die Frage, warum ist solche Kirchenordnung nötig, so dürfen wir nicht antworten, wie bei dem göttlichen Gesetz, „weil es Gott so geboten hat“. So ist es bei den Geboten Gottes: Da ist es ganz einerlei für uns, warum etwa Gott dieses oder jenes geboten hat. … Diesen Begriff des göttlichen Gesetzes und schuldigen Gehorsams gegen Gottes Gebot dürfen wir nun schlechterdings nicht auf die Kirchenordnung anwenden. Da dürfen wir nie sagen, dies oder jenes musst du tun, weil es Gott geboten hat, folglich sündigst du und übertrittst Gottes Gebot, wenn du diese oder jene kirchliche Ordnung nicht hältst. Das wäre eine gröbliche Vermischung von Ordnung und Gesetz. … Nein, es sind eben nur kirchliche Ordnungen, d.i. Einrichtungen, dazu nötig und gemacht, um Gottes Wort und die heiligen Sakramente recht zu üben und zu verwalten, das ist ihr alleiniger Zweck und Nutzen, und nur um dieses Zweckes willen und folglich auch, soweit sie zu diesem Zweck nötig sind, sollen sie aufgerichtet und gehalten werden. …

    Auch in dem Fall, dass uns Gott durch Offenbarung etwas über solche Form und Ordnung der Predigt und Sakramentsverwaltung gesagt hätte, so hätte Er das immer nicht gesagt als ein göttliches „Gesetz“, d.h. als Pflichten und Werke, die wir Ihm zu Seinem Dienst schuldig seien oder ausrichten sollten, nein, sondern wir müssten immer nur auf den Zweck der Sache sehen: Wozu will Gott Sein Wort und Sakrament verwaltet haben? Bloß dazu, dass wir selig werden. … Es finden sich einzelne Stücke der äußern kirchlichen Ordnung und Einrichtung, die uns Gott in Seinem Wort offenbart hat, z.B. das christliche Predigtamt. Aber da sollen wir nun nicht denken, das seien an und für sich Dinge, mit deren Beobachtung gleichwie mit guten Werken Gott gedient und geehrt werde, es darf z.B. eine Gemeinde nicht denken, sie tue an und für sich ein gutes Werk, wenn sie einen Prediger beruft, so wenig, wie wenn sie eine schöne Liturgie im Gottesdienst einführt und dgl. Das alles soll geschehen, Gott hat das christliche Predigtamt gestiftet, aber nur zu dem Zweck, dass seine Gnadenabsicht, uns selig zu machen, bei uns erfüllt werde. Nur um diese göttliche Gnadenabsicht bei uns und andern verwirklichen zu helfen, sollen wir also Prediger berufen, sonst wäre die Sache an sich ganz ohne Wert und Bedeutung; die Nichtberufung von Predigern wäre daher auch nur darum sündlich und wider Gott, weil dadurch nicht etwa ein gutes Werk versäumt oder Gottes Gebot übertreten würde, sondern weil dadurch die göttliche Gnadenabsicht, uns selig zu machen, gehindert würde. So ist also die göttliche Stiftung oder Anordnung des christlichen Predigtamtes (wie überhaupt der göttliche Befehl, das Evangelium auf Erden zu predigen) nicht ein Stück des göttlichen Gesetzes, sondern sie gehört ins Evangelium, in die Offenbarung der göttlichen Gnade, weil sie ganz und gar nur beruht auf der Gnadenabsicht Gottes, uns durch solches Amt Vergebung der Sünden und Seligkeit mitzuteilen.“4

    Das ist also ganz wichtig: Es liegt hier kein neues Gesetz Gottes vor, sondern wir haben hier eine evangelische Ordnung, die besagt, dass da, wo Christenversammlungen um Wort und Sakrament sich gebildet haben, um die Gnadenmittel nach innen und außen zu verwalten, da soll der öffentliche Predigtdienst aufgerichtet, das heißt, da sollen Diener an Wort und Sakrament berufen werden. Dieser Wille Gottes wird hier kundgetan, damit seine Gnadenabsicht zum Ziel kommt5. Nichts anderes besagt dieser Vers. Er besagt nicht, wie viele Diener am Wort jeweils zu berufen sind; er besagt auch nicht damit, wie der öffentliche Predigtdienst äußerlich gestaltet sein soll, wenn mehrere Diener berufen werden; er besagt auch nicht, dass jede Christenversammlung um Wort und Sakrament eigene Diener haben muss, d.h. es könnte ebenso sein, dass mehrere Christenversammlungen sich zusammentun, um gemeinsam Diener am Wort zu berufen.

    Dieser Vers sagt uns auch nichts weiter über diese Christenversammlungen, die hier mit Ältesten oder Dienern an Wort und Sakrament versorgt werden sollen. Dass es Gottes Wille ist, dass die Christen einer Gegend, die eins sind im Glauben und in der Lehre, sich zusammenfinden, das ist ja allein schon darin deutlich, dass er seiner ekkleesia die Gnadenmittel anvertraut hat, Matth. 28,18-20; 18,15-20; 1. Petr. 2,9, und will, dass sie dieselben austeilt. Das kann gar nicht anders als durch Christenversammlungen gehen, also dass die Christen zu direkten, unmittelbaren, regelmäßigen Versammlungen um Wort und Sakrament zusammen kommen. Gott der HERR hat solche Versammlungen auch bestätigt, indem er zu ihnen hinzugetan hat, Apg. 2,47, indem er ihnen Diener am Wort gegeben hat, Apg. 20,28, und indem er ihnen Ordnungen gibt im Blick auf die Diener, die sie berufen soll, 1. Tim. 3; Tit. 1, wie auch über das Verhältnis dieser Diener zu den Christen, 1. Tim. 5,17-19; 1. Thess. 5,12.13; Hebr. 13, und indem er anordnet, dass niemand mutwillig diese Christenversammlungen verlassen soll, Hebr. 10,25. Was damit jeweils gemeint ist, was unter „ekkleesia“ zu verstehen ist, dazu ist zu erforschen, wie der Heilige Geist selbst diesen Begriff im Neuen Testament verwendet hat. Und sehen wir von dem weltlichen Gebrauch ab, so finden wir ihn für die Universalkirche, also die „Gemeinschaft der Heiligen oder Gläubigen“, also die verborgene Kirche, und wir finden ihn für die räumlich begrenzte Gemeinschaft der Gläubigen, wie auch, damit verwoben, die äußere Versammlung um Wort und Sakrament, also diese primäre, unmittelbare, regelmäßige Christenversammlung, die wir mit einem terminus technicus auch als ecclesia simplex oder „Ortsgemeinde“ bezeichnen, ohne dass dabei irgendetwas über deren äußere Gestalt, Struktur, Form gesagt wird. Wir finden sie in der Schrift als Hauskirche, als Gemeinde eines Ortes oder einer Stadt, ja, als Versammlung der Christen einer ganzen Region. Das alles liegt in der Freiheit der Christen. Wir haben aber das Zeugnis der Schrift, dass diese primäre, unmittelbare Versammlung der Christen um Wort und Sakrament Gottes Wohlgefallen hat, wie oben angezeigt. Von weiteren Einrichtungen, die über diese ecclesia simplex hinausgehen, finden wir nichts dergleichen im Neuen Testament. Das heißt nicht, dass der HERR sie nicht haben will. Es heißt nur: Wir haben darüber kein Zeugnis der Schrift. Dass wir nun zu der ecclesia simplex solch ein Zeugnis haben, das gibt ihr einen grundsätzlichen Vorrang. Das gilt es zu beachten. Wenn also gesagt wird, dass „die Ortsgemeinde im Unterschied zu allen anderen christlichen Versammlungen von Gott eingesetzt oder geordnet ist“, so kann dies nur heißen, dass die ecclesia simplex aufgrund des vorliegenden Schriftzeugnisses einen Vorrang hat vor allen anderen Einrichtungen, die wir Christen aus unserer uns durch Christus erworbenen Freiheit bilden, um der Gnadenabsicht Gottes nachzukommen, Wort und Sakrament weltweit auszuteilen. Und dies gilt auch nur im Blick darauf, dass eben die Christen einer Gegend sich zu regelmäßigen Versammlungen um Wort und Sakrament zusammenschließen, nicht aber für deren weitere äußere Gestaltung oder Ordnung oder Form, ausgenommen dem, dass sie dann, wie gehört, den öffentlichen Predigtdienst in ihrer Mitte aufrichten sollen, dessen äußere Gestaltung, Auffächerung aber ebenfalls wieder im Bereich der christlichen Freiheit liegt. Ein direktes „göttliches Einsetzungswort“ der Ortsgemeinde können wir aus der Bibel nicht erheben6. Was uns die Schrift deutlich macht, wie oben ausgesagt, ist dies, dass der HERR will, dass die Seinen Wort und Sakrament austeilen und sich daher auch zusammenfinden. Wie das im Einzelnen geschieht, gehört in den Bereich der christlichen Freiheit. Deshalb ist der Satz, dass es „falsch ist zu sagen, die Ortsgemeinde sei im Unterschied zu allen anderen christlichen Versammlungen von Gott eingesetzt“, richtig wenn damit die von Zeit und Ort abhängige äußere Gestalt der ecclesia simplex mit ihren jeweils spezifischen Aufgaben gemeint ist.

    Es ist der Wille Gottes, dass die Christen halten die Einigkeit im Geist durch das Band des Friedens – aber wie sie das nun praktisch umsetzen, das steht in ihrer Freiheit, ob sie dazu z.B. Synodalverbände bilden oder nicht, dazu sagt die Bibel nichts. So ist diese Gestalt der ekkleesia (ecclesia composita) nicht direkt von Gott geordnet; sie ist aber nach göttlichem Willen in sofern, als sie der göttlichen Gnadenabsicht der Gemeinschaft der Christen und der Austeilung von Wort und Sakrament dient. Und genauso ist es mit dem öffentlichen Predigtdienst. Gemäß dem Zeugnis der Schrift haben wir ihn in zweifacher Grundform: Als Dienst im Bereich des ecclesia simplex und als missionarischen Dienst. Was nun den Dienst in Verbindung mit der ecclesia simplex angeht, so haben wir das klare Zeugnis der Schrift, eben weil sie von diesem Dienst spricht, dass er Vorrang hat vor allen weiteren Diensten, die „übergemeindlich“ sind, einfach weil die Schrift uns zu denen nicht gleichermaßen Zeugnis gibt. Wie aber dieser Dienst innerhalb der ecclesia simplex gestaltet, aufgefächert wird, und wie er gestaltet wird, wenn weitere kirchliche Einrichtungen, außer- und übergemeindlich, gebildet werden, das alles steht im Bereich der christlichen Freiheit, kommt aus menschlicher Übereinkunft. Diese einzelnen Formen sind in ihrer Besonderheit nicht von Gott geordnet; sie sind aber in sofern von Gott gewollt, als die Aufgaben, die sie ausführen, von Gott gewollt sind, also mit seiner Gnadenabsicht zusammenhängen. Das gilt es zu beachten.

