A n m e r k u n g e n

 

z u r

 

O f f e n b a r u n g   J e s u   C h r i s t i

 

a n   J o h a n n e s

 

 

 

 

von

 

Roland Sckerl

 

 

2., überarb. Aufl.

 

 

 

 

Durmersheim

 

2014

 

 

 

 

 

 

 

Inhaltsverzeichnis

 

 

Einleitung: Die Offenbarung Jesu Christi an Johannes. 3

I. Der Prolog: Jesus Christus, der ewige Gott, das A und O (Kapitel 1) 4

DAS ERSTE GESICHT,  1,9-3,21

II. Die Sendschreiben an die kleinasiatischen Gemeinden (Kapitel 2-3) 10

DAS ZWEITE GESICHT, 4,1-8,1

III. Die Majestaet und das Lamm Gottes (Kapitel 4-5) 21

Der erste Zyklus durch die gesamte NT-Zeit - Das Buch der sieben Siegel, 5,1-8,1

IV. Die Zukunft der Gemeinde Jesu Christi in dieser Welt, dargestellt in verschiedenen Zyklen (Kapitel 6-20) 27

A) Die Kirche in den allgemeinen, alle Welt betreffenden, Plagen bis zum Endgericht (Die ersten sechs Siegel. Kapitel 6) 27

B) Die Vollzahl der Auserwählten beim HERRN, oder: Der Trost der Gemeinde Jesu Christi in allen Plagen und Anfechtungen bis zum Endgericht (Kapitel 7) 32

Der zweite Zyklus oder Überblick über die NT-Zeit: Die geistlichen Nöte der Gemeinde Jesu Christi, Kap. 8-11

C) Das siebte Siegel und die ersten vier Posaunen: Die geistlichen Kaempfe der Kirche (Kapitel 8) 36

DAS DRITTE GESICHT, 8,2-11,9

D) Die weiteren geistlichen Kaempfe der Kirche (Kapitel 9) 41

E) Vorbereitung auf die siebte Posaune (Kapitel 10) 44

Papsttum und lutherische Reformation - der große, immerwährende Kampf in der Kirche um die reine Lehre; oder: Die Kirche und ihr Ringen mit dem Antichristen; Kap. 11-14

F) Uebersicht ueber die Vorreformation und die lutherische Reformation (Kapitel 11) 47

Der dritte Zyklus durch die NT-Zeit: Wie der Antichrist gegen die Gemeinde Jesu anrennt, 12,1-15,4

DAS VIERTE GESICHT, 12,1-14,20

G) Allgemeiner Ueberblick über die Verfolgung der Gemeinde Christi durch den Antichristen, das ist, das Papsttum (Kapitel 12) 52

H) Der Aufstieg des Antichristen – das Roemische Reich und sein Nachfolger, das Papsttum (Kapitel 13,1-10) 57

I) Die verfuehrerische geistliche Macht, die dem Antichristen dient; oder: Der Prophet des Antichristen (Kapitel 13,11-18) 62

J) Die Kirche der lutherischen Reformation, der Sturz der absoluten Papstmacht und das Juengste Gericht (Kapitel 14) 65

DAS FÜNFTE GESICHT, 15,1-16,21

K) Die Schar der Erloesten am kristallnen Meer (Kapitel 15,1-4) 71

Der vierte Zyklus der NT-Heilsgeschichte: Das Zorngericht Gottes gegen die Feinde der Kirche, 15,5-19,21

L) Die Vorbereitung des Zorngerichtes Gottes (Kapitel 15,5-8) 72

M) Allgemeiner Ueberblick über das Gericht an den Feinden der Gemeinde Jesu Christi (Kapitel 16) 73

DAS SECHSTE GESICHT, 17,1-19,21

N) Das antichristliche Reich unter dem Bild einer grossen Hure (Kapitel 17) 79

O) Der Fall des Antichristen und seines Reiches (Kapitel 18) 87

P) Jubel ueber den Fall Babylons, der antichristlichen Macht (Kapitel 19) 92

DAS SIEBTE GESICHT, 20,1-22,5

Der fünfte Zyklus der Gesamtschau der NT-Heilsgeschichte, Kap. 20

Q) Gesamtschau der neutestamentlichen Heilsgeschichte (Kapitel 20) 96

V. Ausblick: Die Ewigkeit oder das neue Jerusalem (Kapitel 21-22) 1103

A) Das neue Jerusalem oder der neue Himmel und die neue Erde (Kapitel 21) 1103

B) Das neue Jerusalem und der wiederkommende HERR (Kapitel 22) 1107

Bibliographie. 1113

 

 

 

 

Einleitung: Die Offenbarung Jesu Christi an Johannes

 

Was ist das Besondere dieses Buches gegenüber den anderen neutestamentlichen Schriften? Die Offenbarung Jesu Christi an Johannes oder Apokalypse stellt in Bildern und Gesichten dar, was sich in näherer und fernerer Zukunft ereignen sollte und soll, 1,1; 22,6, insbesondere das Kommen Christi zum Gericht über seine Feinde und zur Rettung der Seinen, 1,3.7; 2,5.16; 3,11.20; 22,7.12.20. Dieser Bilder und Gesichte hat Johannes selbst als Offenbarung durch Jesus Christus gesehen und legen den Kampf der Gemeinde Jesu in der neutestamentlichen Zeit dar bis zur Wiederkunft des Heilandes zum Jüngsten Gericht. Die Offenbarung ist daher ein göttliches Trostbuch für die Gemeinde des Herrn in den Trübsalen, die in dieser Welt über die Kirche kommen.

Was ist beim Betrachten dieses Buches zu beachten? Die Offenbarung Jesu Christi an Johannes ist ein prophetisches Buch, das in Bildern und Gesichten geschrieben wurde. Darum muss man sich vor willkürlichen Deutungen und Berechnungen hüten und vielmehr zum einen an die Deutungen halten, die Johannes selbst gibt, 1,20; 5,8; 17,18; 19,8 oder sich aus den Parallelstellen etwa des Alten Testamentes ergeben. Zum rechten Verständnis der Gesamtschau ist es aber notwendig, nicht zuerst die Bilder und Gesichte dieses Buches zu bedenken, sondern sich an die hellen und gewissen Texte, die Sitz der Lehre von der letzten Zeit sind, zu halten, etwa Matthäusevangelium 24-25, sowie alttestamentliche Aussagen bei Daniel. Diese klaren Stellen geben die Grundlage und den Rahmen ab, auch klare Strukturierung für die Aussagen der Offenbarung.

    Wenn dies bedacht wird, so wird man auch feststellen, dass es sich bei der Offenbarung Jesu Christi an Johannes nicht um ein Buch handelt, das nach den Sendschreiben einen chronologischen Ablauf der Ereignisse bringt, beginnend mit dem vierten Kapitel und endend mit dem zweiundzwanzigsten. Vielmehr haben wir eine zyklische Darstellung dessen, was in der neutestamentlichen Zeit geschieht, das heißt, der gesamte Zeitrahmen wird unter verschiedenen Aspekten mehrfach betrachtet.

Wer ist der Empfänger und Schreiber dieser Offenbarung? Der Schreiber nennt seinen Namen selbst des Öfteren, 1,1.4.9; 22,8, nämlich Johannes. Wenn er auch nicht direkt erwähnt, dass er der Apostel ist, was er allerdings in keiner seiner Schriften macht, so ergibt sich das doch eindeutig aus dem, was er bezeugt: Er hat eine unmittelbare Offenbarung von Gott empfangen, die großen Umfang und hohe Bedeutung hat. Das weist nach Galaterbrief 1,12 eindeutig auf sein Apostolat hin. In 1,2 spricht er von dem Zeugnis, das er abgelegt hat für Jesus Christus, den er selbst gesehen hat, was anklingt an Johannesevangelium 1,14; 19,35 und den Anfang des ersten Johannesbriefes. Im neunten Vers spricht er von seiner Verbannung nach Patmos, was nach beständiger Überlieferung der frühen Kirche den Apostel Johannes betraf. Kapitel 22,9 wird Johannes auf eine Stufe mit den Propheten gestellt, was nur einem Apostel zukommt, siehe Epheserbrief 2,19 ff. Wenn von etlichen die Schreiberschaft einem „Presbyter Johannes“ zugeschrieben wird, so gibt es dafür keinerlei Grundlage, insbesondere, wenn man bedenkt, welch ein bedeutendes Buch das ist und – man fasse nur die ersten vier Kapitel ins Auge – welche Herausforderungen darin für die Gemeinden lagen und liegen. Für den Apostel Johannes spricht auch, dass in der Offenbarung Vertrautheit mit dem Alten Testament vorhanden ist, ebenso mit dem Tempel und der hebräischen Sprache, wie auch viele semitische Formen und Wendungen vorkommen.

    Die Offenbarung Jesu Christi an Johannes ist aber in der frühen Kirche dennoch nicht zu allen Zeiten unumstritten gewesen. In der frühesten Zeit ist sie allerdings allgemein anerkannt gewesen, in einer mittleren Zeit dann aber, wohl durch die chiliastischen Irrlehren, die sich immer wieder darauf berufen haben, in den Hintergrund getreten und mit Zweifeln belegt worden. Aber gerade aus Kleinasien, wo Johannes gewirkt hat, und aus Alexandrien, liegen frühe eindeutige Aussagen vor, die dieses Buch dem Apostel Johannes zuschreiben.

Wann ist dieses Buch entstanden? Genau lässt sich die Zeit nicht festlegen, da der genaue Zeitpunkt der Verbannung des Apostels Johannes nicht bekannt ist und auch aus den Aussagen der frühen Kirchenväter nicht eindeutig hervorgeht. Einige geben die Verfolgungszeit Neros an, andere diejenige unter Domitian, 96-98 nach Christi Geburt. Für diese Zeit spricht die Gemeindeorganisation 2,1.8 (Vorsteher), 1,3 (Vorleser), 1,10 (Sonntag) sowie die Richtungen, gegen die zu kämpfen war: libertinistisch-gnostische, 2,6.14.15.20.24; Erschlaffung und Abfall in den Gemeinden, 2,4; 3,1-4.15-18.

    Zur Einteilung der Offenbarung siehe am Ende des Buches das Inhaltsverzeichnis

 

I. Der Prolog: Jesus Christus, der ewige Gott, das A und O (Kapitel 1)

 

Kapitel 1: 1 ¶  Dies ist die Offenbarung Jesu Christi, die ihm Gott gegeben hat, seinen  Knechten zu zeigen, was in der Kürze geschehen soll; und hat sie gedeutet  und gesandt durch seinen Engel zu seinem Knecht Johannes, 2  der bezeuget hat das Wort Gottes und das Zeugnis von Jesus Christus, was  er gesehen hat. 3 Selig ist, der da liest, und die da hören die Worte der Weissagung und  behalten, was darinnen geschrieben ist; denn die Zeit ist nahe.

    4  Johannes den sieben Gemeinden in Asien: Gnade sei mit euch und Friede  von dem, der da ist, und der da war, und der da kommt, und von den sieben  Geistern, die da sind vor seinem Stuhl, 5  und von Jesus Christus, welcher ist der treue Zeuge und Erstgeborne von  den Toten und ein Fürst der Könige auf Erden; der uns geliebt hat und  gewaschen von den Sünden mit seinem Blut 6  und hat uns zu Königen und Priestern gemacht vor Gott und seinem Vater:  demselbigen sei Ehre und Gewalt von Ewigkeit zu Ewigkeit! Amen.

    7  Siehe, er kommt mit den Wolken; und es werden ihn sehen alle Augen, und  die ihn gestochen haben; und werden heulen alle Geschlechter der Erde.  Ja, Amen.

    8  Ich bin das A und das O, der Anfang und das Ende, spricht der HERR, der  da ist, und der da war, und der da kommt, der Allmächtige.

    9 Ich, Johannes, der auch euer Bruder und Mitgenosse an der Trübsal ist  und am Reich und an der Geduld Jesu Christi, war auf der Insel, die da  heißt Patmos, um des Wortes Gottes willen und des Zeugnisses Jesu Christi. 10  Ich war im Geist an des HERRN Tag und hörte hinter mir eine große Stimme  als einer Posaune, 11  die sprach: Ich bin das A und das O, der Erste und der Letzte; und was  du siehst, das schreibe in ein Buch und sende es zu den Gemeinden in  Asien, gen Ephesus und gen Smyrna und gen Pergamus und gen Thyatira und  gen Sardes und gen Philadelphia und gen Laodicea.

    12  Und ich wandte mich um, zu sehen nach der Stimme, die mit mir redete.  Und als ich mich wandte, sah ich sieben güldene Leuchter 13  und mitten unter den sieben Leuchtern einen, der war eines Menschen Sohn  gleich, der war angetan mit einem Kittel und begürtet um die Brust mit  einem güldenen Gürtel. 14  Sein Haupt aber und sein Haar war weiß wie weiße Wolle, wie der Schnee,  und seine Augen wie eine Feuerflamme 15  und seine Füße gleich wie Messing, das im Ofen glühet, und seine Stimme  wie groß Wasserrauschen; 16  und hatte sieben Sterne in seiner rechten Hand, und aus seinem Munde ging  ein scharf, zweischneidig Schwert, und sein Angesicht leuchtete wie die  helle Sonne. 17  Und als ich ihn sah, fiel ich zu seinen Füßen wie ein Toter. Und er legte  seine rechte Hand auf mich und sprach zu mir: Fürchte dich nicht! Ich  bin der Erste und der Letzte 18  und der Lebendige. Ich war tot; und siehe, ich bin lebendig von Ewigkeit  zu Ewigkeit und habe die Schlüssel der Hölle und des Todes. 19  Schreibe, was du gesehen hast, und was da ist, und was geschehen soll  danach, 20  das Geheimnis der sieben Sterne, die du gesehen hast in meiner rechten  Hand, und die sieben güldenen Leuchter. Die sieben Sterne sind Engel  der sieben Gemeinden, und die sieben Leuchter, die du gesehen hast, sind  sieben Gemeinden.

 

    Jesus Christus selbst zeigt sich in seiner Herrlichkeit, aber auch inmitten seiner Gemeinde.

    V. 1: von Christus, vom Vater: Die Dreieinigkeit wirkt hier. Es ist falsch, wie etliche Chiliasten (Anhänger eines angeblichen irdischen tausendjährigen Friedensreiches vor dem Jüngsten Tag) meinen, Christus habe hier eine neue Offenbarung vom Vater bekommen. Denn alles, was der Vater hat, das hat auch der Sohn, von Ewigkeit, Joh. 16,15. Er, Christus, ist wahrer Gott, der Allwissende.1

    Christus hat sie auch gedeutet: Das ist also notwendig, damit sie verstanden wird – es handelt sich also um Bildrede in der Offenbarung. Sie muss darum ausgelegt werden durch die klaren Worte in der Heiligen Schrift, den Sitz der Lehre für die Endzeit, also vor allem die Endzeitreden unseres HERRN Jesus Christus Matth. 24 und 25. Das, was in diesem Buch dargelegt wird, soll „in der Kürze“ geschehen, also in der mit Christi Himmelfahrt angebrochenen Endzeit. Gegeben seinen Knechten: Die Offenbarung Jesu Christi ist also den Gläubigen gegeben, damit sie wissen, was kommen wird.2

    V. 2: Beschreibt Johannes als den Zeugen des Wortes Gottes und Christi und was er, der Apostel Johannes, gesehen hat. Diese Aussage knüpft ganz klar an Joh. 1,1 und 1. Joh. 1,1-4 an, wo von Jesus Christus als dem Wort Gottes (logos) die Rede ist und davon, dass sie, die Apostel, ihn im Fleisch gesehen, gehört, betastet haben, womit ja die wahre Menschheit – und wahre Gottheit – Christi bezeugt wird. Das unterstreicht auch, dass es sich hier bei Johannes ganz eindeutig um den Apostel Johannes handelt, nicht um einen angeblichen „Presbyter Johannes“, wie es gerade auch von der Bibelkritik behauptet wird.

    V. 3: Die Offenbarung Jesu Christi an Johannes ist gegeben, damit wir sie aufmerksam lesen und uns deutlich wird, worum es geht – und das, was ausgesagt wird, auch behalten, damit wir das, was geschieht, anhand den Aussagen in der Offenbarung auch beurteilen können.

    V. 4: Der Gruß: Gott ist von Ewigkeit zu Ewigkeit; er wirkt durch den Heiligen Geist, s.a. Jes. 11,2 (sieben Geister, Dreieinigkeit: der da ist, der da war, der da kommt; außerdem werden ausdrücklich Christus und der Heilige Geist erwähnt).3 Den sieben Gemeinden: Sieben ist eine Zahl der göttlichen Vollkommenheit. Damit ist angedeutet, dass diese sieben Gemeinden nicht allein gemeint sind, sondern zugleich für die gesamte Kirche Jesu Christi stehen, s.a. V. 1 und die Schlussverse der einzelnen Briefe. Es gab ja durchaus mehr Gemeinden in der Umgebung, aber nur sieben werden erwähnt, ein Hinweis, dass die Zahl hier vor allem symbolischen Charakter hat.4

    Sieben ist überhaupt eine Zahl, die in der Offenbarung eine große Bedeutung hat. So empfängt Johannes in der Offenbarung insgesamt sieben Gesichte, womit angezeigt ist, dass in diesen Gesichten, die aufs Innigste untereinander verbunden sind, die gesamte neutestamentliche Heilszeit unter verschiedenen Aspekten dargestellt wird, wobei jedes Gesicht jeweils die gesamte Zeitspanne umfasst. Die Offenbarung lässt sich also in verschiedene Zyklen unterteilen, wie wir später sehen werden. Ebenso: sieben Siegel, sieben Posaunen. Auch das zeigt an, dass wir es bei der Offenbarung um ein Buch in Bildern, mit viel Symbolik haben, auch die Zahlen symbolischen, bildhaften Charakter haben.5

    V. 5: Christus, der Erstgeborne von den Toten: Jesus Christus ist der Erstling der Auferstehung, Apg. 26,23 f.; 1. Kor. 15,20; Kol. 1,18. Auf ihn gründet sich auch unsere Auferstehungshoffnung. Er ist ein Fürst der Könige auf Erden, ist der HERR aller Herren, alles und jedes und jeder ist ihm untertan, dem alle Gewalt gegeben ist im Himmel un auf Erden, s.a. Matth. 28,18; Eph. 1,21. Er hat uns geliebt, gewaschen durch sein Blut: Er, und nur er, der allmächtige Gott, ist unser Heiland, Erlöser, s.a. Apg. 20,28; Röm. 3,25; Eph. 1,7; Kol. 1,14; Hebr. 9,12-14. Erlösung, Errettung, Versöhnung Gottes, Freispruch im Jüngsten Gericht, das gibt es einzig und allein durch das Sühnopfer Jesu Christi für uns, durch das Blut Jesu Christi, denn ohne Blutvergießen geschieht keine Vergebung, Hebr. 10,22. Das muss gerade heute betont werden, in einer Zeit, in der innerhalb der Gemeinde des HERRN diese primäre Fundamentallehre, ohne die die christliche Kirche nicht bestehen kann, von vielen geleugnet wird.

    V. 6: Durch die Erlösung sind wir, die wir an Jesus Christus glauben, zu Königen und Priestern geworden, schon jetzt, s.a. 2. Mose 19; 1. Petr. 2,9. Wir herrschen als Gläubige schon jetzt mit Christus, besonders durch das Gebet, 1. Tim. 2,1-3, und sind ein königliches Priestervolk, das ihm die Opfer des Neuen Bundes bringt: sich selbst in der Ganzhingabe, Röm. 12,1; Lob und Dank und das Bekenntnis Christi vor aller Welt, Hebr. 13,15, und den Dienst am Nächsten, Hebr. 13,16, in der Fürbitte, 1. Tim. 2,1-3. Diese Opfer sind keine verdienstlichen Opfer, sie erwerben uns nicht die Rechtfertigung, den Himmel, sondern weil wir erlöst sind, darum dienen wir damit als Erlöste unserem Heiland und HERRN.

    V. 7: Christus als der Kommende: Alle werden ihn sehen, das ist das Ziel aller Geschichte, die in ihn gestochen haben, das sind Heiden und die Veranlasser, Juden, gleichermaßen, denn es geschieht durch die Sünde,6 s.a. Sach. 12,10; Matth. 24,30. Die Wiederkunft Jesu Christi ist, das wird hier deutlich, Wiederkunft zum Gericht, ist ein Schrecken für sehr viele Menschen, nämlich diejenigen, die in der Gottesferne, im Unglauben, beharrt haben.

    V. 8: Christus stellt sich vor: Er ist der Ewige, ohne Anfang und Ende, Joh. 8,58, unveränderlich, Mal. 3,6; Hebr. 13,13. So hat er sich schon im Alten Bund gezeigt, Jes. 41,4; 44,6; 48,12. Er ist auch der Allmächtige, Matth. 28,18 – Er ist der wahre Gott, der Jahwe des Alten Bundes!

 

DAS ERSTE GESICHT (1,9-3,21)

    V. 9: Trübsal gehört mit dazu, ein Reichsgenosse mit Christus zu sein, vgl. Apg. 14,22; 2. Tim. 3,12; Röm. 5,1-5. Patmos: Johannes war als Verbannter auf dieser Insel, um des Glaubens willen, weil er Gottes Wort verkündigt hatte. Es dürfte sich um die Verfolgung unter Kaiser Domitian handeln. Martyrium um des Glaubens willen durchzieht das gesamte Buch.7

    V. 10: Johannes war im Geist, also in einem besonderen, über- und außernatürlichen Zustand, am Tag des HERRN, nämlich dem Auferstehungstag, also am Sonntag (dem Tag der Sonne der Gerechtigkeit, Mal. 3,20), dem Tag, an dem die Gemeinde zusammenkam zu Gottesdienst und Feier des HERREN- oder Abendmahls – und da kommt der Auferstandene zu ihm. Dass er mit einer Stimme kommt wie der einer Posaune zeigt an, dass er, der HERR, reden will von großen, wichtigen, bedeutsamen Dingen. Darum tritt er majestätisch auf.8

    V. 11: Zuerst hört er eine gewaltige Stimme, anknüpfend an V. 8. Der, der hier spricht, ist also Jesus Christus, der HERR, der Allmächtige. Johannes bekommt den Befehl, das, was er hört bzw. sieht aufzuschreiben (insgesamt zwölf Mal in diesem Buch).9 Das macht sehr deutlich, dass wir hier also nicht menschliche Gedanken, Überlegungen haben, sondern des Heiligen Geistes Wort. Darum sind auch wir an die Schrift, die Bibel, gewiesen, wenn es um Gottes Wort und Willen geht. Die sieben Gemeinden sind in zwei Gruppen, drei und vier, gegliedert, je nach ihrer Lage zu Patmos. Dass Rom überhaupt nicht erwähnt wird zeigt, dass es damals von geringer Bedeutung war.10 Nichts von einem „Papsttum“ gab es dort damals.

    V. 12-17: Die Gestalt, die Johannes sieht, a.a. Dan. 7; Hes. 1; Dan. 10. (Insgesamt bekommt Johannes sieben Gesichter, was auch, mit der Siebenzahl, andeutet, dass damit die gesamte neutestamentliche Zeit in ihren verschiedenen Aspekten vor Augen gestellt wird – einschließlich der Vollendung, der Herrlichkeit.)

    Zuerst sieht er die Leuchter (s.a. V. 20: die Gemeinden), dann Christus mitten unter ihnen: Christus ist inmitten seiner Gemeinde, wie er zugesagt hat, Matth. 18,20; 28,20, wir gehören zu ihm. Dass für die Gemeinden Leuchter genannt werden, weist darauf hin, dass die Gemeinde ein Licht in der Welt sein soll, Matth. 5,13-16.11

    Im Alten Bund war der siebenarmige Leuchter das Bild der Gemeinde, Sach. 4,2; Hebr. 9,2.8 f. Damals gab es keine Einzel- oder Ortsgemeinde, sondern Israel war eine Gemeinde mit einem Tempel. Im Neuen Testament dagegen haben wir die eine ekkleesia tou theou (Gemeinde des HERRN) in den lokalen ekkleesien (ecclesia simplex oder Ortsgemeinde), in denen sie als äußere Versammlung um Wort und Sakrament zusammenkommt, ohne dass es eine von Gott geordnete äußere Verbindung dieser Gemeinden gäbe. Dieser Unterschied ist hier angedeutet mit den einzelnen Leuchtern für die einzelnen Gemeinden, die aber um Christus als dem Zentrum der ekkleesia gruppiert sind – und somit geistlich Eine ekkleesia sind.12

    V. 13-15: Christus erscheint wie ein Menschensohn, aber nicht mehr in Niedrigkeit, sondern in Herrlichkeit, mit dem Kittel der Reinheit (ähnlich dem hohenpriesterlichen Gewand, Hes. 9,2 f.11; Dan. 10,5); dem Gürtel der Herrlichkeit um die Brust, wie die Könige. Das zeigt uns unseren Heiland als den Propheten (Stimme wie eine Posaune), Hohenpriester und König, und zugleich aber in der einen Person mit den zwei Naturen. Sein Haupt ist gekennzeichnet von Weisheit (denn er hat den Geist des Rates und der Erkenntnis, Jes. 11,2), göttlicher Reinheit und Herrlichkeit, s.a. Dan. 7,9 von dem „Alten der Tage“; mit durchdringenden heiligen Augen, Dan. 7,10 – sie sehen alles, Christus ist der Allwissende; mit Füßen wie Messing, die alles zerstören, gerade auch die Feinde, Dan. 10,6, während die Gerechten auf seinen Wegen gehen können (Hos. 14,10); sowie mit einer durchdringenden Stimme, die das Völkermeer zum Schweigen bringt, s.a. Ps. 93,4.5 – und mit einem scharfen, zweischneidigen Schwert, das ist sein Wort, Hebr. 4,12.13. Er hat ein leuchtendes, lichtes Angesicht. Er ist die Sonne der Gerechtigkeit und das Licht der Welt, Mal. 4,2; Joh. 1,9; 8,12. All das besagt: Vor ihm können wir nicht bestehen. Aber auch: Er lässt sein Angesicht leuchten über den Seinen voll Gnade, Wahrheit und Segen, 4. Mose 6,23-27.13

    V. 16: Er hat sieben Sterne in seiner Hand: Die Gemeindeleiter, s. V. 20, sind in seiner Hand, Er setzt sie ein und ab, allerdings indirekt, durch Menschen. Er rüstet sie aus mit seinem Wort, das wie ein zweischneidiges Schwert ist und richtet und scheidet, Hebr. 4,12.13; Eph. 6,17; Jes. 11.

    V. 17 f.: Vor ihm können wir nur niederfallen, s.a. Hes. 1,28; 2,1 f.; Dan. 8,17 ff.; 10,7 f., denn hier wird unsere Nichtigkeit deutlich. Er aber richtet uns auf. Er ist der Lebendige, der den Tod für uns überwunden hat und die Schlüsselgewalt hat, die er seiner Gemeinde gegeben, Joh. 20,21-23.

    V. 19: Johannes soll schreiben, und zwar all das, was geschehen soll darnach, also die Offenbarung Jesu Christi, das ganze Buch.

    V. 20: Engel der Gemeinde: Gemeindeleiter, s.a. Mal. 2,7; 3,1; Hag. 1,13; Mark. 1,2. Die Boten Gottes an die Gemeinden sind Menschen, diejenigen, die im Dienst des Wortes stehen. Johannes schreibt hier ein Geheimnis nieder, etwas, das er nur durch Offenbarung wissen konnte, nämlich was die Sterne in Jesu Hand bedeuten. Der ganze Trost der Gemeinde, vor allem in der Verfolgung, hat seinen Grund darin, dass sie in Christi Hand ist.14

 

II. Die Sendschreiben an die kleinasiatischen Gemeinden (Kapitel 2-3)

 

Kapitel 2: 1 Und dem Engel der Gemeinde zu Ephesus schreibe: Das saget, der da hält  die sieben Sterne in seiner Rechten, der da wandelt mitten unter den  sieben güldenen Leuchtern: 2  Ich weiß deine Werke und deine Arbeit und deine Geduld, und dass du die  Bösen nicht tragen kannst und hast versucht die, so da sagen, sie seien  Apostel, und sind’s nicht, und hast sie Lügner erfunden, 3  und verträgst und hast Geduld, und um meines Namens willen arbeitest du  und bist nicht müde worden. 4  Aber ich habe wider dich, dass du die erste Liebe verlässt. 5  Gedenke, wovon du gefallen bist, und tu Buße und tu die ersten Werke! Wo  aber nicht, werde ich dir kommen bald und deinen Leuchter wegstoßen von  seiner Stätte, wo du nicht Buße tust. 6  Aber das hast du, dass du die Werke der Nikolaiten hassest, welche ich  auch hasse. 7  Wer Ohren hat, der höre, was der Geist den Gemeinden sagt: Wer überwindet,  dem will ich zu essen geben von dem Holz des Lebens, das im Paradies  Gottes ist.

    8 Und dem Engel der Gemeinde zu Smyrna schreibe: Das saget der Erste und  der Letzte, der tot war und ist lebendig worden: 9  Ich weiß deine Werke und deine Trübsal und deine Armut (du bist aber  reich) und die Lästerung von denen die da sagen, sie sind Juden, und  sind’s nicht, sondern sind des Satans Schule. 10  Fürchte dich vor der keinem, das du leiden wirst. Siehe, der Teufel wird  etliche von euch ins Gefängnis werfen, auf dass ihr versucht werdet; und  werdet Trübsal haben zehn Tage. Sei getreu bis an den Tod, so will ich  dir die Krone des Lebens geben. 11  Wer Ohren hat, der höre, was der Geist den Gemeinden sagt: Wer überwindet,  dem soll kein Leid geschehen von dem andern Tode.

    12 Und dem Engel der Gemeinde zu Pergamus schreibe: Das saget, der da hat  das scharfe, zweischneidige Schwert: 13  Ich weiß, was du tust, und wo du wohnest, da des Satans Stuhl ist, und  hältst an meinem Namen und hast meinen Glauben nicht verleugnet, auch  in den Tagen, in welchen Antipas, mein treuer Zeuge, bei euch getötet  ist, da der Satan wohnet. 14  Aber ich habe ein Kleines wider dich, dass du daselbst hast, die an der  Lehre Bileams halten, welcher lehrte durch den Balak ein Ärgernis  aufrichten vor den Kindern Israel, zu essen der Götzenopfer und Hurerei  treiben. 15  Also hast du auch, die an der Lehre der Nikolaiten halten. Das hasse ich. 16  Tu Buße; wo aber nicht, so werde ich dir bald kommen und mit ihnen kriegen  durch das Schwert meines Mundes. 17  Wer Ohren hat, der höre, was der Geist den Gemeinden sagt: Wer überwindet,  dem will ich zu essen geben von dem verborgenen Manna und will ihm geben  ein gut Zeugnis und mit dem Zeugnis einen neuen Namen geschrieben,  welchen niemand kennet, denn der ihn empfängt.

    18 Und dem Engel der Gemeinde zu Thyatira schreibe: Das saget der Sohn  Gottes, der Augen hat wie die Feuerflamme und seine Füße gleich wie  Messing: 19  Ich weiß deine Werke und deine Liebe und deinen Dienst und deinen Glauben  und deine Geduld, und dass du je länger je mehr tust. 20  Aber ich habe ein Kleines wider dich, dass du lässt das Weib Isebel,  die da spricht, sie sei eine Prophetin, lehren und verführen meine  Knechte, Hurerei treiben und Götzenopfer essen. 21  Und ich habe ihr Zeit gegeben, dass sie sollte Buße tun für ihre Hurerei;  und sie tut nicht Buße. 22  Siehe, ich werfe sie in ein Bett, und die mit ihr die Ehe gebrochen haben,  in große Trübsal, wo sie nicht Buße tun für ihre Werke. 23  Und ihre Kinder will ich zu Tode schlagen. Und sollen erkennen alle  Gemeinden, dass ich bin, der die Nieren und Herzen erforschet; und werde  geben einem jeglichen unter euch nach euren Werken. 24  Euch aber sage ich und den andern [Übriggebliebenen], die zu Thyatira sind, die nicht haben  solche Lehre, und die nicht erkannt haben die Tiefen des Satans (als  sie sagen): Ich will nicht auf euch werfen eine andere Last. 25  Doch was ihr habt, das haltet, bis dass ich komme. 26  Und wer da überwindet und hält meine Werke bis ans Ende, dem will ich  Macht geben über die Heiden. 27  Und er soll sie weiden mit einer eisernen Rute, und wie eines Töpfers  Gefäß soll er sie zerschmeißen, 28  wie ich von meinem Vater empfangen habe; und will ihm geben den Morgenstern. 29  Wer Ohren hat, der höre, was der Geist den Gemeinden sagt!

 

    Die Sendschreiben: Gottes Warnung und Verheißung für seine Kirche. Die Sendschreiben an die kleinasiatischen Gemeinden sind zugleich Sendschreiben an alle Gemeinden Jesu Christi, wie besonders die Schlussworte der Sendschreiben aussagen, die zeigen, dass sie über die einzelnen Gemeinden hinaus gehen. Auch die Anzahl der Sendschreiben und Gemeinden – sieben – zeigt dies an, denn sieben ist die Vollzahl, hier die Vollzahl der Gemeinden, die damit steht für die Kirche Jesu Christi insgesamt.

    Die Sendschreiben machen die Kerngefahren deutlich, die alle Gemeinden aller Zeiten bedrohen: Abfall von der ersten Liebe; Verfolgung; Union mit falscher Lehre; Duldung der Sünde in der Gemeinde; Unionismus (dass dies Thema zweimal in den Sendschreiben auftaucht zeigt, welch ein großes Übel dies ist); völlige Veräußerlichung, Anpassung an die Welt, Lauheit. Aufruf zur Treue in der Kindschaft – Verheißung des Sieges. Die Lage in den Gemeinden ist zugleich ein Bild auf spezifische Situationen der Gemeinde in einzelnen Zeitaltern der Kirchengeschichte.

    Alle Sendschreiben haben das gleiche Grundmuster: Sie beginnen mit dem Befehl, dem Engel oder Vorsteher der Gemeinde zu schreiben. Christus führt sich gleich zu Anfang jeweils mit einer Bezeichnung ein, die seine wahre Gottheit unterstreicht und an Offenb. 1 anknüpft. Im dritten Teil jedes Briefes kommt das göttliche Allwissen hervor, das jeweils anspricht, worum es geht und dann der Schlussruf mit einer Verheißung.15

 

    V. 1-7: Sendschreiben an die Gemeinde zu Ephesus16

    V. 1: Christus redet hier als der Erzhirte, 1. Petr. 5,1, der die Gemeindeleiter in seiner Hand hat, der also für die Verkündigung, die Ausbreitung seines Wortes sorgt, als der, der mitten unter der Gemeinde ist, Matth. 18,20; 28,10, als das rechte Haupt, der rechte Hirte seiner Gemeinde, Joh. 10; 1. Petr. 5; Eph. 1; 4. Wenn Christus hier durch Johannes mit dem Gemeindeleiter der Gemeinde in Kontakt tritt, so zeigt dies an, dass er mittelbar, nämlich durch das Wort, das gepredigt werden soll, mit ihr in Verkehr steht, Röm. 10,6-8.17, und nicht durch innere Stimmen. Wir brauchen Christus nicht irgendwo im Himmel zu suchen, sondern wir finden ihn da, wo sein Wort und Sakrament ist.17

    V. 2: Christus kennt uns, er kennt seine Gemeinde, ihre Nöte, alles, was sie betrifft. Das ist sehr tröstlich, denn damit wissen wir, dass er sich recht um uns kümmern kann.

    Er rühmt hier: die Arbeit, Werke, Geduld der Gemeinde, dass sie Gemeinde- und Lehrzucht übt, dass sie einen heiligen Eifer hat für die Wahrheit. Denn das ist notwendig für eine rechte Gemeinde, dass sie das reine Wort und die unverfälschten Sakramente festhält, s.a. 1. Joh. 4,1-3; Röm. 16,17.18; Matth. 7,15-2018. Dazu hatte Paulus sie auch ermahnt, s. Apg. 20,26 ff.; s.a. V. 6.

    V. 3: Auch rühmt Christus sie, dass sie um seines Namens willen arbeiten, dass sie Ihn groß machen.

    V. 4-6: Was aber ist es, das die Gemeinde bedroht? Sie hat die erste Liebe verlassen. Was heißt das? Die Grundhaltung, die Herzenshaltung, die Motivation stimmt nicht mehr, die erste Liebesbrunst zu Christus ist dahin, sie wurden allmählich schläfrig. Die (Glaubens-)Maschine läuft noch – aber mit einem falschen Kraftstoff; und deshalb wird sie bald kaputt sein, d.h. es droht alles zu erstarren. Aus der rechten, nötigen biblischen Orthodoxie droht Orthodoxismus zu werden. Gottesdienst, geistliches Leben drohen hohl, zu einem äußerlichen Ritual zu werden. Gott aber geht es nicht nur um unsere äußeren Werke, sondern um unser Herz.19

    Diese Gefahr ist vor allem da vorhanden, wo wir nicht in täglicher Buße leben, nicht in täglicher Sündenerkenntnis und Sündenbekenntnis, wir also nicht in lebendiger Beichte ständig aus der Gnade und Vergebung leben und so Christus als unseren Heiland vor den Augen haben und was er uns geschenkt; kurz: Wo kein lebendiger Glaube praktiziert wird, da ist der geistliche Tod im Topf. Davor warnt der HERR V. 5. Und diese Warnung sollte uns umso ernster machen, als es schließlich wirklich aus war mit der Gemeinde in Ephesus. Sie existiert heute nicht mehr. Sie ist erst in die Irrlehre der Ostkirche verfallen und dann vom Islam überrannt worden. Heute sind nur noch Ruinen dort.

    Immerhin, V. 6, kämpfte die Gemeinde in Ephesus noch gegen die Sekte der Nikolaiten und hasste sie, wollte also ein geheiligtes Leben in der Gemeinde.20

    V. 7: Dazu gehört aber auch ein tägliches Überwinden: Überwinden der Trägheit, des alten Ich, der Gewohnheit, der Reize zur Sünde. Christliches Leben soll ein Streiter- und Überwinderleben sein. Die Gemeinde in Ephesus ist auch ein Bild für die Gemeinde am Ende der Apostelzeit, als eine neue Generation heranwuchs, die sich nun bewähren musste in den Anfechtungen und im Überwinden. Jeder Gemeinde und Generation ist dieser Kampf verordnet. Wir haben aber auch die Verheißung, für immer bei Ihm im Paradies zu sein, wo wir dann unaufhörlich rechte Speise empfangen, aus der Gnade und Vergebung Jesu Christi leben, dem wahren Holz oder Brot des Lebens, Joh. 6,35.21 Der Schluss-Satz in allen Briefen zeigt an, dass die Aussagen allen Christen gelten.

 

    V. 8-11: Sendschreiben an die Gemeinde zu Smyrna22

    V. 8: Christus schreibt hier als der, der ewig ist, der für uns gelitten, aber auch den Tod überwunden hat. Er schreibt als solcher gerade denen, die der Verfolgung ausgesetzt und vom Tode bedroht sind. ER ist ihr Leben, darum ist selbst ihr Sterben Gewinn, da sie durch den Tod zum ewigen Leben hindurchgehen.

    V. 9: Christus kennt auch diese Gemeinde, die äußerlich, weltlich gesehen, arm ist, tatsächlich aber reich, nämlich reich in Gott, 2. Kor. 8,9; Luk. 12,21, reich im Glauben, reich in der Treue zum HERRN.

    Er weiß gerade auch um die Lästerung derer, die Irrlehrer sind und verführen wollen. Und: Er weiß um die Bedrängnis der Gemeinde.23

    V. 10: Christus sagt ihnen voraus, dass es sogar noch schlimmer kommen wird: Etliche werden in der Verfolgung sterben müssen.24 Das dient aber auch der Prüfung – der Teufel will verführen, der HERR aber läutern und im Glauben stärken, s.a. Dan. 11,34; 1. Petr. 4,1.2.

    Die Trübsalszeit ist begrenzt, auch wenn sie in der Zeit selbst uns sehr lang vorkommt. Aber wir sollen wissen: Sie geht vorüber. Und: Sie kann uns das äußere Leben kosten, wie gerade die Märtyrergeschichte der Gemeinde des HERRN uns zeigt, für die Smyrna hier als Typos steht, nicht nur der ersten drei Jahrhunderte.

    Christus ruft uns auf, dass wir in dieser Zeit treu sind, dann werden wir die Krone des Lebens, das ewige Leben in seiner Herrlichkeit, erben.

    V. 11: Wenn wir gerade in der Verfolgung überwinden, die Anfechtung, Versuchung zum Abfall überwinden, wenn wir also im Glauben bleiben, dann kann der andere Tod an uns nichts tun, nämlich die Verdammnis, Kap. 20,6.14; 21,8.

 

    V. 12-17: Sendschreiben an die Gemeinde zu Pergamus25

    V. 12: Christus spricht hier als der, der das zweischneidige Schwert hat, Hebr. 4,12.13; Kap. 1,13, der also mit dem Wort scheidet Seele und Leib, Mark und Bein – auch gegen die Irrlehre.

    V. 13: Christus kennt die Gemeinde, kennt ihr Umfeld, weiß, dass sie am Wort festhält und dass sie auch in der Verfolgung fest stand. Wie oft muss Gemeinde Jesu Christi in einem gänzlich un- oder auch antichristlichen Umfeld leben, wie hier die Gemeinde in Pergamus. Gerade da gilt es besonders, festzuhalten an Christi Lehre und keine Kompromisse zu machen, nicht mit falscher Lehre, nicht mit der Sünde.

    V. 14.15: Aber das enthebt sie nicht davon, gegen die falsche Lehre vorzugehen, sie nicht zu dulden, nicht Hurerei mit der Irrlehre zuzulassen. Sie darf auch Verweltlichung nicht zulassen, z.B. Unmoral, Ehebruch, Unzucht, Abtreibung, Geburtenbeschränkung, obszöne Literatur, Bilder, Filme, unzüchtige Kleidung, unzüchtigen Paartanz. Es gilt vor allem auch, keine Union einzugehen, weder mit falscher Lehre noch mit der Sünde. Darum sieht die rechte Kirche nicht auf große Zahlen, sondern auf die Treue in Lehre und Leben. Der Gefahr der Allerweltsunion, wie sie vor allem seit dem 4. Jahrhundert, als der Staat sich der Kirche näherte, besonders wuchs, ist die Gemeinde oft erlegen, hat sich mit dem Zeitgeist und den Mächtigen arrangiert, anstatt an Christi Wort zu bleiben. Diese Gefahr wird in der letzten Zeit wieder besonders groß.26

    V. 16: Christus ruft also gegenüber der Gleichgültigkeit zur Irrlehre zur Buße auf: Lehrreinheit ist ihm also sehr wichtig; ja, er droht sonst, selbst den Krieg gegen die Irrlehre zu führen.

    V. 17: Christus ruft zum Überwinden – auch zum Überwinden der Gleichgültigkeit, des Indifferentismus. Dann werden wir geistlich gestärkt, erhalten ein gutes Zeugnis und einen neuen Namen – den seines Volkes.

 

    V. 18-29: Sendschreiben an die Gemeinde zu Thyatira27

    V. 18: Christus redet hier als der, der alles sieht, der alles durchschaut, der auch gewaltig auftritt, vor dem nichts Falsches, Unheiliges bestehen kann. Christus tritt hier vor allem als der Richter auf!

    V. 19: Auch hier sieht Christus das Gute: die Liebe, den Dienst, den Glauben, die Geduld – und das ist ja viel.

    V. 20: Aber auch hier muss er, wie in Pergamus, Kritik üben: Sie haben eine Irrlehrerin und Verführerin bei sich, die auch in weitere Sünden verführt (Schon dass sie überhaupt zulassen, dass eine Frau Lehre treibt, verkündigt, ist ja schriftwidrig, s.a. 1. Kor. 14,34; 1. Tim. 2,9 ff.), nämlich zur Teilnahme am Götzenopfer, behauptend, damit würde das Heidentum überwunden, und zur Unzucht, behauptend, so würde das Fleisch getötet. Beide Male ist ja das Gegenteil der Fall. Verglichen mit den anderen Gemeinden, sieht es in Thyatira schon schlimmer aus: Die geistlich-theologische Verwirrung hat hier schon um sich gegriffen, die Bibeltreuen sind nur noch ein gedrücktes Häuflein, die nicht aufstehen gegen die Irrlehren und Verführungen. Diese Isebel ist auch ein Typos, ein Vorbild auf die große Hure, von der später die Rede ist, der antichristlichen Kirche, wie sie seit dem Mittelalter sich ausbreitete.28

    V. 21.22: Christus ruft zur Buße und droht, sonst zum Gericht zu kommen, die Sünde offenbar zu machen.

    V. 23: Wer ihr, der Irrlehrerin und Verführerin, anhängt, den wird Christus töten. Christus macht sich offenbar als der, der ins Verborgene sieht, auch das Verborgene beurteilt – und danach richtet. So übt der HERR selbst Gericht, damit auch die Augenzeugen und Zeitzeugen Ihn in seiner Heiligkeit erkennen.29

    V. 24: Aber die die, in aller Schwachheit, ihm nachfolgen, die will er nicht über Gebühr belasten.

    V. 25 f.: Wenn wir geistliche Güter haben, dann sollen wir darum ringen, dass wir sie behalten – dann sollen wir als Könige mit ihm herrschen, s.a. Ps. 2; Offenb. 12,15; 19,15; 1. Kor. 6,2. Dies geschieht teilweise schon in der Zeit, durch Gottes Wort, teilweise am Jüngsten Tag.

 

Kapitel 3: 1 Und dem Engel der Gemeinde zu Sardes schreibe: Das saget, der die Geister  Gottes hat und die sieben Sterne: Ich weiß deine Werke; denn du hast  den Namen, dass du lebest, und bist tot. 2  Sei wacker und stärke das andere, das sterben will; denn ich habe deine  Werke nicht völlig erfunden vor Gott. 3  So gedenke nun, wie du empfangen und gehöret hast, und halte es und tu  Buße! So du nicht wirst wachen, werde ich über dich kommen wie ein Dieb,  und wirst nicht wissen, welche Stunde ich über dich kommen werde. 4  Du hast auch wenig Namen zu Sardes, die nicht ihre Kleider besudelt haben;  und sie werden mit mir wandeln in weißen Kleidern; denn sie sind’s wert. 5  Wer überwindet, der soll mit weißen Kleidern angelegt werden, und ich  werde seinen Namen nicht austilgen aus dem Buch des Lebens, und ich will  seinen Namen bekennen vor meinem Vater und vor seinen Engeln. 6  Wer Ohren hat, der höre, was der Geist den Gemeinden sagt!

