Beständig in der Apostel Lehre und in der Gemeinschaft und im Brotbrechen und im Gebet! Apg. 2,42

DER BEKENNTNIS-

LUTHERANER

 

Lutherisches Blatt für Bibelchristentum.

Mit Zustimmung der Lutherischen Kirchen der Reformation (Lutheran Churches of the Reformation, LCR) herausgegeben von Roland Sckerl,  Leopoldstr. 1, D-76448 Durmersheim; Tel.:07245/83062; Fax: 07245/913886

e-mail: Sckerl@web.de; Internet: www.lutherische-bekenntnisgemeinde.de

 

16. Jahrgang 2008  Heft 3/2008

 

 

Inhaltsverzeichnis

 

UNTER LUTHERS KANZEL UND KATHEDER.. 2

LUTHER ÜBER KIRCHENGEMEINSCHAFT. 2

UNTER BIBEL UND BEKENNTNIS. 3

DIE BIBLISCHE LEHRE VON DER SEPARATION ODER TRENNUNG NACH RÖMER 16,17-18  4

WIE IST DER SIEBENTE ARTIKEL DES AUGSBURGER BEKENNTNISSES HINSICHTLICH DER LEHRE VON DER KIRCHENGEMEINSCHAFT ZU VERSTEHEN?. 6

WAS  LEHRT  DIE  BIBEL  UEBER  KIRCHENGEMEINSCHAFT ?  9

WAS LEHREN DIE SCHMALKALDISCHEN ARTIKEL UEBER KIRCHENGEMEINSCHAFT?  16

EVANGELISCH(-LUTHERISCH) ODER EVANGELIKAL?. 25

ZEICHEN DER ZEIT. 29

Literaturhinweis: 42

 

 

 

 

 

UNTER LUTHERS KANZEL UND KATHEDER

 

 

LUTHER ÜBER KIRCHENGEMEINSCHAFT

 

    „… Darum taugt es gar nicht, dass man Lehre und Leben miteinander vergleichen will: Denn an einem Buchstaben, ja, an einem einzigen Tüttel der Schrift ist mehr und größer gelegen als an Himmel und Erden. Darum können wir es nicht leiden, dass man sie auch in dem Allergeringsten verrücken wollte. …

    Darum dürfen wir den Sauerteig der falschen lehre nicht so geringe achten: Denn er sei so wenig, als er immer sein mag, machet er gleichwohl, wenn man nicht Acht darauf hat, dass die Wahrheit und Seligkeit dadurch niederliegt und zu Boden geht und Gott dadurch verleugnet wird. Denn wenn das Wort gefälschet und Gott (wie von Not wegen folgen muss) verleugnet und verlästert wird, ist keine Seligkeit mehr zu hoffen. Ob aber wir gleich verlästert, verflucht und erwürgt werden, da liegt keine Macht an; denn Er ist noch unerwürget, der uns wiederum kann aufwecken und erlösen vom Fluch, Tod und Hölle.

Darum sollen wir lernen von der Majestät und Herrlichkeit des Worts groß und viel halten; denn es ist nicht so eine geringe und leichte Sache, wie die Schwärmergeister dieser Zeit meinen, sondern ein einziger Tüttel ist größer und mehr als Himmel und Erden. Darum fragen wir hier nichts nach christlicher Einigkeit oder Liebe, sondern brauchen stracks des Richtstuhls, das ist, wir verfluchen und verdammen alle die, so die Majestät des Worts auch in dem Allergeringsten fälschen und verrücken, denn ‚ein wenig Sauerteig versäuert den ganzen Teig’. Wenn sie uns aber das Wort ganz und unverrückt lassen, sind wir bereit, nicht allein Liebe und Einigkeit mit ihnen zu haben, sondern erbieten uns des, dass wir herzlich gern wollen ihre Knechte sein und alles tun, was wir nur sollen; wollen sie es aber nicht, so gebe Gott, dass ehe sie und alle Welt, ja auch wir samt ihnen, vergehen und in Abgrund der Höllen verstoßen werden, allein dass Gott wahrhaftig bleibe in seinem Wort. Bleibt der, so bleibt auch Leben und Seligkeit; dazu werden auch die, so dem Wort glauben, wohl bleiben und erhalten werden, wenn sie gleich in Abgrund der Höllen wäre.“ (Auslegung des Briefes an die Galater, 5,9-12, vom Jahr3 1535. Walch VIII, 2653 ff; in: C.F.W. Walther: Die Stimme unserer Kirche in der Frage von Kirche und Amt. 4. Aufl. Zwickau i.S. 1894. S. 123.124 f.)

    „Etliche unverständige Geister geben vor, durch den Teufel betrogen, über dem Sakrament und anderer Irrung: Man solle nicht über Einem Artikel so hart streiten und darüber die christliche Liebe zertrennen, noch einander darüber dem Teufel geben; sondern, ob man gleich in einem geringen Stücke irrte, da man sonst in andern eines ist, möge man wohl etwas weichen und gehen lassen, und gleichwohl brüderliche und christliche Einigkeit oder Gemeinschaft halten. Nein, lieber Mann, mir nicht des Friedens und Einigkeit, darüber man Gottes Wort verleugnet; denn damit wäre schon das ewige Leben und alles verloren. Es gilt hier nicht weichen noch etwas einräumen, dir oder einigen Menschen zuliebe. Sondern dem Wort sollen alle Dinge weichen, es heiße Feind oder Freund. Denn es ist nicht um äußerlicher oder weltlicher Einigkeit und Friedens willen, sondern um des ewigen Lebens willen gegeben. Das Wort und die Lehre soll christliche Einigkeit oder Gemeinschaft machen; wo die gleich und einig ist, da wird das andere wohl folgen; wo nicht, so bleibt doch keine Einigkeit. Darum sage mir nur keiner von Liebe und Freundschaft, wo man dem Wort oder Glauben will abbrechen; denn es heißt nicht: Die Liebe, sondern: das Wort bringet ewiges Leben, Gottes Gnade und alle himmlische Schätze.“ (Predigt von der christlichen Rüstung und Waffen. 1532. Walch IX, 455-457; in: Walther, a.a.O., S. 127)

 

 

 

UNTER BIBEL UND BEKENNTNIS

 

 

 

DIE BIBLISCHE LEHRE VON DER SEPARATION ODER TRENNUNG NACH RÖMER 16,17-18

 

Roland Sckerl

 

Römer 16,17-18: Ich ermahne euch aber, liebe Brüder, dass ihr aufsehet auf die, die da Zertrennung und Ärgernis anrichten neben der Lehre, die ihr gelernt habt, und weichet von denselben! Denn solche dienen nicht dem Herrn Jesus Christus, sondern ihrem Bauch; und durch süße Worte und prächtige Rede verführen sie die unschuldigen Herzen.

 

    Worum geht es? Vers 16 macht deutlich, dass Gott unbedingt will, dass wir ohne Abstriche und Einschränkungen festhalten an der biblischen, apostolischen Lehre („der Lehre, die ihr gelernt habt“). Jesus Christus selbst hat dies unmissverständlich gesagt, wenn er darlegt, wer seine rechten Jünger sind, nämlich diejenigen, die an seiner Rede bleiben, Johannes 8,31-32, also ohne Einschränkungen, ohne Kompromisse. Das hebt unser Heiland und Herr abschließend nochmals hervor in seinem Reichs- oder Missionsbefehl Matthäus 28,18-20: „Lehret sie halten alles, was ich euch befohlen habe.“ Alles – auch damit macht der Herr deutlich, dass es keinerlei Einschränkungen gibt. Er sagt nicht, dass es „nebensächliche“ Dinge gäbe, die man nicht lehren bräuchte oder in denen man anders lehren könnte. Dieser Linie ist Paulus treu gewesen, denn er bezeugt den Ältesten von Ephesus, dass er verkündigt hatte allen Ratschluss Gottes, Apg. 20,27, und in der Verhandlung vor dem Landpfleger Felix, dass er glaubt allem, das geschrieben steht im Gesetz und in den Propheten, Apg. 24,14.

    Darum soll die Kirche sein ein Pfeiler und eine Grundfeste der Wahrheit, 1. Tim. 3,15 – das aber heißt, dass sie keine falsche Lehre in ihrer Mitte dulden darf. Sie soll sein die Kirche des reinen Wortes und der unverfälschten Sakramente. Und ermahnen mit ganzem Ernst uns dazu nicht auch die abschließenden Worte in der Bibel in Offenb. 22,18-19? Denn wer eine Lehre für nebensächlich hält, dass in ihr keine Lehrübereinstimmung sein müsse, tut davon von dem, was Gott gesagt hat; und wer anders lehrt als die Schrift Gottes lehrt, tut außerdem auch noch hinzu zu dem, was Gott gesagt hat.

    Darum ermahnt der Apostel Paulus in Römer 16,17-18 alle Christen, aufzusehen auf die, die da Zertrennung und Ärgernis anrichten neben der Lehre, die sie (nämlich aus der Bibel, als bibelgemäß) gelernt haben. Das ist letztlich die gleiche Ermahnung, wie sie unser Heiland und Herr Jesus Christus in der Bergpredigt gab: „Sehet euch vor vor den falschen Propheten, die in Schafskleidern zu euch kommen, inwendig aber sind sie reißende Wölfe“, Matth. 7,15. Und in der Hirtenrede hebt er hervor, dass die Schafe einen falschen Hirten nicht hören, anhören, und ihm nicht folgen, Joh. 10,5.

    Es geht also darum, dass die christliche Gemeinde und ein jeder Christ alle Lehre, sie komme zu ihm auf der Kanzel, dem Katheder, im Wort, Schrift, Bild, prüfe, um dann gegebenenfalls die Konsequenzen zu ziehen.

    Und was ist zu tun, wenn falsche Lehre festgestellt wird? Nun, gemäß Titus 3,11 sind die falschen Lehrer zunächst zu ermahnen, damit sie umkehren. Beharren sie in der Irrlehre, so nehme man noch weitere Brüder hinzu, um sie ermahnen. Wenn aber erkannt wird, dass die Person, oder auch ein ganzer Kirchenkörper oder doch zumindest der größere Teil von ihm, an der falschen Lehre festhält oder der Kirchenkörper die falsche Lehre gewähren lässt, sie werde nun von wenigen oder vielen vertreten, so muss es zur Trennung kommen.

    Es ist dabei wichtig, dass wir „hinsehen“, wie der Heilige Geist hier formuliert: Gemeinhin wird ja derjenige als einer angesehen, der                 zertrennt, der ein Ärgernis anrichtet, der sich von falscher Lehre trennt. Der Heilige Geist aber macht deutlich, dass es genau umgekehrt ist: Der nämlich richtet Zertrennung und Ärgernis an, der sich von der von Gott vorgegebenen reinen Lehre, der doctrina divina, trennt. Ausgangspunkt ist also immer die göttliche Lehre – und wer anders als diese lehrt, der lehrt falsch, der zertrennt. Und kehrt er nicht um, so ist die gottgewollte Einheit – nämlich dass sie einerlei gesinnt sind nach Jesus Christus, Römer 15,5; einmütiglich mit einem Munde Gott loben, Römer 15,6; einerlei Rede führen und keine Spaltungen zulassen, sondern fest aneinander stehen in einem Sinn und einerlei Meinung, 1. Korinther 1,10, diese durch die falsche Lehre zerstörte Einheit ist also dadurch wieder herzustellen, dass der falsche Lehrer ausgeschlossen wird aus der Gemeinde und dem Kirchenkörper. Wenn sich aber die Mehrheit gegen einen Ausschluss stellt, dann muss der bibeltreue Teil die rechte, bibelgemäße Einheit in der doctrina divina dadurch wieder herstellen, indem er sich von denen trennt, die die falsche Lehre vertreten, sie fördern oder sie dulden.

    Das wird hier auch von Gott ausdrücklich gefordert: „weichet von denselben“. Damit macht der Heilige Geist deutlich, dass es keine Gemeinschaft mit falscher Lehre geben darf, dass Gott unbedingt die Trennung verlangt. Es geht nicht nur darum, einen falschgläubigen Prediger nicht mehr zu hören, aber in der Kirchengemeinschaft mit ihm und denen zu verbleiben, die ihn dulden, sondern darum, von der falschen Lehre, ihren Lehrern und Duldern zu weichen – und das heißt Trennung, Separation, Austritt, oder den falschen Lehrer ausschließen. Es ist nicht damit getan, dass falsche Lehrer versprechen, ihre falsche Lehre nicht mehr öffentlich zu vertreten. Das hieße ja, die Heuchelei zu fördern. Nein, ein falscher Lehrer muss umkehren, seine falsche Lehre widerrufen. Geschieht das nicht, ist er weiterhin ein Irrlehrer und keine Gemeinschaft mit ihm möglich.

    2. Korinther 6,14-18 macht es unmissverständlich deutlich, dass es keine Gemeinschaft zwischen Licht und Finsternis, Christus und Belial, Wahrheit und Irrlehre geben kann und darf. Und jemand, der sonst in allem recht lehren mag, aber in einem fehlt und das auch nach Ermahnung festhält, ist eben zumindest in dem einen Punkt jemand, der der Bibel nicht glaubt, also in Bezug auf diesen einen Artikel ein Ungläubiger. Und Gott fordert uns ganz unmissverständlich auf: „Gehet aus von ihnen!“

    Die Aussagen in Römer 16,18 sind besonders von Unionisten, also solchen, die Wahrheit und Irrlehre, unterschiedliche Lehre, in der Kirche dulden oder sogar fördern, zu einer Grundlage gemacht worden, das Gebot des Weichens, Trennens nicht ausführen zu müssen. Sie behaupten dann, dass es doch so viele gute Christen unter denen gebe, die anders lehrten; die könnten doch nicht unter diese Aussagen fallen. Aber damit widersprechen sie der tatsächlichen Textaussage. In Vers 18 wird kein moralisches Urteil gefällt über die Irrlehrer, sondern es wird festgestellt: So weit jemand falsche Lehre hat, so weit ist er Christus nicht untertan. Es geht dabei nicht darum, ob er noch persönlich an den primären Fundamentalartikeln festhält und vielleicht persönlich errettet ist (was letztlich niemand außer ihm selbst und Gott feststellen kann), sondern darum, dass er falsche Lehre verbreitet. Und im Blick auf die falsche Lehre dienen sie ihrer irregeleiteten Vernunft, menschlichen Ansichten, Emotionen (das ist mit ihrem „Bauch“ gemeint) und eben nicht Gott und seinem Wort. Und so verführen sie dann auch andere in die Irre. Darum: Weichet von ihnen, gehet aus von ihnen! 

 

 

WIE IST DER SIEBENTE ARTIKEL DES AUGSBURGER BEKENNTNISSES HINSICHTLICH DER LEHRE VON DER KIRCHENGEMEINSCHAFT ZU VERSTEHEN?

Roland Sckerl

 

Augsburger Bekenntnis, Artikel 7: Von der Kirche

       

    Es wird auch gelehrt, dass allezeit müsse Eine heilige christliche Kirche sein und bleiben, welche ist die Versammlung aller Gläubigen, bei welchen das Evangelium rein gepredigt und die heiligen Sakramente laut des Evangeliums gereicht werden.

    Denn dieses ist genug zu wahrer Einigkeit der christlichen Kirche, dass da einträchtiglich nach reinem Verstand das Evangelium gepredigt und die Sakramente dem göttlichen Wort gemäß gereicht werden. Und ist nicht Not zu wahrer Einigkeit der christlichen Kirche, dass allenthalben gleichförmige Zeremonien, von den Kirchen eingesetzt, gehalten werden; wie Paulus spricht Eph. 4,5.6: „Ein Leib, ein Geist, wie ihr berufen seid zu einerlei Hoffnung eures Berufs, Ein HErr, Ein Glaube, Eine Taufe.“

 

    Der siebente Artikel des Augsburger Bekenntnisses spricht von der christlichen Kirche als derjenigen Versammlung, „bei der das Evangelium rein gepredigt und die heiligen Sakramente laut des Evangeliums gereicht werden. Denn dieses ist genug zu wahrer Einigkeit der christlichen Kirche, dass da einträchtiglich nach reinem Verstand das Evangelium gepredigt und die Sakramente dem göttlichen Wort gemäß gereicht werden.“ Was sagen nun diese Worte aus im Blick auf die Lehre von der Kirchengemeinschaft?

    Nicht wenige, besonders seit dem 19. Jahrhundert, wollen diese Sätze so verstehen, dass sie den Begriff „Evangelium“ im ganz engen Sinne fassen. Sie behaupten dann, es sei ausreichend für die Einheit, das ist für die Feststellung und Aufrechterhaltung der Kirchengemeinschaft, wenn nur die Heilslehre, das, was zur Rechtfertigung eines Menschen nötig ist, recht gelehrt werde, sowie die Sakramente schriftgemäß verwaltet werden. Was darüber hinaus gehe – etwa die Lehre von der Schrift, von der Schöpfung, von der Kirche, vom öffentlichen Predigtamt, von der Gnadenwahl, von den letzten Dingen – all das sei nicht so wichtig, da könne es Unterschiede geben („Einheit in Vielfalt“, „versöhnte Verschiedenheit“). Aber lehren das die Bekenntnisschriften wirklich? Ist das die Aussage von CA (Confessio Augustana) VII?

    Hier gilt es, um zum rechten Verständnis zu kommen, auch wiederum, diesen Bekenntnisteil mit anderen zu vergleichen, vor allem mit der Erklärung dieser Stelle in der Apologie. Dass Evangelium hier nicht in diesem von den unionistisch gesonnenen Theologen gemeinten Sinn zu verstehen ist, zeigt übrigens allein schon der Vergleich zwischen dem ersten und dem zweiten Satz in CA VII. Im ersten Satz heißt es, dass die Sakramente „laut des Evangeliums“ gereicht werden, im zweiten „dem göttlichen Wort gemäß“. Allein das zeigt schon das Verständnis des Begriffes „Evangelium“ in diesem Zusammenhang.

    Was sagt nun die Apologie? Da heißt es nun hell und klar: „Und dieselbe Kirche hat doch auch äußerliche Zeichen, dabei man sie kennt, nämlich wo Gottes Wort rein geht, wo die Sakramente demselben gemäß gereicht werden.“ (Apol. VII, 5) Dass im lateinischen Text jeweils „Evangelium“ steht, ändert das nicht, da ja beide Textausgaben autorisierte lutherische Bekenntnisschriften sind. Ja, der deutsche Text macht damit gerade deutlich, wie auch die Väter bereits den Terminus „Evangelium“ verstanden wissen wollten.

