Beständig in der Apostel Lehre und in der Gemeinschaft und im Brotbrechen und im Gebet! Apg. 2,42

DER BEKENNTNIS-

LUTHERANER

 

Lutherisches Blatt für Bibelchristentum.

Mit Zustimmung der Lutherischen Kirchen der Reformation (Lutheran Churches of the Reformation, LCR) herausgegeben von Roland Sckerl,  Leopoldstr. 1, D-76448 Durmersheim; Tel.:07245/83062; Fax: 07245/913886

e-mail: Sckerl@web.de

 

14. Jahrgang 2006                                  Heft 2/2006

 

 

 

 

Inhaltsverzeichnis

 

. 1

UNTER LUTHERS KANZEL UND KATHEDER     2

Die Buße als Ausgangspunkt der evangelischen Erneuerung der Kirche – die 95 Thesen   2

Die Heidelberger Disputation 1518 – die Entfaltung der Theologie des Kreuzes  3

UNTER BIBEL UND BEKENNTNIS... 4

Die Rechtfertigung. 4

Von der Rechtfertigung aus dem Glauben.. 7

Taufe und Heilsgewissheit 10

Literaturhinweise. 11

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

UNTER LUTHERS KANZEL UND KATHEDER

 

 

 

Die Buße als Ausgangspunkt der evangelischen Erneuerung der Kirche – die 95 Thesen

 

Von

Roland Sckerl

 

Das römisch-katholische Bußsakrament ist ein typischer Ausdruck der römischen Irrlehre im Zentrum des christlichen Glaubens, nämlich der Rechtfertigung. Der römische Bußbegriff kennt den Glauben gar nicht, dafür aber menschliche Werke, Vorbedingungen in verschiedener Weise. Schon die Reue wird nicht als ein Werk Gottes durch das Gesetz gefasst, sondern als etwas, das der Mensch im Herzen hervorbringen muss. Als nächstes Werk muss er alle Sünden bekennen – denn nur für diejenigen wird er eine Absolution (Lossprechung) erhalten. Und schließlich muss er dann noch genugtuende Werke vollbringen, so, als hätte Christus keine vollkommene Genugtuung für uns erworben.

Die Absolution, und damit wird das Evangelium entscheidend eingeschränkt, ja, letztlich aufgehoben, gelte nach römischer Lehre nur für die Sünden vor Gott, es bliebe aber eine zeitliche Strafe, die die Kirche zu verhängen habe. Die Bibel kennt das nicht. Gott kann wohl zeitliche Folgen der Sünde verhängen – aber, wohl gemerkt, Gott, nicht der Mensch. Es ist ganz natürlich, dass durch solch ein Verständnis der Buße der Schwerpunkt von der Sünde vor Gott verschoben wird auf die Genugtuung, die gegenüber der Kirche zu leisten ist. Und das musste verheerende Folgen für das Sündenverständnis wie auch das Gottesverständnis haben. (vgl. Heinrich Fausel: Dr. Martin Luther. Sein Leben und sein Werk. 2. Aufl. Neuhausen-Stuttgart 1996. Bd. 1, S. 82). „Die zeitlichen Strafen (wozu auch das Fegfeuer gehört) sind in der Absolution nicht aufgehoben, sie müssen durch Genugtuungswerke wie Fasten, Almosengeben, Wallfahrten abgebüßt werden, welche der Beichtiger zumisst. Kein Wunder, dass der Sünder um der Todsünden willen verhängte ewige Strafen sehr leicht nimmt, dagegen vor den zeitlichen Strafen und den darauf folgenden Genugtuungswerken, die oft jahrelang dauern konnten, einen gründlichen Respekt empfindet.“ (s. Fausel, ebd.)

Gleichzeitig wurde der Sündenernst weiter unterhöhlt, indem die römische Kirche versuchte (und bis heute versucht), den Menschen entgegen zu kommen, damit sie die Genugtuung erfüllen können. Sie bietet ihnen Ersatzleistungen an, eben den Ablass, der nun wiederum bei der römischen Kirche als einer immer auf Geld aus seienden Institution, vor allem dazu dienen sollte, den Kirchenbau, etwa des Petersdomes, zu finanzieren, so dass man von einem „heiligen Geschäft“ sprach (vgl. Fausel, Bd. 1, S. 83) und sogar „Ablass auf Vorrat“ verkaufte, seit 1476, da es so erträglich war, Ablass für die Toten.

Das Sündenbewusstsein, eine klare Erkenntnis von der Heiligkeit Gottes wurde damit völlig zerstört. Die Menschen fassten den Ablassbrief vielfach als Freibrief zum Sündigen auf. Luther führt in seiner Schrift „Wider Hans Worst“ (1541) unter anderem auf, auf welche unverschämte Weise etwa Tetzel den Ablass anbot: „Ferner: Wenn einer Geld für eine Seele im Fegfeuer in den Kasten lege, so führe die Seele aus dem Fegfeuer in den Himmel, sobald der Pfennig auf den Boden fiele und klänge.

Ferner: Die Ablassgnade sei eben die Gnade, durch welche der Mensch mit Gott versöhnt werde.

Ferner: Es sei nicht nötig, Reue, Leid oder Buße für die Sünden zu tun, wenn einer den Ablass oder die Ablassbriefe kaufte (eigentlich sollte ich sagen: gewönne). Er verkaufte auch [Ablass für] künftige Sünden. Derlei Dinge trieb er gräulich viel; es war ihm dabei nur ums Geld zu tun.“ (s. Wider Hans Worst. 1541. WA 51,538,23 ff.; in: Fausel, Bd. 1, S. 85.86)

In seinem Brief, den Luther aus diesem Anlass an Erzbischof Albrecht von Mainz schrieb, betonte er: „Die Werke der Gottesfurcht und Liebe sind unendlich wertvoller als die Ablässe. Und doch wird darüber weder mit solchem Gepränge noch mit solchem Eifer gepredigt, ja, man schweigt davon, weil die Ablasspredigt wichtiger ist, während es doch die erste und einzige Sorge aller Bischöfe sein sollte, dass das Volk das Evangelium und die Liebe Christi lerne. Die Ablasspredigt hat Christus nirgends geboten, wohl aber mit großem Nachdruck die Evangeliumspredigt. Welch große Schande und welch große Gefahr ist es also für einen Bischof, wenn er das Evangelium schweigen lässt, dafür aber den Ablasslärm unter seinem Volk erlaubt und dafür mehr übrig hat als für das Evangelium! Wird Christus nicht zu solchen sprechen: „Ihr seihet Mücken und schlucket Kamele“ (Matth. 23,24)?“ ((Briefe 1,110,5 ff.; in: Fausel, Bd. 1, S. 87) Hier wird bereits deutlich, worum es Luther geht: um das ewige Heil der Menschen, dem Zentrum der Schrift, das Evangelium. Und um des Evangeliums willen scheut er sich auch nicht, den Bischof selbst scharf anzusprechen.

Und das ist genau der Grund, der ihn dazu treibt, schließlich die 95 Thesen an die Tür der Schlosskirche zu Wittenberg zu heften: die Not der verführten Seelen, die nach Hilfe schreien (vgl. Fausel, Bd. 1, S. 88).

 

Luther will dabei in den 95 Thesen nichts anderes sein als ein treuer Ausleger der Heiligen Schrift Gottes, der das Evangelium entfaltet.

Er hebt dabei die Buße nicht auf, wie das heute vielfach die Tendenz ist, nein, er will sie vielmehr von der Schrift her erneuern. Gerade die ersten sieben Thesen sprechen daher von der evangelischen Buße, die das gesamte Leben des Menschen umfasst: „Unser Herr und Meister Jesus Christus hat mit seinem Wort „tut Buße“ usw. gewollt, dass das ganze Leben der Gläubigen [nichts als] Buße sein solle.“ (1. These) In der zweiten These grenzt Luther diese evangelische Buße klar ab gegen das Bußsakrament und betont auch noch einmal in seinen Erläuterungen, dass die wahre, innerliche Buße nicht mit dem römischen Bußsakrament identisch ist, denn letzteres ist etwas äußeres, kann erheuchelt sein; außerdem gibt es gar keinen Befehl Christi für ein Bußsakrament. Die wahre innerliche Buße aber führt, These 3, zu mancherlei Abtötung des Fleisches als Wirkung und dauert an (These 4), bis der Mensch in die Herrlichkeit kommt.

Nachdem er dann in den Thesen 5-7 die Macht des Papstes, Strafe zu erlassen, sehr einschränkt, greift er in den Tehse 8-13 den Ablass für die Toten an und unterstreicht in These 13: „Die Sterbenden bezahlen mit dem Tode alles, sie sind den kanonischen Gesetzen schon abgestorben und also von Rechts wegen davon los und frei.“ (s. Fausel, Bd. 1,S. 91) An dem Wahn des Fegfeuers hält Luther in den Thesen noch fest, hat sich später aber ausdrücklich davon losgesagt.

Welch ein Ungeheuer der Ungewissheit das römische Bußsakrament ist, das aufbaut auf der menschlichen Reue, hebt Luther dann in These 30 hervor: „Niemand ist sicher über die Echtheit seiner Reue, wieviel weniger über die Erlangung des vollen Erlasses.“ (s. Fausel, Bd.1, S. 93) Wenn schon die Grundlage der römischen Buße völlig schwankend, fragwürdig ist, so stürzt das ganze Bußsakrament als eine menschliche Handlung, ein menschliches Werk, ein. Darum geißelt er auch scharf den Versuch, Gewissheit auf dem Ablass zu begründen: „Verdammt in Ewigkeit samt ihren Lehrmeistern werden die sein, die durch Ablassbriefe ihres Heils gewiss zu sein glauben.“ (These 32, s. Fausel, Bd. 1, S. 94)

Dem Ablass- und Verdienstdenken, der menschlichen Werkerei, setzt Luther das Evangelium entgegen und betont, dass es völlige Vergebung ohne Ablass gibt – und zwar darum, weil der Christ Anteil hat an Gottes Gütern. „Jeder wahre Christ, ob lebendig oder tot, hat Anteil an allen Gütern Christi und der Kirche; diese Teilnahme ist ihm auch ohne Ablassbrief von Gott gegeben.“ (These 37, s. Fausel, ebd.) In den Erläuterungen führt er dazu aus: „So kommt es durch die unvergleichlichen Reichtümer der Barmherzigkeit Gottvaters, dass ein Christ alle Gaben in Christus rühmen und im Glauben genießen kann: ja, Gerechtigkeit, Kraft, Geduld, Demut, kurz alle Verdienste Christi sind auch die seinigen kraft der Einheit des Geistes im Glauben an ihn. Und wiederum: Alle seine Sünden sind nicht mehr die seinen, sondern Christi Sünden kraft derselben Einheit; denn in Christus sind sie alle verschlungen ... Ja, er legt seine Hand auf uns, und wir haben’s gut; er breitet seinen Mantel aus und überdeckt uns, der hochgelobte Erlöser in Ewigkeit, Amen.“ (s. Fausel, Bd. 1, S. 94 f., Anm. 37)

In These 38 greift Luther einen weiteren Hauptpunkt des römischen Bußwahns an, nämlich die Behauptung, dass Papst und Priester Richter im Bußsakrament seien. Was sie proklamieren, das ist nichts anderes als eine „Erklärung der göttlichen Vergebung“, also Verkündigung des, was Gott tut, in Christus längst getan hat und nun durch das Wort zueignet. „Deshalb rechtfertigt dich weder das Sakrament noch der Priester, sondern der Glaube an das durch den Priester und sein Amt vermittelte Wort Christi.“ (Erläuterungen, s. Fausel, Bd. 1, S. 95, Anm. 38) Der Glaube tritt an die entscheidende Stelle in der Buße: Nur der Glaube hat die Vergebung, die Christus längst auf Golgatha erworben hat.

 

Wie wenig Wert der Ablass hat, das hebt Luther weiter hervor, wenn er betont, dass die Werke der Liebe besser sind als jeder Ablass: „Lehren muss man die Christen: Wer dem Armen gibt oder dem Bedürftigen leiht, tut besser, als wenn er Ablass löst... Lehren muss man die Christen: Wer einen Bedürftigen sieht, ihn aber missachtet und sein Geld für Ablässe ausgibt, der erwirkt sich damit nicht den Ablass des Papstes, sondern Gottes Ungnade.“ (Thesen 43 und 45; in: Fausel, Bd. 1, S. 95 f.)

Der Ablass, immer wieder hebt Luther das hervor, kann kein Heil bewirken. „Ewig unselig ist jede Predigt, die den Leuten Sicherheit und Vertrauen einredet auf etwas anderes als auf die nackte Barmherzigkeit Gottes, die Christus ist.“ (Erläuterungen, in: Fausel, Bd. 1, S. 96, Anm. 46). Darum ist auch die Evangeliumspredigt unendlich viel mehr wert als jede Ablasspredigt, ja, die Evangeliumspredigt geht auch über das Bußsakrament: „Besser ist’s noch, das Sakrament zu unterlassen als das Evangelium nicht zu verkündigen.“ (Erläuterungen; in: Fausel, Bd 1, S. 97, Anm. 47)

Da das Evangelium der einzige und wahre Schatz der Kirche ist, während wir Menschen alle Sünder sind und nie Gottes Forderung erfüllen, fällt auch ein weiterer römischer Wahn, auf den sich der Ablass unter anderem stützt, nämlich die Behauptung von überschüssigen Werken der „Heiligen“. Sie gibt es gar nicht. „Kein Heiliger hat in diesem Leben die Gebote Gottes hinreichend erfüllt, also haben sie überhaupt nichts Überschüssiges getan ... Jeder Heilige ist schuldig, Gott zu lieben, soviel er kann, ja, mehr als er kann; das aber hat keiner getan und konnte es auch nicht tun. ... Da Christus das Lösegeld und der Erlöser der Welt ist, ist er darum auch in aller Wahrheit der einzige Schatz der Kirche. Aber dass er der Schatz der Ablässe ist, bestreite ich bis auf bessere Belehrung.“ (Erläuterungen, in: Fausel, Bd. 1, S. 98, Anm. 48). Christus, das ist ganz wichtig, ist für unsere Erlösung gestorben, nicht für den Ablass.