    7 Und dem Engel der Gemeinde zu Philadelphia schreibe: Das saget der Heilige,  der Wahrhaftige, der da hat den Schlüssel Davids, der auftut und niemand  zuschließet, der zuschließet und niemand auftut: 8  Ich weiß deine Werke. Siehe, ich habe vor dir gegeben eine offene Tür,  und niemand kann sie zuschließen; denn du hast eine kleine Kraft und  hast mein Wort behalten und hast meinen Namen nicht verleugnet. 9  Siehe, ich werde geben aus des Satanas Schule, die da sagen, sind Juden,  und sind’s nicht, sondern lügen. Siehe, ich will sie machen, dass sie  kommen sollen und anbeten zu deinen Füßen und erkennen, dass ich dich  geliebt habe. 10  Dieweil du hast behalten das Wort meiner Geduld, will ich auch dich  behalten vor der Stunde der Versuchung, die kommen wird über den ganzen  Weltkreis, zu versuchen, die da wohnen auf Erden. 11  Siehe, ich komme bald! Halte, was du hast, dass niemand deine Krone nehme! 12  Wer überwindet den will ich machen zum Pfeiler in dem Tempel meines  Gottes, und soll nicht mehr hinausgehen. Und will auf ihn schreiben den  Namen meines Gottes und den Namen des neuen Jerusalem, der Stadt meines  Gottes, die vom Himmel hernieder kommt, von meinem Gott, und meinen Namen,  den neuen. 13  Wer Ohren hat, der höre, was der Geist den Gemeinden sagt!

    14 Und dem Engel der Gemeinde zu Laodicea schreibe: Das saget Amen, der  treue und wahrhaftige Zeuge, der Anfang [Ursprung] der Kreatur Gottes: 15  Ich weiß deine Werke, dass du weder kalt noch warm bist. Ach, dass du kalt  oder warm wärest! 16  Weil du aber lau bist und weder kalt noch warm, werde ich dich ausspeien  aus meinem Munde. 17  Du sprichst: Ich bin reich und habe gar satt und bedarf nichts, und weißt  nicht, dass du bist elend und jämmerlich, arm, blind und bloß. 18  Ich rate dir, dass du Gold von mir kaufest, das mit Feuer durchläutert  ist, dass du reich werdest, und weiße Kleider, dass du dich antust, und  nicht offenbaret werde die Schande deiner Blöße; und salbe deine Augen  mit Augensalbe, dass du sehen mögest. 19  Welche ich liebhabe, die strafe und züchtige ich. So sei nun fleißig und  tu Buße! 20  Siehe, ich stehe vor der Tür und klopfe an. So jemand meine Stimme hören  wird und die Tür auftun, zu dem werde ich eingehen und das Abendmahl  mit ihm halten und er mit mir. 21  Wer überwindet, dem will ich geben, mit mir auf meinem Stuhl zu sitzen;  wie ich überwunden habe und bin gesessen mit meinem Vater auf seinem  Stuhl. 22  Wer Ohren hat, der höre, was der Geist den Gemeinden sagt!

 

    V. 1-6: Sendschreiben an die Gemeinde zu Sardes30

    V. 1: Christus spricht zur Gemeinde als der, der voll Geistes ist, der also die Fülle Gottes hat, weil er Gott ist, in dessen Hand die Gemeindeleiter sind, als der, der der Erzhirte der Gemeinde ist – und das ist gerade deshalb so wichtig, weil er ihr eine erschütternde Botschaft bringt.

    Sardes galt als eine lebendige Gemeinde, die viel tat. Vor Menschen galt sie etwas – aber in den Augen Christi war sie tot. Das Herz war leer, die Werke geschahen mechanisch, aus Tradition, ohne Glauben, denn die Gemeinde war im Weltwesen, im irdischen Sinn darnieder gegangen. Darum kann Christus sie in nichts loben. Das Bild ist das Bild einer geistlich toten Gemeinde, in der es nur noch ganz wenige Gläubige gibt. Zu allen Zeiten ist die Gefahr dazu sehr groß. In der Gesamtkirche ist dies auch ein Bild der Kirche im Osten wie im Westen etwa seit dem 11. Jahrhundert bis zur Reformation.31

    V. 2.3: Darum ist es so wichtig, dass Sardes zu den Ursprüngen zurückkehrt, dass es Reformation gibt, dass sie Buße tut, s.a. Eph. 5,14. Nur dann kann sie solche, die zu sterben drohen, die geistlich im Sterben liegen, stärken. Andernfalls kommt Christus im Gericht über sie, urplötzlich.

    Es geht Jesus Christus also nicht um irgendeine Aktivität, so fromm sie auch sein mag. Nein, es geht ihm in erster Linie um das Herz; daraus folgen dann die rechten Taten.

    V. 4: In der Gemeinde gab es nur wenige, die ihre Kleider nicht besudelt hatten, deren Herz noch recht am HERRN war, in Buße und Glauben.

    V. 5: Christus ruft uns auf zum Überwinden: die eigenen Vorstellungen, die eigene Frömmigkeit, die eigenen Wege – all das muss weg, damit wir ganz an Jesus Christus bleiben und ihm leben.

    Darum geht es, ganz und gar: um einen ernsten und entschiedenen Kampf zum Überwinden. Dann bleiben unsere Namen im Buch des Lebens, und Christus bekennt sich im Jüngsten Gericht zu uns.32

 

    V. 7-13: Sendschreiben an die Gemeinde zu Philadelphia33

    V. 7: Christus kommt als der Heilige, als der Wahrhaftige, dessen Wort Wahrheit ist – gerade auch dann, wenn er lobt und Verheißung gibt. Er ist es, der Türen öffnet und Türen schließt, s.a. Jes. 22,22 – wir können es nicht tun. Damit macht Er auch kund, dass Er der HERR der Mission ist, dass nicht wir die Mission planen können.

    V. 8: Philadelphia war äußerlich anscheinend keine großartige Gemeinde – aber sie war treu am Wort und folgte Christus von Herzen nach. So, wie er um die nutzlosen Werke von Sardes weiß, so weiß er auch um die Werke, die wahrhaftig sind und aus dem Glauben kommen. Er weiß, dass menschlich Philadelphia nur eine kleine Kraft hat – aber Christus hat eine offene Tür gegeben. Und wenn Christus eine offene Tür gibt, dann  kann niemand hindern, dann sollen wir dadurch eingehen, nicht zögern, nicht rechnen, sondern im Namen Christi wirken. Und das hat Philadelphia gemacht, hat dabei festgehalten am Wort, hat Christus nicht verleugnet, sondern bekannt. Philadelphia ist auch ein Bild der Kirche Christi, die in der lutherischen Reformation erneuert wurde und das Evangelium Christi, das reine Wort und Sakrament wieder auf den Leuchter stellte, trotz aller Widerstände.34

    Wir lesen von keiner Kritik des HERRN an Philadelphia. Das heißt sicher nicht, dass es da nichts zu kritisieren gegeben hätte; aber weil sie rechtschaffen im Glauben und in der Liebe war, deckt der HERR alle Gebrechen zu.35

    V. 9: Und nun gibt Christus noch dazu, gibt einen großen Sieg: Nämlich dass solche, die falsche Brüder sind, überwunden werden – Christus überwindet sie, Er gibt, dass sie kommen und niederfallen und anbeten. Christus ist der HERR in allem.

    V. 10: Und dann gibt es Philadelphia noch eine großartige Zusage: Die Gemeinde hat in Geduld, in aller Bedrängnis, festgehalten am Wort der Wahrheit – darum, Matth. 10,32.33, bekennt sich Christus zu ihr, gerade in der Stunde der Versuchung. Da trägt er hindurch, die an ihn sich halten.

    V. 11: Darum: Wir sollen festhalten, was wir haben, denn wir werden angefochten, sollen festhalten am reinen Wort und Sakrament, an der ewigen Wahrheit.

    V. 12: Wenn wir die Bedrängnis, die Trübsal überwinden, wenn wir fest bleiben an Christus – dann werden wir Pfeiler sein in seinem Tempel, feste Träger seiner Gemeinde, angetan mit dem Namen Gottes und des neuen Jerusalem.

 

    V. 14-22: Sendschreiben an die Gemeinde zu Laodicea36

    V. 14: Christus kommt hier als der, dessen Wort Amen, unumstößlich, ist, als der Ursprung (griechisch: archee) der Schöpfung Gottes, als der Schöpfer, der Allmächtige, der darum auch hat, was wir benötigen, der auch alles weiß und alles ausführen kann.

    V. 15: Das Urteil über Laodicea ist schrecklich: Die Gemeinde meint, es sei doch alles in Ordnung – aber sie ist völlig verweltlicht, ist ohne den Geist Gottes, ist völlig tot, weder warm (gläubig) noch kalt (erklärtermaßen ungläubig), sondern gleichgültig, scheinheilig, in äußerlicher Frömmigkeit. Das ist das Schlimmste, denn sie setzt sich deshalb nicht mehr mit Christus auseinander, sie eifert nicht mehr für die biblische Wahrheit, sondern will alles verbinden, sucht nach Allianz, Union, Einheit in Vielheit, Ökumene. Alles andere ist für sie Fanatismus oder, wie man heute dann sagt: Fundamentalismus. Und das Ergebnis? V. 16: Christus wird sie ausspeien, verwerfen.

    V. 17: Die Gemeinde ist satt, oberflächlich und mit dem Äußeren zufrieden, sucht nicht das wahre Leben, sondern meint, man könne Welt und Kirche vereinen, ausgleichen, öffnet der Verweltlichung die Tür. Ist das nicht auch ein Bild unserer Zeit, in der viele christliche Kreise meinen, durch Abschwächung der biblischen Lehre, durch Zurücktreten der Verkündigung des Gesetzes, der Sünde, des Rufes zur Umkehr, zur Heiligung die Menschen anzuziehen, besonders wenn die Gottesdienste dann als Unterhaltung angeboten werden, mit moderner Musik, mit Theater. Man will „anziehend“ wirken und vermeiden, dass die Menschen sich durch Gottes Wort zu sehr bedrängt, vielleicht sogar angegriffen fühlen.37 Tatsächlich aber ist sie geistlich arm, blind, bloß. Wer meint, ohne Christus, ohne Herzensbuße und Herzensglauben leben zu können, der geht unter, der hat schon alles verloren.

    Aber selbst da, wo man Bekehrung, Heiligung noch ernst nimmt, geht es oft doch wenig um wirkliche biblische Erkenntnis, ist reformatorische Theologie oft wenig gefragt. Hat nicht gerade dies in den letzten Jahrzehnten dazu geführt, dass die evangelikalen Kreise so offen geworden sind für alle möglichen schwarmgeistigen Erscheinungen (Pfingstler, Charismatiker, Willow Creek, Saddleback, Emerging Church)? Ist es nicht auch zuletzt aus diesen Kreisen, die im 19. Jahrhundert eine durchaus bewundernswürdige missionarische und diakonische Aktivität entfalteten, die ökumenische Bewegung, der ökumenische Ungeist hervorgekommen, der von biblischer Wahrheit, von konfessioneller Klarheit nichts wissen wollte, sondern die Bekenntnisse vermischte, wie etwa der CVJM (Christlicher Verein Junger Menschen), EC (Jugendbund Entschieden für Christus), Evangelische Allianz, Weltmissionsrat zeigten?

    Arm sind sie am reinen Wort und Sakrament; blind sind sie, weil die geistliche Erkenntnis, das geistliche Unterscheidungsvermögen fehlt, was Wahrheit ist und was nicht; bloß sind sie, weil die rechten Werke fehlen, die aus dem schlichten, nüchternen Glauben kommen, die man oft ersetzt durch selbsterwählte Werke der eigengebastelten Frömmigkeit.38 Laodicea ist gerade auch das Bild der Kirche in der letzten Zeit, die offen ist für die Welt, die ein Schein- und Allerweltschristentum hat und nur noch hier und da etliche Gläubige.

    V. 18: Darum müssen wir immer wieder, mit leeren Händen, Matth. 5,3, zu Christus kommen, dass wir ALLES von ihm empfangen. Nur von Ihm können wir das wahre, durchläuterte Gold des Glaubens bekommen, nicht in uns ist es, sondern in seinem wahrhaftigen, lauteren Wort. Nur Er kann uns die weißen Kleider der Gerechtigkeit geben, denn wir haben die Gerechtigkeit nicht von uns; nur Er kann unsere Sünde bedecken.

    V. 19: Christus ringt um die Gemeinde – weil er sie liebt. Darum züchtigt er sie und ruft zur Buße, zur Umkehr.

    V. 20: Christus steht vor der Tür des Herzens und klopft an – er bricht nicht ein. Er klopft an durch sein Evangelium. Wer seine Stimme hört und im Glauben annimmt, der öffnet dann auch im Glauben, durch das Evangelium, und Christus hat die innigste Gemeinschaft mit ihm. Christus klopft hier also an, damit wir im Glauben teilhaben an seiner Herrlichkeit. Das aber kann nur, wer hier ein Leben im Glauben, in steter Herzensbuße, täglicher Bekehrung, konsequenter Nachfolge gelebt hat.39

    V. 21: Wer in steter Buße überwindet, der wird mit Christus auf dem Thron sitzen!

 

III. Die Majestaet und das Lamm Gottes (Kapitel 4-5)

 

Kapitel 4: 1 Danach sah ich, und siehe, eine Tür ward aufgetan im Himmel; und die  erste Stimme, die ich gehöret hatte mit mir reden als eine Posaune, die  sprach: Steig her; ich will dir zeigen, was nach diesem geschehen soll.

    2  Und alsobald war ich im Geist. Und siehe, ein Stuhl ward gesetzt im  Himmel, und auf dem Stuhl saß einer. 3  Und der da saß, war gleich anzusehen wie der Stein Jaspis und Sardis;  und ein Regenbogen war um den Stuhl, gleich anzusehen wie ein Smaragd. 4  Und um den Stuhl waren vierundzwanzig Stühle; und auf den Stühlen saßen  vierundzwanzig Älteste, mit weißen Kleidern angetan, und hatten auf  ihren Häuptern güldene Kronen. 5  Und von dem Stuhl gingen aus Blitze, Donner und Stimmen; und sieben  Fackeln mit Feuer brannten vor dem Stuhl, welches sind die sieben Geister  Gottes. 6  Und vor dem Stuhl war ein gläsern Meer gleich dem Kristall und mitten im  Stuhl und um den Stuhl vier Tiere voll Augen, vorne und hinten. 7  Und das erste Tier war gleich einem Löwen, und das andere Tier war gleich  einem Kalbe, und das dritte hatte ein Antlitz wie ein Mensch und das  vierte Tier gleich einem fliegenden Adler. 8 Und ein jegliches der vier Tiere hatte sechs Flügel umher, und waren  inwendig voll Augen; und hatten keine Ruhe Tag und Nacht und sprachen:  Heilig, heilig, heilig ist Gott, der HERR, der Allmächtige, der da war,  und der da ist, und der da kommt!

    9  Und da die Tiere gaben Preis und Ehre und Dank dem, der auf dem Stuhl  saß, der da lebet von Ewigkeit zu Ewigkeit, 10  fielen die vierundzwanzig Ältesten vor den, der auf dem Stuhl saß, und  beteten an den, der da lebet von Ewigkeit zu Ewigkeit, und warfen ihre  Kronen vor den Stuhl und sprachen: 11  HERR, du bist würdig, zu nehmen Preis und Ehre und Kraft; denn du hast  alle Dinge geschaffen, und durch deinen Willen haben sie das Wesen und  sind geschaffen.

 

    Kapitel 4 und 5 gehen den eigentlichen Weissagungen über die Zukunft der Gemeinde Jesu Christi voran, geben einen Blick in den Himmel, zeigen damit an, dass Gott der HERR auch der Welt und ihrer Geschichte ist und somit alles, auch das Schwere, das kommt, von ihm kommt und uns zum Segen dienen soll, Röm. 8,28.

 

DAS ZWEITE GESICHT (4,1-8,1)

    V. 1: Es ist im HIMMEL (während bisher alles auf der Erde war), es geht um das ZUKÜNFTIGE, darum, wie es der Gemeinde Jesu Christi in der Welt ergeht bis zum Jüngsten Tag. Die „erste Stimme“ ist, s. Kap. 1,13, die Stimme Jesu Christi. „Darnach“ zeigt an, dass das zweite Gesicht beginnt.

    V. 2: Johannes ist IM GEIST, in diesem wird er in den Himmel versetzt. Was er dort sieht, ist ein Stuhl, ein Bild des Thrones Gottes.40

    V. 3: s.a. Offenb. 1; Dan. 7; Hes. 1,28: Gott in seiner Größe und Herrlichkeit, s.a. 1. Tim. 6,1641. Diese drei Edelsteine waren einst auch im Brustschild des Hohenpriesters zu finden gewesen42:

    Jaspis (lichtfarben): die Heiligkeit Gottes; nicht transparent: Gott ist unerforschlich43

    Sardis (feuerrot): die Gerechtigkeit Gottes, Gott ist wie ein brennendes Feuer in seinem Zorn, Hes. 1,4, aber auch in seiner Liebe44

    Smaragd (regenbogen-farben): der Bund Gottes, der alles umschließt, s.a. Hes. 1,2; das Band der Gnade; ein Bild der Liebe und Güte Gottes45, Hoffnung für die Sünder46, zugleich wie ein Smaragd, aufzeigend, dass Gottes Gnade und Treue unwandelbar ist47.

    V. 4: s.a. 1. Chr. 25,5.7: die 24 Priesterordnungen, bilden ab die Ältesten im Himmel; 2x12 = 12 Stämme des alttestamentlichen Israels und 12 neutestamentliche Apostel: Sie stehen also für die Gemeinde des Messias im Alten und im Neuen Bund48.

    Weiße Kleider: rein (durch Christi Blut), im Himmel ist alle Sünde für immer hinweg49; Kronen: königliche Priester, s.a. Kap. 1,6; 2. Mose 19,6; 1. Petr. 2,9

    Sitzen um den Stuhl: Der HERR ist im Zentrum

    V. 5: Von Gott gehen aus Blitze, Donner, Stimmen: Zorn und Gericht, so erscheint der HERR in seiner richtenden Herrlichkeit, s.a. 2. Mose 19,16; Hiob 37,2.50

    Sieben Fackeln sind die sieben Geister Gottes, s.a. Jes. 11,2; Offenb. 1,4; 7,1: der vollkommene (sieben!) Geist Gottes, der ausgeht von Gott selbst, der die Gerichte Gottes auf Erden begleitet durch die Predigt des Evangeliums, dass immer noch Menschen errettet werden durch das Wort51.

    V. 6: Das gläserne Meer vor dem Stuhl: s. Kap. 15,2; 22,1: Ort der Versammlung der Gemeinde: rein, klar, Bild des ewigen Lebens mit seiner Ruhe, seinem Frieden, seiner nie endenden Freude52. Die Ströme, die von diesem Meer ausgehen, sind Ströme des Gerichtes und der Gnade Gottes.53

    Mitten im Stuhl, um den Stuhl vier Tiere (Lebewesen) voll Augen: Gott sieht alles, durchdringt alles, geht in alle vier Himmelsrichtungen, s.a. Hes. 1,10, damit sein Wort hinausgehe in alle Welt54.

    V. 7: Der Inhalt der Botschaft wird charakterisiert:

    V. 8: Die Tiere stehen für Gottes Boten, die ihm dienen, s.a. Hes. 1; 10, deren erster und vornehmster Dienst ist aber, GOTT ANZUBETEN, s.a. 1. Sam. 4,4; 2. Kge 19,15; Ps. 80,2; Jes. 37,16 und Gottes Wort auszubreiten in der ganzen Welt:

    Löwe: Macht und Mut

    Ochse: Stärke und Geduld im Wirken; aber auch ein Bild der Kraft des Opferblutes des Neuen Testaments55

    Mensch: Intelligenz; in ihm tut sich auch Gottes Freundlichkeit und Leutseligkeit kund56

    Adler: zielgerichtete Aktivität

    V. 10.11: ANBETUNG DES HERRN DURCH DIE GEMEINDE. Sie gibt ihm alle Ehre, auch die Kronen. Er hat alles aus Nichts geschaffen, von Ihm hängt alles ab.

    ZUSAMMENFASSEND: GLANZ UND HERRLICHKEIT GOTTES IM HIMMEL, GEPRIESEN DURCH DIE ENGEL UND DIE GEMEINDE.

 

 

DER ERSTE ZYKLUS ODER DIE GESAMTE NEUTESTAMENTLICHE ZEIT – DAS BUCH DER SIEBEN SIEGEL (5,1-8,1)

 

Kapitel 5: 1 Und ich sah in der rechten Hand des, der auf dem Stuhl saß, ein Buch,  geschrieben inwendig und auswendig, versiegelt mit sieben Siegeln. 2  Und ich sah einen starken Engel predigen mit großer Stimme: Wer ist  würdig, das Buch aufzutun und seine Siegel zu brechen? 3  Und niemand im Himmel noch auf Erden noch unter der Erde konnte das Buch  auftun und hineinsehen. 4  Und ich weinte sehr, dass niemand würdig erfunden ward, das Buch aufzutun  und zu lesen noch hineinzusehen. 5  Und einer von den Ältesten spricht zu mir: Weine nicht! Siehe, es hat  überwunden der Löwe, der da ist vom Geschlecht Judas, die Wurzel Davids,  aufzutun das Buch und zu brechen seine sieben Siegel.

    6 Und ich sah, und siehe, mitten im Stuhl und den vier Tieren und mitten  unter den Ältesten stund ein Lamm, wie es erwürget wäre, und hatte sieben  Hörner und sieben Augen, welches sind die sieben Geister Gottes, gesandt  in alle Lande. 7  Und es kam und nahm das Buch aus der rechten Hand des, der auf dem Stuhl  saß. 8  Und da es das Buch nahm, da fielen die vier Tiere und die vierundzwanzig  Ältesten vor das Lamm und hatten ein jeglicher Harfen und güldene Schalen  voll Räuchwerks, welches sind die Gebete der Heiligen, 9  und sangen ein neu Lied und sprachen: Du bist würdig, zu nehmen das Buch  und aufzutun seine Siegel; denn du bist erwürget und hast uns Gott  erkauft mit deinem Blut aus allerlei Geschlecht und Zungen und Volk und  Heiden 10  und hast uns unserm Gott zu Königen und Priestern gemacht, und wir werden  Könige sein auf Erden. 11  Und ich sah und hörte eine Stimme vieler Engel um den Stuhl und um die  Tiere und um die Ältesten her; und ihre Zahl war viel tausendmal tausend. 12  Und sprachen mit großer Stimme: Das Lamm, das erwürget ist, ist würdig,  zu nehmen Kraft und Reichtum und Weisheit und Stärke und Ehre und Preis  und Lob. 13  Und alle Kreatur, die im Himmel ist und auf Erden und unter der Erde und  im Meer, und alles, was drinnen ist, hörte ich sagen zu dem, der auf  dem Stuhl saß, und zu dem Lamm: Lob und Ehre und Preis und Gewalt von  Ewigkeit zu Ewigkeit! 14  Und die vier Tiere sprachen: Amen. Und die vierundzwanzig Ältesten fielen  nieder und beteten an den, der da lebet von Ewigkeit zu Ewigkeit.

 

    V. 1: Das versiegelte Buch ist bei Gott: bei Gott allein liegt die Zukunft, auch die Not, denn er allein bestimmt alles, s. Hes. 2,9 f; Apg. 4,8; Kap. 4,1. Das Buch ist beschrieben innen und außen: Bücher in unserem Sinne gab es damals nicht, sondern Pergamentrollen, die normalerweise nur auf einer Seite beschrieben waren; diese aber ist beidseitig beschrieben, da bei Gott alles voll und vollendet ist und es die Fülle der göttlichen Gedanken enthält, nichts nachgetragen werden kann und muss.57

    V. 2.3: Niemand ist würdig als allein Gott – nur durch ihn haben wir Würde, nicht aus uns. So, wie kein Mensch das Buch öffnen kann, so kann auch kein Mensch aus sich heraus den Ratschluss Gottes, in diesem Buch verzeichnet, ausführen. Bei Gott allein liegt die Zukunft, Er allein hat sie in Händen.58

    V. 5: CHRISTUS: der Löwe aus dem Geschlecht Juda: Er hat die Sünde überwunden, s.a. 1. Mose 49,8-12; Jes. 11.

    Er allein darf auftun: Bei Gott allein alle Macht, alle Zukunft; es kommt ALLES aus Christi Hand.

    V. 6: Das Lamm, das erwürgt ist: Christus, das Lamm Gottes, das der Welt Sünde trägt, s.a. Joh. 1,29; Jes. 53 – als solches ist Er König, als solcher ist er auch das Zentrum, der Mittelpunkt, auch der Mittelpunkt aller Verkündigung. Auch als der erhöhte HERR trägt er noch die Zeichen seiner Wunden an sich, Joh. 20,27. An diesen Wunden wird er auch bei seinem Wiederkommen erkannt werden.59

    Sieben Hörner: Vollmacht, Allmacht, Joh. 20,27; 1. Kor. 5,7; als der Erhöhte ist er auch der Allmächtige, hat er auch Vollmacht, mit seinem Vater zusammen die Siegel zu öffnen60; sieben Augen: sieben Geister, s.a. Jes. 11,2: der Geist Gottes; Christus sendet den Geist, Sach. 2,9; 4,10; Joel 2,28. Was immer der Heiland jetzt auf der Erde wirkt, das wirkt er durch den Heiligen Geist.61

    Christus, wahrer Gott, der Allmächtige, der einzige Mittler, s.a. 1. Tim. 2,5. Wie der Vater, so hat auch der Sohn die Herrschaft über alle Dinge und führt sie zu Seinem Ziel und Ende.62

    V. 8: Dem Lamm gebührt alle Ehre, Joh. 5,23; Hebr. 1,6; Phil. 2,11: Gebet (Räuchwerk), Lobgesang. Das Räuchwerk steht für die Gebete der Heiligen auf Erden. Welch eine Ermutigung für uns zum Gebet! Irdischer und himmlischer Lobgesang vereinen sich. Die Ältesten fallen nieder vor dem Lamm, erweisen ihm die göttliche Ehre und bezeugen so auch die persönliche Vereinigung der beiden Naturen in Christus.63

    V. 9: Christus wird gepriesen eben als der Erlöser, das Lamm Gottes für uns: DAS BLEIBT IMMER IM ZENTRUM, 1. Kor. 2,2; 1,18 ff. Christus ist auch der rechte Mann, die Gemeinde zu regieren – und er regiert auch die Welt, und zwar zum Besten seiner Gemeinde. Er führt sein erlöstes Volk zur Herrlichkeit.64

    V. 10: Wir sind schon zu Königen und Priestern gemacht, werden es auch sein im neuen Jerusalem, Kap. 21,1 ff. Darum sollen wir auch unseren Heiland rühmen, ihn ehren und anbeten.

    V. 11 f.: Die Engel stimmen ein in den Lobgesang.

    V. 13: Alle Kreatur muss Ihn anbeten, Phil. 2,11.65

    ZUSAMMENFASSEND: Kapitel 5 bringt die Überleitung zu dem zukünftigen Geschehen – aber es ist alles gegründet in Christus, dem Heiland, er hat ALLES in seiner Hand (V. 5-7) – und Er kommt zum Ziel, V. 11-14: Die Fülle der Schöpfung preist Ihn.

 

 

IV. Die Zukunft der Gemeinde Jesu Christi in dieser Welt, dargestellt in verschiedenen Zyklen (Kapitel 6-20)

 

A) Die Kirche in den allgemeinen, alle Welt betreffenden, Plagen bis zum Endgericht (Die ersten sechs Siegel. Kapitel 6)

 

Kapitel 6: 1 Und ich sah, dass das Lamm der Siegel eins auftat. Und ich hörte der vier  Tiere eines sagen als mit einer Donnerstimme: Komm und siehe zu! 2  Und ich sah, und siehe, ein weiß Pferd, und der darauf saß, hatte einen  Bogen; und ihm ward gegeben eine Krone; und er zog aus zu überwinden,  und dass er siegte.

    3 Und da es das andere Siegel auftat, hörte ich das andere Tier sagen:  Komm und siehe zu! 4  Und es ging heraus ein anderes Pferd, das war rot; und dem, der darauf saß,  ward gegeben, den Frieden zu nehmen von der Erde, und dass sie sich  untereinander erwürgten; und ihm ward ein groß Schwert gegeben.

    5  Und da es das dritte Siegel auftat, hörte ich das dritte Tier sagen:  Komm und siehe zu! Und ich sah, und siehe, ein schwarz Pferd, und der  darauf saß, hatte eine Waage in seiner Hand. 6  Und ich hörte eine Stimme unter den vier Tieren sagen: Ein Maß Weizen  um einen Groschen und drei Maß Gerste um einen Groschen; und dem Öle  und Wein tu kein Leid.

    7  Und da es das vierte Siegel auftat, hörte ich die Stimme des vierten  Tieres sagen: Komm und siehe zu! 8  Und siehe, und ich sah ein fahles Pferd, und der darauf saß, des Name hieß  Tod, und die Hölle folgte ihm nach. Und ihnen ward Macht gegeben, zu  töten das vierte Teil auf der Erde mit dem Schwert und Hunger und mit  dem Tod und durch die Tiere auf Erden.

    9 Und da es das fünfte Siegel auftat, sah ich unter dem Altar die Seelen  derer, die erwürget waren um des Wortes Gottes willen und um des Zeugnisses  willen, das sie hatten. 10  Und sie schrieen mit großer Stimme und sprachen: HERR, du Heiliger und  Wahrhaftiger, wie lange richtest du und rächst nicht unser Blut an denen,  die auf der Erde wohnen? 11  Und ihnen wurde gegeben einem jeglichen ein weiß Kleid; und ward zu ihnen  gesagt, dass sie ruhten noch eine kleine Zeit, bis dass vollends dazukämen  ihre Mitknechte und Brüder, die auch sollten noch getötet werden gleich  wie sie.

    12  Und ich sah, dass es das sechste Siegel auftat; und siehe, da ward ein  großes Erdbeben, und die Sonne ward schwarz wie ein härener Sack, und  der Mond ward wie Blut. 13  Und die Sterne des Himmels fielen auf die Erde, gleichwie ein Feigenbaum  seine Feigen abwirft, wenn er von großem Winde bewegt wird. 14  Und der Himmel entwich wie ein eingewickelt Buch; und alle Berge und  Inseln wurden bewegt aus ihren Örtern. 15  Und die Könige auf Erden und die Obersten und die Reichen und die Hauptleute  und die Gewaltigen und alle Knechte und alle Freien verbargen sich in  den Klüften und Felsen an den Bergen 16  und sprachen zu den Bergen und Felsen: Fallet auf uns und verbergt uns  vor dem Angesichte des, der auf dem Stuhl sitzt, und vor dem Zorn des  Lammes; 17  denn es ist kommen der große Tag seines Zorns, und wer kann bestehen?

 

    Vergleiche: Matth. 24. Die Auslegung der Offenbarung als eines prophetischen Buches muss geschehen durch das übrige helle und klare Gotteswort. Bei all dem schrecklichen Inhalt der nun folgenden Siegel darf eines nicht vergessen werden – nämlich das Ziel, das Johannes schon am Ende des 5. Kapitels sehen durfte, das gesegnete Ende, die Herrlichkeit im Himmel.66

    Von Kapitel 6,1 bis 16,21 folgen drei prophetische Visionen oder Gesichte über Ereignisse hier auf der Erde. Jedes Gesicht beinhaltet sieben Szenen. Sieben ist die göttliche Vollzahl, womit deutlich gemacht wird, dass jedes der Gesichte den ganzen Zeitraum bis zum Ende umfasst. Die ersten fünf Szenen umfassen jeweils den Zeitraum von Christi Himmelfahrt bis zur letzten Schlacht (Harmageddon, 16,16); die sechste Szene im zweiten und dritten Gesicht behandelt diese Schlacht; die sechste Szene im ersten sowie die siebten Szenen in den beiden anderen Gesichten bilden das Ende der Welt ab.67

    Bei den Vorgängen geht es nicht um Detailereignisse der Menschheitsgeschichte, sondern es werden Bedingungen, Umstände, Situationen, Bewegungen dargelegt, in denen sich die Menschen im Laufe der Geschichte immer wieder befinden. Es geht darum, uns die Folgen der Sünde vor Augen zu führen, Gottes endgültiges schreckliches Gericht – und so zur Umkehr zu rufen.68 

    V. 1: Das Lamm, Christus, öffnet das erste Siegel: von IHM geht alles aus, ER ist der HERR der Geschichte. Es geht hier zunächst um die leiblichen und zeitlichen Nöte der Gemeinde Christi auf Erden.69

    V. 2: DAS ERSTE SIEGEL: s.a. Kap. 19,11-16: Wer ist nun der Reiter auf dem weißen Pferd? Ist es derselbe, der auch in Kap. 19, 11-16 verheißen ist, Christus, der Sieger? Nein. Zum einen gehören die vier apoklyptischen Reiter zusammen (s.a. Sach. 1,8-10; 6,1-5.7), da passt Christus nicht hinein. Rosse stehen nicht für Frieden, sondern für Kampf. Dieses Gesicht knüpft auch an Hes. 14,12-23 an, wo Schwert, Hunger, Plagen und wilde Tiere Gottes Gericht über das abgefallene Jerusalem bringen. Dann ist es so, dass Christus nie mit der Kriegswaffe des Bogens dargestellt wird, sondern mit dem richtenden Schwert. Christi Sieg folgen nicht Krieg, Hunger, Katastrophen. Christus zieht aus, um zu richten und Gerechtigkeit aufzurichten (19,11), der Reiter hier, um zu erobern, Macht zu bekommen. Ist es der Antichrist selbst? Dafür spräche das weiße Pferd, die Nachäffung Christi und seiner Reinheit. Dagegen aber spricht die Krone hier auf Erden, es geht um totalen Sieg, Eroberung. In der Offenbarung werden sonst nur Dämonen (12,3) und Satan (12,9) mit Kronen beschrieben. Aber der Antichrist wird in der Offenbarung nicht als Reiter, sondern als Hure dargestellt. Wofür also steht der weiße Reiter? Er steht für die weltliche antichristliche Macht, die Tyrannei, die rücksichtslos ihre Macht ausbaut, missbraucht, andere unterwirft, auch riesige Reiche mit Gewalt sich aneignet, Menschen, Völker, Institutionen sich unterwirft und versklavt. Diese tyrannischen Systeme haben gerade in der letzten Zeit ja immer deutlicheren antichristlichen und damit auch totalitären Charakter angenommen und können sich in der Form der Regierung, des Unterrichts, des Wirtschaftssystems zeigen, oft auch alles zusammen, aber auch im privaten Bereich, wo Menschen rücksichtslos Macht über andere ausüben. Oft wird für sie dann noch göttliche Autorität reklamiert, ja, in der neuesten Zeit, in der ein öko-humanistischer Totalitarismus in der westlichen Welt aufzieht, geschieht dies im Namen der („emanzipatorischen“) Demokratie, der Toleranz, der Antidiskriminierung, eine Ideologie, die keine dagegenstehende Meinung mehr duldet.70

    V. 3.4: DAS ZWEITE SIEGEL: Auch das zweite Siegel wird von Christus geöffnet: Kriege und Kriegsgeschrei, eines der Kennzeichen der Endzeit, ja, des Lebens auf Erden, Matth. 24,6. Christus will mit seinem Wort Frieden auf Erden bringen, zuerst den Frieden mit Gott, aber als Frucht auch den äußeren Frieden. Aber der Teufel duldet es nicht, denn er ist ein Mörder von Anfang, Joh. 8,44. Ja, Satan wütet umso stärker auch mit äußeren Unfrieden, wenn er merkt, dass das Wort durch die Welt läuft.71

    Dem, der auf dem Pferd sitzt, ist Macht gegeben: auch in dem allem bleibt Gott der HERR, d.h. Kriege sind auch Gerichtshandeln Gottes. Das soll uns in all dem Schrecklichen ein Trost bleiben.

    V. 5.6: DAS DRITTE SIEGEL: Das dritte Siegel (schwarzes Pferd: Trauer) bringt die Teuerung, Inflation, Wirtschafts- und Finanzkrisen, Hunger und Elend, s.a. Matth. 24,7. Es ist Gericht Gottes über eine Welt, die ihn nicht hören will, s.a. 3. Mose 26,26.72 Weizen und Gerste gehörten zu den Hauptnahrungsmitteln im Orient. Aber: Dem Öl und Wein tue kein Leid. Sie gehören nicht zum täglichen Bedarf, sondern zum Luxus. Hier zeigt sich das Unrecht, wie es in allen Gesellschaften herrscht: Die Krisen treffen die Armen, den Reichen geht es weiter gut.

    V. 7.8: DAS VIERTE SIEGEL: Das vierte Siegel ist gekennzeichnet von Tod und Verderben durch zahlreiche Plagen: Krieg, Hunger, Tod, wilde Tiere, Katastrophen, Krankheiten (s. heute: Krebs, Aids, Erdbeben, Tsunamis). Dies ist auch ein Gerichtshandeln Gottes über diejenigen, die sein Wort verachten und sich durch die bisherigen Gerichte nicht haben bessern lassen wollen (vgl. 3. Mose 26,14 ff.; Hes. 14,21.22; Matth. 24,7; s. die Flutkatastrophe in New Orleans, einer Stadt voll Okkultismus, Esoterik; die Erdbebenkatastrophe in Haiti 2010, einem Land, geprägt vom heidnischen Voodoo-Kult). Christen müssen wohl auch die äußeren Plagen mit ertragen und, wenn es Gottes Rat ist, darinnen umkommen, aber selbst das soll ihnen zum Besten dienen, während die Gottlosen durch diese Katastrophen in die Hölle fahren.73

    V. 9-11: DAS FÜNFTE SIEGEL: Hier treten die Seelen der Märtyrer der Gemeinde Jesu Christi hervor. Sie rufen zum Gericht an den Feinden der Gemeinde Jesu. Ihr Tod ist kostbar in den Augen Gottes. Kein Leiden der Gläubigen auf Erden wird vergessen bei ihm. Noch ist Gnadenzeit, aber wenn sie abgelaufen ist, kommt die strenge göttliche Gerechtigkeit, die das Blut der Seinen rächen wird, 5. Mose 32,43.

    Die Seelen der Gläubigen sind es, die hier zum HERRN rufen. Sie sind ja noch in dem Zwischenzustand zwischen leiblichen Tod und leiblicher Auferstehung am Jüngsten Tag. Aber sie sind durchaus in bewusster Gegenwart des HERRN – und wissen auch, dass der Gerichtstag noch nicht gekommen und damit die Leiden auf Erden weiter gehen.74

    Sie werden mit weißen Kleidern angetan, dem Zeichen himmlischer Vollkommenheit und ewiger Herrlichkeit; noch weitere Märtyrer sollen hinzu kommen – dann aber, am Jüngsten Tag, wird der Tag der Rache, des Gerichts kommen.

    Das fünfte Siegel kündigt also – in all dem äußeren Leid der Welt – auch Verfolgung der Gemeinde Jesu Christi an (Matth. 24,9), verheißt aber zugleich auch das Hindurchgetragenwerden. Die Gemeinde Jesu Christi hat in dieser Welt nichts Besseres zu erwarten, sie bleibt hier auf Erden die kämpfende Kirche.75

    V. 12-17: DAS SECHSTE SIEGEL: Nun wird der Bitte der Märtyrer entsprochen und das ENDGERICHT bricht an; s.a. Matth. 24; Joel 3; Luk. 21. (Jeder Zyklus endet mit einer Darstellung des Jüngsten Tages.)

    V. 12: großes Erdbeben, Sonne und Mond verlieren ihr Licht, s.a. Kap. 16,18: bei der siebten Schale des Zorns leiten Erdbeben das Ende ein. Die Weissagung aus Hab. 2,6-7, die auch Hebr. 12,26-28 anführt, wird aufgegriffen: Wenn alles Erschaffene wankt und zerbricht, bleiben nur die unbeweglichen, unveränderlichen Dinge Gottes.76

    s.a. Luk. 21,25: Zeichen an Sonne, Mond und Sternen gehen dem Gericht voran und machen die Leute bange.

    Matth. 24,29: Nach der Trübsal (Offenb. 6,9-11) verlieren Sonne und Mond den Schein, die Sterne fallen vom Himmel, die Himmelskräfte bewegen sich – hier vollzieht es sich nun. s.a. Jes. 13,10: die Zerstörung Babylons als Vorbild des Endgerichts; Joel 3,3 f.: der Abschluss der Endzeit: die Sonne soll in Finsternis, der Mond in Blut verwandelt werden; das geht dem Gericht voraus.

    V. 13: Das wurde ebenfalls mit angekündigt: Die Himmelskräfte bewegen sich (Matth. 24,29).

    Jes. 34,4: Gottes Zorn und Gericht erweisen sich daran a) dass die Gestirne zum Ende kommen; b) der Himmel eingewickelt wird, vergeht, s.a. 2. Petr. 3.

    V. 14: Der Himmel vergeht, wird eingewickelt, die Erde selbst bewegt sich, alles ist in Rumor, Aufruhr, die Naturkräfte lässt Gott los; s.a. Offenb. 20,11: das ist das Gericht.

    2. Petr. 3,10: Schließlich werden die Himmel zergehen in großem Krachen; die Elemente zerschmelzen vor Hitze, die Erde verbrennt; s.a. Hebr. 1,11 f.: Dieser Himmel und die Erde vergehen, Gott schafft einen neuen Himmel und eine neue Erde. s.a. Ps. 102,27: GOTT ABER BLEIBT.

    V. 15 f.: Es ist der Schrecken gerade auch über die Mächtigen gekommen, die doch sonst so oben auf sind; jetzt aber verbergen sie sich, denn sie merken, dass es kein Entrinnen gibt.

    Luk. 23,30: Es ist das Gericht, wie es sich schon an Jerusalem zeigte.

    Der Zorn des Lammes: Er ist zu unserer Erlösung gekommen – wer ihn aber verwirft, muss ihm als dem Richter begegnen.

    V. 17: DER JÜNGSTE TAG IST DA.77

 

B) Die Vollzahl der Auserwaehlten beim HERRN, oder: Der Trost der Gemeinde Jesu Christi in allen Plagen und Anfechtungen bis zum Endgericht (Kapitel 7)

 

Kapitel 7: 1 Und danach sah ich vier Engel stehen auf den vier Ecken der Erde, die  hielten die vier Winde der Erde, auf dass kein Wind über die Erde bliese  noch über das Meer noch über einigen Baum. 2  Und ich sah einen andern Engel aufsteigen von der Sonne Aufgang, der  hatte das Siegel des lebendigen Gottes und schrie mit großer Stimme zu  den vier Engeln, welchen gegeben ist, zu beschädigen die Erde und das  Meer. 3  Und er sprach: Beschädiget die Erde nicht noch das Meer noch die Bäume,  bis dass wir versiegeln die Knechte unsers Gottes an ihren Stirnen.

    4  Und ich hörte die Zahl derer, die versiegelt wurden,  hundertvierundvierzigtausend, die versiegelt waren von allen Geschlechtern  der Kinder Israel: 5  von dem Geschlechte Juda zwölftausend versiegelt; von dem Geschlechte  Ruben zwölftausend versiegelt; von dem Geschlechte Gad zwölftausend  versiegelt; 6  von dem Geschlechte Asser zwölftausend versiegelt; von dem Geschlechte  Naphthali zwölftausend versiegelt; von dem Geschlechte Manasse zwölftausend  versiegelt; 7  von dem Geschlechte Simeon zwölftausend versiegelt; von dem Geschlechte  Levi zwölftausend versiegelt; von dem Geschlechte Isaschar zwölftausend  versiegelt; 8  von dem Geschlechte Sebulon zwölftausend versiegelt; von dem Geschlechte  Joseph zwölftausend versiegelt; von dem Geschlechte Benjamin zwölftausend  versiegelt.

    9  Danach sah ich, und siehe, eine große Schar, welche niemand zählen konnte,  aus allen Heiden und Völkern und Sprachen vor dem Stuhl stehend und vor  dem Lamm, angetan mit weißen Kleidern und Palmen in ihren Händen, 10  schrien mit großer Stimme und sprachen: Heil sei dem, der auf dem Stuhl  sitzt, unserm Gott, und dem Lamm! 11  Und alle Engel stunden um den Stuhl und um die Ältesten und um die vier  Tiere und fielen vor dem Stuhl auf ihr Angesicht und beteten Gott an 12  und sprachen: Amen! Lob und Ehre und Weisheit und Dank und Preis und  Kraft und Stärke sei unserm Gott von Ewigkeit zu Ewigkeit! Amen.

    13 Und es antwortete der Ältesten einer und sprach zu mir: Wer sind diese,  mit den weißen Kleidern angetan, und woher sind sie kommen? 14  Und ich sprach zu ihm: Herr, du weißt es. Und er sprach zu mir: Diese  sind’s, die kommen sind aus großer Trübsal und haben ihre Kleider  gewaschen und haben ihre Kleider hell gemacht im Blut des Lammes. 15  Darum sind sie vor dem Stuhl Gottes und dienen ihm Tag und Nacht in seinem  Tempel. Und der auf dem Stuhl sitzt, wird über ihnen wohnen. 16  Sie wird nicht mehr hungern noch dürsten; es wird auch nicht auf sie  fallen die Sonne oder irgendeine Hitze. 17  Denn das Lamm mitten im Stuhl wird sie weiden und leiten zu den lebendigen  Wasserbrunnen; und Gott wird abwischen alle Tränen von ihren Augen.

 

    Kapitel 6 hatte den Durchgang durch die gesamte Welt- und Heilsgeschichte gegeben, in groben, allgemeinen Zügen. Der Abschluss war gerade auch die Trübsal der Gemeinde in der Verfolgung und die Zeit des Gerichts. Die Frage, die auftaucht, ist: Wie kann die Gemeinde in den Verfolgungen bestehen?

 

    V. 1: Die vier Engel, die die vier Winde halten, sind ein Gegenbild zu den vier Tieren oder Winden in Sacharja 6,5, die den Geist Gottes ruhen machen in den Ländern der Erde, und stehen für die Bedrohung, der die Erde ausgesetzt ist von den bösen Mächten, korrespondieren mit den apokalyptischen Reitern aus Kapitel 678. Diese Bedrohung ist Realität, denn der Fürst dieser Welt ist ein Mörder von Anfang, Joh. 8,44; Eph. 6,11 f. Aber es wird ihnen noch vom HERRN gewehrt, ihr Werk zu tun. Hier wird deutlich: Alles liegt in Gottes Hand, auch die Gerichte, die über diese Welt gehen.79

    V. 2: Aber die Finsternismächte dürfen nicht mehr tun, als Gott ihnen zulässt: a) Die Macht, die sie haben ist ihnen nur gegeben. b) Ein „anderer Engel“ Gottes gebietet ihnen Einhalt: Auch das Gerichtshandeln steht letztlich unter Gottes Macht.