    So hat auch C.A.T. Selle in seiner Erklärung des Augsburger Bekenntnisses diesen Artikel verstanden, wenn er schreibt: „Nach diesen Worten sind die Kennzeichen der Kirche das reine Wort Gottes und die heiligen Sakramente, nach Christi Einsetzung verwaltet.“ (Ausgabe von 1996, S. 32). Und bald darauf: „Reines Wort und Sakrament sind also genug zur wahren Einigkeit der Kirche.“ (ebd. S. 34).

    Dass dies das rechte Verständnis ist, wird deutlich durch weitere Stellen der Bekenntnisschriften, die dazu Stellung nehmen. So schreibt die Apologie: „Doch soll man falsche Lehrer nicht annehmen oder hören, denn dieselben sind nicht an Christi Statt, sondern sind Widerchristi. Und Christus hat von denen klar befohlen: ‚Hütet euch vor den falschen Propheten!’ Und Paulus zu den Galatern: ‚Wer auch ein ander Evangelium predigt, der sei verflucht’“ (Apol. VII, 48). In den Schmalkaldischen Artikeln heißt es so: „Und Paulus gebietet, dass man falsche Prediger meiden und als ein Greuel verfluchen soll …. … Hier seht Gottes Befehl, dass jedermann sich soll hüten und nicht mit denen einhellig sein, so unrechte Lehre führen oder mit Wüterei zu erhalten gedenken.“ (Trakt. 41, 42) Und zu Artikel XIV heißt es: „… wir … wissen, dass die christliche Kirche da ist, da Gottes Wort recht gelehrt wird (verbum Dei recte docent).“ (Apol. XIV, 27). Darum heißt es auch in den Schmalkaldischen Artikeln: „Diese Heiligkeit [der Kirche] steht nicht in Chorhemden, Platten, langen Röcken und andern ihrer Zeremonien, durch sie hinausgehend über die Schrift erdichtet, sondern im Wort Gottes und rechten Glauben (AS (Articuli Smalcaldici), T. III, Art. XI, 3).

    In der Konkordienformel (Konk.Formel, Kurze Darl., X, 7) heißt es deshalb im Blick auf die Einheit: „Wir glauben, lehren und bekennen auch, dass keine Kirche die andere verdammen soll, dass eine wenige oder mehr äußerlicher von Gott ungebotener Zeremonien denn die andere hat, wenn sonst in der Lehre und allen derselben Artikeln wie auch im rechten Gebrauch der heiligen Sakramente  miteinander Einigkeit gehalten wird …“ Auch hier wird die gesamte Lehre der Heiligen Schrift genannt.

    Dies haben unsere lutherischen Väter auch in ihren Privatschriften festgehalten. So schreibt etwa Luther: „Wer seine Lehre, Glauben und Bekenntnis für wahr, recht und gewiss hält, der kann mit andern, so falsche Lehren führen oder derselben zugetan sind, nicht in einem Stall stehen, noch immerdar gute Worte dem Teufel und seinen Schuppen geben.“ (Gespräch mit D. Major, Walch XVII, 1477) Wie deutlich er es im Galaterbrief und anderswo dargelegt hat, ist oben im ersten Artikel ausgeführt. Diese Worte des großen Reformators geben die klare biblische Lehre wider, die auch unser Bekenntnis bezeugt – daran hat die lutherische Kirche sich über Jahrhunderte gehalten und sollte es auch weiterhin tun. Es ist ihr großer Schaden, dass sie es nun schon so lange nicht mehr getan hat. Der Theologe F. Balduin schreibt dazu: „Es ist eine ernste Ermahnung Pauli 2. Kor. 6,14: ‚Ziehet nicht am fremden Joch mit den Ungläubigen. Denn was hat die Gerechtigkeit für Genieß mit der Ungerechtigkeit?’ und Eph. 5,11: ‚Habt nicht Gemeinschaft mit den unfruchtbaren Werken der Finsternis’; desgleichen 1. Kor. 10,14: ‚Fliehet von dem Götzendienst!’ Und dieses ziehet alle Frommen von der Genossenschaft der Gottlosen ab und scheidet die Bekenner verschiedener Religionen in ihren religiösen Übungen von einander. Daher ist es Pflicht eines frommen und standhaften Bekenners, die Beilage der gesunden Lehre, von welcher er in seinem Gewissen überzeugt ist, so zu bewachen, dass dieselbe auf keine Weise befleckt, gemindert oder überhaupt verloren werde; und dies kann eben durch unvorsichtigen Umgang mit denen, welche der wahren Religion entgegen sind, geschehen. Daher sind wir schuldig, so viel an uns ist, uns des Gottesdienstes derselben zu enthalten, damit wir teils uns selbst keine Skrupel machen, teils nicht zum Ärgernis der Schwachen mit den Widersachern zusammen scheinen.“ (in: Walther, a.a.O., S. 130)

    Wenn also „Evangelium“ als „Gottes Wort“ zu verstehen ist im siebten Artikel des Augsburgischen Bekenntnisses, warum wurde dann „Evangelium“ verwendet? Die Bekenntnisschriften verwenden diesen Begriff des Öfteren im weiteren Sinne, für das ganze Wort Gottes, weil das Evangelium der Kern desselben ist, der vornehmste Teil des Wortes Gottes, und damit für das Ganze steht.

    Dass das Gesetz nicht vom Evangelium geschieden werden kann, sollte klar sein. Es soll unterschieden werden vom Evangelium, aber es kann nicht davon getrennt werden, denn ohne das Gesetz kann das Evangelium nicht verstanden werden. Darum gehört auch das Gesetz zur Voraussetzung für die Einheit im Glauben (so auch Marquart in: The Church and her fellowship, ministry, and governance. Fort Wayne, Indiana 1990. Confessional Lutheran Dogmatics IX. S. 54. Marquart nimmt allerdings in der Frage, ob das Evangelium im engeren oder weiteren Sinne zu verstehen ist, eine andere Haltung ein.)  Das Gesetz bereitet dem Evangelium den Weg, das Evangelium setzt die Arbeit des Gesetzes voraus. Beide sind aber stets recht in ihrer Aufgabe zu unterscheiden (siehe auch Apologie Art. IV, 5: „Die ganze Schrift beide Alten und Neuen Testaments wird in die zwei Stücke geteilt und lehrt diese zwei Stücke, nämlich Gesetz und göttliche Verheißungen.“)

 

 

WAS  LEHRT  DIE  BIBEL  UEBER  KIRCHENGEMEINSCHAFT ?  

 

Jeffrey C. Kinery +

 

   Am Anfang wollen wir eindeutig festhalten, dass alle, die an Jesus Christus als ihren persönlichen Erlöser von der Sünde glauben, Glieder der Heiligen Christlichen Kirche sind durch den Glauben. Gleichgültig, in welcher Konfession jemand sich selbst befinden mag, wenn er nur sein Vertrauen in das Blut Jesu Christi setzt, so ist er ein Christ und hat all die Segnungen der Erlösung, einschließlich der Vergebung der Sünden und des ewigen Lebens. Alle Christen, gleichgültig, wo sie sind, sind in demselben Glauben vereint und gehören zu derselben Gemeinschaft - der Gemeinde der Heiligen auf Erden und im Himmel. In dieser Kirche gibt es eine geistliche Einheit. "Seid fleißig, zu halten die Einigkeit im Geist durch das Band des Friedens. Ein Leib und ein Geist, wie ihr auch berufen seid auf einerlei Hoffnung eurer Berufung. Ein HERR, ein Glaube, eine Taufe, ein Gott und Vater (unser) aller, der da ist über euch alle und durch euch alle und in euch allen." (Eph. 4,3-6). Gott bewahrt diese geistliche Einheit in der unsichtbaren Kirche. Jesus betet: "Auf dass sie alle eins seien, gleichwie du, Vater, in mir und ich in dir ..., gleichwie wir eins sind." (Joh. 17,21.22).

 

   Der Glaube ist aber im Herzen eines Christen und ist für das menschliche Auge nicht sichtbar. "Das Reich Gottes kommt nicht mit äußerlichen Gebärden. Man wird auch nicht sagen: Siehe hie oder da ist es! Denn sehet, das Reich Gottes ist inwendig in euch." (Luk. 17,20.21). "Der HERR kennet die Seinen" (2 Tim. 2,19). Allein der Herr weiß, wer die wahren Christen sind und wer die Heuchler - "das Unkraut unter dem Weizen". "Ein Mensch siehet, was vor Augen ist, der HERR aber siehet das Herz an." (1 Sam. 16,7). Glauben oder Vertrauen ist also im Herzen, es ist unsichtbar. Die Heilige Christliche Kirche wird die unsichtbare Kirche genannt. "Denn so man von Herzen glaubet, so wird man gerecht, und so man mit dem Munde bekennet, so wird man selig." (Röm. 10,10). Eine Frucht aber des Glaubens, das Lehrbekenntnis mit den Lippen, kann beurteilt werden: "Prüfet aber alles und das Gute behaltet." (1 Thess. 5,21).

 

   Obwohl wir nie wirklich wissen, wer die wahren Christen sind (deshalb bekennen wir auch: "Ich glaube eine heilige christliche Kirche" - Sie glauben ja nur an etwas, das Sie nicht sehen können), so wissen wir doch, wo die Kirche ist. Die Kirche ist da, wo das Wort Gottes rein gepredigt und die Sakramente gemäß der Einsetzung Christi verwaltet werden. (Jes. 55,10.11). Daher ist jeder Christ verpflichtet, diejenige Partikularkirche (örtliche Gemeinde) zu suchen, die Gottes Wort in all seiner Wahrheit und Reinheit hat und verkündigt. "Wer aber mein Wort hat, der predige mein Wort recht." (Jer. 23,28). "Ihr sollt nichts dazutun, das ich euch gebiete, und sollt auch nichts davon tun." (5 Mose 4,2). Auf  die Kennzeichen oder Wahrzeichen der Kirche - das Wort und die Sakramente - sollen wir achten, wenn wir entscheiden, mit wem wir wirklich Kirchengemeinschaft anerkennen, ausdrücken und ausüben können. Wie wir tatsächlich nicht mit Sicherheit die Heuchler innerhalb einer orthodoxen (rechten, rechtgläubigen) Kirche erkennen können, ebenso können wir nicht mit Sicherheit sagen, wer die Gläubigen innerhalb einer heterodoxen (falschen, falschgläubigen) Gemeinschaft sind. "Richtet nicht, auf dass ihr nicht gerichtet werdet!" (Matth. 7,1). Wir haben aber die Lehre und Praxis der anderen zu beurteilen. "An ihren Früchten sollt ihr sie erkennen." (Matth. 7,16)

 

    Diejenige örtliche Kirche und diejenige Synode, die die reine Lehre und Praxis der Bibel haben, sind orthodoxe Kirchen. "So ihr bleiben werdet an meiner Rede, so seid ihr meine rechten Jünger und werdet die Wahrheit erkennen; und die Wahrheit wird euch freimachen." (Joh. 8,31.32). Diejenigen Gruppen, die eine unreine Lehre haben und eine falsche Praxis, sind falsche, unwahre oder heterodoxe Kirchen. Wir wissen allerdings, dass, weil das Wort wesentlich gegenwärtig oder noch zu haben ist in falschgläubigen Körpern (wenn auch mit falscher Lehre vermengt), dass darinnen notwendigerweise auch wahre Christen sein müssen. Obwohl es also Kinder Gottes gibt, die aus Tradition, Unwissenheit oder Schwachheit Glieder falschgläubiger Körper sind, halten sie sich doch aus glücklicher Inkonsequenz zu Christus und seinem Wort trotz dem, was ihre falschgläubigen Lehrer ihnen erzählen. Nichtsdestoweniger sind sie aber in einer gefährlichen Lage und ständig der Möglichkeit ausgesetzt, die Wahrheit zu verlieren. Obwohl die heterodoxen Christen an der Grundlage Christi festhalten mögen, so gefährden sie doch diese Evangeliumsbasis, indem sie darauf "Holz, Heu, Stoppeln" (falsche Lehre) anstatt "Gold, Silber, Edelsteine" (reine Lehre) bauen. (vgl. 1 Kor. 3,11-15). Die rechtgläubigen Christen für ihren Teil sind aufgefordert "Prüfet die Geister, ob sie von GOtt sind." (1 Joh. 4,1). Lasset uns "nach dem Gesetz und Zeugnis" (Jes. 8,20) der Bibel gehen als der Richtlinie für unser Urteil.

 

    Wir dürfen als treue Lutheraner nur mit jenen Kirchengemeinschaft üben, mit denen wir völlig in der Lehre und der schriftgemäßen Praxis übereinstimmen. St. Paulus stellt fest: "Ich ermahne euch aber, liebe Brüder, durch den Namen unsers HERRN Jesu Christi; dass ihr allzumal einerlei Rede führet und lasset nicht Spaltungen unter euch sein, sondern haltet fest aneinander in einem Sinn und in einerlei Meinung." (1 Kor. 1,10). Darinnen ist eingeschlossen die Einheit von Lehre und Praxis, Bekenntnis in Werken, Zeugnis und Beispiel, Predigt und Handlung, Wort und Tat, Lippen und Leben. Die Bibel fragt: "Mögen auch zween miteinander wandeln, sie seien denn eins untereinander?" (Amos 3,3). Die angenommene Antwort ist: "Nein!" Daher dürfen wir nicht Kirchengemeinschaft mit solchen pflegen, mit denen wir nicht in völliger Übereinstimmung in Lehre und Praxis sind. Eintracht oder Einheit darf nur mit solchen ausgedrückt werden, von denen es heißt: "steht in einem Geist und einer Seele und samt uns kämpfet für den Glauben des Evangeliums." (Phil. 1,27)

 

    Wie viel Übereinstimmung ist notwendig, bevor wir Gemeinschaft üben? Verschiedenheit in solchen Sachen, die weder verboten noch befohlen sind in Gottes Wort ist natürlich erlaubt. Denen Gemeinschaft verweigern oder mit denen Gemeinschaft brechen, die mit dir in der Lehre übereinstimmen, ist sündlicher Separatismus. "Auf dass nicht eine Spaltung im Leibe sei" (1 Kor. 12,25). Separatismus ist ein Ärgernis an Christus (Joh. 6,66) und von St. Paulus als fleischliche "Rotten" (Gal. 5,20) verdammt. Wenn es um die Bibellehre geht, so müssen wir den Worten Jesu folgen, die besagen: "Lehre sie halten alles, was ich euch befohlen habe." (Matth. 28,20). Wir müssen "reden im Tempel zum Volk alle Worte dieses Lebens" (Apg. 5,20); "alle den Rat Gottes" (Apg. 20,27); bestehen "erfüllet mit allem Willen Gottes" (Kol. 4,12); "glauben allem, was geschrieben stehet im Gesetz und in den Propheten." (Apg. 24,14). Zu Gottes Wort hinzutun oder von Gottes Wort wegtun ist eine sehr ernste Sünde (Offb. 22,18.19). Die Bibel erklärt: "Alle Worte Gottes sind durchläutert und sind ein Schild denen, die auf ihn trauen. Tue nichts zu seinen Worten, dass er dich nicht strafe und werdest lügenhaftig erfunden." (Spr. 30,5.6). Jedermann der "anders lehret als Gottes Wort lehret, entheiliget unter uns den Namen Gottes." (Luthers Erklärung zur ersten Bitte des Vaterunsers. Kleiner Katechismus.) Christen sollen "nichts wider die Wahrheit" tun (2 Kor. 13,8); Gottes Wort ist Wahrheit (Joh. 17,17) und "kann nicht gebrochen werden" (Joh. 10,35). Etwas zu lehren, was Gottes Wort nicht lehrt, macht Gott zu einem Lügner (1 Joh. 5,10). Während einerseits niemand von uns ein vollkommenes Leben hier auf Erden führen wird aufgrund der Sünde, so ist doch andererseits die Lehre, die Gott uns durch die Bibel gibt, rein und muss so erhalten bleiben. Einheit und Reinheit der Lehre sind wirkliche Segnungen, die Gott in seiner Gnade den rechten Jüngern zueignet, die in der Rede Christi bleiben (Joh. 8,31.32). Wenn unser Bruder im Glauben in der Lehre irrt, so müssen wir ihn zurechtweisen und ermahnen. Wie muss unsere Haltung denen gegenüber sein, die falscher Lehre Raum gewähren? Das hängt von Verschiedenem ab. Es muss entschieden werden, ob es sich um einen schwachen Bruder oder eine schwache Schwester im Glauben handelt oder nicht. Der Glaube eines jeden Christen hat seine Höhen und Tiefen. Wir haben unsere Schwachheitssünden ("Denn das Gute, das ich will, das tue ich nicht, sondern das Böse, das ich nicht will, das tue ich." Röm. 7,19), unsere Sünden aus Unwissenheit und Verwirrung ("Ich wusste gar nicht, dass die Bibel es Frauen verbietet, Männer zu lehren und zu leiten."), unsere Sünden aus Tradition ("Unsere Familie ist immer in der Freimaurerloge gewesen; wir haben eine lange Geschichte mit Mitgliedschaft und Dienst dort.") und unsere unabsichtlichen Irrtümer (falsche Aussagen, Worte, die einem von der Zunge fahren, Erregung, schwache Argumente usw.) Wir hören darum nicht auf, rechtgläubige Christen zu sein, solange wir 1) willig sind, unterrichtet (ermahnt) zu werden und unsere Wege ändern; 2) unseren Irrtum nicht verbreiten, indem wir ihn verteidigen, ein Forum fordern, ihn auszustreuen und Anhänger oder Jünger für unseren Irrtum zu gewinnen und 3) uns nicht gegen die stellen und sie verdammen, die an der wahren Lehre und Praxis festhalten. In solchen Fällen sagt uns die Bibel, wie wir mit "schwachen Brüdern" umgehen sollen. Wir sollen "der Schwachen Gebrechlichkeit tragen ... zum Guten, zur Besserung" (Röm. 15,1.2). Wir sollen "ihm den Weg Gottes noch fleißiger auslegen" (Apg. 18,26), "die Schwachen" zu gewinnen und "ja etliche selig" zu machen (1 Kor. 9,22). "Den Schwachen im Glauben nehmet auf und verwirret die Gewissen nicht" (Röm. 14,1). Wir sollen "ihm wieder zurecht helfen mit sanftmütigem Geist" und "einer trage des andern Last" (Gal. 6,1.2). Wir sollen "vermahnen die Ungezogenen, trösten die Kleinmütigen, tragen die Schwachen, geduldig sein gegen jedermann" (1 Thess. 5,14). Diese schwachen Brüder werden ermahnt, "dass sie nicht anders lehreten" (1 Tim. 1,3), und sie sind es, die wir "strafen, dräuen, ermahnen mit aller Geduld und Lehre" (2 Tim. 4,2). Wir versuchen "den Sünder von dem Irrtum seines Weges zu bekehren" und seiner "Seele vom Tode" zu helfen und so "bedecken" wir "die Menge der Sünden" (Jak. 5,19-20). Mit diesen schwachen Brüdern "halten" wir "diesen Unterschied, dass" wir uns "etlicher erbarmen" (Judas 22) und behandeln sie nicht, als wären sie Falschgläubige. Nichtsdestoweniger "strafen" wir "sie scharf, dass sie gesund seien im Glauben" (Tit. 1,13).