    Zu sagen, dass die Aussage in Tit. 1,5 nur rein historisch zu verstehen sei, engt daher die Aussage ein. Denn dass Christenversammlungen den öffentlichen Predigtdienst aufrichten sollen, da haben wir klares Zeugnis der Schrift, dass es Gottes Gnadenwille ist – wie sie das machen, welche Gestalten dieser Predigtdienst dabei annimmt, welche christliche Versammlungen dazu im Einzelnen dann gebildet werden, das ist allerdings etwas, das von Zeit und Raum abhängt.

 

 

ZEICHEN DER ZEIT

 

 

Aktuelles: Die Bibel, Gottes Wort, verstehen. Eine Auseinandersetzung mit dem Bericht des badischen „Landesbischofs“ bei der Tagung der Landessynode am 26.04.2012. (Die Seitenangaben beziehen sich auf: Ulrich Fischer: In der Bibel Gottes Wort verstehen. Bericht des Landesbischofs zur Tagung der Landessynode am 26. April 2012 in Bad Herrenalb. Der Bericht ist auf der Internetseite der Evangelischen Kirche in Baden abrufbar.)

    Grundlegend für das, was Herr Fischer in Bad Herrenalb gesagt hat, ist sein Schriftverständnis. Das kommt schon im Titel seines Berichts, „In der Bibel Gottes Wort verstehen“ zum Ausdruck: Er leugnet, dass die Bibel, die Heilige Schrift, Gottes Wort ist und behauptet vielmehr, wie noch weiter ausgeführt ist, dass aus ihren (menschlichen) Worten nur Gottes Wort herauszuhören sei.

    So hat er schon in der Einleitung gesagt, dass es bei der Auseinandersetzung um die Akzeptanz von Homosexualität unter Pfarrern durch die „Landeskirche“ um den Umgang „mit der Bibel und ihrer Deutung als Wort Gottes“ (S. 1, Zeile 27) gehe. Das heißt: Die Bibel ist für ihn nicht Gottes Wort, nur „Urkunde von der Offenbarung Gottes“ (S. 5, Zeile 137). Was darin Gottes Wort ist, oder was sie als Gottes Wort aussage, sei Sache der Deutung. (Und wer hat dazu das Recht?) Was daraus übrigens dann weiter folgt, ohne dass es in irgendeiner Weise in diesem ja vor allem mit Hermeneutik befassten Bericht zum Tragen kommt, ist dies, dass für Herrn Fischer die Bibel nicht mehr „meines Fußes Leuchte und Licht auf meinem Weg“ ist, also nicht mehr klar ist, so dass jeglicher Lehrartikel ohne besondere Auslegung aus ihr entnommen werden kann. Das führt geradezu zu einer neuen Hierarchie in der Kirche (die übrigens, gemäß Matth. 20, unbiblisch ist).

    Dass die Bibel laut Herrn Fischer nicht Gottes Wort sei, sagt er ausdrücklich, im Rückgriff auf den Irrlehrer Karl Barth, wenn er behauptet: „So ist also die Bibel Alten wie Neuen Testaments nicht selbst Gottes geschehene Offenbarung, sondern sie bezeugt in ihrer Sprache und in ihrer Kultur Gottes geschehene Offenbarung (K. Barth), und insofern hören wir in der Bibel Gottes Wort.“ (S. 3, Zeilen 95-97) „Im Alten und Neuen Testament redet nicht Gott unmittelbar selbst, sondern wir haben es in den biblischen Schriften mit menschlichen Worten zu tun, durch die uns Gottesworte und Gottesbilder vermittelt werden.“ (S. 4, Zeilen 98-100) Das ist eine sehr zentrale Aussage, die zeigt, was für Herrn Fischer die Bibel ist: Sie ist für ihn Menschenwort, allein Menschenwort, ist Darstellung dessen, wie die Menschen etwas erfahren und dann als Offenbarung Gottes erklärt haben (und da jeder Mensch das anders verstehen kann, sei Offenbarung Gottes „mehrperspektivisch“ (S. 3, Zeile 92), denn der Mensch „interpretiere“ ja ein Geschehen (S. 3, Zeile 85)). Und weil die Menschen in einer bestimmten Zeit, mit einer bestimmten Kultur, einem bestimmten Umfeld lebten, so hätten sie das Geschehen aus diesen Bezügen heraus „interpretiert“ und entsprechend bräuchten wir, um zu verstehen, was tatsächlich gesagt würde, eben das Verständnis des Umfeldes, um die Bibel zu verstehen. Das heißt: In der Bibel würden uns Zeitgeistdenken, zeitgeistbedingte Irrtümer, Mythen begegnen. Herr Fischer sagt das nicht ausdrücklich, aber das folgt daraus. Das ist alles nicht sehr originell, denn all das haben liberale Theologen seit anderthalb Jahrhunderten, etwa in der historischen oder religionsgeschichtlichen Schule, noch etwas radikaler dann Bultmann in der Entmythologisierung behauptet. Tatsächlich wird damit die vorgegebene Autorität der Heiligen Schrift aufgehoben, denn wenn Gott nicht redet, ist er auch nicht der Verfasser, die Schrift ist dann auch nicht irrtumslos, nicht widerspruchslos, außerdem in ihrer Aussage zeitbedingt bzw. in jeder Zeit aus ihrer Zeitbedingtheit heraus anders zu deuten. Weil Gott nicht selbst redet, würde man auch „Gottesbilder“ in der Bibel finden, nicht Gott selbst. „Gottesworte“ sind dann also menschliche Worte, die etwas über Gott aussagen, wie die Menschen es verstanden hätten. Ob sie ihn aber richtig verstanden hätten, weiß ja dann letztlich niemand. Herr Fischer hat damit, im klaren Gegensatz zu 2. Petrus 1,19, kein festes prophetisches Wort, sondern stochert tatsächlich im Nebel herum.

    So kann er dann von einem „christlichen Gottesbild“ sprechen, dass eine „Idee von Gott“ habe als „Inbegriff einer barmherzigen Liebe“. Das Neue Testament ist für ihn eine Darstellung, wie „vom Christusgeschehen“ ergriffene Menschen „versuchten …, die erlebte und gefeierte Offenbarung in ihrem jeweiligen Kontext zu verstehen, und deuteten die erlebte Einzigartigkeit Jesu mit ihren kulturellen Möglichkeiten.“ Es habe dabei ein „Überlieferungsprozess“ stattgefunden, in dessen Verlauf Jesus „christologische Hoheitstitel beigelegt“ worden seien, was schließlich dazu geführt habe, dass man im „Christusgeschehen“ Gott als dreieinigen Gott gegenwärtig gesehen habe. (S. 4, Zeilen 106-111) Diese Aussagen unterstreichen nochmals, dass Herr Fischer kein festes Wort mehr hat, sondern nur noch menschliche Deutungen, die damit natürlich fragwürdig, anzweifelbar, irrtumsfähig sind. Dem gegenüber müssen wir mit Jesus Christus selbst und den Aposteln, als den Griffeln des Heiligen Geistes, bezeugen, dass Jesus Christus wahrer Gott ist von Ewigkeit zu Ewigkeit, dass Gott selbst deshalb spricht, wenn Christus spricht, und dass wir an seiner Rede bleiben müssen, ohne Abstriche, wenn wir wirklich frei werden wollen (Joh. 8,31.32); dass alle Schrift geistgehaucht ist, von Gott eingegeben (2. Tim. 3,16), und dass keine Weissagung aus menschlicher Überlegung kommt, sondern die heiligen Schreiber vom Heiligen Geist getrieben waren (2. Petr. 1,21) und nicht menschliche Worte redeten, schrieben, sondern die Worte, die ihnen der Heilige Geist gab (1. Kor. 2,13)

 

    Was Auslegung für Herrn Fischer bedeutet, wird schon gleich zu Beginn deutlich, wenn er aufruft, „die heutige Lebenswirklichkeit“ nicht „auszublenden“ und das „Verstehen des Lebens“ nicht „ausschließlich auf das Verstehen des in der Bibel gegebenen Wortes Gottes“ zu „reduzieren“ (S. 2, Zeilen 43-45): Nicht Gott selbst gibt in seinem Wort die Maßstäbe vor, anhand deren dann die „heutige Lebenswirklichkeit“ beurteilt wird, sondern umgekehrt, die „heutige Lebenswirklichkeit“ gibt an, wie die Bibel zu verstehen ist. Das nennt man „Eisegese“, hineinlegen von etwas in die Bibel, das gar nicht in ihr darinnen steht. Deshalb verwirft er es auch, aus der Bibel direkt eine Position zu gewinnen und sieht darin eine „Gefährdung“ (S. 2, Zeile 54 f.)

    Wenn er sagt, S. 4, Zeile 112-114, dass die Menschen auch damals, wenn sie Christus bezeugten, dies im Zusammenhang ihrer damaligen Weltsicht, Wirklichkeitsdeutung und Lebenspraxis machten, so ist das zwar nicht falsch, aber in ganz anderer Weise, als Herr Fischer das hier meint. Er behauptet ja, wie oben von ihm schon dargelegt, dass diese Deutungen auch Teil ihres Gottesverständnisses geworden seien. Aber umgekehrt ist es richtig: Sie haben die sie umgebende Wirklichkeit neu gesehen, aus der Perspektive, die sie durch Gottes Wort bekommen haben, haben sie so neu analysiert und deshalb auch kritisiert und in sie hinein die immer gleiche Wahrheit geheroldet, anknüpfend an der gerade vorhandenen Situation, wie wir es sehr deutlich bei der Areopagrede des Paulus finden (Apg. 17).

