Beständig in der Apostel Lehre und in der Gemeinschaft und im Brotbrechen und im Gebet! Apg. 2,42

DER BEKENNTNIS-

LUTHERANER

 

Lutherisches Blatt für Bibelchristentum.

Mit Zustimmung der Lutherischen Kirchen der Reformation (Lutheran Churches of the Reformation, LCR) herausgegeben von Roland Sckerl,  Leopoldstr. 1, D-76448 Durmersheim; Tel.:07245/83062; Fax: 07245/913886

e-mail: Sckerl@web.de; Internet: www.lutherische-bekenntnisgemeinde.de

16. Jahrgang 2008                                  Heft 2/2008

 

 

 

 

 

 

 

I N H A L T S V E R Z E I C H N I S

 

Unter Luthers Kanzel und Katheder

 Roland Sckerl: Die Grundlagen christlicher Ethik II: Sermon von den guten Wer-

   ken                                                                                                                                  3  

Unter Bibel und Bekenntnis                                                                                               

 Roland Sckerl: Die Lehre vom unfreien Willen und ihre Bedeutung für die

  missionarische Arbeit (Schluss)                                                                                    19

Zeichen der Zeit                                                                                                              32

 

 

 

 

 

 

 

UNTER LUTHERS KANZEL UND KATHEDER

 

 

Die Grundlagen christlicher Ethik II: Sermon von den guten Werken

 

Roland Sckerl

 

Martin Luthers „Sermon von den guten Werken“ aus dem Jahr 1520 gehört, wie die im gleichen Jahr erschienene Schrift „Von der Freiheit eines Christenmenschen“ zu den Grundwerken für eine biblische christliche Ethik. Gerade im Sermon von den guten Werken hat Luther sie auch anhand der zehn Gebote, die er darinnen ausführlich auslegt, ganz prakttisch dargelegt. Im Eingangsteil geht er, vorgegeben durch das erste Gebot wie auch durch die nötige Auseinandersetzung mit der Werkgerechtigkeit Roms, sehr ausführlich auf die Rechtfertigung allein durch den Glauben ein und entfaltet danach die konkreten Aussagen der Gebote, wobei der Schwerpunkt auf den Geboten der ersten Tafel (1.-3. Gebot) liegt, sowie auf dem ersten Gebot der zweiten Tafel (4. Gebot), während die anderen kürzer behandelt werden.

Die Bedeutung der Gebote für das christliche Leben und den christlichen Glauben hebt Luther gleich zu Beginn seiner Schrift hervor, wenn er betont, gegen die römischen Menschengesetze, dass nur dasjenige ein gutes Werk ist, was auch von Gott geboten ist – und dass es gerade aus diesem Grund so wichtig ist, die Gebote zu kennen, die Gott uns gegeben hat. „Zum ersten ist zu wissen, dass es keine andern guten Werke gibt, als allein die Gott geboten hat, gleichwie es keine Sünde gibt, als allein die Gott verboten hat. Darum, wer gute Werke wissen und tun will, der braucht nichts anders als Gottes Gebote wissen.“ (Luthers Werke. Hrsg. von Buchwald, Kawerau ...3. Aufl. Erste Folge. Berlin 1905. S. 6) Wie aber können wir die Gebote halten? Können wir es überhaupt? Luther betont, dass das höchste „Werk“ der Glaube an Christus ist, wobei auch der Glaube wiederum nicht etwas ist, was wir tun, Gott bringen, sondern was Gott durch das Evangelium uns schenkt. Nur dann, wenn die Werke aus dem Glauben getan werden, können sie Gott gefallen. „Das erste und höchste, alleredelste gute Werk ist der Glaube an Christus. ... Denn in diesem Werke müssen alle Werke gehen und ihrer Gutheit Einfluss, gleich wie ein Leben, von ihm empfangen.“ (ebd.) Ohne den Glauben sind dagegen alle Werke tot und missfallen Gott, wie gut sie auch vor den Menschen scheinen mögen. Gute Werke sind also nicht irgendwelche ausgefallenen Dinge, die sich die Menschen erdacht haben, wie etwa das Mönchtum oder Askese, sondern alles, was wir aus Glauben tun, im Glauben , gemäß den Geboten Gottes. „Also lehrt Prediger Salomo 9,7: ‚Gehe hin fröhlich, iss und trink und wisse, dass deine Werke Gott wohlgefallen. Allzeit lass dein Kleid weiß sein und das Öl deinem Haupte nimmer gebrechen. Genieße dein Leben mit deinem Weibe, das du lieb hast, an allen Tagen dieser unstetigen Zeit, die dir gegeben sind.’ ... Ist das wahr, so muss alles gut sein, was sie tun, oder bald vergeben sein, was sie Übels tun. Siehe da aber, warum ich den Glauben so hoch hebe, alle Werke hinein ziehe und alle Werke verwerfe, die nicht herausfließen.“ (ebd., S. 7.8) Das stimmt genau mit Römer 14 überein: „Alles, was nicht aus Glauben geschieht, das ist Sünde.“ „Von dem Glauben und keinem anderen Werk haben wir den Namen, dass wir Christgläubige heißen, als von dem Hauptwerk. Denn alle andern Werke mag ein Heide, Jude, Türke, Sünder auch tun; aber fest trauen, dass er Gott wohlgefalle, ist nur einem Christen, mit Gnaden erleuchtet und befestigt, möglich.“ (ebd. S. 8) Darum ist es allein der Glaube, der die Werke vor Gott würdig und wohlgefällig, angenehm macht. „Er macht doch allein alle andern Werke gut, angenehm und würdig damit, dass er Gott trauet und nicht zweifelt, es sei für ihn alles wohl getan, was der Mensch tut. ... Denn die Werke sind nicht um ihretwillen, sondern um des Glaubens willen angenehm, welcher einig und ohne Unterschied in allen und jeglichen Werken ist, wirkt und lebt, wie viele und verschieden sie immer sind.“ (ebd. S. 8.9) Darum ist im Glauben kein Unterschied zwischen den Werken, ob sie groß oder klein sind. Der Glaube hat vielmehr Lust zu allem, was Gott angenehm ist, denn er will Gott gefallen. Wo aber Zweifel da sind, da will man durch etwas Besonderes sich vor Gott darstellen und findet tatsächlich doch keine Ruhe, keinen Frieden. Glauben und Zuversicht, die machen alles köstlich, selbst das Leiden. „Aber welche Gott in solchem Leiden trauen und feste gute Zuversicht gegen ihn behalten, dass er über sie ein Wohlgefallen habe, denselben sind die Leiden und Widerwärtigkeiten eitel köstliche Verdienste und die edelsten Güter, die neimand zu schätzen vermag. Denn der Glaube und die Zuversicht machen alles köstlich vor Gott, was den andern das Allerschändlichste ist, wie auch vom Tod geschrieben steht im 116. Psalm: ‚Der Tod der Heiligen ist köstlich geachtet in Gottes Augen.’ So viel die Zuversicht und der Glaube in diesem Grad besser, höher und stärker ist gegen den ersten Grad, so viel übertreffen die Leiden in demselben Glauben alle Werke im Glauben. Also ist zwischen solchen Werken und Leiden ein unermesslicher Unterschied der Besserung.“ (ebd. S. 11)

Das erste Gebot sagt uns, dass wir alle Zuversicht, alles Zutrauen, allen Glauben einzig und allein auf Gott stellen sollen. Gott haben heißt, ihm herzlich in allem vertrauen. „Denn das heißt nicht, einen Gott haben, so du äußerlich mit dem Mund Gott nennest oder mit den Knien oder Gebärden anbetest, sondern so du ihm herzlich vertrauest und dich alles Gute, Gnaden und Wohlgefallen zu ihm versiehst, es sei in Werken oder Leiden, in Leben oder Sterben, in Lieb oder Leid.“ (ebd. S. 12 f.) Dieser Glaube, diese Zuversicht ist die rechte Erfüllung des ersten Gebotes. Ohne diesen Glauben sind alle Werke nur Heuchelei, Gleißnerei, Schein. „Das ist die Meinung S. Pauli an vielen Orten, wo er dem Glauben so viel gibt, dass er sagt: ‚Der gerechte Mensch hat sein Leben aus seinem Glauben, und der Glaube ist das, darum er als gerecht vor Gott geachtet wird. Stehet denn die Gerechtigkeit im Glauben, so ist es klar, dass er alle Gebote erfüllt und alle ihre Werke rechtfertig macht, weil ja niemand gerechtfertigt ist, er tue denn alle Gebote Gottes.’ Wiederum können die Werke niemand vor Gott rechtfertigen ohne den Glauben.“ (ebd. S. 14) Nur durch den Glauben bist du also ein lebendiges Kind Gottes. „Daraus merke selber, wie weit von einander es ist, das erste Gebot nur mit äußerlichen Werken und mit innerlichem Vertrauen erfüllen. Denn dieses macht recht lebendige Gottes Kinder, jenes macht nur ärgere Abgötterei und die schädlichsten Gleißner, die auf Erden sind, die unzählig viele Leute mit ihrem großen Schein in ihrer Weise führen und sie doch ohne Glauben bleiben lassen, dass sie jämmerlich verführt, in dem äußerlichen Geplärre und Gespenste stecken.“ (ebd. S. 16) Der Glaube ist es also, der die Werke recht macht. „Also muss auch der Glaube Werkmeister und Hauptmann in allen Werken sein, oder sie sind gar nichts.“ (ebd. S. 17) Durch den Glauben sind dem Christen alle Dinge frei, denn er braucht all diese Dinge nicht, um selig zu werden. Wenn also ein Christ sich auch Ordnungen unterwirft, die so nicht von Gott gefordert werden, so um des Friedens und um der Liebe willen, nicht weil er muss. Das ist die große innere Freiheit, die wir als Christen haben. „Hier sehen wir, dass alle Werke und Dinge einem Christen frei sind durch seinen Glauben; er aber doch, weil die andern noch nicht glauben, mit ihnen trägt und hält, wozu er nicht schuldig ist. Das tut er aber aus Freiheit, denn er ist gewiss, dass es Gott also wohlgefalle, und tut es gerne, nimmt es an wie ein anderes freies Weerk, das ihm ohne sein Erwählen auf die Hand stößt, weil er begehrt und nicht mehr sucht, denn wie er nur wirke Gott zu gefallen in seinem Glauben.“ (ebd. S. 19) Darum ist aber nicht alles, was ein Christ tut, auch recht vor Gott. Da bleibt immer noch die Sünde, ja, jedes Werk, auch das beste, das er ausübt, ist, für sich betrachtet, mit Sünde behaftet. Von uns aus können wir ja gar nicht gut sein; nur der Glaube rettet uns aus der Verdammnis. „Denn eben darum ist er das höchste Werk, das er auch bleibt und diese täglichen Sünden tilgt, damit dass er nicht zweifelt, Gott sei dir günstig, dass er solchem täglichen Fall und Gebrechlichkeit durch die Finger sieht. Ja, ob auch schon ein tödlicher Fall geschehe (das doch denen, so im Glauben und Gottvertrauen leben, nimmer oder selten widerfährt), so steht doch der Glaube wieder auf und zweifelt nicht, seine Sünde sei schon dahin; wie 1. Joh. 2,1 steht: ‚Das schreibe ich euch, liebe Kinder, auf dass ihr nicht sündiget. So aber jemand fällt, so haben wir einen Fürsprecher vor Gott, Jesus Christus, der da ist eine Vergebung für alle unsere Sünden.’ ... Ja, diese Zuversicht und Glaube muss also hoch und stark sein, dass der Mensch weiß, dass alle sein Leben und Werke eitel verdammliche Sünden vor Gottes Gericht sind, wie geschrieben steht Psalm 143,2: ‚Es wird vor dir kein lebender Mensch gerechtfertigt erfunden.’ Man muss an seinen Werken so verzweifeln, dass sie nicht anders gut sein können als durch diesen Glauben, der sich keines Gerichts, sondern lauter Gnade, Gunst, Huld und Barmherzigkeit versieht.“ (ebd. S. 20 f.) Nur aus Gottes Gnade und Barmherzigkeit werden also die Werke des Christen angenommen. „Siehe also aus Barmherzigkeit und Gnade Gottes, nicht aus ihrer Natur sind die Werke ohne Schuld vergeben und gut um des Glaubens willen, der sich auf dieselbe Barmherzigkeit verlässt. Also müssen wir der Werke halber uns fürchten, aber der Gnade Gottes halber uns trösten, wie geschrieben steht Psalm 147,11: ‚Gott hat einen gnädigen Wohlgefallen über die, so sich vor ihm fürchten und doch trauen auf seine Barmherzigkeit.’ Also beten wir mit ganzer Zuversicht ‚Vater unser’, und bitten doch: ‚vergib uns unsere Schuld’; sind Kinder und doch Sünder; sind angenehm und tun doch nicht genug. Das macht alles der Glaube, in Gottes Huld befestigt.“ (ebd. S. 21)

Der Glaube kommt also nicht aus den Werken, aus eigenem Verdienst, sondern allein aus Christus. „Darum hebt der Glaube nicht an den Werken an; sie machen ihn auch nicht, sondern er muss aus dem Blut, Wunden und Sterben Christi quellen und fließen.“ (ebd. S. 22) Wir haben aber Christus nur in der Bibel, nur durch das Wort des Evangeliums – darum kommt der Glaube aus dem Wort. „Also lesen wir noch nie, dass jemandem der heilige Geist gegeben sei, wenn er gewirkt hat; aber allezeit, wenn sie das Evangelium von Christus und die Barmherzigkeit Gottes gehört haben. Aus demselben Wort muss auch noch heute und allezeit der Glaube, und sonst nirgend, herkommen.“ (ebd.)

Die Werke sollen alle zu Gottes Ehre und zum Lob seines Namens sein. Aber unter sich verglichen, sind die Werke allerdings unterschiedlich gewichtet. So ist auch das erste Gebot von allen das wichtigste. Das zweite Gebot soll den Glauben stärken, es geht um die Ehre Gottes im Herzen. „Ebenso wird auch im zweiten Gebote geboten, wir sollen seinen Namen nicht unnütz gebrauchen. Doch will das nicht genug sein, sondern es wird darunter auch geboten, wir sollen seinen Namen ehren, anrufen, preisen, predigen und loben. Und zwar ist es nicht möglich, dass Gottes Namen nicht verunehrt werden sollte, wo er nicht recht geehrt wird. Denn ob er schon mit dem Munde Kniebeugen, Küssen und andern Gebärden geehrt wird, so das nicht im Herzen durch den Glauben an Gottes Huld und Zuversicht geschieht, so ist es doch nichts anderes als ein Schein und Farbe der Gleisnerei.“ (ebd. S. 23) Alles in unserem Leben soll uns dazu anreizen, anleiten, Gottes Namen zu loben. „Daher kommt das wunderliche und rechte Urteil Gottes, dass zuweilen ein armer Mensch, den niemand ansehen mag, viele und große Werke bei sich selbst in seinem Hause tut, Gott fröhlich lobt, wenn es ihm wohlgeht, oder mit ganzer Zuversicht anruft, so ihm etwas anstößt, und damit ein größeres und angenehmeres Werk tut als ein anderer, der viel fastet, betet, Kirchen stiftet, wallfahret und hier und da sich mit großen Taten bemüht.“ (ebd. S. 24) Dagegen sollen wir alle eigene Ehre weit wegschieben, auch nicht danach trachten, Ehre und Ansehen bei Menschen zu erwerben. „Darum ist das andere Werk dieses Gebotes, sich zu hüten, fliehen und zu meiden alle zeitliche Ehre und Lob, und nicht zu suchen seinen Namen, Gerücht und große Geschrei, dass jedermann von ihm singe und sage, welches gar eine gefährliche und doch die allergemeinste Sünde ist, und leider wenig beachtet. Es will jedermann etwas gesehen werden und nicht der Geringste sein, wie gering er auch immer ist. So tief ist die Natur in ihre eigenen Gutdünken und in ihr eigenes Vertrauen wider diese zwei ersten Gebote verböset.“ (ebd. S. 26)

Es geht also in diesem zweiten Gebot gerade auch um die Selbstverleugnung. Die heidnische Literatur sucht immer das Eigenlob zu fördern, Menschen zu verherrlichen. So soll es bei Christen nicht sein. Wer immer noch meint, hoch von sich halten zu müssen, der kann schnell von Gott in schwere Sünde fallen gelassen werden, damit er merkt, was wirklich in ihm drin ist – aber selbst damit will der Herr nur aufhelfen, bessern, wie wir an Petrus sehen.