Was also ist der wahre Schatz der Kirche? Christus mit seinem Evangelium, nichts anderes: „Wohlüberlegt sagen wir: Die Schlüssel der Kirche (durch das Verdienst Christi uns geschenkt) sind dieser Schatz. ... Der wahre Schatz der Kirche ist das hochheilige Evangelium der Ehre und Gnade Gottes.“ (Thesen 60; 62, in: Fausel, Bd. 1, S. 98) Aber dieser Schatz ist vielen verhasst, weil nur der ihn erlangen kann, der in Demut seine völlige geistliche Armut anerkennt und sich beschenken lässt – während doch der Ablass der menschlichen Werkerei dient. Die These 62 ist, wenn man so will, das Zentrum des biblischen, evangelischen Glaubens, wie ihn die lutherische Reformation wieder erneuert hat. In den Erläuterungen schreibt Luther zu der These 62: „Wenn das sündige Gewissen diese allersüßeste Botschaft hört, wird es wieder lebendig, frohlockt und jauchzt, ist voll Vertrauen und fürchtet weder den Tod noch die Todesstrafen noch die Hölle. Wer sich darum immer noch vor den Strafen fürchtet, der hat Christus und die Stimme des Evangeliums noch nicht gehört, sondern die Stimme Moses. Darum wird aus diesem Evangelium die wahre Ehre Gottes geboren, sofern wir unterwiesen werden, dass nicht durch unsre Werke, sondern durch die erbarmende Gnade Gottes in Christus das Gesetz erfüllt ist und erfüllt wird, nicht durchs Werken, sondern durchs Glauben, nicht dadurch, dass wir Gott etwas anbieten, sondern dadurch, dass wir alles von Christus empfangen und daran teilhaben – von ihm, aus dessen Fülle wir alle empfangen und teilhaben.“ (in: Fausel, Bd. 1, S. 98 f., Anm. 50) Das ist genau das, was Paulus im Römer 4 schreibt, nämlich dass Gott den Gottlosen gerecht spricht, nicht den, der es sich verdient hat.

Luther wird darum nicht müde zu betonen, dass das Evangelium größere Gnade hat als der Ablass (These 78) und Christi Kreuz mehr ist als jeder Ablass (These 79).

 

Auch wenn Luther in den 95 Thesen noch mancherlei Römisches stehen lässt, was er später richtigerweise ebenfalls verworfen hat, wie das Papsttum, so stellen sie doch tatsächlich bereits den zentralen Angriff auf die Papstkirche und ihre Menschenlehre und Menschenherrschaft dar. Es geht bereits in diesen 95 Thesen um das wahre, das biblische Evangelium, es geht um die Autorität der Bibel selbst – und damit um die Aufrichtung der Herrschaft Jesu Christi in der Kirche. „Luther hebt die Teilung der Gewalten zwischen Gott und Mensch auf. Christus ist allein, ganz und in jeder Beziehung der Herr der Kirche. Christi Ruf zur Buße umfasst unser ganzes Leben bis zum letzten Augenblick; er lässt sich nicht mit einer Teilbuße abspeisen; wer ihn liebt und ihm gehorcht, kann vor Buße und Strafe nicht fliehen, sondern zeigt seinen Gehorsam, indem er Buße tut und die Strafe trägt. Christus allein hat Gewalt über die Toten, die Schlüssel der Hölle und des Todes sind in seiner Gewalt; die Macht des Papstes reicht über die Todesgrenze nicht hinaus, und seine Vergebungsgewalt erstreckt sich nicht auf die armen Seelen. Der Papst hat die Schlüsselgewalt auf Erden; für die armen Seelen kann er Fürbitte tun, nicht mehr. Christus allein hat das Heil für uns in seinen Händen, und er allein schenkt völlige Vergebung der Sünden. In ihm ruht die Gewissheit unsres Heils, die Menschensatzung der Ablässe kann diese Gewissheit nicht geben; Teilnahme an den geistlichen Gütern der Kirche hat der gläubige Christ auch ohne den Ablass. Christus verlangt unsre ganze Liebe, und dies ssein Gebot will gehalten sein vor allen andern Geboten und Vorschriften der Menschen; wer Liebe übt, wächst in der Liebe, wer sich von der Liebespflicht durch den Ablass, d.h. durch Geld, loskauft, flieht das Gebot Chrsiti und verdient sich den Zorn Gottes.“ (s. Fausel, Bd. 1, S. 102.103) Damit ist alle Menschenherrschaft, alle Hierarchie in der Kirche gestürzt. Durch den Glauben sind wir Christus-unmittelbar, brauchen keinen weiteren Mittler, sondern haben durch das Evangelium freien Zugang zu allen Schätzen, die Christus uns auf Golgatha erworben hat. Wohl teilt Christus diese Schätze auch durch das von ihm gestiftete Predigtamt aus – aber dennoch sind diese nur Diener der Kirche als der unmittelbaren Inhaberin dieser Schätze. Und den Zugang haben wir nicht allein durch das Predigtamt, sondern völlig unmittelbar durch die Bibel. Die zentrale Aufgabe aber derer, die im heiligen Predigtamt sind, ist es, die Gnadenmittel, das Evagnelium in Wort und Sakrament, zu verwalten, vor allem, Gottes Wort rein und lauter zu verkündigen. Der Mensch kann ohne Messe, ohne Ablässe, selbst, wenn er keinen Zugang dazu hat, ohne Sakramente selig werden – aber nicht ohne Wort Gottes. Durch das Evangelium allein haben wir rechte Heilsgewissheit.

 

 

 

Die Heidelberger Disputation 1518 – die Entfaltung der Theologie des Kreuzes

 

Von

Roland Sckerl

 

Die Heidelberger Disputation innerhalb des Augustinerordens im Jahr 1518 war ein weiterer wichtiger Markstein auf der Entfaltung der biblischen reformatorischen Theologie Martin Luthers. 40 Thesen hatte Luther insgesamt für sie ausgearbeitet, 28 theologische und 12 philosophische.

Auch die philosophischen Thesen waren von hoher Bedeutung für die weitere Entwicklung der reformatorischen Theologie, denn in ihnen wandte sich Luther vehement gegen Aristoteles und seine alles überragende Autorität in der damaligen Geisteswelt und stürzt diese Autorität und betont, dass nur der mit Aristoteles überhaupt recht umgehen kann, der seine Vernunft unter den Gehorsam Christi gefangen genommen hat, also auf dem Boden der Bibel steht. „Wer ohne Gefahr in Aristoteles philosophieren will, muss notwendig zuvor in Christus ganz und gar ein Tor werden.“ (These 29, in: Walch XVIII, Sp. 39)

Seine theologischen Thesen zeigen ihn als einen Schüler von Paulus und, in dessen Licht, von Augustinus. Dabei sind seine Thesen jeweils mit Schriftbeweisen belegt, womit Luther bezeugt, dass seine Theologie Bibeltheologie ist, Schrifttheologie (vgl. Heinrich Fausel: D. Martin Luther. Sein Leben und sein Werk. Bd. 1. 2. Aufl. Neuhausen-Stuttgart 1996. S. 106).

Der erste Teil der Thesen (1-18) ist ein eindeutiges Bekenntnis zum unfreien Willen des Menschen in geistlichen Dingen und jeglichem Unvermögen des natürlichen Menschen, irgendwie das Gesetz Gottes zu erfüllen. „Nicht einmal das Gesetz Gottes macht den Menschen gerecht; der Buchstabe tötet vielmehr. Ebensowenig rechtfertigen die aus natürlicher Kraft kommenden Werke den Menschen; nach dem Urteil der Schrift sind auch die besten Menschenwerke zwar keine Verbrechen in irdischem Urteil, wohl aber Sünden vor Gott (These 2-12).“ (s. Fausel, Bd. 1, S. 107) „ Das Gesetz Gottes, die heilsamste Lehre des Lebens, kann den Menschen nicht zur Gerechtigkeit fördern, sondern hindert ihn vielmehr.“ (These 1, in: Walch XVIII, Sp. 37) (siehe Röm. 3,21; 5,20; 7,9; 2. Kor. 3,6) „Wiewohl die Werke der Menschen allezeit scheinbar sind und gut scheinen, ist es doch wahrscheinlich, dass sie Todsünden sind.“ (These 3, in: Walch, ebd.) „Die Werke der Menschen scheinen hübsch, inwendig aber sind sie voll Unflats, wie Christus von den Pharisäern sagt, Matth. 23,37. Denn sie scheinen ihm selbst und andern gut und schön, aber Gott urteilt nicht nach dem Ansehen, sondern „prüft Herzen und Nieren“. Doch ohne Gnade und Glauben ist es unmöglich, ein reines Herz zu haben, wie es Apg. 15,9 heißt: „Er reinigte ihre Herzen durch den Glauben.““ (Erläuterungen Luthers zu These 3, in: Walch XVIII, Sp. 41.42) Das Gesetz will uns, wie Luther in den Erläuterungen zur 4. These sagt, durch den Anblick unserer Sünden demütigen und erschrecken, dass wir auch in unseren eigenen Augen nur noch töricht und böse erscheinen, weil wir es auch sind. Dann verlassen wir uns nicht mehr auf uns selbst, sondern nur noch auf Gottes Barmherzigkeit. (vgl. Walch XVIII, Sp. 42.43) Auch die guten Handlungen „Todsünden sind, die zwar gut scheinen, und doch innerlich Früchte einer bösen Wurzel und eines bösen Baumes sind.” (Erläuterung zu These 5, Walch XVIII, Sp. 43) Darum können wir an unseren eigenen Werken niemals Gefallen haben, meinen, damit hätten wir etwas, um es Gott anzubieten. (vgl. auch Erläuterungen zu These 7, Walch XVIII, Sp. 44.45)

Ohne Christus kann der Mensch gar nichts Gutes tun. „Zu sagen, dass die Werke ohne Christus zwar tote, aber nicht tötliche seien, scheint ein gefährliches Aufgeben der Furcht Gottes zu sein.“ (These 9, in: Walch XVIII, Sp. 38) Es geht darum, dass wir an uns selbst, an all dem, was wir tun, wahrhaft verzweifeln, in allem unsere Sündenverdorbenheit erkennen – nur so werden wir frei für Gottes Gnadenwirken. „Dann sind bei Gott die Sünden wahrhaft verzeihlich, wenn sie von den Menschen als tötlich gefürchtet werden.“ (These 12, in: Walch ebd.) Der natürliche Mensch hat überhaupt keinen freien Willen, sondern er ist vielmehr ein Sklave der Sünde (These 13-15), kann sich damit auch gar nicht bereiten zur Gnade, irgendwie an seiner Bekehrung mitwirken, sondern fällt nur immer tiefer in Sünde. „Der freie Wille nach dem Sündenfalle ist ein bloßer Name, und indem er tut, soviel an ihm ist, sündigt er tötlich.“ (These 13, in: Walch ebd.) „Denn der Wille ist gefangen und der Sünde Knecht; nicht, dass er nichts sei, sondern dass er nicht frei ist, außer zum Bösen.“ (Erläuterung zu These 13, in: Walch XVIII, Sp. 47) (siehe auch Joh. 8,34.36; Hos. 13,9) Wohin führt das? Wir müssen erst an uns selbst, an unserer Fähigkeit völlig verzweifeln und unsere ganze Zuversicht einzig und allein auf Christus setzen (These 16-18). „Der Mensch, der da meint, er wolle zur Gnade gelangen dadurch, dass er tut, was an ihm ist, fügt zu der Sünde hinzu, so dass er doppelt schuldig wird.“ (These 16, in: Walch ebd.) „So reden, heißt auch nicht Ursache zur Verzweiflung geben, sondern das Bemühen anspornen, sich zu demütigen und die Gnade Christi zu suchen.“ (These 17, in: Walch ebd.) „Es ist gewiss, dass der Mensch erst an sich vollkommen verzweifeln müsse, um fähig zu werden, die Gnade Christi zu erlangen.“ (These 18, in: Walch ebd.) „Du sprichst nun: Was sollen wir denn tun? Wollen wir müßig gehen, weil wir nichts als Sünde tun? Ich antworte: Keineswegs, sondern, wenn du das gehört hast, so falle nieder und bitte um Gnade und setze deine Hoffnung auf Christus, in welchem unser Heil, Leben und Auferstehen ist. Denn darum wird uns dies gelehrt, darum macht uns das Gesetz die Sünde bekannt, damit man, nachdem man die Sünde erkannt hat, die Gnade suche und erlange. So gibt Gott den Demütigen Gnade, und wer sich selbst erniedrigt, wird erhöht. Das Gesetz demütigt, die Gnade erhöht; das Gesetz wirkt Furcht und Zorn, die Gnade Hoffnung und Barmherzigkeit. Denn durch das Gesetz kommt Erkenntnis der Sünde, durch die Erkenntnis der Sünde aber Demut, und durch die Demut wird die Gnade erlangt. So veranlasst ein fremdes Werk Gottes endlich sein eigenes Werk, da er einen Sünder macht, um einen Gerechten zu machen.“ (Erläuterungen zu These 16, in: Walch, XVIII, Sp. 48.49) „Denn das will das Gesetz, dass der Mensch an sich verzweifle, da es ihn in die Hölle führt und arm macht und ihn in allen seinen Werken als Sünder zeigt, wie Röm. 2 und 3 der Apostel tut mit den Worten: Wir wind überwiesen, dass wir alle unter der Sünde sind.“ (Erläuterung zu These 18, Walch XVIII, Sp. 49.50) Gerade das ist ja die Aufgabe des Gesetzes. Und das stimmt auch völlig überein mit Psalm 38 und 51 und gibt allein Christus die Ehre, die ihm zukommt. Aber genau das ist es auch, was heute versucht wird zu umgehen. Die heutige Theologie, von den Pfingstlern, Charismatikern, der Gemeindewachstumsbewegung beeinflusst, ist Herrlichkeitstheologie, die nicht mehr zu echter Buße, Zerbruch des natürlichen Menschen, seines Willens, zum Tod des alten Ich führt, sondern Ich und Christus vermengt. Die Herrlichkeitstheologie „zieht ... die Werke den Leiden und die Herrlichkeit dem Kreuze, die Kraft der Schwachheit, die Weisheit der Torheit, und überhaupt das Gute dem Bösen vor“. (Erläuterungen zu These 21, in: Walch XVIII, Sp. 51) Sie hassen Kreuz und Leiden, lieben aber Ruhm und Werke, wollen daher das Gute des Kreuzes nicht. Gott aber finden wir nirgends anders als im Kreuz. Denn Leiden und Übel machen uns zunichte, erniedrigen uns, damit wir wissen, dass wir nichts sind. (vgl. Walch ebd.)

