Beständig in der Apostel Lehre und in der Gemeinschaft und im Brotbrechen und im Gebet! Apg. 2,42

DER BEKENNTNIS-

LUTHERANER

Lutherisches Blatt für Bibelchristentum.

Mit Zustimmung der Lutherischen Kirchen der Reformation (Lutheran Churches of the Reformation, LCR) herausgegeben von Roland Sckerl,  Leopoldstr. 1, D-76448 Durmersheim; Tel.:07245/83062; Fax: 07245/913886

e-mail: Sckerl@web.de; Internet: www.lutherische-bekenntnisgemeinde.de

16. Jahrgang 2008                                  Heft 1/2008

 

 

 

 

I N H A L T S V E R Z E I C H N I S

 

Unter Luthers Kanzel und Katheder

 G.L. Plitt: Luthers Auffassung und Erfüllung der christlichen Missionspflicht              3

Unter Bibel und Bekenntnis                                                                                               

 Roland Sckerl: Die Lehre vom unfreien Willen und ihre Bedeutung für die

  missionarische Arbeit (Teil 1)                                                                                       13

Zeichen der Zeit                                                                                                              32

 

 

 

 

 

 

UNTER LUTHERS KANZEL UND KATHEDER

 

 

LUTHERS AUFFASSUNG UND ERFÜLLUNG DER CHRISTLICHEN MISSIONSPFLICHT

 

Von

G.L. Plitt

(entnommen aus: Geschichte der lutherischen Mission. Neu hrsg. von Otto Hardeland. 1. Hälfte. Leipzig 1894.)

 

Schon oft ist der lutherischen Kirche der Vorwurf gemacht worden, dass sie die allgemeine Christenpflicht der Mission lange ungebührlich vernachlässigt und dadurch einen bedenklichen Mangel an wahrem Leben bekundet habe. Aber dieser Vorwurf beruht zum Teil auf ungenügender Kenntnis der Geschichte, zum Teil auf falscher Beurteilung der Verhältnisse. Er ist lange nicht in dem Maße begründet, in welchem er gemacht wird, und die, welche ihn zumeist erheben, sind sittlich am wenigsten dazu berechtigt.

Der Missionsbefehl des Herrn lautete, alle Völker zu lehren, in alle Welt zu gehen und das Evangelium zu predigen aller Kreatur. Ohne Zweifel galt dieser Befehl nicht nur den Aposteln als solchen, sondern allen Jüngern Jesu. Wer durch ihn und in ihm lebte, sollte auch von ihm als dem Heiland aller Menschen Zeugnis ablegen. So hat es die Kirche allezeit verstanden und demgemäß handelt auch heute jeder lebendige Christ. Aber nicht jedes Zeugnis von Christus ist darum schon Missionspredigt im engeren Sinn dieses Wortes, wie denn auch das, was Aufgabe der Gemeinde ist, nämlich Christus denen zu verkündigen, die ihn noch nicht kennen, nicht jedem einzelnen Gläubigen für sich obliegt. Die Kirche als Ganzes hat nie aufgehört, jenen Befehl ihres Herrn zu erfüllen, wenn schon nicht zu jeder Zeit alle Teile der Kirche unmittelbar an dieser Arbeit sich beteiligten. So lange es noch Heiden innerhalb des römischen Reiches gab, konnten viele Christengemeinden in nächster Nähe an ihrer Bekehrung arbeiten. Als aber die Bevölkerung des Reiches wenigstens äußerlich der Kirche einverleibt war, sah diese sich mit ihrer Missionstätigkeit auf die umwohnenden Völker angewiesen und von da an oblag solche Arbeit vorwiegend den Gemeinden des Grenzgebietes. Sie, die zunächst mit den Heiden in Berührung standen, mussten schon darin die gerade an sie gerichtete Aufforderung des Herrn erkennen, jenen das Heil zu verkünden, und das Werk sollte dadurch gefördert werden, dass nicht bloß einzelne in die Heidenwelt hinausgingen und predigten, sondern zugleich die christliche Gemeinschaft versittlichend und erziehend auf die Neubekehrten wirkte. So war es während des Mittelalters, wo vorzüglich die Mönchsorden das Missionswerk trieben, kirchliche Regel, die Neugründungen so anzulegen, dass sie mit den dahinter stehenden Mutterklöstern in engster Verbindung blieben und an ihnen Halt und Stütze hatten. Die Ausbreitung der Kirche sollte ein stetiges Weiterwachsen sein.

Sodann gab die Kirche sich nicht einem ungestümen und unklaren Missionsdrang hin und suchte sich, um ihm zu genügen, nicht nach Belieben Missionsgebiete aus, sondern sie wartete die Weisungen des Herrn ab und bemühte sich, seine Fingerzeige zu erkennen. Paulus, der doch ausdrücklich als Apostel für die Heidenwelt berufen war, zögerte, in dies sein Berufswerk einzutreten, bis der Geist die Gemeinde in Antiochia aufforderte, ihn und Barnabas abzusondern und auszusenden. Und dann ging er die Wege, welche er als die von Gott ihm gewiesenen ansehen musste. Er besuchte zuerst die Judengemeinden in der Zerstreuung, seiner Verpflichtung gegen sie eingedenk und um sie als Ausgangs- und Anhaltspunkt zu benützen. Und daneben wandte er sich nach den größeren Städten, den Sammelplätzen des Völkerlebens, den Mittelpunkten des großen Verkehrs, welche dadurch geeignet waren, für eine ganze Umgegend Herde der Christianisierung zu werden. Ihm folgend suchte auch weiterhin die Kirche aus den Bewegungen ihrer eigenen Geschichte wie aus den Verhältnissen des Völkerlebens zu erkennen, wo und wann Gott sie anweise, das Werk des Heidenapostels aufzunehmen und fortzusetzen.

Die Kirche hat nie aufgehört, Mission zu treiben; aber sie selbst entartete und das entstellte auch ihre Missionsarbeit. Es genügte ihr nicht, die Gemeinde der an Christus Gläubigen zu ssein, sondern sie wollte das sichtbare Reich Gottes auf Erden darstellen, welches in Rom seinen Mittelpunkt habe und von dort aus regiert werde. Daher begnügte sie sich nicht damit, den Glauben an Christus als den alleinigen Weg zum Heil zu predigen, vielmehr stellte sie daneben die Forderung, dass die Neubekehrten sich Rom und seinen Gesetzen unterwürfen, und lehrte sie, dies als eine unerlässliche Bedingung ihrer Seligkeit anzusehen. Die natürliche Folge hiervon war, dass dies letztere sich als die Hauptsache in den Vordergrund drängte und der Glaube an Christus fast vergessen wurde.

Und noch eine andere Verirrung ergab sich aus jenem Entarten. War die Kirche das sichtbare Gottesreich, so musste sie auch über alles in der Welt herrschen. Sie musste verlangen, dass alle Gewalt sich ihr unterwürfe, und wer sich weigerte, den musste sie mit äußerer Macht zu beugen suchen. Wo ihre Mahnung, dem Namen Christi sich zu untergeben, kein Gehör fand, da musste sie sich für verpflichtet halten, zum Schwerte zu greifen, um die Ungehorsamen zu zwingen, ja im Notfall auszurotten. Das Reich des Friedensfürsten auszubreiten forderte sie zum Kriege auf und ließ Ströme von Blut vergießen. Unter diesem Gesichtspunkt sind in der Ausbreitungsgeschichte die nach verschiedenen Seiten gerichteten Kreuzzüge zu beurteilen, aus diesem Irrtum ging die Mahnung der mittelalterlichen Kirche zu den Türkenkriegen hervor.

So stand es mitd er Mission, als Luther wieder das Evangelium zu predigen begann und dadurch zum Reformator der Kirche wurde. Er stellte das Wort Gottes wieder hoch auf den Leuchter und machte es auch gegen alle falsche Überlieferung und Gewohnheit geltend. Und er sollte ein so ausdrückliches Gebot des Herrn wie das die Mission betreffende übersehen und um seine Erfüllung sich gar nicht bemüht haben? Es ist schwer denkbar, dass es sich so verhalten sollte, und doch sieht man sich in seinen Schriften vergeblich nach dem um, was wir etwa eine Aufforderung an seine Zeitgenossen zur Mission nennen würden. Da liegt denn doch wohl die Frage nahe, ob wir überhaupt berechtigt sind, gerade etwas derartiges von ihm zu erwarten, und ob er nicht in ganz anderer Weise jene Schriftworte zu befolgen, jenem Gebot des Herrn nachzuleben hatte.

Luther hat an den Festen der Erscheinung wie der Himmelfahrt zu wiederholten Malen über Schriftworte gepredigt, die ihm Anlass genug gaben, über die Mission sich auszusprechen.

Bei der Auslegung der Schlussworte im Evangelium nach Markus sagt er: „Allhier begibt sich eine Frage über diesen Spruch: Gehet hin in alle Welt; wie dieser Spruch zu verstehen ist und zu halten, da die Apostel ja nicht in alle Welt gekommen sind! Denn es ist kein Apostel her zu uns gekommen; auch sind viele Inseln entdeckt worden noch zu unsern Zeiten, die da Heiden sind, und niemand hat ihnen gepredigt, und die Schrift sagt doch, ihre Lehre sei erschollen in alle Lande und ihre Richtschnur sei in die ganze Welt gegangen. Antwort: Ihre Predigt ist in alle Welt ausgegangen, wiewohl sie in alle Welt noch nicht gekommen sind. Dieser Ausgang ist angefangen und angegangen, wiewohl er noch nicht vollbracht und ausgerichtet ist, sondern wird je weiter und ferner ausgepredigt bis an den jüngsten Tag. Wenn diese Predigt in aller Welt gepredigt und gehört wird und verkündiget, alsdann ist die Botschaft vollbracht und allenthalben ausgerichtet: Dann wird auch zutreffen der jüngste Tag. Es ist eben um diese Botschaft der Predigt, als wenn man einen Stein ins Wasser wirft, der macht Bulgen und Kreise und Striemen um sich, und die Bulgen walchen sich immer fort und fort, eine treibt die andere, bis dass sie an das Ufer kommen. Wiewohl es mitten inne stille wird, dennoch ruhen die Bulgen nicht, sondern fahren vor sich. Also gehet es auch mit der Predigt zu: Sie ist durch die Apostel angefangen und gehet immerdar fort und wird durch die Prediger weiter getrieben, hin und her in die Welt verjaget und verfolget, wird doch immer weiter denen, die sie zuvor nicht gehört haben, kund gemacht, wiewohl sie mitten unter dem Wege ausgelöscht und eitel Ketzerei wird.“ –

Luther weiß also und lehrt auch, dass der Befehl, das Evangelium zu predigen, ein für alle Zeit gültiger ist; er verweist auf den Gang der Predigt durch die Jahrhunderte hin. „Das Evangelium soll nienmand vorenthalten werden, bis dass es komme bis an die Enden der Welt, wie im Psalm steht. Also ist es auch jetzund zu uns gekommen, die wir liegen am Ende der Welt, denn wir liegen hart am Meer.“ Er hat von neu entdeckten Heidenländern erfahren. Und doch fordert er seine Zuhörer nicht auf, dorthin Boten zu senden und das Missionswerk zu beginnen. Er erinnert daran, dass die Weisen aus dem Morgenlande gewiss von dem, was sie gesehen und gehört hatten, geredet haben werden. „Sie sind die ersten Evangelisten oder Prediger unter den Heiden gewesen, die andere von diesem Kindlein unterrichtet, sie gelehrt und getröstet haben. So sollen auch wir nicht stillschweigen, sondern von diesem Kinde predigen.“ Aber auch hier nennt er nicht die Heiden als die, welchen jetzt zu predigen sei. Gerade die Schriftworte, welche den Missionsbefehl enthalten, nennen ihm eine andere Aufgabe als die seinige. Das Evangelium soll gepredigt werden. „Wie lautet aber das Evangelium? Wer da glaubt und getauft wird, der wird selig. – Wer da glaubt, da soll kein Zorn noch Verdammnis, sondern eitel Gnade und Seligkeit sein; die Sünde soll vergeben und der Himmel aufgeschlossen sein.“ In Jesu namen allein soll Buße und Vergebung der Sünden unter allen Völkern gepredigt werden. „Da greift der Herr fürwahr sehr weit um sich und fasset auf einmal alles, was in der welt ist, es seien Juden, Heiden und wer sie wollen, und kurz, gar keinen Menschen ausgeschlossen, allesamt, wie er sie findet und trifft (außer Christus), unter Gottes Zorn, schließt und spricht: Ihr seid alle zumal verdammt mit alle eurem Tun und Wesen, was ihr seid und wie viel, wie groß, wie hoch, wie heilig ihr seid. – Indem er spricht, die Apostel sollen gehen in alle Welt und das Evangelium predigen aller Kreatur, so folget, dass alle Welt mit all ihrer Weisheit, Kunst und Lehre nichts weiß noch versteht vom Evangelium Christi. Denn wo sie es aus ihrem eigenen Kopf wüsste und verstünde, so bedürfte sie nicht der Apostel Sendung und Predigt. Wo es die Griechen gewusst hätten, so hätte St. Paulus nicht müssen zu ihnen kommen und den Gehorsam des Glaubens unter ihnen aufrichten. Darum weren mit diesem Befehl alle Gelehrten dieser Welt, Philosophen, Juristen, Theologen mit alle dem, was sie wissen, verstehen und in der Welt lehren, zur Schule geführt, und den armen Bettlern und ungelehrten Fischern, den Aposteln, unterworfen, als den Botzen, von Christus gesandt, die aller Welt Meister sein sollen, und welche alle Welt hören und von ihnen lernen oder mit all ihrer Kunst und Weisheit verdammt sein soll.“ Aber wie diese Predigt alle Welt demütigt und zur Buße ruft, so bietet sie hinwieder auch allen Völkern ohne Unterschied Vergebung der Sünden an. „Hier sollen wir sonderlich des hohen Trostes nicht vergessen, dass Gott auch die Heiden zum Reiche Christi fordert und zum Volk annimmt, ob sie wohl nicht beschnitten noch wie die Juden dem Gesetz unterworfen waren. Denn hier haben wir Heiden ein gewisses Zeugnis, dass wir nicht verzweifeln sollen, als gehörten wir nicht zu Christus, sondern dass wir uns sein sollen annehmen so wohl als die Juden, ob wir gleich nicht sein Volk sind wie die Juden.“ Und wenn es im Psalm heißt: Lobet den Herrn, alle Heiden, so „werden damit wir Heiden versichert und gewiss, dass wir auch zu Gott und in den Himmel gehören und nicht verdammt sein sollen, ob wir gleich nicht Abrahams leiblich Blut und Fleisch sind; wie die Juden sich rühmen, als wären sie allein Gottes Kinder und Erben des Himmels um der leiblichen Geburt willen von Abraham und den heiligen Erzvätern, Königen und Propheten. Wahr ist’s, die Ehre haben sie allen vor allen Menschen, dass sie solcher heiligen Väter Kinder sind: Aber die Ehre haben sie nicht allein, dass sie Gottes Kinder und seines Himmelreichs Erben sind.“ – Kein Volk auf Erden gibt es, für welches diese Predigt nicht bestimmt sei und kein Stand ist für sie zu hoch oder zu gering, zu gut oder zu schlecht. „Denn der Herr spricht: Prediget allen Kreaturen, damit er alle Stände fassen will, dass kein Kaiser, kein König auf Erden so mächtig sein soll, er soll diese Lehre des Evangeliums hören, annehmen und glauben oder er soll verdammt sein. Denn solches heißen Menschenkreaturen, d.i. solche Ämter und Stände, die von Menschen geordnet werden. – Da ist der Größte, Gewaltigste, Edelste, Heiligste nicht besser als der Geringste, Einfältigste und Verachtetste auf Erden, alles in Einen Haufen geschmolzen, niemand zu Leid oder Liebe oder zu Ehren und Vorzug ausgemalt und abgesondert; sondern darin stehets gar und alles: Wer da glaubt, sie seien wer und waserlei Leute, Völker, Stände und Wesens, und wie ungleich sie wollen in der Welt. – Wiederum hat auch das Reich Christi nichts zu tun mit jenen äußerlichen Sachen, lässt solch Wesen bleiben ungeändert, wie es ist und gehet in seinen Ordnungen. Denn Christus befiehlt, dass sie sollen das Evangelium predigen allen Kreaturen; die Kreaturen sind und stehen alle zuvor da, ehe er mit dem Evangelium kommt, d.i. alle weltliche Sachen und Ordnungen, so von Menschen nach der Vernunft und von Gott eingepflanzter natürlicher Weisheit gefasset sind, welche auch St. Petrus nennt menschliche Kreaturen, 1. Petr. 2, und doch auch Gottes Ordnungen heißen, Röm. 13. Darin will Christus nichts Neues oder Anderes machen, sondern lässt sie bleiben, wie sie sind und heißen; allein dass er der Welt lässt sagen von diesem seinem ewigen Reich, wie man dazu komme, dass man der Sünde und ewigen Todes los werde, dass ihm in dem alle zugleich ohne Unterschied unterworfen sesin sollen und ihn für ihren Herrn erkennen durch den Glauben.“