Wenn wir nun wirklich die Gebote Gottes tun wollen, so haben wir damit mehr als genug zu tun. „Denn wir haben mehr als genug und zu viel zu schaffen, wenn wir Gottes Gebote allein genug tun sollen. Er hat uns solche Gebote gegeben, welche, so wir es verstehen, fürwahr keinen Augenblick müßig gehen dürfen und aller anderen Werke wohl vergessen machen könnten.“ (ebd. S. 30)

Gottes Namen heiligen heißt auch, ihn in deer Not anrufen. „Denn das achtet Gott als seinen Namen heiligen und groß ehren, so wir ihn in der Anfechtung und Not nennen und anrufen. Auch ist das die Ursache, warum er uns viel Not, Leiden, Anfechtung, auch den Tod zufügt, dazu noch in vielen bösen, sündigen Neigungen leben lässt, damit er dadurch den Menschen dringe und große Ursache gebe zu ihm zu laufen, zu schreien, seinen heiligen Namen anzurufen und also dies Werk des zweiten Gebots zu eerfüllen, wie er sagt Psalm 50,15: ‚Rufe mich an in deiner Not, so will ich dir helfen, so sollst du mich ehren; denn ein Opfer des Lobes will ich haben. Und dieses ist der Weg, dadurch du zu der Seligkeit kommen kannst.’“ (ebd.) Es geht, dass wir so täglich die Große Gottes in unserem Leben erfahren. Damit richet sich dieses Gebot auch gegen das Anrufen von Heiligen, gegen Beschwören, Zauberei und dergleichen, das ja alles Gottes Namen verunehrt. „Hier handeln nun die törichten Menschen gefährlich und besonders die eigenwerkischen Heiligen und was etwas besonderes sein will. Da lehren sie sich segnen; der verwahrt sich mit Briefen, der läuft zu den Weissagern; einer sucht dies, der andere das, damit sie nur dem Unfall entlaufen und sicher seien. Es ist nicht zu erzählen, was für ein teuflisches Gespenst in diesem Spiel regiert mit Zaubern, Beschwören, Missglauben. Alles geschieht darum, dass sie nur Gottes Namen nicht bedürfen und ihm nichts vertrauen. Hier geschieht dem Namen Gottes und beiden ersten Geboten große Unehre, dass man das bei dem Teufel, Menschen oder Kreaturen sucht, was allein bei Gott durch einen reinen, bloßen Glauben, Zuversicht und fröhliches Erwägen und Anrufen seines heiligen Namens gesucht und gefunden werden sollte.“ (ebd. S. 31 f.) So sündigt auch der gegen dieses Gebot, der auf seinen Reichtum sich verlässt.

Die Anfechtungen, die wir erleiden, sind vielfältig, nämlich von unserem Fleisch, das Lust haben will und auch wieder Ruhe; von der Welt, die uns Gut, Gunst, Ansehen, aber auch Gewalt und Ehre vor die Augen hält; und vor allem vom Teufel, der mit Hoffart, Ruhm, eigenem Wohlgefallen, Hochmut gegen andere Menschen kommt. All diese Anfechtungen lassen sich nur überwinden durch das Anrufen Gottes, nicht aber durch eigene Werke. „Denn die Sünde hat uns mit dreierlei starkem großen Heere umlagert. Das erste ist unser eigen Fleisch, das andere die Welt, das dritte der böse Geist. Durch diese werden wir ohne Unterlass getrieben und angefochten, damit uns Gott Ursache gibt ohne Unterlass, gute Werke zu tun, nämlich mit den Feinden und Sünden zu streiten. Das Fleisch sucht Lust und Ruhe, die welt sucht Gut, Gunst, Gewalt und Ehre, der böse Geist sucht Hoffart, Ruhm, eigen Wohlgefallen und anderer Leute Verachtung. Diese Stücke sind allesamt so mächtig, dass ein jegliches für sich selbst genug ist, einen Menschen zu bestreiten. Wir können sie doch in keiner Weise überwinden als allein mit Anrufen des heiligen Gottes Namen in einem festen Glauben, wie Salomo Sprüche 18,10 sagt: ‚Der Name Gottes ist ein fester Turm, der Gläubige flieht dahin und wird über alles erhaben,.’“ (ebd. S. 33)

Und wir sollen auch nicht mit Gottes Namen schwören, fluchen, lügen, trügen, zaubern. Vor allem aber: Es geht um die Wahrheit und gegen das Unrecht, das durch die Gewaltigen viele leiden müssen. Da sollen und dürfen wir auch nicht schweigen. Gott will vielmehr durch uns und mit uns Gutes tun. „Er will, dass wir mit ihm wirken, und tut uns die Ehre, dass er mit uns und durch uns sein Werk wirken will. Und ob wir solche Ehre nicht gebrauchen wollen, so wird er es doch allein ausrichten, den Armen helfen; und die ihn nicht haben wollen und die große Ehre seines Werkes verschmühen, wird er samt den Ungerechten verdammen, weil sie es mit dem Ungerechten gehalten haben.“ (ebd. S. 36) Dahin gehört auch, dass wir um Gottes Namen willen der Irrlehre widerstehen sollen. „Dieses Werkes Arbeit ist es auch, zu widerstreben allen falschen, verführerischen, irrigen, ketzerischen Lehren, allem Missbrauch geistlicher Gewalt.“ (ebd.)

Im dritten Gebot geht es nun darum, wie wir uns gegenüber Gott in den Werken verhalten sollen. „Im ersten ist geboten, wie sich unser Herz gegen Gott halten soll mit Gedanken; im zweiten, wie sich der Mund mit Worten. In diesem dritten wird geboten, wie wir uns gegen Gott halten sollen in Werken.“ (ebd. S. 38) Es geht dabei darum, dass wir nicht nur allgemein, äußerlich die Predigt hören, also im Gottesdienst körperlich anwesend sind, sondern dass wir zu unserer Besserung hören. Auch beim Abendmahl geht es darum, dass wir mit dem Herzen dabei sind. „In der Messe ist es not, dass wir auch mit dem Herzen dabei sind. Dann sind wir aber dabei, wenn wir den Glabuen im Herzen üben. Hier müssen wir die Worte Christi erzählen, da eer die Messe einsetzt und spricht: ‚Nehmet hin und esset, das ist mein Leichnam [Leib], der für euch gegeben wird.’ Desselbengleichen über den Kelch: ‚Nehmet hin und trinket alle daraus. Das ist ein neues, ewiges Testament in meinem Blut, das für euch und für viele vergossen wird zur Vergebung der Sünden. Das sollt ihr tun, so oft ihr es tut zu meinem Gedächtnis.’ In diesen Worten hat Christus sich ein Begehen oder Jahrtag gemacht, täglich ihm nach zu halten in aller Christenheit und hat ein herrliches, reiches, großes Testament dazu gemacht, darinnen nicht Zins, Geld oder zeitliches Gut beschieden und verordnet ist, sondern Vergebung aller Sünden, Gnade und Barmherzigkeit zum ewigen Leben, dass alle, die zu diesem Begehen kommen, dasselbe Testament haben sollen, und er ist darauf gestorben, dadurch solches Testament beständig und unwiderruflich geworden ist. Hiervon zum Zeichen und Urkunde anstatt Briefes und Siegel, hat er seinen eigenen Leichnam [Leib] und Blut unter dem Brot und Wein hier gelassen.“ (ebd. S. 39 f.) Und wir sollen hören und essen und trinken und glauben ohne zu zweifeln, gewiss sein, dass Christus uns auch im Abendmahl Vergebung der Sünden schenkt.

Die Predigt, wenn sie recht ist, ist Verkündigung des Testamentes, in Gesetz und Evangelium. Das Ziel ist, dass die Sünden uns leid werden und wir begierig werden nach dem Schatz, den Christus uns erworben hat. Bei dem Gebet geht es nicht um viele Worte, sondern dass wir von Herzen unsere tägliche Not zu Gott bringen und dabei gewiss sein, dass er uns erhört. „Man soll beten, nicht wie die Gewohnheit ist, viel Blätter oder Körnlein zählen, sondern man soll etliche anliegende Not vornehmen, dieselben mit ganzem Ernst begehren und darin den Glauben und die Zuversicht zu Gott also üben, dass wir nicht daran zweifeln, erhört zu werden.“ (ebd. S. 42) Rechtes Gebet ist daher immer getragen vom Glauben, also geprägt vom ersten Gebot. Das heißt auch: Gott keine Vorschriften machen, wann und wie er erhören soll – sondern es alles ihm überlassen. „Also sehen wir, dass dies Gebot gleich wie das zweite nichts anders sein soll, als Übung und Treiben des ersten Gebots, das ist des Glaubens, der Treue, Zuversicht, Hoffnung und Liebe zu Gott, damit das erste Gebot in allen Geboten der Hauptmann und der Glaube das Hauptwerk und das Leben aller anderen Werke sei, ohne welchen (wie gesagt) sie nicht gut sein können.“ (ebd. S. 44). Das Gebet muss also aus Glauben geschehen – und das ist die größte Arbeit, das höchste Werk. „Lass sie das Beten allein vor sich nehmen und sich im Glauben recht üben, so werden sie finden, dass er wahr sei, wie die heiligen Väter gesagt haben, dass es keine größere Arbeit gebe als das Beten ist. Mummeln mit dem Munde ist leicht, aber mit Ernst des Herzens den Worten folgen, in gründlicher Andacht es zu tun, das ist mit Begierde und Glauben, dass man ernstlich begehre, was die Worte sagen und nicht zu zweifeln, es werde erhöret: Das ist eine große Tat vor Gottes Augen.“ (ebd. S. 45)

Dieser Glaube kann immer wieder sehr angefochten werden. Und doch sollen wir darauf gerichtet sein, dass Gott erhören wird. Und gewiss sein: Ich darf alles bringen, was immer mich auch bedrückt. „Um meiner Würdigkeit willen fange ich nichts an, um meiner Unwürdigkeit willen lasse ich nichts nach, ich bitte und wirke allein darum, weil Gott aus seiner bloßen Güte allen Unwürdigen Erhörung und Gnade zugesagt hat, ja nicht allein zugesagt, sondern er hat auch aufs strengste bei seiner ewigen Ungnade und Zorn zu beten, zu vertrauen und zu nehmen geboten.“ (ebd. S. 46)

    Es ist ja so wichtig, dass wir immer wieder zu Gott kommen, weil wir Sünder sind. Gerade unser eigener geistlicher Schade wie auch der Schade der Kirche und des Volkes überhaupt sollen uns ins Gebet treiben, besonders, wenn wir alles bedenken anhand der zehn Gebote. „Wo unermesslich größere Not ist und ewiger Schaden, willst du nicht eher um Glauben, Hoffnung, Liebe, Demut, Gehorsam, Keuschheit, Sanftmütigkeit, Friede, Gerechtigkeit bitten, du seiest denn vorher ohne allen Unglauben, Zweifel, Hoffart, Ungehorsam, Unkeuschheit, Zorn, Geiz und Ungerechtigkeit. Je mehr du dich in diesen Stücken gebrechlich findest, je mehr und fleißiger sollst du beten oder schreien. ... Dieses soll geschehen für die Sammlung der ganzen Christenheit, für alle Not aller Menschen, von Feind und Freund, sonderlich für die Not einer jeglichen Pfarre oder Bistum.“ (ebd. S. 48)

Die Fürbitte ist also eine wichtige Sache. Und das gemeinsame Gebet, etwa im Gottesdienst, soll ja gerade eben ein Gebet sein nicht für sich selbst, sondern für andere. Und dieses gemeinsame Gebet ist die größte Kraft der Kirche. „Denn fürwahr, die christliche Kirche auf Erden hat keine größere Macht noch Werk als solches gemeinsame Gebet wider alles, was sie anstoßen mag. Das weiß der böse Geist wohl, darum tut er auch alles, was er vermag, dies Gebet zu verhindern.“ (ebd. S. 50) Darum ist die Fürbitte auch das wichtigste Werk, was du dem Nächsten tun kannst, besonders dann, wenn er geistliche Not leidet.

Was hat es nun mit dem Ruhen im dritten Gebot zu tun? Dieses Ruhen ist keineswegs absolut geboten, es geht vielmehr darum, Zeit zu haben für den Gottesdienst. „Die leibliche Feier oder Ruhe ist die, davon oben gesagt ist, dass wir unser Hauptwerk und Arbeit anstehen lassen, auf dass wir zur Kirche uns sammeln, Messe sehen, Gottes Wort hören und insgemein einträchtiglich bitten. Diese Feier ist wohl leiblich und in der Christenheit nicht von Gott geboten, wie der Apostel Kol. 2,16 sagt: ‚Lasst euch von niemand verpflichten zu irgendeinem Feiertage, denn dieselben sind vor Zeiten Figur [Schatten des Zukünftigen] gewesen.’ Nun aber ist die Wahrheit erfüllt, dass auch alle Tage Feiertage sind, wie Jesaja 66,23 sagt: ‚Es wird ein Feiertag am anderen sein; wiederum alle Tage Werktage.’ ... Die geistliche Feier, die Gott in diesem Gebot vornehmlich meint, ist, dass wir nicht allein die Arbeit und das Handwerk anstehen lassen, sondern vielmehr, dass wir allein Gott in uns wirken lassen und nichts Eigenes mit allen unseren Kräften wirken.“ (ebd. S. 55.56) Es geht also darum, dass Gott ins Raum bekommt, dass Christus in uns lebt und wir streiten gegen die Sünde, die in unserem Fleisch sich immer wieder bemerkbar macht. Es geht also darum, Fleisch, Sinn, Willen, Gedanken immer wieder mithilfe von Gottes Wort reinigen zu lassen.

So hat auch das Fasten seinen Sinn darin, die groben, bösen Lüste des Fleisches zu töten. Dazu gehören auch wachen, arbeiten, alles, was der Körper nötig hat. „Darum lasse ichs geschehen, dass sich ein jeglicher den Tag, Speise und Menge zu fasten erwähle, wie er will, sofern dass er es nicht dabei bleiben lasse, sondern Achtung auf sein Fleisch habe. Wie viel dasselbe geil und mutwillig ist, so viel lege er an Fasten, Wachen und Arbeit darauf und nicht mehr, es mögen Papst, Kirche, Bischof, Beichtiger oder wer da will geboten haben. Denn Maß und Regel der Fasten, des Wachens, der Arbeit soll niemand an der Speise Menge oder an Tagen nehmen, sondern nach Abgang und Zugang der Lust und des Mutwillens des Fleisches, um welcher willen allein, sie zu töten und zu dämpfen, das Fasten, Wachen und Arbeiten eingesetzt ist.“ (ebd. S. 59) Es darf also kein Gesetz aus dem Fasten gemacht werden. „Wo nun jemand fände, dass von Fischen sich mehr Mutwillen in seinem Fleisch als von Eiern und Fleisch erhebe, soll er Fleisch und nicht Fisch essen; wiederum, so er fände, dass ihm der Kopf wüst und toll oder der Leib und Magen verderbt würde vom Fasten, oder es nicht Not ist seinen Mutwillen im Fleisch zu töten, soll er das Fasten ganz anstehen lassen und essen, schlafen, müßig gehen, so viel ihm zu der Gesundheit not ist, unangesehen, ob es gegen der Kirche Gebot oder Gesetzen von Orden und Ständen sei.