    Wer ist dieser andere Engel? Er steigt auf von der Sonne Aufgang, Jes. 41,25; Hes. 43,2.4; 44,1 f, das ist Christus, der der Aufgang ist aus der Höhe, die Sonne der Gerechtigkeit. Er allein hat ja das Siegel des lebendigen Gottes oder den Geist Gottes. Nur Christus kann dem Verderben wirklich gebieten, es aufhalten, denn er hat die Schlüssel der Hölle und des Todes, Kap. 1,18. Ihm allein kommt es auch zu, die Auserwählten zu zeichnen, denn sie sind nur Gott bekannt, keinem Geschöpf, 2. Tim. 2,15.80

    V. 3: Gott bewahrt vor allem seine Gemeinde. Die Gerichtsstürme sind so eingerichtet, dass die Gemeinde zuvor zugerüstet wird, sie bestehen zu können. Die Gläubigen werden versiegelt, Kap. 14,1: der Name Gottes des Vaters ist an ihrer Stirn; s.a. Kap. 22,4: Gott ist es, der uns bewahrt aus Gnaden, Phil. 1,6; 1. Petr. 1,5 und uns versiegelt hat mit dem Heiligen Geist der Verheißung, Eph. 1,13 f.; 4,30. Dies Werk geschieht nicht anders als durch die Gnadenmittel, das Evangelium in Wort und Sakrament, durch das Christus uns seinen Geist gibt, und dazu seine Boten als Mitarbeiter gebraucht.81

    V. 4-8: Die Versiegelten: Ihre Zahl wird mit 144.000 angegeben; sie steht aber in Korrespondenz mit V. 9: eine große Schar, welche niemand zählen konnte, so viele sind die Knechte Gottes. Die 144.000 ist also eine symbolische Zahl: 12x12x103 . Die beiden 12 – siehe auch die 24 Ältesten, Kap. 4,4 – stehen für das Volk des Alten und das Volk des Neuen Bundes, Zwölf ist die Zahl für die Gemeinde des HERRN in der Bibel; 103 oder 10x10x10 ist eine kubische Zahl, steht damit für die Vollzahl82. Das heißt: Die Vollzahl der Gläubigen aus den Juden und aus den Heiden, alle von Ewigkeit her zur Seligkeit durch den Glauben an Christus Auserwählten, sind hier gemeint, Röm. 8,29-30; Eph. 1; 2. Tim. 1, diejenigen, die erwählt sind, ehe der Welt Grund gelegt war, dass sie sollten sein heilig und unsträflich vor ihm in der Liebe, Eph. 1. Und diese werden auch gewiss selig, keiner geht verloren, was durch die Versiegelung bezeugt wird. Gott kennt einen jeden. Die angeführten Stämme weisen auf das Gottesvolk hin (s.a. Kap. 21,12). Auch hier wird deutlich, dass sie ein Bild des Gottesvolkes sind: Dan, der früh falschen Gottesdienst aufbrachte wird gar nicht erwähnt; er ist auch ein Bild geworden aller Zeitgläubigen, die eine Zeitlang am HERRN hängen, dann aber doch wieder abfallen. Diese gehören nicht zur Schar der Erwählten. Joseph taucht auf und auch Manasse, obwohl er in Joseph schon enthalten wäre, während Ephraim, der Träger des götzendienerischen Nordreiches, nicht genannt wird. Nur Gläubige gehören zu den 144.000. „Israel“ meint hier, wie oft in der Bibel, nicht die leibliche Nachkommenschaft Abrahams, sondern das geistliche Israel, die Gemeinde der an den Messias Jesus von Nazareth Gläubigen, des Alten wie des Neuen Bundes, die allesamt eine ekkleesia sind, denn der eine Hirte hat nur eine Herde, Joh. 10,26, und der Zaun ist abgebrochen, Eph. 2.14.83 Dabei stehen die 144.000, da sie ja noch auf Erden sind, für die ecclesia militans, die kämpfende Kirche Christi hier auf Erden, die Schar der Gläubigen, so lange sie noch hier auf dieser Erde sind.84

    V. 9: Die Auserwählten vor dem HERRN oder die triumphierende Kirche: Ihre Zahl ist unzählbar, so viele werden es sein durch die (vertikale) Zeit der Weltgeschichte. Und sie kommen aus allen Heiden, Stämmen, Völkern, Sprachen. Es gibt ja heute Stämme, Völker, die wieder völlig im Heidentum oder Islam sind, aber früher gab es dort lebendige christliche Gemeinden (z.B. Saudi-Arabien). Wir dürfen nicht nur horizontal – in unserer Jetztzeit – denken, sondern müssen auch vertikal, durch die Geschichte, die Dinge betrachten.

    Die Auserwählten stehen in weißen Kleidern da: Sie sind rein gemacht durch das Blut des Lammes, V. 14.

    V. 10: Sie ehren den dreieinigen Gott, vor allem den Vater und den Sohn, rühmen dabei vor allem die Gnade, durch die sie selig geworden sind.

    V. 11: Auch die Engel beten dann mit ihnen an, V. 12 in einem vollkommenen Lobgesang, in dem sie ein siebenfaches Lob Gott bringen: Lob und Ehre, Weisheit und Dank, Preis und Kraft und Stärke.85

    V. 13.14: Die Gemeinde geht, das ist hier eindeutig, durch die große Trübsal, Matth. 24,15-31. Aber: sie wird bewahrt vom HERRN, sie lebt in täglicher Buße und Vergebung. Nicht mit eigenen Werken steht sie vor Gott, sondern gereinigt durch das Blut des Lammes. Nur aus der Vergebung Christi können wir in den Himmel kommen, 1. Joh. 1,7; Eph. 1,7. Wenn auch hier einerseits die große Trübsal direkt angesprochen wird, so wird doch durch die präsentische Zeitform angedeutet, dass hier nicht nur von der großen Trübsal die Rede ist, die ganz am Ende der Zeit vor dem Kommen Christi hereinbrechen wird über die Gemeinde, sondern mit eingebunden sind all die vielen Trübsale, der die Gemeinde während der Zeit ihrer Geschichte hier auf Erden ausgesetzt ist, denn wir müssen durch viel Trübsal in das Reich Gottes eingehen, Apg. 14,22; 2. Tim 3,12. Aber in allen will der HERR ihr beistehen, geht die Gemeinde nicht alleine.86

    V. 15: Weil die Auserwählten durch des Lammes Blut gereinigt sind, darum dürfen sie auch vor Gott sein. Als Erlöste aber sollen wir ihm leben und dienen, hier auf Erden schon und auch im Himmel.

    V. 16: Köstlich wird die Gemeinschaft mit Gott sein. Alles, was auf Erden beschwert, wird im Himmel nicht mehr sein, s.a. Kap. 22.

    V. 17: Denn wir stehen unter dem guten Hirten, er wird uns geben, was wir brauchen, Ps. 23, und Gott wird alle Tränen abwischen, Kap. 21.

    Das ist der große Trost, die gewaltige Zukunft, die wir haben. Das soll uns stärken für die Trübsalszeiten auf Erden.

 

DER ZWEITE ZYKLUS ODER ÜBERBLICK ÜBER DIE NEUTESTAMENTLICHE ZEIT:

DIE GEISTLICHEN NÖTE DER GEMEINDE JESU CHRISTI (Kap. 8-11)

 

C) Das siebte Siegel und die ersten vier Posaunen: Die geistlichen Kaempfe der Kirche (Kapitel 8)

 

Kapitel 8: 1 Und da es das siebente Siegel auftat, ward eine Stille in dem Himmel bei  einer halben Stunde. 2  Und ich sah die sieben Engel, die da traten vor Gott, und ihnen wurden sieben  Posaunen gegeben. 3  Und ein anderer Engel kam und trat an den Altar und hatte ein gülden  Räuchfass; und ihm ward viel Räuchwerks gegeben, dass er gäbe zum Gebet  aller Heiligen auf den güldenen Altar vor dem Stuhl. 4  Und der Rauch des Räuchwerks vom Gebet der Heiligen ging auf von der Hand  des Engels vor Gott. 5  Und der Engel nahm das Räuchfass und füllte es mit Feuer vom Altar und  schüttete es auf die Erde. Und da geschahen Stimmen und Donner und Blitze  und Erdbeben.

    6  Und die sieben Engel mit den sieben Posaunen hatten sich gerüstet zu  posaunen. 7 Und der erste Engel posaunte. Und es ward ein Hagel und Feuer, mit Blut  gemengt, und fiel auf die Erde. Und das dritte Teil der Bäume verbrannte,  und alles grüne Gras verbrannte.

    8  Und der andere Engel posaunte. Und es fuhr wie ein großer Berg mit Feuer  brennend ins Meer. Und das dritte Teil des Meeres ward Blut, 9  und das dritte Teil der lebendigen Kreaturen im Meer starb, und das dritte  Teil der Schiffe wurde verderbet.

    10  Und der dritte Engel posaunte. Und es fiel ein großer Stern vom Himmel;  der brannte wie eine Fackel und fiel auf das dritte Teil der Wasserströme  und über die Wasserbrunnen. 11  Und der Name des Sterns heißt Wermut; und das dritte Teil ward Wermut.  Und viel Menschen starben von den Wassern, dass sie waren so bitter  worden.

    12  Und der vierte Engel posaunte. Und es ward geschlagen das dritte Teil  der Sonne und das dritte Teil des Mondes und das dritte Teil der Sterne,  dass ihr drittes Teil verfinstert ward, und der Tag das dritte Teil nicht  schien und die Nacht desselbengleichen.

    13  Und ich sah und hörte einen Engel fliegen mitten durch den Himmel und  sagen mit großer Stimme: Wehe, wehe, wehe denen, die auf Erden wohnen,  vor den andern Stimmen der Posaune der drei Engel, die noch posaunen  sollen!

 

    V. 1: Christus öffnet DAS SIEBTE SIEGEL – und es folgt eine halbe Stunde Stille, eine Stille des Staunens, des Entsetzens. Es kommt etwas völlig Neues. Stille ist gerade im Alten Testament die angemessene Antwort der Schöpfung auf die Gegenwart des Schöpfers, Hab. 2,20; Sach. 2,20; Zeph. 1,7; Ps. 46,10.87 Die Verse 1-5 bilden den Übergang vom zweiten zum dritten Gesicht, stellen die letzte (siebte) Szene des zweiten Gesichts dar.

 

DAS DRITTE GESICHT (8,2-11,19)

    V. 2: Die sieben Engel empfangen von Gott ihre Posaunen: Das, was aus den Posaunen kommt, kommt von Gott.88 Ob es Gnade oder Gericht ist, das ist aus den Stimmen der Posaunen zu prüfen. Das Gesicht von den sieben Posaunen nimmt dasjenige von den sieben Siegeln wieder auf und verstärkt es. Auch hier geht es wieder um Gottes Gericht über eine rebellische Menschheit; auch hier geht es wieder weniger um historische Einzelereignisse, als vielmehr die Bedingungen, Umstände, Grundlinien. Die sich steigernden Gerichte sind zugleich ein Ruf zur Umkehr, Kap. 9,20-21, so lange es noch Zeit ist.89 In den ersten vier Siegeln haben wir stärker das Bild von Gerichtsvorgängen in der Natur, während in den drei darauf folgenden sie eindeutig dämonisch sind. Was aber ganz wichtig ist: Sie kommen alle von Gott, das heißt, alle diese Gerichtshandlungen haben ihren Ausgang im Himmel, bei Gott selbst. Das ist ein Hinweis darauf, dass es sich hier nicht nur um Katastrophen in der Natur handelt, sondern, was auch die Posaunen anzeigen, es um das Ringen in der Gemeinde in einer gottwidrigen bis gottfeindlichen Umwelt geht, ein geistliches Ringen, nämlich mit den einbrechenden Häresien und irrlehrerischen Verführungen, ohne dass wir diese im Einzelnen hier identifizieren könnten.90

    V. 3-5: Das Räuchwerk der Heiligen: Bevor aber die Posaunen erschallen, sieht Johannes ein ganz anderes Bild: Ein Engel bekommt Räuchwerk, um es zu vereinen mit dem Gebet der Heiligen.91 Gott nimmt also das Gebet der Seinen an, gerade auch das, wovon 6,10 die Rede war, ja, er bestätigt und bekräftigt es sogar, s.a. Röm. 8,27; Christus tritt für die Seinen ein, Röm. 8,34; Hebr. 7, ist ihr Fürsprecher, 1. Joh. 2,1.2; er ist auch hier dieser Engel, denn er allein kann diesen priesterlichen Dienst tun, er allein ist der Hohepriester des Neuen Bundes, Ps. 110,4; Hebr. 6,20. Durch ihn, durch sein Blut und Verdienst für uns, kommen unsere Gebete zum Vater, Hebr. 12,24. Auch in aller Trübsal erhört also Gott der HERR die Seinen.

    Dann aber nimmt der Engel Feuer vom Altar, um es durch das Räuchfass auf die Erde zu schütten – Stimmen, Blitz und Donner sind das Ergebnis: Es kommt vom Altar, es ist Frucht des priesterliches Dienstes – Antwort auf das Gebet der Heiligen!92 s.a. Kap. 6,10. Aus dem Räuchwerk auf dem Altar wird nun die verzehrende Flamme des göttlichen Zorns, Hes. 10,2. Stimmen, Blitz, Donner, Erdbeben erinnern an Gottes Erscheinen vor Israel auf dem Berg Sinai, 2. Mose 19,16-18. Sie sind Ausdruck für Gottes Heiligkeit, hier und an den anderen Stellen der Offenbarung (4,5; 11,19; 16,18)  stehen sie für Gottes Majestät und dazu aber auch für Gottes Zorn über die Sünde und kündigen die Gerichte an, die Gott über die Welt senden wird.93

    Es geht vor allem um die Plage als Gottes Gericht über eine Welt, die dem Wort Gottes widerstrebt, sei es, dass sie ihm widersteht, sei es, dass sie es verfälscht, in der die Seinen äußerlich schwach und hilflos den Menschen dieser Welt ausgeliefert sind – und zum HERRN rufen, der sie erhört. Im Einzelnen werden Gottes Gerichtsakte in den Posaunen dargelegt:

    Posaunen: Sie riefen die Gemeinde zusammen, 4. Mose 10,2.10; zum Lobgesang, 3. Mose 25,9; zum Kampf gegen den Feind, 2. Mose 19,16; sammeln auch am letzten Tag die Gläubigen, 1. Thess. 4,16; werden eingesetzt bei der Auferweckung der Toten, 1. Kor. 15,52. So ist die Posaune, je nach dem Zusammenhang, ein Hinweis auf die Kämpfe, die der Gemeinde des HERRN bevorstehen. Die vier ersten Posaunen gehen noch über kleinere Kreise, die drei letzten bringen größere Wehen.94

    Auch das Predigtamt und Gottes Wort werden unter dem Bild der Posaune dargestellt: Jes. 58,1; Jer. 6,17.

    Darum kann aus dem Bild der Posaunen hier gefolgert werden: Sie zeigen uns die Kirche in ihrem Kämpfen in der neutestamentlichen Zeit – darum soll die Gemeinde wachsam und aufmerksam sein. Dies wird auch angedeutet durch die Dreizahl (Drittel), denn „drei“ ist in der Bibel die Zahl des Geistes. Auch das ein Hinweis, dass es hier um geistliche Kämpfe und Wirkungen geht.95 Bei all diesen Posaunen geht es daher um Ereignisse aus der Kirchengeschichte. Während zwar Kap. 7 schon das Ziel aller Dinge gezeigt hat, wird hier noch einmal der Lauf der Geschichte der Gemeinde Christi dargelegt, jetzt aber mit dem Schwerpunkt der geistlichen Anfechtungen. Wie schon im Kapitel 6, so sind die Engel auch hier diejenigen, die den Willen Gottes ausführen. Alle Ereignisse haben also ihren Ursprung bei Gott selbst. Gott hat auch den Trübsalen ihre Grenze gesetzt, die nicht überschritten wird.96 Jeder Posaunenengel stellt wiederum eine Szene in diesem siebenszenigen Gesicht dar, wobei wir mit 10,1-11,14 zwei zusätzliche Zwischenszenen im Himmel haben.

    V. 7: DIE ERSTE POSAUNE: Hagel, Feuer, Blut fällt auf die Erde, ein Drittel der Bäume und des Grases verbrennen – wichtige Lebensgrundlagen werden damit zerstört, s.a. Joel 3,3-4, wenn auch z.T. noch als Warnung, ähnlich der siebten ägyptischen Klage, 2. Mose 9,13-33. (Die ersten vier Plagen greifen die ägyptischen Plagen auf.) Das Ergebnis ist aber nicht eine völlige Zerstörung, sondern nur eine teilweise, nämlich zu einem Drittel, ähnlich wie in Hes. 5,8-12 (ein Drittel getötet durch Hunger, ein Drittel durch das Schwert, ein Drittel zerstreut).97 Dies ist auch ein Bild für die Wirkung der falschen Geister auf die Gemeinde Gottes wie ein Hagelschlag, der Teile der Pflanzung des Wortes Gottes, der Gemeinde, zerstört, ist wie Eis und Frost auf die Seelen der armen Sünder.98

    V. 8.9: DIE ZWEITE POSAUNE: Ein großer Berg fährt brennend ins Meer – der dritte Teil des Meeres ist Blut, ein Drittel der im Meer lebenden Kreaturen sterben, ein Drittel der Schiffe gehen unter. Auch das ähnelt einer ägyptischen Plage (der ersten), als der Nil voll Blut war, 2. Mose 7,14-24. Ein Drittel des menschlichen Handels ist betroffen, ebenso auch menschliches und tierisches Leben.99 Da das Meer immer wieder ein Bild ist für das Völkermeer, so steht dies Bild auch dafür, welch verheerende Auswirkungen diese Plage unter den Völkern, also in der Christenheit hat. Der Schaden ist also sehr groß.

    Diese ägyptischen Plagen waren ja das Resultat der geistlichen Verhärtung gegen das Rufen Gottes: In allen Bereichen macht sich der Tod, der Niedergang bemerkbar – aber noch ist Zeit zur Umkehr. Noch ist nur ein Teil der Menschen betroffen.

    V. 10.11: DIE DRITTE POSAUNE: Ein großer Stern fällt vom Himmel – durch Gott. Dieser Stern brennt wie eine Fackel, fällt auf ein Drittel der Wasserströme und über die Wasserbrunnen, also gerade auf das Lebensnotwendige – ein Drittel wird Wermut, also bitter, so dass viele Menschen sterben. Wenn Kap. 1,16.20 hinzugezogen wird, so zeigt es sich, dass unter dem „Stern“ ein gefallener Lehrer der Gemeinde zu verstehen ist, der viele geistlich verführt hat.

    V. 12: DIE VIERTE POSAUNE: Ein Drittel der Sonne, des Mondes und der Sterne werden verfinstert: Das Licht nimmt ab. Grünes, Wasser und Licht sind die Grundbedingungen für das menschliche Leben; sie werden immer mehr eingeschränkt, viele sterben. Die Ordnungen des Kosmos bewegen sich, s.a. Joel 3; Matth. 24; Offenb. 6. Ins Geistliche übertragen heißt dies: Der Kern der christlichen Lehre, die Rechtfertigungslehre, wird verdunkelt, so dass viele in tiefer geistlicher Finsternis enden.

    Alle diese Dinge, das ist wichtig, kommen vom Himmel, sie werden von Gott gewirkt, betreffen immer nur Teile der Menschheit.100 Der Himmel, das ist die unsichtbare Welt. Daher ist es recht anzunehmen, dass hier geistliche Phänomene dargestellt werden, etwa große Irrlehren, die kommen und viele in die Verdammnis verführen, denn der Himmel ist auch der Wohnort der Geister, Eph. 6,12.101 Denn die Irrlehren, die die falschen Propheten, falschen Lehrer bringen, kommen ja aus der unsichtbaren Welt: Falsche Geister sprechen durch die Irrlehrer!102

    Es geht dann hier also um das Zerstören des geistlichen Lebens, was ewige Verdammnis bringt: V. 12: Die Sonne der Gerechtigkeit wird ihnen verdunkelt durch Werkgerechtigkeit, Verführung. V. 10.11: Ein großer Lehrer fällt dahin und verführt viele, z.B. gerade der Bischof von Rom. V. 7-9: Dies könnte für andere große Irrlehrer stehen, wobei an die Gnosis, Arius, Nestorius und den Islam zu denken wäre.

    Im Bereich der Kirche sind ja besonders vier große Irrlehren aufgetreten: die Gnosis (Vermengung von Religion und Philosophie, Weltweisheit, s.a. Kulturprotestantismus, Emerging Church), der Montanismus (Schwarmgeisterei, s.a. Pfingst- und charismatische Bewegung); Arius (Leugnung der Dreieinigkeit, besonders der Gottheit Christi, s.a. Islam); Pelagianismus (Leugnung der abgrundtiefen Verdorbenheit der menschlichen Natur, s.a. römische Werkgerechtigkeit, jede Form des Synergismus).103

    V. 13: Die letzten drei Posaunen bringen noch Schlimmeres. Es sind alles Resultate der Verstockung der Welt, der Abkehr von Gottes Wort – Verführung in viele Irrtümer und Verderben. Aber mit diesem Warnruf ist auch noch eine Frist gegeben zur Buße, zur Umkehr.

 

 

D) Die weiteren geistlichen Kaempfe der Kirche (Kapitel 9)

 

Kapitel 9: 1 Und der fünfte Engel posaunte. Und ich sah einen Stern, gefallen vom  Himmel auf die Erde, und ihm ward der Schlüssel zum Brunnen des Abgrunds  gegeben. 2  Und er tat den Brunnen des Abgrunds auf. Und es ging auf ein Rauch aus  dem Brunnen wie ein Rauch eines großen Ofens; und es ward verfinstert  die Sonne und die Luft von dem Rauch des Brunnens. 3  Und aus dem Rauch kamen Heuschrecken auf die Erde. Und ihnen ward Macht  gegeben, wie die Skorpione auf Erden Macht haben. 4  Und es ward zu ihnen gesagt, dass sie nicht beleidigten das Gras auf Erden  noch kein Grünes noch keinen Baum, sondern allein die Menschen, die  nicht haben das Siegel Gottes an ihren Stirnen. 5  Und es ward ihnen gegeben, dass sie nicht töteten, sondern sie quälten  fünf Monate lang; und ihre Qual war wie eine Qual vom Skorpion, wenn er  einen Menschen haut. 6  Und in denselbigen Tagen werden die Menschen den Tod suchen und nicht  finden; werden begehren zu sterben, und der Tod wird von ihnen fliehen. 7  Und die Heuschrecken sind gleich den Rossen, die zum Kriege bereit sind;  und auf ihrem Haupt wie Kronen dem Golde gleich und ihr Antlitz gleich  der Menschen Antlitz. 8  Und hatten Haar wie Weiberhaar, und ihre Zähne waren wie der Löwen. 9  Und hatten Panzer wie eiserne Panzer; und das Rasseln ihrer Flügel wie  das Rasseln an den Wagen vieler Rosse, die in den Krieg laufen. 10  Und hatten Schwänze gleich den Skorpionen, und es waren Stacheln an ihren  Schwänzen; und ihre Macht war, zu beleidigen die Menschen fünf Monden  lang. 11  Und hatten über sich einen König, einen Engel aus dem Abgrund; des Name  heißt auf Hebräisch Abaddon, und auf griechisch hat er den Namen Apollyon. 12  Ein Wehe ist dahin; siehe, es kommen noch zwei Wehe nach dem.

    13 Und der sechste Engel posaunte. Und ich hörte eine Stimme aus den vier  Ecken des güldenen Altars vor Gott, 14  die sprach zu dem sechsten Engel, der die Posaune hatte: Löse auf die  vier Engel, gebunden an dem großen Wasserstrom Euphrat. 15  Und es wurden die vier Engel los, die bereit waren auf eine Stunde und  auf einen Tag und auf einen Monden und auf ein Jahr, dass sie töteten  das dritte Teil der Menschen. 16  Und die Zahl des reisigen Zeuges war viel tausendmal tausend; und ich  hörte ihre Zahl. 17  Und also sah ich die Rosse im Gesichte, und die darauf saßen, dass sie  hatten feurige und gelbe und schwefelige Panzer; und die Häupter der  Rosse wie die Häupter der Löwen; und aus ihrem Munde ging Feuer und  Rauch und Schwefel. 18  Von diesen dreien ward getötet der dritte Teil der Menschen von dem Feuer  und Rauch und Schwefel, der aus ihrem Munde ging. 19  Denn ihre Macht war in ihrem Munde, und ihre Schwänze waren den Schlangen  gleich, und hatten Häupter, und mit denselbigen taten sie Schaden. 20  Und blieben noch Leute, die nicht getötet wurden von diesen Plagen noch,  Buße taten für die Werke ihrer Hände, dass sie nicht anbeteten die Teufel  und die güldenen, silbernen, ehernen, steinernen und hölzernen Götzen,  welche weder sehen noch hören noch wandeln können, 21  die auch nicht Buße taten für ihre Morde, Zauberei, Hurerei und Dieberei.

 

    V. 1-12: Siehe auch Joel 2! DIE FÜNFTE POSAUNE: DAS ERSTE WEHE: Der Verderber aus dem Abgrund

    Die fünfte, sechste und siebte Posaune sind abgehoben von den ersten vier, die von Wirkungen des Ratschlusses Gottes sprachen, die durch irdische Mächte hier auf Erden geschehen. Mit den drei letzten Posaunen aber werden Mächte beschrieben, die aus der unsichtbaren Welt auf diese unsere Welt wirken, es sind also geistliche Mächte, Kräfte, um die es geht.104

    V. 1: Der Stern, vom Himmel gefallen, der hat den Schlüssel zum Abgrund (der Teufel selbst, denn er ist DER Verderber). s.a. Luk. 10,18; Joh. 12,31.105 Dieser Stern ist durchaus verschieden von dem in 8,10-11 beschriebenen, denn der jetzige repräsentiert eine Person, einen mächtigen gefallenen Engel, hat einen Namen,. Er ist identisch mit dem Drachen aus 12,3, und damit, gemäß 12,9, Satan.106 Die Macht, die er hat, ist ihm aber nur gegeben, nämlich von Gott, der auch in all den Grauen der letzten Zeit die Kontrolle hat.107

    Es besteht auch eine Beziehung zu dem in Jes. 14,11-15 dargestellten, in dem es zunächst um den Fall des Königs von Babylon geht, der zugleich aber auch typologisch für den Sturz Satans steht, s.a. Luk. 10,18; Offenb. 12,7-9.108

    V. 2: Aus dem Brunnen des Abgrunds steigt Rauch auf, Sonne und Luft werden verfinstert – so verfinstern Papsttum und Islam die reine Heilslehre, das Evangelium. Dämonische Kräfte sind los geworden, denn sie kommen aus dem Abgrund. Durch die Finsternismächte werden die geistlichen Kräfte bedroht, vergiftet, verdunkelt.109 Es handelt sich hier also um Lügen, Irrlehren, Verführungen, wie z.B. der Vernunftglaube, die Aufklärung, der Humanismus.

    V. 3: Aus dem Rauch aus dem Abgrund kommen Heuschrecken hervor (s.a. 2. Mose 10), wie Skorpione, die, V. 4, nur die ungläubigen Menschen quälen sollen – diese allein haben die Finsternismächte auch tatsächlich in der Hand; sie sollen sie quälen, nicht töten, fünf Monate lang. Fünf Monate sind die Lebenszeit von Heuschrecken. Damit ist angezeigt: Diese Plagen sind nicht ständig spürbar, aber sie kommen immer wieder.110

    V. 6: Für die Menschen ist es eine furchtbare Qual, dass sie den Tod suchen und nicht finden können. Das ist ein Bild für den Angriff auf die Seele, die keinen Frieden findet.

    V. 7-12: Hier ändert sich das Bild von den Heuschrecken; jetzt erscheinen sie wie Menschen, mächtig, verführerisch, wohl organisiert (s.a. Joel 2,5-10; Jer. 51,27; Nah. 3,15-17). Dies ist ein Bild einer dämonischen Macht, wie der päpstlich-antichristlichen Verführung, einer frommen Verführung, denn die päpstliche Irrlehre kommt aus der Hölle: Der Papst als Weltmacht, mächtiger Herrscher mit Lügen und Verführung – der natürliche Mensch kann dem nicht widerstehen. Er quält die Gewissen und gibt keinen Frieden. Er ist der „Engel aus dem Abgrund“, V. 11, Abaddon oder Apollyon, was jeweils „der Verderber“ heißt, eben der, der als der Widerwärtige viele ins Verderben stürzt. Hier wird wieder deutlich, dass der Teufel der Fürst dieser Welt ist.111

    V. 13-21: DIE SECHSTE POSAUNE: Die antichristliche Macht aus dem Osten – der Islam

    V. 13: Die sechste Posaune lässt vier Stimmen aus den Ecken des Altars ertönen: Auch das, was in den nächsten Versen sich ereignet, kommt von Gott her, ist Teil seiner Pädagogik an der Gemeinde.

    V. 14: Die vier Engel am Euphrat sind nicht identisch mit den Engeln aus Kap. 7,1. Sie sind eine spezifische Gruppe von Engeln, wie der bestimmte Artikel zeigt. Sie sind keine gefallenen Engel, denn in Offenbarung wird der Begriff „Engel“ nur für Gottes Engel verwendet. Sie sind, wie die Engel in 7,1-3, Gerichtsengel Gottes.112 Der Euphrat ist im Osten, im heutigen Irak, ist die Grenze des gelobten Landes: Die Macht kommt also von außerhalb der Gemeinde. Wenn man die Grenzregion nimmt, so kann man Arabien mit einbeziehen. Es ist die Region, aus der auch die irdischen Feindesmächte des alten Gottesvolkes, Assyrien und Babylon, kamen. Jes. 53,5-6; Jer. 1,13; 4,5-6, wie auch das von Hesekiel angekündigte Gog und Magog, Kap. 38.113

    V. 15: Diese Engel sind bereit, loszuschlagen und zu töten, den dritten Teil der Menschen. Damit ist zugleich angezeigt, dass auch diese Macht nicht über die ganze Menschheit herrschen wird, sondern nur über einen Teil. Die Zeitangabe, die wir hier finden, schränkt die Wirkung nicht ein, sondern beschreibt vielmehr eine Wirkung, die jeden Tag, jeden Monat, jedes Jahr umfassen kann vor der Wiederkunft Christi.114

    V. 16.17: Diese antichristliche Macht wird beschrieben als ein riesiges Heer, das wild daherstürmt mit Feuer, Rauch und Schwefel – und tötet, V. 18, nämlich den dritten Teil der Menschen. Es sind keine irdischen Heere, sondern ein dämonische Armee, ein Zusammenballen der antichristlichen Mächte, zu denen gerade auch der Islam gehört. In der sechsten Schale des Zorns kommt es dann zur entscheidenden Schlacht gegen diese Mächte, 16,12-16, die nochmals mit dem endgültigen Sieg in Kap. 19 und 20,7-10 dargelegt wird.

    V. 19: Neben dieser militärischen Macht, mit der sie hauptsächlich arbeiten, wirken sie mit Propaganda, mit ihrem Munde, um auch so zu verführen, in die Irre zu leiten, zum Abfall zu bringen, zur Verdammnis zu führen.

    Um welche Macht handelt es sich nun? Die geographische und charakterliche Beschreibung geht eindeutig auf den Islam, der sich immer in erster Linie mit Feuer und Schwert ausgebreitet hat, daneben auch mit Propaganda. Aber Mord und Terror sind bis heute seine Hauptwaffen. Er stellt eine gewaltige Bedrohung der Menschen im Allgemeinen dar und der Christen im Besonderen.115

    Wenn wir die beiden Abschnitte, 1-12 und 13-21, in Beziehung zu einander setzen, so sehen wir, dass der erste Abschnitt in seiner Auswirkung umfassend ist, während der zweite eingeschränkter ist. Dabei kann es durchaus sein, dass beide auch zusammen wirken. Die ersten Gefahren kommen von innerhalb der Kirche (wobei auch der Islam teilweise von der Kirche kommt), der zweite Abschnitt beschreibt eine Gefahr, die sich außerhalb der Kirche etabliert hat.

    V. 20.21: Das Fruchtbare, Tragische ist aber: Immer noch sind es so viele Menschen, die trotz dieser Plagen, trotz dieser Bedrohungen, trotz all dieser Nöte nicht zur Sündenerkenntnis kommen, nicht Buße tun, nicht glauben, sondern in der Gottlosigkeit, in der Sünde beharren. (So ist es ja leider auch nach dem 11. September 2001 nicht zu einer Bußbewegung gekommen.)

    Gott der HERR hat Papsttum und Islam als Warnung und Gerichtsmächte der Christenheit gesetzt, wobei der Islam vor allem mit Gewalt vorgeht, das Papsttum mit Verführung. Als die frühen Christen müde wurden und schläfrig, auch lau, da sandte der HERR diese Gerichtsmächte.116

 

E) Vorbereitung auf die siebte Posaune (Kapitel 10)

 

Kapitel 10: 1 Und ich sah einen andern starken Engel vom Himmel herabkommen, der war  mit einer Wolke bekleidet, und ein Regenbogen auf seinem Haupt und sein  Antlitz wie die Sonne und seine Füße wie die Feuerpfeiler. 2  Und er hatte in seiner Hand ein Büchlein aufgetan; und er setzte seinen  rechten Fuß auf das Meer und den linken auf die Erde. 3  Und er schrie mit großer Stimme wie ein Löwe brüllet; und da er schrie,  redeten sieben Donner ihre Stimmen. 4  Und da die sieben Donner ihre Stimmen geredet hatten, wollte ich sie  schreiben. Da hörte ich eine Stimme vom Himmel sagen zu mir: Versiegle,  was die sieben Donner geredet haben; dieselbigen schreibe nicht.

    5  Und der Engel, den ich sah stehen auf dem Meer und auf der Erde, hub  seine Hand auf gen Himmel 6  und schwur bei dem Lebendigen von Ewigkeit zu Ewigkeit, der den Himmel  geschaffen hat, und was darinnen ist, und die Erde, und was darinnen  ist, und das Meer, und was darinnen ist, dass hinfort keine Zeit mehr  sein soll, 7  sondern in den Tagen der Stimme des siebenten Engels, wenn er posaunen  wird, so soll vollendet werden das Geheimnis Gottes, wie er hat verkündiget  seinen Knechten und Propheten.

    8 Und ich hörte eine Stimme vom Himmel abermals mit mir reden und sagen:  Gehe hin, nimm das offene Büchlein von der Hand des Engels, der auf dem  Meer und auf der Erde stehet. 9  Und ich ging hin zum Engel und sprach zu ihm: Gib mir das Büchlein! Und  er sprach zu mir: Nimm hin und verschlinge es; und es wird dich im Bauch  grimmen, aber in deinem Munde wird’s süß sein wie Honig; 10  Und ich nahm das Büchlein von der Hand des Engels und verschlang es; und  es war süß in meinem Munde wie Honig; und da ich’s gegessen hatte,  grimmte mich’s im Bauch. 11  Und er sprach zu mir: Du musst abermals weissagen den Völkern und Heiden  und Sprachen und vielen Königen.

 

    Dieses Kapitel bedeutet eine Pause im Blick auf den Ablauf der Prophetien, es ist eine Zubereitung des Propheten, Johannes, für das, was die siebte Posaune bringen wird, die das dritte Weh und in seinem Gefolge das Endgericht verkündet, V. 7. Dieses dritte Weh wird das schlimmste sein und die gesamte Geschichte der neutestamentlichen Gemeinde durchziehen, denn es spricht vom Antichristen.117

    V. 1: Ein starker Engel, wie Kap. 5,2, kommt vom Himmel herab, mit einer Wolke bekleidet, einen Regenbogen auf seinem Haupt, denn er ist gesandt von dem, um dessen Stuhl der Regenbogen ist, Kap. 4,3; 1. Mose 9,12 ff. Sein Antlitz war wie die Sonne, Kap. 1,16, seine Füße wie Feuerpfeiler, Kap. 1,15 – es ist Christus selbst, siehe Kap. 1! Der Regenbogen und die Sonne stehen für Gottes Gnade, die feurigen Füße für das Gericht über die Feinde Christi und seiner Gemeinde.118 „Stark“, Griechisch: „ischyron“, wird nur im Blick auf Gott verwendet, in den Evangelien für Christus (Matth. 3,11; Mark. 1,7: Luk. 3,16). Im Alten Testament ist allein Gott in eine Wolke gehüllt, Ps. 104,3; 2. Mose 13,21; 14,19-20; 4. Mose 9,17-21. Auch der Regenbogen unterstreicht den göttlichen, christologischen Charakter dieses Engels. Auch das leuchtende Antlitz kommt im Alten Testament allein Gott zu, Jes. 60,1-3.20; Ps. 84,11. Und die feurigen Füße knüpfen an die Beschreibung Christi im Prolog an, 1,15, aber auch an Daniel, 10,6. Darum ist der Engel niemand anders als der HERR Jesus Christus selbst.119

    V. 2: In seiner Hand hat der Engel ein aufgeschlagenes Büchlein; seinen rechten Fuß setzt er auf’s Meer, den linken auf die Erde – HERR über alles!

    V. 3.4: Und dann schreit der Engel mit großer Stimme, einem Löwen gleich, s.a. 1. Mose 49,9; Kap. 5,5. Das beschreibt das Bedrohliche der Botschaft, dass es Gerichtsbotschaft ist, die kommt, s.a. Joel 3,21; Amos 1,2; Jer. 26,30. Sieben Donner reden dann; wohl Gerichtsbotschaft, aber Johannes soll es nicht aufschreiben. Gott der HERR hat uns viel über die Zukunft offenbart, aber nicht alles. Das zeigt an, dass wir nicht alles wissen sollen, dass keineswegs alle Ereignisse der Weltgeschichte ihre Entsprechung in der Offenbarung Jesu Christi an Johannes finden.120

    V. 5.6: Der Engel, Christus, schwört bei dem lebendigen Gott, bei dem, der Himmel und Erde geschaffen hat und was darinnen ist. (siehe auch Hebr. 6,13 ff.) Und was schwört er? Dass mit der siebten Posaune das Weltende verkündigt wird, V. 7, dass Gott zum Ziel kommt mit der Geschichte, Kap. 11,15. Und dass das vollendet werden soll, was der HERR schon durch seine Knechte und Propheten hat verkündigen lassen, zeigt an, dass in der Offenbarung nichts grundsätzlich Neues gebracht wird. Die letzte Posaune bringt damit einerseits das Gericht mit sich, andererseits, für die Auserwählten, die Erlösung von allem Übel, alles Leid.121

    Wenn wir uns den Engel vorstellen, wie er auf Erde und Meer steht und die Hand gen Himmel hebt, so ist das eine gewaltige Erscheinung, imposant, mächtig, der gegenüber alles klein erscheint!

    V. 8-10: Johannes soll, aufgrund einer Stimme vom Himmel, das Buch nehmen und verschlingen; süß soll es schmecken, aber Magengrimmen verursachen. So ist auch Hesekiel vorbereitet und berufen worden zu seinem Prophetenamt, Hes. 2,8-3,3, als er Klage, Ach und Weh verkündigen musste, Hes. 2,10: Dass sie süß schmeckt und doch Magengrimmen verursacht, heißt: Die Botschaft bringt Heil den Gläubigen und Unheil den Ungläubigen, wie es sein wird am Ende der Welt, s.a. Dan. 12,2; Joh. 5,28 f.122

    V. 11: Der Auftrag zum Weissagen wird erneuert. Johannes wird neu zugerüstet, denn es gilt, das Schwere, Gericht, den Völkern zu predigen – aber auch das rettende Evangelium von Christus.

   

 

Papsttum und lutherische Reformation – der große, immerwährende Kampf in der Kirche um die reine Lehre; oder: Die Kirche und ihr Kampf mit dem Antichristen (Kapitel 11-14)

 

F) Uebersicht über die Vorreformation und die lutherische Reformation (Kapitel 11)

 

Kapitel 11: 1 Und es ward mir ein Rohr gegeben, einem Stecken gleich, und sprach: Stehe  auf und miss den Tempel Gottes und den Altar, und die darinnen anbeten. 2  Aber den innern Chor des Tempels wirf hinaus und miss ihn nicht; denn er  ist den Heiden gegeben; und die heilige Stadt werden sie zertreten  zweiundvierzig Monden.

    3 Und ich will meine zween Zeugen geben, und sie sollen weissagen tausend  zweihundertundsechzig Tage, angetan mit Säcken. 4  Diese sind zween Ölbäume und zwo Fackeln, stehend vor dem Gott der Erde. 5  Und so jemand sie will beleidigen, so gehet das Feuer aus ihrem Munde  und verzehret ihre Feinde; und so jemand sie will beleidigen, der muss  also getötet werden. 6  Diese haben Macht, den Himmel zu verschließen, dass es nicht regne in den  Tagen ihrer Weissagung; und haben Macht über das Wasser, zu wandeln in  Blut und zu schlagen die Erde mit allerlei Plage, so oft sie wollen.

    7  Und wenn sie ihr Zeugnis geendet haben, so wird das Tier, das aus dem  Abgrund aufsteiget, mit ihnen einen Streit halten und wird sie überwinden  und wird sie töten. 8  Und ihre Leichname werden liegen auf der Gasse der großen Stadt, die da  heißt geistlich die Sodom und Ägypten, da unser HERR gekreuzigt ist. 9  Und es werden ihre Leichname etliche von den Völkern und Geschlechtern  und Sprachen drei Tage und einen halben sehen; und werden ihre Leichname  nicht lassen in Gräber legen. 10  Und die auf Erden wohnen, werden sich freuen über sie und wohl leben und  Geschenke untereinander senden; denn diese zween Propheten quälten;  die auf Erden wohnten.

    11  Und nach dreien Tagen und einem halben fuhr in sie der Geist des Lebens  von Gott, und sie traten auf ihre Füße; und eine große Furcht fiel über  die, so sie sahen. 12  Und sie hörten eine große Stimme vom Himmel zu ihnen sagen: Steiget  herauf! Und sie stiegen auf in den Himmel in einer Wolke; und es sahen  sie ihre Feinde. 13  Und zu derselbigen Stunde ward ein groß Erdbeben, und das zehnte Teil  der Stadt fiel; und wurden getötet in dem Erdbeben siebentausend Namen  der Menschen; und die andern erschraken und gaben Ehre dem Gott des  Himmels. 14 Das andere Wehe ist dahin; siehe, das dritte Wehe kommt schnell!

    15  Und der siebente Engel posaunte. Und es wurden große Stimmen im Himmel,  die sprachen: Es sind die Reiche der Welt unsers HERRN und seines Christus  worden; und er wird regieren von Ewigkeit zu Ewigkeit. 16  Und die vierundzwanzig Ältesten, die vor Gott auf ihren Stühlen saßen  fielen auf ihr Angesicht und beteten Gott an. 17  Und sprachen: Wir danken dir, HERR, allmächtiger Gott, der du bist und  warst und künftig bist, dass du hast angenommen deine große Kraft und  herrschest. 18  Und die Heiden sind zornig worden, und es ist kommen dein Zorn und die  Zeit der Toten, zu richten und zu geben den Lohn deinen Knechten, den  Propheten, und den Heiligen und denen, die deinen Namen fürchten, den  Kleinen und den Großen, und zu verderben, die die Erde verderbet haben.

    19  Und der Tempel Gottes ward aufgetan im Himmel, und die Arche seines  Testaments ward in seinem Tempel gesehen; und es geschahen Blitze und  Stimmen und Donner und Erdbeben und ein großer Hagel.

 

    V. 1: Johannes bekommt einen Maßstab, um den Tempel Gottes, das ist: die Gemeinde Gottes, zu messen, s.a. Hes. 40,2; Sach. 2,1-5. Damit wird endgültig der Fokus auf die Gemeinde des HERRN in den Posaunengerichten Gottes gelenkt. Nach 11,3 ist es Gott selbst, der direkt oder indirekt zu Johannes spricht. Gott allein kann Grundlinien für seine Gemeinde vorgeben.123 Der Tempel in Jerusalem war ein Typos, ein Vorbild auf die Gemeinde Christi, die ein Tempel aus lebendigen Steinen ist, 1. Petr. 2,5; 1. Kor. 3,16 f.; 2. Kor. 6,16. Dieser Tempel, den Johannes nun im Gesicht messen soll, unterscheidet sich vom alttestamentlichen dadurch, dass er nicht mehr unterteilt ist, sondern eine Einheit ist, die Eine heilige christliche Kirche, unter ihrem Erzhirten und Hohenpriester Jesus Christus.124 Was aber ist der Maßstab, nach dem hier gemessen, der Unterschied gesetzt wird? Von denen, die drinnen sind, wird gesagt, dass sie den Gottesdienst feiern. Matth. 12,30; Mark. 9,40; Luk. 9,50; 11,23; Joh. 8,31.47, 12,47-50 machen deutlich, dass dieser Maßstab das Wort Gottes ist: Die Gemeinde ist in der Welt, aber nicht von der Welt.125

    V. 2: Den inneren Hof (oder „Vorhof der Heiden“ nach dem Vorbild des Tempels, Mark. 11,17; Jes. 56,6-7) soll er nicht messen, weil er den Heiden gegeben ist, nämlich denen, die innerhalb der äußeren Kirche doch Heiden sind: Rom (und alle sonst, die nur Namenschristen sind). Das heißt: Sie werden nicht mit der Gemeinde Gottes gezählt, sondern gehören nur zur äußeren Versammlung um Wort und Sakrament, aber in ihrem Herzen glauben sie nicht und werden vom Antichristen überwunden. Die heilige Stadt, die Kirche als äußere Versammlung, wird von ihnen zertreten, 42 Monate, was der einen Zeit und zwei Zeiten und der halben Zeit (3 ½ Jahre) entspricht bei Daniel und, Kap. 13,5, der Zeit des Antichristen, der ja im Tempel Gottes sitzt, 2. Thess. 2,4. Sie stimmt auch, rechnet man die Monate mit jeweils 30 Tagen, überein mit den 1260 Tagen aus Kap. 12,6, in der der HERR seine vom Antichristen bedrohte Gemeinde bewahrt; s.a. Dan. 7,25; 9,25-27; 12,7.126

    Das Messen steht in Parallelität mit dem Versiegeln in Kap. 7, nämlich dem bewahrenden Handeln Gottes angesichts der Zeit der Trübsal.127 Diese Trübsalszeit aber ist begrenzt, Gott der HERR hat auch der Trübsal eine Grenze gesetzt.

    Was nun kommt zeigt, wie es der Kirche zur Zeit des Antichristen ergeht.

 

    V. 3: DAS ZWEITE WEHE: In dieser antichristlichen Zeit, den 1260 Tagen, da hat aber der HERR trotz allem immer noch seine Zeugen, die „weissagen“, das ist, lehren, verkündigen, Gottes Wort auslegen – sie sind gegeben von Gott, wie die Hirten der Gemeinde überhaupt Gottes Gabe sind, Eph. 4,11. Diese beiden Zeugen stehen dabei als Personifikation für all die, die das Wort des HERRN treu verkündigen. Sie sind angetan mit Säcken – ein Zeichen der Buße, wie auch ihre Predigt wohl Bußpredigt sein wird. Sie treten auf mit Gesetz und Evangelium als den Redeweisen des HERRN.128 Warum zwei Zeugen? Durch zwei Zeugen sollte alles beglaubigt werden, 5. Mose 17,6; 19,5; Matth. 18,16; Joh. 8,17.129 Sie könnten aber zugleich auch stehen für Gesetz und Evangelium.

    V. 4: Sie sind Gottes Zeugen, Gottes Licht auf der Erde, verglichen mit dem Fürsten Serubabel und dem Hohepriester Josua, s.a. Sach. 4,3.11-14. Gott hat zu allen Zeiten seine Boten, auch in der finsteren Zeit des Antichristen, auch wenn ihre Zahl nur klein ist. Dass sie hier mit Ölbäumen und Fackeln verglichen werden, weist auf die Eigenschaften des Wortes Gottes, das sie verkündigen, hin: Gottes Geist wohnt in ihm; es ist klar, wahrhaftig, durchläutert, bringt die rechte Lehre.130 Beides stand bei Sacharja zum einen für Gottes Allwissenheit, zum anderen für die priesterliche und königliche Gewalt, die nun in der Kirche Christi den Gläubigen gegeben ist, Offenb. 1,6; 1. Petr. 2,9.131

    V. 5: Gewaltig, unwiderstehlich ist ihr Bußruf, dass er viele ergreift, zumindest äußerlich, und niemand ihnen widerstreben darf (s. Savonarola in Florenz).