 

    Und wie steht es nun mit denen, die von Schwachheit zur Verhärtung fortschreiten? Wenn ein Falschgläubiger beharrt, so ist er nicht länger ein schwacher Bruder, sondern ein falschgläubiger Christ. Das sind diejenigen, die 1) hartnäckig ihren Irrtum festhalten, indem sie nicht davon weichen, ihn verteidigen und weigern, sich zu ändern. (Sie mögen dabei endlos Ihren Ermahnungen zuhören und willig sein zum Gespräch und zur Diskussion, aber sie weigern sich einfach, sich zu ändern. Die Bibel warnt uns im Blick auf diejenigen, die "lernen immerdar und können nimmer zur Erkenntnis der Wahrheit kommen" (2 Tim. 3,7) und im Blick auf die, "die da Zertrennung und Ärgernis anrichten neben der Lehre, die ihr gelernet habt" und willig sind, den Irrtum auf den gleichen Stand wie die Wahrheit zu stellen (Röm. 16,17): aber sie geben ihre falsche Lehre niemals auf.); 2) sie verbreiten den Irrtum indem sie versuchen, für ihn Gehör zu finden und Jünger und Anhänger, die ihm folgen und ihn unterstützen (Schwache Brüder gehören in die Hörerschaft, nicht auf die Kanzel oder das Katheder! Auch wenn ein Laie nicht mehr nur privat einem Irrtum anhängt, sondern anfängt, ihn in der Gemeinde auszubreiten, ist er nicht länger mehr nur einfach schwach, sondern beharrlich in seinem Irrtum.) und 3) sie verdammen solche, die an der Wahrheit festhalten und kämpfen gegen die Vertreter der reinen Lehre. Beharrliche Irrlehrer sind aber zu meiden. Das sind also solche, die von Schwachheit zur Verhärtung weitergegangen sind und sich keiner Korrektur unterwarfen, die ihren Irrtum ausbreiten und als Falschgläubige bezeichnet und gemieden werden müssen.

 

    Wird damit zur Trennung (Separation) aufgerufen? Im Blick auf falsche Lehrer und ihre Anhänger sagt Röm. 16,17-18: "Ich ermahne euch aber, liebe Brüder, dass ihr aufsehet auf die, die da Zertrennung und Ärgernis anrichten neben der Lehre, die ihr gelernet habt, und weichet von denselbigen! Denn solche dienen nicht dem HERRN Jesus Christus, sondern ihrem Bauche; und durch süße Worte und prächtige Rede verführen sie die unschuldigen Herzen." Da solche fortfahren, einen Abfall von der Lehre der Apostel zu verursachen, und auch ein Ärgernis erregen, indem sie neben der christlichen Lehre zu fangen und zu verführen suchen, sind sie zu bezeichnen und ist von ihnen zu weichen. Der Grund, warum wir von solchen Leuten weichen sollen ("weichet von ihnen", nicht nur von ihren Irrtümern) liegt darin, dass der Heilige Geist festgestellt hat, dass solche Sektierer und Schismatiker ihr Eigeninteresse verherrlichen (ihre fleischliche Natur oder ihren "Bauch"). Darüber hinaus betören diese Zertrenner, gewollt oder nicht, die einfältigen Christen durch ihre plausiblen Bemerkungen, die verständig und vernünftig klingen, und durch süße Rede, die eindrucksvoll und überzeugend ist. Aber es ist falsche Lehre! Gottes Wort sagt uns: "Weichet von ihnen" (Röm. 16,17). "Hütet euch vor den falschen Propheten" (Matth. 7,15); "tue dich von solchen" (1 Tim. 6,5); "solche meide" (2 Tim. 3,5); "habt nicht Gemeinschaft mit den unfruchtbaren Werken der Finsternis; strafet sie vielmehr" (Eph. 5,11); "meidet allen bösen Schein" (1 Thess. 5,22); "den nehmet nicht zu Hause" (2 Joh. 10); "entziehet euch" und "habt nichts zu schaffen mit" (2 Thess. 3,6.14); "strafe sie scharf" und "meide" (Tit. 1,13; 3,10). "Darum gehet aus von ihnen und sondert euch ab, spricht der HERR, und rühret kein Unreines an, so will ich euch annehmen" (2 Kor. 6,17). St. Paulus und die frühen Christen trennten sich von den Juden, als diese falschgläubig wurden (Apg. 13,46; 18,6; 19,9), wie es Jesus ihnen gesagt hatte, dass sie tun sollten (Matth. 10,14). Die Falschgläubigen schließt nicht nur die falschen Lehrer ein, sondern auch ihre Anhänger. Die Anhänger falscher Propheten beachten die Wahrheit nicht, sind geistlich gleichgültig, unterstützen Irrlehrer, dulden den Sauerteig des Irrtums und weigern sich, Gottes Befehl zu gehorchen, auf die falschen Lehrer zu sehen und von ihnen zu weichen. Allerdings betrifft unsere Beendigung der Gemeinschaft nur den religiösen Bereich. Bürgerliche, soziale, familiäre, geschäftliche und sonstige weltliche Kontakte mit Falschgläubigen können weitergehen. (Joh. 17,15-16; 1 Kor. 5,10). Ist das die Haltung der Liebe gegenüber den Kindern Gottes, die erklärtermaßen auch in falschgläubigen Kirchen sind? Wir sagen ein unbedingtes "Ja"! Indem wir keine Gemeinschaft mit ihnen haben, bezeugen wir ihnen unaufhörlich und ermahnen und warnen sie, dass sie im falschen Lager sind. Ist das wahrhaft evangelisch und liebevoll? Jesus sagt: "Liebet ihr mich, so haltet meine Gebote" (Joh. 14,15); weiter: "Und das ist die Liebe, dass wir wandeln nach seinem Gebot." (2 Joh. 6).

 

    Mit denen in gemeinsamem religiösen Dienst und Arbeit (brüderlicher Gemeinschaft) zu stehen, mit denen nicht völlige lehrmäßige Übereinstimmung besteht, ist sündlicher Unionismus. Das Wesen des Unionismus ist ja, darin übereinzustimmen, daß man akzeptiert, nicht übereinzustimmen. Das meint Gemeinschaft ohne Einheit anstatt des biblischen Weges: Lehrmäßige Einheit vor der Gemeinschaft erreichen. Der Unionismus behauptet, daß Gottes Wort nicht klar sei und erlaube, daß Irrtümer in den Kirchen geduldet würden. Unionistisches Abendmahl, Gottesdienst, Gebet und Predigen ist aber durch Gottes Wort verboten. Apg. 2,42 sagt: "Sie blieben aber beständig in der Apostel Lehre und in der Gemeinschaft (Gottesdienst) und im Brotbrechen (Abendmahl) und im Gebet." Jegliche Kirchengemeinschaft ist abhängig von der Übereinstimmung in der Lehre. Das schließt auch beten ein: "Diese alle waren stets beieiander einmütig mit Beten und Flehen" (Apg. 1,14); "Wo zween unter euch eins werden auf Erden, warum es ist, dass sie bitten wollen, das soll ihnen widerfahren von meinem Vater im Himmel. Denn wo zween oder drei versammelt sind in meinem Namen (gemäß meinem Wort), da bin ich mitten unter ihnen." (Matth. 18,19-20). Lutherische Altäre sind nur für Lutheraner. Das ist der Grund, warum wir das "geschlossene Abendmahl" praktizieren, indem wir die Innigkeit und Verbundenheit unserer Gemeinschaft in der Einheit des Glaubens betonen. Wenn wir Kanzel-, Altar-, Gebets- und Hörgemeinschaft nicht auf dieser Grundlage praktizieren würden, so würden wir zu Unionisten. Die unionistische Kirche ist wie ein Schiff, das Kurs auf Selbstzerstörung nimmt! Zuerst wird darum gebeten, dass doch Irrtum geduldet werde. Dann wird um Angleichung und schließlich um gleichberechtigten Stand mit der Wahrheit gebeten. Demzufolge wird der nicht Irrende anfangen, mit dem Irrenden zusammenzuarbeiten und so beginnen, selbst mit dem Irrtum befleckt zu werden. Schließlich wird die Wahrheit gegenüber dem Irrtum kapitulieren und der wird nun die Übermacht und Herrschaft beanspruchen. Dies ist eine exemplarische Darstellung, wie sie die Bibel lehrt (1 Kor. 5,6-8; Gal. 5,7-10): Irrtum, wie Hefe oder Sauerteig, Rost oder Krebs, wird sich, wenn er geduldet und nicht abgetrennt wird, ausbreiten und folglich den beherbergenden Körper zerstören. "Und ihr Wort frisst um sich wie der Krebs". (2 Tim. 2,17) Anstatt die Speichen aus dem Rad der Lehre herauszubrechen (indem die biblischen Wahrheiten eine nach der anderen geleugnet werden) und schließlich die Nabe des Evangeliums in den Schmutz zu ziehen, lasst uns festhalten an der reinen Lehre und wahre Gemeinschaft praktizieren. Bedenkt: an wessen Altar wir Gottesdienst feiern, dessen Religion bekennen wir. Das ist der Grund, warum es notwendig ist, dass wir zwischen wahren und falschen Kirchen unterscheiden - dass wir uns selbst als dem Worte treu erweisen, die Irrenden warnen, die Unwahrheit fliehen und wahre Einheit bauen.

 

    Beachtet: falsche Lehrer kommen aus der Christenheit selbst: "Denn es müssen Rotten unter euch sein, auf dass die, so rechtschaffen sind, offenbar unter euch werden." (1 Kor. 11,19). "Auch aus euch selbst werden aufstehen Männer, die da verkehrte Lehren reden, die Jünger an sich zu ziehen." (Apg. 20,30). "Es waren aber auch falsche Propheten unter dem Volk, wie auch unter euch sein werden falsche Lehrer, die neben einführen werden verderbliche Sekten und verleugnen den HERRN, der sie erkauft hat, und werden über sich selbst führen eine schnelle Verdammnis. Und viele werden nachfolgen ihrem Verderben; durch welche wird der Weg der Wahrheit verlästert werden." (2 Ptr. 2,1-2). Jesus warnt: "Sehet euch vor vor den falschen Propheten, die in Schafskleidern zu euch kommen! Inwendig aber sind sie reißende Wölfe." (Matth. 7,15). Solche sind "verflucht" (Gal. 1,9). Habt acht vor "Zank unter euch" (1 Kor. 1,11). Lasset uns vielmehr "halten an dem Vorbilde der heilsamen Worte" (2 Tim. 1,13) und "Gottes Wort" reden (1 Ptr. 4,11).

 

    "Gott aber der Geduld und des Trostes gebe euch, dass ihr einerlei gesinnet seid untereinander nach Jesus Christus, auf dass ihr einmütiglich mit einem Munde lobet Gott und den Vater unsers HERRN Jesus Christus." (Röm. 15,5-6).               

 

 

WAS LEHREN DIE SCHMALKALDISCHEN ARTIKEL UEBER KIRCHENGEMEINSCHAFT?

 

Roland Sckerl

 

I. Einführung: Aktualität des Themas:

 

  Die Schmalkaldischen Artikel einschließlich des Tractatus wurden 1537 von Luther bzw. Melanchthon ausgearbeitet auf dem Hintergrund des bevorstehenden Konzils, mit der Maßgabe, die schriftgemäße lutherische Lehre gegenüber der schriftwidrigen päpstlichen herauszustellen, dabei darzulegen, was, sollte es zu wirklichen Verhandlungen kommen das spätere Konzil ließ sie in keiner Weise zu), nie und nimmer aufgegeben werden könne und dürfe. Es ging also, und dazu war ja das Konzil erwünscht, um die Frage, ob und unter welchen Umständen eine kirchliche Vereinigung oder Kirchengemeinschaft möglich wäre. Daher bieten uns die Schmalkaldischen Artikel gute und grundlegende Hinweise dafür, welche Voraussetzungen gegeben sein müssen für die Feststellung der Gemeinschaft oder wann die Trennung notwendig ist.

  Dies ist ja umso aktueller in einem durch und durch ökumenistischen oder unionistischen Zeitalter wie dem jetzigen, in dem die Menschen die von Gott geforderten Trennungen nicht mehr akzeptieren wollen (so der protestantische Theologe Pannenberg, der im Zusammenhang mit der "5. Weltkonferenz für Glauben und Kirchenverfassung" behauptete, "die Spaltungen der Kirche in unterschiedliche Konfessionen hätten ... vermieden werden können und müssen" 1 und in der Praxis allumfassendste Unionen, bis hin zum Synkretismus mit den Heiden bilden 2.

  Auch in solchen Kreisen, die bekenntnislutherisch sein wollen, sind unionistische Lehren und Praktiken eingedrungen, wie der Fall  der Missouri-Synode seit 1938 zeigt, wobei ein vorläufig letzter Höhepunkt dort das Dokument der Commission on Theology and Church Relations (CTCR) - basierend auf der Lehre von angeblichen 'levels of fellowhsip' - aus dem Jahr 1991 ist und ein ähnliches bei deren Schwestersynode SELK in Deutschland aus dem gleichen Jahr ('Ökumene-Papier').

  Fragt man die christlichen Kirchenverbände, was denn zur Einheit nötig sei, so sind die Antworten sehr unterschiedlich: im römischen Katholizismus wird die Zustimmung zur römisch-katholischen Lehre betont, im Vordergrund steht aber der Gehorsam gegenüber dem Papst. Eine Kirche, die sich ihm nicht unterstellt, gilt nicht als Kirche im Vollsinn des Wortes 3. Beides aber hindert den Katholizismus nicht daran, dennoch zahlreiche unionistische Praktiken zu erlauben, etwa "ökumenische Gottesdienste", gemeinsame Gebets- und Missionsveranstaltungen. Nur hinsichtlich der Abendmahlsgemeinschaft herrscht noch eine gewisse Konsequenz und wird richtig Lehrübereinstimmung gefordert 4.

  Außerhalb des Bekenntnisluthertums wird im Protestantismus eigentlich nur bei den 'Christlichen Versammlungen' der 'geschlossenen Brüder' völlige Übereinstimmung für die Gemeinschaft, insbesondere auch im Abendmahl, gefordert. Alle anderen, mehr oder weniger stark ja vom Calvinismus geprägten, Gruppen haben dagegen keine ausgesprochene Lehre von Kirchengemeinschaft und Trennung. Dies trifft gerade auch für die eher konservativen Bewegungen der Evangelikalen, Fundamentalisten und Pietisten (in Deutschland zumeist das gleiche) zu, für die die Kirche insgesamt als Gemeinschaft gegenüber dem Einzelnen zurücktritt und der Kirchenbegriff unbiblisch subjektivistische und individualistische Züge trägt. Das persönliche Bekenntnis zu Christus als dem Herrn bzw. ein persönliches Bekehrungserlebnis, bei charismatischen Gruppen eine "Geistestaufe", Zungenrede genügen ihnen als Grundlage für Gemeinschaft - nach Übereinstimmung in der Lehre wird nicht gefragt. Diese Haltung ist auch die Grundlage der evangelikalen Bewegung 'Evangelische Allianz', die von sich selbst sagt, dass sie auch für Katholiken und Christen aus den Ostkirchen offen sei 5. Andere konservative Kreise fordern eine Übereinstimmung zumindest in den primären Fundamentalartikeln (was in etwa auf das gleiche hinausläuft), so auch 'konservative Lutheraner' in den Landeskirchen.

  Solche, die fester zur Schrift stehen, bekennen, dass die gesamte Bibellehre unbedingte Grundlage sein muss für die Feststellung von Gemeinschaft oder Trennung. Aber schon im vergangenen Jahrhundert hatte es in der Auslegung dessen, was damit gemeint ist, große Differenzen gegeben. Von Löhe herkommend haben weite Kreise (Iowa-Synode, United Evangelical Lutheran Church of Australia, Breslauer Synode in Deutschland) die "Offene-Fragen-Theorie" entwickelt, in der all das zu "offenen Fragen" erklärt wurde, was nicht in den Bekenntnisschriften behandelt sei oder, im Extremfall, worüber man mit anderen uneinig war. In Neumissouri und den mit ihnen verbundenen Gemeindeassoziationen sind, wie schon angeschnitten, in den letzten Jahrzehnten neue Theorien entwickelt worden, die nichts anderes zum Ziele haben, als die biblisch-lutherische Lehre von der Kirchengemeinschaft aufzulösen. Gesprochen wird seit neuestem von 'levels of fellowship' (Stufen der Gemeinschaft), so, als ob es unterschiedliche Grade von Einheit und Gemeinschaft gebe, nach denen dann der eine oder andere Ausdruck von Kirchengemeinschaft praktiziert werden könne, obwohl keine völlige Übereinstimmung in der Lehre vorhanden ist. In Deutschland prägte ein SELK-Bischof den Begriff von der "Bandbreite", die man zulassen müsse, innerhalb der Lehrabweichungen zulässig und Gemeinschaft noch möglich sein sollte. Damit im Zusammenhang steht auch die Frage, was alles in den Begriff 'Kirchengemeinschaft' falle. Auch im bekenntnislutherischen Raum ist es (insbesondere Neumissouri und die mit ihnen verbundenen Synoden der Internationalen Konferenz evangelisch-lutherischer Kirchen) dabei schon zu tiefen Einbrüchen in die alte biblische Lehre gekommen und die Kirchengemeinschaft von ihren Ausdrücken her praktisch auf Kanzel- und Abendmahlsgemeinschaft reduziert worden - während missionarische Arbeit, Gebetsgemeinschaft, selbst Ausbildung und teilweise Jugendarbeit sowie Diakonie auch mit solchen zusammen praktiziert wird, mit denen keine Gemeinschaft besteht. Auch die 'ökumenischen Gottesdienste' fallen in diesen Bereich. Als weitere Frage war die "ausgewählte Gemeinschaft" (selective fellowship) aufgetreten, bei der man Einzelpersonen, die zu Verbänden gehören, mit denen keine Gemeinschaft besteht, dort aber die rechte Lehre bezeugen und sich in den "Bekenntnis-" oder "Proteststand" begeben haben, Gemeinschaft gewährt. Aber auch dies ist unhaltbar, da Gott die Trennung von falscher Kirche fordert - und es ist dem, der im status confessionis steht, keineswegs mit solch einer selective fellowship geholfen, da damit der Eindruck erweckt wird, er müsse nicht unbedingt aus der falschlehrenden Kirche oder dem falschlehrenden Verband austreten. Gliedschaft in einer Ortskirche oder einem Gemeindeverband sind nicht nur eine formelle Sache, sondern Teil des öffentlichen Bekenntnisses.