Denn kein Gebot der Kirche, kein Gesetz eines Ordens kann das Fasten, Wachen und Arbeiten höher setzen oder treiben, als so viel und so weil es dienet, das Fleisch und seine Lüste zu dämpfen oder zu töten. Wo dies Ziel übergangen wird, und das Fasten, Speisen, Schlafen, Wachen höher getrieben wird als das Fleisch leiden kann oder zur Tötung der Lust not ist, und damit die Natur verdorben, der Kopf zerbrochen wird, da halte ihm niemand vor, dass er gute Werke getan habe oder entschuldige sich mit der Kirche Gebot oder Ordensgesetz. Er wird geachtet werden als einer, der sich selbst verwahrlost, und so viel an ihm ist, ist er sein eigner Mörder geworden.“ (ebd.) Es geht ja beim Fasten nicht darum, das natürliche Leben zu töten, sondern den Mutwillen. Das ist auch der Grund, warum Gott in unser Leben das Kreuz, Leiden, Not aber auch Arbeit ordnet, nämlich um den alten Menschen, den Menschen der Sünde immer mehr zu ertöten. „Darum, um solche unsere Werke und den Adam zu töten, schickt und Gott viel Anstöße über den Hals, die uns zu Zorn bewegen, viel Leiden, die uns zu Ungeduld reizen, zuletzt auch den Tod und Schmach der Welt. Damit sucht er nichts anderes als dass er Zorn, Ungeduld und Unfrieden austreibe und zu seinem Werke, das ist zum Frieden in uns komme. Also spricht Jesaja 28: ‚Er nimmt sich eines fremden Werkes an, auf dass er zu seinem eigenen Werke komme.’ Was ist das? Er schickt Leiden und Unfrieden zu, auf dass er uns lehre Geduld und Frieden zu haben; er heißt sterben, auf dass er lebendig mache, so lange bis der Mensch es durchgeübt, so friedsam und still werde, dass er nicht bewegt werde, es gehe ihm wohl oder übel, er sterbe oder lebe, er werde geehrt oder geschändet. ... Damit zeigt er an, dass es nicht köstlichere Dinge gebe als leiden, sterben und allerlei Unglück. Denn sie sind ein Heiligtum und heiligen den Menschen von seinen Werken zu Gottes Werke, gleichwie eine Kirche von natürlichen Werken zu Gottesdiensten geweihet wird. Darum soll er sie auch für ein Heiligtum erkennen, froh werden und Gott danken, so sie ihm kommen. Dennwenn sie kommen, so machen sie ihn heilig, dass er dies Gebot erfüllt und selig wird, erlöst von seinen sündlichen Werken.“ (ebd. S. 61.62)

Wenn dies alles recht betrachtet wird, so erkennt man, dass die ersten drei Gebote in dem, was Gott darinnen gebietet, zusammenhängen. „Darum siehe, ein wie hübscher güldener Ring sich aus diesen frei Geboten und ihren Werken selber macht, und wie aus dem ersten Gebot und Glauben das zweite bis ins dritte fließt; das dritte wiederum durch das zweite bis ins erste treibt. Denn das erste Werk ist glauben, ein gutes Herz und Zuversicht zu Gott haben. Daraus fließt das zweite gute Werk, Gottes Namen preisen, seine Gnade bekennen, ihm alle Ehre allein geben. Danach folgt das dritte: Gottesdienst üben mit beten, Predigt hören, dichten und trachten nach Gottes Wohltat, dazu sich kasteien und sein Fleisch zwingen.“ (ebd. S. 63) Und auch im Vaterunser beten wir letztlich darum, dass wir in Gottes Gebot und Willen gehen. „Diese Ordnung der guten Werke bitten wir im Vaterunser. Das erste ist, dass wir sagen: ‚Vater unser, der du bist im Himmel.’ Dieses sind Worte des ersten Werkes des Glaubens, der laut des ersten Gebotes nicht zweifelt, er habe einen gnädigen Gott und Vater im Himmel. Das zweite: ‚dein Name sei heilig’, darin wird der Glaube begehrt, Gottes Namen, Lob und Ehre gepriesen und angerufen in aller Notdurft, wie das zweite Gebot lautet. Das dritte: ‚zu uns komme dein Reich’. Darin bitten wir um den rechten Sabbath und Feierstille, Ruhe von unseren Werken, damit allein Gottes Werk in uns sei und also Gott in uns als in seinem eigenen Reich regiere, wie er sagt: ‚Nehmet wahr, Gottes Reich ist nirgends als in euch selbst.’

Das vierte Gebet: ‚Dein Wille geschehe.’ Darin bitten wir, dass wir die sieben Gebote der anderen Tafel halten und haben, in welchen auch der Glaube gegen den Nächsten geübt wird, gleichwie er in diesen dreien in Werken allein gegen Gott geübt ist. Und das sind die Gebete, darin das Wörtlein Du, Dein steht, dass dieselben nur suchen, was Gott angehört; die andern sagen alle: Unser, Uns, Unsern usw., denn wir bitten da unsere Güter und Seligkeit.“ (ebd. S. 64)

Das vierte Gebot zeigt uns, dass es kein besseres Werk gibt als Gehorsam gegenüber denen, die über uns gesetzt sind. „Aus diesem Gebot lernen wir, dass nach den hohen Werken der ersten drei Gebote kein besseres Werk sei als Gehorsam und Dienst gegen alle die, welche uns zur Obrigkeit gesetzt sind. Darum ist auch Ungehorsam eine größere Sünde als Totschlag, Unkeuschheit, Stehlen, Betrügen und was darinnen mag begriffen werden.“ (ebd.) Es geht also in der zweiten Tafel um die Werke, die wir dem Nächsten tun sollen. „So lehren uns diese sieben Gebote, wie wir uns gegen den Menschen in guten Werken üben sollen und zum ersten gegen unsere Obersten. Das erste Werk ist, wir wollen unsern leiblichen Vater und Mutter ehren. Diese Ehre stehet nicht allein darin, dass man sie mit Gebärden erzeigt, sondern dass man ihnen gehorsam sei, ihre Worte und Werke vor Augen habe, groß achte und etwas darauf gebe, sie recht haben lasse, was sie vorgeben, stillschweigen und leiden, wie sie mit uns handeln, wo es nicht wider die ersten drei Gebote ist, dazu wo sie es bedürfen, sie mit Speise, Kleid und Haus versorgen.“ (ebd. S. 65) Hier geht es also um mehr als nur um lieben, hier geht es um ehren, und da ist immer Furcht mit dabei, Ehrfurcht. Und das bezieht sich nicht nur auf die leiblichen Eltern, sondern alle, die über uns gesetzt sind. „Was aber von den Eltern geboten und gesagt wird, soll auch, wenn die Eltern gestorben oder nicht gegenwärtig sind, von denen verstanden sein, die an ihrer Statt sind, als da sind Freunde, Gevattern, Paten, weltliche Herrn und geistliche Väter. Denn es muss ein jeglicher regiert werden und andern Menschen untertan sein.“ (ebd. S. 66)

Schlimm ist es daher, wenn einem Kind sein Wille gelassen wird, wenn es tun und lassen kann, was ihm gefällt. Dadurch verfällt es dann auf weltliche Ehre, Lust und Güter. Solch ein Kind lebt daher nicht mit dem lebendigen Gott, sondern dient seinen Abgöttern. Damit wendet Luther sich z.B. nicht gegen Schmuck, wenn jemand ihn tragen kann, ohne mit dem Herzen daran zu hängen (vgl. S. 66-68).

Die Eltern haben damit alle Hände voll zu tun, um durch die Erziehung ihrer Kinder sich in guten Werken zu üben. „Also ist’s wahr, wie man sagt, dass die Eltern, wenn sie auch sonst nichts zu tun hätten, an ihren eigenen Kindern die Seligkeit erlangen können; so sie diese recht zu Gottesdienst ziehen, haben sie fürwahr beide Hände voll guter Werke vor sich. Denn was gelten hier die Hungrigen, Durstigen, Nackten, Gefangenen, Kranken, Fremdlinge gegen deiner eigenen Kinder Seelen, mit welchen dir Gott aus deinem Hause ein Spital macht und dich ihnen zum Spitalmeister setzt, dass du ihrer warten sollst, sie mit guten Worten und Werken speisen und tränken, dass sie lernen Gott zu trauen, glauben und zu fürchten, ihre Hoffnung in ihn zu setzen, seinen Namen zu ehren, nicht zu schwören noch zu fluchen, sich zu kasteien mit beten, fasten, wachen, arbeiten, Gottesdienstes und Wortes warten und den Sabbath zu feiern, dass sie zeitliche Dinge verachten lernen, Unglück sanft tragen und den Tod nicht fürchten, dies Leben nicht lieb haben.

Siehe, welch große Lektionen das sind, wie viele gute Werke du für dich in deinem Hause hast an deinem Kind, das aller solcher Dinge bedarf, wie eine hungrige, durstige, bloße, arme, gefangene, kranke Seele. O welch eine selige Ehe und Haus wäre das, wo solche Eltern innen wären!“ (ebd. S. 68 f.) Diese Werke, als von Gott wahrhaftig geboten, sind besser als alle Wallfahrten, Heiligenerhebungen, Ablass und Jahrmarkt, was alles kein Wort Gottes für sich hat. Dieser Weg aber kann recht nur im Glauben gegangen werden. „Wie nun in den anderen Geboten gesagt ist, dass sie im Hauptwerk gehen sollen, also auch hier. Es soll niemand denken, dass seine Zucht und Lehre bei den Kindern selbst genugsam sei, es sei denn, dass es in Zuversicht und göttlicher Huld geschehe, dass der Mensch nicht daran zweifle, er gefalle Gott in den Werken wohl und lasse sich solche Werke nichts anderes sein als eine Ermahnung und Übung seines Glaubens, Gott zu trauen und sich Gutes zu ihm und gnädigen Willen zu versehen. Ohne diesen Glauben lebt kein Werk, noch ist es gut und angenehm. Denn viele Heiden haben ihre Kinder hübsch erzogen: Aber es ist alles verloren um des Unglaubens willen.“ (ebd. S. 70)

Dieses Gebot, das weist Luther weiter nach, spricht aber nicht nur von dem Verhältnis von Eltern und Kindern in der Familie, sondern es geht hier auch um die Obrigkeit, die über uns gesetzt ist im Staat. Hier beklagt er zunächst, dass die „geistliche Obrigkeit“ durch den kirchlichen Verfall abhanden gekommen ist, dass also ein wirklich geistliches Regiment in der Kirche nicht mehr vorhanden ist. (Heute sieht es vielfach sehr ähnlich aus, da Gottes Wort nicht mehr rein und lauter getrieben wird und die Kirchenleitungen gegen die Irrlehre nicht mehr vorgehen.) (vgl. S. 71)

Der Obrigkeit sind wir Gehorsam schuldig, aber nur so weit, wie sie nichts gegen Gottes Gebot gebietet. Wo sie aber gegen Gottes Gebot handelt und etwa gar noch unter dem Namen Gottes Böses verlangt, müssen wir ihr widerstehen, sei es in der Kirche oder im Staat. Die Gefahr, die von den Verführern in der Kirche ausgeht, ist dabei größer als die äußere Gefahr, die von den Landesfeinden droht, weil von den Irrlehrern die Christenheit verdorben wird. (vgl. S. 75) Wie Luther es dann in seinem Sendschreiben „An den christlichen Adel deutscher Nation von des christlichen Standes Besserung“ noch ausführlicher behandelt hat, ruft er auch hier die Obrigkeit auf, sich für eine Reformation der Kirche einzusetzen, da von den Kirchenleitungen selbst sie nicht kommt. (Dabei ist zu bedenken, dass damals die Obrigkeiten noch aktive Glieder der Kirche waren und von daher Verantwortung trugen.) „Sondern das wäre das beste und das das einzige überbleibende Mittel, so König, Fürsten, Adel, Städte und Gemeinde selbst anfingen und der Sache ein Ende machten, auf dass die Bischöfe und Geistlichen (die sich jetzt fürchten) zu folgen Ursache hätten. Denn hier soll und muss man nichts anderes ansehen als Gottes erste drei Gebote, wider welche weder Rom, noch Himmel, noch Erde etwas gebieten oder wehren können. An dem Bann oder drohen liegt nichts, womit sie solches zu erwehren meinen, ebenso wie nichts daran liegt, ob ein toller Vater seinem Sohn droht, so er ihm wehrt oder fängt.“ (ebd. S. 75)

„Das dritte Werk dieses Gebots ist der weltlichen Obrigkeit gehorsam zu sein, wie Paulus Röm. 13 und Tit. 1 lehrt und Petrus 1. Petr. 2,13: ‚Seid untertan dem König als dem Obersten und den Fürsten als seinen Gesandten und allen Ordnungen weltlicher Gewalt.’“ (ebd.) Die Obrigkeit ihrerseits soll die Untertanen schützen, Dieberei, Räuberei, Ehebruch strafen. Auch derjenigen Obrigkeit, die Unrecht tut, sollen wir noch gehorsam sein (ohne aber selbst am Unrecht mitzuwirken). Ja, wir müssen sogar uns hüten, böse von der Obrigkeit zu reden, denn auch das ist Sünde. Etwas anderes ist es, wenn sie den Glauben angreift, da gilt es unbedingt zu widerstehen. Sonst wird alles in einem großen Unglück enden. Dies gilt auch wieder besonders im Blick auf die, die in der Kirche Verantwortung haben. „Aber die geistliche Gewalt schadet nicht allein, wenn sie Unrecht tut, sondern auch, wenn sie ihr Amt anstehen lässt und etwas anderes tut, wenn dasselbe auch gleich besser wäre als die allerbesten Werke der weltlichen Gewalt. Darum muss man sich wider sie sträuben, wenn sie nicht recht tut, und nicht wider die weltliche, ob sie gleich Unrecht tut.“ (ebd. S. 76) Eine schlechte Regierung, das betont Luther, ist eine der größten Plagen, Jes. 3,4, und bringt das Land ins Verderben an Leib, Gut, Ehre, Zucht, Tugend und der Sachen Seligkeit. (Das ist auch wieder zu merken am geistlichen, geistigen und moralischen Niedergang Deutschlands seit dem 18. Jahrhundert.) Eigentlich sollte die Geschichte mit ihren vielen Lebensbeispielen der beste Lehrmeister für die Herrschaft sein (übrigens auch die Kirchengeschichte für die Christen). „Darum wäre es das allernützlichste für die Herrschaften, dass sie von Jugend auf die Historien lesen oder sich vorlesen ließen, beide heilige und heidnische Bücher, darin sie mehr Beispiele und Kunst zu regieren fänden als in allen Rechtsbüchern; wie man liest, dass die Könige von Perserland getan haben, Esther 6. Denn Beispiel und Historien geben und lehren allezeit mehr als die Gesetze und das Recht; dort lehret die gewisse Erfahrung, hier lehren die unerfahrenen und ungewissen Worte.“ (ebd. S. 78) Aufgabe der Obrigkeit ist es, der öffentlichen Sünde, etwa der Hurerei, zu wehren.

In dieses vierte Gebot gehört auch der Gehorsam der Arbeitnehmer gegenüber den Vorgesetzten – und zwar aus Glauben gegenüber dem dreieinigen Gott. „Das vierte Werk dieses Gebotes ist der Gehorsam des Gesindes und der Werkleute gegen ihre Herren, Frauen, Meister und Meisterin. Davon sagt St. Paulus Tit. 2: ‚Du sollst den Knechten oder Dienern predigen, dass sie ihre Herren in allen Ehren halten, ihnen gehorsam seien, tun, was ihnen gefällt, sie nicht betrügen noch ihnen widerstreben, auch darum, weil sie damit der Lehre Christi und unserem Glauben einen guten Namen machen, dass die Heiden nicht über uns klagen können und sich ärgern.’ Auch St. Petrus 2,18 spricht: ‚Ihr Knechte sollt gehorsam sein euren Herren um der Gottesfurcht willen, nicht allein den gütigen und sanften, sondern auch den wunderlichen und unschlachtigen, denn das ist ein angenehmes Ding vor Gott, so jemand Unlust mit Unschuld leidet.’... Sie dürfen fürwahr nicht viel wallen, dies oder das tun, haben genug zu tun, wenn ihr Herz nur dahin gerichtet steht, dass sie gern tun und lassen, was ihren Herren und Frauen gefällig ist, und dasselbe alles in einem einfältigen Glauben, nicht dass sie durch die Werke groß verdienen wollten, sondern dass sie das alles in göttlicher Huld und Zuversicht (darin alle Verdienste stehen) lauter und umsonst tun aus Liebe und Gunst zu Gott. Aus solcher Zuversicht sollen solche Werke alle erwachsen und eine Übung und Vermahnung sein, solchen Glauben und Zuversicht immer mehr und mehr zu stärken. Denn wie nun vielmal gesagt ist: Dieser Glaube macht alle Werke gut; ja, er muss sie tun und der Werkmeister sein.“ (ebd. S. 80 f.) Die Vorgesetzten dagegen sollen nicht zu streng sein. „Alles, aber, was von diesen Werken gesagt ist, ist in den zweien begriffen: Gehorsam und Sorgfältigkeit. Gehorsam gebührt den Untertanen, Sorgfältigkeit den Oberherren, dass sie Fleiß haben, ihre Untertanen wohl zu regieren, lieblich mit ihnen zu handeln und alles zu tun, damit sie ihnen nützlich und hilfreich seien. Das ist ihr Weg zum Himmel und ihr bestes Werk, das sie auf Erden tun können.“ (ebd. S. 81)

Der Gehorsam aber findet da seine Grenze, wo etwas gegen Gottes Gebot angeordnet wird, denn Gott sollen wir mehr gehorchen als den Menschen. „Wo es aber käme, wie oft geschieht, dass weltliche Gewalt und Obrigkeit, wie sie heißen, einem Untertanen wider die Gebote Gottes dringen würden oder daran hindern, da geht der Gehorsam aus und ist die Pflicht schon aufgehoben. Hier muss man sagen, wie St. Petrus zu den Fürsten der Juden sagt: ‚Man muss Gott mehr gehorsam sein als den Menschen.’ Er sprach nicht: Man muss den Menschen nicht gehorsam sein, denn das wäre falsch, sondern Gott mehr als den Menschen. So wenn ein Fürst kriegen wolle, der eine öffentliche unrechte Sache hätte, dem soll man gar nicht folgen noch helfen, weil Gott geboten hat, wir sollen unseren Nächsten nicht töten noch Unrecht tun. Ebenso so er ein falsches Zeugnis geben hieße, rauben, lügen oder betrügen und desgleichen. Hier soll man eher Gut, Ehre, Leib und Leben fahren lassen, auf dass Gottes Gebot bleibe.“ (ebd. S. 83)

 

Während es in den ersten vier Geboten um die rechte Demut geht, so handeln die nachfolgenden von den Begierden und Wollüsten, die bekämpft werden sollen. „Diese vier vergangenen Gebote haben ihre Werke in der Vernunft, das heißt, dass sie den Menschen gefangen nehmen, regieren und untertan machen, auf dass er sich selbst nicht regiere, nicht sich gut dünke, nicht etwas von sich selbst halte, sondern sich demütig erkenne und führen lasse, damit die Hoffart erwehrt wird. Diese nachfolgenden Gebote handeln mit den Begierden und Wollüsten des Menschen, sie auch zu töten.“ (ebd.)