Nur so, in diesem Zerbruch des alten Ich, im völligen Zerbruch des natürlichen Menschen und seiner angeblichen Herrlichkeit, kann es auch zu rechter geistlicher, theologischer Erkenntnis kommen. Der natürliche Mensch mit seiner ‚Theologie der Herrlichkeit’ will Gott allein aus der Schöpfung, in seinen Geschöpfen, in der Natur, in der Geschichte erkennen – aber seit dem Sündenfall ist diese natürliche Gotteserkenntnis nur noch sehr eingeschränkt, ja, durch die Sünde wird sie immer wieder völlig verbogen und dient nur noch zur Anklage des Sünders.

Wo aber ist Gott, der wahre, der lebendige Gott dann zu erkennen? Nicht in Herrlichkeit, nicht in Großartigem, Sensationellem, nicht im Wunder – sondern im Leiden und Sterben Jesu Christi auf Golgatha, in Jesus Christus, dem Gekreuzigten (was auch völlig überein stimmt mit 1. Kor. 1 und 2) (These 19 und 20). „Nicht der wird mit Recht ein Theologe genannt, der die unsichtbaren Dinge Gottes durch das, was geworden ist, als begriffene ansieht, sondern der, der die sichtbaren und geringeren Dinge Gottes, durch Kreuz und Leiden angesehen, begreift.“ (These 19 und 20, in: Walch XVIII, Sp. 38.39) Was aber heißt das für uns Sünder? Hier liegt aller wirkliche Trost drinnen. Denn das heißt ja: Christus rettet nicht den, der es verdient hat, den Gerechten, sondern Christus rettet den Sünder, der unter der Last seiner Sünde, Verdorbenheit und Verlorenheit verzweifelt und zusammengebrochen ist und Gott nichts, gar nichts bringen kann und sich darum nun an den klammert, der alles für ihn getan hat, Christus. Gott ist nicht im Menschen zu finden, sondern nur außerhalb von ihm, in Christus allein (These 21 und 22).

 

Das Gesetz ist gut, aber aufgrund unserer Sünde verklagt es uns bei Gott (These 23), weil wir Menschen durch unser Eigenwirken alles zum bösen kehren (These 24). Als gerecht werden die Werke daher nur dann anerkannt, wenn die Person, die sie tut, sich im Glauben an Christus hält und so über allem seine Vergebung in Anspruch nimmt (These 25) und aus dem lebt, was Christus längst für uns getan hat (These 26). „Nicht der ist gerecht, der tüchtig wirkt, sondern wer ohne viel Werk viel an Christus glaubt. Das Gesetz spricht: Tue das, und niemals wird es getan; die Gnade spricht: Glaube an diesen, und alles ist schon getan.“ (These 25 und 26, in: Walch XVIII, Sp 39) Was aber heißt das für das christliche Leben? Rechtes Christenleben wirkt keine selbstgestrickten Werke, sondern Christus wirkt seine Werke in und durch uns (These 27). „Richtig sollte man das Werk Christi wirkend nennen und unser Werk gewirkt, und dass so das gewirkte Werk durch die Gnade des wirkenden Werkes Gott gefalle.“ (These 27, in: Walch ebd.) „Darum will ich das „ohne Werke“ [in Röm. 4,5] so verstanden wissen: Nicht, als ob der Gerechte nichts wirke, sondern dass sesine Werke nicht seine Gerechtigkeit zuwege bringen, sondern vielmehr seine Gerechtigkeit tut die Werke.“ (Erläuterung zu These 25, in: Walch XVIII, Sp. 53) „„ So halten wir es nun, dass der Mensch gerecht werde ohne des Gesetzes Werke, allein durch den Glauben“, das heißt, zu unserer Rechtfertigung tun die Werke nichts.“ (Erläuterung zu These 25, in: Walch XVIII, Sp. 54) Darin liegt auch die befreiende Wirkung der Erlösung, dass wir nun nicht mehr unter einem Zwang stehen, Gutes zu tun, um gerettet zu werden, sondern frei sind in Christus, aus Liebe und Dankbarkeit Gutes zu tun. „Sodann, weil er weiß, dass die Werke, die er aus solchem Glauben tut, nicht seine, sondern Gottes Werke sind, darum sucht er nicht, durch sie gerechtfertigt oder verherrlicht zu werden, sondern sucht Gott. Seine Gerechtigkeit durch den Glauben an Christus genügt ihm, das heißt, dass Christus seine Weisheit, Gerechtigkeit usw. ist, wie es 1. Kor. 1,30 heißt; er selbst aber Christi Werkzeug oder Instrument sei.“ (Erläuterung zu These 25, in: Walch ebd.) Durch den Glauben, der Chrisuts hat, haben wir auch die Erfüllung des Gesetzes, denn Christus hat es für uns erfüllt. Gegründet aber ist alles auf die Liebe Gottes, die sich uns schafft in Christus, sich uns in Christus schenkt und uns sucht, um uns zu retten – und so das genaue Gegenteil der menschlichen Liebe ist, die immer auf sich selbst gerichtet ist (These 28). (vgl. Fausel, Bd. 1, S. 107.108)

 

So umfasst die Heidelberger Disputation grundlegende biblisch-reformatorische Aussagen, nämlich zu einen, dass sie Schrifttheologie ist, zum anderen, weil sie eindeutig die Unfreiheit des menschlichen Willens in geistlichen Dingen vor der Bekehrung lehrt. Außerdem ist sie hoch bedeutsam, auch für heute, weil sie alle Herrlichkeitstheologie verwirft und uns zur Kreuzestheologie weist, dass wir Christus im Kreuz suchen, wie er für uns gelitten hat und auch uns das Kreuz, unser Kreuz, auferlegt hat und wir nur durch tägliches Sterben des alten Menschen, des Willens, durch täglichen Zerbruch und neue Hingabe ihm nachfolgen können.

 

 

 

 

 

UNTER BIBEL UND BEKENNTNIS

 

 

Die Rechtfertigung

 

Von

Martin Chemnitz

 

(entnommen aus: Examen Concilii Tridentini, das ist: Beleuchtung und Widerlegung der Beschlüsse des Tridentinischen Konzils. Von Martin Chemnitz. Deutsch bearbeitet von R. Bendixen. Leipzig 1884. S. 111 ff.)

 

Der wahre Stand der Frage von der Rechtfertigung

 

2. Alle Tridentinischen Bestimmungen sind so abgefasst, dass sie uns verblümterweise beschuldigen, als lehrten wir nur eine Vergebung der Sünden, nichrt aber auch eine Erneuerung durch den Heiligen Geist.

3. Aber wir verdammen ausdrücklich die Lästerung des Simon Magus, der da vorgab, die, welche aus Gnaden durch den Glauben errettet wären, dürften tun, was sie wollten. Auch missbilligen wir den Wahn der Gnostiker, die durch Erkenntnis selig zu werden behaupteten, und sich um ihres herrlichen Glaubens willen für so geistlich hielten, dass sie durch kein Vergehen aus der Gnade fallen könnten.

4. Aber es möchte jemand sagen: „Wenn dem so ist, warum schlagt ihr denn um den Artikel von der Rechtfertigung so lauten Lärm, dass fast die ganze Erde davon klirrt und dröhnt? Denn wie ihr sicherlich weder die Erneuerung in Abrede stellt, noch die Liebe einfach aufgebt, so leugnen auch die Päpstlichen nicht, dass es eine Vergebung der Sünden gibt, sondern bekennen sich zu ihr. Wenn aber bezüglich der Sachen selbst Übereinstimmung herrscht, so wird nur ein Wortgezänk oder ein Streit über Sprachformen vorliegen. Denn die Päpstlichen verstehen das Wort „Rechtfertigen“ nach der lateinischen Wortbildung. Daher nehmen sie es im Sinne von „Gerechtmachen“. Solche Gerechtigkeit aber fassen sie auf als eine innewohnende zuständliche Eigenschaft, die geschenkt oder eingeflößt sei. Daraus gehen, nach ihrer Meinung, die Werke der Gerechtigkeit hervor. Die Lutheraner aber verstehen das Wort „Rechtfertigen“ nach hebräischem Sprachgebrauch. Deshalb bezeichnen sie die Rechtfertigung als Freisprechung von Sünden oder als Sündenvergebung, in welcher ihnen die Gerechtigkeit Christi angerechnet werde. Daraus folgt für sie die Kindschaft und die Erbschaft des ewigen Lebens, und zwar nur um Christi willen, wo ihn der Glaube ergreift. Zugleich jedoch lehren sie, es müsse die Erneuerung folgen und es sei mit der Liebe und den guten Werken der Anfang zu machen.“

Hierauf antworten wir einfach und offen: Wir sind keineswegs solche Störenfriede, dass wir auch dann, wenn über die Sachen selbst eine wahre, gottselige und heilsame Übereinstimmung hergestellt wäre, doch noch im Wortstreit Händel suchen sollten.

5. Das ist nämlich die Hauptfrage; so steht die Sache und dieser Punkt entscheidet:

Was ist der Grund, weshalb Gott den Sünder in seine Gnade aufnimmt? Was kann und muss dem Urteile Gottes gegenüber gestellt werden, damit wir nicht nach dem strengen Spruch des Gesetzes der Verdammnis verfallen? Was muss der Glaube ergreifen, was muss er beibringen, worauf muss er sich stützen, wenn er mit Gott handeln will, um Vergebung der Sünden zu erlangen? Was tritt zwischenein, um deswillen Gott dem Sünder, wo er Zorn und ewige Verdammnis verdient hat, gnädig wird? Was hat dem Gewissen als wesentlicher Grund dafür zu gelten, dass uns die Kindschaft geschenkt wird? Worin darf das Vertrauen sicher ruhen, dass wir des ewigen Lebens teilhaftig werden? Ist es der Sohn Gottes und Mittler, der solches mit seinem Gehorsam, mit seiner Genugtuung und mit seinem Verdienst zu Wege bringt? Oder sind wir die Leute, die solches selbst aufzuweisen haben? Sollen wir etwa die in uns begonnene Erneuerung hierfür geltend machen? Oder die Liebe? oder die übrigen Tugenden, die in uns sind?

Das ist der Stand der Frage. In den Tridentinischen Bestimmungen wird der Punkt, auf den es ankommt, geflissentlich und hinterlistig verhüllt. Hier ist die entscheidende Frage um so ausführlicher und einfacher auseinander gesetzt. Der Leser mag daraus abnehmen, dass hier kein Wortstreit vorliegt, sondern dass wir den weitaus schwerwiegendsten Gegenstand mit unseren Gegnern zu verhandeln haben. Denn in dieser Erörterung liegt das Eine, was not ist für jedes Gewissen. Werden alle Fragen in diesem Abschnitt unter diesen Gesichtspunkt gestellt, dann wird alles deutlicher werden.

 

 

Über das Wort „Rechtfertigung“

 

1. Diese Fragen sind mit dem Worte „Rechtfertigung“ aufs engste verbunden und verknüpft. Wem auch immer das, was uns rechtfertigt, zugeschrieben werden mag, es steht wie etwas Selbstverständliches da: Die Rechtfertigung aus dem Glauben ist der Grund unserer Gnade bei Gott und der Hort unseres Glaubens gegenüber dem Gericht. Das istr so sicher und so klar, dass man auch zu Trient sagt, die Rechtfertigung sei die Versetzung aus dem Stande, worin der Mensch als ein Kind des Zornes geboren wird, in den Stand der Gnade und der Kindschaft.

2. Aus dem bisher Gesagten ist klar, wie wichtig es ist, die eigentliche und echte Bedeutung des Wortes „Rechtfertigen“ zu ermitteln. Denn dadurch wird es am besten gelingen, die wahre Schriftlehre von der Rechtfertigung zu erklären und die entgegen gesetzten Fälschungen zu widerlegen.

4. In der gewöhnlichen Sprache der Griechen hat das Wort „Rechtfertigen“ zwei Bedeutungen. Zuerst bezeichnet es, etwas als Recht erachten oder erkennen. So kommt es z.B. in den Lebensbeschreibungen bei Plutarch vor. Zweitens bedeutet es gerichtlich bestrafen.

5. Im biblischen Sprachgebrauch liegt die gerichtliche Bedeutung des Wortes so offen vor, das Andrada sie nicht zu leugnen wagt. Er treibt aber ängstlich Beispiele auf. Er will nämlich beweisen, an vielen Stellen der Schrift bedeute das Wort „Rechtfertigen“ nicht so viel als von Sünde freisprechen, sondern besage, dass der Geist mit einer eigentlichen und wesentlichen Gerechtigkeit geschmückt werde. ...

6. ... Gesetzt aber, es ließe sich nachweisen – und das ist schwer –, das Wort „Rechtfertigen“ würde an einigen Stellen in der von den Päpstlichen behaupteten Weise gebraucht, so würde damit über die Hauptsache, von der wir handeln, doch nichts entschieden sein.

Eigentlich ist nämlich nicht die Frage, was das Wort „Rechtfertigen“ an anderen Stellen der Schrift bedeutet. Vielmehr handelt es sich darum, welche Bedeutung dieses Wort an denjenigen Stellen der Schrift hat, wo die Lehre von der Rechtfertigung als an ihrem eigentlichen Platze besprochen und behandelt wird. Die übrigen Beispiele sollen nur zur Verdeutlichung dienen.

7. Durchaus deutlich ist aber die Gegenüberstellung Röm. 8,31 ff.; hier tritt hervor, welches die eigentliche und echte Bedeutung des Wortes „Rechtfertigen“ in diesem Artikel ist. Es ist das eine Bedeutung, welche mit der griechischen Bedeutung durchaus übereinstimmt. Gemeint ist nämlich, dass wir vor Gottes Gericht um Christi willen von der Schuld der Sünde freigesprochen, für gerecht erklärt und zum ewigen Leben angenommen werden.

Denn so lauten die Worte: „Wer will die Auserwählten Gottes beschuldigen? Gott ist hier, der gerecht macht“ usw. So werden Röm. 5 Rechtfertigung und Verdammnis sich wiederholt gegenüber gestellt. Röm. 3 wird der ganze Prozess, dass ich so sage, mit gerichtlichen Ausdrücken beschrieben. Vergleiche dazu das Gleichnis Jesu vom gerechtfertigen Zöllner Luk. 18, die Ausdrücke des Paulus Apg. 13 und 1. Joh. 2 und 3. Obowhl Johannes das Wort „Rechtfertigen“ nicht gebraucht, so beschreibt er doch die Lehre mit gerichtlichen Worten. Vergleiche im Evangelium die Worte: „Wer da glaubt, der wird nicht gerichtet und kommt nicht in das Gericht.“...