Dies alles erkannte Luther als Inhalt des Befehls, das Evangleium in alle Welt aller Kreatur zu bringen, und eben hieran hatte es bisher gefehlt, so sehr, dass er sich wohl zu dem Ausspruch hinreißen ließ: Ich weiß nicht, ob Deutschland je Gottes Wort gehört hat. Des Papstes Wort war verkündet, aber das war nicht das Evangelium, vielmehr das gerade Gegenteil davon, lauter Werkpredigt und Anleitung zur Eigengerechtigkeit. Erst jetzt hatte Gottes Gnade das Licht wieder hell aus der Finsternis hervorleuchten lassen; die Freundlichkeit und Leutseligkeit Gottes war wieder in dem ungefälschten Worte von der Gnade in Christus Jesus erschienen. Der Heilige Geist hatte Luther durch das Evangelium zur Erkenntnis Christi gebracht, nämlich dass er im Glauben an ihn Vergebung der Sünden finde. Dann aber brauchte der Geist ihn und solche, welche dasselbe wie er erfahren hatten, um durch Wort und Predigtamt auch andere zu dieser Erkenntnis der Gnade zu bringen. – Weil das Evangelium in der Christenheit selbst in Vergessenheit geraten war, musste Luther es als die ihm obliegende Erfüllung jenes Missionsbefehls ansehen, das lautere Evangelium in seinem Volk wieder zu predigen, und hierzu forderte er dann auch aus Anlass solcher Schriftstellen andere auf; dies meinte er, wenn er in seinem Missionsliede betete:

 

Es wolle Gott uns gnädig sein                               So danken, Gott, und loben Dich

und seinen Segen geben;                                       die Heiden überalle,

sein Antlitz uns mit hellem Schein                       und alle Welt, die freue sich

erleucht zum ewgen Leben.                                  und sing mit großem Schalle,

Dass wir erkennen seine Werk,                            dass du auf Erden Richter bist

und was ihm lieb auf Erden,                                  und lässt die Sünd nicht walten:

und Jesus Christus Heil und Stärk                          Dein Wort die Hut und Weide ist,

bekannt den Heiden werden                                  die alles Volk erhalten,

und sie zu Gott bekehren.                                     in rechter Bahn zu wallen.

 

Die Heiden, die er hier meint und von denen er auch oft sagt: wir Heiden, sind die nichtjüdischen Völker, welche in die christliche Kirche eingegangen waren; sie loben Gott, wie schon Psalm 117 geweissagt hat, und unter ihnen soll das Evangelium immer mehr im Schwange gehen.

Unter so gingen dann Luthers Schüler hinaus als Boten des Evangeliums und gründeten Missionsstationen. Auch jetzt suchten sie die Hauptplätze des Verkehrs, die größeren Städte, zuerst auf und von da verbreitete sich die Predigt in immer weiteren Kreisen, bis diese Kreise sich berührten und in einander übergingen, so dass es ein zusammenhängendes evangelisches Kirchengebiet gab.

Auf solche Weise predigte und trieb Luther evangelische Mission, und für den Fortgang dieses Missionswerkes lehrte er die evangelischen Christen beten, indem er in der Auslegung der zweiten Bitte schrieb: „Derhalben bitten wir nun zum ersten, dass solches bei uns kräftig werde und sein Name so gepriesen durch das heilige Wort Gottes und christlich Leben, beide, dass wir, die es angenommen haben, dabei bleiben und täglich zunehmen, und dass es bei andern Leuten ein Zufall und Anhang gewinne und gewaltiglich durch die Welt gehe, auf dass ihr viel zu dem Gnadenreich kommen, der Erlösung teilhaftig werden, durch den Heiligen Geist herzugebracht, auf dass wir also allesamt in Einem Königreich, jetzt angefangen, ewiglich bleiben.“

Neben dieser Erneuerung rechter Evangeliumspredigt aber bekämpfte er die falsche Art, das Reich Gottes auszubreiten, welche unter dem Papsttum aufgekommen war und gerade von den Päpsten seiner Zeit sehr empfohlen wurde.

Schon früh hatte er gegen die Türkenkriege sich ausgesprochen und war deshalb von seinen Gegnern als ein Verräter der Kirche und des Reiches verschrien. Als dann 1529 die Türkengefahr wuchs, nahm er hiervon Veranlassung, sich eingehender über diesen Gegenstand zu äußern und tat es mit allem Freimut. Die Türken galten jener Zeit als die Feinde Christi und seines Reiches, als die Vorkämpfer des Heidentums, d.h. des unter dem Teufel stehenden Reiches der Finsternis, gegen die christliche Welt. So sah auch Luther sie an, aber er zog daraus ganz andere Folgerungen als der Papst und die Seinen.

Den Türkenkrieg selbst wollte Luther durchaus nicht aufgegeben haben, aber er sollte von anderen Streitern geführt werden als bisher und in anderer Gesinnung. Ihn zu führen komme der weltlichen Obrigkeit zu, welcher Gott befohlen habe, das Reich zu schützen. Zu dieser solle man in Gottes Namen sprechen: „Liebe Herrn, Kaiser und Fürsten, wollt ihr Kaiser und Fürsten sein, so tut als Kaiser und Fürsten, oder der Türke wird’s euch lehren durch Gottes Zorn und Ungnade. Deutschland oder Kaisertum ist euch von Gott gegeben oder befohlen, dass ihr’s schützen, regieren, raten und helfen sollt, und nicht allein sollt, sondern auch müsst, bei Verlust eurer Seelen Seligkeit und göttlichen Huld und Gnaden.“ Der Kaiser soll gegen die Türken streiten und unter seinem Panier soll es geschehen. Aber freilich muss dann der Kaiser selbst sich mit anderen Augen ansehen als bisher geschah, und auch die Christen müssen sein Panier mit anderen Augen anschauen. Auch soll man wider die Türken nicht streiten seines falschjen Glaubens und Lebens halber, sondern wegen seines Mordens und Zerstörens. Des Kaisers Schwert hat nichts zu schaffen mit dem Glauben, es gehört in leibliche, weltliche Sachen. „Darum soll man auch dies Reizen und Hetzen lassen anstehen, da man den Kaiser und Fürsten bisher gereizt hat zum Streit gegen die Türken, als das Haupt der Christenheit, als den Beschirmer der Kirche und Beschützer des Glaubens, dass er solle des Türken Glauben ausrotten, und haben also das Reizen und Ermahnen gegründet auf der Türken Bosheit und Untugend. Nicht also, denn der Kaiser ist nicht das Haupt der Christenheit, noch Beschirmer des Evangeliums oder des Glaubens. Die Kirche und der Glauben müssen einen anderen Schutzherrn haben als der Kaiser und Könige sind; sie sind gemeiniglich die ärgsten Feinde der Christenheit und des Glaubens, wie der 2. Psalm sagt und die Kirche allenthalben klagt. Und mit solchem Reizen und Ermahnen macht man’s nur ärger und erzürnet Gott desto mehr, dieweil man damit in seine Ehre und Werk greift und will den Menschen zueignen, welches eine Abgötterei und Lästerung ist. Auch wenn der Kaiser sollte die Ungläubigen und Unchristen vertilgen, müsste er an dem Papst, Bischöfen und Geistlichen anfangen, vielleicht auch unser und sein selbst nicht verschonen: Denn es greuliche Abgötterei genug ist in seinem Kaisertum, dass nicht not ist, deerhalben den Türken zu bestreiten. Es sind unter uns Türken, Juden, Heiden, Unchristen allzu viel, beide mit öffentlicher falscher Lehre und mit ärgerlichem, schändlichem Leben. Lasst den Türken glauben und leben, wie er will, gleichwie man das Papsttum und andere falsche Christen leben lässt.“ Noch viel weniger als der Kaiser aber soll der Papst also streiten, denn ihm „als der einChrist, ja der oberste und beste Christenprediger sein will, nicht gebührt, ein Kirchenheer oder Christenheer zu führen, denn die Kirche soll nicht streiten noch mit dem Schwert fechten, sie hat andere Feinde als Fleisch und Blut, welche heißen die bösen Teufel in der Luft, Eph. 6. Darum hat sie auch andere Waffen und Schwert und andere Kriege, damit sie zu schaffen genug hat, darf sich in des Kaisers oder der Fürsten Kriege nicht mengen, denn die Schrift sagt: Es soll kein Glück da sein, so man Gott ungehorsam ist. Man frage die Erfahrung, wie wohl uns bisher gelungen ist mit dem Türkenkrieg, so wir als Christen und unter Christi Namen gestritten haben, bis dass wir zuletzt Rhodos und schier ganz Ungarn und viel vom deutschen Land dazu verloren haben.“

Auch die Kirche soll allerdings streiten gegen die Türken, denn Mohammed ist ein Zerstörer unsers Herrn Christus und seines Reiches. „Der Türke ist ein Diener des Teufels, der nicht allein Land und Leute verderbet mit dem Schwerte, sondern auch den christlichen Glauben an unsern lieben Herrn Jesus Christus verwüstet. Denn wiewohl etliche ein Regiment darin loben, dass er jedermann lässt glauben, was man will, allein dass er weltlich Herr sein will, so ist doch solch Lob nicht wahr. Denn er lässt wahrlich die Christen öffentlich nicht zusammen kommen und darf auch niemand öffentlich Christus bekennen noch gegen den Mohammed predigen oder lehren. Was ist aber das für eine Freiheit des Glaubens, da man Christus nicht predigen noch bekennen darf? So doch unser Heil in demselben Bekenntnis stehet, wie Paulus sagt, Röm. 10: ‚Mit dem Munde bekennen macht selig’, und Christus gar hart befohlen hat, sein Evangelium zu bekennen und lehren, Matth. 10. Weil denn nun der Glaube muss schweigen und heimlich sein unter solchem wüsten, wilden Volk und in solchem scharfen, großen Regiment, wie kann er zuletzt bestehen oder bleiben, so es doch Mühe oder Arbeit hat, wenn man gleich aufs allertreulichste und fleißigste predigt? Darum geht’s auch also und muss also gehen, was aus den Christen in der Türkei gefangen oder sonst hineinkommt, fällt alles dahin und wird allerdings türkisch, dass gar selten einer bleibt; denn sie mangeln des lebendigen Brots der Seelen und sehen das frei fleischliche wesen der Türken und müssen sich wohl also zu ihnen gesellen.“

Also, kämpfen soll auch der Christenhaufe, aber dabei soll er bedenken, dass der Türke, wie des Teufels Diener, so Gottes Rute ist. Daher muss der Christ zuerst sich vor Gott demütigen und herzliche Buße tun, muss zuvor den Teufel selbst schlagen und Gott die Rute aus der Hand nehmen, dass also der Türke für sich selbst ohne der Teufel Hilfe und Gottes Hand in seiner Macht allein gefunden werde. Danach soll man beten gegen ihn mit zuversichtlichem, gläubigen Herzen, so wie die Christen den Papst mit Gebet und Gottes Wort frisch angegriffen un fühlbar getroffen haben. Dazu sollen die Geistlichen die Gemeinden ermahnen. „Damit aber das Volk zur Andacht mit Ernst gereizet würde durch öffentliches Gebet in den Kirchen, ließe ich mir gefallen, wo es den Pfarrern und Kirchen auch gefiele, dass man am Feiertage nach der Predigt, es sei morgens oder abends oder um einander, den 79. Psalm: ‚Herr, es sind Heiden in dein Erbe gefallen’, singe, ein Chor um den anderen, wie gewohnet. Danach trete ein wohlgestimmter Knabe vor den Pult in ihrem Chor und singe allein die Antiphon: ‚Domine non secundum’; nach demselben ein anderer Knabe den andern Trakt: ‚Domine, ne memineris’, und darauf der ganze Chor knieend: ‚Adjuva nos Dues’, allerdings wie man es in der Fastenzeit im Papsttum gesungen hat, denn es sehr andächtig lautet und stehet und die Worte sich zur Sache wohl reimen wider den Türken, wo man sie mit dem Herzen dahin lenkt. Darauf, wo man will, mag der Laie singen: Erhalt uns Herr bei Deinem Wort, Verleihe uns Frieden, oder das deutsche Vaterunser.“