    V. 6: Die Vollmacht, die sie haben, wie sie hier beschrieben ist, erinnert an Mose und Elia, an die zentralen Gestalten des Alten Bundes, an die Plagen über Ägypten und das Gericht Gottes durch Elia an Ahab. Im Mittelpunkt des Verses stehen dabei weniger die Bevollmächtigung der Boten an sich als vielmehr die Plagen, welche über die kommen, die dem Wort nicht glauben. Das geht auch christianisierte Länder an, wenn sie nicht unter dem Wort bleiben (s. Deutschland).

    V. 7: Aber auch die Zeit dieser Zeugen, dieser Boten Gottes, ist begrenzt: Das Tier aus dem Abgrund, die antichristliche Macht, die Staatsgewalt im Dienste des Papsttums, das wird sie töten, ja, der Antichrist wird eine Zeitlang Oberwasser haben, Kap. 13,7; Dan. 7,21.25.

    V. 8: Die Leichname der Bußprediger liegen da, unbestattet, in der großen Stadt, dem Sodom und Ägypten, also der antichristlichen Welt, die schon unseren HERRN gekreuzigt hat, und geprägt ist von Sünde, Schande, Heidentum, auch da, wo sie äußerlich christliche Züge trägt. Sodom steht für die Laster, die da herrschen, wie auch die geistliche Hurerei, Ägypten für die Tyrannei. Wie viele christliche Prediger hat das Papsttum ermordet! Zugleich aber wird damit auch die Gefahr angezeigt, in der die Gemeinde des HERRN immer steht, wenn sie sich mit der Staatsmacht verbündet, nämlich dass sie dann irgendwann von der Staatsmacht beherrscht wird und so der Unglaube sich in ihr ausbreiten kann.132

    V. 9.10: Bei den Völkern auf Erden ist ein Jubel über den Tod der Gottesboten, denn sie redeten ihnen ins Gewissen, was die Menschen aber nicht wollen; sie wollen sich nicht weisen lassen, s.a. die Menschen zur Zeit Jeremias. Die 3 ½ Tage stehen in Relation zu den 3 ½ Jahren des Antichristen und zeigen, dass der Antichrist trotz all seiner Macht und Anstrengungen letztlich nichts tun kann gegen den Geist des Evangeliums – s.a. Jan Hus und Hieronymus Savonarola, die ermordet wurden, Luther aber siegte, V. 11. Auch wenn die antichristliche Macht Gottes Boten tötet, so wird Gott der HERR an ihre Stelle wieder andere Prediger setzen. Das Evangelium kann nicht mehr zum Schweigen gebracht werden. So war es, als Luther nach Wiclif, Hus und Savonarola auftrat; so war es aber auch, als nach dem geistlich toten Zeitalter des Rationalismus es zur Erweckung und konfessionellen Erneuerung im 19. Jahrhundert kam und zur Bildung lutherischer Freikirchen gegen das unionistische Allerweltskirchentum des Staates.133

    V. 12: Keine Macht hat der Antichrist mehr, erneut diesen Geist (Luther) auszulöschen. Und die er einst hat töten lassen, die werden nun, bei der erneuerten Gemeinde, hoch geachtet als Märtyrer für den HERRN.

    V. 13: Vielmehr kommt es zu einem ersten Anfang des Gerichtes Gottes in einem Erdbeben, in dem ein Zehntel der Stadt und 7000 Menschen getötet werden, so dass die anderen Buße tun – das war ja auch das Ziel der Gottesboten zuvor. So hat die lutherische Reformation dem antichristlichen Reich, dem Papsttum, entscheidenden Schaden getan und ist dessen Macht grundsätzlich gebrochen.

    In der ganzen antichristlichen Zeit also hat Gott seine Boten, von denen etliche getötet werden – aber das Evangelium ist nicht tot zu kriegen; immer wieder hat der HERR seine Botschafter. Auch in den dunkelsten Tagen hat der HERR noch seine kleine Herde, die sein Wort austeilt.

    V. 15-19: DIE SIEBTE POSAUNE: DAS DRITTE WEHE: Der Triumph Christi am Jüngsten Tag (s.a. das sechste Siegel, Kap. 6,12-17)

    V. 15: Die siebte Posaune bringt für die Gemeinde des HERRN den großen Triumph, nämlich Christi allgemeinen, weltweiten Sieg: Die Reiche dieser Welt fallen endgültig dahin, Christus ist HERR in alle Ewigkeit, s.a. Dan. 7,26-27. Damit ist auch die Behauptung eines tausendjährigen Sonderreiches abgetan.

    V. 16: Die 24 Ältesten, die für die Gemeinde des Alten und des Neuen Bundes stehen, beten über den Sieg den lebendigen Gott an.

    V. 17.18: Die Heiden waren zornig, Ps. 2, erhoben sich gegen Gott – aber Gott hat sie in seinem Zorn überwunden und gerichtet – und hat den Seinen ihren Lohn gegeben: die ewige Seligkeit und Herrlichkeit.

    V. 19: Der JÜNGSTE TAG ist gekennzeichnet von der Sammlung der Schar Gottes im Himmel und dem Gericht über die Erde. Der Tempel Gottes ist nun offen, die Gemeinde des HERRN wird mit ihrem Hirten offenbar werden auch vor den Augen der Menschen, Kol. 3,4, und die Gläubigen werden „die Arche seines Testaments“ sehen, Gott selbst, wie er ist, 1. Joh. 3,2.134

 

 

DER DRITTE ZYKLUS DURCH DIE NEUTESTAMENTLICHE ZEIT: WIE DER ANTICHRIST GEGEN DIE GEMEINDE CHRISTI ANRENNT (Kapitel 12,1-15,4)

 

DAS VIERTE GESICHT (Kap. 12,1-14,20)

 

G) Allgemeiner Ueberblick ueber die Verfolgung der Gemeinde Christi durch den Antichristen, das ist, das Papsttum (Kapitel 12)

 

Kapitel 12: 1 Und es erschien ein groß Zeichen im Himmel: ein Weib, mit der Sonne  bekleidet, und der Mond unter ihren Füßen und auf ihrem Haupt eine Krone  von zwölf Sternen. 2  Und sie war schwanger und schrie und war in Kindesnöten und hatte große  Qual zur Geburt. 3  Und es erschien ein anderes Zeichen im Himmel; und siehe, ein großer, roter  Drache, der hatte sieben Häupter und zehn Hörner und auf seinen Häuptern  sieben Kronen. 4  Und sein Schwanz zog den dritten Teil der Sterne und warf sie auf die  Erde. Und der Drache trat vor das Weib, die gebären sollte, auf dass,  wenn sie geboren hätte, er ihr Kind fräße. 5  Und sie gebar einen Sohn, ein Knäblein, der alle Heiden sollte weiden  mit der eisernen Rute; und ihr Kind ward entrückt zu Gott und seinem  Stuhl. 6  Und das Weib entfloh in die Wüste, da sie hatte einen Ort bereit von  Gott, dass sie daselbst ernährt würde tausend zweihundertundsechzig  Tage.

    7  Und es erhub sich ein Streit im Himmel: Michael und seine Engel stritten  mit dem Drachen. Und der Drache stritt und seine Engel 8  und siegten nicht; auch ward ihre Stätte nicht mehr gefunden im Himmel. 9  Und es ward ausgeworfen der große Drache, die alte Schlange, die da heißt  der Teufel und Satanas, der die ganze Welt verführet; und ward geworfen  auf die Erde; und seine Engel wurden auch dahin geworfen. 10  Und ich hörte eine große Stimme, die sprach im Himmel: Nun ist das Heil  und die Kraft und das Reich und die Macht unsers Gottes, seines Christus  worden, weil der Verkläger unserer Brüder verworfen ist, der sie verklaget  Tag und Nacht vor Gott. 11  Und sie haben ihn überwunden durch des Lammes Blut und durch das Wort  ihres Zeugnisses; und haben ihr Leben nicht geliebt bis an den Tod. 12 Darum freuet euch, ihr Himmel, und die darinnen wohnen! Wehe denen, die  auf Erden wohnen und auf dem Meer; denn der Teufel kommt zu euch hinab  und hat einen großen Zorn und weiß, dass er wenig Zeit hat.

    13  Und da der Drache sah, dass er verworfen war auf die Erde, verfolgte er  das Weib, die das Knäblein geboren hatte. 14  Und es wurden dem Weibe zween Flügel gegeben wie eines großen Adlers,  dass sie in die Wüste flöge an ihren Ort, da sie ernährt würde eine Zeit  und zwo Zeiten und eine halbe Zeit vor dem Angesichte der Schlange. 15  Und die Schlange schoss nach dem Weibe aus ihrem Munde ein Wasser wie ein  Strom, dass er sie ersäufte. 16  Aber die Erde half dem Weibe und tat ihren Mund auf und verschlang den  Strom, den der Drache aus seinem Munde schoss. 17  Und der Drache ward zornig über das Weib und ging hin, zu streiten mit  den übrigen von ihrem Samen, die da Gottes Gebote halten und haben das  Zeugnis Jesu Christi.

 

    In Offenbarung 11 war die Geschichte der Welt und der Kirche bis zum Ende weiterverfolgt worden. Hier in Kapitel 12 beginnt nun ein neuer Zyklus der Betrachtung der neutestamentlichen Kirchengeschichte, nur von einem anderen Aspekt aus.135 Während bisher in erster Linie der Kampf auf Erden betrachtet wurde, geht es nun um die eigentliche, die himmlische Dimension, und die Auswirkungen, die dieser Kampf im Himmel auf das Leben auf der Erde hat. Wir tun jetzt sozusagen einen Blick hinter die Kulissen, der uns zeigt, warum die Dinge auf Erden so geschehen.136

    So, wie wir im ersten Zyklus (Kap. 5,1-8,1) sieben Siegel hatten, im zweiten Zyklus (8,2-11,14) sieben Posaunen, so haben wir hier im dritten Zyklus sieben Gesichter, die jeweils im Griechischen beginnen mit: „Und ich sah“ (13,1; 13,11; 14,1; 14,6; 14,14; 15,1)137. Die Sieben ist die göttliche Vollzahl und zeigt damit an, dass wir jeweils die vollständige neutestamentliche Zeit in diesen Zyklen abgebildet haben. Die sieben Gesichter innerhalb dieses dritten Zyklus umfassen: 1) 12,1-13,1: das Weib, das Kind und der Drachen; 2) 13,1-10: das Tier aus dem Meer; 3) 13,11-18: das Tier auf der Erde; 4) 14,1-5: das Lamm und die 144.000 auf dem Berg Zion; 5) 14,6-13: die drei Engel; 6) 14,14-20: die Sammlung der Menschen; 7) 15,1-4: die sieben Engel mit den sieben letzten Plagen.138

    V. 1-6: Das Weib und der Drache – die vom Antichristen bedrohte Kirche

    V. 1: Johannes sieht ein neues, viertes Gesicht: ein Weib, mit einer Sonne bekleidet, dem Mond unter ihren Füßen (die Nacht der geistlichen Finsternis ist vorbei), eine Zwölf-Sterne-Krone auf dem Haupt.

    Das Weib gebiert Christus; sie ist aber keine Einzelperson (gegen die römisch-katholische Behauptung, die hier Maria sieht und die Zwölf-Sternen-Krone als Symbol für Maria, die Himmelskönigin nimmt; aus diesem römisch-katholischen Hintergrund stammt übrigens auch das Banner der Europäischen Union, die ja in erster Linie (als Europäische Wirtschaftsgemeinschaft) von römisch-katholischen Christdemokraten (Adenauer, de Gasperi, Schumann) gegründet wurde, in enger Abstimmung mit dem römischen Papsttum), sondern steht für die Gemeinde des HERRN, aus der ja Christus hervorgegangen ist. Das zeigt vor allem auch V. 6, wo es ja um die Verfolgung in der antichristlichen Zeit geht.139 Die Gemeinde unter dem Bild der Frau ist im Alten Testament durchaus geläufig, z.B. Hos. 1-3; Jes. 54,4-8; 62,4-5.

    Dass sie mit der Sonne bekleidet ist, weist, Mal. 4,2, hin auf Christus, die Sonne der Gerechtigkeit, mit dessen Kleid wir bekleidet werden. Der Mond steht für das Vergängliche, die Nacht, die Finsternis. Dass das Weib ihn zu Füßen hat zeigt, dass sie nicht nach dem Irdischen trachtet, sondern nach dem, was droben ist, Kol. 3,1-4, dass sie über die Sünde, die Finsternis herrscht.

    Die zwölf Sterne in der Krone stehen für die Lehrer der Gemeinde, dafür, dass die Gemeinde gegründet ist in der reinen Lehre, und erinnern an die zwölf Stämme Israels und die zwölf Apostel und damit an die Gemeinde des HERRN Alten und Neuen Testaments. Wie das gesamte Kapitel 12 zeigt, wäre es falsch, das Weib mit dem leiblichen Israel gleichzusetzen.140 Dieses Bild der Frau, die ausgezeichnet ist mit all dem, was sie ausmacht, von oben, steht im krassen Gegensatz zu der Hure, von der wir Kap. 17 lesen werden.

    V. 2: Das Weib ist schwanger – denn aus ihr soll Christus geboren werden, auf den die Gemeinde des Alten Bundes schon so lange wartete, Jes. 64,1, der Trost Israels, Luk. 2,25. Dabei ist sie in großen Nöten, denn die Gemeinde des HERRN ist auf dieser Erde immer die streitende, kämpfende Kirche, angefochten und verfolgt, sowohl von außen, wie auch von falschen Lehrern und Scheinchristen von innen.141

    V. 3: Der große, rote Drache: Der Satan, der sieben Häupter hat: sie stehen für die sieben dämonischen Geister, die in der Offenbarung erwähnt werden, und zehn Hörner, die für Macht stehen (Ps. 89,18: 1. Sam. 2,10). Der Satan ist der Fürst dieser Welt: Rot ist ein Zeichen der Hölle, des Feuers und Blutes und bezieht sich auf seine mörderische Natur, Joh. 8,44. Im Gegensatz zu den sieben Geistern Gottes, Kap. 4,5 und den sieben Hörnern und Augen des Lammes, 5,6, steht der Satan hier für das absolut Böse, Gottlose, versucht aber, Gott nachzuäffen. Er behauptet für sich göttliche Macht und ahmt göttliche Werke nach (sieben Häupter/Geister; zehn Hörner: zehn ist die Zahl der Vollständigkeit, der prophetischen Sprache). Während die Kronen des Weibes Kronen nicht nur der Herrscher, sondern auch der Sieger und Eroberer waren, so sind die Kronen Satans Diademe von Thronräubern. Im Griechischen stehen zwei unterschiedliche Wörter. Zu beachten ist hier auch die große Ähnlichkeit zwischen dem Drachen und dem Tier in Kap. 13, das auch sieben Häupter und zehn Hörner hat. Das macht deutlich, dass dieses Tier ganz im Dienste Satans steht, Satan seinerseits sein Wirken mittelbar ausführt.142

    V. 4: Das Ziel Satans, des Drachen, ist es, möglichst viele Lehrer zu fällen, zu verführen in Irrtum und falsche Lehre. Das wird angezeigt damit, dass es heißt, dass sein Schwanz ein Drittel der Sterne hinter sich herzog und auf die Erde warf. Man denke hier auch an den alttestamentlichen Typos auf den Antichristen, Antiochus Epiphanes, dessen Wirken Daniel beschreibt, s. Dan. 8,10.24 f.

    Vor allem aber hat er es auf das Kind abgesehen, Christus, den Heiland der Welt.

    V. 5: Der Knabe, der geboren ist, der auch die Heiden regiert, Ps. 2,9: Christus, der darum zu Gott entrückt wurde. s.a. Jes. 9,6. Christus hat gesiegt, auf Golgatha hat er das Erlösungswerk vollbracht, Joh. 19,30, seine Auferstehung ist die Proklamation dieses Sieges, seine Himmelfahrt sein Triumphzug, auf dem er das Gefängnis gefangen geführt hat, Kol. 2,15; Eph. 4,8.

    V. 6: Die Frau, die Gemeinde, flieht in die Wüste, wird aber von Gott versorgt – 1260 Tage oder 3 ½ Jahre, die Zeit des Antichristen. Die Gemeinde Christi ist schon durch viel Verfolgungen gegangen und wird auch noch durch viele gehen – aber der HERR versorgt sie. Sie entflohen an einen Ort, den Gott ihr bereitet hat: zu der uneinnehmbaren Burg seines heiligen Wortes. Das Bild V. 4b-6 zeigt etwas von der Ohnmacht Satans: Er steht mit seiner Macht vor dem hilflosen Weib und kann ihr doch nichts tun, muss zulassen, dass sie ihr Kind gebiert und das Kind zu Gott entrückt wird, das Weib aber flieht, von Gott beschirmt.143

 

    V. 7-12 a: Der geistliche Kampf in der unsichtbaren Welt

    Dem Ringen, das die Gemeinde Jesu Christi hier auf Erden durchstehen muss, entspricht der Kampf in der unsichtbaren Welt, ja, letzterer ist der eigentlich entscheidende.

    V. 7: Der Streit im Himmel findet statt zwischen Michael und seinen Engeln einerseits und dem Drachen und dessen Engeln andererseits. Der Teufel tritt an, um die Gläubigen zu verklagen, den HERRN von seiner Gemeinde zu trennen, s.a. V. 12. Gerade bei Daniel begegnet uns Michael als der Fürst des Volkes Gottes des Öfteren, Dan. 8,11.21; 10,13.21; 12,1 – es ist niemand anders als Jesus Christus, der für sein Volk einsteht, der für sein Volk streitet, s.a. Kap. 19,11 ff., und vor allem im Gethsemane und auf Golgatha für es gekämpft und gesiegt hat.

    V. 8 f.: Der Teufel siegt nicht! Er hat auch nicht den endgültigen Sieg, sondern den hat Christus allein, der der Schlange den Kopf zertreten hat, 1. Mose 3,15, der die Werke des Teufels zerstört hat, 1. Joh. 3,8. Und: Damit ist der Teufel aus dem Himmel gestoßen, auf die Erde geworfen, Luk. 10,18; Joh. 12,31. Er, der Teufel, herrscht nun noch als ein Verworfener in den Kindern des Unglaubens. Die Gläubigen aber sollen ihm, Jak. 4,7, widerstehen, dann muss er von ihnen fliehen.144

    V. 10: Jesu Sieg ist ein umfassender Sieg, wie der Triumph im Himmel zeigt: Heil, Kraft, Reich hat er erworben; Satan, der uns erst zur Sünde verführt hat, darf uns nicht mehr verklagen. Und warum nicht?

    V. 11: Weil wir, wenn wir uns im Glauben an Jesus Christus halten, gewaschen sind in seinem Blut und damit das ganze Heil haben – und es von Herzen als Frucht bekennen, s.a. 1. Joh. 1,7-9; Röm. 10,8-10 und mit dem Wort als dem Schwert des Geistes gegen den Teufel kämpfen, Eph. 6,17. Als Erlöste lieben wir Christus mehr als unser Leben, sind bereit zum Martyrium.145

    Wann ist das geschehen? Es ist nicht zukünftig, sondern es ist geschehen, durch Christus, vollbracht auf Golgatha, 1. Joh. 3,8; Joh. 12,31, vollendet im Triumphzug seiner Himmelfahrt, Kol. 2,15. Wir dürfen aus seiner Gnade leben, auch schon hier auf Erden. Wir werden gewaschen durch sein Blut, das Blut des Lammes, das er für uns vergossen hat.146

 

    V. 12 b-17: Satan verfolgt die Gemeinde Christi

    V. 12 b: Die, die nach Golgatha noch auf Erden wohnen, vor allem die Gemeinde Christi, haben einen schweren Stand, da der Satan seine Wut erhöht und weiß, dass er nur wenig Zeit hat.

    V. 13: Sein Hauptaugenmerk gilt der Gemeinde Jesu Christi, dass er sie verfolgt, durch Verführung und falsche Lehre nach innen, durch Unterdrückung und physische Verfolgung nach außen,147 was sich vor allem in der kleinen Zeit, wenn seine Ketten gelöst sind, gewaltig steigert, s. Kap. 20.

    V. 14: Aber die Gemeinde ist gerade auch in dieser antichristlichen Zeit nicht allein. Gott hat ihr eine Zuflucht bereitet, in der sie überleben kann, in der er sie auch ernährt, 1. Petr. 1,5, wenn auch vor dem Angesicht Satans, immer bedroht, wenn auch mit vielen Märtyrern, die durch Satans Macht umgebracht wurden. Aber auch die Pforten der Hölle können die Gemeinde Jesu Christi nicht auslöschen, Matth. 16,18. Dieser Abschnitt spiegelt also die gesamte Geschichte der neutestamentlichen Gemeinde wieder, aber auch die Kraft, die der HERR ihr immer wieder geben wird, in diesen Anfechtungen und Verfolgungen zu beharren, s.a. Jes. 40,31.148 Wenn hier von der Wüste die Rede ist, in der die Gemeinde überleben wird, so erinnert das zum einen an die Wüstenwanderung Israels, 42 Jahre lang, während der der HERR sein Volk geistlich zubereitet und auch bewahrt hat, während deren er es auf Adlers Flügeln trug (2. Mose 19,4; 5. Mose 32,10-11; Ps. 91,4).149

    Wenn hier der Teufel auch wieder als die Schlange bezeichnet wird, so erinnert dies daran, wie er unsere Ureltern durch falsche Lehre, schöne Worte schon im Paradies verführte. Falsche Lehre, das ist auch in der letzten Zeit seine Hauptwaffe, neben der physischen Verfolgung.150 Nicht zuletzt warnt ja deshalb Christus in seiner Endzeitrede Matth. 24 mehrfach vor den falschen Lehrern.

    V. 15.16: Satan versucht alles, die Gemeinde des HERRN auszulöschen, vor allem durch Verführung und falsche Lehre – aber Gott hat immer Wege, sie zu erretten, die Pforten der Hölle können sie nicht überwinden, Matth. 16,18. Die Fluten der Verfolgungen in der Geschichte der Gemeinde Jesu Christi sind groß und die Menge der Märtyrer unzählbar, gerade in den letzten 150 Jahren. Aber der HERR hat für seine Gemeinde immer wieder eine Zufluchtsstätte bereit!

    V. 17: Aber bis Christus wiederkommt, streitet der Satan gegen die, die Gott treu sind, die Christus nachfolgen. Hier sind die einzelnen Christen gemeint, die angegriffen werden. Gemeinde Christi ist immer Gemeinde unter dem Kreuz!

 

H) Der Aufstieg des Antichristen – das Roemische Reich und sein Nachfolger, das Papsttum (Kapitel 13,1-10)

 

Kapitel 13,1-10: 1 Und ich trat an den Sand des Meeres. Und sah ein Tier aus dem Meer steigen,  das hatte sieben Häupter und zehn Hörner und auf seinen Hörnern zehn  Kronen und auf seinen Häuptern Namen der Lästerung. 2  Und das Tier, das ich sah, war gleich einem Panther und seine Füße als  Bärenfüße und sein Mund eines Löwen Mund. Und der Drache gab ihm seine  Kraft und seinen Stuhl und große Macht. 3  Und ich sah seiner Häupter eines, als wäre es tödlich wund; und seine  tödliche Wunde ward heil. Und der ganze Erdboden verwunderte sich des  Tieres. 4  Und beteten den Drachen an, der dem Tier die Macht gab, und beteten das  Tier an und sprachen: Wer ist dem Tier gleich? und wer kann mit ihm  kriegen? 5  Und es ward ihm gegeben ein Mund, zu reden große Dinge und Lästerung;  und ward ihm gegeben, dass es mit ihm währte zweiundvierzig Monate lang. 6  Und es tat seinen Mund auf zur Lästerung gegen Gott, zu lästern seinen  Namen und seine Hütte, und die im Himmel wohnen. 7  Und ward ihm gegeben, zu streiten mit den Heiligen und sie zu überwinden.  Und ihm ward gegeben Macht über alle Geschlechter und Sprachen und  Heiden. 8  Und alle, die auf Erden wohnen, beten es an, deren Namen nicht geschrieben  sind in dem lebendigen Buch des Lammes, das erwürget ist von Anfang der  Welt. 9  Hat jemand Ohren, der höre! 10  So jemand in das Gefängnis führet, der wird in das Gefängnis gehen; so  jemand mit dem Schwert tötet, der muss mit dem Schwert getötet werden.  Hier ist Geduld und Glaube der Heiligen.

 

    Das Kapitel 13 gliedert sich in zwei Teile: die Verse 1-10 behandeln das siebenköpfige Tier, den Antichristen,  und zwar in seiner äußeren Machtentfaltung, die Verse 11-18 das zweigehörnte Tier, den Propheten des Antichristen, die verführerische Macht.151 Es behandelt, nur ausführlicher, das gleiche wie Kap. 12,13-17, nämlich den Versuch Satans, die Gemeinde Christi zu zerstören, hier nun durch die antichristlichen Mächte in der Welt.152 Wenn wir die drei zusammen sehen, Satan, das Tier aus dem Meer und das Tier vom Land, so haben wir die widergöttliche „Trinität“;153 auch hier versucht Satan wieder, Gott nachzuäffen.

    V. 1: Meer: Der Begriff „Meer“ steht oft, s.a. Dan. 7,2; Ps. 46,2 ff.; Jes. 17,12 f.; Jer. 6,23; 46,2 ff. für das Völkermeer, für die Völker dieser Erde. Und so ist es auch hier, wie auch Dan. 7 als Paralleltext darlegt.

    Das Tier, das dem Drachen aus Kap. 12,2 ähnelt, hat sieben Häupter – das Gegenstück oder die teuflische Nachäffung der sieben Geister Gottes, Jes. 9; Kap. 4,5 –, die für die sieben Hügel, Kap. 17,9, stehen, was auf Rom hinweist, und hat 10 Hörner, die, Kap. 17,12, auf die zehn Diözesen oder Reiche hinweisen, die aus ihm entstehen sollen. Auf den Hörnern, die für Reiche stehen, befinden sich Kronen (Reiche) und Namen der Lästerung: Es ist die gottlose, die Gott feindliche, die antichristliche Macht, Weltmacht, wie wir sie im Römischen Reich als Typos vorfinden, die sich aber in aller weltlichen Macht zeigt, wie ja auch in allen modernen Staaten römisches Recht, römische Politik, Kriegskunst, Ehrgeiz und Selbstsucht sich findet als Grundlage der Staatsverhältnisse.154 Im Unterschied zu Kap. 12 befinden sich bei dem Tier die Kronen (besser: Diademe) auf den Hörnern, also dem Ausdruck der Macht. Sie sind damit Ausdruck angemaßter, usurpatorischer Macht in allen Bereichen (Politik, Regierung, Militär, Wirtschaft, Gesellschaft, Wissenschaft, Erziehung), eine Lästerung, eine Beleidigung Gottes.155 Dieses Tier ist das genaue Gegenteil von Christus, es steht für Macht gegen Recht, für Chaos anstatt Ordnung, Böses gegen Gutes, Tod gegen Leben, Satan gegen Gott.156

    V. 2: Das Tier erinnert zum einen an die letzte Monarchie aus Dan. 2, weil es Elemente aus allen Vorgängerreichen hat, dann an die Reiche aus Dan. 7, deren Symbole es trägt: Panther (Pardel) für Mazedonien, Bär für Persien, Löwe für Babylonien. Rom hat ja vieles von allen vereinigt – und es zeigt zugleich an, dass die weltlichen Mächte in allen ihren Facetten an sich Gottes Feinde sind. Und seine Macht hat dies Tier, hat der Antichrist, vom Drachen, von Satan, dem er ja auch gleicht, siehe Kap. 12,3.

    V. 3 f.: Eines seiner Hörner ist tödlich wund – und wurde wieder heil. Auch hier sucht das Tier Christus nachzuäffen, nämlich seinen Tod und Auferstehung.157 So ist das Römische Reich durch den Germanen- und Hunnensturm tödlich wund geworden – und ist im römischen Papsttum wieder heil geworden. Zugleich sehen wir hier aber auch die antichristlichen Weltmächte überhaupt, die immer wieder versucht haben, sich der Kirche Jesu Christi zu bemächtigen, insbesondere durch die „Staatskirchen“.158 Ebenso wurde das Papsttum in der Reformation tödlich verwundet, hat sich aber, begrenzt, erholt. Immer wieder ist das antichristliche Papsttum in der Kirchen- und Weltgeschichte durchaus von weltlichen Mächten angegriffen worden, aber immer wieder hat es sich erholt.159 Das Papsttum hat eine ungeheure Macht angehäuft, größer als irgendein weltlicher Herrscher. Und gerade die ungeheuerlichen Behauptungen, die das Papsttum von sich aufstellt und die Lehrverdrehungen, die es aufgebracht hat, siehe unten, bezeugen, dass ein Hauptmerkmal Lästerung ist, besonders, dass er sich als Christi Stellvertreter aufspielt und tut, als sei es Christus selbst.160

    Seine Kraft hat die antichristliche Macht von Satan: Der Antichrist nimmt das Angebot an, das Christus vehement ausgeschlagen hat, Matth. 4,8.9; Luk. 4,6.

    Über die Macht und die Erneuerung der Macht des Tieres staunt die Welt – und betet das Tier an und Satan – anstatt den lebendigen Gott, V. 4. Dies hat sich in den letzten 200 Jahren, besonders seit dem Aufkommen des Ultramontanismus [Erneuerung der Papstvergötzung] nach der französischen Revolution, sehr ausgeweitet, nicht zuletzt auch mit dem Aufkommen der Medien, mit einer geradezu aufgekommenen Vergötterung des Papstes, aber auch weltlicher Mächte, etwa in den totalitären Staaten, aber auch in manchen demokratischen Ländern (s. die propagandistische Darstellung von Barak Obama, der geradezu als ein „Messias“ gefeiert wurde). Dies weitet sich umso mehr aus, umso weniger sich die Regierungen als Diener Gottes sehen.

    V. 5: Schon Dan. 7,5.8.20.25 heißt es von dieser Macht, dass sie große Dinge redet, vor allem aber, dass sie den Höchsten lästert und die Heiligen des Höchsten verfolgt. Die schlimmste Lästerung aber ist die, die gegen Christi Erlösungswerk geredet wird, die die Rechtfertigungslehre umstößt.161 Die Zeit dieser Macht sind die 42 Monate oder 3 ½ Zeiten oder 1260 Tage. Es ist die von Gott vorgegebene, schon begrenzte antichristliche Zeit. So groß also diese Macht auch auftrumpft, so ist es mir ihr doch früher zu Ende, als sie denkt.

    V. 6: Das Wesen und die Worte des Tieres sind Gotteslästerung, Feindschaft gegen Gott und die Gemeinde. Das sehen wir in der Welt im Allgemeinen, im Islam, im Freimaurertum, im Papsttum im Besonderen immer offener auftreten, gerade in der „kleinen Zeit“ (Kap. 20,7-9). Gottes Name – das ist Gott selbst, sein Wesen. So gehört zu dieser Lästerung jeglicher Angriff gegen Gott und sein Wort, also auch jegliche Irrlehre, jegliche Auflösung von Gut und Böse, Recht und Sünde.162

    V. 7: Wie schon Kap. 11,7 und Dan. 7,21 dargelegt, streitet es gegen die Gemeinde Christi, verfolgt sie – und siegt eine Zeitlang, kann sie unterdrücken, Macht und Gewalt über sie bekommen, Dan. 7,21.25 – aber nur bis zum Jüngsten Tag. Die Gemeinde wird während dieser Zeit sehr klein, verängstigt sein, scheinbar ohne Bedeutung. Aber bedenken wir auch: Christi Reich ist keine irdische Größe, ist nicht von dieser Welt, Joh. 18,36, sondern eine geistliche Macht. Mag auch die antichristliche Macht äußerlich Gewalt über sie haben, so betet die Gemeinde des HERRN doch das Tier nicht an.163

    V. 8: Auch darum werden alle, die auf Erden wohnen, den Antichristen anbeten, alle die, die nicht geschrieben im Buch des Lebens und versiegelt sind. Das heißt auch: Viele in der Kirche als der äußeren Versammlung um Wort und Sakrament werden auch das Tier anbeten, eben diejenigen, die nur Heuchler und Scheinchristen sind, nur äußerlich zur Gemeinschaft um die Gnadenmittel gehören (Namenschristen). Dass es „alle, die auf Erden wohnen“ heißt, zeigt an, dass es sich um ein globales Phänomen handelt. Gerade die Globalisierung ist ein deutliches Merkmal der End-, ja, der kleinen Zeit. Dass Menschen im rechtfertigenden Glauben erhalten bleiben, das ist ein Wunder Gottes.

    Das Lamm ist erwürgt „von Anfang der Welt“. Das zeigt an, dass die heilige Dreieinigkeit in ihrem Ratschluss schon vor Anfang der Welt beschlossen hatte, wie unsere ewige Rettung erfolgen sollte, eben durch das Opfer Jesu Christi am Kreuz. Deshalb sind auch alle Gläubigen des Alten Bundes durch den Glauben an das damals noch zukünftige Opfer gerettet worden, das vorgebildet war in den Opfern des Alten Bundes.164

    V. 9.10: Aber gerade in der Verfolgungszeit sollen wir bedenken, dass Gottes Gericht an die Verfolger selbst kommen wird. Wir sollen nur getrost sein und nicht nach Rache sinnen, auch nicht Gewalt mit Gewalt beantworten; Röm. 12,19; 13,4.165

    Diese antichristliche Macht ist, wie wir sehen, eine weltliche und eine religiös-geistliche. Das Reich des Antichristen ist religiös. Das antichristliche Wirken des Papsttums, die Lästerung Gottes, zeigt sich: a) darin, dass er behauptet, Gottes Stellvertreter auf Erden zu sein; b) darin, dass er unabhängig von der Bibel gewissensverbindliche Lehren aufstellt; c) darin, dass er „Heilige“ ernennt; d) im Heiligen- und Mariendienst; e) in der antichristlichen Werkgerechtigkeit und dem gesamten Greuel, das daraus folgt, besonders dem Mess-Unwesen; f) in der Verfolgung der wahren Christen.

 

I) Die verfuehrerische geistliche Macht, die dem Antichristen dient; oder: Der Prophet des Antichristen (Kapitel 13,11-18)

 

Kapitel 13,11-18: 11 Und ich sah ein anderes Tier aufsteigen von der Erde; und es hatte zwei Hörner  gleichwie das Lamm und redete wie der Drache. 12  Und es tut alle Macht des ersten Tieres vor ihm; und es macht, dass die  Erde, und die darauf wohnen, anbeten das erste Tier, welches tödliche  Wunde heil geworden war. 13  Und tut große Zeichen, dass es auch macht Feuer vom Himmel fallen vor den  Menschen; 14  und verführet, die auf Erden wohnen, um der Zeichen willen, die ihm  gegeben sind, zu tun vor dem Tier; und sagt denen, die auf Erden wohnen,  dass sie dem Tier ein Bild machen sollen, das die Wunde vom Schwert hatte  und lebendig worden war. 15  Und es ward ihm gegeben, daß es dem Bilde des Tieres den Geist gab, dass  des Tieres Bild redete; und dass es machte, dass, welche nicht des Tieres  Bild anbeteten, ertötet würden. 16  Und machte allesamt, die Kleinen und Großen, die Reichen und Armen, die  Freien und Knechte, dass es ihnen ein Malzeichen gab an ihre rechte Hand  oder an ihre Stirn, 17  dass niemand kaufen oder verkaufen kann, er habe denn das Malzeichen oder  den Namen des Tieres oder die Zahl seines Namens. 18  Hier ist Weisheit. Wer Verstand hat, der überlege die Zahl des Tieres;  denn es ist eines Menschen Zahl, und seine Zahl ist sechshundert und  sechsundsechzig.

 

    V. 11: Ein anderes Tier steigt auf von der Erde, also aus der äußeren Versammlung der Kirche. Es hat zwei Hörner, wie das Lamm; es will also das Lamm Gottes nachäffen, weil es sich an dessen Stelle setzen will (Antichrist) – es redet dieses Tier aber wie der Drache, also antigöttlich, will verführen. Die beiden Hörner stehen auch für die beiden Mittel, mit denen das Tier arbeitet: Wort und Wunder; das Tier erinnert auch an das zweite Tier bei Daniel, Dan. 8,3.166 Es arbeitet nach außen nicht so brutal wie das erste Tier, sondern versucht, als eine moralische Autorität aufzutreten: mit frommen, unschuldigen Sätzen, aber schrecklicher Verführung, denn hinter der Fassade des Lammes lauert das tödliche Treiben des Drachen, Satans.167

    Das erste Tier steht für das Papsttum nach seiner weltlichen Seite und die damit verbundenen weltlichen Mächte, für die politische, soziale, ökonomische und auch pädagogische Tyrannei, nicht zuletzt auch für das Papsttum vor der Reformation; das andere Tier für das Papsttum nach seiner geistlichen Weise, wie es vor allem seit der Reformation auftritt, die religiöse Tyrannei.168

    V. 12: Es tut dies zweite Tier alle Macht des ersten Tieres vor ihm – verherrlicht das erste Tier, dessen Wunde, der Schlag durch die Reformation, heil geworden ist. In Kap. 17,3 heißt es, dass das Weib auf dem Tier sitzt, es reitet. Wenn wir außerdem bedenken, dass mit dem ersten Tier auch die antichristliche Weltmacht mitbezeichnet ist, so wird auch deutlich, wie wichtig für Rom immer die Vermischung von Kirche und Staat ist, die sich durch die Geschichte des Papsttums hinzieht, bis heute (man denke nur etwa an die Konkordate, die die Kirchen mit Staaten schließen).169

    Die Welt, alle Menschen, sollen dieses Tier anbeten.170

    V. 13: Dazu tut er Antichrist auch große Zeichen und Wunder, s.a. Matth. 24 und 2. Thess. 2, verführt dadurch viele (s.a. Lourdes, Reliquien; aber auch die Wunder bei den pfingstlerischen und charismatischen Schwarmgeistern). Es sind teuflische Zeichen und Wunder. Wunder spielen gerade im Papsttum eine große Rolle. Es geschehen auch wirklich viele Wunder in seinem Bereich – aber sehr viele aus satanischer Macht, s.a. 2. Thess. 2,9 ff.

    V. 14.15: Die Menschen sollen ein Bild von dem Tier machen, das dann redet – und wer es nicht anbetet, der soll getötet werden. Dies ist ein Hinweis auf das Ikonenunwesen, aber auch den Bilderdienst in der römisch-katholischen Kirche, gerade etwa in Verbindung mit dem Heiligendienst, aber auch auf all die Verfolgungen, die von der Papstkirche gegen die Kirchen der Reformation in massivster Weise mittels des Staates durchgeführt wurden – und auch von den Staatskirchen und der Staatsmacht überhaupt gegen die bibeltreuen Christen.171

    V. 16: Dazu sollen alle, groß oder klein, arm oder reich, mit einem Malzeichen gekennzeichnet werden an der rechten Hand oder Stirn (man denke da nur an die Experimente, die bereits gemacht werden, mit den Chips, die unter die Haut gepflanzt werden – angeblich zum Schutz, zur Sicherheit der Menschen; aber auch an die Signaturkarten, die in Verbindung mit „Elena“ an all die verkauft werden sollen, die in irgendeiner Weise auf staatliche Zuschüsse angewiesen sind, Wohngeld, Arbeitslosengeld usw., und die sie ohne diese Karte ab 2012 nicht bekommen werden). Dieses Malzeichen des Tieres, das äußere Ehre, Ansehen vor den Menschen und irdische Vorteile bringt, ist entgegen gesetzt dem Malzeichen Christi, das in Verfolgung, Schmach und Hohn um des Bekenntnisses Christi und seines Wortes besteht. Worin zeigt sich das Malzeichen des Tieres? Es zeigt sich gerade auch in der geistlichen Haltung, nämlich darin, dass man mit der Welt, dem Zeitgeist, der falschgläubigen Kirche liebäugelt, buhlt, wie es sich etwa in der Ökumene, der Allianz, der Union zeigt, aber auch der Anpassung an das Denken und die Lebensweise der Welt überhaupt (so ja auch der Ansatz bei Willow Creek, Saddleback, Emerging Church).172

    V. 17: Wer dieses Zeichen nicht hat, ist ausgeschlossen aus der Gesellschaft, kann nicht kaufen oder verkaufen, muss verhungern (s.a. das Vorgehen gegen Christen in der frühen Zeit Sowjetrusslands unter Lenin oder die Forderungen antichristlicher Kreise in der Bundesrepublik Deutschland, bibeltreuen oder evangelikalen Kreisen den Zugang zu den Medien zu verbieten, ihnen das Betreiben von Schulen zu untersagen. So hatten auch verschiedene Päpste den Handel und Verkehr mit den Waldensern untersagt und Papst Martin V. und das Konstanzer Konzil unter anderem befohlen, dass die Hussiten nicht Haus und Hof haben, nicht handeln und wandeln, kaufen und verkaufen dürften.173)

    V. 18: Die Zahl des Tieres ist 666, was, nach dem griechischen Alphabet (die Offenbarung wurde ja in Koine, dem Umgangsgriechisch der damaligen Zeit, geschrieben) „lateinos“,174 nach dem hebräischen Alphabet „romijith“ heißt – was beides sehr deutlich auf Rom hinweist. (Schon Irenäus hat es auf „lateinos“ gedeutet.) (s.a. den Bilderdienst der beiden katholischen Kirchen)

 

 

 

J) Die Kirche der lutherischen Reformation, der Sturz der absoluten Papstmacht und das Juengste Gericht (Kapitel 14)

 

Kapitel 14: 1 Und ich sah ein Lamm stehen auf dem Berge Zion und mit ihm  144.000, die hatten seinen Namen und den Namen seines Vaters  geschrieben an ihrer Stirn. 2  Und hörte eine Stimme vom Himmel als eines großen Wassers und wie eine  Stimme eines großen Donners; und die Stimme, die ich hörte, war als  der Harfenspieler, die auf ihren Harfen spielen. 3  Und sangen wie ein neues Lied vor dem Stuhl und vor den vier Tieren und  den Ältesten; und niemand konnte das Lied lernen außer die  144.000, die erkauft sind von der Erde. 4  Diese sind’s, die mit Weibern nicht befleckt sind; denn sie sind Jungfrauen  und folgen dem Lamm nach, wo es hingeht. Diese sind erkauft aus den  Menschen zu Erstlingen Gott und dem Lamm. 5  Und in ihrem Munde ist kein Falsches gefunden; denn sie sind unsträflich  vor dem Stuhl Gottes.

    6 Und ich sah einen Engel fliegen mitten durch den Himmel, der hatte ein  ewig Evangelium, zu verkündigen denen, die auf Erden sitzen und wohnen,  und allen Heiden und Geschlechtern und Sprachen und Völkern; 7  und sprach mit großer Stimme: Fürchtet Gott und gebet ihm die Ehre; denn  die Zeit seines Gerichts ist kommen; und betet an den, der gemacht hat  Himmel und Erde und Meer und die Wasserbrunnen!

    8  Und ein anderer Engel folgte nach, der sprach: Sie ist gefallen, sie  ist gefallen, Babylon, die große Stadt; denn sie hat mit dem Wein ihrer  Hurerei getränkt alle Heiden.

    9  Und der dritte Engel folgte diesem nach und sprach mit großer Stimme:  So jemand das Tier anbetet und sein Bild und nimmt das Malzeichen an  seine Stirn oder an seine Hand, 10  der wird von dem Wein der Zornes Gottes trinken, der eingeschenkt und  lauter ist in seines Zornes Kelch; und wird gequält werden mit Feuer  und Schwefel vor den heiligen Engeln und vor dem Lamm. 11  Und der Rauch ihrer Qual wird aufsteigen von Ewigkeit zu Ewigkeit; und  sie haben keine Ruhe Tag und Nacht, die das Tier haben angebetet und  sein Bild, und so jemand hat das Malzeichen seines Namens angenommen. 12  Hier ist Geduld der Heiligen; hier sind, die da halten die Gebote Gottes  und den Glauben an Jesus.

    13 Und ich hörte eine Stimme vom Himmel zu mir sagen: Schreibe: Selig sind  die Toten, die in dem HERRN sterben, von nun an. Ja, der Geist spricht,  dass sie ruhen von ihrer Arbeit; denn ihre Werke folgen ihnen nach.

    14  Und ich sah, und siehe, eine weiße Wolke, und auf der Wolke sitzen einen,  der gleich war eines Menschen Sohn; der hatte eine güldene Krone auf  seinem Haupt und in seiner Hand eine scharfe Sichel. 15  Und ein anderer Engel ging aus dem Tempel und schrie mit großer Stimme  zu dem, der auf der Wolke saß: Schlage an mit deiner Sichel und ernte;  denn die Zeit zu ernten ist kommen; denn die Ernte der Erde ist dürre  worden. 16  Und der auf der Wolke saß, schlug an mit seiner Sichel an die Erde; und  die Erde ward geerntet.

    17  Und ein anderer Engel ging aus dem Tempel im Himmel, der hatte eine  scharfe Hippe. 18  Und ein anderer Engel ging aus dem Altar, der hatte Macht über das Feuer  und rief mit großem Geschrei zu dem, der die scharfe Hippe hatte, und  sprach: Schlag an mit deiner scharfen Hippe und schneide die Trauben  auf Erden; denn ihre Beeren sind reif. 19  Und der Engel schlug an mit seiner Hippe an die Erde und schnitt die  Reben der Erde und warf sie in die große Kelter des Zornes Gottes. 20  Und die Kelter ward außer der Stadt gekeltert; und das Blut ging von der  Kelter bis an die Zäume der Pferde, durch tausend sechshundert Feldwegs.

 

    V. 1-13: Der Sieg des Evangeliums und der Fall des geistlichen Babel oder Antichristen

      a) V. 1-5: Die erlöste Gemeinde im Himmel um das Lamm Gottes

    V. 1: Ein Lamm auf dem Berg Zion: Das ist das wahre Lamm, Christus, im Gegensatz zu dem Pseudolamm, Kap. 13,11. Bei ihm sind die 144.000 aus Kap. 7,4, also die Gemeinde der Gläubigen oder Auserwählten, alle, die Ihm, Christus, wahrhaft angehören, die ja versiegelt sind, Kap. 7,3. Es ist hier eindeutig nicht der irdische Berg Zion, denn das Lamm ist hier im Himmel.175 Zion steht für die Gemeinde des HERRN, den Ort der Erlösung, wo Gott und der Messias regieren (s.a. Hebr. 12,22).176

    Sie tragen den Namen des Lammes und seines Vaters (so die besten Handschriften) an ihrer Stirn. Das zeigt an, wem sie angehören. Es ist der klare Gegensatz zu Kap. 13,16. Siehe auch Joh. 17,6.10.24.26; 10,27-30; Offenb. 3,12.177

    V. 2: Die Stimme im Himmel ist eine göttliche Stimme, Kap. 1,15, voll Macht und Gewalt, die Stimme des Gesetzes und Gerichtes über den Menschen der Sünde – und zugleich lieblich, wie Gottes Stimme in Gnaden ist.