 

Welchen Dingen die Rechtfertigung des Menschen zum ewigen Leen von der Schrift abgesprochen wird

 

4. ... Denn der Hauptstreit zwischen den Päpstlichen und uns dreht sich um die guten Werke oder den neuen Gehorsam. Es fragt sich nämlich, ob die guten Werke der Wiedergeborenen im Gericht vor Gott bestehen können. Es ist fürwahr etwas Großes und Herrliches, was die Schrift (vgl. Eph. 5; Röm. 6 und 7; 1. Tim. 5; 1. Joh. 3) dem neuen Gehorsam der Wiedergeborenen zuerkennt. Aber obwohl wir dem neuen Gehorsam am richten Orte das gebührende Lob nicht vorenthalten, so befinden wir uns hier doch eben in der Frage von der Rechtfertigung des Menschen vor Gott zum ewigen Leben.

5. Es liegen sehr deutliche Schriftstellen vor, wonach Lob und Ruhm der Rechtfertigung vor Gott nicht nur den mosaischen Zeremonien und den Werken der Nichtwiedergeborenen genommen und entzogen wird, sondern auch dem neuen Gehorsam oder den guten Werken der Wiedergeborenen.

6. Besonders lichtvoll ist aber das Zeugnis Röm. 4. Hier wollte Paulus ein allgemeines Zeugnis von der Rechtfertigung vorführen in Abraham, den er deswegen den Vater des Glaubens für Juden und Heiden nennt. Aber er schildert den Abraham nicht zu Anfang seiner Bekehrung, als er zuerst aus der chaldäischen Abgötterei berufen wurde (1. Mose 11; Jos. 24). Denn so hätte man die Ausschlussformel (ohne Werke) beschränken können auf jene Werke, welche der Nichtwiedergeborene vor seiner Bekehrung getan hatte. Sondern auf jenen Abraham, der schon wiedergeboren, mit geistlicher Erneuerung und guten Werken (vgl. Hebr. 11) geschmückt war, wendet Paulus diese Urteile an. Nicht auf sein Tun, sondern auf seinen Glauben an Ihn, der den Gottlosen rechtfertigt, wird ihm sein Glaube gerechnet zur Gerechtigkeit.

8. Christus selbst aber fasst diese ganze Lehre zusammen, wenn er sagt: „Wer an mich glaubet, wird nicht gerichtet und kommt nicht in das Gericht.“ (Joh. 3 und 5) Das ist aber die Rechtfertigung der Gläubigen, dass sie nicht nach den Werken gerichtet werden. ...

11. Der Leser bemerke dazu ferner, wie Paulus in seinem ganzen Brief an die – seit einigen Jahren bekehrten – Galater den Werken der Wiedergeborenen es abspricht, dass sie vor Gott rechtfertigen mögen zum ewigen Leben. Der Apostel beruhigt sich aber nicht dabei einfach zu sagen, der Mensch werde aus den Werken des Gesetzes nicht gerechtfertigt, sondern er hebt diesen Punkt weit stärker hervor. Er sagt ja: „Wenn durch das Gesetz die Gerechtigkeit kommt, dann ist Christus vergeblich gestorben; ihr habt Christus verloren, die ihr durch das Gesetz gerecht werden wollt und seid von der Gnade gefallen.

13. Beachtenswert sind auch die Gründe, warum den Werken der Wiedergeborenen die Rechtfertigung abgesprochen wird.

Der eine Grund des Paulus ist aber der, dass die Rechtfertigung aus den Werken zum Gesetz der Werke gehöre; vgl. Röm. 3,10 und Gal. 3. Das Gesetz aber legt an alle Kräfte und an alle Handlungen des Menschen den Maßstab der göttlichen Gerechtigkeit und verlangt, dass der Mensch diesem Richtmaß entspricht. „Wer aber das ganze Gesetz hält und sündiget an einem, der ist es ganz schuldig.“ Nun stimmt zwar der Gehorsam, den die Wiedergeborenen leisten, dem Anfanga nach mit Gottes Gesetz überein. Aber wegen der Schwachheit unseres Fleisches ist diese Übereinstimmung noch unvollkommen. – Alle Gerechten in dieser Welt haben täglich zu bitten: „Vergib uns unsere Schuld.“

Den zweiten Grund nimmt Paulus daher, dass und wie sich die Gerechtigkeit des Gesetzes von der Gerechtigkeit des Glaubens unterscheidet. Denn Gerechtigkeit des Gesetzes ist das Tun dessen, was im Gesetz geschrieben ist. Gerechtigkeit des Glaubens aber ist die Aneignung dessen, was Christus für uns getan hat. Also die Werke, in welchen die Wiedergeborenen vor oder nach der Erneuerung verrichten, was im Gesetz geschrieben steht, diese Werke gehören – freilich nach verschiedenen Gesichtspunkten – zur Gerechtigkeit des Gesetzes. Alle Erörterungen des Paulus aber zielen dahin, dass die Menschen in diesem Leben durch die Gerechtigkeit des Gesetzes nicht vor Gott gerechtfertigt werden zum ewigen Leben. Also werden auch die Wiedergeborenen nicht gerechtfertigt durch ihre Liebe, die des Gesetzes Erfüllung ist. Und zwar unterscheiden sich die Gerechtigkeit des Gesetzes und die Gerechtigkeit des Glaubens in solcher Weise von einander, dass Paulus ausdrücklich sagt, das Gesetz sei nicht aus dem Glauben. Denn der Glaube rechtfertigt nicht in sofern, als er uns bereitet, die Gerechtigkeit zu erlangen, welche steht in den Werken, so das Gesetz verlangt. Paulus sagt nämlich zu den Galatern im zweiten Kapitel: „Wir glauben auch an Christus Jesus, auf dass wir gerecht werden durch den Glauben an Christus, und nicht durch des Gesetzes Werke.“ Denn das dem Gesetz unmöglich war (da es durch das Fleisch geschwächet war) das tat Gott aus Gnaden und mchte, dass die Rechtfertigung übertragen wurde von dem, was wir tun, auf den Glauben, der annimmt, was Christus für uns getan hat. Daher stehen diese beiden Gegensätze schnurstracks gegenüber: Die durch den Glauben an Christus gerechtfertigt werden, die werden nicht gerechtfertigt durch das Gesetz. Die aber, so gerechtfertigt werden wollen, indem sie das tun, was das Gesetz verlangt, die werden nicht gerechtfertigt durch den Glauben an Christus. Nämlich entweder durch das Gesetz allein oder durch den Glauben an Christus allein müssen wir gerechtfertigt werden.

 

 

Wie die Schrift lehrt, dass der Mensch vor Gott gerechtfertigt werde zum ewigen Leben

 

    1. ... Welches ist die Gerechtigkeit, die wir vor Gott bringen müssen, damit er uns gnädig sei und uns zu seinen Kindern annehme für das ewige Leben?

Erstens: Gott findet in uns, auch in den Wiedergeborenen während dieses Lebens, keine innere Gerechtigkeit, die so völlig und so lauter wäre, dass wir um ihretwillen gerechtfertigt werden könnten zum ewigen Leben.

Zweitens: Gott findet vielmehr in uns, auch in den Heiligen, während dieses Lebens viele und mannigfaltige Fehler.

Drittens: Das Gesetz Gottes erklärt diejenigen für schuldig und verflucht, welche nicht geblieben sind in allem, was im Gesetz geschrieben ist, dass sie darnach tun.

Viertens: Gott, der da reich ist an Barmherzigkeit, lässt uns in seiner großen Liebe, damit er uns geliebt hat, nicht im ewigen Tode verloren gehen, noch im gerechten Gericht verderben. Darum rechtfertigt er uns, ohne unser Verdienst, durch sesine Gnade. Das heißt: Er spricht uns von dem Verdammungsurteil frei. Er erklärt diejenigen für gerecht, die ihre Sünde erkennen und bekennen und die Verheißung in Christus gläubig ergreifen. Solche nimmt er in seine Gnade auf zum ewigen Leben; Röm. 3.

2. Dem gegenüber behaupten die Päpstlichen, Paulus bezeichne an jener Stelle mit dem Wort „Gnade“ die Gabe der Erneuerung, die den Gläubigen von Gott um Christi willen eingegossen werde. Wir haben indesssen aus sonnenklaren und grundfesten Bibelsprüchen nachgewiesen, dass die Wiedergeborenen in diesem Leben durch ihre neue Liebe nicht vor Gott gerechtfertigt werden können zu ewigen Leben. Es heißt daher den Ausspruch Pauli offenbar verkehren, wenn die Päpstlichen ihm gegen seinen ganzen Zusammenhang solche Ansichten andichten.

 

 

Das Wort Gnade

 

1. Das Wort Gnade bezeichnet in der Schrift oft soviel wie Gunst, Wohlwollen, Mitleid. Biswweilen bezeichnet dieses Wort aber auch die Gaben selbst, die aus Gunst gegeben werden. Es fragt sich jedoch, was das Wort Gnade eigentlich an denjenigen Stellen heißt, wo Paulus entwickelt, dass wir umsonst aus Gottes Gnade gerechtfertigt werden. Übrigens sind die Zeugnisse, die uns vorliegen, nicht etwa dunkel oder vieldeutig, sondern klar, bestimmt und sicher. Aus ihnen ergibt sich, dass in dieser Auseinandersetzung das Wort Gnade zu verstehen ist von dem freien Erbarmen, von der Güte, dem Wohlwollen und der Gunst Gottes, der um des Sohnes und Mittlers willen Unwürdige zu Gnaden annimmt. Paulus unterscheidet nämlich Röm. 5 offenbar die „Gnade“ von dere „Gnadengabe“; vgl. viele andere Stellen, wie Röm. 3; 4 und 11; Eph. 1 und 2; Hebr. 2. Wenn Paulus aber 2. Tim. 1 sagt: Er hat uns selig gemacht, nicht nach unseren Werken, sondern nach seinem Vorsatz und Gnade, die uns gegeben ist in Christus Jesus vor der Zeit der Welt: So kann hier mit Gnade nicht etwas, das uns innerlich eigentümlich ist, bezeichnet sein.

 

 

Das Umstandwort „Umsonst“

 

1. Paulus hat das Umstandswort „Umsonst“ (In Luthers Bibelübersetzung steht dafür meistens – so auch Röm. 3,24 – „ohne Verdienst“.) darum hinzugesetzt, um die eigentliche und echte Bedeutung des Wortes „Gnade“ im Artikel von der Rechtfertigung mehr ans Licht zu stellen und gegen alle Verdrehungen zu sichern. Daher sagt er Röm. 3,24: und werden umsonst gerecht aus seiner Gnade.

Das entsprechende hebräische Wort wird dem verdienten Lohn gegenüber gestellt. So z.B. 1. Mose 29: „Solltest du mir umsonst dienen? Sage an, was soll dein Lohn sein?“ Es heißt auch so viel wie: ohne Ursache. So steht es, wenn von unverdienter Behandlung die Rede ist; z.B. Ps. 35,19: „Die mich ohne Ursache hassen.“ So und ähnlich kommt es auch an vielen anderen Stellen vor. Die griechischen Übersetzer geben es wieder durch das griechische Umstandswort „geschenkweise“, das auch im Neuen Testament so gebraucht wird. So z.B. 2. Kor. 11,7: „Ich habe euch das Evangelium umsonst verkündigt“; Offenb. 22,17: „Wer da will, der nehme das Wasser des Lebens umsonst.“

2. Hieraus lässt sich erkennen, warum Paulus Röm. 3 das Umstandwort „Umsonst“ zum Wort „Gnade“ hinzufügt. Es soll dasselbe nämlich

1) ausdrücken, dass wir gerechtfertigt werden, liege nicht an uns, da wir es weder veranlasst noch verdient haben;

2) Gott finde in uns vielerlei Ursache, uns zu verdammen;

3) Gott nehme uns unwürdige Menschen aus lauter Güte und Barmherzigkeit um seines Sohnes willen zu Gnade an.

Wir werden also durch Gottes Gnade umsonst gerechtfertigt. Das geschieht aber nicht deshalb, weil wir in diesem Leben vollkommen gerecht sind oder völlig sündlos werden. Es geschieht vielmehr darum, weil der barmherzige Gott uns die Fehler, so er an uns findet, um Christi willen vergibt und sie zudeckt; vgl. Röm. 4.

 

 

Von der Gerechtigkeit, die wir dem Urteile Gottes gegenüberstellen, wenn wir gerechtfertigt werden

 

1. Dieser Gegenstand wird viel klarer werden, wenn wir die Frage entwickeln, ob und wie Gott den Gottlosen rechtfertigen kann, ohne dass letzterem Gerechtigkeit eignet.

2. Das Evangelium offenbart uns, welchen Weg und welche Weise Gott in seinem geheimen Ratschluss gefunden hat nach seinem unendlichen Erbarmen. Darin sollte sowohl der Gerechtigkeit Gottes, wie das Gesetz sie offenbart, Genüge geschehen, als auch sollte der Mensch unverdientermaßen ohne des Gesetzes Werk gerecht werden zum ewigen Leben. Es sollte nämlich der Sohn Gottes in die Welt gesandt werden und ins Fleisch kommen, um das Menschengeschlecht zu befreien, um es zu rechtfertigen und zu retten. Dieser hat an Stelle und im Namen unser aller die Strafe erduldet und damit für die Sünden genug getan, dazu einen ganz vollkommenen Gehorsam geleistet und damit das Gesetz erfüllt. Darum hat der Sohn Gottes unsere Natur angenommen. Er hat sie angenommen, wie sie sich unter dem Gesetze befand!

Denn eben in einer so bestimmten Natur sollten die Genugtuung und der Gehorsam ausgerichtet werden in der Art, dass sie für die Sünden und zur Gerechtigkeit der ganzen Welt genügend waren. Darum musste die Person des Mittlers zugleich Gott und Mensch sein, damit seine Genugtuung und sein Gehorsam unendlich kräftig und unermesslich wirksam wären und ausreichend für die ganze Welt.

Aber du sprichst: Was hilft es mir, dass ein anderer dem Gesetz genug getan hat? Ich werde vom Gesetz gedrängt: „Du sollst lieben; lass dich nicht gelüsten.“ – Hierauf antworte ich: „Freilich, dass Gesetz will es so,d ass ein jeglicher gerecht sein soll. Ein jeglicher soll mit dem, was von ihm gefordert wird, ganz und völlig übereinstimmen; so will es das Gesetz.