So lehrte Lutehr die Christen in rechter Weise und mit den rechten Waffen die Kriege des Herrn führen. Man könnte nun fragen: Warum ging er nicht weiter und forderte die Christen auf, auch den Türken das Evangelium zu bringen, um sie so aus Feinden des Reiches Gottes zu Angehörigen desselben zu machen? Warum tat er nicht, wie etwa der gute Ritter Hartmut von Kronberg, der 1523 den Papst ermahnte, den Kirchenstaat aufzugeben und die weltlichen Güter der Geistlichen einzuziehen, um damit einen allgemeinen Zug gegen die Türken auszurüsten, dann aber auch hinzufügte: „Wenn der Türke recht berichtet würde, so wäre gänzlich zu erhoffen, der Türke würde williglich zu dem wahrhaftigen Glauben treten, daraus die Gnade Gottes weiter folgen möchte, dass alles Volk der ganzen Erde zu dem einigen wahrhaftigen Glauben kommen und treten würde, so die Ungläubigen vernähmen, dass unser Glaube auf den einigen Grundstein Christus, auf welchen die ganze Heilige Schrift deutet, und auf die wahre brüderliche Liebe gestellt, nicht auf Rom oder desselben Papsttums und auf unsern eignen Nutzen. – Die Antwort auf diese Frage ist leicht. Luther hoffte nichts von der Predigt unter den Türken, weil er in diesen ebenso wie im Papste einen Vorboten des jüngsten Tages sah. „Die Schrift weissagt uns von zwei grausamen Tyrannen, welche sollten vor dem jüngsten Tag die Christenheit verwüsten und zerstören. Einer geistlich, mit Listen oder falschem Gottesdienst und Lehre gegen den rechten christlichen Glauben und Evangelium, denn Daniel schreibt im 12. Kapitel, dass er sich soll erheben über alle Götter und über allen Gottesdienst, welchen auch St. Paulus nennt den Antichrist, 2. Thess. 2. Das ist der Papst mit seinem Papsttum. Der andere mit dem Schwert, leiblich und äußerlich, aufs greulichste, davon Daniel im 7. Kapitel gewaltiglich weissagt, und Christus Matth. 24 von einer Trübsal, desgleichen auf Erden nicht gewesen sei. Das ist der Türke. Also muss der Teufel, weil der Welt Ende vorhanden ist, die Christenheit zuvor mit beider seiner Macht aufs allergreulichst angreifen und uns die rechte Letze geben, ehe wir den Himmel fahren. Wer nun ein Christ will sein zu dieser Zeit, der fasse ein Herz in Christus und denke nur nicht hinfort auf Friede und gute Tage; die Zeit solcher Trübsal und Weissagung ist da, desselbengleichen  unser Trotz und Trost auf die Zukunft Christi und unsere Erlösung ist auch nicht ferne, sondern wird flugs darauf folgen. Darum, so halte ich feste und sei sicher, dass der Türke gewisslich sei der letzte und ärgste Zorn des Teufels gegen Christus, damit er dem Fass den Boden ausstößet und seinen Grimm ganz ausschüttet wider Christi Reich; dazu auch die größte Strafe Gottes auf Erden über die undankbaren und gottlosen Verächter und Verfolger Christi und seines Wortes und ohne Zweifel der Vorlauf der Hölle und ewiger Strafe. Denn Daniel sagt, dass nach dem Türken flugs das Gericht und die Hölle folgen soll.“

Luther hoffte weder auf eine Bekehrung des Türken noch des Papstes, als der beiden von Gott verstockten Feinden der Endzeit. Er wollte gegen die kämpfen mit der Waffe des Gebetes, damit Gott selbst sich aufmache, um seine bedrängte Gemeinde vor ihrer Gewalt zu erretten:

 

Erhalt uns, Herr, bei Deinem Wort

und steur’ des Papsts und Türken Mord,

die Jesus Christus, Deinen Sohn,

wollen stürzen von seinem Thron.

 

Und er glaubte, dass nun der Siegeslauf des Feindes zu seinem Haltepunkte gekommen sei, nicht wegen der Macht der Christen, sondern weil er die nach der Schrift von Gott ihm gesteckten Grenzen erreicht habe. Um so mehr aber dürfte man sagen, der jüngste Tag müsse vor der Tür sein.

Luther vernachlässigte den Missionsbefehl des Herrn an sseine Kirche nicht, sondern suchte mit Wort und Tat ihm gerecht zu werden; aber er ließ sich von der Lage, in welcher er die Kirche fand, sagen, wie und wo solches zu geschehen habe. Er sah, dass man in der Kirche nicht wusste, was der Inhalt der Missionspredigt sein sollte, und dass man vergessen hatte oder nicht wissen wollte, auf welche Weise das Reich Gtotes auszubreiten sei. Dadurch war ihm auch hier die Aufgabe zu reformieren gestellt. Er zeugte gegen die Verweltlichung der Missionstätigkeit, nach welcher man meinte, mit dem Schwerte in der Hand die Feinde des christlichen Namens niederschlagen zu müssen; und er zeigte, welches die Botschaft sei, die von der Kirche Christi unter alle Völker gebracht werden solle. Diese Botschaft verkündigte er selbst, wo sein Beruf es von ihm verlangte. Ihre Bestimmung, durch die Welt zu gehen, betonte er laut und wollte nicht zugeben, dass ihr als mit Recht irgendwo Grenzen gesteckt werden dürften. Als es sich 1532 um den Abschluss eines Reichsfriedens unter vorläufiger Duldung der Evangelischen handelte, erklärten die Wittenberger Theologen gemeinsam: „Es ist aus den vorigen Handlungen wohl abzunehmen, dass die Gegner suchen werden, dass wir in andere Herrschaften nicht Prädikanten senden oder die Lehre an solchen Orten in keinem Wege fördern. Dieser Artikel ist wider Gott, denn, die Paulus spricht, das Evangelium soll nicht gebunden sein. Dieses ist der vonehmsten Gotttesdienste einer, christliche Lehre und rechte Gottesdienste auszubreiten, wo man kann, besonders mit solcher Maße, mit predigen und Prediger senden ohne gewaltsames Vornehmen. Und bedarf dieses ganz keiner Disputation; diesen Artikel kann man nicht willigen.“ – Versperrt eine Obrigkeit dem Evangelium ihr Land, so kann man dem nicht wehren und soll deswegen nicht zur Gewalt greifen. Aber niemals sollen Christen zugestehen und anerkennen, dass solches Versperren recht sei. Sie sollen an ihrem Teile verlangen, dass das Evangelium frei durch die Welt laufe, und, so viel sie können, dazu helfen, dass solches geschehe.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

UNTER BIBEL UND BEKENNTNIS

 

 

DIE LEHRE VOM UNFREIEN WILLEN UND IHRE BEDEUTUNG FÜR DIE MISSIONARISCHE ARBEIT

 

Roland Sckerl

 

Lassen Sie mich zu Beginn eine Erzählung aus dem Fernen Osten wiedergeben, die ich in dem Buch „Wir glauben und bekennen. Zugänge zum Augsburger Bekenntnis“ (S. 104 f.) gefunden habe: „Ein Chinese, der Christ geworden war, beschrieb im Gespräch mit anderen, wie er die Rechtfertigung des Sünders durch Christus versteht, und sagte das folgende Gleichnis: Ich war tief in Sünden gefallen, wie in eine tiefe Grube, die im Morast endete. Der erste, der mich beim Vorübergehen in dieser Grube entdeckte, war Konfuzius, unser großer Lehrer der Moral. Er rief mir zu: ‚Armer Mann, du tust mir wirklich leid. Aber wie konntest du so töricht sein und in diese Grube fallen? Solltest du hier jemals wieder herauskommen, so sorge bitte dafür, dass du nicht ein zweites Mal hineinfällst.’ Kurz darauf kam Buddha vorbei und sah mich in meiner erbarmungswürdigen Lage. Er sagte mir, ich sollte mindestens die Hälfte der Tiefe emporklettern, dann könnte er mich vollends herausholen. Aber ich konnte aus eigener Kraft keinen Zentimenter vorankommen. Schließlich kam Christus. Er hat mir zunächst überhaupt keinen guten Rat gegeben. Vielmehr stieg er selbst in die Grube hinab und zog mich mit seinen starken Armen heraus. Dann sagte er zu mir: ‚Sündige ab jetzt nicht mehr, damit dir nicht noch Schlimmeres widerfahre.’“ Diese Erzählung, die beschreibt, was Rechtfertigung bedeutet, macht zugleich deutlich, was wir Menschen selbst dazu tun können und müssen, um gerettet zu werden – nämlich nichts, gar nichts, und wie sehr aber der natürliche Mensch versucht, in seiner Philosophie oder selbstgebastelten Religion eben doch an seiner Rettung mitzuarbeiten. Dies führt uns zu einem der ganz zentralen Themen der Reformation und der reformatorischen lutherischen Theologie und des christlichen Glaubens überhaupt, das wir heute Nachmittag näher betrachten wollen:

 

Die Lehre vom unfreien Willen und ihre Bedeutung für die missionarische Arbeit

 

Dabei möchte ich so vorgehen, dass ich zunächst darstelle, wohin Mission und Evangelisation kommen, wenn die Lehre vom unfreien Willen geleugnet, von einem freien Willen des Menschen in geistlichen Dingen ausgegangen wird, nämlich:

I. die moderne Evangelisation und Mission, geprägt von der Gemeindewachstumsbewegung, um dann

II. 1. die biblische Lehre vom unfreien Willen darzulegen, danach

2. die Bekehrung als das alleinige Werk Gottes, und in diesem Zusammenhang

3. in Grundzügen Gottes Rettungshandeln durch die Gnadenmittel beschreibe.

III. Zusammenfassend will ich schließlich ein biblisches evangelisch-lutherisches Gegenkonzept vorstellen.

 

I. Die Bedeutung der Lehre vom unfreien Willen für die missionarische und evangelistische Arbeit wird besonders prägnant, wenn wir betrachten, was seit etwa 250 Jahren einen großen Teil der protestantischen Mission und Evangelisation prägt und dies dann anhand des Wortes Gottes beurteilen.

 

1. Der Ausgangspunkt: Der Methodismus und die Auseinandersetzung zwischen John Wesley und George Whitefield

Zwei Namen stehen am Anfang der modernen protestantischen Evangelisationsarbeit: George Whitefield und John Wesley. Beide stehen für den Anfang der methodistischen Bewegung, beide haben auch etliche Jahre zusammen gearbeitet, beide haben sich dann aber aufgrund tiefgehender, grundsätzlicher Lehrunterschiede, die gerade unser Thema beinhalten, getrennt. Daher wird bis heute unterschieden zwischen dem wesleyanischen Methodismus, das ist ziemlich alles, was unter den verschiedenen methodistischen Kirchen verstanden wird, und dem calvinistischen Methodismus, der von Whitefield herkommt, und nur noch sehr selten anzutreffen ist. Prominentester Vertreter im 20. Jahrhundert war Martyn Lloyd Jones, der Prediger an der Westminster-Kirche in London war.

John Wesley ist dabei nicht nur der Vater des heutigen Methodismus, sondern auch der Vater der modernen evangelikalen Evangelisation. Was war seine Ansicht über Evangelisation, über die Bekehrung des Sünders? Seine Haltung lässt sich so ausdrücken: „Gott hat alles getan, damit wir Menschen gläubig werden können. Nun liegt es allein – allein! – am Menschen, ob er dieses Angebot ergreift oder ablehnt.“ Das wurde auch zu seinem Schlagwort: „Es liegt an euch allein!“1 Was heißt das? Wesley ging davon aus, dass der Mensch einen, wenn auch eingeschränkten, freien Willen habe und deshalb aufgrund dieses freien Willens, durch die Gnade Gottes, die Möglichkeit habe, sich selbst zu Gott zu bekehren. Er betonte darum nicht nur die Schuld des Menschen, sondern auch seine Verantwortlichkeit, eben, sich zu bekehren. Deine Rettung wäre also nach Wesleys Ansicht nicht mehr abhängig von Gottes freier Gnade, sondern von deinem angeblich freien Willen. Wesley hat diese Anschauung wohl von seiner Mutter Susanna Wesley übernommen, die ihn sehr geprägt hat, und die Arminianerin war, also der auf der Dordrechter Synode verworfenen Richtung der Reformierten angehörte, die nicht nur, völlig richtig, die universelle Gnade Gottes, sondern, falsch, auch den freien Willen des Menschen betonte.

George Whitefield hat sehr früh eine grundlegende Differenz zwischen sich und Wesley erkannt, denn schon 1741 schrieb Wesley in sein Tagebuch, dass Whitefield ihm erklärt hatte, sie würden jeder ein verschiedenes Evangelium verkündigen.2 Whitefield betonte: „Es liegt nicht allein an uns Menschen, - im Gegenteil! – es liegt allein an Gott! Gott erwählt einen Menschen und errettet ihn.“3 Ein weiterer Differenzpunkt war Wesleys Behauptung, der Christ könne schon hier auf Erden völlig frei von innewohnender Sünde werden; er sprach in diesem Zusammenhang von einer „zweiten Wohltat“ („second benefit“).4 Diese Anschauung hat später zur Heiligungsbewegung und über sie zur Pfingst- und charismatischen Bewegung geführt.

Wesley und seine Anhänger und Nachfolger behaupten also: „Gott ermöglicht es, dass Menschen sich für ihn entscheiden. Gott schafft die Möglichkeit, und wir müssen dann so wirken, dass Menschen diese Möglichkeit wahrnehmen.“5 Das heißt dann: Es muss alles versucht werden, Menschen zu überzeugen, an ihrem Willen, an ihrem Gefühl, ihren Emotionen zu arbeiten, damit sie diesen Schritt tun. Wie ganz anders die Haltung Whitefields, der sich hier an Luther und Calvin anschließt: „Gott beruft durch seinen Geist und durch sein Wort Menschen, die vollkommen unfähig sind, sich selbst zu retten. Gott greift souverän ein. Wir gehen hinaus, verkündigen das Evangelium und erwarten dann, dass der Herr Menschen das Herz öffnet und Wiedergeburten wirkt.“6 Die Unterschiede wurden äußerlich zunächst noch nicht so sehr deutlich, weil beide, Wesley und Whitefield, auf die Predigt als Instrument setzten.