Im fünften Gebot geht es um das Werk der Sanftmut. Rechte Sanftmütigkeit ist nach Luther da, wo man auch dann im Frieden bleibt, wenn es einem selbst nicht gut geht. „Die andere Sanftmütigkeit ist gründlich gut. Sie zeigt sich gegen die Widersacher und Feinde; schadet denselben nichts, rächt sich nicht, flucht nicht, lästert nicht, redet nichts Übles nach, denkt nichts Übles wider sie, ob sie gleich Gut, Ehre, Leib, Freund und alles genommen hätten. Ja, wo sie mag, tut sie ihnen Gutes für das Böse, redet ihnen das beste nach, gedenkt ihrer am besten, bittet für sie. Davon sagt Christus Matth. 5,44: ‚Tut wohl denen, die euch Leid tun, bittet für eure Verfolger und Lästerer.’“ (ebd. S. 84) Mit den guten Werken an den Feinden hat eigentlich jeder Mensch mehr als genug zu tun. „Er nehme seinen Feind vor sich, bilde denselben stetig vor seines Herzens Auge zu solcher Übung, dass er sich daran breche und sein Herz gewöhne, freundlich von demselben zu denken, ihm das beste zu gönnen, für ihn zu sorgen und zu bitten; danach, wo die Zeit ist, wohl von ihm zu reden und wohlzutun.“ (ebd. S. 84 f.)

Die Sanftmütigkeit ist wichtig und gut, aber sie darf nicht dahin führen, dass die Obrigkeit meine, sie könne ihr Amt vernachlässigen. Denn bei ihr geht es um Gottes Ehre und Gebot und darum, Schaden und Unrecht, den der Nächste erleiden könnte, zu wehren.

Im sechsten Gebot geht es um die Reinigkeit der Keuschheit, womit allein wir schon genug zu tun haben, weil gerade in diesem Bereich das Laster, die Sünde sehr wütet. „Nun, wenn nicht mehr Werke geboten wären als die Keuschheit allein, wir hätten alle genug zu schaffen daran, so ein gefährlich wütendes Laster ist es. Denn es tobt in allen Gliedmaßen, im herzen mit Gedanken, in den Augen mit dem Gesicht, in den Ohren mit dem Hören, im Mund mit Worten, in den Händen, Füßen und ganzem Leib mit den Werken. Solches alles zu zwingen, will Arbeit und Mühe haben.“ (ebd. S. 86 f.)

Den Leib aber zu zwingen, das braucht sehr viel Mühe. Darum empfiehlt Luther dazu Fasten, Mäßigkeit in Essen und Trinken, dann wachen, arbeiten, viel Mühe, damit so die Unkeuschheit gedämpft werden kann. Er gibt sich dabei keiner Illusion hin, dass sie völlig ausgemerzt werden könne. Da sie in der gefallenen Natur darinnen liegt, ist das nicht möglich. Die stärksten Waffen gegen die Unkeuschheit sind Gottes Gebot und Wort. Welche Mittel die Person nun anwende, da muss jeder selbst prüfen, was für ihn richtig und hilfreich sei; denn was dem einen hilft, das kann dem anderen gar nicht helfen, vielleicht sogar schaden. Deshalb hat Luther die Fastengebote nicht für sinnvoll gehalten, so sehr er auch das Fasten als Waffe gegen die Unkeuschheit betonte – aber nicht jedem hilft es.

Das siebente Gebot wendet sich gegen den Geiz, Wucher, Überteuerung, gegen falsche Waren, falsche Maße und Gewichte. Denn der natürliche, gefallene Mensch sucht überall nur seinen Vorteil, und sei es zum Nachteil des Nächsten. „Das Gebot hat auch ein Werk, welches gar viele gute Werke in sich begreift und vielen Lastern zuwider ist. Es heißt auf Deutsch Milde. Das Werk ist, dass jedermann von seinem Gut zu helfen und zu dienen willig ist.“ (ebd. S. 89)

Die Haltung, um die es dabei geht, ist die, dass wir nicht uns ans Geld hängen – was übrigens auch eine Sünde gegen das erste Gebot wäre –, sondern unsere Zuversicht anstatt auf das Geld auf den dreieinigen Gott setzen. „Wie Hiob 31,24 sagt: ‚Ich habe noch nie aufs Geld mich verlassen und das Geld noch nie meinen Trost und Zuversicht sein lassen.’ Und Psalm 62,11: ‚So euch Reichtum zufließt, sollt ihr euer Herz nicht daran haften.’ So lehrt auch Christus Matth. 6,31: ‚Wir sollen nicht bedacht sein, was wir essen, trinken und wie wir uns kleiden, da Gott dafür sorgt und weiß, dass wir desselben bedürfen.’“ (ebd. S. 90)

Da könnte nun bei einigen die Haltung aufkommen: Dann brauche ich ja nicht mehr zu arbeiten. Das ist falsch. Arbeit ist Gottes Ordnung und Gebot für uns Menschen, schon im Paradies so gewesen und nach dem Sündenfall noch verstärkt, 1. Mose 3,19; Hiob 5,7. Wir sollen aber mit dem, was wir durch die Arbeit haben, ja, überhaupt, mit dem was wir haben, nicht zum Geiz uns neigen, auch nicht verzagen, wenn wir nur wenig haben. „Nun fliegen die Vögel ohne Sorge und Geiz, so sollen wir auch arbeiten ohne Sorge und Geiz. So du aber sorgst und geizig bist, auf dass dir das gebratene Huhn ins Maul fliege, so sorge und sei geizig und siehe, ob du Gottes Gebot erfüllen und selig werdest.“ (ebd. S. 90 f.) Gerade im Zusammenhang mit diesem Gebot zeigt es sich, ob wir wirklich alle Zuversicht allein auf den lebendigen Gott setzen. . „Fürwahr, in diesem Gebot kann man klar merken, wie alle Werke im Glauben gehen und geschehen müssen, denn hier empfindet ein jeglicher gewiss, dass des Geizes Ursache Misstrauen ist, der Milde Ursache aber der Glaube ist. Denn darum, dass er Gott trauet, ist er mild und zweifelt nicht, er habe immer genug; wiederum ist er darum geizig und voll Sorge, dass er Gott nicht trauet. Wie nun in diesem Gebot der Glaube der Werkmeister und Treiber des guten Werkes der Milde ist, also ist er’s auch in allen anderen Geboten. Ohne solchen Glauben ist die Milde nichts nütz, sondern eine unachtsame Verschüttung des Geldes.“ (ebd. S. 91) Diese Haltung, der Not der anderen steuern zu helfen, gilt auch gegenüber den Menschen, die unsere Feinde sind.

Im achten Gebot geht es gegen alle bösen Werke der Zunge. „Dies Gebot scheint klein und ist doch so groß, dass, wer es recht halten soll, der muss Leib und Leben, Gut und Ehre, Freund und alles, was er hat, wagen und daran setzen. Aber es begreift doch nicht mehr als das Werk des kleinen Gliedes, nämlich der Zunge, und heißt auf Deutsch: Die Wahrheit sagen und den Lügen widersprechen, wo es not ist. Darum werden viele böse Werke der Zungen hierin verboten.“ (ebd. S. 92) Dabei geht es nicht nur um die eigene Sache, die gerecht dargestellt werden soll, sondern ebenso auch um die des Nächsten. Es darf nicht sein, dass, etwa vor Gericht, die ungerechte eigene Sache so beschönigt wird, dass die (gerechte) Sache des andern dadurch verschlechtert wird. Ebenso wenig darf es sein, dass man sich gegen die Großen duckmäuserich und schmeichelnd verhält, gegen die anderen aber zu sieht, einen Vorteil zu bekommen. Auch fällt unter dieses Gebot die Sünde der Korruption, Bestechung, der Versuch, durch Geschenk und Gaben jemanden zum Schweigen zu bringen oder sich einen Vorteil zu verschaffen.

Vielmehr gilt es, für die Wahrheit – und besonders auch die Wahrheit des Evangeliums – unerschrocken einzutreten und dafür auch bereit zu sein, Gewalt und Verfolgung zu erleiden. Das ist sogar natürlich. „Denn es kann die Welt nicht leiden, was von Gott kommt.“ (ebd. S. 94) Christus selbst hat es uns angekündigt und hat es auch an sich selber erlitten.

Die Haltung dazu aber kommt allein aus dem Glauben. „Denn wo diese Zuversicht und Glauben ist, da ist ein mutiges, trotziges, unerschrockenes Herz, das hinansetzt und der Wahrheit beisteht, es gelte Hals oder Mantel, es sei wider Papst oder Könige, wie wir sehen, dass die lieben Märtyrer getan haben. Denn ein solches Herz lässt sich genügen und sanft tun, dass es einen gnädigen und günstigen Gott hat. Darum verachtet es Gunst, Gnade, Gut, Ehre von allen Menschen; lässt fahren und kommen, was nicht bleiben will.“ (ebd. S. 94 f.)

Ohne den Glauben kann also auch dieses Gebot nicht getan werden, wie bei allen anderen Geboten auch. „Denn gleichwie das Werk dieses Gebotes niemand tut, er sei denn fest und unerschrocken in göttlicher Huld, Zuversicht, also tut er auch kein Werk aller anderen Gebote ohne denselben Glauben, so dass aus diesem Gebot ein jeglicher leicht eine Probe und Gewicht nehmen kann, ob er ein Christ sei und an Christus recht glaube und also, ob er gute Werke tue oder nicht.“ (ebd. S. 95)

Das neunte und zehnte Gebot beschäftigen sich beide mit den bösen Begierden, verbieten sie, zusammen mit des Leibes Lust und den zeitlichen Gütern. Auch sie sind schwer zu erfüllen und bleibt auch in ihnen ein Kampf bis ans Grab. „Denn niemand ist so heilig, der nicht böse Neigung in sich gefühlt hätte, besonders wo die Ursache und Reizung gegenwärtig gewesen ist. Denn es ist die Erbsünde uns von Natur angeboten, die sich wohl dämpfen lässt, aber nicht ganz ausrotten als allein durch den leiblichen Tod, der auch um dessen willen nützlich und zu wünschen ist; das helfe uns Gott. Amen.“ (ebd. S. 96)

 

Die Werke also, die wir als Christen tun sollen, sind uns von Gott in den Geboten klar aufgezeigt. „Alle anderen Werke, die nicht geboten sind, sind gefährlich und leicht zu erkennen. Als da sind Kirchen bauen, zieren, wallfahrten und alles, was ind en geistlichen Rechten so mannigfaltig geschrieben ist, die Welt verführt und beschwert, verderbt, unruhige Gewissen gemacht, den Glauben verschwiegen und geschwächt hat, und wie der Mensch an den Geboten Gottes, ob er schon alles andere nachlässt, mit allen seinen Kräften genug zu schaffen hat und nimmermehr die guten Werke alle tun kann, die ihm geboten sind. Warum sucht er denn andere, die ihm nicht not noch geboten sind und lässt die nötigen und gebotenen nach?“ (ebd. S. 95 f.) So führt Luther durch alle Gebote hindurch aus, dass jedes Gebot allein im Glauben erfüllt werden kann, ja, für alle guten Werke der Glaube die unbedingte Voraussetzung ist, weshalb alle Gebote das erste Gebot zur Grundvoraussetzung haben. Ebenso macht er deutlich, dass es nicht ein Gebot gibt, das wir wirklich in diesem Leben vollständig erfüllen können, weshalb auch die Rede von den „überschüssigen Werken“ der Heiligen ein völlig falsches und irriges Geschwätz ist.

 

 

 

UNTER BIBEL UND BEKENNTNIS

 

 

DIE LEHRE VOM UNFREIEN WILLEN UND IHRE BEDEUTUNG FÜR DIE MISSIONARISCHE ARBEIT

 

Roland Sckerl

(Schluss)

 

II. 1. Die Lehre vom unfreien Willen

Die Lehre vom unfreien Willen des natürlichen, nichtwiedergeborenen Menschen in geistlichen Dingen gehört zu den besonders wichtigen, zentralen Lehren. Wenn diese Lehre nicht unverkürzt festgehalten wird, dann brechen ganz entscheidende, grundsätzliche Säulen der christlichen Lehre und des christlichen Glaubens weg, wie ich dies später noch erläutern werde. Es geht hier jetzt also um den Willen in geistlichen, nicht in bürgerlichen Dingen. In bürgerlichen Dingen, so lehrt uns die Schrift und so bezeugen es auch die lutherischen Bekenntnisse, hat der nichtwiedergeborene Mensch allerdings noch einen einigermaßen freien Willen. Einigermaßen, denn auch da ist er eingeschränkt durch die Sünde, so dass er selbst bei den größten Anstrengungen kein vor Gott wahrhaft gutes Werk vollbringen kann, so bürgerlich edel es auch sein mag.

Die zentrale Stelle, die wir näher betrachten wollen, für die Lehre vom unfreien Willen ist Epheser 2,1-3 (Ich zitiere aus der unrevidierten Lutherbibel): Und auch euch, da ihr tot waret durch Übertretungen und Sünden, in welchen ihr weiland gewandelt habt nach dem Lauf dieser Welt und nach  dem Fürsten, der in der Luft herrschet, nämlich nach dem Geist, der zu  dieser Zeit sein Werk hat in den Kindern des Unglaubens, unter welchen wir auch alle weiland unsern Wandel gehabt haben in den  Lüsten unsers Fleisches, und taten den Willen des Fleisches und der  Vernunft und waren auch Kinder des Zorns von Natur, gleichwie auch die  andern. Was wird hier über den Menschen vor der Bekehrung ausgesagt? Der Befund ist klar, eindeutig, unmissverständlich: tot in Übertretungen und Sünden; tot in Sünden, wie es auch im Kolosserbrief (2,13) heißt. Der natürliche Mensch ist also, was geistliche Dinge angeht, tot. Was heißt das? Wenn jemand tot ist, dann kann er wirklich nichts mehr machen, gar nichts. Das heißt dann aber auch: Der natürliche, geistlich tote Mensch kann sich auch nicht vorbereiten auf seine Bekehrung, er kann nicht seinen Widerstand gegen Gottes Wirken mildern, er kann sich nicht bessern. Nein, er kann gar nichts machen. Oder was hat Lazarus, der leiblich tot war, dazu tun können, als er im Grab lag, um leiblich wieder auferweckt zu werden? Nichts! Er wurde auferweckt durch den Ruf unseres Herrn Jesus: Lazarus, stehe auf! Dieser Ruf hat ihm das Leben wieder gegeben, und darum konnte er aus dem Grab kommen. Es ist ganz, ganz wichtig, dass wir diesen Grundtatbestand ganz fest uns einprägen: Der natürliche Mensch ist in geistlichen Dingen tot, damit, wie das Augsburgische Bekenntnis im 2. Artikel bezeugt: ... von Mutterleib an voller böser Lust und Neigung und keine wahre Gottesfurcht, kein wahren Glauben an Gott von Natur haben können. Der natürliche Mensch ist ja wirklich geistlich tot, fragt darum auch nicht nach Gott (Römer 3,11), ist ihm feindlich gesinnt (Römer 8,7) und versteht auch nichts von geistlichen Dingen (1. Korinther 2,14), bevor nicht der Heilige Geist an ihm zu wirken beginnt.