Aber das Evangelium offenbart und enthüllt uns jenes Geheimnis, das von der Weltzeit her verborgen gewesen ist. Wohl, das Menschengeschlecht konnte dem Gesetz nicht genügen. Das Gesetz aber ließ sich in keiner Weise auflösen. So stand die Sache. Da ließ Gott es geschehen – und dies gehört zum Artikel von der Rechtfertigung –, dass das Gesetz auf eine andere Person übertragen wurde. Diese Person hat genug getan und ist gehorsam gewesen; und so hat diese Person, dem ganzen Menschengeschlechte zugute, das Gesetz erfüllt.“

4. Also Christus, der Mittler, hat genug getan und ist gehorsam gewesene, und darin steht seine Gerechtigkeit. Diese Gerechtigkeit ist es, die wir anbieten in Wort und Sakrament, die wir im Glauben ergreifen; denn Gott rechnet sie denen an, die an ihn glauben. „Zwischen das Urteil Gottes und unsere Sünden können wir diese Gerechtigkeit zwischeneinstellen. Unter ihr werden wir, als unter einem Schilde, vor dem Zorne Gottes geschützt, den wir verdient hatten. Unter ihrem Schutz können wir uns getrost und ohne Sorge dem göttlichen Urteil stellen. So werden wir gerecht gesprochen zum ewigen Leben.“ So redet ein Pighius! Sonst ist er unserer Lehre sehr feind. Aber durch die Augenscheinlichkeit dieser Wahrheit sieht er sich gezwungen, diese Auffassung als wahrhaft gottselig und biblisch selbst anzuerkennen und zu bekennen.

6. Nicht aber wir etwa haben diese Lehre, dass Christus für uns eintritt, erdichtet. Vielmehr ist dies immer und überalle die Lehre des Evangeliums selbst. Vgl. Gal. 3: „Christus hat uns erlöst von dem Fluch des Gesetzes, da er ward ein Fluch für uns, auf dass der Segen Abrahams unter die Heiden käme in Christus Jesus.“ Vgl. 2, Kor. 5: „Er hat den, der von keiner Sünde wusste, für uns zur Sünde gemacht, auf dass wir würden in ihm die Gerechtigkeit, die vor Gott gilt.“ Vgl. auch Röm. 8,3: „Denn das dem Gesetz unmöglich war (da es durch das Fleisch geschwächt ward), das tat Gott und sandte seinen Sohn in der dem sündlichen Fleisch ähnlichen Gestalt und verdammte die Sünde im Fleisch durch Sünde, auf dass die Gerechtigkeit, vom Gesetz erfordert, in uns erfüllt würde.“ Vgl. Röm. 4: „Er ist um unserer Sünden willen dahingegeben und um unserer Gerechtigkeit willen auferweckt.“ Vgl. Röm. 3; 1. Kor. 1; 1. Tim. 2 und viele andere Stellen. Wenn es aber Röm. 5,19 heißt: „Durch eines Gehorsam werden viele Gerechte“, so ist dies nach Röm. 4 so zu verstehen, dass der Glaube zur Gerechtigkeit gerechnet wird.

 

 

 

Von der Rechtfertigung aus dem Glauben

Von

Georg Stöckhardt

    Der Artikel von der Rechtfertigung ist Kern und Stern der christlichen Lehre, des lutherischen Bekenntnisses. In der Konkordienformel heißt es:

„Dieser Artikel von der Rechtfertigung des Glaubens (wie die Apologia sagt) ist der vornehmste der ganzen christlichen Lehre, ohne welchen kein armes Gewissen einigen beständigen Trost haben oder den Reichtum der Gnade Christi recht erkennen mag; wie auch Dr Luther geschrieben: Wo dieser einige Artikel rein auf dem Plan bleibt, so bleibet die Christenheit auch rein und fein einträchtig und ohne alle Rotten; wo er aber nicht rein bleibet, da ist es nicht möglich, daß man einigem Irrtum oder Rottengeist wehren möge. Tom. 5 Jenens. P 159“. (Ausführliche Darlegung, 3. Artikel, Konkordienbuch, St Louiser Ausgabe, S 417).

    So ist es. Der Artikel von der Rechtfertigung ist der wichtigste, vornehmste Artikel der christlichen Lehre. Von dem aus fällt Licht auf die andern Artikel der Lehre. Wo dieser Artikel nicht rein bleibt, ist aller möglichen Ketzerei Tür und Tor geöffnet. Und er ist eben darum so wichtig, weil der ganze Trost der Christen daran hängt. Ein Christ, welcher diesen Artikel recht gefasst hat, hat ein fröhlich Herz und Gewissen und behält guten Mut im Leben und Sterben.

    So ist es gewiss nicht außer der Ordnung, wenn man bei Betrachtung der christlichen Lehre, in Schrift sowohl wie in Predigt und Unterricht, immer wieder auf diesen Artikel zurückkommt. Es liegt so viel daran, dass man diesen Artikel rein behält. Darum muss man ihn immer wieder von Neuem besehen und erwägen. Der Trost, welcher aus dieser Lehre fließt, ist unerschöpflich. Wer darum nach Trost begehrt, der wird dieser Lehre nimmer satt. So werden es die christlichen Leser sich wohl gefallen lassen, wenn ihnen auch in diesem Blatt [Der Lutheraner], welches ja auch zur Lehre und Erbauung dient, die alte bekannte Wahrheit immer von Neuem unter die Augen tritt.

Worin besteht die hohe Bedeutung dieses Artikels?

Welches ist der besondere Trost dieser Lehre? Oder mit andern Worten: Um was handelt es sich bei der Rechtfertigung? Was heißt Rechtfertigung? Darum handelt es sich hier, um mit unserem lutherischen Bekenntnis, der Konkordienformel, zu reden, „dass ein armer, sündiger Mensch vor Gott gerechtfertigt, das ist, absolviert, los und ledig gesprochen werde von allen seinen Sünden und von dem Urteil der wohlverdienten Verdammnis, auch angenommen werde zur Kindschaft und Erbschaft des ewigen Lebens“. (Konkordienbuch, S. 417). Darauf kommt es hier an, wie wir einen gnädigen Gott gewinnen, wie wir im Leben und Sterben vor Gott bestehen können. Gott macht uns gerecht, Gott rechtfertigt uns, das heißt: Gott ist uns gnädig und gewogen, Gott sieht und nimmt uns für gerecht an, Gott hält uns für seine lieben Kinder, Gott hat nichts mehr wider uns. Wir sind gerecht vor Gott, das heißt: Wir sind vor Gottes Augen rein, fromm und gerecht, ganz schön und vollkommen, wir haben Gott, Gottes Urteil für uns, wir sind bei Gott in Gnaden, Gottes Wohlgefallen ruhet auf uns. In diesem Sinn redet Paulus in allen seinen Briefen von der Rechtfertigung.

 

Und wie, wodurch werden wir nun vor Gott gerecht?

Durch den Glauben, allein durch den Glauben. Wir nennen diesen Artikel kurzweg den Artikel von der Rechtfertigung aus dem Glauben. „Den Glauben will Gott für Gerechtigkeit vor ihm halten und zurechnen, wie Paulus sagt zu den Römern im 3 und 4 [Kapitel].“. So sagt die Augsburgische Konfession im 4. Artikel, welcher „Von der Rechtfertigung“ handelt. (Konkordienbuch, S. 28). Und die Apologie der Augsburgischen Konfession führt bei Verteidigung dieses Artikels des Näheren aus und beweist aus der Schrift, „dass der Mensch durch den Glauben vor Gott fromm und gerecht werde“. Ja, so redet, so lehrt die Schrift. „So halten wir es nun, dass der Mensch gerecht werde ohne des Gesetzes Werke, allein durch den Glauben“. Römer 3, 28. „Was saget aber die Schrift? Abraham hat Gott geglaubt, und das ist ihm zur Gerechtigkeit gerechnet“. Römer 4,3. „Nun wir denn sind gerecht geworden durch den Glauben, so haben wir Frieden mit Gott durch unsern HErrn Jesus Christus.“ Römer 5,1. „Die Schrift aber hat es zuvor ersehen, dass Gott die Heiden durch den Glauben gerecht mache.“ Gal. 3,8. Paulus redet kurzweg von „der Gerechtigkeit aus dem Glauben“, z.B. Röm. 10,6. Wer heutzutage nur noch auf den Namen eines Lutheraners Anspruch macht, der bekennt sich zu „der Rechtfertigung aus dem Glauben“. Indes, was will das nun sagen und bedeuten, daß wir durch den Glauben gerecht werden?

 

Wie wird heutzutage vielfach diese Lehre dargestellt?

    Angesehene Lehrer der lutherischen Christenheit, die deutschen Theologen, und gerade solche, die als lutherische Theologen gelten wollen, auch gar viele Prediger führen, wenn sie von dem rechtfertigenden Glauben handeln, etwa folgende Rede. Durch den Glauben werde der arme, sündige Mensch vor Gott gerecht, ja, allein durch den Glauben, nicht durch die Werke. Das heißt, nicht durch äußerliche Werke. Werk und Wandel sei auch bei dem besten Leben gebrechlich und unvollkommen. Das könne dem guten, vollkommenen Gott nicht genügen. Gott sehe das Herz an. Die Gesinnung des Herzens gebe dem, was der Mensch tut, erst den rechten Wert. Gottes Augen sehen nach dem Glauben. Der Glaube sei die rechte, Gott gefällige Gesinnung. Diese Gesinnung sei es, die den Menschen vor Gott rechtfertige. Gott nehme die Gesinnung, den guten Willen für die Tat. Gott sehe in dem Samenkorn, das im Herzen keimt, schon die Frucht. Gott sehe es so an, als wären schon alle die guten Früchte, die guten Werke vorhanden, die eigentlich aus dem Glauben kommen sollen, welche der Glaube als im Keim in sich trägt. Der Glaube sei das rechte Verhalten, das Gott vor allem von dem Menschen fordert. Wer glaubt, dessen Herz stehe richtig zu Gott, der ehre Gott. Der Glaube sei der Anfang, das erste und vornehmste Stück der Gesetzeserfüllung. Und nun nehme Gott den Anfang, die Erstlinge des Gehorsams für das Ganze. Weil der Mensch, indem er glaubt und Gott vertraut, das erste Gebot, das durch alle Gebote geht, erfüllt habe, so sehe es Gott so an, als hätte er alle Gebote, das ganze Gesetz, alle Gerechtigkeit erfüllt. Auf diese Weise rechne Gott den Glauben zur Gerechtigkeit. Kurz, Gott beurteile die ganze Person nach dem, was der Person Wert gebe, nach dem Willen, der auf Gott gerichtet ist, oder nach dem Glauben. Und man fasst, indem man so redet, den Glauben nicht nur im allgemeinen als Gottvertrauen, sondern als Vertrauen auf Christus, den Erlöser. Gerade der Glaube an Christus gilt als wahrhaft christliche Gesinnung, als das vom Evangelium gefordert Wohlverhalten des Menschen.

    Das ist die Lehre von der Rechtfertigung aus dem Glauben, wie sie jetzt durch gelehrte und populäre Schriften, durch Predigten und Erbauungsbücher durch die protestantische Christenheit verbreitet wird. Aber auch andere, welche von dieser neuen Weisheit weiter nicht berührt sind, haben ähnliche Begriffe von diesem Artikel. Derartige Gedanken steigen fort und fort aus dem eigenen Herzen auf. Gar mancher „Lutheraner“ würde, wenn man ihn examinierte, etwa folgendes Glaubensbekenntnis ablegen. Wenn man fragt, wie er vor Gott gerecht und selig werden wolle, so antwortet er: Allein durch den Glauben. Aber wenn man dann weiter fragt und forscht, wie er das verstehe, so findet man, was seines Herzens Meinung ist. Er denkt und spricht also: Ich glaube an Gott. Ich glaube an Jesus Christus, meinen Heiland. Und ich meine es aufrichtig mit Gott, mit Christus. Die Menschen verkennen mich oft. Gott weiß, wie mein Herz zu ihm steht. Menschen, die meinen Wandel beobachten, haben wohl Manches an mir auszusetzen. Aber Gott kennt meine Gesinnung. Ich suche auch meinen Glauben mit der Tat zu beweisen. Freilich bleibt das Tun noch hinter dem Wollen zurück. Doch Gott sieht meinen redlichen Willen. Und eben darum, weil ich von Herzen glaube, weil es mir mit Gott und meinem Christentum Ernst ist, wird Gott mir gnädig sein und es mir zu gute halten, wenn ich noch strauchle und irre. Ich liebe Gott und meinen Heiland, so wird Gott mich wieder lieben und sein Angesicht von mir nicht abwenden.

    Es leuchtet ein, dass man auf solche Weise aus dem Glauben selbst ein Werk macht, eine Tugend, eine Leistung und damit ein Verdienst des Menschen. Aber auch, wenn man ernstlich bemüht ist, alle Gedanken von dem eigenen Werk und Verdienst, von dem eigenen Wert und Würdigkeit von dem „rechtfertigenden Glauben“ fernzuhalten, wenn man ausdrücklich alle Ehre Gott, alles Verdienst Christo beilegt, fasst man doch die Sache so auf, als ob der Glaube die Rechtfertigung erst zu Stande brächte, als wenn der Glaube des Menschen Gott bestimmte und bewöge und es ihm erst ermöglichte, den Sünder für gerecht zu erklären. Der Sünder glaubt ernstlich, dass Christus alle Gerechtigkeit erfüllt, alle Schuld bezahlt hat, und erst dann, wenn es der Sünder so weit gebracht hat, und eben darum kann nun Gott auch tatsächlich Sünde vergeben und Gnade für Recht ergehen lassen. So denkt man sich diesen Handel von der Rechtfertigung. So redet man davon. Und so macht man immerhin Gottes Tun von des Menschen Tun und Verhalten abhängig und baut Gottes Urteil und Rechtfertigung auf das Glauben des Menschen.