  Angesichts dieser vielfältigen Verwirrung sollte es uns als orthodoxe oder bibelchristliche Lutheraner nicht verwundern, wenn unsere biblische Position von Kirchengemeinschaft und Trennung zumindest zunächst nicht verstanden, belächelt oder gar angefeindet wird. Aber es ist ja gerade dieser aufgezeigte, letztlich selbstherrliche, Umgang mit Gottes Wort und seiner Verbindlichkeit in vielen Kreisen ein Zeichen der Endzeit. Bedenken wir, dass unsere geistliche Kraft nicht aus Zahlen, Alter oder prächtigen Gebäuden kommt, sondern allein im Wort Gottes, in der reinen, unverfälschten Gotteslehre besteht. Unsere Kraft ist zwar klein, aber es ist Christus, der die Türen öffnet, so wir treu an seinem Wort bleiben, Offenb. 3,8.

 

  Bei dem, was nun die Schmalkaldischen Artikel dazu sagen, kann sich niemand hinter der Behauptung verstecken, es handelte sich damals um eine besondere Situation, da es hier um das Papsttum, den Antichrist, gehe. Die Stellungnahmen der Schmalkaldischen Artikel gründen sich vielmehr auf allgemein verbindliche Darlegungen der Schrift Gottes und sind z.T. auch bewusst in der Bekenntnisschrift so gehalten, und es dient, wenn man es einmal überspitzt sagen will, das Papsttum nur als "Fallbeispiel", was im Blick auf Kirchengemeinschaft und Trennung zu praktizieren ist.

 

 

II. Einheit unter Christus als dem Haupt - Einheit in der Lehre:     

  

  Rom hat vorgegeben, und macht dies bis heute (s.o.), dass das Papsttum, für das es göttlichen Befehl reklamiert, notwendig sei zur Einheit der Kirche, ja, dass es zum Wesen der Kirche selbst gehöre 6. Dem widersprechen die Schmalkaldischen Artikel eindeutig und zeigen, nachdem sie dargelegt, dass das Papsttum völlig unbiblisch ist auch historisch erwiesen, dass es nicht von Anfang an gewesen, dass die rechte Einheit eine gänzlich andere Basis hat. Nicht ein Mensch - und selbst wenn es ein Papsttum gäbe, dass seinen widerrechtlichen göttlichen Anspruch ablegte, auch da wäre es noch unnütz und nur ein Grund weiterer Spaltungen - ist die Grundlage der Einheit: sondern Christus und sein Wort:

 

"Darum kann die Kirche nimmermehr baß regieret und erhalten werden, denn daß wir alle unter einem Haupt Christo leben, und die Bischöfe alle, gleich nach dem Amt (ob sie wohl ungleich nach den Gaben,) fleißig zusammenhalten in einträchtiger Lehre, Glauben, Sakramenten, Gebeten und Werken der Liebe etc." 7

 

  Christus ist das wahre Haupt seiner Kirche, er ist es, der sie regiert. Und wie? Nicht durch neue Offenbarungen (etwa ex-cathedra-Aussagen eines Papstes), sondern, wie es hier angezeigt wird: durch sein Wort und Sakrament, die Glauben zeugen, bewahren, erhalten, der sich dann äußert in der Lehre, in der Verwaltung und dem Gebrauch der Sakramente, im Gebet und in Werken der Liebe. Und wie wird diese Kirche beschrieben? Sie steht zusammen "in einträchtiger Lehre", nicht dass der eine dies, der andere das lehre, der eine an der Kindertaufe festhalten, der andere die Wiedertaufe praktiziere, der eine proklamiert, daß wir Christi Leib und Blut im Abendmahl mündlich empfangen, jeder Kommunikant, und der andere behauptet, nur der Glaube, nicht der Mund, empfange Leib und Blut. Nein: in einträchtiger Lehre, wo also in einem Sinn und in einerlei Meinung, einmütiglich mit einem Munde Gottes Lehre proklamiert wird, 1 Kor. 1,10; Röm. 15,6.

  Unter einem Haupt Christo sein meint also nicht, wie es im fundamentalistischen bzw. evangelikalen und pietistischen Bereich gerne praktiziert wird: es genügt das Bekenntnis 'Christus ist mein Herr' und mit all solchen ist Gemeinschaft möglich, gleichgültig, was sie sonst lehren. Nein, das kann auch gar nicht sein. Denn: was besagt solch ein Bekenntnis zu Christus als dem Herrn, wenn gleichzeitig Christi Wort, Christi Lehre nicht mehr gilt, obwohl doch Christus sagt: "Wenn ihr an meiner Rede bleibet, so seid ihr meine rechte Jünger", Joh. 8,31. Solch ein Bekenntnis zu Christus als dem Herrn wird also zur Lüge, wenn wir nicht wirklich an allen seinen Worten bleiben. Unter Christus als dem Haupt leben heißt: sein Wort hat absolute und alleinige Autorität. Nichts anderes darf gelten. Und darum kann, um Christi, seines Wortes, seiner Ehre willen, Gemeinschaft nur da sein, wo einträchtige Lehre, Glauben, Sakramente sind. Wo diese Einheit, diese völlige Übereinstimmung oder Eintracht in der Lehre des Wortes Gottes, nicht vorhanden ist, da ist keine Einheit der Kirchen da, dort besteht damit auch keine Gemeinschaft (denn wir können tatsächlich gar nicht Gemeinschaft "aufrichten" oder "aufheben", sondern nur feststellen, ob sie besteht oder nicht).

  Es geht wahrhaft um Gottes Ehre und ebenso um der Seelen Seligkeit. Aus beiden Gründen ist allein die rechte Lehre anzunehmen, die falsche Lehre aber zu meiden:

 

"Darum sollen gottfürchtige Leute solchen greulichen Irrtum des Papstes und seine Tyrannei wohl bedenken und zum ersten wissen, daß solcher Irrtum zu fliehen und die rechte Lehre der Ehre Gottes und der Seele Seligkeit halben anzunehmen sei." 8

 

  Gott will von uns geehrt werden - als der heilige Gott, als der Herr, als die ewige Majestät. Wie aber können wir dies tun? Er hat uns sein Wort gegeben - und daran, wie wir uns zu diesem seinem Wort stellen, daran entscheidet es sich, ob wir ihn ehren. Ganz recht heißt es dazu im Kleinen Katechismus Luthers zur Erklärung der ersten Bitte im Vaterunser: "Geheiliget werde Dein Name. ... Wie geschieht das? - Antwort. Wo das Wort Gottes lauter und rein gelehret wird, und wir auch heilig, als die Kinder Gottes, darnach leben. Das hilf uns, lieber Vater im Himmel. Wer aber anders lehret und lebet, denn das Wort Gottes lehret, der entheiliget unter uns den Namen Gottes. Da behüt uns vor, himmlischer Vater." 9 Um Gottes Willen darf falsche Lehre nicht geduldet werden, kann und darf es keine Gemeinschaft mit ihr geben. Wer falsche Lehre neben der reinen duldet, der gibt zu erkennen, dass ihm Gottes Wort nichts gilt, dass ihm Gott und seine Ehre und sein heiliger Name eigentlich gleichgültig sind.

  Aber es geht auch um unserer Seelen Seligkeit: denn lassen wir falsche Lehre auch nur in einem, uns noch so gering erscheinenden, Punkt zu - so frisst sie wie ein Krebs weiter, kann auch die primären Fundamentalartikel, die Lehre von der Dreieinigkeit, von der Erbsünde, von Christus, von der Rechtfertigung und dem ewigen Leben, angreifen und samt unserem Glauben umstürzen: Ein wenig Sauerteig versäuert den ganzen Teig. Gal. 5,9. Darum: Gemeinschaft ist nur bei völliger Übereinstimmung in der Lehre möglich. So, und nur so, wird Gottes Ehre fleißig gefördert, so dafür gesorgt, daß die Gewissen recht unterrichtet werden 10.

 

 

III. Gottes Wort allein entscheidet über die Lehre:

 

  Die Papisten haben neben die heilige Schrift die Tradition oder die Väter als Autorität gesetzt und dazu noch den Papst und schon damit die Autorität Gottes und der heiligen Schrift gestürzt, denn Gott duldet keine Autorität neben sich: Du sollst nicht andere Götter haben neben mir, lautet das erste Gebot. Tatsächlich ist es ja auch so, dass durch die Tradition auch bestimmt wird, wie die Schrift zu verstehen sei. Außerdem - um auch jegliche Reformation auszuschließen, die durch die Bibel Gottes erfolgen könnte - ist dem Papst die Macht zuerkannt worden, ex cathedra zu sprechen, d.i.: Lehrentscheidungen zu fällen unabhängig von der Schrift, gewissensverbindlich zu lehren da, wo die Schrift nichts sagt.

  Aber auch in den 'protestantischen' Kirchenverbänden sind andere Autoritäten aufgetreten und eingesetzt worden: die Vernunft (sie hat von Anbeginn an bei Zwingli und Calvin mitregiert), die Wissenschaft, das Ich, das Gefühl, die Erfahrung, die Umwelt u.v.a.m. Alle moderne Theologie, die ja im Gegensatz zum konsequenten Liberalismus die Bibel als solche akzeptiert, ist letztlich nichts anderes als eine Ideologie, ein menschliches Weltanschauungsgebäude, das der Heiligen Schrift übergestülpt wird, eine Übertragungsbrille, durch die die Schrift gelesen wird. Hier findet ja nicht mehr Exegese (aus dem Text die Aussage holen) statt, sondern Eisegese (in den Text die Aussage hineinlegen).

  Rechtgläubige, bibelchristliche Kirche, wie sie in den Schmalkaldischen Artikeln beschrieben wird, deren Einheit allein gegeben ist durch Übereinstimmung in der Lehre Gottes, der Lehre der heiligen Schrift, kann aber als Grundlage dieser Lehre und damit auch als alleinige Regel, Richtschnur und Probierstein für alle Lehre und Lehrer und somit als einzige Entscheidungsinstanz bei Lehrfragen einzig die Heilige Schrift Gottes anerkennen, denn durch sie allein haben wir Gottes Lehre und Willen. Darum heißt es auch:

 

"Nu, solches alles ist ja nichts denn Menschenandacht gewesen einzelner Personen, die keine Artikel des Glaubens (welchs allein Gott zugehört), stiften. ... Es gilt nicht, daß man aus der heiligen Väter Werk oder Wort Artikel des Glaubens machet, sonst müßte auch ein Artikel des Glaubens werden, was sie für Speise, Kleider, Häuser etc. gehabt hätten, wie man mit dem Heiligtum getan hat. Es heißt, Gottes Wort soll Artikel des Glaubens stellen und sonst niemand, auch kein Engel." 11

 

  Menschen, welche Stellung und welches Ansehen immer sie auch haben, welche Autorität sie auch immer neben der Schrift anführen, können keine Lehrartikel, Glaubensartikel setzen, auch nicht Grundlage dafür sein, sondern allein Gottes Wort. Und wenn einer sagt, ein Engel habe es ihm gegeben, er habe ein Gesicht gehabt, so halte ihm entgegen: Christus hat uns an die Lehre der Apostel und Propheten gewiesen, das ist der Grund der Kirche (Joh. 17,20; Eph. 2,19). Neue Offenbarungen sind uns nicht verheißen, denn entweder sie lehren, was die Schrift schon lehrt, dann sind sie unnötig, oder sie lehren etwas anderes, dann sind sie neben dem einzigen Grund der Kirche und verworfen.

  Gott ist Herr, Christus ist Herr - das heißt: Sein Wort allein entscheidet. Der antichristliche Charakter des Papsttums zeigt sich ja auch gerade darin, dass es sich dieser Autorität nicht unterwirft, dass es von niemand gerichtet werden will. Gott aber hat der Kirche seine Schrift gegeben, dass

 

"alles nach der heiligen Schrift und Wort Gottes geurteilet werde. Und gleichwie die Christen alle anderen Irrtümer des Papstes zu strafen schuldig sind, also sind sie auch schuldig, den Papst selbst zu strafen, wenn er fliehen oder wehren will das rechte Urteil und wahre Erkenntnis der Kirchen." 12

 

  Die Christen zu Beröa, die eifrig alles an der Schrift geprüft haben, was St. Paulus gelehrt, Apg. 17,11, sind uns ein leuchtendes Beispiel. Nur dann, wenn die Schrift absolute Autorität ist, kann die Gemeinschaft der Kirche auch erhalten bleiben. Dann können wir zwar dennoch nicht hindern, dass hie und da falsche Lehre aufkommt - aber dass sie bleibt, sich festsetzt, die Kirche zerstört, das kann dann allerdings gewehrt werden, nämlich mit dem Wort Gottes, dass wir dadurch die falschen Lehrer widerlegen, die Kirche unterweisen und sie hüten vor dem Zugriff Satans; s.a. Tit. 1,9.  

 

 

IV. Falsche Lehre und Lehrer sind zu fliehen:

 

  Die Grundlage kirchlicher Gemeinschaft ist, wie aufgezeigt, die Übereinstimmung in der Lehre Gottes. Wo aber diese Übereinstimmung nicht vorhanden ist, da wird nicht einträchtig zusammengehalten in Lehre, Glaube, Sakrament, da wird auch nicht unter dem einen Haupt Christus gelebt, da ja eine Seite zumindest diese absolute Autorität Christi, die sich in seinem Wort an uns manifestiert, tatsächlich nicht anerkennt, denn sie hat eine andere als Christi Lehre. Wo aber dies der Fall ist, da besteht gar keine Gemeinschaft - und wird sie dennoch behauptet und praktiziert, so ist dies in Wirklichkeit Lüge, Heuchelei, ja: ein Angriff auf Christus als dem wahren Haupt der Kirche selbst, weil damit bekundet wird, a) dass man Christi Lehre nicht wirklich ernst nimmt, b) dass man auch andere neben Christus als Autorität zulässt.

  Gottes heiliges Wort lässt uns nicht im Unklaren darüber, was zu tun ist, wenn keine Übereinstimmung in der Lehre, keine Einmütigkeit, nicht einerlei Rede und Sinn festgestellt werden kann. Es beschreibt es mit den Worten "fliehen", "meiden", "trennen", "ausgehen", Joh. 10,5; Röm. 16,17; 2 Kor. 6,14-18; 2 Joh. 8-11, nämlich: die Trennung, Separation.

  Und genau das bekennen die Schmalkaldischen Artikel auch: "... denjenigen ... , so falsche Gottesdienste, Abgötterei und falsche Lehre wider das Evangelium vorgeben, " ist man "keinen Gehorsam schuldig" 13, d.h. man soll ihnen nicht folgen, nicht untertan sein, nicht in Gemeinschaft mit ihnen stehen. Und warum? Es wird aus Gottes Wort begründet: "Wenn auch ein Engel vom Himmel käme und ein ander Evangelium prediget, anders, denn wir euch gepredigt haben, der sei verflucht. ... Man solle Gott mehr gehorchen denn den Menschen." 14 Es geht hier zwar primär darum, ob des Papstes Autorität anzuerkennen sei oder nicht, aber die Begründungen, weshalb dies nicht der Fall ist, gehen über den Papst hinaus auf all solche, die anders lehren als des Heiligen Geistes Schrift lehrt. Denn:

 

"... alle Christen sollen sich auf das fleißigste hüten, daß sie solcher gottlosen Lehre, Gotteslästerung und unbilligen Wüterei sich nicht teilhaftig machen, sondern sollen vom Papst und seinen Gliedern oder Anhang als von des Antichrists Reich weichen und es verfluchen, wie Christus befohlen hat: Hütet euch vor den falschen Propheten. Und Paulus gebietet,  daß  man falsche Prediger meiden und als ein Greuel verfluchen soll. Und 2. Kor. 6. spricht er: Ziehet nicht am fremden Joch mit den Ungläubigen; denn was hat das Licht für Gemeinschaft mit der Finsternis etc.?" 15 

 

  Es ist Gottes Befehl, falsche Kirche zu meiden, sich zu trennen von all denen, die nicht festhalten an der einen, in der Bibel vorgegebenen Gotteslehre.

 

"Schwer ist es, daß man von so viel Landen und Leuten sich trennen und eine besondere Lehre führen will. Aber hie stehet Gottes Befehl, daß jedermann sich soll hüten und nicht mit denen einhellig sein, so unrechte Lehre führen oder mit Wüterei zu erhalten gedenken." 16

 

  Einhellige Lehre, völlige Übereinstimmung: das ist die unabdingbare Voraussetzung für Gemeinschaft - wo die nicht vorhanden ist, kann und darf es keine Gemeinschaft geben. Wer, wie dies heute weithin der Fall ist, sie dennoch behauptet, der muss sich von Gottes Wort und den lutherischen Bekenntnissen gesagt sein lassen, dass er im Aufruhr gegen Gott lebt.

  Die aber, die wahrhaft beständig bleiben wollen an der Apostel Lehre, an Christi Rede, die sollen wissen, daß der "Irrtum zu fliehen" ist 17, denn es

 

"... stehet Gottes Befehl und Wort da, daß wir Abgötterei, falsche Lehre und unbillige Wüterei fliehen sollen." 18

 

  Welche aber falsche Lehre duldet, etwa dadurch, dass er Gemeinschaft mit denen hält, die sie dulden oder vertreten,

 

"... die beflecken sich mit Abgötterei und gotteslästerlicher Lehre ...; die verhindern auch Gottes Ehre und der Kirchen Seligkeit, weil sie solchen Irrtum und Laster vor aller Welt und allen Nachkommen zum Schaden verteidigen." 19

 

  Es soll auch keiner denken, dies alles beträfe nur die Fundamentalartikel, also etwa nur die Dreieinigkeit, Erbsünde, Christi Person, Rechtfertigung. Nein, Gottes Wort ist Gottes Wort, es rede nun über die Schöpfung oder die Ehe oder geographische oder historische Dinge oder unsere Verdammnis und Erlösung: es ist der eine Geist, der alles geredet, den heiligen Schreibern eingehaucht, diktiert hat. Da gilt keine Zertrennung der Lehre. Sie ist wie ein Ring, da lässt sich nichts ausbrechen, es geht sonst der ganze Ring entzwei. Die Welt und auch die Mehrzahl derer, die doch eigentlich Christen sein wollen, die werden dies "eine Unordnung oder Zertrennung heißen" 20. Aber da

 

"... soll man wissen, daß die gottlose Lehre und Tyrannei der Bischöfe daran schuldig ist. Denn so gebietet Paulus, daß alle Bischöfe, so entweder selbst unrecht lehren oder unrechte Lehre und falschen Gottesdienst verteidigen, für sträfliche Leute sollen gehalten werden." 21

 

  Was sagen uns also die Schmalkaldischen Artikel über die Grundlage kirchlicher Gemeinschaft oder Vereinigung: es ist dies nichts anderes als die völlige Übereinstimmung in der Lehre des Wortes Gottes, wie es auch die Augsburgische Konfession im siebenten Artikel lehrt und Gott sagt 1 Kor. 1,10: "Ich ermahne euch aber, liebe Brüder, durch den Namen unsers HERRN Jesus Christus; dass ihr allzumal einerlei Rede führet und lasset nicht Spaltungen unter euch sein, sondern haltet fest aneinander in einem Sinn und in einerlei Meinung."      