Tot in Übertretungen und Sünden – damit wird auch ausgesagt, woher denn dieser geistliche Tod kommt: Er ist eine Folge der Sünde, und zwar nicht nur der bewusst ausgeübten oder auch nur der ausgeübten Sünde, sondern des sündigen Zustandes, in dem wir alle von unserer natürlichen Geburt her sind, wie auch David bekennt, Psalm 51: Siehe, ich bin aus sündlichem Samen gezeuget, und meine Mutter hat mich in Sünden empfangen. Wir werden nicht erst im Laufe unserer Kindheit, unseres Lebens zu Sündern, weil wir dazu beeinflusst worden seien zu sündigen. Nein, es ist umgekehrt: Weil wir von unserer Zeugung an Sünder sind, Kinder des Zorns von Natur, wie es in unserem Abschnitt heißt, darum sündigen wir dann auch. Dem Nikodemus sagt unser Herr Jesus Christus: Was vom Fleisch geboren ist, das ist Fleisch. (Johannes 3,6). „Fleisch“ gebraucht unser Heiland hier im Unterschied zu „Geist“ und sagt damit: Wir sind von Sündern geboren und darum auch Sünder, wie es seit dem Sündenfall unserer Ureltern Adam und Eva so ist. So heißt es etwa, als über die Geburt Seths berichtet wird, dass er nach dem Bilde Adams war, also ein Sünder.

Darum sprechen wir auch von der Ur- oder Erbsünde, die in uns ist und verheerende Folgen hat. Denn aufgrund dieser Erbsünde bist du auch abgrundtief verdorben, bist du tot in Übertretungen und Sünden, bist du, wie der Herr Jesus es ausdrückt, ein fauler Baum und kannst auch nur faule Früchte bringen. Und: Du kannst daran nichts, gar nichts ändern, aus eigener Kraft.

Und das hat Folgen: Du wandelst dann auch in Übertretungen und Sünden, eben nach dem Lauf dieser Welt und nach dem Fürsten, der in der Luft herrschet, nämlich nach dem Geist, der zu dieser Zeit sein Werk hat in den Kindern des Unglaubens. Es ist also keineswegs so, dass der Mensch, wenn er ohne Gott lebt, frei wäre. O nein, ganz im Gegenteil. Es gibt keine neutrale Zone zwischen dem Reich Gottes und dem Reich des Teufels. Es gibt nur ein entweder – oder. Du gehörst entweder zum Reich Gottes oder zum Reich des Teufels. Und der Heilige Geist sagt es hier unmissverständlich durch Paulus, dass du, solange du noch nicht wiedergeboren ist, im Reich des Teufels bist, unter seiner Leitung, unter seiner Herrschaft. Dessen Geist beherrscht, regiert dich. Du lebst in den Lüsten des Fleisches, tust den Willen des Fleisches und der Vernunft.

Dein Leben, auch wenn du dir darüber keine Rechenschaft ablegst, ist bestimmt von der Sünde. Und, was ganz wichtig ist, auch dein Wille und deine Vernunft sind davon voll und ganz betroffen. Im vierten Kapitel des Epheserbriefes heißt es darum (Verse 17.18): So sage ich nun und zeuge in dem Herrn, dass ihr nicht mehr wandelt, wie die andern Heiden wandeln in der Eitelkeit ihres Sinnes, welcher Verstand verfinstert ist, und sind entfremdet dem Leben, das aus Gott ist, durch die Unwissenheit, so in ihnen ist, durch die Blindheit ihres Herzens. Was also wird hier nun über Vernunft und Wille gesagt? Es ist von der Eitelkeit des Sinnes die Rede, also dass der natürliche Mensch auf das Vergängliche, Irdische ausgerichtet ist. Noch mehr: Der Verstand ist verfinstert, das Herz ist blind. Du magst als ein natürlicher Mensch nach bürgerlichem Maßstab noch so klug, so intelligent sein – was geistliche Dinge, die doch allein für die Ewigkeit zählen, angeht, ist dein Verstand verfinstert, weiß nichts, ist strohdumm, tappt in stockfinsterer Nacht und kann nicht herausfinden. Du bist dann auf dem Irrweg, entfremdet dem Leben, wie es Gott eigentlich für dich bereitet hat, bist völlig unwissend in geistlichen Dingen. Das aber heißt doch: Auch dein menschlicher Verstand und Wille müssen wiedergeboren, bekehrt werden. Darum ist es auch völlig unmöglich, dass Verstand und Wille des natürlichen Menschen in irgendeiner Weise an der Bekehrung mitwirken könnten. Der Wille ist eben nicht frei, so lange du noch gefangen bist in Satans Reich.

Der natürliche Mensch kann zwar eine gewisse Kenntnis vom Gesetz haben, in seinem Gewissen, und weiß eigentlich auch um die Existenz eines allmächtigen und heiligen Gottes – aber er hat darum keine wirklich geistliche Gesetzeserkenntnis, bleibt so an der Oberfläche stehen, ähnlich wie die Pharisäer, und hat auch keine lebendige Gotteserkenntnis. Und das heißt: Trotz aller Gesetzes- und Gotteskenntnis bleibt doch der Wille des natürlichen Menschen von Gott angewandt. Da ist keiner, der verständig sei, da ist keiner, der nach Gott frage. (Römer 3,11). Der natürliche Mensch lebt, auch von seinem Willen, seiner Vernunft her, in Feindschaft gegen Gott, denn fleischlich gesinnt sein ist eine Feindschaft gegen Gott, da es dem Gesetze Gottes nicht untertan ist, denn es vermag es auch nicht. (Römer 8,7) Darum ist das Sinnen und Trachten des menschlichen Herzens böse von Jugend auf, Gott entfremdet und fern von ihm. Was der natürliche Mensch macht, bleibt immer Sünde vor Gott, denn was nicht aus Glauben geht, das ist Sünde (Römer 14,23) Seine Freiheit in den äußeren Dingen ist nur eine sehr eingeschränkte, da ihm jegliches geistliche Verständnis des Gesetzes fehlt. Weil er ein Knecht der Sünde ist, unter der Herrschaft des Teufels, darum ist er wirklich „frei“ nur im Bösen. (vgl. Adolf Hönecke: Evangelisch-Lutherische Dogmatik. Milwaukee, Wisconsin 1909. S. 470-475)

Im Kapitel fünf des Epheserbriefes heißt es daher sehr umfassend: Ihr waret einst Finsternis! Ja, so lange du noch nicht wiedergeboren bist, bist du Finsternis, alles in dir ist tot, tot für Gott, getrennt von Gott. Und wenn die Trennung von Gott nicht in diesem Leben überwunden wird, so folgt auf den geistlichen Tod durch den leiblichen Tod als der Durchgangspforte der ewige Tod, die Verdammnis, die Pein, Qual ohne Ende.

 

2. Die Bekehrung – das alleinige Werk Gottes

Und was kannst du dazu tun, dass es anders wird mit dir? Was kann der faule Baum dazu tun, dass aus ihm ein gesunder Baum wird? Nichts! Er muss behandelt werden. So kannst auch du von dir her gar nichts dazu tun. Hören wir aber weiter, was der dreieinige Gott dazu sagt, wie es anders wird: Da wir tot waren in den Sünden, hat er uns samt Christo lebendig gemacht  (denn aus Gnaden seid ihr selig worden) und hat uns samt ihm auferwecket und samt ihm in das himmlische Wesen  gesetzt in Christo Jesu. Wer handelt hier? Er, Gott, nicht der Mensch. Wie lernen wir dagegen den Menschen in diesen Versen kennen? Du bist als Mensch völlig passiv, dir widerfährt nur etwas. Und was? Gott macht dich lebendig, aus Gnaden, er erweckt dich auf aus dem geistlichen Tod und versetzt dich in das himmlische Wesen. Das ist es, was wir alle benötigen, um nicht in Ewigkeit verloren zu gehen: Dass der lebendige Gott uns geistlich auferweckt, geistlich lebendig macht. So wenig, wie Lazarus sich selbst leiblich lebendig machen konnte, sich selbst auferwecken konnte, oder auch nur irgendetwas dazu beitragen, so wenig auch du selbst. Gott ist hier am Werk, er erweckt dich auf, macht dich lebendig. (Das ist übrigens die erste Auferweckung, von der auch Offenbarung 20 die Rede ist. Wer diese hat, und in ihr beharrt, der herrscht mit Christus als ein königlicher Priester, und an ihm hat der andere Tod, der ewige Tod, keine Gewalt mehr.) Auch die anderen Stellen, die dieses Werk beschreiben, beschreiben es einzig als Gottes Werk. In Johannes 1,13 heißt es von den Menschen, denen es widerfahren ist, dass sie von Gott geboren sind. Keiner gebiert sich selbst, sondern er wird geboren. So auch bei der Wiedergeburt. Keiner gebärt sich selbst wieder, sondern er wird von neuem geboren, nämlich von Gott. Das betont der Apostel Johannes auch in seinem ersten Brief.

Das heißt also für uns: Wir können uns nicht selbst bekehren, können auch nichts dazu beitragen, weder wenig noch viel, sondern sind völlig passiv. Die Bekehrung ist vollständig das Werk des dreieinigen Gottes am Menschen, und zwar, wie wir gleich sehen werden, durch Wort und Sakrament. Es ist ein Werk, das du dir auch nicht verdienen kannst, sondern das allein aus Gnaden geschieht.

Darum bittet der Sünder David, als ihm Gott durch den Propheten Nathan seine Sünde offenbart hat: Schaffe in mir, Gott, ein reines Herz, und gib mir einen neuen, gewissen Geist. Das Wort, das im Hebräischen für „schaffen“ steht, „bara“, ist genau das Wort, das wir auch im Schöpfungsbericht finden – für das Schaffen Gottes aus dem Nichts. Da ist also gar nichts vorhanden, keinerlei Voraussetzung unsererseits – Gott muss eine Neuschöpfung vollbringen. Der Heilige Geist vergleicht dieses Werk durch Paulus im zweiten Korintherbrief daher auch mit der Erschaffung des Lichts: Denn Gott, der da hieß das Licht aus der Finsternis hervorleuchten, der hat einen hellen Schein in unsere Herzen gegeben. Die Wiedergeburt oder Bekehrung – das ist ein Werk Gottes, ein Schöpfungswerk. Das aber heißt: Wenn du gerettet bist, dann bist du allein aus Gottes Gnade gerettet, so, wie er es sich von Ewigkeit her vorgenommen hat, als er dich in Jesus Christus zur Rettung durch den Glauben an Jesus Christus durch das Evangelium erwählt hat. Wer dagegen verloren geht, und das ist das andere, was wir bedenken müssen, und was die Bibel unmissverständlich auch aussagt, wer verloren geht, der geht einzig aus eigener Schuld verloren, denn auch für ihn ist Jesus Christus auf Golgatha gestorben. So heißt es schon bei Hosea im 13. Kapitel (Vers 9), ich zitiere eine direkte Übersetzung auf dem Hebräischen: Israel, dass du verdirbst, die Schuld ist dein; dass dir aber geholfen wird, ist lauter meine Gnade.

Wie aber geht Gott vor bei der Bekehrung? Betrachten wir uns doch die Grundlinien der Predigten Johannes des Täufers und unseres Heilandes Jesus Christus: Tut Buße, und glaubet an das Evangelium! So lautet die Kernaussage ihrer Predigt, als sie mit ihrer Arbeit begannen. Buße und Glaube, Umkehr und Glaube, darum geht es. Und das heißt: Da, wo ein Mensch zu seinem Bewusstsein gekommen ist, also kein Säugling oder Kleinstkind mehr ist, da gibt es keinen echten rechtfertigenden, rettenden Glauben, wenn es nicht zuvor auch, durch Gottes Geist mittels des Gesetzes bewirkt, Buße, Reue,Tod des alten Ich gegeben hat. Dies müssen wir heute unbedingt betonen, denn die moderne Weise sieht, leider, weithin ganz anders aus. Wenn wir aber in die Bibel hineinsehen, so lesen wir von dem Gefängniswärter in Philippi, dass er zu Tode erschrocken war. Er hatte wohl auch von den Predigten des Paulus etwas mitbekommen, und erkannte, dass er ein abgrundtief verdorbener und in alle Ewigkeit verlorener Sünder war – und als ein solcher rief er in seiner Verzweiflung: Was muss ich tun, damit ich gerettet werde? und Paulus antwortet ihm: Glaube an den Herrn Jesus Christus, so wirst du und dein Haus selig. Auch von dem Schächer am Kreuz lesen wir, dass er ganz klare Sündenerkenntnis hat, auch eindeutig Reue, Trauern über seine Sünden, und Gott recht gibt in seinem Urteil über ihn – und als ein solcher Sünder, der nichts als nur Sünden zu Christus bringt, bittet der den Heiland: Gedenke mein, wenn du in dein Reich kommst. Als ein verzweifelter Sünder klammert er sich im Glauben an den Heiland der Welt als seinen Heiland – und der bestätigt ihm diesen Glauben: Heute noch wirst du mit mir im Paradiese sein. Und von Petrus lesen wir, als der Herr mit ihm hinausfuhr auf den See Genezareth und ihm dann befahl zur Unzeit und am völlig verkehrten Ort zu fischen, und die Frucht des Gehorsams ein ungeheurer Fang war, dass er entsetzt war, ihm seine Sünden vor Augen standen, so dass er niederfiel zu Jesu Füßen und rief: Herr, gehe hinaus von mir, denn ich bin ein sündiger Mensch. Das geht also aller Heilsverkündigung voraus, das ist das Anfangswerk des Heiligen Geistes im Sünder, bevor er mit dem süßen Evangelium kommen kann: Dass er durch das Gesetz lebendige, tiefgehende Sündenerkenntnis wirkt, dass du erkennst, dass du ein abgrundtief verdorbener Sünder bist, dass du, was dich angeht, verloren bist, dass du Gott überhaupt nichts bringen kannst – dass du mit völlig leeren Händen dastehst. (siehe auch Johannes 16,1-8) Die Mauern der Selbstgerechtigkeit, der Selbstgefälligkeit, des eigenen Ruhms müssen völlig zertrümmert sein, Herz und Gemüt, wie es David betet, zerbrochen, zerschlagen sein, der alte Mensch, das alte Ich muss sterben. Denn: Wer sein Leben erhalten will, der wird es verlieren, wer aber sein Leben verliert um meinetwillen, der wird’s erlangen zum ewigen Leben. Ohne Tod kann es kein neues Leben geben. Auch in der Taufe wird der alte Mensch mit Christus gekreuzigt, in den Tod gegeben (Römer 6,3.6) – und nur da kann die Taufe zum Ziel kommen, wo dies wirklich im Glauben auch ergriffen und sich im Glauben darunter gebeugt wird. Bekehrung, Wiedergeburt heißt eben nicht, dass du dein altes Leben weiterführen kannst, jetzt aber mit einem frommen Anstrich; es heißt nicht, dass du leben kannst wie die Welt, nur eben noch die Bibel und den Gottesdienst dazu. Nein, Bekehrung heißt immer Sterben des alten Menschen und Auferstehen des neuen Menschen. Wo das nicht geschieht, das ist auch keine Bekehrung. Dass der alte Mensch immer wieder aufsteht, das ist eine andere Sache. Grundsätzlich muss dieses Sterben geschehen sein – und täglich dann angewandt, ausgelebt werden in täglicher Buße und Umkehr, wie es im vierten Teil des Hauptstücks zur Taufe im Kleinen Katechismus beschrieben ist.