Diese dargelegte Meinung von Glauben und Rechtfertigung ist eine falsche, üble Meinung. Wo solche Meinung Raum gewinnt, da bleibt der hohe Artikel von der Rechtfertigung nicht mehr rein bestehen, dann ist es auch um den Trost dieser Lehre geschehen. Diesen Irrtum, der ein Irrtum dieser Zeit ist, und welcher also die christliche Lehre und den Trost der Christen gefährdet, möchten wir gründlich ausfegen. Denn er schleicht sich nur zu leicht auch in die Herzen wahrhaft gläubiger Christen ein. Und so ist es nicht die Absicht, im Folgenden die Lehre von der Rechtfertigung nach allen Seiten abzuhandeln, sondern den einen Punkt wollen wir besehen und uns deutlich machen, was das eigentlich heißt, was die Überschrift besagt, „Rechtfertigung aus dem Glauben“, dass wir durch den Glauben gerecht werden.

 

Der Gegensatz von Glaube und guten Werken

    Durch den Glauben werden wir vor Gott fromm und gerecht. Wollen wir von dem Glauben den rechten Begriff haben und alle irrigen Gedanken fernhalten, so müssen wir auf den Gegensatz wohl Acht haben. Wo die Schrift von der Rechtfertigung handelt, da wird durchweg der Gegensatz von Glaube und Werken hervorgekehrt.

    Paulus bezeugt: „So halten wir es nun, dass der Mensch gerecht werde ohne des Gesetzes Werke, allein durch den Glauben“. Römer 3,29. Er weist darauf hin, dass schon im Alten Testament der Glaube der alleinige Weg zur Gerechtigkeit gewesen sei, und erinnert an das Beispiel Abrahams, dass nach der Schrift Abraham Gott geglaubt habe, und zieht eben daraus den Schluss, dass er sich nicht mit Werken befasst habe, um dadurch vor Gott gerecht zu werden. „Ist Abraham durch die Werke gerecht, so hat er wohl Ruhm, aber nicht vor Gott. Was saget aber die Schrift? Abraham hat Gott geglaubt, und das ist ihm zur Gerechtigkeit gerechnet. Dem aber, der mit Werken umgehet, wird der Lohn nicht aus Gnaden zugerechnet, sondern aus Pflicht. Dem aber, der nicht mit Werken umgehet, glaubet aber an den, der die Gottlosen gerecht machet, dem wird sein Glaube gerechnet zur Gerechtigkeit“. Römer 4,2-5. Wer da glaubt, der geht nicht mit Werken um. Wird dem Menschen der Glaube zur Gerechtigkeit gerechnet, so ist Werk, Schuldigkeit, Verdienst, Lohn, Ruhm ausgeschlossen. Das ist die Meinung. Galater 2,16 heißt es: „Weil wir wissen, dass der Mensch durch des Gesetzes Werke nicht gerecht wird, sondern durch den Glauben an Jesus Christus, so glauben wir auch an Christus Jesus, auf dass wir gerecht werden durch den Glauben an Christum, und nicht durch des Gesetzes Werke, denn durch des Gesetzes Werke wird kein Fleisch gerecht“. Glaube und Gesetzes Werke vertragen sich nicht mit einander. Wer durch den Glauben gerecht werden will, lässt die Werke des Gesetzes beiseite. Und Galater 3,11 lesen wir: „Dass aber durchs Gesetz niemand gerecht wird vor Gott, ist offenbar, denn der Gerechte wird seines Glaubens leben“. Erlangt der Gerechte durch den Glauben das Leben, so ist offenbar, so folgt daraus, dass niemand durchs Gesetz gerecht wird. Glaube und Gesetz, Gesetzeswerk sind stracks gegeneinander. Wollen wir also recht verstehen, was der rechtfertigende Glaube ist, wiefern und warum der Glaube den Menschen vor Gott fromm und gerecht macht, so müssen wir vor allen Dingen alle Gedanken an Gesetz und Gesetzes Werke abweisen und ausscheiden.

    Was versteht aber nun der Apostel unter dem Ausdruck „des Gesetzes Werke“? Die Papisten meinen, Paulus habe hier nur das jüdische Zeremoniengesetz im Sinn, und wolle sagen, dass solche Werke der Juden, wie Beschneidung, Sabbathheiligung, Opfern, jetzt im Neuen Testament uns nicht mehr zur Gerechtigkeit und Seligkeit helfen. Damit fälschen sie die Schrift. Sie wollen, wie die Juden, ihre eigene Gerechtigkeit vor Gott aufrichten, sie mögen dem Verdienst und Ruhm ihrer Werke nicht entsagen, sie lehren, dass der Mensch durch Glaube und Werke gerecht werde. Darum verdrehen sie die Schrift. Wenn der Apostel kurzweg sagt, dass der Mensch nicht durch des Gesetzes Werke, ohne des Gesetzes Werk vor Gott gerecht werde, allein durch den Glauben, so ist es offenbar, dass er alle Werke, die im Gesetz geboten sind, nicht nur die jüdischen Satzungen, von dem Handel der Rechtfertigung und vom Glauben ausschließt. „Paulus verwirft nicht schlechte, gemeine Werke, sondern des Gesetzes Weerke selbst“ (Luther), also auch die trefflichen, edeln, hohen Werke, von denen das Gesetz redet. Von allem und jedem Werk müssen wir absehen, wenn wir den rechten Begriff vom Glauben fassen wollen.

    So geht aber die Meinung des Apostels etwa dahin, dass das äußerliche Werk allein, die bloße äußerliche Erfüllung des Gesetzes nicht rechtfertige, dass noch etwas anderes dazu kommen müsse, der Gehorsam des Herzens, damit Gott am Menschen Wohlgefallen haben könne? Gar viele sogenannte lutherische Lehrer lehren heute die Leute also. Sie sagen, das Werk für sich allein, dass der Mensch nicht tötet, hurt, stiehlt, dass er seinem Mitmenschen einmal eine Wohltat erweist, daß er äußerlich ehrbar lebt, mache den Menschen nicht vor Gott gerecht und fromm; wenn aber die Werke aus der rechten Gesinnung fließen, aus Liebe zu Gott und zum Nächsten geschehen, das sei wohlgefällig vor Gott und mache den Menschen vor Gott angenehm.

    Es ist wahr, die Gesinnung des Herzens gibt den Werken ihren Wert, und Werke, die aus der rechten Gesinnung kommen, sind wohlgefällig vor Gott. Aber sie machen den Menschen, die Person nicht vor Gott wohlgefällig. Paulus zeugt und bekräftigt es ein Mal über das andere: Nicht durch des Gesetzes Werke! Ohne des Gesetzes Werke! Und da fasst er unter des Gesetzes Werke alles zusammen, was Gott im Gesetz vom Menschen fordert. Unter des Gesetzes Werk ist auch die erste und vornehmste Forderung des Gesetzes, dass wir Gott über alle Dinge fürchten, lieben und vertrauen sollen, begriffen. Gottes Forderung und Gebot betrifft auch Herz und Gesinnung, und die rechte, von Gott geforderte Gesinnung des Herzens ist Gesetzeserfüllung, Gesetzesgehorsam, Werk des Gesetzes. Dass wir Gott von ganzem Herzen, ganzer Seele, ganzem Gemüt, aus allen Kräften lieben, und unsern Nächsten wie uns selbst, das ist die Zusammenfassung des Gesetzes. Und Paulus sagt kurzweg, dass „durch das Gesetz“ niemand gerecht wird. Gesetz, Gesetzeserfüllung und Werk des Gesetzes ist bei ihm ein und dasselbe. Also auch die rechten, guten Werke, die aus Liebe, in der Liebe geschehen, nicht nur die Heuchelwerke der Pharisäer, werden von dem Apostel hier ausgeschlossen. Auch die besten Werke sind ja noch befleckt. Die Liebe ist immer noch unvollkommen. Darum kann kein Mensch durch Werke und Liebe Gott genügen und zufrieden stellen. „Durch des Gesetzes Werke wird kein Fleisch gerecht“.

    Wir müssen also, wenn wir von der Rechtfertigung reden, wenn wir den rechten Begriff vom Glauben fassen wollen, das, was wir getan haben und tun, was wir Gutes getan, was wir Gutes denken, reden, vollbringen, dass wir unsern Gott doch aufrichtig lieben und fürchten, und ernstlich bemüht sind, ihm und den Nächsten zu dienen, ganz und gar vergessen und weit aus den Augen tun.

    Unser lutherisches Bekenntnis hat den Apostel recht verstanden. In der Apologie heißt es:

„Darum schließt er (Paulus) gewisslich aus alles Verdienst und alle Werke, nicht allein jüdischer Zeremonien, sondern auch alle anderen guten Werke. Denn so wir durch dieselben Werke fromm würden vor Gott, so würde uns der Glaube nicht gerechnet zur Gerechtigkeit ohne alle Werke, wie doch Paulus klar sagt“. (Konkordienbuch S 79). Die Konkordienformel bezeugt: „Also ist ein wahrer, seligmachender Glaube nicht in denen, so ohne Reue und Leid sind und einen bösen Vorsatz haben, in Sünden zu bleiben und zu beharren, sondern wahre Reue gehet vorher, und rechter Glaube ist in oder bei wahrer Buße. Es ist auch die Liebe eine Frucht, so dem wahren Glauben gewisslich notwendig folget. Aber wenn Paulus spricht: Wir werden durch den Glauben gerecht ohne Werke, zeigt er damit an, dass weder vorhergehende Reue, noch folgende Werke in den Artikel oder Handel der Rechtfertigung des Glaubens gehören“. (Konkordienbuch S 419-420).

 

Ist der Glaube ein gutes Werk?

    Die dem Glauben vorhergehende Reue, die dem Glauben nachfolgende Liebe und alle anderen guten Werke müssen wir vom Handel der Rechtfertigung des Glaubens ausscheiden. Aber wie? Ist denn der Glaube selbst, von Reue und Liebe ganz abgesehen, nicht ein gutes Werk? Ist der Glaube nicht eine gute, Gott wohlgefällige Gesinnung des Herzens? Ist der Glaube nicht die Quelle der Liebe und aller anderen guten Werke? Eben darauf legen die neueren Theologen im Handel von der Rechtfertigung allen Nachdruck und lehren, dass der Glaube, nicht Reue und Liebe, aber der Glaube, sofern und dieweil er die Liebe und alle guten Werke schon in sich begreife, von Gott zur Gerechtigkeit gerechnet werde. Und wenn Paulus den Glauben den Werken des Gesetzes entgegensetzt, so erklären sie das so, dass der Glaube an Christum eben nicht zu den im Gesetz Mosis gebotenen Werken gehöre, dass der Glaube an Christum weit über das Gesetz hinausliege, dass er ein viel besseres, höheres, edleres Werk sei, als die Werke der zehn Gebote, ein Werk, das Gott im Evangelium geboten habe. Dieses Werk, der Glaubensgehorsam, sei Gehorsam, wie Gott ihn haben wolle, und alle Gerechtigkeit des Gesetzes sei daher in diesem einen Werk schon erfüllt. Das ist aber eine leere Ausflucht und eitel Täuscherei. Wenn der Apostel sagt: „Nicht durch des Gesetzes Werke, allein durch den Glauben“, so schließt er alles und jedes Werk vom Glauben aus. Alles, was der Mensch denkt, will, wirkt und womit er ein Gebot Gottes erfüllt, man mag das Ding nennen, wie man will, Glaube oder Liebe, begreift der Apostel unter dem Titel „Gesetzes Werk“. So hebt er von Abraham hervor, dass er geglaubt habe und eben darum nicht mit Werken umgegangen sei, nicht selber etwas getan oder gewirkt habe, und schweigt da ganz vom „Gesetz“. Mit Werken umgehen, selber etwas tun und wirken, und Gesetzes Werk ist ihm ganz ein und dasselbe. Wenn wir also recht erkennen wollen, was der Glaube im Artikel von der Rechtfertigung zu bedeuten habe, so dürfen wir den Glauben nicht als gutes Werk, auch nicht als Quelle und Summa aller guten Werke ansehen, so müssen wir alle solche Gedanken, wie dass der Mensch hier etwas denkt, dichtet, will, sich vornimmt, tut und wirkt, uns aus dem Sinn schlagen.

    Die Apologie der Augsburgischen Konfession erinnert die Widersacher, dass, wenn sie, die Lutherischen, vom Glauben reden, sie dann nicht einen solchen Glauben meinen, welcher ein „müßiger Gedanke ist“, sondern „ein solch neues Licht, Leben und Kraft im Herzen, welche Herz, Sinn und Mut erneuert, einen andern Menschen und neue Kreatur aus uns machet“. Aber sie fährt fort: „Etliche, wenn man sagt, der Glaube macht rechtfertig vor Gott..., meinen, der Glaube werde allein derhalben gelobt in der Schrift, dass er ein Anfang sei guter Werke, wie denn allezeit viel am Anfang gelegen ist. Dies ist aber nicht unsere Meinung.“ (Konkordienbuch, S 74-75). Nein, das ist nicht unsere Meinung, dass man, wenn man vom rechtfertigenden Glauben redet, den Glauben als ein neues Licht und Leben, als den Anfang aller guten Werke auffasse, als ob der Glaube um eben dieser Art und Beschaffenheit willen rechtfertige.

    Wo Luther den Spruch 1. Mose 15,6, dass dem Abraham sein Glaube zur Gerechtigkeit gerechnet sei, auslegt, bemerkt er: „Wenn Gott Verheißungen tut, so handelt er selbst mit uns und gibt und bietet uns etwas; wenn er aber durch das Gesetz heißt und gebietet, fordert er etwas von uns, und will, dass wir etwas tun sollen.“ „Gleichwie aber die Verheißung und das Gesetz müssen unterschieden werden, so soll auch der Glaube und die Liebe und des Glaubens und der Liebe Zweck unterschieden sein.“ (St Louiser Ausgabe I, Sp. 947). Luther will sagen, dass der Glaube, der uns rechtfertigt, mit Gebot, Gesetz, mit des Menschen Tun und Werk nichts zu schaffen hat, davon geschieden und unterschieden werden muss, dass der Glaube etwas ganz anderes ist als Werke, dadurch man die Gebote Gottes erfüllt.

    Die Werke der Menschen schließen ein Verdienst in sich und geben Anspruch auf Lohn. Wer selber etwas tut und wirkt, der erwirbt sich irgend welchen Lohn, und es ist Pflicht und Schuldigkeit, daß man ihm seinen Lohn auszahlt. „Wer mit Werken umgehet, dem wird der Lohn zugerechnet aus Pflicht“. So sagt der Apostel. Würde der Mensch durch Werke gerecht, so würde eben das, was der Mensch tut und wirkt, Gott nötigen und bestimmen, ihn gerecht zu sprechen. Aber nein, so ist es nicht! Nicht durch die Werke! Allein durch den Glauben! Der Glaube schließt alle Werke aus und kommt bei der Rechtfertigung auch nicht selbst als gutes Werk des Menschen in Betracht. Und eben deshalb, weil der Glaube ein ganz anderes Ding ist als die Werke, so ist auch der Glaube nicht etwas, was Gott bestimmt und bewegt, ein günstiges Urteil uns zu sprechen.