    Herr Fischer aber will die biblischen Weisungen „in ihrem historischen Kontext verstanden“ wissen (S. 8, Zeile 253), in ihrem Verhältnis zur damaligen Umwelt. Das heißt: Die Geschichts- und Sozialwissenschaft werden zum Interpretament der Heiligen Schrift, bestimmen damit, was die Bibel auszusagen hat. Das ist gegen jegliche Hermeneutik, vor allem die biblische, denn Gottes Wort ist aus sich selbst auszulegen, nicht durch Dinge, die aus der Schrift selbst nicht zu entnehmen sind. Es mag interessant sein, das Umfeld zu kennen, die Ähnlichkeit oder auch die große Distanz zum Umfeld. Aber das verändert nichts an der Aussage der Bibel.

 

    Was daraus folgt, ist nur zu verständlich: „Die Offenbarung Gottes ist auch heute nur im Modus der Interpretation gegenwärtig.“ (S. 4, Zeile 118) Das heißt, es gibt keine direkte Offenbarung Gottes, die aus den Worten der Heiligen Schrift unmittelbar zu entnehmen ist, sondern diese Worte bedürfen erst einer Auslegung, Interpretation, Deutung. Das aber heißt ja, nochmals betont: Die Bibel ist ein dunkles Buch, in das erst besonders dazu ausgebildete Fachleute Licht bringen müssen. Damit haben wir in der Kirche wieder die Klerikerklasse, wie bei Rom, die das Monopol der Schriftauslegung hat. Dazu gehört auch, wenn er S. 5 f. von der „Fremdheit“ der Bibel spricht und sich mit Händen und Füßen dagegen wehrt, dass die Bibel verstehbar sei, so zu nehmen, wie die Worte lauten. Dadurch würde ihre „Fremdheit“ eliminiert. „Sowohl eine Haltung, die das geschichtliche Eingebundensein des Wortes Gottes negiert und vermeintliche Wahrheit in unmittelbarem Zugriff auf Wörter der Bibel reklamiert … verweigert wirkliches Verstehen.“ (S. 5, Zeile 154-157) Nur – wo steht etwas in der Bibel, dass sie uns „fremd“ bleiben soll? Gott will vielmehr von uns verstanden werden, nämlich so weit, wie er sich uns in seinem Wort offenbart hat. Dass er zugleich auch noch weiter der verborgene Gott bleibt, ist auch eine Tatsache, denn erst in der Herrlichkeit werden wir ihn sehen, wie er ist.

    Für Herrn Fischer aber ist das direkte Verstehen der Schriftworte, nach dem buchstäblichen Wortsinn, im Anschluss an Eberhard Jüngel „Aberglaube derer, … die … Gottes Wort mit dem menschlichen Wort der Heiligen Schrift unmittelbar identifizieren“ (S. 5, Zeile 160-162), „naiver Biblizismus, der die Offenbarung Gottes mit dem Zeugnis desselben und das Wort Gottes mit den Worten der Bibel in eins setzt“. (S. 8, Zeilen 242 f.) Das aber öffnet dann jeglicher Willkür, wie wir sie vor der Reformation, etwa in der allegorischen Auslegung, hatten, Tor und Tür (und Herr Fischer demonstriert das ja dann anhand des von ihm neu hervorgeholten Sabbathgebotes). Tatsächlich aber ist es stets so, in allen mit Schrifttum verbundenen Wissenschaften, dass Schriften so lange buchstäblich zu verstehen sind, solange sie nicht selbst, unmittelbar oder im Kontext oder durch die Analogie ihrer Aussagen, ein anderes Verständnis erfordern. Aber genau dagegen, Schrift durch Schrift auszulegen, wehrt sich Herr Fischer ja, macht Luther daraus einen Vorwuf (S. 6, Zeile 167). Da verwirft er auch explizit die Verbalinspiration und Irrtumslosigkeit der Heiligen Schrift und behauptet, es gäbe kein Zurück hinter die (heidnische, christusfeindliche) Aufklärung. Frech behauptet er auch, die historische Kritik habe die Irrtumsfreiheit und Unfehlbarkeit biblischer Sätze erschüttert (S. 6, Zeile 172 f.). Wodurch eigentlich? Sie hat nur Behauptungen aufgestellt, hat nichts bewiesen, hat nur abstruse Theorien gebastelt, jeder Theologe eine andere. Jeder hat Gott und sein Wort meistern wollen und ist doch daran zuschanden geworden.

    Für Herrn Fischer ist die Bibel „voller Widersprüche“ (S. 7, Zeile 205 f.), was daher komme, dass das Leben so komplex sei. Daraus folgt für ihn, dass die Wahrheit „mehrdeutig“ sei (S. 7, Zeile 209), das heißt, es gibt für ihn gar nicht mehr DIE Wahrheit. Aber genau das sagt die Bibel. Denn in der Bibel gibt es nur eine Wahrheit, nicht mehrere Wahrheiten!

 

    Aus seinem historistischen Schriftverständnis ist es nicht verwunderlich, wenn er sozusagen apriori behauptet, „manche Urteile der Bibel“ seien „so offenkundig kontext- und zeitgebunden, dass sie nicht einfach übernommen werden können“. Er verwirft es, „dass die Bibel zu allen ethischen Fragen direkte Antworten“ gibt. (S. 8, Zeilen 235-239). Das kann für ihn natürlich nicht sein, da für ihn alles zeitgebunden ist, alles sozusagen „im Fluß“.

 

    Seine vier Schritte, um zu einem Verständnis biblischer Weisungen zu gelangen (S. 8 f.) sind geprägt davon, dass er Gottes Wort nicht für sich selbst sprechen lässt, sondern es vielmehr, wie oben schon dargelegt, dem Diktat der Geschichts- und Sozialwissenschaft unterwirft und dann einzelne Weisungen versucht, selbstkonstruierten „Grundüberzeugungen“ der Bibel zu unterwerfen, die dann unter Umständen eine biblische Weisung wieder konterkarieren würden (was tatsächlich vom jeweiligen ideologischen Verständnis des Interpreten abhängig wäre). Vor allem der dritte Schritt zeigt, wie wenig wirklich die Schrift zum Reden gebracht werden darf. Da sollen die politischen, sozialen, psychologischen Faktoren eines Problems analysiert werden. Das könne zu eine „Entfremdung“ vom biblischen Text führen, da „neuzeitliche Fragestellungen nur schwer auf biblische Weisungen zurückbezogen werden können“. (S. 9, Zeilen 268-273) Das heißt doch dann, dass dieses Umfeld mitbestimmt, was letztlich „biblische Weisung“ ist, während es tatsächlich umgekehrt sein müsste, dass die Welt mit ihrem Denken mit Gottes Willen konfrontiert werden müsste, der die Welt kritisiert und zur Umkehr ruft. Es ist nicht verwunderlich, wenn Herr Fischer behauptet, dass bei einem solchen Verfahren es immer wieder „Interpretationsspielräume“ gebe, so dass keine Einigkeit zu erzielen wäre (s. 9, Zeilen 282-284). Die Bibel aber ist klar, ist eindeutig, gibt eindeutige Gebote – aber dass will die heutige Zeit nicht, das ist das eigentliche Problem.

 

    Sein Beispiel, wie so ein willkürlicher Umgang mit der Bibel aussehen kann, macht seinen Irrweg nur noch deutlicher. Es geht ihm dabei darum, das Sabbathgebot zu erneuern. Hier dürfte wohl im Hintergrund stehen, wie es auch am Schluss (S. 13 ff.) deutlich wird, dass er eben nicht mehr kirchlich-christlich argumentieren will, sondern, weil die Menschen das nicht verstünden, weltlich auftreten will, und dazu würde das Sabbathgebot, bei dem es um Arbeitsruhe gehe, helfen. Es ist nicht von ungefähr, dass er alle Aussagen des Neuen Testaments zu Feiertagen, zu den alttestamentlichen Gesetzen, gerade in diesem Zusammenhang, völlig ausblendet, denn sie würden ja seinem Ziel, einer schriftwidrigen Wiederaufrichtung des Sabbathgebotes und dessen Überstülpung über das Sonntagsverständnis, unmöglich machen.

    Was er dabei zum alttestamentlichen Sabbathgebot selbst sagt, ist völlig unbiblisch. So behauptet er, gegen 1. Mose 1 und die Gebote, wie sie in 2. Mose 20 und 5. Mose 5, dass der Sabbath ursprünglich ein monatliches Mondphasenfest gewesen sei, das nichts mit Ruhe zu tun gehabt hätte; dies sei erst nach dem Exil anders geworden (S. 10, Zeilen 300-307). Das widerspricht aber sowohl den Aussagen der Thora als auch etwa Aussagen bei den Propheten Amos und Jesaja, die beide eindeutig vorexilisch sind. Dass das Sabbathgebot zur Unterscheidung gegenüber den Heiden diente, wird gerade bei den Propheten deutlich. Dass es aber DAS Hauptgebot gewesen sei (S. 10, Zeile 313 f.), ist bei den Juden selbst umstritten gewesen, deshalb auch die heikle Frage an unseren Heiland, welches denn das größte Gebot sei. Von einem Bedeutungswandel des Sabbathgebotes (S. 10, Zeile 327) im Alten Testament zu sprechen, kann von der Schrift her überhaupt keine Rede sein.

    In keiner Weise geht Herr Fischer darauf ein, dass Jesus Christus im Unterschied zu allen anderen Geboten das Sabbathgebot im Neuen Testament gerade nicht wiederholt hat und sich als HERR des Sabbaths bezeichnete. Dass er die „soziale Funktion“ des Sabbaths wieder habe ans Licht bringen wollen, um die „Verzweckung des Menschen in ökonomische Produktionsabläufe“ zu überwinden (S. 12, Zeilen 366-368), stellt die wirklichen Aussagen unseres HERRN auf den Kopf. Vielmehr ging es ihm darum, die Gesetzlichkeit der Pharisäer zu überwinden. Gearbeitet haben damals am Sabbath die Menschen ja gerade nicht, und die Pharisäer waren gegen jegliches Arbeiten am Sabbath – aber damit ist es ja gerade nicht getan. Aber hier zeigt es sich, wohin es führt, wenn man aus ideologischen Zwängen etwas in die Bibel hineinzuinterpretieren versucht.