    V. 3: Das neue Lied – ein Heilslied, das Lied der Gemeinde, der Gläubigen, s.a. Kap. 5,9: Anbetung, wie sie allein von den Erretteten kommen kann, von denen, die ihre Kleider gewaschen und hell gemacht haben im Blut des Lammes.

    V. 4.5: Die 144.000 werden näher beschrieben: Sind hier Unverheiratete gemeint? Nein, denn dann wäre ja die Ehe Sünde. 2. Kor. 11,2 zeigt es: Die durch das Blut Christi Gereinigten und im Glauben Bewährten, die werden „reine Jungfrauen“ genannt, während ja der Götzendienst, Kap. 14,8, „Hurerei“ genannt wird, geistlicher Ehebruch. Durch Jesus Christus sind wir unsträflich vor Gott. Wie Israel durch die erkaufte Erstgeburt vor Gott zum erstgebornen Sohn wurde, 4. Mose 4,22, so sind die Auserwählten die Gemeinde der Erstgebornen, Hebr. 12,23. Es geht um unsere Treue vor Gott, dass wir gemäß unseres Tauf- und Konfirmationsgelübdes leben, nämlich täglich neu dem Teufel und seinem Wesen abzusagen und Christus konsequent nachzufolgen.178     

    b) V. 6-13: Das siegreiche Evangelium überwindet die Macht des Antichristen

    V. 6: Johannes sieht ein neues Bild: Ein Engel fliegt durch den Himmel, der hat ein ewiges Evangelium, das allein auf Erden verkündigt werden soll, nämlich das Evangelium von Jesus Christus, denn ein anderes Evangelium gibt es nicht, Gal. 1,7. Nun verkündigt aber der HERR sein Wort nicht durch Engel, sondern durch Menschen. So steht dieser Engel hier als ein Lehrbote Gottes, als ein Lehrer der Gemeinde auf Erden. Auch und gerade in der Zeit des Antichristen bleibt doch auch Gottes Evangelium auf Erden. Durch die lutherische Reformation ist es neu und hell auf den Leuchter gestellt worden, damit es hineinleuchte in die antichristliche Finsternis, zum Heil für viele.

    V. 7: Dies ist der Bußruf des Engels vor dem Gericht: Gerade auch die Zeit des Antichristen, die Zeit vor dem Jüngsten Gericht, ist Gottes Bußzeit, Ruf zur Umkehr, dass wir a) dem lebendigen Gott die Ehre geben, b) denn sein Gericht ist da; c) darum ihm dienen, ihn ehren, den Allmächtigen, Schöpfer Himmels und der Erden. Wohl bleibt der Antichrist bis Christus wiederkommt – aber auch das durch die lutherische Reformation erneuerte Evangelium wird bleiben bis zum Jüngsten Tag. Gott allein die Ehre! das ist auch die Zusammenfassung der Predigt Luthers! Und wie anders kann Gott dem HERRN recht die Ehre gegeben werden, als dass die Menschen umkehren zu seinem Wort, und sein Wort klar, rein, lauter, unverkürzt und unverfälscht verkündigt wird! Mit dem Offenbarwerden des Antichrists hat auch die Gerichtszeit schon begonnen, die mit dem Jüngsten Tag zum Höhepunkt und Abschluss kommt.179

    V. 8: Ein anderer Engel kommt und verkündet den Sieg, den Untergang der antichristlichen Macht, die im vorigen Kapitel noch als so stark geschildert worden war. Es ist hier das erste Mal in der Offenbarung, dass „Babylon“ erwähnt wird. Es ist eindeutig, dass damit nicht die Stadt gemeint sein kann, die es damals schon gar nicht mehr gab, sondern der Name steht, von dieser ehemaligen Stadt her, für die antichristlichen Kräfte und Mächte dieser Welt überhaupt180, für die antichristliche Macht des Papsttums im Besonderen. Wir aber sollen es wissen: Sie wird vergehen, Gott macht ein Ende mit ihr. Zuvor hat sie die Heiden verführt, zur Hurerei, also zum Götzendienst und zur Verfolgung der Gemeinde (s.a. Kap. 20,8.9) – aber Gott hat sie gestürzt. Und das ist geschehen durch sein Wort, das Evangelium, in der lutherischen Reformation. Durch das Wort wurde der Antichrist entlarvt, durch das Wort wurde seine Macht gebrochen. Gewiss, noch ist die antichristliche Macht nicht vom Erdenboden vertilgt, das wird erst am Jüngsten Tag geschehen. Aber nie wieder wird das Papsttum, der Antichrist, so mächtig werden wie vor der Reformation.181

    V. 9.10: Es folgt ein dritter Engel, der das Gericht verkündet, das mit diesem Triumph verbunden ist; Gericht denen, die das Tier, also den Antichristen, anbeten, die das Malzeichen des Antichristen hatten: Über sie ergießt sich der Zorn Gottes, Qual und Feuer und Schwefel auch von dem Lamm. (s.a. Sodom und Gomorra, 1. Mose 19,28; Edom, Jes. 34,9-10.)182 Das Lamm Gottes, Heil für die Menschen, wird für die Gnadenverächter zum Schrecken. Dass hier eine Warnung steht davor, das Tier anzubeten, zeigt, dass der Antichrist nach der Reformation durchaus noch da ist, s.a. 2. Thess. 2,8.183

    V. 11: Eindringlich malt Gott die Qualen des Gerichtes, der ewigen Pein vor Augen: unaufhörlich steigt der Rauch ihrer Qual auf – sie haben keine Ruhe, auch in der Nacht nicht, wer dem Antichristen gefolgt ist. Das soll eine ernste Warnung sein, nicht die kurze Zeit der irdischen Herrlichkeit des Antichristen zu folgen, um dann ewig Pein und Qual leiden zu müssen. Reformation und Endgericht werden auch 2. Thess. 2,7.8 eng miteinander verbunden, ein klares Anzeichen dafür, dass zwischen Reformation und Jüngstem Tag nichts entscheidend Neues, Besonderes mehr geschehen wird. Zu beachten ist, dass es nur vom ersten Engel heißt, dass er auf Erden gepredigt hat; von den beiden anderen Engeln wird Vergleichbares nicht ausgesagt. Sie berichten nur die Folgen der Reformation.184

    V. 12: Was ist nötig, um in der bösen Zeit auszuharren? Kap. 13,10: Geduld der Heiligen, Treue zu Gottes Wort und Gebot, feststehen im Glauben. Gott allein kann dies schenken, 1. Thess. 5,23; 1. Petr. 1,5; Phil. 1,6. Während wir einerseits im glauben mit unserem geistlichen Kampf fortfahren und leiden, erwarten wir in Geduld Gottes Rache (Kap. 6,9-11) und üben keine eigene Gerechtigkeit. Das ist Weisheit von Gott (Kap. 13,18; 17,9). So mögen wir zwar durch die Antichriste unterdrückt werden, aber wenn wir dem Lamm folgen, werden wir doch siegen (15,2-4; 1. Joh. 5,4-5).186

    V. 13: Wie zum Abschluss, zur Bekräftigung, bekommt Johannes noch das Wort: Glückselig sind die, die in dem HERRN sterben. Warum? Weil sie göttliche Ruhe, göttlichen Frieden haben, weil Gott ihre Werke in Gnaden annimmt, die als Zeugnis ihres Glaubens ihnen folgen. Wir haben keinen Trost hier in den irdischen Dingen und sollen daher trachten nach dem, was droben ist, da Christus ist, sitzend zur Rechten Gottes, des Vaters, Kol. 3,1-4.

 

    V. 14-20: Der Jüngste Tag

    V. 14: Johannes sieht wieder ein neues Bild, eine weiße Wolke, und der darauf sitzt, ist eines Menschen Sohn mit einer goldenen Krone – Jesus Christus. In der Hand hat er eine scharfe Sichel für die kommende Ernte. Wolken zeigen oft Gottes Gegenwart an: Christus fuhr in einer Wolke gen Himmel, Apg. 1,9-10 und wird auf den Wolken wiederkommen, Matth. 24,30; 26,64; Dan. 7,13. während der Wüstenwanderung war der HERR in einer Wolkensäule gegenwärtig und sprach von ihr aus zum seinem Volk, 2. Mose 19,9; 24,15-18. Dass die Wolke weiß ist, kann ein Hinweis sein auf Gottes Gerechtigkeit in seinem Gericht, Kap. 20,11; Jes. 11,4-5.187 Mit einer goldenen Krone ist er gekrönt, der einst, zum Spott, mit einer Dornenkrone bekränzt worden war, Mark. 15,17. Nun aber erscheint er als der Sieger188

    In der Hand hat Christus eine scharfe Sichel, um die Ernte einzuholen. Eine Sichel wird verwendet, um das Getreide einzuholen, und in dem Zusammenhang auch das Unkraut, das aber dann ausgesondert und ins Feuer geworfen wird, Matth. 13,24-30.189

    V. 15.16: Ein Engel kommt aus dem Tempel, schreit mit großer Stimme, die mit der letzten Posaune verbunden ist, 1. Kor. 15,52: Die Zeit ist da zu ernten, das ist, die Gläubigen einzusammeln, die letzten, den Rest, denn es sind wenige geworden in der Trübsalszeit. Die Erde ist dürre geworden, des Evangeliums müde und überdrüssig. Der Engel kommt aus dem Tempel zu Christus, kommt also als ein Bote des Vaters. Von ihm kommt der Befehl zum Beginn der Ernte, und der erhöhte Christus führt ihn aus, denn er hat durch seinen Gehorsam, Leiden und Sterben das Recht dazu erworben, Joh. 5,19-23; 12,31-33.190

    Im Nu ist die Ernte vollzogen.

    V. 17: Dann kommt ein anderer Engel mit einer scharfen Hippe. Nun, nachdem die Gemeinde eingesammelt ist, bricht das Gericht los, wie es mit Sodom und Gomorra war, als Lot herausgeführt war; wie es mit der Welt war, nachdem Noah in der Arche war, das Gericht, um das die Märtyrer gefleht hatten, Kap. 6,9-11. Die scharfe Hippe ist das Winzermesser, weist hin auf das Zornesurteil Gottes.191

    V. 18: Dann aber kommt der Engel aus dem Altar, der Macht hat über das Feuer, s.a. Kap. 8,3, und ruft auf zum Gericht, denn die Zeit ist reif, s.a. Amos 8,2. Es ist ein anderer Engel als V. 14, der aber im Auftrag des Menschensohns selbst, Jesus Christus, jetzt als der Engel des Gerichts kommt.192

    V. 19: Durch den Schlag der Hippe werden die Ungläubigen eingesammelt und in die Kelter des Zornes Gottes getan (s.a. Kap. 19,15), außerhalb der Stadt (also dem neuen Jerusalem), verworfen. Das ist der andere Tod. Außerhalb des neuen Jerusalems ist der Ort des Zorns. Joel spricht von diesem großen Tag des Gerichts im Tal Josaphat, 3,12-16; Sacharja spricht davon, wie der Ölberg  in zwei Teile gespalten wird, damit der HERR im Tal die Völker richten werde, 14,1-5. Auch Jeremia sprach schon davon, dass das Tal Hinnom, südlich von Jerusalem, wo einst der Götzendienst stattfand, 2. Kge. 23,10,; 2. Chr. 28,3, als Tal des Gerichtes bekannt werde, Jer. 7,30-34.193 Dass das Blut durch 1600 oder 40x40 Feldweges floss, zeigt an, dass es sich um die Vollendung des Zornes Gottes handelt, denn 40 ist auch ein Ausdruck des Zornes oder Gerichtes Gottes (40 Tage und Nächte Sintflutregen; 40 Tage und Nächte sühnte Mose die Sünde des Volkes und empfing das neue Gesetz; 40 Tage war noch Frist bis zum Untergang Ninives; 40 Tage und Nächte wurde Christus vom Teufel versucht, als er vorbereitet wurde, den Zorneskelch für uns zu trinken). 4x4x103 ist zum einen die Zahl der Erde (vier), dann die Zahl der Vollständigkeit (103) und zeigt an, dass Gottes Gericht umfassend ist.194

 

 

 

 

DAS FÜNFTE GESICHT (Kapitel 15,1-16,21)

K) Die Schar der Erloesten am kristallnen Meer (Kapitel 15,1-4)

 

Kapitel 15,1-4: 1 Und ich sah ein anderes Zeichen im Himmel, das war groß und wundersam:  Sieben Engel, die hatten die letzten sieben Plagen; denn mit denselbigen  ist vollendet der Zorn Gottes.

    2  Und sah wie ein gläsernes Meer, mit Feuer gemengt; und die den Sieg behalten  hatten an dem Tier und seinem Bilde und seinem Malzeichen und seines  Namens Zahl, dass sie standen an dem gläsernen Meer und hatten Gottes  Harfen. 3  Und sie sangen das Lied Moses, des Knechts Gottes, und das Lied des Lammes  und sprachen: Groß und wundersam sind deine Werke, HERR, allmächtiger  Gott; gerecht und wahrhaftig sind deine Wege, du König der Heiligen! 4  Wer soll dich nicht fürchten, HERR, und deinen Namen preisen? Denn du  bist allein heilig. Denn alle Heiden werden kommen und anbeten vor dir;  denn deine Urteile sind offenbar geworden.

 

    V. 1: Das beginnende fünfte Gesicht an Johannes schließt den dritten Zyklus ab und führt hinüber zum vierten Zyklus mit den letzten sieben Plagen, den Schalen des Zornes Gottes. Es sind die letzten Plagen, weil damit Gottes Zorn vollendet ist. Der vierte Zyklus beschreibt dabei vor allem die Heiligkeit und das Gericht Gottes. Wie in Kap. 12,1 wird auch hier das neue Gesicht vom vorigen durch ein neues Zeichen unterschieden. Die Plagen, die in diesem Gesicht dargestellt werden, sind die letzten Plagen, nach denen keine weiteren mehr kommen werden, vgl. Jes. 9,10; Dan. 11,36; KL 4,11. Das heißt auch, dass das, was Kap. 17 und 18 von Babels Fall berichtet wird, in diese sieben Plagen hinein gehört, ihnen nicht zeitlich folgt.195

    V. 2: Das andere Bild, das gläserne oder kristallne Meer, s.a. Kap. 4,6, mit Feuer: ein Ausdruck der Gnade und Reinheit Gottes – und der Seinen, die den Sieg behalten haben im Glauben, die dem Tier, dem Bild, dem Propheten des Antichristen widerstanden haben. Diese Schar preist nun Gott, der sie erlöst hat, mit den Harfen Gottes, die also Gott ihnen gegeben hat. Äußerlich mag zwar das Tier, der Antichrist, triumphieren, die Macht haben. Kap. 11,7; 13,7, aber den Sieg behält doch die Gemeinde. Einst wird es offenbar, Kap. 19,1-10; 20,11-15.196

    Dass das Meer mit Feuer vermengt ist, weist auf den Zorn Gottes hin, um den es hier geht, der aber nicht den Gläubigen gilt, die vielmehr bewahrt sind.197

    V. 3.4: Sie singen das Lied Moses und das Lied des Lammes, preisen die Werke Gottes durch Mose und Christus, seinen Sieg, seine Allmacht, seine Wahrhaftigkeit, Heiligkeit – und seine Gnade in Christus. Der „Name Gottes“ bezeichnet auch hier das Wesen Gottes, Gott, wie er sich in seinem Wort offenbart.198

 

 

DER VIERTE ZYKLUS DER NEUTESTAMENTLICHEN HEILSGESCHICHTE: DAS ZORNGERICHT GOTTES GEGEN DIE FEINDE DER KIRCHE (Kapitel 15,5-19,21)

 

L) Die Vorbereitung des Zorngerichtes Gottes (Kapitel 15,5-8)

 

Kapitel 15,5-8: 5 Danach sah ich, und siehe, da ward aufgetan der Tempel der Hütte des  Zeugnisses im Himmel. 6  Und gingen aus dem Tempel die sieben Engel, die die sieben Plagen hatten,  angetan mit reiner, heller Leinwand, und umgürtet an ihren Brüsten mit  güldenen Gürteln. 7  Und eines der vier Tiere gab den sieben Engeln sieben goldene Schalen  voll Zornes Gottes, der da lebet von Ewigkeit zu Ewigkeit. 8  Und der Tempel ward voll Rauchs vor der Herrlichkeit Gottes und vor seiner  Kraft; und niemand konnte in den Tempel gehen, bis dass die sieben Plagen  der sieben Engel vollendet wurden.

 

    V. 5: Das, was nun kommt, geht hervor aus dem Tempel der Hütte des Zeugnisses (Stiftshütte), also von dem heiligen und doch gnädigen Gott, der steht zu seinem Wort. Die Hütte des Zeugnisses erinnert an die Stiftshütte, in der Gott wohnte während der Wüstenwanderung Israels, 2. Mose 25,8-9; 40,34-38. Es war auch die Hütte der Versammlung, weil Gott dort mit Mose sprach.199 Diese irdische Stiftshütte war ja nur ein Abbild der himmlischen, in die Christus mit seinem eigenen Blut als dem Lösegeld für unsere Sünden eingegangen ist, Hebr. 9,11-12. So, wie der HERR sein Volk einst in der Wüste behütet hat,  so bewahrt er auch jetzt seine Gemeinde und richtet die Feinde.200

    V. 6: Aus dem Tempel kommen die Engel Gottes als Gesandte des heiligen Gottes; und sie kommen mit den sieben Plagen, als Zorngericht über die Feinde der Kirche Gottes. Sie kommen mit reiner, heller Leinwand – Botschafter der Reinheit, Klarheit Gottes, seiner Heiligkeit und Majestät. Gottes Gerichte sind heilig und gerecht, Ps. 93,5.201 Die „sieben Plagen“ erinnern an Gottes Warnung und Drohung in 3. Mose 26,18.21.24.28, wo er dem götzendienerischen Volk sieben Plagen ankündigt, wenn es nicht umkehrt.202

    V. 7: Von den vier Tieren, den Boten des Geistes Gottes, Kap. 4,6-8, bekommen sie die Zornesschalen des ewigen, lebendigen Gottes. Gott ist ein heiliger Gott und lässt sich nicht spotten. Die Erlösung Israels aus Ägypten ist ein Typos auf die ewige Erlösung.202

    V. 8: Der Tempel wird erfüllt mit dem Rauch der Herrlichkeit Gottes und seiner Kraft: In seiner Majestät ist Er unnahbar. S.a. 2. Mose 19,18; 20,18; Jes. 6,1-4. Auch in die Stiftshütte durfte niemand eintreten, solange die Schechinah, die Wolke Gottes, darüber stand, die die Gegenwart Gottes anzeigte, 2. Mose 40,34-38. Sein Gericht wird ausgeführt! Und in diesem Gericht wird Gott verherrlicht. Seine Geduld hat nun ein Ende, niemand darf mehr intervenieren.203

 

M) Allgemeiner Ueberblick über das Gericht an den Feinden der Gemeinde Jesu Christi (Kapitel 16)

 

Kapitel 16: 1 Und ich hörte eine große Stimme aus dem Tempel, die sprach zu den sieben  Engeln: Gehet hin und gießet aus die Schalen des Zornes Gottes auf die  Erde.

    2  Und der erste ging hin und goss seine Schale aus auf die Erde. Und es ward  eine böse und arge Drüse an den Menschen, die das Malzeichen des Tieres  hatten, und die sein Bild anbeteten.

    3  Und der andere Engel goss aus seine Schale ins Meer. Und es ward Blut,  als eines Toten; und alle lebendigen Seelen starben in dem Meer.

    4  Und der dritte Engel goss aus seine Schale in die Wasserströme und in die  Wasserbrunnen. Und es ward Blut. 5  Und ich hörte den Engel sagen: HERR, du bist gerecht, der da ist, und  der da war, und heilig, dass du solches geurteilt hast. 6  Denn sie haben das Blut der Heiligen und der Propheten vergossen, und  Blut hast du ihnen zu trinken gegeben; denn sie sind’s wert. 7  Und ich hörte einen andern Engel aus dem Altar sagen: Ja, HERR, allmächtiger  Gott, deine Gerichte sind wahrhaftig und gerecht.

    8 Und der vierte Engel goss aus seine Schale in die Sonne, und ward ihm  gegeben, den Menschen heiß zu machen mit Feuer. 9  Und den Menschen ward heiß vor großer Hitze, und lästerten den Namen  Gottes, der Macht hat über diese Plagen; und taten nicht Buße, ihm die  Ehre zu geben.

    10  Und der fünfte Engel goss aus seine Schale auf den Stuhl des Tieres. Und  sein Reich ward verfinstert; und sie zerbissen ihre Zungen vor Schmerzen 11  und lästerten Gott im Himmel vor ihren Schmerzen und vor ihren Drüsen;  und taten nicht Buße für ihre Werke.

    12 Und der sechste Engel goss aus seine Schale auf den großen Wasserstrom  Euphrat; und das Wasser vertrocknete, auf dass bereitet würde der Weg  den Königen vom Aufgang der Sonne. 13  Und ich sah aus dem Munde des Drachen und aus dem Munde des Tieres und  aus dem Munde des falschen Propheten drei unreine Geister gehen gleich  den Fröschen. 14  Und sind Geister der Teufel; die tun Zeichen und gehen aus zu den Königen  auf Erden und auf den ganzen Kreis der Welt, sie zu versammeln in den  Streit auf jenen großen Tag Gottes, des Allmächtigen. 15  Siehe, ich komme wie ein Dieb! Selig ist, der da wachet und hält seine  Kleider, dass er nicht bloß wandele, und man nicht seine Schande sehe. 16  Und er hat sie versammelt an einen Ort, der da heißt auf Hebräisch  Harmageddon.

    17 Und der siebente Engel goss aus seine Schale in die Luft. Und es ging aus  eine Stimme vom Himmel aus dem Stuhl, die sprach: Es ist geschehen. 18  Und es wurden Stimmen und Donner und Blitze; und ward ein großes Erdbeben,  dass solches nicht gewesen ist, seit der Zeit Menschen auf Erden gewesen  sind, solches Erdbeben also groß. 19  Und aus der großen Stadt wurden drei Teile, und die Städte der Heiden  fielen. Und Babylon, der großen, ward gedacht vor Gott, ihr zu geben  den Kelch des Weins von seinem grimmigen Zorn. 20  Und alle Inseln entflohen, und keine Berge wurden gefunden. 21  Und ein großer Hagel als ein Zentner fiel vom Himmel auf die Menschen.  Und die Menschen lästerten Gott über der Plage des Hagels; denn seine  Plage ist sehr groß.

 

    V. 1-11: Gottes Gericht – die ersten fünf Schalen des Zorns (5 Szenen)

    V. 1: Aus dem Tempel geht alles aus, das nun folgt, und offenbart den Zorn Gottes. Es geschieht auf Gottes Befehl. Gott der HERR ist ein heiliger, gerechter Gott, dessen Majestät im Gericht zu fürchten ist. Die Plagen, die nun von den Schalen des Zorns ausgehen, ähneln sowohl denen, die zuvor durch die Posaunen (Kap. 8,6-9,20; 11,15-19) eingeleitet wurden, wie auch den Plagen über Ägypten (2. Mose 7,14-11,10). Allerdings stellen sie eine Steigerung in der Intensität und auch im Umfang der Betroffenen dar. Immer aber geht es um die eine Botschaft: Tut Buße, kehrt um! Die Plagen, auch das ist wichtig, treten nicht nur am Ende der Zeit auf, sondern gehen durch die gesamte neutestamentliche Zeit über die, so dem HERRN widerstreben.204

    V. 2: Die erste Schale des Zorns: Die Wirkungen der Schalen des Zorns erinnern sehr an Gottes Gerichtshandeln an Ägypten (sechste Plage, 2. Mose 9,8 ff.). Nur: Hier sind jetzt einzig diejenigen betroffen, die dem Tier, dem Antichristen, anhängen, wie auch damals Israel bei etlichen der Plagen verschont wurde.205 Mit jeder Plage wird ein Teil der Lebensgrundlagen angegriffen: schlimme Krankheit (V. 2, erste Schale, s.a. 6. ägyptische Plage, 2. Mose 9,8-12), das Wasser wird genommen (V. 3.4, zweite und dritte Schale); die Sonne hat keinen Schutz (Atmosphäre) mehr und verbrennt die Menschen (V. 8, vierte Schale). Es liegt eine deutliche Steigerung der Auswirkungen vor. Wie ist dieser Abschnitt zu verstehen? Auch hier gilt die hermeneutische Regel, dass ein Abschnitt in seiner Einheit zu sehen ist, nämlich ob er insgesamt buchstäblich zu verstehen ist oder insgesamt bildlich. Und hier ist es eindeutig, dass er bildlich zu verstehen ist.206

    Eine absolute Identifizierung der einzelnen Plagen mit historischen Ereignissen ist dabei allerdings unmöglich. Es ist vielmehr eine Tendenz zu erkennen. Wichtig dabei auch: Mit dem Tier und dem Propheten werden die beiden Seiten der antichristlichen Macht, die weltliche und geistliche, hervorgehoben, die seit der Reformation durchaus auch getrennt auftreten können. Auch die Wirkungen sind deshalb in beiden Bereichen zu sehen. Die erste Schale bewirkt eine böse und arge Drüse, steht also für entsetzliche Krankheiten, kann aber auch stehen für den unseligen Geist der Verbitterung und Verstockung bei denen, die beharrlich dem Evangelium Christi widerstreben aber auch für starke Wunden im politischen, wissenschaftlichen, sozialen und Erziehungsleben überhaupt, wo die Macht des Antichristen dominiert.207 Die zweite Schale mit der Verwandlung des Meeres in Blut (s.a. 1. ägyptische Plage, 2. Mose 7,14-24) und dem Tod alles Lebens im Meer zeigt  Tod und Verderben. (Dies steht zum einen für die Dominanz des Todes über der gefallenen Menschheit; dann aber kann es auch auf die greulichen Irrtümer, in die die antichristliche Kirche immer stärker sich verstrickt, weil sie der Wahrheit Gottes widerstrebt, dem Geist der Lüge untertan ist und auch lügenhafte Zeichen hervorbringt, s.a. 2. Thess. 2,9-12 und diese Länder und Völker geistlich ruiniert, hingedeutet werden. Zugleich kann sie ein Bild sein für das damit verbundene Ersterben der göttlich-natürlichen Ordnungen in der Welt: keine Treue, kein Glaube mehr, aber Selbstsucht, Schwindelgeist, ungläubige Wissenschaft und die allgemeine Vergiftung des Volkslebens durch den widergöttlichen Zeitgeist, besonders seit der Aufklärung.)208 Durch die dritte Schale werden alle Wasserströme und Wasserbrunnen in Blut verwandelt (s.a. 3. Plage bei den Posaunen, Kap. 8,10-11), was heißt, dass alle Quellen der Wasserströme, aus denen Leben kommt oder das, was für gedeihliches Leben nötig ist, verstopft sind.. (Das kann zum einen für wachsende Gewalt, Zerstörung, Verwüstung, Hass, Aufruhr in der Welt als Folge der Gottlosigkeit stehen; dann kann es auch andeuten, dass die Verfolger der wahren Christen in geistlicher Verzweiflung und Verstockung enden. Das lebendige Evangelium ist ihnen zu einem Geruch des Todes geworden. Überhaupt werden mit den Wasserströmen alle Quellen verstopft, aus denen das Leben kommt. Dies kann auf die äußeren Gerichte über diese Länder und ihre Herrscher hindeuten, die zum Teil schrecklich sind, man denke nur an die Bourbonen und die französische Revolution oder den Zaren und die russische Revolution. Aber auch darauf, dass Gemeinsinn, geistig-geistliches Wissen immer mehr verderben und damit die Grundlagen und Quellen des äußeren Zusammenlebens, kann damit hingewiesen sein.)209 Gott ist der Gerechte und Heilige gerade auch im Gericht.

    V. 5.7: Die Plagen sind Ausdruck der Gerechtigkeit Gottes, seiner Heiligkeit, die er ausübt an denen, die die Gemeinde verfolgt haben. Gott hört das Schreien der Märtyrer!210

    V. 8-9: Die vierte Schale bewirkt furchtbare Verbrennungen, nämlich ungeheure Plagen im Gewissen, die die Menschen zu einer lästerlichen Wut gegen Gott reizen werden, weil sie, obwohl sie von der Wahrheit überführt sind, dennoch dem Irrtum mutwillig weiter anhängen, und zerstört alle Grundlagen, die das Leben lebenswert machten. Denn die Sonne der Gerechtigkeit, Jesus Christus, den Heiland der Welt, der sie auch jetzt noch zur Buße ruft, verleugnen sie durch ihre eigene Gerechtigkeit und toben immer mehr gegen das biblische Evangelium. Hier ist von all denen die Rede, die gegen das reine Evangelium von Christus anrennen, die sein Sühnopfer leugnen, die die Errettung, das Heil nicht allein durch sein Blut haben wollen.211

    Dass diese Zornesplagen durchaus schon angebrochen sind über die römisch-katholische Kirche des Antichristen im Besonderen und die gottfeindliche Welt überhaupt, macht der geistliche Tod, die geistliche Finsternis deutlich, die über vielen römisch-katholischen Ländern liegt, etwa Frankreich, Österreich, Polen, Länder, in denen einst das Evangelium mächtig gewirkt hatte und dann mit Feuer und Schwert ausgerottet wurde. Aber auch in den anderen Ländern, in denen das Christentum immer mehr an Boden verliert, zeigen sich die Folgen.

        V. 9 ff.: Aber anstatt dass die Menschen angesichts all der Not Buße täten, umkehrten, tritt das Gegenteil ein: Sie lästern Gott und tun nicht Buße; sie verstocken sich selbst.

    V. 10-11: Die fünfte Schale zeigt an, dass alle diejenigen, die dem Antichristen folgen, furchtbare Qualen von Gott zu ertragen haben, in Schrecken, Angst sind aufgrund der Sünde, mit der sie von Gott getrennt bleiben (die neunte ägyptische Plage ist das Vorbild, 2. Mose 10,21-23), schon in der Zeit der Welt. Das Reich des Antichristen wird in besondere Weise verfinstert, so dass es nicht mehr rückgängig gemacht werden kann. Dabei ist ja zu bedenken, dass nur Gott Licht ist, 1. Joh. 1,5, und daher das Reich des Antichristen an sich schon das Reich der Finsternis ist, Röm. 1,21; Eph. 4,18; Apg. 26,18. Das kann sich in vielfältigen Formen zeigen, z.B. Krieg, Revolutionen, Naturkatastrophen, Blutvergießen, Wirtschaftskrisen. Dies wird, wie bereits erwähnt, schon in der Geschichte dieser Welt gezeigt, dass besonders diejenigen Länder, die einst von der Reformation geprägt waren, in denen dann aber die Gegenreformation zum Zuge kam, davon gekennzeichnet sind. Das gilt in besonderer Weise für Frankreich mit seinen Bürgerkriegen, seinen Revolutionen, aber auch Italien, Spanien. Ja, unsere ganze moderne Zeit, besonders seit der Aufklärung, vor allem aber seit dem ersten Weltkrieg ist von einer immer mehr sich ausbreitenden Gottlosigkeit und Christusfeindlichkeit geprägt, wie es gerade in den westlichen Ländern in den letzten Jahren besonders deutlich geworden ist: ein Aufruhr- und Umsturzgeist in jeglicher Hinsicht, der auch alle Ordnungen und Werte, wie sie der HERR von Ewigkeit her vorgegeben, beseitigen will (s. Angriffe auf die Ehe, die Unterschiede von Mann und Frau, Regierung und Regierten, Eltern und Kinder; die Propagierung der Abtreibung, der Homosexualität, der Euthanasie).212

 

    V. 12-21: Das Gericht über den Antichristen, der Jüngste Tag

    V. 12: Die sechste Schale des Zorns (6. Szene, V. 12-16): Der sechste Engel und seine Schale des Zorns leitet das Gericht über den Antichristen (Prophet) und die antichristlichen Weltmächte (Tier) ein, also gegen die gesamte antigöttliche Opposition und steht parallel zur sechsten Posaune, Kap. 9,13-21 und den Aussagen in Kap. 20,7-10.213 Dass der Abschnitt bildlich und nicht wörtlich zu verstehen ist, geht eindeutig aus Vers 13 hervor.214 Am Euphrat war Babylon gelegen, das zugleich auch ein Typos ist für den Sitz des Antichristen, Rom, wie überhaupt die antichristlichen Weltmächte. So, wie Kyrus das alte Babylon durch Umleiten, Austrocknen des Euphrats eroberte, so ist es auch hier das Zeichen für das kommende Ende des Antichristen. Dazu gehört auch, dass die Völker zu dem Antichristen kommen, um mit ihm zusammen gerichtet zu werden, s.a. Kap. 19,11-21; 20,7-10. Das Treiben wird in unserer Zeit immer deutlicher, wie die verschiedensten Kräfte und Mächte dieser Welt zusammenkommen in einem antichristlichen Geist (Globalisierung), auch das Papsttum versucht, mit diesen Mächten zu paktieren und noch einmal die Herrschaft zu erringen. Mit der Reformation hat aber das Gericht über den Antichristen und sein Reich schon begonnen. Viele „Wasser“ Roms, nämlich Völker, Länder, die einst unter römisch-katholischer Finsternis lagen, sind nun aus der Herrschaft Roms befreit, vor allem in Nord- und Nordwesteuropa, und in vielen anderen Weltgegenden sind Kirchen der Reformation gegenüber Rom vorherrschend. So sind die Anstrengungen Roms nur ein letztes Aufbäumen vor dem Jüngsten Tag.215

    V. 13: Noch in der allerletzten (der kleinen) Zeit erhöht er seine Anstrengungen, um die Menschen zu verführen. Wir haben hier, in typisch teuflischer Nachäffung, eine dämonische Dreieinigkeit, s.a. Kap. 12-13: Satan (Drachen), weltliche antichristliche Macht und der Antichrist (Papsttum). Erstmals wird hier der Begriff „falscher Prophet“ verwendet, s.a. Kap. 19,20; 20,10, der anzeigt, dass das entscheidende Wirken des Antichristen Verführung und Zerstörung durch falsche Lehre ist.216 Drei unreine Geister gehen von ihnen aus. Immer tiefer sinkt der Antichrist in dämonische Verstrickungen. Unreine Geister gehen von ihnen aus, die – Frösche – einen scheinbaren neuen Frühling für die Menschheit verkünden, in Wirklichkeit aber nur Boten  des Niedergangs sind.

    V. 14: Sie tun Zeichen, um Könige und Völker zu verführen und, Kap. 20,9, sie zur letzten, entscheidenden Schlacht zu versammeln. Viele Propheten haben ja von diesem weltweiten Anrennen gegen Gottes Gemeinde geschrieben, z.B. Sach. 14,1-9; Zeph. 11,4-16; Hes. 38-39; Micha 44,11-12; Zeph. 3,8-9; Ps. 2. Die Orte, an denen diese Sammeln zur letzten Schlacht stattfindet, werden dabei unterschiedlich bezeichnet, z.B. Tal Josaphats (Joel 3,2), Ölberg (Zeph. 14,4), die Berge Israels (Hes. 38,21; 39,2). Das macht deutlich: Es geht nicht um eine geographische Ortsangabe, sondern historisch bedeutsame Plätze bekommen eine universal-symbolische Bedeutung. Es ist eine ungeheure antichristliche Macht, die gegen die Gemeinde anrennt, sie furchtbar schädigen, dezimieren wird, mit dem Ziel, sie völlig auszulöschen.217

    V. 15: Dies ist ein Warnruf Gottes mitten hinein in das Szenario, direkt vor dem Jüngsten Tag: Wachen, dass wir dem Antichristen nicht anheim fallen.

    V. 16: Wer ist Er? Christus ist es! Obwohl V. 13.14 es der Teufel ist, der sie versammelt, so ist es letztlich Christus, der sie sammelt – zum Gericht. Harmageddon ist ähnlich dem Ort, bei dem die Schlacht Josias gegen Necho stattfand, vor allem aber Richter 5,19, wo der HERR die Feinde Israels schlug. „Harma“ heißt so viel wie Fluch, Bann, so nannten die Israeliten die Stätten, wo ihre Feinde vertilgt wurden (4. Mose 21,1 f.; Ri. 1,17). V. 14 setzt für diesen Ort einfach „Tag des Zorns“, V. 15 zeigt, dass es sich um das Weltgericht handelt: Satan versammelt noch einmal seine Scharen gegen die Gemeinde Christi – aber Christus richtet sie für immer.218

    V. 17: Die siebte Schale des Zorns (7. Szene): Mit dem siebten Engel und seiner Schale des Zorns setzt der JÜNGSTE TAG ein, das Gericht über den Antichristen und die Welt: Damit ist dann alles vollendet. (Es ist geschehen.)

    V. 18: Stimmen, Donner, Blitze begleiten das Geschehen, ein großes Erdbeben, das größte, das es jemals gegeben hat (s.a. Hes. 38,19-23). Was hier geschehen ist und die Wirkungen, wird in Kap. 18 näher beschrieben.

    V. 19 f.: Babylon zerbricht in drei Teile und muss ganz Gottes Zorn auskosten; die Stätten der Heiden fliehen, entschwinden, alle Inseln und Berge: Das Ende der Welt ist da. Himmel und Erde entfliehen, ohne eine Stätte zu finden, Kap. 20,11. Dieses Zerbrechen Babylons finden wir schon vorhergesagt: Hab. 3,6; Sach. 14,4; Hebr. 12,26-27. Babylon steht ja für das Antichristliche, das Widergöttliche überhaupt, im politischen, wirtschaftlichen, sozialen, geistigen und geistlichen Bereich.219

    V. 21: Niemand entgeht dem Gericht Gottes. Der große Hagel trifft alle, die umkommen sollen – Verstockung auch angesichts des Gerichtes ist da.220

 

 

DAS SECHSTE GESICHT (Kapitel 17,1-19,21)

 

N) Das antichristliche Reich unter dem Bild einer großen Hure (Kapitel 17)

 

    Beschreibung dessen, was zeitlich mit Kapitel 16 abgeschlossen ist.

Kapitel 17: 1 Und es kam einer von den sieben Engeln, die die sieben Schalen hatten,  redete mit mir und sprach zu mir: Komm, ich will dir zeigen das Urteil  der großen Hure, die da auf vielen Wassern sitzt, 2  mit welcher gehurt haben die Könige auf Erden, und die da wohnen auf  Erden, trunken geworden sind von dem Wein ihrer Hurerei. 3  Und er brachte mich im Geist in die Wüste. Und ich sah das Weib sitzen  auf einem scharlachfarbenen Tier; das war voll Namen der Lästerung und hatte  sieben Häupter und zehn Hörner. 4  Und das Weib war bekleidet mit Purpur und Scharlach und übergoldet  mit Golde und Edelgestein und Perlen und hatte einen güldenen Becher in  der Hand voll Greuels und Unsauberkeit ihrer Hurerei; 5  und an ihrer Stirn geschrieben den Namen, das Geheimnis: Die große Babylon,  die Mutter der Hurerei und aller Greuel auf Erden. 6  Und ich sah das Weib trunken von dem Blut der Heiligen und von dem Blut  der Zeugen Jesu. Und ich verwunderte mich sehr, da ich sie sah.

    7 Und der Engel sprach zu mir: Warum verwunderst du dich? Ich will dir  sagen das Geheimnis von dem Weibe und von dem Tier, das sie trägt, und  hat sieben Häupter und zehn Hörner. 8  Das Tier, das du gesehen hast, ist gewesen und ist nicht und wird  wiederkommen aus dem Abgrund und wird fahren in die Verdammnis, und  werden sich verwundern, die auf Erden wohnen (deren Namen nicht geschrieben  stehen in dem Buch des Lebens von Anfang der Welt), wenn sie sehen das  Tier, dass es gewesen ist und nicht ist, wiewohl es doch ist. 9  Und hier ist der Sinn, da Weisheit zu gehört.

    Die sieben Häupter sind  sieben Berge, auf welchen das Weib sitzt, und sind sieben Könige. 10  Fünf sind gefallen, und einer ist, und der andere ist noch nicht kommen,  und wenn er kommt, muss er eine kleine Zeit bleiben. 11  Und das Tier, das gewesen ist und nicht ist, das ist der achte und ist  von den sieben und fährt in die Verdammnis. 12  Und die zehn Hörner, die du gesehen hast, das sind zehn Könige, die das  Reich noch nicht empfangen haben; aber wie Könige werden sie eine Zeit  Macht empfangen mit dem Tier. 13  Diese haben eine Meinung und werden ihre Kraft und Macht geben dem Tier. 14 Diese werden streiten mit dem Lamm, und das Lamm wird sie überwinden;  denn es ist der HERR aller Herren und der König aller Könige; und mit  ihm die Berufenen und Auserwählten und Gläubigen.

    15  Und er sprach zu mir: Die Wasser, die du gesehen hast, da die Hure sitzt,  sind Völker und Scharen und Heiden und Sprachen. 16  Und die zehn Hörner, die du gesehen hast auf dem Tier, die werden die  Hure hassen und werden sie wüste machen und bloß und werden ihr Fleisch  essen und werden sie mit Feuer verbrennen. 17  Denn Gott hat’s ihnen gegeben in ihr Herz, zu tun seine Meinung und zu  tun einerlei Meinung und zu geben ihr Reich dem Tier, bis dass vollendet  werden die Worte Gottes. 18  Und das Weib, das du gesehen hast, ist die große Stadt, die das Reich  hat über die Könige auf Erden.

 

    V. 1-6: Das, was jetzt beschrieben wird, liegt zeitlich nicht nach dem, was Kap. 16 brachte, sondern ist eine nähere Beschreibung der antichristlichen Macht, deren Untergang ja in Kap. 16 dargelegt wurde. Der Engel ist ja ein Bote des Zornes Gottes, einer der sieben Engel mit den Schalen des Zorns; daher ist alles, worum es hier geht, Teil der Offenbarung von Gottes Zorn.221

    Die Eingangsworte des Engels – Komm, ich will dir zeigen – sind parallel zur Einführung der Braut des Lammes in Kap. 21,9. Es folgt jetzt eine Reihe von Parallelen zwischen der wahren und der falschen Kirche, zwischen der Braut Christi und dem Antichristen, dem falschen Propheten, der Hure.222

    V. 1: Die Rede ist von der großen Hure, wie Hurerei auch in Kap. 11,8 erwähnt wird und gerade im Alten Testament der Abfall von Gott als Hurerei beschrieben wird (s. z.B. Hosea; Jes. 1,21). Das zeigt übrigens auch an, dass der Antichrist in der Kirche sitzt. Die Wasser, V. 15, sind die Völker, in denen ja die Anhänger des Antichristen sind (s.a. Jer. 51,13), und die geprägt sind vom geistlichen Antichristen (der in unterschiedlicher Weise auftritt: Tier von der Erde, 13,11-13, falscher Prophet, 16,13; 19,20; 20,10, Hure) und dem säkularen Antichristentum (das in der Offenbarung das „Tier“ bleibt: Tier aus dem Meer, 13,1), die beide zusammen gehören.  Während bisher mehr der Antichrist als Haupt und Regent hervortrat, so jetzt mehr sein Reich mit seinen Sünden und dem Gericht, das es trifft. Alttestamentliche Bilder sind hier aufgenommen, Tyros (Jes. 23,7), Ninive (Nah. 3,4). Das antichristliche Reich ist eine globale geistliche, wirtschaftliche und kulturelle Macht.223

    V. 2: Mit dem Weib, mit dem Antichristen haben (auch das zeigt an, dass dann diese Zeit vorbei ist) die Könige auf Erden gehurt, d.h. die Mächtigen folgen dem Antichristen, ja, alle Ungläubigen folgen ihm, Kap. 14,8. Die moderne, antichristliche Welt ist gekennzeichnet von Hurerei, also Ungebundenheit, einer Haltung, nicht durch Gottes Ordnungen und Maßstäbe gebunden sein zu wollen: Alles ist erlaubt, nichts bindend wahr224 – eine sehr klare Darstellung der Gesellschaft, wie sie sich seit der Aufklärung und vor allem seit dem ersten Weltkrieg, mit einem immensen Schub durch die 68er Bewegung, durchgesetzt hat.

    Schon im Alten Testament hat Gott der HERR immer wieder den geistlichen Abfall unter dem Bild der Hurerei dargestellt, u.a. weil er auch oftmals mit sexueller Unreinheit verbunden ist (2. Mose 20,14; 3. Mose 18; 20,10-24; Jes. 1,20-23; Jer. 2,20; 3,1). Die Hure steht somit für das falsche „Gottesvolk“, solche, die äußerlich behaupten, zur Kirche Jesu Christi zu gehören, die aber innerlich längst abgefallen sind und mit der Welt zusammengeht, die in gleicher Weise, wie ausgeführt, sich ja nicht binden lassen will an Gottes Autorität.225

    V. 3: Das Weib sitzt auf einem scharlachfarbenen Tier mit zehn Hörnern und sieben Häuptern, wie schon Daniel angezeigt und Offenb. 13,1. Während in Offenb. 12 das Weib die Gemeinde Jesu Christi ist, s.a. 19,7, so ist hier das Weib die Macht, die sich an die Stelle Christi setzt – der Antichrist. Die Gemeinde wird von der Welt verfolgt – aber einst erhöht als Christi Braut (19,6-8; 11,11-12), die falsche Kirche jedoch wird von der Welt geehrt – aber einst wird sie vom HERRN gerichtet (18,1-2.5-6).226 Scharlach ist, s.a. Jes. 1,18, die Farbe der Sünde, aber auch die Farbe der Macht, des Luxus (18,12)227. Das Tier ist Rom, ist die Weltmacht, also die äußere Macht, mit der das Papsttum arbeitet, auch die Verbindung mit den antichristlichen Weltmächten. Es ist voll Lästerung – das macht ja den Antichristen aus (Papsttum wie Islam). Dass das Weib auf dem Tier sitzt zeigt an, dass die Welt dem geistlichen Antichristen dient. An anderen Stellen ist das Verhältnis umgekehrt (Kap. 13), wie es auch in der Geschichte mal so und mal anders war und ist. Und zuzeiten bekämpfen sie sich auch, besonders gegen das Ende, wenn die weltliche antichristliche Macht alle Gewalt an sich reißt (17,16), was auch schon ein Teil des Gerichts Gottes über die Hure ist. Dass das Weib mit dem Tier in der Wüste sitzt, macht deutlich, dass vor Gott auch all die äußerliche Pracht dieses Reiches nichts ist. Die Wüste kann auch das Ende der Hure anzeigen, wie bei Jeremias Weissagung über den Untergang Babylons (Jes. 13,21; 21,1; Jer. 50,12; 51,43)228

    V. 4: Äußerlich tritt der Antichrist prächtig, mächtig, herrlich auf (goldener Becher, s.a. Jer. 51,7) – aber tatsächlich ist alles voll Greuel, Unsauberkeit – Gottlosigkeit. Man denke nur an die äußere Pracht, mit der die römische Kirche auftritt, angefangen bei den Priestern über die Bischöfe und Kardinäle bis zum Papst, auch an den Pomp vieler Kirchengebäude. Das antichristliche Reich zeichnet sich gerade auch durch eine große äußere, weltliche Pracht in vielen Dingen aus.229 Auch das antichristliche Weltreich (das Tier) ist äußerlich prächtig, mit Fernsehen, Computer, Internet, hochentwickelter Technik, Finanzmächten – aber innerlich hohl, sittlich verrottet, brutal, unmenschlich, geprägt von Gottlosigkeit, Ungebundenheit auf allen Gebieten.