Und schon hieraus erhellt, dass der Artikel von der Rechtfertigung aus dem Glauben ein gar tröstlicher Artikel ist. Wir haben bisher uns nur deutlich gemacht, was der Glaube nicht ist, wie man das nicht verstehen darf, dass der Mensch durch den Glauben gerecht wird. Eben nicht so, daß man dabei an irgend welches Tun des Menschen denkt. Und diese Erkenntnis an sich ist schon hochtröstlich. Wie übel wären wir daran, wenn wir erst aus unserm Wandel, aus dem Zustand, aus den Gefühlen und Bewegungen unseres Herzens uns davon überzeugen müssten, dass es im Ganzen mit uns richtig steht, ehe wir unserer Rechtfertigung gewiss sein könnten! Dann ruhte unsere Rechtfertigung auf sehr schwankendem Boden. Dann wäre unser Trost dahin. Aber nein, wenn wir dessen gewiss werden wollen, wie Gott zu uns steht, ob wir einen gnädigen Gott haben, dürfen und sollen wir nicht auf unsere Werke hin sehen, auch nicht in unser Herz hineinsehen, ob das auch in der rechten Verfassung ist. Gott richtet sich, wenn er uns rechtfertigt, in keiner Weise nach unserem Denken, Wollen, Wirken. Er sieht davon ganz ab. So sollen auch wir, wenn wir unserer Rechtfertigung gedenken, von uns selber, unserer Art und Beschaffenheit, unserem Wollen und Vollbringen ganz und gar absehen. Was uns bei dem Hinblick auf uns selbst und unser Tun stören und irre machen möchte, das darf und soll uns nicht stören und bedenklich machen, wenn wir auf die Frage, ob Gott uns gnädig sei, Antwort suchen. Unsere Rechtfertigung ruht ganz außer uns auf festem, ewigem Grunde. Wir werden durch den Glauben vor Gott fromm und gerecht. Was hiermit nicht gemeint ist, dass wir hier von all und jedem Tun des Menschen absehen müssen, haben wir aus Gottes Wort erkannt.

 

Welches ist aber nun der rechte Begriff von dem rechtfertigenden Glauben?

    Warum, inwiefern wird der Mensch durch den Glauben gerechtfertigt? Der Beantwortung dieser Frage soll das Folgende dienen. Wir entnehmen die Antwort aus der heiligen Schrift.

Zunächst erinnern wir uns jener bekannten Worte unseres schriftgemäßen Bekenntnisses, aus dem 4. Artikel der Augsburgischen Konfession:

„Weiter wird gelehrt, dass wir Vergebung der Sünden und Gerechtigkeit vor Gott nicht erlangen können durch unser Verdienst, Werk und Genugtuung, sondern dass wir Vergebung der Sünden bekommen und vor Gott gerecht werden aus Gnaden um Christus willen durch den Glauben“ usw.

Was hier von der Rechtfertigung gesagt ist, wird schließlich in den Satz zusammengefasst: „Diesen Glauben will Gott für Gerechtigkeit vor ihm halten und rechnen, wie Paulus sagt zu den Römern im 3. und 4. [Kapitel].“ (Konkordienbuch, S 28.) Alle anderen Aussagen über die Rechtfertigung sind in der einen Aussage beschlossen, dass Gott uns den Glauben zur Gerechtigkeit rechnet. Der Glaube ist es, der uns rechtfertigt, und darum ist all unser eigen „Verdienst, Werk und Genugtuung“ ausgeschlossen. Wir werden „um Christus willen“ vor Gott gerecht, eben deshalb, weil wir „aus Gnaden“ gerecht werden. Wir werden „um Christus willen“ vor Gott gerecht, und so ist es der Glaube, der Glaube an Christus, der uns gerecht macht. Die Sache, von der wir handeln, wird uns recht klar, wenn wir diese einzelnen Aussagen, eine nach der andern, genau besehen. Dass der Glaube alles eigene „Werk und Verdienst“ ausschließt, davon haben wir schon gehandelt. Wie der Glaube jenes „aus Gnaden“ in sich schließt, wie eng das zusammenhängt „aus Gnaden“ und „durch den Glauben“, wollen wir uns jetzt vergegenwärtigen. Wenn wir recht verstehen, was das heißt, dass wir aus Gnaden vor Gott gerecht werden, dann erkennen wir auch, warum und inwiefern der Glaube uns rechtfertigt, was der Glaube in dem Handel von der Rechtfertigung zu bedeuten hat.

 

In wiefern rechtfertigt uns der Glaube?

    Paulus schreibt Röm. 3,23.24: „Es ist hier kein Unterscheid, sie sind allzumal Sünder und mangeln des Ruhmes, den sie an Gott haben sollen, und werden ohne Verdienst gerecht aus seiner Gnade“ usw. Tit 3,7 sagt der Apostel kurzweg, indem er der Rechtfertigung gedenkt: „auf dass wir durch desselben Gnade gerecht“ und Erben seien usw. Aus Gnaden werden wir vor Gott gerecht, „aus seiner Gnade“. Gottes Gnade ist der Grund unserer Rechtfertigung. Was heißt Gnade? Der Gegensatz macht das deutlich. „Aus Gnaden“, das ist so viel, wie „ohne Verdienst“ oder „geschenkweise“. Ein Geschenk ist freie Gabe der Liebe Ein Geschenk schuldet man niemandem. „Dem aber, der mit Werken umgehet, wird der Lohn nicht aus Gnaden zugerechnet, sondern aus Pflicht.“ Röm 4,4. „Ist es aber aus Gnaden, so ist es nicht aus Verdienst der Werke, sonst würde Gnade nicht Gnade sein. Ist es aber aus Verdienst der Werke, so ist die Gnade nichts, sonst wäre Verdienst nicht Verdienst.“ Röm 11,6 „Das Wort ‚aus Gnaden’ schließt Verdienst und alle Werke aus.“ (Apologie Konkordienbuch S 76.) Gottes Gnade ist Gottes Gunst und Huld, und zwar freie Gunst, die allein in Gott selbst ihren Grund hat, und nicht in irgendwelchem Tun oder Verdienst des Menschen, freie Gunst der Liebe, die Gott niemandem schuldet. „Gnade heißt eigentlich Gottes Huld und Gunst, die er zu uns trägt bei sich selbst.“ (Luther, Vorrede zur Apostelgeschichte Erl. Ausg. 63 123.) „Gottes Barmherzigkeit und Gnade wird umsonst den Unverdienten gegeben“. „Die Gnade wird nicht allein gegeben den Unverdienten, sondern auch den übelverdienten Menschen und Feinden der Gnade". (Luther, als Erklärung von Röm 3, 24, in „Grund und Ursach aller Artikel“ usw. 1520. Erl. Ausg. 24, 98.) Wir werden aus Gnaden vor Gott gerecht, das heißt also: Ohne all unser Verdienst und Würdigkeit werden wir gerecht, aus Gottes Geschenk, frei, umsonst, aus lauter Barmherzigkeit Gottes. Gott macht uns arme Sünder gerecht, nicht, weil er doch etwas Gutes in uns sähe und fände, was ihn dazu bestimmte, sondern weil er nach seiner unbegreiflichen Liebe uns, den Unverdienten, den Übelverdienten, einmal günstig, geneigt und gewogen ist. Es ist nichts als das unergründliche, grundlose Erbarmen Gottes, Was Gottes Herz bewegt, wenn er uns rechtfertigt.

Und weil wir aus Gnaden gerecht werden, eben darum werden wir durch den Glauben gerecht. Ja, nun verstehen wir, in wiefern der Glaube uns vor Gott fromm und gerecht macht. Gnade und Glaube hängen auf`s engste zusammen. „Daher kommt`s, dass diese Worte, Barmherzigkeit, Güte, Glaube, so oft in Psalmen und Propheten wiederholt werden“. (Apologie Konkordienbuch S.73.) Paulus schreibt: „Derhalben muss die Gerechtigkeit durch den Glauben kommen, auf dass sie sei aus Gnaden“. Röm. 4,16 Damit das feststehe, „aus Gnaden“, müssen wir auch festhalten, dass die Gerechtigkeit allein durch den Glauben kommt. Glaube ist Vertrauen. Und das ist nun der rechte Glaube, dass wir uns ganz und gar auf Gottes freie Gunst und Huld, auf Gottes Gnade und Barmherzigkeit verlassen. Der Glaube geht über sich selbst hinaus und greift in Gott, in Gottes Herz und Gesinnung hinein und tröstet sich dessen und baut darauf, daß Gott so gnädig und barmherzig ist. Der Glaube sieht von allem eigenen Werk, von der eigenen Person ganz ab und eignet sich Gottes Gunst und Gnade zu, welche gerade den Unverdienten, den Übelverdienten vermeint ist. Wer glaubt, spricht bei sich selbst also: Ich bin vor Gott ganz und gar unwürdig, habe keinen Ruhm vor Gott, ich bin keines Erbarmens, keiner Gnade wert, aber dennoch fliehe ich zu der Gnade, ja, eben deshalb, weil bei Gott nichts gilt als Gunst und Gnade, bin ich gewiss, dass Gott mich Unwürdigen, Unverdienten zu Gnaden annehmen wird. Das ist einmal Gottes Weise, dass er den Unwürdigen, Unverdienten gnädig ist. Der Glaube ist also das Mittel, dadurch wir Gottes Gnade und Barmherzigkeit fassen und uns zuwenden. Der Glaube fasst und hat und hält die Gnade Gottes, kraft welcher wir gerecht werden. Wer glaubt, der fasst und hat und besitzt nun die rechtfertigende Gnade als sein eigen und ist also vor Gott fromm und gerecht.

                                                                                                                     (wird fortgesetzt)

 

 

Taufe und Heilsgewissheit

 

Wertvolles aus der Seelsorge Pastor D. Traugott Hahns des Älteren

 

Von

Roland Sckerl

 

Welche Bedeutung hat die heilige Taufe für unser Leben? Leider hat sie für viele überhaupt keine weitere Bedeutung, außer dass sie wissen, dass sie einmal getauft wurden. Wenn wir aber in die Bibel hinein sehen, so erkennen wir, wie oft die Taufe erwähnt wird, und zwar die bereits geschehene Taufe, und wie wichtig sie für unser Christenleben ist. Sie ist nicht nur der Ausgangspunkt, weil wir dort dem dreieinigen Gott übergeben, anbefohlen werden und er uns die Fülle seines Heils anbietet und darreicht und unseren alten Menschen ans Kreuz schlägt, sondern sie ist auch die Kraft für unser tägliches Christenleben, ja, aus ihr sollen wir als Christen leben, in sie immer wieder zurückkriechen.

Einen besonderen Wert hat die Taufe für die Heilsgewissheit. Dieser Artikel hat dabei in erster Linie das Wirken des deutsch-baltischen Pastors D. Traugott Hahn des Älteren (des Vaters des 1919 von den Bolschewiken ermordeten Dorpater Universitätsprofessors und Unversitätspredigers gleichen Namens) im Blick, der in seiner Autobiographie mehrmals ausführlich darauf zu sprechen kommt. Er hebt dabei selbst hervor, dass er zu der Zeit, als er in Wolde auf Ösel sein erstes Pfarramt übernahm, über die Bedeutung der Taufe wie auch über die Heilsgewissheit keine rechte Vorstellung gehabt hat und dass eine Ausarbeitung über den 9. Artikel des Augsburgischen Bekenntnisses (Über die Taufe) für die Öselsche Synode für ihn wegweisend für seine weitere Arbeit wurde (Traugott Hahn: Lebenserinnerungen. Hrsg. von Hugo Hahn. Stuttgart 1940. S. 211.360) Ja, die Möglichkeit der Heilsgewissheit war ihm selbst in diesen ersten Jahren seines Pfarramtes noch recht unklar, obwohl er ein gläubiger Mann war, geprägt in den frommen Kreisen des Ravensberger Landes (Christliches Privatgymnasium in Gütersloh). Und doch: Heilsgewissheit als innere Versicherung des Gnadenstandes, der Vergebung der Sünden, des Anteilhabens an der Erlösung – all das hing bei ihm damals noch sehr stark ab von Stimmungen, Empfindungen, Gefühlen, die er von Sünde und Gottes Gnade hatte. „Ich war sehr beunruhigt und mit mir unzufrieden, wenn es mir nicht gelang, diese subjektiven Gefühle der Reue über meine Sünde oder der Freude über Gottes Liebe und Gnade beim Lesen der Bibel und beim Beten zu erwecken. Dass das Wort Gottes einfaches kindliches Vertrauen auf die Gnade Gottes in mir wirken sollte als das Allerwichtigste, das war mir noch nicht zur völligen Klarheit bewusst geworden. Der Unterschied zwischen Fühlen, Empfinden und dem festen Vertrauen zu Gott bloß auf sein Wort hin, war mir noch nicht bewusst aufgegangen.“  (Lebenserinnerungen, S. 360) Er weist dabei auf seinen Hintergrund hin, nämlich den Ravensberger Pietismus, der, trotz aller lutherischen Grundprägung, eben doch noch stark subjektivistisch war. „Ich kann zwar von keiner einzelnen Person, namentlich nicht unter den mir bekannten Pastoren, sagen, dass sie auf ein gefühlsmäßiges Christentum hingewirkt hätten. Kein einziger! Aber wohl kann ich sagen, dass ich selbst mich nicht entsinne, von irgend einem einzigen, auch nicht von Pastor Braun oder meinem Vater, den Eindruck empfangen zu haben, dass ihnen die Bedeutung der heiligen Taufe als des eigentlichen Gnadengrundes für unser Kindschaftsverhältnis zu Gott und für die Gewissheit der Sündenvergebung, dadurch, dass wir in den Tod Christi hineingetauft sind, im Vordergrunde ihrer Predigt gestanden hätte; und ebensowenig, dass das neue Leben und die Heiligung des Christenstandes auf die heilige Taufe zurückgehe, weil sie uns verbindet mit dem auferstandenen Heilande.“ (a.a.O. S. 361)