 

 

EVANGELISCH(-LUTHERISCH) ODER EVANGELIKAL?

 

Der folgende Artikel ist entnommen dem Kirchenblatt „Bekennende Lutherische Kirche“ der Freien Evangelisch-Lutherischen Synode von Südafrika (FELSISA), Ausgabe 2/1992, das es wiederum dem Kirchenblatt der Selbständigen Evangelisch-Lutherischen Kirche (SELK), Ausgabe 2/1992, entnahm. Er erschien ursprünglich im „Lutheran Witness“, dem Kirchenblatt der Lutheran Church – Missouri Synod (LCMS) in den USA und wurde mit der Übersetzung durch Pastor Wilhelm Torgerson leicht gekürzt. Der Verfasser, Pastor Harold L. Senkbeil, befasst sich mit den Evangelikalen.

 

    „Hallo, Herr Pastor!“ Fritz strahlt mich an. „Die Gemeinde hätten Sie erleben sollen, in der ich Sonntag war. Rappelvoll! Und die tolle Musik hat mich beinah vom Hocker gerissen! Ob wir so was nicht auch mal zuwege bringen?“

 

Evangelikale Herausforderung

    Es gibt heutzutage eine ganze Reihe von Gemeinden, wie Fritz sie beschrieben hat: Schnell wachsende Gemeinschaften, in denen Gottesdienste mit hohem Unterhaltungswert gefeiert werden. Und es gibt immer mehr Leute wie Fritz in unseren lutherischen Gemeinden, die von den „Evangelikalen“ fasziniert sind. Tatsächlich lohnt es sich für unsere lutherische Kirche, darüber nachzudenken, ob wir von unseren evangelikalen Mitchristen lernen können.

    Aber wenn es um das Evangelium geht, das unsere Umgebung so dringend nötig hat, haben wir Lutheraner unseren evangelikalen Freunden einige sehr wichtige Dinge zu sagen. Nämlich was es heißt, wahrhaft „evangelisch“ zu sein.

 

Evangelisch(-lutherisch) oder evangelikal?

    Seit der Reformation bezieht sich „evangelisch“ einfach auf „Leute des Evangeliums“. In Amerika ist nun in der Mitte des 20. Jahrhunderts etwas Eigenartiges passiert. „Evangelikal“ nennen sich alle jene Christen, die sich besonders vom protestantischen Fundamentalismus angezogen fühlen. [Das ist nicht korrekt. Evangelikale sind solche protestantische Christen, die den klaren und eindeutigen Weg der Fundamentalisten vermissen lassen und eher zu pro-ökumenischen Kompromissen bereit sind. Daher haben sich in den 1940er Jahren Evangelikale (National Association of Evangelicals, NAE) und Fundamentalisten getrennt. Anm. d. Hrsg.] So beinhaltet der Begriff „evangelikal“ heute einige klar unbiblische Lehren, zum Beispiel die Betonung des menschlichen Willens und ziemliche Skepsis, was die Wirksamkeit der Sakramente betrifft. Diese Lehren werden über christliche Medien unters Volk gebracht. Nun meine ich nicht, dass wir Lutheraner die Evangelikalen einfach kritisieren sollten. Vielmehr sollten wir das echte biblische Evangelium kraftvoll bezeugen.

 

Ist das wirklich wichtig?

    Auf den ersten Blick scheint das alles nicht so wichtig. Und wenn man dann die herzliche Zuneigung zu Jesus bei den Evangelikalen erlebt, ihren Eifer um verlorene Sünder, dann erscheint eine besondere Lehrbetonung, als wollte man wieder einmal ein Haar in der Suppe finden. Schließlich haben die Evangelikalen eine sehr hohe Meinung von der Kraft und Autorität der Heiligen Schrift. Gute Predigten bei ihnen weisen auf Jesus und sein Kreuz hin. Wo liegt also das Problem? Genau da liegt meines Erachtens das Problem: In der Verkündigung von Jesus und dem Kreuz. Die Unterschiede zwischen Lutheranern und Evangelikalen betreffen wirklich das Herz des Evangeliums.

 

Das eigentliche Problem

    Lutheraner vertrauen auf das Evangelium als „eine Kraft Gottes, die da selig macht alle, die daran glauben“ (Römer 1,16). So ist das Evangelium beides, sowohl das Angebot des Heils als auch das Geschenk des Heils. Für uns ist das Evangelium mehr als nur „über Jesus predigen“, es ist die Verkündigung dieses Jesus selbst. Anders ausgedrückt: Im Evangelium wird dem Glaubenden heute all das angeboten und geschenkt, was Jesus durch seinen Tod vor langer Zeit erworben hat.

    Dagegen sind viele Evangelikale leider geneigt, das Evangelium schlicht als geschichtliche Information über Jesus und sein Kreuz zu betrachten. Auch für sie ist es natürlich ein Heilsangebot, aber sonst nichts. Das Übrige müssen wir selbst tun. Wenn man sich erst einmal innerlich auf Jesus einlässt, nach ihm greift und ihn annimmt, dann erlangt man Vergebung der Sünde. Das Heil ist menschliches Werk; alles hängt von der persönlichen Entscheidung ab.

 

Die Torheit des Kreuzes

    Die Heilige Schrift stellt das ganz anders dar. Von Anfang bis Ende ist das Heil Gottes Wirken. Das Evangelium ist eine lebendige Kraft, nicht nur historische Tatsache, die der menschliche Verstand zu verarbeiten hat. Ja, das Heil bleibt dem menschlichen Verstand immer entzogen. Das christliche Evangelium sagt aus, dass Gott sich herabneigt zum Menschen, und nicht, dass der Mensch sich zu Gott aufschwingt.

    Nach menschlichem Ermessen scheint der ganze Heilsplan Torheit und Schwäche zu sein. Paulus schreibt: „Was töricht ist vor der Welt, das hat Gott erwählt, damit er die Weisen zuschande mache; und was schwach ist vor der Welt, das hat Gott erwählt, damit er zuschanden mache, was stark ist“ (1. Korinther 1,27).

 

Gottes oder unsere Weise?

    Diese Botschaft von „Christus dem Gekreuzigten“ (1. Korinther 2,2) berührt alle Artikel des christlichen Glaubens. Darum hat Luther behauptet: „Unsere Theologie ist Theologie des Kreuzes“. Dem menschlichen Verstand mag das Kreuz töricht erscheinen, aber es ist die Weisheit Gottes. Am Kreuz hat sich Gott niedrig und schwach gezeigt, um den Menschen seine rettende Kraft zu offenbaren. Das ist Gottes Weise zu handeln: der Weg des Kreuzes.

    Die menschliche Weisheit dagegen möchte Gottes Weise dauernd verbessern. An die Stelle der „Theologie des Kreuzes“ setzt sie eine „Theologie der Herrlichkeit“. Menschen möchten sich Gott lieber unter eigenen Bedingungen nähern. Und sie möchten Gott in mächtigen, offenkundigen Taten erfahren. Solch eine „Theologie der Herrlichkeit“ entspricht der sündhaften Begehrlichkeit des Menschen.

 

Sehende Augen

    Aber Gott bleibt im Regiment. Er handelt immer noch nach seiner Weise, nicht nach unserer. Er handelt an uns heute wie damals am Kreuz: verborgen in Niedrigkeit und Schwachheit. Das Wasser der Taufe zum Beispiel sieht wohl wie schlichtes Wasser aus, aber die Bibel nennt es das „Bad der Wiedergeburt und Erneuerung im Heiligen Geist“ (Titus 3,5). Die vom Pastor gesprochenen Worte der Absolution hören sich wie normale menschliche Sprache an. Doch hat Jesus verheißen: „Welchen ihr die Sünden erlasset, denen sind sie erlassen“ (Johannes 20,23). Die Elemente des Abendmahls sehen einfach wie Brot und Wein aus, aber Jesus nennt sie „mein Leib, für euch gegeben, mein Blut, für euch vergossen“ (Lukas 22,17-20; 1. Korinther 11,23-25).

 

Die Unterschiede

    Die ganze Überlegung soll zeigen, dass es sich bei unseren Unterschieden zu den Evangelikalen nicht einfach nur um Meinungsverschiedenheiten über ein paar Bibelstellen handelt. Hier bestehen Unterschiede im grundsätzlichen Verständnis des Evangeliums. Evangelikale Lehre ist von einer „Theologie der Herrlichkeit“ ganz und gar durchdrungen; Gott soll sein Handeln nach menschlichen Erwartungen ausrichten. Menschliche Spekulationen treten an die Stelle göttlicher Offenbarung. Da ein solch grundlegender Irrtum am Anfang steht, darf es uns nicht erstaunen, dass weitere Irrtümer folgen:

    1. Das Evangelium ist in erster Linie geschichtliches Faktum, nicht so sehr die „Kraft Gottes, selig zu machen“ (Römer 1,16).

    2. Der rettende Glaube ist eine Entscheidung des freien menschlichen Willens, nicht ein Gnadengeschenk Gottes.

    3. Seit der Himmelfahrt Christi ist der leibhafte Jesus auf den Himmel beschränkt, er kann nicht im Abendmahl gegenwärtig sein.

    4. Taufe und Abendmahl sind in erster Linie menschliche Handlungen aus Gehorsam gegen Jesus und nicht so sehr Mittel, durch die Gott uns seine Gnade schenkt.

    5. Durch Gottes Gesetz werden Christen motiviert, ein wohlgefälliges Leben zu führen, und nicht so sehr durch die Vergebung, die Christus im Evangelium schenkt.

    6. Der christliche Gottesdienst ist hauptsächlich ein menschliches Werkzeug, um Menschen für Jesus zu gewinnen, nicht so sehr der Ort, wo Gott selbst den Menschen im Wort und Sakrament begegnet.

 

 

Form und Inhalt

    Die lutherische Art der Frömmigkeit gründet in Gottes Gnadenmitteln und empfängt ihre Form in ganz natürlicher Weise vom Inhalt des vorgegebenen Evangeliums. Wenn uns erst einmal klar ist, dass das Evangelium Gottes Wirken ist, dann steht es uns nicht frei, es so darzubieten, als wäre es Menschenwerk. Wenn wir erst einmal verstanden haben, dass das Evangelium nichts weniger ist als die lebendige Kraft des lebendigen Gottes, dann, so glaube ich, kann man es nicht für voraussichtliche Käufer „vermarkten“ wie Kartoffelchips.

    Natürlich, uns Lutheranern täte mehr Lebendigkeit im Gottesdienst sehr gut. Aber wenn uns erst einmal aufgeht, dass Gott selbst in seinem Wort und Sakrament wirklich gegenwärtig ist, dann können wir den Gottesdienst als das sehen, was er eigentlich ist: eine Audienz mit dem lebendigen Gott! Und das ist ja wohl eine aufregende Sache. Es stimmt, Gott hat uns keine feste Form des Gottesdienstes vorgeschrieben. Aber wenn wir uns dem Stil der Unterhaltungsindustrie anpassen, dann wird auch das Evangelium nur als seichter Brei rüberkommen. Der Inhalt des Evangeliums gebietet, dass unsere Gottesdienstformen Gott in den Mittelpunkt stellen, nicht den Menschen.

 

Sich herausfordern lassen

    Was ist denn nun der eigentliche Unterschied zwischen Evangelikalen und Lutheranern? Wir stimmen überein in der Diagnose über unsere von Gott abgefallene Welt - todkrank durch die Sünde. Aber wir sind unterschiedlicher Meinung bezüglich des Rezepts dagegen. Menschliche Findigkeit und Können reichen hier nicht aus. Jesus allein rettet. Und sein Heilswerk lässt er hineinreichen in unsere Zeit und in unseren Raum durch die Mittel seines Wortes und der Sakramente. Dieses sind die Werkzeuge, die Christus seiner Kirche gegeben hat. Nichts anderes kann dafür eingesetzt werden, ohne das Evangelium dadurch zu kompromittieren.

    Eine Frage steht groß im Raum. In rechter Christenliebe müssen wir unsere Freunde aus dem evangelikalen Lager fragen: „Wollt ihr euch auf Gottes Kreuzweg einlassen, oder besteht ihr darauf, den eigenen Weg zu finden?“ Das ist eine Variante jener Frage, die Paulus aus der Tiefe eines gequälten Herzens den Galatern stellte: „Im Geist habt ihr angefangen, wollt ihr’s denn nun im Fleisch vollenden … Dass aber durchs Gesetz niemand gerecht wird vor Gott, ist offenbar, denn der Gerechte wird aus Glauben leben“ (Galater 3,3.11).

 

 

 

 

 

 

 

ZEICHEN DER ZEIT

 

Aktuelles:

FTA-Akkreditierung: Die Anerkennung der Freien Theologischen Akademie in Gießen als Hochschule durch den Wissenschaftsrat und die damit zusammenhängende Stellungnahme des Wissenschaftsrats und dessen Bedingungen haben zu etlicher Kritik daran geführt, dass die FTA diesen Weg gegangen ist. Der Herausgeber des ‚Bekenntnislutheraners’ hat eine längere Korrespondenz mit dem Rektor der FTA, Herrn Dr. Helge Stadelmann, darüber geführt. Um der Fairness willen, damit auch die Haltung der FTA besser beurteilt werden kann, wird im Folgenden die Stellungnahme der Gießener Akademie zu der vielfältigen Kritik wiedergegeben.

1. Es wird behauptet, die FTA habe ihr Bekenntnis zur Heiligen Schrift inhaltlich verändert.

Diese Behauptung ist falsch. Richtig ist, dass 2007 formal anstelle der „Zusammenfassenden Erklärung“ der amerikanischen „Chicago-Erklärung“ ein selbst formulierter umfangreicherer Passus über das Schriftverständnis in die Glaubensbasis der FTA aufgenommen wurde. Falsch ist die Unterstellung, dass es dadurch zu inhaltlichen Verkürzungen gekommen sei. Das selbst formulierte Bekenntnis der FTA steht in Kontinuität zu der seit Jahren vertretenen Bibelhaltung der FTA und zu den zahlreichen Veröffentlichungen des FTA-Kollegiums. Es akzentuiert deutlicher als bisher den kreatürlichen Charakter der Schrift, der schon den Reformatoren wichtig war, ohne am Wortgottescharakter der Schrift Abstriche zu machen. Die Neuformulierung des Bekenntnisses zeigt, dass Bekenntnisbindung und Wissenschaftlichkeit – verstanden als ernsthaftes und begründbares Erforschen von Wahrheit – sich nicht  ausschließen.

Der Text des Bekenntnisses ist auf der Homepage der FTA jedermann zugänglich.

2. Es wird behauptet, die FTA öffne sich für die historisch-kritische Theologie, weil sie die Zuverlässigkeit und Irrtumslosigkeit des inspirierten Wortes Gottes nur „in ihrer ursprünglichen sprachlichen Gestalt“ vertrete.

Diese Behauptung ist falsch. Sie unterstellt, dass sich die Formulierung „ursprüngliche sprachliche Gestalt“ auch auf vorliterarische Entstehungsprozesse beziehe. Richtig ist vielmehr, dass unter diesem Begriff zu allen Zeiten die kanonischen Schriften in ihrem Urtext verstanden wurden. In unserem Bekenntnis bezieht sich der Begriff explizit und eindeutig auf die „Bücher der Heiligen Schrift“. Darunter vorliterarische Legendenbildungen verstehen zu wollen,  entbehrt jeder Grundlage und verkehrt die Aussage des Bekenntnisses in ihr Gegenteil.

3. Es wird behauptet, die Aussage des FTA-Bekenntnisses, es „sei unangemessen, die Schrift anhand von Maßstäben für Wahrheit und Irrtum zu messen, die ihrem  historischen Ursprung und Zweck fremd seien“, sei ein Indiz für die Aufweichung ihrer Schrifthaltung.

Diese Behauptung ist falsch und beruht auf einer Unkenntnis christlicher Bekenntnistexte.

Richtig ist vielmehr, dass diese Überzeugung schon immer an der FTA vertreten wurde und eine solche Vorgehensweise für eine verantwortbare Auslegung der Bibel unabdingbar ist. Es handelt sich bei dieser Aussage im Übrigen um ein Zitat aus Art. XIII der „Chicago- Erklärung“. Von einer Aufweichung im Schriftverständnis kann daher nicht die Rede sein.

4. Es wird behauptet, dass die sorgfältige Ermittlung dessen, „was die biblischen Schriftsteller jeweils wirklich haben sagen wollen“, bereits die Türe öffne für den „menschlichen Geist der historisch-kritischen Theologie“.

Diese Behauptung ist falsch. Richtig ist vielmehr, dass sich bibeltreue Ausleger aller Zeiten um die wissenschaftlich exakte Erforschung der ursprünglichen Aussageabsicht der biblischen Texte bemüht und die historisch-grammatische Erforschung des Bibeltextes vorangetrieben haben.

Eine wissenschaftlich verantwortete Textauslegung ist nicht an sich schon bibelkritisch. Eine wissenschaftliche Methodik der Textauslegung einerseits und die Überzeugung von der Inspiration der Heiligen Schrift andererseits stehen nicht im Widerspruch zueinander. Einen solchen Widerspruch hat die FTA nie vertreten und wird sie nie vertreten.

5. Es wird behauptet, eine staatliche Anerkennung sei in Deutschland nur durch die Aufgabe einer bibeltreuen Theologie und durch Öffnung für die Methoden der Bibelkritik zu erlangen.