    Wenn er dann gar von einer „christlichen ‚Enteignung’“ des Sabbaths spricht (S. 12, Zeile 376), so ist das schon sehr polemisch und weit hergeholt. Herr Fischer blendet völlig aus, dass schon in der Apostelzeit die Gemeinden den ersten Tag der Woche, den Herrentag, gefeiert haben als Andenken an die Auferstehung des HERRN. Dass Gemeinden, die noch viele messianische Juden in ihren Reihen hatten, wie diejenigen in Israel, außerdem noch den Sabbath gefeiert haben, ist damit nicht in Abrede gestellt. Aber die eigentliche Bedeutung lag auf dem Sonntag, wie etwa in der Apostelgeschichte und in der Offenbarung deutlich wird. Der Sabbath trat damit zurück. Und dass gemäß Röm. 14 und Kol. 2 wir im Neuen Testament überhaupt keine von Gott vorgegebenen Feiertage haben – auch den Sabbath nicht – will Herr Fischer einfach nicht wahrhaben, denn dann hätte er ja kein weltlich zurechtgemachtes Argument mehr für eine nur noch sozial verstandene Sonntagsheiligung. Es ist nicht verwunderlich, dass er deshalb gegen das biblische Sonntagsverständnis – nämlich als Tag, um sich mit Gottes Wort zu beschäftigen – wendet (S. 12, Zeile 397 f.; S. 13, Zeile 407 ff.)

    Dieses „Sabbathgebot“ des Herrn Fischer ist ein sehr deutliches Beispiel für die geistliche Entleerung des Sonntags durch einen „Theologen“, der eben nicht mehr Gottes Wort zur Grundlage hat, sondern vielmehr völlig am Zeitgeist, an der Welt orientiert ist und der Welt gefallen will.

 

Aus dem Luthertum:

Können Lutheraner Fronleichnam feiern? Der ehemalige Pfarrer von St.-Ulrici-Brüdern in Braunschweig, Jürgen Diestelmann, meint Ja. Allerdings will er ihn ohne Prozessionen begehen. Aber er ist der Meinung, dass die kirchengeschichtliche Situation im Hinblick auf das Verhältnis von römischen Katholiken und Lutheranern sich geändert habe und sich die Lutheraner ihrer Nähe zum römisch-katholischen Glauben nicht zu schämen brauchten. Es gehe an Fronleichnam um die leibliche Gegenwart Christi im heiligen Abendmahl. Diestelmann feierte deshalb in der Braunschweiger Gemeinde an Fronleichnam einen Abendmahlsgottesdienst. (nach: Brüdern-Rundbrief 62. Jg., Nr. 4, Mai/Juli 2012. S. 7)

    Aber können wir als Lutheraner wirklich diesen Feiertag begehen? Ich denke: Nein! Es geht bei Fronleichnam nun einmal um einen typisch römisch-katholischen Feiertag, der auf das Engste mit der römisch-katholischen Lehre von der Transsubstantiation verbunden ist und ja zur Proklamation dieser Irrlehre eingerichtet wurde. Daher auch die Prozessionen, bei denen die Römer meinen, die trügen Christi Leib in, mit und unter der Hostie durch die Straßen und würden ihn anbeten – objektiv aber tragen sie nur die Hostie durch die Straßen und beten somit Brot an. Und das ist, wie Luther richtig sagte, gotteslästerlich. Wir tun auch heute gut daran, uns von dieser Irrlehre eindeutig zu scheiden. Es gibt auch keine „Nähe zum römisch-katholischen Glauben“. Das ist einfach nicht wahr. Gerade im Zentrum der biblischen Lehre, der Rechtfertigungslehre, sind die Unterschiede so grundlegend wie eh und je seit der Reformation. Und damit hängen auch all die anderen Lehren zusammen, etwa die Mariologie, die Heiligenverehrung, die Lehre vom Papsttum, vom Amt, von der Kirche, von den Sakramenten. Schon allein deshalb sollte niemand versuchen, sich Rom anzupassen, etwa durch die Übernahme römisch-katholischer Feiertage, auch wenn man sie anders deutet.

    Denn haben wir solch einen Feiertag überhaupt nötig? Nein! Die Einsetzung des heiligen Abendmahls feiern wir an Gründonnerstag. Und das kostbare Geschenk des Leibes und Blutes unseres Heilandes feiern wir am besten dadurch, dass wir häufig das heilige Abendmahl in unseren Gottesdiensten anbieten und die Gemeinde einladen, es oft zu nehmen. Denn dazu hat es unser Heiland Jesus Christus eingesetzt und zu nichts anderem!

 

Aus dem übrigen Protestantismus:

Wo stehen die Evangelikalen? Nach den Worten des römisch-katholischen Journalisten Kilian Trotier, der für die „Zeit“ Artikel in der Serie „Die Zukunft der Religion“ schreibt, und der das Festival „Spring“ besuchte, hätte ihn überrascht, wie stark auch die Evangelikalen vom Event-Charakter geprägt seien, vor allem aber, dass Homosexualität anerkannt werde und man Homosexuellen einen Platz in der Gemeinde einräume – ohne dass sie sich ändern müssten, ohne dass sie Buße tun müssten. Da fragt man sich dann schon, wie ernst die Bibel tatsächlich noch genommen wird und ob so etwas wie „Wertkonservativismus“ überhaupt noch Allgemeingut bei den Evangelikalen ist. Dass ihm die zum Teil sehr fragwürdigen „Missionsmethoden“ aufgestoßen sind und für ihn die Frage aufwarfen, welches Gottesverständnis da vermittelt werde, ehrt den Autor und zeigt, wie höchst problematisch inzwischen der Weg der Evangelikalen in vielen Bereichen ist. (nach: proKompakt 16/2012, S. 10)

Synkretismus bei Bund-Baptisten: In der Evangelisch-Freikirchlichen Gemeinde in Kamp-Lintfort wird am 17. Juni 2012 ein ZDF-Fernsehgottesdienst gemeinsam von Christen und Muslimen gestaltet. Der dortige Baptistenpastor bezeichnete unter anderem die Moschee als „Gotteshaus“ und sagte, gegenseitige Besuche in den jeweiligen „Gotteshäusern“ seien selbstverständlich. Der Dialog der Religionen würde gegenseitig bereichern und die „eigene Tradition“ neu zu Tage fördern. Das heißt also, er sieht im christlichen Glauben einerseits und im Islam andererseits nur verschiedene „Traditionen“. (nach: idea.de Nachrichten, 17.05.2012) Hier fehlt es an jeglicher Unterscheidungskraft. Es ist nur zu hoffen, dass diese Gemeinde nicht schon stellvertretend für die Haltung des ja allerdings als ziemlich liberal einzustufenden Baptisten-Bundes steht.

Neue Unionskirche in Frankreich: In Belfort haben die Reformierte Kirche Frankreichs und die sogenannte Evangelisch-Lutherische Kirche Frankreichs ihre Fusion beschlossen. Die erste gemeinsame Synode soll im Mai 2013 zusammentreten. (nach: Topic 6/2012, S. 2) Damit wird die – allerdings auch bisher nur noch nominell vorhandene – lutherische Kirche in vielen Teilen Frankreichs ausgelöscht. Dass dies anscheinend ohne größeren Widerstand möglich war zeigt, wie tief die geistliche Erkenntnis in der sich lutherisch nennenden Kirche bereits gesunken ist. Allerdings ist es nicht so, dass es gar keine lutherische Kirche mehr in Frankreich gäbe. Die Église Évangélique Luthérienne – Synode de France, eine Schwesterkirche der Missouri-Synode, ist weiterhin als unabhängige lutherische Kirche mit verschiedenen Gemeinden im Elsass, im Raum Paris und im Poitou vorhanden.

 

Lebensrecht:

Abtreibung häufigste Todesursache auf Erden: Abtreibung ist inzwischen die häufigste Todesursache auf dieser Erde, und zwar mit Abstand. Weltweit werden täglich (!) 125.000 Kinder im Mutterleib ermordet, in den USA allein 3.200 (mehr, als durch den Terroranschlag am 11.09.2001 starben). An Herz-Kreislauf-Erkrankungen sterben dagegen täglich etwa 2.000 Menschen, an Tuberkulose 9.400, an Aids 9.000. (nach: Informationsdienst der Bekenntnisbewegung „Kein anderes Evangelium“, Nr. 271, 04/2012, S. 3)

US-Forscher entwickeln neue Methode um Erbgut von Ungebornen festzustellen: US-Forschern ist es gelungen, aus einer Blutprobe der Mutter und einer Speichelprobe des Vaters nahezu das gesamte Genom des Kindes im Mutterleib festzustellen. Allerdings ist diese Methode derzeit für die Praxis noch viel zu komplex und teuer. In der Bundesrepublik Deutschland läuft ein ähnliches Experiment, um das Down Syndrom aufzuspüren. (nach Alfa-Newsletter 22/2012 vom 10. Juni 2012) Beide Arbeiten sind allerdings mit Recht auch auf viel Kritik gestoßen, da sie darauf hinauslaufen können, dass, etwa wenn das Down Syndrom festgestellt würde (oder vermutet), die Gefahr noch größer würde, dass das betroffene Kind dann im Mutterleib ermordet würde. Ähnliches könnte bei der Durchführung des US-Verfahrens drohen, wenn das Kind irgendwelche Krankheiten aufweisen würde oder sie vermuten  ließe – oder sonst den Eltern das Erbgut oder Geschlecht des Kindes nicht gefiele. Wir befinden uns hier in einem Bereich der Wissenschaft, wo es besser wäre, der Mensch ließe seine Finger davon, da die Verfahren sonst Wege eröffnen, die in den Abgrund führen.