    V. 5: Die große Hure ist Babylon. Babylon steht schon im Alten Testament für die Gottlosigkeit (s.a. Jer. 51,13). Sechsmal (sechs ist die Zahl des Antichristen) taucht der Name „Babylon“ in der Offenbarung auf (14,8; 16,19; 17,5; 18,2.10.21). Es handelt sich hier nicht um die irdische Stadt, sondern um die antichristliche Macht an sich, die sich dann in den vielen Weltstädten unserer Zeit zeigt, mit all den Greueln und der Unmoral des Antichristen. An der Stirn ist ihr Name geschrieben. Im Alten Testament trugen die Hohepriester eine Stirnplatte mit der Aufschrift: „Heilig dem HERRN“. Welch ein Gegensatz.230

    V. 6: Das Hauptwerk des Antichristen ist die Verfolgung der Gemeinde Jesu Christi. Das Weib und das Tier (Biest), wie auch die Beschreibung zeigt, sind nicht zu trennen, sondern eins, in vielerlei Erscheinungsweisen auf Erden. Das, was hier vom Weib gesagt wird, wird zuvor ja vom Tier gesagt. Wir haben nur eine unterschiedliche Darstellung des antichristlichen Reiches.231 Und doch sind sie auch wieder zu unterscheiden, sind nicht einfach identisch, wenn sie auch vielfach zusammenarbeiten, antichristliche geistliche Macht (Papsttum) und antichristliche Weltmacht. Beide sind aktiv in der Verfolgung der Gemeinde Jesu Christi.232 Das Reich es Antichristen ist ja eine satanische Größe, gestiftet und angetrieben vom Satan selbst, der ein Mörder ist von Anfang, Joh. 8,44. Darum sind auch seine Diener auf Mord, auf das Blut des Heiligen, aus.233

 

    V. 7-14: Nähere Erklärung der antichristlichen Macht

    V. 7: Der Engel erklärt Johannes, was es mit dem Weib und dem Tier, die hier auch in eins gesehen werden, auf sich hat.

    V. 8: Das Tier ist gewesen, ist nicht, und wieder gekommen aus dem Abgrund: s. Kap. 13,2 ff.: Es war verwundet und kam wieder auf (Satan versucht damit Christi Tod und Auferstehung nachzuäffen234). Wir haben es hier zunächst mit dem heidnischen Rom und dem päpstlichen Rom als seinem Erben, der Erneuerung des Römerreiches, zu tun235, (dann mit dem päpstlichen Rom vor und dem päpstlichen Rom nach der Reformation)236 – und es wird in die Verdammnis gehen. Die Macht und Zeit des Tieres ist begrenzt. Das Tier kommt aus der Tiefe, vom Teufel – auch in der Zeit, in der es „nicht war“, war es doch unterschwellig vorhanden, weil die antichristlichen Bestrebungen schon da waren, s. 1. Joh. 2. Nach außen ist diese Macht großartig, gerade in der Vermischung von Kirche und Staat, weshalb so viele ihn bewundert haben (s.a. Kap. 13,4-8), so viele Christen auch einen „christlichen Staat“ sich wünschen und nicht erkennen, welch ein Greuel dies ist.s.a. Luk. 22,25 f. Die wahre Kirche Christi wird immer ein kleiner Haufen dagegen bleiben.

    V. 9: Die sieben Häupter: a) sieben Berge, auf dem das Weib sitzt = Rom, und b) sieben Könige = Weltmächte, die, s. Kap. 12,3 ff.; 13,1 ff. und Dan. 7,17.23 (Berge stehen im Alten Testament des Öfteren für Königreiche, so auch für Gottes Reich, Jes. 2,2), in ihrem Grunde antichristlich sind; das antike Rom ist sozusagen ein Typos all dieser antichristlichen Weltmächte. Die Siebenzahl deutet dabei auch darauf hin, dass es sich hier um die Vollzahl handelt, das heißt, dass die Weltmächte, gerade in der Endzeit, ziemlich geschlossen, global, antichristlich sind.237

    V. 10: Fünf waren schon: Ägypten, Assyrien, Babylonien, Persien, Mazedonien; eins ist: das heidnische Rom (das sind sechs Reiche, die Zahl des Antichristen) – das andere kommt für eine kleine Zeit: die antichristlichen Weltmächte im Gefolge Roms.238 Wenn wir Dan. 7,21 ff. betrachten, so wird ja angezeigt, dass nach dem Römerreich kein weiteres Reich auftritt. Damit ist angezeigt, dass das hier angezeigte siebte Reich nicht außerhalb des Römerreiches zu suchen ist, sondern mit ihm zusammenhängt, also das Römerreich in erneuerter Form ist.239

    V. 11: Das Tier ist das achte Reich, nämlich die geistliche Macht, das Papsttum, in seiner weltlichen Gestalt (s.a. Kap. 13,11-18)240. Es kommt her von den sieben, denn es ist mit der Weltmacht verknüpft – und fährt in die Verdammnis. Acht ist eigentlich die Zahl der Auferstehung, denn Christus starb am sechsten Tag der Woche, blieb am Sabbath im Grab und erstand am 8. Tag (Sonn- oder Herrentag) wieder auf. Das „achte Reich“ Satans aber wird in der Verdammnis enden.241

    V. 12: Die zehn Könige: a) Das Römische Reich bestand aus zehn Diözesen; b) die Weltmächte überhaupt, die mit dem Antichristen wirken. Während die sieben Könige aus V. 9 die Weltmächte in ihrer zeitlichen Ausdehnung beschreiben, so die zehn Reiche die Weltmächte in ihrer globalen Ausdehnung (Vollmaß der Reiche), die ja gleichzeitig („auf eine Stunde“) sind.242 Staaten und Kirche sind völlig unterschiedlich, auch entsprechend unterschiedlich zu leiten. Darum sind sie auch gemäß Matth. 22,23 streng zu trennen. Zeitweilig kann es Regierungen geben, wie gottselige Fürsten der Reformationszeit, die die Gemeinde Jesu in rechter Weise fördern, aber das ist eine seltene Ausnahme, eine kurze Zeit, in der das Tier gebunden ist.243

    V. 13: Die Weltmächte arbeiten mit dem Antichristen, ja, unter ihm. Dabei erscheinen die Könige hier weniger als selbständig agierende Größen als vielmehr als Gebilde, die dem Tier ihre Macht und Vollmacht geben, um sich mit ihm ganz auf das Eine zu konzentrieren: den Feldzug gegen die Gemeinde Christi.244 Zeigt sich nicht gerade auch das in der zunehmenden Globalisierung, dem Vorantreiben, dass die Nationalstaaten mehr und mehr entmachtet werden (besonders in der Europäischen Union) zugunsten übernationaler Größen (bis hin zu UNO und NATO als dirigierenden Größen). s.a. Kap. 16,14 und 19,19, wo dieser Feldzug näher geschildert wird.

    V. 14: Zusammen aber sind sie gegen Christus und seine Gemeinde – aber das Lamm, Christus, siegt, und seine Schar mit ihm. Diesen Sieg hat Christus ja grundsätzlich schon auf Golgatha für uns erworben, Satan ist grundsätzlich auch schon gestürzt und tobt nur noch seine letzte Macht auf Erden aus gegen Gottes Volk (Kap. 12,13-18) – aber Christi Sieg ist unumstößlich!245

 

    V. 15-18: Vom Gericht über den Antichristen (das, was hier berichtet wird, liegt zeitlich nicht nach dem, was V. 8-11 (Ende des Tieres) und V. 12-14 (Ende der zehn Könige) beschrieben wurde, sondern ist gleichzeitig zu sehen, wird nur thematisch nacheinander beschrieben, und ist eine Einleitung zu der ausführlichen Darstellung in Kapitel 18.)246

    V. 15: Der Antichrist sitzt ja bei den „Völkern, Scharen, Heiden und Sprachen“ (dass sie hier mit der Vierzahl beschrieben werden, also der Zahl der Erde, weist hin auf die universale Macht des Antichristen über die Ungläubigen, s.a. Kap. 10,11; 11,9; 13,7; 14,6247), er hat Macht über die Völker, ist verquickt mit ihnen, ja, er kann Macht über sie haben auch wenn er mit dem Staatsführern nichts im Sinn hat – bis die Wasser ausgetrocknet werden, Kap. 16,12.

    V. 16: Aber es kommt die Zeit, dass die Weltmächte, die ja auch antichristlich sind, sich gegen den geistlichen Antichristen stellen werden, und zwar vor allem seine weltliche Macht und Reichtum, ihn ausrauben, ausplündern, demütigen (wie auch oft geschehen), auch versuchen, ihm die Volksmassen abspenstig zu machen, wie z.B. durch die Ideologien, überhaupt die Verweltlichung, geschehen, was aber auch zugleich die Gemeinde Jesu Christi angreift, was aber die weltliche Macht nicht weiter stört.248 Die Darstellung des Gerichts erinnert sehr an das Gericht über die beiden abtrünnigen Schwestern in Hes. 23,1-34.249

    V. 17: Sie tun dies aus Gottes Ratschluss, auch wenn sie selbst danach darüber trauern werden, Kap. 18,9 ff. In Teilen besteht das Papstreich noch („zu geben ihr Reich dem Tier“), aber entscheidend geschwächt, bis es am Jüngsten Tag völlig vernichtet wird. Das heißt: Der Prophet des Papstreiches, wiewohl zutiefst geschwächt, „frisst noch wütig um sich“ und versammelt seine Getreuen zum Streit gegen den HERRN und seine Gemeinde, ja, wird auch neue Bündnisse suchen (etwa mit dem Islam). Darum gilt es, sich vor ihm zu hüten. Aber seine alte Macht wird er nicht mehr erlangen.250 Die weltliche antichristliche Macht (Staaten) aber nimmt noch mehr zu.

    V. 18: Denn der Antichrist hat alle Macht auf Erden, aber durch Gottes Ratschluss ist das alles begrenzt (s.a. Daniel 11,44-45). Auch heute noch hat Rom, trotz aller Einschränkungen, große Macht. Dass es sich um Rom handelt, wird hier deutlich ausgesprochen: die Stadt, die das Reich hat über die Könige auf Erden.

 

O) Der Fall des Antichristen und seines Reiches (Kapitel 18)

 

Kapitel 18: 1 Und danach sah ich einen andern Engel niederfahren vom Himmel, der hatte  eine große Macht, und die Erde ward erleuchtet von seiner Klarheit. 2  Und schrie aus Macht mit großer Stimme und sprach: Sie ist gefallen, sie  ist gefallen, Babylon, die große, und eine Behausung der Teufel worden  und ein Behältnis aller unreinen Geister und ein Behältnis aller unreinen  und feindseligen Vögel. 3  Denn von dem Wein des Zorns ihrer Hurerei haben alle Heiden getrunken;  und die Könige auf Erden haben mit ihr Hurerei getrieben, und ihre  Kaufleute sind reich worden von ihrer großen Wollust.

    4  Und ich hörte eine andere Stimme vom Himmel, die sprach: Gehet aus von  ihr, mein Volk, dass ihr nicht teilhaftig werdet ihrer Sünden, auf dass  ihr nicht empfanget etwas von ihren Plagen; 5  Denn ihre Sünden reichen bis in den Himmel, und Gott denkt an ihren  Frevel. 6  Bezahlet sie, wie sie euch bezahlt hat, und macht’s ihr zwiefältig nach  ihren Werken; und mit welchem Kelch sie euch eingeschenkt hat, schenket  ihr zwiefältig ein. 7  Wie viel sie sich herrlich gemacht und ihren Mutwillen gehabt hat, so viel  schenkt ihr Qual und Leid ein. Denn sie spricht in ihrem Herzen: Ich  sitze und bin eine Königin und werde keine Witwe sein, und Leid werde  ich nicht sehen. 8  Darum werden ihre Plagen auf einen Tag kommen, der Tod, Leid und Hunger;  mit Feuer wird sie verbrannt werden. Denn stark ist Gott der HERR, der  sie richten wird.

    9 Und es werden sie beweinen und sich über sie beklagen die Könige auf  Erden, die mit ihr gehurt und Mutwillen getrieben haben, wenn sie sehen  werden den Rauch von ihrem Brande. 10  Und werden von ferne stehen vor Furcht ihrer Qual und sprechen: Wehe,  wehe, die große Stadt Babylon, die starke Stadt! Auf eine Stunde ist  dein Gericht kommen. 11  Und die Kaufleute auf Erden werden weinen und Leid tragen bei sich selbst,  dass ihre Ware niemand mehr kaufen wird, 12  die Ware des Goldes und Silbers und Edelgesteins und die Perlen und Seide  und Purpur und Scharlach und allerlei wohlriechendes Holz und allerlei Gefäß von  Elfenbein und allerlei Gefäß von köstlichem Holz und von Erz und von  Eisen und von Marmor 13  und Zimt und Thymian und Salben und Weihrauch und Wein und Öl und Semmeln  und Weizen und Vieh und Schafe und Pferde und Wagen und Leichname und  Seelen der Menschen. 14  Und das Obst, daran deine Seele Lust hatte, ist von dir gewichen; und  alles, was völlig und herrlich war, ist von dir gewichen; und du wirst  solches nicht mehr finden. 15  Die Kaufleute solcher Ware, die von ihr sind reich worden, werden von  ferne stehen vor Furcht ihrer Qual, weinen und klagen 16  und sagen: Wehe, wehe! die große Stadt, die bekleidet war mit Seide und  Purpur und Scharlach und übergoldet war mit Golde und Edelgestein und  Perlen! 17  Denn in einer Stunde ist verwüstet solcher Reichtum. Und alle Schiffsherren  und der Haufe, die auf den Schiffen hantieren, und Schiffsleute, die  auf dem Meer hantieren, stunden von ferne 18  und schrien, da sie den Rauch von ihrem Brande sahen, und sprachen: Wer  ist gleich der großen Stadt? 19  Und sie warfen Staub auf ihre Häupter und schrien, weinten und klagten  und sprachen: Wehe, wehe! die große Stadt, in welcher reich worden sind  alle, die da Schiffe im Meer hatten, von ihrer Ware! Denn in einer Stunde  ist sie verwüstet. 20  Freue dich über sie, Himmel und ihr heiligen Apostel und Propheten! Denn  Gott hat euer Urteil an ihr gerichtet.

    21  Und ein starker Engel hub einen großen Stein auf als einen Mühlstein warf  ihn ins Meer und sprach: Also wird mit einem Sturm verworfen die große  Stadt Babylon und nicht mehr erfunden werden. 22  Und die Stimme der Sänger und Saitenspieler, Pfeifer und Posaunen soll  nicht mehr in dir gehört werden; und kein Handwerksmann einiges Handwerks  soll mehr in dir erfunden werden; und die Stimme der Mühle soll nicht  mehr in dir gehöret werden; 23  und das Licht der Leuchte soll nicht mehr in dir leuchten; und die Stimme  des Bräutigams und der Braut soll nicht mehr in dir gehöret werden; denn  deine Kaufleute waren Fürsten auf Erden; denn durch deine Zauberei sind  verirret worden alle Heiden. 24  Und das Blut der Propheten und der Heiligen ist in ihr erfunden worden  und aller derer, die auf Erden erwürget sind.

 

    Kapitel 18 führt weiter aus, was bereits kurz in Kap. 16,17-21 und 17,15-18 berichtet wurde. „Und danach“ meint nicht eine chronologische Reihenfolge, denn tatsächlich wird das Thema von Kap. 17,1 wieder aufgenommen, sondern es ist nur eine Abfolge von Szenen, wobei die jetzige Szene detaillierter darstellt, wovon die vorige schon handelte.251

    V. 1-8: Der Triumph über den Antichristen

    V. 1: Johannes sieht ein neues Gesicht: Ein Engel kommt, der den Siegesruf bringt: Babylon ist gefallen252. Der Antichrist ist in seiner geistlichen Macht überwunden,  und zwar durch die lutherische Reformation, s.a. 14,8, und nun ist auch, Kap. 17,16 ff. seine irdische Macht zerbrochen (s. vor allem V. 5-8). Wir haben also die Ausführung des Urteils Gottes über den Antichristen, die hier gezeigt wird, begonnen mit der Reformation.

    V. 2: Weil die römische Kirche die biblische Reformation und damit das biblische Evangelium zurückgewiesen hat, weil sie sich verhärtet hat in den antichristlichen Lehren (Konzil von Trient, 1. und 2. Vaticanum), darum ist sie unreformierbar geworden und eine Wohnung des Teufels, der unreinen Geister, s.a. Jes. 13,21.22; 34,14; Jer. 50,39; 51,8.38 (Babylon als Typos), der unreinen und verhassten Vögel, also all derer, die außerhalb des Gnadenbundes stehen, Apg. 11,18. Das ist Gottes Strafe. Alle Gläubigen, die nicht willentlich ihre Augen verschließen, können nun den wahren, antichristlichen Charakter der römischen Kirche erkennen.253

    V. 3: Alle Welt – Heiden,  vor allem: Kaufleute und Könige (politische Machthaber) – hatten mit ihr getrunken und werden nun mit ihr fallen.

    V. 4: Die Gläubigen aber – es gibt also in dieser finsteren Zeit noch Gläubige – werden aufgerufen, sich getrennt zu halten, vom Antichristen und überhaupt aller falschen Lehre und Kirche, damit sie nicht mit gerichtet werden, s.a. Jes. 48,20; Jer. 508, 51,6.45 ff.

    Es ist notwendig, dass wir uns fern halten vom Papsttum und all denen, die mit ihm paktieren und überhaupt allen, die sich in irgendeiner Weise von der biblischen Lehre getrennt haben. Und wer in der Papstkirche ist und zur biblisch-evangelischen Erkenntnis kommt, muss, um seiner Seligkeit willen, sich von ihr trennen. (Es mag allerdings Kinder und Einfältige in ihr geben, die tatsächlich geistlich keine Papstleute sind und mitgeschleppt werden ohne Erkenntnis, aber das ist die Ausnahme.)254

    V. 6-8: Schrecklich ist das Gericht, das über den hochmütigen Antichristen kommt. Wie er gequält hatte, so wird er jetzt gequält und gerichtet. (Hier klingt auch all das an, was wir in den sogenannten „Rachepsalmen“ des Alten Testaments lesen und beten. s.a. Ps. 137,8f.) Gott selbst ist es, der richtet – und er verwendet auch das Tier dazu, die politischen Machthaber. Bedenke: Schon die bloße Existenz der antichristlichen Kirche ist eine Lästerung Christi!255

 

    V. 9-20: Trauer der Welt über den Fall des Antichristen (s.a. Jes. 23; Hes. 26-28)

    V. 9-14: Der Fall des Antichristen betrübt all die, die profitiert haben davon, dass er da war. Wenn wir zugleich Kap. 17,17 bedenken, dass ja die Staaten selbst entscheidend mit Hand angelegt haben, so verstehen wir, dass sie ja, wie es dort heißt, „seinen“, also Gottes, Willen tun mussten, obwohl sie es so eigentlich nicht wollten. Babylon, die antichristliche Weltmacht, war der Garant für äußeren Reichtum: Gold, Silber, Edelgestein, Perlen, Seide, Purpur, Scharlach, wohlriechendes Holz (Thinen- oder Thujaholz), Elfenbein, Erz, Eisen, Marmor, Salben, Gewürze – alles, was irgend nach Reichtum aussieht, lag auch in der Verfügungsgewalt des Antichristen, des Papstes. Zugleich ist der Antichrist verbunden mit der antichristlichen Weltmacht und deren entarteter, widergöttlicher Kultur, die hier besonders deutlich zum Ausdruck kommt. Dies zeigen vor allem die Verse 14-17, die Babylon als eine Händler- oder Handelsmacht beschreiben, geprägt vom Materialismus. V. 13 hebt dabei auch die soziale Ungerechtigkeit dieses Systems hervor, das Menschen zur Ware herabwürdigt (wie es ja nicht nur im Sklavensystem des Altertums war, sondern auch im modernen Kapitalismus der Fall ist. Eine besondere Entartung in geistlicher Weise stellt dieser Handel mit Seelen in der römischen Kirche dar mit dem Ablass und den Seelenmessen, den Totenmessen, den Messen für Menschen, die gerade anderswo sich befinden.). Den geistlichen und geistigen Verfall hatte niemand dieser Klagenden bemerkt, den haben sie nicht bedauert – aber materielle Verluste, die schmerzen sie. Auch das zeigt, wie entartet die materialistische Gesellschaft ist. Dabei sind der Besitz vieler dieser Dinge, die hier aufgezählt werden, an sich ja nicht einmal verkehrt – aber verkehrt wird ihr Gebrauch, wenn er der Genuss-Sucht dient, wenn alles im Namen des Interesses, des Gewinns, des Wohlstandes, des äußeren Gewinns manipuliert wird; wenn vorbildlicher Leistungswille mit Selbstsucht und Selbstruhm verquickt wird (s.a. den „Star-Kult“ der modernen Zeit), kulturelles Leben und Wohlstand auf sozialer Ungerechtigkeit gründen, Humanität ohne Gottesbezug propagiert wird, die moderne Kultur also gegenüber Gott überheblich, verstockt wird – und gewalttätig gegen die Gemeinde des HERRN.256

    V. 15-19: Das alles ist dann dahin. Und damit auch aller äußerer Reichtum dieser Welt, alles, was da angehäuft wurde.257

    V. 20: Während die Ungläubigen voll Trauer sind, ist Jubel im Himmel, Jubel bei der Gemeinde über das Gericht. Denn Gott der HERR hat sich als Richter auf Erden offenbart, Ps. 58,11 f; 59,11; 68,2 ff.; 9,2 ff.

   

    V. 21-24: Der Vollzug des endgültigen und vollständigen Gerichts

    V. 21: So, wie ein großer Mühlstein unwiederbringbar im Meer versinkt, so wird Babylon, wird die antichristliche Kirche und Weltmacht für immer zerstört werden; nichts wird mehr nach dem Jüngsten Tag von ihr vorhanden sein (s.a. die ägyptische Armee, 2. Mose 15,4-5.10; Jeremias Schriftrolle, Jer. 51,60-64).258

    V. 22 f.: Nichts mehr von all dem Leben und Treiben, das zuvor da war, wird dann mehr sein, kein Licht, nichts: Denn sie war das Zentrum, der Inbegriff der antichristlichen Verführung, V. 24 der Ort der Verfolgung der Gemeinde, sei es direkt oder über die weltlichen Mächte. Gott der HERR aber hat mit all dem ein Ende gemacht im Jüngsten Gericht (s.a. das Gericht über Tyros, Hes. 26,13; über Babylon, Jer. 25,1-11. Da, wo einst die Stadt Babylon stand, ist heute nur Wüste.).

    Diese Verse zeigen a) wie am Jüngsten Tag das endgültige Gericht vollzogen wird; b) wie aber schon jetzt dort, wo Gottes reines Wort, Christi Evangelium zurückgewiesen wird der geistliche Tod einkehrt und die Menschen und ihre Kirchenverbände mehr und mehr der Lüge, dem Irrtum, der Welt, der Ichhaftigkeit verfallen, s.a. 2. Thess. 2, so dass nur noch geistliche Wüste, Verödung bleibt. Dies geschieht überall da, wo Gottes reines Wort, die Verbalinspiration und Irrtumslosigkeit der Heiligen Schrift geleugnet wird, wo durch die historisch-kritische Methode sich die Kirchenverbände selbst unreformierbar machen, wo durch Anpassung an die Welt Gesetz und Evangelium verkehrt werden, ja auch in einstmals eher konservativen Kreisen Buße, Zerbruch und Umkehr, Heiligung und Absonderung von der Welt, tägliche Buße und Errettung allein aus Gnaden, allein durch Gottes Wirken durch das Evangelium in den Hintergrund gedrängt und der moderne Mensch und die weltliche Kultur hofiert werden.259 c) Dass durch die lutherische Reformation die geistliche Macht des Antichristen so nachhaltig gebrochen ist, dass sie in ihrer alten Form nicht wieder aufgerichtet werden kann, sondern das helle Licht des Evangeliums erhalten bleibt bis zum Jüngsten Tag.260

 

 

P) Jubel ueber den Fall Babylons, der antichristlichen Macht (Kapitel 19)

 

Kapitel 19: 1 Danach hörte ich eine Stimme großer Scharen im Himmel, die sprachen:  Halleluja! Heil und Preis, Ehre und Kraft sei Gott, unserm HERRN! 2  Denn wahrhaftig und gerecht sind seine Gerichte, dass er die große Hure  verurteilt hat, welche die Erde mit ihrer Hurerei verderbet, und hat  das Blut seiner Knechte von ihrer Hand gerächt. 3  Und sprachen zum andern Mal: Halleluja! Und der Rauch gehet auf ewiglich. 4  Und die vierundzwanzig Ältesten und die vier Tiere fielen nieder und  beteten an Gott, der auf dem Stuhl saß, und sprachen: Amen Halleluja! 5 Und eine Stimme ging von dem Stuhl: Lobet unsern Gott, alle seine Knechte,  und die ihn fürchten, beide, klein und groß!

    6  Und ich hörte eine Stimme einer großen Schar und wie eine Stimme großer  Wasser und wie eine Stimme starker Donner, die sprachen: Halleluja! Denn  der allmächtige Gott hat das Reich eingenommen. 7  Lasset uns freuen und fröhlich sein und ihm die Ehre geben; denn die  Hochzeit des Lammes ist kommen, und sein Weib hat sich bereitet. 8  Und es ward ihr gegeben, sich anzutun mit reiner und schöner Seide. (Die  Seide aber ist die Gerechtigkeit der Heiligen.) 9  Und er sprach zu mir: Schreibe: Selig sind, die zum Abendmahl des Lammes  berufen sind. Und er sprach zu mir: Dies sind wahrhaftige Worte Gottes. 10  Und ich fiel vor ihn zu seinen Füßen, ihn anzubeten. Und er sprach zu  mir: Siehe zu, tu es nicht; ich bin dein Mitknecht und deiner Brüder  und derer, die das Zeugnis Jesu haben. Bete Gott an! (Das Zeugnis aber  Jesu ist der Geist der Weissagung.)

    11 Und ich sah den Himmel aufgetan; und siehe, ein weißes Pferd, und der darauf  saß, hieß Treu und Wahrhaftig und richtet und streitet mit Gerechtigkeit. 12  Und seine Augen sind wie eine Feuerflamme, und auf seinem Haupt viele  Kronen; und er hatte einen Namen geschrieben, den niemand wusste als er  selbst. 13  Und war angetan mit einem Kleide, das mit Blut besprengt war; und sein  Name heißt Gottes Wort. 14  Und ihm folgte nach das Heer im Himmel auf weißen Pferden, angetan mit  weißer und reiner Seide. 15  Und aus seinem Munde ging ein scharfes Schwert, dass er damit die Heiden  schlüge; und er wird sie regieren mit der eisernen Rute. Und er tritt  die Kelter des Weins des grimmigen Zornes des allmächtigen Gottes. 16  Und er hat einen Namen geschrieben auf seinem Kleid und auf seiner Hüfte  also: Ein König aller Könige und ein HERR aller Herren.

    17  Und ich sah einen Engel in der Sonne stehen; und er schrie mit großer  Stimme und sprach zu allen Vögeln, die unter dem Himmel fliegen: Kommt  und versammelt euch zu dem Abendmahl des großen Gottes, 18  dass ihr esst das Fleisch der Könige und der Hauptleute und das Fleisch  der Starken und der Pferde und derer, die darauf sitzen, und das Fleisch  aller Freien und Knechte, beide, der Kleinen und der Großen. 19  Und ich sah das Tier und die Könige auf Erden und ihre Heere versammelt,  Streit zu halten mit dem, der auf dem Pferde saß, und mit seinem Heer. 20  Und das Tier ward gegriffen und mit ihm der falsche Prophet, der die  Zeichen tat vor ihm, durch welche er verführte, die das Malzeichen des  Tieres nahmen, und die das Bild des Tieres anbeteten; lebendig wurden  diese beide in den feurigen Pfuhl geworfen, der mit Schwefel brannte. 21  Und die andern wurden erwürgt mit dem Schwert des, der auf dem Pferde  saß, das aus seinem Munde ging. Und alle Vögel wurden satt von ihrem  Fleisch.

 

    V. 1-10: Der Jubel über den Fall des Antichristen in seiner geistlichen und irdischen Macht

    Dieser Jubel knüpft an die Ereignisse in Kap. 17 und 18 an, die vollständige Vernichtung der äußeren Macht des geistlichen Antichristen durch die antichristlichen Weltmächte, die als Gottes Werkzeuge tun mussten, was sie eigentlich gar nicht wollen (siehe auch ihre Klage, 18,9 ff.). Zugleich weist der Abschnitt, V. 6 b, auch auf die anderen Ereignisse des Jüngsten Tages voraus. Denn was wir hier haben, ist zum einen eine Entfaltung des Gerichts über den geistlichen Antichristen aus Kap. 18. Aber dieses Gericht ist Teil des Jüngsten Gerichts, nur ein spezieller Aspekt daraus.261

    V. 1.2: Die Gläubigen und Engel jubeln und preisen den lebendigen Gott über sein Gericht, das gerecht und wahrhaftig ist, gerade das Gericht über die Hure, den Antichristen und seine Kirche, die großen Verführer und Verfolger der Gemeinde. Die Bitte der Märtyrer aus Kap. 6,10 ist erfüllt. (Das Wort „Halleluja“ kommt übrigens nirgends sonst im Neuen Testament vor.“262) Das Blut, die Hure, der geistliche Antichrist, vergossen hat, fällt jetzt auf sie zurück.263

    V. 3-6: Von neuem hebt der Jubel an, alle sind beteiligt: die 24 Ältesten, die vier Tiere – alle beten den lebendigen Gott an, der das Reich hat. Der Rauch Babylons, der Gottesfeindin, geht auf in alle Ewigkeit, Jes. 34,10. Gottes Sieg ist vollkommen. Alles ist im Himmel von Furcht Gottes erfüllt und vom Geist der Anbetung. Der Sieg, den er errungen hat, ist ein Sieg durch Gehorsam, Leiden, Tod und Auferstehung. Er hat schon immer regiert, aber nun wird seine Herrschaft offenbar, deren Krone er auf dem Kreuz in besonderer Weise empfing. Bisher war seine Herrschaft aber den Ungläubigen nicht offensichtlich gewesen. Nun aber ist sie offenbar für alle (Matth. 24,29-31; 26,64; Phil. 2,6-11).264

    V. 7 f.: Die Hochzeit des Lammes ist da! Und was ist das rechte Hochzeitskleid? Es ist die geschenkte Gerechtigkeit der Heiligen, die zuerkannte Gerechtigkeit Christi, die er, der Bräutigam, Jesus Christus, ihr erworben hat durch seinen Gehorsam, Leiden und Sterben (das ist der Brautpreis, den er entrichten musste: 1. Petr. 1,18-19; Offenb. 1,5-6; 5,9-10) und die er ihr durch den Heiligen Geist durch Wort und Sakrament zugeeignet hat.265

    V. 9: Selig sind, die zum Abendmahl des Lammes berufen sind – denn sie sind die Auserwählten Gottes, die Erretteten, Gläubigen, die in herzlichem Vertrauen die durch Christus erworbene Versöhnung, Vergebung der Sünden ergriffen haben.  Was wir in den Versen 7-9 haben ist die Vorbereitung auf die Hochzeit des Lammes mit seiner Braut, der Gemeinde. Die Hochzeit selbst findet ja erst mit seinem zweiten Kommen, also dem Jüngsten Tag, statt.266

    V. 10: Die Engel sollen wir nicht anbeten; sie sind Geschöpfe wie wir: Gott allein sollen wir anbeten!267

 

    V. 11-21: Darstellung des endgültigen Gerichts über den Antichristen und die Weltreiche (Jüngster Tag)

    V. 11: Johannes sieht den Himmel aufgetan. Er sieht jetzt, was im Himmel selbst abläuft, bzw., was vom Himmel ausgeht und greift das Thema „Harmageddon“ wieder auf. Er sieht zunächst ein weißes Pferd, dann darauf einen, der Treu und Wahrhaftig heißt, Jes. 25,1, der mit Gerechtigkeit angetan ist. Jesaja 11 zeigt uns, dass dies nur Jesus Christus sein kann. Weiß ist die Farbe der Reinheit, aber auch des Sieges. Christus wird hier dargestellt, wie er erscheint am Jüngsten Tag, dem Tag des Zorns. Es ist kein Kampf mehr, den Christus zu bestehen hat. Vielmehr hat er die Feinde versammelt zu Harmageddon, um ihnen ihren Lohn zu geben. Das weiße Pferd ist ein Zeichen des sieghaften Kampfes, des Sieges, den er errungen hat (s.a. Jes. 40,10; 53,12; 62,11).268

    V. 12: Seine Augen sind wie Feuerflammen, alles durchdringend, s.a. Kap. 1,14, nichts und niemand entgeht ihm. Sein Zorn ist entbrannt über seine Feinde. Auf seinem Haupt sind viele Kronen, denn er ist der HERR aller Herren.

    V. 13: Sein Kleid ist mit Blut besprengt – denn er tritt die Kelter des Zornes Gottes; er ist der Heilige Gottes, Gottes Wort, Joh. 1,1, Jesus Christus. Der Heiland, der Retter erscheint hier als der Heilige, als der Richter. s.a. 1. Mose 49,11; Jes. 63,2 f.

    V. 14: Mit ihm erscheint sein Heer, seine Heiligen, 2. Thess. 1,10, und seine Engel, das wahrhaft zur letzten Schlacht auszieht – es kommt daher in reiner weißer Seide: Christi Gerechtigkeit. Damit allein können wir bestehen, gerade im letzten Kampf. Beachte den Gegensatz zu V. 13: Christi Kleid ist mit Blut besprengt, das der Seinen nicht. Das zeigt an: Nicht die Seinen erkämpfen den Sieg, sondern Christus allein, die seinen begleiten und verherrlichen ihn nur.269

    V. 15: Aus seinem Mund geht ein scharfes, zweischneidiges Schwert, s.a. Kap. 1,16, womit er richtet, Joh. 12,48, scheidet, Mark und Bein, Seele und Fleisch, Hebr. 4,12. Dieses sein Wort tötet die Gottlosen, Jes. 66,16, schlägt die Heiden und bringt den Antichristen um, Jes. 11,4; 2. Thess. 2,8. Schon im Alten Bund war Jahwe derjenige, der mit dem scharfen Schwert zum Gericht kam (Jes. 27,1; 31,8; 66,16; 13,4). Und auch schon im Alten Testament ist es der Messias, der diese Aufgabe übernimmt, Jes. 11,1-5; 49,2; Jos. 6,2.270 Christus regiert mit eiserner Rute, Ps. 2,9, im Gericht. Die Gnadenzeit ist jetzt vorbei. Er tritt die Kelter des Zornes als der Heilige Gottes, Jes. 63,3, V. 16, denn er ist der HERR aller Herren, als der er sich gerade im Jüngsten Gericht erweist.

    V. 17: Der Engel lädt die Vögel ein zu einem Abendmahl, Zornesmahl Gottes, das entgegengesetzt ist dem Hochzeitsmahl des Lammes, Jes. 56,9; Jer. 12,9, V. 18, nämlich zum Fleisch der getöteten Feinde Gottes, des Gog und Magog, des versammelten gottfeindlichen Heeres. s.a. Hes. 38; 39,4.17 ff; Sach 12,3; 14,2.13-14. Das Bild ist ein Bild der Qual der Feinde Gottes in der Hölle, von der gleich die Rede sein wird, wo der Tod sie nagt, Ps. 49,15.

    V. 19: Die antichristliche Macht wird zum Streit versammelt – aber sie kann gar nichts tun. Das ist das Schlachtfeld von Harmageddon, Kap. 16,14.16, worüber nochmals Kap. 20,7-10 berichtet wird. Diese antichristliche Macht aber ist nicht  e i n  Heer, wie das Heer Christi, die eine heilige christliche Kirche, sondern es sind viele Heere, die verbunden sind nur in ihrer Feindschaft gegen den HERRN, sonst aber untereinander uneins sind.

    V. 20: Sie, das Tier (Weltmächte), der Prophet oder geistliche Antichrist (Papsttum) werden im Nu ergriffen und lebendig in den feurigen Pfuhl geworfen, in die Hölle, deren Feuer nie erlöschen wird, Jes. 66,24, und alle anderen werden erwürgt und gehen mit in die ewige Verdammnis, Matth. 25,41. Das Gericht ist vollendet. Das ist der konkrete Vollzug dessen, was Kap. 18 im Allgemeinen gesagt wurde und nochmals Kap. 20 wiederholt wird.271

 

 

SIEBTES GESICHT: DER TRIUMPH DER GEMEINDE CHRISTI (20,1-22,5)

FÜNFTER ZYKLUS ODER GESAMTSCHAU DER NEUTESTAMENTLICHEN HEILSGESCHICHTE (Kapitel 20)

 

Q) Gesamtschau der neutestamentlichen Heilsgeschichte (Kapitel 20)

 

 Kapitel 20: 1 Und ich sah einen Engel vom Himmel fahren, der hatte den Schlüssel zum  Abgrund und eine große Kette in seiner Hand 2  und ergriff den Drachen, die alte Schlange, welche ist der Teufel und  der Satan, und band ihn tausend Jahre. 3  Und warf ihn in den Abgrund und verschloss ihn und versiegelte oben darauf,  dass er nicht verführen sollte die Heiden, bis dass vollendet würden  tausend Jahre; und danach muss er los werden eine kleine Zeit.

    4  Und ich sah Stühle, und sie setzten sich darauf, und ihnen ward gegeben  das Gericht; und die Seelen der Enthaupteten um des Zeugnisses Jesu und  um des Wortes Gottes willen, und die nicht angebetet hatten das Tier  noch sein Bild und nicht genommen hatten sein Malzeichen an ihre Stirn  und auf ihre Hand: diese lebten und regierten mit Christo tausend Jahre. 5  Die andern Toten aber wurden nicht wieder lebendig, bis dass tausend Jahre  vollendet wurden. Dies ist die erste Auferstehung. 6  Selig ist der und heilig, der teilhat an der ersten Auferstehung; über  solche hat der andere Tod keine Macht, sondern sie werden Priester Gottes  und Christi sein und mit ihm regieren tausend Jahre.

    7  Und wenn tausend Jahre vollendet sind, wird der Satanas los werden aus  seinem Gefängnis 8  und wird ausgehen, zu verführen die Heiden in den vier Örtern der Erde,  den Gog und Magog, sie zu versammeln in einen Streit, welcher Zahl ist  wie der Sand am Meer. 9  Und sie traten auf die Breite der Erde und umringten das Heerlager der  Heiligen und die geliebte Stadt. Und es fiel das Feuer von Gott aus dem  Himmel und verzehrte sie. 10  Und der Teufel, der sie verführte, ward geworfen in den feurigen Pfuhl  und Schwefel, da das Tier und der falsche Prophet war; und werden gequält  werden Tag und Nacht von Ewigkeit zu Ewigkeit.

    11 Und ich sah einen großen weißen Stuhl und den, der darauf saß, vor welches  Angesicht floh die Erde und der Himmel; und ihnen ward keine Stätte  gefunden. 12  Und ich sah die Toten, beide, groß und klein, stehen vor Gott. Und die  Bücher wurden aufgetan; und ein anderes Buch ward aufgetan, welches ist  des Lebens. Und die Toten wurden gerichtet nach der Schrift in den  Büchern, nach ihren Werken. 13  Und das Meer gab die Toten, die darinnen waren; und der Tod und die Hölle  gaben die Toten, die darinnen waren. Und sie wurden gerichtet, ein  jeglicher nach seinen Werken. 14  Und der Tod und die Hölle wurden geworfen in den feurigen Pfuhl. Das ist  der andere Tod. 15  Und so jemand nicht ward erfunden geschrieben in dem Buch des Lebens,  der ward geworfen in den feurigen Pfuhl.

 

    V. 1-10: Die neutestamentliche Gnadenzeit, einschließlich der kleinen Zeit am Ende272

1. SZENE: DAS BINDEN SATANS, 20,1-3

    V. 1 f.: Mit den Worten „Und ich sah“ wird wieder eine neue Szene eingeleitet, wie dies durchgängig in der Offenbarung der Fall ist. Diese Abfolge von Szenen hat nichts mit einer chronologischen Abfolge zu tun. Besonders wenn in diesem Zusammenhang eine Engelserscheinung erwähnt wird, wird der historische Fluss unterbrochen.273 Der Engel hat den Schlüssel zum Abgrund, ist also, Kap. 1,18, Christius,274 außerdem hat er eine große Kette, um den Satan zu binden, nämlich tausend Jahre.

    Wann geschieht das? Es IST schon geschehen. Joh. 12,31 lesen wir, dass der Teufel ausgestoßen wird, s.a. Offenb. 12,9. Wenn Christus Dämonen ausgetrieben hat, hat er auch Satan gebunden. Eph. 4,8 heißt es deutlich, dass Christus das Gefängnis gefangen geführt hat, dass also der Teufel in seiner Macht gebunden ist, denn Christus, 1. Joh. 3,8, hat dessen Werke zerstört; hat, Kol. 2,15, die Gewaltigen ausgezogen und einen Triumph aus ihnen gemacht, sie zur Schau gestellt.

    Wann aber ist dann das Tausendjährige Reich? Es ist das nichts anderes als die neutestamentliche Heilszeit, ausgenommen die kleine Zeit am Ende. Denn das Reich Christi ist nicht Essen und Trinken, sondern Gerechtigkeit und Friede und Freude in dem Heiligen Geist, Röm. 14,17. Darum heißt es auch: Siehe, jetzt ist die angenehme Zeit, jetzt ist der Tag des Heils, 2. Kor. 6,2.275

    V. 3: Was bewirkte dieses Binden und Verwahren Satans? Er sollte die Heiden nicht verführen, nämlich, V. 7 f., sollte sie nicht versammeln gegen die Gemeinde, sie auszulöschen. Durch das Binden wurde also die Wirkmöglichkeit Satans entscheidend eingeschränkt. Vor Christi Sieg konnte er auch die Heiligen vor Gott verklagen (Hiob 1,6-11; 2,1-5; Sach 3,1-5). Mit Christi Sieg und Himmelfahrt aber ist er aus dem Himmel geworfen und gefunden (s.a. Kap. 12,5.7-9). Nur deshalb ist über die Jahrhunderte die Mission, die Ausbreitung der Gemeinde Jesu Christi überhaupt möglich gewesen, auch die Expansion überhaupt von Europa aus. Schon Kapitel 12 lesen wir ja, dass er tatsächlich der Gemeinde, aus der Christus geboren wurde, letztlich nichts antun konnte. Nur am Ende der Zeit, wenn Gottes Ziel der Evangelisation der Heiden erreicht ist, wird er noch eine kleine Zeit los werden, aber auch das („muss er“) steht unter Gottes Willen, Leitung, Kontrolle.276

2. SZENE: DIE TAUSEND JAHRE, 20,4-6

    V. 4: Wo geschieht das? Johannes sieht, dass es ein geistiges Reich ist, nicht von dieser Welt.277 Er sieht Stühle. Wer sitzt darauf? Seelen sind es, er spricht nicht von Leibern. Welche Seelen? Einmal die Seelen der Märtyrer, zum anderen die Seelen derer, die dem Antichristen nicht gefolgt sind, kurz: die aller Gläubigen. Und was machen sie? Sie regieren mit Jesus Christus. Auch das geschieht schon heute, denn, Kap. 1,6, wir SIND ja schon zu Königen und Priestern gesetzt, 1. Petr. 2,9. Auch Dan. 7,9.22.27 spricht davon und 1. Kor. 6,2, dass wir richten und herrschen werden. Hier ist also von der gesamten kämpfenden Kirche die Rede, die mit Christus herrscht. Es ist also kein irdisches, zeitliches Regieren, sondern ein geistliches Herrschen im Glauben an Christus, durch Wort und Gebet.278 Wie in Kap. 12 folgt auf den Bericht über den Sieg Satans, das Binden Satans, die glorreiche Antwort der Gemeinde.279

    V. 5: Was ist mit der ersten Auferstehung gemeint? Gibt es zwei leibliche Auferstehungen? Nein! Joh. 5,28 sagt deutlich, dass es nur eine leibliche Auferstehung gibt. Die Toten, von denen hier die Rede ist, sind nicht leiblich Tote, sondern geistlich Tote. Diejenigen, die geistlich lebendig gemacht, auferweckt wurden, Eph. 2,4-6, Kol. 2,12-14; 3,1-4; Röm. 6,1-5, die regieren mit Christus, also die Gläubigen, Wiedergeborenen.280 Die anderen Toten, diejenigen, die im geistlichen Tod bleiben, werden ja nicht lebendig. Am Jüngsten Tag werden dann alle Christus erkennen – aber das ist dann für die geistlich Toten zu spät. „Bis“ ist hier keineswegs so gemeint, dass sie dann geistlich lebendig, also wiedergeboren würden, sondern gibt nur an, dass sie die gesamte Heilszeit, die eben bis zum Jüngsten Tag andauert, nicht wiedergeboren, geistlich lebendig werden.