 

2. Die Weiterentwicklung des methodistisch-arminianischen Ansatzes durch Charles Finney

Dieser Ansatz von Wesley wurde dann im 19. Jahrhundert von Charles Finney radikal weiterentwickelt und auf diejenige Bahn gebracht, die er bis heute einnimmt. Finney lehnte die Reformation bewusst ab. Die Lehre, dass der Mensch durch die Sünde abgrundtief, völlig verdorben ist und gerechtfertigt werde allein aufgrund Christi Sühnetod, war für ein ein „anderes Evangelium“.7 Für Finney wird, wie schon bei Wesley, die menschliche Fähigkeit, sein angeblich freier Wille, zum Dreh- und Angelpunkt seines Denkens. Er behauptete, ähnlich wie Zwingli: Wenn Gott vom Menschen etwas fordere, dann gebe er ihm auch dazu die Fähigkeit. Daher lehnte er konsequent die biblisch-reformatorische Lehre von der Wiedergeburt ab, nämlich dass der Heilige Geist durch das Evangelium in Wort und Sakrament den Menschen bekehrt, in ihm ein neues Herz schafft.8 Er stellt die biblische Lehre daher auf den Kopf: „Wir haben gesagt, dass in der Bibel Wiedergeburt gleichbedeutend ist mit einem neuen Herzen. Aber es wird von den Sündern verlangt, sich selbst ein neues Herz zu machen, was sie nicht könnten, wenn sie nicht bei dieser Veränderung aktiv wären.“9 Die Wiedergeburt ist damit für ihn nichts anderes als die menschliche Änderung des Willens unter dem Einfluss der Wahrheit.10 Die „Bekehrung ist eine vernünftige Entscheidung, sich Gottes moralischer Herrschaft zu unterwerfen, ein Willensakt, der völlig in den natürlichen Kräften des Sünders liegt.“ „Gnade ist das Bereitstellen der Wahrheit zu des Sünders Sinn und Herz durch die Predigt, nicht eine übernatürliche Umformung der menschlichen Natur ... Glaube ist eine freiwillige Unterwerfung unter die Wahrheit des Evangeliums (und, grundsätzlich, fähig, auf das ganze Leben angewendet zu werden, um eine völlige Heiligung zu erlangen).“10a Der Heilige Geist versuche nur, dem Menschen die Wahrheit nahezubringen und ihn zu überzeugen, gibt einen Anstoß, einen Impuls – wirkt aber die Wiedergeburt nicht.11 Es ist nicht verwunderlich, dass auch Finney sich in die Behauptung verstieg, der Mensch könne sündlos werden, wenn er nur willentlich mit aller Sünde gebrochen habe.12

Diese Einstellung veränderte die Evangelisation von Grund auf. Denn wie könnte man nun einen Menschen bekehren? Indem man ihn dazu bringe zu wollen. Finney entwickelte dazu seine „neuen Evangelisationsmethoden“ („new measures“), um eine „Entscheidung“ des Menschen herbei zu führen. Hier ging er massiv psychologisch vor, etwa durch Gebetsversammlungen bei Anwesenheit Ungläubiger, für die dann namentlich gebetet wurde, um so einen Druck zur „Buße“ zu bewirken; durch die sogenannte „Bußbank“ (die dann auch die Heilsarmee übernommen hat), an der Menschen öffentlich vorne Buße tun sollten. Musik und Chöre wurden bewusst eingesetzt, um bestimmte Gefühle hervorzurufen und Entscheidungen zu fördern. Alles sollte so gestaltet sein, dass es interessant, anziehend, sensationell ist für die Menschen. Und das schloss ein „einen dramatischen Aufruf zur sofortigen Entscheidung; den Gebrauch des Angstsitzes, um das öffentliche Mitwirken zum Glauben hervorzubringen; ausgedehnte Versammlungen, um die Ausbreitung der Erweckung in einer Gegend zu fördern; öffentliches Beten für Sünder mit Namensnennung und eine Auflistung aller Bekehrten, einschließlich der Frauen, in der Erweckungsarbeit.“12a Das Prinzip bei Finney ist: Alle Methoden, die zu dem Ziel führen, dass der Mensch will, sind möglich und nützlich. Es ist der totale Pragmatismus. Außerdem bedeutete Finney die biblische Lehre wenig. Lehre seit tot, behauptete er.12b Rechte Lehre wurde so nicht mehr zur Grundlage für die Gemeinde Jesu Christi. Ja, Evangelisation, Mission und Lehre wurden auseinandergerissen. Das hat in der Folge ja dazu geführt, dass man auf Allianz- und noch größerer Basis meint, Evangelisationen durchführen zu können, obwohl gar keine biblische lehrmäßige Einheit unter den Veranstaltern besteht. Wir sehen, wenn wir das betrachten, wie wir nicht nur im 19. Jahrhundert sind, sondern gleichzeitig voll und ganz im Denken der heutigen Evangelisationsbewegung, bei Willow Creek, Saddleback und ähnlichem. Nicht mehr die Predigt ist beherrschend, nicht mehr Gottes Wort soll alles ausrichten, sondern menschliche Methoden, die Menschen „zum Wollen“ bringen sollen. Der Zweck heiligt dann die Mittel. Damals übrigens wie heute ist es darüber zu Gemeindespaltungen gekommen.13

Und was war das Ergebnis der Finney’schen Evangelisationen? Auf der Rückseite der deutschen Ausgabe seiner Autobiographie wird behauptet, dass durch ihn 500.000 Menschen sich bekehrt hätten. Aber die Wirklichkeit sah völlig anders aus. Wahre, biblische Bekehrungen gab es nur wenige. Finney selbst gesteht über seine angeblich Bekehrten, dass „die meisten von ihnen eine Schande für den Glauben seien“14. Für viele Gemeinden, über die solche „Erweckungen“ dahingegangen sind, bedeutete dies den geistlichen Niedergang. Denn die Menschen, die „Ja“ gesagt hatten, gedrängt durch Musik, Bußrufe, Gebete, meinten nun, sie seien Christen, und hatten doch weder tiefgehende Sünden- und Verlorenheitserkenntnis noch lebendige Erkenntnis Jesu Christi als ihres Heilandes. Sie waren also tatsächlich ohne Jesus Christus geblieben – und damit geistlich tot. Sie gehörten aber, wenn sie überhaupt dazu kamen, zu Gemeinden und veränderten somit deren geistliche Haltung. Finneys Methoden und Lehren sind dann durch Dwight L. Moody weit verbreitet worden. Auch für ihn, wie seither die gesamte moderne Evangelisationsbewegung, galt und gilt Evangelisation als etwas menschlich Machbares: „Ich wende bestimmte Prinzipien an und kann dann davon ausgehen, dass ich automatisch die Früchte meiner Arbeit ernte.“15 Das ist übrigens genau der Ansatzpunkt der Gemeindewachstumsbewegung, wie sie von Donald McGavran begründet wurde. Moody hat es auch eingeführt, dass solche, die „sich für Jesus entscheiden“ nach vorne gehen. Tatsächlich aber sollten, wie Spurgeon sagt, die Menschen „direkt zum Herrn gehen“.16 Diese falsche Art der Evangelisation, wie sie von Wesley über Finney, Moody, Graham auf uns überkommen ist, führt auch zu einer völlig falschen Art von Nacharbeit, weil hier mit Menschen Nacharbeit betrieben wird, von denen man meint, sie seien bekehrt, während diese gar nicht wissen, warum sie sich „entschieden“ haben, die dann nur äußerlich mitmachen.

 

3. Die moderne Gemeindewachstumsbewegung seit den 1960er Jahren

Je mehr sich in den 1960er Jahren ein Wandel in der Mentalität der Menschen vollzog und die Massenevangelisationen, wie sie bis dahin noch viele Menschen anzogen, nun nicht mehr so „attraktiv“ war, da der Individualismus sich immer stärker ausbreitete, stellte sich die Frage: Wie können die Menschen jetzt interessiert, wie können sie jetzt erreicht werden? Wie ist es möglich, jetzt den Willen der Menschen zu bearbeiten? Die Fragen bewegten sich dabei völlig in dem Gedankengebäude der arminianischen Entscheidungstheologie. Da bot sich die Mitte der 1950er Jahre von Donald McGavran entwickelte „Lehre“ vom Gemeindewachstum als Hilfe an und wurde von vielen Kreisen, die missionarisch und evangelistisch interessiert sind, bereitwillig übernommen, auch von solchen, die der traditionellen Entscheidungstheologie ablehnend gegenüberstanden, wie etwa der Missouri-Synode. Dabei wurde von einzelnen Vertretern, gerade aus dem lutherischen Bereich, immer wieder betont, es handele sich bei der Gemeindewachstumsbewegung nur um eine neutrale Methode: „Wie Lutheraner und Reformierte das Predigen verwenden, so verwenden Lutheraner und Reformierte Gemeindewachstum.“17 Aber stimmt das wirklich? McGavran stellt sein Buch über Gemeindewachstum so vor: „Es ist gleichzeitig ein Buch über Missionstheologie, Missionstheorie und Missionspraxis. Diese drei bestehen nicht isoliert, sondern als eine integrierte Gesamttheologie, die Theorie und Praxis beeinflusst, eine Praxis, die Theologie und Theorie beeinflusst, und eine Theorie, die beide, Praxis und Theologie, leitet.“18 Diese Aussage macht deutlich, dass die Gemeindewachstumslehre, wie sie von McGavran entwickelt wurde, keineswegs theologisch „neutral“ ist, sondern selbst theologische Lehre, die aber auch stark theoretische und praktische Schritte enthält. An anderer Stelle betont er dies nochmals: „Gemeindewachstum ist eine grundsätzlich theologische Sache. Gott fordert es... Gemeindewachstum erwächst in einer unerschütterlichen theologischen Überzeugung“20 Was diese Bewegung von vornherein auch beeinflusste, wiewohl McGavran selbst die Priorität der Mission noch sehr betonte, aber selbst die anderen Tendenzen nicht nur befürwortete, sondern auch förderte, ist die Grundlinie McGavrans, der keine Unterscheidung von Gesetz und Evangelium kennt und auch keine Unterscheidung der beiden Reiche oder Regimenter Gottes. Dies führt dazu, dass politisch-soziale Aktivitäten als Teil der Gemeindewachstumsbewegung und damit als Teil der Mission angesehen werden. Dies leitet dann übrigens, besonders in den letzten Jahren, zu immer gößerer Übereinstimmung mit der Missionsauffassung des Weltrates der Kirchen. Schon die Lausanner Erklärung zur Mission und Evangelisation enthielt diese Ansätze, die von nicht wenigen kritisiert wurden. Die Weltweite Evangelische Allianz hat in der Erklärung von Manila inzwischen Mission und Sozialarbeit als gleichberechtigte Aufgaben der Gemeinde Jesu Christi postuliert und beteiligt sich, in enger Verbindung mit der UNO, an entsprechenden Sozialprogrammen. All das heißt dann „ganzheitliche Mission“ (holistic mission).

    McGavran, der geistliche Vater der „Gemeindewachstumsbewegung“ (Church Growth Movement) hat die Linie von Finney aufgegriffen und noch weiter ausgeführt. Dies gilt etwa im Blick auf die biblische Lehre, für die er, der von den groben Unionisten der „Disciples of Christ“ herkommt, keinerlei Bedeutung hat. „Von Beginn an wurzelte die Gemeindewachstumsbewegung in der biblischen, evangelikalen Bekehrungstheologie. Aber sie hat sich geweigert, sich auf eine Seite zu schlagen, ob die Taufe Kindern gegeben werden soll oder nur Gläubigen, ob die Kirchen durch Älteste, Bischöfe oder ein gemeindeorientiertes System geleitet werden sollten; ob Zungen beweisen, dass jemand mit dem Heiligen Geist getauft wurde; ob Christen [Alkohol] trinken dürfen oder nicht; ob Frauen zum Predigtamt ordiniert werden sollen; ob Christus wahrhaftig oder nur zeichenhaft im Abendmahl gegenwärtig ist und in einer Reihe anderer Dissensbereiche unter den Theologen.“ 21 In der Praxis sieht es dann so aus, dass C.P. Wagner davon reden kann, dass die Bekehrung allein Gottes Werk ist, und gleichzeitig bekennen, dass die Entscheidungstheologie des Arminianismus für ihn kein Problem darstellt.

    Auch McGavran kann davon sprechen, dass der Heilige Geist bekehrt, aber tatsächlich meint er da etwas ganz anderes als die lutherische Reformation. Denn für ihn wird die Bekehrungsarbeit nicht durch die Gnadenmittel vollzogen, sondern geistlich einflussreiche Menschen. „Wenn der Heilige Geist bekehrt, so wirkt er zumeist durch Christen... Der Herr hat seinen Nachfolgern die Pflicht aufgetragen, Ungläubige davon zu überzeugen zu glauben und dann zielmäßig die umfangreiche Aufgabe zu vollenden, die Gläubigen in sichtbare, zählbare Gemeinden und Denominationen einzugliedern. Der Heilige Geist war gewiss in all dem am Werk, durch Männer und Frauen, die mit dem Heiligen Geist erfüllt sind.“22 Kein Wort vom Evangelium, das kräftig ist, den Glauben zu wecken, kein Wort von der Taufe. Gottes Gnadenmittel kommen gar nicht vor.

    Wie stark die Gemeindewachstumsbewegung in den Fußstapfen Finneys und seiner Nachfolger wandelt, wird daran deutlich, dass es für sie entscheidend ist, welche Methoden angewendet werden – und dass durch den Gebrauch der Methoden dann auch entsprechende Erfolge erreicht würden. Denn, und das ist ein Kernsatz der Gemeindewachstumsbewegung, Gott wolle, ja, Gott fordere Wachstum – und zwar, wie sie es definieren, zählbares Wachstum. Der Begriff „Wachstum“ wird also vollkommen veräußerlicht. Dass geistliches Wachstum einer Gemeinde das ist, was Gott wirklich will, wird überhaupt nicht bedacht. Und dass solch ein geistliches Wachstum gemäß Johannes 6 und 1. Korinther 11 auch Spaltungen, Trennungen und damit zahlenmäßigen Rückgang bedeuten kann, liegt völlig außerhalb des Blickfelds der Gemeindewachstumsbewegung. Ebensowenig wird in Betracht gezogen, dass die Reaktion auf die Verkündigung sehr unterschiedlich sein kann: Nicht nur Annahme, sondern ebenso auch Gleichgültigkeit, ja, Ablehnung, bis hin zum Widerstand und zur Verfolgung, kann eine Antwort auf die Verkündigung des Wortes Gottes sein. So war es bei Elia, so bei Jeremia, und so vor allem bei unserem Heiland. Nach den Maßstäben der Gemeindewachstumsbewegung gemessen, waren z.B. sie alle „erfolglos“, weil sie kaum oder gar keine Anhänger gewannen.

    Welches sind die Methoden, die die Gemeindewachstumsbewegung propagiert? Da sind die „homogenen Einheiten“, kleine Zellen, die nach Volkstum, Sprache, Klasse, Rasse einheitlich gestaltet sein sollen, weil dadurch die Menschen sich eher angezogen fühlten. Außerdem sollte untersucht werden, welche Bevölkerungsteile am „empfänglichsten“ für das Wort Gottes wären. Beide Prinzipien widersprechen eindeutig der Bibel. Der Kreis der Jünger, selbst derjenige der Apostel, war sozial sehr unterschiedlich, auch von ihren ursprünglichen Ansichten her, wenn man bedenkt, dass dort neben Fischern ein Zöllner war, also einstiger Mitarbeiter der römischen Besatzungsmacht, sowie ein Zelot, ein ehemaliger Untergrundkämpfer gegen die Römer also. Und mit Paulus kam ein hochgelehrter Theologe zum Apostelkreis dazu. Er hat das Wort überall hingebracht, hat es auch denen gepredigt, die es nicht annehmen wollten. In einer Stadt wuchs mehr Frucht, in einer anderen (Athen) weniger. Er hat keine humanistischen, am Menschen orientierten Missionsprinzipien erstellt, sondern hat christozentrisch gepredigt, und zwar streng biblisch, Gottes Wort.