Soll Beihilfe zum Selbstmord erlaubt werden? Das Bundesjustizministerium hat einen Referentenentwurf im Blick auf Sterbehilfe vorgelegt, der zwar gewerbsmäßige Beihilfe zum Selbstmord unter Strafe stellt, nicht aber organisierte (aber nicht gewerbsmäßige) Sterbehilfe. Damit würde der Euthanasie durch die Hintertür erlaubt. (nach: Alfa-Newsletter 22/2012 vom 10.06.2012). Die unantastbare Würde des von Gott geschaffenen Menschen wird in einem Land, das Gott und seine Gebote nicht mehr als Maßstab haben will natürlich immer mehr in Frage gestellt. Ein altes Sprichwort lautet: Humanität ohne Divinität führt zur Bestialität. Das zeigt sich auch hier wieder.

 

Religionsfreiheit, politisch-ideologische Tendenzen, Schulen:

ESM-Diktatur in Europa: Der „Europäische Stabilitätsmechanismus“ (ESM) wurde als „Internationale Finanzinstitution“ gegründet, stellt also faktisch eine Bank dar, aber eine solche, die keiner Kontrolle unterliegt, im Geheimen tagt, deren Räume und Archive Außenstehenden nicht zugänglich sind. Sie zahlt keine Steuern und unterliegt keinen Vorschriften. Der Gouverneursrat kann selbstherrlich das Grundkapital ändern. Für die eingelegten Gelder werden keine Zinsen an die Staaten bezahlt, eine Rückzahlung der Gelder ist nicht vorgesehen. Man will damit der Verschuldung der Staaten entgegen treten, erhöht aber, durch die einzuzahlenden Gelder, tatsächlich die Schulden der Staaten und schwächt dadurch die noch wettbewerbsfähigen. Es werden damit nur die Schulden ausgeglichen, die Ursachen für dieselben aber nicht angegangen. Tatsächlich dient dies alles dazu, die Souveränität der Staaten weiter auszuhöhlen, wie ja auch die Forderungen des bundesdeutschen Finanzministers Schäuble, dass unabhängige Kommissionen die Haushalte der Staaten überprüfen sollten und der EU-Finanzkommissar anscheinend Durchgriffsrechte erhalten soll. Damit wird die Haushaltshoheit der Parlamente angegriffen und die nationale Souveränität völlig ausgehöhlt. Schon jetzt hat der Moloch in Brüssel einen Großteil der Gesetzgebung an sich gezogen und ächzen die Staaten unter der brutalkapitalistischen Tyrannei der Fremdherrscher.

Viele Mütter wollen vollzeitlich für ihre Kinder da sein: Wie eine Erhebung im Auftrag der Europäischen Kommission ergab, wollen sich 61 % der Frauen in den ersten drei Jahren ganz ihren Kindern widmen; auch danach sind es immerhin noch 37 % der Frauen, die dies machen wollen. Dagegen streben nur 11 % eine vollzeitliche Arbeitstätigkeit an. (nach: Informationsbrief der Bekenntnisbewegung „Kein anderes Evangelium“, Nr. 271, 04/2012, S. 2). Dies zeigt, wie die Familienpolitik etwa der Frau von der Leyen oder der Frau Schröder, wie überhaupt das „Familienbild“ der herrschenden Parteien, einmal abgesehen davon, dass es alles völlig unbiblisch ist, auch an der Realität vorbei geht und eindeutig ideologisch bestimmt ist. Man will den Menschen eine bestimmte Auffassung, Haltung aufoktroyieren, will die Frauen mit aller Gewalt zu (billigen) Arbeitskräften machen, um so die Löhne weiter drücken zu können. Vor allem steckt hinter der Politik die Ideologie des Feminismus, Marxismus und Gender Mainstream.

Wie das Netzwerk „familie ist zukunft“ schreibt, erzeugt die Fremdbetreuung nach den neuesten Studien deutliche Nachteile, selbst in Problemfamilien. Und: Bei Kindern aus der Mittel- und Oberschicht ist die Gefahr groß, dass sie tatsächlich eine schlechtere Bildung und Erziehung bekommen, wenn sie frühzeitig in eine Krippe gegeben werden. Wie es im 8. Kinder- und Familienbericht, herausgegeben vom Familienministerium, heißt, entgeht dem Kind durch die außerfamiliäre Betreuung Bildung und Erziehung durch seine kompetente Mutter. Und das Otto-Wolff-Institut für Wirtschaftsordnung gibt zu bedenken, dass gerade auch Kinder aus Problemfamilien die frühzeitige Trennung von ihren Bezugspersonen nur schwer verkraften. (nach: topic, 5/2012, S. 5)

Dennoch ist es so, dass von vielen „öffentlichen“ Stellen, nicht zuletzt auch in den Nachrichten, etwa das Betreuungsgeld als „Herdprämie“ diffamiert wird. Der Unternehmerverband hat sich vehement gegen diese Leistung ausgesprochen, da er ja sein Ziel, möglichst viele Frauen auf dem Arbeitsmarkt zu haben, um so keine Familienlöhne zahlen zu müssen und durch ein größeres Arbeitskräfteangebot die Löhne drücken zu können. Auch die OECD hat sich gegen das Betreuungsgeld ausgesprochen, mit einer ganz ähnlichen Argumentation, nämlich dass ja dann die Frauen vom Arbeitsmarkt fern gehalten werden. Und das passt natürlich nicht in die Ideologie des öko-humanistischen Totalitarismus, der faktisch herrschend ist in den „westlichen“ Ländern, der keinerlei Unterschiede unter den Geschlechtern, mit entsprechenden unterschiedlichen Aufgaben zulassen will. Der Meinungsterror, der hier geradezu ausgeübt wird, ist bezeichnend für die Lage in der Bundesrepublik und anderen westlichen Staaten und zeigt, wie sehr die persönliche Freiheit immer mehr eingeschränkt wird.

Einschränkung der Meinungsfreiheit: Zu dem gerade Angeführten passen Aussagen, die Professor Norbert Bolz in seinem Essay „Wer hat Angst vor der Philosophie“ für das 2. Programm des Südwestrundfunks gemacht hat, nämlich über die systematische Manipulation der öffentlichen Meinung, indem jeder gezwungen werde, für oder gegen eine Sache zu sein – und er dabei massiv bedrängt wird, wenn er gegen die offizielle (ver)öffentlich(t)e Meinung ist. Diese gilt dann nicht als falsch, sondern als unmoralisch, die gehasst werden muss. Das Ergebnis ist, dass auch viele Wissenschaftler und Professoren heute ihre wirklichen Ansichten nicht mehr öffentlich äußern. (nach: Topic, 6/2012, S. 5)

Genderideologie in Großbritannien: Großbritannien, eines der antichristlichsten der Länder Europas, setzt nun die Gender-Ideologie in die Praxis um. In Kinder-Reisepässen soll in Zukunft nicht mehr Vater oder Mutter stehen, sondern Elternteil 1 und Elternteil 2. (nach: Informationsdienst der Bekenntnisbewegung „Kein anderes Evangelium“, Nr. 271, 04/2012, S. 3.) Gott lässt sich aber nicht spotten. Wer auf sein Fleisch sät, wird auch vom Fleisch das Verderben ernten. Das wird auch mit den in der Gottlosigkeit ersoffenen westlichen Ländern der Fall sein, wenn sie nicht Buße tun. Die Greuel der Verwüstung werden immer mehr. Sodom und Gomorra wird zum „Normalzustand“ in den sogenannten „westlichen Ländern“.

Antisemitismus wird in Schulbüchern gefördert: Einer Analyse des christlichen Magazins „factum“ zufolge, das die Angebote der drei großen Schulbuchverlage in der Bundesrepublik Deutschland, die 90 % des Marktes unter sich aufteilen, auf die Darstellung der Nahostkonflikts hin untersuchte, wird dieser völlig einseitig dargestellt, nämlich die Palästinenser als Opfer und die Israelis als Täter beschrieben. Eingegangen werde auf die Flüchtlingsproblematik – aber nur der Araber, nicht der Juden. Als Hindernis für den Frieden werden genannt die Verteilung der Wasserressourcen, die Rückkehr der palästinensischen Flüchtlinge und die jüdischen Siedlungen in den besetzten Gebieten, nicht dagegen der palästinensische Terror und das Ziel der Palästinenser, Israel auszulöschen. (nach: Topic, 04/2012, S. 3) Das macht deutlich, wie 65 Jahre nach Hitler der Antisemitismus in der Bundesrepublik nicht nur vorhanden ist, sondern sogar offiziell gefördert wird.

Ein weiterer Schritt in Richtung Euthanasie: Nach einem Urteil der 9. Kammer des Berliner Verwaltungsgerichts vom 30.03.2012 darf die Ärztekammer nicht uneingeschränkt die Abgabe todbringender Medikamente an leidende Patienten verbieten. Begründet wurde dies unter anderem mit der Berufsfreiheit und der Gewissensfreiheit der Ärzte. Allerdings wird gewerbsmäßige Sterbehilfe vom Gericht noch verworfen. (nach: ALfA-Newsletter 14/2012 vom 07.04.2012) Das heißt aber tatsächlich, dass das Berliner Verwaltungsgericht eine absolut geltende Ethik ablehnt und damit auf der Basis des Atheismus eines Paul Singer argumentiert, für den alles nur relativ ist. Damit wird nur einmal mehr deutlich, dass auch die Bundesrepublik Deutschland tatsächlich auf dem Nihilismus aufgebaut ist und keine absoluten Werte kennt, da es den lebendigen Gott verworfen hat.

Das Leiden der Christen in Nordkorea: Es sei hier wieder einmal an die Lage der Gemeinde Jesu Christi in diesen kommunistischen Staat erinnert. Nach der von der Sowjetunion und Rotchina geförderten Machtübernahme der Kommunisten 1948 wurden alle Kirchen geschlossen und systematisch versucht, das Christentum auszulöschen. Etwa 300.000 Christen verschwanden, 100.000 wurden in Arbeitslager verschleppt. Fast alle Pfarrer wurden ermordet. Derzeit befinden sich 30.000 bis 70.000 Christen, nur weil sie Christen sind, in Konzentrationslagern, die sie zumeist nicht überleben. Der Partei- und Staatsgründer Kim Il Sung hat sich selbst zum Gott ernannt und muss als solcher verehrt und angebetet werden, gemäß Artikel 1, Absatz 1 des Parteiabkommens, das für alle Bürger Nordkoreas gilt. (nach: Stimme der Märtyrer 06/2012, S. 6 f.)