 

3. Gottes Rettungshandeln durch die Gnadenmittel

a) Wodurch aber bewirkt der dreieinige Gott dies? Petrus schreibt im ersten Brief (1,23): Ihr seid wiederum geboren, nicht aus vergänglichem, sondern aus unvergänglichem Samen, nämlich aus dem lebendigen Wort Gottes, das da ewiglich bleibet. Und Jakobus bezeugt (1,18): Er hat uns gezeugt nach seinem Willen durch das Wort der Wahrheit. Paulus schreibt an die Epheser (5,26): Christus hat sich selbst für sie gegeben, auf dass er sie heiligte, und hat sie gereiniget durch das Wasserbad im Wort. Und in dem Gespräch mit Nikodemus weist Jesus Christus ihn darauf hin: Es sei denn, dass jemand geboren werde aus Wasser und Geist, so kann er nicht in das Reich Gottes kommen. Wodurch also bewirkt der dreieinige Gott Sündenerkenntnis und rettenden, rechtfertigenden Glauben? Allein durch das Wort, und zwar das Wort pur und das Wort mit dem Wasser verbunden, also in der Taufe. Dies sind, zusammen mit dem den Glauben erhaltenden, bewahrenden Abendmahl, die Gnadenmittel Gottes, die wirkkräftig sind aus sich selbst, weil der Heilige Geist wirkend gegenwärtig ist, denn Gottes Wort ist Geist und ist Leben (Johannes 6,63) und richtet aus, wozu er es gesandt hat (Jesaja 55,11). Darum bekennt auch Paulus: Ich schäme mich des Evangeliums von Christus nicht, denn es ist eine Kraft Gottes, die da selig macht alle, die daran glauben, die Juden vornehmlich und auch die Griechen. (Römer 1,16). Dass Gottes Wort dieses sein Heilswerk tun kann, muss es auch recht geteilt werden, nämlich recht unterschieden nach Gesetz und Evangelium, nach Forderung und Verheißung, nach Strafen und Heilen. Darum sind wir gewiesen an das Wort, weil wir allein durch das Wort, das gelesene oder das gepredigte, bezeugte Wort, den Glauben empfangen und bewahrt bekommen. Denn so kommt der Glaube aus der Predigt, das Predigen aber durch das Wort Gottes. (Römer 10,17).

b) Damit dieses Wort in Gesetz und Evangelium ausgeteilt wird, hat es Jesus Christus seiner Gemeinde anvertraut, wie der Missionsbefehl uns zeigt (Matthäus 28,18-20; Mark. 16,15.16; Luk. 24,47). Allen, die den Heiligen Geist haben, hat er die Schlüssel gegeben, Johannes 20,21-23; Matthäus 16,19; 18,15-18, damit wir, als das königliche Priestertum, das heilige Volk, das Volk des Eigentums verkündigen die Tugenden des, der uns berufen hat von der Finsternis zu seinem wunderbaren Licht. (1. Petrus 2,9). Allen Gläubigen als dem Volk Gottes gehören die Schlüssel, die Gnadenmittel, als den eigentlichen und unmittelbaren Inhabern, damit sie gebraucht werden zur ewigen Rettung der Menschen.

c) Dazu hat Christus außerdem aber noch das Amt des Wortes gestiftet, das von Gemeinschaftswegen eben diese Gnadenmittel öffentlich verwalten soll. Das heißt: Die Gemeinde soll, als Gottes Werkzeug, Diener am Wort berufen, die Wort und Sakrament als Christi Diener im Auftrag der Gemeinde austeilen. (Matthäus 10,1; Apostelgeschichte 20,28; Epheser 4,11; Titus 1,5). Die Hauptgestalt dieses Amtes ist nach innen der Pastor, nach außen der Evangelist und Missionar. Daneben aber kann die Gemeinde noch weitere Dienste einrichten, je nachdem sie es für wichtig und nötig erachtet, damit das Wort reichlich ausgeteilt wird, selbständige Dienste, wie Religionslehrer, Prediger, Evangelisten und solche, die als zudienende Dienste nur eine ganz bestimmte Teilaufgabe haben, wie Kindergottesdiensthelfer, Sonntagsschullehrer, Hauskreisleiter, Jungscharleiter, Jugendleiter, Abendmahlsdiakone.

d) Was dies aber heißt, dass Jesus Christus sein Reich baut, also Sünder aus der Finsternis, der Unfreiheit, allein durch das Wort herausreißt und versetzt in sein Reich, das lasst uns jetzt bedenken anhand der Worte von 1. Korinther 1,18-2,14, die uns Aufschluss geben über Gottes Grundkonzept der missionarischen Arbeit:

Denn das Wort vom Kreuz ist eine Torheit denen, die verloren werden, uns aber, die wir selig werden, ist es eine Gotteskraft. (1. Korinther 1,18) Das, was hier ausgesagt wird, ist für die Reaktion auf das Wort vom Kreuz von ungeheurer Wichtigkeit: Der natürliche Mensch, der geistlich blind ist, dessen Vernunft, wie wir gehört haben, verfinstert ist für alles, was mit Gott zu tun hat, der natürliche Mensch lacht über das Wort vom Kreuz oder ärgert sich daran. Es ist ihm Torheit oder Ärgernis. Wir aber predigen den gekreuzigten Christus, den Juden ein Ärgernis und den Griechen eine Torheit. (Vers 23) Die Gefahr liegt dann nahe, dass wir nach unserem alten Adam, unserem alten Ich her versuchen, die Spitze und die Schärfe dieser Konfrontation abzuschwächen, um doch die Menschen, wie wir meinen, nicht vor den Kopf zu stoßen, ihnen nicht etwas zuzumuten, das ihnen zu hart ist. Das heißt, die Gefahr ist groß, dass wir dann mit menschlich, weltlich klugen Methoden, Worten versuchen, diese Klippen zu umschiffen. Denn warum ist den Menschen das Wort vom Kreuz ein Ärgernis? Kreuz, das hängt mit Sterben, mit Tod zusammen. Jesus Christus ist gewaltsam am Kreuz gestorben. Und das Kreuz, das erinnert damit auch dich daran, warum Jesus Christus sterben musste: um deiner Sünden willen. Das Kreuz ist also zunächst erst einmal Anklage gegen dich, gegen deine Sünde. Und: Es macht deutlich, welch ein hoher Preis für deine Erlösung zu zahlen war. Aber das Kreuz steht zugleich auch dafür, dass auch dein alter Mensch sterben muss, dass es ohne dieses Sterben, dieses Mit-Christus-Gekreuzigt-Werden eben kein echtes Christsein geben kann. Das Kreuz, das macht deutlich, dass wir durch viel Trübsal in das Reich Gottes eingehen müssen (Apostelgeschichte 14,22). Das Kreuz steht damit der gesamten humanistischen, weltlichen Lebensanschauung von Vergnügen, Bequemlichkeit, aber auch von Selbstverwirklichung, Selbstliebe, vom Guten im Menschen diametral entgegen. Der natürliche Mensch kann gar nicht anders als das Kreuz ablehnen. Aber sollten wir es darum verschweigen? Sollten wir das Kreuz darum abhängen – genau das geschieht ja in den modernen Megagemeinden, die von Willow Creek geprägt sind? Sollten wir weltliche, ökonomisch geprägte Klugheit engagieren, damit wir herausfinden, wie wir an die Menschen herankommen, ohne sie gleich durch das Wort vom Kreuz zu verprellen? Paulus sagt: Christus hat mich gesandt zu predigen, nicht mit klugen Worten, auf dass nicht das Kreuz Christi zunichte werde. (Vers 17) Dieser Satz ist ein ganz eindeutige, unmissverständliche Antwort. Wenn wir die Anklage wegen der Sünde, der Sündenverdorbenheit, die Botschaft der Verlorenheit, wenn wir die Heiligkeit Gottes, den Zorn Gottes, das Kreuz Christi herausnehmen aus der Lehre und Verkündigung, dann haben wir aufgehört, biblisch, christlich zu verkündigen. Paulus hebt hervor: Denn ich hielt mich nicht dafür, dass ich etwas wüsste unter euch als allein Jesus Christus, den Gekreuzigten. Das ist das Zentrum unseres christlichen Glaubens, das ist das Zentrum der Rettungsbotschaft – wer hier schweigt, der verleugnet Christus! Missionsdienst heißt eben nicht, einen Triumphzug haben. Paulus fährt fort: Und ich war bei euch mit Schwachheit und mit Furcht und mit großem Zittern. Und mein Wort und meine Predigt war nicht in vernünftigen Reden menschlicher Weisheit, sondern in Beweisung des Geistes und der Kraft, auf dass euer Glaube bestehe nicht auf Menschenweisheit, sondern auf Gottes Kraft. (2,3-5) Es ist etwas grundsätzlich falsch, wenn man meint, den Menschen entgegen kommen zu müssen, sich ihnen anzupassen, ihren von ihnen gefühlten Bedürfnissen zu entsprechen. Da will man Gemeinde auf menschliche Weisheit gründen. Aber da wird Gottes Kraft zumindest gehindert. Da will man ankommen bei der Welt, bei den Großen dieser Welt, bei denen, denen auch die Welt hofiert, den Stars. Ist das der Weg, den Paulus uns als der Apostel Jesu Christi vorangegangen ist? Ist er in die Stadien der damaligen Welt gegangen, hat er sich den Gladiatoren angebiedert? Hat er christliche Fankurven in den Amphitheatern organisiert? Hat er den Christen auf den Weg gegeben, so weiterzuleben wie zuvor, nur eben jetzt zugleich auch noch an Christus zu glauben und sonntags in die Versammlung zu gehen und das heilige Abendmahl zu feiern? Nein!

Nicht menschliche Klugheit, nicht menschliche Anpassung wird eine Erweckung hervorbringen. Keine Erweckung ist aus so etwas hervorgegangen. Denn die göttliche Torheit ist weiser als die Menschen sind; und die göttliche Schwachheit ist stärker als die Menschen sind. Gott wirkt – und dafür hat er seine Gnadenmittel gegeben, das Wort und die Sakramente. Er hat uns keine Verheißung gegeben, dass die Massen zuströmen, er hat auch keine Verheißung gegeben, dass die Großen und Berühmten dieser Welt uns zujubeln. Sehet an, liebe Brüder, euren Beruf, nicht viele Weise nach dem Fleisch, nicht viel Gewaltige, nich viel Edle sind berufen, sondern was töricht ist vor der Welt, das hat Gott erwählt, dass er die Weisen zuschanden machte, und was schwach ist vor der Welt, das hat Gott erwählt, dass er zuschanden machte, was stark ist, und das Unedle vor der Welt und das Verachtete hat Gott erwählt, und das nichts ist, dass er zunichte machte, was etwas ist.

Es wird uns empfohlen, die Gottesdienste in ihrem Ablauf zu ändern, die Liturgie abzuschaffen oder aufzulockern, damit die Menschen verstünden, was da abläuft. Nun ist allerdings die Frage, ob unser Gemeindegottesdienst einfach mit einer Evangelisationsveranstaltung gleichgesetzt werden kann. Er ist nämlich zunächst einmal Versammlung der Gemeinde des Herrn. Bibelstunde, Katechumenat, Hauskreise, das sind Einrichtungen der missionarischen Verkündigung. Aber es ist durchaus richtig, dass Interessierte auch den Gottesdienst besuchen, damit sie die Gemeinde als Gemeinde kennen lernen. Aber warum ist dem natürlichen Menschen so fremd, was im Gottesdienst, auch was in der Bibelstunde, im Katechumenat abläuft? Machen wir einen Fehler? Nein! Der natürliche Mensch vernimmt nichts vom Geist Gottes; es ist ihm eine Torheit, und er kann es nicht erkennen, denn es muss geistlich gerichtet sein. (2,14) Das ist der Hintergrund. So lange die geistliche Blindheit, die Finsternis im Herzen, in der Vernunft noch vorhanden ist, so lange wird der natürliche Mensch nichts verstehen. Aber es gibt keine anderen Mittel als Wort und Sakrament, durch die der Heilige Geist an ihnen wirken wird, zu seiner Zeit, die wir ihm nicht vorschreiben können, die wir auch nicht durch Programme festlegen, bestimmen können. Unsere Aufgabe ist es, das Wort auszuteilen, zur Zeit und zur Unzeit, durch das Wort zu pflanzen und zu begießen – Gott aber allein ist es, der das Gedeihen gibt (3,6.7).

 

Lassen Sie uns hier einen Moment inne halten und das bisher Gesagte noch einmal bedenken unter der Frage, warum denn die Lehre vom unfreien Willen so wichtig ist. Nun, was wäre denn, wenn diese Lehre fällt? Dann hieße das doch, dass der Mensch auch in geistlichen Dingen einen freien Willen hätte oder doch zumindest einen eingeschränkt freien Willen. Und das hieße dann wieder, dass er ja an seiner persönlichen Errettung mitarbeiten könnte und auch mitarbeiten müsste, dass er etwa sein Widerstreben abmildern müsste, dass er sich bemühen müsste, Gott zu finden. Etliche würden dann sagen: Ja, Gott kommt dem Menschen entgegen, er hilft ihm, er macht den Anfang, aber der Mensch muss dann mit der ihm gegebenen Kraft Antwort geben und an dem Weg zum Himmel weiter arbeiten. Das ist in groben Zügen etwa die Lehre des Erasmus von Rotterdam gewesen und ist bis heute diejenige Roms und der Ostkirche. Und das ist, leider, auch die Einstellung des größten Teils der Evangelikalen und damit auch des Pietismus. Es ist aus diesem Grund für mich nicht verwunderlich gewesen, dass der Vorsitzende des Gnadauer Verbandes, Herr Pfarrer Christoph Morgner, der Gemeinsamen Erklärung zwischen Rom und dem Lutherischen Weltbund zugestimmt hat. In diesen so zentralen Dingen liegt zwischen den Evangelikalen, dem Pietismus und Rom tatsächliche eine ziemliche Nähe vor.

Denn dann müsste der Mensch sich sozusagen vorbereiten auf seine Bekehrung, zuvor schon gegen seine Sünden erfolgreich kämpfen, sich bessern und sich schließlich für Jesus entscheiden, sich Jesus hingeben, ihm übergeben, Jesus Christsu als seinen Herrn anerkennen. Kommt das nicht bekannt vor? Ja, das ist die Entscheidungstheologie, von der ein großer Teil der heutigen Evangelisations- und Missionsbewegung geprägt ist, herkommend von den arminianischen Methodisten um John Wesley, über Charles Finney bis hin zu Billy Graham und der Gemeindewachstumsbewegung. Und was heißt das weiter? Wenn der Wille des Menschen in geistlichen Dingen nicht völlig unfrei ist, wenn er also eine entscheidende Rolle in der Bekehrung spielt, dann muss allerdings die evangelistische und missionarische Arbeit darauf ausgerichtet sein, eben diesen Willen entsprechend zu bearbeiten, zu beeinflussen, damit die gewünschten Ergebnisse herauskommen, so, wie das die Wirtschaft über die Werbung mit den Menschen auch macht. Das ist übrigens auch der Grund, warum Kirchen und evangelikale Kreise zum Teil Managementagenturen beauftragen, um von ihnen neue Arbeitsweisen und eine neue Richtung zu bekommen. Worauf läuft das hinaus? Der Mensch ist Ausgangspunkt und Zentrum der Missionsarbeit. Sie ist nicht mehr missio Dei, ist nicht mehr christozentrisch, sondern anthropozentrisch.

Aber was heißt das weiter? Wenn der natürliche Mensch in geistlichen Dingen nicht tot ist, sondern an seiner Rettung mitarbeiten kann, dann wird er nicht mehr gerettet allein aus Gnaden, sondern auch wieder aus eigenem Verdienst, denn er muss ja auch etwas erbringen. Dann wird er nicht mehr gerettet allein um Christi Gehorsam, Leiden und Sterben für ihn willen – sondern auch um seiner eigenen Mitwirkung willen. Und das heißt: Christi Erlösungswerk reicht dann eben noch nicht aus, es muss noch menschliche Mitarbeit dazu kommen. Und: Der Mensch wird dann auch nicht mehr gerettet allein durch den Glauben als die Nehmehand, die die Vergebung der Sünden, die Christus auf Golgatha für ihn erworben hat, den Freispruch durch Gott, ergreift. Glauben wird dann zu einem Gehorsamsakt, und zwar nicht erst nach der Bekehrung, als Frucht, als Teil der Heiligung, sondern schon davor, um überhaupt Christ zu werden. Glauben wird dann zu einer Tugend, der Glaube rettet dann, weil er eine Qualität ist. In dieser falschen Glaubensauffassung, die auch noch weitere Aspekte hat, liegt auch einer der elementaren Trennungspunkte zu den Baptisten und ihrer Taufauffassung. Und das ganze zieht noch weitere Kreise. Die Kirche als die Gemeinschaft der Heiligen, wie wir sie im Apostolischen Glaubensbekenntnis bekennen, ist dann kein Glaubensartikel mehr, sondern wird zu einem Sehartikel, denn plötzlich meint man ja zu wissen, wer gläubig ist und wer nicht. Das führt dann dazu, dass bestimmte Freikirchen und Gemeinschaften meinen, eine Gemeinde der Gläubigen, der Reinen als eine äußere Versammlung aufbauen zu können. Die Frage ist nur: Gibt es dann eigentlich noch Heilsgewissheit, kann es sie noch geben? Ich sage: Nein! Denn in dem Moment, in dem dein Heil nicht allein an dem hängt, was Jesus Christus für dich getan hat und dir im Evangelium in Wort und Sakrament anbietet, sondern auch abhängt von dir, in dem Moment weißt du nicht mehr, ob dein Beitrag auch ausreicht, ob er richtig ist, Gott angenehm, wohlgefällig. Entweder machst du dir dann etwas vor oder du gründest dein Heil auf menschliche Dinge, deine Entscheidung, deine Hingabe, deine Erfahrung. Im besten Fall kommt es zu der glücklichen Inkonsequenz, dass du gegen diese Lehre vom angeblich freien Willen dich doch allein an das Evangelium hältst.