Ein weiteres Prinzip, das sich auch sehr stark bei Willow Creek und Saddleback wiederfindet, ist das Setzen von Zielen, das Aufstellen von „Visionen“. „Das Setzen von Zielen bringt Ergebnisse hervor“, behauptet McGavran23. Diese Behauptung zeigt einen erschreckenden Hintergrund, nämlich des Schamanismus, der Magie, wo durch Visionen, Gedanken Resultate produziert werden sollen. Menschliche Planung soll den „Erfolg“ erbringen. Die Bibel aber kennt überhaupt nicht den Begriff „Erfolg“; er ist der Wirtschaft entnommen. Die Bibel spricht von Frucht, die durch das Wort Gottes erwächst. Noch weniger können wir bestimmen, vorausbestimmen, vorausplanen, ob, wann, wie, wo Gemeinde zahlenmäßig wachsen wird, noch weniger, ob, wann, wo geistliches Wachstum stattfindet, also Menschen zum rettenden Glauben an Jesus Christus kommen und Menschen wachsen in der biblischen Lehre. Denn der Geist weht, wo er will. Er wirkt durch Wort und Sakrament da Frucht, wo er es von Ewigkeit her sich vorgenommen hat. Wir Menschen sind wohl Gottes Mitarbeiter, die pflanzen und begießen – aber Gott allein gibt das Gedeihen. Immer wieder wird dabei auch deutlich, wie wenig geistlich die Gemeindewachstumsbewegung geprägt ist. Denn das Wachstum, von dem sie spricht, ist, wie schon gehört, ein messbares, also ein sichtbares, zahlenmäßiges. Geistliches Wachstum aber ist nicht messbar, da es vor dem Auge der Menschen verborgen vor sich geht; nur Frucht kann dann sichtbar werden, ohne dass aber damit eindeutig ist, ob die Person aus dem Glauben heraus handelt oder ob eine andere Haltung äußerlich ähnliche Wirkungen hat.

    Sehr zentral im Denken der Gemeindewachstumsbewegung – und übrigens auch in ihrem Gefolge bei Bill Hybels und Rick Warren als Schülern von Robert Schuller – ist das Schlagwort der „gefühlten Bedürfnisse“ (felt needs): Man müsse herausfinden, welche Bedürfnisse die Menschen hätten, um diese dann zu befriedigen, dann würden sie kommen. Tatsache ist aber, das der natürliche Mensch, der ja nichts vernimmt vom Geist Gottes, wenn er nicht schon angerührt ist durch Gottes Geist, keine rechte Sündenerkenntnis hat, damit auch kein Bedürfnis nach Vergebung der Sünden, Versöhnung mit Gott. Und doch ist, gemäß der Bibel, genau dies das Hauptbedürfnis eines jeden Menschen, das, was er am notwendigsten braucht. C.P. Wagner zitiert Schuller, wenn er betont: „Das Geheimnis des Erfolges ist, ein Bedürfnis zu finden und es zu erfüllen.“23a Und an anderer Stelle hebt er Schullers Beispiel hervor: „Er zitiert nur selten die Bibel, da er vor einigen Jahren ein Forschungsprojekt durchführte und herausfand, dass unkirchliche Menschen in Orange County der Bibel nicht glauben. So richtet er seine Predigten auf ihre gefühlten Bedürfnisse aus, wie ihre Familie, ihren Beruf, ihre finanzielle Situation, ihren Selbstwert oder ihre Emotionen, und erklärt, wie Jesus solche Bedürfnisse befriedigen kann.“23b Dass Gottes Wort Geist und Leben ist und Kraft hat, zu bekehren und zu retten, wird völlig beiseite geschoben. Wenn wir Johannes 6 betrachten, so wird deutlich, wie sehr Jesus Christus in seinem Wirken gegen die „gefühlten Bedürfnisse“ der Menschen handelte, wie er ihnen nicht so predigte, dass sie hofiert wurden, sich angesprochen und bestätigt fühlten, sondern dass er ihnen die Wahrheit predigte, auch wenn die überwiegende Mehrzahl, bis auf seine Jünger, sich daraufhin abkehrte.

    Die Gemeindewachstumsbewegung ist geprägt von einem religiösen Machbarkeitswahn. Das wird auch im Bekehrungsverständnis deutlich, das, trotz vereinzelt anderslautender Äußerungen, tatsächlich wieder vom freien Willen des Menschen ausgeht. So sagt ein sogenannter „Bibel-Baptist“: „Wenn ich von harter Arbeit spreche, so beziehe ich mich auf den Teil des Menschen. Natürlich weiß ich, dass Gott wirken muss, und er macht das durch eifrige, hingegebene Menschen; aber es gibt kein geistliches Geheimnis, um eine schnellwachsende Gemeinde zu bauen.“24 Darum heißt es auch hier nun wieder, das Ungläubige „überzeugt“ werden müssen, um dann zu zählbaren Kirchengliedern zu werden: „Mit Blick auf diese Abschnitte [Apg. 18,4-5.9] ist es schwer aufrecht zu halten, dass ausgearbeitete Pläne, um Männer und Frauen davon zu überzeugen, Nachfolger Jesu zu werden und um sie in Kirchen einzugliedern, in irgendeiner Weise anmaßend seien.“25 Dagegen ist festzuhalten, dass wir zwar unsere missionarischen Aktivitäten sehr wohl planen können und auch sollen – aber die Frucht, die ist nicht planbar, sondern Gottes Geschenk.

    Es verwundert da nicht, dass McGavrans Definition von rettendem Glauben mit der biblischen Beschreibung nichts mehr gemein hat: „An den Namen Jesu Christi glauben schließt wenigstens drei Akte ein: Zuerst intellektuelle Zustimmung. Wir bewegen uns von Unwissenheit oder Zweifel zur Annahme der Wahrheit: dass „Jesus“ der mächtige Name ist – der einzige Name. Dass Gott sich durch Jesus Christus offenbaren wollte, sein Wort Fleisch wurde, Jesus, der „die Welt erhält durch die Macht seines Wortes“. Zweitens, da Jesus der Herr ist und ich das intellektuell annehme, übergebe ich ihm mein Leben. Ich gehorche allen seinen Befehlen, die er mir gibt. Er ist mein Herr... Eine dritte Bedeutung von Glauben ist, dass ich die gute Nachricht anderen mitteilen muss.“26 Hier ist keine Rede von Sündenerkenntnis, nichts von Erkenntnis der eigenen Verlorenheit ohne Jesus Christus, nichts damit von Reue, Buße, Umkehr – und auch nichts von dem lebendigen Vertrauen auf Jesus Christus, wahren Gott und wahren Menschen, als dem Retter aller Menschen, der die Sünden aller Menschen am Kreuz getragen und so jeden Menschen – und damit auch mich – am Kreuz mit Gott versöhnt hat. Es sind nur menschliche Handlungen, menschliche Werke, die hier beschrieben werden. Alles hängt ab von menschlichen Techniken, menschlichen Handlungen, menschlichen Beiträgen. Die Gnadenmittel kommen nicht mehr vor.

    Da ist es auch nicht verwunderlich, dass auch das von Christus gestiftete Amt des Wortes keinen Platz mehr hat in solch einer Missionstheorie. Da das Schwergewicht auf die „homogenen Einheiten“, „Kleinzellen“ verschoben wird, die vorzugsweise durch Laien geleitet werden sollen, tritt der Dienst am Wort zurück. Ja, der Pastor wird kaum noch als Hirte gesehen, der die ihm von Christus anvertraute Herde weiden soll, sondern als Stratege, der Visionen anbietet, Trainer, der die Gemeindeglieder zurüstet, um zu missionieren, und als jemand, der die Gaben in der Gemeinde erweckt. „Der Haupteinfluss eines CEO kommt dadurch, dass er Visionen aufstellt ... Der CEO wird darauf bedacht sein, dass das Zielbild der Gemeinde strategisch ist, zurüstend, stärkend, erfüllbar, vernünftig... Das Aufstellen von Visionen verlegt den Schwerpunkt des Dienstes dahin, wo er hingehört: in die Hände von Laienpredigern.“27 „Der Pastor ist der berufene Hirte des königlichen Priestertums, aber er ist nicht dazu da, um ein Amt für die Schafe auszuüben. Hirten bringen keine Schafe hervor. Schafe bringen Schafe hervor! Die Mission und der Dienst gehören dem Volk. Der Pastor ist dazu da, um Trainer, Unterstützer der Menschen zu sein ... Er dient selbst, aber seine vornehmliche Verantwortung ist es, die Christen dazu zu führen, diesen Dienst selbst auszuführen.“28 Jesus Christus aber hat Petrus beauftragt: Weide meine Lämmer, weide meine Schafe – und nicht: Organisiere sie in Arbeitsbrigaden. Die Gemeindehirten sollen also der Gemeinde dienen, Dienst für die Gemeinde tun, mit dem Wort und Sakrament. Ja, durch diesen Dienst sollen Schafe zur Herde hinzugetan und ernährt werden, wie Paulus Römer 10,14-17 ausführt.

    Interessant, dass C.P. Wagner 1991 zugab: „Ich denke nicht, dass an den Gemeindewachstumsprinzipien, die wir entwickelt haben, eigentlich etwas falsch ist oder an den evangelistischen Techniken, die wir verwenden. Aber irgendwie scheinen sie nicht zu arbeiten.“29 Aber wie suchte man, dem abzuhelfen? Die Gemeindewachstumsbewegung hängte sich an diejenigen an, mit denen sie allerdings mancherlei Gemeinsamkeiten hat: die Pfingst- und charismatische Bewegung. „Aber heute, sagt Wagner, liegt die Zukunft des Gemeindewachstums in ihrer Fähigkeit, auf dem zu reiten, was er die ‚Dritte Welle’ des Heiligen Geistes nennt.“30 Damit öffnete sie sich all dem, was dort über angebliche Gaben, Wunder, Zeichen, Heilungen, Prophetien gelehrt wird, einschließlich der sogenannten „power evangelism“. Dem steht entgegen, dass Wiedergeburt und Bekehrung allerdings allein durch den Heiligen Geist bewirkt werden – aber durch nichts anderes als dem Evangelium in Wort und Sakrament, Röm. 1,16; 10,14-17; 1. Petr. 1,23; Joh. 3,3.5; Tit. 3,5-7. Eine zentrale Rolle spielen seitdem in der Gemeindewachstumsbewegung auch die sogenannten Gaben und die Gabenfindung, was inzwischen auch weit in den evangelikalen Bereich überhaupt eingedrungen ist. McGavran behauptete, 24 unterschiedliche Gaben im Neuen Testament gefunden zu haben, Wagner 27, wobei er meinte, es könnte heute durchaus noch weitere, in der Bibel nicht genannte, geben. Dem liegt zumeist eine völlig willkürliche Schriftauslegung zugrunde. Während die Bibel Epheser 4,11 von Ämtern oder Diensten spricht, meint Wagner, dort Gaben zu finden und postuliert dann die Gabe des Aposteln, die Gabe des Propheten, die Gabe des Evangelisten, die Gabe des Pastors. Ähnlich verfährt er mit Römer 12,6-8, wo tatsächlich von Aufgaben und Funktionen die Rede ist.

    Diese Ausrichtung auf die Gaben fließt dann zusammen mit der schon erwähnten Idee der „Zellen“, die mehr und mehr die Gemeinde ersetzen oder zumindest Priorität haben. Dort würden die Bedürfnisse recht erfüllt und könnten die Menschen ihre Gaben in besonderer Weise einsetzen. Wagner berichtet über die pfingstlerische Congregatio Crista, „die so sehr an ihr Gemeindeleben glauben, dass sie sich weigern, Pastoren anzuheuern für ihre Gemeinden. Sie glauben, dass der Heilige Geist jede Gemeinde mit all den Gaben ausrüste, die sie für ein gesundes Gemeindeleben bräuchten und dass dann, wenn die Glieder ihre Gaben richtig einsetzten, ein hauptamtlicher Mitarbeiter nur eine überflüssige Belastung wäre. Die Ältesten und Diakone predigen. Der einzige Mann, den die Gemeinde einstellt, ist der Buchhalter; alle andere Arbeit wird durch die Glieder selbst erledigt. Das ist außerordentlich effektiv.“31

    Es wird damit völlig ausgeblendet, was der Herr wirklich seiner Gemeinde gegeben hat, womit er sie ausgerüstet hat, um Mission und Evangelisation zu betreiben: nämlich die Gnadenmittel, dann das Amt des Wortes und der Sakramente, um diese Gnadenmittel im Auftrag der Gemeinde von Gemeinschafts wegen zu verwalten, und dass Priestertum aller Gläubigen, damit jeder in seinem Bereich, wo sich die Möglichkeiten ergeben, von der Rettung durch Jesus Christus zeugen kann.

 

4. Robert Schuller als ein extremes Beispiel der modernen Gemeindewachstumsbewegung

    Robert Schuller, der durch seine „Crystal Church“ bekannt geworden ist, stellt ein extremes Beispiel für die Gemeindewachstumsbewegung dar, wobei er sich mit McGavran darum streitet, wer denn nur der Vater dieser modernen Gemeindewachstumsbewegung ist. Sein Ansatz ist radikal anthropozentrisch. Nicht danach fragt er, was Gott über uns Menschen sagt, wie Gott uns Menschen sieht und was der dreieinige Gott daher als nötig für uns Menschen ersieht – sondern vielmehr nach den Wünschen der Menschen. „ ‚... Was würde sie reizen, in eine Kirche zu gehen?’ Die Leute äußerten dann die verschiedensten Gründe, weshalb sie in die Kirche gehen würden: wenn die Kirche nicht politisiert; wenn die Kirche ein Programm für junge Leute hätte; wenn es dort was für Alleinstehende gäbe. Schullers Strategie bestand darin, diesen Wünschen zu entsprechen. ‚Ich horchte auf ihre Antworten’, sagt er. Schuller meinte, wenn er seine Nachbarn von Garden Grove erreichen wollte, dann müsse er den Köder auswerfen, der ihnen gefiel.32 Weil der Mensch im Zentrum steht, weil sich alles um den Menschen dreht, so wendet Schuller diejenigen Methoden an, die aus einem anderen menschenzentrierten Bereich bekannt sind: aus der Wirtschaft, aus dem Marketing. „Ich kämpfte dafür und führte es in die Kirche ein, was man heute im Christentum als den marktorientierten Ansatz bezeichnet.“33 Dies muss zwangläufig zur Folge haben, dass alles, auch die Verkündigung, die Lehre, an den Menschen angepasst wird. Schuller behauptet, wie übrigens ähnlich auch McGavran, man müsse die Nöte herausfinden, die die Menschen bewegten, um ihnen zu helfen, diese zu lösen – und zwar durch das Christentum als Hilfsmittel. „Du musst das haben, was sie brauchen ... Finde ihre Nöte heraus. Du musst Psychologie studieren, um die tiefen inneren Nöte des menschlichen Wesens zu begreifen, bevor du den Mund aufmachst und zu ihnen sprichst. ... Da geht’s um Selbstwertgefühl, um Psychologie, um Theologie.“34 Das was der Mensch im Spiegel Gottes wirklich braucht – Sündenerkenntnis, Errettung durch Jesus Christus, Buße, Umkehr, Glauben, das fällt weg. Da der Mensch im Zentrum steht, und da er angeblich sich selbst zum Christen machen kann, müsse man den Menschen beeindrucken. Schuller gibt zu, dass dies auch die Theologie ändert. Daher hat er sich mit dem Esoteriker Norman Peale verbunden und dessen „Positives Denken“ aufgenommen und umgewandelt in ein „Denken, was möglich ist“, wobei er meint, dass menschliches Denken, menschliche Zielvorstellungen, Visionen, dazu beitrügen, dass entsprechende Ziele erreicht würden (ein übrigens eindeutig schamanistischer Ansatz). Er geht damit eindeutig von der Machbarkeit von Gemeinde aus. Die Kraft der Bibel wird geleugnet. Dies macht schon Peales Ansatz deutlich: „ ‚Was hätte Jesus euch zu sagen gehabt, wenn er statt meiner hier zu euch spräche?’ Er ließ diese gewaltige Frage wirken und wartete, bis seine Stimme in den nahen Orangehainen verklungen war; dann fuhr er fort: ‚Hätte er euch gesagt, was für elende Sünder ihr seid?’ Wieder machte er eine Pause, um dann fortzufahren: ‚Nein, das glaube ich nicht ... Ich glaube, er würde gleich anfangen, euch zu erzählen, welche großartigen Leute ihr werden könnt, wenn ihr nur den Heiligen Geist des Glaubens, der Hoffnung und der Liebe jede Faser eures Seins erfüllen ließet.’“35 Wir wissen aus der Heiligen Schrift, dass Jesus Christus genau das nicht gesagt hätte, sondern, wie wir wissen: Tut Buße und glaubet an das Evangelium.