    V. 6: Über die, die bekehrt, wiedergeboren wurden, und das ist ja die „erste Auferstehung“, über die hat der andere Tod, nämlich der ewige Tod, die Verdammnis, keine Macht, eben weil sie Kinder und Priester Gottes sind, 1. Petr. 2,9, und als solche schon mit Christus regieren. Dass mit der „ersten Auferstehung“ alle Gläubigen gemeint sind, wird durch die Aussage dieses Verses deutlich, denn nur derjenige, der an ihr Teil hat, ist vor der Verdammnis errettet. Damit fällt auch die Behauptung der Chiliasten, dass die „erste Auferstehung“ eine leibliche Auferstehung bestimmter (oder aller) Gläubiger sei, die am Beginn ihres „Tausendjährigen Reiches“ tot seien. Denn das hieße ja, dass danach, auch in ihrem „Tausendjährigen Reich“ niemand mehr selig werden würde. Dieser Vers enthält die fünfte der insgesamt sieben Seligpreisungen der Offenbarung.281

3. SZENE: DIE ÜBERWINDUNG SATANS, 20,7-10

    V. 7 ff.: Nach diesen tausend Jahren – eine bildhafte Zahl – wird der Satan los, für die „kleine Zeit“, V. 3, und verführt die Heiden, versammelt sie alle, s.a. Hes. 38,2 ff. (Gog aus Magog), gegen die Gemeinde, um das Heerlager der Heiligen und die geliebte Stadt, also die Gemeinde Gottes, zu umzingeln. Wann wird das sein? Wir wissen es nicht genau, aber wir sollen gemäß Matth. 24 die Zeichen der Zeit beachten, vor allem den Greuel der Verwüstung an heiliger Stätte, Matth. 24,15, den großen Abfall innerhalb der Christenheit.282 (Bis dahin war Satan nur indirekt tätig, durch die antichristlichen Weltmächte, s.a. Kap. 13,1-10, durch Propaganda und Verführung, s.a. Kap. 13,11-18 (geistlicher Antichrist).) Es geht um die Austilgung der Gemeinde, s.a. Dan. 7,22.26.283 „Gog und Magog“ stehen, im Anschluss an Hes. 38-39, für die (weltweiten) Feinde der Gemeinde Christi, die weltweit angegriffen wird.284 Das ist auch der Hintergrund der Aussage Jesu Christi Luk. 18,8, dass er, wenn er wiederkommt, auf Erden kaum Glauben finden wird, sowie Matth. 24,21.22 über die Schrecken der großen Trübsal. Nach diesen tausend Jahren also wird ein großer und allgemeiner Streit der ganzen ungläubigen und antichristlichen Welt gegen die kleine Herde Christi in den letzten Tagen (der „kleinen Zeit“) geschehen. „Von Einem Geiste entflammt, von Einem Führer geleitet, in geschlossenen Reihen, die ganze Breite der Erde einnehmend, zahllos wie der Sand am Meer, so sollten nach der Weissagung in der letzten Zeit die Heere der Heiden und der Ungläubigen anstürmen auf die arme und elende Kirche Jesu Christi.“285 Wie wird das geschehen? Auf vielfältige Weise, mit irdischer, vielleicht auch religiöser, Philosophie, Ideologie, Scheinwissenschaft, wohl auch einer Welteinheitsreligion (vielleicht sogar unter dem Papsttum, Rom, die mit ihm verbundenen Pseudo-Kirchen und den Islam umfassend), nach der jeder „nach seiner Facon selig werden kann“ – und mit der brutalen Gewalt der Verfolgung und Ermordung der an Christus Gläubigen.286 Wir sehen eventuell in unseren Tagen schon, wie sich das zusammenbraut. Die Globalisierung ist ein ganz entscheidendes Moment dabei. Und global ist auch die antichristliche Ausrichtung der öko-humanistischen Ideologie, die immer mehr zur Staatsideologie wird, keine absolute Wahrheit duldet, die biblischen Maßstäbe verwirft, sich gegen die Christen wendet und zugleich den Islam hofiert. (s.a. Antidiskriminierungsgesetze; Anti-Hass-Gesetze)

    Im letzten und entscheidenden Augenblick aber kommt Feuer vom Himmel und verzehrt die Feinde, s.a. Kap. 16,12-16; 17,14-18; und 19,11-21 sowie Hes. 39,3-6. Wenn Christus nicht eingreifen würde, dann wäre es allerdings aus mit der Gemeinde. Was wir unmittelbar vor seinem Eingreifen vorliegen haben ist das, was der HERR selbst in Matth. 24 als die „große Trübsal“ beschreibt, eine Zeit, die die Gemeinde nur übersteht, weil der HERR selbst die Zeit verkürzt.287

    Und damit ist urplötzlich alles aus, diese Geschichte, diese Welt, alles Irdische.

    V. 10: Wie schon Kap. 19,20 berichtet, wird der Teufel in den feurigen Pfuhl geworfen zu dem Antichristen und dem Propheten.288

    Wann ist diese Zeit? Das ist schwer zu sagen. Die Wehen dazu, so sehe ich es, begannen in der Renaissance mit der Lösung der Kultur von der christlichen Religion, verstärkten sich in der Aufklärung und kamen mit der französischen und endgültig mit der russischen Revolution und deren Folgerevolutionen in Europa zum Durchbruch. Seither haben wir a) eine umfassende, globale Zunahme des Antichristlichen; b) eine Zunahme der Verführung, der ökumenischen Vermengung; c) Globalisierung auf allen Gebieten, Fluchtmöglichkeiten in irgendeine Weltgegend werden immer weniger. s.a. Apg. 14,23: Die Kirche ist Kirche unter dem Kreuz – immer!

 

5. SZENE: DAS JÜNGSTE GERICHT, 20,11-15

    V. 11-15: Das Weltgericht (s.a. Matth. 25)

    Dieser Abschnitt gibt, ähnlich wie Matth. 25, eine genauerer Darstellung des sonst mehr allgemein beschriebenen Weltgerichtes.

    V. 11: Zum sechsten Mal geht es jetzt in der Offenbarung um das Jüngste Gericht (6,12-17; 11,15-19; 14,14-20; 16,17-21; 19,17-21). Die Heiligkeit und reine Gerechtigkeit Christi begegnet uns im Gericht: ein großer weißer Stuhl (s.a. Kap. 4,2-7; Dan. 7,9-10); vor dem Angesicht Christi fliehen Himmel und Erde, denn sie müssen vergehen im Feuer, s.a. 2. Petr. 3,10-14; Offenb. 6,12-14; 16,17-21; Ps. 102,26; Jes. 51,6; Mark. 13,31. Er, Christus, übt das Gericht aus (s. Joh. 5,22-23; Matth. 25,31-46; 2. Kor. 5,10) im Namen und aus der Autorität des Vaters, der auf dem Thron sitzt (s. Kap. 5,6-7).289

    V. 12 f.: Alle Toten stehen vor Gott, auch das Meer, V. 13, muss sie hergeben, auch die aus der Hölle: Niemand entgeht dem Gericht. Die Bücher werden aufgetan - Gott weiß alles, das Leben eines jeden Menschen liegt offen vor ihm.

    Das Gericht geschieht nach den Werken, wobei nur der wirklich vor Gott gute Werke tun kann, der im Glauben an Jesus Christus steht, s. Röm. 14,23. Sie stehen von Ewigkeit her verzeichnet im Buch des Lebens (Offenb. 3,5; 13,8; 17,8; 20,12; 21,27), denn sie sind ja diejenigen, die von Ewigkeit her erwählt wurden zur Rettung durch den Glauben an Jesus Christus, und in diesem Buch sind auch nur ihre guten Taten verzeichnet, die als Zeichen für ihren Glauben dienen, die anderen sind ja bedeckt mit dem Blut Christi.290

    V. 14: Auch Tod und Hölle als Schrecken der Menschen werden überwunden, sie dürfen die Kinder Gottes nicht mehr schrecken. Sie werden aber nicht vernichtet, wie etliche (z.B. Zeugen Jehovas, Allversöhner) meinen. Denn der Tod der Verdammten ist keine Vernichtung, sondern eine ewige Qual; denn im feurigen Pfuhl (Feuerofen) wird das Feuer in Ewigkeit nicht verlöschen.291

    V. 15: Wer nicht im Buch des Lebens geschrieben steht, wer nicht von Ewigkeit her zur Rettung durch den Glauben an Jesus Christus erwählt ist, der wird in den feurigen Pfuhl geworfen, d.i. in die Verdammnis, wo ihr Wurm nicht stirbt und ihr Feuer nicht erlischt, s.a. Mark. 8.

 

V. Ausblick: Die Ewigkeit oder das neue Jerusalem (Kapitel 21-22)

 

A) Das neue Jerusalem oder der neue Himmel und die neue Erde (Kapitel 21)

 

Kapitel 21: 1 Und ich sah einen neuen Himmel und eine neue Erde. Denn der erste Himmel  und die erste Erde verging, und das Meer ist nicht mehr. 2  Und ich, Johannes, sah die heilige Stadt, das neue Jerusalem, von Gott  aus dem Himmel herab fahren, zubereitet als eine geschmückte Braut ihrem  Mann. 3  Und hörte eine große Stimme von dem Stuhl, die sprach: Siehe da, eine  Hütte Gottes bei den Menschen! Und er wird bei ihnen wohnen; und sie  werden sein Volk sein, und er selbst, Gott mit ihnen, wird ihr Gott  sein. 4  Und Gott wird abwischen alle Tränen von ihren Augen. Und der Tod wird  nicht mehr sein, noch Leid noch Geschrei noch Schmerzen wird mehr sein;  denn das Erste ist vergangen. 5  Und der auf dem Stuhl saß, sprach: Siehe, ich mache alles neu. Und er  spricht zu mir: Schreibe; denn diese Worte sind wahrhaftig und gewiss. 6  Und er sprach zu mir: Es ist geschehen. Ich bin das A und das O der Anfang  und das Ende. Ich will dem Durstigen geben von dem Brunn des lebendigen  Wassers umsonst. 7  Wer überwindet der wird’s alles ererben; und ich werde sein Gott sein,  und er wird mein Sohn sein. 8  Den Verzagten aber und Ungläubigen, den Greulichen und Totschlägern und  Hurern und Zauberern und Abgöttischen und allen Lügnern, deren Teil wird  sein in dem Pfuhl, der mit Feuer und Schwefel brennet, welches ist der  andere Tod.

    9 Und es kam zu mir einer von den sieben Engeln, welche die sieben Schalen  voll hatten der letzten sieben Plagen, und redete mit mir und sprach:  Komm, ich will dir das Weib zeigen, die Braut des Lammes. 10  Und führte mich hin im Geist auf einen großen und hohen Berg und zeigte  mir die große Stadt, das heilige Jerusalem, hernieder fahren aus dem  Himmel von Gott. 11  Und hatte die Herrlichkeit Gottes; und ihr Licht war gleich dem alleredelsten  Stein, einem hellen Jaspis. 12  Und hatte große und hohe Mauern und hatte zwölf Tore und auf den Toren  zwölf Engel und Namen geschrieben, welche sind die zwölf Geschlechter  der Kinder Israel: 13  vom Morgen drei Tore, von Mitternacht drei Tore, vom Mittag drei Tore,  vom Abend drei Tore. 14  Und die Mauer der Stadt hatte zwölf Gründe und in denselbigen die Namen  der zwölf Apostel des Lammes.

    15  Und der mit mir redete, hatte ein gülden Rohr, daß er die Stadt messen  sollte und ihre Tore und Mauern. 16  Und die Stadt liegt viereckig, und ihre Länge ist so groß als die Breite.  Und er maß die Stadt mit dem Rohr auf zwölftausend Feldwegs. Die Länge  und die Breite und die Höhe der Stadt sind gleich. 17  Und er maß ihre Mauern, hundertvierundvierzig Ellen, nach dem Maß eines  Menschen, das der Engel hat. 18  Und der Bau ihrer Mauern war von Jaspis und die Stadt von lauterem Golde  gleich dem reinen Glase. 19  Und die Gründe der Mauern und der Stadt waren geschmückt mit allerlei  Edelsteinen. Der erste Grund war ein Jaspis; der andere ein Saphir, der  dritte ein Chalzedonier, der vierte ein Smaragd, 20  der fünfte ein Sardonich, der sechste ein Sardis, der siebente ein  Chrysolith, der achte ein Beryll, der neunte ein Topasier, der zehnte  ein Chrysopras, der elfte ein Hyazinth, der zwölfte ein Amethyst. 21  Und die zwölf Tore waren zwölf Perlen, und ein jegliches Tor war von einer  Perle. Und die Gassen der Stadt waren lauter Gold, wie ein durchscheinend  Glas. 22  Und ich sah keinen Tempel darinnen; denn der HERR, der allmächtige Gott,  ist ihr Tempel und das Lamm. 23  Und die Stadt bedarf keiner Sonne noch des Mondes, dass sie ihr scheinen;  denn die Herrlichkeit Gottes erleuchtet sie, und ihre Leuchte ist das  Lamm. 24  Und die Heiden, die da selig werden, wandeln in demselbigen Licht. Und  die Könige auf Erden werden ihre Herrlichkeit in dieselbige bringen. 25  Und ihre Tore werden nicht verschlossen des Tages; denn da wird keine  Nacht sein. 26  Und man wird die Herrlichkeit und die Ehre der Heiden in sie bringen. 27  Und wird nicht hineingehen irgendein Gemeines, und das da Greuel tut und  Lügen, sondern die geschrieben sind in dem lebendigen Buch des Lammes.

 

5. SZENE: DER NEUE HIMMEL UND DIE NEUE ERDE, 21,1-8

    V. 1-8: Der neue Himmel und die neue Erde

    V. 1: Ein neuer Himmel und eine neue Erde – denn der alte Himmel und die alte Erde sind vergangen im Feuer, 2. Petr. 3,13; Kap. 20,11; Jes. 65,17; 66,22. Gott macht alles neu, s.a. Apg. 3,21; Matth. 19,28. Himmel und Erde aber werden, wie wir weiter sehen, nicht mehr getrennt sein, wie dies jetzt noch der Fall ist.292 Und was ist mit der See? Johannes hat sich immer wieder an die Symbole des Alten Testaments (Jes. 57,20) angeschlossen. So finden wir gerade in der Offenbarung den Begriff „See“ oder „Meer“ als Symbol des Übels, des Chaos, wie ja auch das erste Tier aus dem (Völker-)Meer kam, Kap. 13,1-2. So ist auch hier der Begriff gemeint. Denn die natürliche See gehörte auch schon zur ursprünglichen vollkommenen Schöpfung.293

    V. 2: Johannes sieht das neue Jerusalem, das droben ist, von Gott, das zubereitet ist wie eine geschmückte Braut ihrem Bräutigam: Es ist Gottes Hütte bei uns, V. 3, ist der Ort innigster Gemeinschaft mit dem lebendigen Gott; s.a. Jes. 65,17; 66,22. Diese Heimat ist ewig im Himmel, 2. Kor. 5,1 f.

    V. 3: Gott wohnt bei uns. Himmel und Erde werden eins. Wir sind dann SEIN Volk – und er ist UNSER Gott; er wird mit uns sein – vollkommene Gemeinschaft zwischen Gott und den Gläubigen. Das wurde durch die Stiftshütte und den Tempel vorgezeichnet, s.a. Hes. 40-48.

    V. 4: Da sind keine Tränen mehr – Gott wischt sie ab; kein Tod, kein Leid, kein Geschrei, keine Krankheit – denn die gefallene Schöpfung ist dann nicht mehr. Was durch die Sünde einst verursacht war, ist für die Gläubigen nun völlig überwunden.

    V. 5: Gott ist es, der auf dem Stuhl sitzt, der schon hier, in der Wiedergeburt, angefangen hat, ein Neues zu schaffen, s.a. 2. Kor. 5; Jes. 43,19 – vollendet aber wird das eben in der Ewigkeit.

    V. 6: Christus ist es, der hier spricht, s.a. Kap. 1,8. Er gibt den Durstigen Wasser aus dem Brunnen des lebendigen Wassers – umsonst: Wer dürstet nach der Vergebung, nach Wiedergeburt, nach dem neuen Leben aus Christus, der kann es bei ihm, durch ihn finden. Denn er, Christus selbst, ist die lebendige Quelle, Jer. 2,13; Ps. 36,9.

    V. 7: Wer überwindet: nämlich all die Versuchungen, all die Reizungen zur Sünde – der wird alles ererben, wird Gottes Kind sein. Aber das ist ja nicht aus eigener Kraft geschehen, nicht eine eigene Tugend – sondern aus lauter Gnade; denn aus Gnaden sind wir, was wir sind – Erbarmung ist’s und weiter nichts! Und was ist unser Erbteil? Gott selbst, Ps. 73,26!294

    V. 8: Wer aber an der Sünde festhält, der wird verdammt (zweiter Tod).

   

6. SZENE: DAS NEUE JERUSALEM, 21,9-27

    V. 9-14: Die Braut des Lammes, die Gemeinde der Gläubigen

    V. 9: Wie der Engel hier Johannes anspricht, erinnert sehr stark an die Einführung des Gesichtes über die Hure Babylon, 17,1. Damit wird der Gegensatz zwischen jener Hure, dem geistlichen Antichristen, und der wahren Braut des HERRN nur umso deutlicher295

    V. 10: Das neue Jerusalem, die Wohnung und Identität der Braut des Lammes, s.a. Hes. 40 ff.: Auch dort ist also die himmlische Heimat und Braut gemeint; es ist aus dem Himmel gekommen: Gott gibt uns alles. Dass ein Engel, einer von den sieben, die die Schalen des Zorns hatten, dies Johannes zeigt, hebt so recht das Gegenbild hervor gegen den Antichristen, Kap. 17,1. Es ist hier große Ähnlichkeit zu dem Bild, das Hesekiel Kap. 40 ff. zu sehen bekam.

    V. 11: Es ist daher dort auch göttlich, herrlich, licht und klar – nämlich von der Herrlichkeit des HERRN, der gegenwärtig ist. Darum heißt sie auch: Hier ist der HERR, Hes. 48,35.296

    V. 12-14: Das neue Jerusalem hat zwölf Tore mit den Namen der Stämme Israels, s.a. Hes. 48,31 f.: Das zeigt an, dass eben auch die Gläubigen des Alten Bundes und aus der Judenschaft dazu gehören; die zwölf Gründe aber haben die Namen der Apostel – das ist der Neue Bund, der gegründet ist auf dem Grund der Apostel und Propheten, da Jesus Christus der Eckstein ist, das Fundament, das die Apostel verkündigen, Eph. 2,20; 1. Kor. 3,11. Das neue Jerusalem – die Gemeinschaft der Gläubigen an Christus aus der Judenschaft und aus der Heidenschaft, denn es ist nur ein Israel, ein Zion, eine Gemeinde des Messias. (s.a. Eph. 2,11 ff.) Deine Mauern sollen Heil und deine Tore Lob heißen, so sprach der HERR, Jes. 60,18. Die Macht Gottes umgibt den neuen Himmel und die neue Erde, so dass kein weiterer Schutz notwendig ist.297 Der Struktur der Stadt in Kap. 21,12-22,5 gründet auf dem Gesicht, das Hesekiel in Kap. 40-48 gesehen hatte, sowohl vom Tempel (40-44) als auch der Anlage der Stadt und der Landverteilung (45-48). Offenb. 21,12-22,5 ist die Auslegung und Erfüllung dieses Gesichtes.298

    Der Segen für die Gläubigen, bei Hesekiel wie bei Johannes, ist jeweils dies, dass Gott der HERR selbst bei ihnen wohnt, wie es zuvor durch die Stiftshütte und den Tempel schon angedeutet war, nun aber vollendet ist.299

 

    V. 15-27: Das goldene Jerusalem

    Himmel und Erde fallen zusammen, denn Gott und das Lamm wohnen darinnen, V. 22.

    V. 15-17: Die Maße der Stadt – ein Quader – zeigen die Ebenmäßigkeit und Harmonie, die das Göttliche, Reine ausdrücken und das Vollkommene, Vollendete: 144 Ellen = 12x12; 12.000 Feldwege Umfang = 12x103 , wobei ja 12 die Zahl der Kirche, des Volkes Gottes ist, zusammen mit 10x10x10 steht sie für die vollkommene Umfassung aller und jedes einzelnen Erwählten Gottes, s.a. Kap. 7. Zur Messung der Stadt s.a. Hes. 40,1-4; Sach. 2,1-5. Alle Bürger haben gleichen Anteil an der unergründlichen Liebe Gottes in Jesus Christus.300

    V. 18-21: Der Glanz, die Herrlichkeit, mit der das neue Jerusalem beschrieben werden, sind unaussprechlich, göttlich durch und durch – und das ist uns bereitet: Gott selbst wohnt darinnen, daher kommt alle Herrlichkeit, s.a. Hes. 43,7 ff.; Jes. 54, 11 f. Damit wird aber auch beschrieben der ewige Reichtum, die Reinigkeit und Heiligkeit der Auserwählten. Die zwölf Tore, jeweils aus einer Perle, und die Gassen der Stadt aus lauter Gold zeigen an, wie alles aus einem Guss ist, vollkommen, licht.301

    V. 22-27: Es ist kein Tempel in der Stadt – weil Gott selbst und das Lamm unmittelbar gegenwärtig sind; auch keine Sonne und kein Mond sind mehr nötig, wie am Anfang der Schöpfung auch, 1. Mose 1, denn Gott und das Lamm erleuchten alles. In diesem Licht werden wir wandeln – Nacht ist nicht mehr; keine Gefahr ist mehr vorhanden – keine Sünde ist mehr da, kein Greuel – sondern nur die Heiligkeit Gottes und die Gläubigen.302

 

B) Das neue Jerusalem und der wiederkommende HERR (Kapitel 22)

 

Kapitel 22: 1 Und er zeigte mir einen lauteren Strom des lebendigen Wassers, klar wie  ein Kristall; der ging von dem Stuhl Gottes und des Lammes. 2  Mitten auf ihrer Gasse und auf beiden Seiten des Stromes stand Holz des  Lebens, das trug zwölferlei Früchte und brachte seine Früchte alle  Monate; und die Blätter des Holzes dienten zu der Gesundheit der Heiden. 3  Und wird kein Verbanntes mehr sein; und der Stuhl Gottes und des Lammes  wird darinnen sein; und seine Knechte werden ihm dienen 4  und sehen sein Angesicht; und sein Name wird an ihren Stirnen sein. 5  Und wird keine Nacht da sein, und nicht bedürfen einer Leuchte oder des  Lichts der Sonne; denn Gott der HERR wird sie erleuchten, und sie werden  regieren von Ewigkeit zu Ewigkeit.

    6 Und er sprach zu mir: Diese Worte sind gewiss und wahrhaftig. Und Gott,  der HERR der heiligen Propheten, hat seinen Engel gesandt, zu zeigen  seinen Knechten, was bald geschehen muss. 7  Siehe, ich komme bald! Selig ist, der da hält die Worte der Weissagung  in diesem Buch.

    8  Und ich bin Johannes, der solches gesehen und gehöret hat. Und da ich es  gehöret und gesehen, fiel ich nieder, anzubeten zu den Füßen des Engels,  der mir solches zeigte. 9  Und er spricht zu mir: Siehe zu, tu es nicht; denn ich bin dein Mitknecht  und deiner Brüder, der Propheten, und derer, die da halten die Worte  dieses Buchs; bete Gott an!

    10  Und er spricht zu mir: versiegle nicht die Worte der Weissagung in diesem  Buch; denn die Zeit ist nahe. 11  Wer böse ist, der sei immerhin böse; und wer unrein ist, der sei immerhin  unrein. Aber wer fromm ist, der sei immerhin fromm; und wer heilig ist,  der sei immerhin heilig. 12  Und siehe, ich komme bald und mein Lohn mit mir, zu geben einem jeglichen,  wie seine Werke sein werden. 13  Ich bin das A und das O, der Anfang und das Ende, der Erste und der  Letzte. 14  Selig sind, die seine Gebote halten, auf dass ihre Macht sei an dem Holz  des Lebens, und zu den Toren eingehen in die Stadt. 15  Denn draußen sind die Hunde und die Zauberer und die Hurer und die  Totschläger und die Abgöttischen und alle, die liebhaben und tun die  Lüge.

    16  Ich, Jesus, habe gesandt meinen Engel, solches euch zu zeugen an die  Gemeinden. Ich bin die Wurzel des Geschlechts Davids, ein heller  Morgenstern. 17 Und der Geist und die Braut sprechen: Komm! Und wer es höret, der spreche: Komm! Und wen dürstet, der komme; und wer da will, der nehme das Wasser  des Lebens umsonst.

    18  Ich bezeuge aber allen, die da hören die Worte der Weissagung in diesem  Buch: So jemand dazusetzt, so wird Gott zusetzen auf ihn die Plagen,  die in diesem Buch geschrieben stehen. 19  Und so jemand davon tut von den Worten des Buchs dieser Weissagung, so  wird Gott abtun sein Teil vom Holz des Lebens und von der heiligen Stadt  und von dem, was in diesem Buch geschrieben steht.

    20 Es spricht, der solches zeuget: Ja, ich komme bald. Amen. Ja komm, HERR  Jesus!

    21  Die Gnade unsers HERRN Jesus Christus sei mit euch allen! Amen.

 

7. SZENE: DIE HERRLICHKEIT, 22,1-5

    V. 1-5: Das neue Jerusalem

    V. 1: Vom Stuhl Gottes geht der Strom des lebendigen Wassers aus, so, wie bei Hes. 47,1-12 und Joel 3,18 der Strom des Lebens vom Tempel als dem Ort der Gegenwart Gottes ausging, und bei Sacharja 14,8 von Jerusalem: Auch in der Ewigkeit haben wir alles allein durch und von Gott, so, wie schon im Paradies, 1. Mose 2,10. Von ihm, von seinem Thron, geht der Strom aus, der Ausdruck ist all der Fülle, die wir in der Ewigkeit haben. Es ist Wasser des Lebens, von dem wir trinken werden und in Ewigkeit nicht sterben. Das erinnert an das Paradies, das ja auch von Strömen durchzogen war, 1. Mose 2,10. Schon hier haben wir ja einen Anfang dieser Fülle in Christus Jesus, Joh. 7,37; 10,11, uns dargereicht durch die Gnadenmittel, das Evangelium in Wort und Sakrament, Röm. 1,16.17; 10,14-17; 1. Petr. 1,23; Joh. 3,3-5; Tit. 3,4-7; 1. Kor. 11,23-32.303

    V. 2: Auf beiden Seiten des Stroms und mitten auf der Gasse steht das Holz des Lebens, das zwölferlei Frucht bringt – immer neue, immer andere für alle Monate. Auch das ist Ausdruck des Reichtums Gottes für uns, s.a. Hes. 47,7.12. Das „Holz des Lebens“ erinnert an den „Baum des Lebens“ (so auch hier an dieser Stelle in der englischen Übersetzung) im Paradies, 1. Mose 2,9. In der Herrlichkeit haben wir das Paradies wieder gewonnen und werden dann auch von den Früchten vom Baum des Lebens essen.304

    Die Blätter des Holzes dienen zur Gesundheit der Heiden: Dort in der Ewigkeit werden all die Wunden heil, die die antichristliche Welt uns auf Erden geschlagen hat. Diese Heilung beginnt schon hier durch das Evangelium und wird dort vollendet sein, weil dort alle Tränen abgewischt werden, Kap. 21,4. Jegliche Not, körperliche wie geistliche, ist für immer überwunden.

    V. 3.4: In der Ewigkeit ist nichts Unreines, nichts Böses – sondern nur noch Gott und das Lamm und die Seinen, die ihm dienen. Keiner, der in der Sünde beharrt in diesem Leben, hat Anteil an der Herrlichkeit mit Jesus Christus! Die Scheidung ist hier völlig vollendet. Da wird die Hütte Gottes bei uns sein, Kap. 21,3, und wir werden Ihn sehen, wie Er ist, 1. Joh. 2,3.305

    V. 5: Da ist auch keine Nacht mehr, äußerlich nicht und innerlich nicht, sondern Gott ist unser Licht, s.a. Kap. 21,25, wie es am Anfang der Schöpfung war, siehe 1. Mose 1. Alle sind Lichter und regieren – und ist doch nur ein wahrhaftiges Licht, das alle erleuchtet: Jesus Christus.

    Und sie werden regieren von Ewigkeit zu Ewigkeit. Wir, die wir Sklaven Gottes sind, sind doch zugleich Könige, von ihm zu Königen gemacht. Es mag die Frage auftauchen: Worüber? Aber diese Frage denkt in den Strukturen unserer Welt, nicht der neuen, ewigen, in der der Vater König ist, das Lamm ist König und wir sind es mit ihnen – ein Königreich von Königen mit dem König der Könige.306

 

EPILOG

    Der Epilog umrahmt sozusagen mit dem Prolog in Kap. 1 das gesamte Buch und bekräftigt jedes Mal die Schreiberschaft des Apostels Johannes und wie bedeutend diese Schrift für die Gemeinde ist. Er ist zugleich Christi Schlusswort an die Seinen.307

    V. 6-14: Bekräftigung des Zeugnisses

    V. 6: Gottes Wort, auch die Offenbarung Jesu Christi an Johannes, ist wahrhaftig und gewiss, ist ein festes Wort, an das wir uns halten sollen. Diese Worte knüpfen an an das in Kap. 1,1 Gesagte und umspannen damit das gesamte Buch der Offenbarung, ja, die Bibel überhaupt, deren Schluss-Stein dieses Buch ist, denn es wird hier nicht nur von Johannes gesprochen, sondern überhaupt von den Knechten Gottes, denen er sein Wort in Inspiration gegeben. (Auch das Alte Testament war einst mit ähnlichen Worten abgeschlossen Worten, s. Mal. 3,1.)308

    V. 7: Und dies umso mehr, weil Christus bald wiederkommt. Gerade darum sollen wir uns an sein Wort halten, auch an das, was er uns in der Offenbarung mitgeteilt hat. Christlicher Glaube ist ans Wort der Schrift gebunden.

    V. 8.9: Johannes bekräftigt hier noch einmal, dass diese Worte nicht aus ihm entsprungene Gedanken sind, sondern Gottes Wort, das er, Johannes, nur gehört hat, das ihm gegeben wurde.Johannes wollte den Engel anbeten – aber auch die Engel sind nur Geschöpfe, die wir nicht anbeten sollen, sondern allein Gott und ihm, dem HERRN, danken für die Engel als unseren Helfern, Mitknechten. (Damit ist auch das Anrufen von Engeln, wie es die römisch-katholische Kirche praktiziert, gerichtet.)

    V. 10: Diese Offenbarung Jesu Christi an Johannes, obwohl nicht immer einfach zu lesen, soll nicht verborgen werden, sondern gelesen, damit wir geschult und gefestigt werden für die Zukunft. Die Zeit der Erfüllung ist ja nahe, schon nahe gewesen zur Zeit des Johannes, weil die Endzeit mit Christi Himmelfahrt allerdings angebrochen ist. Zu Daniels Zeit lag sie noch in weiterer Ferne, weshalb zu seiner Zeit die Offenbarung auf die Endzeit noch versiegelt bleiben sollte, Dan. 8,26; 12,4.9. Es ist daher ein Irrweg in der frühen Kirche gewesen, dass dieses Buch, um der chiliastischen Irrlehrer willen, eine Zeitlang fast völlig aufgegeben und so zu den umstrittenen Schriften gerechnet wurde, obwohl die ganz frühe Kirche sie eindeutig als apostolisch bekannt hatte.309

    V. 11: Wer aber nicht hören will auf Gottes Wort, der mag wohl weiter seinen eigenen Weg gehen – aber er geht ins Verderben. Wir aber sollen uns fest an Jesus Christus hängen und so auf dem Weg des HERRN bleiben und das ewige Heil erlangen.

    V. 12: Denn Christus kommt bald und wird auch unsere Werke beurteilen, siehe auch 2. Kor. 5,14.

    V. 13: Diese drei Bezeichnungen unterstreichen einmal mehr Christi Gottheit und seine Wesenseinheit mit dem Vater. Denn sowohl der erste Name (A und O) wie auch der zweite (der Anfang und das Ende) werden auch auf den Vater in diesem Buch angewandt (1.: 1,8; 21,6; 3.: 21,1); der dritte (der Erste und der Letzte) dagegen nur für den Sohn (1,17; 2,8). Der Heilige Geist ist einbezogen in sofern, als ja durch ihn Sünder gereinigt und Glieder an Christi Braut werden.

    „A und O“ (oder: Alpha und Omega, Anfangs- und Endbuchstabe im griechischen Alphabet) besagen, dass Gott schon vor der Schöpfung existiert hat, von Ewigkeit her, unabhängig von seiner Schöpfung. Christus sagt damit hier aus, dass er wahrer Gott ist mit dem Vater, mit ihm von Ewigkeit her gegenwärtig.

    „Der Anfang und das Ende“ beschreibt Gott den Vater und den Sohn als  den Ursprung der Schöpfung, sowohl der ersten wie auch der neuen (21,5-6). Gott ist der Ursprung, der Bewirker der Schöpfung, wie auch ihr Zweck und Ziel. Christus bezeugt hier in V. 13, dass er selbst eben auch der Schöpfer der ersten wie der neuen Schöpfung ist.

    „Der Erste und der Letzte“ beschreibt allein Jesus Christus, als den Lebendigen, als den, der tot war und wieder lebendig geworden ist für alle Ewigkeit, 1,17-18. Er ist auch der Erstling der Auferstehung, wie auch das Endziel all derer, die zu ihm auferstehen, seiner Gemeinde oder Kirche.

    Diese Namen beschreiben in Kürze die Christologie der Offenbarung und der Bibel.310

    Die Christologie der Evangelien und Briefe konzentriert sich in erster Linie auf die Niedrigkeit und Erniedrigung Christi, endet aber mit der glorreichen Himmelfahrt des HERRN. Genau an diesen Punkt knüpft die Christologie der Offenbarung an und beschreibt nun Christus als den erhöhten HERRN (1,5.13-20; 5,6,14). Er ist der Menschensohn (1,3), der die Geschichte zu ihrem Ziel und Ende bringt, der Richter aller Menschen (14,14; 19,11-21), vor dem alle sich beugen müssen (1,5-7.17; 19,11-16). Er ist das Lamm Gottes, das über den Tod gesiegt und so die Erlösung, die ewige Rettung erworben hat (1,5.6; 5,10) und nun alles regiert.311

    V. 14: Darum sollen wir uns halten an sein Wort, an die Gebote. Sein Wort soll unsers Fußes Leuchte sein und ein Licht auf unserm Wege, Ps. 119,105.

 

    V. 15-21: Der Schlussruf

    V. 15: Draußen, außerhalb des neuen Jerusalems, in der ewigen Verdammnis, in der Pein, in der Gottesferne ohne Ende, sind diejenigen, die nicht gereinigt sind durch das Blut Christi, die im Unglauben, in der Sünde verharrt haben, wie: Zauberer, Götzendiener, Hurer, Lügner, s.a. Kap. 14,20; 21,8.27.

    V. 16: Jesus Christus hat uns sein Wort gegeben. Er selbst ist der helle Morgenstern aus dem Geschlecht Davids, der Stern, der uns den Weg weist, 2. Petr. 1,19; 4. Mose 24,17; Hes. 5,15.

    V. 17: Die Gemeinde sehnt sich nach ihm, nach seiner Wiederkunft, ist verlangend nach seinem Heil. Und er lädt uns ja ein zu seiner Gnade, die bereit ist, frei, umsonst.

    V. 18.19: Streng und ernst ist seine Ermahnung, fest am Wort zu bleiben: Denn wer davon tut, dessen Heil nimmt Christus weg; wer dazu tut, dem wird Strafe dazu gelegt. Darum: allein das Wort, rein und unverfälscht!312 s.a. 5. Mose 4,2; 12,33 (Abschluss der Bücher Moses); Spr. 30,6; Mal. 4,4 (Abschluss des Alten Bundes). Diese Worte betreffen zwar zunächst die Worte dieses Buches, das aber der Heilige Geist als der Geist Christi nicht von ungefähr an das Ende der Bibel gesetzt hat. Diese Worte gehen also auch über die Heilige Schrift insgesamt und richten alle Rationalisten und Bibelkritiker, die von Gottes Wort und Gottes Lehre wegnehmen oder sie verfälschen, wie auch alle Schwärmer, die zu Gottes Wort (Neuoffenbarung, Tradition) und Lehre (Papsttum mit seinem Lehre ex cathedra) hinzutun.

    V. 20: Christus kündigt es nochmals an: Er kommt bald! Verlangend sollen wir von Herzen antworten: Ja, komme bald, HERR Jesus! Warten sollen wir auf ihn!

    V. 21: Allein aus seiner Gnade können wir leben, gerade in der schweren antichristlichen Zeit!

 

 

 

 

 

Bibliographie

 

-                      Ludwig Fürbringer: The Revelation of St. John. Mimeographed. St. Louis, o.J.

-                      Georg Gößwein: Schriftgemäße und erbauliche Erklärung der Offenbarung St. Johannis. St. Louis, Mo: Concordia Publishing House 1900.

-                      Paul E. Kretzmann: Popular Commentary of the Bible. The New Testament. Vol. II. St. Louis, Mo: Concordia Publishing House. o.J.

-                      Carl Manthey-Zorn: Die Offenbarung St. Johannis. Zwickau i.S.: Johannes Herrmann. 1910

-                      Notes on the Concordia Commentary to Revelation. o.O. o.J.

-                      Wilhelm Peters: Der Richter ist vor der Tür! Zwickau i.S.: Johannes Herrmann. 1899.

-                      Luther Poellot: Revelation. Reprint. St. Louis: Concordia Publishing House. 1987.

-                      Adolf Pohl: Die Offenbarung des Johannes. 2. Teil. Wuppertal: R. Brockhaus Verlag. 7. Aufl. 1985. (Wuppertaler Studienbibel. Reihe: Neues Testament.)

-                      Roland Sckerl: Kleine Bibelkunde. Durmersheim 2003.

-                      Georg Stöckhardt: Exegetical Lectures on the Revelation of St. John. Presented in English by H.W. Degner. Fort Wayne 1981.

-                      Laurence White: The Book of Revelation. http://www.osl.cc/believe/revhome.htm

 

 

 

 



1 vgl. Wilhelm Peters: Der Richter ist vor der Tür! Zwickau i.S.: Johannes Herrmann. 1899. S. 13 f.

2 vgl. Peters, a.a.O.,  S. 13

3 Johannes schreibt hier an die sieben Gemeinden in Kleinasien. Der Apostel Johannes war es nach der Zeit von Paulus und Petrus, der diese Gemeinden betreute. Von daher ist es eindeutig, dass er es auch ist, dem diese Offenbarung gegeben wurde, nicht ein ominöser „Diakon oder Presbyter Johannes“. Vgl. auch Ludwig Fürbringer: The Revelation of St. John. Mimeographed. St. Louis, o.J. S. 2; Peters, a.a.O., S. 20

4 vgl. Fürbringer, a.a.O., S. 2, 6; Georg Stöckhardt: Exegetical Lectures on the Revelation of St. John. Presented in English by H.W. Degner. Fort Wayne 1981. S. 1; Peters, a.a.O., S. 18 f.

5 vgl. Peters, a.a.O., S. 16 f.

6 vgl. Fürbringer, a.a.O., S. 3; Stöckhardt, a.a.O., S. 2

7 vgl. Fürbringer, a.a.O., S. 3 f.

8 vgl. Peters, a.a.O., S. 23 f.

9 vgl. Fürbringer, a.a.O., S. 4; Georg Gößwein: Schriftgemäße und erbauliche Erklärung der Offenbarung St. Johannis. St. Louis, Mo: Concordia Publishing House 1900. S. 37 f.

10 vgl. Fürbringer, a.a.O., ebd.; Gößwein, a.a.O., S. 38

11 vgl. ebd.; Peters, a.a.O., S. 25

12 vgl. Gößwein, a.a.O. S. 38-43

13 vgl. Peters, a.a.O., S. 25-27; Gößwein, a.a.O., S. 44 f.

14 vgl. Fürbringer, a.a.O., S. 6

15 vgl. Fürbringer, a.a.O., S. 7

16 Ephesus war damals eine Metropole, eine große, bedeutende Stadt, das Zentrum der Provinz Asia und heidnischer Wallfahrtsort.

17 vgl. Peters, a.a.O., S. 31; Gößwein, a.a.O., S, 50 f.

18 vgl. Peters, a.a.O., S. 32 f.; Gößwein, a.a.O., S. 51.

19 vgl. Fürbringer, ebd.; Stöckhardt, a.a.O., S. 6; Gößwein, a.a.O., S. 53

20 Die Nikolaiten, von denen hier die Rede ist, waren eine gnostische Sekte, die sich auch den fleischlichen Lüsten hingab und Heidnisches in die Gemeinde einführen wollte. Vgl. Fürbringer, a.a.O., S. 8; Gößwein, a.a.O., S. 55

21 vgl. Gößwein, a.a.O., S. 56 f.

22 Auch Smyrna war damals eine sehr große, bedeutende Stadt, auf dem Weg von der Insel Patmos nach Ephesus gelegen.

23 Die Verfolgung, die um 167 ausbrach und der dann 168 der Bischof Polycarp zum Opfer fiel, ging gerade von den Juden aus, die das heidnische Volk gegen die Gemeinde aufwiegelten. Vgl. Peters, a.a.O., S. 38

24 Eine große, schwere Verfolgung erhob sich um 167 nach Christus. In ihr erlitt auch Polycarp den Märtyrertod. Vgl. Fürbringer, a.a.O., S. 9. Übrigens: Im Gegensatz zu Ephesus gibt es Smyrna auch heute noch (Izmir). Um 1900 war von den damals 120.000 Einwohnern noch die Hälfte christlich, darunter auch etliche Protestanten. Auch heute gibt es noch eine kleine protestantische Gemeinde, nachdem ja die griechische Bevölkerung nach dem ersten Weltkrieg von Kemal Atatürk vertrieben wurde. Vgl. auch Peters, a.a.O., S. 41

25 In Pergamus war damals ein hoher Gerichtshof. Die Stadt war eine bedeutende Handelsstadt für Pergament, aber auch bekannt für ihren Kaiserkult, ihren Götzenkult, daher dem wahren Gottesdienst sehr entgegen gesetzt. Vgl. Fürbringer, a.a.O., S. 10

26 Bileam, der hier erwähnt wird, hatte zwar, auf Gottes Geheiß hin, Israel gesegnet, dann aber den teuflischen Rat gegeben, Israel durch Unzucht zu zerstören. Bileams Lehre ist also Verführung zur Verweltlichung. Die Nikolaiten gingen in eine ähnliche Richtung. Vgl. Fürbringer, a.a.O., S. 9; s.a. Stöckhardt, a.a.O., S. 9; Gößwein, a.a.O., S. 65-69

27 Thyatira war etwa 100 km von Pergamus entfernt und eine mazedonische Kolonie. Die Purpurhändlerin Lydia in Philippi kam aus dieser Stadt. Vgl. Fürbringer, a.a.O., S. 11

28 vgl. Gößwein, a.a.O., S. 70-72.77

29 Bald danach ist von einer Gemeinde in Thyatira keine Rede mehr. Erst 100 Jahre nach dem Tod des Apostels Johannes ist sie dann neu gegründet worden. Vgl. Gößwein, a.a.O., S. 72 f.

30 Sardes war die alte Hauptstadt Lydiens und in einer reichen Ebene gelegen. Sie war sehr bekannt für ihren Reichtum und Luxus. Vgl. Fürbringer, a.a.O., S. 12

31 vgl. Fürbringer, a.a.O., S. 11 f.; Peters, a.a.O., S. 63; Gößwein, a.a.O., S. 83. So, wie es geistliches Leben gibt, so gibt es auch den geistlichen Tod. Äußerlich ist noch Religiosität da, aber es ist kein Leben mehr da in Buße, Umkehr, Glauben. Die Gefahr bedroht alle Christen. Darum müssen wir wachsam sein, aufwachen und auch andere warnen. Heute wohnt kein Christ mehr dort; es gibt nur noch einige türkische Hütten.

32 vgl. Peters, a.a.O., S. 68

33 Philadelphia, gegründet von Attalus Philadelphus von Pergamus in Lydien, lag ca. 70 km südöstlich von Sardes. Es war eine kleine, mehrfach von Erdbeben zerstörte Stadt. Die Einwohner dieser Stadt (heutiger Name: Alasehir) haben als einzige in völlig muslimischer Umgebung ihren christlichen Glauben bis zu Beginn des 20. Jahrhunderts bewahrt, dürften dann wohl in der Vertreibung der Griechen nach 1920 mit vertrieben worden sein. Vgl. Fürbringer, a.a.O., S. 13; Peters, a.a.O., S. 68

34 vgl. Gößwein, a.a.O., S. 90; Peters, a.a.O., S. 68

35 vgl. Gößwein, a.a.O., S. 84

36 Laodicea war eine Stadt in Phrygien, in der Nähe von Kolossä, eine Stadt, geprägt von Fabriken und Handel, eine sehr reiche Stadt, aber auch geprägt von fleischlicher Sinnenlust, denn die Ruinen geben Hinweis auf drei große Schauspielhäuser und einen riesigen Zirkus. Heute ist Laodicea völlig verödet, wie es V. 16 der HERR angedroht hat. Vgl. Fürbringer, a.a.O., S. 15; Peters, a.a.O., S. 78 f.

37 vgl. Stöckhardt, a.a.O., S. 17; Peters, a.a.O., S. 82 ff.

38 vgl. Peters, a.a.O., S. 83-85

39 vgl. Stöckhardt, ebd.; Peters, a.a.O., S. 86 f.; Gößwein, a.a.O., S. 95 f.

40 vgl. Peters, a.a.O., S. 90 f.

41 Johannes beschreibt dabei Gott nicht in seinem direkten Wesen, sondern nur anhand von Wesensähnlichkeiten („ist gleich“). Vgl. Fürbringer, a.a.O., S. 16

42 vgl. Gößwein, a.a.O., S. 99

43 vgl. Fürbringer, a.a.O., ebd.; Gößwein, a.a.O., ebd.

44 vgl. Fürbringer, a.a.O., ebd.; Gößwein, a.a.O., ebd.

45 vgl. Fürbringer, a.a.O., ebd.

46 vgl. Stöckhardt, a.a.O., S. 19

47 vgl. Peters, a.a.O., S. 91 f.

48 vgl. Peters, a.a.O., S. 92: Gößwein, a.a.O., S. 101 f.

49 vgl. Fürbringer, a.a.O.

50 vgl. Gößwein, a.a.O., S. 102 f.

51 vgl. Peters, a.a.O., S. 93

52 vgl. Fürbringer, a.a.O., ebd.; vgl. auch Stöckhardt, a.a.O.

53 vgl. Gößwein, a.a.O., S. 104

54 Diese Lebewesen gleichen denjenigen in Hes 1, was anzeigt, dass es sich auch hier um Gottesboten handelt, Engel. Sie stehen also für die Engelwelt, so, wie die Ältesten für die Gemeinde Christi stehen. Vier, die Zahl der Haupthimmelsrichtungen, steht auch für die Universalität, d.h. die Boten Gottes gehen in alle Welt. Ihre sechs Flügel erlauben es ihnen, unverzüglich jeden Befehl Gottes auszuführen. Vgl. Fürbringer, a.a.O.; ebenso Stöckhardt, a.a.O.; Peters, a.a.O., S. 96. Sie sind es, die Gott verwendet, um seinen Ratschluss auf Erden auszuführen.

55 vgl. Gößwein, a.a.O., S. 108

56 vgl. Gößwein, a.a.O., ebd.

57 vgl. Peters, a.a.O., S. 101; Gößwein, a.a.O., S. 112

58 vgl. Stöckhardt, a.a.O., S. 21; Gößwein, a.a.O., S. 113

59 vgl. Fürbringer, a.a.O., S. 17; Peters, a.a.O., S. 105

60 vgl. Fürbringer, a.a.O., ebd.; auch Stöckhardt, a.a.O., S. 22

61 vgl. Fürbringer, a.a.O.

62 vgl. Stöckhardt, a.a.O.

63 vgl. ebd.

64 vgl. Fürbringer, a.a.O.

65 Das, was wir V. 13 f. lesen, das findet statt am Ende aller Tage, wenn der neue Himmel und die neue Erde sein werden, und alle Sünde und alle Gottlosigkeit für immer überwunden sein werden. vgl. Fürbringer, a.a.O.

66 vgl. Fürbringer, a.a.O., S. 18; Gößwein, a.a.O., S. 122 f.

67 vgl. Notes on the Concordia Commentary to Revelation, o.O. o.J. S. 24. Die sieben Siegel stellen jeweils eine der Szenen in diesem Gesicht dar.

68 vgl. ebd.

69 vgl. Fürbringer, a.a.O., ebd.

70 vgl. Fürbringer, a.a.O., S. 19; Notes …, a.a.O., S. 26;  Laurence White: The Book of Revelation. http://www.osl.cc/believe/revhome.htm S. 46 f. Eine andere Auslegung deutet dieses Bild auf Christus selbst, der auf dem weißen Pferd säße (weiß steht für Reinheit und Klarheit) und der HERR ist – und siegt: So geht sein Wort hinaus in alle Welt und ruft zum Glauben, in Christi Reich. Vgl. auch Stöckhardt, a.a.O., S. 23 f.; Peters, a.a.O., S. 112 f.; Gößwein, a.a.O., S. 123 f. Diese Auslegung klingt zwar an Offenb. 19 an, stimmt aber, wie oben dargelegt, mit den Details in Kap. 6 nicht überein.