 

Islam und islamische Welt:

Keine Religionsfreiheit in Malaysia: In der westlichen Welt wird Malaysia dargestellt als eine „moderater muslimische Gesellschaft“. Die Realität sieht völlig anders aus. In diesem Land herrscht tatsächlich keine Religionsfreiheit. Für die Bevölkerungsgruppe der Malaien schreibt der Staat vor, dass sie Moslems sein müssen. Ein Religionswechsel ist ihnen verboten. Wenn Malaien Christen werden, so werden sie von staatlichen und muslimischen Behörden bedroht und gekidnappt, ins Gefängnis oder „Muslimische Reinigungszentren“ gesteckt, wo man durch Folter versucht, sie wieder zu Muslimen zu machen. Evangelisationsarbeit unter Malaien wird mit Geldbußen und Gefängnis bestraft. (nach: Stimme der Märtyrer, 04/2012, S. 6 f.)

Keine allgemeinen Menschenrechte in Saudi-Arabien: In Saudi-Arabien, einem der engste Verbündeten der kapitalistischen Staaten in der arabischen Welt, gelten die Menschenrechte nicht, vor allem keine Religionsfreiheit. Paragraph 26 der saudischen Verfassung besagt, dass nur diejenigen Menschenrechte akzeptiert werden, die das islamische Gesetz (Scharia) fordert. (nach: Mission in der islamischen Welt, 01/2012, S. 13)

Ist Marokko wirklich „weltoffen“ und „tolerant“? Als „weltoffen“ und „tolerant“ wird Marokko zum Teil in Reiseführern dargestellt. Tatsächlich gilt dies aber nur dann, wenn Touristen und andere sich daran halten, mit den Menschen nicht über Jesus Christus zu sprechen. Denn der marokkanische Staat stellt sowohl christliche Missionsarbeit (Art. 220 des marokk. StGB) als auch „Abfall vom Islam“ unter Strafe. Greift dagegen ein Moslem den christlichen Glauben an, so muss ein Christ dies schweigend dulden, denn bereits die Widerlegung der Behauptungen des Moslems würde als Versuch gewertet, den Glauben des Moslems zu „erschüttern“, was strafbar ist. Die arabische Bibel ist in Marokko verboten, die Kirchen aus der Kolonialzeit dürfen nur von Touristen und ausländischen Geschäftsleuten betreten werden. Inzwischen sind die Islamisten, die mit der türkischen AKP sympathisieren, seit den letzten Parlamentswahlen an der Macht. Besonders der neue Justizminister ist durch Hassreden gegen Christen aufgefallen. In den letzten Jahren hatte er sich aktiv für die Verhaftung einheimischer Christen und die Abschiebung von Missionaren eingesetzt. Trotz dieses totalitären Systems gibt es eine christliche Untergrundgemeinde ehemaliger Muslime in Marokko. (nach: Mission in der arabischen Welt, 01/2012, S. 20 f.)

Ermordung eines Konvertiten in Tunesien: Wie Raymond Ibrahim vom Gatestone Institute in einer Sendung am 4. Juni 2012 mitteilte und anhand eines Videos untermauerte, das der liberale Talkshow-Master Tawfic Okasha in „Egypt Today“ kurz davor gezeigt hatte, ist in Tunesien ein junger Mann, der den Islam verlassen hatte und Christ geworden war, auf bestialische Weise, gemäß dem Koran, von Moslems ermordet worden, indem ihm der Kopf abgeschnitten wurde. Wie Raymond Ibrahim weiter ausführte, hat nur einen Tag nach dieser Sendung ein führendes Mitglied der Salafisten in Ägypten deutlich hervorgehoben, dass kein Moslem das Recht habe, den Islam zu verlassen, dass dies vielmehr ein Kapitalverbrechen sei, das mit dem Tod bestraft werden müsse. (nach: http://www.meforum.org/3256/tunisia-muslims-slaughter-christian-convert)  Das macht sehr klar, wie es im „neuen Ägypten“ mit der Religionsfreiheit bestellt ist und auch in Zukunft bestellt sein wird: Es gibt sie nicht. Solche Morde sind gemäß dem Koran und den Hadithen im Islam nichts Außergewöhnliches, sondern etwas „Normales“. Und die Mehrheit der Ägypter befürworten das auch. Dass dies der Islam ist, sollte man sich endlich auch in den „westlichen Ländern“ einmal klar werden und sich dann fragen, ob man solch einer totalitären und gewaltgeneigten Weltanschauung wirklich Aufenthaltsrecht gewähren will – und sogar noch mehr.

Marginalisierung des Christentums im Vorderen Orient: Von einer Marginalisierung des Christentums im Vorderen Orient sprach der Göttinger Theologe Martin Tamcke bei der Veranstaltung: „Christen in der islamischen Welt: Geduldet – Diskriminiert – Verfolgt“ in Berlin. Für Christen und Juden hat sich in den vergangenen Jahrzehnten die Lage dramatisch verändert, und zwar verschlechtert. Der koptische Bischof Damian sprach davon, dass viele Christen sich in Ägypten schutzlos fühlen, dass Mädchen ohne Kopftuch in Gefahr seien. Immer wieder kommt es zu Entführung und Vergewaltigung christlicher Mädchen in Ägypten.

    Auch in Pakistan hat sich nach Aussagen von Pastor Paul Murdoch, der zehn Jahre lang dort lebte, in den letzten zehn Jahren die Lage für Christen sehr verschlechtert. Die Diskriminierung, bis hin zu Bespucken, fange schon in der ersten Klasse an. Immer wieder käme es zu Anzeigen wegen angeblicher „Blasphemie“, zumeist einfach als ein Racheakt im Rahmen privater Streitigkeiten.

    Im Iran ist die Anzahl der Christen in den „traditionellen“ Kirchen von 250.000 vor dem Umsturz auf 80.000 zurückgegangen; dagegen hat die Zahl der christlichen Konvertiten aus dem Islam gewaltig zugenommen und dürfte bei über 300.000 liegen. Sie werden seit einigen Jahren systematisch von dem Mullah-Regime verfolgt. Treffen können sich diese Christen nur in Untergrundkirchen.

    Auch in der Türkei werden die Menschenrechte nicht eingehalten, werden religiöse Minderheiten unterdrückt und diskriminiert, etwa was die Eigentumsrechte bei Grundstücken angeht. Auch dort geht der Aderlass im Blick auf die christlichen Gemeinden weiter.

Islamisierung in Mittelasien: In den mittelasiatischen Staaten Kasachstan, Tadschikistan, Kirgistan, Turkmenistan und Usbekistan geht die Islamisierung weiter. Zugleich wird der Druck auf die dortigen Christen massiv erhöht. Sie werden z.B. aus der Dorfgemeinschaft ausgeschlossen und bekommen keine Weideflächen, dürfen ihre Toten nicht auf dem kommunalen Friedhof beerdigen. Immer wieder werden Christen unter falschen Anschuldigungen verhaftet. In Turkmenistan ist der Besitz christlicher Literatur und Musik verboten. In Kasachstan dürfen sich Gemeinden erst bilden, wenn sie mindestens 50 Personen umfassen. (nach: topic, 5/2012, S. 4) All dies zeigt, wie weit der Islam von Religionsfreiheit entfernt ist.

Erweckung in Nordafrika: Die Geschehnisse in Nordafrika haben zu einem wachsenden Interesse am christlichen Glauben geführt. Wie von der Europäischen Baptistischen Förderation verlautete, hätten sich 2011 110.000 Menschen, vor allem ehemalige Muslime, für die Nachfolge Jesu Christi entschieden. (nach: Topic, 5/2012, S. 3)

Sklaverei im Islam: Sklaverei hat es ganz offiziell noch bis tief ins 20. Jahrhundert hinein gegeben, auch wenn sich niemand mehr darum gekümmert hat. Der Jemen z.B. hat sie offiziell erst 1962, Saudi-Arabien offiziell erst 1963 abgeschafft. Während die westlichen Staaten etwa 400 Jahre in Sklaverei verwickelt waren, ist es der Islam seit 1300 Jahren!

Aber die Sklaverei ist tatsächlich nicht verschwunden, sondern in Ländern mit „islamischer Leitkultur“ immer noch vorhanden. In Mauretanien können Kinder wie Sklaven verkauft werden. Im Sudan wurden im Rahmen des vom Norden gegen den Süden geführten Bürgerkrieges immer wieder christliche Siedlungen überfallen und die Einwohner teils ermordet, teils als Sklaven in den Norden verschleppt. Christliche Hilfsorganisationen haben bisher über 80.000 Sklaven freigekauft.

Die Sklaverei hat von Beginn an zum Islam integral mit dazugehört. Alle Eroberungen – und der Islam hat sich in der Geschichte fast ausschließlich gewaltsam ausgebreitet – waren begleitet von Massakern, Plünderungen und massenhaften Versklavungen. Bis zum Ende des 18. Jahrhunderts waren die Mittelmeerküsten von Frankreich und Italien immer wieder Ziel islamischer Sklaven- und Beutejäger. Zwischen 1530 und 1780 landeten etwa 1,5 Millionen christliche Sklaven auf den Sklavenmärkten Nordafrikas. In dem türkisch besetzten Balkan wurden nach 1360 in verschiedenen Regionen bis zu einem Fünftel aller christlichen Jungen versklavt und zwangsislamisiert (Janitscharen). Besonders gequält wurde Afrika, wo durch den Islam zu etwa 17 Millionen Afrikaner versklavt wurden (die Europäer haben etwa 9 Millionen über den Atlantik geraubt und deportiert.)

Nach islamischem Recht besitzt nur der muslimische Mann die volle Freiheit. Wer dagegen als „Ungläubiger“ im Dschihad in Gefangenschaft gerät, gilt automatisch als Sklave. Er fällt unter das Sachenrecht; seine Tötung ist zwar gesetzeswidrig, wird aber kaum verfolgt. Schwarzafrikaner galten schon im 11. Jahrhundert als „naturgegebene“ Sklaven. Sowohl im Koran als auch in den Hadithen (Lebensbeschreibungen Mohammeds) ist die Sklaverei verankert, das heißt, es kann aus dem Islam selbst gar nicht zu einer Abschaffung der Sklaverei kommen.