Erst allmählich drang P. Hahn durch, besonders aufgrund der zahlreichen Seelsorge, die er als Pastor in Rauge (Estnisch Livland) an Sterbenden zu üben hatte. „Da wurde mir, erst instinktiv, aber dann auch ganz bewusst klar, dass es nicht die Gefühle sind, welche vor Gott entscheiden über die Echtheit der Buße und über das Ergreifen und den Besitz der Gnade; sondern dass es vor allem ankomme auf das aufrichtige, ehrliche Selbstgericht ohne Rückhalt bis zum völligen Preisgeben der ganzen Person und des ganzen Wesens, und dann auf das demütige Ergreifen des uns im Evangelium von Jesus Christus, unserm Heiland, dargebotenen Heils, bezeugt durchs Wort, grundlegend geschenkt in der Taufe und neu versiegelt im heiligen Abendmahl.“ (a.a.O. S. 361.362)

Das hatte auch für ihn selbst tiefgreifende Bedeutung: „Und so bin ich denn dazu gekommen, auch für mich selbst meines Gnadenstandes gewiss zu werden auf Grund der göttlichen Zusagen und Gaben seiner Gnade in seinem Worte, Taufe und Abendmahl, und nicht mehr ihn abhängig zu machen von meinen zeitweiligen Gefühlen und Empfindungen.“ ... Sie „drängten mich dazu, meiner Gemeinde, aber auch mir selbst, immer wieder es aus Gottes Wort sagen zu lassen, dass das Wort Gottes mit allen seinen Verheißungen, die heilige Taufe und das heilige Abendmahl den Herrn Jesus Christus darbieten und geben nur dem wirklichen, nach dem Heil verlangenden und das Leben heiligenden Glauben.“ (a.a.O. S. 362)

So wurde es ihm in der Seelsorge das Wichtigste, das Verlangen nach dem Heiland Jesus Christus in den Herzen zu wecken, was nur da gelingt, wo zuvor das Gewissen wirklich aufgewacht ist und zu einer tiefgehenden, konkret werdenden Sündenerkenntnis führt (vgl. a.a.O. S. 301). Da, wo das geschehen ist, da ist dann der Raum da, ist das Herz bereitet für das Trösten durch das Evangelium und dazu, zur Heilsgewissheit geführt zu werden, zur Gewissheit, dass eine Vergebung der Sünden wirklich vorhanden ist. Und das hieß dann für P. Hahn, auch nach dem, was er durch den 9. Artikel des Augsburgischen Bekenntnisses klarer erkannt hatte: dass in der Taufe die Gnade Gottes dargeboten wird. „Das war mir bei der Taufe das Durchschlagende geworden: Dass sie ganz persönliche Darbietung und Zusicherung der Erlösungsgnade Gottes sei, viel persönlicher als das Wort oder vielmehr, dass in der Taufe der ganze Inhalt des Wortes persönlich dem einzelnen Menschen dargeboten und zugesagt wird, vor allem der Heiland selbst. Das habe ich an den Kranken- und Sterbebetten angefochtener oder erschrockener Seelen zu schätzen gelernt. Da kam es zu den schönsten Erfahrungen von der Trostkraft, die in der heiligen Taufe liegt.“ (a.a.O. S. 304)

Sehr eindrücklich wird das am Beispiel eines älteren sterbenden Mannes, den er besuchte und der ihm eine umfassende Lebensbeichte ablegte. „Endlich schloss er diese ganz erschütternde Beichte mit dem Worte: „Und heute ist mein eigener Gerichtstag, und das wird ein gerechter Gerichtstag sein, denn ich fahre heute in die Hölle.“

Mir wollte wieder angst und bange werden bei diesen Worten. Aber wiede besann ich mich darauf, dass der Heiland doch bei mir sei und sicher an diesem Sterbebette den Sieg haben wolle, um auch hier „einen Starken zum Raube zu haben“. So begann ich denn damit, dass ich sagte, es sei freilich ein so entsetzliches Bild der Sünde, welches r mir gezeigt, wie ich es noch nie gesehen habe. Und ich sei auch dessen gewiss, dass seine ganze Sünde noch viel schrecklicher sei, als er etwa in einer kurzen Stunde mir habe zeigen können. Aber doch sei ich gewiss, dass der Heiland auch für ich noch Gnade und Vergebung habe und ihn retten wolle. Ich hielt ihm alle Worte Gottes aus dem Alten und Neuen Testamente vor, die ich nur irgend finden konnte. Aber immer schüttelte er den Kopf und antwortete, das gehe andere Leute an, nur nicht ihn, Leute, welche um des Vorteils oder der Lust willen Sünde getan hätte, also ohne zu bedenken, was sie täten, bloß von der Begierde fortgerissen, denen könne Gnade zuteil werden. Aber seine Sache stehe völlig anders. Denn er habe klar gewusst, was er tat. Sein Gewissen habe ihn genug gewarnt, aber er habe eben Böses tun wollen, weil es böse war. Und darum gebe es für ihn keine Vergebung. Alles prallte ab von ihm. Ich betete innerlich zu Gott, er möge mir das rechte Wort geben. Da ging mir das Licht auf, dass hier die heilige Taufe allein helfen könne. Ich fragte den Alten, ob er denn getauft sei? Er saha mich ganz verwundet an über die Torheit meiner Frage und antwortete halb verächtlich: „Natürlich bin ich getauft! Aber was soll mir das?“ Ich: „Ihr missversteht mich. Dass Ihr getauft seid, das weiß ich ja selbst, das steht ja im Taufregister in Rauge. Darnach frage ich Euch gar nicht. Ich frage nur, ob Ihr jetzt eben noch ein getaufter Mensch seid oder nicht? Haben nicht Eure schrecklichen Sünden am Ende es gemacht, dass Ihr ungetauft seid? Damit will ich nicht nur sagen, dass selbstverständlich Eure Sünden, als eines getauften Christen Taten, ungleich schwerer sind, als wenn ein Ungetaufter oder Heide dasselbe getan hätte. Nein, ich meine etwas anderes. Ich meine, dass so schwere Sünden vielleicht die Tatsache Eurer Taufe überhaupt rückgängig gemacht haben könnte. Der Alte sah mich verwundert an, als ob er an meinem Verstande zweifelte und sagte: „Natürlich bin ich noch getauft. Aber was nützt mir denn das?“ „So“, antwortete ich ihm, „nun das ist also sicher, dass Ihr noch getauft seid? Lieber Alter, wisst Ihr denn wirklich nicht, was das für Euch bedeutet? Das bedeutet ja doch nicht mehr und nicht weniger, als dass von Gottes Seite noch alles feststeht, was er in der Taufe Euch zugesagt und versprochen hat. Da hat er Euch für Euer ganzes Leben bis zu dieser Todesstnde, seine Gnade geschenkt und es euch zugesagt, dass der Herr Jesus für Eure Sünden gestorben ist. Und der Herr Jesus hat es Euch zugesagt, dass, wenn Ihr ihn braucht und zu ihm kommt, so wird er Euch nicht hinausstoßen. Das hat er in der Taufe mit dem Taufwasser, wie mit einem Siegel, Euch ganz persönlich auf Euren Kopf und Eurem Namen verschrieben. Da hat er es mit keinem andern zu tun gehabt, als eben mit Euch. Von den Worten der Heiligen Schrift konntet Ihr sagen, dass sie für andere da sind. Aber Eure Taufe ist nur für Euch da. Ich weiß es wohl, dass Ihr selbst Eure Taufgnade so mit Füßen getreten habt, wie es vielleicht selten geschehen mag. Ihr habt ohne Zweifel alles getan, um Euer Recht, das Gott Euch in der Taufe geschenkt hat, zu zerstören. Und doch habt Ihr es nicht vermocht, Euch zu einem ungetauften Menschen zu machen. Das Wasser der Taufe ist auch heute noch ein Zeuge an Euch, dass der Heiland noch jetzt bereit ist, Euch zu erretten. Ihr könnt es ja obendrein mit Händen greifen. Denn Ihr selbst habt es nicht haben wollen, dass ich zu Euch gerufen würde. Aber der Heiland hat Euren Kindern keine Ruhe gelassen, sie mussten mich rufen. Und nun stehe ich hier in des Heilandes Namen, um es Euch zu sagen, dass er selbst, der Heiland, eben hier bei Eurem Bette steht und die Hand nach Euch ausstreckt, um Euch zu erretten. Ihr seid ja eigentlich mit beiden Füßen schon in der Hölle. Aber der, der einen Brand noch aus dem Feuer reißt und der der Hölle Glut mit seinem Blute auszulöschen vermag, der bietet Euch seine Hand an, so wahrhaftig als Ihr eben noch ein getaufter Mensch seid. Und das wäre für den Herrn Jesus eine rechte Ehre und Herrlichkeit und Triumph über den Teufel, wenn er solch einen Sünder, wie Ihr es seid, noch in der Todesstunde dem Satan aus den Klauen reißen könnte. Einen Frommen selig zu machen, das ist dem Heiland eine kleine Ehre. Aber die schrecklichen Sünder zu erretten und als Preis seines Todes davonzutragen, sieh, das ist seine größte Ehre. Und darum will er dich haben. Und nun frage ich dich nur noch, ob du den auch möchtest gerettet und selig werden?“ Nach einer langen stillen Pause sagte der Alte: „Warum sollte ich denn nicht mögen und wollen selig werden? Aber sollte das wirklich noch möglich sein, dass ich selig werde?“ Ich: „So wahrhaftig, als all deine Sünde das Wasser der heiligen Taufe nicht hat von deinem Haupte wegnehmen können, ebenso wahrhaftig ist der Herr Jesus noch heute bereit, dich anzunehmen. Bring nur all deine Sünde zu ihm hin. Er hat der Welt Sünde getragen, er hat auch deine Sünde getragen.“ Wieder schwieg der Alte. Dann bat er mich leise, ich möge mit ihm beten. Nun kniete ich neben ihm nieder und sprach in sesinem Namen, als ob er der Redende wäre, zu Gott und bekannte alle seine Sünden, so wie er sie mir vorher gesagt hatte, und bat dann um Vergebung und Tilgung der Schuld um Jesu willen und auf Grund der heiligen Taufe. Und als er bekannt hatte, dass das alles sein eigenes Gebet und Bekenntnis sei, und dass er glaubte, wiewohl zitternd, dass auch ihm seine Sünden noch sollten vergeben werden, da sprach ich ihn frei und los und ledig aller seiner Sünden im Namen Jesu. Und selten im Leben habe ich so stark das Bewusstsein davon gehabt, welch eine wunderbare Macht Gott uns armseligen sündigen Menschen auf dieser Erde gegeben hat, dass wir in seinem Namen Sünden vergeben dürfen. Was ist doch alle irdische Macht aller Kaiser und Könige gegen diese Macht, Menschen vom Fluche ihres Lebens lossprechen zu dürfen?!“ (a.a.O. S. 305-307)

Und dieser Sieg, diese Weckung des Glaubens und der Heilsgewissheit, ist nicht vereinzelt geblieben. „Ich könnte noch so manches Sterbebett vorführen, an welchem ich die sieghafte Macht des Evangeliums von der Taufe erlebt habe, lauter lebendige Belege für Luthers Worte: „Die Taufe wirkt Vergebung der Sünden, erlöst von Tod und Teufel und gibt die ewige Seligkeit denen, die es glauben.““ (a.a.O. S. 307)

Die Gewissheit des Heils braucht einen festen Grund außerhalb von uns, auf den der Glaube sich wirklich stützen kann – und das sind allein die Gnadenmittel Gottes, das Evangelium in Wort, Taufe und Abendmahl. Und gerade Taufe und Abendmahl kommen da als den ganz persönlichen Gnadenmitteln besondere Bedeutung zu. Auf sie kann der Glaube sich gründen, in Anfechtung, in Verzweiflung.

 

 

Literaturhinweise

 

 

Vom Herausgeber sind erschienen:

Zunächst sei hingewiesen auf Literatur in der Auseinandersetzung mit Rom, gerade auch im Blick auf den Besuch des „Papstes“ in Bayern:

- Biblisch oder römisch Christ sein? 38 S. geheftet. € 0,95. Anhand von fünf großen Themenbereichen – Schriftlehre; Papsttum, Amt, Kirche; Sakramente; Sünde, Rechtfertigung, Heiligung; Maria und Heilige – wird die römisch-katholische Lehre anhand des „Katechismus der kathlischen Kirche“ aufgezeigt und dann mit Gottes Wort verglichen,und so der Unterschied deutlich hervorgehoben.

- Jesus allein oder Jesus und ...? Traktat. 7 S. geheftet, € 0,16 Dieses Faltblatt ist gedacht für Katholiken, mit denen man ins Gespräch gekommen ist. Es spricht zentrale Lehren an und macht deutlich, dass wir allein aus Gnaden, allein um Christi Verdienst willen, allein durch den Glauben, ohne die Vermittlung von Priestern, Maria oder Heiligen gerettet werden.

Hingewiesen sei auch auf das Faltblatt der Arbeitsgemeinschaft: Bekennende Gemeinde, Rubensweg 1, 33803 Steinhagen:

- Das römisch-katholische Papsttum. Eine seelsorgerliche Warnung an die Gemeinde Jesu. 9 S. geheftet.

 

Weitere Literatur vom Herausgeber:

- Pastor Emil Wacker. Sein Leben und seine Theologie in Grundzügen. 78 S. Spiralbindung. € 4,35. P. Emil Wacker hat über 30 Jahre dem ev.-luth. Diakonissenhaus in Flensburg vorgestanden und war der geistliche Vater der nordschleswigschen lutherischen Erweckung, die er theologisch entscheidend prägte, so dass sie bewusst in der Bibel und dem lutherischen Bekenntnis wurzelte. Anhand einiger seiner Hauptschriften werden Grundlinien seiner Theologie nachgezeichnet.

- Christliche Glaubenslehre. 152 S. Spiralbindung. € 6,00. Eine kurze Zusammenfassung der biblischen Lehre in den einzelnen Artikeln des Glaubens, bibel- und bekenntnistreu, mit vielen Bibelstellen als Belegstellen, und mit Abgrenzung gegen die im Umlauf sich befindende falsche Lehre.

- Theodore Engelder: Das heilsame Wort. Handbuch der evangelisch-lutherischen Theologie. 130 S. Spiralbindung. € 5,55. Dieses Buch, das ursprünglich in der amerikanischen Originalausgabe der erste Teil des Buches „Popular Symbolics“ war, legt die biblische Lehre gemäß den evangelisch-lutherischen Bekenntnissen dar, in Auseinandersetzung mit den anderen Konfessionen.