71 Man bedenke, dass der erste Weltkrieg auf ein Zeitalter von Erweckungen und einer weltweiten Mission ohne Beispiel folgte. Vgl. Gößwein, a.a.O., S. 125 f. Peters’ Auslegung, die zwar keine falsche Lehre bringt, aber den Sinn der Textaussage nicht trifft, kann hier nicht gefolgt werden, da er dieses zweite Siegel allein auf die geistliche Feindschaft gegen das Evangelium deutet (S. 114 f.)

72 Das Maß für den Weizen machte gerade die Tagesration für einen Mann aus. Und der Groschen oder Denar war gerade der Tageslohn eines Mannes. Das heißt: Er musste sich den ganzen Tag hart anstrengen und gewann doch nicht mehr als dass er selbst gerade etwas zu essen hatte. Das heißt: Gerade für die Ärmeren wird das Leben kaum noch erschwinglich; sie müssen mit weniger gutem Essen vorlieb nehmen, etwa Gerste anstatt Weizen. Vgl. Fürbringer, a.a.O.; Peters, a.a.O., S. 115 f.; Gößwein, a.a.O., S. 126 f.

73 vgl. Gößwein, a.a.O., S. 127 f.

74 vgl. White, a.a.O., S. 50

75 vgl. Fürbringer, a.a.O., S. 19 f.; Stöckhardt, a.a.O., S. 25; Gößwein, a.a.O., S. 129 f.

76 vgl. White, a.a.O., S. 53; Notes …, a.a.O., S. 28

77 Damit, dass hier nun bereits von Jüngsten Tag berichtet wird, könnte man erwarten, dass das siebte Siegel die Zeit danach ausbreitet. Vielmehr aber wird es, Kap. 8 ff., mit den sieben Posaunen wieder eine Betrachtung der Kirche in der Welt in der neutestamentlichen Zeit bringen, nur von einem anderen Gesichtspunkt. Die Offenbarung Jesu Christi an Johannes stellt also keinen linearen Zeitablauf darf, sondern ist zyklisch oder in konzentrischen Kreisen, s.a. Fürbringer, a.a.O., S. 20.; Peters: a.a.O., S. 323

78 vgl. Notes …, a.a.O., S. 29

79 vgl. Gößwein, a.a.O., S. 133 f.

80 vgl. Gößwein, a.a.O., S. 135

81 vgl. Gößwein, a.a.O., S. 136 f.

82 vgl. White, a.a.O., S. 58

83 vgl. Gößwein, a.a.O., S. 138-140; Peters, a.a.O., S. 129-131

84 vgl. Notes …, a.a.O., S. 30; White, a.a.O., S. 58

85 vgl. Peters, a.a.O., S. 133

86 vgl. White, a.a.O., S. 61

87 vgl. White, a.a.O., S. 65

88 Im Unterschied zu den sieben Engeln der Gemeinden und den sieben Engeln der Schalen des Zorns, werden hier die Engel mit dem bestimmten Artikel eingeführt, also als eine feste Gruppe vorgestellt. Ob es sich jeweils um die gleiche Gruppe von Engeln handelt, wie in „Notes …“ S. 35 angenommen wird, bezweifle ich, da die sieben Engel der Gemeinden nach dem, was wir in Kapitel eins lesen, keine Engel im engeren Sinne sind, sondern die Leiter der Gemeinden. Daher sind wohl hier andere Engel, Engel im engeren Sinne, gemeint. Ob es die gleichen sind, die später die Schalen des Zorns trugen, ist nicht ausgeschlossen.

89 vgl. White, a.a.O., S. 64; Notes …, a.a.O., S. 36

90 vgl. Stöckhardt, a.a.O., S. 31 f. Stöckhardt ist zuzustimmen, dass wir unter diesen Häresien allerdings z.B. die Gnostiker, Montanisten, Arianer, Nestorianer, Pelagianer, Moslems verstehen dürfen, ohne einzelne Ereignisse mit bestimmten Irrlehrern zu verbinden.

91 vgl. dazu Fürbringer, a.a.O., S. 22; vgl. auch Stöckhardt, a.a.O., S. 29 f.; Gößwein, a.a.O., S. 146 f.

92 vgl. Stöckhardt, a.a.O., S. 30

93 vgl. Notes …, a.a.O., S. 36; White, a.a.O., S. 67. Eine andere Auslegung geht in diese Richtung: Dieses ewige Feuer, das im Alten Bund sein Vorbild hatte, 3. Mose 6,12; 9,24, steht für die mancherlei Kräfte und Gaben des Heiligen Geistes, mit denen Christus seine Gemeinde ausrüstet: Die Stimmen sind Predigt und Zeugnis, Jes. 40,3; die Donner Offenbarung der Kraft Gottes und seines Wortes und seines Gerichtes; die Blitze stehen für das Erleuchten der Erkenntnis, Luk. 11,36, aber auch für Gottes Gericht, Ps. 11,6; die Erdbeben deuten hin auf die umgestaltende Kraft des Wortes Gottes, Hagg. 2,7 f. vgl. Gößwein, a.a.O., S. 148. Diese Auslegung ist zwar von der Dogmatik her nicht gegen die Schrift, aber sie trifft hier nicht die Aussage des Textes.

94 vgl. Gößwein, a.a.O., S. 145 f.; Peters, a.a.O., S. 137 f.

95 vgl. Peters, a.a.O., S. 142

96 vgl. auch Fürbringer, a.a.O., S. 21

97 vgl. Notes …, a.a.O., S. 37; White, a.a.O., S. 69

98 vgl. Gößwein, a.a.O., S. 150

99 vgl. Notes …, a.a.O., S. 37; White, a.a.O., S. 69

100 vgl. Stöckhardt, a.a.O., S. 31

101 vgl. Fürbringer, a.a.O., S. 22

102 vgl. Stöckhardt, ebd.

103 vgl. Fürbringer, ebd.; Stöckhardt, a.a.O., S. 32

104 vgl. Notes …, a.a.O., S. 38

105 so auch Fürbringer, a.a.O., S. 23; Peters, a.a.O., S. 151

106 vgl. Notes …, a.a.O.; White, a.a.O., S. 72

107 vgl. White, a.a.O.

108 vgl. Notes …, a.a.O.

109 vgl. White, a.a.O., S. 73

110 vgl. ebd. S. 39

111 vgl. Fürbringer, a.a.O., S. 23 f.; Stöckhardt, a.a.O., S. 34 f.; Gößwein, a.a.O., S. 159 f.

112 vgl. Notes …, a.a.O., S. 40;

113 vgl. ebd.; White, a.a.O., S. 77

114 vgl. Notes …, a.a.O.

115 so auch Fürbringer, a.a.O., S. 24; Stöckhardt, a.a.O., S. 36; Gößwein, a.a.O., S. 160-162

116 vgl. Stöckhardt, ebd.

117 vgl. Fürbringer, a.a.O., S. 24

118 vgl. Fürbringer, a.a.O., S. 25; Stöckhardt, a.a.O., S. 37; Peters, a.a.O., S. 170; Gößwein, a.a.O., S. 164 f.

119 vgl. White, a.a.O., S. 80

120 vgl. Peters, a.a.O., S. 171

121 vgl. Peters, a.a.O., S. 172-174; Gößwein, a.a.O., S. 166

122 vgl. Fürbringer, ebd.; Stöckhardt, a.a.O., S. 38

123 vgl. Poellot, a.a.O., S. 141

124 vgl. Peters, a.a.O., S. 176-180

125 vgl. Luther Poellot: Revelation. Reprint. St. Louis: Concordia Publishing House. 1987.  S. 141 f.

126 vgl. Fürbringer, a.a.O., S. 25; Stöckhardt, a.a.O., S. 39; Gößwein, a.a.O., S. 168-169. Die 1260 Tage werden von vielen Auslegern auch identifiziert als die Zeit zwischen Christi Himmelfahrt und Wiederkunft, in Anlehnung an die Endzeitreden Jesu, die die Endzeit mit dem Ringen um Jerusalem beginnen lassen, Mark. 13,1-26; Matth. 24,1-31; Luk. 21,54-28. vgl. Notes …, a.a.O., S. 48; White, a.a.O., S. 86. Dies muss kein Widerspruch zu dem hier Gesagten sein, da ja die gesamte neutestamentliche Zeit letztlich Endzeit ist, wenn bedacht wird, dass der Höhe- und Zentralpunkt des Angriffes gegen die Gemeinde und ihre Verfolgung durch den Antichristen erfolgt, und sein letztes, umfassendes Aufbäumen direct vor Christi Wiederkunft sein wird.

127 vgl. White, a.a.O., S. 84

128 vgl. Gößwein, a.a.O., S. 169 f.

129 vgl. Poellot, a.a.O., S. 143 f.; Notes …, a.a.O., S. 49

130 vgl. Fürbringer, a.a.O., S. 26. Es handelt sich hier um Gottes Boten für die ganze Welt, nicht um Prediger nur für Israel. Vgl. auch Stöckhardt, a.a.O., S. 40; Peters, a.a.O., S. 186; Gößwein, a.a.O., S. 170 f.

131 vgl. Notes …, a.a.O.

132 vgl. Gößwein, a.a.O., S. 173 f.; Peters, a.a.O., S. 190 (dem ich aber in der kirchengeschichtlichen Zuordnung dieses Bildes nicht folge, da es mehr der Zeit unter dem Papsttum entspricht)

133 vgl. Fürbringer, a.a.O., ebd.; Gößwein, a.a.O., S. 174 f.; Peters, a.a.O., S. 191 f.

134 vgl. Gößwein, a.a.O., S. 178 f.

135 vgl. Fürbringer, a.a.O., S. 27

136 vgl. White, a.a.O., S. 94

137 vgl. ebd.

138 vgl. Poellot, a.a.O., S. 155

139 vgl. Fürbringer, a.a.O., S. 27; Stöckhardt, a.a.O., S. 45 f.; Poeloot, a.a.O., S. 155 f.

140 vgl. Peters, a.a.O., S. 206-208; Gößwein, a.a.O., S. 179 f.

141 vgl. Gößwein, a.a.O., S. 180 f.; Poellot, a.a.O., S. 156

142 vgl. Fürbringer, a.a.O., ebd.; Stöckhardt, a.a.O., S. 46; Peters, a.a.O., S. 211; Gößwein, a.a.O., s. 181-183; Poellot, a.a.O., S. 156 f. Die sieben Häupter sind ein Bild, dürfen nicht wörtlich genommen werden, denn Offenb. 12,15.16 spricht nur ein Mund.

143 vgl. Fürbringer, a.a.O., ebd.; Stöckhardt, ebd.; Peters, a.a.O., S. 212 f.; Poellot, a.a.O., S. 158

144 vgl. Peters, a.a.O., S. 215

145 vgl. Peters, a.a.O., S. 216

146 vgl. Fürbringer, a.a.O., S. 28; Stöckhardt, a.a.O., S. 48

147 vgl. White, a.a.O., S. 101

148 vgl. Fürbringer, a.a.O., ebd.

149 vgl. White, a.a.O.

150 vgl. White, a.a.O., S. 101 f.

151 vgl. Fürbringer, a.a.O., ebd.

152 vgl. Poellot, a.a.O., S. 166

153 vgl. White, a.a.O., S. 103

154 vgl. Stöckhardt, a.a.O., S. 50; Peters, a.a.O., S. 224 f.

155 vgl. Poellot, a.a.O., S. 166 f.; White, a.a.O., S. 104

156 vgl. White, a.a.O., S. 103 f.

157 vgl. ebd. S. 105

158 vgl. Paul E. Kretzmann: Popular Commentary of the Bible. The New Testament. Vol. II. St. Louis, Mo: Concordia Publishing House. o.J. S. 628; Peters, a.a.O., S. 226

159 vgl. Fürbringer, a.a.O., S. 29

160 vgl. Stöckhardt, a.a.O., S. 50 f.

161 vgl. Fürbringer, a.a.O., ebd.; Peters, a.a.O., S. 228-230. Wir finden diese Lästerung vollendet im Papsttum als der antichristlichen Macht, gerade im geistlichen Bereich überhaupt. Wir finden diese Lästerung aber auch in der antichristlichen Weltmacht, sie trete nun als angeblicher „christlicher Staat“ hervor, der sich die Kirche unterwerfen will, oder, besonders seit Renaissance und Aufklärung, als säkularer Staat, der Gottes Ordnungen nicht mehr gelten lassen will, wie es seit der französischen Revolution immer deutlicher wird, am offenbarsten in den totalitären Systemen. Wir finden diese Lästerung überhaupt in den Ideologien, aber auch in der Überhebung der Wissenschaft, ja alles dessen, was sich an die Stelle Gottes setzen will. Sie findet eine neue Spitze in der jüngsten Zeit in den Antidiskriminierungs- und Antihass-Gesetzen, mit denen zugleich die verbindliche Ordnung Gottes und die alleingültige Wahrheit der Bibel angegriffen werden.

    Der Mund ist ihm „gegeben“ – nämlich von Gott, dem Schöpfer. Aber Gott hat ihn nicht zur Lästerung gegeben; es ist nur mit Gottes Zulassung, dass das Tier ihn so missbrauchen kann. Gott aber setzt seiner Lästerung Grenzen. Vgl. Poellot, a.a.O., S. 169

162 Deshalb auch die erste Bitte des Vaterunsers. Luther betont in seiner Auslegung zu Recht, dass es bei der Heiligung des Namens Gottes um rechte Lehre und heiliges Leben geht. Vgl. Poellot, a.a.O., S. 169 f.

163 vgl. Peters, a.a.O., S. 230. „Gegeben“ ist ihm, s. V. 4 f., die Macht durch den Drachen, Satan, den es mit der Welt anbetet – in genauer Verkehrung von Matth. 4,1-11. Diese Machtausübung aber geschieht nur durch Gottes Zulassung, der auch die Grenzen gesetzt hat. Die Darstellung des antichristlichen Machtbereiches ist Kap. 13,7 ganz parallel zur Gemeinde der Heiligen Kap. 5,9 und 7,9. Der Unterschied nur: Die Schar der Verlorenen ist so riesengroß, dass die Schar der Heiligen in Kap. 13,7 nicht besonders erwähnt wird, weil sie scheinbar gar nicht ins Gewicht fällt. vgl. Poellot, a.a.O., S. 170 f.

164 vgl. Peters, a.a.O., S. 231. Dass etliche nicht im  Buch des Lammes geschrieben stehen, heißt nicht, dass Gott der HERR sie von Ewigkeit her zur Verdammnis bestimmt hätte. Er hat im Voraus gewusst, wer Christus verwerfen und somit verloren gehen würde, darum wurden ihre Namen nicht im Buch des Lammes eingeschrieben. Aber Gott der HERR hat sie dazu nicht vorherbestimmt. Vgl. Poellot, a.a.O., S. 171 f.

165 Dies war z.B. der Irrweg der Hugenotten, dass sie zum Schwert griffen und die weltliche Macht übernehmen, einen „christlichen Staat“ errichten wollten, was allerdings der unbiblischen reformierten Lehre entspricht, die den Staat zum Erfüllungsgehilfen der Kirche macht. Dies steht ja auch hinter der politischen Aktion von John Knox in Schottland wie auch der „Christian Coalition“ in den USA; das ist auch der Hintergrund der eindimensionalen Auffassung von der „Königsherrschaft Christi“ in der reformierten Theologie, wie sie auch in der Lehre von den konzentrischen Kreisen (Christengemeinde und Bürgergemeinde) sich bei Karl Barth findet. Die Trennung von Kirche und Staat wird jedes Mal verleugnet, man will Gottes Reich auf Erden errichten. Das steht auch hinter dem „Social Gospel“, wie auch der Gleichstellung missionarischer und diakonischer, sozialer Arbeit erst durch den Ökumenischen Rat der Kirchen, dann durch die Lausanner Bewegung in der Lausanner Erklärung und dem Manifest von Manila, bis dahin, dass die Weltweite Evangelische Allianz mit den Weltmächten (UNO) gemeinsam Sozialprogramme unternimmt. Wir aber sollen alles dem HERRN anbefehlen, er wird Gericht und Rache zu seiner Zeit üben. Alle Christenverfolgersysteme sind schließlich zusammengebrochen, man denke nur an die französische Revolution, den Sturz des Zarenreiches, der Habsburger und Hohenzollern, des Nationalsozialismus sowie des Kommunismus in den Ostblockstaaten.

166 vgl. Fürbringer, a.a.O., ebd.; Peters, a.a.O., S. 232 f.; Poellot, a.a.O., S. 174; White, a.a.O., S. 109

167 vgl. Fürbringer, a.a.O., S. 30; White, a.a.O.

168 Diese „geistliche Weise“ wird besonders durch den Jesuitenorden und die Scholastik verkörpert, mit ihren tausenden von menschlichen Vertretern, die als Propheten des Papsttums dessen Macht vertreten und zu festigen suchen. Vgl. Fürbringer, ebd; Stöckhardt, a.a.O., S. 53; Kretzmann, a.a.O., S. 630. Gerade seit dem 2. Vaticanum versucht Rom als „geistliche Macht“ aufzutreten, hat auch seine Redeweise derjenigen der lutherischen Reformation angepasst, füllt aber die Begriffe (wie Gnade, Glauben, Rechtfertigung) völlig anders und verführt damit viele Menschen. Die „Gemeinsame Erklärung zur Rechtfertigungslehre“ aus dem Jahr 2000 zwischen der römisch-katholischen Kirche und dem Lutherischen Weltbund (LWB) ist ein eindeutiges Dokument dieser Verführung, in dem der LWB die biblisch-lutherische Lehre von der Rechtfertigung aufgegeben und sich der römisch-katholischen Lehre angenähert hat.

    Es ist auch bezeichnend, dass beide Tiere nicht vom Himmel, von oben, kommen, sondern von unten, vgl. auch Jak. 3,15. Vgl. Poellot, a.a.O., S. 173; Notes …, a.a.O., S. 59

169 vgl. auch Peters, a.a.O., S. 233-237; Gößwein, a.a.O., S. 198

170 Es ist nicht unmöglich, dass, im Zuge der Globalisierung, auch eine „Welteinheitsreligion“ geschaffen wird, an deren Spitze dann der Papst steht, die aber entscheidende Elemente des biblischen Glaubens verschweigen, ja, verfolgen wird, vor allem dies, dass es Errettung allein durch den Glauben an Jesus Christus, wahrer Gott und wahrer Mensch in einer Person, gibt.

171 vgl. Stöckhardt, a.a.O., S. 54; Peters, a.a.O., S. 240 f.

172 vgl. auch Peters, a.a.O., S. 243 f.

173 vgl. Gößwein, a.a.O., S. 202

174 vgl. Stöckhardt, a.a.O., S. 53; Fürbringer, a.a.O., ebd.

175 Es ist eindeutig, dass es sich hier nicht, wie Chiliasten behaupten, um die Sammlung des irdischen Israel um Christus handelt. Wie schon Kap. 7 zeigte, stehen die 144.000 für die gesamte Gemeinde des HERRN. Und das, was Johannes hier sieht, das spielt sich im Himmel ab, wie VV. 3.5 zeigen, nicht auf Erden; im Himmel ist auch das Lamm. Vgl. Stöckhardt, a.a.O., S. 55

176 vgl. White, a.a.O., S. 119

177 vgl. Poellot, a.a.O., s. 180 f.

178 vgl. Gößwein, a.a.O., S. 206;  Poellot, a.a.O., S. 183; Notes …, a.a.O., S. 61; White, a.a.O., S. 120

179 vgl. Stöckhardt, a.a.O., S. 57; Gößwein, a.a.O., S. 206 f.; Peters, a.a.O., S. 252-255;  Poellot, a.a.., S. 186 f.

180 vgl. Notes …, a.a.O., S. 63; White, a.a.O., S. 123 f.

181 vgl. Fürbringer, a.a.O., S. 31; Peters, a.a.O., S. 255; Poellot, a.a.O., S. 187 f.

182 vgl. White, a.a.O., S. 125

183 Es wäre völlig falsch, wenn man die drei Engel mit speziellen Individuen der Kirchengeschichte identifizieren wollte, wie es zuweilen geschehen ist. Sie sind vielmehr Teil des Gesamtbildes, das der Heilige Geist hier zeichnet, das besagt, dass das Evangelium auch in der Zeit des Antichristen noch gepredigt wird allen Völkern. Vgl. Stöckhardt, a.a.O.;  Fürbringer, ebd.

184 vgl. Gößwein, a.a.O., S. 210 f.

186 vgl. Notes …, a.a.O. S. 63

187 vgl. ebd., S. 64; White, a.a.O., S. 126

188 vgl. White, a.a.O., S. 127

189 vgl. Notes …, a.a.O.

190 vgl. ebd.

191 vgl. Gößwein, a.a.O., S. 214 f.; White, a.a.O.

192 vgl. Notes …, a.a.O., S. 65

193 vgl. White, a.a.O., S. 128

194 Es ist ganz eindeutig durch die Aussagen des Textes, dass es sich hier um das Endgericht handelt und nicht um ein diesem vorausgehendes Gericht, wie einige Chiliasten meinen, die zugeben müssen, dass die angegebenen Maße nicht auf Israel angewandt werden können, weil Israel viel kleiner ist, und die Chiliasten ja meinen, dass die letzte Schlacht eine irdische auf dem Boden Israels sei. Vgl. Stöckhardt, a.a.O., S. 59; Gößwein, a.a.O., S. 215 f.; Peters, a.a.O., S. 264 f.; Notes …, a.a.O.; White, a.a.O., S. 129

195 vgl. Gößwein, a.a.O., S. 217; White, a.a.O., S. 130

196 vgl. Notes …, a.a.O., S. 66

197 vgl. Poellot, a.a.O., S. 199 f.

198 vgl. Poellot., a.a.O., S. 201

199 vgl. Notes …, a.a.O., S. 67

200 vgl. ebd.

201 vgl. Stöckhardt, a.a.O., S. 61; Peters, a.a.O., S. 269; Poellot, a.a.O., S. 203

202 vgl. White, a.a.O., S. 132 f.

202 vgl. Fürbringer, a.a.O., S. 33

203 vgl. Poellot, a.a.O., S. 203 f.; Notes …, a.a.O., S. 68; White, a.a.O., S. 133

204 vgl. Notes …, a.a.O., S. 68 f.; White, a.a.O., S. 135

205 vgl. Stöckhardt, a.a.O., S. 61 f.

206 vgl. Poellot, a.a.O.,  S. 205 f.

207 vgl. Poellot, a.a.O., S. 206; White, a.a.O.

208 vgl. Peters, a.a.O., S. 273.274; White, a.a.O., s. 135 f.; Poellot, a.a.O., S. 206 f.: Hier liegt eine Intensivierung und Ausweitung der ersten Plage vor. Hier zeigt sich, dass das Antichristliche nur Tod und Verderben bringt, dem Niedergang geweiht ist.

209 vgl. White, a.a.O., S. 136; Poellot, a.a.O., S. 207. Solcher Niedergang zeigt sich u.a. in Geburtenbeschränkung, Abtreibung, Scheidung, Homosexualität, Euthanasie, Emanzipationismus, Sexismus, Gender Mainstream, Relativierung der absoluten Wahrheit und der damit verbundenen Ordnungen.

210 vgl. Stöckhardt, a.a.O., S. 62

211 vgl. Carl Manthey-Zorn: Die Offenbarung St. Johannis. Zwickau i. S.: Johannes Herrmann. 1910. S. 227-237; Poellot, a.a.O., S. 206-214; White, a.a.O., S. 137

212 vgl. Stöckhardt, a.a.O., S. 63; Peters, a.a.O., S. 276; Poellot, a.a.O., S. 209 f.

213 vgl. Notes …, a.a.O., S. 70

214 vgl. Poellot, a.a.O., S. 211

215 vgl. Gößwein, a.a.O., S. 228 f.; Manthey-Zorn, a.a.O., S. 239-241; Poellot, a.a.O., S. 211-214

216 vgl. White, a.a.O., S. 139

217 vgl. White, a.a.O., S. 138.139 f.

218 vgl. Gößwein, a.a.O., S. 232; Notes …, a.a.O., S. 71

219 vgl. White, a.a.O. S. 142 f.

220 Die Aussagen der Verse 17-21 machen es deutlich, dass diese Plage nicht nur über den Antichristen geht, es nicht ein Gericht für den Antichristen gibt, losgelöst vom Jüngsten Gericht (wie die Chiliasten behaupten, die danach ihr „Tausendjähriges Reich“ ansetzen wollen), sondern dass dies hier beschriebene Gericht tatsächlich der Jüngste Tag ist, der alle betrifft, den Antichristen wie alle Menschen auf Erden. Vgl. Stöckhardt, a.a.O., S. 65. Wenn Poellot S. 216 schreibt, dass sich die Ereignisse nicht auf den letzten Tag bezögen, so widerspricht er V. 15 und sich selbst, weil er auf S. 213 f. zugibt, dass es sich um das letzte Gericht handelt. Dass dem so ist, unterstreicht auch Kretzmann, a.a.O., S. 637 f.

221 vgl. Stöckhardt, a.a.O., S. 66; Notes …, a.a.O., S. 73; White, a.a.O., S. 144

222 vgl. White, a.a.O.

223 vgl. Adolf Pohl. Die Offenbarung des Johannes. 2. Teil. Wuppertal: R. Brockhaus Verlag. 7. Aufl. 1985. (Wuppertaler Studienbibel. Reihe: Neues Testament.) S. 197; Gößwein, a.a.O., S. 234; Notes …, a.a.O., S. 73

224 vgl. Pohl, a.a.O., ebd.; Poellet, a.a.O., S. 218

225 vgl. Notes …, a.a.O.; White, a.a.O., S. 145

226 vgl. Fürbringer, a.a.O.; Notes …, a.a.O.; White, a.a.O.

227 vgl. Poellot, a.a.O., S. 219; White, a.a.O., S. 146

228 vgl. Notes …, a.a.O., S. 74; White, a.a.O.

229 vgl. Fürbringer, a.a.O.; Stöckhardt, a.a.O., S. 68; White, a.a.O., s. 146 f.

230 vgl. Fürbringer, ebd.; Stöckhardt, a.a.O., S. 66.68.; White, a.a.O., S. 147 f. Der Missbrauchsskandal, der 2010 die römisch-katholische Kirche in der Bundesrepublik Deutschland erschüttert hat, wie ähnliche Skandale zuvor schon diejenige in Irland, den USA, zeigt nur etwas an von der Unmoral, die unter dem Deckmantel einer strengen Sexualmoral tatsächlich in Rom herrscht, nicht zuletzt gefördert durch den antichristlichen Zölibat und die Männerbündelei, was ihrerseits wieder dem Greuel der Homosexualität Vorschub leistet – und sich u.a. im Missbrauch von Kindern auslebte. Aber diese Unmoral ist ja nicht auf die römisch-katholische Kirche beschränkt, sondern, wie die 68er Bewegung zeigt, in vielen Bereichen der Gesellschaft etabliert. Gerade die 68er und ihre Gefolgsleute, wie die Grünen und die Humanistische Union, haben ja z.B. die Freigabe der Pädophilie, also des sexuellen Umganges mit Kindern, gefordert, wie auch der Homosexualität.

    Dass nicht das geographische Babylon gemeint sein kann geht allein schon aus der Tatsache hervor, dass es zur Zeit des Johannes schon etliche Jahrhunderte gar nicht mehr existierte und erst in der Neuzeit wieder ausgegraben wurde.

231 vgl. Stöckhardt, a.a.O., S. 67

232 vgl. Pohl, a.a.O., S. 200 f. Gerade im 20. und noch mehr im 21. Jahrhundert zeigt sich der antichristliche Charakter der Weltmächte wieder sehr klar, wie zuvor schon im Römerreich: Sie sind völlig losgelöst von geistlichen Bindungen und muss notwendig mit denen in Konflikt geraten, die Christus, sein Wort, seine Ordnungen und Gebote proklamieren und sich absondern von der Lebensart der Welt. Es ist daher immer äußerst bedenklich und ein klares Zeichen des Abfalls, wenn die Gemeinde Jesu Christi meint, sich an die Welt anpassen zu müssen, meint „weltlich“ werden zu müssen, die Welt zu prägen, kulturrelevant zu sein, wie dies in der Gemeindewachstumsbewegung und vor allem nun der Emerging Church ausgegeben wird.

233 vgl. Kretzmann, a.a.O., S. 639

234 vgl. White, a.a.O., S. 149

235 vgl. Kretzmann, a.a.O., ebd.

236 vgl. Peters, a.a.O., S. 290. Das Schwergewicht liegt aber auf der ersten Aussage. Sie kann auch weiter ausgezogen werden in der Art, dass die antichristliche weltliche Macht bleiben wird bis zum Jüngsten Tag, auch wenn zeitweilig es so aussah, als sei der Staat christianisiert. Vgl. auch Gößwein, a.a.O., S. 239

237 vgl. Pohl., a.a.O., S. 207; Poellet, a.a.O., S. 223; White, a.a.O., S. 150

238 vgl. Kretzmann, ebd. Die Siebenzahl deutet zwar einerseits auf die Vollzahl der Weltmächte an sich hin, die aber sich in konkreten Mächten ausdrücken, wobei alle Mächte, die seit der Antike auftreten, letztlich im Gefolge Roms sind, deshalb mit ihm in eins gesehen werden (s.a. das faktisch weltweit herrschende römische Recht). Poellet greift daher zu kurz, wenn er die Zahl rein symbolisch; auch Kretzmann, wenn er in dem siebten Reich nur das christianisierte Rom sieht. Vgl auch White, a.a.O.

239 vgl. Gößwein, a.a.O., ebd.

240 vgl. Kretzmann, a.a.O., ebd.; Gößwein, a.a.O., ebd.

241 vgl. White, a.a.O., S. 151

242 vgl. Pohl, a.a.O., S. 214 Auch diese Macht ist nur „empfangen“. Gott hat auch das alles unter seiner Kontrolle. Er ist der wahre HERR aller Geschichte. Vgl. auch White, a.a.O.

243 vgl. Gößwein, a.a.O., S. 240 f.

244 vgl. Pohl, a.a.O., ebd.

245 vgl. Notes …, a.a.O., S. 77

246 vgl. Pohl, a.a.O., S. 216; Notes …, a.a.O., S. 77

247 vgl. White, a.a.O., S. 152

248 So z. B. in Bismarcks Kirchenkampf, in Mexiko in den 1920er , in Spanien in den 1930er Jahren, teilweise auch schon im 19. Jahrhundert (Ende des alten Kirchenstaates), in Frankreich um die Wende vom 19. zum 20. Jahrhundert (wiewohl diese Angriffe nicht nur Rom an sich im Blickfeld hatten, sondern vielfach auch dem Christentum insgesamt galten). Die Weltmächte sind sich mit Rom einig in der Feindschaft gegen die Gemeinde Jesu Christi, aber letztlich sehen sie auch im Papsttum eine religiöse Macht, gegen die sie sich wenden, um nicht eingeschränkt zu sein. Aber auch darin müssen sie als Gottes Werkzeuge handeln, V. 17.

249 vgl. Notes …, a.a.O.

250 vgl. Manthey-Zorn, a.a.O., S. 272 f.

251 vgl. White, a.a.O., S. 154

252 So, wie der Engel beschrieben wird, dass er große Macht hat, dass die Erde von seiner Klarheit erleuchtet wird, dass er aus Macht mit großer Stimme schreit, all das lässt sehr stark vermuten, dass dieser Engel, der hier auch sehr dem „Engel des HERRN“ im Alten Bund gleicht, Jesus Christus, der HERR, selbst ist. Vgl. White, a.a.O.

253 vgl. Kretzmann, a.a.O., S. 641; Notes …, a.a.O., S. 78. Dass, besonders seit den 1920er Jahren, die aus der Reformation entstandenen evangelischen Kirchen in der Ökumene die Verbindung mit der römischen Kirche suchen, ist ein Zeichen geistlicher Blindheit und des Abfalls von der biblisch-reformatorischen Wahrheit und eindeutig gegen die Forderung des HERRN in V. 4 gerichtet. Auch die Mitgliedschaft lutherischer Kirchen in der Arbeitsgemeinschaft Christlicher Kirchen (ACK) wie die Annahme der Charta oecumenica sind damit Akte des Ungehorsams gegen Gott selbst.

254 vgl. Gößwein, a.a.O., S. 246; Poellot, a.a.O., S. 231

255 vgl. Gößwein, a.a.O., S. 246 f.; Notes …, a.a.O., S. 79

256 vgl. Pohl, a.a.O., S. 228 f.; Kretzmann, a.a.O., S. 642 f.; Gößwein, a.a.O., S. 248-251

257 Dass diese Darstellung hier eine bildhafte sei, bei der es um den Fall Babylons, der antichristlichen Macht, am Jüngsten Tag gehe, und daher diejenigen, die mit dem Antichristen paktiert haben, keine Zeit mehr haben, ihn zu betrauern, sondern mit ihm in den Abgrund gerissen werden, wie Stöckhardt dieses Kapitel auslegt, dem kann ich nicht zustimmen und folge hier der Darlegung bei Peters, Kretzmann und Pohl. vgl. Stöckhardt, a.a.O., S. 74; Kretzmann, a.a.O., S. 641-644; Pohl, a.a.O., S. 219-241; Peters, a.a.O., S. 299-311

258 Der Begriff „ischyros“ = mächtig für den Engel wird als Eigenschaft nur für Gott im Himmel verwendet, s.a. 18,2. Das deutet an, das wohl auch hier mit diesem „mächtigen Engel“ wiederum Christus gemeint ist. Vgl. White, a.a.O., S. 164

259 vgl. Peters, a.a.O., S. 310; für die Verse 21-24: Notes …, a.a.O. S. 81

260 vgl. Kretzmann, a.a.O., S. 643 f.

261 vgl. Kretzmann, a.a.O., S. 644 f.; Peters, a.a.O., S. 310-317; Gößwein, a.a.O., S. 255-259; Poellot, a.a.O., S. 240; White, a.a.O., S. 174

262 vgl. Poellot, ebd.

263 vgl. Notes …, a.a.O., S. 81

264 vgl. Notes …, a.a.O., S. 82

265 vgl. ebd. S. 83

266 vgl. Poellot, a.a.O., S. 244

267 vgl. Gößwein, a.a.O., ebd.

268 vgl. Stöckhardt, a.a.O., S. 78; Gößwein, a.a.O., S. 259 f.; Notes …, a.a.O., S. 85; White, a.a.O.

269 vgl. Poellot, a.a.O., S. 250

270 vgl. Notes …, a.a.O.

271 Es widerspricht der Lehre der Schrift, wie wir sie auch an anderen Stellen finden, etwa Matth. 24-25, wenn die Chiliasten behaupten, hier werde vom Gericht über den Antichristen bei einem ersten Kommen Christi gesprochen, danach komme dann ein tausendjähriges Friedensreich und erst danach der Jüngste Tag. Die Schrift kennt keine zwei Gerichtstage. Außerdem wird hier, Kap. 19, nicht gesagt, dass das Gericht nur den Antichristen beträfe, sondern es wird als ein universelles Gericht dargestellt, wie es etwa V. 15 und 16 deutlich machen. Das Gericht geht, V. 18, über die Kleinen und Großen. V. 21 heißt es, nachdem der Antichrist in den feurigen Pfuhl geworfen wurde, dass die „anderen“ gerichtet wurden. All das macht deutlich: Hier ist vom Jüngsten Gericht die Rede. Vgl. Stöckhardt, a.a.O., S. 79; Gößwein, a.a.O., S. 260-264; Notes …, a.a.O., S. 87 f.; White, a.a.O., S. 178 f.

272 Der gesamte Abschnitt ist ein bildhafter Abschnitt (Begriffe wie Kette, Abgrund, Drache, Schlange, verschlossen, versiegelt, Tier). Es ist eine hermeneutisch falsche Herangehensweise an bildhafte Rede, wenn versucht wird (z.B. Dr. Lothar Gassmann), die Gesamtheit des Bildes aufzulösen und jede Einzeldarstellung völlig für sich zu betrachten und nur in soweit aufzulösen, als es vernünftig (!) notwendig erscheint. Dadurch wird die Einheit des Bildes mit seiner einheitlichen Aussage überhaupt nicht erfasst und auch die Analogie des Glaubens nicht berücksichtigt. Offenb. 20 folgt auch nicht chronologisch auf Offenb. 19, wie von den Chiliasten immer wieder behauptet. (s.a. Anm. 220) Es steht in Parallele zu Kap. 12.

273 vgl. White, a.a.O., S. 185

274 vgl. Peters, a.a.O., S. 325

275 Die Zahl 1000 ist eine feste Zahl, eine Zahl der Vollständigkeit, 10x10x10, und zeigt eine lange Periode an. Es ist falsch, diese Zahl wörtlich zu nehmen und dann eine bestimmte Periode der Kirchengeschichte damit zu identifizieren. Sie hat begonnen mit Pfingsten und beschreibt eine Zeit, in der Gott große Geduld hat und um die Bekehrung der Menschen ringt. Es ist nicht ausgeschlossen, dass die Ereignisse um die französische und russische Revolution mit ihren Folgen sowie die Globalisierung Kennzeichen sind, dass inzwischen die „kleine Zeit“ begonnen hat, in der Satan wieder los ist – jetzt nicht mehr regional gegen die Gemeinde wütet, sondern weltweit. Vgl. auch Peters, a.a.O., S. 327 f.

    Gößwein (a.a.O., S. 267-273) hat zwar ganz recht, wenn er die tausend Jahre beginnen lässt mit dem ersten Pfingsten, aber er irrt in sofern, dass er sie wörtlich nimmt auf das erste Jahrtausend und dann die Zeit bis zur Reformation als die 42 Monate oder drei Zeiten und eine halbe Zeit interpretiert und dass nun nur noch die Stunde der Versuchung ausstehe. Nein, die tausend Jahre meinen die gesamte neutestamentliche Zeit, abzüglich der kleinen Zeit, vgl. auch Poellot, a.a.O., S. 256. Das Wüten des Antichristen in seiner furchtbarsten Weise steht noch aus, nämlich findet in der kleinen Zeit statt, von der Christus Matth. 24 sagt, dass, wenn sie nicht verkürzt würde, niemand selig würde.

276 vgl. Notes …, a.a.O., S. 91; White, a.a.O., S. 186-188

277 Die Chiliasten (Prämillenialisten) behaupten ja, dass Christus auf Erden mit den nach ihrer Meinung leiblich auferstandenen Märtyrern und der Gemeinde regieren würde. Es ist auch gegen die Lehre der Schrift, eine doppelte Wiederkunft Christi zu erwarten, s. 1. Petr. 4,5-7; Hebr. 9,27.28. Die Bibel kennt insgesamt nur zwei Kommen Christi, dasjenige als Baby in Bethlehem und dasjenige als der HERR in Herrlichkeit am Jüngsten Tag. Vgl. Fürbringer, a.a.O., S. 34 f.; Stöckhardt, a.a.O., S. 80 f.; Peters, a.a.O., S. 332

278 Es widerspricht der Lehre der Schrift, wenn von einer besonderen Friedenszeit (Tausendjähriges Reich) der Gemeinde Jesu Christi auf Erden gesprochen wird, s. Matth. 24,25; Luk. 21; Apg. 14,22. Vielmehr ist es der Gemeinde vorhergesagt, dass sie bis zum Ende, bis zum Jüngsten Tag, Not und Verfolgung erleiden muss. Die Hoffnung der Gemeinde Jesu Christi geht nicht auf ein irdisches Friedensreich, sondern auf die ewige Herrlichkeit! Vgl. auch Stöckhardt, a.a.O., S. 82; Peters a.a.O., S. 332-334: Es handelt sich um ein geistliches Leben und Regieren; denn Seelen leben natürlicherweise ewig, nicht nur zeitlich begrenzt. Darum können auch nur die geistlich wiedergeborenen Seelen daran teilnehmen, nicht die geistlich toten. Es heißt hier übrigens auch nicht von den Seelen, dass sie „lebendig wurden“ (wie die Chiliasten hineininterpretieren), sondern dass sie „lebten“. Vgl. auch Notes …, a.a.O., S. 92; White a.a.O:, S. 187 ff.

279 vgl. White, a.a.O., S. 189

280 Ich stimme hier nicht Fürbringers und Stöckhardts Auslegung zu, die meinen, die „erste Auferstehung“ sei eine geistliche Auferstehung, die mit dem leiblichen Tod stattfinde; dafür gibt es keinerlei Schriftgrund. Vgl. Fürbringer, a.a.O., S. 35; Stöckhardt, a.a.O., S. 82 f. Demgegenüber Peters, dem ich hier folge, a.a.O., S. 332 f.; 337-347; Notes …, a.a.O., S. 93; White, a.a.O., S. 191-193

281 vgl. Peters, a.a.O., S. 345 f.; Poellot, a.a.O., S. 263 f.: Die anderen Seligpreisungen: Offenb. 1,3; 14,13; 16,15; 19,9; 22,7.14.

282 vgl. Notes …, a.a.O., S. 96. Die Anzeichen sind sehr deutlich, dass dieser Abfall immer mehr um sich greift, zumindest in dem Bereich was die „westliche“ Christenheit ausmacht, die aber auch viel Einfluss auf die anderen Erdteile hat.

283 Wer ist mit Gog und Magog gemeint? Er umschreibt die Gesamtheit der Feinde der Gemeinde Jesu Christi, die Heiden, und zwar gerade die säkularen Feinde (weltliche antichristliche Macht), wie sie sich seit der Aufklärung und französischen Revolution mehr und  mehr sammeln, besonders seit 1917 ihr Haupt frech erheben und immer mehr auch die öffentliche Meinung besetzen, wie dies gerade mit der sogenannten 68er Generation der Fall ist. Seither haben wir auch im sogenannten „Westen“ eine immer weiter um sich greifende Entchristianisierung des öffentlichen Lebens. Dies wird auch deutlich in dem Urteil zu Kreuzen in Schulen vom Bundesverfassungsgericht, in der von der niedersächsischen Sozialministerin Özkan 2010 hervorgerufenen Debatte über Kreuze in öffentlichen Gebäuden, den sehr entsprechenden Ereignissen in Großbritannien (Vorgehen gegen Mitarbeiter, die Kreuze an Ketten tragen bei British Airways und in Krankenhäusern) und in dem Versuch eines Gerichts in Wisconsin, den Amerikanischen Nationalen Gebetstag zu kippen.

284 vgl. Notes …, a.a.O., S. 95. Die „geliebte Stadt“, Jerusalem, der Berg Zion, die Stadt Gottes bei Hesekiel, sie alle stehen für das geistliche Israel, die Gemeinde Christi.

285 Manthey-Zorn, a.a.O., S. 316

286 vgl. Manthey-Zorn, a.a.O., S. 315 f.

287 vgl. Notes …, a.a.O.,

288 Im griechischen Text steht hier kein Verb, d.h. aus dem griechischen Text ist nicht abzuleiten, dass das Tier und der falsche Prophet dort „war“ oder „ist“. Sie werden im Angesicht des Teufels in den feurigen Pfuhl geworfen, wovon Kap. 19 berichtet, das auf diese Seite den Schwerpunkt legt. Dann kommt der Teufel selbst hinein. Es sind bestenfalls Momente, die dazwischen liegen, keine Zeiträume. Kap. 20 legt auf die endgültige Überwindung des Teufels den Schwerpunkt. Vgl. Gößwein, a.a.O., S. 283 f.

289 vgl. Notes …, a.a.O., S. 96 f.; White, a.a.O., S. 197

290 vgl. Notes …, a.a.O., S. 97; White, a.a.O., S. 199

291 vgl. Peters, a.a.O., S. 356

292 vgl. Gößwein, a.a.O., S. 287 f.; White, a.a.O., S. 202

293 vgl. White, a.a.O.

294 vgl. Gößwein, a.a.O., S. 292

295 vgl. White, a.a.O., S. 209

296 vgl. Fürbringer, a.a.O., S. 37; Stöckhardt, a.a.O., S. 85 f.; Gößwein, a.a.O., S. 293 f.

297 Die großen und hohen Mauern weisen hin auf die vollkommene Sicherheit im neuen Jerusalem. Die immer wiederkehrende Zahl 12 weist auf die Vollkommenheit hin: Das neue Jerusalem steht für die ewige Vollkommenheit. Vgl. Fürbringer, ebd.; Gößwein, a.a.O., S. 294 f.

298 vgl. Beale, S. 1061, in: White, a.a.O., S. 210

299 vgl. White, a.a.O.

300 vgl. Gößwein, a.a.O., S. 296; White, a.a.O., S. 213

301 vgl. Gößwein, a.a.O., S. 296-298

302 vgl. Fürbringer, ebd.; Stöckhardt, a.a.O., S. 89; Gößwein, a.a.O., S. 298-301. Jes. 60,1-6 ist hier vollkommen erfüllt. Vgl. Notes …, a.a.O., S. 103

303 vgl. Stöckhardt, a.a.O., S. 90; Gößwein, a.a.O., S. 301 f.; Poellot, a.a.O., S. 289 f.; Notes …, a.a.O., S. 104. Hesekiel spricht in den Bildern oder Formen des Alten Testaments, daher vom Tempel.

304 vgl. Poellot, a.a.O., S. 290. Der Baum des Lebens taucht des Öfteren im Alten Testament auf, s.a. Sopr. 3,18; 11,30; 13,12; Hes. 47,1-12. Vgl. Notes …, a.a.O. Der Begriff, der hier für “Holz” im Griechischen steht, xylon, wird in den Evangelien nicht für lebendiges Holz verwendet, sondern durchgehend für das Kreuz (Matth. 26,47; Mark. 14,43; Apg. 5,30; 10,39; 13.29. auch Gal. 3,13; 1. Petr. 2,24). Dass Johannes ihn hier für das Holz oder den Baum des Lebens verwendet macht deutlich, dass wir Zugang zu diesem Baum des Lebens und damit ewiges Leben allein durch das Kreuz haben. Vgl. White, a.a.O., S. 219

305 vgl. Gößwein, a.a.O., S. 303 f.; Poellot, a.a.O., S. 291 f. Dass hier der Vater und das Lamm (Jesus Christus) auf dem Thron sitzen, unterstreicht die wahre Gottheit und Wesenseinheit von Vater und Sohn. Diese Einheit ist so stark, dass es danach heißt, “seine” Knechte (Sklaven) warden “ihm” dienen  (nicht “ihre” … “ihnen”). Vgl. Notes …, a.a.O., S. 105

306 vgl. Lenski, S. 655, in: White, a.a.O., S. 221

307 vgl. Notes …, a.a.O., S. 106

308 vgl. Gößwein, a.a.O., S. 306

309 vgl. Gößwein, a.a.O., S. 308

310 vgl. Notes …, a.a.O., S. 107-109

311 vgl. Notes …, a.a.O., S. 110

312 Die Bibelausgaben, die sich an den Textus receptus anlehnen, haben in V. 19 abtun vom „Buch des Lebens“ in Anlehnung an die Ausgabe des griechischen NT durch Erasmus. Erasmus hatte aber bei seiner Erstausgabe gar keinen griechischen Text vorliegen für diesen Abschnitt, sondern übersetzte aus dem Lateinischen zurück ins Griechische. Es gibt keinen griechischen Text, der „Buch“ bestätigt, sondern sie haben alle „Holz“, wie es oben auch wiedergegeben wurde.