Auch diese Behauptung ist falsch. Richtig ist vielmehr, dass eine Grundlage jeder wissenschaftlichen Arbeit die Auseinandersetzung mit gegensätzlichen Meinungen ist. Darauf hat der Wissenschaftsrat zu Recht hingewiesen. Die FTA fördert seit ihrer Gründung den kritischen Diskurs mit anderen theologischen Ansätzen und sieht genau darin ihre wissenschaftliche Aufgabe im Spektrum evangelikaler Theologie. Seit Jahren pflegt sie den fachlichen Dialog mit Hochschulen und Professoren in verschiedenen Ländern. Die FTA hat gute Erfahrungen gemacht in der Zusammenarbeit mit der (säkularen) britischen Partneruniversität in Gloucestershire.

Die FTA wird deshalb der Aufforderung des Wissenschaftsrates folgen, sich mit ihren Erkenntnissen vermehrt in das wissenschaftliche Fachgespräch in Deutschland einzubringen. Im Bereich der Überprüfung von Qualitätsstandards wird sich die FTA selbstverständlich der Evaluation durch Behörden und kooperationsbereite Wissenschaftler stellen.

6. Es wird behauptet, in Zukunft könnten auch Dozenten an der FTA lehren, die ein liberales Bibelverständnis haben.

Diese Behauptung ist falsch. Richtig ist, dass Professorenstellen in Zukunft öffentlich ausgeschrieben werden müssen, wie an jeder Hochschule in Deutschland. Falsch ist aber die Behauptung, dass für zukünftige Bewerber die Glaubensbasis der FTA nicht gilt. Das Gegenteil

ist der Fall: Der Wissenschaftsrat hat ausdrücklich bestätigt, dass in der Theologie Wissenschaftsfreiheit und Bekenntnisbindung komplementär zusammengehören. Theologie ist keine Religionswissenschaft. Bei Berufungsverfahren an der FTA gehört neben der unabdingbaren akademischen Qualifikation die Bekenntnisbindung weiterhin zu den Voraussetzungen einer Anstellung.

7. Es wird problematisiert, dass von Studienbewerbern als Zugangsvoraussetzung keine Bekenntnisverpflichtung verlangt wird.

Diese Behauptung schürt unnötige Ängste. Richtig ist, dass die FTA den deutschen Hochschulgesetzen entsprechend von ihren Studierenden zunächst einmal die Allgemeine Hochschulreife verlangt. Darüber hinaus wird (einer Empfehlung des Wissenschaftsrats folgend) „eine erkennbare fachspezifische Eignung hinsichtlich Motivation und Identifikation mit dem gewählten Studium und dem angestrebten geistlichen Beruf erfragt“ (Studienordnung § 3 Abs.

6). Außerdem ist zu bedenken, dass Privathochschulen grundsätzlich Freiheit in der Auswahl ihrer Studierenden haben.

8. Es wird behauptet, die FTA bekäme aufgrund der Hochschulgenehmigung Geld vom Land Hessen.

Diese Behauptung ist falsch und entbehrt jeder Grundlage. Richtig ist vielmehr, dass private Hochschulen grundsätzlich nicht vom Land finanziert werden. Das Land Hessen nahm 2002 den Antrag der FTA auf Hochschulanerkennung nur unter der Bedingung an, dass damit keine finanziellen Forderungen verbunden sind. Die FTA muss ihre gesamten Ausgaben weiterhin selbst bestreiten und ist dafür auf die Spenden eines breiten Freundeskreises angewiesen.

Zusammenfassung:

Mit den in den Punkten 1 -8 aufgestellten und zitierten Behauptungen soll offensichtlich der Eindruck erweckt werden, die FTA habe um den Preis der Anerkennung als wissenschaftliche Hochschule ihre Bekenntnisgrundlage verlassen und somit ihre Identität verändert.

Alle diese Behauptungen verdrehen die Tatsachen und sind daher zurückzuweisen. Richtig ist, dass an der FTA wie bisher auf der Grundlage eines bibeltreuen Bekenntnisses evangelikale Theologie in wissenschaftlicher Forschung und Lehre vertreten wird. Die FTA bietet ab Oktober als einzige akkreditierte Theologische Hochschule in Deutschland Abiturienten aus dem gesamten evangelikalen Spektrum eine den öffentlichen Hochschulen adäquate theologische Ausbildung mit anerkannten B.A.- und M.A.-Abschlüssen in evangelikaler Theologie.

 

Soweit die Stellungnahme der FTA vom 10.06.2008. Die Korrespondenz mit Herrn Dr. Stadelmann ergab, dass sich die FTA durchaus bewusst ist, dass ihr Wissenschaftsverständnis verschieden ist von demjenigen des für die Akkreditierung zuständigen Wissenschaftsrates. Ebenso ist sich die Freie Theologische Akademie bewusst, dass die Glaubensbasis der Akademie von ihr selbst anders beurteilt wird als vom Wissenschaftsrat. Während die Akademie, was auch im letzten BL bereits vermutet wurde, keineswegs ihre theologische Haltung geändert hat, sondern die Dozenten und die Fakultät weiterhin die Linie der Chicagoer Erklärung zur Verbalinspiration und Irrtumslosigkeit der Schrift vertritt, wenn auch jetzt nicht mehr so eindeutig  als direktes Bekenntnis zur CE formuliert, ist der Wissenschaftsrat der Ansicht, dass sich die theologische Haltung insgesamt geändert hat. Hier liegen die wohl vorprogrammierten Spannungen und Streitpunkte für die Zukunft. Denn spätestens in fünf Jahren, wenn der Wissenschaftsrat überprüft, in wieweit seine Vorgaben umgesetzt wurden, könnte es sein, dass er zu dem Schluss kommt, dass tatsächlich die FTA – was von allen bibeltreuen Christen erhofft wird – sich theologisch nicht geändert hat, etwa keine bibelkritischen Dozenten eingestellt hat, der Bibelkritik keinen Raum in der Lehre und Forschung gegeben hat. Und genau das könnte dann ganz konkret gefordert werden, um die Akkreditierung weiterhin aufrecht zu erhalten.

Die FTA, das sei dem Leser hier verdeutlicht, ist eine evangelikale, keine bibel- und bekenntnistreu lutherische Hochschule. Das zeigt auch der Umgang mit dem Bekenntnis, dass also eine Änderung der Bekenntnisgrundlage, etwa auch das direkte Bekenntnis zur CE, geändert wurde. Das ist im Luthertum eigentlich unmöglich; reformiertes Christentum – und die Evangelikalen sind mehr oder weniger stark davon geprägt, geben dem Bekenntnis keine so bedeutende Stellung, wie schon die Auslassungen von Siegfried Külling von der Freien Evangelisch-Theologischen Akademie (heute: Staatsunabhängige Theologische Hochschule) in Basel zeigten.

Es bleibt die problematische Situation, dass eine theologische Akademie sich, wie ich denke ohne Not, auf den Staat und sein von völlig anderen Kriterien geprägtes Wissenschaftsdenken eingelassen hat – und damit mittel- bis langfristig droht abhängig und schließlich verändert zu werden. Gerade in dieser letzten Zeit, in der die staatliche Macht sich immer offener antichristlich zeigt, sollten Christen es sich sehr genau überlegen, ob sie überhaupt Anerkennungen von staatlicher Seite benötigen. Auch um der konsequenten Trennung von Kirche und Staat willen und der nur damit garantierten Freiheit des Amtes des Wortes und der Lehre von staatlicher Bevormundung empfiehlt es sich, so unabhängig wie nur irgend möglich vom Staat zu wirken.

 

Aus dem Luthertum:

Hierarchische Tendenzen in der Missouri-Synode: Die Commission of Presidents (COP) in der Lutheran Church – Missouri Synod (LCMS) hat bei der Verfassungskommission (CCM) angefragt, ob es möglich wäre, dass die Gemeinden ihre Bylaws (Anhänge an die Gemeindeordnung, in denen unter anderem die Eigentumsverhältnisse an Gebäuden und Grundstücken geregelt werden) aussetzten, bzw. deren Ausübung auf die Synode übertrügen. Die Verfassungskommission sieht in einem solchen Vorgang kein Problem. Bereits im Juni 2008 hatte die Commission on Constitutional Matters angeregt, dass die Gemeindeversammlungen ihre Autorität auf die Pastoren übertragen sollten, damit die gemeindliche und vor allem die missionarische Arbeit effizienter ausgeübt werden könnte. Hintergrund ist ein Programm, das von Baptisten entwickelt wurde. Es geht dabei vor allem um 2000 der etwa 6000 Gemeinden der LCMS, die schon jetzt mehr oder weniger unter Aufsicht der Bezirke stehen. In diesen Gemeinden können diese Dinge relativ problemlos durchgeführt werden. Tatsächlich geht es darum, auf diesem Wege das Priestertum aller Gläubigen immer mehr zurück zu drängen und die hochkirchlichen Tendenzen, die in der LCMS immer mehr um sich greifen, auch im kirchlichen und gemeindlichen Leben umzusetzen. Mindestens ein Viertel aller Pastoren soll die irrige Auffassung vertreten, dass die Ordination im engeren Sinne ein Sakrament sei und dem Ordinierten besondere Gaben verleihe. Tatsächlich aber ist sie nichts weiter als eine Bestätigung der zuvor durch die Gemeinde, normalerweise unter Mitwirkung anderer Pastoren aus der Kirchengemeinschaft, ausgesprochenen Berufung. (nach: Reclaim News vom 19.08.2008)

    Gewiss ist es so, dass das Neue Testament uns keine Gemeindeordnung oder Kirchenverfassung vorschreibt. Außer dem, dass die Gemeinde den Dienst des Wortes, das Gemeindehirtenamt, unter sich aufrichten und für die missionarische Arbeit sorgen muss, und dass es alles ehrbar und ordentlich zugehen soll und Frauen nicht in das Hirtenamt berufen werden können, gibt es keine weiteren Anweisungen in der Bibel für die äußere Ordnung. Deshalb hatte auch P. Carl Ferdinand Wilhelm Walther bei der Synodalrede auf der ersten Synodalversammlung der Missouri-Synode 1848 ausgeführt, dass sie die Ordnung der Synode auch anders, eben etwa episkopal, hätten ausführen können, also mit Bischöfen, starker, hierarchischer Leitung. Aber dies ist bewusst nicht geschehen, weil dies das geistliche Leben immer mehr zum Erliegen gebracht und das Priestertum aller Gläubigen zurückgedrängt hätte. Vielmehr ging es den Vätern der damals bibel- und bekenntnistreuen Missouri-Synode darum, dass das Priestertum aller Gläubigen entfaltet wird und dass es keine Herrschaft des Amtes in der Gemeinde geben darf, ebenso auch keine Hierarchie in der Kirche. Vielmehr soll die Gemeindeversammlung als die Versammlung der Gemeindeglieder, vertreten durch die volljährigen männlichen Glieder, alles regeln, auch Lehrfragen erörtern. Alle übergemeindlichen Einrichtungen sollten dagegen nur beratende Funktion haben und der Gemeinde nichts befehlen können. (Nicht deshalb, weil etwa ein Synodalverband nicht Kirche sei, wie einige fälschlicherweise behaupten, denn allerdings ist auch die Gemeinschaft der Ortskirchen wiederum Kirche, sondern weil es dem geistlichen Leben in den Gemeinden und so auch der Gesamtkirche förderlicher ist, wenn die Gläubigen unter Leitung des Heiligen Geistes durch das Wort die Entscheidungen treffen. Wie ein Synodalverband geordnet ist, dafür gibt es ja keinerlei göttliche Ordnung, das ist iure humano, kommt also aus menschlicher Übereinkunft.) Es hat daher auch in der Missouri-Synode kein Eigentumsrecht des Verbandes an Gebäuden oder Liegenschaften der örtlichen Gemeinden gegeben, sondern dies war (und ist) alles im Besitz der Ortsgemeinde, die das selbstverständlich auch mitnimmt, wenn sie aus irgendeinem Grund den Synodalverband verlässt.

Hochkirchliche, romanisierende Tendenzen in der SELK: Wie sehr romanisierende oder hochkirchliche Tendenzen in der SELK um sich greifen, zeigt ein Vortrag, den Bischof Voigt zu dem Thema „Lutherische Identität“ bei der Lutherischen Laien-Liga gehalten hat. Dieser Vortrag war in einer Zusammenfassung abgedruckt im Gemeindebrief der Evang.-Luth. St.-Johannes-Gemeinde in Oberursel. Hier nun einige der Punkte mit Anmerkungen dazu:

1) So heißt es da, dass die "Reformation eine innerkatholische Reformbewegung" gewesen sei. Der Ausgangspunkt der Reformation war allerdings dies, innerkatholische Reformbewegung. Aber die römisch-katholische Kirche hat sich nicht hat reformieren, das heißt, zurückführen lassen auf den Grund der Apostel und Propheten, da Jesus Christus der Eckstein ist, und daher hat Rom sich selbst von der an die Heiligen Schrift gebundenen wahren christlichen Kirche getrennt hat. Es ist zwar noch ecclesia, aber doch ecclesia falsa, während die treu an Bibel und Bekenntnis gebundene evangelisch-lutherische Kirche (soweit sie wirklich sich unverkürzt an Schrift und Bekenntnis hält) wahre, rechtgläubige Kirche ist (nicht: alleinseligmachende).

2) Hinsichtlich der Beichte heißt es in der Zusammenfassung, Christus hätte sie geordnet. Wo steht das in der Bibel?  In Apologie XI,65 bekennt die lutherische Kirche, dass die Beichte als Bekenntnis der Sünden in Gegenwart eines Menschen nicht von Gott geboten ist.

Die Beichte wird von Bischof Voigt als eine "sakramentale Handlung" verstanden. Was ist damit gemeint? In keiner lutherischen Dogmatik ist dieser Begriff zu finden. Er ist nur aus der römisch-katholischen Dogmatik bekannt, wo er eine Handlung beschreibt, die durch die Kirche eingesetzt wurde, und durch die besondere Gaben weitergereicht würden. Der Begriff an sich ist unglücklich, da er für die Gemeindeglieder verwirrend ist und Dinge in die Nähe der Sakramente rückt, die doch aber Christus nicht eingesetzt hat.

 3) In diesem Zusammenhang heißt es dann in der Zusammenfassung weiter, dass die "vollmächtige Absolution" an die Ordination gebunden sei. Wo steht dies in der Bibel und dem lutherischen Bekenntnis? Im Tractatus ist in Par. 67 zu lesen, dass auch ein Laie einen anderen absolvieren kann. Dies leuchtet auch ein, da ja die Schlüsselgewalt allen Gläubigen, allen, die den Heiligen Geist haben, gegeben wurde, und diejenigen, die im öffentlichen Amt stehen, die Schlüsselgewalt nur von Gemeinschaftswegen ausüben, ohne dass damit die Gemeindeglieder sie verloren hätten. Luther schreibt ja auch, in seiner "Kurzen Vermahnung zur Beichte", dass alle Christen die Schlüssel haben.

4) Bei den Aussagen zum Abendmahl heißt es, dass die konsekrierten Elemente Christi Leib und Blut "bleiben". Welche biblische Aussage liegt dem zugrunde? Wie stimmt das mit der Aussage in der Konkordienformel überein, dass es außerhalb der Handlung kein Sakrament gibt? Biblische Lehre und Lehre der lutherischen Bekenntnisse ist vielmehr, dass außerhalb der sakramentalen Handlung – Konsekration, Austeilung, mündlicher Verzehr – es keine sakramentale Vereinigung gibt.

 6) Von der Ordination heißt es, dass sie nach "göttlichem Recht" sei. Wo gibt es im Neuen Testament dazu eine Anordnung, einen Befehl? (Ich gehe davon aus, dass "Ordination" hier im engeren Sinne gemeint ist, also die Segnung des zum Dienst Berufenen unter Handauflegung, und nicht der weitere Sinn, wie ihn Melanchthon in der Apologie verwendet, wo er vom öffentlichen Predigtamt insgesamt, mit Ausbildung, Berufung und Einsetzung spricht). Auch sagte Bischof Voigt, dass sie nicht nur als eine Bestätigungshandlung zu sehen sei. Was ist sie dann? Denn im Tractatus 70 ist zu lesen, dass sie eben eine öffentliche Bestätigung der Berufung ist und nicht irgendwelche besonderen Gaben verleiht. Auch 1. Tim. 4,14 kann nicht dafür herangezogen werden. Denn es heißt hier keineswegs, dass Timotheus durch die Handauflegung besondere Eigenschaften oder Gaben empfangen hätte. Vielmehr wurden die Gaben, die der Herr ihm verliehen hatte, nicht zuletzt auch durch den Unterricht in der Schrift, bekräftigt.

Bekenntnisluthertum und Lutherischer Weltbund (LWB): Die Evangelisch-Lutherische Kirche im Ingermanland (ELKIR) und die Evangelisch-Lutherische Kirche in Russland und anderen Staaten (ELKRAS) haben sich am 24. und 25.04.2008 in der Nähe von St. Petersburg getroffen, um Vorbereitungen zu treffen zur Bildung eines Nationalkomitees als Unterorganisation des Lutherisches Weltbundes. Beide Kirchen sind Mitglieder im LWB. Dabei liegt das Problematische unter anderem daran, dass die ELKIR zugleich in Kirchengemeinschaft mit der LCMS steht, die ihrerseits nicht Mitglied im LWB ist. Nach dem zweiten Weltkrieg, als der LWB gegründet wurde, hatten es die mit der damals noch bestehenden Evangelisch-Lutherischen Synodalkonferenz in Nordamerika verbundenen Kirchen ausdrücklich abgelehnt, Mitglied im LWB zu werden. Dies hatte mehrere Gründe: Der LWB verstand sich nie als bloße Konferenz, auf der Lehrfragen erörtert werden. Er hat auch nie eine wirklich biblische und bekenntnisgemäße Grundlage gehabt, da er die Verbalinspiration und Irrtumslosigkeit der Schrift von vornherein ablehnte, ebenso die uneingeschränkte Gültigkeit der lutherischen Bekenntnisse, nicht nur juristisch, sondern auch praktisch, nicht zur Bedingung machte (weshalb etwa auch Unionskirchen wie die Pommersche Evangelische Kirche (die erst vor kurzem aus der Evangelischen Kirche der Union ausgeschieden ist) Vollmitglied werden konnten, ebenso die Batak-Kirche in Indonesien, deren Theologie eine Mischung aus lutherischen und reformierten Elementen ist; die Evangelische Landeskirche in Baden, eine Unionskirche, ist Gastmitglied; alle sich lutherisch nennenden Landeskirchen in der Bundesrepublik Deutschland gehören dem LWB an, obwohl sie durch die Arnoldshainer Thesen und die Leuenberger Konkordie eindeutig zu Unionskirchen wurden und auch zuvor schon den offenen Altar praktizierten und Lehrzucht nicht mehr durchführten). Deshalb hat es der LWB von Anfang an nicht als seine Aufgabe angesehen, sich lutherisch nennende Kirchen, die Mitglied sind, dahin zu führen, dass sie wirklich bibel- und bekenntnistreu werden.