Da nach dem Islam jeder Mensch Sklave Allahs ist, der in unerreichbarer Ferne thront, nicht Kind Gottes, hat er auch keine Würde wie in der Bibel. Aufgrund der Gottebenbildlichkeit des Menschen erhob sich ja im christlichen Bereich schon früh die Forderung nach Abschaffung der Sklaverei, etwa durch Bischof Gregor von Nyssa (+ 394) und untersagten die Synoden von Chalons (650) und Koblenz (922) die Sklaverei. Der Sachsenspiegel, 1235 verfasst, verbot sie auch.

Die Situation vieler Frauen und Männer in den arabisch-islamischen Staaten, die aus anderen Ländern kommen, ist oft mit denen der Sklaven identisch: Man nimmt ihnen die Pässe ab, zwingt sie zu niedrigen Arbeiten, bedroht sie, misshandelt sie körperlich oder sexuell, zahlt ihnen keinen Lohn. Gerade aus Saudi-Arabien sind Horrorgeschichten über Hausangestellte bekannt, die aber die westlichen kapitalistischen Staaten ignorieren, da sie in ihrer Habgier- und Profitideologie nur an Geschäfte denken. Durch den Zusammenbruch Somalias ist der Sklavenhandel am Horn von Afrika wieder aufgelegt, ebenso wie die Piraterie, beides von der Scharia legitimiert.

Die Fatwa 8747 aus dem Jahr 2001 besagt ausdrücklich, dass die Vorschriften über Versklavung nicht getilgt sind, sondern bei passender Gelegenheit, etwa Krieg zwischen Muslimen und Nichtmuslimen, wieder aufleben. Frauen derjenigen, die gegen Moslems kämpfen, gelten als Kriegsbeute für Moslems und damit Sklaven (s. http://www.islaminstitut.de, Archiv 2011). (nach: Eberhard Kleina: Menschenraub und Menschenhandel – Die Sklaverei im Islam. In: BWL – Regionale Informationen Nr. 159, Mai-Juni 2012, S. 16-33)

Lutherische Gemeinde in Istanbul: Auch das gibt es: Während einerseits der Druck auf die Gemeinde Jesu Christi in den islamischen Staaten immer größer wird, entstehen auf der anderen Seite gerade auch in jenen Ländern Gemeinden. Durch die Arbeit der Finnisch-Lutherischen Mission besteht seit 2005 eine lutherische Gemeinde in Istanbul aus an Christus gläubig gewordenen Türken, die auch Verbindung zu türkisch-lutherischen Gemeinden in Bulgarien hat, wo unter den dort lebenden Türken immer wieder ein Fragen nach dem christlichen Glauben aufbricht. (nach: selk-news, 15.05.2012)

Christliches Dorf in Mali: Projektpartner der Hilfsaktion Märtyrerkirche (HMK) haben für ehemalige Moslems, die Christen geworden sind, ein Dorf aufgebaut, in dem sie sich in einer Gemeinschaft selbst versorgen können. In des islamischen Gesellschaft sind werden sie sonst oft misshandelt, von ihren Familien verstoßen und mit dem Tod bedroht, außerdem arbeits- und obdachlos. Nun ist es so, dass sich sogar die muslimischen Nachbarn an der Feldarbeit beteiligen und mehr über den christlichen Glauben erfahren wollen. (nach: Stimme der Märtyrer, 6/2012, S. 5)

 

 

Literaturverzeichnis

 

- Reinhold Vormbaum: Thomas von Westen, der Apostel der norwegischen Lappen. Faksimile der Ausgabe Düsseldorf 1850. 71 S. geheftet. € 2,00. Thomas von Westen war einer der bedeutendsten lutherischen Missionare des frühen 18. Jahrhunderts in Europa und hat die Mission unter den Samen in Norwegen wieder in Gang gebracht. Sein Leben war gekennzeichnet von Kämpfen mit einer größtenteils missionsfeindlich gesonnen Kirchenleitung.

- Friedrich August Brunn: Mitteilungen aus meinem Leben. Faksimile der im Selbstverlag des Verfassers herausgegebenen Ausgabe. 272 S. Spiralbindung. € 11,50. Friedrich August Brunn war Gottes Werkzeug zur Erneuerung lutherischer Kirche in Nassau und Hessen nach Jahrzehnten des Rationalismus. Selbst erst als Student zum rechtfertigenden Glauben gekommen, erweckte Christus durch ihn viele Menschen in Steeden und Umgebung und führte sie durch mancherlei Anfechtungen immer tiefer in die Heilige Schrift, zu klarer biblisch-lutherischer Erkenntnis und so auch zur Trennung von der unierten Staatskirche und dem Bau freier bibeltreuer lutherischer Gemeinde.

- Roland Sckerl: Gesundheit um jeden Preis? 40 S. € 1,20. Alternative Heilmethoden greifen immer mehr um sich, werden teilweise auch von den Krankenkassen bezahlt und vielfach als „natürliche“ Heilmethoden dargestellt. Tatsächlich aber sind viele von ihnen esoterisch, haben okkulten Hintergrund. Dieses Heft gibt in Grundzügen Aufklärung über Dinge wie Mesmerismus, Hypnose, autogenes Training, Yoga, Akupunktur, Homöopathie, Radiästhesie, Spiritismus, magisches Besprechen, schwarze und weiße Magie, Bach-Blütentherapie, Heilen durch Edelsteine, Reiki, geistige Heilung und Gruppendynamik.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 



1 Die entsprechenden Texte sind im Internet unter http://www.erf.de nachzulesen.

2 Es sei hier angemerkt, dass es im christlichen Bereich glücklicherweise auch noch andere, bibelgebundene Seelsorgekonzepte gibt, die nicht am Tropf der Psychologie hängen. Es sei dazu verwiesen u.a. auf folgende Bücher: Jay E. Adams: Befreiende Seelsorge. 7. Aufl. Gießen und Basel. 1984; Jay E. Adams: Grundlagen biblischer Lebensberatung. Gießen und Basel. 1983. John MacArthur: Biblische Seelsorge. Oerlinghausen. 2011 und auf die Internetseiten zur von Jay E. Adams entwickelten „nouthetischen Seelsorge“ (nouthetic counseling).

3 vgl. Els Nannen: Selbstliebe und Selbstannahme? S. 2; auf: http://www.horst-koch.de

4 vgl. dazu: Erich Fromm: Ihr werdet sein wie Gott (You Shall Be As Gods). 1966; in: Nannen, a.a.O., ebd. Schon der Titel dieses Buches besagt alles! Die verführerischen Worte Satans macht Fromm zu seinem Programm! Seine Philosophie kann daher gar nichts anderes sein als ein radikaler Angriff gegen Gott und sein Wort, die Bibel. Das zeigt auch, dass der Humanismus mit der biblischen Lehre unvereinbar ist, weil er konsequenter Ausdruck der Rebellion des Menschen gegen Gott ist.

5 vgl. Nannen, a.a.O., S. 3

6 Erich Fromm: Psychoanalyse und Ethik (Man For Himself). 1947, S. 17; in: Nannen, a.a.O., ebd.

7 Fromm, Psychoanalyse, S. 18-19; in: Nannen, a.a.O., ebd.

8 Fromm, Psychoanalyse, S. 20; in: Nannen, a.a.O., S. 3 f.

9 vgl. Fromm, Psychoanalyse, S. 26-27; in: Nannen, a.a.O., S. 4

10 vgl. Fromm, Psychoanalyse, in: Nannen, a.a.O., ebd.

11 vgl. Fromm, Psychoanalyse, S. 141; in: Nannen, a.a.O., ebd. Dass solch eine Haltung heute praktisch Allgemeingut in den westlich geprägten Ländern ist, zeigt auch, wie tief der innere Verfall dieser Länder in den letzten Jahrzehnten fortgeschritten ist. Denn selbst in den Zeiten des Idealismus galten Selbstverleugnung, Dienen, Pflichterfüllung, Hingabe noch als hervorragende Tugenden, die als erstrebenswert galten. Allerdings war auch jene Zeit, trotz allen Abfalls vom christlichen Glauben, doch noch stärker von christlichen Grundwerten geprägt.

12 Fromm, Psychoanalyse, S. 228; in: Nannen, a.a.O., ebd.

13 Fromm, Psychoanalyse, S. 27; in: Nannen, a.a.O., ebd.

14 vgl. Fromm, Psychoanalyse, S. 19; in: Nannen, a.a.O., ebd. Welche schrecklichen Folgen dieses Welt- und Menschenbild hat, offenbaren die Entwicklungen der letzten Jahre immer deutlicher. Denn das führt dann dazu, dass ein Mensch, der nichts mehr leisten kann, der seine „Fähigkeiten“ nicht mehr leben kann, der etwa auch von Geburt an schwer krank sein könnte als „wertlos“ angesehen wird, dass man ihn daher durch Abtreibung frühzeitig zu ermorden sucht oder eben zusieht, ihn durch Maßnahmen der Euthanasie „loszuwerden“, was ja besonders in den Benelux-Staaten schon zu erschreckenden Ergebnissen geführt hat.

15 vgl. Nannen, a.a.O., S. 4 f.

16 vgl. Nannen, a.a.O., S. 4

17 Fromm, Psychoanalyse, S. 174 f.; in: Nannen, a.a.O., S. 5

18 vgl. Fromm, Psychoanalyse, S. 135; in: Nannen, a.a.O., ebd.

19 vgl. Fromm, Psychoanalyse, S. 8, 144; in: Nannen, a.a.O., ebd.; Fromm, Die Kunst des Liebens (The Art of Loving). 1956. S. 77, 19; in: Nannen, a.a.O., S. 9

20 vgl. Fromm, Psychoanalyse, S. 153; in: Nannen, a.a.O., S. 5 f.