Wenn aber der Mensch an seiner Errettung mitarbeiten kann und muss, dann tritt auch die Bedeutung der Gnadenmittel zurück als Wirkmitteln Gottes. Dann geht es, wie schon gesagt, darum, dass der Mensch beeindruckt, fasziniert, menschlich gewonnen wird. Darum setzt man dann moderne Musik ein, Theater, Anspiele, verkürzt die Botschaft, nimmt das Kreuz weg, will nicht mehr als Gemeinde nach außen erscheinen – und bearbeitet bei Evangelisationen die Menschen durch Musik und Wort psychologisch.

Wenn die Lehre vom unfreien Willen fällt, dann fällt das gesamte Zentrum unseres biblisch-reformatorischen christlichen Glaubens, dann fällt tatsächlich die Reformation, dann sind wir in dem entscheidenden Bereich wieder auf römischen und damit auf heidnischem Boden. Denn dass der Mensch an seiner Errettung in irgendeiner Weise mitwirkt, das ist nicht christlich, das ist heidnisch.

 

III. Das evangelisch-lutherische Missionskonzept

    Das evangelisch-lutherische Missionskonzept ist theozentrisch, bibliozentrisch und christozentrisch. Es ist theozentrisch, weil der dreieinige Gott selbst, sein Wort, sein Wille, seine Beurteilung des Menschen absolut maßgebend ist. Da wir aber Gott, seinen Willen, seine Beurteilung des Menschen, sein Konzept missionarischer Arbeit nicht anders kennen als aus der Bibel, muss die rechte Missionslehre bibliozentrisch sein, nämlich ihre Grundlage aus nichts anderem als aus der Bibel schöpfen. Und weil im Zentrum der Heiligen Schrift Alten und Neuen Testamentes Jesus Christus, der Gekreuzigte und Auferstandene, steht, 1. Kor. 2,2, und in keinem anderen Namen Heil ist, auch kein anderer Name den Menschen unter dem Himmel gegeben ist als der Name Jesus Christus, Apg. 4,12, darum muss das Missionskonzept auch christozentrisch sein.

a) Seit dem Sündenfall ist der natürliche Mensch tot in Übertretungen und Sünden, Eph. 2,1-3, vernimmt daher nichts vom Geist Gottes und versteht natürlicherweise nichts von geistlichen Dingen, 1. Kor. 2,14, seine Vernunft ist verfinstert, Eph. 4,18.

b) Ohne die neue Geburt aus Gott ist das Endziel des natürlichen Menschen die ewige Verdammnis, Röm. 6,23 a.

c) Dennoch hat Gott die Welt, also jeden Menschen, geliebt und für alle seinen Sohn Jesus Christus dahingegeben, damit alle, die an ihn glauben, nicht verloren werden, sondern das ewige Leben haben, Joh. 3,16.

d) Jesus Christus, wahrer Gott und wahrer Mensch in einer Person, hat als das Lamm Gottes, das der Welt Sünde trägt, Joh. 1,29, sich selbst für jeden Menschen am Kreuz geopfert, 1. Petr. 2,24, und durch seinen Gehorsam, Leiden und Sterben Gott mit der Welt, und damit jedem Menschen, versöhnt, 2. Kor. 5,18.

e) Darum ist in Christus für jeden Menschen Nichtzurechnung der Sünden, das ist, Vergebung der Sünden und damit Leben und Seligkeit bereit (allgemeine Rechtfertigung), 2. Kor. 5,18.19.

f) Der dreieinige Gott hat die Gnadenmittel, das Evangelium in Wort, Taufe und Abendmahl, geordnet, damit er durch diese Mittel, in denen der Heilige Geist wirkend gegenwärtig ist, Jes, 55,10.11; Joh. 6,62, die neue Geburt wirke, den Glaube erhalte und stärke, Röm. 1,16.17; 10,14-17; 1. Petr. 1,23; Jak. 1,18; Joh. 3,3.5; Tit. 3,4-7; 1. Kor. 11,23-32; 1. Petr. 1,5.

g) Diese Gnadenmittel hat Christus seiner Gemeinde, allen, die an ihn glauben, anvertraut, Matth. 18,15-18; Joh. 20,21-23; Matth. 28,18-20; Mark. 16,15.16; Luk. 24,47, und sie als das heilige Volk, das Volk des Eigentums, berufen, zu verkündigen die Tugenden des, der sie versetzt hat aus der Finsternis in sein wunderbares Licht, 1. Petr. 2,9. (Priesterum aller Gläubigen)

h) Zur öffentlichen Verwaltung der Gnadenmittel von Gemeinschafts wegen, nach innen (Ortsgemeinde) und nach außen (Evangelisation, Mission) hat Christus das heilige Predigtamt gestiftet, also geordnet, dass die Gemeinde Diener am Wort beruft und sendet, Röm. 10,14-17; Apg. 20,28; Eph. 4,11; 1. Kor. 12,27 f.

i) Träger der missionarischen Arbeit ist die Ortsgemeinde, die dazu verschiedene Kreise bilden und sich auch mit anderen Ortsgemeinden zusammenschließen kann, Apg. 13,1-3.

 

j) Damit Menschen zu Jüngern gemacht werden und somit zu Gliedern an Christi Leib, muss gepredigt werden Buße und Vergebung der Sünden, Luk. 24,47, das heißt, Gesetz und Evangelium, 2. Tim. 2,15.

k) Durch das Gesetz soll Sündenerkenntnis, Erkenntnis der abgrundtiefen Verdorbenheit und Verlorenheit, als Folge davon Reue über die Sünde, Abscheu vor der Sünde, der Wunsch, von der Sünde los zu werden, Anerkennen des gerechten Urteils Gottes über den Sünder gewirkt werden, Ps. 51; Röm. 7,7; Luk. 23,41, und damit zugleich die Erkenntnis, Gott nichts bringen zu können, zum Heil, zur Errettung, Bekehrung nichts beitragen zu können, Röm. 3,10-12; Eph. 2,1-3. Es geht also um ein zerbrochenes Herz und zerschlagenes Gemüt, den geistlichen Tod des alten Menschen, Ps. 34,19; 51,19; Mark. 8,34-38.

l) Das Gesetz zielt damit auf das Gewissen des Menschen, ihn seiner Sündenverdorbenheit zu überführen.

m) Durch das Evangelium wird Jesus Christus verkündigt als das Lamm Gottes für die Sünden der Welt, Joh. 1,29, als das Gotteslamm, das unsere Schuld und Missetat getragen, Jes. 53,4.5, das durch sein Leiden uns den Frieden Gottes erworben und durch dessen Wunden wir geheilt sind, Jes. 53,5.6, und Gott in Christus mit uns versöhnt ist, 2. Kor. 5,18.19. (allgemeine Rechtfertigung) Diese objektiven Heilstatsachen bilden das Zentrum der evangelistischen Verkündigung.

n) Dieses Heil bietet der dreieinige Gott an, reicht er dar, eignet er zu durch das Evangelium in Wort, Taufe und Abendmahl. Das Evangelium erweckt auch den Glauben als die Nehmehand oder das Instrument, das die Gnade in Christus ergreift und bewirkt so die Bekehrung, Wiedergeburt des Menschen. Der Mensch selbst ist dabei völlig passiv. Durch das Wort allein (pur oder in Verbindung mit dem Wasser (Taufe)) beruft, erleuchtet, bekehrt, rechtfertigt, heiligt Gott den Menschen.

o) Auch Willen und Verstand des Menschen sind verfinstert und müssen bekehrt werden, Eph. 2,1-3; 4,18; 5,8.

p) Ziel der missionarischen und evangelistischen Tätigkeit ist, dass der einzelne Mensch zum rechtfertigenden Glauben kommt und ihm durch die heilige Taufe das Heil persönlich zugesagt und zugeeignet und er so zu einem Glied am Leib Christi wird, Apg. 2,34, bzw., wenn er schon getauft ist, der Taufbund durch den neu erweckten Glauben erneuert wird, Röm. 6,3-11. Dies kann nicht geschehen durch Aufforderung zu einer Entscheidung, Übergabe oder Hingabe an Jesus, Annahme Jesu als den Herrn, sondern nur durch den einladenden Ruf zum Glauben, herzlichen Vertrauen auf Jesus Christus, den Heiland der Welt.

q) Die missionarische Arbeit hat als Folgeziel die Bildung konfessioneller, bibel- und bekenntnistreuer , missionarischer Gemeinden. Die missionarische Verkündigung muss darum lehrhaft sein.

    r) Die Ortsgemeinde ist (im eigentlichen Sinne) die Versammlung der Gläubigen einer Lokalität (als Hauskirche, Kirche eines Ortes, eines Stadtteils, einer Stadt oder auch einer Region, mit einem Predigtplatz oder mehreren Predigtplätzen) und nicht unterschieden nach Geschlecht, Rasse, Klasse, Kultur (Gal. 3,28; gegen das Konzept der „Zellen“, der „homogenen Einheiten“), und richtet in ihrer Mitte das Amt des Wortes auf, Tit. 1,5; 1. Tim. 3,1-5.

    s) Frucht oder Wirkung der Verkündigung des Wortes Gottes ist aber nicht nur, dass Menschen zum rechtfertigenden Glauben kommen, sondern ebenso auch, dass Menschen sich gegen das Wort Gottes verhärten, ja, dass sie sich gegen die Gemeinde des Herrn wenden und sie verfolgen, Apg. 3-5; 14,23; 2. Tim. 3,12; Joh. 15,18-16,4. Das muss missionarische und evangelistische Verkündigung immer berücksichtigen.

    t) Diakonische Arbeit ist Frucht der Nächstenliebe, des Glaubens und kann die missionarische Arbeit auch begleiten. Sie ist aber nicht Teil des Auftrages der Gemeinde Jesu Christi, Matth. 28,18-20.

 

u) Gnadenmittel Gottes zur Weckung des rettenden Glaubens ist das Wort (auch bei den Sakramenten). Musik darf die Aussage des Wortes unterstreichen, aber sich nicht verselbständigen oder dazu verwendet werden, den Menschen zu manipulieren (ins Unterbewusste, ins Gefühl eindringen, Emotionen wecken). Theater, Pantomime und ähnliches ist daher normalerweise nicht Teil der Verkündigung; wo Anspiele stattfinden, sollen sie ernst und maßvoll sein, nicht schauspielermäßig, nicht zur Belustigung, ohne Ausschmückungen.

v) Gesetz und Evangelium müssen beide unverkürzt verkündigt werden, zur Zeit und zur Unzeit, damit Buße und Glauben geweckt werden können. Ausgangspunkt muss immer Gottes Wort sein, seine Beurteilung des Menschen und sein Ziel der Errettung von Menschen, nicht menschliche Ansichten, Bedürfnisse, Abneigungen.

w) Die Wirkung der Verkündigung geschieht nicht durch kluge Worte, nicht durch Rhetorik, sondern die Predigt von Christus, dem Gekreuzigten und Auferstandenen, verwandt vom Heiligen Geist zu seiner Zeit, 1. Kor. 1,18-2,14.

 

    Entscheidend ist bei allem, dass wir festhalten, dass der dreieinige Gott selbst der Wirkende ist, wir nur seine Mitarbeiter, und dass der noch nicht wiedergeborene Mensch geistlich tot ist und seine geistliche Lebendigmachung daher einzig Gottes Werk, ohne Zutun des betroffenen Menschen.

 

 

 

ZEICHEN DER ZEIT

 

    Emerging Church: Seit einiger Zeit breitet sich auch im deutschsprachigen Raum ein Phänomen aus, das, wie vieles andere, aus den USA importiert wurde: die „Emerging Church“, oder, wie sie sich selbst nennen „Emerging Conversation“. Was ist das, was will diese Richtung?

Die führenden Personen, mit denen diese Richtung begann, kommen zumeist aus einem konservativ-evangelikalen Hintergrund, der ihnen aber irgendwann nicht mehr behagte. Ihr Ziel ist es, ein „postmodernes“ Christentum zu entwickeln, ein Christentum für die „Postmoderne“, also den christlichen Glauben an die heutige Zeit anpassen, damit es, wie es heißt, „kulturrelevant“ sei. (Dabei ist die immerwährende Relevanz unseres christlichen Glaubens die, dass der Mensch aller Zeiten, Rassen, Kulturen und Klassen Sünder ist und darum den Heiland Jesus Christus benötigt. Die biblische Lehre ist daher gleich relevant und gültig für alle Menschen aller Zeiten.) Prägende Personen wie Brian McLaren und Rob Bell sind beeinflusst von Ken Wilber, der wiederum aufbaut auf Plotin, Eckhart, Sri Aurobindo, dem Hinduismus, dem tibetanischen Buddhismus und so eine „Einheit von Geist und Kosmos“ postuliert, den Unterschied zwischen Geist und Materie, Schöpfer und Geschöpf in Frage stellt.

Die sich daraus ergebende Grundhaltung – wobei zu beachten ist, dass die Emerging Church keine einheitliche Bewegung ist, sondern sehr unterschiedlich, mit einer eher evangelikalen Lehre bis hin zu sehr starkem modernistischen Gepräge – ist die, dass letztlich alles, was bisher dagewesen ist, in Frage gestellt wird. Vor allem wird der biblisch begründete Absolutheitsanspruch des Christentums, die Tatsache, dass allein in Jesus Christus Rettung ist, angezweifelt. Damit wird auch der absolute biblische Wahrheitsbegriff umgestoßen, wie auch bei vielen zentrale biblische Lehren, wie etwa Gottes Allmacht und Allwissenheit, die Lehre von der Erbsünde; die Tatsache, dass es ein Drinnen (gerettet) und ein Draußen (noch nicht gerettet) gibt; die biblische Sexualethik (etwa im Blick auf Homosexualität) in Frage gestellt, teilweise sogar Christi stellvertretendes Sühnopfer abgelehnt. Der Zweifel, der doch eher eine Krankheitserscheinung, wenn nicht schließlich sogar Sünde ist, wird zur Höchstform des Glaubens stilisiert. Es ist nur folgerichtig, dass McLaren die vier „Allein“ der Reformation verwirft, denn er will ja einen Glauben entwickeln, der dem Fühlen und Denken der Menschen entspricht. (Der Ansatz ist also völlig diesseitig, anthropozentrisch, wie auch bei den vielerlei Formen der Gemeindewachstumsbewegung, und damit unbiblisch.) Das Erkenntnisprinzip, dem die Emerging Church huldigt, ist völlig subjektivistisch, denn Glaube wird als ein subjektives Erlebnis betrachtet, der sich darin äußere, Gott und den Nächsten zu lieben. (Das ist platter Humanismus. Die Emerging Church ähnelt in ihrer Haltung sehr stark dem sogenannten „Kulturprotestantismus“ des 19. Jahrhunderts.)

In der Verkündigung, wie sie etwa von der Hauszellengemeinde in Bremen mit Prediger Stangenberg im Internet zu finden ist, fehlen Sünde wie auch der Ruf zur Umkehr. Was angeboten wird, ist psychische Heilung. Wie weit jenseits des biblischen Christentums die Emerging Church steht, zeigen die Aussagen Stangenbergs zum Römerbrief, wenn er etwa die Frage aufwirft, ob man Christ sein müsse, um Jesus nachzufolgen, und dann behauptet, es sei im Römerbrief darum gegangen, die Schranken zwischen Juden und Christen niederzureißen. Jetzt müsse es darum gehen, diejenigen zwischen Christen und Heiden einzureißen. Dass es tatsächlich aber darum geht, dass wir alle Sünder vor Gott sind und alle der Rettung bedürfen, das will man nicht erkennen.