    Schuller aber hat das moderne Denken, den modernen Menschen völlig übernommen und sich, anstatt durch das Evangelium den Menschen zu verändern, sich der Welt angepasst und das Evangelium verändert. Er behauptet daher, die Theologie müsse die Einsichten der Psychologie widerspiegeln. Die Rede vom Zorn Gottes, von seiner Heiligkeit, sie ist völlig verschwunden bei Schuller. „Predigt so, dass jede Botschaft die positiven Gefühle der Zuhörer stimuliert.“36 Da die Anwesenden sich nicht schuldig fühlen sollen, kommt das Wort Sünde kaum vor.

 

5. Bill Hybels und Willow Creek

Auch wenn sie nicht alles von Schuller übernommen haben, teilweise sogar versuchen, wie Bill Hybels, sich von ihm zu distanzieren, so sind all die modernen Gemeindewachstumsversuche mehr oder weniger stark von Schuller beeinflusst, Bill Hybels genauso wie Rick Warren.

Die Grundlinie auch bei Willow Creek als einer „sucherorientierten Gemeinde“ ist es, „erlebte Bedürfnisse“ durch das Christentum zu befriedigen, „unchurched Harry“ zum Glauben zu überreden37. Gerade darum ist alles darauf angesetzt, dass die Gemeinde angepasst wird an die Menschen, die man sich zur „Zielgruppe“ gemacht hat (wo aber in der Bibel finden wir es, dass nur Menschen einer bestimmten Rasse oder Klasse angesprochen werden sollen? Willow Creek ist ausgerichtet auf Weiße aus der Mittelklasse.)

Da dem Wort Gottes nicht zugetraut wird, Menschen grundlegend zu verändern, so werden zu diesem Gnadenmittel Gottes noch menschliche Mittel hinzugetan, um zu „überzeugen“, „überreden“: Musik, Theaterstücke. Immer geht es um die Frage: Was überzeugt „unchurched Harry“? – Und: Funktioniert es? Wenn es „funktioniert“, wenn also die Zahlen der Besucher stimmen, dann gilt es als richtig, was gemacht wird. Nicht Gottes Wort ist der Maßstab, sondern der „Erfolg“, der zahlenmäßig messbar ist. Der Ansatz wurde schon in der Jugendgruppe von Son City, dem Ausgangspunkt von Willow Creek, deutlich: „Es ist Sünde, Jugendliche mit dem Evangelium zu langweilen.“38 Was war das Ergebnis? „Son City machte der ‚Hallowed Queen’ Konkurrenz, einer Transvestitenshow. Zu einem Zeitpunkt wurde die Kirche als Gefängnis dekoriert. ... Son Citys Motto war: Nichts soll größer, besser oder bizarrer sein! Diese Betonung des Unterhaltungselemts floss selbstverständlich in die Gemeinde (Willow Creek) ein.“39

Zwar versuchte man nach 1979, sich von Schuller zu lösen, aber Themen wie Sünde und die Heiligkeit Gottes kamen nur kurzzeitig stärker in der Verkündigung vor. Da die Zahlen nicht „stimmten“, ging man wieder in den alten Wegen weiter. Da Gottes Wort nicht Grundlage und Maßstab ist, muss man sich die Ideen und Maßstäbe in der Welt holen, hier nun in der Psychologie und dem Wirtschaftsmanagement. Die „Gemeinde“ gleicht mehr einem „geistlichen Unternehmen“.40 Es geht um „persönliche Erfüllung“, um eine „benutzerfreundliche Lehre“41. Die Einflüsse der Psychologie und des Marketing sind unverkennbar. „Der Mitarbeiterstab von Willow Creek ‚verdanke seinen Erfolg zum großen Teil dem einfachen Konzept, die Kunden zu kennen und ihren Bedürfnissen zu entsprechen.’“42 Darum will man interessant, gefällig sein, bietet dazu Unterhaltung an, vor allem: Man will die menschlichen Gefühle ansprechen. „Willow Creek setzt alles daran, ein Programm aufzustellen, durch das die menschlichen Gefühle angerührt werden. Das Schauspiel erregt nicht nur ‚Harrys’ Aufmerksamkeit, sondern führt ihn zu der von Willow Creek angebotenen Lösung hin. Somit wird das Programm zu einem Mittel der Überzeugung.43 Es geht also darum, „Gefühle zu programmieren; Gefühle seien das Mittel, die Wahrheit zu erfassen. „Strobel berichtet, dass ‚viele ‚unchurched Harrys’, die sich auf der geistlichen Reise befinden, durch Erlebnisse – nicht Einsichten – ihre Entdeckungen machen.’“44 Gott aber will gerade nicht über das Gefühl wirken, sondern durch das Gesetz das Gewissen ansprechen, um dann durch das Evangelium den ganzen Menschen zu verändern, vor allem Willen und Denken zu erneuern.

Ein Schlagwort in diesem Zusammenhang ist, „relevant“ zu sein, also die Menschen so anzusprechen, wie sie sind – und deshalb ihren „Bedürfnissen“ (die aber gerade nicht den wahren, von Gott festgestellten, Bedürfnissen entsprechen) entgegen zu kommen, sie zu „persönlicher Erfüllung“ zu führen. „Was ‚Harry’ am meisten interessiert, sind die von ihm empfundenen Bedürfnisse. Lee Strobel bestätigt das: ‚‚Harry’ fühlt sich nicht mehr irgendeiner Denomination verpflichtet, sondern lässt sich von solchen Stätten anziehen, die seinen Bedürfnissen entgegenkommen.’ So ermahnt George Barna die Pastoren, sicha uf das zu konzentrieren, was kirchenfernen Menschen Kummer bereitet: Wir können die Kirche den Entkirchlichten und Ungläubigen am besten als zuverlässig und brauchbar erscheinen lassen, wenn wir uns für ihr Dasein relevant machen. Wie können wir das erreichen? Indem wir herausfinden, wo ihnen am meisten der Schuh drückt, und indem wir darauf unmittelbar reagieren.“45 Es geht nicht mehr um Sündenerkenntnis, nicht um Erkenntnis der eigenen abgrundtiefen Verdorbenheit und Verlorenheit, auch nicht um die Errettung durch den Heiland der Welt, Jesus Christus, schon gar nicht um die biblische Wahrheit – sondern darum, dass das „Christentum“ „funktioniert“ als „Lebenshilfe“, dass so die angeblichen „Bedürfnisse“ befriedigt werden können. „Was habe ich heute davon? Wie wirkt das heute und morgen?“46 Das sind die Fragen, die dann wichtig sind.

Zahlenmäßiger Erfolg – das ist es, worauf es ankommt. „Das einzige, worauf es ankommt, ist das Wachstum der Gemeinde.“... „Wenn eine örtliche Gemeinde ein erfolgreicher Betrieb sein will [man achte auf die Worte, gänzlich vom Marketing übernommen, keine geistlichen Kriterien mehr, Anm. d. Verf.], muss sie einen immer größeren Teil ihres Marktbereiches umfassen.“ Das Ziel der Vermarktung des Christentums ist zahlenmäßiges Wachstum.47

Das aber hat zur Folge, dass die Menschen, deren Willensfreiheit betont wird, da gelassen werden, wo sie sind, dass sie in ihrer Lebensweise und ihrer Kultur, die sie mitgebracht haben, bestätigt werden. Und da zu dieser (rein innerweltlichen, humanistischen) „Kultur“ die Psychologie gehört, spielt sie bei Willow Creek eine sehr große Rolle. Nicht durch das Wort Gottes, sondern durch die menschlich-esoterische Psychologie sollen die Menschen Hilfe bekommen. Hybels berichtet von sich selbst: „All das hat mir geholfen, mit meiner Vergangenheit fertig zu werden und mich für die Zukunft vorzubereiten. Verstehen Sie? All diese psychologischen Sichtweisen ... Da ich jetzt meine Vergangenheit bewältigt habe, kann ich mein Elterndasein besser wahrnehmen und bin darauf vorbereitet, auf angemessene Weise für meine Kinder zu sorgen.“48

Nicht mehr um die Erkenntnis Gottes und seines Gesetzes und dadurch bewirkter Selbsterkenntnis geht es – sondern um eine psychologische Selbsterkenntnis. Biblische Prinzipien fallen damit hin. Scheidung etwa wird in Willow Creek akzeptiert, ja, sogar empfohlen in bestimmten Situationen.

Die gesamte Art der Evangelisation und Mission, wie auch die gesamte Lehre ist – obwohl rein formal Willow Creek die allgemeinen evangelikalen Ansichten wiedergibt – anthropozentrisch, eben weil die Lehre vom unfreien Willen in geistlichen Dingen verworfen wird. Der Mensch, nicht Gott und sein Wort, steht im Zentrum. Es geht nicht um Gott, seinen Willen, sein Rettungswerk in Christus und das dadurch für jeden vollendete Heil – sondern um den natürlichen Menschen in seinem natürlichen Leben. Und der wird nun ein wenig christianisiert. Tatsächlich wird der Mensch zum Götzen. Da man ihn hofiert, werden Trübsal, Leid, Verfolgung als Teil des christlichen Lebens ausgeblendet. Es wird behauptet, Ziel des christlichen Lebens sei es, glücklich zu sein, aber nach der Bibel geht es darum, dass wir als Errettete ein Gott wohlgefälliges Leben führen, womit unbedingt Zerbruch, Verlassen, Absagen verbunden sind. Daher verschwinden Themen wie Gottes Zorn über die Sünde, Sünde und Gottes Heiligkeit fast völlig. Der Ernst der Sünde ist unbekannt. Tiefergehende christliche Unterweisung findet nicht statt, ja, es herrscht bei Willow Creek geradezu eine Abneigung gegen theologische Ausbildung. Je mehr also mit dem freien Willen und seinen Konsequenzen Ernst gemacht wird, umso mehr entfernt man sich von der Bibel.

 

6. Rick Warren und Saddleback

    Der Ansatz von Rick Warren, der für sich in Anspruch nimmt, mehr Lehre als Bill Hybels in Willow Creek zu bringen, unterscheidet sich grundsätzlich keineswegs von letzterem. Auch für ihn sind, wie in seinem Buch „Leben mit Vision“ deutlich wird, die angeblichen „Bedürfnisse“ der Menschen der Ausgangspunkt für die evangelistische Arbeit, also Themen wie die Sinnfrage, Stressvermeidung, Vereinfachung des Lebens, die tatsächlich aber mit der geistlichen Situation der betroffenen Menschen wenig bis nichts zu tun haben49. Das heißt nicht, dass Rick Warren in diesem Buch nicht auch geistliche Themen anschneidet, aber die Art und Weise, wie sie dargestellt werden, ist oft sehr vage. So spricht er nur ganz allgemein davon, dass es um die „Vorbereitung auf die Ewigkeit“ gehe, von Sündenerkenntnis, Verlorenheit ohne Jesus Christus, Gottes Gericht, Buße, Umkehr, rettendem Glauben, Hingabe an Jesus Christus wird nirgends gesprochen. Es heißt lediglich, dass das Leben umgestellt werden sollte – von biblischer Bekehrung ist nichts zu finden. Und die Motive, die dabei angesprochen werden, sind, wie bei Bill Hybels, „persönliche Vorteile“. Dagegen aber übernimmt er Begriffe aus dem New Age, wie „spirituelle Reise“ und versucht, den Leser und dessen Leben zu steuern50.

    Es ist daher auch nicht verwunderlich, dass das von Rick Warren vermittelte Gottesbild schief, einseitig ist: Dass der lebendige Gott ein heiliger, erhabener, allmächtiger Gott ist, der Richter aller Menschen, der einst auch alle am Jüngsten Tag richten wird, verschweigt er. Der Gott, den er in „Leben mit Vision“ darstellt, ist ein liebevoller, toleranter Schöpfer, der es gut mit den Menschen meint. Es ist ein eindeutig humanistisch verengtes Gottesbild. Der Hintergrund ist: Nicht die Bibel, sondern der Mensch ist auch für Rick Warren das Maß aller Dinge. Und darum sagt er nur das, was für den „modernen Menschen“ „positiv, angenehm, ermutigend“ ist. So behauptet er: „Ihr Leben hat tiefe Bedeutung!... Er möchte, dass Sie das Leben genießen. ... Sie leben, um Gott zum Lächeln zu bringen. ... Gott möchte Ihr Freund sein. ... Der allmächtige Gott sehnt sich danach, Ihr Freund zu sein!“51 Diese Aussagen, die so völlig unbiblisch sind, zeigen, wie alles auf den Menschen abgestellt ist, wie der Mensch hofiert wird, wie es darum geht, sein „Selbstwertgefühl“ zu steigern. In solch eine Auffassung passen Sünde, Gottes Zorn über die Sünde, das Gericht, das ewige Verderben nicht hinein. Da er andererseits nun etwa das Jüngste Gericht nicht völlig aussparen kann, so verharmlost, ja, verniedlicht er es: „Eines Tages werden Sie vor Gott stehen, und er wird eine Buchprüfung Ihres Lebens vornehmen, eine Abschlussprüfung, bevor Sie in die Ewigkeit eintreten.“52 Dieser Satz lässt gar nicht die Möglichkeit zu, dass der Mensch verworfen wird; die Hölle wird nicht erwähnt. Vielmehr heißt es dann weiter: „Dieses Leben ist nicht alles. Das Leben auf der Erde ist nur die Generalprobe für die eigentliche Aufführung. Sie werden weit mehr Zeit auf der anderen Seite des Todes – in der Ewigkeit – verbringen als in dieser Welt. Die Erde ist die Vorschule, die Probevorstellung für das Leben in der Ewigkeit. Es ist das Training vor dem eigentlichen Spiel, die Aufwärmrunde, bevor das Rennen beginnt. Dieses Leben ist die Vorbereitung für das nächste.“53 Hier wird dem Leser suggeriert, dass selbst dann, wenn dieses Leben „schief geht“, so er doch in die Ewigkeit kommen könnte, wo es dann besser geht. Denn eine Generalprobe kann ja verpatzt werden, ein Training ist noch nicht das richtige Spiel. Aber all das ist Irrlehre, denn sie macht nicht deutlich, dass der Mensch ohne Sündenerkenntnis, ohne Buße, ohne Umkehr, ohne den rettenden Glauben an Jesus Christus ewig verloren geht, ohne die Möglichkeit einer Umkehr nach dem Tod.