    Es ist ein Zeichen des theologischen Niedergangs der Missouri-Synode in den 1960er Jahren, dass etliche damals selbständig gewordene Missionskirchen sich dem LWB anschlossen, wie etwa die Evang.-Luth. Kirche in Nigeria, die Indische Evang.-Luth. Kirche, die Lutherische Kirche in Korea und wohl auch etliche in Lateinamerika. Nur die Lutherische Kirche-Hongkong-Synode ist inzwischen wieder ausgetreten. Die mit der SELK verbundene Evang.-Luth. Kirche in Baden ist auch Vollmitglied im LWB. Der LWB hat auf seiner Vollversammlung in Budapest 1984 beschlossen, dass die Mitgliedskirchen untereinander offiziell in Kirchengemeinschaft stehen (was durch gemeinsame Gottesdienste, gemeinsame Abendmahlsfeiern, gemeinsame Projekte im missionarischen und diakonischen Bereich schon längst praktiziert wurde). Es ist auch ein Zeichen der geistlich-theologischen Niedergangs, wenn unter diesen Vorzeichen die Selbständige Evangelisch-Lutherische Kirche (SELK) in Deutschland den Gaststatus beim LWB anstrebt und diejenige Kirche ist, die bemüht ist, die Kontakte und Verbindungen zwischen dem Internationalen Lutherischen Rat (ILR oder ILC) und dem LWB zu intensivieren. (Der ILR stellt die internationale Verbindung der mit der LCMS verbundenen Kirchen dar.)

 

Lebensrecht

Versuche, das Embryonenschutzgesetz aufzuweichen: Auf einer Tagung der SPD-nahen Friedrich-Ebert-Stiftung wurden Forderungen laut, das bisher sehr restriktive Embryonenschutzgesetz in der Bundesrepublik Deutschland aufzuweichen. Nach dem bisherigen Recht dürfen bei künstlicher Befruchtung nur drei Embryonen erzeugt werden, die dann auch einzupflanzen sind. So sollen „überschüssige“ Embryonen verhindert werden. Die Tendenz auf dieser Tagung ging nun dahin, einerseits mehr Embryonen zuzulassen, andererseits aber nur jeweils einen einzupflanzen, um dadurch Mehrlingsschwangerschaften entgegen zu wirken, weil bei denen das Risiko hoch sei, dass zumindest ein Teil der Babys sterben würden. Tatsächlich aber ist dies einerseits der Versuch, „überschüssige“ Embryonen zu Forschungszwecken zu erhalten – der Mensch als Versuchsobjekt – und andererseits große Familien zu verhindern, da sie nicht in die politische Landschaft passen. (nach: ALFA 35/2008)

Gendiagnostikgesetz: Das neue Gendiagnostikgesetz hat erhebliche Mängel, da es die Möglichkeit eröffnet, Kinder abzutreiben, wenn bei der „Diagnostik“ die Möglichkeit festgestellt werden sollte, dass der Mensch später z.B. an Alzheimer erkranken könnte. Ähnliches gilt anscheinend auch für andere schwere Krankheiten, die später auftreten könnten. (nach: ALFA 35/2008)

Abtreibungen in der Bundesrepublik Deutschland: Nach Angaben des Statistischen Bundesamtes in Wiesbaden wurden 2007 offiziell etwa 117.000 Kinder im Mutterleib ermordet. Fachleute, wie Professor Spieker aus Osnabrück, schätzen die tatsächliche Zahl aber doppelt so hoch ein. Seit der Freigabe der Abtreibung sind damit – nur die offiziellen Zahlen genommen – über 4,6 Millionen Kinder im Mutterleib bestialisch ermordet worden – ein zweiter Holocaust auf deutschem Boden. (nach: ALFA 35/2008) Dass Gott sich nicht spotten lässt und dieses Verbrechen auch seine sehr praktischen Auswirkungen hat, haben inzwischen auch Wirtschaftswissenschaftler festgestellt, die statistisch errechnet haben, dass dadurch auch etwa 200.000 Unternehmer nicht geboren und damit mindestens 1 Million zusätzlicher Arbeitsplätze nicht geschaffen wurden.

 

Religionsfreiheit, politisch-ideologische Tendenzen:

Christenverfolgung im ostindischen Bundesstaat Orissa: Wie in pro 36/2008, S. 18, berichtet wird, wird der ostindische Staat Orissa von einer Welle von Christenverfolgungen erschüttert. Nach unterschiedlichen Schätzungen sollen zwischen 13.000 und 50.000 Christen auf der Flucht sein. Äußerer Auslöser des Terrors war ein Attentat auf den Führer der hindu-nationalistischen Partei VHP, für das die Hindus Christen verantwortlich machen. Die Polizei geht dagegen davon aus, dass maoistische Terroristen dahinter stehen. Bisher wurden 558 Häuser und 17 Kirchen zerstört. Den Hinduextremisten ist es ein Dorn im Auge, dass immer mehr Menschen sich vom Hinduismus ab- und dem Christentum zuwenden, mancherorts bis zu 20 % der Bevölkerung, vor allem aus den unteren Kasten, die im Hinduismus verachtet und ausgegrenzt werden.

Religionsfreiheit und humanistischer Totalitarismus in Südafrika: Eine Holländisch-Reformierte Gemeinde in Südafrika hatte einen Musiker aus seinem Dienst entlassen, nachdem sich herausgestellt hatte, dass dieser Mann homosexuell ist und auch davon nicht lassen will. Aufgrund eines auch in der Republik Südafrika vorhandenen „Antidiskriminierungsgesetzes“ hat dieser Mann gegen die Entlassung vor Gericht geklagt und das Gericht hat ihm nun einen Schadensersatz zuerkannt und die Gemeinde aufgefordert, sich zu entschuldigen. Im Verlauf dieses Prozesses wurde vom Gericht klargestellt, dass die Gesetze des Staates höher einzuschätzen seien als die Religionsfreiheit. Die Holländisch-Reformierte Gemeinde hat noch nicht entschieden, wie sie auf das Urteil reagieren wird, sieht es aber als unmöglich an, sich für Gottes Wort zu entschuldigen. (Information durch Lothar Gassmann vom 03.09.2008)

Dieses Vorkommnis macht deutlich, wohin diese nicht zuletzt von der UNO und ihren Organisationen geförderte Politik führt, worauf sie auch abzielt: Alle biblisch vorgegebenen absoluten Werte und Ordnungen zu zerstören und dadurch dem Staat bzw. einem „Überstaat“ (über UNO und NATO) eine immer mehr anwachsende Macht zu übertragen. Diese immer mehr um sich greifende Kontrolle und Beeinflussung wird notwendig zu einer immer stärkeren Bedrängung der bibeltreuen Christen führen, bis hin zur Verfolgung. (Auch in Großbritannien wurde ein anglikanischer Bischof zu einer Geldstrafe verurteilt, weil er einen Homosexuellen nicht für die kirchlichen Jugendarbeit eingestellt hatte, woraufhin dieser vor Gericht geklagt hatte. nach: Kurier der Christlichen Mitte 7/2008, S. 2)

Gender-Ideologie in der Europäischen Union: Durchaus damit in geistiger Verbindung steht die Meldung, dass es in der Europäischen Union, initiiert durch eine Abgeordnete der Grünen im Europaparlament, eine weitere Verschärfung der Maßnahmen zur Durchsetzung der Gender-Ideologie geben soll. Zunächst handelt es sich hierbei um Darstellungen in der Werbung. Dabei geht es nicht nur darum, die zum Teil ja tatsächlich sexistischen Darstellungen zu unterbinden, sondern vielmehr auch, jegliche Darstellungen, die dazu führen könnten, dass Frauen oder Männer mit bestimmten Tätigkeiten, Aufgaben, Verhaltensweisen verbunden werden könnten, zu verbieten. Darüber hinaus soll insbesondere in allen Bereichen der Bildung jegliche geschlechterspezifische Darstellung unterbunden werden, um somit den Wahn durchzusetzen, es gäbe keine geschlechtsspezifischen Eigenschaften, Wesensmerkmale, Tätigkeiten, Aufgaben. Dahinter steht die von der Feministin Simone de Beauvoir vertretene Auffassung: ‚Man wird nicht als Frau geboren, sondern dazu gemacht.’ Dies schlägt der göttlichen Schöpfungsordnung direkt ins Gesicht, denn Gott hat den Menschen allerdings als Mann und als Frau geschaffen, von vornherein mit besonderen Wesensarten, Unterschieden und entsprechenden Aufgaben. Diese Gender-Ideologie ist letztlich eine Weiterführung marxistischer Auffassungen. Sie führt auch zur völligen Aushöhlung der sexuellen Moral und des Standes der Ehe. Sie steht nicht nur im massivem Widerspruch zur Lehre der Bibel, sondern ebenso auch zum natürlichen Recht, der natürlichen Ordnung, und das ist einer Art und Weise, wie es so, und vor allem auch global umfassend, wohl noch nie in der Menschheitsgeschichte der Fall war. Sie stellt ein eindeutig endzeitliches, widerchristliches Phänomen dar.

Familienpolitik in der Bundesrepublik Deutschland: Nach Aussagen des Potsdamer Professors für Wirtschafts- und Sozialwissenschaften Gerd Habermann findet in der Bundesrepublik eine „Familienverstaatlichung“ statt: Die Familie soll gezielt durch künstlich geschaffene staatliche Organisationen ersetzt werden. Er sieht darin keine wirklich neue Tendenz, sondern eine Fortführung dessen, was bereits im Kommunistischen Manifest 1848 angedacht wurde. Denn dort wurde gefordert, die Frau zu „befreien“, indem man ihre Bindung an die Familie und den privaten Haushalt lockert und dafür dann kollektive Organisationen einsetzt. Schon seit Jahrzehnten werden in der Bundesrepublik ja die der Frau von Gott gegebenen Aufgaben der Mutter und Hausfrau herabgesetzt und versucht, die Frau nach dem Leitbild und der Arbeitswelt der Männer auszurichten. Die jetzt von Ursula von der Leyen forcierte Politik erklärt Kinder zu einem Opfer für die Gesellschaft, zu etwas, wofür die Eltern von der Gesellschaft „entschädigt“ werden müssen. Die wahren Familienwerte werden ausgeblendet, dafür aber die Familie nur noch unter rein materialistischen Gesichtspunkten gesehen. Eine Frau, die sich nur um Familie und Heim kümmert, wird als minderwertig angesehen. Die Ziele, die von der Politik vorgegeben werden, sind Karriere und finanzieller Reichtum, „Selbstverwirklichung“.

    Die staatliche Erziehung der Kinder, angefangen mit den Kinderkrippen, wird unter dem Schlagwort des „Kindeswohls“ propagiert, einem sehr dehnbaren und für alles Mögliche einsetzbaren Begriff. Tatsächlich aber haben inzwischen selbst Wissenschaftler festgestellt, dass das Kind in seinen ersten Jahren an die Person, die es geboren hat, die Mutter, gebunden ist und sie gerade in ihren ersten Lebensjahren die absolute Sicherheit und Geborgenheit der Mutter und Eltern benötigen, um seelisch und körperlich gesund aufwachsen zu können. Tatsache ist, dass die Emotionen bei Krippenkindern verstümmeln, das soziale Empfinden geschwächt wird. In Schweden ist die Aggressivität bei Kindern und Jugendlichen, von denen ein großer Teil diese in der Bundesrepublik vorgesehene „Krippenerziehung“ genossen haben, erschreckend hoch.

    Hinter all diesen Politikansätzen steht die aufklärerische und kommunistische Gleichheits- und Machbarkeitsideologie, die auch schon in der Französischen Revolution herrschend war. Die faktische Gleichheit lässt sich aber, da sie in Wirklichkeit gar nicht vorhanden ist, nur durch staatliche Gewalt durchsetzen. Das heißt: Alle auf Gleichheit ausgerichteten politischen Systeme müssen Systeme der Unfreiheit sein, da sie ja schon in ihrem Ansatz den Ordnungen Gottes für Mann und Frau, für Eltern und Kinder widersprechen. (nach: pro, 3/2008, S. 6-8) Diese politischen Ansätze haben daher einen eindeutig totalitären Charakter und zielen auf die Vereinnahmung des Menschen durch den Staat. Sie stellen damit auch zugleich einen Angriff auf den biblischen Glauben dar, der den Unterschied zwischen Mann und Frau, die Aufgabe des Hauptes für den Mann, den Unterschied zwischen Eltern und Kindern lehrt und als oberste Autorität allein den dreieinigen Gott kennt.

Lissabon-Vertrag: Nach Aussage des emeritierten Professors Karl Albrecht Schachtschneider ermöglicht der Lissaboner Vertrag der Europäischen Union eine „grenzenlose Entdemokratisierung“. So hätten die Staats- und Regierungschefs das Recht, alle Bereiche der Politik, ausgenommen die Außen- und Sicherheitspolitik, ohne Zustimmung der Parlamente zu ändern. Die europäischen Völker werden durch diesen Vertrag entmachtet. Außerdem bietet dieser Vertrag die Möglichkeit, „bei drohender Kriegsgefahr“ Todesstrafe und Hinrichtungen einzuführen, ohne dass dies gegen die europäischen Grundrechte verstoßen würde. (nach: Topic, 8/2008, S. 6 f.) Auch hier zeigt sich, wie die Machtzusammenballung der antichristlichen Weltmächte immer mehr zunimmt. Wie die Süddeutsche Zeitung am 23.05.2008 im Zusammenhang mit der in Karlsruhe anhängigen Klage Peter Gauweilers gegen den EU-Vertrag berichtete, führt dieser Vertrag zu Aushöhlung der nationalen Souveränität und auch zur Verlagerung der juristischen Kompetenzen nach Luxemburg, das heißt, dass das Bundesverfassungsgericht als Schutzorgan der Grundrechte ebenfalls seine Stellung einbüßt. Der Verfassungsrichter Siegfried Broß hat in einem Festschrift-Beitrag festgestellt, dass sich die nationale Souveränität nur noch auf marginale Bereiche erstreckt.

Veränderung der Kultur: Die Südlichen Baptisten, eine ehe konservative evangelikale Kirche in den USA, sind der Ansicht, sie müssten „die amerikanische Kultur verändern“. Der Vorsitzende der Kommission für Ethik und Religionsfreiheit, Richard Land, meinte, die Kultur sei aus den Fugen geraten und evangelikale Christen müssten sich dafür einsetzen, sie zu verändern. Ähnliches war zu hören bei einem Treffen des Evangelischen Gnadauer Gemeinschaftsverbandes am 25.05.2008, in dem es hieß, die „Pietisten dürfen nicht bei einer ‚Jesus-Zentrierung’ stehen bleiben. Daraus muss eine Hinwendung zur Gesellschaft und zu den Nöten der Menschen erwachsen.“ (nach: Zeitruf 2/2008, S. 6)

    Diese Äußerungen lassen erkennen, dass die Trennung von Kirche und Staat vielfach nicht verstanden ist und dass vor allem der Reichs- und Missionsbefehl Christi auch in früher eher konservativen christlichen Kreisen mehr und mehr umgedeutet wird. Richtig ist, dass schon das Gebot der Nächstenliebe uns für die Not der Menschen um uns her sensibel machen sollte. Richtig ist auch, dass wir als Christen gerade der Bedrohung des Lebens in der modernen Gesellschaft durch Abtreibung, Euthanasie, Forschung an embryonalen Stammzellen, Präimplantationsdiagnostik uns entgegen zu stellen haben. Aber wir haben keinen biblischen Auftrag dazu, die Gesellschaft zu verändern. Dieses rein innerweltliche Verständnis fußt auf einer falschen Auffassung des Reiches Gottes, hängt nicht zuletzt auch zusammen mit der Irrlehre eines zukünftigen Tausendjährigen Friedensreiches auf Erden, das hier und jetzt vorbereitet werden müsste. Aber auch amillenialistische Kirchen haben oftmals ein innerweltliches Reich-Gottes-Verständnis, insbesondere die in der Tradition Johannes Calvins stehenden (man denke nur an sein totalitäres Staatsgebilde in Genf). Es wird dann die wahre Ursache aller Übel völlig übersehen, nämlich die Sünde, und dass daher nur Mission und Evangelisation zu wirklicher Veränderung führen kann, zuerst des Herzens des Einzelnen, dann auch der Umgebung, wenn viele Christen zusammen wirken. Hier liegt auch der tiefgreifende Unterschied zwischen dem Wirken von Johann Hinrich Wichern einerseits und dem heutigen Diakonischen Werk andererseits. Wichern hat sein Wirken als missionarisch, mit heutigen Ausdrücken könnte man auch sagen: sozial-missionarisch, gesehen und wollte die Menschen zum Glauben an Jesus Christus führen. Daher bezeichnete er das von ihm initiierte Wirken als „Innere Mission“. Heute steht allein der humanistisch-diakonische Aspekt im Vordergrund, weshalb das Werk schon Anfang der 1970er Jahre in „Diakonisches Werk“ umbenannt wurde. Der Auftrag der Kirche Jesu Christi ist die Verkündigung des Wortes, nicht Diakonie (sie ist vielmehr erst eine Frucht des Glaubens), schon gar nicht Politik, auch nicht Sozialpolitik, auch nicht Gesellschaftsveränderung.