21 vgl. Fromm, Psychoanalyse, S. 138; in: Nannen, a.a.O., S. 6

22 vgl. Nannen, a.a.O., ebd. Es hat wohl schon in allen Zeiten immer Denker gegeben, die sich radikal gegen Gott, ja gegen das Religiöse überhaupt gestellt haben. Es hat aber wohl noch keine Zeit gegeben, in der diese Rebellion gegen Gott, gegen die Existenz Gottes, gegen die Religion für eine ganze Kultur, die ja immerhin weltweiten Einfluss hat, so bestimmend geworden ist wie dies durch den Humanismus seit dem 20. Jahrhundert der Fall ist. Dies ist gewiss ein sehr deutliches Kennzeichen der Endzeit, wie ja auch Paulus durch den Heiligen Geist den Menschen der letzten Tage beschreibt als einen der „von sich selbst hält, geizig, ruhmredig, hoffärtig, Lästerer, den Eltern ungehorsam, undankbar, ungeistlich, störrig, unversöhnlich, Schänder, unkeusch, wild, ungütig, Verräter, Frevler, aufgeblasen, die mehr lieben Wollust denn Gott, die da haben den Schein eines gottseligen Wesens, aber seine Kraft verleugnen sie“ (2. Tim. 3,2-5). Das ist genau der moderne Mensch!

23 Fromm, Psychoanalyse, S. 60; in: Nannen, a.a.O., ebd.

24 vgl. Nannen, a.a.O., ebd. Die Bibel dagegen sieht die (egoistische) Selbstliebe als etwas an, das dem Menschen seit dem Sündenfall eigen ist, das er nicht erst erwerben muss, während er die Nächstenliebe nicht hat, auch nicht aus sich selbst produzieren kann, sondern sie nur durch Christus in der Wiedergeburt geschenkt bekommt. Ihr wird die Selbstliebe als der Spiegel vorgehalten: So, wie wir uns selbst lieben, so sollen wir auch den Nächsten lieben. Von einem „Gebot zur Selbstliebe“ steht da nichts. Christus spricht von einem Doppelgebot (Gott lieben, den Nächsten lieben), nicht von drei Geboten. Die Bibel ruft uns nicht zur Selbstliebe, sondern zur Selbstverleugnung, zur Selbsthingabe, zum Sterben des Ich auf, Mark. 8; Luk. 14; Röm. 12,1.2.

25 vgl. Fromm, Psychoanalyse, S. 145; in: Nannen, a.a.O., S. 7

26 vgl. Nannen, a.a.O., ebd. Wozu dieses Denken geführt hat, ist ja nur zu deutlich. Die von diesem Denken geprägten sogenannten „westlichen“ Länder und alle, die von ihnen beeinflusst sind, sind gleichzeitig auch diejenigen Länder, in denen der Holocaust an den Kindern im Mutterleib ein unbeschreibliches Ausmaß angenommen hat. Auch der Mord an schon geborenen Kindern durch die Eltern nimmt ja stark zu. Ebenso wird durch die materialistisch-kapitalistisch bestimmte Politik ein Generationengegensatz aufgebaut, der alte Mensch, dessen Anteil an der Bevölkerung ja durch den Massenmord an den Kindern und durch die Geburtenbeschränkung durch die Pille und andere Mittel – letztlich alles Ausdruck dieser egozentrischen Selbstverwirklichungsideologie – immer mehr zunimmt, wird zur Gefahr, zur Belastung erklärt, was einer Euthanasie an alten Menschen den Weg bereitet (die ja schleichend schon auf dem Weg ist, etwa in der Form, dass die ärztliche Versorgung älterer (Kassen-)Patienten nicht immer der entspricht, die jüngere bekommen).

27 vgl. Nannen, a.a.O., S. 7 f.

28 vgl. Fromm, Die Kunst …, S. 9, 15; in: Nannen, a.a.O., S. 8

29 vgl. Nannen, a.a.O., ebd.

30 Fromm, Die Kunst …, S. 7; in: Nannen, a.a.O., S. 9

31 Fromm, Die Kunst, …, S. 84, 82; in: Nannen, a.a.O., S. 10

32 vgl. Walter Trobisch: Liebe dich selbst. 1975; in: Nannen, a.a.O., ebd.

33 vgl. Nannen, a.a.O., S. 11

34 Trobisch; in: Nannen, a.a.O., S. 12

35 vgl. Nannen, a.a.O., ebd.

36 vgl. Nannen, a.a.O., ebd.

37 Trobisch, S. 16; in: Nannen, a.a.O., S. 13

38 vgl. Trobisch, S. 19; in: Nannen, a.a.O., S. 14

39 vgl. Nannen, a.a.O., S. 15

40 vgl. Nannen, a.a.O., S. 16

41 Fromm: Die Kunst …, a.a.O.; in: Nannen, a.a.O., S. 18

42 vgl. Nannen, a.a.O., 18.25

43 vgl. Trobisch, S. 10; in: Nannen, a.a.O., S. 19

44 vgl. Trobisch, S. 18; in: Nannen, a.a.O., ebd.

45 vgl. auch Nannen, a.a.O., ebd.

46 vgl. Nannen, a.a.O., S. 22

47 vgl. dazu auch Nannen, a.a.O., S. 23. Die Aussagen Nannens zu diesen Punkten erscheinen mir nahe bei einer Verkürzung des Evangeliums zu liegen, wenn sie vielleicht auch das Richtige meint. Denn es ist tatsächlich so, dass Christus den Sünder annimmt, den, der Gott wirklich gar nichts bringen kann. Aber Christus lässt ihn nicht in seiner Sündensklaverei, sondern hat ihn ja durch sein Blut am Kreuz erlöst und eignet ihm das durch das Evangelium zu, damit er es im Glauben für sich persönlich empfängt, ergreift, nachdem er zuvor durch das Gesetz ihn zu rechter Sündenerkenntnis, Erkenntnis seiner Verlorenheit und daraus zu Reue, Leid, Traurigkeit über die Sünde geführt hat. Die Ganzhingabe, die Nachfolge ist dann eine Frucht der Rechtfertigung und nicht mit ihr zu vermengen. Die Bibel kennt keine „Lordship Salvation“; diese ist vielmehr eine gefährliche Irrlehre, die ein menschliches Mitwirken in die Errettung hineinmengt.

48 vgl. dazu auch Nannen, a.a.O., S. 25 f.; Volkhard und Gerlinde Scheunemann: Ein Leben lang Glück und Geborgenheit. 5. Aufl. Neuhausen-Stuttgart 1987. S. 61 f.; Hellmuth Frey: Das Buch der Anfänge. 8. Aufl. Stuttgart 1977. (Die Botschaft des Alten Testaments. Bd. 1.) S. 88 f.

1 vgl. Hans Bürki: Der zweite Brief des Paulus an Timotheus, die Briefe an Titus und Philemon. 5. Aufl. Wuppertal 1986. Wuppertaler Studienbibel. Reihe: Neues Testament. S. 149

2 vgl. Ludwig Fürbringer: Neutestamentliche Exegese zum Brief St. Pauli an Titum. St. Louis 1898-99. Handschr. Mitschr. S. 12

3 siehe Walter Bauer: Wörterbuch zum Neuen Testament. 5., verb. und stark verm. Aufl. Göttingen 1958. Sp. 376

4 vgl. Friedrich August Brunn: Die Lehre von der Kirche. Dresden. 1872. S. 78-79. 79-80. 80-81. 81. 83-84

5 vgl. Carl Ferdinand Wilhelm Walther: Von der Pflicht der Christen, sich an eine rechtgläubige Ortsgemeinde gliedlich anzuschließen. St. Louis, Mo. 1880, S. 19 f.: „Der Apostel Paulus hat also dem Titus gesagt: Von Stadt zu Stadt sollst du gehen und sie mit Ältesten besetzen. … Also der Heilige Geist, der Sohn Gottes und Gott der Vater wollen, dass in jeder Stadt ein Pastor sei für die Christen, die es dort gibt. Die Christen sollten hören, wie dieser ihnen das Wort Gottes verkündigt, und sollen von ihm die Sakramente nehmen. Das zu tun oder zu lassen steht nicht in der Christen Belieben. … Nein, wenn in einer Stadt Christen sind, und sie können so viel tragen, dass sie auch einen Prediger erhalten können, so handeln sie wider Christus, wenn sie keinen berufen und also keine Gemeinde bilden.“

6 vgl. dazu auch Walther, a.a.O., S. 17: „Vielleicht wird aber mancher sagen: ‚Wie willst du das bewesen [dass Christen sich an allen Orten zu sichtbaren Ortsgemeinden zusammentun sollen]? In der ganzen heiligen Schrift gibt es ja kein Gesetz, dass man zu einer Ortsgemeinde gehören müsste. Also lass ich mir auch kein Gesetz machen.’ Da sage ich: Mein lieber Freund, woher kommt das, dass kein solches Gesetz gegeben ist? Das kommt daher, weil der HERR Christus nicht in die Welt gekommen ist, Gesetze zu geben. Mose hat genug gegeben. Die Apostel Paulus und Petrus sagen, dass auch ihre Väter das Joch nicht hätten tragen können. Wenn du aber nicht eher etwas tun willst, bis ich dir das Gesetz und die Verdammnis zeige, nun, dann sieht es bedenklich mit dir aus. … Nein, Christus will keinen Christen haben, der durch das Gesetz gezwungen werden muss. Denn die unter dem Gesetz sind, die sind unter dem Fluch. Wie, spricht du, du sagst also selbst: Es gibt kein solches Gesetz? Die Antwort ist: Nein; aber was folgt hieraus? Nicht, dass du dich also an eine Gemeinde nicht anzuschließen brauchtest, sondern dass du es freiwillig tun sollst. Ja, mein lieber Freund, es ist ein großer Unterschied zwischen einem freiwilligen und einem gezwungenen Christen. Die Frage ist hier nicht: Wie steht im Gesetz geschrieben? Es steht genug in der heiligen Schrift, woran du sehen kannst, dass es deines Heilandes Wille ist, ohne dass ein ausdrückliches Gesetz beigefügt wäre. Es spricht kein Christ: ‚Zeige mir, wo steht, was du forderst, im Gesetz geschrieben?’, sondern bloß ein Mensch, der unter dem Fluch des Gesetzes steht. Sondern so spricht der Christ: ‚Kannst du mir beweisen, dass das meines Heilandes Wille ist? Ach, dann tue ich es mit tausend Freuden. Das ist ja etwas Köstliches! Dann werde ich es gleich tun!’ Wer so nicht denkt, der ist eben kein Christ.“