    Damit hängt ein falsches Menschenbild zusammen, nämlich die Auffassung, dass das Ebenbild, das unseren Ureltern Adam und Eva ursprünglich anerschaffen war, nicht vollständig verdorben sei, sondern nur beschädigt, entstellt: „Aber dieses Ebenbild ist unvollständig, wurde beschädigt und von der Sünde entstellt.“54 Daher ist es nicht verwunderlich, dass er behauptet, all Möglichkeiten, die der Mensch habe, würden Gott gefallen – obwohl tatsächlich nur das Gott gefällt, was aus dem Glauben heraus getan wird. Auch hier geht es wieder um das eine: Selbstwertgefühle.

    Schuld, Sünde werden nicht nur bagatellisiert, sondern aufgrund der Psychologie als Entscheidungsparameter als irrevelant hingestellt: „Von Schuld getriebene Menschen werden von ihren Erinnerungen manipuliert.“55 Auch andere Antriebskräfte werden psychologisiert und verharmlost: Wut, Bitterkeit, Angst, materielle Wünsche. „Groll und Bitterkeit schaden Ihnen selbst viel mehr als der Person, gegen die sie sich richten.“ Der Schmerz soll „durch Vergebung losgelassen“ werden56. Dass wir durch die Sünde abgrundtief verdorben sind, dass sie Sünde, wenn wir nicht die Vergebung erlangen, ewig trennt von Gott und in die nicht endende Qual und Pein führt, all das wird nicht erwähnt.

    Dagegen behauptet Rick Warren, ganz im Gefolge des Humanismus, der Mensch könne sich selbst regieren – übrigens genau das ja der Kern der Ursünde, des Sündenfalls unserer Ureltern. „Die Art und Weise, wie Sie ihr Leben sehen, formt Ihr Leben. Wie Sie Ihr Leben definieren, bestimmt Ihr Schicksal.“57 Neben der Behauptung der Selbstbestimmung kommt hier noch die Auffassung durch, dass der Mensch durch seine Gedanken sein Leben bestimmen könne, ein typischer New-Age-Ansatz, der schamanistischen Hintergrund hat.

    Es ist nicht überraschend, dass dann auch der Weg der Errettung, wie ihn Rick Warren beschreibt, bestimmt ist vom Menschen, seinen Möglichkeiten, seinem Willen, also ganz auf der Linie der Entscheidungstheologie liegt: „Wenn Sie sich entscheiden, den Rest Ihres Lebens zur Ehre Gottes zu leben, wird das Folgen für Ihre Prioritäten, Ihren Terminkalender, Ihre Beziehungen und für alles andere haben. Manchmal wird es bedeuten, dass Sie den schweren statt den leichten Weg gehen. ... Es ist Zeit, diese Frage zu klären. Für wen werden Sie Ihr Leben leben – für sich selbst oder für Gott? ... Gott lädt Sie jetzt ein, für ihn selbst und zu seiner Ehre zu leben, indem Sie seine Absichten für Ihr Leben verfolgen. ... Unser Handeln in diesem Leben bestimmt unser Schicksal im ewigen Leben.“58 Und so fordert er dann die Leser zu einer „Übergabe“ auf, und zwar nach Art der modernen Evangelikalen, einer Übergabe, die nichts kostet: „Wenn Sie sich nicht sicher sind, dass Sie das schon getan haben, müssen Sie nichts weiter tun, als aufzunehmen und zu glauben: ‚Allen, die ihn aufnahmen, die an seinen Namen glaubten, gab er das Recht, Gottes Kinder zu werden.’ Werden Sie Gottes Angebot annehmen? Erstens: Glauben Sie! Glauben Sie, dass Gott Sie liebt und dass er Sie für seine Zwecke erschaffen hat. Glauben Sie, dass Sie kein Zufall sind. Glauben Sie, dass Sie erschaffen wurden, um ewig zu existieren. Glauben Sie, dass Gott für Sie eine Beziehung zu seinem Sohn Jesus Christus erschaffen hat, der für Sie am Kreuz gestorben ist. Glauben Sie daran, dass Gott ihnen vergeben will, egal, was Sie getan haben. Zweitens: Nehmen Sie auf! Nehmen Sie Jesus in Ihr Leben auf als Ihren Herrn und Erlöser. Empfangen Sie seine Vergebung für Ihre Sünden. ... Wenn Sie dieses Gebet ernst gemeint haben, herzlichen Glückwunsch! Willkommen in der Familie Gottes. Sie sind jetzt bereit, Gottes Ziel für Ihr Leben zu entdecken und danach zu leben.“59 Wesentliche Elemente des christlichen Glaubens, der Heilsordnung, werden vorenthalten.

Wie in den anderen Ausprägungen der Gemeindewachstumsbewegung, und wie, wenn auch mit anderem Akzent, schon bei Wesley und Finney angefangen, sind auch die Bewegungen, wie sie von McGavran, Schuller, Hybels und Warren geprägt sind, durch und durch anthropozentrisch, auf den Menschen, sein Denken, seine angeblichen Möglichkeiten, seine Kultur, seine Lebenshaltung abgestimmt. Der Mensch ist zum Maß des evangelistisch-missionarischen Wirkens geworden, nicht mehr Gott der Herr und sein Wort. Das hängt damit zusammen, dass eben die abgrundtiefe Verdorbenheit, der geistliche Tod des nichtwiedergeborenen Menschen nicht erkannt wird.

                                                                                                                 (wird fortgesetzt)

 

ZEICHEN DER ZEIT

 

In dieser Rubrik sollen künftig Anmerkungen, Aufsätze zu Vorgängen in dieser Zeit, vor allem, aber nicht ausschließlich, in der Bundesrepublik Deutschland angeboten werden. Unser Heiland und Herr Jesus Christus hat uns in seinen Endzeitreden dazu aufgerufen, dass wir auf die Zeichen der Zeit Acht geben sollen. Und wenn wir das, was in den letzten Jahren geschehen ist, genau beobachten, so können wir feststellen, wie sich das Antichristliche allgemein immer mehr verschärft, wie besonders die Feindseligkeit gegen bibel- und bekenntnistreues Christentum immer mehr zunimmt, auch in christlichen Kreisen selbst, bis hinein in die Kreise, die sich „evangelikal“nennen.

 

Familienpolitik in der Bundesrepublik Deutschland: Familienpolitik hat momentan, wenn man so will, „Konjunktur“. Das sollte eigentlich erfreulich sein. Nur, die Richtung, die dabei eingeschlagen wird, kann uns als bibeltreue Christen keineswegs erfreuen. Die Richtung, die Frau von der Leyen eingeschlagen hat, geht von einem anderen als dem biblischen Familienbild aus. Für sie ist nicht die Hausfrau und Mutter der Regelfall, sondern die Ausnahme, die immer mehr zu beseitigen ist. Dagegen ist die Frau, die, möglichst vollberuflich, arbeitet, für sie das angestrebte Ziel. Daher auch der Ansatz, dass das neue „Erziehungsgeld“ nicht generell gezahlt wird, sondern als Ersatz für entgangenen Lohn. Und dass dabei die Väter gleicherweise zeitweilig zu Hause bleiben sollen, zeigt einen weiteren Aspekt ihres durch und durch neomarxistisch geprägten Welt- und Familienbildes: die Austauschbarkeit von Mann und Frau, neudeutsch als „Gender Mainstream“ bezeichnet.

Auch die Aufstockung der Krippenplätze geht ja in diese Richtung: Die Frau soll frei sein für den Arbeitsmarkt (je höher Arbeitskräfteangebot, desto niedriger die angebotene Entlohnung). Das ist aber nur die eine Seite. Die andere ist das, was der jetzige Bundesarbeits- und –sozialminister Olaf Scholz vor ein paar Jahren als die „Lufthoheit über den Kinderbetten“ bezeichnete. Die will der Staat sich sichern. Und je früher er, ganz im Gefolge der untergegangenen DDR, die Kinder in seine Obhut nimmt, umso mehr Einfluss hat er auf sie. Dass er dabei gleichzeitig darauf verweisen kann – und auch konservative Pädagogen bestätigen dieses Phänomen (s. Bernhard Bueb: Lob der Disziplin) – dass die Fähigkeit zu Bildung und Erziehung in der Familie immer mehr abnimmt und deshalb der Staat sozusagen in der Pflicht sei, um die Chancengleichheit der Kinder zu erhöhen und ihnen eine bestmögliche Entwicklung zu gewährleisten, sich selbst um sie zu kümmern. Allerdings – und das ist dann sehr bezeichnend – wendet der gleiche Staat sich massiv, wenn nötig mit äußerster Brutalität, gegen jegliche Versuche, das in fast allen freien Ländern, und sogar in so unfreien wie Russland, garantierte Recht auf Schulbildung zu Hause anzuwenden. Sind wir hier auf dem Weg in einen neuen Totalitarismus? Der heutige Staat nutzt jede sich ihm nur bietende Gelegenheit, um die Elternrechte auszuhöhlen (so auch mit dem in Arbeit befindlichen Gesetz, das Jugendämtern die teilweise oder völlige Entziehung des Sorgerechtes erleichtern soll).

Wir können allerdings als Christen die Augen nicht verschließen vor der Tatsache, dass allerdings im Erziehungs- und Schulbereich erhebliche Mängel herrschen und leider wirklich viele Eltern heute enorme Probleme mit der Erziehung ihrer Kinder haben, nicht zuletzt auch ein Ergebnis der 68er Kulturrevolution, die Autorität, Tradition, Geschichte, Vorbild, Pflicht, Unterordnung, Demut, Dienstbereitschaft, Hingabe, Gehorsam, Treue, Wahrhaftigkeit, Ehrlichkeit und andere Tugenden systematisch verunglimpft hat. Darum sind gerade die bibeltreuen christlichen Kreise aufgerufen, nicht nur über den Moloch Staat zu jammern, sondern ihrerseits in großem Maße Kindergärten, Kinderbetreuung, Kinderdörfer, Hausaufgabenbetreuung anzubieten und vor allem christliche Schulen mit einer alternativen Pädagogik.

„Gender Mainstream“: Dieser Begriff beschreibt eine bedeutende Linie des sich immer deutlicher abzeichnenden öko-humanistischen Totalitarismus in der Bundesrepublik Deutschland, ja, in der Europäischen Union und den meisten der „westlich“ geprägten Staaten. Gender Mainstream ist dabei eine Mischung aus neomarxisitschem und feministischem Gedankengut: Frauen sollen in einem Vollberuf arbeiten (schon bei den „Klassikern“ des Marxismus zu finden), häusliche Arbeit soll industrialisiert, die Kindererziehung „vergemeinschaftet“ werden. Behauptet wird in diesem Zusammenhang (Feminismus, Margaret Mead), die „Rolle“ der Geschlechter sei kulturbedingt, alle Menschen seien sowohl hetero- als auch homosexuell; erst die Erziehung weise Geschlechterrollen zu. Diese Art von Erziehung müsse überwunden werden, man müsse einen „neuen Menschen“ schaffen (den wievielten eigentlich?). Auch das Antidiskriminierungsgesetz geht in diese Richtung, wie, siehe den ersten Artikel unter dieser Rubrik, die Familienpolitik in der Bundesrepublik. Hintergrund sind Verlautbarungen der UNO, so etwa im „Pekinger Aktionsprogramm“ der 4. Weltfrauenkonferenz von 1995 (ein unverbindliches Programm, das die EU dann für ihren Bereich verbindlich gemacht hat. (s. „Gender Mainstreaming“. Zeitspiegel Nr. 155.)

Was hier versucht wird, ist damit eindeutig, die Schöpfung Gottes, der von Anfang an Mann und Frau als unterschiedliche Wesen erschaffen hat, zu zerstören. Zugleich soll das, was Gott als Sünde bezeichnet hat – Homosexualität, Bisexualität, Transsexualität – nicht mehr Sünde sein und der Mensch völlig von Gott gelöst, soll, wie schon bei der ersten Versuchung durch den Teufel, „autonom“ sein, wie es auch die Aufklärung propagierte. Wohin dieser Mensch führt, lehren uns die französische und russische Revolution und die totalitären Systeme des Kommunismus und Nationalsozialismus zur Genüge.

Ökumene: Schon das 20. Jahrhundert zeigte sich als ein Jahrhundert der Kirchenzusammenschlüsse, der Ökumene. Dies setzt sich im 21. Jahrhundert verstärkt fort und hat auch früher eher konservative Kreise, wie die Evangelikalen, erfasst. Ein Produkt der Ökumene in den vergangenen Jahren war die sogenannte „Charta oecumenica“, in der sich die unterzeichnenden Kirchen gegenseitig versprachen, keine Glieder abzuwerben. Das heißt aber im Klartext, dass bibeltreue Christen nicht versuchen sollten, denen in geistlicher Finsternis gehaltenen Menschen der römischen oder östlichen Kirche das helle, rettende Evangelium zu bringen. Die Wahrheit soll also auf der Strecke bleiben.

In evangelikalen Kreisen wird, besonders von sogenannten Linksevangelikalen aus dem Bereich der Freien evangelischen Gemeinden (z.B. Ulrich Eggers), bewusst die an der biblischen Lehre orientierte Kirchengemeinschaft abgelehnt und eine Einheit proklamiert, die nicht auf der Grundlage der Bibel, sondern in Jesus Christus und dem Reden des Heiligen Geistes begründet sein soll. Damit zusammen hängt eine immer mehr um sich greifende Ablehnung der Verbalinspiration und Irrtumslosigkeit der Bibel sowie der Trend zu einer völlig subjektiven Schriftauslegung (wie sie besonders auch von Emerging Church betrieben wird). (s.a. Topic 2006, Nr. 6, S. 1)

Im November 2007 fand, nach etwa zehn Jahren Vorbereitung, in Kenia ein „globales christliches Forum” statt, bei dem es darum ging, dass neben den sonst bereits im Ökumenischen Rat der Kirchen vertretenen protestantischen und Ostkirchen auch die römisch-katholische Kirche sowie evangelikale und Pfingstkirchen teilnahmen. Thema auch hier: „Wege zur Einheit“ finden. Dabei wurde behauptet, „Einheit“ sei die „höchste Gabe Gottes“. Die Teilnehmer hätten bei der Konferenz erkannt, dass „keiner die Wahrheit für sich hätte“. (s. Komm. Nr. 18, Januar 2008) Das aber heißt, dass die Wahrheit als beliebig angesehen wird, dass die Einheit – entgegen der Schrift – über die Wahrheit gesetzt wird. Genau das ist die Richtung, wie sie durch die Ökumene, Pfingstler, Charismatiker und Evangelikalen vertreten wird – gegen Römer 16,17.18; 2. Kor. 6,14-18; Joh. 17,17; 8,31.32.

Islam: Ende 2007 haben 138 muslimische Führer einen Brief an christliche Kreise geschrieben, in dem sie sich für einen „interreligiösen Dialog” einsetzen und dabei den Eindruck zu suggerieren versuchen, dass Islam und Christentum zwei Elemente verbinde: der Glaube an den einen Gott und die Liebe zum Nächsten.