Die Aussagen von Dr. Johannes Reimer zum Missionsbefehl – es gehe nicht um die Proklamation des Evangeliums, sondern Transformation des Denkens – zeigen an, wohin es geht: soziales Evangelium. Dadurch wolle man den Zugang zu den Menschen gewinnen. Es geht dabei tatsächlich um soziales Evangeliium, darum, dass das Reich Gottes schon hier und jetzt angebrochen sei und Christen durch politisches und gesellschaftliches Engagement eine Gesellschaft heilen könnten (so Tobias Faix, s. Topic 5/2008).

Die Emerging Church, das ist aus dem Gesagten deutlich zu erkennen, stellt einen weiteren, und zwar umfassenden und massiven, Angriff auf das biblische Christentum im Allgemeinen und den biblisch-reformatorischen Glauben im Besonderen dar. Es ist umso erschreckender, dass schon jetzt nicht wenige aus dem evangelikalen Bereich dieser Richtung anhängen, ja, dass das Bibelseminar Marburg wohl inzwischen ganz dieser Bewegung verfallen ist. (Der Leiter, Dr. Tobias Faix, war zuvor in der Willow-Creek-Bewegung engagiert.) Dort wurde jetzt, ganz im Sinne von Emerging Church, ein Studiengang „Gesellschaftstranformation“ eingeführt. Der Begriff „Transformation“ ist ein typischer New-Age-Begriff. Wenn man zugleich den Hintergrund der Emerging Church bedenkt, so werden die geistigen Verbindungen deutlich, was auch die Offenheit für Yoga, Taoismus, Zen, Meditation, ekstatische Musik, Tanz usw. zeigt. Auch die Bibelschule Wiedenest, an der die Emerging-Church Protagonisten Johannes Reimer und Christina Brudereck lehren, ist von dieser unheilvollen Richtung stark beeinflusst.

(Quellen: Ron Kubsch: Wieviel Umgestaltung verträgt der christliche Glaube? Vortrag an der Freien Theologischen Akademie in Gießen. Gerrit Albers: Emerging Church (in: Fest und treu 4/2007). Topic 5/2008 S. 1 f.)

 

Staatlicher Eingriff in die Familien: Der Deutsche Bundestag hat bei seiner Sitzung am 24.04.2008 den § 1666 des Bürgerlichen Gesetzbuches (BGB) geändert, bei dem es um staatliche Eingriffe in die Familie, besonders im Blick auf die Erziehung der Kinder, geht. Bisher musste staatlicherseits den Eltern schwere Verletzung ihrer Fürsorgepflicht gegenüber den Kindern nachgewiesen werden, um Kinder aus der Familie zu nehmen. Dies ist jetzt nicht mehr nötig. Wenn staatliche Stellen der Meinung sind, dass die Kinder nicht so erzogen, gefördert, geleitet werden, wie sie es für gut und richtig halten, dann haben sie, entweder mit ärztlicher Zustimmung oder derjenigen eines Sozialpädagogen (den jedes Jugendamt hat) die Möglichkeit, den Eltern die Kinder wegzunehmen. Damit ist der staatlichen Willkür im Sinne des öko-humanistischen Totalitarismus Tor und Tür geöffnet. Es ist nicht unwahrscheinlich, dass dies besonders gegen christliche Familien angewandt wird, insbesondere solche, die bibeltreu sind. Und da wird man den Paragraphen besonders dann anwenden, wenn die Eltern das Recht, das in jedem freien Land gilt, nur nicht in der Bundesrepublik Deutschland, für sich in Anspruch nehmen, ihre Kinder selbst zu unterrichten (was sie übrigens, Höhepunkt der Schizophrenie, nach deutschem Recht dürfen, sobald sie im Ausland sind). Das, was jetzt eingeleitet wurde, entspricht den Zielen, den der zweite Familienbericht der Linksregierung 1975 formulierte: Erziehung als „gesamtgesellschaftliche Aufgabe“, an der die Eltern – neben anderen – Teil haben, aber sozusagen als Beauftragte der Gesellschaft. Und wie hatte es doch der derzeitige Arbeitsminister Scholz, damals Generalsekretär der SPD, 2002 formuliert: Man wolle die „Lufthoheit“ über den Kinderbetten. Das veranlasste die Franfurter Sonntagszeitung vom 04.11.2002 zu dem ganz richtigen Kommentar: Es gehe darum, der bürgerlichen Familie das Rückgrat zu brechen. Genau das geschieht hier – in Nachfolge des NS- und DDR-Staates, als deren Rechtsnachfolger sich ja die Bundesrepublick Deutschland auch immer gesehen hat.

 

FTA als Hochschule anerkannt: Die Freie Theologische Akademie in Gießen (FTA) ist am 14.05.2008 als „Hochschule“ vom Staat anerkannt worden. Das wäre an sich nichts besonderes, wenn nicht dahinter Änderungen in der Bekenntnishaltung der FTA stünden, insbesondere, dass sie die ausdrückliche Bindung an die Chicagoer Erklärung zur Verbalinspiration und Irrtumslosigkeit der Heiligen Schrift dort nicht mehr verankert hat. Vielmehr heißt es im neuen Grundsatz, dass die Bibel nur „Zeugnis von Gottes Offenbarung sei“ – also nicht mehr Gottes Offenbarung selbst. Auch wird von den Studenten kein ausdrückliches Ja mehr zur Bekenntnishaltung der FTA mehr verlangt. Es wird vom Wissenschaftsrat erwartet, dass die Forschung „frei“ und „ergebnisoffen“ sei. Nun ist den derzeitigen Dozenten an der FTA gewiss zuzugestehen, dass sie selbst ihre Grundhaltung nicht geändert haben. Aber die Frage muss erlaubt sein, was dies für die weitere Zukunft bedeutet. Ist damit nicht einer möglichen Aufweichung der Lehrstellung Tor und Tür geöffnet? Und dies umso mehr, als die Kontrollfunktion des Trägerkreises der FTA ausgeschaltet werden musste und auch Professoren anderer Hochschulen zu dem über Berufungen entscheidenden Beirat gehören müssen, und das sind ja dann Bibelkritiker!

Es ist meines Erachtens ein völlig falscher Weg, dass man meint, sich dadurch Anerkennung zu verschaffen, dass man staatliche Anerkennungen, etwa als Hochschule. Das führt nur zu entsprechenden staatlichen Einflüssen. Je weniger staatlicher Einfluss, umso besser. Es sollte den Kirchen, auch denen in der sogenannten „Dritten Welt“ nahe gebracht werden, nicht auf staatliche Abschlüsse zu sehen, sondern auf die Lehrhaltung der Ausbildungsstätten und der Kandidaten, die sie berufen wollen.

 

Islam: Wie in dem christlichen E-mail-Nachrichtendienst „pro“ am 16.05.2008 gemeldet wurde, hat der Großmufti von Bosnien in einem Interview, das ein von der Europäischen Volkspartei (EVP, ihr gehört auch die CDU/CSU an) finanziertes Blatt brachte, erklärt, dass ein muslimisches Kalifat für Europa anzustreben sei. Ihm schwebt vor, dass die Muslime nicht nur Gastrecht in den europäischen Ländern haben sollten, sondern als gestaltender Faktor dort wirkten. Vor allem geht es ihm darum, dass sie zugleich einen Sonderstatus haben, durch den Kalifat einen Staat im Staat bilden, für ihren Bereich die Scharia volle Gültigkeit habe. Das wäre, was er nicht ausführte, nichts anderes als ein weiterer Schritt zur vollen Machtübernahme.

Ein von der Stadt Traun in Österreich geplanter Vortrag über den Islam, den die deutsche Islamwissenschaftlerin Dr. Christine Schirrmacher halten sollte, wurde nach massiven Protesten des Islamrates in Österreich durch die Veranstalter abgesagt (die entsprechende Person ist gleichzeitig Landtagsabgeordneter der österreichischen Sozialisten in Wien). Hier zeigt sich einmal mehr, wie wenig der Islam bereit ist, Demokratie und Meinungsfreiheit anzuerkennen – aber auch, wie feige und wehrlos die europäischen Demokratien dieser totalitären Weltanschauung gegenüber sind, ganz ähnlich wie in den 1920er und 1930er Jahren gegenüber den damaligen totalitären Weltanschauungen, Faschismus und Kommunismus. Die Ergebnisse sind bekannt.

 

Gewalt und Religion: Eine europäische Forschergruppe unter Leitung des Würzburger Religionspädagogen Hans-Georg Zieberth hat untersucht, in wieweit Religion und Nationalkultur sich auf die Wertsysteme und die Gewaltbereitschaft der Jugendlichen auswirken. Dabei wurde festgestellt, dass die Gewaltbereitschaft bei Moslems und Juden höher ist als bei Christen, wobei – was aber immerhin in Frage zu stellen ist aufgrund der tatsächlichen Vorkommnisse – angeblich die Gewaltbereitschaft bei jungen Moslems in Westeuropa sich derjenigen bei Einheimischen angeglichen haben soll. Interessant ist dabei auch, dass es im christlichen Bereich wiederum einen konfessionellen Unterschied gibt, nämlich römische Katholiken, besonders in Polen, wesentlich eher gewaltbereit sind als Protestanten. Mir scheint dies nicht verwunderlich, da Islam und römischer Katholizismus in ihren Denkstrukturen eindeutig totalitäre Züge tragen (während bei den jüdischen Jugendlichen die historischen Hintergründe sehr bestimmend sein dürften). Nicht zuzustimmen ist der Auffassung Zieberths, dass die Gewaltbereitschaft zunähme, wenn der Absolutheitsanspruch der Religion betont werde. Denn gerade das reformatorische Christentum hat immer wieder betont, dass die Bibel allein die Wahrheit ist, Jesus Christus allein der Retter, ohne deshalb den Glauben mit Gewalt durchsetzen zu wollen. (Quelle: pro vom 16.05.2008)

 

Hochkirchliche Tendenzen: Je mehr in lutherischen Kirchen die Treue zu Bibel und Bekenntnis schwindet, umso mehr machen sich unter anderem auch hochkirchliche Tendenzen breit. Das ist sowohl in der Lutheran Church – Missouri Synod (LCMS) als auch in der Selbständigen Evangelisch-Lutherischen Kirche (SELK) zu bemerken. Gerade sogenannte konservative Kreise in der SELK, die aber zumindest zum Teil die Verbalinspiration und Irrtumslosigkeit der Schrift leugnen, lassen immer wieder erkennen, dass sie das Priestertum aller Gläubigen nicht sehr hoch achten, in Aufsätzen betonen, es komme in den Bekenntnisschriften gar nicht vor. Dagegen wird das Pfarramt umso höher betont, gar mit zum „Wesen“ der Kirche gerechnet. Die Ordination wird gerne in die Nähe eines Sakraments gerückt und den Kirchendiktator Andreas Grabau (Buffalo-Synode) aus dem 19. Jahrhundert, der ganze Gemeinden und Kirchen mit dem Bann belegte und die Gemeinden ihrer Rechte beraubte, versucht man zu rehabilitieren.

In der Missouri-Synode hat man zwar auf der vorletzten Synodalversammlung Walthers Standardwerk „Unsere Stimme in der Lehre von Kirche und Amt“ mit großer Mehrheit wieder angenommen – zugleich aber wird immer mehr versucht, die Gemeindeversammlung zu entmachten. In vielen Gemeinden etwa werden die Synodalvertreter nicht gewählt, sondern einfach durch den Pastor bestimmt. Jetzt wird den Gemeinden vorgeschlagen, sie sollten doch die Ausübung der Aufgaben auf ein Gremium übertragen. Im September findet ein Symposium der Hochschule in St. Louis statt, das zum Thema hat, Walthers Lehre von Kirche und Amt als veraltet zu überwinden! Der derzeitige Präses, Kieschnick, hat es sogar durchgesetzt, dass er während seiner Amtszeit nicht einmal wegen Irrlehre angeklagt werden kann (er hat damit eine dem Papst ähnliche Stellung).

Aber auch in den kleineren Kirchenkörpern dringt dieses Gedankengut immer mehr ein. Dies zeigte sich bei den Auseinandersetzungen um die Amtslehre in der Evangelical Lutheran Church (ELS). Zumindest ein Teil des hochkirchlichen Flügels um Rolf Preus hat die ELS inzwischen verlassen und bildet jetzt die Association of Confessional Lutheran Churches (ACLC). Rolf Preus lehrt etwa, dass die Christen ihre geistliche und Kirchenvollmacht nicht direkt von unserem Herrn und Heiland Jesus Christus hätten, sondern nur vermittelt durch das Predigtamt. Wie bei der römischen Kirche wird also zwischen Christus und dem Christen wieder ein Mittler geschoben. Auch er hat die Tendenz, das Priestertum aller Gläubigen zurückzudrängen, wenn er etwa meint, dass das Binden nach Matth. 18 dem allgemeinen Priestertum nicht zugesprochen werden dürfe, sondern nur von der Gemeinde mit dem Pastor gesagt werden könne.

Noch deutlicher werden solche Tendenzen bei den Gemeinden, die sich deshalb von den Lutheran Churches of the Reformation (LCR) getrennt haben, nämlich der Orthodox Lutheran Fellowship of Congregations (OLFC) um Martin Diers. Hier wird behauptet, dass der Bann durch den Pastor geübt werde, dass die Gemeinde nur durch ihn handele. Außerdem wird behauptet, dass es ein Eingriff in das heilige Predigtamt sei, wenn bei Abwesenheit des Pastors Lesegottesdienste gehalten würden, da damit etwas Wesentliches des Amtes (Wortverkündigung) einem „Laien“ übertragen würde. Auch wird verworfen, dass Nichtordinierte das Abendmahl verwalten können. Ja, selbst das Predigen von Vikaren, die sich noch in der Ausbildung befinden, wird angegriffen, da diese ja keine Berufung von der jeweiligen Gemeinde hätten. Die Rechte des Priestertums aller Gläubigen und was es überhaupt ausmacht, werden damit massiv eingeschränkt. Es herrscht die Tendenz, Aussagen der Bekenntnisse, wie Artikel 5 des Augsburgischen Bekenntnisses, die von Wort und Sakrament sprechen, einseitig auf das Predigtamt zu verengen und so das Priestertum aller Gläubigen zurück zu drängen. Vertreter von ACLC und OFLC sowie der ebenfalls hochkirchlichen „Evangelical Lutheran Diocese of North America“ (ELDONA) treffen sich auch in freien Konferenzen, um die Möglichkeit von Kirchengemeinschaft zu erörteren.

 

United Lutheran Mission Association (ULMA): Gegen die hochkirchlichen Tendenzen in der Missouri-Synode und anderen lutherischen Kirchen wurde von den Gliedern zweier unabhängiger lutherischer Gemeinden in den USA schon vor längeren die ULMA gebildet. Sie ist eine hauptsächlich von Gemeindegliedern getragene Einrichtung (Ausübung des Priestertums aller Gläubigen), deren Ziel es ist, bibel- und bekenntnistreue lutherische Gemeinden aufzubauen und zu unterstützen. Am 20.04.2008 wurde mit einem Gottesdienst in Fredericksburg in Virginia die inzwischen dritte Missionsgemeinde gegründet. Als Missionar steht dort Pastor James Shaw im Dienst, der aus der LCMS ausgetreten ist. Glieder dieser Missionsgemeinde sind ebenfalls ehemaliger Glieder missourischer Gemeinden, die gerne eine wirklich bibel- und bekenntnistreue Gemeinde haben wollten. Ähnliche Missionsgemeinden hat die ULMA bereits in Wauwatosa (Wisconsin) und Escabana (Michigan) gegründet.

 

 

 

Literaturhinweis:

 

- Roland Sckerl: Louis Harms – der Erweckungsprediger in der Lüneburger Heide. Geheftet. 72 S. € 1,70. Durch Ludwig (Louis) Harms hatte Jesus Christus aus dem kleinen, bis dahin kaum jemandem bekannten Hermannsburg eine geistliche „Burg“ gemacht, ein Ort, der durch das Evangelium geistlich grundlegend erneuert und zum Ausgangspunkt eine intensiven lutherischen Gemeinde- und Kirchenmission wurde. Dabei war dieser Mann von seiner Jugend an körpeerlich krank – aber durch eine gründliche Bekehrung zu einem brennenden Werkzeug seines Heilandes geworden.