 

Zur römisch-katholischen Kirche:

Rom und der Ablass: Wenn der Begriff „Ablass“ fällt, dann denken viele wohl sogleich an Johann Tetzel und den Ablasshandel im 16. Jahrhundert, der einer der Auslöser der Reformation, der Erneuerung der christlichen Kirche durch Martin Luther war. Aber es wäre völlig irrig anzunehmen, dass es heute keinen Ablass mehr gäbe. Im Gegenteil. Bis heute gehört der Ablass zum festen Bestandteil der römisch-katholischen Theologie. Erst am Sonntag Peter und Paul (29.06.2008) hat der derzeitige „Papst“ Benedikt XVI. mit der Einleitung des „Paulusjahres“ auch einen besonderen Ablass für Pilgerreisen in diesem Zusammenhang eröffnet. Wer an einer solchen Pilgerfahrt teilnimmt, hat Aussicht „auf einen vollkommenen Ablass nach den üblichen Bedingungen“. Wer vor dem Grab des Paulus ein Vaterunser bete, das Glaubensbekenntnis spreche sowie „Maria und Paulus im Gebet“ anrufe, werde den „vollkommenen Ablass“ erhalten. Solch ein Ablass befreie ‚wirklich von allen Sündenstrafen’. Was ist der Hintergrund dieser Lehre? Sie gründet in der römisch-katholischen Lehre von einem „Schatz der Sühneleistungen Christi und der Heiligen“, ein Schatz der von der Kirche, und zwar besonders dem Papst in Rom „autoritativ verwaltet“ wird. Mit dieser Lehre hängen also eine ganze Reihe Irrlehren zusammen: Da ist einmal die Behauptung, dass die Strafen für die Sünden nicht allesamt durch Christus getilgt seien, das Evangelium nicht vollkommene Gnade in Christus schenke, sondern dass die Kirche (und das meint bei Rom dann immer der Papst mit seiner Hierarchie) Richterin über die Menschen sei und ihnen Strafen zusprechen oder erlassen könne. Hiermit wird also die Lehre von der Rechtfertigung allein um Christi Verdienst willen, allein aus Gnaden, ergriffen allein durch den Glauben massiv angegriffen und die Heilsungewissheit gefördert. Außerdem wird behauptet, Menschen könnten zur Vollkommenheit in diesem Leben erlangen, ja, für andere noch „überschüssige Werke“ tun. Das widerspricht der biblischen Lehre, dass wir auch als durch das Evangelium wiedergeborene Christen immer Gerechtfertigte und Sünder zugleich sind und bleiben bis zu unserem Tode. Vor allem ist der Ablass ein Instrument der Werkgerechtigkeit, des Mitwirkens des Menschen an seine, wenn auch hier zeitlich verstandenen, Heils. Und, und hier kommt die besondere Infamie der römisch-katholischen Irrlehre hervor, der Ablass und die damit verbundene Lehre der zeitlichen Sündenstrafen, des Fegfeuers hängt engstens zusammen mit der römisch-katholischen Zwei-Stände-Lehre, nämlich dass es in der Gemeinde Jesu Christi zwei Klassen gebe, die herrschende, also die Hierarchie, und die Massen, die „einfachen Gläubigen“. Gewalt über die Gnadenmittel wie über den Ablass hat danach, wie es gerade beim Ablass deutlich wird, nur die Hierarchie, insbesondere das Papsttum. Zeitliches wie ewiges Heil hängt bei Rom also ab von Menschen, nämlich der Priesterhierarchie, ab. Der direkte Zugang zu Christus und der Fülle des Heils im Evangelium wird bei Rom den Menschen verwehrt.

    In der Theologie Roms, die Petrus wie Paulus zu verbinden sucht, wird dabei Petrus absolut in allem der Vorrang eingeräumt, ohne dass die Bibel einen solchen kennt oder gar einen Primat für die Kirche aller Zeiten lehrt. Die biblische Lehre, die gerade Paulus in seinen Briefen so hervorgehoben hat, von der freien Gnade, der freien Rechtfertigung ist auch bei dem jetzigen Papst in Rom völlig ausgeblendet. (nach einem Artikel von Friedrich Wilhelm Graf in der Süddeutschen Zeitung vom 28./29.06.2008, S. 13)

Rom und der Synkretismus: In den Sendungen über den „Weltjugendtag“ der römisch-katholischen Kirche ist unter anderem als bemerkenswert erwähnt worden, dass auch islamische Einrichtungen sich für die Teilnehmer geöffnet hätten. Dies wurde als besonderes Entgegenkommen des Islam dargestellt. Tatsächlich steht dahinter eine ökumenisch-synkretistische Linie Roms, die im Vorfeld dieses Ereignisses propagiert wurde. So erklärte der römische-katholische Bischof Fisher bei einem Besuch des australischen Parlaments, dass Australien eine kleine Nation sei und daher so ein Ereignis die Unterstützung der gesamten Gesellschaft brauche. Er lud daher „alle Religionen ein, am Weltjugendtag 2008 teil(zu)nehmen“. Er regte auch interreligiöse Treffen an und bat die anderen Religionen, eigene Gebäude für die Benutzung beim Weltjugendtag zur Verfügung zu stellen. Die Moslems sind darauf eingegangen, unter der Voraussetzung, dass „keine Bekehrungsversuche“ stattfinden. Darauf ist Rom wohl eingegangen. Der Synkretismus wurde bei diesem Ereignis noch verstärkt durch die heidnischen Praktiken der Aborigines, die mit ihrer Geisterverehrung und ihren heidnischen Symbolen teilnahmen. Die Umhänge der Kardinäle und Bischöfe bei diesem Ereignis sollen auf der Rückseite mit heidnischen Symbolen der Eingeborenen bedeckt gewesen sein, nach Catholic Weekly angeblich zur Darstellung des Heiligen Geistes. (nach: Zeitruf 2/2008, S. 5 f.)

    Diese Linie ist bereits im zweiten Vatikanischen Konzil vorgezeichnet worden und überhaupt in der Geschichte der römisch-katholischen Kirche immer wieder anzutreffen, nämlich die Verbindung mit dem Heidentum. Sie ist in den letzten Jahrzehnten verstärkt worden und zeigt die Tendenz, alle Religionen in einer vom Papst geleiteten Welteinheitsreligion einzufügen.

 

Islam und islamische Welt:

Großmoschee in Köln: Der Kölner Stadtrat hat in Anfang September 2008 mehrheitlich entschieden, dass die von der DITIB, einem verlängerten Arm des türkischen Staates, geplante Großmoschee im Stadtteil Ehrenfeld gebaut werden darf. Der Kölner Oberbürgermeister Schramma unterstützte diese Entscheidung mit dem Hinweis, die Moslems sollten nicht auf „Hinterhofmoscheen“ angewiesen sein.

Diese Entscheidung wirft gleich mehrere Fragen auf: Die eine ist die danach, ob die Moschee so groß sein muss. Sie kann klar mit „Nein“ beantwortet werden, wenn sie als rein religiöser Raum gedacht wäre. Aber das ist sie gar nicht. Und damit kommt gleich die nächste Frage auf, nämlich nach der Bedeutung der Moschee im Islam. Und da wird deutlich, dass es sich bei einer Moschee keineswegs um ein religiöses, ein sakrales Gebäude handelt, einem Kirchengebäude vergleichbar, sondern vielmehr um ein soziales und politisches Zentrum. Wiue pro 23/2007 auf S. 7 ausführte, hat Necla Kelek dies sehr deutlich herausgestellt. „Männer kommen dort zu Gebet und Geschäft zusammen.“ Die Moschee ist ein Multifunktionsgebäude. Und das hängt wiederum mit dem Islam zusammen, der eben nicht vergleichbar ist mit einer Religion im Sinne des Grundgesetzes, sondern den auch Frau Kelek als eine Weltanschauung beschreibt, die alltägliches Leben, Politik und Glauben vereint. Darum ist eine Moschee nach islamischer Anschauung immer auch ein politischer Ort. Die Freitagspredigten sind oftmals politische „Predigten“. Von den Moscheen aus wurde in den Krieg gezogen, da wurden Kriegspläne geschmiedet. Nicht wenige Moscheen haben auch als Waffenlager gedient und tun es noch heute. Moscheen bergen darum die eminente Gefahr in sich, Orte einer Gegengesellschaft zu werden. Sie dienen darum gerade nicht der so viel beschworenen „Integration“, sondern der Abschottung, Abgrenzung und einem Leben nach den Regeln der Scharia. Darauf hat auch die Islamwissenschaftlerin Christine Schirrmacher hingewiesen (pro 35/2007, S. 2). Pfarrer Eberhard Troeger hat darauf hingewiesen, dass nach islamischer Anschauung das Gebäude und das Grundstück einer Moschee nicht mehr an Nichtmoslems verkauft werden dürfe. Die Moschee in Ländern wie der Bundesrepublik Deutschland gilt als ein Stück „Haus der Islam“ innerhalb nichtmuslimischer Länder. Sie stellen eine deutliche Demonstration der Präsenz und Stärke des Islam dar. Dies wird besonders deutlich, wenn man sich die Namen vor Augen hält, die Moscheen tragen. So heißen viele Moscheen, etwa in Bremen, Pforzheim, Mannheim, Ingelheim, Duisburg, München Essen, „Fatih-Moschee“. Ganz Deutschland und Europa ist von einem Netz von „Fatih-Moscheen“ überzogen. Der Name ist nicht zufällig, er heißt „Eroberer“. Diese Moscheen sind benannt nach dem türkischen Sultan Mehmet II, einem ausgesprochenen Christenhasser, der 1453 Konstantinopel eroberte und seine Söldner drei Tage in der Stadt plündern und morden ließ; auch alle Christen, die sich in die christliche Kirche Hagia Sophia geflüchtet hatten, wurden mitsamt den Priestern ermordet. Andere Moscheen heißen „Tariq-Moscheen“ nach dem Berberfürsten Tarik, der 711 Spanien eroberte und bis nach Frankreich vordrang, wo er dann durch Karl Martell zurückgeschlagen werden konnte. Diese Namen verdeutlichen, worum es den Moslems geht: um die islamische Eroberung Europas (nach: Udo Ulfkotte: Ehrerbietung für Christenhasser. in: Zeitschrift „pro“ 4/2008, S. 26 f.)

Dies gilt in besonderer Weise für die völlig überdimensionierte Moschee in Köln-Ehrenfeld. Während der Architekt behauptet, die Kuppel soll ein Zeugnis für Transparenz sein, wies Frau Kelek darauf hin, dass sie viel eher zu dem Weltherrschafts- und –eroberungsanspruch des Islam passe.

Der jüdische Publizist Ralph Giordano, ein vehementer Kritiker der Kölner Moschee, der wegen seiner Kritik auch mehrere Morddrohungen aus wahrscheinlich islamistischem Umfeld bekam, erklärte in einer Fernsehsendung deutlich, dass die „Integration“ der Moslems gescheitert und die Scharia durch und durch grundgesetzwidrig ist. Er sieht die um sich greifende Tendenz zu einem vorauseilenden Gehorsam gegenüber dem Islam und eine Haltung, die immer erst danach fragt, ob durch die eine oder andere Handlung oder Äußerung Moslems verletzt werden könnten. (pro 23/2007, S. 6) Das ist genau die von den Moslems angestrebte „Dhimmisierung“ der nichtislamischen Gesellschaft, um so mehr und mehr die Macht auszuüben. (Was in dieser Hinsicht in den westlichen Ländern schon alles passiert, wird sehr aufschlussreich dargelegt in dem Buch: „Hurra, wir kapitulieren!“ von Henryk M. Broder dargestellt.)

Türkei und Religionsfreiheit: Das sogenannte „Paulusjahr“ wirft auch wieder ein Licht auf die Lage der christlichen Kirchen in der Türkei und macht deutlich, dass bis heute die Türkei keine Religionsfreiheit im abendländischen Sinne kennt. Christliche Kirchen können bis heute keine Rechtssubjekte in der Türkei werden, sie können daher auch keine Grundstücke erwerben oder Kapital bilden. Es ist rechtlich fast unmöglich, die bestehenden Kirchen zu renovieren, da dazu besondere Rechtstitel nachgewiesen werden müssen, die oftmals noch ins Osmanische Reich (Türkei vor 1920) zurück reichen. Neue Kirchen können überhaupt nicht gebaut werden; eine Ausnahme war jetzt eine Kirche für Ausländer an der Ägäisküste.

    Christen in der Türkei sind einem massiven Druck ausgesetzt; kehren Glieder christlicher Kirchen, die ins Ausland geflüchtet sind, zurück, wie dies hier und da geschieht, sind sie sogleich neuer massiver Bedrohung ausgesetzt. Christen können auch eine Vielzahl staatlicher Ämter nicht einnehmen, etwa Offiziersränge in der Armee, Gouverneur in den Provinzen.

    All dies ist nicht verwunderlich, da sich die Türkei, aller kemalistischen Ideologie zum Trotz (viele Beschränkungen sind übrigens auf Kemal Atatürk zurückzuführen), als islamische Nation versteht und der Islam keine Religion gleichberechtigt neben sich duldet, da er keine grundsätzliche Trennung von Religion und Staat kennt.

Christen und Moslems in Großbritannien: Was der Islam unter Religionsfreiheit versteht, oder, besser gesagt, dass er sie nicht kennt, zeigt ein Vorfall in Großbritannien: Der anglikanische Bischof von Rochester, Michael Nazir-Ali, der aus Pakistan stammt und von dort bereits wegen Morddrohungen fliehen musste, wird nun auch mitsamt seiner Familie in Großbritannien bedroht, weil er vor dem Islam warnt. (nach: Kurier der Christliche Mitte 7/2008, S. 2) Er hat unter anderem auch öffentlich gemacht, dass es inzwischen in Großbritannien Gebiete gibt, in die Nicht-Muslime nicht mehr gehen dürfen. (nach: Topic, 8/2008, S. 3)

    In Birmingham sind Christen von der Polizei gehindert worden, für ihren Glauben zu werben. Die Polizei warf ihnen „Rassismus“ vor, weil sie in einem „Muslim-Wohngebiet“ mit Faltblättern für ihren christlichen Glauben warben, was nicht sein dürfe. (nach: Topic, 8/2008, S. 3)

Christen in islamischen Ländern: Die Türkei ist kein Einzelfall, auch wenn es dort Christen noch vergleichsweise „gut“ geht. In Pakistan wird der Arzt Robin Sardar, der in einem von ihm gegründeten Hospital in Chack Chattah praktiziert, beschuldigt, Mohammed beleidigt zu haben. Dies wird vom Imam über den Lautsprecher der örtlichen Moschee verkündet und Rache, und zwar der Tod, gefordert. Daraufhin versammelte sich eine große Menschenmenge vor dem Haus. Christen aus der Umgebung alarmierten die Polizei – mit dem Resultat, dass die beiden Polizisten, die kamen, Sardar verhafteten, damit er im Gefängnis auf den Prozess wegen der angeblichen Beleidigung Mohammeds warte. Die Familie befindet sich an einem geheimen Ort. Das Blasphemiegesetz in Pakistan bedroht jede nur erdenkliche „Beleidigung“ des Islam, des Korans oder Mohammeds mit Strafe. Jeder noch so geringe Streit kann von Moslems dazu benutzt werden, den Gegner, wenn er Christ ist, mit diesem Gesetz anzuklagen. (So gilt auch dies als „Schändung des Koran“, wenn eine Zeitung verbrannt wird, in der ein Koranvers abgedruckt war.) (nach: Stimme der Märtyrer, 7/2008, S. 5)

    Ähnlich bedrohlich ist die Situation für Christen in Bangla Desh, besonders dann, wenn sie aus vom Islam zum christlichen Glauben übergetreten sind. Es kann vorkommen, dass die Häuser von Christen niedergebrannt werden, wobei es auch zu Toten kommt. Seit 1988 ist der Islam Staatsreligion in Bangla Desh. (nach: Stimme der Märtyrer, 7/2008, S. 7).

    In Aserbeidschan wird der baptistische Pastor Zaur Balayev, der erst im März nach einer zehnmonatigen Haft frei gekommen war, wieder von der Polizei bedroht. Regelmäßig tauchen Polizisten bei den Gottesdiensten auf und versuchen, sie zu verhindern. Auch seine Familie wird von der Polizei bedroht. (nach: Stimme der Märtyrer, 7/2008, S. 8)

    In Ägypten ist in letzter Zeit die Zahl der koptischen Christen, die Opfer von Anschlägen wurden, deutlich gestiegen. Die Polizei reagiert nicht auf Notrufe. Ende Mai wurden vier koptische Christen in Kairo bei einem gezielten Attentat erschossen. (nach: Stimme der Märtyrer 7/2008, S. 8 f.)

    Aus dem Irak wird unter anderem von einem ehemaligen Moslem berichtet, der durch eine Kinderbibel und dann die Bibel zum Glauben an Jesus Christus gekommen war. Nachdem er dies seiner Familie erzählt hatte, wurde er von ihr getötet. (nach: Stimme der Märtyrer, 8/2008, S. 12) Dies ist die für Moslems „normale“, im Koran und den Hadithen festgelegte Reaktion auf Religionswechsel weg vom Islam. Allein dies macht deutlich, wie unvereinbar der Islam mit dem abendländischen Freiheits- und Persönlichkeitsverständnis ist.

 

Literaturhinweis:

 

- Roland Sckerl: Louis Harms – der Erweckungsprediger in der Lüneburger Heide. Geheftet. 72 S. € 1,70. Durch Ludwig (Louis) Harms hatte Jesus Christus aus dem kleinen, bis dahin kaum jemandem bekannten Hermannsburg eine geistliche „Burg“ gemacht, ein Ort, der durch das Evangelium geistlich grundlegend erneuert und zum Ausgangspunkt eine intensiven lutherischen Gemeinde- und Kirchenmission wurde. Dabei war dieser Mann von seiner Jugend an körperlich krank – aber durch eine gründliche Bekehrung zu einem brennenden Werkzeug seines Heilandes geworden.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 



1 idea spektrum. H. 32. Wetzlar 1993. S. 12

2 So forderte der Vorsitzende des Ökumenischen Rates der Kirchen eine Öffnung für alle solche, 'die Gott bekennen' (vgl. Christian News. Vol. 31. No 23. New Haven, Mo. 1993. S. 1); der römische Papst hält Gebetsversammlungen u.a. mit Buddhisten und Hindus ab, in Deutschland finden Gebetstreffen zusammen mit Moslems statt. Inzwischen hat allerdings die Vereinigte Evangelisch-Lutherische Kirche in Deutschland (VELKD) festgestellt, dass es keine gemeinsamen Gebete mit Moslems geben kann.

3 vgl. Katechismus der katholischen Kirche. Deutsch. München, Wien, Leipzig ... 1993. S. 250. Nr 838

4 vgl. ebd. S. 383.384. Nr 1398

5 vgl. idea spektrum. H. 15. Wetzlar 1993. S. 15

6 vgl. Kongregation für die Glaubenslehre: Schreiben an die Bischöfe der katholischen Kirche über einige Aspekte der Kirche als Communio. in: Ökumenische Information. Nr 29. Bonn, Rom, Berlin ... 1992. S. 10

7 AS, T. II, IV,9; M 308; CT 472

8 Tract. 52; M 338.339; CT 518

9 KK, III,3; M 359; CT 546

10 Tract. 54; M 339; CT 518

11 AS, T. II, II,13.15; M 303; CT 466

12 Tract. 56; M 339; CT 520

13 Tract. 38; M 335; CT 514

14 ebd.

15 Tract. 41; M 336.337; CT 516

16 Tract. 42; M 337; CT 516

17 Tract. 52; M 338; CT 518

18 Tract. 58; M 339; CT 520

19 Tract. 59; M 340; CT 520

20 Tract. 72; M 342; CT 524

21 ebd.