Reagiert haben auf diesen Brief in erster Linie Kirchenführer und bedeutende Christen aus dem angelsächsischen Raum. Die Art und Weise der Reaktion bedeutet aber eine Kapitulation vor dem Islam: Zum einen entschuldigt man sich für die Kreuzzüge, ohne dabei zu differenzieren zwischen der Schuld, den Glauben mit Gewalt durchsetzen zu wollen und dem politisch-militärischen Abwehrkampf (!), der damals schon über 400 Jahre gegen die muslimische Aggression zu führen war. Außerdem wird weiter der Eindruck vermittelt, Christen und Muslime würden denselben Gott anbeten und es gäbe tatsächliche eine Übereinstimmung im Hinblick auf Nächstenliebe (obwohl der Islam eine solche, in der Liebe Gottes begründete, Nächstenliebe gar nicht kennt). Die Dreieinigkeit wurde ebenso unterschlagen wie das Heil, das allein Jesus Christus, wahrer Gott und wahrer Mensch zugleich in einer Person, uns erworben hat und durch Wort, Taufe und Abendmahl anbietet. Auch führende Evangelikale, wie Bill Hybels, Rich Warren, Robert Schuller, George VerwerVertreter der Weltweiten Evangelischen Allianz gehören zu den Unterzeichnern. Interessant, dass dagegen die Evangelische Kirche in Deutschland (EKD) eher ablehnend auf diesen Brief reagiert hat.

Zugleich geht die Verfolgung von Christen in der islamischen Welt massiv weiter, und zwar gerade auch in solchen Ländern, die mit den USA und anderen westlichen Staaten „verbündet“ sind, wie etwa Pakistan, Malaysia, Ägypten, auch in der Türkei, besonders in Saudi-Arabien und ganz massiv im US-besetzten Irak.

Aber auch in Europa tritt der Islam immer militanter auf, da er ja zahlenmäßig zunimmt (die islamische „Mission“ verfolgt einen Drei-Stufen-Plan, nämlich friedlicher Beginn, massiveres Auftreten und Aufrüsten, gewaltsame Machtübernahme; orientiert an der Vorgehensweise Mohammeds in Mekka und Medina.) Die Fälle von Gewalt pakistanischer Moslems gegen minderjährige christliche Mädchen in Großbritannien häufen sich, ohne dass die Polizei in den meisten Fällen einschreitet, wie es heißt, um „Rassenunruhen“ zu vermeiden (s. Topic 2007, Nr. 12, S. 6 f.). Überhaupt greift die „Dhimmi“-Haltung oder Kapitulation vor dem Islam in den westlichen Ländern immer mehr um sich: In Großbritannien verschwinden allmählich die Sparschweine aus den Sparkassen, da das Schwein im Islam ein unreines Tier ist; British Airways hat die britische Flagge an den Flugzeugen entfernt, da sie das Kreuz enthält; Stewardessen dürfen kein Kreuz als Kette um den Hals tragen (im Gegensatz zu religiöser Tracht von Sikhs und Moslems). Muslimische Taxifahrer haben sich sowohl in Großbritannien als auch in den USA bereits mehrfach geweigert, Blinde mit Blindenhunden zu fahren, da der Hund im Islam als ein unreines Tier gilt. Durchgreifende Reaktionen gab es nicht. In Finnland sind in Helsinki seit dem 1. Januar 2008 mehrere öffentliche Hallenbäder samstags nur noch für muslimische Frauen reserviert, sonntags für muslimische Männer (s. Topic, 2008, Nr. 2, S. 6). In Brüssel und Köln durften islamkritische Demonstrationen nicht stattfinden; die EU finanziert den Bau von Großmoscheen (Moscheen sind keineswegs nur Gebetshäuser, sondern, da der Islam keine Trennung von Kirche und Staat kennt, immer auch politische Zentren und Stützpunkte der Eroberung eines Landese), was etwa dadurch geschieht, dass in so einem Gebäudekomplex auch ein „Begegnungszentrum“ eingeplant wird (so z.B. bei der Großmoschee in Duisburg).

Ein weiterer Aspekt der Islamisierung ist die systematische wirtschaftliche Unterwanderung Europas. Vermehrt kaufen reiche Muslime Firmen, Banken und Börsen auf. So ist etwa London Stock Exchange seit einigen Jahren fest in islamischer Hand (s. Topic, 2008, Nr. 2, S. 5 f.).

Christenverfolgung: Im Irak spielt sich derzeit die schlimmste Christenverfolgung der Gegenwart ab. Von den 1,4 Millionen Christen, die vor dem ersten Golfkrieg dort lebten, sind jetzt höchstens noch zehn Prozent, etwa 150.000, im Lande. Kirchen werden systematisch gesprengt, Christen gekreuzigt, enthauptet, vergewaltigt, vertrieben. Hinter den Greueln stehen Al-Quaida-nahe Gruppen, die vor dem Überfall der USA auf den Irak dort gar nicht wirken konnten. (s. Topic, 2007, Nr. 11, S. 3)

Aber auch in der sogenannten „westlichen Welt” nehmen die Angriffe auf das Christentum zu. So ist es im Verlauf des letzten Jahres gerade in den Medien in der Bundesrepublik Deutschland wiederholt zu massiven Angriffen auf bibeltreue Christen gekommen. So etwa im Zusammenhang damit, dass an zwei Schulen in Gießen, gemäß dem hessischen Lehrplan, im Biologieunterricht als Alternative zur Evolutionstheorie auch die Schöpfungslehre vorgestellt wurde. Hier wurde versucht, durch linkspolitische Kreise ein Aufsichtsverfahren gegen die Lehrer einzuleiten. Kurz darauf griff die „Oberhessische Zeitung“ massiv die Stadtmission in Marburg an, weil sie in ihrem Schaukasten einen Aushang zum Thema Schöpfung mit Aussagen eines Münchner Naturwissenschaftlers gebracht hatte. In diesen Zusammenhang gehört auch der Versuch des sozialistischen Abgeordneten des Europarates Guy Lengagne, der einen Bericht gegen den Schöpfungsunterricht verabschiedet haben wollte und bibeltreue Christen als Gefahr für die Demokratie bezeichnete. Das ehemalige Mitglied des Rates der „Evangelischen Kirche in Deutschland“ (EKiD), Robert Leicht, verglich im Berliner „Tagesspiegel“ bibeltreue Christen (Fundamentalisten) mit den islamistischen Terroristen. Als die frühere TV-Moderatorin Eva Hermann sich von der emanzipationistischen Ideologie distanzierte und sich zum biblischen Frauen- und Familienbild bekannte, brach eine Welle der Kritik und Verleumdung über sie herein.

Jüngstes Beispiel sind die massiven Angriffe aus den Reihen der Grünen (Volker Beck) gegen Veranstaltungen auf dem diesjährigen „Christival“, und zwar diejenigen, die sich mit Homosexualität und Abtreibung beschäftigen bzw. beschäftigen sollten. Leider haben die Veranstalter zu dem Thema Homosexualität ihr Seminar zurückgezogen. Die Grünen gingen so weit, eine Kleine Anfrage an die Bundesregierung zu stellen und setzten zeichneten auch darin wieder ein negatives Bild des christlichen Fundamentalismus und leugneten, dass Homosexualität heilbar ist. Die Bundesregierung hat in ihrer Antwort weitgehend die ideologischen Auffassungen der Grünen übernommen, nur nicht direkt in die Kritik an der Jugendveranstaltung eingestimmt.

Von atheistischer Seite wird versucht, durch Scheinwissenschaftlichkeit, gepaart mit extremer verbaler Aggressivität, dem christlichen Glauben entgegen zu treten.

Wir müssen uns als bibel- und bekenntnistreue Christen gerade auch in den „westlichen“ Ländern auf wachsende Feindseligkeit vorbereiten, die immer mehr zu einer Ausgrenzung führen wird, eventuell auch bewusster Vorbereitung der öffentlichen Meinung auf eine Verfolgung, die dann im Namen von Frieden, Toleranz, Demokratie stattfinden wird und daher als gut und notwendig gilt.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 



1 Ernst, Karsten: Wie sollen wir das Evangelium verkündigen? Bielefeld 1997. S 12

2 vgl. ebd.

3 a.a.O., S. 13

4 vgl. ebd.

5 a.a.O. S. 15

6 ebd.

7 Finney, Charles G.: Finney’s Systematic Theology. Hrsg. Von J.H. Fairchild. o.O. 1846. Nachdruck: Minneapolis 1976. S. 329.338; in: Ernst, a.a.O. s. 16 f.

8 Finney bezeichnete diese Lehre als „die größte und verabscheuungswürdigste und verwerflichste Falschheit. Es spottet seiner Intelligenz.“ Finney, a.a.O. S. 226.236; in: Ernst, a.a.O., S. 17

9 Finney, a.a.O., S. 220; in: Ernst, ebd.

10 vgl. Finney, a.a.O., S. 224 f.; in: Ernst, ebd.

10a zitiert in: Weddle, David L.: The Law as Gospel. Revival and Reform in the Theology of Charles G. Finney. Metuchen, New York, and London 1985. S. 6; in: Kurt Marquart: “Church Growth” as Mission Paradigm. Houston, Texas 1994. S. 25 (Übers. v. Verfasser)

11 vgl. Finney, a.a.O., S. 232.224; in: Ernst, ebd.

12 vgl. Ernst, a.a.O., S. 18

12a Weddle, ebd.; in: Marquart, a.a.O., S. 26 (Übers. v. Verfasser)

12b vgl. Ernst, a.a.O., s. 21

13 vgl. Ernst, a.a.O., S. 18 f.

14 zitiert in: Warfield, Benjamin B.: The men and the beginnings, in: ders.: Perfectionism. 2. Aufl., Philippsburg, New Jersey 1980. S. 23; in: Ernst, a.a.O., S. 20

15 Ernst, a.a.O., S. 23

16 vgl. Ernst, a.a.O., S. 24

17 Werning, Waldo: Making the Missouri Synod Functional Again. Fort Wayne, Indiana 1992. S. 201; in: Marquart, a.a.O., S. 14 (Übers. v. Verf.)

18 McGavran, Donald, und Wagner, C.P.: Understanding Church Growth, 3rd ed. Grand Rapids, Michigan 1990, S. XVII; in: Marquart, a.a.O., S. 14 f. (Übers. vom Verfasser)

20 McGavran, Wagner, a.a.O., S. 8; in: Marquart, a.a.O., S. 15 (Übers. v. Verfasser)

21 McGavran, Wagner, a.a.O., S. 8-9; in: Marquart, a.a.O., S. 17 (Übers. v. Verfasser)

22 McGavran, Wagner, a.a.O., S. 269-270; in: Marquart, a.a.O., S. 18 (Übers. v. Verfasser)

23 McGavran, Donald, und Arn, Win: How to Grow a Church. Glendale, California 1974. S. 156; in: Marquart, a.a.O., S. 21 (Übers. v. Verf.)

23a Wagner, C. Peter: Your Church can Grow. Ventura, California 1976. S. 160, zitiert in: Koester, a.a.O., S. 152; in: Marquart, a.a.O., S. 33 (Übers. v. Verf.)

23b Wagner, C. Peter: Leading Your Church to Growth. Ventura, California 1984. S. 177, in: Koester, a.a.O., S. 161; in: Marquart, a.a.O., S. 33 (Übers. v. Verf.)

24 Marquart, a.a.O., S. 23 (Übers. v. Verf.)

25 McGavran, Wagner, a.a.O., S. 270; in: Marquart, a.a.O., S. 24 (Übers. v. Verf.)

26 McGavran, Donald, und Arn, Win: Back to Basics in Church Growth. Wheaton, Illinois 1981. S. 52, zitiert in: Koester, Robert J.: Law and Gospel. The Foundation of Lutheran Ministry. Milwaukee, Wisconsin 1993. S. 52-53; in: Marquart, a.a.O., S. 27 (Übers. v. Verf.)

27 George, Carl F.: Prepare Your Church for the Future. Grand Rapids, Michigan 1992. S. 185.139; in: Marquart, a.a.O., S. 39 (Übers. v. Verf.)

28 Hunter, Kent: Foundations for Church Growth. New Haven, Missouri 1983. S. 26; in: Marquart, a.a.O., S. 43 (Übers. v. Verf.)

29 Christianity Today, Vol. 35, Nr. 7 (24. Juni 1991), S. 46; in: Marquart, a.a.O., S. 30 f. (Übers. v. Verf.)

30 Marquart, a.a.O., S. 31 (Übers. v. Verf.)

31 Wagner, C. Peter: Look Out! The Pentecostals Are Coming. Carol Stream, Illinois 1973. S. 81; in: Marquart, a.a.O., S. 48 (Übers. v. Verf.)

32 Pritchard, G.A.: Willow Creek – Die Kirche der Zukunft? Bielefeld 1997. S. 48

33 ebd.

34 ebd.

35 Schuller, Robert: Your Church has Real Possibilities. S. 134; in: Pritchard, a.a.O., S. 50

36 Schuller, a.a.O., S. 137; in: Pritchard, a.a.O., S. 262

37 vgl. Pritchard, a.a.O., S. 20-25

38 Johnson, Ted: Relationship: The Young Life Ministry in Action. 1993. S. 3; in: Pritchard, a.a.O., S. 33

39 Pritchard, ebd.

40 vgl. Pritchard, a.a.O., S. 40

41 vgl. Pritchard, a.a.O., S. 55

42 Mellado, James: Willow Creek Community Church. Punkt 1; in: Pritchard, a.a.O., S. 58

43 Pritchard, a.a.O., S. 94

44 Pritchard, a.a.O., S. 105

45 Strobel, Lee: Beim Wort zum Sonntag schalt’ ich ab: Die Welt eines Kirchendistanzierten verstehen. Wiesbaden 1995. S. 66; in: Pritchard, a.a.O., S. 131

46 Pritchard, a.a.O., S. 138

47 Pritchard, a.a.O., S. 240

48 Pritchard, a.a.O., S. 226 f.

49 vgl. Ebertshäuser, Rudolf: Gemeindewachstum oder Gemeindeverführung? o.O. 2007. S. 38

50 vgl. Ebertshäuser, a.a.O., S. 41

51 Warren, Rick: „Leben mit Vision“, S. 25.64.67.85; in: Ebertshäuser, a.a.O., S. 45 f.

52 Warren, a.a.O., S. 34; in: Ebertshäuser, a.a.O., S. 46

53 Warren, a.a.O., S. 36; in: Ebertshäuser, a.a.O., S. 47

54 Warren, a.a.O., S. 174; in: Ebertshäuser, ebd.

55 Warren, a.a.O., S. 27; in: Ebertshäuser, a.a.O., S. 50

56 Warren, a.a.O., S. 28; in: Ebertshäuser, ebd.

57 Warren, a.a.O., S. 41; in: Ebertshäuser, a.a.O., S. 51, zitiert nach dem amerikanischen Original

58 Warren, a.a.O., S. 57.40; in: Ebertshäuser, a.a.O., S. 54

59 Warren, a.a.O., S. 58 f.; in: Ebertshäuser, a.a.O., S. 55 f.